This discussion forum is open to comments on Hans-Werner Sinn’s publications and press statements. You can also post questions to Prof. Sinn on particular issues. The discussion forum was launched at the end of 2003 after publication of "Ist Deutschland noch zu retten?".
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Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für die Schule erstelle ich zurzeit ein Referat über die Eurokrise und die strukturellen Defizite in den Krisenstaaten (Leistungsbilanzdefizite usw.). Dabei bin ich auch auf Ihre zu den Target 2 Salden gestoßen. Eine Frage, die mir auch nach dem Lesen von ca. 100 Seiten Zeitungsartikeln unklar geblieben ist, ob diese Forderungen verzinst werden? Dies würde ja eher in die Definition eines klassischen Kredites fallen und nicht nur einer einfachen Buchungsoperation. Daher meine Frage: Werden diese Target 2 Forderungen verzinst? Falls ja: Wie wird der Zinssatz dieser Forderungen bestimmt? Falls Nein: Wo liegt das Interesse der Länder mit positiven Target 2 Beträgen, diese zu halten und nichts am System zu ändern? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Sehr geehrter Herr H., die Target-Kredite werden zum jeweiligen Hauptrefinanzierungssatz (derzeit 1%) verzinst. Die Zinsen werden jährlich den Beständen zugeschlagen und in das kommende Jahr übertragen. Die Zinsen sind irrelevant, solange alle Staaten des Eurosystems solvent bleiben, weil Zinslasten und Zinseinnahmen zwischen den Notenbanken nach ihren Kapitalschlüsseln umverteilt werden. Sie spielen aber eine Rolle, sofern ein Staat in die Insolvenz geht oder aus dem Eurosystem austritt, weil sie dann in die Gesamtmenge der Restforderungen gegen diesen Staat eingehen. Mehr Informationen können Sie der Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes entnehmen: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1215973.PDF. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Unter http://www.ideastv.de/broadcast/active/ können Sie das Interview "Bringt Griechenland die Währungsunion zu Fall?" mit Dr. Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, und darunter oder über http://dl.tfiles.edge-cdn.net/17r7hj3.3cg/Skript_ideasTV_15052012.pdf das Sendeskript abrufen, in dem über Target-Salden und die aus Sicht der Commerzbank weitere Entwicklung gesprochen wird. Teilen Sie die im Sendeskript vermutete weitere Entwicklung bezüglich des zukünftigen Verhaltens der EZB und der Regierungschefs? Ein Zitat aus dem Artikel http://www.querschuesse.de/banco-de-espana-target2-mit-284594-mrd-euro-im-april/ "Aber die Daten verbergen noch eine enorme Brisanz, denn unglaubliche 68,9%, nach 62,9% im Vormonat, der gesamten Nettoforderungen des gesamten Eurosystems (Kreditgewährung aus den geldpolitischen Operationen minus Einlagefazilität) bestanden im April 2012 nur gegenüber spanischen Banken..." Wie lange kann es gut gehen, bis dass ein Moratorium über Spanien verhängt werden muss? Zitat aus dem Artikel "Appetiser cost of Greek exit is €155bn for Germany, France: trillions for meat course": "Eric Dor's team at the IESEG School of Management in Lille has put together a table on the direct costs to Germany and France if Greece is pushed out of the euro...They conclude: The total losses could reach €66.4bn for France and €89.8bn for Germany. These are upper bounds, but even in the case of a partial default, the losses would be huge. Assuming that the new national currency would depreciate by 50 per cent against the euro, which is realistic, the losses for French banks would reach €19.8bn. They would reach €4.5bn for German banks." Quelle des Artikels: http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100017148/appetiser-cost-of-greek-exit-is-e155bn-for-germany-france-trillions-for-meat-course/ Sind die vom Eric Dor´s Team genannten Zahlen realistisch? Ich hörte von Prof. Ansgar Belke, dass Sie mit ihm am 18.05. über Ihre Thesen diskutieren werden. Wird es über diese Diskussion ein Ergebnispapier geben, und wo werde ich es einsehen können? Weiterhin interessant: http://www.querschuesse.de/griechenland/ http://www.querschuesse.de/querschuesse-artikel/
Sehr geehrter Herr Schlüter, derzeit erhält Prof. Sinn eine Vielzahl an Zuschriften. Damit alle beantwortet werden können, hat Prof. Sinn mich gebeten, ihn zu unterstützen. Wie sich die EZB in Zukunft verhalten wird, ist schwer zu beurteilen. Allerdings ist klar, dass die bisherigen Maßnahmen der EZB, um wieder Vertrauen zu schaffen und den Interbankenmarkt wieder herzustellen, nicht besonders erfolgreich waren. Zu der Frage, was aus Spanien wird, möchte ich auf folgenden Artikel von Prof. Sinn hinweisen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp134.htm. Man kann wohl mit Sicherheit sagen, dass die Krise noch längst nicht vorbei ist. Zumal nun auch Frankreich anfängt zu wackeln. Zu Ihrer letzten Frage: Nach Berechnungen des ifo Instituts hat die Rettung Griechenlands uns bislang bereits 80 Milliarden Euro gekostet. In diesem Zusammenhang könnte Sie die neueste ifo Studie zum „Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion“ interessieren: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifostudie-201205-Austritt_Griechenlands_aus_EWU.pdf. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich hörte Ihren sehr beachtenswerten Januar-Vortrag in der Uni Düsseldorf. Sehr lehrreich, sehr plausibel und SEHR NÖTIG! Ihr entsprechendes Buch habe ich inzwischen gekauft. Eine Frage dazu erlaube ich mir: Sie kritisieren die Ausgestaltung der Klimapolitik und deren Paradoxien völlig zu Recht. Dabei gehen Sie davon aus, daß der CO2-Treibhauseffekt und die CO2-Begrenzung richtige Ziele sind. Nun ist es aber höchst unsicher, ob die Treibhausthese überhaupt bewiesen ist. Denn neben den offiziellen Studien (IPCC etc) gibt es eine tausende Wissenschaftler, Studien und Veröffentlichungen, die die Auswirkung des CO2 auf das Klima als nichtig oder als gar nicht existent ansehen. So ergab eine Studie von Professor Kepplinger, Mainz unter den ca 250 deutschen Klimaprofessoren, daß etwa 80% die wissenschaftlichen Grundlagen zur Berechnung des Klimas als nicht gegeben ansehen. Außerdem sieht jeder, daß es keinerlei Anzeichen für eine globale Erwärmung gibt: die Inseln versinken nicht, die Antarktis sammelt immer mehr Eis an, seit 12 Jahren steigt die Temperatur nicht mehr, und den IPCC-Trick, die Temperaturkurven erst 1850 starten zu lassen, haben inzwischen alle durchschaut. So habe ich mich gefragt, warum Sie angesichts dieser enormen Unsicherheit der Treibhaustheorie dennoch so fest von deren Richtigkeit ausgehen. Was also die Gründe für Ihre so eindeutige Entscheidung FÜR die Treibhausthese sind. Mir ist bewusst, daß Ihr Hauptanliegen die Kritik an den Klimaschutz-Maßnahmen ist. Ebenso klar ist mir, daß Sie als Nicht-Klimaforscher, eine eher intuitive Entscheidung treffen müssen. Und gerade deswegen frage ich nach den Gründen die Eindeutigkeit Ihrer Positionsnahme. Ich glaube, daß alle Aussagen Ihres Buches ihren Bestand behielten, wenn Sie die fragliche Entscheidung offen ließen. Und Sie hätten dadurch noch einen weiteren einschneidenden Kritikpunkt an der deutschen Klimapolitik: nämlich den, daß die deutsche Politik Entscheidungen über viele Milliarden unseres knappen Geldes auf diesem äußerst unsicherem Boden und ohne Not fällt. Für Ihre Antwort danke ich Ihnen im Voraus sehr. Mit freundlichen Grüßen Ihr JH
Sehr geehrter Herr H., die Information, die Sie mir über Kepplingers Studie geben, überrascht mich ehrlicherweise. Meine Wahrnehmung war bisher eine ganz andere, dass nämlich (gefühlte, zugegeben) 80%, ja 90%, der weltweit dazu publizierten Studien in den einschlägigen Fachzeitschriften den anthropogenen Treibhauseffekt für erwiesen halten. Deswegen habe ich als Fachfremder den Mainstream übernehmen wollen. Aber gut, die Studie, die Sie erwähnen, wäre ein Argument, auch wenn ich noch nicht ganz sehe, wie man solche Meinungen der publizierten Fachwissenschaft entgegen halten kann. Könnten Sie mir die Studie Kepplingers zukommen lassen bzw. mir die Referenz schicken, dass ich mir die Studie besorge? Ich habe mich mit der Kritik in der neue Fassung meines Buches, die im Februar herauskommt, ausführlich auseinander gesetzt und insbesondere die Spektralmessung vom Weltall auf die Erde berücksichtigt. Das schien mir sehr überzeugend zu sein. Auch natürlich die Eiskernbohrungen am Südpol. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Nachtrag zum Vortrag bei dem Insitut für Staatswissenschaft - Universität Hannover - Europäische Zahlungsunion Sehr geehrter Herrr Prof. Dr. Sinn, im Anschluss an Ihren sehr interessanten Vortrag bei dem Institut für Staatswissenschaft an der Universität Hannover hatte ich Sie kurz auf die Europäische Zahlungsunion (EZU) angesprochen. Sie schlugen mir vor, Ihnen Näheres zur EZU zu schreiben. Sie hatten mit Ihrer Einschätzung recht, dass auch die EZU über Kredite funktionierte. Im Ergebnis dürften einige Aspekte mit Ihrem zweiten, amerikanischen Modell übereinstimmen. Gleichwohl bin ich der Ansicht, dass insbesondere der Umstand, dass die Kredite zu einem Teil nicht ausgeglichen wurden, einen interessanten Ausgleichsmechanismus beschreiben. Ausgangspunkt für meinen Hinweis auf die EZU war die Lektüre der Biografie von Ludwig Ehrhard, Ein Politikerleben von Volker Hentschel, S. 133. Hierin heißt es: „Die Teilnehmer an der Europäischen Zahlungsunion, so nannte man das nützliche Ding und kürzte es in Deutschland EZU ab, räumten sich gegenseitig umfänglich-multilateralen Kredit ein. Das ging so: Monatliche Gesamtüberschüsse begründeten Forderungen an die Zahlungsunion, Gesamtdefizite begründeten hingegen Verbindlichkeiten gegen die Zahlungsunion. Die Verbindlichkeiten mussten nun in gewissen Grenzen gar nicht und jenseits der Grenzen nur zum Teil beglichen werden. Den anderen Teil bekam der Schuldner längerfristig kreditiert. So wie es eine gemeinsame Rechnungseinheit gab, so gab es auch eine gemeinsame Zahlungseinheit, ebenfalls den Dollar, ersatzweise Gold. Je mehr ein Defizit über die Monate hinweg anschwoll, um so geringer wurde der Kreditanteil. Das sollte den Schuldner dazu veranlassen, mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen gegen die inneren Ursachen ihrer Defizite anzugehen. Von einem vertraglich vereinbarten Punkt an mussten zusätzliche Defizite vollständig in Dollar gedeckt werden. Der Punkt hieß Quote. Wenn die Quote erschöpft war, hatten Schuldner-Länder 60 % ihres kumulierten Defizits von der Gesamtheit der anderen Länder kreditiert bekommen und 40 % durch Gold- oder Dollarzahlungen an die Union ausgeglichen. Mitglieder, die ihren Dollarzahlungsverpflichtungen nicht nachkamen, konnten aus der Organisation ausgeschlossen werden. Das galt auch für Länder, die den Liberalisierungskodex verletzten. Überschüsse jenseits der gewissen Grenzen hingegen zahlte die Union den Gläubigern zur Hälfte in Dollar aus, die ander Hälfte beließen die Gläubiger der Union als Kredit. Auch dies im Rahmen einer Quote. Einen selbstverständlichen Anspruch auf vollständige Dollarzahlung nach Überschreitung der Quotengrenze gab es nicht. Was in solchen Fällen geschähe, blieb zukünftigen Abwägungen und Beschlüssen überlassen.“ Dieser Ansatz verdient insoweit zusätzliche Beachtung, als auch die Exportüberschüsse als Teil des Problems erkannt werden und spiegelbildlich zu den Kreditrahmen nur teilweise in Gold bzw. Dollar ausgezahlt wurden (vgl. Polster, Europäische Währungsintegration -Von der Zahlungsunion zur Währungsunion, 2001, S. 75 f.). Dies berücksichtigt, dass auch der Gläubiger für die Abhängigkeit des Schuldners mitverantwortlich ist und im Sinne der Stabilität eines gemeinsamen Wirtschaftsraums zur Verringerung dieses Ungleichgewichts beitragen muss. Interessant ist die Einschätzung, dass die EZU erst die Voraussetzung für die zwischen-staatlichen Handels- und Zahlungsbeziehungen nach dem zweiten Weltkrieg geschaffen hat, die aufgrund der nachhaltigen Zerstörung nicht vorgelegen hätten (Polster, aao., S. 69). Dieses Argument ließe sich auch auf die sehr unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslage der Mitglieder der Europäischen Union (EU) übertragen. Demzufolge liegt es nahe, ein der EZU vergleichbares System in der EU einzuführen, um den von der EU angestrebten Binnenmarkt überhaupt erst zu ermöglichen. Einzuschränken ist die Übertragbarkeit, da die EZU zum einen an die Erteilung von Einfuhrlizenzen anknüpfte und zum anderen den nicht vorhandenen freien Kapitalfluss weder ermöglichte noch berücksichtigte (Polster, aao., S. 77; Art. 2 des Abkommens über die Gründung einer Europäischen Zahlungsunion). Weder anhand des Abkommens noch anhand der von mir gesichteten Literatur wird jedoch deutlich, wie die privaten Wirtschaftsakteure, die eine Einfuhrlizenz erhalten hatten, in das System der EZU eingebunden waren. Hier wäre für eine Übertragung der EZU auf das heutige System jedoch im Maße von Exportüberschüssen an eine dämpfende Exportabgabe zu denken, die sich an dem System der EZU orientieren könnte. Vielen Dank, dass Sie mir die kurze Nachfrage nach Ihrem Vortrag ermöglich hatten und würde mich freuen, wenn die Idee der EZU auf interessierte Ohren stoßen würde. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Ihre Informationen sind sehr interessant. Die Parallelen zu heute sind wirklich verblüffend. Die Europäische Zahlungsunion musste sich offenbar mit ganz ähnlichen Problemen wie der Euroraum auseinandersetzen. Die Details, insbesondere die Quotenproblematik, deretwegen man sich damals viele Gedanken gemacht hat, vermisst man bei der Konstruktion des Euro. Offenbar war der Euro mit wesentlich heißerer Nadel gestrickt. Aber selbst die EZU hielt ja nicht lange, nur bis 1958. Das verringert meine Sorgen bezüglich der Stabilität des Euro leider nicht. Vielen herzlichen Dank für Ihre wichtige Mitteilung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, . warum werden die "target-Schulden" wider besseres Wissen von der Politik ignoriert? . meine persönliche Erfahrung zu dem ganzen Schuldenthema ist folgende: - neben den ausgewiesenen Staatsschulden ( für die Sozialsysteme) von rd. 2 Bill. Euro haben wir bekanntlich weitere nicht ausgewiesenen Staatschulden von mindestens 4,5 Bill Euro, so Prof. Raffelhüschen im Internet; - Prof. Raffelhüschen spricht bei seinen Vorträgen von "optimistisch unrealistischen" 4.5 Bill Euro, und im "optimistisch realistischen" Fall sogar von von 9 Bill Euro; - diese nicht ausgewiesenen Schulkden sind bereits heute kein Phantom, denn die unterlassenen Investitionen in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur etc. sind bereits heute sehr real. - Versprechungen von längerfristig steuerlich finanzierten Sozialleistungen sind absehbar nicht haltbar, die Schuldenbremse eine bewußte Irreführung der Öffentlich´keit (Ich sage gerne zu den nicht ausgewiesenen Staatsschulden: würde man den Bundestag in Sachen Finanzen mit den gleichen Maßstäben messen wie Private, dann müßte der Bundestag geschlossen einsitzen.) . Jede Regierung, die das gesamte Schuldenthema anpackt, ist tot. Also braucht man eine Ablenkungs-Story. Und genau dazu kann der Euro in der jetzigen Form geradezu ideal dienen, mit der Vergemeinschaftung von Schulden, usw. usw. Wenn dann am Ende das ganze zu Bruch geht, dann war es "Europa" und nicht der Bundestag. . Und da andere Länder diese nicht ausgewiesenen Schulden auch haben, gibt es geradezu ein gemeinsames europäisches Interesse am Euro mit "Schulden für alle" . Letzter Punkt: Sie werden das vielleicht als etwas abendteuerliche Argumentationskette ansehen wollen. Aber einige wirklich einflußreiche Journalisten haben (wenn man unter sich war) eingeräumt, dass man das Schuldenthema niedrig halten müsse, weil man ja sonst keine Hintergrundtermine mehr bei hohen Politikern bekäme. . Und dass Ihr "Target-Schulden" Thema in den Medien zu kurz kommt, insbesondere in den Takshows der "Öffentlichen" , könnte auch in deren vorauseilendem Gehorsam begründet sein. . Viel Erfolg und freundliche Grüße
Sehr geehrter Herr B., ich habe mich sehr über Ihre Anmerkungen gefreut! Es ist ein Kreuz, dass die Realitäten und der Rat der Ökonomen in der Politik einfach so ausgeblendet werden. Aber in den Medien findet ein spürbares Umdenken statt. Die Target-Problematik hat endlich Gehör gefunden. Die FAZ, der Spiegel und weitere bekannte Zeitungen haben sich in letzter Zeit ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und Sie auf das ifo-Spezialthema „Target-Salden“ aufmerksam machen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target. Hier findet sich eine Zusammenstellung aller Veröffentlichungen (inkl. Presseinterviews) seitens des ifo Instituts zum Thema. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Lieber Prof. Sinn, zuletzt hat ja die Mitteilung der Deutschen Bundesbank, dass man ein höheres Inflationsziel akzeptieren würde, für Aufsehen gesorgt. http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:geldpolitische-kehrtwende-bundesbank-duldet-hoehere-inflation/70034538.html SIe hatten ja bei der Diskussion der Target2-Salden bereits darauf hingewiesen, dass im Laufe diesen Jahres aufgrund der exzessiven Ausweitung der Finanzierung der Leistungsbilanzsalden der PIIGS-Staaten ein Punkt erreicht werden würde, wo es im System der EZB nicht mehr möglich sei, die Inflation stabil zu halten. Könnte die jetzt losgetretene Debatte nicht damit im Zusammenhang stehen? DIe Kapitalflucht aus den Ländern und jetzt wohl auch aus Frankreich nach Deutschland nimmt weiterhin zu. Damit wird aber eine Überschussliquidität an Zentralbanklgeld geschaffen, die die Stabilisierung der Inflationsrate nicht mehr möglich macht. Die Bundesban würde damit nur diesem Umstand Rechnung tragen. Es wäre jedoch keine autonome geldpolitische Entscheidung, sondern eben das Ergebnis der Explosion der Finanzierung von Kapitalflucht aus den krisenländern über das Target2-System. Für eine Anwort diesbezüglich wäre ich Ihnen dankbar. Mit freundlichen Grüßen GE
Sehr geehrter Herr E., in der Tat ist es wohl so, dass die Maßnahmen der EZB zu Inflation führen können. Aber das ist nicht so offenkundig, wie es scheint, denn das Geld, das im Süden geschaffen wird, wird hier wieder zur Bundesbank getragen. Der Mechanismus ist der: Wenn die Target-Salden immer größer werden, hat der Club Med den Anreiz, sich der Rückzahlung zu entziehen und wird dann vielleicht eines Tages die Geldmenge inflationär auszuweiten versuchen. Noch ist es nicht so weit. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ermutigt durch ein Telefonat mit Frau Schiller aber auch dadurch, dass Sie in Ihrem fulminanten Vortrag in der LMU legales aber nicht legitimes Handeln erwähnten, wende ich mich direkt schriftlich an Sie. Es gibt auf der einen Seite jede Menge immer dreisterer legaler aber nicht legitimer Vorgänge - aber auch die Geltung bestehender Rechte wurde - z.B. bei der in aller Härte durchgezogenen "Gleichschaltung" -in vielen Punkten mißachtet. Ich hoffe, dass sich das Ifo-Institut diesem und anderen "weichen" Krisenfeldern annehmen kann und würde gerne meinen Teil dazu beitragen. Ich bin 63, Dipl.Soz. mit 1,0 Examen, habe mich nach Erziehungsauszeit auf vielen Feldern weitergebildet und war m.W. der Erste, der auf das Auseinanderdriften von Legalität und Legitimität hingewiesen hat (im Leserbrief Focus 3 vom 16.1.12). Ich freue mich auf Ihre baldige Reaktion. Mit freundlichen Grüssen Regina Bernhard
Sehr geehrte Frau Bernhard, vielen Dank für Ihr Schreiben. Das Auseinanderdriften von Legalität und Legitimität bereitet auch mir Kopfzerbrechen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das ifo Institut es als seine Aufgabe ansieht, über Missstände aufzuklären. Dies wird im Rahmen von Publikationen, Vorträgen etc. getan. Ich möchte an dieser Stelle auf die ifo Homepage verweisen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Da wir der Meinung sind, dass die deutsche Bevölkerung über den genauen Sachverhalt der derzeitigen Schuldenkrise aufgeklärt gehört, hat das ifo Institut auf seiner Homepage extra die Spezialthemen "Euro-Krise" und "Target-Salden" eingeführt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben sich das Verdienst erworben, die Target2 Prolematik aufzuzeigen. Hierzu habe ich eine Frage: Unterstellt die EURO Zone zerbricht, weil z.B: Frankreich austritt und die Target2 Schuldner weigern sich oder können schlicht ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen. Die Bundesbank muss dann ihre Forderung abschreiben und wäre überschuldet. Nach dem WKII, der Wiedereingliederung des Saarlandes und der deutschen Wiedervereinigung hat man ähnliche Situation (bei den Unternehmen) damit gelöst, dass man eine "Ausgleichsforderung" eingebucht hat. Hier könnte ein Erblastentilgungsfonds EURO gegründet werden, der bei der KfW angesiedelt wird und der durch die BR Deutschland garantiert wird. Dieser Fonds gewährt der Bundesbank eine unverzinste Ausgleichsforderung die in 30 Jahren zu tilgen ist in einer Höhe, die die Überschuldung beseitigt und ein angemessenes Eigenkapital wiederherstellt. Was passiert dann? Inflationär dürfte diese Verfahrensweise nicht wirken, weil das Geld bereits in die entsprechenden Schuldnerländer abgeflossen ist und dort inflationär auf Hauspreise etc. gewirkt hat. Auch dürften die Refinazierungskosten des Bundes nur unwesentlich erhöht werden, soweit man unterstellt, die wirtschaftliche Situation in Deutschland bleibt wie sie ist. Dies stellt natürlich angesichts der Aufwertung einer DMneu natürlich ein Problem dar. Dieses Problem besteht aber unabhängig von der Target2 Problematik. Sehe ich das zu optimistisch oder wo könnten hier wirtschaftliche Problem entsehen? Für Ihre geschätzte Meinung bedanke ich mich und verbleibe Mit freundlichen Grüßen Michael Krause
Sehr geehrter Herr Krause, Sie müssen bitte bedenken, dass der Bürger bei der Sache entweder als Steuerzahler oder als Sparer dabei ist. Letzteres, weil die Bank des Sparers Forderungen gegen die Bundesbank hat, die selbst wiederum Target-Forderungen gegen die EZB hat. Im Umfang der Target-Salden werden nämlich verzinsliche Auslandsforderungen unserer Banken in Spareinlagen der Banken bei der Bundesbank verwandelt. Kriegt die Bank des Sparers ihr Geld zurück, ist der Steuerzahler dran. Einmal dadurch, dass die Bundesbankgewinne niedriger sind, weil die Ausgleichsforderungen nicht mehr verzinst werden, und zum anderen weil er den Ausgleichsfonds mit Steuermitteln in die Lage versetzten muss, die Tilgung zu leisten. Nur dann, wenn die Bank des Sparers und damit der Sparer selbst sein Geld nicht zurück erhält, wird der Steuerzahler nicht belastet. Sparer und Steuerzahler verlieren zusammen barwertmäßig exakt die Target-Forderung, die vom Ausland nicht mehr bedient wird. Der deutsche Konsum geht genau um diesen Betrag zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich schlage als kurzfristige Maßnahme - insbesondere für Griechenland - vor, zwei Währungen gleichzeitig als Zahlungsmittel zu verwenden, also den Euro und die Drachme. Jeder ("die Bürger", "die Investoren")hätte dann die Möglichkeit selbst über die Währungverwendung zu entscheiden; die Informationsfunktion über Preise und Wechselkurse wäre gestärkt; Möglicherweise entstehen dadurch neue Erkenntnisse; Möglicherweise machen wir positive Erfahrungen damit: dann könnte man es sogar für alle Länder, die die Konvergenzkriterien oder zukünftig den Fiskalpakt verfehlen zwingend vorschreiben. Gerne würde ich Ihre Meinung aus theoretischer Sichtweise dazu vernehmen. Mit freundlichen Grüßen, Dipl. Vw. S.Stegmayer
Sehr geehrter Herr Stegmayer, ihr Vorschlag ist diskussionswürdig. Vergleichen Sie dazu bitte auch die Beiträge im ifo Schnelldienst (siehe bspw. http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1214309.PDF). Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich beobachte die Euro-Krise sehr aufmerksam Meine Frage an Sie als Fachmann: Ist es sehr wahrscheinlich, dass (wie Dirk Müller im TV immer wieder wiederholt) es einen System-Reset geben wird, der, so meine Frage, in Form einer Währungsreform in Deutschland ablaufen wird? Halten Sie dieses Szenario in der kommenden Zeit für sehr wahrscheinlich? Im www sind viele Beiträge zu finden; ich weiß nicht, wem man hier trauen kann. Ich befürchte, dass als letzter Ausweg diese Option gewählt werden wird. Mit freundlichem Gruße Daniel Fischer
Sehr geehrter Herr Fischer, ich würde davon vorläufig nicht ausgehen. Für die meisten Länder gibt es schon die Möglichkeit, sich im Euroraum wettbewerbsfähig zu machen. Freilich nicht für alle. Ich vermute, dass Griechenland über kurz oder lang austreten wird. In Portugal könnte eine ähnliche Entscheidung dann folgen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, mit welchem Betrag fließen die Lagerkosten für radioaktiven Müll der Kernkraftwerke in die Stromerzeugungskosten ein? Warum müssen die Kernkraftwerksbetreiber nicht ein Endlager suchen, warum macht das der Staat? Brauchen wir überhaupt ein Endlager oder werden die chinesischen schnellen Brüter unseren sogenannten Müll nutzen? Mit freundlichen Grüßen Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, im Allgemeinen sind die Lagerkosten ein Teil der nachgelagerten Kosten des Brennstoffkreislaufs, sie umfassen Transport, Zwischenlagerung, Endlagerkonditionierung und Endlager. Diese Kosten zusammen gehen nach Angaben der NEA (Nuclear Energy Agency, Projected Costs of Generating Electricity, 2010 Edition) mit 0,233 US-ct/kWh in die Erzeugungskosten ein. Das entspräche bei dem derzeitigen Umrechnungskurs etwa 0,18 EURO-ct/kWh. In Deutschland hat der Gesetzgeber 1976 dem Bund die Verantwortung zur Errichtung von Anlagen zur Endlagerung radioaktiver Abfälle auferlegt. Angesichts des langfristigen Gefährdungspotenzials abgebrannter Kernbrennstoffe brauchen wir ein Endlager. Die verbrauchten Kernbrennstoffe den Chinesen zur weiteren Nutzung zu überlassen, ist derzeit keine realistische Alternative. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie sagen immer, dass die Target Kredite rückgekoppelt sind mit dem Sparvermögen der Länder mit positivem Target-Saldo. In dem Umfang wie der Nettorefinanierungskredit der Bundesbank negativ wird, kann ich dies nachvollziehen, weil dies bedeutet, dass sich der private Bankensektor im selben Maß bei der EZB verschuldet hat. Der andere Teil des positiven Target Saldos spiegelt folglich einen Rückgang des Nettorefinanzierungskredits bis zu jenem Punkt wieder, zu dem er negativ wird. Dieser Teil des positiven Target-Saldos ist nicht mit privaten Ersparnissen rückgekoppelt. Sehe ich dies bis dahin richtig? Liebe Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, die gesamte Target-Forderung der Bundesbank ist Teil des Nettoauslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland und damit des deutschen Sparvermögens, nicht nur ein Teil davon, denn die Kreditvergabe findet bereits mit der Erfüllung von Zahlungsaufträgen anderer Notenbanken statt. Ökonomisch kann man das so begründen: Refinanzierungskredit, der zu Basis-Geld führt, ist ein Nettovermögen der Notenbank, und er führt ja auch zu Zinseinnahmen, deren Barwert gleich dem Wert des Kredits ist. Wird dieser Refinanzierungskredit verdrängt, ohne dass das Geld verdrängt wird, wie es ja bei Überweisungen aus dem Ausland der Fall ist, fällt das Vermögen der lokalen Notenbank und jenes der ausländischen Notenbank, die mehr Refinanzierungskredit bereit stellt und die Überweisung veranlasst, steigt. Die Target-Ausgleichsforderung kompensiert diese Vermögensumschichtung. Das im Ausland angelegte Sparvermögen der Inländer wird zurückgeholt und zur Tilgung des inländischen Refinanzierungskredits (bis in den negativen Bereich hinein) verwendet und in Target-Forderungen der Bundesbank verwandelt. Wann der Refinanzierungskredit bei dieser Operation die Null-Linie unterschreitet, ist für diese Aussage irrelevant. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, die von Ihnen losgetretene TARGET2-Debatte verfolge ich seit Anfang an mit großem Interesse. Den Normalbürger wird das Thema, ob seiner Komplexität, weiterhin nicht interessieren. Nur die daraus - hoffentlich nie - resultierenden Zahllasten werden irgendwann zum Aufschrei führen. In diesem Zusammenhang würde ich mich freuen, wenn Sie Ihr Märchen "Die Kühe des Bauern BuBa" aus dem Jahre 1997 fortschreiben würden. Das Unwetter TARGET2 wütet so stark, dass die Kühe bei einem Blitz getroffen werden könnten und damit sterben und für BuBa für immer verloren wären. Die Bilanz des Bauern BuBa für 2011 war ja, dass ohnehin schon, dass die Kühe kaum noch Milch geben. Also der Fimi leer ausgeht. Und: Immerhin scheint es ja nun doch um die Enteignung des Bauern Buba zu gehen, u.a. in dem ihm aufgrund der Entscheidung der Genossenschaft Emu Kühe angedreht werden, die keine Milch mehr geben. Das Märchen nimmt wohl doch kein gutes Ende....
Sehr geehrter Herr S., ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sie sich noch an das Märchen von damals erinnern konnten. In der Tat findet das Märchen kein gutes Ende, wie mir scheint. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, aufgewacht durch Malte Fischers Aufsatz "Die Stunde der Wahrheit", Wirtschaftswoche 10(2012), fand ich Zugang zu den detaillierten Jahresverläufen der rapide zunehmenden Euroländer-Target-Salden, auch Frankreichs, alle mit steil zunehmenden Beträgen. Das raubt den Schlaf. 1.) Die Diagnose: Ihr aktueller Sonderbeitrag 21.03.2012 zeigt Situation und ihre Ursachen klar + deutlich. Viele Aha-Effekte für mich, grossen Dank! 2.) Die Triebfeder dieser Entwicklung nach meiner Einschätzung: Hinter der Dynamik der finanziellen Schieflage im Euroraum steckt National-Egoismus, Wille und System: Ich höre die Staats- und Notenbank-Chefs der Schuldnerländer jeden Abend beten: "Grosser Finanzgott, lass es noch möglichst lange so weitergehen. Schiebe den Zusammenbruch des Eurosystems, also wenn Deutschland den Staatsbankrott erleidet, noch um ein paar Jahre hinaus. Denn je länger es so weitergeht wie jetzt, umso unausweichlicher wird dies für uns wichtige Ereignis eintreten. Wenn wir Schuldnerstaaten dann unsere Euroverbindlichkeiten auf Null gesenkt bekommen, haben wir bis dahin maximal viel gewonnen. Wir machen es richtig. Unser Land ist auf der Siegerseite" So weit das Gebet im Geiste. 3.) Was tun? Welche Alternativen? a) Einfach die nächsten Jahre so weitermachen, die deutschen Sparer beruhigen? Bitte wie hoch oder niedrig schätzt Ihr Institut die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Krise in 10 Jahren ein gutes Ende gefunden hat? Dass die Verbindlichkeiten zwischen den Euroländern dann ausgeglichen sein werden? b) Offizielle Euro-Bonds, Vergemeinschaftung aller Risiken? Wahrscheinlichster Weg, aber nicht besser als a). c) Das US-System einführen, Targetsalden zwingend jährlich bedienen? Im EZB-Rat wohl nicht durchsetzbar. d) Harter sofortiger Chirurgenschnitt: Unseren Euro ersetzen durch einen neuen "Centro" gemeinsam in D, NL, LUX und FIN. In den Peripher-Ländern den "Perifero" einführen. Das erfordert schmerzlichen Verzicht von uns auf alle momentanen Forderungen an EZB und periphere Notenbanken. Das erlaubt aber auch unser Aussteigen aus den Einlagen und Zusagen der offenen Rettungsschirme. Hart aber fair, finde ich. Soweit die Gedanken eines Nicht-Volkswirts, der vor Jahrzehnten ein Ingenieurstudium hinter sich brachte. P.S.: Würde der Euro doch so funktionieren wie das europäische Stromnetz seit vielen Jahrzehnten: Von Portugal bis Finnland laufen alle Generatoren vollkommen synchron an einem gemeinsamen, durchgängigen Netzsystem, und das geräuschlos, gut geregelt, allerdings mit Überstrom-Sicherungen an den richtigen Stellen. Werner Diers, Welfenweg 10, 68307 Mannheim
Sehr geehrter Herr Diers, da Herr Sinn derzeit nicht verfügbar ist, antworte ich Ihnen. Ich möchte mich zuerst einmal für Ihre Einschätzungen bedanken. Wann und wie die Krise ein Ende nehmen wird, kann wohl niemand genau vorhersagen. Ihre Bedenken kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist eine Tragödie, die dadurch gekennzeichnet ist, dass es keine gute Lösung gibt. Für Sie von Interesse könnte die neue Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes sein. Hier konzentriert sich Herr Sinn auf den Aspekt der Target-Kredite, gibt einen Überblick über den Sachverhalt und fasst die neueste Datenlage zusammen: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1215816.PDF. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Meine Frage bezieht sich auf den alten Vortrag "Land der Greise" von Ihnen über die demographische Entwicklung vom 8.6.2005. Sie stellen gegen Ende die Handlungsempfehlung an die Politik dar, dass sich die Rentenhöhe (so wie es verstanden habe) stark an der Kinderzahl orientiert. Ich muss gestehen, dass ich das genaue Modell nicht mehr hinbekomme, da ich den Vortrag vor ungefähr einem Monat gehört habe, aber für meine Frage ist das eigentlich auch nicht wichtig. Meine Frage zielt auf Ihr grundsätzliches Argument, dass ein Kind der Gesellschaft wirtschaftlichen Wert bringt, und dass daher eine solche Fördernug der Eltern bei richtiger Subventionshöhe lohnt. Liegt hier nicht das Problem vor, dass erstens der wirtschaftliche Wert stark von der Erziehung abhängt? Kurz gesagt, folgt doch aus der sozial differentiellen Präferenz für Kinder-"Qualität" vs. -"Quantität" zu mindest unter Umständen, dass bestimmte Kinder wirtschaftliche Kosten erzeugen können. Das alleine reicht als Argument reich wohl nicht, da man diese Unterschiede wegmitteln kann, aber wenn die Eltern unterschiedlich auf Anreize wie eben Ihre Rentensubvention mit Fertilität reagieren, sollte es selektive Mitnahmeeffekte geben. Überspitzt gesagt, sollten sozial schwache Eltern dann nicht nur Kinder für das Kindergeld bekommen, sondern sogar noch für die Rente. Dann müsste man schon der Wert der Kinder in die Rentenhöhe miteinbeziehen.
Sehr geehrter Herr P., da Herr Sinn derzeit im Ausland ist, antworte ich Ihnen. Ich möchte mich für Ihre Anregungen bedanken. Zu der von Ihnen angesprochenen Problematik gibt es ein ifo Spezialthema „Rentenreform/Kinderrente“ auf das ich Sie gerne verweisen möchte: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/rentenreform. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, gestatten Sie mir noch eine kurze Anmerkung zum Thema Elektroautos: Wenn man - natürlich theoretisch - die Mengen an Erdöl, welche heute in den Verbrennungsmotoren der Autos in Energie umgesetzt werden, in Kraftwerken in elektrische Energie umsetzte und mit dieser elektrischen Energie Elektroautos versorgen würde, wäre doch aufgrund des höheren Wirkungsgrades der Kraftwerke gegenüber den Verbrennungsmotoren der Autos ein erheblicher Energieeinspareffekt zu erwarten, oder irre ich mich? Meine eigentliche Frage bezieht sich jedoch auf ein anderes Thema. Ich habe mir vor kurzem noch einmal die Zeit genommen, Ihr Buch "Das Grüne Paradoxon" zu lesen. Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, die Rechnung, welche Sie im Abschnitt "Windräder als Ersatz" aufmachen, nachzuvollziehen. Dieser liegen folgende Annahmen zugrunde: Um die Atomenergie in Deutschland zu ersetzen, wären 130 000 Windräder nötig, welche jeweils einen Rotordurchmesser von 100 Metern hätten. Die Windräder müssten in Hauptwindrichtung einen Abstand von dem fünffachen und in rechten Winkel dazu des dreifachen des Rotordurchmessers voneinander haben. Dies sei der "technische Mindestabstand". Zunächst einmal würde es mich interessieren, woher Sie letztere Angabe nehmen, da im Buch keine Quelle angegeben ist. Als Ergebnis Ihrer Modellrechnung geben Sie eine Fläche von 8300 Quadratkilometern an, welche für die entsprechenden Windräder zur Verfügung stehen müsste. Aus den Angaben zum technischen Mindestabstand und zum Rotordurchmesser folgt, dass ein einzelnes Windrad einen Abstand von 250 Metern in beide Hauptwindrichtungen und einen Abstand von 150 Metern in die beiden Richtungen in rechten Winkel dazu einhalten muss. Die Gesamtfläche, welche ein einzelnes Windrad beansprucht, beträgt also 150 000 Quadratmeter. Diese Fläche ergibt mit der Windradanzahl 130 000 multipliziert eine Gesamtfläche von 19500 Quadratkilometern. Wollte man nach dieser Methode auf die von Ihnen errechnete Gesamtfläche von 8300 Quadratkilometern kommen, müsste man von einem Rotordurchmesser von nur gut 65 Metern statt 100 Metern ausgehen. Da ich Zahlen, die ich lese, auch gerne nachvollziehen möchte, würde ich Sie bitten, mir bei der Fehlersuche in meiner Rechnung unter die Arme zu greifen. Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr R., da Herr Prof. Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. Zu Ihrer ersten Frage: Ihre Idee, das Öl über die Umwandlung in Strom für Verkehrszwecke nutzbar zu machen, müsste genauer geprüft werden. Bei der derzeitigen Technik dürften insgesamt aber nur geringe Einspareffekte zu erzielen sein. Es kommt auch entscheidend darauf an, welches Referenzsystem zugrunde gelegt wird. In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass es nicht nur bei der Stromerzeugung zu Verlusten kommt, sondern auch bei der Umwandlung von Rohöl in die Mineralölprodukte. Zu Ihrer zweiten Anmerkung: 1. Für die Abstandsflächen zwischen Windkraftanlagen gibt es Empfehlungen bzw. Erfahrungswerte, um einen optimalen Betrieb gewährleisten zu können, wie beispielsweise beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW: http://www.lanuv.nrw.de/geraeusche/pdf/E2_AusweisungVonWindvorrangzonen.pdf. Hier findet man folgendes Statement: „Damit Windenergieanlagen sich nicht gegenseitig den Wind wegnehmen, wurde früher empfohlen, dass die Anlagen in Hauptwindrichtung einen Mindestabstand von 8 bis 10 Rotordurchmessern und quer zur Hauptwindrichtung einen Mindestabstand von 3 bis 5 Rotordurchmessern einhalten sollten. In der Praxis haben sich Mindestabstände von 5 Rotordurchmessern in Hauptwindrichtung und 3 Rotordurchmessern quer zur Hauptwindrichtung herausgebildet.“ 2. Die im Buch ausgewiesene zusätzliche Fläche bezieht sich auf die 111.000 zusätzlichen Anlagen. Da Herr Prof. Sinn, wie gesagt, derzeit nicht zu erreichen ist, vermute ich, dass er vielleicht mit versetzten Anlagen gerechnet hat und sich auf diese Weise der Flächenbedarf reduziert hat. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Sehr geehrte Damen und Herren, vorab vielen Dank für Ihre ausführlichen Erklärung der Target2-Problematik, welche nun endlich auch von dem Mainstream-Medien aufgegriffen wurde. Leider teilweise sehr verrissen, aber immerhin beachtet und diskutiert. Auch finde ich Ihre Idee des Haftungspegels auf der Webpage sehr gut, da dieser schnell zeigt, wohin die Reise gehen kann und so das Bewusstsein für die Beschlüsse unserer (nicht immer) gewählten Vertreter geweckt werden. Mein eigentliches Anliegen dreht sich um die Promissory notes/ELAs der EZB/NZBs, wozu ich fast schon einen ganzen Fragenkatalog habe. Da auch hier in letzter Instanz der Staat für die nicht mehr erfüllbaren ELAs der Banken gerade stehen muss, finde ich dieses Thema mittlerweile auch diskussionsbedürftig. Dazu wird hier meiner Ansicht nach eine weitere Finanzierung/Rettung der Banken durch die Hintertür betrieben und trotzdem findet das Thema keinerlei Beachtung. Wo in den Bilanzen der NZB der Länder kann ich die bislang vergebenen ELAs/Schuldscheine/Solawechsel an der NZB die Banken finden? Wie werden diese festgehalten? Besteht überhaupt die Möglichkeit hier in den Bilanzen etwas darüber in Erfahrung zu bringen? Oder werden diese Wechsel beim jeweiligen Staat festgehalten, da es ja einseitige Schuldscheine sind / sein können – haben die NZBs über die Wechsel gar nichts in den Bilanzen?! Muss der Staat hier nicht in irgendeiner Weise gegenzeichnen, wenn die Banken von den NZBs die ELAs empfangen? Wenn ja wer bzw. in wessen Ressort fällt diese Gegenzeichnung? Ist das Bundesfinanzministerium nicht dazu verpflichtet diese Daten offenzulegen (wenn auch geschickt in einer Statistik versteckt)? Werden dazu eine Art Risikorücklagen gebildet? Die Haftung für die ELAs der Notenzentralbanken soll früher oder später an die EZB gehen – kann das einfach vonstattengehen, ohne dass vorher Beschlüsse oder Gesetzte dazu gefasst wurden; existiert ein solch automatischer Mechanismus bereits? Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen. Oder vieleicht haben den einen oder anderen Tipp für mich um ein wenig Licht ins Dunkel zu bekommen. Vielen Dank, weiter so und freundliche Grüße D. Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, ich bin ganz Ihrer Meinung, dass wir uns mit den ELA-Krediten neue Gefahren ins Haus holen. Denn fallen ELA-Kredite aus, haftet zunächst die emittierende Notenbank und damit der Staat, dem sie gehört, und erst bei einer Staatspleite fällt die Haftung auf die Gemeinschaft der anderen Notenbanken zurück. Aber es ist davon auszugehen, dass die hinterlegten Sicherheiten viel schlechter sind als sonst üblich bei Refinanzierungsgeschäften, so dass im Fall von Staatskonkursen die Sicherheiten überhaupt nicht ausreichen, die Gemeinschaft der Notenbanken vor Verlusten zu schützen. Zu Ihrer Frage, wo man in den Bilanzen der NZB die ELA-Kredite finden kann: Bislang haben nur Irland und Griechenland Zahlen veröffentlicht, die sich in der Bilanz unter "Other Assets" verstecken. Für Griechenland waren bis zum Dezember des Jahres 2011 bereits etwa 53 Mrd. Euro an ELA-Krediten aufgelaufen (http://www.bankofgreece.gr/BogEkdoseis/financialstat201111_en.pdf). Auch die Bank of Ireland hatte ihren Banken bis Februar 2012 im Umfang von 45 Mrd. Euro ELA-Kredite gewährt (http://www.centralbank.ie/polstats/stats/cmab/Pages/Money%20and%20Banking.aspx). In diesem Zusammenhang haben Sie vielleicht auch Interesse an folgenden Artikeln: Buiter, W., J. Michels und E. Rahbari (2011), “ELA: An Emperor without Clothes?”, Citi Global Economics View, 21. Januar 2011. Buiter, W., J. Michels und E. Rahbari (2011), “ELA Revisited: A Clarification”, Citi Global Economics View, 11. Februar 2011. Zu Ihrer Frage nach den Beschlüssen: Am 28. Februar 2012 hat der "EZB-Rat beschlossen, dass die betroffenen Geschäftspartner des Eurosystems ihren Liquiditätsbedarf über ihre jeweiligen nationalen Zentralbanken im Rahmen der entsprechenden Regelungen des Eurosystems zur Gewährung von Liquiditätshilfen im Notfall (Emergency Liquidity Assistance) decken können" (vgl. Pressemitteilung der EZB vom 28. Februar 2012: http://www.ecb.int/press/pr/date/2012/html/pr120228.en.html). Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Informationen etwas weiterhelfen konnte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Internet habe ich Ihren sehr interessanten o.g. Vortrag an der LMU München vom 19.12.11 gefunden (meiner alten Uni). Unter den von Ihnen genannten Lösungen vermisse ich, wie auch in der gesamten Staatsschuldendebatte (auch bei Deutschland), die Berücksichtigung von verwertbarem Staatsvermögen, dem Vermögen das nicht für die Kernaufgaben des Staates benötigt wird z.B. Unternehmensbeteiligungen, privatisierbare öffentlich rechtliche Unternehmen, Immobilien, Gold, sales-lease back öffentlich genutzter Immobilien etc. Schließlich wurden mit den Schulden auch Vermögenswerte geschaffen. Stattdessen wird einseitig das BIP zu Schulden betrachtet, wo doch sonst immer gilt Schulden sind Bruttoschulden abzgl Vermögen. Wenn ein Kreditnehmer nicht zurückzahlen kann, wird sein Vermögen verwertet. Wenn ein Staat nicht genug Wirtschaftsleistung hat um zurückzuzahlen, sollte folglich das Vermögen zuerst verwertet werden. Natürlich bedarf es dazu einer Organisation der Schuldenregulierung, ggf mit ganz oder teilweisem Zinsverzicht der Gläubiger. Die gute Idee des Euro-Vertrages ist die No Bail Out Vereinbarung: eigentlich grundlos hat man dieseVertragsklausel gebrochen (weshalb der Geburtshelfer Köhler vermutlich zurückgetreten ist). Hätte man in der 1. Griechenlandkrise die No Bail Out Vereinbarung eingehalten, hätte Griechenland etc längst Ihr Staatsvermögen verwerten müssen und damit seine Schulden ganz (lt IWF entspricht Staatsvermögen den Schulden) oder teilweise getilgt. Stattdessen spielt das Vermögen der Staaten in der Rettungslogik keine Rolle. In Fall der Verwertung wären keine drakonischen Steuererhöhungen bzw Rentenkürzungen für die breite Masse notwendig gewesen, da nur der Eigentümer des Staatsvermögens wechselt, so dass die Wirtschaft weiterhin funktioniert. Dies wäre Vorbild und Ansporn für die anderen Problemländer gewesen. Auch Italien bräuchte keine Zinssubventionen von der EZB, da es über hohes, verwertbares Vermögen wie Unternehmensbeteiligungen, Goldreserven, Immobilienvermögen etc verfügt. Für die andern PIGS Staaten gilt gleiches. Aufgabe der EU wäre dabei eine Liqiditätshilfe gegen Verpfändung oder Verkaufsauftrag (vgl. Helmut Schmidt als Kanzler, der Italien nur Kredit gegen Goldverpfändung gegeben hat!) und ggf Moderation der Schuldenabkommen. Im übrigen, bevor der deutsche Steuerzahler oder die EZB angezapft wird, sollte man für den notwendigen Restbetrag zur Schuldentilgung Zwangsanleihen in den Schuldnerstaaten auflegen müssen. Dieses Modell könnte auch jetzt noch etabliert werden. Nochmals: m.E. kann die Eurozone nur eingermaßen funktionieren, wenn das No Bail Out durchgehalten wird und die EZB keine Staatsanleihen ankauft. Höchst interessant fand ich Ihre Ausführungen zum EZB System. Deutschland hat sich, salopp gesagt, ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Gerade die derzeitige Situation notwendiger Hilfen hätte den Hebel geboten, die EZB Stimmrechte und die Abrechnung des Targetsystems zu korrigieren (mir völlig unverständlich wie man ein Verrechnungssystem ohne Zahlungsausgleich vereinbaren kann). Nochmals besten Dank für Ihren hervorragenden Vortrag.
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre nette Email. Es freut mich zu hören, dass Ihnen mein Vortrag gefallen hat. Bezüglich Ihrer Idee Staatsvermögen zur Schuldentilgung zu verwenden, möchte ich insbesondere auf die Verwendung der Goldreserven in Deutschland eingehen. Die Deutsche Bundesbank verfügt derzeit über Goldreserven in Höhe von ca. 132 Mrd. Euro. Sollte sich die Bundesbank tatsächlich von ihren Reserven trennen, käme das Geld dem Bundeshaushalt zugute. Die Bundesbank würde sich jedoch niemals von ihren gesamten Reserven trennen, da sie sich mit den anderen Euroländern sowie der Schweiz und Schweden darauf geeinigt hat, bis 2014 jedes Jahr maximal 400 Tonnen Gold zu verkaufen, um die Märkte nicht zu beunruhigen. Die Goldreserven dienen der Bundesbank zur Aufrechterhaltung ihrer Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Sie haben Recht damit, dass bspw. mit den Goldverkäufen Haushaltslöcher gestopft werden können. Dies ist allerdings nur von kurzer Dauer. Was wir brauchen, sind strukturelle Reformen bzw. Lösungen, die von Dauer sind. Etwas anders ist die Situation in den derzeitigen Krisenländern. Gerade in Griechenland sollten Vermögensveräußerungen Teil der Maßnahmen sein. Es wurden auch Privatisierungen mit der EU, der EZB und dem IWF (der sogenannten Troika) vereinbart. Allerdings geht es hier nicht so voran wie versprochen. Das ist ein wesentlicher Punkt der Unstimmigkeiten zwischen der Troika und Griechenland. Die Geldgeber müssen bei diesem Punkt hart bleiben. In dieser Hinsicht gebe ich Ihnen daher recht. Zusätzlich muss man in Griechenland und insbesondere in Italien aber auch das Thema Schwarzarbeit angehen. Die Schattenwirtschaft hat in Italien einen beträchtlichen Anteil an der Wertschöpfung. Hier gibt es ebenfalls Handlungsbedarf. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, ich habe über eine Lösung für des Target Problem nachgedacht. Was wäre wenn die Deutsche Bundesbank in Griechenland oder in einem anderen Land, Gold kauft und nach Deutschland importiert. Dies müsste doch die Salden wieder zurück buchen. Also den Mechanismus den Sie beschrieben haben in die andere Richtung drehen. Mit freundlichen Grüßen,
Sehr geehrter Herr R., leider ist es nicht so einfach. Griechenland hat Goldreserven in Höhe von 4,3 Mrd. Euro. Die Target-Schuld Griechenlands beläuft sich aber auf ca. 108 Mrd. Euro. Somit reichen die Goldbestände bei Weitem nicht aus, um die Target-Schuld zu decken. Hinzu kommt, dass die Notenbanken nur auf ihrem Territorium mit den dort ansässigen Banken Geschäfte machen dürfen. Ich glaube, wir kommen nicht um den Ausgleich zwischen den Notenbanken herum. Mein Vorschlag, den ich zusammen mit acht anderen Ökonomen der European Economic Advisory Group at CESifo ausgearbeitet habe, lautet, dass die Regierungen der Eurozone staatliche Pfandbriefe ausgeben sollten, die nach einheitlichen Kriterien mit Immobilien oder vorrangigen Ansprüchen auf künftige Steuereinnahmen des Emissionslandes besichert sind. Wir sind der Meinung, dass diese Pfandbriefe zur jährlichen Tilgung der Target-Salden verwendet werden können. Den detaillierten Bericht dazu können Sie der ifo-Homepage entnehmen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
The target2 imbalances are the consequence of the balance of payments deficits (BOP) of the PIIGS. These BOP deficits probably also constitute deficits on the income account of the current account. Therefore, the PIIGS are already paying interest or other primary income on their BOP deficits. Most of these primary incomes are paid to the Northern creditor/ BOP surplus countries. Now Mr. Sinn is suggesting that these cash strapped countries pay even more interest to the Northern creditor/ BOPsurplus countries. This is indeed very punitive, unfair and counterproductive. Again, it is the PIIGS which are pressured to do the brunt of the adjustment of the eurozone imbalances. The only way the PIIGS can settle the target2 liabilities is for them to run current account surpluses. This entails that the trade and capital flows are reversed. Therefore, the North has to start running current account deficits. Maybe Germany can lead the way by strongly raising wages after almost a decade of beggar-thy-neighbour wage moderation, the very cause of this eurozone crisis. This is my private opinion and in no way reflects the opinions of ABM Financial News. With regards, Arne Q. Petimezas
Dear Mr. Petimezas, Thank you for your note. Yes, indeed, Target deficits are balance of payment deficits. These have been closed with the printing press, by borrowing from the national central banks at a rate of one percent, way below the inflation rate. The core banks have instead placed their funds with their central banks collecting interest from them, even less than one percent. To improve the situation we need current account surpluses in the south, I agree. But such surpluses will not come by dictating higher wages in the north, only by letting the market decide the allocation of capital rather than the ECB system. That would generate a boom in the north resulting in more imports from the south. Yours sincerely Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, zum Thema Target Salden erlaube ich mir, Sie auf eine kleine Unschärfe in Ihren Ausführungen, sowohl in Vorträgen als auch hier im Forum aufmerksam zu machen. Sie reden wiederholt davon, das im Ausland gedruckte zusätzlich geschöpfte Geld würde bei den dt. Geschäftsbanken landen und dann an die Bundesbank weiterfliessen. Dies ist korrekt. Nicht korrekt ist jedoch, dass es dort - wie Sie des öfteren ausführen - "geschreddert" wird und damit dem Kreislauf wieder entzogen wird. Das Geld landet stattdessen überwiegend in der Einlagefaszilität der Bundesbank. Es bleibt mithin auf der Passivseite der Bundesbank stehen und findet ja letztlich den Ausgleich gerade durch die Target Salden auf der Aktivseite der Bundesbankbilanz. Es wird also nichts "geschreddert" sondern die Zentralbankgeldmenge in der Sphäre der Bundesbank wird durchaus erhöht (Bilanzverlängerung der Bundesbank). Vernichtet wird das geschöpfte Geld erst wenn der Kredit der nationalen Notenbanken, die das Geld schöpften, von der nationalen Geschäftsbank wieder zurückgezahlt wird (Bilanzverkürzung der nationalen Notenbank)oder aber wenn die dt. Geschäftsbanken ihrerseits Bundesbankkredite mit dem ihnen zufließenden Geld ablösen. Der letztere Fall dürfte jedoch die Ausnahme sein, denn mittlerweile ist die Bundesbank hier wohl in einer Nettoschuldnerposition gegenüber den dt. Geschäftsbanken. Mit freundlichen Grüssen Frank Killinger
Sehr geehrter Herr Killinger, der Ausdruck „schreddern“ ist als Metapher gemeint, um eine plausible Heuristik für komplizierte Buchhaltungsvorgänge zu haben. Die Details finden Sie in meinem Arbeitspapier “Target Loans, Current Account Balances and Capital Flows: The ECB’s Rescue Facility”, das ich zusammen mit Herrn Wollmershäuser geschrieben habe: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/rts/rts-mitarbeiter/IFOMITARBSINNCV/CVSinnPDF/CVSinnPDFAndere/NBER_wp17626_sinn_wollm.pdf. Wir gehen hier ausführlich auf die einzelnen Buchungsvorgänge ein. Sie haben insofern Recht, als Geld, das Banken in die Einlagefazilität legen, häufig mit zur Geldbasis getan wird, während die an gleicher Stelle verbuchten Termineinlagen nicht dazu gerechnet werden. Wir haben uns entschieden, die Einlagefazilität so wie die Termineinlagen nicht zur Geldbasis zu rechnen, weil auch sie verzinst werden. Das haben wir in unserem Paper erläutert. Geld, das die Banken in die Termineinlagen bei der Bundesbank legen, ist definitiv nach allen Definitionen nicht mehr Geldbasis, wird also insofern „geschreddert“. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Dies ist die Fortsetzung der Diskussion vom 12. Dezember 2011) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Zu den beiden Punkten hätte ich noch kurze Nachfragen bzw. Anmerkungen. 1) Darf ich Ihre Antwort so verstehen, dass der Spiegel den Begriff "Leakage" und die Äußerungen der zitierten Wissenschaftler in einem völlig falschen Kontext verwendet? Außerdem schreiben Sie, die Einsparungen der Kyoto-Länder bei den fossilen Brennstoffen würden von anderen Ländern durch Mehrverbrauch kompensiert werden. Können Sie sicher sein, dass der Mehrverbrauch der anderen Länder nicht auch ohne das Kyoto-Abkommen zustande gekommen wäre (wenn auch vielleicht nicht in dem Ausmaß), sodass durch das Kyoto-Abkommen doch insgesamt weniger CO2 ausgestoßen wird? 2) Vielen Dank für Ihre Klarstellung bezüglich der Statistik. Ich würde Sie jedoch gerne auf einen Punkt hinweisen: Eine Umstellung der Automotoren von Benzin- bzw. Diesel- auf Elektromotoren hätte eine erhebliche Energieeinsparung zu folge, da letztere einen wesentlich höheren Wirkungsgrad haben als erstere. Das liegt daran, dass von der eingesetzten Energie ein sehr viel kleinerer Teil in Reibung und Wärme und ein entsprechend größerer Teil in kinetische Energie, also die Bewegung des Autos, umgesetzt würde. Wenn man von einer Energieeinsparung von 50 Prozent für 26,1 Prozent des Endenergieverbrauchs ausgeht (dies ist nach meinen Recherchen eine durchaus realistische Annahme), könnten also ganze 13,05 Prozent des gesamten Endenergieverbrachs eingespart werden. Diese Überlegung ändert selbstverständlich nichts daran, dass eine vollständige Energieversorgung mit regenerativen Energien utopisch ist. Es würde mich trotzdem freuen, wenn Sie diesen Aspekt berücksichtigen könnten. Nochmals vielen Dank für Ihre Mühe. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, Leakage meint einerseits, dass der hiesige Umweltschutz Industrien in andere Länder verlagert, wo das CO2 dann ausgestoßen wird, andererseits, dass einfach nur die Mengen an fossilem Kohlenstoff verlagert werden. Dass das zwingend so ist, kann ich natürlich nicht beweisen. Aber die Beweislast liegt ja wohl bei denen, die uns zwingen wollen, hunderte von Milliarden für die Einsparmaßnahmen auszugeben. Es ist wie bei einem Medikament. Den Beweis der Wirksamkeit muss der führen, der das Geld haben will. Fest steht jedenfalls, dass keine einzige Tonne CO2 weniger in die Luft gepustet wird, wenn die Menge an Kohlenstoff, die weltweit in den kommenden Perioden extrahiert wird, nicht auf unsere Nachfrageeinschränkung reagiert. Ich befürchte zudem, dass die Mengen sogar zunehmen. In meinem Buch "Das Grüne Paradoxon" weise ich darauf hin, dass die Einführung eines Systems für einen weltweiten Handel mit Emissionszertifikaten für CO2 rasch und global abgestimmt erfolgen muss, und sich alle Länder daran beteiligen müssen. Eine einseitige Vorgehensweise mit der Hoffnung, alle Länder irgendwann in das System einzubinden, wie sie derzeit von der EU verfolgt wird, könne aufgrund der Reaktion der Angebotsseite mit fortschreitender Zeit einen immer stärker werdenden komparativen Preissenkungseffekt erzeugen. Dies könne sogar zu einer Beschleunigung des weltweiten Schadstoffausstoßes führen. Konkret: Das grüne Säbelrasseln wird von den Scheichs als Ankündigung einer Marktvernichtung interpretiert und führt zum Vorziehen der Extraktion. Dann verbrauchen die Chinesen und all die anderen Sünder nicht nur das, was wir freigeben, sondern auch das, was die Scheichs zusätzlich extrahieren. 2. Bei den Verbrennungsmotoren sollten Sie bedenken, dass die Wärmeverluste, die bei Verbrennungsmotoren vor Ort auftreten, beim Strom bei der Erzeugung im Kraftwerk (rund 80% des in Deutschland erzeugten Stroms kommt aus Wärmekraftwerken, der Rest vor allem aus Atomkraftwerken. ) anfallen; zusätzlich sind noch die Leitungsverluste zu berücksichtigen. Die Energieeinsparung durch einen völligen Umstieg auf Elektroantriebe wäre deshalb wesentlich geringer als von Ihnen geschätzt. Es wird sicherlich weniger CO2 ausgestoßen, wenn man ein Auto mit einem modernen Dieselmotor fährt statt mit einem Elektromotor, der mit Kohlestrom fährt. Windstrom steht auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung, weil man zwei Jahrzehnte damit zu tun haben wird, bloß die Atomabschaltung zu kompensieren. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, es ist eine wohl eher unübliche Anfrage, die ich hätte. Ich bin Schülerin in Baden-Württemberg im 13. Schuljahr, mache also in diesem Jahr mein Abitur, eins meiner schriftlichen Prüfungsfächer ist Wirtschaft. Dieses Fach habe ich nun seit zwei Jahren. In unserer momentanen Lehrplaneinheit "Weltwirtschaftliche Entwicklungsprozesse und ihre theoretischen Begründungen" haben wir uns auch mit Ihrer These der Basar-Ökonomie in Deutschland beschäftigt. In unserer Klausur gab es u.a. folgende Aufgabe: "Beurteilen Sie die Stimmigkeit der These von der "Basar-Ökonomie" Hans-Werner Sinns." Zur Beantwortung der Aufgabe habe ich zu Anfang Ihre These wie folgt zusammengefasst: "Die These der Basar-Ökonomie in Deutschland, die von Hans-Werner Sinn aufgestellt wurde, beschreibt die Verschleierung der Deindustrialisierung in Dt. So würde die Wertschöpfung an Industrieprodukten abnehmen, da die Fertigungstiefe sich aufgrund des Kaufens von Vorprodukten aus dem Ausland im Inland verringere." Dazu meinte mein Lehrer, dass die Formulierung "Verschleierung der Deindustrialisierung" einen Logikfehler darstelle. Ich hatte mich damit aber auf eine Kritikschrift zu Ihrer These mit der Formulierung "Das zentrale "Basarökonomie"-Argument einerverschleierten Deindustrialisierung durch Produktionsverlagerungen ins Ausland ist für Deutschland jedoch zu bezweifeln." (Quelle: Klepper, Carl Dominik / Schnettler, Katrin: Mehr Freiheit wagen, in: Argumente zu Marktwirtschaft und Politik Nr. 98 (Nov. 2006), hrsg. von Stiftung Marktwirtschaft) bezogen. Mein Lehrer ist der Meinung, dass diese beiden Formulierungen nicht die gleiche Aussage hätten. Ich habe Ihre These aber so verstanden, dass die Deindustrialisierung in Deutschland verschleiert wird durch die Annahme, dass Deutschland als Industriestaat kategorisiert wird und die Deindustrialisierung so nicht ersichtlich bzw. wie in obiger Quelle genannt "verschleiert" wird. Und damit folgere ich, dass meine Formulierung logisch korrekt ist und mit Ihrer These übereinstimmt. Meine Formulierung drückt lediglich aus, dass dieser Vorgang momentan stattfindet. Bei der Formulierung von Klepper wird hingegen ausgesagt, dass die Deindustrialisierung bereits verschleiert ist, wobei das meines Erachtens ebenfalls mit Ihrer These vereinbar ist. Da wir uns aber diesbezüglich nicht einigen können, würde es mich außerordentlich freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden und als Begründer der These der "Basar-Ökonomie" aussagen könnten, ob meine Folgerungen korrekt sind oder nicht. Im Vorraus vielen Dank für Ihre Bemühungen. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Sie als so qualifizierter und berühmter Ökonom für Anfragen auf solch unkomplizierte Weise erreichbar sind. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau J., die Basar-Hypothese besagt, dass der inländische Wertschöpfungsanteil an der Industrieproduktion (Fertigungstiefe) zugunsten des Auslands fällt und sich Deutschland zunehmend auf die kundennahen Endstufen der Produktionsketten spezialisiert. Immer mehr deutsche Industrieunternehmen verlagern arbeitsintensive Teile ihrer Wertschöpfungsketten in ausländische Niederlassungen (Offshoring) oder kaufen Vorprodukte bei Zulieferern aus dem Ausland (Outsourcing), um dadurch den hohen deutschen Lohnkosten zu entkommen. Dabei darf man nicht übersehen, dass diese Strategie die Wettbewerbsfähigkeit im Export belebt und dass der Exportindustrie zudem durch die Flaute der deutschen Binnensektoren sehr viel Kapital zufloss. Das hatte mich in meinem Buch „Das grüne Paradoxon“ veranlasst, von einem pathologischen Exportboom in Form einer übermäßigen Aufblähung der Wertschöpfung im Export zu sprechen. Sie interpretieren mich also insofern falsch. Auch der Begriff „Verschleierung der Deindustrialisierung“ trifft diesen Sachverhalt nun wahrlich nicht. Da muss ich Sie enttäuschen. Zur „Basar-Ökonomie“ hat das ifo Institut eine ifo-Spezialthema-Seite im Internet eingerichtet: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/basareconomy. Hier können Sie weitergehende Literatur zum Thema finden. Entscheidend ist aber das Buch selbst. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich freue mich, dass ein Ökonom wie Sie so oft im Fernsehen präsent ist. Ich bin generell der Meinung, dass die Wissenschaft als solche viel zu sehr an die Universitäten gefesselt. Mein Bildungsideal wäre das von Thomas Morus, dass er in Utopia beschrieben hat: die Bürger gehen täglich in freie Vorlesungen. Ich teile viele Ihrer Aussagen, vieles war mir auch neu. Zum Beispiel, dass der Außenhandelsüberschuss kein Zeichen von Stärke, sondern von Schwäche war. Was ich leider nicht richtig verstehe sind die Target-Salden. Gehe ich richtig in der Annahme, dass z.B. die Griechische Notenbank mehr Geld druckt, und die Bundesbank dafür weniger, aber dafür Target-Ansprüche gegen das EZB-System bekommt? Auch Ihren arbeitspolitischen Ansichten stimme ich überein: Kombilohn statt Mindestlohn und Bildung als Schutz. Was ich auch sehr freut, dass Sie auch für Arbeitermitbeteiligung und Kapitalbildung der Arbeitnehmer plädieren. Mein Ideal – das auch das Ideal der Sozialen Marktwirtschaft ist – ist es, dass die Massen „endproletarisiert“ werden und eine Vermögens- und Eigentumsbildung auf breiter Front statt findet. Mein Ideal sind Arbeitnehmer die Aktien an ihrem Betrieb haben, Kapital bilden, in eine berufliche Rentenversicherung investieren und somit Änderung im Lohn entgegen wirken. Es entspricht etwas den Ideen der katholischen Soziallehre. Liegt vielleicht daran, dass ich römisch-katholischer Christ bin. Worin ich Ihnen aber widersprechen muss, ist Ihre Analyse der Krise. Ich stimme Ihnen nicht zu, wenn Sie sagen, die Spekulanten hätten es verursacht. Ich stehe den Thesen der österreichischen Schule nahe und ziehe deren Krisenanalyse als rationale vor: Künstlich, niedrige Zinsen (→ Billiges Geld) und Geldmengenexpansion → Verzerrung des Preissystems → Falsche Anreize, künstlicher Boom → Krise. Auch halte ich die Unterscheidung in „normaler Kapitalismus“ und „Kasino-Kapitalismus“ bzw. „Raubtier-Kapitalismus“ für falsch. Es gibt zwei Prinzipien: Freiheit oder Lenkung. Wollen wir die Freiheit, so haben wir Markt. Entweder gibt es ihn oder nicht. Entweder lenkt man den Bürger oder nicht. Und sozial wird die Wirtschaft durch die Verknüpfung von Handeln und Haften. Es braucht eigentlich nur wenige Gesetze in der Marktwirtschaft: Anerkennung des Privateigentums Mill-Limit der Freiheit Handeln und Haften vereinen Das sind die drei Hauptpfeiler der Marktwirtschaft, die ich für das einzige System halte, dass mit Vernunft und Moral vereinbar sind. Leider kommt das in der öffentlichen Diskussion nicht oft zum Ausdruck. Denn selbst in der Theorie ist der Sozialismus verfassungswidrig und unmoralisch, da braucht es weder die Praxis, noch Jahrzehnte Erfahrung. Welche Position vertreten Sie eigentlich bei der Steuerpolitik? Ich bin für drastische Steuersenkungen bzw. - Vereinfachung. Ich halte es für mehr als finanzierbar. Allein Subventionen (164 Mrd.€ → Kieler Wirtschaftsinstitut für Weltwirtschaft), Steuerverschwendung (30 Mrd. → Bund der Steuerzahler) und Bürokratie (47 Mrd. http://www.welt.de/die-welt/article4047713/Weniger-Buerokratie-soll-weitere-Milliarden-sparen.html). Dazu gäbe es noch Dinge wie Länderfusion, Reduzierung der Abgeordneten und Ministerien etc. Meine letzte Frage ist eine, finde ich, schwierige: was wäre für Sie die wichtige wirtschaftliche Reform, die man angehen müsste. Welchen Schritt halten Sie für den wichtigen? Ich bedenke mich herzlich. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre netten Worte und Ihre Einschätzungen zu den Themen Arbeitsmarkt und Marktwirtschaft. Ihre Frage zur Target-Salden-Problematik ist berechtigt. Einfach gesprochen, geben Target-Salden an, wie viel Geld per Saldo über die Notenbanken elektronisch von einem ins andere Land fließt und deshalb im abfließenden Land neu geschöpft (heuristisch: "gedruckt") wird, um die Liquiditätsversorgung der Wirtschaft zu sichern. Nach den Statuten der EZB hat jede Zentralbank das Recht, mehr Geld in ihrem Hoheitsgebiet zu schaffen und an die Banken zu verleihen, als es der jeweiligen Wirtschaftsleistung entspricht und als im Inneren des Landes für die Geldversorgung benötigt wird. Nimmt sie dieses Recht in Anspruch, zwingt sie die anderen Notenbanken, in diesem Fall vornehmlich die Bundesbank, die Geldversorgung einzuschränken. Dafür erhält die Bundesbank eine Kreditforderung gegen die EZB, und die EZB entsprechend eine gegen die jeweilige nationale Notenbank, die das zusätzliche Geld schafft. Es handelt sich wirtschaftlich um eine Kreditvergabe der Bundesbank über die EZB an die anderen Notenbanken, und unter Berücksichtigung der Eigentümerstruktur der nationalen Notenbanken letztlich um einen Staatskredit Deutschlands an die Krisenländer. Der Kredit dient einerseits dazu, die enormen Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer weiter zu finanzieren, obwohl sich das private Kapital verweigert, und andererseits der Kompensation von Kapitalflucht und Kapitalrepatriierung aus diesen Ländern. Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target. Zur Ursache der Euro-Krise: Die Finanzmarktkrise, die im Jahr 2007 vom amerikanischen Immobilienmarkt ausging und die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzte, hat die öffentlichen Haushalte in fast allen Staaten der Welt massiv belastet (ausführliche Informationen zur Finanzmarktkrise können Sie in meinem Buch „Kasino-Kapitalismus nachlesen). Zu den Ausfällen von Steuereinnahmen und höheren Kosten für Sozialleistungen kamen erhebliche Belastungen durch Rettungsmaßnahmen für den Finanzsektor und für Konjunkturpakete hinzu. In der Folge traten im Euroraum Ungleichgewichte und strukturelle Defizite zu Tage, die sich seit der Einführung der Gemeinschaftswährung aufgebaut hatten, deren bedrohliche Dimension aber erst in der Krise erkennbar wurde. Anfang 2010 geriet zunächst Griechenland an den Rand des Staatsbankrotts. Angesichts des hohen Haushaltsdefizits und der schwachen Wirtschaftsleistung verweigerte der Kapitalmarkt dem Land neue Kredite und die Refinanzierung auslaufender Verbindlichkeiten. Um den Bankrott zu vermeiden, stützten die anderen Euroländer Griechenland Anfang Mai 2010 mit einem Rettungspaket in Höhe von 120 Mrd. Euro. Nachdem auch andere Staaten wie Spanien, Portugal und Irland immer höhere Zinsen für die Finanzierung ihres Staatsdefizits bezahlen mussten, folgte nur eine Woche später der so genannte Rettungsschirm für den Euro in Höhe von 750 Mrd. Euro. Der Euro-Rettungsschirm setzt wesentliche Grundprinzipien der Maastricht-Verträge außer Kraft, insbesondere die No-bail-out-Klausel. Diese Veränderung hat gravierende ökonomische Folgen. Die Zinsen für Staatsanleihen der verschiedenen Länder, die in Folge der neuen Risikobewertung auseinanderstreben, sollen dadurch künstlich zusammengebunden werden. Damit wird die Steuerungswirkung des Kapitalmarkts, die Schuldner und Gläubiger zu vorsichtigem Verhalten veranlasst, geschwächt. Ausführlichere Informationen dazu finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Euro-Krise. Ihren Ausführungen zum Thema Steuerpolitik kann ich nur zustimmen. Vieles spricht für steuerliche Entlastungen aus strukturellen Gründen. Im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums sorgt die progressive Einkommensteuer für einen überproportionalen Anstieg der Steuereinnahmen in Relation zur Wirtschaftsleistung. Hier sollte angesetzt werden. Außerdem sollte die Regierung den Solidaritätszuschlag, der ursprünglich nur kurzfristig erhoben werden sollte, wieder abschaffen. Es an der Zeit, ihn abzuschaffen und die Schere zwischen dem Brutto- und Nettoeinkommen der Bürger zu verringern. Ihre letzte Frage ist in der Tat eine schwierige. Wahrscheinlich würde ich mich für politische Maßnahmen gegen die Erderwärmung der Erde entscheiden, da die wissenschaftlichen Belege für die Zunahme der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre erdrückend sind. Die Fakten lassen sich nicht mehr leugnen. Ausführlich Stellung dazu nehme ich in meinem Buch „Das Grüne Paradoxon“, das demnächst in 3. Auflage erscheinen wird. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Ihr Artikel im Handelsblatt Sehr geehrter Herr Sinn vielen Dank für Ihren Artikel im Handelsblatt und Ihre zahlreichen anderen Wortmeldungen. Sie sind ein Sprachrohr der Sachkenntnis, dafür bin ich Ihnen in dieser unübersichtlichen Krise dankbar. Ich freue ich schon auf Ihren nächsten Artikel. Ich bin überrascht dass die Nationalbanken immer noch die Möglichkeit haben Geld zu drucken. Badarf das der Zustimmung der EZB? War das der Grund dass Stark und Weber gegangen sind, etwa um den Weg dafür freizumachen? Wo kann man sich als Laie denn informieren was die Aufgaben und Wirkungsmoglichkriten der europäischen Nationalbanken sind? Mit freundlichen Grüssen
Sehr geehrter Herr R., haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ihre Frage zielt auf das ab, was durch die sogenannten Target-Salden gemessen wird. Die Target-Salden geben an, wie viel Geld per Saldo elektronisch von einem ins andere Land fließt und deshalb im abfließenden Land neu geschöpft (heuristisch: "gedruckt") wird, um die Liquiditätsversorgung der Wirtschaft zu sichern. Ausführlichere Informationen finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Dort sind genauere Informationen zum Target-System und zur Euro-Krise verfügbar. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich lese regelmäßig mit Interesse Ihren Gastkommentar im Handelsblatt. In Ihrem Beitrag von letztem Freitag (6. Januar) steht ein Satz den ich nicht unbedingt verstehe: Die Notenbanken bei der Banque de France und der Banca Italia laufen auf Hochtouren, um den Geldabfluss auszugleichen. Wie soll ich dies verstehen, da höchstens die EZB Geld schaffen kann. Oder verweisen sie etwa auf die Schuldenaufnahme der italienischen Banken die wiederum bei der EZB hinterlegt werden um neues Geld zu beziehen? Aber auch dort intervenieren die Nationalbanken nicht. besten Dank im voraus für eine Verdeutlichung mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., wie in dem Gastbeitrag erwähnt, ist eine Kapitalflucht aus Italien und Frankreich zu beobachten. Sie beruht im Wesentlichen darauf, dass ausländische (meistens deutsche) Banken ihre Ausleihungen an diese Länder nicht verlängern und dass Anleger und Institutionen dieser Länder Geld in Deutschland anlegen. Dadurch kommt es zu Geldabflüssen nach Deutschland, die durch die sogenannten Target-Salden gemessen werden. Das fehlende Geld wird von den Zentralbanken dieser Länder nachgeliefert. Heuristisch kann man sagen, es werde „nachgedruckt”, aber da das Geld elektronisch durch Überweisungen über die Grenzen abfließt, wird das Geld auch nur elektronisch neu geschaffen und von den nationalen Zentralbanken an ihre Geschäftsbanken verliehen, um die Kapitalabflüsse ins Ausland auszugleichen. In Deutschland, wo das Geld hinfließt, wird es von den Banken an die Bundesbank verliehen und damit wieder vernichtet. Beachten Sie, dass das Geld nicht von der EZB gemacht wird, sondern von den nationalen Zentralbanken. Die EZB legt nur die Regeln fest. Die nationalen Zentralbanken gehören den Nationalstaaten. Sie haben sich aber eine Dachorganisation, eben die EZB, geschaffen, die die Geschäftsbedingungen definiert, sofern sie geldpolitisch relevant sind. Zur besseren Veranschaulichung empfehle ich Ihnen das Working Paper „Target Loans, Current Account Balances and Capital Flows: The ECB’s Rescue Facility”, das ich zusammen mit Herrn Wollmershäuser geschrieben habe, zu lesen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/rts/rts-mitarbeiter/IFOMITARBSINNCV/CVSinnPDF/CVSinnPDFAndere/NBER_wp17626_sinn_wollm.pdf Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Im Nachtrag zur Antwort des H.Prof.Dr.Sinn, hauptsächlich in Sachen Target-Salden, habe ich eine simpele buchhalterische Aufzeichnung handschriftlich angefertigt und an Hand derer überhaupt keine Entstehung einer Saldo-Möglichkeit ermittelt? Ungeachtet dessen, bin auszugsweise auf eine Abhandlung eines Vortrags des H.Prof.Dr. Sinn vom 04.02.2012 in Stuttgart aufmerksam geworden und kann hier anmerken, dass den dortigen Ausführungen zu 100 % zuzustimmen ist. Die Politik, nicht nur die deutsche, ist auf dem besten Wege, die Zukunft und hier insbesondere die wirtschaftliche, durch die Beschreitung eines völlig falschen Lösungsweges, für zukünftige Generationen zu ruinieren. ( Möglicherweise werden auch noch wir hiervon betroffen sein ) H.Prof.Dr. Sinn gilt für mich seit langer Zeit als der führende Kopf der deutschen Wirtschaftswissenschaften. Ich verfolge seineTeilnahme an Talk Show's mit großem Interesse und empfinde hierbei stets meine laienhaften Einschätzungen zu diesen Themen, durch seine wissenschaftlichen Ausührungen bestätig. Was den Inhalt des Vortrages von Stuttgart anbelangt, gehört dieser sämtlichen Bundestags- und allen Landtagsabgeordenten aller Fraktionen zugestellt, um diesen Leuten eine zusätzliche Abwäge-Orientierung für bevorstehende Abstimmungen zu bieten. Noch wirksamer wäre eine abgewandelte, allgemein verständlich abgefasste Großanzeige in der Bild-Zeitung, welche den Inhalt dieser Ausführungen widerspiegelt. Von einer solchen Absicht sollte die Bundesregierung vorweg unterrichtet werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit ! Mit freundlichen Grüßen Klaus Kretschmer
Sehr geehrter Herr Kretschmer, haben Sie vielen Dank für die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ihrer Idee, den Inhalt meiner Vorträge über die Euro-Krise den Bundestagsabgeordneten vorzulegen, bin ich schon nachgekommen. Zu Ihrer Frage nach den Buchungsvorgängen: In einem Artikel, den ich zusammen mit Herrn Wollmershäuser geschrieben habe, gehe ich ausführlich auf die Buchungsvorgänge ein. Den Artikel finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1215221.PDF. Auf S. 14 sind vereinfachte Bilanzen der Notenbanken mit ausführlicher Beschreibung dargestellt. Ich hoffe, dass Ihnen der Artikel weiterhilft. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielleicht gibt es Wege, Griechenland noch mehr zu verfpänden und unter Aufsicht zu stellen als bisher. Doch auch eine Super-Troika für Griechenland kann eine Rückzahlung der Schuld nur über einen Leistungsbilanzüberschuss erwirken. Und eine Rückzahlugn an Deutschland geht letztlich nur mit einem griechischen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber Deutschland. Anders gesagt: Solange Deutscland Exportweltmeister bleiben will, häufen sich wertlose Target-Forderungen an. Oder mache ich da einen Denkfehler? mit freundlichen Grüssen Werner Vontobel
Sehr geehrter Herr Vontobel, Sie haben grundsätzlich Recht. Natürlich wissen Sie auch, dass wir viel mehr in den Rest der Welt statt nach Griechenland exportieren. Aber der Punkt ist in der Tat, dass wir im Euroraum während der letzten vier Jahre nichts als Target-Forderungen für unsere Exportüberschüsse dorthin erhalten haben. So macht das Exportieren keinen Sinn. Aber der Prozess korrigiert sich insofern, als nun doch wieder mehr Kapital in Deutschland investiert wird, was uns einen Boom und kräftig wachsende Importe beschert. Das ist das Mittel, die Exportüberschüsse abzubauen. Geschützt vor dem weiteren Aufbau von Target-Forderungen sind wir allerdings auch dann nicht, denn die EZB kann im Süden weiter Geld drucken, um den Ländern die Möglichkeit zu geben, mit diesem Geld die bestehenden Schulden uns gegenüber abzubauen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, könnten Sie sich vorstellen, dass das ifo-Institut unter seiner Aufgabe "Bereitstellung von Wirtschaftsinformationen für die interessierte Öffentlichkeit" eine Gesamtschau seiner Erkenntnisse über die finanziellen Auswirkungen der Mitgliedschaft in der Euro-Zone für die Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht? Ich habe den Eindruck, dass eine Anwort (möglichst in tabellarischer Form) auf folgende Fragen auf breites Interesse stoßen würde: 1. Entwicklung der (oft behaupteten) gesamtwirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der Mitgliedschaft im Zeitablauf. 2. Erkennbare/erwartbare Belastung der deutschen Steuerzahler durch: -Bürgschaften -Transfers -Stützungsmaßnahmen für deutsche Banken -Haushaltseinnahmeausfälle (z.B. reduzierte Gewinnabführung Bundesbank (auch wg. nicht bedienter Targets), Steuerausfälle durch vom Schuldenerlaß betroffene Steuerpflichtige) Nebenfrage: Wäre es nicht ein hilfreiches Instrument, sozusagen ein Abwertungssurrogat, Griechenland vorübergehend die Erhebung von Importzöllen und die Gewährung von Ausfuhrsubventionen zu gestatten? (Das kollidierte zwar insbesondere mit EU-Recht. Eine Hürde, die heutzutage wohl zu nehmen wäre.) Mit freundlichen Grüßen Eberhard Kunde
Sehr geehrter Herr Kunde, haben Sie vielen Dank für Ihre Vorschläge. Eine genaue Bezifferung der gesamtwirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der Mitgliedschaft erscheint mir jedoch etwas schwierig. Sicher ist, dass Deutschland eher nicht zu den Profiteuren gehörte. In der Bogenberger Erklärung wird hierzu genauer Stellung genommen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_2011_bogenberger_erklaerung.pdf. Die zu erwartende Belastung der deutschen Steuerzahler durch die vielfachen Rettungsaktionen sind im ifo Haftungspegel aufgeführt: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/_Haftungspegel. Demnach beläuft sich der deutsche Haftungsanteil bei Insolvenz der GIIPS-Länder derzeit auf 676 Mrd. Euro (GIIPS: Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien). Zu Ihrer Nebenfrage: Die Erhebung von Importzöllen ist prinzipiell eine Möglichkeit, die immer wieder auch in der Diskussion vorkommt. Dafür müssten dann aber, wie von Ihnen bereits angemerkt, die EU-Verträge verändert werden. Was dem freilich nahekommt, ist eine Umschichtung der Besteuerung von der direkten Steuer zur Mehrwertsteuer. Das würde die Importe verteuern, ohne dass man mit dem EU-Recht in Konflikt geriete. Nur leider ist der Weg in Griechenland so extrem weit (Abwertung von 30-50% nötig), dass dieser Weg wohl nicht ausreichend ist. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Forsetzung der Diskussion mit Herrn Dr. Ring) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für die rasche Antwort. Zu meiner Frage hätte ich insoweit noch zwei Anmerkungen/Ergänzungen: 1. die Rechte der Bundesbank unterliegen doch insoweit (was Vermögensanlage angeht) dem alleinigen Primat des Deutschen Gesetzgebers. Wir könnten das dann doch selber ermöglichen. 2. oder die KfW könnte den Erwerb der Sachanlagen durchführen. Oder gleich die Bundesrepublik. Es kommt doch nur darauf an, dass eine inländische Organisation im Euro-Ausland erwirbt, oder? Vielen Dank Mit freundlichen Grüßen Stephan Ring
Sehr geehrter Herr Ring, Sie machen hier einen wichtigen Punkt, über den es sich lohnt, ernsthaft nachzudenken. In der Tat ließe sich, wenn die Bundesrepublik Deutschland über die KfW Vermögensobjekte im Süden erwürbe, die Target-Forderung in fungibles Vermögen überführen. Ähnlich geschieht es ja schon durch die offiziellen Rettungsaktionen. Wir geben Kredit in die Südländer über die intergouvernmentalen Hilfsprojekte, und dadurch sinkt der Target-Saldo. Allerdings geschieht das nur, wenn diese Länder das Geld nicht verwenden, um es hier wieder anzulegen oder um sich hier Güter zu kaufen. Aber auch wenn dieser konterkarierende Effekt gering wäre: Letztlich geben wir immer mehr Kapital in Länder, die dieses Kapital verbrennen und haben nicht die Möglichkeit, es dort anzulegen, wo wir es anlegen wollen. Mir scheint deshalb, dass man schon von Vornherein die Vergabe von Refinanzierungskrediten in die Südländer begrenzen muss, indem man mehr Sicherheiten fordert. Das ist auch der Ansatz von Bundesbankpräsident Weidmann, wenn die Presse über seinen Brief an Mario Draghi korrekt berichtet hat. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Vortrag im Bayerischen Hof Target II Salden Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich durfte an Ihrem hervorragenden Vortrag diese Woche teilnehmen. Nun läßt mich eine Frage nicht mehr los: Könnte die Bundesbank oder die BRD nicht durch den Kauf von Sachwerten (Gold, Rohstoffe etc) aus anderen Ländern des Euroraums die Target-Salden reduzieren? Im Ergebnis wären dann nicht Forderungen gegen die EZB sondern die Sachwerte durch die Druckepresse "aufgedrängt" worden. Immer noch besser als nichts. Selbst wenn der Einkauf überteuert erfolgen würde. Vielen Dank Mit freundlichen Grüßen Stephan Ring
Sehr geehrter Herr Ring, das wäre der Clou. Ich war in der Tat einen Moment lang verblüfft von dieser einfachen Lösung. Aber, soweit ich weiß, darf die Bundesbank das nicht. Sie darf nur mit Banken auf ihrem Territorium Geschäfte machen. Ich glaube, wir kommen nicht um den Ausgleich zwischen den Notenbanken herum. Mein Vorschlag, den ich zusammen mit acht anderen Ökonomen der European Economic Advisory Group at CESifo ausgearbeitet habe, lautet, dass die Regierungen der Eurozone staatliche Pfandbriefe ausgeben sollten, die nach einheitlichen Kriterien mit Immobilien oder vorrangigen Ansprüchen auf künftige Steuereinnahmen des Emissionslandes besichert sind. Wir sind der Meinung, dass diese Pfandbriefe zur jährlichen Tilgung der Target-Salden verwendet werden können. Den detaillierten Bericht dazu können Sie der ifo-Homepage entnehmen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe immer noch nicht, warum deutsche Banken und Versicherungen in dem Maße wie südländische Finanzinstitute ihre Verbindlichkeiten bei deutschen Finanzinstituten tilgen, die deutschen Institute Forderungen gegen die Bundesbank erhalten. Forderungen von deutschen Banken und Versicherungen an die Bundesbank können doch nur entstehen, wenn die Finanzinstitute die Tilgungszahlungen der Südländer wieder bei der Bundesbank anlegen würden. In dem Maße, wie die zurückerhalten Spargelder aber z.B.innerhalb Deutschlands verliehen werden (nicht an die BUBA sondern z.B. an deutsche Unternehmen) oder wieder privat an die Peripherie oder auch andere Länder fließen, entstehen doch keine Forderungen der Bankinstitute und Versicherungen an die Bundesbank. Vielleicht können Sie mir helfen den Zusammenhang besser zu verstehen. Herzliche Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, Geld, das im Süden gedruckt wird, fließt in die erzwungene Schuldentilgung bei den deutschen Banken, und im gleichen Umfang geht der Refinanzierungskredit in Deutschland netto zurück, was auch heißen kann, dass Banken Geld bei der Bundesbank anlegen. Wäre das nicht so, stiege die Geldmenge bei uns, was sie nicht tut. Die Banken verringern also ihre Nettoschulden bei der Notenbank oder erhöhen ihre Nettoforderungen gegen die Notenbank in dem Maß wie Geld zuströmt. Da der Geldzustrom zu einer Target-Forderung der Bundesbank gegen das EZB-System und einer Target-Schuld der Süd-Notenbanken gegen das EZB-System führt, wird unsere Ersparnis eins zu eins von Forderungen gegen die Südbanken in Forderungen gegen die Bundesbank umgewidmet, die selbst im gleichen Umfang neue Forderungen gegen das EZB-System sind. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich klar machen, dass der Verleih der zurückerhaltenen Spargelder an den privaten Sektor für sich genommen zu einem Übermaß an Liquidität in Deutschland führt, das abgebaut werden muss. Die Bank verleiht vielleicht an den Häuslebauer, und der zahlt sein Geld an den Handwerker. Aber dadurch verschwindet das Geld nicht. Es wandert nur vom einen Konto zum anderen. Die Überschussliquidität legen die Banken bei der Bundesbank an. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich beziehe mich auf Ihren Artikel in der FAZ, in der Sie gegen die Position von U. Bindseil argumentieren. Dort führen Sie u.a. aus: "Eine einfache Minimallösung, die ebenfalls Wirkung entfalten könnte, hat der frühere Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger vorgeschlagen. Er will die Target-Salden mit progressiv gestaffelten Strafzinsen belasten, die dann von den Defizitländern an die Überschussländer abgetreten werden." Wäre dsa Ergebnis nicht noch einfacher zu erzielen, wenn eine Gewinnverteilung innerhalb des ESZB nicht nur nach Anteilen an der EZB erfolgte, sondern nach der nationalen Geldschöpfungsaktivität, die letztlich in den Targetsalden zum Ausdruck kommt? Der Münzgewinn, der national anfällt, bedarf doch einer Verteilung auf dsa Gesamtsystem, so wie auch die Preiswirkung der Geldschöpfung sich im gesamten Währungsraum entfaltet.
Sehr geehrter Herr Warth, vielen Dank für Ihre Zuschrift. Natürlich kann man so verfahren, wie Sie sagen. Aber wenn Strafzinsen für die Target-Kredite gezahlt werden müssen, dann kann man die ja mit den EZB-Gewinnen verrechnen. Das kommt auf dasselbe hinaus. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Artikel in der Wirtschaftswoche Nr. 10 auf Seite 19 Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren, auf Seite 19 ist der Haftungsanteil für Deutschland mit € 675 Milliarden vermerkt. In dieser Summe ist unser Haftungsanteil bezogen auf unsere Hilfeleistungen für Portugal-Irland-Italien-Griechenland-und Spanien, mit € 277 Milliarden vermerkt. Die weiteren Zahlenangaben über deutsche Haftungsrisiken lauten: € 94 und € 22 2 253 12 und 15 = zusammen € 398 Milliarden = € 277 + € 398 somit insgesamt € 675 Milliarden sind ihrer Herkunft bzw. Entstehungsursache nach, in dieser Abhandlung nicht beschrieben. Bitte erläutern Sie mir noch die Schuldenherkunft- und/oder Haftungsgründe für die Entstehung derZahlen: € 94 + € 22 + € 2 + € 253 + € 12+€ 15 alle in Milliardenhöhe. Nach meinem Zahlenverständnis kommt zu der Haftungssumme von € 675 Millarden noch die Restrisikosumme aus dem Target-System betrefend Deutschland, in Höhe von € 498 Milliarden hinzu so dass wir von einem diesbezüglichen deutschen Gesamtrisiko von € 1.173 Milliarden sprechen. Herzlichen Dank für Ihre freundliche Hilfe Mit besten Grüßen Klaus Kretschmer
Sehr geehrter Herr Kretschmer, die rechte Säule, auf die Sie mich angesprochen haben, gibt an, wie groß die deutsche Haftung für den Fall ist, dass die GIIPS-Länder insolvent werden (GIIPS: Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien). Lange vor den politischen Diskussionen und Entscheidungen zum Rettungsschirm begann die Stützung der Krisenländer durch die Gewährung von Target-Krediten innerhalb des EZB-Systems. Die von Ihnen genannte Zahl von 277 Mrd. Euro ist die Target-Verbindlichkeit der GIIPS-Länder. Der deutsche Haftungsanteil berechnet sich aus dem Kapitalschlüssel der EZB vom 1. Januar 2011. Setzt man den gesamten Euroraum (17 Länder) gleich 100%, entfällt auf Deutschland eigentlich nur ein Anteil von ca. 27%. Für die Risikoberechnung wird jedoch angenommen, dass die Krisenländer GIIPS ausfallen und nur zwölf Euroländer für die ausfallenden Target-Verbindlichkeiten aufkommen können. Auf Deutschland entfallen in diesem Szenario dann ca. 43% der aggregierten Haftungssumme. Im Mai 2010 begann dann die EZB Staatsanleihen im Eurowährungsgebiet aufzukaufen, um den Spannungen im Markt entgegenzuwirken, die den geldpolitischen Transmissionsmechanismus beeinträchtigen. Dies sind die von Ihnen genannten 94 Mrd. Euro. Mit diesen Staatsanleihenkäufen gewährt die EZB den Eurokrisenländern eine Form von Kredit, der im Falle des Zahlungsausfalls nicht zurückgezahlt würde. Der deutsche Haftungsanteil berechnet sich analog zum Anteil der Haftung aus den Target-Krediten. Es wird der oben genannte EZB-Schlüssel, unter der Berücksichtigung, dass die Krisenländer ausfallen, zugrunde gelegt. Deutschland ist mit ca. 43% beteiligt. Die 22 Mrd. Euro sowie die 2 Mrd. Euro stehen für das erste Rettungspaket für Griechenland. Es wurde im Mai 2010 vereinbart, um eine akute Insolvenz Griechenlands zu verhindern. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsleistung von Euroländern und IWF. Griechenland wurden 80 Mrd. Euro von den Euroländern und 30 Mrd. Euro vom IWF zugesagt. Die Kredite werden in Abhängigkeit vom Finanzierungsbedarf des griechischen Staates in einzelnen Tranchen ausgezahlt. Die Slowakei verweigerte ihre Leistungen von Anfang an. Nach der zweiten Tranche hat Irland und nach der vierten Tranche Portugal die Auszahlung eingestellt, weil sie selber Finanzhilfen in Anspruch nahmen. Dies hat zur Folge, dass die ursprünglich zugesagten 110 Mrd. Euro nicht mehr vollständig zur Verfügung stehen, denn die noch beteiligten Länder haben keine Zusagen für mögliche Zahlungsausfälle der anderen Länder übernommen. Insgesamt sind 13 Tranchen bis Juni 2013 geplant. Der deutsche Haftungsanteil für das EZB-Paket richtet sich nach dem Anteil am EZB-Kapital der damaligen Euroländer (Stand: 2010, ohne Griechenland). Dies wurde in den Vereinbarungen zum ersten Rettungspaket festgesetzt. Damit trägt Deutschland 22,3 Mrd. Euro, wenn die Auszahlungen wie geplant fortgesetzt werden können. Am IWF-Rettungspaket ist Deutschland mit einem Anteil beteiligt, der sich nach der Stimmenverteilung im IWF richtet. Deutschland beteiligt sich an den 30 Mrd. Euro mit 6%. Die Euroländer haben im Mai 2010 beschlossen, einen vorläufigen Rettungsschirm zu installieren, es wurden der Europäische Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM; im Mai 2010 in Kraft getreten) und die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF; im Juni 2010 in Kraft getreten) gegründet, die Ländern in Finanznot Geld bereitstellen. Dieser Rettungsschirm wird durch zusätzliche finanzielle Leistungen des IWF unterstützt. Nach einer ursprünglichen Rettungssumme von 440 Mrd. Euro wurde der garantierte Betrag im Oktober 2011 auf 780 Mrd. Euro erhöht (so genannte Ertüchtigung der EFSF). Nach der Festlegung im EFSF-Rahmenvertrag ist Deutschland an dem Garantiebetrag mit 27,0647% beteiligt, das entspricht 211,0459 Mrd. Euro. Im entsprechenden deutschen Gesetz wird festgelegt, dass dieser Betrag um bis zu 20% überschritten werden kann (§1, Absatz 5, StabMechG), sich also auf bis zu 253,255 Mrd. Euro belaufen kann. Das darüber liegende Rechteck stellt den EFSM dar. Da die EFSM-Hilfen aus dem Haushalt der EU geleistet werden, ist der Beitrag Deutschlands entsprechend dem Anteil an den EU-Einnahmen im Jahr 2010 mit 20,0% berechnet (dies sind die 12 Mrd. Euro). Das letzte Rechteck beziffert die Rettungssummen, welche durch den IWF parallel zu den europäischen Hilfen im Rahmen von EFSF und EFSM zur Verfügung gestellt werden. Der deutsche Haftungsbetrag berechnet sich wieder nach dem IWF-Stimmrechtsanteil von 6% und beläuft sich auf 15 Mrd. Euro. Wenn Sie sich laufend über die aktuelle Haftungssumme Deutschland informieren möchten, empfehle ich Ihnen den ifo Haftungspegel, der einmal wöchentlich aktualisiert wird: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/_Haftungspegel?lang=de. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vor ein paar Tagen musste ich in Göttingen umsteigen, hatte ein paar Minuten Zeit und fand Ihr Buch (verbesserte Ausgabe, die Sie angekündigt hatten)frisch in der Bahnhofsbuchhandlung. Mit Interesse habe ich das Buch im Zug gelesen. Erlauben Sie mir - ohne auf Details einzugehen - ein paar grundsätzliche Bemerkungen: 1.) Die Überarbeitung hat Vieles auf den neuesten Stand gebracht und wesentlich verbessert. 2.) Im Kapitel 3 und 5 bleiben drei Grundprobleme in der Argumentation: a)Das "Produkt Strom" ist - im Gegensatz zu fast allen anderen gehandelten Produkten - keine Sekunde lagerfähig. Dies bedeutet, dass in jeder Sekunde in jedem Teilnetz die Stromeinspeisung gleich dem Stromverbrauch sein muss. Daher führt der wirtschaftliche Vergleich von technologischen Herstellungsarten auf der Basis "Herstellkosten" oder "Großhandelspreis" in die Irre. Die Kosten verteilen sich auf die durchschnittlichen Herstellung- plus Netzkosten (50%), den Transportverlusten, den Speicher/Back-up Kosten (grid Management)und den Steuern/Abgaben (40bis 45%). Richtig ist, dass bei den Grundlasttechnologien (Kohle, Uran) die Herstellkosten vergleichsweise niedrig sind. (allerdings nicht ganz so billig wie auf Seite 294, siehe auch Anlage). Da diese Technologien nur in großen zentralen Kraftwerken wirtschaftlich Strom erzeugen, fallen relativ hohe Netzkosten und Netzverluste an. Weil die Stromnachfrage zwischen 0-6 Uhr niedrig ist, fallen zusätzlich Speicherkosten an (siehe Frankreich und Bayern). Insgesamt liegen die Beschaffungskosten lokaler Stromversorger (Herstellkosten plus Transportkosten im Durchschnitt bei etwa 13 Cent/kWh, nicht - wie bei der Differenzkostenberechnung des RWI/bdew zu Grunde gelegt - bei unter 5 Cent. Photovoltaikstrom ist in der Herstellung (noch) sehr teuer, hat aber kaum Transportkosten oder Leitungsverluste. Speicherkosten fallen auch nicht an, da PV Strom im Niederspannungsnetz verbleibt, einfach regelbar ist und nur zur Spitzenverbrauchszeit erzeugt wird. Onshore Windstrom, Offshore Windstrom und Gaskraftwerke liegen zwischen diesen Extremen. Mir geht es nicht um die Argumentation für eine Erzeugungsart. Mir geht es darum, dass die Politik, die ich - wie Sie wissen - etwas kenne, auf Ihren Rat und den Rat von wissenschaftlichen Instituten zu Recht hört und angewiesen ist. Oder ganz konkret für Bayern: Offshore Strom aus der Ostsee, bei Windstille gepuffert mittels schlecht ausgelasteter Gaskraftwerke,über neue Wechselstromautobahnen mit 25% Verlusten nach Bayern geleitet, werden wohl - bei 15 Cent EEG Vergütung und 9% Nettorendite für Netzinvestitionen - für Bayern kaum ein wirtschaftlich sinnvoller Ersatz der bayerischen Kernkraftwerke werden. Zumal wenn lokale Stromspeicher verfügbar werden, wird Ostseestrom kaum in Bayern konkurrieren können. b) Geisterfahrer Deutschland: Mit über 60% der Bruttostromerzeugung mittels Kohle und Kernenergie und kaum Speicherkapazität hat Deutschland eher zuviel als zu wenig Grundlaststromerzeugung. Bayern muss nachts seinen KKW-Strom billig exportieren. Frankreich hat dagegen viel Speicherkapazität für seine Kernkraftwerke. Auf der Basis Kernkraft ist Deutschland in einem gemeinsamen Strommarkt schlicht nicht konkurrenzfähig. Um bei Ihrem Vergleich zu bleiben: Wir fahren bei gemeinsamen Strommarkt wesentlich wirtschaftlicher auf der gleichen Spur mit unterschiedlichem Motor. c) "Wenn wir weniger CO2 ausstoßen, bleibt die Gesamtmenge gleich, weil die anderen mehr ausstoßen." Fast beschwörend kommt dieser Satz immer wieder in dem Buch. Ich bezweifele keineswegs die Grundgesetze der Ökonomie. Nur: Der weltweite und der deutsche Strommarkt sind in einem dramatischen Umbruch. Niemand weiß, welche Kosten mit welcher Technologie verbunden sein werden in 2020 in Deutschland. Es ist schlicht abenteuerlich, wenn heute Beamte erklären, dass wir 4500 km Hochspannungskabel zusätzlich brauchen ohne zu wissen, woher in 2020 der Strom kommt, wie viel dezentral eingespeist wird, wie hoch wann wo der Verbrauch sein wird. Es geht nur mit Fahren auf Sicht und das tun auch die Polen und Franzosen - ohne zu wissen, wie teuer in 2020 die unbekannten Grenzkosten wohl sein werden. Bei Nebel auf der Autobahn kann man nur auf Sicht fahren, auch wenn der Benzinverbrauch anders viel günstiger wäre. Sie haben sicher Recht, dass eine ruhige Diskussion über das Thema notwendig und hilfreich wäre. Leider finden solche Gespräche nicht mehr statt. In Talkshows/Büchern wiederholt jeder eloquent seine Meinung und Politiker zitieren den Experten, der in die Richtung passt. Und wer so eloquent ist wie Sie, der findet keine Diskutanten mehr. Mit freundlichem Gruß Helmuth Coqui
Sehr geehrter Herr Coqui, ich freue mich, dass Ihnen die aktualisierte Auflage meines Buches „Das Grüne Paradoxon“ zusagt und bedanke mich für Ihre Anmerkungen. Ohne auf die Einzelheiten Ihrer Ausführungen im Abschnitt a) einzugehen, möchte ich doch zu einem Gesichtspunkt näher Stellung beziehen. Sie schreiben, dass bei der Differenzkostenberechnung der Erzeugung durch Wind und Sonne gegenüber konventioneller Strombereitstellung die Beschaffungskosten lokaler Stromversorger in Höhe von etwa 13 Cent/kWh zugrunde gelegt werden sollten und nicht die 5 Cent/kWh von RWI/BDEW. Sie begründen das damit, dass z. B. Photovoltaikstrom u. a. kaum Transportkosten oder Leitungsverluste verursacht, im Niederspannungsnetz verbleibt und zur Spitzenverbrauchszeit erzeugt wird. Damit beschreiben Sie eine ziemlich ideale Situation. Tatsächlich ist aber das Dargebot von Wind und Sonne starken Schwankungen unterworfen und auch der damit erzeugte Strom und die zur Verfügung stehende Kraftwerksleistung; so sind vom Windstrom nur etwa 5-10% und vom Photovoltaikstrom nur 1% als sichere Leistung anzusehen. Das bedeutet aber, dass in Zeiten ohne Wind und mit sehr geringer Sonneneinstrahlung für nahezu die gesamte installierte Wind- und Photovoltaikleistung Reservekraftwerke benötigt werden und auch das gesamte Netz in Anspruch genommen wird, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Für die Differenzkostenrechnung stellen also die 5 Cent/kWh, wie sie etwa derzeit an der Strombörse festgestellt werden, die realistische Basis dar. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Forsetzung der Diskussion mit US vom 5. März 2012) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin überrascht und erfreut, dass Sie sich die Mühe machen, Anfragen persönlich zu beantworten. In einzelnen Punkten bin ich allerdings anderer Meinung. Löhne: Sie sagen, dass eine politisch beeinflusste Lohnerhöhung in Deutschland eine Flaute hervorruft, Abeitslosigkeit entsteht und sowohl Importe als auch Exporte fallen. Auch wenn man keiner gewerkschaftlichen Ideologie anhängt, kann man erkennen, dass nicht zwangsläufig eine Flaute kommen muss. Eine Reallohnerhöhung oberhalb des Produktivitätswachstums bedeutet erstmal eine Umverteilung von den Unternehmensgewinnen in die Hände der abhängig Beschäftigten, die womöglich eine niedrigere Sparquote haben. Im Exportsektor würden die Gewinne fallen, die Binnenwirtschaft könnte durch steigende Binnennachfrage profitieren und mehr umsetzen. Das gilt jedenfalls, sofern die (maßvollen) Lohnerhöhungen nicht zu zahllosen Firmenpleiten führen. Die Wirtschaftstätigkeit im Inland würde wahrscheinlich in der Summe steigen, wobei im Exportsektor weniger und in der Binnenwirtschaft mehr erwirtschaftet / produziert würde. Zudem gäbe es Druck auf die Preise in Deutschland, insbesondere im Exportsektor, was aber ja Zweck der Übung war. Lohnnebenkosten: Sie haben noch nichts zu dem Vorschlag gesagt, die starke deutsche Wettbewerbsposition über die Lohnnebenkosten zu dämpfen. Sarkozy kündigte vorgestern an, die Schröderschen Reformen zu Senkung der Lohnnebenkosten mit Hilfe einer Umsatzsteuer-Erhöhung nachzuahmen. Es würde im Sinne der europäischen Ungleichgewichte helfen, wenn Deutschland das Gegenteil täte - sodass Exportprodukte verteuert werden und die ausländischen Importeure deutscher Waren stärker als bisher an der Finanzierung unseres Sozialsystems beteiligt werden. Diese Umsteuerung ließe sich schnell umsetzen und später auch wieder umkehren, falls Deutschland eines Tages einmal ein Leistungsbilanzdefizit haben sollte. Nun werden Sie sagen, dass Deutschland nicht nur mit Europäern, sondern auch mit Chinesen und Amerikandern im Wettbewerb steht - das stimmt zwar, aber der deutsche Leistungsbilanzüberschuss erzeugt eine erhebliche Nachfrage nach Euros auf dem Devisenmarkt, sodass der Eurokurs auch dadurch hoch gehalten wird. Ohne unsere Überschüsse würde der Euro etwas abwerten und Resteuropa wieder etwas mehr Luft zum Atmen geben. Zinsen in Italien: Mag sein, dass die ital. Zinsbelastung 2012 laut Eurostat bei 5% des BIP liegt, allerdings konnten man sich dort bis vor kurzem ja relativ günstig verschulden. Die hohen Refinanzierungskosten werden erst im Laufe der Zeit wirksam, wie Sie sicher wissen. Italien hatte bis 1996 Inflationsraten von 4 bis über 6%, insofern war die Hälfte der genannten Zinslast (von 10%) faktisch reale Entschuldung, die eine entsprechende nominale Aufschuldung erlaubte. Der Vergleich hinkt, genauso wie der Vergleich mit Deutschland, da die Transfers nach Ostdeutschland sofort nachfragewirksam wurden und oft zu westdeutschen Unternehmen und zurückflossen. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass die aktuell anfallende Zinslast für Italien durchaus noch zu schultern ist. Die EZB hilft ja derzeit maßgeblich dabei, dass es noch eine Weile finanziebar bleibt. Flaute von Italien: Sie sagen, dass Italien über ein Flaute zur realen Abwertung gezwungen werden muss. Flaute und reale Abwertung bedeuten aber praktisch Deflation und Massenarbeitslosigkeit. Überlegen sie, wieviel volkswirtschaftliche Ressourcen in so einer Zeit der Preisanpassung nach unten ungenutzt bleiben! Niemand mit Verstand würde für sein eigenes Land eine Deflation emfehlen, um relative Preise anzupassen, sondern immer eine moderate Inflation vorziehen. Nun sind wir aber in der Situation, wo wir zwischen einer Inflation in Deutschland und der Deflation in Spanien, Italien, Portugal zu wählen haben - als gute Europäer muss der Weg aus der Krise auch über eine reale Aufwertung Deutschlands führen. Die Konsequenzen einer etwas höheren Preis- und Lohnsteigerung in Deutschland sind weit weniger dramatisch als die Konsequenzen einer jahrelangen Deflation in Südeuropa. Viele Grüße US
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für die nochmalige Rückmeldung. Mich wundert, dass Sie nicht den Unterschied zwischen einer nachfrageinduzierten Lohnerhöhung sehen, die es geben wird und geben sollte, und einer aufoktroyierten Lohnerhöhung, die Lagarde & Co wollen. Dass letztere die klassische Arbeitslosigkeit hervorruft, werden Sie nicht in Abrede stellen wollen. Auch nicht, dass es unwahrscheinlich ist, dass eine solche Lohnerhöhung die Nachfrage eher senken würde, weil ja die Summe aller Einkommen wegen des Rückgangs der Beschäftigung fällt. Was Sie zu den Schwierigkeiten einer realen Abwertung durch Deflation sagen, kann ich nur unterschreiben. Dazu habe ich immer wieder in Artikeln Stellung genommen mit dem gleichen Tenor wie Sie. Das genau ist ja das Problem. Man braucht die Deflation, um wettbewerbsfähig zu werden, kriegt sie aber nur um den Preis der realen Kontraktion. Wenn der Weg zum Gleichgewicht groß ist, gibt es im Euroraum keine Lösung! Bezüglich der Zinslast für Italien ist es so, wie ich sagte. Eurostat schätzt 5% des BIP für 2011, und in den neunziger Jahren waren es 10%. Sicher, damals hat die Inflation die Schuld entwertet. Man musste nicht tilgen. Da haben Sie Recht. Aber immerhin war die reine Zinslast relativ zum BIP doppelt so groß wie für 2011. Das ist eine großer Unterschied. Und wenn die Last zu groß ist: Warum zwingt Italien nicht seine Bürger, die die Papiere ja halten, sie zu mäßigen Zinsen weiter zu halten, anstatt die Staatengemeinschaft durch den EFSF zu zwingen, sie zu kaufen. Wieso muss die europäische Staatengemeinschaft den italienischen Vermögensbesitzern die als toxisch angesehenen Staatsanleihen abkaufen? Berlusconi hatte sich kurz vor dem Ende seiner Amtszeit noch damit gebrüstet, dass die Italienischen Haushalte besonders reich sind. Er hatte ja Recht. Die Wohneigentumsquote in Italien ist wesentlich höher als in Deutschland, und es gibt in bürgerlichen Kreisen einen Wohlstand, den ich in Deutschland noch nicht gesehen habe. So gesehen fällt es mir schwer einzusehen, warum meine Kinder und Sie zu Gläubigern des italienischen Staates werden sollen, indem sie die Luxemburger Bad Bank garantieren. Ich halte das für ein ziemlich sicheres Rezept, in Europa Unfrieden zu schüren. Wenn Sie privat italienische Papiere kaufen wollen, weil Sie sie für attraktiv halten, können Sie es ja tun. Wieso wollen Sie sich durch kollektiven Beschluss zum Kauf verpflichten? Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin wirklich sehr angetan von Ihrem gestrigen Vortrag in Kiel. Aber obwohl Sie die Kernprobleme der Euro-Schuldenkrise wirklich beeindruckend klar und präzise auf den Punkt bringen, habe ich das Gefühl, dass Sie die Sache in manchen Punkten nicht konsequent zu Ende denken: - Sie sagen, dass die Krisenländer eine reale Abwertung brauchen. Problem: Wenn die versuchen, im nötigen Ausmaß billiger zu werden, gibt es dort Firmenpleiten und womöglich einen Bürgerkrieg - dieser Weg ist nicht gangbar. Sie sagen auch, dass wir in Deutschland teurer werden müssen (reale Aufwertung), aber dass wir das nicht wollen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie etwas mehr darauf eingehen, was die Politik dazu beitragen könnte, dass Deutschland real aufwertet. Sie räumen (während der Diskussion) ein, dass die Löhne bei uns jetzt natürlicherweise steigen könnten, aber nach Ihrer Einschätzung sollte dies nachfrageseitig vom Markt gesteuert werden, statt es politisch zu verordnen. Aber: Wenn Griechenland abseits von "natürlichen" Lohnverhandlungen die Löhne teilweise um 40% kürzt, warum soll der deutsche Staat die Lohnsetzung und die Binnennachfrage nicht auch maßvoll (!) beeinflussen? Man könnte hier z.B. die Lohnnebenkosten erhöhen, um die Exporte zu verteuern, und im Gegenzug die Mehrwertsteuer senken, um Importe zu stimulieren (allerdings möglichst verteilungsneutral). Man könnte die öffentlichen Löhne als Lohnlokomotive einsetzen und durch öffentliche Erklärungen ein Klima schaffen, das gewerkschaftliche Lohnforderungen nicht prinzipiell als maßlos geißelt, sondern ein etwas höheres Niveau der Lohnsteigerungen für alle Branchen gleichzeitig empfiehlt. Deutschland könnte mit diesen Maßnahmen die Ungleichgewichte abdämpfen und ohne große eigene Schmerzen und Bürgerkriege zu einem echten Realignment beitragen. - Sie kritisieren Frau Lagarde dafür, dass sie Sanktionen gefordert hat, wenn ein Land hohe Leistungsbilanzüberschüsse produziert. Aber letztlich muss die Diskussion doch genau in diese Richtung gehen! Besser wäre natürlich ein marktbasiertes Anreizsystem, dass automatisch zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzsalden beiträgt, aber wenn das nicht verfügbar ist, muss eben die Wirtschafts- und Sozialpolitik zentral koordiniert werden, sodass außenwirtschaftliche Ungleichgewichte im Rahmen bleiben. - Sie sagen mit Recht, dass die Ausspreizung der Zinssätze ein Marktsignal und ein notwendiger Anreizmechanismus ist, damit in den betroffenen Länder die weitere Verschuldung unattraktiv gemacht wird. Daher solle man dieses Marktsignal nicht durch Vergemeinschaftung der Risiken kaputt machen. Was Sie dabei nicht sagen ist, dass Italien höchstwahrscheinlich in der Schuldenspirale versinken würde, wenn dieses Land auf Dauer 7% Zinsen für die 10jährigen (bei 120% Verschuldung, 2% Inflation und ohne reales Wirtschaftswachstum) zu schultern hätte. Marktsignale sind eine gute Sache, aber wenn dann Italien in den "Default" geht, ist es keine gute Lösung. - Sie sagen, dass ohne die Target-Salden der Kapitalmarkt eine Lösung finden würde, um die Geldabflüsse auszugleichen, indem sich z.B. italienische Banken bei deutschen Banken zu höheren Zinsen als 1% Geld leihen würde; und dass die EZB durch die "verliehene Druckerpresse" nötige Marktsignale unterdrückt und damit Ungleichgewichte perpetuiert. Das stimmt zwar, aber die EZB versteht ihren Auftrag auch so, dass sie für eine ausreichende Liquiditätsversorgung der italienischen Wirtschaft zu sorgen hat. Würde sie das "Gelddrucken" kontingentieren, würde deutlich teurere Liquidität den italienische Kredit- und Kapitalmarkt ziemlich austrocknen und zahllose Firmen wären von der Pleite bedroht. Das wäre das Gegenteil von der geforderten Liquiditätsversorgung der Wirtschaft - die EZB tut das Richtige. Die Ungleichgewichte müssen auf andere Weise gelöst werden. Also, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin wirklich begeistert von Ihrem Vortrag gestern und unterschreibe so gut wie alles, ich würde mir nur wünschen, dass Sie in einigen Punkten die Konsequenzen zu Ende denken und gangbare Lösungswege klarer beschreiben. Viele Grüße US
Sehr geehrter Herr S. vielen Dank für die Rückmeldung. Lassen Sie mich auf einige Punkte antworten. Löhne: Wenn man die Löhne politisch anhebt, wird Deutschland in die Flaute gedrückt, und es entsteht klassische Arbeitslosigkeit bei fallenden Importen und fallenden Exporten. Möglicherweise steigt sogar der Leistungsbilanzüberschuss, was die falsche Reaktion wäre. Wenn aber wir die Rettungsschirme knapp halten, dann boomt Deutschland, weil das Kapital hier bleibt, und die Importe steigen. Die Exporte werden wie bei der anderen Variante gedrückt. Nur so kann man Lohnerhöhungen begründen, nicht über den Weg von Frau Lagarde. Zinsen für Italien. Eurostat schätzt, dass Italien im Jahr 2012 eine Zinslast von 5% des BIP haben wird. In den neunziger Jahren hatte Italien 10% des BIP als Zinslast. Westdeutschland hatte damals eine Last von 6% für Zinsen und die Transfers in die neuen Länder. Italien ist offenbar weit davon entfernt, seine Zinsen nicht allein schultern zu können. Die Behauptung, es könne sie nicht schultern, ist eine Zweckbehauptung. Austrocknen von Italien: Dass Italien höhere Zinsen zahlt und über eine Flaute zur realen Abwertung gezwungen wird, ist unerlässlich, wenn die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen soll. Die vermeintliche Rettung durch Kredite zu 1% Zins für 3 Jahre schlägt das private Kapital in die Flucht und verhindert den Prozess der realen Abwertung für Italien. Es gibt keine anderen Wege, die Ungleichgewichte zu lösen als durch die reale Abwertung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte damen und herren am institut, als wirtschaftlich interessierter pensionaer in Kentucky, USA, lese ich mit meinem amazon-kindle taeglich deutsche presse. insbesondere mit grossem vergnuegen die artikel von und interviews mit Ihrem chef prof. SINN. heut habe ich folgende frage: wenn doch die griechischen anleihen einen schuldenschnitt von ueber 50% erfahren, koennten doch die hilfsgelder von jetzt ueber 100 mrd euro auch um diesen %satz gekuerzt werden? bitte uebermitteln sie Ihrem chef meine hochachtung vor seiner wahren und verstaendlichen verkuendung finanzwirtschaftlicher wahrheiten. mit freundlichen gruessen ekkehard siska
Sehr geehrter Herr Siska, ich freue mich über Ihre netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir und auch dem Institut aussprechen. Ich verstehe Ihre Logik, aber die Hilfsgelder sind natürlich schon so berechnet, dass sie die Erleichterung durch den Schuldenschnitt beinhalten. Griechenland würde sicher argumentieren, dass ohne den Schuldenschnitt die Hilfsgelder noch höher ausfallen müssten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, unter Ökonomen ist es weitgehend unstrittig, dass der Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion eigentlich unumgänglich ist, um in absehbarer Zeit wieder wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu werden. Ich teile diese Auffassung. Das Gegenargument gegen den Austritt Griechenlands aus dem Euro lautet stets: Die Folgen wären unkalkulierbar. Sie wären noch gravierender als nach der Insolvenz von Lehmann Brothers. Ich bat Herrn Dr. Peter Gauweiler, den ich vor vor wenigen Tagen zu diesem Thema gehört habe, und der auch den Ausschluss Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion befürwortet, ob er die Folgen eines Ausschlusses Griechenlands aus der Eurozone nicht wenigstens grob umreißen könne. Diese Frage hat er schlicht ignoriert. Nun wende ich mich an Sie in der Hoffnung, dass von Ihrer Seite die Folgekosten eines Ausschlusses Griechenlands aus der Eurozone in groben Umrissen benannt werden können. Denn eines scheint mir auch klar zu sein. Die verantwortlichen Politiker können nicht eine Maßnahme befürworten, deren Folgen sie überhaupt nicht kennen. Griechenland aus der Eurozone auszuschließen und dann zu warten, was passiert, das wäre sicher nicht verantwortliches politisches Handeln. Mit freundlichen Grüßen Dr. Dietrich Hölzle
Sehr geehrter Herr Hölzle, die genaue Höhe der Folgekosten kann Ihnen niemand nennen. Die eigentliche Frage lautet doch, wie man Griechenland helfen kann. Wenn das Land im Euroraum verbleiben möchte, muss es, um wieder wettbewerbsfähig zu werden, um 30% billiger werden. Das ist das türkische Niveau. Bei einer Abwertung von dieser Größenordnung im Euroraum durch Kürzung von Löhnen und Preisen wird das Land allerdings zerbrechen. Die Gewerkschaften militarisieren das Land, und die Firmen der Realwirtschaft gehen in den Konkurs, weil ihre Aktiva im Wert fallen, während ihre Bankschulden bleiben. Im Euroraum wettbewerbsfähig zu werden ist deshalb nicht möglich. Also bleibt nur der Austritt. Je länger die Griechen den Austritt aufschieben, desto höher werden die Außenschulden ausfallen. Nur die Einführung der Drachme kann die Lage überhaupt stabilisieren. Die Außenschulden bleiben natürlich und steigen im Verhältnis zum abgewerteten Bruttoinlandsprodukt. Aber das wäre bei einer inneren Abwertung durch Preissenkung genauso. Beim Austritt kann man allerdings die Lex Monetae anwenden und die Außenschulden ebenfalls in Drachme verwandeln. Das ist ein weiterer Vorteil. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Dear Professor Sinn, I have question to you. If I have understood you correctly your position is that the Greek crisis is nothing but a classical balance of payments crisis although the deficit could prevail over a longer period of time because the Greek had access to the central bank had access to the printing press of the ECB. Does this imply that you consider it very unlikely or even ruled out that the Montenegrine balance of payments cannot get as deeply in red without "natural" market mechanisms closing the access to credit at an earlier stage and thus preventing such a deep correction crisis such as in Greece. Montenegro is unilaterally "euroized" which ought to mean that a Montenegrine deficit in the balance of payments must be financed under market conditions. Did I get you right? Flavian, Sweden
Dear Mr. B., This is an interesting question, about which I have not thought thus far. (I cannot remember having ever commented on Montenegro.) I have no statistics about Montenegro in front of me, and I have no time to look them up either. Let me therefore speculate. Consider two cases. a) No banknotes cross the border, all money flows electronically. As Montenegro cannot create euros, they cannot have a (permanent) balance of payment deficit with the Eurozone. There can only have a balanced situation or a surplus. This case is not approximating the Montenegrian situation, I guess. I rather find the other case more plausible. b) Greeks shuffle bank notes to Montenegro to buy real property there, trying to safeguard their wealth to shield against the risk of default and Grexit. (After all, I do know that the Greek central bank has issued many more bank notes than would be needed for normal circulation.) The suitcase capital export to Montenegro should create a real estate-driven economic boom there which will absorb some of the euros for transactions purposes, but probably not all. The non-needed euros are given to the Montenegrian banking system which then uses it to buy assets in the Eurozone (or to help clients doing that or buy goods in the Eurozone) via the Target system. This makes a Montenegrian measured balance of payment deficit coinciding with a boom. But it would not be an actual balance of payment deficit given that what we measure is always only the electronic money transfer via the Target accounts, not the suitcase transfer of banknotes. (Measured balance of payment imbalances always refer to bank transfers only. No one measures suitcase transfers.) I hope this answered your questions. Please let me know if that was not the case. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diksussion vom 28. Februar mit Herrn L.) Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Mit einer Einführung von einer "Vermögensteuer" meine ich ja gerade "nicht" die mittlere und untere Schicht der Steuerzahler, sondern gerade die, die über mehr Vermögen verfügen. Letztlich gilt doch für alle Staaten, die Schulden haben: Die Schulden müssen getilgt werden, fragt sich doch nur, von wem - und hier können nur die breiten Schultern mehr tragen als die schmalen. Dies ist langfristig auch im Sinne der Vermögenden, denn , wenn es zu einer Geldentwertung käme, wären gerade die Vermögenden betroffen. Ich bin mir sicher, daß zur Zeit von der EU alles getan wird, um eine entsprechende Sanierung Griechenlands vorzubereiten und m.E. gibt es keine andere Möglichkeit, als Griechenland - wie eine Firma im Insolvenzfall auch- zu sanieren. Alles andere wäre noch teurer und vor allem unkontrollierbar ! wie Steinbrück schon sagte: Wir haben nun 20 Jahre 2 Bio. EUR nach Ostdeutschland transferiert, nun können sie überlegen, wie lange wir entsprechende Beträge nach Europa transferieren. Im übrigen - wenn wir mal überlegen, dass wir in Deutschland über 4 Bio. (!) EUR Geldvermögen haben, wäre es ein Klacks, Griechenland zu helfen. Hier fehlt doch nur der Wille, die Bereitschaft und ...... Man muß doch nur mal überlegen, auf welchem Niveau die ganzen Debatten geführt werden ... Wir müßten dankbar sein, daß wir nicht in Syrien leben oder im hungernden Afrika etc . -- also sollten wir auch bereit sein, dafür etwas zu zahlen .... etc
Sehr geehrter Herr L., vielen Dank für die Rückmeldung und für die von Ihnen gemachten Anmerkungen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe vor einiger Zeit im deutschen Fernsehen ein Interview (vielleicht auch eine talk show) gesehen und Sie legten m. E. - bei allem Fuer und Wider - ziemlich schluessig dar, dass eine Rueckkehr Griechenlands zur Drachme wohl das einzige Mittel sei, damit das Land wieder oekonomisch auf die Beine kaeme. Ein ueberrzeugendes Argument fuer mich war, dass eine ansonsten notwendige austerity Politik zu sozialen Unruhen und zu buergerkriegsaehnlichen Zustaenden fuehren wuerde.Genau das scheint jetzt einzutreten. Inzwischen zeigt sich jedoch eine weitere Entwicklung, dass die Deutschen zum Hassobjekt zumindest des suedlichen Europa geworden sind, wobei es sogar in Frankreich politisch gewichtige deutschenfeindliche Aeusserungen gegeben hat. Man muss ja als Deutscher/Deutsche nicht unbedingt geliebt werden wollen, aber fuer die ungeheuren materiellen Opfer der deutschen Steuerzahler auch noch zum Hassobjekt in weiten Teilen Europas zu werden, ist schwer zu verkraften. Nur ein Beispiel dafuer war in der Londoner Times vom Samstag 18.Feb. 2012, S. 44 zu lesen: Der Griechenlandkorrespondent der Times berichtet ueber ein neues Buch der Erfolgsauthorin Eleni Nicolaidou: "Starvation Recipes, wie die Griechen die Hungersnot waehrend der Nazi Okkupation zu lindern versuchten". Die Authorin stellt fest, dass es Parallelen zwischen einst und jetzt gibt: "Die Deutschen vertrieben die Griechen von den Arbeitsplaetzen, ohne ihnen das Geld zu geben, das ihnen zustand,es gab obdachlose Leute, es gab Leute, die den Muell durchsuchten, es gab Leute, die das Land verliessen und gezwungen wurden, in Deutschland zu arbeiten, es gab Kinder, die unter Hungersnot litten.Alle diese Dinge passieren heutzutage auch........ Der Hunger war so ungeheuer, dass viele Leute zum aeussersten schreiten mussten, zu einem Platz zu gehen, wo deutsche Soldaten assen und tranken, und darauf zu warten, dass sie sich uebergaben und ihr Ausgekotztes zu essen" Ich lese in Londoner Zeitungen auch, dass Griechische Millionaere derzeit verstaerkt Wohnungen in London erwerben. Mit freundlichen Gruessen Kurt Munker
Sehr geehrter Herr Munker, haben Sie vielen Dank für Ihren Zuspruch und den an mich weitergeleiteten Artikel aus der Londoner Times. Ich kann Ihnen nur zustimmen. Es ist schwer zu verkraften, dass das Ansehen Deutschlands in Europa so zu leiden hat. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Nach langer Zeit mal wieder einen Kommentar von mir. Habe gerade im Internet o.a. Information gelesen mit dem Hinweis auf die Ignoranz des Umfelds von Prof. Sinn, da möchte ich doch noch eigene kürzliche Erfahrungen zum EEG hinzufügen. Prof. Sinn hat ja mit Abgesang auf das EEG (Bayerische Akademie der Wissenschaften) schon Klartext gesprochen, aber auch das hat keine direkt erkennbare Auswirkung gehabt. Nun hat die WAZ (Westd. Allg. Zeitung) letzte Woche kurz hintereinander mit "Immer mehr können den Strom nicht mehr bezahlen" und "Energie-Armut grassiert" darauf hingewiesen, dass viele Verbraucher aufgrund der EEG-Verteuerungen ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, um dann aufgrund der Kürzungen in der SOLARFÖRDERUNG das Jammern der Solarindustrie über Verlust an Arbeitsplätzen hierdurch zu erwähnen. Ich hatte schon vor langem den Hinweis sowohl an WAZ, als auch an die VDI-Nachrichten gegeben, dass SUBVENTIONEN bei SOLAR/WINDKRAFT letztlich die INNOVATIONEN verhindern. Aber es zeigt sich immer wieder, dass Resistenz gegen vernünftige Argumente bestehen, insbesondere, wenn sie nicht "von der herrschenden Klasse" sind. Das Thema "Griechenland" wird uns noch sehr beschäftigen. Ich hatte durch meine berufliche Tätigkeit in der Schiffsantriebstechnik noch vor der Jahrtausendwende viel in Griechenland zu tun (U-Boote, Neue Fähren) und weiss, dass diese Projekte alle schon mit EU-Geldern finanziert wurden. Griechenland ist kein Fass ohne Boden; es ist ein "Schwarzes Loch"! Mit freundlichen Grüssen Dr. Wilhelm Schäfer, Witten
Sehr geehrter Herr Schäfer, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Ich habe sie zur Kenntnis genommen und kann Ihnen nur zustimmen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geerhrter Herr Sinn, ich habe Ihren Artikel bezügl. Restrisiko bei der Dt.Bundesbank, 500 Mrd. EUR gelesen. Natürlich sind diese gesamten Schulden von Deutschland ein Problem - jedoch - wir haben in den letzten 20 Jahren 2000 Mrd. EUR nach Ostdeutschland transferiert - nur aus Deutschland ! Für mich steht außer Frage, daß wir letztendlich Griechenland, ITalien /Portugal/Spanien - vielleicht gesamt mit 2000 Mrd. EUR sanieren !!! müssen. Dies müßte meines Erachtens in 20 - 25 Jahren gemeistert werden! Der Staat müßte m.E. die Vermögensteuer wieder einführen - damit von dem riesigen Teil des Geldvermögens in deutschland ( über 4 Billionen EUR ) wieder zurück an den Staat geht. Wenn Schulden gemacht werden für die Bundesbürger, muß sofort auch überlegt werden, wer bis wann die Schulden zurückzahlt, wie in jedem privaten Haushalt. Und dann meine ich - können die breiten Schultern ein bischen mehr tragen als die schmalen ! Gruß
Sehr geehrter Herr L., Sie wollen also das Vermögen anderer Leute von Deutschland in den Süden Europas verteilen? Dazu wird es nicht allein kommen. Die Rentner, Hartz-IV-Empfänger und vor allem die normalen Arbeitnehmer werden die Hauptleidtragenden sein. Die meisten Steuern kommen immer von den Arbeitnehmern, und das meiste Geld des Staates wird für soziale Leistungen verwendet. Das dürfen Sie nicht vergessen. Die Unteren werden mit Sicherheit härter als die Oberen getroffen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihren offenen Brief, den ich hier gelesen habe: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2012/02/10/klarheit-uber-target-salden-ein-offener-brief-von-hans-werner-sinn_4274 Ihren zweistündigen Universitätsvortrag habe ich auch gesehen, einfach klasse! Anmerken möchte ich aber, dass in den Kommentaren unterhalb von Ihrem offenen Brief darauf hingewiesen wurden, dass die Target-Salden in den USA (derzeit?) nicht ausgeglichen werden und ähnliche Größenordnungen erreicht haben wie in Europa. Ab hier der Original-Kommentar: ============== schnipp ============== Prof. Sinn schlägt zur Beseitigung de Ungleichgewichte im europäischen Zahlungssystem eine Umstellung auf das amerikanische Verfahren vor, bei dem angeblich die Salden zwischen den Fed Distrikten einmal im Jahr glattgestellt werden.Die "Interdistrict Settlement Accounts" zwischen den regionalen Feds werden NICHT einmal im Jahr glattgestellt, wie ein Blick auf das oberste Schaubild in diesem Blogbeitrag von Prof. Perry Mehrling (Barnard College, Columbia University) zeigt. Die zentrale Aussage von Mehrling zum Settlement im US-system lautet: "April settlement did not eliminate the balances. Why not? According to U.S. rules, district banks need only settle the average balance over the last year, not the full amount outstanding at the moment of settlement." Wie man dort eindrucksvoll sehen kann, weist das amerikanische Zahlungssystem nach Ausbruch der Krise ebenfalls sehr hohe regionale Ungleichgewichte auf. In ihrer Höhe sind sie vergleichbar mit den Salden in der Eurozone. Wobei die New Yorker Fed die Rolle der Bundesbank im Target2 System inne hat. Die Therapie die Sinn der Eurozone verordnen will in Form einer Umstellung auf die Gepflogenheiten des US-Zahlungssystems, beruht also auf einem Mythos. Der aber munter weiterverbreitet wird. So konnte man kürzlich in einem FAZ Artikel von Philip Plickert lesen: "Anders als in Amerika, wo die Federal Reserve regionale Ungleichgewichte korrigiere, indem sie die Salden zwischen den regionalen Feds zweimal im Jahr glattstelle, türmten sich die Ungleichgewichte im Euroraum immer höher. Die Zahlen zu den US-Zahlungssystemsalden sind in der FRED Datenbank der Federal Reserve Bank of St.Louis leicht zugänglich. Aber wohl nicht in München. Ich hab die entsprechenden Links unten zusammen gestellt, damit jeder Leser (auch Prof. Sinn, falls er sich die Mühe macht sich die Reaktionen auf seinen Blogbeitrag anzuschauen) sich selbst von der Faktenlage überzeugen kann.
Sehr geehrter Herr Harder, in den USA gibt es auch Target-ähnliche Schulden und Forderungen, die in den sogenannten Interdistrict Settlement Accounts (ISA) geführt werden. Auch dort ist es möglich, dass eine District Fed mehr Geld schafft, als für die eigene Zirkulation innerhalb des Distrikts benötigt wird, weil die Bürger und Firmen dieses Distriktes netto Güter und Vermögensobjekte im Ausland erwerben (inklusive der Schuldentilgung im Sinne des Rückkaufs von Schuldscheinen). Sie muss die dadurch entstehenden ISA-Schulden aber im April eines jeden Jahres tilgen, indem sie sichere zinstragende und am Markt handelbare Wertpapiere bilateral an die jeweils anderen District Feds überträgt, zu denen das von ihr hergestellte Geld überwiesen wird. Da sich die New York Fed im Laufe der Zeit zu einer finanziellen Schaltzentrale des US-Systems entwickelt hat, bestehen freilich die meisten Salden der einzelnen District Feds mit ihr. Die bilaterale Tilgung der ISA-Schulden wird in den USA technisch über ein Clearing-Portfolio mit zumeist bundesstaatlichen Wertpapieren abgewickelt, das von der Fed-Zentrale gehalten wird. Die Eigentumsrechte und Zinsanteile an diesem Portfolio werden gemäß der Tilgung der Target-Schulden jährlich neu zwischen den District Feds verteilt. Bei der Berechnung der Tilgungsleistung verfährt man so, dass die Banken ihre ISA-Schulden zwar tilgen müssen, dabei aber doch noch gewisse Spielräume haben. Diese Spielräume ergeben sich dadurch, dass der durchschnittliche Zuwachs der Target-Schulden des vergangenen Jahres gegenüber dem Wert nach der letzten Tilgung und nicht etwa der Endbestand zu tilgen ist. Wenn das Geld einer District Fed nur unterjährig als Außengeld in anderen Distrikten lag, aber bis zum Zahltag wieder zurück gekommen ist, muss diese District Fed dafür gleichwohl Vermögensanteile am Clearing-Portfolio an andere District Feds abtreten, so dass sie zum Stichtag gerechnet sogar eine Übertilgung vornehmen muss. Und wenn der Außengeld-Bestand permanent anwächst, bleibt der Teil des Zuwachses der Target-Schuld der zum Stichtag den Jahresdurchschnitt übertrifft, ungetilgt. Dieses Berechnungsverfahren verhindert den Anstieg der Target-Schulden in der Krise nicht, dämpft ihn aber ganz erheblich ab. Zum Ende des Jahres 2011 lagen deshalb die ungetilgten ISA-Forderungen aller Überschuss-Distrikte im US-System bei immerhin 337 Milliarden Dollar. Obgleich diese Summe beträchtlich ist, ist sie doch längst nicht so groß wie die Summe der Target-Forderungen der Überschussländer des Eurosystems, die zum Jahresende 2011 bei 782 Mrd. Euro lag. Relativ zum BIP lag die Summe der Target-Forderungen in den USA am Jahresende 2011 bei 2,3% und in der Eurozone bei 8,5%. Letztere waren also anteilig etwa viermal so groß. Ich habe das übrigens auch schon in dem Blog-Beitrag bei der Zeit geschrieben. Der Eindruck, dass es sich in den USA um Target-Forderungen ähnlicher Größenordnung handelt, ist also falsch. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in einem Interview haben Sie gesagt, dass hinter den Target Forderungen unsere Ersparnisse stehen. Zitat von Ihnen: " Und wenn die Bundesbank die Banken und Lebensversicherungen einfach nur mit neugedrucktem Geld befriedigen möchte, was sie natürlich kann, dann gibt es Inflation." Meinen Sie damit, dass die Überschussliquidität welche die Banken bei der Bundesbank anlegt, im Falle, dass die Target Forderungen abgeschrieben werden müssten, im Risiko steht? Aber in welchem Zusammenhang stehen die Auszahlungen der Lebensversicherungen mit den Target2 Forderungen der Bundesbank? Mit freundlichem Gruß Noel König .
Sehr geehrter Herr König, die Target-Forderungen entstehen, weil die Südländer ihre Schulden bei den deutschen Banken und Versicherungen zurückzahlen (müssen) und diese Institutionen stattdessen Forderungen gegen die Bundesbank erhalten, die selbst Target-Forderungen gegen die EZB erhält. Mittlerweile sind 500 Mrd. Euro dort angelegt. Diese Summe entspricht in etwa der Hälfte des Nettoauslandvermögens der Bundesrepublik Deutschland. Wenn jetzt der Euro zerbrechen würde, hätte Deutschland eine Forderung gegenüber einem System, das nicht mehr existiert. Es ist nicht rechtlich geregelt, wie in einem solchen Fall zu verfahren wäre. Jetzt kann man natürlich einwenden, dass den Forderungen doch auch Sicherheiten zugrunde liegen. Fakt ist jedoch, dass die Qualität der Sicherheiten enorm abgenommen hat. Wenn Griechenland jetzt beispielsweise insolvent geht, haben die griechischen Sicherheiten keinen Wert mehr. Einspringen wird deshalb letztendlich der deutsche Steuerzahler bzw. der deutsche Sparer. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
"es würde zu weit führen die Fortschritte in den Wirtschaftswissenschaften seit Gesell aufzuzählen. Von daher empfehle ich Ihnen..." (Hans-Werner Sinn, Antwort auf meine Frage vom 24.01.2012) Sehr geehrter Herr Sinn, alles, was Sie mir hierzu empfehlen können, ist mir längst bekannt und gehört in jene Kategorie, die Silvio Gesell 1929 so beschrieb: "Ihr werdet mir tausend Fragen stellen, und nachdem ich sie alle zu eurer Zufriedenheit beantwortet habe, werdet ihr von vorne anfangen." Gesells Erklärung des Urzinses und Keynes Erklärung der Liquiditäts(verzichts)prämie sind bei genauerer Betrachtung äquivalent. Doch nachdem Gesell die einzig denkbare Lösung für die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) beschrieben hatte, die nichts Geringeres als den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation bedeutet, betrieb Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie" ein Verwirrspiel, wobei es ihm lediglich darum ging, die "hohe Politik" mit einer "staatlichen Investitionspolitik" zu beschäftigen, aber eben nicht eine ganze Volkswirtschaft, die darum auf die Machtpolitik verzichten kann. Gehen Sie davon aus, dass Keynes wusste, dass Gesell in allen Punkten Recht hatte; anderenfalls hätte er nicht auf der Konferenz von Bretton Woods eine internationale umlaufgesicherte Währung (Bancor) vorgeschlagen, so unbeholfen und wenig durchdacht dieser Vorschlag auch war. Wenn also der angebliche "Fortschritt" in der VWL nichts weiter ist, als die Denkfehler in dem von Ihnen empfohlenen Buch, und angesichts der Tatsache, dass wir uns unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle befinden, frage ich Sie, wie diese ohne die schnellstmögliche Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) verhindert werden soll. Mit freundlichem Gruß Stefan Wehmeier
Sehr geehrter Herr Wehmeier, wenn Ihnen alles bekannt ist, umso besser. Der von Ihnen angesprochenen Liquiditätsfalle würde ich mit einem Verfahren begegnen, indem man die Hilfsgelder so verwendet, dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem 10. Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Prof. Sinn, als interessierter Bürger und zusätzlich als Bielefelder verfolge ich Ihre Äußerungen in den Medien immer mit besonderer Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang habe ich folgende Frage: von unseren Politikern (Frau Merkel in der Jauch-Sendung, Martin Schulz bei Maybritt Illner, unser Bielefelder CDU-Europa-Abgeordneter Elmar Brok [der Sie übrigens in meiner Gegenwart als Prof. Unsinn bezeichnet hat]) sprechen immer von einem Deutschen Export-Anteil in die Euro-Zone in Höhe von 60 %. Ich erinnere mich jedoch, daß Sie im Fernsehen von einer Abnahme des deutschen Exports in die Länder der EURO-Zone gesprochen haben. Nach meiner Erinnerung belief sich der Export-Anteil vor der Einführung des EURO in diese Länder auf ca. 49 % und reduzierte sich inzwischen auf nur noch ca. 41 %. Können Sie diese Zahlen bestätigen? Oder welche Werte sind richtig? Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße aus Bielefeld! Norbert Barlmeyer
Sehr geehrter Herr Barlmeyer, der Anteil der deutschen Ausfuhren an die Länder der Euro-Zone lag 2010 bei 40,8%. 2005 lag dieser Wert noch bei 44,7% und 1995 betrug der Wert sogar 46,8%. Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihnen und Ihren Mitarbeitern möchte ich zur Bereitstellung des "Haftungspegels" herzlich danken, der die Risiken der Eurorettung für den deutschen Steuerzahler in bisher unerreichter Aktualität und Transparenz darstellt. In diesem Zusammenhang interessiere ich mich sehr für Ihre Einschätzung zu der von der EZB durchgeführten Lockerung der "Collateral Requirements" bei der Vergabe von Krediten an Banken (Stichwort "rating threshold"). Als Folge dieser Maßnahme müsste die EZB ja weitere - über das SMP hinausgehende - Staatsanleihen der Krisenländer in ihrer Bilanz halten, die im Falle eines Defaults nicht wie geplant als Sicherheit fungieren können. Wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, tauchen die daraus resultierenden Risiken im Haftungspegel nicht auf. Daher müsste nach meinem Verständnis die potentielle Haftungssumme des Euroraums gegenüber den Krisenstaaten über die EZB noch größer sein als die von Ihnen genannten 793 Milliarden Euro (Target + SMP). Sind Ihnen Schätzungen bekannt, wie hoch die Risiken aus diesen zusätzlichen Papieren in der Bilanz der EZB sind? Gibt es zudem einen speziellen Grund, weshalb diese Risiken nicht im Haftungspegel berücksichtigt wurden? Herlichen Dank für Ihre Hilfe und beste Grüße, Sebastian Horn
Sehr geehrter Herr Horn, doch, die Risiken der als Sicherheiten gehaltenen Staatspapiere tauchen insofern auf, als sie in der Sonderkreditvergabe stecken, die die EZB den nationalen Notenbanken erlaubt hat und die indirekt durch die Target-Salden gemessen wird. Das Haftungsrisiko ist so berechnet, dass von dem Extremfall ausgegangen wird, dass ein Staat in die Pleite geht. Dann sind die Staatspapiere nichts mehr wert, die Notenbank ist Pleite und die Banken des Landes auch. Es kommt also nicht noch einmal ein Risiko hinzu. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte einige Bemerkungen machen zu der von Ihnen ausgearbeiteten Problematik der Target-Salden, den Leistungsbilanzungleichgewichten und den EURO-Bonds: Kapitalexport/Kapitalimport (privates, steuerfinanziertes oder Notenbankgeld) ist die Kehrseite der Handelsüberschüsse/Handelsdefizite. Reale Auf- und Abwertungen ersetzen die früheren Wechselkurse, die eine ökonomische Pufferfunktion haben. Sollten die von Ihnen präferierten realen Auf- und Abwertungen stattfinden bei Beibehaltung der Kapitalseite, so dürfte sich an den Ungleichgewichten nichts Wesentliches ändern. Privates Kapital wird zwar seit Ausbruch der Finanzkrise aus Deutschland nicht mehr exportiert (so Ihre Analyse), steuerfinanzierte Unterstützungen und Target-Kredite wird es aber wohl noch einige Zeit geben. Insoweit schließe ich mich Ihrer Meinung an. Steuertransfers sind solange gerechtfertigt, wie fehlende EURO-Bonds ungerechtfertigte Zinsvorteile für Deutschland zur Folge haben. Bei den Steuertransfers muss man zwischen der Refinanzierung von Bestandsschulden und Zuschüssen zu den laufenden Budgets unterscheiden. Die Refinanzierung von Bestandsschulden ist ja nur ein Problem, weil es keine EURO-Bonds gibt. Diese sind aber nötig, wenn man eine grundsätzliche Möglichkeit der Insolvenz von EURO-Staaten ablehnt (s. Domino-Effekt, Gefahr für die gesamte Währungsunion, politische Krise, zwingender Ausschluss des insolventen Staates). Laufende Budget-Unterstützungen sollten den Prozess der realen Auf- und Abwertungen flankieren, um die wirtschaflichen Auswirkungen für beide Seiten abzufedern. Fiskalische Maßnahmen mit dem Ziel der Stablisierung der Währungsunion sind legitim, wenn andernfalls das Ende des Euro deutlich wahrscheinlicher würde. Der deutsche Einsatz ist zwar hoch, aber solange er niedriger ist als die Summe aus der Abschreibung der kumulierten Auslandsforderungen und den negativen Schock-Effekten ist er ökonomisch rational. Die fälligen Abschreibungen machen evident, dass Exportüberschüsse verschenkter Wohlstand sind. Die Targetkredite sind meiner Meinung ein Problem, weil die Exekutive keinen Einfluss auf sie hat. Oder könnten die Regierungen Druck auf die EZB samt ihren NZB ausüben? Ob der Ausgleich der Target-Salden durch Gold oder goldbesicherte Wertpapiere hilfreich wäre? Jedenfalls könnten die Targetkredite nur endlich lange vergeben werden, da die Goldreserven der NZB nicht unendlich sind. Das tranferierte Gold müsste aber auch liquidiert werden, damit der cash flow als NZB-Profit in den Staatshaushalt fließen würde. Andernfalls würde das Gold im Frankfurter Bunker ungenutzt liegen statt in Rom, Madrid, Paris. Zu den bereits erwähnten EURO-Bonds möchte ich anmerken, dass sie Deutschland nicht zwingend teurer kämen. Aus dem gewichteten Durchschnitt der Zinssätze den €-Bond-Zinssatz abzuleiten, halte ich nicht für zielführend: Vermutlich werden €-Bonds zu globalen Umschichtungen der Investoren führen. Neben dem US-$-Bond-Markt gäbe es einen vergleichbar großen und sicheren Bondmarkt, dessen Wirtschaftsraum eine größere Produktivität und weniger Inflation hat. Vieles spricht dafür, dass die €-Bondzinsen jedenfalls nicht deutlich höher als die US-$-Zinsen wären. Die Dollar-Umlaufrendite liegt bei weniger als 2%(bei Inflation von ca. 5%). Ich gehe daher davon aus, dass der gesamte Zinsaufwand in der Währungsunion mit €-Bonds sinken wird. Nimmt man den Realzins zum ökonomischen Maßstab, so wird die reale Aufwertung Deutschlands wohl die negativen deutschen Realzinsen prolongieren. Muss der Schuldner aber weniger Zinsen als die Geldentwertung zahlen, so kosten sie ihn ökonomisch nichts. Noch eine spezielle Frage zum Schluss (Targetsalden und Rettungsschirme sollen hier keine Rolle spielen): Privates Kapital kann exportiert werden, indem Staatsanleihen erworben werden, oder indem Unternehmen/private Haushalte Kredite erhalten. Sie befürchten, dass die mit EURO-Bonds einhergehende Zinskonvergenz für Staatsanleihen die Ungleichgewichte verlängern wird. Die vereinbarten Schuldenschranken (Kontrolle über EU-Kommission oder andere gleichwertige Instituionen, die angemessene Maßnahmen erzwingen können) werden jedenfalls auf der Ebene der Staatsanleihen nicht zu übermäßigem Kapitalexport/-import führen. Inwieweit Unternehmen und private Haushalte Kredite erhalten, hängt jedenfalls nicht von EURO-Bonds ab, sondern von der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers und vom Realzins. Da eine übermäßige Inflation im Süden nicht mehr zu erwarten ist (s. reale Abwertung), werden Kreditnehmer jedenfalls einen höheren Realzins zahlen müssen als im Boom nach Einführung des Euro, als die hohe Inflation zu negativen Realzinsen führte. Auf Kreditnehmerseite werden sich die Bedingungen also deutlich verschlechtern. Der Kreditgeber wiederum wird wohl eher dort Geld verleihen wollen, wo aufgewertet wird und allgemein positive Investitionsstimmung ist. Warum meinen Sie, dass Euro-Bonds unter diesen Bedingungen Ungleichgewichte verlängern? Vielen Dank für Ihre Mühe. P.S.: Mein ökonomischer Horizont ist deutlich größer geworden, seitdem ich Ihre Analysen verfolge. In Sachen Weiterbildung ist die ifo-webseite für mich sehr hilfreich. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Müller, haben Sie vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht zu all Ihren Punkten ausführlich Stellung nehmen kann. Von daher empfehle ich Ihnen die ifo Spezialthemen zur Euro-Krise und zu den Target-Salden: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Grundsätzlich ist es jedoch so, dass nach Lage der Dinge das Finanzsystem der Eurozone mit seinen jetzigen institutionellen Strukturen politisch und ökonomisch nicht überleben kann. Dies ist so, weil es den internationalen Interbankenmarkt zerstört, und weil es einzelnen Ländern gigantische und in dieser Höhe nicht mehr tolerierbare Haftungsrisiken aus der Kreditversorgung anderer Länder aufbürdet, ohne dass die Parlamente zustimmen müssen. Im EZB-System haben sich wegen der fehlenden Kontrolle über die Target-Salden vollkommen unakzeptable Verhältnisses herausgebildet, die den Intentionen des Maastrichter Vertrages Hohn sprechen. Damit es wieder funktionsfähig wird, müssen neue Wege gefunden werden. Dafür bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten an. a) Das Eurobond-Target-Modell: Es gibt Eurobonds oder ein ähnliches System zur Sozialisierung der Haftung für Staatspapiere, der leichte Zugang zu den Target-Krediten bleibt erhalten, und politische Schuldenschranken werden errichtet, um die Übernutzung der billigen Kreditmöglichkeiten zu verhindern. b) Das US-Modell: Die Staaten haften für ihre Schulden selbst, können also in Konkurs gehen, und entsprechend unterscheiden sich die Zinsen für die Papiere der Einzelstaaten. Target-Schulden sind jährlich mit marktfähigen, sicheren Wertpapieren zu tilgen. Für mich scheint nur der amerikanische Weg funktionsfähig zu sein. Warum das so ist, können Sie hier nachlesen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-hdbl-06-01-12.htm. Ich gehe hier auch auf die Eurobonds-Problematik ein. Noch zwei weitere Bemerkungen: 1. Eurobonds: Eurobonds müssen einen Zins haben, der dem Durchschnitt der Zinsen der Staatspapiere der Euroländer entspricht. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte man einen privaten Fonds auflegen, der die Staatspapiere in der Proportion enthält, wie die Länder für Eurobonds haften. Der wäre risikoäquivalent zu Eurobonds. Hätten die Eurobonds eine niedrigere Verzinsung als dieser Fonds, würde niemand sie kaufen. Also haben Eurobonds einen Zins, der dem Durchschnitt der vorhandenen Zinsen auf Staatspapiere entspricht. 2. Definitionsgemäß ist der Kapitalimport gleich dem Leistungsbilanzdefizit. Wenn nur öffentliches Kapital importiert wird, so ist das Leistungsbilanzdefizit umso größer, und folglich die Wettbewerbsfähigkeit umso niedriger, je mehr öffentliches Kapital importiert wird. Das Thema könnte ich weiter ausführen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihr unermüdliches Engagement. Sie haben es schon schwer die Politik zu sensibilisieren aber noch problematischer sehe ich bei der komplexen Fragestellung die Einbeziehung des Souveräns, dem Wähler. Ihr Artikel über die Target Salden habe ich mit Interesse gelesen. Auf Deutschland projiziert müsste doch das Dilemma der Exporte auf Grund der damit verbundenen Quote der Importe für Gesamtverschuldung künftig noch verschärfen. Bei Ihrem Beispiel des LKW muss demnach auch der ca. 40% Anteil des mit der Poduktion zusammenhängenden und nicht ggf. innerhalb der EU veranlassten Importes von Rohwaren künftig zu weiteren Problemen führen. Die bereits angeführten strukturellen Realitäten bei Stimmrechten und Personal bei EU und EZB erzeugen bei mir wenig Hoffnung. Vielmehr bin ich als Unternehmensleiter der Theorie verfallen, dass nur ein gewisser Leidensdruck tasächliche Veränderungen und vor allem Reformwille erzeugen kann. Wie sehen Sie die Wahrscheinlichkeit, nachhaltige wie z.B. die von Ihnen aufgeführten Lösungsansätze umzusetzen. Eine zwangsweisen schleichenden Wohlstandsverlust sind wir wohl hilflos ausgeliefert. Ich wünsche Ihenn weiterhin viel Energie für Ihre Arbeit. Freundliche Grüße
Sehr geehrter Herr H., haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Ich stimme mit Ihnen überein, dass ein Steuerungsmechanismus zur Disziplinierung der Länder nicht ohne die Disziplinierungswirkung der Märkte auskommen kann, weil die Politik nie die Kraft aufbringen wird, sich selbst den Geldhahn abzudrehen. Um Ihre Frage nach Wohlstandsverlusten zu beantworten, möchte ich auf einen Artikel von mir auf der ifo-Homepage hinweisen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-wiwo-09-01-12.htm. Anfang des Jahres habe ich eine Vorausschau auf das Jahr 2012 gewagt. Mein Fazit für Deutschland lautet, dass die Aussichten zwar gedämpft, aber im Vergleich zu vielen anderen Ländern, insbesondere in Europa, immer noch ordentlich sind. Freilich lauern am Horizont die Vermögensverluste aus den Rettungsaktionen, die niemand kennt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion mit Herrn D. vom 7. Februar 2012) Allerdings führt die Antwort von Professor Sinn, für die ich Ihm sehr danke, nicht nur in den Bereich von Politik unter den Prämissen der Demokratie. Im Wesen der Sache ist hier der gegenwärtige Status der europäischen Kultur angesprochen. Beides, der staatspolitische Charakter der Antwort von Professor Sinn und die damit zusammenhängende Frage nach dem kulturellen Status Europas, weist uns hin auf die Notwendigkeit eines öffentlichen Diskurses der angeschnittenen Fragen. Dieser Diskurs sollte von vorn herein auf die Grundnorm europäischer Kultur fokussiert werden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt“ (Art. 1, Abs.1 GG) in Verbindung mit Art. 6, Abs.1 EUV. Mit freundlichen Grüßen, Hubertus D.
Lieber Herr D., haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung und die Mitteilung Ihrer Einsichten, denen ich nur zustimmen kann. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, mit großem Gewinn lese ich Ihre Publikationen, zuletzt "Kasino-Kapitalismus". Als Lehrer für Sozialwissenschaften an einem Bonner Gymnasium sind Ihre Denkansätze immer wieder interessant für mich und meine Schüler. Als Lehrer fehlt mir bisweilen der akademische Input, daher möchte ich Sie um Ihre Hilfe bitten: Gerade behandeln wir die Thematik "Wirtschaftsstandort Deutschland". In dem Zusammenhang habe ich noch einmal Ihr Buch "Die Basar-Ökonomie" gelesen, und habe nun dazu eine Frage: Sie stellen die These auf, dass die deutschen Arbeitslosen die Lohnstückkosten gewissermaßen künstlich senken, da sie mit ihrer niedrigen Produktivität aufgrund fehlender Qualifikation nicht mit eingerechnet werden. Das erscheint mir absolut logisch. Nun ist es aber mittlerweile doch so, dass der Standort Deutschland wieder sehr attraktiv geworden zu sein scheint. Die Lohnstückkosten sind bei sinkender Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren weiter gesunken. Wie passt das zur o.g. These? Unabhängig davon ist mir beim Studium der Geschäftsberichte der Bundesbank eine weitere Entwicklung aufgefallen, es würde mich freuen, wenn Sie dazu kurz Stellung nehmen könnten: Die Entwicklung der Stundenlöhne lag in den letzten Jahren praktisch immer knapp über der Inflationsrate. Dennoch wird oft von stagnierenden bzw. sinkenden Reallöhnen gesprochen. Liegt dies möglicherweise an der dauerhaft sinkenden durchschnittlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätigem? Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., es freut mich zu hören, dass Sie meine Publikationen für Ihren Unterricht zu Rate ziehen. Zu Ihrer ersten Frage: wie Sie andeuten, berechnen sich die Lohnstückkosten als der Quotient aus Arbeitnehmerentgelt und Bruttoinlandsprodukt je beschäftigtem Arbeitnehmer (BIP). Ceteris paribus senkt also bereits eine wachsende Arbeitslosigkeit die Lohnstückkosten. Aber das ist ja nur ein Effekt. Zusätzlich wirken die Lohnkosten direkt, und wenn sie im Vergleich zu den Wettbewerbern fallen, wie es in den Jahren bis zur Krise der Fall war, dann steigt die Beschäftigung wieder. Obwohl dies für sich genommen die Lohnstückkosten wieder erhöht, weil ja die Produktivität wegen der Integration der bislang Arbeitslosen zurückbleibt, kann gleichwohl der direkte Effekt der zurückbleibenden Löhne auf die Lohnstückkosten dominieren. Sie haben Recht bei Ihrer Beobachtung, dass der Reallohn pro Stunde von 1995 bis 2010 gestiegen ist, jährlich um durchschnittlich 0,2% . Wenn man von fallenden Reallöhnen spricht, ist das also nicht richtig. Richtig ist aber vermutlich, dass die Reallöhne langsamer als bei den Wettbewerbern gestiegen sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich hatte mit meiner Mail vom 7.2. angeregt zu erwägen Zölle in extremen Situationen, wie Griechenland , einzuführen. Mit Hinweis auf die Rechtslage hatten Sie Ihrerseits auf die Möglichkeit hhingewiesen,stattdessen den Weg über die MewSt zu gehen, decoh darauf aufmerksam gemacht, dass ein Abwertungsbedarf von 30-50% zu überbrücken ist. Anmerkung meinerseits: 1) Wie die bisherige Erfahrung in Europa lehrt, sind rechtliche Probleme umschiffbar, wenn man will. 2) wenn ich es recht sehe, ist das Verhältnis Import zu Export (2010) in Griechenland etwa 3 zu 1. Vor diesem Hintergrund gäbe es durchaus Raum für eine sehr differenzierte Festsetzung der Steuersätze/Zollsätze für Import/Export. 3)Durch das vorgeschlagene Verfahren muss ja nicht die gesamte Differenz überbrückt werden. Es gäbe aber eine Art "Anschubfinanzierung" zur Anpassung .
Sehr geehrter Herr Tesche, haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung und Ihre interessanten Anmerkungen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Professor Sinn, vielen Dank fuer Ihre faktenbasierte, unermuedliche Aufklaerungsarbeit. Kurze Frage: Sind die 3-Jahrestender in der Graphik des IFO Haftungspegel bereits enthalten (etwa unter EZB Staatsanleihenkauefe?) Wenn ja, in welcher Hoehe? Besten Dank!
Sehr geehrter Herr S., die 3-Jahrestender sind im ifo Haftungspegel nicht enthalten. Der Grund ist, dass diese EZB-Kredite solange nicht zu höheren Risiken führen, wie nur die kürzerfristigen EZB-Kredite in den Krisenländern verdrängen. Es ist aber zu befürchten, dass sie auch mehr privaten Kapitalimport aus anderen Ländern verdrängen oder inländisches Privatkapital ins Ausland drängen. Wenn sie das tun, wird es zu höheren Target-Salden führen und insofern erfasst. Die Staatsanleihenkäufe umschließen diesen Posten nicht. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, normalerweise wählen wir Bürger doch unsere Politiker, damit diese unsere Interessen, so wie bei den Wahlen versprochen, vertreten. Was wir nach den Wahlen immer erleben ist, dass sie es nicht tun. Gierige Banken und deren Banker haben uns die Finanzkrisen eingebrockt, wurden mit Steuergeldern gerettet und machen straffrei lustig weiter. Zuerst wurden unsere Steuergelder für Prämien veruntreut. Kann man gegen diese miesen Machenschaften wirklich nichts unternehmen - man kommt sich richtig ohnmächtig vor. Bitte machen Sie weiter so. Mit "winterlichen" Grüßen aus Hamburg B.S.
Sehr geehrter Herr S., ich kann Ihre Besorgnis auch gut verstehen. Aber die Gier der Banken und Manager ist es nicht, die uns da hinein geritten hat, sondern die fehlende Zügelung des Gewinnstrebens. Dass Menschen nach Geld streben, liegt in der Natur unseres Wesens, nicht immer ein schöner Zug, keine Frage, wohl aber einer, den man überall sieht. Es kommt darauf an, den Egoismus durch ein klug gestaltetes Wirtschaftssystem zur produktiven Entfaltung zu bringen. Das ist offenbar im Bankenbereich ganz und gar nicht gelungen. Deswegen bin ich im Endeffekt bei Ihnen. Ich würde die Sache nur von der persönlichen Seite auf die sachliche schieben. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie bitte mein Buch Kasino-Kapitalismus. Dann werden Sie mich verstehen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, mein ultimativer Wunsch an Sie: Bitte, lieber Herr Sinn, nehmen Sie Ihre geschichtliche Verantwortung wahr und bringen Sie der Mehrheit der wichtigsten, ahnungslosen deutschen Politiker, Journalisten, Wirtschaftsführern und auch Bankern sowie deren Partnern im Ausland Ihre fundierten und unumstößlichen Erkenntnisse zu den elementaren volkswirtschaftlichen Zusammenhängen in der ( Welt- )Finanzwirtschaft nicht nur ungefragt näher, sondern entlarven Sie notfalls kampagnenartig über alle medialen Kanäle deren unerträgliche Unwissenheit, Ahnungslosigkeit und Borniertheit Ich weiß, es klingt utopisch. Aber bitte, wenn nicht Sie, wer sonst hat die Kompetenz und wirkliche Unabhängigkeit zu diesem Verdienst? Nochmals, danke für Ihren Stopp in Hannover und für Ihre faszinierende und an Klarheit nicht zu überbietende Vorlesung. Sehr überzeugend, kein bißchen langweilig, höchstes Lob ! Mit freundlichen Grüßen.
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Es sei Ihnen versichert, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht, um die Gefahren der Krise aufzudecken und bekannt zu machen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Kommentar zu den Plaenen der EU-Kommision bezueglich Exportueberschussbegrenzung war derartig treffend! Danke fuer Ihren Mut, sich laut gegen den politischen Irrsinn und die oekonomische Unbedarftheit unserer Regierungen zu stellen! Bitte machen Sie weiter so, ich wuensche Ihnen viel Kraft dafuer. Beste Gruesse
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für den Zuspruch! Ich freue mich sehr darüber. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sind dafür Bekannt, dass Sie die Wahrheit sagen (analystisch brilliant, direkt auf den Punkt). In den vergangenen Jahren empfand ich Ihre Analysen häufig sehr drastisch, weil Sie auf die Arbeitnehmerschaft gezielt war; im Nachhinein haben Sie aber Recht! Darf ich Sie um folgendes Bitten? Vor einiger Zeit habe ich versucht aus dem Finanzministerium folgende Infos zu erhalten: 1. Bisherige Kosten der Bankenrettung aus 2008 für sämtliche Institute in D-Land über folgende Vehikel: -Soffin - verdeckte Rettung durch kostenlose Dienste des Staates (Zinslosigkeit der Beteiligungen etc. etc.), - verdeckte Finanzierungen über die KFW - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften usw. Eben ALLES, was die menschliche Fantasie der Gestaltung so hergibt. 2. Exakte Höhe der zurzeit noch bestehenden Garantien (inkl. Angabe für welche Institute) 3. Wie hoch ist der Betrag der schon jetzt als uneinbringlich in die Bundesschulden übernommen worden ist? Zur Südflankenrettung inkl. Irland: 1. Wie hoch ist der Aufwand für unser Land hierfür? Auch hier ALLES, was die menschliche Gestaltungskraft zulässt: - Liquiditätsaufwand sowie Haftungsvolumen für den ESEF? Gehört habe ich von 211 Mrd. Euro an Garantien sowie 21 Mrd. Euro an Bareinlage... ist das richtig?) - Target-Kredite sowie alle sonstigen Kredite der Bundesbank (egal wie es genannt wird) (gehört habe ich hier etwas von einem Betrag von 450 Mrd. Euro.. ist das richtig?) - andere (vielleicht verdeckte) Bundesbankfinanzierungen - verdeckte Finanzierungen über die KfW sowie andere staatsnahe Banken - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften - Aufkauf von Staatspapieren der EZB (inkl. Haftungs-Prozentanteil von D-Land) Eben ALLES, was die menschliche Fantasie an Gestaltungsmöglichkeiten so hergibt 2. Wie ist das, wenn ein Staat (z.B. jetzt Italien) schwächelt: übernehmen dann die anderen Staaten im Rahmen der gesamtschuld- nerischen Haftung den Anteil (im negativen Sinne automatisch)? Leider bekomme ich von dort keine Antwort. Das eigene Volk (das es bezahlen soll) scheint hier nur zu stören; es ist nicht mal eine Antwort wert. 3. An der EZB-Spitze ist Herr Draghi. Er kann nicht vergessen, dass er Italiener ist. In jünster Zeit wurden große Volumina an italienischen Staatspapieren aufgekauft. DIES ENTSPRICHT NICHT DEN EURO-VERTRÄGEN! Wie ich oben bereits schrieb gehen Sie gerne direkt auf den Kern der Wahrheit zu (gratuliere nochmals). SIND SIE BEREIT VOR DEM EUGH GEGEN DIESEN VERTRAGSVERSTOß ZU KLAGEN? Aus dem Impressum ersehe ich, dass das IFO-Institut ein e.V. ist - also staatsfern. WARUM NIMMT DAS DIE GANZE WIRTSCHAFTSELITE HIN, DASS SO EKLATANT GEGEN VERTRÄGE VERSTOSSEN WIRD? Wenn das EU-Gebiet in gleicher Weise ideoligisch oder militärisch bedroht werden würde wären diese Herrschaften doch sehr schnell auf dem Plan! 4. Der Euro nützt unserer Wirtschaft (nicht den Arbeitnehmern) durch einen realtiv schwachen Euro-Kurs. Die Gewinne steigen stetig, lt. FAZ sinken die Einkommen weiter. Die Entwicklung der Höhe des Rentenpunktes 2009 zu 2010 zeigt dies deutlich. Der kleine Mann hat also nicht sehr viel vom Euro. Der Presse entnehme ich, dass -falls wir die DM wieder einführen würden- eine Aufwertung von ca. 40 % erfahren könnten. Aber da unser Land auch Rohprodukte, Halbfertigwaren etc. einführt wäre diese Aufwertung entspannter zu sehen. FRAGE: WIE TEUER WÄRE DANN ENGERGIE IM LANDE? Leider habe ich keinen Fahrzeugpool oder keinen Dienstwagen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich an der Tankstelle für die schwachen Südländer kräftig zahle. Um wieviel Cent wäre ein Liter Superbenzin und Diesel an der Tankstelle? 5. Warum wird jetzt ausgeblendet, dass Bürger unseres Landes in der Vergangenheit schon kräftig bezahlt haben? Das Sozialsystem wurde "angepasst" z.B. durch den demografischen Faktor, Kürzungen in verschiedenen anderen Bereichen. 6. Wenn der Sozialbereich gekürzt wird fallen immer Worte wie - zukunftsfähig machen - Generationengerechtigkeit, - Wettbewerbsfähigkeit erhalten, - Zukunftsbelastungen tragbar gesalten Wenn es um die viel höheren Belastungen der Südflanken- und Irlandrettung handelt scheinen die Belastungen die jetzt aufgeladen werden einfach vergessen! Diese Belastungen scheinen Lust und nicht Last zu sein?!?!? Lösen sich diese Belastungen in Kürze in Luft auf - oder wird dadurch auch die Zukunft belastet? Wie erscheinen in Ihren Augen die Dinge wenn das eigene Volk wegen des Sozialsystems an die kurze Leine kommt, das eigene Volk aber für die Rettung anderer Völker kräftig bezahlen soll? 7. Ist das nicht wunderbar? Die Menschen die Folgendes Erfahren: - Einkommenskürzungen - Zeitverträge - raus aus festen Verträgen, rein in betriebseigene Zeitarbeitsfirmen - usw. usw. haben den größten Kosten-Einsparapparat entdeckt: keine Kinder mehr! Kinder kosten nun einmal Geld. Bei zunehmenden Zeit- verträgen (bei guter Gewinnlage der Firmen) kann man sich Kinder leider nicht leisten. Alleine in NRW werden nächsten Jahr 300 Grundschulen wegen Kindermangel geschlossen (es wären 360 gewesen, wenn nicht in manchen Bereichen kleinere Klassen akzeptiert würden). Aufgrund unserer komplizierten Sprache stehen die qualifizierten Zuwanderer nicht vor der Tür (gehen lieber in Länder des angelsächsischen Sprachraumes). Hat das Unternehmerlager hier nicht selber die Verantwortung zu tragen? Soll der Steuerzahler auch noch die Qualifikationsmaßnahmen für schwache Schüler tragen - oder tragen die Unternehmer hier mal Verantwortung? Sehr geehrter Herr Sinn, dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten würden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr D., die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Allerdings kann ich aus Zeitgründen nicht auf alle Ihre Fragen eingehen. Das artet in Arbeit aus, die wir normalerweise in Form bezahlter Gutachten machen würden. Deshalb hier nur Teilantworten. Laut Eurostat kostet die Rettung von Hypo Real Estate, Commerzbank, IKB und mehreren Landesbanken dem deutschen Steuerzahler bisher 38,9 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Banken waren es, die sich mit toxischen verbrieften Wertpapieren und Problemkrediten vollgesogen hatten: IKB, Hypo Real Estate, Dresdner Bank, Sachsen LB, Bayern LB, HSH Nordbank. Sie mussten von Bund und Ländern mit Milliarden gestützt werden. Der bundeseigene Rettungsfonds Soffin zahlte etwa der Commerzbank, die in der Krise die Dresdner Bank übernahm, 18,2 Milliarden Euro; einen großen Teil davon hat das Institut in diesem Sommer zurückgegeben. Die Hypo Real Estate und ihre abgespaltene Abwicklungsbank wurden vom Soffin mit knapp zehn Milliarden Euro gestützt, die WestLB erhielt drei Milliarden Euro. Wie die 38,9 Milliarden Euro für den deutschen Steuerzahler im Einzelnen zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Eurostat verbucht Kapitalhilfen, Garantien, Zinsen und Rückzahlungen in einem komplizierten Prozess in den einzelnen Staatshaushalten. Das deutsche Defizit ist deshalb so hoch, weil das Statistische Bundesamt Anfang September einen großen Posten bei der Hypo Real Estate verbuchte. Der Bund übernahm beim Übergang auf die Abwicklungsbank Verluste, die mit 22,3 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Ohne diesen Posten hätte die Bankenrettung in Deutschland 17,6 Milliarden Euro gekostet. Allerdings könnte dies nur die Spitze des Eisbergs sein, denn immerhin hat der Staat den Banken letztes Jahr für ca. 240 Mrd. Euro toxische Papiere gegen Staatspapiere eingetauscht. Dadurch stieg die Staatsschuld von 75% auf 83% des BIP. Zusammen mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland, den Traget-Krediten der EZB in die peripheren Länder, den Anleiherückkäufen der EZB, der Hilfe durch den IWF und dem ESFM kommt ein Hilfsvolumen der Staatengemeinschaft von 1846 Mrd. Euro zustande. Deutschland müsse bei einem Ausfall der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien daraus eine Haftung von 580 Mrd. Euro übernehmen. Anhand des Anstiegs der Versicherungsprämie gegen deutschen Konkurs ist ersichtlich, dass Deutschland mit seiner Beteiligung an den Rettungsaktionen dabei ist seine Bonität zu verspielen (siehe ifo Pressemitteilung vom 27.9.: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/e-pr/e1pz/_generic_press_item_detail?p_itemid=16690430) . Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank beläuft sich derzeit auf ein Volumen von ca. 450 Mrd. Euro. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Entsetzen habe ich heute morgen ihren Artikel gelesen bzgl. den vermeintlich nutzlosen EU-Klimaschutz. Wir versuchen in der Familie klimabewusst zu leben, fahren energiesparende Kleinwagen, haben in 3-fach Verglasung investiert, kaufen Strom aus nachhaltige Stromerzeugung, fahren nicht weit weg in Urlaub, nicht Skifahren, keine ferne Ausflüge, Öffentliche Verkehrsmittel, usw. Wir versuchen damit auch unsere Nachkommen das Bewusstsein für die Umweltproblematik zu schärfen. Und jetzt kommen Sie und versuchen die Welt klar zu machen, daß das alles Unsinn ist. Wir sollten lustig darauf los verbrauchen, es würde ja die Wirtschaft zu gute kommen, und die anderen machen es ja auch. Die Wirtschaft sind aber nicht die Menschen. Die Wirtschaft und deren Lobby kümmerte sich noch nie um die Umwelt ( schauen Sie sich mal Ihren Auto an und Ihren persönlichen Energieverbrauch ) Ich hatte schon lange Zweifel an Ihre gesellschaftliche kompetenz, sie hat sich leider in Gewissheit gefestigt. Sie haben sich für die Umweltzerstörung in China und Indien wohl noch nie so richtig interessiert. Auch ! verschwenden Sie keine Gedanken an wo das Klima stehen würde, wenn wir Europäer so leben würden wie z.B. die Amerikaner. Eines Tages, wenn die Monsune in Europa ganze Landstriche überschwemmen, andere Landstriche von Dürre heimgesucht werden, und das nicht nur in Europa, und die Weltgemeinschaft endlich einsieht, daß was getan werden muss, dann wird Deutschland womöglich die Technologien dafür bereitstellen können. Nicht dank Herr Sinn, sondern trotz Herr Sinn. mit freundlichen Grüssen
Sehr geehrter Herr H., Klimaschutz ist nicht nutzlos, wenn er das Klima schützt. Der Klimawandel ist eine große Bedrohung der Menschheit. Deshalb müssen wir handeln. Nur, das was wir tun, ist nutzlos, denn die Mengen an Kohlenstoff, die wir nicht verbrauchen, verbrauchen andere auf der Welt. Deswegen brauchen wir eine weltweite Vereinbarung über eine Begrenzung des Co2-Ausstoßes. Ich habe dazu ein Buch "Das grüne Paradoxon" geschrieben, das bei Econ herauskam, aber leider in der zweiten Auflage vergriffen ist. Vielleicht interessiert Sie das. Im Februar kommt die dritte. Glauben Sie nicht alles, was Sie in der Presse lesen, sondern lesen Sie im Original. Wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen, schicken Sie mir das, was Sie gelesen haben. Dann will ich gerne prüfen, ob es dem entspricht, was ich gesagt habe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Verehrter Herr Professor Sinn, die, nach dem Vortrag von Professor Murswieg nicht gestellte Frage lautet: Unter all den - bedrückenden - Gegebenheiten, Wie könnte eine Vorwärtsstrategie aussehen ? Vorschlag: Soziale Marktwirtschaft und soziale Partnerschaft für Europa! Was das im Einzelnen bedeuten könnte, wäre in einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit wirtschafts- und gesellschaftspolitisch ausgerichteten Forschungsinstituten aus mehreren Mitgliedstaaten der EU zu erarbeiten! Beste Grüße
Lieber Herr D., der Vorschlag ist bestechend, aber angesichts der verqueren Vorstellungen, die es in Europa bezüglich der Funktionsweise eines Gemeinschaftssystems gibt, und angesichts des Umstandes, dass wir politisch nicht gemäß unserer Größe repräsentiert sind und selbst in der EU-Kommission nichts zu melden haben, wage ich zu bezweifeln, dass das der richtige Weg ist. Erst einmal müssten wir Demokratie herstellen, so dass jeder das gleiche Stimmrecht hat für alle relevanten Gremien. Sodann müsste man ein gemeinsames Rechtssystem und eine gemeinsame Armee schaffen, um die Regeln, die sich die Gemeinschaft gegeben hat, durchsetzen zu können. Die Durchsetzbarkeit von Vereinbarungen und die Vertragstreue, die Verfassungskonformität: all diese für ein Staatswesen unerlässlichen Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Wenn wir jetzt unter dem Namen Soziale Partnerschaft eine Transferunion starten, dann enden wir mit 20 Mezzogiorni, weil man ein Lohnersatzsystem einrichten wird, um die Arbeitslosigkeit auf deutschem Leistungsniveau abzusichern. Also quasi nochmal die deutsche Vereinigung. Bevor wir so weit gehen, sind einige technische Schritte zur Verstärkung der Haftung im Euroraum tun, wie wir sie in unserer Bogenberger Erklärung definiert haben http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/text-bogenberger-erklaerung-sd23.pdf. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn es scheint eine allgemeine Ratlosigkeit zu herrschen, wie die strukturelle Schwäche durch fehlende Wechselkursanpassungen im EU Raum beseitigt werden und die Wettbewerbsfähigkeit der schwachen Länder wieder hergestellt werden könnte. Anregung: Man sollte mal diskutieren, ob es nicht helfen könnte in den schwachen Ländern wie Griechenland etc. Importzölle einzuführen und gleichzeitig zur Exportförderung ein System negativer Zölle (also Gutschriften), welche an die importierenden Firmen/Privatpersonen zu zahlen wären. Auf diese Weise scheint mir, käme man der Situation nahe, die bestehen würde, wenn die schwachen Länder noch die Möglichkeit hätten Ihre Währungen abzuwerten. Der Hinweis auf die Frage, ob dies rechtlich und administrativ möglich ist, sollte kein Killerargument sein, auch nicht der Hinweis auf die Belastung z.B. unserer Exportindustrie.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für Ihren Vorschlag, der schon vielfach erwogen wurde. Dies ist prinzipiell eine Möglichkeit. Dafür müssten dann aber die EU-Verträge verändert werden. Was dem freilich nahekommt, ist eine Umschichtung der Besteuerung von der direkten Steuer zur Mehrwertsteuer. Das würde die Importe verteuern, ohne dass man mit EU-Recht in Konflikt geriete. Nur leider ist der Weg in Griechenland so extrem weit (Abwertung von 30-50% nötig), dass man so wohl nicht hinkommt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, meiner Wahrnehmung nach ist es in den letzten Jahren, zu meiner Freude, zunehmend Ausweis von Wissenschaftlichkeit geworden, in der Darstellung von Ergebnissen die Komplexität des Themas anzudeuten und den eigenen Beitrag in diese Komplexität einzuordnen. Dies lässt - und ich sehe das positiv - wenig Platz für Polarisierungen, hat natürlich den Nachteil, dass die Ergebnisse weniger plakativ darstellbar sind und dass der eigene Beitrag einer von vielen ist, ein vielleicht wichtiger Baustein, aber nicht als fundamentaler Paradigmenwechsel darstellbar ist. Genau diese Haltung habe ich bei Ihnen vermisst, angesichts der Bedeutung des Themas, die Sie ja auch dargestellt haben, eine verpasste Chance. Als Nichtökonomin war für mich der Hinweis, die ökonomische Abwägung von vermutetem Vermögenszuwachs kontra Anlage von Erträgen auf der Angebotsseite als einen Hebel für erfolgreiche Umweltpolitik einzusetzen, sehr interessant. Für mich würde es für einen guten Vortrag schon genügen, hier EINEN neuen Hebel kennengelernt zu haben. Argumentativ nicht belegt ist für mich jedoch, dass VORRANGIG die "grüne" Bewegung dafür gesorgt hat, die Energiepreise seit den Energiekrisen der siebziger Jahre konstant niedrig zu halten. Hier haben, nicht nur meiner Einschätzung nach, politische Entscheidungen für niedrige Energiepreise eine große Rolle gespielt, Diversifizierung der Energiequellen, wie Ausweitung von Atomstrom in den Hauptabnehmerländern, Verstromung von Kohle, der in Deutschland auch gegen Protest der Anwohner in Braunkohleabbaugebieten durchsetzt wurde, Erschließung von Nordseeöl und nicht zuletzt die Präsenz des größten Nachfragers USA als Militärmacht am Golf, um nur einige zu nennen. Dies alles wurde nicht einmal erwähnt. Damit ist ihr vorgestelltes "Grünes Paradoxon" für mich nicht ausreichend begründet, denn die Nachfrageseite hat bisher sehr effektive Strategien entwickelt, um einen niedrigen Energiepreis durchzusetzen. Die Bausch-und-Bogen-Verdammung von allem, was in der Klimapolitik und- technologie auf der Nachfrageseite je gelaufen ist, ist damit für mich nicht nachvollziehbar. Polarisierungen haben zudem leider den Nachteil, Tausenden von Menschen, die sich bisher mit dem Thema beschäftigt haben, schlicht die Intelligenz abzusprechen. Meiner Ansicht nach sollte die Universität Düsseldorf die gute Darstellung von Wissenschaft auch nicht aus den Augen verlieren, wenn sie in der Öffentlichkeit bekannte Menschen als Vortragende einlädt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau R., Sie haben Recht, dass durchaus auch andere Faktoren die Energiepreisentwicklung beeinflusst haben und weiter beeinflussen. Mir ging es aber nicht um eine umfassende Erklärung sondern um die Frage, ob unsere Politik der Nachfrageeinschränkung wirksam ist oder überhaupt sein kann. Deshalb habe ich das Angebot in den Blick genommen, was bisher nicht geschehen ist. Wer die Politik will, muss begründen, warum er glaubt, dass die Nachfrageeinschränkung die Abbaumengen verringert. Aber die Vertreter der Grünen haben das Angebot bislang systematisch ausgeblendet. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich beziehe mich auf Ihren Vortrag "Ist der Euro noch zu retten?" und auf den Abschnitt "Politikoptionen": Sie führen aus, dass bei (fort-)bestehendem Target-System die Einführung von Eurobonds "zwingend" folgen müsse, weil der Anreiz zum Ziehen von Targetkrediten durch die Zinsspreizung "übergroß" sei. Meine Frage: Wären denn nicht Targetkredite immer noch attraktiver als die Finanzierung durch Eurobonds? Würden Eurobonds an der "Krise der EZB", an der Targetproblematik überhaupt etwas ändern können? Eine bloß relativ günstigere Finanzierung kann doch die "günstigste" keineswegs schlagen? Ein "großer" Anreiz ist doch nicht weniger schlimm als ein "übergroßer"? Wie lässt sich die Nutzung der bloß zweitbesten Option und damit der Verzicht auf Targetschulden überhaupt sichern? Soweit meine Frage. Meinen Dank für Ihr sachliches Auftreten in den Medien stelle ich an den Schluss. In einem Umfeld, wo Desinformation - freiwillige und unfreiwillige - zur Regel geworden ist, sind Sie eine hochwillkommene Ausnahme. So sehr Ihre Analyse ernüchtert, besorgt, entsetzt, so sehr respektiert sie Leser und Zuschauer indem sie Ihnen die Annäherung und Auffassung komplexer Sachverhalte zumutet und zutraut, darin unterscheidet sie sich vom Alarmismus, der das Publikum bereits weitgehend abstumpft hat. Mit recht freundlichen Grüßen R. S-H.
Sehr geehrte Frau S., vielen Dank erst mal für die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ihre Frage ist berechtigt. Aber Sie müssen bedenken, dass die EZB-Kredite nur kurzfristiger Natur sind und insofern auch bei höheren Zinsen die Konkurrenz mit kurzfristigen EZB-Krediten bestehen. Es gibt eine sogenannte Fristigkeitsstruktur der Zinsen. Je länger die Zinsbindung, desto höher der Zins. Wenn man Eurobonds anbietet, die als sicher gelten, werden die Kapitalanleger wieder Geld in die Südländer verleihen, und die Target-Kreditaufnahme geht zurück. Aus der Möglichkeit, sich mit der Druckerpresse selbst zu bedienen folgen Eurobonds zwingend, leider. Aber das Ganze wird dann gar nicht mehr funktionieren, weil die Risiken in den Zinsen nicht mehr abgebildet sind. Wir kriegen dann wieder die Überhitzung und Leistungsbilanzdefizite im Süden, die wir ja gerade bekämpfen wollten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dres. h.c. Hans-Werner Sinn, mein Versuch mich telefonisch für Ihre klare Darstellung der Wirtschaftslage zu bedanken ist gescheitert. anstatt des Anrufs schreibe ich Ihnen nun diese Email. Vielen Dank für Ihre klare und allgemein verständliche Erklärung zu der momentanen allgemeinen wirtschaftlichen Lage der EU, die Sie in der Sendung "Unter den Linden" formulierten. Wenn der Kunde nicht zahlt, muss der Kaufmann den Laden schließen oder die Preise erhöhen, bis schlussendlich der letzte Kunde wegbleibt und der Laden dann geschlossen wird, so ist es eben. Konsolidierung kann nur entstehen wenn sich die Konsumenten bewusst werden, was Sie da konsumieren und wie aufwendig die Entwicklung und Herstllung ist. Hochtechnologien sind eben nicht mit Oliven und Schafskäse zu bezahlen. Wir in Deutschland sind lange Jahre Exportweltmeister und immernoch Vizemeister. Dies ist den Arbeitnehmern in Deutschland zu verdanken, die Lohnverzicht geübt haben. Es ist an der Zeit, das die Löhne erhöht werden und Rentner in Deutschland von Ihrer Rente leben können und mit leben meine ich konsumieren und somit junge Menschen in Arbeit bringen. Der Binnenmarkt kann uns aus der Krise führen. Deutschland kann Deutschland helfen, aber nicht der ganzen Welt! Wir haben unsere Stärken sind aber nicht, um bei der griechischen Mythologie zu bleiben, Atlas, der die Welt auf den Schultern trägt. Denken Sie mit jedem Ihrer Worte an die Menschen in Deutschland, die trotz beruflicher Qualifikation und Berufserfahrung zu Schmutzlöhnen arbeiten müssen, damit unsere Zahlungsschwachen Kunden bedient werden können.
Sehr geehrter Herr F., haben Sie vielen Dank für die netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ich freue mich sehr, dass Ihnen die Sendung gefallen hat. Dass nun die Zeit für Lohnerhöhungen in Deutschland gekommen ist, hatte ich in meinem Beitrag ja gesagt. Das muss aber als Reaktion auf die Nachfrage nach Arbeitskräften geschehen und darf ihr nicht vorauseilen. Ich bin zuversichtlich, dass die allmähliche Räumung des Arbeitsmarktes, die wir beobachten, die lange vermissten Lohnerhöhungen bringen wird. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin wirklich sehr angetan von Ihrem gestrigen Vortrag in Kiel. Aber obwohl Sie die Kernprobleme der Euro-Schuldenkrise wirklich beeindruckend klar und präzise auf den Punkt bringen, habe ich das Gefühl, dass Sie die Sache in manchen Punkten nicht konsequent zu Ende denken: - Sie sagen, dass die Krisenländer eine reale Abwertung brauchen. Problem: Wenn die versuchen, im nötigen Ausmaß billiger zu werden, gibt es dort Firmenpleiten und womöglich einen Bürgerkrieg - dieser Weg ist nicht gangbar. Sie sagen auch, dass wir in Deutschland teurer werden müssen (reale Aufwertung), aber dass wir das nicht wollen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie etwas mehr darauf eingehen, was die Politik dazu beitragen könnte, dass Deutschland real aufwertet. Sie räumen (während der Diskussion) ein, dass die Löhne bei uns jetzt natürlicherweise steigen könnten, aber nach Ihrer Einschätzung sollte dies nachfrageseitig vom Markt gesteuert werden, statt es politisch zu verordnen. Aber: Wenn Griechenland abseits von "natürlichen" Lohnverhandlungen die Löhne teilweise um 40% kürzt, warum soll der deutsche Staat die Lohnsetzung und die Binnennachfrage nicht auch maßvoll (!) beeinflussen? Man könnte hier z.B. die Lohnnebenkosten erhöhen, um die Exporte zu verteuern, und im Gegenzug die Mehrwertsteuer senken, um Importe zu stimulieren (allerdings möglichst verteilungsneutral). Man könnte die öffentlichen Löhne als Lohnlokomotive einsetzen und durch öffentliche Erklärungen ein Klima schaffen, das gewerkschaftliche Lohnforderungen nicht prinzipiell als maßlos geißelt, sondern ein etwas höheres Niveau der Lohnsteigerungen für alle Branchen gleichzeitig empfiehlt. Deutschland könnte mit diesen Maßnahmen die Ungleichgewichte abdämpfen und ohne große eigene Schmerzen und Bürgerkriege zu einem echten Realignment beitragen. - Sie kritisieren Frau Lagarde dafür, dass sie Sanktionen gefordert hat, wenn ein Land hohe Leistungsbilanzüberschüsse produziert. Aber letztlich muss die Diskussion doch genau in diese Richtung gehen! Besser wäre natürlich ein marktbasiertes Anreizsystem, dass automatisch zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzsalden beiträgt, aber wenn das nicht verfügbar ist, muss eben die Wirtschafts- und Sozialpolitik zentral koordiniert werden, sodass außenwirtschaftliche Ungleichgewichte im Rahmen bleiben. - Sie sagen mit Recht, dass die Ausspreizung der Zinssätze ein Marktsignal und ein notwendiger Anreizmechanismus ist, damit in den betroffenen Länder die weitere Verschuldung unattraktiv gemacht wird. Daher solle man dieses Marktsignal nicht durch Vergemeinschaftung der Risiken kaputt machen. Was Sie dabei nicht sagen ist, dass Italien höchstwahrscheinlich in der Schuldenspirale versinken würde, wenn dieses Land auf Dauer 7% Zinsen für die 10jährigen (bei 120% Verschuldung, 2% Inflation und ohne reales Wirtschaftswachstum) zu schultern hätte. Marktsignale sind eine gute Sache, aber wenn dann Italien in den "Default" geht, ist es keine gute Lösung. - Sie sagen, dass ohne die Target-Salden der Kapitalmarkt eine Lösung finden würde, um die Geldabflüsse auszugleichen, indem sich z.B. italienische Banken bei deutschen Banken zu höheren Zinsen als 1% Geld leihen würde; und dass die EZB durch die "verliehene Druckerpresse" nötige Marktsignale unterdrückt und damit Ungleichgewichte perpetuiert. Das stimmt zwar, aber die EZB versteht ihren Auftrag auch so, dass sie für eine ausreichende Liquiditätsversorgung der italienischen Wirtschaft zu sorgen hat. Würde sie das "Gelddrucken" kontingentieren, würde deutlich teurere Liquidität den italienische Kredit- und Kapitalmarkt ziemlich austrocknen und zahllose Firmen wären von der Pleite bedroht. Das wäre das Gegenteil von der geforderten Liquiditätsversorgung der Wirtschaft - die EZB tut das Richtige. Die Ungleichgewichte müssen auf andere Weise gelöst werden. Also, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin wirklich begeistert von Ihrem Vortrag gestern und unterschreibe so gut wie alles, ich würde mir nur wünschen, dass Sie in einigen Punkten die Konsequenzen zu Ende denken und gangbare Lösungswege klarer beschreiben. Viele Grüße Ulrich S.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für die Rückmeldung. Lassen Sie mich auf einige Punkte antworten. Löhne: Wenn man die Löhne politisch anhebt, wird Deutschland in die Flaute gedrückt, und es entsteht klassische Arbeitslosigkeit bei fallenden Importen und fallenden Exporten. Möglicherweise steigt sogar der Leistungsbilanzüberschuss, was die falsche Reaktion wäre. Wenn aber wir die Rettungsschirme knapp halten, dann boomt Deutschland, weil das Kapital hier bleibt, und die Importe steigen. Die Exporte werden wie bei der anderen Variante gedrückt. Nur so kann man Lohnerhöhungen begründen, nicht über den Weg von Frau Lagarde. Zinsen für Italien. Eurostat schätzt, dass Italien im Jahr 2012 eine Zinslast von 5% des BIP haben wird. In den neunziger Jahren hatte Italien 10% des BIP als Zinslast. Westdeutschland hatte damals eine Last von 6% für Zinsen und die Transfers in die neuen Länder. Italien ist offenbar weit davon entfernt, seine Zinsen nicht allein schultern zu können. Die Behauptung, es könne sie nicht schultern, ist eine Zweckbehauptung. Austrocknen von Italien: Dass Italien höhere Zinsen zahlt und über eine Flaute zur realen Abwertung gezwungen wird, ist unerlässlich, wenn die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen soll. Die vermeintliche Rettung durch Kredite zu 1% Zins für 3 Jahre schlägt das private Kapital in die Flucht und verhindert den Prozess der realen Abwertung für Italien. Es gibt keine anderen Wege, die Ungleichgewichte zu lösen als durch die reale Abwertung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
To Professor Simm First I want to say THANK YOU for the EXCELLENT Speech and Research by You and Your Colleague ! http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x _s-764870657/ifo/index.html http://www.nber.org/papers/w17626.pdf?new_window=1 } The interrelationships presented has clarified a lot of questions for me . I will need to study the research a bit in detail to understand it properly ..as I am not an economist but just a surgeon The overriding question though is WHAT NEEDS TO BE DONE .. I think You can agree on that ! In my mind it should not be too difficult ...though eventually politically ..very difficult First of all : take away the incentive of borrowing from the ECB : this is OBVIOUS accord to You This can be done just by increasing the interest-rate which has to be paid By nations having a deficit on this ECB account. For ex letting it be a FLOATING INTEREST RATE ... increasing in magnitude ..in correlation with the Size of the deficit ... the higher the deficit.. the higher the interest rate .. Quite sound in financial terms ! Politically easy to explain and motivate and Still NOT a total denial of shared responsibility . Second of all : Assure that collateral ASSETS are fungible ..as You term it . I have for a long time ..inspired by the Norvegian Wealth Fund Been thinking ..WHY ... not make the EURO .. a real asset backed currency . In that context GOLD is too narrowminded ... it should include ALL tangible Asset Classes in public Sovereign Posession within the EURO Area : Infrastructure / Real Estate / Equities / Foreign Bonds .. private and sovereign satisfying certain investment criteria and ofc Gold/ Silver / Platinum etc . This represents an enormous CAPITAL ! ( There is NO area with equal accumulated capital in the world ..wealth which often is lying dormant .. and which is Europes real Strength ... the quite uniform INFRASTRUCTURE ... of Europe Unparalleled in the world ... as long as that will last Why not use that .. the foundation for our wealth ? In theory there should be no objection ...IF ,, the errand is not to CHEAT !) But publicly owned tangible assets Organized in ETF like structures ( for which there now exists ample expertice in all sorts of assets ) Handed over as collateral for Money issued according to a fixed agreed percentage .. as much as possible ..but a little less will do ... for ex the nominal amount of Euro in effect MINUS the circulating amount of Euro in coins and notes ! Handed over to a central EURO FUND working in close synch with the ECB Run on legally enshrined principles of sustainable profit and growth . ETF Shares traded at Global exchanges and freely exchangeable with the EURO at Market prices . And if there are NOT REAL assets to cover up ... well . then no more EURO can be issued ... by such a sovereign ! It would take some Brilliant legal and financial experts to hammer out Such a construction .. but I am sure such brilliance is there..in Europe WHO ... would not want to hold and save in such a currency ? ... Few ..is my guess ! The process would take time ... but in my opinion .. fully worth the effort securing the future of normal European citicens and Nations for a long time to come and therefore A POSITIVE goal to work towards I may be NAÏVE ..in this suggestion .. but cannot really see WHY that should be so ? Third of all : CAPITAL CONTROL UNTIL THE SITUATION IS UNDER CONTROL ! I do not know whether You are aquainted with the Almost unprecedented attack on the EURO coming out of the anglosaxon world. I think You know ! Take any issue of The Financial Times ..or almost any Other anglosaxon media outlet ... and the picture is clear ! It is interesting that the Capital Flight out of especially Italy and France Occurs exactly at the time where the ANGLOSAXON MEDIA RHETORIC BOMBARDEMENT is gaining strength and volume I do not think this is coincidental ... and I do think I know the reasons for this ! As a convinced European ... I do not think it is in the interest of EUROPE or GERMANY Or my own country DENMARK to let the anglosaxon world get away with this Attempt of DIVIDE et IMPERARE ... in order to save their own miserable situation far worse than the European situation and something they have no choice but to run away from ... which in my opinion .. is ..what is being prepared ! ( and something You do not incorporate in Your presentations .. even if the condition Of the anglosaxon financial world is a pre-requisite of understanding the current Global financial situation..of which Europe and the PIIGS and Germany are a part ) A broken down European Union split up in smaller national entities could be CAJOLED into accepting above future development ! Fourth of all : assist the indebted Euro-countries to regain competitiveness by support and investment in REAL PRODUCTIVE ENTITIES ... most of all ...CREATING JOBS .. where wages are paid by income generated by that production ... evt subsidizing such concrete individual measures in start up phases ... Just like it was done in Ireland .. in the start of that nations tiger-leap from powerty to a competitive nation. Fifth of all : increase EU spending on EDUCATION , RESEARCH and INNOVATION especially also in Indebted countries .. subsidize THAT .. not bottomless sovereign holes Never forget or omit that .. even if NO IMMIDIATE MONEY will be received . Sixth of all : increase cooperation EAST and SOUTH WARD : towards EAST EUROPE, RUSSIA and CHINA Promote the aspirations of TURKEY into the European Union ( Greece & Cyprus should never have been admitted without also taking in Turkey ! ) Nurture the relations to AFRICA .. the area of the world , where Europes fate will ultimately be decided ( are you aware that it is big business for individual african farmers to RENT out their land even on relatively small plot scale to INDIVIDUAL chinese farmers who use the land to produce ..right now ... said just to exemplify .. what is going on ? ) Seventh of all : get rid of as much of Anglosaxon " Assets " as possible.. as these debts cannot be re-paid considering the imbalances present in these countries with NO END IN SIGHT ! That will be especially Important for GERMANY .. who is facing potentially loosing half of its wealth in Europe .. but may face Loosing a big part of the second half ...in the US .. and evt the UK ( if the latter does not regain its senses abandon the illusion of financial " wealth creation " regain its industrial productive apparatus ... And come on board ) Und hiermit .. Entschuldigen Sie mich fuer meine eventuell amateurische Gedanken Und noch einmal ..VIELEN DANK ...fuer Ihren Beitrag und Erleuterungen ! Vieles ist mir nach dem Lesen ..klarer geworden ! Ich wuensche Ihnen ein Frohes Fest und Neues Jahr ! Mr Ole C G Olesen
Dear Mr. Olesen, I am sorry to respond so late. But I was overly busy with other things. Thank you very much for your insightful comments and for expressing your interest in my work. Needless to say, the questions regarding how the economic crisis challenges the economic and political strength of the EU is of extremely high interest to me. I enclose a link to the last EEAG report which has a chapter on a new crisis mechanism for the Euro area. This mechanism considers a three-stage procedure that distinguishes between different degrees of a crisis: illiquidity, impending insolvency and actual insolvency: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Furthermore I want to advert to the Bogenberger Declaration: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_20 11_bogenberg_declaration.pdf. Therefore a resolution of the crisis can only come by addressing the real roots of the crisis. Treating only the symptoms of the disease is doomed to failure. Since there is no way to return to a policy of completely excluding mutual liabilities, the declaration makes a proposal for a agenda. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Nachgang zu Ihrem Vortrag am 10. Januar an der Uni Düsseldorf möchte ich Ihnen nochmals für Ihre klaren und abschließend pointierten Aussagen zur aktuell hierzulande praktizierten "Klimapolitik" danken. Ich kann nur hoffen, dass Ihre Worte in die Köpfe der Zuhörer eingedrungen sind. Nach dem Vortrag hatte ich Sie kurz angesprochen und dieses Schreiben angekündigt. Sie hatte einleitend ausgeführt, dass Sie kein Experte in Sachen Klima wären, dann aber doch in voller Breite die Thesen der Anhänger (oder sind es Profiteure?) des proklamierten menschengemachten Klimawandels vorgetragen. Und dann geäußert, dass Sie in Ihrer Situation dem "Mainstream" folgen müssten. Hierzu möchte ich Sie nur aufmerksam machen, dass die "Mainstream"-Thesen gar nicht so gesichert sind, wie sie i.d.R vorgetragen werden. Um dies zu merken, muss man allerdings schon sehr genau hinsehen: 1. In der Erklärung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft zum "Treibhauseffekt, der ja der Quell der Klimaveränderungsthesen ist, heißt es einleitend "Es ist unstrittig, daß der anthropogene Treibhauseffekt noch nicht unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte." und abschließend "Fazit: Es ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, daß sich die Strahlungsflüsse im System Erde/Atmosphäre durch die Zunahme der klimarelevanten Spurengase verändern. Ohne Berücksichtigung der Rückkopplung mit dem komplexen Klimasystem würde dies mit Sicherheit zu einer Erwärmung der Erdoberfläche und der Troposphäre führen. Die eigentliche, wissenschaftlich herausfordernde Debatte beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die verschiedenen Rückkopplungsprozesse die strahlungsbedingte Erwärmung verstärken oder dämpfen." Quelle http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/stellungnahmen/treibhauseffekt.pdf . Hieraus kann man nur schließen, dass es keine gesicherte Beweislage für die Richtigkeit der Klimawandelthesen gibt. 2. Mehr in USA als in D gibt es Wissenschaftler, die zu dieser Thematik öffentlich Stellung beziehen, z.B. in der "Global Warming Petition", in der von "keinem überzeugendem wissenschaftlichen Beweis" der behaupteten Wirkungen der Treibhausgase" die Rede ist. Diese Petition ist immerhin von mehr als 31.000 US-Wissenschaftlern unterzeichnet. Anzusehen hier: http://www.petitionproject.org/ In D sind die einschlägig tätigen Wissenschaftler stiller geworden, ohne allerdings ihre Auffassungen geändert zu haben. Z.B. kann man hier sehen, was man sich noch vor 13 Jahren zu äußern getraute: "Die Argumente der Zweifler" http://www.berliner-zeitung.de/archiv/pro-und-kontra-in-der-aktuellen-wissenschaftlerdebatte-die-argumente-der-zweifler,10810590,9370520.html . Als Mitglied der DMG kann ich auf Vortragsveranstaltungen immer wieder die Zweifel leise geäußert wahrnehmen. 3. In dem recht neu erschienenen Buch von Hüttl, R. F. J., Wissenschaftlicher Vorstand des GeoForschungsZentrum Potsdam (eines der drei sehr renommierten deutschen Forschungsinstitute auf diesem Gebiet, neben AWI und Geomar, nicht zu verwechseln mit dem Ideologie-Camp PIK), "Ein Planet voller Überraschungen", ist zu lesen z.B. auf S. 8/10: 'Wie wir gesehen haben, besteht das System Erde aus einer Vielzahl von Teilsystemen. Das Klima ist eine der Schnittstellen, auf die Prozesse in Atmosphäre, Hydrosphäre, Geosphäre, Biosphäre und Anthroposphäre einwirken. Unsere Forschungen geben uns ständig neue und überraschende Einsichten in diese Prozesse und ihre verzweigten Wechselwirkungen, und wir sind immer noch weit davon entfernt, sie vollständig zu verstehen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Annahme, wir könnten die aktuelle Entwicklung durch Reduktion der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen bis 2050 auf zwei Grad begrenzen, als fragwürdig. Eine tatsächliche Erreichbarkeit dieses Zwei-Grad-Ziels lässt sich wissenschaftlich nicht begründen, dafür sind im Gesamtsystem Erde zu viele Variablen im Spiel, und auch der Teilkomplex Klima selbst besitzt eine hohe Eigendynamik.' Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte Sie nicht langweilen. Aber ich nehme an, dass auch Sie eine mittels Fußbodenheizung beheizte Wohnung nutzen. Und mit der Überlegung, wie denn die Fußbodenheizung und angenehme Lufttemperaturen in den Wohnräumen liefert, kann man auch als Laie verstehen, dass das mit dem Treibhauseffekt, der uns die +15°C Lufttemperatur bescheren soll, nicht so ganz stimmen kann. Die Erde besitzt nämlich auch eine Fußbodenheizung. Und zwar den durch Sonneneinstrahlung erwärmten Erdboden. In den äquatornahen Gebieten erreicht Sandboden (Wüste, trockene Bodenflächen) Temperaturen bis zu 80°C. Diese Wärme wird dort an die darüberliegende Luft abgegeben, weshalb diese, wenn es keinen Austausch mit kühlerer Luft gäbe, auch die 80°C annehmen würde. Wir wissen, warme Luft steigt auf. Aber oben an der Grenze zum All gibt es keine Kühlflächen, dort schließt Vakuum an, der beste Wärmeisolator überhaupt. Also würde an den heißen Bodenflächen die Luft auf eben diese Temperatur des Bodens erwärmt, darüber hinaus geht nicht, es muss immer ein Temperaturgefälle vorhanden sein, um Wärme übergehen zu lassen. Aber abkühlen könnte die erwärmte Luft nicht, nirgendwo, wenn keine strahlungsaktiven Bestandteile, die sogenannten "Treibhausgase", darin enthalten wären. Abkühlung durch Wärmeabgabe an kältere Bodenflächen irgendwo wäre nicht möglich, weil sich über solchen Bodenflächen stets eine sehr dünne, etwas kühlere Luftschicht legen würde und damit die wärmere Luft (oben) gegen den kalten Boden (unten) isolieren würde. Das ist der Grund, weshalb es nicht gelingt, den Boden von unbeheizten Räumen durch zirkulierende wärmere Luft aus Nachbarräumen zu erwärmen, auch wenn diese recht warm ist. Fazit dieser Überlegung ist, ohne Treibhausgase in der Luft, der Atmosphäre, wäre es nicht -18°C kalt auf unserer Erde, nein, wir hätten Lufttemperaturen weltweit von etwa +80°C. Leben in der bekannten Form gäbe es auf unserer Welt dann nicht. Mehr zum Thema Wärmehaushalt der Erde/Atmosphäre habe ich in einer Veröffentlichung dargestellt, welche auch im Internet verfügbar ist: „Die Erdatmosphäre – ein Wärmespeicher“ http://real-planet.eu/wspeicher.htm So, und nun werden Sie einschätzen können, wie ich die wissenschaftlichen Leistungen des Mainstreams (es handelt sich aber nur um einen selbsternannten) im Thema menschgemachter Klimawandel beurteile. M.E. wäre es auch ausreichend, wenn Sie in einem solchen Vortrag wie dem in Düsseldorf lediglich die Auffassungen, welche als Begründung für klimapolitische Maßnahmen von der Politik gepflegt und gefördert werden, unkommentiert darlegen. In der Hoffnung, noch öfter Ihre klare Rede entweder direkt oder übermittelt vernehmen zu dürfen, verbleibe ich mit freundlichem Gruß Heinz Thieme Dipl.-Ing. Heinz Thieme
Sehr geehrter Herr Thieme, vielen Dank für die Rückmeldung. Auch wenn ich kein Klimaexperte bin, habe ich mich doch mit der Literatur zu dem Thema im ersten Kapitel meines Buches Das grüne Paradoxon ausführlich auseinandergesetzt. Die Evidenz ist doch erdrückend. Ich kann Ihnen auch versichern, dass weltweit nur eine kleine Minderheit der Fachwissenschaftler Zweifel hegt. Auch die von Ihnen zitierten Passagen drücken übrigens keinen grundlegenden Zweifel aus. Das Zitat unter 1 sagt ja nur, dass nicht klar ist, ob der anthropogene Klimaeffekt durch endogene Prozesse verstärkt oder abgeschwächt wird. Dass er stattfindet, wird nicht bestritten. In meinem Buch diskutiere ich die verstärkenden und abschwächenden Effekte. Das Zitat unter 2 zeigt mir nicht, dass hier Leute befragt wurden, die wirklich darüber geforscht haben. 31.000 Forscher zum Treibhauseffekt gibt es ja gar nicht. Sie müssen die Literatur in den referierten Fachzeitschriften auswerten, und dort ist der Überhang derer, die einen Klimaeffekt nachweisen, riesig. Das Zitat unter 3 war auch immer meine Vermutung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir es schaffen, die Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen. Auch das habe ich in meinem Buch ausführlich mit Rechnungen belegt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Verständnisschwierigkeiten mit Ihrer Antwort auf den Beitrag von Herrn Müller vom 17.11.2010. Sie schrieben ‘…, investieren kann man nur mit Ersparnissen. Die Kreditschöpfung der Banken ist ein Einmaleffekt. … Der Kredit aus dem Nichts ist ein zusätzlicher Geldbestand, der zirkuliert, aber nicht für Investitionen zur Verfügung steht, außer er wächst schneller als das Transaktionsvolumen, weil die EZB die Geldbasis schneller wachsen lässt.‘ Nun liegen dem gesamten Banken-Buchgeldgestand Bankenkredite zugrunde. Wenn der gesamte Banken-Buchgeldgestand letztendlich aus Bankkrediten besteht, ist es einleuchtend, dass der gesamte Buchgeldgestand ständig revolviert werden muss. Dass heißt die Kreditschöpfung der Banken ist bzgl. der Investitionen kein Einmaleffekt, denn die Banken benötigen ständig Kreditnehmer um die Geldmenge aufrecht zu erhalten. Wo liegt mein Fehler, wenn ich der Meinung bin: entweder wird ständig investiert, oder der Geldbestand schrumpft, bzw. kann eben noch durch degenerierende/spekulative/konsumtive Kredite aufgeblasen werden?
Sehr geehrter Herr W., Banken schaffen Geld, indem sie Kredite vergeben. Sofern Banken den Bestand an Krediten ausweiten, entsteht auch ein größerer Geldbestand. (Da die Kredite meistens nur begrenzte Zeit laufen, wird dieser Bestand ständig revolviert.) Daraus können so lange keine Investitionen finanziert werden, wie der zusätzliche Geldbestand nicht für ein Mehr an Transaktionen, sondern für mehr Bequemlichkeit bei den Transaktionen (Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit) oder Geldhorte verwendet wird. Die Investition muss dann aus Ersparnissen finanziert werden, und die reichen auch gerade aus, denn sie sind ja der nicht konsumierte Teil des Sozialprodukts. Wird aber mehr Geld ausgegeben, als für die genannten Zwecke gebraucht wird, dann übersteigt das Angebot an Finanzierungsmitteln die Nachfrage für Investitionen, der Zins fällt, und es wird mehr investiert. Dann ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage größer als der Wert der laufenden Produktion, und die Wirtschaft expandiert. Wenn die Expansion in die Nähe oder bis zur Kapazitätsgrenze führt, gibt es sogar eine Inflation. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dies Ihre Frage beantwortet, hoffe aber, Sie kommen damit ein Stück weiter. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine Frage zur Empirie bezüglich der Wirkung von Mindestlöhnen auf Beschäftigungs- bzw. Arbeitslosenquoten. In Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" beschreiben Sie den sog. "Ziehharmonika-Effekt". Danach definierten die Lohnersatzleistungen des Sozialstaates einen hohen impliziten Mindestlohn. Dieser stauche die Lohnstruktur von unten her zusammen und erhöhe damit die Löhne bis in das mittlere Qualifikationssegment hinein. Je niedriger das Qualifikationsniveau, desto stärker falle die Lohnerhöhung aus. Da eine oktroyierte Lohnerhöhung Arbeitslosigkeit verursache, ist eine hohe Arbeitslosenquote unter den gering Qualifizierten die unausweichliche Folge eines überhöhten gesetzlichen oder impliziten Mindestlohns. Da der deutsche implizite Mindestlohn höher sei bzw. eine stärkere Wirkung auf die Lohnstruktur habe als die gesetzlichen Mindestlöhne, welche andere (insbesondere europäische) OECD-Länder haben, sei die deutsche Arbeitslosenquote unter den gering Qualifizierten im Jahr 2001 die höchste unter allen OECD-Ländern. Seit der Agenda 2010 kann man von einem impliziten Mindestlohn in Deutschland jedoch nicht mehr sprechen. Dies liegt neben verbesserten Hinzuverdienstmöglichkeiten v. a. daran, dass die Lohnersatzleistungen bei Ablehnung eines Arbeitsangebotes drastisch gekürzt werden können. Tatsächlich hat sich die Lohnskala nach unten hin ausgespreizt, ein wachsender Niedriglohnsektor ist entstanden. Die zu erwartende Konsequenz wäre, dass die Arbeitslosenquote unter den gering Qualifizierten durch die Reform deutlich hinter die Quote der Länder, die nach wie vor einen hohen Mindestlohn haben, zurückgefallen ist. Ein sinnvolles Vergleichsland wäre z. B. Frankreich. Dieses Land hat einen hohen gesetzlichen Mindestlohn, zu dem ein großer Teil der Arbeitnehmer arbeitet. Dies verdeutlicht, dass der Mindestlohn auch in Frankreich einen erheblichen Einfluss auf die Lohnstruktur hat. Vergleicht man Deutschland und Frankreich jedoch bezüglich der Arbeitslosenquote unter den gering Qualifizierten, so fällt auf, dass die französische Quote in den Jahren 2001 bis 2009, also auch noch im fünften Jahr nach der Abschaffung bzw. deutlichen Senkung des impliziten deutschen Mindestlohns, stets mehr oder weniger deutlich unter der deutschen Quote lag. Ich beziehe mich dabei auf die Statistik "Employment/population ratios, activity and unemployment rates by educational attainment" im "OECD Employment Outlook" aus den Jahren 2003 bis 2011. Wie ist es mit der Theorie des "Ziehharmonika-Effekts" vereinbar, dass in einem Land ohne gesetzlichen oder impliziten Mindestlohn die Arbeitslosigkeit unter den gering Qualifizierten deutlich höher ist als in einem Land mit einem hohen gesetzlichen Mindestlohn, der erhebliche Auswirkungen auf die Lohnstruktur hat? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, leider ist Ihr Mail bis jetzt liegen geblieben. Ich bitte um Entschuldigung. Sie haben Recht, dass für Deutschland durch die Agenda 2010-Reformen die faktische Lohnuntergrenze aufgeweicht wurde. Es wurden ja auch sehr viele Stellen für Geringqualifizierte geschaffen. Wenn trotzdem Deutschland noch mehr Arbeitslose als Frankreich bei den Geringqualifizierten hat, wie Sie schreiben, ist das verblüffend, in der Tat. Allerdings könnte es sein, dass sich die Verhältnisse inzwischen geändert haben, denn nach der Finanzkrise hat Deutschland einen fulminanten Boom gehabt, der die Arbeitslosenquote zurück gehen ließ, während die Quote in Frankreich drastisch anstieg. Ich vermute, dass dies auch die Geringqualifizierten mit erfasst hat. Ansonsten kann ich nur darauf verweisen, dass die Aussage, dass der Mindestlohn die Arbeitslosigkeit vergrößert, nicht monokausal zu verstehen ist. Zwischen Frankreich und Deutschland gibt es noch andere Unterschiede, die auch die Erklärung sein können, z.B. der Umstand, dass Deutschland relativ zur Bevölkerungsgröße um etwa die Hälfte mehr Menschen hat, die im Ausland geboren sind, als Frankreich. Wenn wir aus dem Grunde besonders viele Geringqualifizierte haben, dann ist unter sonst gleichen Umständen auch ein größerer Prozentsatz davon arbeitslos. Aber das sind nur Mutmaßungen. Es wäre des Schweißes eines Forschers wert, das einmal näher zu ergründen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antworten. An der einen oder anderen Stelle ergeben sich jedoch Nachfragen, die ich Ihnen gerne stellen würde. 1) Sie gehen davon aus, dass Mitarbeiter bei einer Lohnerhöhung entlassen werden, das Produktionsvolumen aber trotzdem konstant bleibt, da die wegfallenden Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden. In diesem Fall kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen. Wenn die Arbeit von infolge von Lohnerhöhungen entlassenen Arbeitskräften allerdings nicht durch Maschinen ersetzt wird, sondern wegfällt, kann ich keine dadurch verursachte Senkung der Lohnstückkosten erkennen. Vielleicht kann ich meine Überlegung anhand eines Beispiels verdeutlichen: In Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" schreiben Sie auf den Seiten 116-117, die nominalen Stundenlöhne der westdeutschen Arbeitnehmer seien im Zeitraum von 1982 bis 2002 um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr gestiegen, während die reale Arbeitsproduktivität bezogen auf die Erwerbstätigen um 2,0 Prozent pro Jahr gestiegen sei. Daraus ergebe sich ein Anstieg der nominalen Lohnstückkosten von 1,7 Prozent pro Jahr. Wenn man die Arbeitsproduktivität allerdings nicht auf die Erwerbstätigen, sondern auf alle Menschen im erwerbsfähigen Alter (also auch auf die Arbeitslosen) beziehe, dann sei der Produktivitätszuwachs geringer und damit der Anstieg der Lohnstückkosten höher gewesen. Diese Argumentation ist logisch und nachvollziehbar. Ich stelle mir nur die Frage, ob man, wenn man schon die niedrige bzw. nicht vorhandene Produktivität der Arbeitslosen mit einrechnet, nicht auch deren potenziell geringere Löhne mit berücksichtigen muss. Möglicherweise hat die Entlassung der Arbeitnehmer auch den Anstieg der nominalen Lohnkosten höher ausfallen lassen, da sie, auch nach der Lohnerhöhung, die zu ihrer Entlassung geführt hat, niedriger entlohnt worden sind als der durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer. Einen umgekehrten Effekt konnte man im letzten Jahrzehnt beobachten, als die Durchschnittslöhne sehr langsam gestiegen sind, da durch die Agenda 2010 viele vormals Arbeitslose in ein Beschäftigungsverhältnis kamen, dass unterhalb des Durchschnitts entlohnt wurde. Man müsste also, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, auch den gemessenen Anstieg der nominalen Lohnkosten zwischen 1982 und 2002 von 3,7 Prozent einer Revision unterziehen. Stimmen Sie dem zu? 2 + 3) Ich habe mehrere Veröffentlichungen des ifo-Instituts zur Aktivierenden Sozialhilfe gelesen. In keiner mir bekannten wird im Detail erläutert, bei welchem Verdienst im Bereich über 500 Euro wie viel Geld abgezogen bzw. zugezahlt wird. Es ist immer nur pauschal von einem 70-prozentigem Abzug die Rede. Wenn sich Mehrarbeit wirklich immer rentieren soll, müssten doch bis in die höchsten Einkommensschichten hinein noch Lohnzuschüsse gezahlt werden. Wenn jemand, der 1100 Euro aus eigener Kraft verdient, besser gestellt sein soll als jemand, der ein Einkommen von 1100 Euro nur mit einem Lohnzuschuss verdient, müsste ersterer ebenfalls einen Lohnzuschuss erhalten. Das ist, wie Sie schreiben, in System der Aktivierenden Sozialhilfe auch vorgesehen. Wenn man annimmt, dass dieser Zuschuss 200 Euro beträgt, dann müsste jemand, der 1300 Euro ohne einen Lohnzuschuss verdient, ja auch einen Lohnzuschuss von z. B. 100 Euro erhalten, in der Folge auch jemand, der 1400 Euro ohne einen Lohnzuschuss verdient etc. pp.. Können Sie mir eine Veröffentlichung zur Aktivierenden Sozialhilfe nennen, in der diese Zusammenhänge detailliert erläutert werden? Vermutlich liegt der Schlüssel in der Kombination der Aktivierenden Sozialhilfe mit dem Steuer- und Abgabensystem. 4 + 7) Ich denke, dass hier eine klassische "Die Katze beißt sich in den Schwanz"-Situation vorliegt. Bei einer Lohnerhöhung gibt es zwei mögliche Effekte: Erstens eine Steigerung der Konsumgüternachfrage, was zu mehr Arbeitsplätzen und mehr Investitionen führt - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass keine Lohnbezieher aufgrund der Lohnerhöhung entlassen werden, da dann möglicherweise die Lohnsumme sinkt. Und zweitens ein Verlust von Arbeitsplätzen sowie ausbleibende Investitionen - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die gestiegene Konsumgüternachfrage nicht vorher zum Tragen kommt. Denn bei einer gestiegenen Konsumgüternachfrage können bspw. Frisörläden ihre Preise ohne Nachfrageeinbußen erhöhen, was höhere Löhne für die angestellten Frisöre rechtfertigt. Auch ansonsten treibt eine gestiegene Konsumgüternachfrage die Investitionen an, da so die mit Investitionen erzeugten Konsumgüter abgesetzt werden können. Der springende Punkt ist letztlich, welcher der beschriebenen Effekte zuerst zum Tragen kommt und dann den jeweils anderen verhindert bzw. abmildert. Mit welcher Begründung gehen Sie davon aus, dass der Entlassungseffekt zuerst eintritt und der Konsumsteigerungseffekt somit nicht zum Tragen kommt? 5) Sie argumentieren doch häufig, dass die Löhne in den Industrieländern unter Druck kommen, da durch den Fall des Eisernen Vorhangs sehr viele zusätzliche Menschen ihre Arbeitskraft anbieten. Dies hat doch aber nichts damit zu tun, dass die Produktivität in den Industrieländern gesunken ist, sondern es hat etwas mit den Knappheitsverhältnissen zu tun. Auch das Argument, dass Zuwanderer nur durch flexible Lohnstukturen in den Arbeitsmarkt integriert werden können, läuft darauf hinaus, dass sich Löhne nach den Knappheitsverhältnissen richten. Zuwanderung erzeugt schließlich keine Produktivitätssenkung, sondern ein höhreres Angebot an Arbeitskräften. Wenn sich die marktwirtschaftliche Entlohnung nach der Produktivität richtet, wieso steigen die deutschen Löhne dann seit langer Zeit nicht mehr so schnell wie die Produktivität? 6) Das sich die Produktivität einer Sekretärin oder einer Putzfrau nach dem Resultat ihrer Arbeit richtet, ist klar. Meine Frage hierzu war, wie man ebendiese Produktivität berechnen kann. Wenn sich der Lohn nach der Produktivität richtet, dann muss die Produktivität doch auch in irgendeiner Form als Zahl angegeben werden können, so wie der Lohn auch. Nochmals vielen Dank für Ihre Mühe. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, ich bedanke mich für Ihre Fragen, kann sie aber aus Zeitgründen nicht ausführlich beantworten. Zu 1) Ich gehe nicht davon aus, dass die Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden. Die Produktion der Entlassenen fällt aus, aber da man erst einmal die weniger produktiven Arbeitsplätze abbaut, steigt die Produktivität des Restes. Natürlich nur, wenn man die Null-Produktivität der Arbeitslosen außer Acht lässt. Zu 2+3) Das Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe wird in mehreren Artikeln des ifo Instituts dargelegt. In der Regel findet sich in jedem dieser Artikel eine Grafik, die genau zeigt, dass ein höheres Haushaltseinkommen durch eigene Anstrengungen auch für Personen mit niedriger Leistungsfähigkeit möglich ist. Folgt man dem Verlauf der Kurve, kann genau abgelesen werden, welchen Betrag die Aktivierende Sozialhilfe bei welchem Bruttoeinkommen vorsieht. Anbei ein Link zu einer relevanten Publikation: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1194660.PDF. Auf S. 11 ist die besagte Grafik zu finden. Zu 4+7) Der Konsum ist bekanntermaßen ein zyklisch nachlaufender Indikator. Zu 5) Die Produktivität ist nur eine wesentliche Bestimmungsgröße. Darüber hinaus spielen weitere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise der von Ihnen angeführte Punkt der Knappheitsverhältnisse. Zu 6) Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Produktivität im Dienstleistungssektor stark vom Humankapital der Mitarbeiter abhängig ist. Dazu zählen Qualifikation, Kompetenz sowie Motivation der Mitarbeiter. Da dies allerdings weiche Faktoren sind, die man nur schwer messen kann, gilt es noch ein geeignetes Verfahren zur Produktivitätsmessung zu finden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihre unermüdliche Arbeit, die zur Aufklärung des interessierten Bürgers einen erheblichen Beitrag leistet. So war auch Ihr Vortrag vom 19.12.2011 wieder höchst aufschlussreich. Nun habe ich folgende Fragen: 1.In Ihrem Vortrag sagten Sie, die EZB vergebe selbst keinerlei Darlehen, sondern verlange von den nationalen Zentralbanken , dies zu tun. Ist es also sachlich falsch, wenn in der Presse immer wieder berichtet wird, die EZB habe Staatsanleihen erworben (und nicht lediglich als Sicherheiten akzeptiert, was ja etwas anderes ist als die unmittelbare Kreditvergabe) oder Darlehen gewährt? 2.Falls nur nationale Zentralbanken Kredite an andere geben oder Staatsanleihen erwerben: Ist es dann nicht so, dass die Risiken des Ausfalls eines Staates nicht bei der EZB, sondern bei den nationalen Zentralbanken oder anderen Kreditgebern liegen? 3.Heute wurde berichtet, Europas Banken schuldeten der EZB 830 Milliarden Euro. Trifft diese Zahl zu und schulden die Banken diese Beträge tatsächlich der EZB oder den nationalen Zentralbanken? 4.Richten sich die Forderungen der Bundesbank aus den Target 2-Salden unmittelbar gegen die EZB oder –anteilig- gegen diejenigen nationalen Zentralbanken, aus deren Staaten heraus die Salden aufgebaut wurden? Bereits jetzt danke ich ganz herzlich für die mit Spannung erbetenen Antworten. Mit freundlichen Grüßen A.
Sehr geehrter Herr A., um Euro-Krisenstaaten wie Griechenland und Italien zu stützen, hat die EZB bisher Staatsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 219 Mrd. Euro aufgekauft. Allerdings habe sie den Ländern indirekt weitaus mehr Geld geliehen – über die Finanzierung der dortigen Banken. Grund dafür sind staatlich garantierte Bankanleihen, welche die EZB von den Banken als Sicherheit für die Ausgabe von Liquidität akzeptiert. Die Rede ist hier von den sog. Target-Krediten. Sie sind EZB-Refinanzierungskredite an die Banken eines Landes, die über die normale Liquiditätsversorgung dieses Landes hinausgehen und einen Nettoerwerb von Gütern und/oder Vermögenstiteln in anderen Euroländern finanzieren. Sie sind nationalen Zahlungsbilanzdefiziten gleichzusetzen. Die Target-Verbindlichkeiten der GIPS-Länder und Italien belaufen sich im November 2011 auf 556 Mrd. Euro. Der deutsche Haftungsanteil berechnet sich aus dem Kapitalschlüssel der EZB vom 1. Januar 2011. Setzt man den gesamten Euroraum (17 Länder) gleich 100%, entfällt auf Deutschland ein Anteil von ca. 27%. Für die Risikoberechnung wird angenommen, dass die Krisenländer GIPS und Italien ausfallen und nur zwölf Euroländer für die ausfallenden Target-Verbindlichkeiten aufkommen können. Auf Deutschland entfallen in diesem Szenario ca. 43% der aggregierten Haftungssumme. Der aktuelle Haftungsbetrag beläuft sich somit derzeit auf 237 Mrd. Euro. Die Forderungen Deutschlands gegen die EZB hat die EZB ihrerseits wieder gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir freilich unseren gesamten Forderungen hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion mit Frau D. vom 18. Januar 2012) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre freundliche Antwort! Ihre Ausführungen sind durch das Beispiel mit dem griechischen Bauern sehr hilfreich - ich hatte schon vor einigen Tagen aus dem Internet entnommen, dass es sich bei dem Target-System um das System handelt, mittels dessen wir unsere ganz normalen Überweisungstransaktionen von Deutschland nach Griechenland und umgekehrt durchführen. Da wurde mir immerhin schon klar, dass so eine Überweisung nicht einfach abgewiesen werden kann... Jetzt freue ich mich, dass mir durch Ihre Erläuterung bestätigt wird, dass ich immerhin auf dem richtigen Weg bin. Nicht klar dagegen ist mir, woran die Bundesbank erkennen kann, dass es sich um Gelder "über den Durst" handelt, um buchhalterisch gedrucktes Geld. Vermutlich werden die Beträge aufaddiert und überschreiten irgendwann eine bestimmte Grenze... aber wo liegt diese Grenze? Woran kann die Bundesbank erkennen, ob die Geldschöpfung auf normalem Weg - z.B. über eine Kreditvergabe innerhalb GR's z.B. zu dem von Ihnen erwähnten hohen Zinssatz - oder ob sie über das buchhalterische Gelddrucken der Notenbank entstanden ist? Sie schreiben "Die Bundesbank verbucht zum Ausgleich für das "Gelddrucken" eine verzinsliche Target-Forderung an die Europäische Zentralbank". Woher weiß die Bundesbank, dass es hier etwas zum "Ausgleichen" gibt? Sie brauchen mir natürlich nicht unbedingt auf meine Frage zu antworten - ich habe wirklich Verständnis für jemanden mit einem so vollen Terminkalender. Wäre ich jünger und in Deutschland, dann würde ich sicher gern nach München kommen und Ihre Vorträge besuchen. Leider ist mir das kaum möglich, außerdem sind die Studienplätze für diejenigen da, die es für ihr weiteres Leben als Existenzgrundlage brauchen. Einerseits sehnen wir den Tag herbei, ab dem GR endlich die Chance erhält, künftig alles besser zu machen - und das geht nur mit der Drachme. Andererseits fürchten wir uns vor diesem Tag, denn es könnte für uns ganz persönlich bedeuten, dass wir Feindlichkeiten ausgesetzt sein werden. Ich als Deutsche und mit mir mein Mann als Auslandsgrieche könnten dann womöglich für all das zur Rechenschaft gezogen werden, was die Leute in unserer Umgebung für Folgen der Merkel'schen Politik halten. Die griechischen Medien ziehen ja nicht etwa den Schluss, dass die Griechen an der Entwicklung selbst schuld sind, sondern sie suchen die Schuldigen gern anderswo. Die Medien befinden sich in der Hand weniger einflussreicher Familien. Diese werden verteidigen, was sie reich gemacht hat. Sie werden keine Privilegien aufgeben. Um das zu erreichen, brauchen sie einen Sündenbock. Der Sündenbock ist vor allem Deutschland. Die Medien hetzen also gegen Deutschland. Kommt die Drachme, leben wir hier u.U. gefährlich - wenigstens für eine Weile. Deshalb möchten wir nicht, dass Sie meinen Namen nennen. Sie können ja den ersten Buchstaben nennen und ich habe auch nichts dagegen, wenn Sie aus der Erklärung hierfür zitieren. Ich danke Ihnen für die Zeit, die Sie sich für meine Mails und für die Beantwortung genommen haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau D., ich freue mich, dass Ihnen meine Antwort beim Verständnis der Target-Problematik weitergeholfen hat. Woran merkt die Bundesbank, dass mehr Geld als normal gedruckt wurde? Nun, ganz einfach dadurch, dass ihr per saldo welches zuströmt. Praktisch alles, was ihr netto zuströmt, ist woanders über die eigene Geldversorgung hinaus gedruckt (geschaffen) worden. Zusammen mit Herrn Wollmershäuser habe ich einen ausführlichen Artikel über Target-Salden geschrieben. In diesem Artikel wird ausführlich auf das Buchungssystem eingegangen. Sie finden den Artikel auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1207364.PDF. Außerdem möchte ich auch auf die Mediathek des ifo Instituts verweisen:http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x_s-764870657/ifo/index.html. Hier finden Sie einige meiner Vorträge. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
"Auch die Theorien von Gesell sind mir bekannt. Die Wissenschaft ist seitdem aber vorangeschritten." (Hans-Werner Sinn, Antwort auf meine Frage vom 20.01.2012) Sehr geehrter Herr Sinn, die Behauptung, in der Wissenschaft der Makroökonomie habe es seit der Erstveröffentlichung von "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" (Silvio Gesell, 1916) irgendwelche "Fortschritte" gegeben, wird in der Regel von denen benutzt, die an eine "Geldschöpfung der Geschäftsbanken" glauben wollen, um damit zu "beweisen", dass eine konstruktive Geldumlaufsicherung (Freigeld) angeblich wirkungslos wäre. Da ich annehme, dass Sie nicht zu denen gehören, die an diesen Unsinn glauben, sondern Geld (Zentralbankgeld) und Ansprüche auf Geld mit unterschiedlicher Fristigkeit durchaus unterscheiden können, würde mich interessieren, worin der von Ihnen genannte "Fortschritt" bestehen soll. Mit freundlichem Gruß Stefan Wehmeier
Sehr geehrter Herr Wehmeier, es würde zu weit führen die Fortschritte in den Wirtschaftswissenschaften seit Gesell aufzuzählen. Von daher empfehle ich Ihnen folgende Lektüre: Lorber, C.P. (2009), „Die Freigeld- und Freilandtheorie von Silvio Gesell (1862-1930): Eine rezeptionsgeschichtliche Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung von John Maynard Keynes“, Peter Lang GmbH: Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
2. Vortrag Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am 10.01.2012 Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe gestern als ehemaliger Student der Heinrich-Heine-Universität auch ihren zweiten Vortrag besucht und mir hat persönlich gut gefallen, dass Sie auf Missstände hingewiesen und dabei auch mögliche Lösungen präsentiert haben. Leider sind mir zwei Folien in Ihrem Vortrag aufgefallen, die mich in der sonst überzeugenden Präsentation (auch wenn ich nicht immer gleicher Meinung bin) gestört haben. Sie haben dargelegt, warum Sie das EEG für "reine Verschwendung" halten, aber warum mussten Sie dafür die absolut überzogenen Einspeisevergütungen von Anfang 2009 auflegen? Die ~48 Cent für Einspeisung von Photovoltaik sind "Schnee von vorgestern", denn mittlerweile wurden die Vergütungen massiv gekürzt. Es sind bei einer neuen Aufdachanlage bis 30 kW ab dem 01.01.2012 nur noch ~24 Cent. Die zweite Anmerkung ist eher eine Frage. Sie haben die Endenergieverbrauchsstruktur aufgelegt, die natürlich für "Anhänger der erneuerbaren Energien" erst einmal ernüchternd sind. "Anhänger der erneuerbaren Energien" würden natürlich die Stromerzeugung auflegen, die 2011 mittlerweile zu 20 Prozent durch erneuerbare Energien abgedeckt wird. Warum sehen Sie so wenig Potenzial in der Energieeffizienz? Wir haben das 3 Mal 20 Prozent Ziel der EU (Verbesserung der Energieeffizienz, Anteil der erneuerbaren Energien, Verringerung der CO2-Emissionen). Auf die Atomkraftwerke (und noch viel mehr Endenergie) können wir durch energieeffizientere Produkte, Anlagen usw. durchaus verzichten und gleichzeitig unsere Produkte als Exportnation auch noch an andere Länder liefern. Denn heute benötigt ein Auto nur noch 5 anstatt 10 Liter Diesel bei höherer Motorleistung, von hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage hat man vor Jahren noch geträumt und einen zwanzig Jahre alten Kühlschrank traut man sich gar nicht mehr anzuschließen, weil der neue A+++ Kühlschrank im Gegensatz dazu "praktisch keine Energie" benötigt. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Sehr geehrter Herr B., es stimmt, dass die Förderung des Solarstroms seit Jahren zurückgeführt wird. 2011 waren es noch 28,74 ct/kWh und ab 2012 sind es 24,43 ct/kWh. Aber das steht nicht im Widerspruch zu meinen Zahlen. Ich habe die durchschnittlichen Einspeisetarife der installierten Anlagen gezeigt, und die liegen natürlich weit über den Sätzen für neue Anlagen, die Sie zitieren. Dass ich die Durchschnittswerte der installierten Anlagen und nicht die Förderung neuer Anlagen meinte, habe ich gesagt. Ansonsten bin ich nicht skeptisch bezüglich der Möglichkeiten, die Effizienz beim Energieverbrauch zu steigern, sondern nur bezüglich der Klimawirkung dieser Effizienzsteigerung. Der CO2-Ausstoß wird nicht reduziert, sofern nicht weniger Kohlenstoff aus der Erde geholt wird. Vielmehr führt die Effizienzsteigerung dazu, dass die Mengen an Kohlenstoff, die wir nicht verbrauchen, über die Weltmärkte an andere Abnehmer fließen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Sie haben sich in jüngster Zeit immer wieder zur unzureichenden Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Unternehmen geäußert. Dabei weisen Sie darauf hin, dass die Reallöhne in Griechenland gesenkt werden müssen. Gleichzeitig erwähnen bzw. fordern Sie, dass die Löhne in Deutschland steigen müssen. Diese zweite Aussage halte ich aus mehreren Gründen für problematisch. Das klingt nach einem Null-Summenspiel, bei dem es gleichgültig ist, ob die Löhne in Griechenland sinken oder in Deutschland steigen. Dabei bleibt offen, wie die Löhne bestimmt werden sollen. Bei Ihnen hört es sich so an, als müssten die Lohnstückkosten in beiden Ländern gleich hoch sein. Wegen der unterschiedlichen sonstigen Produktionsbedingungen wird sich ein solches Ergebnis aber auf den Märkten auch dann nicht einstellen, wenn ein Gleichgewicht herrscht. Die Aussage, in Deutschland müssten die Löhne (stärker) steigen, lässt nicht erkennen, nach welchen Kriterien eine solche Lohnsteigerung bemessen werden soll und inwieweit das sogar eine politische Forderung ist. Meines Erachtens kann keine pauschale Aussage getroffen werden, wonach die Löhne in Deutschland steigen müssten. Lohnsteigerungen ergeben sich auf den Teilmärkten, auf denen eine Übernachfrage besteht. Auf einigen Teilmärkten gibt es aber durchaus noch unfreiwillige Arbeitslosigkeit, weil die Löhne zu hoch sind. Maßstab für die Angemessenheit der Löhne sollte das Marktgleichgewicht (bei Vollbeschäftigung) sein. Als Ökonomen sollten wir auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Politik müsse für höhere Löhne sorgen – sei es über Mindestlöhne, sei es über eine Ermutigung der Gewerkschaften. Bei dem Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wird m. E. zu sehr auf die Relation der Löhne abgestellt. Anders ausgedrückt: Das Beschäftigungsniveau wird ausgeblendet. In den wirtschaftsschwachen Ländern geht es vor allem darum, mehr Menschen in eine (produktive) Beschäftigung zu bringen. In dem Zusammenhang ist die Erfahrung der letzten Jahre in Deutschland besonders wichtig. Gesamtwirtschaftlich kommt es nicht so sehr auf die Löhne pro Stunde, sondern auf die Lohnsumme an. Einzelwirtschaftlich profitieren auch die Arbeitnehmer, deren Lohn nicht steigt oder sogar sinkt, von einem steigenden Beschäftigungsniveau, weil die Abgabenlast nicht steigt oder sogar sinkt. Ich bin sicher, dass Sie diese Zusammenhänge sehen, aber der Beifall „von der falschen Seite“ zeigt, dass sie immer wieder erläutert werden müssen. Viele Grüße Ihr Johann Eekhoff -- Prof. Dr. Johann Eekhoff, Sts. a. D.
Lieber Herr Eekhoff, Sie haben ja recht, dass man die Lohnsteigerungen nicht oktroyieren kann. Aber es wird welche geben, nach langen Jahren der Flaute, weil wieder mehr investiert wird. Und das ist auch gut so, denn ohne eine deutsche Inflation können wir die innereuropäischen Ungleichgewichte nicht lösen. Man darf natürlich die Lohnerhöhungen nicht oktroyieren. Sie müssen und werden sich von selbst durch die Nachfrage ergeben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Griechenland hat kein tragfähiges Geschäftsmodell." Zurzeit hat kein Staat auf der Welt ein "tragfähiges Geschäftsmodell"! Denn solange ein a priori fehlerhaftes Zwischentauschmittel mit parasitärer - der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden - Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) verwendet wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, müssen die Geldvermögen, die sich bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung konzentrieren, durch den "makroökonomischen Offset" der Liquiditätsverzichtsprämie auf Kosten der Mehrarbeit anderer ansteigen, und damit auf der Kehrseite der Medaille auch die Gesamtverschuldung. Und weil der mittelständischen Privatwirtschaft die Schulden bereits "Oberkante Unterlippe" stehen, muss die Staatsverschuldung erhöht werden, um den Geldkreislauf aufrechtzuerhalten. Wer ernsthaft an eine staatliche "Schuldenbremse" glaubt, leidet an Realitätsverlust. Eine Reduzierung der Verschuldung bedingt eine spiegelbildliche Reduzierung der Geldvermögen! Dies kann auf friedlichem Wege nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform erreicht werden. Meine Frage: Beabsichtigt das "ifo-Institut" diese "banalsten Selbstverständlichkeiten" (Zitat: Silvio Gesell) in nächster Zeit zu thematisieren, oder muss der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft erst eintreten, bevor an dieser Stelle mit dem selbständigen Denken angefangen werden kann?
Sehr geehrter Herr Wehmeier, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Wie Sie selbst der ifo-Homepage entnehmen können, versuche ich mein Bestes, die Sachverhalte zu klären. Auch die Theorien von Gesell sind mir bekannt. Die Wissenschaft ist seitdem aber vorangeschritten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: heutige phoenix sendung sehr geehrter professor sinn, ich möchte ihnen ganz herzlich danken für ihre klaren und verständlichen worte in der o. a. sendung. im gegensatz zu den meisten politikern sind sie erfrischend parteiunabhängig und haben nach meiner auffassung die misere der weltwirtschaft heute auf den punkt gebracht. ich bin ökonomisch nicht sehr gebildet, konnte aber ihre argumentation gut verstehen und nachvollziehen. jedoch habe ich politische eine frage, die mir auch im zusammenhang mit den banken und konzernen unter den nägeln brennt. im bundesdeutschen grundgesetz heißt es ja: eigentum verpflichtet. es soll zugleich dem wohle der allgemeinheit dienen. des weiteren sieht das grundgesetz sogar im schlimmsten fall vergesellschaftung von konzernen und banken vor. die konsequente regulierung der banken, märkte und konzerne scheint mir hier eine möglichkeit zu bieten, dem grundgesetz wenigstens ein wenig zu genügen. sie bekommen sicher viele briefe, aber ich würde mich über eine kurze einschätzung von ihnen sehr freuen. mit freundlichem gruß peter biehl
Sehr geehrter Herr Biehl, ich freue mich über Ihre netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Eine Verstaatlichung ist durchaus möglich. Als politisches Instrument zur Stabilisierung wie beispielsweise während der Finanzkrise kam es ja auch zu gewissen Notverstaatlichungen. Ich erinnere da nur an die Hypo Real Estate. Banken sollten den Staat als Teilhaber akzeptieren, wenn sie es nicht schaffen, selbst genug neues Eigenkapital zu finden. Wenn eine Bank in Schwierigkeiten kommt, sollten aber nicht die Bank-Aktionäre retten, sondern nur die Banken selbst. Und das geht nur, indem der Staat im Tausch für seine Hilfe an die Banken Aktien bekommt. Ansonsten haben Sie vollkommen Recht, dass die Banken stärker reguliert werden müssen. Wie, das habe ich im letzten Kapital meines Buches Kasino-Kapitalismus ausführlich beschrieben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für die stete Aufklärung. Ich hege noch die Hoffnung, dass auch Politiker dies lesen, aber leider tut sich nicht viel. Daher gebe ich Ihren Warnungen nur eine Chance für eine Umsetzung: die lückenfreie Addition aller bestehenden und bereits realisierten Risiken für D. Dann der Gang vor das Verfassungsgericht, da H. Voßkuhle und H. Di Fabio einhellig der Meinung sind, dass das parlamentarische Budgetrecht nicht wesentlich eingeschränkt werden darf, daher die Absage an Eurobonds. Die o.g. Addition würde zeigen, dass es sich um wesentliche Risiken handelt (m.E. knapp 1 Billion Euro). Hierzu muß aufgezeigt werden, dass nicht nur die 500 Mrd. Target zu 27% im Risiko stehen, sondern die holländischen (90 Mrd), luxemb. (80 Mrd), etc., da wir für diese ebenfalls zu 27% haften (für Griechenland mit 100 Mrd Saldo gem. H. Fuest also allein schon 27 Mrd.). Die 27% steigen natürlich mit jedem default durch den Wegfall der anteiligen Haftung. Wenn Griechenland fällt, werden CDS fällig (da können auch die Banker des ISDA-Kommitees nicht mehr mit Freiwilligkeit gegenargumentieren), welche Frankreich (neben Italien und Spanien) über deren Banken in den Abgrund ziehen, will sagen, ich geben Ihnen recht dass wir uns trotz der 27% der Kompletthaftung nähern (fällt der Euro haben wir eine Forderung gegen eine Institution EZB, die es nicht mehr gibt, in einer Währung, die es auch nicht mehr gibt). Hinzu kommen die bilateralen Kredite über KfW, IWF, in Bad Banks ausgelagerte Staatsanleihen ("freiwilliger" Schuldenschnitt), Anleiheaufkäufe, Kreditvergabe der EZB an Schrottbanken in GIIPS Ländern (m.E. mit das größte Risiko), Target (alles abzüglich m.E. nicht werthaltiger Sicherheiten bei der EZB). Wenn den Deutschen diese Summe vor Augen gehalten wird und gezeigt wird, dass unsere potenzielle Verschuldung fremdbestimmt ist (wir haben ja nur 1 Stimme in der EZB), was verfassungsrechtlich verboten ist, bekommt man das entsprechende Forum, die Risiken zu verstehen und anzugehen. Dabei muß ich sagen, dass ich nicht grundsätzlich gegen die Hilfen bin, aber sie sollten verfassungsrechtlich einwandfrei und vor allem sollte dem Wähler bekannt sein, dass wir unsere Bilanz nur aufhübschen, die vermeintlich tollen Exportzahlen also selber zahlen. Das nenne ich mal Konjunkturprogramm (bei gleichzeitiger Verlagerung der Geldschöpfung). Zu den Details der Verfassungsmäßigkeit folgender Auszug meiner email an das Verfassungsgericht, zu der ich keine Antwort bekomme: ...Es handelt sich (durch die gewünschte Unabhängigkeit der EZB/Bundesbank) um eine indirekte Einschränkung der parlamentarischen Budgethoheit in faktischer Sicht. Deutschland hat 1 Stimme in der EZB, wie z.B. auch Malta, kann also in keinster Weise in die Risikenübernahme steuernd eingreifen. Dies entspricht einer deutschen Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten, weshalb das Bundesverfassungsgericht folgerichtig Eurobonds ablehnt, inhaltlich aber dasselbe wie ein Eurobond ist (gleiches gilt im Übrigen für die unbedingten 20-30% Ausfallgarantien aus dem Rettungsschirm)! Wie kann also die Übergabe der Verschuldungsmöglichkeit auf die Bundesbank (Target-Kredite) oder gar EZB verfassungskonform sein? Daher: Ist die (partielle und indirekte) Aufgabe der parlamentarischen Budgethoheit durch Übertragung der geldpolitischen Kompetenzen an eine unabhängige Zentralbank überhaupt zulässig? Selbst H. Weidmann versucht ja das Parlament einzubinden, hat also offensichtlich ähnliche Bauchschmerzen (leider nur für den "Kleckerbetrag" von 45 Mrd., nicht aber für die o.g. bereits bestehenden und nach oben offenen 500 Mrd.). Art. 88 GG hilft hier nicht, da die EZB ganz offensichtlich nicht mehr die Preisstabilität als vorrangiges Ziel im Auge hat. Jede andere Interpretation der Rettungsversuche der EZB grenzt an Selbstbetrug. Selbst die seinerzeitige Übertragung der Kompetenzen an die Bundesbank ist ein Zielkonflikt zur parlamentarischen Budgethoheit (Die aktuellen Target Salden resultieren ebenfalls nicht aus Zielen der Preisstabiltität, sondern aus einer nicht zu verhindernden Finanzierung der Budgetdefizite der PIIGS-Staaten; will sagen, noch nicht mal die BB kann eine Kreditvergabe an ausl. Zentralbanken vermeiden. Daher müsste diese Kreditvergabe verfassungsgerecht neu geregelt werden). Ich bin auf Ihre weiteren Beiträge sehr gespannt. Freundlicher Gruß, Michael Mältzer
Sehr geehrter Herr Mältzer, vielen Dank für die Rückmeldung und Ihre sehr richtigen Überlegungen. Mit den besten Grüßen zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Prof. Sinn, erst einmal vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Vortrag "Zur Situation in der EU", den ich vorgestern von Griechenland aus als Video im Internet anhören konnte. Sie sind ohnehin für meinen Mann und mich einer der wenigen Lichtblicke, weil Sie erstens komplexe Zusammenhänge klar und verständlich und mit wenigen Worten darstellen können und zudem einen kritischen Standpunkt zum Thema Eurorettung usw. einnehmen. Zum Thema TARGET wußte ich bis dahin nichts. Gehört hatte ich den Begriff wohl, aber ich habe mir nichts darunter vorstellen können. Dann hörte ich Ihren Vortrag und war fassungslos. Ich hatte nicht geahnt, dass es für GR so einfach gewesen war, sich immer mehr Geld zu besorgen. Beim Versuch, Freunden die soeben erfahrenen Zusammenhänge zu erklären, fiel mir auf, dass ich selbst Einiges nicht gut genug verstanden habe, um es anderen erklären zu können. Daher bitte ich Sie, mir Folgendes zu erläutern oder mir einen Tipp zu geben, wo ich im Netz Informationen zu diesem Thema finden kann. Meine Frage bezieht sich auf Ihren Vortrag (s.o.), und zwar auf die Erläuterungen zum Thema Target-Salden ab dem Zeitpunkt 31:30 (31. Minute) des Videos. Sie erklären, dass die nationalen Notenbanken der GIPS-Länder sich Geld leihen. Allerdings habe ich Sie so verstanden, dass sie dieses Geld bei der EZB leihen. Sie erklären aber dann einige Sekunden später, dass sie das Geld bei der Bundesbank leihen. Und genau dies ist es, was ich nicht verstehe. Ist denn nicht eigentlich die EZB zuständig und wenn nicht, warum nicht und warum tritt die Bundesbank an ihre Stelle? Die Zustände hier in GR kenne ich sehr gut. Wir haben uns allerdings schon seit 1975 gewundert, wie das Land überhaupt funktioniert - erst Recht natürlich nach dem EU-Beitritt und am größten war das Erstaunen, nachdem GR es sogar geschafft hatte, Mitglied der Währungsunion zu werden. Das alles hätte nie passieren dürfen. Nicht nur wegen der hohen Schulden, die jetzt überall Probleme machen, sondern vor allem auch, weil man den Griechen damit letztlich gar keinen Gefallen getan hat. Sie haben ja dadurch eine wichtige Entwicklung verpasst. Sie sind vom Esel direkt in den Mercedes umgestiegen und glauben mehrheitlich, dass dies normale Zustände sind. Über Produktivität wissen sie meist gar nichts und schon gar nicht, dass ihre Löhne eigentlich in einem gewissen Verhältnis dazu stehen sollten. Sie wurden niemals darüber informiert, dass es keinen Automatismus in der europäischen Lohnentwicklung gibt und fordern deshalb noch immer gleiche Löhne wie sie (z.B.) die Holländer haben. Gefördert wird diese Unwissenheit durch ein völlig marodes Schulsystem, ein fehlendes Berufsbildungssystem, die Allmacht der orthodoxen Kirche (Religion ist Hauptfach und man kann mit einer guten Zensur in Religion eine schlechte in Mathe ausgleichen). Wenn man sich etwas mit der griechischen Geschichte beschäftigt, sieht man, dass sich die mächtigen Familien schon ganz am Anfang, gleich bei der Staatsbildung, ihre Macht für die Zukunft gesichert haben. Man erkennt, dass es hier seit der noch jungen Staatsgründung niemals eine wirkliche Demokratie gegeben hat. Vielmehr wurden die anarchischen Strukturen, die sich schon während der Türkenherrschaft bestens bewährt hatten, auch in das neu gegründete Land mit übernommen. Das war alles zu sehen. Man konnte es ohne große Mühe erkennen, wenn man es nur gewollt hätte. Statt dessen hat man sich mit althumanistischen Gefühlsduseleien selbst belogen und gemeint, man könne doch kein Europa gründen ohne Griechenland, die Wiege der Demokratie. Was für eine Vermessenheit der damaligen Entscheidungsträger! Jetzt müssen es alle ausbaden. Hier in GR ist eine ganze Generation verdorben worden. Junge Menschen, die fest an ihre vermeintlich gute Ausbildung glauben und sich wundern, dass sie niemand im Ausland haben will. Und der Rest Europa's ist sauer, weil GR eine ungewollte Entwicklung losgetreten hat. Na ja - ich will nicht noch mehr von Ihrer Zeit stehlen und höre lieber auf. Das Thema GR und die Euroentwicklung ist für mich mehr als spannend und da lasse ich mich gern zu vielen Worten hinreißen... Aber es wäre wirklich sehr nett, wenn Sie mir in der o.a. Frage weiter helfen könnten! Ich wünsche Ihnen ein stressfreies Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins Neue Jahr!
Sehr geehrte Frau D., haben Sie vielen Dank für die Übersendung Ihres Beitrags. Ich freue mich über Ihr Engagement und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Zu Ihrer Frage: Am besten lässt sie sich anhand eines Beispiels beantworten. Gehen wir von einem griechischen Bauern aus, der seine Bank um einen Kredit bittet, damit er sich einen Traktor in Deutschland kaufen kann. Da sich die Bank des Bauern von anderen europäischen Banken kein Geld leihen kann oder wenn, dann nur zu sehr hohen Zinsaufschlägen, wendet sie sich an die griechische Zentralbank, die für diesen Zweck neues Geld "druckt" (natürlich im übertragenen Sinne "druckt", das Geld wird durch Buchungen bereitgestellt). Dieses Geld erhält der Bauer. Der Bauer überweist das Geld sodann durch das Zentralbanksystem an den deutschen Produzenten. Dadurch verringert sich die griechische Geldmenge wieder, während die von der Bundesbank bereit gestellte Geldmenge um diesen Betrag zunächst ansteigt. Das weitere Vorgehen sieht wie folgt aus: Die Bundesbank verbucht zum Ausgleich für das "Gelddrucken" eine verzinsliche Target-Forderung an die Europäische Zentralbank (EZB), die EZB an die griechische Zentralbank und die griechische Zentralbank an die griechische Geschäftsbank, die wiederum eine Forderung an den griechischen Bauern hält. Im Ergebnis ist dies ein erzwungener Kapitalexport von Deutschland nach Griechenland, weil die Bundesbank in dem Umfang, wie sie Geld durch die Erfüllung des Überweisungsauftrages zur Verfügung stellt, weniger Refinanzierungskredit in Deutschland vergeben kann. Der griechische Refinanzierungskredit, der mit Geldschöpfung einhergeht, ersetzt den entsprechenden deutschen. Wirtschaftlich handelt es sich um eine Kreditvergabe der Bundesbank an die griechische Zentralbank, und so wird der Vorgang in den Bilanzen verbucht. Wenn Sie so wollen, verleiht die Bundesbank ihre Druckerpresse an die griechische Zentralbank. Vielen Dank übrigens auch für Ihre Impressionen aus Griechenland. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe hier schon eine Frage gepostet, aber Ihre Vorträge sind reichhaltig genug, dass sich mehrere Anschlussfragen ergeben. Ihre Diagnose der "Eurokrise" ist m.E. letztendlich das Missverhältnis zwischen der Wettbewerbsfähigkeit und den Preisniveaus in den Südländern. Die "Lösung" ist Abwertung. Ich habe nun zwei stark miteinander verwandte Fragen: 1.) Wenn man nun die gegenwärtige Krise abwendet, und sozusagen alles so ist wie vor 2008, was für einen Anreiz haben dann die nächsten Beitrittskandidaten für den Beitritt, z.B. Kroatien oder Serbien. 2.) Abstrakter zielt die Frage darauf, dass in Zukunft die Blasenbildung und Überhitzung wie in Spanien und Griechenland in diesen Ländern im vornherein vermieden werden muss. Was bringt dann aber ein neuer Beitritt, wenn "Nord-Länder", USA und Asien weniger in die Infrastruktur dieser Länder investieren? Noch allgemeiner gesprochen dachte ich, dass doch genau dieser Kapitalfluss in die europäische Peripherie ausgehend von Zentrum der Sinn des Euros war. Läuft denn ihr Vorschlag nicht darauf hinaus, dass mehr oder weniger freie Wechselkurse, die sich entsprechend an die Wettbewerbsverhältnisse anpassen können, stabiler sein müssten? beste Grüße
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für Ihre Mail. Der Beitritt zu einer Währungsunion hat immer Vor- und Nachteile, die man abwägen muss. Der Nachteil ist der Verlust der Möglichkeit des Realignment durch Auf- und Abwertung. Der Vorteil ist der Schutz gegen ungerechtfertigte Wechselkursschwankungen. Diesen Vorteil würde ich noch hoch genug einschätzen, um den Euro im Wesentlichen zu erhalten. Aber es können wohl nicht mehr alle Länder im Euro gehalten bleiben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Angeregt durch Nachhören von Prof. Sinn's Univortrag 05.12.2011 überlasse ich Ihnen im Anhang eine kurze Historie der Banken-Geschäftstrennung in USA (& ihrer Aushebelung!), die ich vor einiger Zeit in Anbetracht der EU Bankenkrise und unseligen Rettungsschirmen für Freunde hier zusammenstellte. Die UBS Bank spielte vor einigen Monaten mit dem Gedanken: wird Axel Weber ihn evtl. aufgreifen? Auch wenn Prof. Sinn den Anschlagversuch auf Herrn Ackermann zu Recht verurteilte, glaube ich, daß Ackermann seinen leidigen Einfluß bei der Regierung zum Vorteil seiner DB aber Nachteil des Bankensystems, somit der Realwirtschaft und der EURO-Finanzen geltend macht - Eine Geschäftstrennung würde zwar Probleme für die Eigenkapital-Rendite (und Aktienkurs) machen, aber auch die gewünschte Beteiligung der Groß-Investoren an den Risiken, direkt und ohne politisches Gerangel verwirklichen. Aber Hauptanlaß, Ihnen zu schreiben, sind zwei Fragen, auf die ich nach dem Vortrag, leider vergebens, gewartet hatte: "Auf Anregung Merkel/Sarkozy diskutiert das EU Kommissariat Finanz-Überwachungs-Strukturen, die Fehlentwicklungen erkennen, vorbeugen & mit (m.E. fragwürdigen) Maßnahmen verhindern sollen; Prof. Sinn zeigte in Grafiken die seit ca. 2008/9 steil ansteigenden Kurven des Geld-Transfer aus den schwachen Ländern, - zu welchem Zeitpunkt - bzw. welchem Ausmaß des Anstiegs - hatte er selbst öffentlich, bzw zu 'Wirtschafts-Weisen' Beiträgen etc. bereits Warnungen zu dieser Entwicklung ausgesprochen? "Er deutete die Möglichkeit an, daß mit Euro-Bonds die Kurven zu einer vorübergehenden, irrtümlichen Normalität zurückfinden könnten: - Was wären seine Kriterien für unumgängliche 'Eingriffe' der EU, um seinen prognostizierten Wiederanstieg in hypergefährliche Höhen noch zeitgerecht zu verhindern? Ich wäre dankbar für Hinweise, wo ich seine Antworten hierzu vielleicht bereits finden könnte, und verbleibe mit guten Wünschen für die kommenden Jahre und freundlichen Grüßen, Christopher Landmann In Anbetracht der irren Geldschwemme von der EZB: versäumte Banken-Trennung - hier, die lehrreiche US Historie so kurz gefaßt wie möglich: "Nicht nur ist die Wiederauflage des Soffin ohne Verpflichtung der Banken, ihre Rücklagen zu stärken, halbherzig. Selbst mit Zwang wäre der Steuerzahler wieder der "Paymaster (nicht 'Lender') of last resort". Das Banken-Lobby hat diese Regierung, und damit uns, fest im Griff. Madame Lagarde identifizierte die Parallelen dieser Dauerkrise zurecht mit den 1930er Jahren - sogar zyklisch passend zurück zu den Krisen des neunzehnten Jahrhunderts. Was sie leider vermied, war, an die Medizin zu erinnern, die Franklin D. Roosevelt den Banken zu schlucken gab - die Frau Merkel vor 2 Jahren auch hier in Aussicht stellte, aber wohl über Dinner mit Herrn Ackermann und seinen Beratern schnell wieder vergaß, nachdem das sicher auch nicht in's französische Konzept paßte: Die faktische und juristische Trennung von kommerziellen und Vermögens-Verwaltungsgeschäften der Banken. "Nur die kommerziellen Funktionen der Banken sind wirklich 'systemrelevant' und verdienen die Absicherung durch Steuergelder. Nicht zu vergessen, daß die unsägliche EU-Liberalisierungspolitik auch unsere Landesbanken genau in die falsche Richtung zu Universalbanken trieb, für die Erfahrung und Management fehlen mußten, die aber auch die Privatbanken nicht vor gravierenden Fehlentscheidungen bewahrt haben. In der Erkenntnis des Problems, die Frau Merkel hätte als Vorbild dienen sollen, betrieb Roosevelt die Bankentrennung bald nach seiner Amtsübernahme mit den 'Demokraten', und unterzeichnete am 16.Juni 1933 den entsprechenden 'Glass-Steagall Act'; Banken blieben zur Umsetzung 10 Tage geschlossen, die Einhaltung der Bestimmungen wurde bis in die Siebzigerjahre streng überwacht; als Konsequenz wuchsen auch die unabhängigen 'Broker' rapide. "Mit dem weltweiten Wirtschaftsaufschwung und Stärkung der - neo-liberalen - Republkaner im Congress wurden die Gesetze zunehmend durch Holding- oder Tochter-Konstruktionen ausgehölt, sodaß sich Großbanken praktisch doch wieder organisieren konnten. "Nachdem schon die Ein-Dollar-Scheine mit Umtausch-Garantie in Silber Dollar eingezogen worden waren, wurde das für die 'Zukunft unseres Geldes' entscheidende Datum der 15. August 1971 an dem der Republikanische Präsident Richard Nixon die feste Bindung des US Dollar an Gold per Dekret aufhop: Die FED durfte sich von nun an ihrer zweiten Funktion, der Unterstützung der Volkswirtschaft widmen, ohne die Fesseln der ersten (und der Bundesbank und EZB offiziell einzige!) Aufgabe, bestmöglich für Geldwertstabilität zu sorgen. Entsprechend blieb die Inflation in den USA in den folgenden Jahren fast nie mehr unter 2%p.a. (de Facto wurden am selben Tag die Schleusen zu den Milliarden 'euro-Rettungsschirmen' der heutigen 'Finanzpolitik' geöffnet....) Damit konnte dann auch die Rettung aus der Krise der 'Savings-and-Loan'- (Sparkassen) 1987 und deren Refinanzierung leichter durch billiges Geld von der FED - ohne Decckelung der Kreditzinsen - mit Wuchermargen auf dem Rücken der Sparer und Konsumenten ausgetragen werden - (obwohl die Krise eigentlich durch ein Immobiliensteuer-Gesetz (Gebhard & Bradley TaxReformAct TRA 22.11.1986) ausgelöst worden war, das zur Flucht von Kapital aus kommerziell verwalteten Immobilien führte). - Den gleichen Fehler, (neo-liberal) die Kreditzinsen nicht zu regulieren, wiederholte die FED unter Greenspan ca.20 Jahre später, und löste damit die US Immobilien- & Hypotheken-Krise aus! "Unter dem schwachen Präsidenten Bill Clinton konnten die Republikaner das Ende der Banken-Geschäftstrennung offiziell mit dem Gramm-Leach-Bliley Act am 12.11.1999 zelebrieren - ohne irgendwelche Sicherungs- oder Rücklagen- Forderungen für die Banken seitens der 'Demokraten' im Congress. Das Ergebnis zurückgedrängter Aufsicht und kapitalistischer laissez-faire Praxis war 2008/9 zu beobachten. "Aber wir brauchen keine Multimilliarden Sicherungs-Schirme für Institute zur Finanzierung von Industrie und Handel, woher am Ende auch unsere Einkommenssteuer-Einnahmen und Vermögen kommen, mit denen wir dikrekt oder durch Inflation für die Risiken in den Universal-Banken haften sollen. Bevor sie uns alle zu Bürgen für Schulden macht, die wir nicht, bzw. nur durch mißratene Politik, zu verantworten haben, sollte jemand Frau Merkel nochmal an ihre Aussagen von 2009 zurBankenreform erinnern und sie selbst bei Roosevelt, bzw.William Woodin (Secy. of the Treasury) nachlesen.
Sehr geehrter Herr Landmann, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Zu Ihrer ersten Frage: Seit Bekanntwerden, dass die Target-Salden im Euroraum nicht mehr ausgeglichen werden, berichtet das ifo Institut über diesen Umstand. Auf der ifo Homepage finden Sie ein Spezialthema zu den Target-Salden mit allen wichtigen Hintergrundinformationen:http://www.cesifo-group.de/link/Target. Darüber hinaus finden Sie auf der Homepage auch eine Seite zum Thema Euro-Krise: http://www.cesifo-group.de/link/Euro-Krise. Zu Ihrer zweiten Frage: Wichtig ist es, ein Verfahren zu etablieren, das für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, kurze Frage: Was passiert, wenn der Euro auseinanderbricht mit den Kundeneinlagen von deutschen Sparern von ausländischen Banken, die in Deutschland aktiv sind, z.B. Santander Bank, Garantiebank usw. siehe auch http://www.modern-banking.de Z.B. griechische Banken in Griechenland stellen auf Drachmen um. Was passiert z.B. mit der Santander Bank in Deutschland, wenn Spanien austritt usw. bzw. z.B. die Garantie-Bank (oder die Santander-Bank) hat eine Filiale in Deutschland bei der man in Euro einzahlt. Der Kern der Frage: Eine ausländische Bank aus dem Euro-Raum hat eine Filiale in Deutschland. Dort zahlt man Euro ein. Bekommt man auf jeden Fall Euro zurück, Wenn das Herkunftland auf eine andere Währung umstellt? Vielen Dank Mike Suttner
Sehr geehrter Herr Suttner, die Einlagen sind prinzipiell durch die deutschen Sicherungssysteme geschützt, aber was alles bei einem Zusammenbruch des Euro passiert, weiß nur der liebe Gott. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Ihr Vortrag vom 19. Dezember 2011 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zuerst möchte ich Ihnen für Ihren ausgezeichneten Vortrag zum Thema „Ist der Euro noch zu retten?“ und die Darstellung der Konsequenzen der Überschuldung einiger Euro-Staaten danken. Wer über die Krise, die die überschuldeten Euro-Staaten ausgelöst haben, reden will, muss sich mit dem Inhalt Ihres Vortrages auseinandersetzen. Deshalb reicht es m.E. nicht aus, nur ein Video über diesen Vortrag zu veröffentlichen, zumal das Ansehen dieses Videos gut 2 Stunden erfordert. Diese Zeit haben diejenigen, die über das weitere Vorgehen bei der Lösung dieser Krise zu entscheiden haben, wie z.B. Mitglieder der Bundesregierung und des Bundestages, in der Regel nicht. Es wäre gut, wenn man den Text Ihres Vortrages in schriftlicher Form übermitteln und sie auf die wichtigen Passagen, wie z.B. über das Target-System und seine Auswirkungen, hinweisen könnte. Deshalb möchte ich anregen, ob Sie den Text Ihres Vortrages nicht auch in schriftlicher Form im Internet veröffentlichen könnten. Das würde es erleichtern, Entscheidungsträger gezielt auf wichtige Passagen anzusprechen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für eine solche Hilfe. Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein erfolgreiches Neues Jahr verbleibe ich Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Ich würde Ihnen empfehlen die Bogenberger Erklärung der Freundesgesellschaft des ifo Instituts und des Vorstands des ifo Instituts zu lesen. Diese Erklärung enthält 16 Thesen zur Situation der Europäischen Währungsunion und stellt somit eine gute Zusammenfassung meines Vortrags vom 19. Dezember dar. Die Bogenberger Erklärung finden Sie auf der Homepage des ifo Instituts:http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifosd_2011_23_1_EN.pdf. Außerdem möchte ich auf meinen Beitrag aus dem ifo Schnelldient vom 24. Juni 2011 zu den Target-Salden hinweisen: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. Wir brauchen mehr pragmatisches Handeln. Das Kaputtsparen der Schuldenstaaten ist der falsche Weg. Das sagten auch Sie in Ihren Fernsehinterviews. Sie sagten zwar dass es dessen bedarf, aber Sie sagten nicht wie solches erreicht werden könnte. Deshalb empfehle ich Ihnen das Nachfolgende zu überdenken. Wichtiger ist es Investoren anzulocken, damit in Schulden-Ländern ein Aufschwung ihrer Wirtschaft möglich wird. Wie kann das erfolgen? Diese Staaten müssen große Bereiche ihres Staatsgebiets in exterritoriale Gebiete umwandeln, und diese dann verkaufen, was ja auch die EU verlangt, nämlich Privatisierung von Staatseigentum, damit schnell viele Staatseinnahmen entstehen. Das entlastet die Staatskassen. Diese Gebiete müssen Investoren angeboten werden. Den Investoren muss gesagt werden, dass sie in diesen Gebieten sich in einer Sonderwirtschaftszone befinden, in der Steuergesetze sich in der Größenordnung z. B. der Schweiz bewegen. Sofort wird ein Run auf diese Gebiete einsetzen, was aber dann Arbeitsplätze für die Menschen der Region schafft, die dann Steuern und Sozialabgaben an den Staat zu zahlen haben, der diese Sonderwirtschaftszone erlaubt hat. Sobald dann diese Investoren in diesen Regionen produzieren und Umsätze haben, müssen sie Steuern wie z. B. in der Schweiz an den Staat, der diese Sonderwirt- schaftszonen schaffte, abführen. Das ist die einzige Möglichkeit auch griechische Milliardäre aus der Schweiz nach Griechenland zu locken. Sie müssen dann nur etwas produzieren, was weltweit nachgefragt wird, alternative Energie was enorme Gewinne erlaubt. Das sind neue Geschäftsfelder wie sie auch zu Zeiten der Computereinführung entstanden. Was China in Hongkong und Macao geschafft hat, sollte auch in Europa möglich sein. Es bleibt dem Staat, der diese Gebiete schuf unbenommen, selbige später wieder zurückzukaufen, wenn dann über ausreichendes Geld verfügt.. Ihre Meinung dazu interessiert mich sehr. M.f.G. K.-H. Lüdecke
Sehr geehrter Herr Lüdecke, vielen Dank für Ihren Beitrag! Ihre Idee der Schaffung von Sonderwirtschaftszonen finde ich interessant. Sie müssen aber bedenken, dass bislang Sonderwirtschaftszonen mit dem EU-Recht nicht vereinbar sind. D.h. eine schnelle Umsetzung wäre erst mal nicht möglich. Des Weiteren müssen die Länder der Peripherie trotzdem wichtige Reformen durchführen, um wieder wettbewerbsfähig werden zu können. Das bleibt nicht aus. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse habe ich die Bogenberger Erklärung in der FAZ gelesen. Ich überlasse Ihnen hierzu in der Anlage meine Ansicht. Mit freundlichen Grüßen Hermann Mezger Quo vadis EU? Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Der Anblick der Europäischen Union, aber auch der Bundesrepublik, jagt einem Angst und Schrecken ein. Kommunen nagen am Hungertuch oder sind regelrecht pleite, Kultur-, und Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, Straßen nicht mehr gebaut und instandgesetzt, in den Schulen fallen wöchentlich eine Million Unterrichtsstunden aus, die Hörsäle sind hoffnungslos überfüllt und personell unterbesetzt, die Straßen-, Schienen-, und Stromnetze hinken dem Bedarf weit hinterher, in der Kinder-, und Altenbetreuung fehlt vorne und hinten Personal. Das Einzige was wächst und gedeiht ist unsere Bürokratie. Hier bringen es die Regierungen in Mainz und Stuttgart sogar fertig, zusätzliche Ministerien zu installieren. Beamtenpensionen für Spitzenleute werden erhöht, die Versorgungsausgaben des Staates steigen dramatisch an und bilden eine weitere schwere Hypothek für die nachfolgenden Generationen. Trotz sprudelnder Steuer-einnahmen und Schuldenbremse werden weiter Milliarden Schulden gemacht. Wo man hinschaut Schuldenberge und weit und breit kein Wegweiser, der aus der Krise führt. Kein einziger Politiker hat ein Rezept, und auch die klügsten Köpfe haben sich damit abgefunden, dass alles am Steuerzahler hängen bleibt. Aus heutiger Sicht ist Europa auf Jahrzehnte hinaus ein Pflegefall. Die Oppositionsparteien wetteifern um Steuererhöhungen ohne damit auch nur einen Cent des Schuldenberges abtragen zu wollen. Sie sollten eigentlich wissen, dass Steuererhöhungen und Rentenkürzungen Kaufkraft kosten, die Konjunktur abwürgen und somit kontraproduktiv sind. Der Hebel muss bei den Regierungs-, und Verwaltungskosten angesetzt werden. Die Bundesrepublik beansprucht fast die Hälfte des Sozialproduktes (2,49 Billionen ) für sich, 30 Prozent wären laut IWF angemessen. In Zahlen ausgedrückt sind das 400 Milliarden Euro. In den anderen Euro-Ländern sieht es nicht besser aus. In Italien haben 60 000 Einwohner einen Abgeordneten, bei uns 130 000, in den USA 580 000. Wir haben nicht nur viel zu viele Abgeordnete sondern auch zu viele Vizepräsidenten, Staatssekretäre, Bundesländer und Verwaltungsebenen. Wenn wir nicht bald etwas dagegen tun, ersticken wir daran. Was wir brauchen ist ein drastisches Sparprogramm. Nur eisernes Sparen durch die Reduzierung der Staatsquote führt aus der Krise heraus, nur dadurch können die Haushalte nachhaltig saniert und Schulden abgebaut werden. Alles andere ist Pipifax. Allein die Ankündigung eines solchen Programms würde die Märkte nachhaltig beruhigen. Natürlich geht ein solcher Umbruch nicht von heute auf morgen. In einer Zeitspanne von 5 Jahren muss es aber möglich sein, folgende Punkte europaweit umzusetzen: 1. Eine neue Europäische Verfassung 2. Einführung einer Schuldenbremse 3. Einführung des Kirchhoff´schen Steuermodells 4. Begrenzung der Staatsquote auf 30 Prozent Und für die Bundesrepublik zusätzlich: 5. Neuregelung der Beamtenversorgungssysteme 6. Ein einheitliches Schulmodell 7. Keine Studiengebühren Der Staat darf nicht Selbstzweck sein. Er hat dafür zu sorgen, dass die Jugend eine Perspektive hat und die Bevölkerung keine Existenzangst zu haben braucht. Die Gesundung des Euros kostet Zeit und ist anstrengend. Aber das Ziel eines prosperierenden Europas muss jede Mühe wert sein. Hermann Mezger
Sehr geehrter Herr Mezger, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der Informationen. Ich habe mir Ihre Ansichten zur Bogenberger Erklärung mit großem Interesse durchgelesen und kann Ihnen nur zustimmen. Ich freue mich sehr über das Engagement Ihrerseits. Machen Sie weiter so. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin erst kürzlich auf die Mediathek des CES gestossen, nachdem ich verschiedene Beiträge zur "Euro-Krise" von Ihnen gesehen bzw. gehört habe. Zuerst einmal möchte ich für die klare Darstellung der Situation danken, die ich so bisher nirgendwo gesehen hatte. Zweitens möchte ich das Medienportal des CESInfo und drittens die Einrichtung dieses Diskussionsforums loben. Meckern kann man aber immer, daher möchte ich anregen, die Beiträge auch als Podcasts zu veröffentlichen. Der eigentliche Grund, warum ich hier schreibe, ist natürlich eine Anmerkung bzw. Frage zu den Vorträgen, die Sie scheinbar seit Mitte vergangenen Jahres immer wieder halten. Sie erklären schlüssig, was jetzt das Problem der Schuldenkrise ist, und erklären nachvollziehbar, was es für sinnvolle "Lösungs"-Varianten gibt. Die GIPS-Staaten sind nicht wettbewerbsfähig (das ist eigentlich ein komplexeres Argument), und die Lösung ist "interne" oder "externe" Abwertung. Für Griechenland ist das nun scheinbar mittlerweile die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Aber es wird weder für Griechenland noch für Deutschland besser, wenn man weitere Zahlungen nicht stoppt (stark verkürzt). Meine eigenliche Frage ist nun: (1) Hätte man das nicht vorher wissen können? (2) Und wird man es beim nächsten Mal vorher wissen und besser machen? Sie skizzieren ja an verschiedenen Stellen, dass davon auszugehen ist, dass sich das Problem grundsätzlich wieder anhäufen kann. Die vorgeschlagene "Lösung" der internen oder externen Realabwertung ist nur die "Lösung" des bestehenden Problems. (2a) Was ist in 10 Jahren, wenn man wieder an derselben Stelle steht? Verbunden mit der ersten Frage: (1a) Wie steht es um die VWL, dass es zu dieser Krise kommen konnte? (1b) Warum besteht immer noch so eine große Uneinigkeiten selbst unter den anderen Wirtschaftsweisen? Ich beziehe mich hier auf die Diskussion "Rettungsschirme, Notpakete, Finanzspritzen? Welche Zukunft hat der Euro?" vom 25. November 2011 von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, bei der Sie, Herr Bofinger und Herr Wiegard zu diskutiert haben. Warum ist sogar so eine Runde sich derart uneinig. Zu guter letzt ist mir insbesondere bei Ihren Kommentaren in der Sendung "Hart aber Fair" vom 18.05.2011 aufgefallen, dass Sie anmahnen, dass das Ausmaß der deutschen Verbindlichkeiten in den Südländern nicht bekannt ist. (3) Warum sind Informationen über die wirtsch. Verhältnisse über z.B. Griechenland so schlecht verfügbar, dass z.B. auch in der Sendung "Unter den Linden" vom 16.01.2012 nur Sie und Herr Verheugen die Zahlen haben, aber nicht die Journalisten (ganz unpolemisch gemeint)? Beste Grüße
Sehr geehrter Herr P., zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen für Ihr Lob bedanken. Ich freue mich auch über Ihr Interesse an unseren Videos. Allerdings sind Podcasts oder ein Download der Videos nicht vorgesehen. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem ist, dass Griechenland durch Mogelei sich den Zutritt zur Eurozone verschafft hat. Als Finanzierungsdefizit des Staates im relevanten Jahr 1999 wurden zunächst 1,6% gemeldet, nach dem Beitritt erhöhte sich der Wert auf 3,3%. Derzeit weist Eurostat keine Defizitzahl für 1999 mehr aus. Für 2009 wurde zum Jahreswechsel 2008/2009 im Stabilitätsprogramm der griechischen Regierung ein Finanzierungsdefizit von lediglich 3,7% des BIP prognostiziert, im Herbst schätzte es die EU-Kommission dann aber auf 12,7% des BIP. In einem Bericht der Europäischen Kommission ist folgendes dazu zu lesen: „Aufgrund der dargelegten Art und Größenordnung der Datenkorrekturen, der mangelnden Zuverlässigkeit und der unzureichenden Belege für die gemeldeten Defizitzahlen sieht sich Eurostat derzeit nicht in der Lage, Zahlen von vertretbarer statistischer Qualität zu validieren“ (vgl. Europäische Kommission (2010), Bericht zu den Statistiken Griechenlands über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, Brüssel, S. 30). Von daher war damals (1999) zuerst nicht davon auszugehen, dass seitens Griechenlands Probleme auftreten könnten. Ob wir in Zukunft wieder mit einer derartigen Krise konfrontiert werden, hängt davon ab, wie wir mit der jetzigen Krise umgehen. Die unterschiedlichen Meinungen zum Umgang mit der jetzigen Krise resultieren daher, dass verschiedene Risikoeinschätzungen vorliegen. Unser Bankensystem ist aufgrund der zu geringen Eigenkapitalausstattung sehr marode. Das würde bedeuten, dass wenn die Staaten der Peripherie sich nicht mehr refinanzieren können, es zu einem Schuldenschnitt kommen wird. Die Banken würden die Abschreibungen, die sie deswegen vornehmen müssten, aufgrund des zu geringen Eigenkapitals nicht verkraften. Es würde demnach zu einer Kernschmelze im Finanzsystem kommen. Herr Bofinger ist deshalb beispielsweise, anders als ich, der Meinung, dass man Eurobonds einführen müsste. Da das jedoch etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, plädiert er gleichzeitig dafür, dass die EZB massiv Staatsanleihen aufkauft. Ich dagegen bin der Meinung, dass wir uns nicht erpressen lassen sollten. Zu guter Letzt: Die nötigen Daten über wirtschaftliche Verhältnisse sind bei ausgiebiger Recherche für jeden zugänglich. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
EZB-3-Jahres-Tender über rund € 500 Milliarden Target 2/svH/24.12.2011 Sehr geehrter Prof. Sinn, die Presse und die Bundesregierung freuen sich über den 3-Jahres Tender der Europäischen Zentralbank (EZB). Ich kann diese Freude nicht teilen. Hier meine Gründe: Mit dem EZB-3-Jahres-Tender über € 500 (!) Milliarden (ein Billigkredit zu 1 % an europäische Banken) nimmt die Höhe der Target2-Forderungen (T2) der Bundesbank (BuBa) gegen die EZB dramatisch zu. Ein großer Teil der fast € 500 Milliarden zusätzlicher EZB-Kredite ist sicher von den Banken in Südeuropa aufgenommen worden (Geldschöpfung) um die auslaufenden Forderungen ihrer eigenen Darlehnsgeber (Banken) in Nordeuropa zu bezahlen. Dies entspricht Ihrem Fall des kreditfinanzierten Kaufs eines deutschen LKW durch einen griechischen Unternehmer. Die mit (neuem) EZB-Kredit finanzierte Rückzahlung des auslaufenden (alten) Kredits (Tilgung) entspricht der kreditfinanzierten Bezahlung des LKW durch den griechischen Unternehmer. Jetzt tritt wieder die Situation ein, dass die deutsche Bank des LKW-Verkäufers das (via T2) überwiesene Geld bei der BuBa belässt und damit (verkürzt gesagt: im Verrechnungswege) die Summe der Ausleihungen der BuBa an deutsche Banken weiter fällt oder gar negativ wird (Forderungsaufbau deutscher Banken gegen die BuBa). Wird dieser Saldo negativ (wird also die BuBa, insgesamt betrachtet, Schuldner des deutschen Bankensystems und verliert so ihren bisherigen Status als dessen Kreditgeber), dann kann das per Kreditrückzahlungen ins deutsche Inland flutende Geld nicht mehr mit offenen Darlehnsforderungen der BuBa gegen deutsche Banken verrechnet/kompensiert werden. Dies bedeutet, das zunehmend hereinströmende Geld wird nicht mehr (oder nur noch teilweise) „durch Einzug/Verrechnung eliminiert“ (Geldvernichtung), sondern erhöht tatsächlich die im Eurosystem umlaufende Geldmenge. In der BuBa-Bilanz Dezember 2011/Januar 2012 wird dies zu einem (weiteren) hochgefährlichen Anstieg der (überwiegend ungesicherten) Target2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB führen. Im ersten Quartal 2012 muss die italienische Regierung (über die Banca d´Italia) einen großen Teil ihrer Staatsschulden zurückzahlen/refinanzieren und wird dafür neue italienische Staats-anleihen begeben. Es ist davon auszugehen, dass die lokalen italienischen Banken davon „überzeugt“ werden, diese neuen italienischen Staatspapiere mit Mitteln aus dem aktuellen EZB-500-Tender aufzukaufen, um diese dann wiederum als Sicherheiten für den Ankauf von Tranchen aus dem nächsten EZB-500-Tender einzusetzen (für Februar 2012 ist ein weiterer 3-Jahres-Tender der EZB über nochmals € 500 Milliarden angekündigt). Damit entsteht unweigerlich ein auf Scheinsicherheiten aufgebautes Kredit-Schneeballsystem (ähnlich der US-Verbriefungsproblematik, die zur Krise 2007 geführt hat), das u.a. einen weiteren (wohl letzten) dramatischen Anstieg der T2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB auslösen wird. Nach dieser Runde dürfte dann das Spiel aus sein, auch wenn sich der Kessel noch eine Weile dreht. Habe ich Recht oder träume ich nur schlecht? Mit freundlichen Grüßen Siegfried von Hohenhau
Sehr geehrter Herr von Hohenhau, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann Ihren Befürchtungen nur zustimmen. Sie prangern zurecht den 3-Jahres Tender der EZB an. Letztendlich sind es die Staaten selbst, die Ihre Haushalte sowie ihre maroden Banken in Ordnung bringen müssen. Die Zentralbank kann kurzfristig helfen. Ihre Maßnahmen dauern aber schon zu lange an und es besteht der Druck die Maßnahmen noch auszuweiten. Die Politik ist aber gefordert, bewusst Maßnahmen zu ergreifen oder eben möglicherweise bewusst die Hilfsmaßnahmen nicht mehr auszuweiten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Vortrag v. Professor Hans Werner Sinn am 19.12.2011, LMU München, "Ist der Euro noch zu retten?" Sehr geehrte Damen und Herren, auf YouToube sah ich oben genannten Vortrag von Professor Hans Werner Sinn. Eines habe ich nicht verstanden, und das würde ich Herrn Professor Sinn gerne fragen: Wenn die Eurobonds kommen, konvergieren die Zinsen in Europa. Aber wie soll das denn nach 10 Jahren wieder auseinander laufen können? Da müssten doch die Eurobonds wieder abgeschafft werden? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüssen Thomas Schorn
Sehr geehrter Herr Schorn, Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Interpretation. Die Eurobonds werden nicht überleben, weil sie missbraucht werden. Ein System, bei dem sich die Zinsen nicht nach der Bonität der Länder ausspreizen, wird überdehnt werden, bis alle Fäden reißen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
2 Fragen zu Vortrag "Ist der Euro noch zu retten?" LMU am 19.12.2011 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, großes Lob für den tollen, spannenden und interessanten Vortrag am gestrigen Montag in der LMU. Für die Beantwortung der beiden nachfolgenden Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden: 1.) Bei der Verfolgung der von Ihnen prognostizierten, aber nicht empfohlenen, Politikoption Nr. 1 ("Euro-Bonds") würden die Zinssätze wieder konvergieren. Da aber diesmal -im Unterschied zu den Zinskonvergenzen bei Einführung des Euro- die Zinskonvergenz per definitionem (vertragliche gesamtschuldnerische Haftung) bedingt wäre, verstehe ich nicht, wie Sie zu der weiteren Prognose gelangen, dass in ca. 10 Jahren die Zinssätze wieder (wie aktuell) auseinanderlaufen? Dies ist dann doch im Gegensatz zu heute gar nicht mehr möglich, da es ja eben gar keine unterschiedlichen Schuldner/Emittenten mehr gibt? Ist die angedeutete Folge nicht vielmehr, dass sich das Crashpotenzial in einem Szenario der Schuldengemeinschaft -unter der Annahme nicht gelöster unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzsalden- einfach erhöht und uns somit -nur zeitlich verschoben- ein (viel größerer) Kollaps bevorsteht? In der Analogie zu der Privatperson, die für den angeschlagenen Nachbarn eine uneingeschränkte Gesamtbürgschaft übernimmt, womit letztendlich nicht nur eine, sondern zwei Existenzen vernichtet werden? 2.) Frage zu Schutz des Vermögens: Wenn man überzeugt ist, dass Ihre detaillierte und fundierte Prognose die Zukunft (es kommen höchstwahrscheinlich Eurobonds, die das ursächliche Problem aber nicht lösen werden, da insbesondere die Schuldenbegrenzung nicht eingehalten wird) am ehesten trifft und sich dem anschließt...muss sich dies dann nicht konsequenterweise in einer entsprechenden Meinung zur optimalen Vermögensallokation widerspiegeln, die von einer "einfachen", möglichst breiten Diversifikation (z.B. 10% Gold, 30% Aktien, 30% Immobilien, 30% Anleihen) abweicht? Wie sähe Ihre beste Allokationsantwort aus, wenn Sie realistisch bis pessimistisch denken, keinerlei laufende Erträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus dem Vermögen benötigen, keine kurzfristige Volatilitätsaversion besäßen, keine Verbindlichkeiten oder sonstige Liquitätserfordernisse besäßen, sondern lediglich das erarbeitete Vermögen auf Sicht der nächsten 10-20 Jahre bestmöglich vor den vermögensvernichtenden "tail-risks" der Zukunft schützen wollen, dabei lediglich einen realen Vermögenserhalt anstreben. (Mir ist bewusst, dass Sie keine Anlageempfehlung abgeben dürfen und können, da diese immer von den individuellen Anlagezielen des Investors abhängt. Ich hoffe trotzdem, dass Sie mir vor dem Hintergrund der geschilderten Informationen etwas konkretes an die Hand geben können. Ansonsten sind die ganzen Überlegungen praktisch wenig hilfreich). Vielen herzlichen Dank vorab. Beste Grüße
Sehr geehrter Herr E., zuerst einmal freue ich mich zu hören, dass Ihnen der Vortrag gefallen hat. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem der Eurobonds ist, dass die nationale Verantwortung für eine solide Haushaltsführung und Verschuldungspolitik weiter geschwächt werden würde. In der Folge würde mit der Einführung von Eurobonds den Ländern der Peripherie ihre unsolide Haushalts- und Verschuldungspolitik vereinfacht, indem ihnen die Zinskosten für exzessive Politiken subventioniert würden und die Bürde der Rückzahlung übermäßiger Schulden durch Haftung der solideren Länder abgenommen werden würde. Die übermäßige Verschuldung wird entweder zu einem Auseinanderbrechen des Euro und von neuem zu entsprechenden Zinsspreizungen oder zu einer Transferunion führen. Die Graphik, die ja bloß spekulativ gemeint war, bezieht sich auf das erste Szenarium. Zu Ihrer zweiten Frage: Wie Sie selber feststellen, ist es nicht meine Aufgabe mich zu Anlage- und Vermögensfragen zu äußern. Aber ich denke, man tut gut, reale Dinge wie Aktien oder Immobilien zu kaufen. Am besten das, was man in zwanzig Jahren selbst benötigt. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Bei etlichen Stellen (MdB H. Bosbach; FOCUS, und Stern) habe ich bisher vergeblich versucht Antworten zu meinen Fragen zu bekommen. Kann ich bitte bei Ihnen hoffen? In bisher allen mir zugänglichen Informationen (Tagespresse, Magazinen und Talkshows usw.) vermisse ich folgende Hinweise: 1. GB hat seinerzeit als "Gegenorganisation" die EFTA gegründet und ist gescheitert. Danach baten sie um Aufnahme in die EU forderten aber unter Frau Thatcher Sonderkonditionen im Milliardenbereich und bekommen die auch noch Heute. Dem Euro sind sie nicht beigetreten und freuen sich nun wie andere Staaten sich abmühen diesen und damit die EU zu erhalten. Wo bitte bleibt deren Solidarität und die der USA die ja an diesem Desaster herrlich verdienen ?? Geht´s hier nicht auch um die "Weltwährung" Dollar?? 2. Wenn Deutschland von anderen Sparen verlangt, warum nicht selbst tun? 3. Die enorme Schuldenlast der BRD rührt doch letztendlich von der Wiedervereinigung her!? 4. Wie kommt Griechenland zu hohen Schulden die sicher ein Vielfaches des jährlichen Budgets ausmachen. 5. Rot/ Grün hat´s eingebrockt (Aufnahme der Griechen und Einführung der Hedgefonds) auslöffeln müssen´s die Schwarzen!! Im Interesse Deutschlands müssen Alle zusammenarbeiten!! Bei einer der letzten Talkshowen hat hierzu allerdings Herr Gysi kurz hingewiesen, jedoch ohne Echo. Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich werde versuchen so gut es geht, auf Ihre Fragen einzugehen. Zu Frage 1: Ich bin der Meinung, dass es sich innerhalb der Eurozone um eine systemische Krise handelt. Es gibt einige Konstruktionsfehler des Euro. Diese Probleme müssen wir selber abstellen oder der Euro wird nicht dauerhaft bestehen. Daher ist auch mit den bisherigen Rettungsschirmen die Eurokrise nicht gelöst. Zu Frage 2: Deutschland hat natürlich auch einen zu hohen Schuldenstand. Wir reißen damit auch die Regeln des ursprünglichen Stabilitäts- und Wachstumspakts. Das zeigt aber auch, dass wir uns auch schnell mit der Rettung des Euros überheben können. Zu Frage 3: Die Wiedervereinigung spielt sicherlich auch eine Rolle. Wenn Sie sich allerdings den Verlauf der Schuldenquote anschauen, sehen Sie, dass seit der Ära Willi Brandt, die Schuldenquote kontinuierlich angestiegen ist. Zu Frage 4: Die Staatsverschuldung Griechenlands lag Ende 2010 bei 329.351 Mio. Euro. Gemessen am BIP sind dies 144,9%. Die Ursachen für die griechische Schuldenkrise sind vielfältig. Der Staatsapparat wurde aufgebläht und um das Ausmaß der Schuldenproblematik zu verschleiern, wurden die Statistiken zurecht gebogen. Zu Frage 5: Ich weiß zwar nicht genau, auf welche Äußerung seitens Herrn Gysi Sie anspielen, aber die ganze Schuld der Rot-Grünen Regierung zu geben, ist nicht korrekt. Erinnern Sie sich nur an die wichtigen Hartz-IV Reformen unter Schröder. Diese Reformen waren richtig und notwendig. Die Regeln zum Euro wurden unter Helmut Kohl verhandelt. Hier wurden bereits die heutigen Probleme angelegt. Daher möchte ich gar nicht Partei ergreifen. Es sind von allen Fehler gemacht worden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
1. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verfolgte Ihre Vorträge "Eurokrise und Konjunktur" und "Ist der Euro noch zu retten?". In beiden Vorträgen gingen Sie auf den dramatischen Anstieg der Target-Kredite ein. Leider steht der erste Vortrag "Eurokrise und Konjunktur" in der Mediathek Ihres Instituts nicht mehr zur Verfügung. Unter www.querschuesse.de wird über dieses Problem seit einigen Monaten berichtet. Am 4.01.2012 erschien der Artikel "Spaniens Target2 Saldo explodiert auf -137,178 Mrd. Euro". Ältere Artikel finden Sie dort unter der Registerkarte "Target2". Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter 2. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich sah mir gerade noch einmal das Video "ifo Konjunkturprognose 2011/2012: Schuldenkrise bremst deutsche Wirtschaft aus" an. Ich schätze Ihre Einschätzungen sehr und motivierte viele Bekannte, sich die Videos auch speziell zu den Target-Krediten anzusehen. Ich möchte dennoch Ihren Fokus auf ein soziales Problem verstärken. Im Video ""ifo Konjunkturprognose 2011/2012" sagen Sie: "Bis Willy Brandt hatte sich die Arbeitslosigkeit treppenförmig vergrößert. Das war die Situation, als Schröder mit der Agenda 2010 die Notbremse zog. Sie sehen, dass das gewirkt hat. Die Arbeitslosenzahlen gingen runter... Vergleichen Sie das mit Frankreich. Sie sehen, dass Deutschland mittlerweile eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit hat als im Höhepunkt des letzten Booms vor Lehmann im Jahre 2008, während Frankreich eine Arbeitslosigkeit hat, die leicht über dem Höhepunkt der letzten Flaute im Winter der Jahre 2005 und 2006 liegt. Die beiden Länder entwickeln sich scherenförmig auseinander... Das ist Spanien, und Sie sehen, welch katastrophale Entwicklung dort die Wirtschaft nimmt mit einer immer weiter ansteigenden Massenarbeitslosigkeit. Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegen wir bei über 40 Prozent. Was das für die Stabilität von Europa bedeutet, ist schwer zu einzuschätzen. Deutschland ist hier in einer unglaublich günstigen Situation. Und das liegt eben daran, dass wir einerseits unter dem Euro unsere Hausaufgaben haben machen müssen..." Ich arbeite im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds Münster, also einem karitativen gemeinnützigen Unternehmen. Ich habe einen Arbeitsbvertrag auf Gleizonenbasis (800 Euro brutto pro Monat) bei 120 Stunden Arbeitszeit pro Monat, entspricht 4 Tage pro Woche mit 8,5 Stunden pro Tag abzüglich 0,5 Stunden Pause. Mein Nettogehalt liegt bei 627 Euro in einer der teuersten Städte in Münster. 627 Euro pro Monat entspricht 5,23 Euro pro Stunde. Ich begleitete vor einiger Zeit eine Gruppe Rentner bei einem Tagesausflug durch die City von Münster. Die Rollstuhlfahrerin, die ich durch Karstadt schob, kaufte dort ein Stück Seife für 5 Euro. Ein Kollege von mir erschien neulich zu Fuss zur Arbeit, weil sein Fahrrad einen Platten hatte. Er sagte mir, er müsse bis Ende des Monats auf sein Gehalt warten, um sich einen neuen Fahrradschlauch leisten zu können. Uns Fahrern im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds geht es dabei noch gut. Wir bekommen zwar keine Zulage bei Nachtarbeit oder Wochenendarbeit und kein Weihnachtsgeld, aber Lohnfortzahlung bei Krankheit. Vorher fuhr ich als Kurierfahrer bei Beckann Kurierdienst in Münster und leerte unter anderem Briefkästen der Deutschen Post. Mein Nettostundensatz lag bei 4,50 Euro ohne Urlaubsgeld und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Da ist zwar vieles illegal dran, aber niemand geht dagegen vor, weil die ganze Branche so arbeitet und weil es keine Tarifverträge gibt. Ich unterhielt mich mit jemandem vom Zoll darüber, und er sagte mir, dem Zoll seien die Hände gebunden. Überlegen Sie noch einmal Ihre oben genannten Aussagen unter diesen Aspekten. Sie sprechen von sozialen Spannungen wegen der Massenarbeitslosigkeit in Spanien und sagen, Deutschland sei hier in einer unglaublich günstigen Situation. Ich persönlich glaube, dass sich in Deutschlang unglaublich großer sozialer Sprengstoff mehr und mehr ansammelt. Und ich würde mir wünschen, dass Sie in Ihren zukünftigen Vorträgen zumindest in einem Nebensatz eingehen, um anzudeuten, dass Sie auch diesen Aspekt (ausfklaffende Schere in Deutschland) im Fokus haben. Viele Grüße Ulrich Schlüter 3. Mail: vielen Dank, dass Sie meine Anmerkungen zu den Vorträgen von Herrn Prof. Sinn inhaltlich an Herrn Sinn weiterleiten. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und noch eine Frage anhängen. Im Artikel "Deutscher Exportmotor brummt" vom 9.01.2012 steht, dass die deutschen Exporte im November 2011 stärker als erwartet um 2,5 Prozent angestiegen sind, während die Importe um 0,5 Prozent zurückgingen. Ich habe den Verdacht, dass in diese Exporte auch beispielsweise deutsche Immobilien eingerechnet werden, die die Griechen, Italiener und zuletzt auch die Franzosen kaufen, um ihre Euros sicher anzulegen. Mit anderen Worten: Die Kapitalflucht der Südeuropäer und damit die zunehmenden negativen Targetsalden werden als Exporte der deutschen Wirtschaft ausgewiesen. Oder ein Grieche kauft ein deutsches Auto oder deutsche Aktien, und als Gegenwert erhält Deutschland faule Anleihen der Griechen in Form von ansteigenden Forderungen der Deutschen Bundesbank. Wenn mein Verdacht zutrifft, wäre es vielleicht angebracht, wenn Herr Prof. Sinn diesen Tatbestand öffentlich aufdeckt. Bei den veröffentlichten Target-Salden ist übrigens folgendes vielleicht zu berücksichtigen: Wenn man eine Immobilie kauft, so vergehen vom Termin des notariellen Kaufvertrag bis zur Abwicklung (Zahlung des Kaufpreises) oft zwei Monate. Wenn also die Südeuropäer heute Eigentumswohungen in Berlin kaufen, zahlen sie den Kaufpreis erst Monate später. Folglich schlägt sich ein weiterer Anstieg der Target-Salden mit entsprechender Verzögerung in den Zahlen der Deutschen Bundesbank nieder. Den Artikel "Deutscher Exportmortor brummt" finden Sie hier: http://www.teleboerse.de/nachrichten/Deutscher-Exportmotor-brummt-article516 1491.html Hier der komplette Inhalt des Artikels "Deutscher Exportmortor brummt": Deutscher Exportmotor brummt Deutschland exportiert weiterhin kräftig und verzeichnet unerwartet hohe Überschüsse. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Abnehmer deutscher Produkte. Volkswirte warnen aber vor Euphorie. In Deutschland haben die Exporte im November 2011 stärker zugelegt als erwartet. Im Monatsvergleich seien die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 2,5 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem Plus um 0,5 Prozent gerechnet. Unterdessen gingen die Einfuhren um 0,4 Prozent zurück, während Volkswirte einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet hatten. Der Außenhandelsverband hatte Anfang Dezember auf Basis eigener Berechnungen gemeldet, dass die Billionengrenze durchbrochen sei. Er erwartet Ausfuhren im Wert von 1,075 Billionen Euro im Gesamtjahr 2011. Zwar macht die Euro-Schuldenkrise den Unternehmen zu schaffen. Doch nachdem im Oktober die weltweite Konjunkturschwäche den Export überraschend klar gedämpft hatte, zeigt sich die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" nach den letzten amtlichen Zahlen insgesamt sehr robust. EU bleibt der größte Kunde Im Jahresvergleich stiegen die Ausfuhren im November um 8,3 Prozent, die Einfuhren lagen um 6,7 Prozent höher als im Vorjahr. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss stieg auf 16,2 Mrd. Euro, nach 11,5 Mrd. Euro im Vormonat. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Dorthin gingen im November Waren im Wert von 56 Mrd. Euro, ein Anstieg um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allein die Euroländer bezogen demnach Waren im Wert von 37,7 Mrd. Euro aus Deutschland - ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum November 2010. 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in den Euro-Raum. "Von einem Einbruch der Exporte, der nach dem deutlichen Rückgang der Stimmungsindikatoren weltweit und nach den schlechten Wirtschaftszahlen aus dem Euroraum befürchtet worden war, ist bisher nichts zu sehen", kommentierte die Commerzbank. Für die kommenden Monate sei jedoch "kaum mit Impulsen vom Außenhandel zu rechnen", schreiben die Ökonomen, "die mageren Auftragseingänge aus dem Ausland" dürften sich "nach und nach bei den Ausfuhren bemerkbar machen". Ende des Artikels Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, ich bedanke mich für Ihren Brief. Haben Sie auch vielen Dank für den Hinweis auf die Internetseite "Querschüsse" sowie die Übersendung des interessanten Artikels "Deutscher Exportmotor brummt". Es tut mir Leid zu hören, dass Ihre private Situation so beschwerlich ist. Was Sie zu den Niedriglöhnen schreiben ist der Grund dafür, dass ich mich immer für Lohnzuschüsse eingesetzt habe. Ihrer Vermutung zu den Target-Salden kann ich nur zustimmen. Genauere Informationen, wie sich die Höhe der Target-Salden bestimmt, können Sie auf der Internetseite des ifo Instituts finden: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, ich schätze Ihre Art, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Mich interessiert, was Sie vom Vollgeldsystem halten (http://de.wikipedia.org/wiki/Vollgeld). Leider habe ich hierzu nichts von Ihnen im Internet gefunden.
Sehr geehrter Herr M., mit dem Vollgeldsystem (100% Mindestreserve) wird den Banken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung genommen. Die entsprechenden Zinsgewinne fließen der Notenbank zu, weil viel mehr Zentralbankgeld in Umlauf sein muss. Die Banken müssen sich dann verstärkt über Gebühren finanzieren. Mir fällt es im Moment schwer, den Nutzen einer solchen Reform zu erkennen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, Ich bin französischer Staatsbürger, bin mit einer Kölnerin verheiratet und wohne seit 43 Jahren in Deutschland. Ich bin Diplom-Ingenieur und war bis zu meiner Pensionierung Abteilungsleiter in einem Betrieb eines grossen deutschen Elektrounternehmens in Frankreich. Seit sehr vielen Jahren verfolge ich Ihre negativen Kommentare bzgl. Europa, Euro und EZB. (Vor allem, dass Deutschland immer betrogen wird...) Jetzt haben Sie in einem Spiegelinterview davon gesprochen, dass "Deutschland in der Falle sitzt". Aus meinem Verständniss der deutschen Sprache gebe ich Ihnen einige Beispiele für "Falle". Mein Vater saß 1940 in Dünkirchen in der "Falle". Er kam aus dieser "Falle" um in die nächste "Falle" zu tappen und kam erst 1943, krank, zurück nach Hause. Viele deutschen Soldaten saßen in Stalingrad in der "Falle". Und ich habe immer mehr den Eindruck, dass ich in Deutschland mit meiner französischen Rente in der "Falle" sitzen würde, falls es zu einem Zusammenbruch des Euro käme. (Ich bezahle in Deutschland treu und brav meine nicht unerheblichen Steuern, einschließlich Ergänzungsabgabe, bzw jetzt SOLI) Robert Camboni
Sehr geehrter Herr Camboni, was ich mit "Deutschland sitzt in der Falle" meine, ist, dass große Lasten auf Deutschland zukommen werden. Entweder über die EZB oder, wenn wir das über Rettungssysteme verhindern, über diese Systeme selbst. Wenn überhaupt, so werden einige der südlichen Länder ihre Schulden mit dem Geld zurückzahlen, das wir Ihnen vorher als Transfers haben zukommen lassen. Wenn der Euro kollabiert, sind die 500 Milliarden Kredit kaum noch einbringbar, die die Bundesbank über die EZB den anderen Ländern zur Verfügung gestellt hat. Und deshalb muss Deutschland zahlen. Sie erinnern sich vielleicht, dass Le Figaro den Euro in Frankreich mit dem Spruch "Jetzt müssen sie zahlen." beworben hatte, der nach dem Versailler Vertrag geprägt worden war. Der Euro hat sich als eine Maschinerie zur Umverteilung von Schuldenrisiken zwischen den Ländern entpuppt. Das kann man nicht leugnen. Christine Lagarde hat öffentlich erklärt, man habe den Maastrichter Vertrag mit Absicht gebrochen. Die Vergleiche, die Sie ziehen, greifen um einige Stufen zu hoch. Im Deutschen liegt im Wort "Falle" eine wesentlich geringere Dramatik. Glauben Sie mir bitte, dass meine Aussagen nicht europafeindlich sind, nicht einmal eurofeindlich. Ich finde den Euro erhaltenswert. Aber das Haftungsprinzip muss eingehalten werden. Der französische Staat muss für seine Banken, die sich mit den Staatsschulden der südlichen Länder überladen haben (wesentlich mehr als die Deutschen), selbst gerade stehen. Das ist nicht Sache der Staatengemeinschaft, aber Sarkozy will es dazu machen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, großes Lob für den tollen, spannenden und interessanten Vortrag am gestrigen Montag in der LMU. Für die Beantwortung der beiden nachfolgenden Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden: 1.) Bei der Verfolgung der von Ihnen prognostizierten, aber nicht empfohlenen, Politikoption Nr. 1 ("Euro-Bonds") würden die Zinssätze wieder konvergieren. Da aber diesmal -im Unterschied zu den Zinskonvergenzen bei Einführung des Euro- die Zinskonvergenz per definitionem (vertragliche gesamtschuldnerische Haftung) bedingt wäre, verstehe ich nicht, wie Sie zu der weiteren Prognose gelangen, dass in ca. 10 Jahren die Zinssätze wieder (wie aktuell) auseinanderlaufen? Dies ist dann doch im Gegensatz zu heute gar nicht mehr möglich, da es ja eben gar keine unterschiedlichen Schuldner/Emittenten mehr gibt? Ist die angedeutete Folge nicht vielmehr, dass sich das Crashpotenzial in einem Szenario der Schuldengemeinschaft -unter der Annahme nicht gelöster unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzsalden- einfach erhöht und uns somit -nur zeitlich verschoben- ein (viel größerer) Kollaps bevorsteht? In der Analogie zu der Privatperson, die für den angeschlagenen Nachbarn eine uneingeschränkte Gesamtbürgschaft übernimmt, womit letztendlich nicht nur eine, sondern zwei Existenzen vernichtet werden? 2.) Frage zu Schutz des Vermögens: Wenn man überzeugt ist, dass Ihre detaillierte und fundierte Prognose die Zukunft (es kommen höchstwahrscheinlich Eurobonds, die das ursächliche Problem aber nicht lösen werden, da insbesondere die Schuldenbegrenzung nicht eingehalten wird) am ehesten trifft und sich dem anschließt...muss sich dies dann nicht konsequenterweise in einer entsprechenden Meinung zur optimalen Vermögensallokation widerspiegeln, die von einer "einfachen", möglichst breiten Diversifikation (z.B. 10% Gold, 30% Aktien, 30% Immobilien, 30% Anleihen) abweicht? Wie sähe Ihre beste Allokationsantwort aus, wenn Sie realistisch bis pessimistisch denken, keinerlei laufende Erträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus dem Vermögen benötigen, keine kurzfristige Volatilitätsaversion besäßen, keine Verbindlichkeiten oder sonstige Liquitätserfordernisse besäßen, sondern lediglich das erarbeitete Vermögen auf Sicht der nächsten 10-20 Jahre bestmöglich vor den vermögensvernichtenden "tail-risks" der Zukunft schützen wollen, dabei lediglich einen realen Vermögenserhalt anstreben. (Mir ist bewusst, dass Sie keine Anlageempfehlung abgeben dürfen und können, da diese immer von den individuellen Anlagezielen des Investors abhängt. Ich hoffe trotzdem, dass Sie mir vor dem Hintergrund der geschilderten Informationen etwas konkretes an die Hand geben können. Ansonsten sind die ganzen Überlegungen praktisch wenig hilfreich). Vielen herzlichen Dank vorab. Beste Grüße c.v.ende
Sehr geehrter Herr von Ende, zuerst einmal freue ich mich zu hören, dass Ihnen der Vortrag gefallen hat. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem der Eurobonds ist, dass die nationale Verantwortung für eine solide Haushaltsführung und Verschuldungspolitik weiter geschwächt werden würde. In der Folge würde mit der Einführung von Eurobonds den Ländern der Peripherie ihre unsolide Haushalts- und Verschuldungspolitik vereinfacht, indem ihnen die Zinskosten für exzessive Politiken subventioniert würden und die Bürde der Rückzahlung übermäßiger Schulden durch Haftung der solideren Länder abgenommen werden würde. Die übermäßige Verschuldung wird entweder zu einem Auseinanderbrechen des Euro und von neuem zu entsprechenden Zinsspreizungen oder zu einer Transferunion führen. Die Graphik, die ja bloß spekulativ gemeint war, bezieht sich auf das erste Szenarium. Zu Ihrer zweiten Frage: Wie Sie selber feststellen, ist es nicht meine Aufgabe mich zu Anlage- und Vermögensfragen zu äußern. Aber ich denke, man tut gut, reale Dinge wie Aktien oder Immobilien zu kaufen. Am besten das, was man in zwanzig Jahren selbst benötigt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich vermute, mein Kommentar zu Ihrem Vortrag war wegen seiner Kürze unklar. Hier kommt die längere Version: Zu Ihren Ausführungen zu den wachsenden Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Eurosystem finde ich erheblich (und eben bedenklich), dass Deutschland diese Forderungen sicherer und vorteilhafter findet als andere Forderungen im Euro-Ausland. Niemand hindert ja die Deutschen, Anleihen oder Aktien im Ausland zu erwerben. Kann die Bundesbank die bedeutenden akkumulierten Forderungen gegenüber der EZB nicht in anderer Form anlegen? Wenn sie das kann (d.h. ihr nicht verboten ist), dann könnte sie beispielsweise ausländische Anleihen kaufen. Es ist gerade der Umstand, dass die Bundesbank und ebenso die deutschen Anleger daran kein Interesse haben (weil die Risiken der Anlagen der Peripherie zu hoch sind), die auf den Kern des Problems hinweist. Die Peripherie drängt aus ihren riskanten Staatspapieren und Bankeinlagen (riskant besonders wenn der Euro kippt) in die noch sicheren Staatspapiere oder Bankeinlagen des Eurozentrums. Der Preismechanismus aber equilibriert diesen Prozess aus verschiedenen Gründen nicht (oder nicht mehr). Ein Grund besteht darin, dass eine weitere Zinskorrektur beispielsweise in Deutschland nach unten nicht möglich ist, und wir uns deshalb wohl in einer Ecklösung befinden. In dieser Situation sind alle (auch die Deutschen und damit sind besonders auch die Privaten gemeint) tendenziell nur noch an Forderungen gegenüber dem Zentrum interessiert. Dieser Prozess läuft daher nicht mehr über eine Anpassung der Preise und Renditen sondern über eine von der EZB generierte Mengenzunahme, d.h. über eine Vermehrung der Forderungen gegenüber dem Zentrum. Diese Mengenzunahme zeigt sich dann in der im Vortrag von Herrn Sinn beschriebenen, sehr bedenklichen, Expansion der Bundesbankforderungen. Der Mechanismus der EZB führt damit gegenwärtig dazu, dass eine für viele unerwünschte Portfolio-Zusammensetzung statt über eine Anpassungen der Renditen über eine Veränderungen des Angebotes (von Geld und Assets) zustande kommt. Dieser Prozess kommt dann an sein vorläufiges Ende, wenn die Peripherie ihre unerwünschten Assets veräußert hat, und die Assets des Zentrums einerseits genügend zugenommen und andererseits an Bonität eingebüßt haben. Dies ist dann ein Zustand der gleichgewichtigen, wenn auch nicht gerechten, aufs Gesamtkollektiv verteilten Ausfallrisiken. Von diesem Zustand des kollektivierten Risikos - Eurobonds braucht es dazu offensichtlich gar nicht - mag dann die Geldpolitik eine Umkehr versuchen. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Tobias F. Rötheli
Sehr geehrter Herr Rötheli, die Bundesbank kann natürlich Schulden bei den deutschen Banken aufnehmen und mit dem Geld ausländische Papiere kaufen. Dann gehen die Target-Salden möglicherweise wieder zurück, nämlich dann, wenn die Ausländer die Verkaufserlöse nicht ihrerseits für den Kauf deutscher Wertpapiere verwenden. (Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, weil die Bundesbankaktion die ausländischen Wertpapiere teurer, die deutschen also vergleichsweise billiger macht.) Aber auch dann hätten wir insofern ein Problem, als die Bundesbank nur den einen öffentlichen Kapitalexport durch den anderen ersetzt und die Märkte immer noch verfälscht. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, meine etwas ungehaltene Mail an den DGB möchte ich Ihnen zur Kenntnis geben und Ihnen gleichzeitig danken für den ifo-Schnelldienst 16/2011, Ihre Hartnäckigkeit in Sachen Target2 und die "16 Wege aus der Krise". Mit freundlichen Grüßen Jochen Scholz Sehr geehrte Damen und Herren, der große Philanthrop und kleine Spekulant George Soros wird sich freuen, so prominente Unterstützung zu erfahren, noch dazu aus einer Richtung, von der er es sicher nicht erwartet hätte. Auch der Dank der insolventen internationalen Banken, unter ihnen alle großen amerikanischen, wird ihnen gewiss sein. Die warten nämlich schon lange darauf, endlich ihre Bilanzen einschließlich des Derivate-Kartenhauses auf Kosten der EZB und damit des europäischen Steuerzahlers bereinigen zu können. Der ausstehende Nominalwert am Markt für Credit-Default-Swaps (CDS) beträgt immerhin noch stattliche $ 32 Bio. US-Dollar (2007 58 Bio.,Quelle: BIZ Deswegen fordern sie wie der DGB: „Wir fordern deshalb vor allem die deutsche Bundesregierung auf, die Schlüsselrolle der EZB als Kreditgeber der letzten Instanz und die Einführung von Eurobonds nicht länger blockieren.....Deshalb muss die EZB nicht nur gegenüber den Banken, sondern Staaten als Kreditgeber der letzten Instanz (Lender of Last Resort) fungieren und ausreichend Liquidität bereitstellen.“ Wenn der vorgeblich geballte Sachverstand der deutschen Gewerkschaften einen derartigen Unfug gebiert, ist das schon peinlich genug. Noch peinlicher wird es jedoch, wenn man sich ausgerechnet vom Council on Foreign Relations erklären lassen muss, warum die EZB die Rolle nicht spielen kann, wie die Fed oder die Bank of England: weil sie keine Zentralbank wie jene ist, sondern ein föderatives Konstrukt mit staatlichen Notenbanken als Anteilseigner, der das Entscheidende für die von Ihnen vorgeschlagene Rolle fehlt: “Unlike the Fed, the ECB has no nation behind it which considers it central to its nationhood.” Die USA haben die Bedingung für eine solche Rolle in ihre Verfassung geschrieben: full faith and credit of the United States (Artikel 4, Abschnitt 1) Die Sache wird übrigens nicht besser, wenn SPD, Grüne und Linke in dasselbe Horn blasen. Wer das Internet allerdings ein wenig durchforste, dem wird schnell klar, warum es diese Übereinstimmung gibt: Referenten-Inzucht. Mit freundlichen Grüßen Jochen Scholz Berlin
Sehr geehrter Herr Scholz, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und die beigefügten Informationen. Ich freue mich über Ihre Unterstützung und Ihr Engagement. Den immer wieder gleichen Referenten, auf die sich die Linken stützen, könnte man entgegen halten: Si tacuisses, philosophus manisses. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion vom 25.11.2011) Angenommen es kommt zu einem Euro-Austritt von Irland, Griechenland und Portugal: Dann würden die TARGET2-Forderungen in der Buba Bilanz reduziert/abgeschrieben werden. Entsprechend muss auch die Passivseite der Bilanz gekürzt werden. Da das Eigenkapital lediglich € 5 Mrd. beträgt und und eher einen symbolischen Wert hat, müsste doch entsprechend das „Fremdkapital“, also die Geldbasis verringert werden. Das wiederum hätte dann eine stark deflationäre Wirkung aufs deutsche Bankensystem und entsprechend auch auf die Wirtschaftsleistung. Oder wie beurteilen Sie das? Mit freundlichen Grüßen Christian Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, wenn die Länder austreten, bleiben die Forderungen gegen sie erhalten. Etwas anderes ist es, wenn sie pleite sind und auch die Papiere, die zur Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte eingereicht wurden, wertlos werden. Dann muss die EZB ihre Forderungen gegen diese Länder abschreiben. Davon trägt die Bundesbank ihren Kapitalanteil plus der anteiligen Aufstockung des Anteils durch den Wegfall dieser Länder. Auf die Forderungen der Bundesbank selbst kommt es dabei nicht unmittelbar an. Diese Forderungen stehen erst im Risiko, wenn der Euro zerbricht, weil wir dann eine Forderung gegen eine Institution haben, die es nicht mehr gibt. Man wird dann verhandeln müssen, welchen Anteil der Forderungen die anderen noch bedienen werden. Das Eigenkapital der Bundesbank beträgt übrigens inklusive der Rücklagen 132,1 Mrd. Euro, nicht 5 Milliarden Euro. Der "Ausgleichsposten aus Neubewertung" in der Bilanz, der ein Volumen von 127,1 Mrd. Euro hat, enthält unter anderem die Goldbestände. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, normalerweise wählen wir Bürger doch unsere Politiker, damit diese unsere Interessen, so wie bei den Wahlen versprochen, vertreten. Was wir nach den Wahlen immer erleben ist, dass sie es nicht tun. Gierige Banken und deren Banker haben uns die Finanzkrisen eingebrockt, wurden mit Steuergeldern gerettet und machen straffrei lustig weiter. Zuerst wurden unsere Steuergelder für Prämien veruntreut. Kann man gegen diese miesen Machenschaften wirklich nichts unternehmen - man kommt sich richtig ohnmächtig vor. Bitte machen Sie weiter so. Schöne Weihnachten Mit "winterlichen" Grüßen aus Hamburg
Sehr geehrter Herr S., ich kann Ihre Besorgnis auch gut verstehen. Aber die Gier der Banken und Manager ist es nicht, die uns da hinein geritten hat, sondern die fehlende Zügelung des Gewinnstrebens. Dass Menschen nach Geld streben, liegt in der Natur unseres Wesens, nicht immer ein schöner Zug, keine Frage, wohl aber einer, den man überall sieht. Es kommt darauf an, den Egoismus durch ein klug gestaltetes Wirtschaftssystem zur produktiven Entfaltung zu bringen. Das ist offenbar im Bankenbereich ganz und gar nicht gelungen. Deswegen bin ich im Endeffekt bei Ihnen. Ich würde die Sache nur von der persönlichen Seite auf die sachliche schieben. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie bitte mein Buch Kasino-Kapitalismus. Dann werden Sie mich verstehen. Ich wünsche auch Ihnen frohe Weihnachten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auch aus unserer Familie ein herzliches Dankeschön für Ihre (wie im Forum schon benannt) analytisch brillianten, direkt auf den Punkt gebrachten Vorträge, Bücher und anderen Lesestoffe. Es ist ja auch der Ton Ihrer Sprache, der so angenehm ist, niemals verletzend, herabwürdigend oder mit Schlagwörtern belastet, sondern immer besonnen, sachlich, verbindlich. Auch wenn die Materie schwierig ist, wir freuen uns schon auf neue Wortmeldungen.M.f.G.
Sehr geehrter Frau F., ich habe mich sehr über Ihre netten Worte gefreut! Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Sie haben Auszuführungen zu den disziplinierenden Wirkungen der Staats-Insolvenz gemacht. Ich hoffe, ich habe die Information nicht übersehen, aber ich suche Literaturangaben zu den Insolvenzen im US-Raum (Bundesstaaten/ Counties), auf die Sie rekurriert haben. Wenn ich Sie dazu um Quellenangaben bitten darf? mfg - H.
Sehr geehrter Herr H., in meinem Buch „Kasino-Kapitalismus“ können Sie Angaben zur USA finden. Wenn Sie Zahlen zur amerikanischen Staatsverschuldung suchen, dann empfehle ich Ihnen die Internetseite der US-Regierung: http://www.usa.gov/Topics/Reference-Shelf/Data.shtml. Speziell zu den Insolvenzen empfehle ich: Reinhart C.M. und K.S. Rogoff (2010), Growth in a Time of Debt, NBER Working Paper No. 15639. Reinhart C.M. und K.S. Rogoff (2009), This Time is Different, Princeton University Press, Princeton. Reinhart C. M. (2002), »Default, Currency Crises and Sovereign Credit Ratings«, NBER Working Paper 8738. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich wünsche Ihnen ein gutes Neues Jahr 2012 und viel Erfolg die wahren ökonomischen Zusammenhänge zu erläutern, wie Sie das auch im letzten Jahr in gewohnt brillanter Manier verstanden haben. Traurig und besorgniserregend stimmt leider die Entwicklung in Richtung einer Transferunion, welche sich in Europa derzeit vollzieht. Viele Politiker, Journalisten und auch manche Volkswirte scheinen die entscheidenden Zusammenhänge nicht wirklich zu verstehen. Auch Helmut Schmidt bildet da leider keine Ausnahme. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Hallo Professor Sinn, Erstmal Ihnen und den Ifo-Institut vielen Dank, es ist immer informativ hier zu lesen. Ich möchte hier nunmal einen Gedanken, den ich seid Jahren habe anbringen und Sie um eine Stellungnahme dazu bitten. Kann die Europäische Union nach derzeitigen Verstädnis überhaupt Zukunftsträchtig sein? Konkreter möchte ich damit auf die einzelnen Nationstaaten anspielen und deren unterschiedlichen Ausrichtungen der wirtschaftlichen Schwerpunkte. Kann eine Gemeinschaftwährung überhaupt die Interessen und wirtschaftlichen Schwerpunkte der Nationalstaaten wahren? Ich denke nicht! Meines Erachtens reicht es eben nicht aus eine gemeinsame Währung zu haben, vorab hätte die Wirtschaft einzehlner Staaten nach ihren produktivsten Segmenten gefördert werden müssen. Desweitern hätte es einen "Wir" Verstädnisses gebraucht um eine "Ausnutzung" von solventen Staaten durch weniger solvente Staaten zu verhindern. Der nationale Gedanke der einzeln Staaten verursacht zwangsläufig das durchsetzten eigener nationalen Interesen zu Ungunsten der Gemeinschaft. Hierbei fallen wir einige Analogien zu der Eingliederung der DDR in die BRD auf. Aus menschlicher Sicht ist es gut und nachvollziehbar gewesen, nach meinen ökonomischen Verständnis war es ein Fehler. Konkreter war der Fehler darin, dass die Politik völlig überhastet versuchte einen nach Planwirtschaft ausgelegten Staat in eine Marktwirtschaft zu integrieren. Wirtschaftliche Effektivtäten könnten in der DDR zu den Zeitpunkt überhaupt nicht bekannt gewesen sein können, folglich erlebten wir den "wirtschaftlichen Zusammenbruch" der DDR, der den Haushalt der BRD noch heut und viel mehr damals massiv belastete und der den Wirtschaftstandort der DDR auf sehr lange Sicht schadete. Ähnlich erachte ich es mit der Europäischen Union, am Ende werden alle verlieren. Was meinen Sie dazu? Herzlichen Dank
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Sie haben sicherlich Recht mit Ihrer Ansicht, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung etwas übereilt war. Sicherlich sind so Fehler bei der Ausgestaltung gewisser Regulierungen gemacht worden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Implementierung des Target-Systems hätte eher nach amerikanischem Vorbild erfolgen sollen, wonach negative Salden jedes Jahr im April durch goldgedeckte Wertpapiere oder andere marktfähige, normal verzinste Wertpapiere bezahlt werden. Mehr zum Thema „Target-Salden“ finden Sie auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/link/Target. Trotz aller Schwierigkeiten glaube ich allerdings weiterhin, dass der Euro überleben wird. Was ich allerdings einräumen muss, ist, dass die Währungsunion sich verkleinern könnte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Entsetzen verfolge ich seit ihrem ersten Artikel zur Target-Krise die Entwicklung der Zahlungsbilanzkrise, und ich finde ihre Vorträge, die Sie dankenswerterweise in der Mediathek des ifo-Institutes bereitstellen, sehr erhellend. In den zwei Stunden eines Vortrages mit Ihnen lernt man mehr über die Euro-Krise und ihre Ursachen als man von allen Politikern und Talkshows bisher erfahren konnte. Nun frage ich mich nur: Sind unseren Politikern diese von Ihnen so schlüssig vorgetragenen Informationen eigentlich bekannt? Wäre es nicht eine gute Idee, z.B. den Vortrag vom 19.12.2011 auf DVD zu brennen und an jeden Bundestagsabgeordneten zu schicken? So bestünde wenigstens eine kleine Chance, dass die Politik aufwacht (wenn sie denn überhaupt aufwachen will). Auf jeden Fall: Vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit. Beste Grüße, M.Z.
Sehr geehrter Herr Z., haben Sie vielen Dank für Ihre netten Worte. Ich kann Ihnen versichern, dass unseren Politikern die Target-Problematik bekannt sein sollte. Eine Initiative der ifo-Freundesgesellschaft und des Vorstands des ifo Instituts hat am 07. Dezember zur Bogenberger Erklärung geführt, die den Politikern vorgelegt wurde. Die Bogenberger Erklärung finden Sie auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_2011_bogenberger_erklaerung.pdf. Über Ihren Vorschlag mit der DVD denke ich nach. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sind dafür Bekannt, dass Sie die Wahrheit sagen (analystisch brilliant, direkt auf den Punkt). In den vergangenen Jahren empfand ich Ihre Analysen häufig sehr drastisch, weil Sie auf die Arbeitnehmerschaft gezielt war; im Nachhinein haben Sie aber Recht! Darf ich Sie um folgendes Bitten? Vor einiger Zeit habe ich versucht aus dem Finanzministerium folgende Infos zu erhalten: 1. Bisherige Kosten der Bankenrettung aus 2008 für sämtliche Institute in D-Land über folgende Vehikel: -Soffin - verdeckte Rettung durch kostenlose Dienste des Staates (Zinslosigkeit der Beteiligungen etc. etc.), - verdeckte Finanzierungen über die KFW - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften usw. Eben ALLES, was die menschliche Fantasie der Gestaltung so hergibt. 2. Exakte Höhe der zurzeit noch bestehenden Garantien (inkl. Angabe für welche Institute) 3. Wie hoch ist der Betrag der schon jetzt als uneinbringlich in die Bundesschulden übernommen worden ist? Zur Südflankenrettung inkl. Irland: 1. Wie hoch ist der Aufwand für unser Land hierfür? Auch hier ALLES, was die menschliche Gestaltungskraft zulässt: - Liquiditätsaufwand sowie Haftungsvolumen für den ESEF? Gehört habe ich von 211 Mrd. Euro an Garantien sowie 21 Mrd. Euro an Bareinlage... ist das richtig?) - Target-Kredite sowie alle sonstigen Kredite der Bundesbank (egal wie es genannt wird) (gehört habe ich hier etwas von einem Betrag von 450 Mrd. Euro.. ist das richtig?) - andere (vielleicht verdeckte) Bundesbankfinanzierungen - verdeckte Finanzierungen über die KfW sowie andere staatsnahe Banken - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften - Aufkauf von Staatspapieren der EZB (inkl. Haftungs-Prozentanteil von D-Land) Eben ALLES, was die menschliche Fantasie an Gestaltungsmöglichkeiten so hergibt 2. Wie ist das, wenn ein Staat (z.B. jetzt Italien) schwächelt: übernehmen dann die anderen Staaten im Rahmen der gesamtschuld- nerischen Haftung den Anteil (im negativen Sinne automatisch)? Leider bekomme ich von dort keine Antwort. Das eigene Volk (das es bezahlen soll) scheint hier nur zu stören; es ist nicht mal eine Antwort wert. 3. An der EZB-Spitze ist Herr Draghi. Er kann nicht vergessen, dass er Italiener ist. In jünster Zeit wurden große Volumina an italienischen Staatspapieren aufgekauft. DIES ENTSPRICHT NICHT DEN EURO-VERTRÄGEN! Wie ich oben bereits schrieb gehen Sie gerne direkt auf den Kern der Wahrheit zu (gratuliere nochmals). SIND SIE BEREIT VOR DEM EUGH GEGEN DIESEN VERTRAGSVERSTOß ZU KLAGEN? Aus dem Impressum ersehe ich, dass das IFO-Institut ein e.V. ist - also staatsfern. WARUM NIMMT DAS DIE GANZE WIRTSCHAFTSELITE HIN, DASS SO EKLATANT GEGEN VERTRÄGE VERSTOSSEN WIRD? Wenn das EU-Gebiet in gleicher Weise ideoligisch oder militärisch bedroht werden würde wären diese Herrschaften doch sehr schnell auf dem Plan! 4. Der Euro nützt unserer Wirtschaft (nicht den Arbeitnehmern) durch einen realtiv schwachen Euro-Kurs. Die Gewinne steigen stetig, lt. FAZ sinken die Einkommen weiter. Die Entwicklung der Höhe des Rentenpunktes 2009 zu 2010 zeigt dies deutlich. Der kleine Mann hat also nicht sehr viel vom Euro. Der Presse entnehme ich, dass -falls wir die DM wieder einführen würden- eine Aufwertung von ca. 40 % erfahren könnten. Aber da unser Land auch Rohprodukte, Halbfertigwaren etc. einführt wäre diese Aufwertung entspannter zu sehen. FRAGE: WIE TEUER WÄRE DANN ENGERGIE IM LANDE? Leider habe ich keinen Fahrzeugpool oder keinen Dienstwagen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich an der Tankstelle für die schwachen Südländer kräftig zahle. Um wieviel Cent wäre ein Liter Superbenzin und Diesel an der Tankstelle? 5. Warum wird jetzt ausgeblendet, dass Bürger unseres Landes in der Vergangenheit schon kräftig bezahlt haben? Das Sozialsystem wurde "angepasst" z.B. durch den demografischen Faktor, Kürzungen in verschiedenen anderen Bereichen. 6. Wenn der Sozialbereich gekürzt wird fallen immer Worte wie - zukunftsfähig machen - Generationengerechtigkeit, - Wettbewerbsfähigkeit erhalten, - Zukunftsbelastungen tragbar gesalten Wenn es um die viel höheren Belastungen der Südflanken- und Irlandrettung handelt scheinen die Belastungen die jetzt aufgeladen werden einfach vergessen! Diese Belastungen scheinen Lust und nicht Last zu sein?!?!? Lösen sich diese Belastungen in Kürze in Luft auf - oder wird dadurch auch die Zukunft belastet? Wie erscheinen in Ihren Augen die Dinge wenn das eigene Volk wegen des Sozialsystems an die kurze Leine kommt, das eigene Volk aber für die Rettung anderer Völker kräftig bezahlen soll? 7. Ist das nicht wunderbar? Die Menschen die Folgendes Erfahren: - Einkommenskürzungen - Zeitverträge - raus aus festen Verträgen, rein in betriebseigene Zeitarbeitsfirmen - usw. usw. haben den größten Kosten-Einsparapparat entdeckt: keine Kinder mehr! Kinder kosten nun einmal Geld. Bei zunehmenden Zeit- verträgen (bei guter Gewinnlage der Firmen) kann man sich Kinder leider nicht leisten. Alleine in NRW werden nächsten Jahr 300 Grundschulen wegen Kindermangel geschlossen (es wären 360 gewesen, wenn nicht in manchen Bereichen kleinere Klassen akzeptiert würden). Aufgrund unserer komplizierten Sprache stehen die qualifizierten Zuwanderer nicht vor der Tür (gehen lieber in Länder des angelsächsischen Sprachraumes). Hat das Unternehmerlager hier nicht selber die Verantwortung zu tragen? Soll der Steuerzahler auch noch die Qualifikationsmaßnahmen für schwache Schüler tragen - oder tragen die Unternehmer hier mal Verantwortung? Sehr geehrter Herr Sinn, dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten würden.
Sehr geehrter Herr D., die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Allerdings kann ich aus Zeitgründen nicht auf alle Ihre Fragen eingehen. Das artet in Arbeit aus, die wir normalerweise in Form bezahlter Gutachten machen würden. Deshalb hier nur Teilantworten. Laut Eurostat kostet die Rettung von Hypo Real Estate, Commerzbank, IKB und mehreren Landesbanken dem deutschen Steuerzahler bisher 38,9 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Banken waren es, die sich mit toxischen verbrieften Wertpapieren und Problemkrediten vollgesogen hatten: IKB, Hypo Real Estate, Dresdner Bank, Sachsen LB, Bayern LB, HSH Nordbank. Sie mussten von Bund und Ländern mit Milliarden gestützt werden. Der bundeseigene Rettungsfonds Soffin zahlte etwa der Commerzbank, die in der Krise die Dresdner Bank übernahm, 18,2 Milliarden Euro; einen großen Teil davon hat das Institut in diesem Sommer zurückgegeben. Die Hypo Real Estate und ihre abgespaltene Abwicklungsbank wurden vom Soffin mit knapp zehn Milliarden Euro gestützt, die WestLB erhielt drei Milliarden Euro. Wie die 38,9 Milliarden Euro für den deutschen Steuerzahler im Einzelnen zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Eurostat verbucht Kapitalhilfen, Garantien, Zinsen und Rückzahlungen in einem komplizierten Prozess in den einzelnen Staatshaushalten. Das deutsche Defizit ist deshalb so hoch, weil das Statistische Bundesamt Anfang September einen großen Posten bei der Hypo Real Estate verbuchte. Der Bund übernahm beim Übergang auf die Abwicklungsbank Verluste, die mit 22,3 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Ohne diesen Posten hätte die Bankenrettung in Deutschland 17,6 Milliarden Euro gekostet. Allerdings könnte dies nur die Spitze des Eisbergs sein, denn immerhin hat der Staat den Banken letztes Jahr für ca. 240 Mrd. Euro toxische Papiere gegen Staatspapiere eingetauscht. Dadurch stieg die Staatsschuld von 75% auf 83% des BIP. Zusammen mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland, den Traget-Krediten der EZB in die peripheren Länder, den Anleiherückkäufen der EZB, der Hilfe durch den IWF und dem ESFM kommt ein Hilfsvolumen der Staatengemeinschaft von 1846 Mrd. Euro zustande. Deutschland müsse bei einem Ausfall der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien daraus eine Haftung von 580 Mrd. Euro übernehmen. Anhand des Anstiegs der Versicherungsprämie gegen deutschen Konkurs ist ersichtlich, dass Deutschland mit seiner Beteiligung an den Rettungsaktionen dabei ist seine Bonität zu verspielen (siehe ifo Pressemitteilung vom 27.9.: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/e-pr/e1pz/_generic_pre ss_item_detail?p_itemid=16690430). Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank beläuft sich derzeit auf ein Volumen von ca. 450 Mrd. Euro. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sendung Günter Jauch 11.12.11 Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Gefahr eines Unfriedens zwischen den Euroländern, aber vielmehr die Gefahr eines Generationenkonflikts ähnlich dessen in den 1960er Jahren halte ich auch gegeben, wenn mann den Euro nicht zu retten vermag, aber auch, wenn die Länder sich weiter wie bisher verschulden. Eine Budget-Kontrolle ohne Einbindung der Märkte halte ich für schwierig wegen des möglichen Verlusts der Anerkennung der Leistungen der Bundesrepublik, wenn Deutschland anfängt Europolizei zu spielen. Ebenso falsch mag die völlige Freiheit der Finanzmärkte sein, die bisher zwar steuernd wirken aber, mehr als bisher, zu sozialen Verwerfungen führen könnten. .... warum also nicht doch Eurobonds? Warum legt man nicht Eurobonds auf, die von einer europäischen Stelle (z.B. ESM, ESFS) kontrolliert werden und dessen Einnahmen an die Euro-Staaten verteilt werden. Diese Verteilung sollte angelehnt an die Maastricht Kriterien erfolgen aber zu einem reduziertem Prozentsatz des BIP, beispielsweise nur 1,5-2% anstatt 3%. Für die Verteilung sollte das BIP des vorvergangenen Jahres zugrunde gelegt werden, damit die europäische Statistikbehörde genug Zeit hat gründlich die Zahlen der Länder zu prüfen. Wenn von einem Staat mehr Geld, bis zur Maastricht Grenze 3%, benötigt wird müsste sich dieser dann entsprechend seiner Bonität mit einem höheren oder auch niedrigerem Zinssatz refinanzieren können. Staaten mit sehr guter Bonität würden zwar auch für die Eurobonds haften, müssten sich aber nicht über dieses Vehikel finanzieren sondern könnten weiter eigene Staatsanleihen zu niedrigeren Zinssätzen herausgeben. Dies hätte mehrere Vorteile. Länder mit schlechter Bonität wären aufgrund des Drucks der Finanzmärkte weiterhin angehalten zu sparen und die Eurobonds würden hier nicht den Anreiz setzen sich billig refinanzieren zu können. Somit verlören Eurobonds aus deutscher Sicht ihren Schrecken. Länder mit guter Bonität könnten sich weiterhin mit niedrigen Zinssätzen refinanzieren. Deutschland und Frankreich müssten nicht Budgetpolizei spielen und die Länder behielten Ihre Budgethoheit. Die EZB wäre entlastet und müsste keine Staatsanleihen mehr aufkaufen und kann sich wieder auf ihre eigentliche Aufgaben der Geldwertstabilität kümmern. Die Zugrundelegung des BIP des vorvergangenen Jahres hat den Vorteil, dass bei einer drohenden Rezession eher ein größeres BIP als Bemessungsgrundlage dient und bei einem Aufschwung eher ein kleineres BIP. In einer Rezession steht demnach dem Staat zur Ankurbelung der Wirtschaft relativ mehr Geld zur Verfügung, bei einem Aufschwung aus einer Rezession heraus eher weniger. Schließlich gibt es für den Fall das ein Staat die 3% Grenze überschreitet die Möglichkeit die Refinazierung aus Eurobond zu reduzieren oder ganz zu stoppen. Es bräuchte keine Hebelung von zugesagten Geldern und das Risiko eines Bürgschaftsausfalls ist m.E. deutlich geringer, da die Finanzmärkte nicht mehr auf einen Ausfall spekulieren könnten. Mit freundlichen Grüßen Dr. Hein Kleihues Dr. med. H. Kleihues
Sehr geehrter Herr Dr. Kleihues, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann Ihnen nur leider nicht zustimmen, weil die Eurobonds sich nie so politisch begrenzen lassen, wie Sie es gerne hätten. Eurobonds, egal in welcher Form, würden die massive Kapitalabwanderung aus Deutschland heraus wieder aktivieren und unser Land erneut zurückwerfen. Sie würden die überschuldeten Staaten der Peripherie anregen, neue Schulden zu machen, und die Bedingungen, die zur Krise des Euro geführt haben, perpetuieren. Insbesondere würden die Eurobonds, indem sie die Kapitalströme in Europa wieder in Gang setzen, damit die Leistungsbilanzungleichgewichte zwischen den Ländern verfestigen. Ziel muss jedoch ein System sein, das vor Zahlungsunfähigkeit schützt, aber keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt darstellt. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Prozedur entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Bogenberger Erklärung Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für die Bogenberge Erklärung, in der die Argumente zusammengefasst sind, die gegen die Politik der Rettungsschirme sprechen und zeigen, dass diese Politik unverantwortlich ist. Ich möchte zu 2 Punkten etwas sagen: • Im 2. Absatz der Ziffer 6 wird gesagt, dass mit dem Ankauf von Staatsanleihen der überschuldeten Euro-Staaten durch die EZB das Verbot des Art. 123 AEUV verletzt wird. Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht sehen das anders. Das ergibt sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 7. September 2011 zu den Klagen gegen die Rettungsschirme, und zwar aus den Ziffern 65, 84 und 129 der Entscheidungsgründe. Einzelheiten habe ich in einem Artikel vom 10. September 2011 zum Rücktritt es Chefvolkswirts der EZB Jürgen Stark dargelegt, den ich als Anlage 1 beifüge. In der Diskussion über diese Frage, sollten die Positionen von Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht deutlich zum Ausdruck gebracht werden, denn sie versuchen sie durch Kritik an diesem Handeln nicht deutlich werden zu lassen. • In der Erklärung wird leider nicht erwähnt, dass die Verwaltungsstrukturen in überschuldeten Euro-Staaten teilweise überhaupt nicht geeignet sind, eine effiziente Ausgabenpolitik durchzuführen, und dringend einer Generalüberholung bedürfen. Ich verweise insoweit auf den OECD-Bericht, der ein verheerendes Bild der griechischen Verwaltung zeichnet (vgl. den als Anlage 2 beigefügten Bericht „Keiner redet mit keinem“ in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Dezember 2011). So lange in dieser Hinsicht keine entscheidenden Änderungen eingetreten ist, ist keinerlei finanzielle Hilfe an Griechenland zu rechtfertigen. Außerdem verbieten solche Mißstände in den überschuldeten Euro-Staaten eine weitere Übertragung von Kompetenzen auf europäische Institutionen. Das ist erstmöglich, wenn solche Mißstände beseitigt sind, denn sie können nicht durch europäische Institutionen beseitigt werden. Das kann nur durch die nationalen Regierungen mit Unterstützung ihrer Bürger geschehen. Zu dieser Frage habe ich einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschrieben, der am 10. November veröffentlicht wurde und als Anlage 3 beigefügt ist. Mit freundlichen Grüßen Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, vielen Dank für diese Einschätzung. Dass das Bundesverfassungsgericht die Monetisierung der Staatsfinanzen erlauben würde, kann ich aus der von Ihnen zitierte Passage nicht erkennen. Sie lautet ja: „Auch weitere zentrale Vorschriften zur Ausgestaltung der Währungs-union sichern unionsrechtlich verfassungsrechtliche Anforderungen des Demokratie-gebots. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere das Verbot des unmittelbaren Erwerbs von Schuldtiteln öffentlicher Einrichtungen durch die Europäische Zentralbank, das Verbot der Haftungsübernahme (Bail-out-Klausel) und die Stabilitätskriterien für eine tragfähige Haushaltswirtschaft (Art. 123 – 126, Art. 136 AEUV. Ohne dass es hier auf die Auslegung dieser Bestimmungen im Einzelnen ankäme, lässt sich ihnen doch entnehmen, dass die Eigenständigkeit der nationalen Haushalte für die gegenwärtige Ausgestaltung der Währungsunion konstitutiv ist, und dass eine die Legitimationsgrundlagen des Staatenverbundes überdehnende Haftungsübernehme für finanzwirksame Willensentschließungen anderer Mitglied-staaten – durch direkte oder indirekte Vergemeinschaftung von Staatsschulden – verhindert werden soll.“ Darin wird eher Besorgnis statt Zustimmung geäußert. Die Bundesbank jedenfalls vertritt die Auffassung, dass der Aufkauf der Staatspapiere ein Umgehungstatbestand ist. Voll zustimmen kann ich zu Ihrem zweiten Punkt. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte mich hiermit für Ihre stets klaren Worte gegenüber der Politik in Sachen Euro bedanken! Mit mehr Gehör auf Fachleute durch die Politik hätten wir die derzeitigen Probleme nicht. Mir fehlt auch der Glaube, dass sich die Mentalität der "PIGS" aufgrund von neuen Vorgaben ändern wird. Pausenlose Rechtsbrüche sprechen nicht dafür...bitte machen Sie weiter so...Herzlichen Dank und Gruß Ernst Wünsche
Sehr geehrter Herr Wünsche, vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Zunächst: Hochachtung für Ihre Leistung, das kann überhaupt nicht oft genug betont werden! Meine Frage: Sie betonen immer wieder, ein Hauptproblem ist die "demokratische" Abstimmungsregel der EZB. In Ihrem Arbeitspapier mit Wollmershäuser (fig.1) sollte es aber eigentlich eine Mehrheit von Ländern geben, die letztlich mit ihren Anteilen für die Kredite an die PIGS haften (auf den ersten Blick Deutschland, NL, Finnland, Luxemburg, Estland, Malta, Slovenien, Zypern, Slowakei, Österreich). Warum stimmen die gegen die Interessen der Haftenden ab, wenn sie letztlich selbst dazugehören?
Sehr geehrte Frau P., angehängt (Diagramme Target-Salden und Haftungssummen) finden Sie den aktuellen Stand der Salden. Sie sehen, dass eine Reihe der von Ihnen genannten Länder, auch Österreich, Target-Kreditnehmer sind. Forderungen haben eigentlich nur Deutschland und die Niederlande. Luxemburg hat relativ zur Landesgröße auch große Forderungen, aber Luxemburg ist ein Bankplatz, der mich immer stärker an Island erinnert. Für die ist Unsicherheit Gift. Die Frage ist, warum sich die Bundesbank und Holland nicht sträuben. Die stelle ich mir auch. Fest steht, dass die Bundesbank, als wir die Sache aufbrachten, auf dem falschen Fuße erwischt wurde, weil sie überhaupt nicht wusste, was sich hinter den Target-Salden verbirgt. Man reagierte mit Statements, die ziemlich daneben lagen (z.B.: irrelavante Salden, die sich im Euroraum aufheben). Ich habe den Eindruck, dass die Bundesbank die Problematik mittlerweile verstanden hat und die die Sache ernst nimmt. Unter Weidmann habe ich keine beschwichtigenden Statements zu Target mehr gehört. Allerdings wäre eine öffentliche Kritik an der Art, wie die Target-Salden verrechnet werden, schon ein riesiger Schritt von politischer Dimension. Die Bundesbank hat aber stets gegen die Aufkäufe von Staatsschulden der Südländer votiert und wurde regelmäßig überstimmt. Das finde ich schon problematisch. Immerhin sollte doch die EZB nach dem Modell der Bundesbank konstruiert sein. So hieß es damals doch immer. Das ist sie offenkundig nicht. Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr. Ihr Hans-Werner Sinn
Target loans NBER papers Dear Professor Sinn, as a researcher, as a European citizen and as a holder of significant euro savings, I have read your highly topical paper with great interest. As you described the working of the TARGET Balances, my first reaction was that this system shows great similarities with the defunct transferable rouble (TR). TR was created as pseudo-money, as an accounting unit of the Comecon central bank. It was long time ago, but I am sure that you remember the basic story. The CMEA member countries were, theroretically, expected to run balanced trade with each other only at the aggregate level. In reality, the trade balances had to be achieved at the bilateral level, because the surplus claims in country 'A' on country 'B' were not transferable into the trade with country 'C'. The TR was de fact not transferable at all. This led, in turn, to two consequences: (i) bilateral trade was materialized at the lowest level, as given by the export capability of the weaker country; (ii) Surplus countries preferred to use convertible currency as a means of exchange, because the convertible currency surplus was real money. If I understood your paper correctly, the problem is the same with the TARGET surpluses: BuBa cannot make any good use of the accumulated claims. The problem can be even catastrophic, if it the euro-zone falls apart and nobody is willing to convert the surplus back to DM. Kind regards,
Dear Prof. M., Thank you very much for your insightful comments. It is very interesting to compare the Target balances with the transferable ruble. There is one difference though: Not even bilateral trade needs to be balanced. Germans can work for decades and accumulate Target claims against their Eurozone trading partners without ever getting anything in exchange. For a while I thought that there would be natural boundary when the total stock of money balances has been issued by the GIIPS. But there isn't. They can continue printing the money, buy goods and assets in Germany, and the Bundesbank just puts the money in the shredding machine after absorbing the liquidity from the market by borrowing from the banks. It has already become a net borrower. And you are right, if the euro collapses, these are claims against a non-existing system. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass jeder Target Saldo als auch jeder ELA der griechischen Nationalbank letztendlich a) zur direkten Entwertung des Euros führt b) die Bundesbank ihre Ansprüche gegenüber der EZB zwar geltend machen kann, aber im Endeffekt wird Sie lediglich Ihre Forderungen mit den Verbindlichkeiten der EZB verrechnen können da von den anderen 16 Eurostaaten im kommenden Crashfall nichts zu erwarten ist. MFG R.Hoppmann
Sehr geehrter Herr Hoppmann, mit Hilfe von Target schöpfen die GIIPS Länder mehr Zentralbankgeld als es eigentlich für die innländische Verwendung notwendig wäre. Deutschland schöpft dagegen entprechend zu wenig. Die Geldschöpfung hat sich also in die Krisenländer verlagert. Solange die Bundesbank dieses Geld aus dem Verkehr zieht, muss die Geldmenge insgesamt nicht steigen. Insofern ist die Geldentwertung nicht direkt angelegt. Problematischer sehe ich Ihren zweiten Punkt: Heute erhält die Bundesbank als Gegenleistung für ihre Kreditvergabe Forderungen gegen das EZB-System (mittlerweile von ca. 500 Mrd. Euro), die nur minimal verzinst sind (derzeit 1 Prozent), die nicht fällig gestellt werden können und von denen man nicht weiß, ob sie sich bei einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone jemals werden eintreiben lassen. Hätte Europa das US-interne Abrechnungssystem für Target-Salden zwischen den Distrikten der Fed, dann könnte die Bundesbank dafür die Übertragung von marktgängigen, gut verzinslichen Wertpapieren im gleichen Umfang verlangen. Ich befürchte wie Sie, dass wir hier einem großen Risiko ausgesetzt sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe mit großem Interesse Ihre Beiträge zum Thema Target-Salden verfolgt. Die Bundesbank ist der Ansicht, dass der deutsche Target-Saldo „kein sinnvoller Indikator für Risiken“ sei. Die Finanzierung der Banken mit Zentralbankgeld sei in der Krise notwendig. Wie schätzen Sie die Meinung der Bundesbank ein? Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrte Frau Schmidt, die Target-Salden messen die zwischenstaatliche Kreditvergabe und damit die Zusatzrisiken, die über die Geldversorgung der betreffenden Länder hinaus entstehen. Deutschland hat heute für 500 Mrd. Euro Target-Forderungen gegen die EZB, und die hat entsprechende Forderungen gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir den 500 Mrd. Euro hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Woher haben Sie die Meinung der Bundesbank dazu? Das würde mich interessieren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe mich ausführlich mit Ihren Standpunkten zur Energie- und Klimapolitik befasst. Zu diesem Thema habe ich zwei Fragen an Sie. 1) Bezüglich meiner ersten Frage zitiere ich aus einem Interview, dass Sie der Zeitung "Financial Times Deutschland" am 10.10.2007 gaben. "FTD Die Bundeskanzlerin hat sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben und kommt damit gut an. Was sagen Sie zur deutschen und europäischen Klimapolitik? Sinn An den Ergebnissen der Klimaforscher lässt sich nicht rütteln: Wir müssen versuchen, den Ausstoß an Treibhausgasen soweit es geht zu reduzieren. Derzeit wird aber, vor allem in Europa, versucht, die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen zu senken. Man unterstellt: Wenn der Verbrauch hier sinkt, hat das auch dann einen positiven Effekt, wenn der Rest der Welt keine Klimapolitik betreibt. FTD Stimmt das denn nicht? Sinn Der Effekt ist nicht nur gering, er liegt sogar bei null. Wir dürfen uns doch nicht isoliert sehen. Wenn wir Europäer die Nachfrage nach fossiler Energie drosseln, sinkt der Preis für Öl und Kohle. Er sinkt so lange, bis die geringere Nachfrage durch andere Länder kompensiert wird. Interessenten gibt es genug: die USA, China oder Indien. Wir müssen bedenken, dass das Kioto-Protokoll nur 29 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs wirksam beschränkt." (http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/20echointerv/_echointerv?item_link=ifointerview-FTD-10-10-07.htm) Die Zeitschrift "Der Spiegel" veröffentlichte am 30.10.2008 anlässlich der Veröffentlichung Ihres Buches "Das Grüne Paradoxon" einen Artikel, in dem es, bezogen auf Ihre Argumentation, wörtlich heißt: "[...]Sein wichtigstes Argument geht so: Die gewaltige Menge an Öl, Kohle und Erdgas, die in Deutschland durch die milliardenteure Ausnutzung von Wind und Sonne weniger verfeuert wird, sorgt auf dem Weltmarkt zu sinkenden Preisen. Das wiederum regt Schwellenländer wie China und Indien nur dazu an, noch mehr zu verbrauchen. In Summe würde also kein Gramm weniger fossile Energie verbrannt – wahrscheinlich sogar mehr, behauptet der Münchner Ökonom. Denn die Ölscheichs müssten in den westlichen Klimaschutzmaßnahmen eine Art drohende Enteignung sehen: Würde der Ölverbrauch wirklich drastisch reduziert werden, blieben sie in nicht allzu ferner Zukunft auf ihrem unterirdischen Reichtum sitzen. Sinn: "Die werden folglich noch schnell versuchen, möglichst viel ihres Schatzes zu fördern und zu verkaufen." Volkswirtschaftler sprechen von dem sogenannten "Leakage-Effekt": Sparen an der einen Stelle führt zu höherem Verbrauch an anderer Stelle. Aber wie stark schlägt der Effekt wirklich zu Buche? "Der Leakage-Effekt ist häufig berechnet worden", sagt zum Beispiel Ökonom Till Requate von der Universität Kiel. Er liege aber keinesfalls wie von Sinn behauptet bei 100 Prozent, sondern lediglich bei rund 60 Prozent: "Unsere Einsparungen werden also nicht vollends von den anderen aufgebraucht." Denn sollte der Ölpreis aufgrund sinkender Nachfrage tatsächlich immer weiter fallen, würden viele schwer zugängliche Lagerstätten gar nicht ausgebeutet, weil es sich nicht mehr rechnet. Auch der Ökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung glaubt, Sinn übertreibe beim Leakage-Effekt. Er liege deshalb auch falsch, wenn er fordert, nur wenn China und Indien beim CO2-Sparen, angeregt durch ein Emissionshandelssystem, mitmachen, brächte unsere Enthaltsamkeit wirklich etwas. Edenhofer: "Europa und die USA müssen schnell ein Klimaabkommen beschließen. Nach meinen Berechnungen würde es aber reichen, wenn China und Indien bis 2020 folgen."[...]" (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,587192,00.html) Nach Angaben der vom Spiegel zitierten Wissenschaftler ist es also tatsächlich so, dass die europäischen Klimaschutzmaßnahmen zum Teil durch Mehremissionen aus nichteuropäischen Ländern kompensiert werden. Jedoch liege dieser "Leakage-Effekt" nicht bei 100 Prozent. Dies deuten Sie aber mit der oben zitierten Äußerung, der Effekt der europäischen Klimaschutzmaßnahmen liege "bei null", an. Halten Sie Ihre These aufrecht? 2) Häufig argumentieren Sie auf Basis einer vom ifo-Institut erstellten Statistik zum Endenergieverbrauch in Deutschland, welche bspw. im ifo-Schnelldienst 10/2011 auf S. 16 einzusehen ist. Nach dieser Statistik macht der Stromverbrauch ca. 20 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Der Stromverbrauch wird in verschiedene Energieträger bzw. -quellen (z. B. Kernenergie oder Windstrom) aufgeschlüsselt. Den Löwenanteil des Endenergieverbrauchs machen jedoch die drei Posten Verkehr (26 Prozent), Raumwärme und Warmwasser (29 Prozent) sowie Prozesswärme (17 Prozent) aus, welche nach der Statistik vollumfänglich zu den fossilen Brennstoffen zählen. Was mich hierbei irritiert, ist, dass bei diesen Bereichen der Verwendungszweck der Energie (z. B. Verkehr), jedoch nicht der Energieträger (z. B. Benzin, also Erdöl) angegeben wird. Diese Methode erscheint mir fragwürdig, da der Energieverbrauch bspw. im Verkehr keineswegs nur durch fossile Brennstoffe gedeckt wird. Im Bereich des Schienenverkehrs wird der Energiebedarf fast vollständig durch elektrischen Strom gedeckt, welcher ja laut Ihrer Statistik nicht nur aus fossilen Quellen stammt. Ähnliches gilt meines Wissens nach auch für Warmwasser, welches z. B. auch über Sonnenwärme erwärmt wird. Wäre es nicht transparenter, die angesprochenen Bereiche ebenfalls nach Energieträgern aufzuschlüsseln? Oder beziehen sich z. B. die Verkehrsangaben nur auf die Verkehrsbereiche, deren Energiebedarf nicht durch elektrischen Strom abgedeckt wird? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Falls Sie zzt. verhindert sind, würde ich lieber warten, als dass Ihre Mitarbeiter die Fragen beantworten. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, zu Ihrer ersten Frage. Sie zitieren eine alte spontane Stellungnahme von Requate, die er gegenüber Journalisten gemacht hatte, bevor er überhaupt wusste, was das grüne Paradoxon ist oder mein Buch gelesen hatte. Mit Leakage, wie er es sah, nämlich der Verlagerung von Industrien hat das alles herzlich wenig zu tun. Und die Studien, die er zitiert, haben die Angebotsseite gar nicht modelliert. Also was folgt dann daraus? Nichts. Es gab zumindest zum Zeitpunkt als Requate sich äußerte, nicht eine einzige Studie, die die angebotsseitigen Effekte, die ich hergeleitet habe, empirisch untersucht haben. (Und auch danach ist mir nichts bekannt.) Der Effekt, den ich beschrieb, läuft über die Weltrohstoffmärkte und würde auch auftreten, wenn das Leakage über Produktionsverlagerung null wäre. Dass speziell die Einsparungen in Europa keine messbaren Wirkungen hatten, wird in einer kürzlich vom ifo veröffentlichten Studie nochmal belegt. Die Studie zeigt sehr deutlich, dass die Einsparanstrengungen der Kyoto-Länder vollständig durch gestiegene Importe von CO2 kompensiert wurden. D.h., dass der globale Effekt das Kyoto-Protokolls gleich Null war und sich der Carbon-Footprint der Kyoto-Teilnehmer nicht verändert hat. Die besagte Studie finden Sie unter dem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/Schnelldienst-2011-PDF/ifosd_2011_21_2.pdf. Das grüne Paradoxon, nach dem grünes Säbelrasseln die Extraktion fördert, kann man im Übrigen grundsätzlich wohl nicht in Frage stellen. Jedenfalls erklärt es, dass die fossilen Energien über drei Jahrzehnte relativ zu anderen Gütern nicht teurer geworden sind, was sie theoretisch hätten werden müssen, weil sie ja immer knapper werden. Edenhofer stellt das Grüne Paradoxon nicht in Frage, sondern betont im Gegenteil bei seinen Vorträgen, dass die angebotsseitigen Effekte, die ich in die Diskussion eingebracht hat, von großer Bedeutung sind und vorher eben nicht in den Modellen drin waren. Er ist nur etwas optimistischer, dass letztlich im Laufe langer Zeiträume Nachfragezurückhaltung durch Ersatztechnologien die Menge der abbaubaren Ressourcen verringert wird und dadurch ein Effekt zustande kommen kann. Diese Möglichkeit habe ich in meinem Buch ebenfalls betont, halte sie aber angesichts der großen Abstände zwischen Preis und Extraktionskosten für empirisch nicht sonderlich relevant. Gerade mit Edenhofer bin ich mir bei Analyse und politischer Schlussfolgerung im Kern vollkommen einig. Auch er hat mehrfach erklärt, dass die europäische Nachfragepolitik wirkungslos ist . Zu Ihrer zweiten Frage. Es gibt viele Gliederungsmöglichkeiten. Die Art der Darstellung im Schnelldienst wurde gewählt, um zu verdeutlichen, welchen Anteil der Verkehr am Verbrauch fossiler Energieträger hat. Dies ist insbesondere in Bezug auf das Ziel, den Verkehr in Zukunft immer stärker zu elektrifizieren, relevant, da entsprechende zusätzliche Kapazitäten der regenerativen Energieerzeugung geschaffen werden müssen, wenn dieser Strom nicht aus fossilen Quellen stammen soll. Die 26,1 %, die im Schnelldienstartikel angegeben sind, entsprechen dem Anteil des Endenergieverbrauchs durch den Verkehr, der aus fossilen Brennstoffen gedeckt wird. Schienenverkehr ist beim Strom dabei. Eine andere Systematik finden Sie in meinem Buch "Das grüne Paradoxon", das übrigens im Februar in dritter Auflage und jetzt gerade bei MIT Press auf Englisch erschienen ist. Da finden Sie die Diskussion der Fragen, die Sie interessieren. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie interessierten Bürgern die Möglichkeit einräumen, Fragen an Sie zu stellen. Ich habe Ihre Bücher "Ist Deutschland noch zu retten?", "Die Basarökonomie", "Das Grüne Paradoxon" sowie "Kasino-Kapitalismus" gelesen. Beim Lesen dieser Bücher stellten sich mir einige Fragen, welche ich nun gerne über dieses Forum an Sie richten würde. Zum Themenkomplex Lohnpolitik und Aktivierende Sozialhilfe wären dies folgende. 1) Sie argumentieren, die Lohnstückkosten seien aufgrund des Phänomens der Entlassungsproduktivität nicht aussagekräftig. Wenn eine überzogene Lohnerhöhung minder produktive Arbeitsplätze vernichte, senke dies die Lohnstückkosten, da die durchschnittliche Produktivität ansteige. Was ich dabei nicht verstehe: Minder produktive Arbeitsplätze sind ja i. d. R. Arbeitsplätze mit niedriger Entlohnung. Wenn nun eine überzogene Lohnerhöhung minder produktive Arbeitsplätze vernichtet, steigt doch sowohl die durchschnittliche Produktivität, als auch die durchschnittliche Entlohnung. Diese beiden Effekte müssten sich ausgleichen und die Lohnstückkosten, die ja als Verhältnis von Entlohnung und Produktivität definiert sind, müssten konstant bleiben. Was sagen Sie zu dieser Überlegung? 2)Im System der Aktivierenden Sozialhilfe sollen die Hinzuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose deutlich ausgeweitet werden. Ein Beispiel: Ein Hartz IV-Empfänger bekommt, wenn er einen Arbeitsplatz bei der Kommune hat, den heutigen Regelsatz von ca. 700 Euro inkl. Miete. Nun nimmt er einen Arbeitsplatz in der Privatwirtschaft für 400 Euro im Monat an. Nach Ihrem Modell hat er dann ein Gesamteinkommen von 1100 Euro. Was geschieht dann aber mit Arbeitsplätzen, bei denen ein Arbeitnehmer ohne staatliche Sozialleistungen 1100 Euro verdient? 3) An einem bestimmten Punkt kommt ein Arbeitnehmer doch auch im System der Aktivierenden Sozialhilfe in die Situation, dass sich Mehrarbeit nicht mehr lohnt. Denn auch in diesem System wird das Transfergeld ab einen bestimmten Einkommen gänzlich gestrichen. Wie wollen Sie verhindern, dass die Arbeitnehmer an diesem Punkt zur Teilzeitarbeit übergehen, weil sich Mehrarbeit nicht mehr lohnt? 4) Sie argumentieren, niedrigere Löhne steigerten die Investitionsgüternachfrage, da Investitionen durch niedrigere Löhne rentabler würden. Ist es nicht so, dass ein Unternehmer seine Investitionsentscheidung von zwei Faktoren abhängig macht: Erstens natürlich von der Rentabilität, aber eben auch von der Frage, ob er die mit der Investition erzeugten Güter auch absetzen kann. Investitionen dienen letztlich zusammen genommen der Produktion von Konsumgütern. Insofern ist eine ausreichende Nachfrage nach Konsumgütern notwendig, damit investiert wird. Und Nachfrage nach Konsumgütern kann wesentlich über Lohnerhöhungen generiert werden, da Arbeitnehmer einen höheren Anteil ihres Einkommens konsumieren als Unternehmer. Vorausgesetzt, dass mein Gedankengang richtig ist, ergibt sich also ein gewisser Wiederspruch: Die Löhne müssen hoch genug sein, damit die mit einer Investition produzierten Komsumgüter abgesetzt werden können, andererseits müssen sie hinreichend niedrig sein, sodass die Investition rentabel bleibt. Man kann sicherlich argumentieren, dass die notwendige Konsumgüternachfrage auch aus dem Ausland kommen kann, dies gilt dann jedoch nur für Unternehmen, die exportieren können. Gaststätten oder kleine Textilbetriebe investieren nur, wenn die Mahlzeiten bzw. die Textilien im Inland nachgefragt werden. Was halten Sie von meinem Gedankengang? 5) Richtet sich die Entlohnung in der Marktwirtschaft nach den Knappheitsverhältnissen oder nach der Arbeitsproduktivität eines Arbeitnehmers? Oder hängt beides zusammen? 6) Wie ist die Arbeitsproduktivität einer Sekretärin oder einer Putzfrau zu bestimmen? 7) Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen dem Lohn- und dem Preisniveau? Der Lohn eines Frisörs ist ja unmittelbar von der Zahlungskraft und damit auch von dem Lohn anderer Arbeitnehmer abhängig. Stimmt die Gleichung "Niedrige Löhne sorgen für niedrige Preise, und niedrige Preise generieren mehr Nachfrage", wenn zumindest die Konsumgüternachfrage (auf die ein Frisör ja angewiesen ist) über die niedrigeren Löhne sinkt? (Dieser Effekt kann zwar über die sinkenden Preise aufgefangen werden, jedoch ergibt sich unterm Strich keine Nachfrageerhöhung über den sinkenden Preis.) Dies ist eine Ansammlung von Fragen, die ich mir beim Lesen Ihrer Publikationen gestellt habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Zeit für eine Beantwortung fänden. Falls Sie zzt. verhindert sind, würde ich lieber warten, als das Ihre Mitarbeiter die Fragen beantworten. Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass das ifo Institut auf seiner Homepage weiteführende Literatur u.a. zu dem Thema "Aktivierende Sozialhilfe" anbietet, die Sie über folgenden Link beziehen können: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/niedriglohn#. Zu Ihrer 1. Frage: Die Lohnstückkosten messen, welche Lohnkosten bei der Erstellung der Produkte anfallen. Wenn die Produkte mit weniger Arbeisteinsatz erstellt werden, weil ein Teil der Mitarbeiter entlassen wird und die restlichen die Produktivität erhöhen, sinken die Lohnstückkosten. In der Regel steigt bei übermäßiger Lohnerhöhung der Kapitaleinsatz bei der Produktion und der Arbeitseinsatz sinkt. Zu Ihrer 2. Frage: Laut dem ifo Modell der aktivierenden Sozialhilfe werden auch bei einem Bruttoverdienst von 1100€ staatliche Leistungen bewilligt. Das Modell ist so konzipiert, dass man sich immer besser stellt, wenn man mehr arbeitet. Zu Ihrer 3. Frage: Wie eben bereits erwähnt, lohnt sich nach dem ifo Modell Mehrarbeit immer. Wenn jemand sich dafür entscheiden sollte von Vollzeitarbeit auf Teilzeitarbeit zu wechseln, wird sich für denjenigen das Nettoeinkommen in erheblichem Maße reduzieren. Zu Ihrer 4. Frage: Wenn Kosten sinken, werden Investitionen rentabler. Projekte die sich unter den bisherigen Bedingungen gerade nicht mehr lohnen, werden bei geringeren Kosten durchgeführt. Bezüglich der inländischen Konsumnachfrage ist gesamtwirtschaftlich die Lohnsumme eine wichtige Größe. Wenn zu höhe Löhne Arbeitslosigkeit generieren, ist die Summa aller Löhne und Gehälter oftmals geringer. Einfach mit höheren Löhnen Nachfrage zu erzeugen ist nicht möglich. Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. Zu Ihrer 5. Frage: Die wesentliche Größe für die Lohnbestimmung ist die Produktivität. Zu Ihrer 6. Frage: Ganz allgemein berechnet sich die Arbeitsproduktivität aus dem Quotienten von Produktionsmenge und Arbeitsvolumen. Die Problematik hier, auf die Sie hinauswollen, bezieht sich auf Dienstleistungen. Die Arbeitsproduktivität einer Sekretärin ist nicht davon abhängig, wie schnell sie gewisse Arbeiten verrichtet. Vielmehr ist das Resultat hier wichtig. Die gute Koordinierung von Terminen beispielsweise würde sich in einer erhöhten Produktivität ausdrücken. Zu Ihrer 7. Frage: Auch hier müssen Sie wieder beachten, dass wir uns nicht über höhere Löhne wie Münchhausen am Haarschopf aus dem Sumpf ziehen können. Übertrieben hohe Löhne verursachen Arbeitslosigkeit und die Lohnsumme sinkt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Prof. Sinn, nachstehend mein Statement, dass ich am 3.12.2011 an die Mitglieder unserer Interessengemeinschaft Zukunftsfähigkeit geschickt habe zur Kenntnis. Beste Grüsse, S. Hildebrandt Hallo an die Interessengemeinschaft, man muss es immer wiederholen und wo immer bekannt machen: Das jetzt laufende Vorspiel mit den Vertragsänderungen (die von der Politik wiederum mit einer alternativlosen Begründung gebrochen werden können) wird in den nächsten Wochen mit einem Feuer frei für den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) über die bisherige Summe von 200 Mrd. Euro hinaus enden. Das hierin liegende Inflationsrisiko wird von der Politik in Kauf genommen. Allein bis April 2012 werden Staatsanleihen von Frankreich, Italien und Spanien von 425 Mrd. Euro fällig, für deren Rückzahlung diese Länder neues Geld brauchen. Die EZB kauft Staatsanleihen, die mit dem Risiko belastet sind, dass sie nicht in voller Höhe zurückgezahlt werden können. Wenn dieses Risiko eintritt, wird die EZB einen Verlust erleiden. Deutschland ist mit 27,1 % an der EZB beteiligt. Über die hier liegende Gefahr für den Bundeshaushalt hüllt die Politik den Mantel des Schweigens. Wenn die EZB nicht zur "grössten Bad-Bank aller Zeiten" verkommen will, wird sie zur Abwendung des Vertrauensschadens eine Kapitalerhöhung beschliessen müssen. Die Rekapitalisierung muss dann durch die Bundesbank erfolgen und führt zu einer Verringerung der Gewinnauschüttung an den Bundeshaushalt. Wenn dies nicht ausreicht, wird die Bundesbank die Verlustabdeckung an den Bundeshaushalt weiterleiten. Ergebnis: Defizitwirksame Ausgabe aus dem Bundeshaushalt, Erhöhung der Neuverschuldung und der Gesamtverschuldung des Bundes. Das ist die Geburtsstunde der Transferzahlungen an die wirtschaftlich schwachen Euro-Länder. Beste Grüsse Siegfried Hildebrandt www.zeitbombe-staatsverschuldung.de www.vereinigtes-europa.info
Sehr geehrter Herr Hildebrandt, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich finde Ihr Engagement über die Gefahren der Staatsverschuldung und der Europäischen Schuldenkrise aufzuklären nach wie vor sehr ehrenwert. Ich kann Ihrer Empörung nur zustimmen. Wir müssen alles unternehmen, um zu verhindern, dass Europa eine Union wird, die die Schulden sozialisiert. Ich wünsche Ihnen für Ihre Initiative weiterhin viel Erfolg! Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich möchte die Einführung von "selbst-stabilisierenden" Anleihen vorschlagen. Sie funktionieren wie Vorzugsaktien und enthalten eine Kombination von: - einem akzeptablen "BasisZins" (bspw. Italien 4,5 %), - dem "Stabilitätsversprechen", dass sich die öffentliche Verschuldung während der Laufzeit (bspw. 5 Jahre) auf einem bestimmten Konsolidierungspfad bewegt (Defizit bspw. im ersten Jahr 4%, im zweiten Jahr 3,5%, ... im letzten Jahr 1,5%) der u.U. noch einen Inflationsfaktor enthält (d.h. bei bspw. über 3 % Preissteigerung kann die Verschuldung entsprechend höher sein) und - einer variablen Kompensationszahlung in Form eines "Ausgleichszinses" für den Fall, dass das - bspw. vom IWF zu überprüfende - Stabilitätsversprechen nicht eingehalten wird (in Höhe von bspw. dem Dreifachen der Differenz zwischen dem Soll-Defizit laut Stabilitätsversprechen und Ist-Defizit laut IWF), zu einem festzusetzenden Stichtag. Liegt das Defizit bspw. im zweiten Jahr bei 5% der im Stabilitätsversprechen zugesagten 3,5% so beträgt der zu zahlende Zinssatz 4,5% + 3 x 1,5% = 9%. Der Sinn der Regel ist, dass die Investoren davon überzeugt werden, dass das anleihebegebende Land aus elementarem Eigeninteresse sein Stabilitätsversprechen einhalten muss. Natürlich kann die Handelbarkeit solcher Aktien erschwert sein, weil der Zinssatz lange ungewiss ist. Aber das ist ähnlich wie bei der Dividende. Ich denke, der Markt wird das einschätzen können. Mit besten Grüßen von Eichborn
Sehr geehrter Herr von Eichborn, toller Vorschlag. Fast eine Art „Ei des Kolumbus“! Haben Sie vielen Dank für die Idee einer "selbst-stabilisierenden Anleihe". Zusammen mit meinen Kollegen der European Advisory Group habe ich ebenfalls einen Vorschlag vorgelegt. Sie können ihn unter http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport nachlesen. Aber die Vorschläge stehen nicht im Widerspruch zueinander. Sie sollten Ihre Ideen in Form eines längeren Textes aufschreiben. Ich kann mir vorstellen, dass Frau Dr. Jennewein für den ifo Schnelldienst Interesse daran hätte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des Beitrags vom 16.11. von Herrn Baumann) Sehr geehrter Herr Sinn, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Ich habe mich falsch ausgedrueckt, oder mir fehlt Grundlegendes. Nicht Privatkredite meinte ich sondern Kredite, die der Staat aufnimmt zur Bedienung der Staatsschulden, Staatsanleihen. Nach meinem Wissen muss etwa Italien fuer Staatsanleihen zwischen 5 und 8% Zinsen zahlen. Target-Kredite sind - so vermute ich - erheblich billiger. Warum nimmt Italien seine Staatsanleihen nicht als Target-Kredite auf? Dito fuer Griechenland, Irland, Spanien, Portugal. MfG Tilo Baumann, PS: Im Falle grundlegenden Unverstaendnisses bin ich fuer einen Link auf Erhellendes in Ihren Seiten oder denen Anderer dankbar.
Sehr geehrter Herr Baumann, hinter den Target-Krediten steht keine autonome Politikentscheidung der Bundesbank und kein direkter Geldverleih. Nach den Statuten der EZB hat jede Zentralbank das Recht, mehr Geld in ihrem Hoheitsgebiet zu schaffen und an die Banken zu verleihen, als es der jeweiligen Wirtschaftsleistung entspricht und als im Inneren des Landes für die Geldversorgung benötigt wird. Nimmt sie dieses Recht in Anspruch, zwingt sie die anderen Notenbanken, in diesem Fall vornehmlich die Bundesbank, die Geldversorgung einzuschränken. Dafür erhält die Bundesbank eine Kreditforderung gegen die EZB, und die EZB entsprechend eine gegen die jeweilige nationale Notenbank, die das zusätzliche Geld schafft. Es handelt sich wirtschaftlich um eine Kreditvergabe der Bundesbank über die EZB an die anderen Notenbanken, und unter Berücksichtigung der Eigentümerstruktur der nationalen Notenbanken letztlich um einen Staatskredit Deutschlands an die Krisenländer. Der Kredit dient einerseits dazu, die enormen Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer weiter zu finanzieren, obwohl sich das private Kapital verweigert, und andererseits der Kompensation von Kapitalflucht und Kapitalrepatriierung aus diesen Ländern. Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target. Staatsanleihen kommen hier insofern ins Spiel, da die Banken häufig Staatsanleihen des eigenen Landes als Sicherheiten für die Target-Kredite hinterlegen. Die EZB hat diese Politik möglich gemacht, weil sie die Sicherheitsanforderungen an die Papiere, die sie akzeptiert mehrfach heruntergeschraubt hat. Einen direkten Zugriff auf Target hat der Staat aber nicht. Es ist immer der Umweg über die Banken notwendig. In der öffentlichen Diskussion wird daher von diesen Ländern oftmals gefordert, dass die EZB direkt und nahezu unbegrenzt (momentan sind die Summen begrenzt) Staatsanleihen aufkauft. Damit überzieht sie aber aus meiner Sicht ihr Mandat bei weitem. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre jahrelange aufklärerische Arbeit danke ich Ihnen ganz herzlich. Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ sollte zur Pflichtlektüre/-studium werden, um den meist dogmenbehafteten Politikern und Journalisten die Gesetze der Volkswirtschaft und ihre Komplexität nahe zu bringen. Eine ehrlich Diskussion, die bei jedem überschuldeten oder hochverschuldeten Unternehmen sofort geführt wird, über „Wo und bei wem ist das Geld geblieben?“, ist durch unsere intransparente Haushaltsaufstellung leider nicht gegeben und wahrscheinlich nicht gewünscht. Seit meinem Geburtsjahr 1969 wurden von den deutschen Regierungen, egal welchem Colour, Schulden gemacht und nicht einen Euro getilgt! Keine politische Partei und gesellschaftliche Gruppe kann sich da rausnehmen! Alle haben (wieder Mal) mitgemacht! Ansätze zur Reduzierung der Neuverschuldung oder die „gefeierte“ Schuldenbremse von Bund und Ländern sind nett, aber bei einer Staatsverschuldung von über 80 % bei den vorgegebenen Maastricht-Kriterien von 60 % mindestens widersprüchlich oder realitätsfern. Minister Schäuble hat in der letzten Woche von einer Ausgliederung der Schulden bis zur Maastricht-Kriteriengrenze gesprochen und den Abbau der Differenz von mehr als 20% über die nächsten 20 Jahre als eine Lösung vorgelegt aber dies natürlich nur im europäischen Gesamtkontext. Meine Fragen an Sie: Wie müsste aus Ihrer Sichtweise ein realistisches Schuldenabbauszenario aussehen und welche volkswirtschaftlichen und politischen Maßnahmen müssten erfolgen, um Deutschland, egal ob mit oder ohne Euro, noch zu retten? Ich freue mich über Ihre Sichtweise und Danke im Namen meiner Generation und der Generation Ihrer Enkel. Hochachtungsvoll Alexander Amin
Sehr geehrter Herr Amin, haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihre Unterstützung! Idealerweise hätte die „3%-Grenze“ des Stabilitäts- und Wachstumspaktes ausreichen müssen, um für die notwendige Schuldendisziplin im Euroraum zu sorgen. Zumindest hätte sie zusammen mit dem Kriterium von Staatsschulden in Höhe von maximal 60% des BIP zu einer Stabilisierung geführt. Aber der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde wohl nie wirklich ernst genommen. Nur die Disziplinierung durch die Märkte hat schließlich funktioniert. Zwar haben die Märkte den schädlichen Entwicklungen in Europa zu spät und zu plötzlich Einhalt geboten, doch immerhin haben sie reagiert. Von daher glaube ich, dass ein Steuerungsmechanismus zur Disziplinierung der Länder nicht ohne die Disziplinierungswirkung der Märkte auskommen kann, weil die Politik nie die Kraft aufbringen wird, sich selbst den Geldhahn abzudrehen. Darüber hinaus sollten, in einem begrenzten Umfang, Absicherungen für Investoren, die staatliche Wertpapiere kaufen, bereitgestellt werden. Dadurch kann im Fall einer Krise Panik, die zu immer weiter wachsenden Zinsaufschlägen und einer Finanzblockade führen könnte, vermieden werden. Ziel muss ein System sein, das vor Zahlungsunfähigkeit schützt, aber keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt darstellt. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Prozedur entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Auf Deutschland bezogen: Ich bin froh, dass es die vorige Bundesregierung geschafft hat, die Schuldenbremse ins Grundgesetz aufzunehmen. Das war ein großer Erfolg. Alles wird freilich zunichte gemacht, wenn wir nun den unermesslich großen Rettungspaketen zustimmen, die die EU von uns will. Hier liegt derzeit die wichtigste Front im Kampf gegen die Überschuldung. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft & Geduld bei dem unermüdlichen Einsatz für die dt. Volkswirtschaft & für die Bildung der Bevölkerung in ökonomischen Grundzusammenhängen. Bitte vergessen Sie dabei nicht auf Ihre eigene Gesundheit zu achten. Ich brauch Ihnen ja nichts zum Thema "abnehmender Grenznutzen" zu sagen... Zu den Target2-Salden verstehe ich die entspannte Haltung in den Chefsesseln der Zentralbanken nicht. Wenn eine Privatbank einem Kunden einen hohen Dispokredit einräumt, dann bleibt die Bank auch darauf sitzen, wenn der Kunde sich mit dem Geld aus dem Staub macht. Ähnlich dürfte es auch laufen, wenn die Bundesbank auf ihren Salden sitzen bleibt. Nur der Saldo wäre schmerzhafter. Zudem beunruhigt mich, dass sowohl EZB als auch Bundesbank, ihre Vorstandsmitglieder fast ausschließlich aus politischen Reihen rekrutieren. Hier kann doch nicht im Ernst von einer unabhängigen Zentralbank die Rede sein???Herr Weidmann hat sicherlich bei Manfred J.M. Neumann eine exzellente Ausbildung genossen. Aber Herr Assmussen ist ja wohl ein echter Schuss in den Ofen...seine ökonomische Brillianz habe ich noch nicht entdeckt. Und auch nie etwas davon gehört, dass er etwas von Geldpolitik verstünde. Otmar Issing ist - ob seines möglichen "unökonomischen" Nachfolgers - nur zu bedauern. Und als sei das alles noch nicht genug, wird fast unbemerkt der Mindestlohn in Dtl. etabliert. Erst wenn die Arbeitslosenzahlen wieder Richtung 4 Mio marschieren, wird man merken, dass man ihn doch nicht hätte einführen sollen. Aber auch dann wird die Politik wieder Ausreden finden, um die eigenen Fehler zu vertuschen & das Wahlvolk zu blenden. Es ist eine Farce... Nebenbei: Sie empfehlen immerwieder in Sachwerte, u.a. Immobilien, zu investieren. Meines Erachtens entsteht in Dtl. aber aktuell eine Immobilienblase. Wenn zuviel Menschen in eine Richtung laufen, hat das bisher immer zu einer Katastrophe geführt. Ein breit aufgestelltes Portfolio von Tagesgeld/Festgeld über Fonds, Aktien, Gold und evtl. Immobilien erscheint hier vielleicht doch die bessere Alternative zu sein?? Naja und die Beispiele in Griechenland und Spanien zeigen, dass Immobilien auch sehr gut zum Vernichten von Vermögen geeignet sind. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei ... Beste Grüße aus Franken S.T.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Unterstützung und Anteilnahme. Sie sprechen in der Tat viele besorgniserregende Ereignisse an, die auch mich umtreiben. Aus genau diesem Grund habe ich einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Ich empfehle Ihnen den Brief zu lesen (http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-wiwo-28-11-11.htm). Zu Ihrer Frage über Geldanlagen will ich nicht wirklich widersprechen. Nur dauert eine Immobilienblase zehn Jahre oder länger, bis sie platzt, und vorläufig platzt nichts. Die Preise sind im internationalen Vergleich zu niedrig. Erst wenn sie über das Niveau anderer Länder hinaussteigen, würde ich ein Problem sehen. Bedenken Sie, dass wir viele Jahre mit sinkenden Immobilienpreisen hatten. Die Sache normalisiert sich. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Beiträge zu den Target-Salden habe ich fortlaufend mit großem Interesse verfolgt, so auch Ihren heutigen Beitrag in MMnews. Zur Kontrolle, ob ich die Problematik richtig verstanden habe, möchte ich Sie fragen: Kann man, vielleicht etwas verkürzt, sagen, dass wir über die Targetsalden, also die letztendlich wohl wertlosen Forderungen der BBK gegen die EZB, gleichsam die Kaufpreise für die aus DL in die Eurozone exportierten Waren selbst bezahlen? Herzlichen Dank, schon jetzt für die erbetene Antwort. Mit freundlichen Grüßen AD
Sehr geehrter Herr A., Sie haben mit Ihrer Frage den Nagel auf den Kopf getroffen! Während die Notenbanken der Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (GIPS) sowie neuerdings auch Italien weit über den Bedarf ihrer Länder hinaus Geld drucken und an ihre Bürger verleihen, die damit Güter oder Vermögensobjekte im Rest des Euro-Systems erwerben, zieht die Bundesbank ihren Refinanzierungskredit und das von ihr geschöpfte Geld wieder ein. Refinanzierungskredit wird von Deutschland in die GIIPS-Länder (Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien) verlagert. Die Bundesbank baut dafür Target-Forderungen auf. Doch was erhält sie gegen diese Forderungen, wenn andere Staaten pleite gehen? Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, einen "Methodenstreit in der VWL" gibt es solange, wie man sich der sinnfreien Aufgabe widmet, etwas "regeln" zu wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz - sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten) befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt. Die einzige Möglichkeit, die "Finanzkrise" (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) zu überwinden, ist eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform. Alles, was dagegen eingewendet werden kann, sind mehr oder weniger naive Vorurteile und Denkfehler. Ich nehme an, zu diesem Ergebnis sind Sie mittlerweile selbst gekommen, auch wenn Sie es (noch) nicht öffentlich zugeben wollen. Mit freundlichem Gruß Stefan Wehmeier
Sehr geehrter Herr Wehmeier, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, folgende Idee: Italien und Frankreich besitzen Goldreserven im Wert von je 100Mrd €. Würden die Staaten diese Goldreserven dazu verwendet, hiermit ihre Bonds mit 20% direkt und vorranging zu besichern, hätte man die Wirkung des Rettungsschirms: Jedes dieser Länder könnte dann - die Wahl treffen zwischen a) hohen Renditen oder b) niedrigere Renditen durch teilweise Goldbesicherung - bei 20% könnten jeweils Bonds von 500Mrd € besichert werden, - Kein Länd würde sein Gold verlieren, es dient lediglich als Sicherheit - der Reformdruck bliebe bestehen. - Mechanismus ist direkt von den Nationalstaten schnell implementierbar
Sehr geehrter Herr K., vielen Dank für Ihre Idee. Das Problem ist jedoch, dass der Schuldenstand der besagten Länder den Wert der Goldreserven bei weitem übersteigt. Frankreich weist 2010 Staatsschulden in Höhe von 1591 Mrd. Euro auf, allein der Schuldenzuwachs betrug 2010 98,5 Mrd. Euro. Ähnlich verhält es sich mit Italien (Schuldenstand 2010: 1843 Mrd. Euro; Schuldenzuwachs: 79,1 Mrd. Euro). D.h. also, dass die Dimension der Goldreserven von etwa 100 Mrd. Euro je Land gemessen anhand des Schuldenstands der Länder zu gering ist. Aber die Länder haben allesamt noch andere Sicherheiten, die sie einsetzen können. Es wäre vollkommen richtig, diesen Weg zu gehen, wenn einem die Zinsen zu hoch sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren, anbei senden wir Ihnen unser Schreiben zu o.g. Betreff mit den darin genannten anlagen bzw. den zugehörigen Links (s.u.) mit der Bitte um aufmerksame Durchsicht. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/57688_Milliardaere-wollen-nic ht-helfen.html http://wko.at/statistik/eu/wp-griechenland.pdf http://www.numbeo.com/cost-of-living/country_result.jsp?country=Greece Mit freundlichen Grüßen Friedrich Humbeck Entschuldung Griechenlands Sehr geehrte Damen und Herren, wir lesen dieser Tage viel vom Versagen des Euros, der europäischen Gemeinschaft, der Politik, von den bösen Griechen und den strengen Deutschen. Über das Versagen der vierten Gewalt im Staat lesen wir nichts. Jeder Journalist, der Griechenland besucht, müsste feststellen, dass die Benzinpreise, Nahrungsmittelpreise, Stromkosten – also die „Preise des täglichen Bedarfs“ bis zu 30% höher liegen als in Deutschland. Gleichzeitig lesen wir vom Druck auf die Bevölkerung, Gehaltskürzungen, Pensionskürzungen usw. hinzunehmen. Wir sollen die Einkommen gekürzt werden können, wenn diese Ausgaben für den „täglichen Bedarf“ unverändert hoch sind?? Warum stellt sich keiner der Journalisten die Frage, welche exorbitanten Unternehmensgewinne zwangsläufig entstehen müssen, wenn die Gehälter niedrig sind, keine Steuern und Abgaben bezahlt werden und die Preise 30% über dem europäischen Durchschnitt liegen. Wenn dieses Problem die Politik nicht erkennt, warum sind die Journalisten, die dieses Land bereisen, nicht in der Lage dieses Problem anzusprechen. Tatsächlich liegt hier ein totales Versagen der vierten Gewalt (Presse) vor. Griechenland mit 11 Mio. Einwohnern (= ehemalige DDR) wird von ca. 10 Oligarchen-Familien beherrscht. Sie beherrschten und beherrschen immer noch eisern die Kernindustrie des Landes, wie z.B. Energie, Strom, Fährverbindungen, Bau und Bankwesen. Die Bevölkerung wäre absolut willens zu sparen. Sie kann aber nicht, da die „Preise des täglichen Bedarfs“ wie Strom, Benzin, Maut, Nahrungsmittel etc. nicht ebenfalls sinken. Diese Preise werden von den Oligarchen vorgegeben. Deutschland hat es vorgemacht. Die Löhne mussten nicht steigen, obwohl sie real sanken, weil die „Preise des täglichen Bedarfs“ stabil niedrig blieben. Die Preise des „täglichen Bedarfs“ blieben niedrig aufgrund der Einführung der Deregulierungsbehörden, Auflösung der Deutschland AG, Ausschreibung aller staatlicher Leistungen von Bau- bis Dienstleistungen, Wettbewerb in den Leitungsnetzen und vieles mehr. Ganz nach dem Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ In Griechenland war dies die letzten zehn Jahre komplett anders. Hier sind die Gehälter und die „Preise des täglichen Bedarfs“ gleichzeitig exorbitant gestiegen. Doch wem hat dies genutzt. – den Oligarchen. Griechenland ist seit über zehn Jahren Mitglied der Europäischen Union, hat aber bis heute keinen freien Wettbewerb eingeführt, da die Oligarchen dies verhindern und so die Preise steigen. Dabei ist nicht allein der Wettbewerb der Berufsstände gemeint, das ist nur Ablenkung, sondern insbesondere der Wettbewerb auf dem Energiesektor, Fähr- bzw. Flugverbindungen etc.. Erst wenn man diese zehn Oligarchen entmachtet, einen Wettbewerb einführt, die „Preise des täglichen Bedarfs“ sinken, können auch die Löhne sinken und die Bevölkerung wird sich beruhigen und den Sparkurs mittragen. Es liegt an den führenden Köpfen Europas, dies der herrschenden Klasse der Oligarchen in Griechenland nahezubringen. Wir haben dies in unserem Schreiben vom 31. März 2011 bzw. 11. Mai 2011 aufgezeigt (Anlage). Die Oligarchen benutzen die Bevölkerung als Faustpfand um die Europäische Union zu erpressen und zu plündern. Ohne einen freien Wettbewerb und einer entsprechenden internationalen Konkurrenz im Lande selbst sinken die Preise niemals!! Aufgeschlüsselt nach Branchen stehen folgende Oligarchen im Brennpunkt: Banken: - Familie Latsis EFG Bank, Euro Bank - Familie Vardinogiannis Piräus Bank - Familie Costopoulos Alpha Bank Sie sind die Geldbeschaffer des griechischen Staates. die das internationale Geld einwerben und international strukturieren und sie dem griechischen Staat zur Verfügung stellen. Fähren: - Familie Panagopoulos Attika Group, wozu - Superfast Ferries - Minoan Line - Starmarine gehört - Familie Vardinogiannis, - Sea Star capital - ANEK Line - Hellenic Seaways darüber Aktionär bei Attika Group Die Fährverbindungen sind das Nadelöhr über das jede Art von Waren läuft. Ohne Wettbewerb diktieren die Familien die Preise. Nahrungsmittel: - Familie Lerentis Getränkeabfüllanlagen Stromversorgung: - Familie Vardinogiannis, - Cyclos Hellas - zweitgrößte Ölraffinerie - Motoroilcompany - Avin - Familie Latsis = Hellenic Petroleum - Familie Mytilineos ENEL, ENDESA Trotz vermeintlicher Windkraft und Sonnenenergie werden 90% des Stroms mit Dieselkraftwerken erzeugt, 10% durch Windkraft und Solar, Atomkraft und Wasserkraftwerke existieren in Griechenland naturgemäß nicht. Diese Dieselkraftwerke gehören den Familien, die staatliche Energieversorgungsgesellschaft PPC kauft diesen Familien den Strom ab für teilweise 20 EUR/kWh um es dann zu staatlich subventionierten Preisen den Endverbrauchern zur Verfügung zu stellen. Stromgewinnung über Dieselkraft ist die teuerste Energiegewinnung, die man sich vorstellen kann. Dies ist mit einer der Hauptgründe, warum keine Photovoltaikanlagen genehmigt werden. Darüberhinaus verdienen diese Familien nicht unerheblich über ihre weit verzweigten Tankstellennetze, bei denen es auch keine internationale Konkurrenz gibt und insbesondere die Bauern darunter leiden. Bau: - Familie Angeloupoulos - Familie Canellopoulos/Papalexopoulos Titan Cement Group Frau Gianna Angeloupoulos-Daskalaki war Chefin des Athener Olympischen Organisationskomitee ATHOC. Die Bauarbeiten stoppten 2002/03. Die Olympiade drohte zu scheitern bis Frau Angeloupoulos vom damaligen Kulturminister installiert wurde und anschließend ohne Ausschreibung und Wettbewerb an den Mann von Frau Angeloupoulos Herrn Theodore Angeloupoulos die gesamten Bauarbeiten vergeben wurden. Der damalige Kulturminister war Angelos Venizelos, derselbe der heute Finanzminister ist und nicht in der Lage ist Wettbewerb und Steuern einzuführen. Warum erkennt niemand diese Zusammenhänge? Venizelos ist der Pate der Oligarchen, der diese schützt und jegliche „Änderungen“ aussitzt. Diese sind zu trennen von den von den international tätigen Miliardären die mit Tankern und Frachtern gigantische Vermögen international aufgebaut haben, wie z.B. Niarchos, Onassis, Maritnos etc. und in ganz anderen Sphären leben. In der internationalen Presse wird zwischenzeitlich darüber munter berichtet (Anlage). - Warum nicht in Deutschland? Mit freundlichen Grüßen Friedrich Humbeck
Sehr geehrter Herr Humbeck, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der durchaus interessanten Dokumente. Anhand der Dokumente ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit der derzeitigen Situation Griechenlands auseinander setzen. Ich freue mich über Ihr Engagement. Sie führen verschiedene Beispiele für ineffiziente Maßnahmen auf und prangern diese Missstände zu Recht an. Die Korruption muss beispielsweise bekämpft werden. Aber die Probleme gehen noch tiefer. Griechenland weist zwei große Defizite auf: Zum einen erhöhen sich die Staatsschulden fortlaufend, zum anderen ist Griechenland nicht wettbewerbsfähig. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Autoren, die Herren Dr. Clement und Dr. Merz, des im Betreff genannten Buches! Sehr geehrte Frau Dr. Weidenfeld! Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn! Der gelungen und auch erfrischend formulierte Inhalt ihres Buches, indem sowohl politische- als auch wirtschaftliche und auch noch technologisch erforderliche Reformschritte eingemahnt werden, hat mir nicht nur sehr gut gefallen, sondern auch motiviert dieses Schreiben zu verfassen. Des weiteren wurden mir im Rahmen der Fachmesse iENA in Nürnberg auch die Namen von Frau Dr. Weidenfeld und Herrn Prof. Dr. Sinn, als Persönlichkeiten von besonderer Fachkompetenz und Sensibilität für mein Anliegen, zur Kontaktierung empfohlen. Dieses Schreiben verfasse ich an sie alle gemeinsam, da es einerseits im Zusammenhang mit dem im Betreff genannten Buch und andererseits mit doch gleichen Interessen für längst überfällige und technologische Reformschritte eine gemeinsames Zielsetzung gibt, wobei ich dazu ich einen Vorschlag unterbreiten möchte. Gegen Ende Oktober 2011 war ich als Aussteller bei der iENA 2011 in Nürnberg gewesen und habe dort meine Erfindung (Patent) präsentiert. Meine Erfindung befasst sich grundsätzlich mit dem Thema der Elektromobilität. Jedoch nicht in dem bereits allseits bekannten kleinen Segment von Citycars. Für mich stehen damit einige wesentliche Grundprinzipien zur Verbesserung der Effizienz und Praxistauglichkeit im Vordergrund wie: • Die Elektromobilität darf nicht nur auf den Bereich von PKW beschränkt bleiben bzw gesehen werden. • Nicht nur Kleinwagen, sondern auch Limousinen wie z.B. AUDI A8, BMW 7-ner oder MERCEDES-BENZ S-Klasse sind dabei mit einzubeziehen. • Der Transitanteil des Schwerverkehrs wie z.B. LKW, BUS, LKW + Anhänger, LKW + Sattelaufleger, müssen dabei mit einbezogen werden. • Auch der Formel-Rennsport wie z.B. Formel-Ford wäre dazu gut geeignet, um die Entwicklung bis zur Serienreife über den Rennsport voran treiben zu können. • Damit kann eine erhebliche Verbesserung des Wirkungsgrades (zur Schonung der Ressourcen) erzielt werden. • Die Energieaufnahme in ausreichend großer Energiedichte, beim Betrieb im hochrangigen Straßennetz, auch während der Fahrt erfolgen kann. • Die bisher unzureichende Reichweite der Elektromobilität kann damit erheblich verbessert werden. • Dies alles unter dem Gesichtspunkt, nicht in Konkurrenz zu bestehenden Herstellern und Vertreibern in der Automobilbranche zu stehen, sondern diesen eine Ergänzung zu bereits bestehenden Entwicklungen der Elektromobilität – Energieübergabe während der Fahrt - zur Verfügung zu stellen. Diese Erfindung (europäisches Patentamt in Den Haag) habe ich bei der iENA 2011 in Nürnberg anhand eines Modells im M 1:10 präsentiert. Sämtliche Aussteller bei der iENA wurden von einer Fachjury bezüglich Potential der Innovation geprüft und bewertet. Diese Bewertung hat mir bezüglich Neuheit und Innovation zur Erlangung einer Goldmedaille verholfen. In der Anlage übermittle ich einige Bilder der iENA 2011 in Nürnberg sowie auch die Grundprinzipien und die Wirkungsgradgegenüberstellung meiner Erfindung zum Verbrennungsmotor. Mein Ersuchen ist, sofern Interesse an Detailinformationen bestehen sollte, mir die Möglichkeit zu geben diese Erfindung einem spezifischen Kreis von Fachpersonen vorstellen zu dürfen. Mir ist aber auch bewusst, dass es letztendlich immer eine politische Entscheidung sein wird, die einer technischen Innovation zu Durchbruch verhelfen kann, aber vielleicht könnte das ein erster Schritt dazu sein. Mit besten Dank für ihre Mühe und dem Hoffen auf Antwort verbleibe ich, mit freundlichen Grüßen Ing. Wittmann Johannes
Sehr geehrter Herr Wittmann, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der Dokumente. Mutige Ideen sind immer gefragt. Insofern bin ich froh, dass es Erfinder wie Sie gibt. Allerdings scheint es mir sehr ambitioniert, wenn Sie für Ihre Elektroautos die dafür notwendige Energie aus Wind- und Sonnenstrom speisen. Vor allem in Hinblick darauf, dass der Verkehr etwa 26,1% der Endenergie verbraucht. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung und Verständnis verfolge ich Ihre Aussagen und Statements in der gegenwärtigen europäischen Finanzkrise. Bitte unterstützen Sie in weiteren Aussagen unsere Bundeskanzlerin und unsere Bundespolitiker, dass ihre ablehnende Haltung zu EUROBONDS das Gebot der Stunde ist. Ohne weitere europäische Vertragsformen würden derartige Bonds nur inaktiven Euro-Staaten helfen. Und wer haftet dafür? Letztendlich würde die Hauptlast bei Deutschland liegen, da viele europäische Staaten selbst keine Kreditwürdigkeit mehr haben. Man kann doch fast sagen, dass EUROBONDS zum großteil Bonds sind, für die wir fast alleine haften…. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch diesen gefährlichen Aspekt der jetzigen Situation öffentlich vertreten würden. Hochachtungsvoll Erhard Schreiber, Burgwedel.
Sehr geehrter Herr Schreiber, vielen Dank für den Rückhalt. Ich kämpfe. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie mir bitte, dass ich mich auf diesem Wege an Sie wende. Ich beschäftige mich derzeit mit dem möglichen Bruch der Eurozone. Dabei scheint mir das Target2 System der zentrale Punkt zu sein, welcher über das weitere Schicksal von Deutschland entscheiden dürfte. Gerne würde ich Ihre Expertenmeinung hören zu folgenden Fragen: - Was genau sind diese €400 Mrd., welche die Bundesbank im Rahmen des Target2 Systems (indirekt) an anderen Euro-Zentralbanken verliehen hat? - Sind das Forderungen der BuBa gegenüber der EZB und somit wiederum Forderungen der EZB gegenüber den Peripherie-Zentralbanken? - Also wenn jetzt Griechenland und Irland aus dem Eurosystem austreten müssen, muss dann in einem ersten Schritt die ECB diese Abschreibungen vornehmen? Und kann die ECB diese Abschreibungen 1:1 an die BuBa „weitergeben“? Oder wie sieht das buchhalterisch genau aus? Über eine Antwort Ihrerseits wäre ich Ihnen äußerst dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Christian Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, bei den deutschen Target-Krediten handelt es sich in einem ersten Schritt um Forderungen, die die Bundesbank gegenüber dem sogenannten Eurosystem hat. Das Eurosystem besteht aus allen Eurostaaten. Aber wie soll die Bundesbank das Geld zurückerhalten, wenn andere Staaten nicht mehr zahlungsfähig sind oder wenn der Euro auseinander bricht? Der prozentuale Anteil mit dem Deutschland am gesamten Eurosystem beteiligt ist, beläuft sich auf 27,0647% (Stand Januar 2011). Wenn alle GIIPS Länder ausfallen, ist die Summe, für die Deutschland gerade stehen muss, derzeit 582 Mrd. Euro. Die Target-Kreditvergabe zwischen den europäischen Zentralbanken spielte bis zum Jahr 2007 praktisch keine Rolle, erhöhte sich jedoch in der Finanzkrise dramatisch. Im Juni 2011 lag die Target-Schuld der GIPS-Notenbanken bei 327 Milliarden Euro, und ähnlich groß war die Forderung der Bundesbank. Alle Zahlen schießen am aktuellen Rand aber nach oben. Mittlerweile sind 450 Milliarden Euro an Target-Forderungen bei der Bundesbank aufgelaufen, davon allein 106 Milliarden Euro im August und September. Das ist der größte Posten in der Bundesbankbilanz, ein erheblicher Anteil des Auslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland und doppelt so viel Rettungsgeld, wie die Bundesrepublik allein über den EFSF bereitstellen soll. Mit den Target-Krediten werden die Lücken der Zahlungsbilanzen der GIPS-Länder finanziert. Ein Zahlungsbilanzlücke ist, grob gesprochen, jener Teil des Importüberhangs über die Exporte (im Sinne der Leistungsbilanz), der nicht durch eine Kreditaufnahme im Ausland, sondern durch frisch gedrucktes Geld finanziert wird. Theoretisch kann man ihn auch noch durch den Abbau von schon vorhandenen Geld- und Devisenbeständen finanzieren, aber das spielte faktisch keine Rolle. Die GIPS-Länder konnten ihr Zahlungsbilanzdefizit mit der Druckerpresse schließen, weil es keine länderspezifischen Kontingente für die europäische Geldversorgung gibt und der Zentralbankrat den Verleih von Zentralbankgeld durch die fortwährende Absenkung der Sicherungsanforderungen erleichtert hatte. In Portugal und Griechenland wurde rechnerisch in den letzten drei Jahren der gesamte Importüberhang so finanziert, in Spanien nur etwa ein Viertel. In Irland wurde der Importüberhang und zusätzlich noch eine gewaltige Kapitalflucht finanziert. Das viele Zusatzgeld, das wegen der automatischen, unbegrenzten Kreditvergabe zwischen den Zentralbanken gedruckt werden konnte, ersetzte das Geld, das man sich früher privat im Ausland geliehen hatte, und floss wie dieses Geld für die Bezahlung von Rechnungen wieder dorthin zurück. Es verdrängte dort den Notenbankkredit, über den Geld normalerweise geschaffen wird, eins zu eins. Wenn nun ein Staat Pleite geht, sind die Sicherheiten der Banken auch zumeist nichts mehr wert, und das EZB-System bleibt auf seinen Target-Forderungen sitzen. Dann müssen sich alle übrigen Länder die Lasten teilen. Wenn der Euro untergeht, muss die Bundesbank vermutlich die gesamten Target-Forderungen, die sie hat, abschreiben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich möchte mich mit zwei Fragen zur Krise in Europa an Sie wenden: 1. In Ihren Veröffentlichungen legen Sie überzeugend dar, dass sich in der Euro-Zone inzwischen eine ausgewachsene Zahlungsbilanzkrise entwickelt hat. Derzeit finanzieren eine Reihe von Ländern ihre Leistungsbilanzdefizite nicht durch privates Kapital, sondern über Target2 sowie diverse Rettungspakete. Eine wirkliche Lösung der Krise in Europa ist nur dann möglich, wenn die Zahlungsbilanzen wieder auf normalem Wege ausgeglichen werden. Sie schlagen dazu einen Mechanismus vor, der die Kapitalströme „langsam zudreht“. Die Politik scheint sich dieser Erkenntnis jedoch zu verweigern. Dies könnte auch erklären, warum die Politik mit den Rettungspaketen zwar immer wieder „Zeit kauft“, diese dann aber nicht nutzt. Nach meinem Eindruck steuern wir deshalb auf eine Situation zu, in der wir nur noch die Wahl haben zwischen dem Auseinanderbrechen der Eurozone oder der unbegrenzten monetären Staatsfinanzierung durch die EZB (Euro-Bonds können in diesem Zusammenhang ebenfalls keine Lösung sein, sondern nur weitere Zeit kaufen). Wenn dies geschehen sollte, für welche Option würden Sie sich entscheiden? 2. Zuletzt habe ich verschiedentlich die Auffassung gehört, für die Stabilität der Finanzmärkte sei es sehr wichtig, dass zumindest eine, als absolut sicher geltende Wertpapierart verfügbar sei (z. B. Bundesanleihen oder Euro-Bonds). Mit diesem Argument wird dann entweder die Notwendigkeit von Euro-Bonds oder der monetären Staatsfinanzierung durch die EZB begründet. Aber was ist von dieser Aussage ökonomisch zu halten? Ich habe den Eindruck, hier soll die Realität auf merkwürdige Weise an das Wünschenswerte angepasst werden. Denn eine Erkenntnis aus der derzeitigen Krise ist doch, dass Staatspapiere gerade nicht so sicher sind, wie wir die letzten 50 Jahre geglaubt haben. Angesichts der demographischen Situation und den enormen expliziten und impliziten Staatsschulden in Europa scheinen mir die Risiken künftig sogar eher zu- als abzunehmen.
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher, wie Recht Sie doch haben mit Ihrer Besorgnis über die wirtschaftliche Situation der Euro-Zone! Wichtig ist es jetzt, ein Verfahren zu etablieren, das für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link:http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Zu Ihrer zweiten Aussage: Wieso man ein sicheres Wertpapier im Bankwesen braucht, verstehe ich auch nicht. Mit der Behauptung kann ich nicht das Geringste gedanklich anfangen. Sie haben das sehr gut in Worte gefasst. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, toll, dass Sie und Ihre KollegInnen uns den Wirschaftskompass geschenkt haben. Auch ich werde ihn meinen Kindern zu Weihnachten schenken. So ein Buch hat der Volksaufklärung gefehlt. Ein Bollwerk gegen Stammtischgeschwafel und ein wirklicher "Faktencheck". Meine Frage: wie oft werden sie ihn aktualisieren? Oder warum nicht eine Online Aktualisierung? Herzliche Gruesse Dieter Scheiff
Sehr geehrter Herr Scheiff, es ist geplant, dass alle zwei Jahre eine Neuauflage erscheinen soll. Das begleitende App (mit einem Quiz zum Wirtschaftskompass) wird laufend aktualisiert. Ich hoffe, Sie haben viel Freude mit dem Wirtschaftskompass. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre verständiche Vermittlung volkswirtschaftlich schwieriger Kost. Für mich sind Ihre Analysen sehr plausibel. Danke auf für den Kriminalfall "Targetsalden". Aber ich finde, Sie machen zu wenig deutlich, was die Konsequenzen Ihrer Handlungsvorschläge sind. Davor haben Politiker und Bürger Angst. In der Südwestpresse sagten sie letztlich: in Wahrheit brechen nur einige Vermögensportfolios zusammen. Ist es wirklich so harmlos? Herzliche Gruesse Dieter Scheiff
Sehr geehrter Herr Scheiff, ich freue mich sehr über Ihre netten Worte. Wenn es zu einem Austritt eines der Krisenländer aus dem Euro kommen sollte, werden einige Banken sich damit schwer tun. Die deutschen Banken sind davon nicht so stark betroffen, wie beispielsweise die französischen oder amerikanischen. Allerdings werden momentan neue Stresstests berechnet, die die Auswirkungen auch auf die deutschen Banken noch einmal überprüfen. Deutschland muss hingegen für eine Summe in Höhe von derzeit 582 Mrd. Euro gerade stehen, wenn es zu einem totalen Zahlungsausfall der GIIPS-Länder kommen sollte. Diese Summe enthält die Forderungen der Bundesbank gegenüber den GIIPS-Ländern. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, haben Sie eine Idee wie die Milliarden Euro der Reichen Griechen die überwiegend auf Schweizer Banken liegen. wieder nach Griechenland überwiesen werden (laut Siegel allein in der Schweiz 600 Milliarden) ich denke Geld haben Reiche Griechen reilich, also liegt es nicht am Geldmangel, das Land wieder auf Eurostabilität zu bringen, Auf Ihre persönliche Antwort bin ich gespannt, bitte nicht wieder mit der Drachme oder dem Aussluß von Griechenland aus der EU argumentieren. Mit freundlichen Grüßen Athanassios Parashidis
Sehr geehrter Herr Parashidis, Sie liegen richtig mit Ihrer Vermutung, dass viele Private ihr Geld im Ausland anlegen. Die griechische Zentralbank geht davon aus, dass in den vergangenen beiden Jahren die Sparguthaben in griechischen Banken um 45 Milliarden Euro geschmolzen sind - mindestens ein Drittel davon soll ins Ausland gegangen sein. Dieser Abfluss ist übrigens nur möglich, weil das Eurosystem der Zentralbanken den griechischen Banken Kredite gewährt, die sie auf dem Markt nicht bekommen würden. Die derzeitige Rettungspolitik macht diesen Kapitalabfluss daher erst möglich. So lange keine Lösung für die Krise gefunden ist und die Rettungspolitik in der bisherigen Form weitergeht, kann auch Kapital aus Griechenland abfließen. Und es wird vor einer Lösung auch nicht zurückfließen. Auch wenn Sie es nicht hören wollen, aber ein Weg wäre auch die Drachme. Nach einer Abwertung würde es sich wieder lohnen, die Auslandsvermögen nach Griechenland zu transferieren. Die reichen Griechen kämen sofort zurück, um sich die billigen Immobilien zu kaufen. Es würde wieder gebaut, und Arbeitsplätze würden entstehen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Professor Sinn, Ihr Interview im Thalia Magazin 3/2011 habe ich erst jetzt gesehen und wollte Ihnen für die deutliche Kritik der Energiepolitik in Deutschland herzlich danken. Denn dieser Unsinn mit den EEG, dem Atomausstieg, der CO2 Verpressung etc. und die damit verbundene Stromverteuerug bedroht unseren Wohlstand. Für mich ist es unverständlich, daß Wissenschaftler, die an sich selbst skeptisch sein sollten, diese Hysterie von der angeblichen Klimaerwärmung durch antropogenen CO2, derart verfallen sind. Denn für mich handelt es sich hier bisher nur um eine noch nicht bewiesene Hypothese. Und zwar so lange, bis jemand nachgewiesen hat, wieso es vor nicht allzu langer Zeit diese enorme und schnelle Klimaerwärmung mit einem Anstieg des Meeresniveaus um 120 m (ein hundert zwanzig METER) gegeben hat. Ich stamme von der Insel Hvar in Dalmatien. Vor etwa 11000 Jahren konnte man von meiner Insel Hvar gegenüber nach Italien, wo heute Ancona ist, trockenen Fußes gehen, denn weit und breit gab es kein Meer. Das ist wohl auch der Grund, warum Archäologen auf den dalmatinischen Inseln (damals Berge) keine Zivilisationsreste älter als 7000 Jahre gefunden haben. Denn die Menschen lebten damals natürlich nicht in den Bergen sondern in dem fruchtbaren Adriatal. Dann plötzlich stieg das Meeresniveau in weniger als 500 Jahren um 120 Meter, ohne jeglichen CO2 Einfluß, aber vermutlich solar getrieben? Wenn für diese heutige minimale Meeresniveauanhebung von wenigern Zentimetern die Menschen mit ihren CO2 verantwortlich sein sollen, dann ist diese Hypothese für mich ein schlechter Witz. Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich möchte Ihnen mit dieser Nachricht ein schlichtes Danke senden, dass Sie einer der wenigen Menschen sind, die in diesen Tagen versuchen, den Menschen in Deutschland zu erklären, dass wir Ländern wie Griechenland nicht helfen, indem wir ihnen Milliarden von Euro schenken. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, aber ich habe Ihnen vor etwa einem halben Jahr nach einem Vortrag der Studienstiftung des Deutschen Volkes im Maximilianeum die Frage gestellt, warum das ifo-Institut nicht mehr unternimmt, um die Menschen in Deutschland über die äußerst risikoreiche Politik ihrer Regierung aufzuklären. Sie antworteten mir damals, dass Sie alles tun würden, dass Ihnen möglich sei und dass Sie leider auch nicht mehr tun könnten, als ihre Aussagen so oft es geht zu wiederholen. Als ich Ihr kurzes Interview im vorletzten Spiegel gelesen habe, musste ich an dieses kurze Gespräch denken und wollte Ihnen auf diesem Wege einfach nur sagen, dass ich es großartig finde, dass Sie sich für meine Zukunft und die Zukunft meiner Generation so stark einsetzen. Danke, bitte machen Sie weiter so!
Sehr geehrter Herr J., vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre stets klaren und gut verständlichen Worte. 1. Nun, die europäischen Staaten müssen die Zinsen ihrer zahlreichen Anleihen ja aus Steuern bedienen. Wird der Zins durch den Druck der Kapitalmärkte erhöht, so steigt der Zinsanteil am Steueraufkommen und der Staat kann weniger für andere Zwecke verwenden. Wie hoch ist nach Ihrer Meinung eigentlich der kritische Prozentsatz (Anteil Zinsaufwand am gesamten Steueraufkommen), bei dem ein Staat definitiv in den Bankrott marschiert? Für Unternehmen gibt es ja den Kenner Zinsaufwand/Umsatz und ab einer gewissen Größe marschiert das Unternehmen schnurstracks in die Insolvenz. 2. Ein Blick in den § 3 der deutschen Abgabenordnung belehrt einen ja, dass der Staat das Recht hat, Geldleistungen ohne Gegenleistung von seinen Bürgern zu verlangen. Man kann sich daher fragen, warum ein Staat überhaupt Schulden und vor allem in diesen Dimensionen aufnimmt. Wie wird diese Frage unter den Volkswirten diskutiert? 3. Sie verzeihen mir den Gedankensprung und erlauben mir die Frage: Was ist eigentlich aus der Schuldenkrise in Dubai geworden? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Großmann, vielen Dank für Ihren Zuspruch. Ihre Frage nach dem Zinssatz lässt sich nicht für alle Länder einheitlich beantworten. Es gibt hier aber Faustformeln. Demnach hängt die Zinsschwelle vom zukünftigen nominalen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (d.h. sowohl das reale Wirtschaftswachstum als auch die Inflation spielen hier hinein) und vom Schuldenstand ab. Da bei der Bewertung der Finanzierbarkeit Erwartungen über das künftige Wachstum und die künftige Inflation hineinspielen sieht man, wie sehr das Vertrauen in die Zukunftsperspektiven eines Landes seine Finanzierungsmöglichkeiten beeinflussen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass ein Land jenseits einer Schuldenquote von 90% in den Konkurs abrutscht. Das klassische Motiv für Staatschulden ist die Glättung der Lasten über die Zeit. Staatsschulden sind danach vertretbar, wenn einmalige, unvorhergesehene Katastrophen eintreten. Die Lage in Dubai hat sich wieder etwas beruhigt, ohne dass man sagen kann, die Krise ist schon ausgestanden. Zwar investieren insbesondere Asiaten und Bürger aus arabischen Staaten wieder in Immobilien in Dubai. Doch ist der Markt weiterhin fragil. Das es aber zwischenzeitlich nicht zu noch stärkeren Verwerfungen gekommen ist, verdankt Dubai seinem Nachbar Abu Dhabi. Da das Emirat Abu Dhabi über beträchtliche Ölvorkommen verfügt, konnte es in Dubai helfend einspringen. Dubai selber besitzt ja keine nennenswerten eigenen Ölvorkommen und ist zum einen ein wichtiger Finanzplatz für die arabische Welt und zum anderen durch seinen Hafen ein wichtiger Warenumschlagplatz. In Dubai macht daher viel das Schlagwort von der "Neuen Seidenstraße" die Runde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Warum nehmen Staaten wie GIPS oder Italien Kredite nicht als Target Kredite? Anders gefragt: Warum gehen Staaten nicht so vor, wie der beispielhafte Irische Bauer, der einen Traktor in Deutschland kauft?
Sehr geehrter Herr Baumann, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Morgen Herr Sinn, da ich mir nicht sicher bin, ob Sie meine E-Mail vor ein paar Wochen erhalten haben, informiere ich Sie nochmals über unser Anliegen. Ich hoffe, Sie können mir helfen. Ich habe zwei Fragen aus der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Im besonderen Reallohnentwicklung, Armutsdiskussion und die jetzt aktuelle Debatte um den Mindestlohn. Vielleicht können Sie mir bei diesen zwei Fragen helfen: 1) Ist es in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren zu einer Reallohnsenkung gekommen? Ist, falls eine Reallohnsenkung eingetreten ist, diese auf das Anwachsen von Minijobs und auf flexible Erwerbsformen, insbesondere Teilzeit, zurückzuführen? 2) Man hat den Eindruck, dass die Beschäftigung in Deutschland insgesamt zunimmt, dass aber dadurch das Lohnniveau nicht steigt, sondern eher sinkt. Interessant ist hier die Frage, wie sich das Lohnniveau aus der Schaffung zusätzlicher Vollzeit-Arbeitsplätze insgesamt entwickelt. Ob also mehr Stellen mit überdurchschnittlicher Entlohnung oder mehr Stellen mit unterdurchschnittlicher Entlohnung geschaffen werden. Ich hoffe, Sie können mir helfen und bedanke mich sehr im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrter Frau Schmidt, werden die Brutto-Reallöhne pro Kopf betrachtet, so kam es in den vergangenen Jahre tatsächlich zu Senkungen. Es ist allerdings zu b eachten, dass es einen Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung und zu Minijobs gab. Auch aktuell ist die Tendenz zu geringeren Arbeitszeiten vorhanden. Dies drückt in einer pro-Kopf Betrachtung die Reallöhne. Der Reallohn pro Stunde ist dagegen von 1995 bis 2010 jährlich um durchschnittlich etwa 0,2% gestiegen. Die strukturelle Verschiebung der Beschäftigung in den Dienstleistungssektor hinein dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. In einigen Dienstleistungsbereichen ist die Produktivität unterdurchschnittlich. Daher drückt das auf die Löhne. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Wie Sie selber in vielen Artikeln und Interviews immer wieder beschreiben, ist eines der zentralen Probleme der südlichen Euroländer darin zu sehen, dass diese zu Teuer geworden sind. Eine interne Abwertung ist also nötig, welche in der Realität wegen der Starrheit der Löhne/Preise bekanntlich schwer durchzuführen ist. Wäre daher nicht der einfachste Weg aus dieser Situation, wenn die EZB mehr Inflation im Euroraum zulassen würde? Dann könnten die südlichen Länder ihre Nominalpreise auf dem jetzigen Niveau belassen und würden somit abwerten.
Sehr geehrter Herr R., vielen Dank für Ihren Beitrag. Das Zulassen von Inflation seitens der EZB ist aus mehreren Gründen nicht akzeptabel. Zum einen würde damit die EZB endgültig ihre Glaubwürdigkeit verlieren, da sie damit ihr oberstes Ziel der Preisstabilität aufgeben würde. Zum anderen würden die Länder, die bisher solide gewirtschaftet haben, bestraft werden. In einer Wärungsgemeinschaft führt kein Weg an einer internen Abwertung über die Löhne vorbei. Dieser Weg ist sehr schmerzlich aber letztlich ohne Alternative. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Währungspolitische Dichotomie – ein Modell für Europa? Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wir hatten in der Vergangenheit bereits die Ehre des Informationsaustausches. Auch habe ich Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ gelesen. Gleichzeitig verfolge ich die währungspolitische Diskussion und Ihre Beiträge dazu in den Medien. Im folgenden möchte ich kurz ein – meiner Meinung nach naheliegendes – Alternativmodell aufzeigen, welches sowohl den sozialen Abstand zwischen zwei EURO-Staaten gerecht wird als auch der sozialen Schere innerhalb eines EURO-Staates. Nehmen Sie die Gedanken zu den Ihrigen. Wenn Sie was davon halten, geben Sie es an die Medien. Ich selber habe nur Zugang zur hiesigen Lokalredaktion, wenn es um Radwege geht. Bei Ihnen ist das was anderes. Jeder EURO-Staat habe zwei Währungen, die Heimatwährung, also bei uns die DM und in Griechenland die Drachme. Sie sind alle kompatibel und werden täglich einmal notiert europaweit. Die Sozialpolitiker akzeptieren endlich, dass die postindustriellen Gesellschaften in der entwickelten EURO-Zone dichotom sind: * Die 2/3-Gesellschaft, das sind die Leute, die man zum produzieren und dienstleisten braucht und die in den verschiedenen Staaten einen unterschiedlichen Prozentsatz der Erwerbspersonen ausmachen. In Deutschland einen größeren, in Griechenland einen kleineren. * Die 1/3-Gesellschaft, das sind die Leute, die man zwar nicht unbedingt braucht zum produzieren und dienstleisten, aber die können in Teilbereichen mithelfen und werden sozial abgestützt (Aufstockerei, Sozialhilfe, negative Einkommenssteuer, 1-€-Jobs u.s.w.). Wir belassen für die 2/3-Gesellschaft den € und re-einführen die nationalen Währungen für die 1/3-Gesellschaft. Freilich ist es einem 1/3ler unbenommen, DM anzusparen, an seinem Geburtstag das Geld in € zu tauschen auf der Bank und am Abend die Geburtagsgesellschaft in ein Restaurant zu führen, welches nur € akzeptiert. In besonders anderen Restaurants steht an der Tür: „€ heute: =“ analog zu früher: „Dollar today“. Ansonsten steht bei allen Angeboten in der Werbung und an der Geschäftstür, welche Währung hier akzeptiert wird. Die Regierung kann leicht sozialpolitische Akzente setzen: Sie tauscht 1 Million € in DM und beschäftigt auf Zeit viele ABM-Kräfte. Der Markt wirkt mit all seinen Vorteilen im Oberhaus wie im Unterhaus. Die Gewerkschaften können durchsetzen, dass eine Firma, deren Produkte in € fakturiert werden, auch ihre Angestellten in € ausbezahlen. Egal ob Stammbelegschaft oder Mietarbeiter (woher kommt das Wort „Leiharbeiter“ eigentlich her? Die werden doch bezahlt?). Diese dichotomische Marktwirtschaft, fixiert am Arbeitsmarkt funktioniert, wenn die herrschenden Kreise, auch die Kirchen, einsehen, dass es sich bei den postindustriellen Gesellschaften um zweigeteilte Erwerbspersonengruppen handelt. Das bisherige Tun, z. B. mit dem Bundesfreiwilligendienst und anderen Maßnahmen, ist Flick- und Stückwerk. Ziel muss sein, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten wohl fühlt und keine Existenzängste haben muss. Umgekehrt muss auch nicht jeder Urlaub in Cap Antibè machen. Südfrankreich. An der Cóte Azur. Ihr Hanns-Georg Schweitzer
Sehr geehrter Herr Schweitzer, vielen Dank für Ihren Vorschlag. Aber eine Aufteilung der Gesellschaft scheint mir nicht durchführbar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, es ist sehr schwierig mit einer Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft in Kontakt zu treten, ohne dass man in eine endlose Warteschleife stecken bleibt. Ich hoffe mit Ihnen mehr Glück zu haben. Kurz: Warum kann man keine "stille" Abwertung durchführen, indem man in den EU-Ländern alle aus Griechenland eingeführte Waren und Dienstleistungen mit einem negativen Einfuhrzoll belegt. Dies würde für den Importeur wie eine Abwertung wirken und dadurch den Import aus Griechenland attraktiv machen. Die griechische Wirtschaft könnte in fast allen Bereichen, z.B. auch Tourismus, einen Boom erleben, mit u.a. einer Zunahme der Arbeitsplätze und des Steueraufkommens. Wie schon früher als man bei Vorlage einer Quittung die Mehrwertsteuer zurück bekommen konnte, könnte auch der Tourismus- und Dienstleistung- Bereich hiervon profitieren. Nebeneffekt: Steuerehrlichkeit durch Quittungen! Auch Investitionen von EU-Betrieben in Griechenland würden attraktiv werden. Die erforderliche Geldmittel sollten aus dem EFSF kommen, und dadurch, dass sie in die eigene Wirtschaft fliessen in der Öffentlichkeit mehr Sympathie finden. Dieser Negativzoll könnte flexibel an die zeitliche Entwicklung und unterschiedlich in verschiedenen Bereiche der Wirtschaft angepasst werden. Vielleicht könnte man ja sogar auch andere Länder damit unterstützen. Dies würde dann im Sinne einer Nord-Süd Währungsdifferenzierung wirken, was ja auch schon im Gespräch war. Möglicherweise würde die EU dies als eine Wettbewerbsverzerrung sehen, aber hier müsste man dann durch eine zeitliche Begrenzung eine Akzeptanz herbei führen, da dem gegenüber stünde, das Griechenland dann in der EU verbleiben könnte. Mit freundlichen Grüßen, Hubert Vockensperger
Sehr geehrter Herr Vockensperger, vielen Dank für Ihre Mail. Was Sie vorschlagen ist eine Subventionierung der griechischen Waren. Das wird sehr teuer. Griechenland lebt eindeutig über seine Verhältnisse, und muss deshalb billiger werden. Daran führt kein Weg vorbei. Wir können in Europa keine Transfersysteme installieren, um falsche Preise zu stützen. Wo kommen wir dann hin? Das ist ein Fass ohne Boden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, in Ihrem Artikel „Die Drohung mit der Druckerpresse“ (Wirtschaftswoche Nr. 44) schreiben Sie, daß zuerst Irland und dann andere Länder der Euro Zone die Druckerpresse angeworfen hätten. Meine Sie damit den Druck von Bargeld? Ist dies bei den erforderlichen Summen vorstellbar? Für eine Erläuterung wäre ich sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Dipl. Kfm. Günter Kircher
Sehr geehrter Herr Kircher, mit dem Begriff „Druckerpresse“ meine ich nicht unbedingt das tatsächliche Drucken von Bargeld. Die Geldschöpfung, also die Vermehrung der Geldmenge, geschieht heutzutage sehr stark über sogenanntes Giral- oder Buchgeld, das nicht als Papier- oder Münzgeld sondern virtuell auf Bankkonten existiert. Dieses Geld entsteht etwa durch die Vergabe von Krediten. Ich verwende den Begriff "Druckerpresse" daher um bildlich zu beschreiben, was derzeit geschieht. Die Banken ziehen Notenbankkredite über das Verrechnungssystem Target, um die Zahlungsbilanzdefizite in ihren Ländern zu schließen. Für weitere Einzelheiten zum Targetsystem verweise ich auf folgenden Aufsatz: „Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB“ (http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1207364.PDF). Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zunächst einmal !DANKE! für den Fingerzeig auf die Target Salden - nirgendwo sonst wird die Unwucht in der Europäischen Bankenfinanzierung so auf den Cent genau sichtbar. Ich glaube aber nicht, das wir hier tatsächlich ein zusätzliches Risiko für die Bundesrepublik haben - wäre das Zentralbanksystem eine wirtschaftliche Einheit, hätte die doch EZB die (höchstwahrscheinlich nicht besonders werthaltigen) Ausleihungen an das griechische Bankensystem, die die griechische ZB mit den Guthaben finanziert hat, direkt in der Bilanz. Ich bin mir sicher, dass es auch zwischen den deutschen Bundesländern unausgeglichene "Targetsalden" gäbe, würde man diese erheben - und niemand würde darin einen verdeckten Länderfinanzausgleich sehen. Nach Ihren Nachforschungen sind die Salden letztlich Gegenstück zu der politisch gewollten unbegrenzten Bankenfinanzierung durch Zentralbankgeld, wofür der Bedarf naturgemäss in den Problemregionen am grössten ist. Mit dem amerikanischen Model wäre das Problem auf "mechanische" Art verhindert, aber wäre es nicht eher an der Zeit eine Beendigung oder zumindest deutliche Verteurerung der unbegrenzten Geldversorgung zu fordern? Die EZB soll gerne sicherstellen, das an sich gesunde Institute nicht in einer Marktpanik illiquide werden. Aber diese Hilfen dürften nicht so preiswert und permanent ausgereicht werden, dass sich ein Geschäftsmodell darauf aufbauen lässt. Wenn die Defizitländer so zum Defizitabbau oder Rückkehr zum regulären Kapitalimport gezwungen würden, müsste sich dies doch unmittelbar in einer Verringerung der Targetsalden niederschlagen - bitte korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege.
Sehr geehrter Herr Weissbach, Sie liegen mit allem richtig. Ich glaube nur nicht, dass es in Deutschland solche große Target-Salden gibt, selbst wenn wir dafür ein Messsystem hätten, und zwar deshalb nicht, weil alle Bundesländer zum selben Staat gehören, am Finanzausgleich hängen und deshalb allesamt ein AAA-Rating haben. Sie gewinnen nichts, wenn sie ihre Papiere an die Banken verkaufen, die sich den Kredit dafür bei der jeweiligen Niederlassung der Bundesbank holen. Dieses Geschäft lohn sich nur, wenn man vom Markt abgeschnitten ist. Man könnte nun natürlich in Europa die gleichen Verhältnisse herstellen. Das wollen die Südländer mit Nachdruck. Sie haben immer vom deutschen Finanzausgleich geträumt und wollen jetzt das EZB-System als Brechstange dafür verwenden. Vielleicht haben sie Erfolg. Nur hat das gewaltige Implikationen für die Wohlstandsverteilung in Europa und die Anreize, neuen Wohlstand zu schaffen. Wenn man die Transferunion nicht will, muss man diejenigen Länder, die ihre Druckerpresse im Übermaß bedienen, veranlassen, dafür marktgängige Papier herzugeben, wie es in den USA üblich ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herr Professor Sinn, mit großem Interesse lese ich zur Zeit das ifo Paper: ,,Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB´´. In einem Interview bezüglich der Schuldenkrise äußerten Sie sich im Mai aber wie folgt: "Das war das erste heimliche Rettungspaket", sagt Sinn. Diese Gelder müssten zu den bekannten Forderungen und Haftungen hinzu gezählt werden, womit die Staatsschulden deutlich zulegen. In Griechenland etwa um 40 Milliarden Euro auf mehr als 180 Milliarden Euro und in Irland um 150 auf rund 250 Milliarden Euro. Damit steigen aber auch die Haftungen und Kredite zur Euro-Rettung auf insgesamt 1480 Milliarden Euro. Die Hauptlast trage Deutschland mit 373 Milliarden Euro, Österreich davon rund ein Zehntel. `` Hierzu meine Frage, dass Leistungsbilanzdefizit trägt doch zur Neuverschuldung eines Staates bei. Im Falle der GIPS-Länder beträgt das akkumulierte Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2011 388 Mrd. €, gemäß Abbildung 13 Ihres ifo Papers. In diesem Paper erläutern Sie, es entfallen 88% des Leistungsbilanzdefizits auf die Target-Kredite. Wieso addieren Sie dann in diesem Interview die Target-Kredite zu den bekannten Staatsschulden hinzu, sodass in Griechenland ein tatsächlicher Schuldenstand von 181% des BIP erreicht wird. Diesen Zusammenhang verstehe ich so nicht, wenn doch das Leistungsbilanzdefizit bekannt war und dementsprechend in die Staatsschuld hätte eingerechnet werden können, denn wie Sie erläutern die Target-Kredite den größten Teil der Leistungsbilanzdefizite ausmachen. Mit großem Interesse erwarte ich Ihre Antwort Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr G., das Leistungsbilanzdefizit misst den jährlichen Zuwachs der Auslandsverschuldung eines Landes. Dieser Zuwachs besteht aus dem Zuwachs der privaten Nettoauslandsverschuldung, dem Zuwachs der öffentlichen Nettoauslandsverschuldung und dem Zuwachs der Nettoverschuldung über das EZB-System (Target). Die Target-Schuld als Bestand ist eine Schuld gegenüber ausländischen Zentralbanken und damit Staaten. Die Staatschuld üblicher Art ist eine Schuld gegenüber in- und ausländischen Gläubigern. Target-Schuld und offene Staatsschuld zusammen sind die gesamte Schuld eines Staates gegenüber In- und Ausländern. Wäre die offene Staatsschuld nur im Ausland entstanden (was sie nicht ist), wäre die Summe der akkumulierten Leistungsbilanzdefizite gleich der Summe von Target-Schuld, Staatsschuld üblicher Art und privater Nettoauslandsschuld. Doppelzählungen kommen hier nicht vor. Ich hoffe, das beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn: HB vom 12.09.2011, Seite 11, EURO, Kein Erpressungspotenzial Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Beitrag macht sehr deutlich, dass wir in dem Dilemma schon gefangen sind. Selbst, wenn wir eine neue D-Mark durch Ankauf von Euro drücken würden, hätten wir ja wieder das, was Sie mit dem Problem der Targetkonten schon ankreiden. Was mir nicht in den Kopf will, ist, dass wir in Deutschland Jahrzehnte auf eine fair bewertete D-Markt geschworen haben, warum trauen wir sie uns heute nicht mehr zu? Natürlich gäbe es Anpassungsprozesse im Übergang, aber bei den prognostizierten Kursen lagen wir vor kurzem mit dem Euro auch schon mehr oder weniger. Also warum das Geschrei? Und wenn wir einen steten Exportüberschuss pflegen wollen, zeigen uns Norwegen und andere, wie man das mit Auslandsinvestmentfonds auch tatsächlich als Kaufkraft in die Zukunft retten kann. Mit besten Grüßen
Sehr geehrter Herr P., Sie haben ja Recht. Ich habe ja nicht gesagt, dass die Bundesbank intervenieren sollte, sondern nur, dass sie es könnte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Interview in focus money Guten Tag, Herr Professor Sinn, ich beziehe mich auf das im obigen Magazin abgedruckte Interview mit Ihnen. Ich verstehe nicht, wieso die Eurobonds schlechter sein sollen, als das, was die EZB bereits schon getan hat: nämlich Schrottanleihen anzukaufen. Bei den Eurobonds wäre die Haftung Deutschlands zumindest theoretisch quotal zu begrenzen gewesen, bei den EZB Papieren haftet Deutschland gesamtschuldnerisch, im schlimmsten Fall allein. Mach ich da einen Denkfehler? Danke im Voraus für eine qualifizierte Antwort. MFG
Sehr geehrter Herr R., was die EZB macht, ist in der Tat fast dasselbe wie Eurobonds ausgeben. Man muss viele Löcher stopfen. Nicht nur eines. Aber Deutschland haftet keinesfalls gesamtschuldnerisch. Wenn die EZB kein Eigenkapital mehr hat, muss Deutschland allenfalls gemäß seinem Kapitalanteil für die Verluste aufkommen, obwohl nicht ganz klar ist, ob wir überhaupt eine bindende Nachschusspflicht haben. Eine gesamtschuldnerische Haftung gibt es jedenfalls nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, von Herrn Dipl.-Ing. Eberhard Stotko habe ich erfahren, dass er Ihnen einen Link mitgeteilt hat, der einen meiner Klima-Vorträge öffnet. Aus einem Ihrer Schreiben an ihn habe ich Ihre Bemerkung gelesen "Das mag ja alles sein. Nur die Evidenz bezüglich der Erderwärmung (ist) so erdrückend, dass...." In der Tat, in der Öffentlichkeit wird das so dargestellt und nur ein Teil der Wissenschaft darf zu Wort kommen. Aber schon immer waren Wissenschaftler der Obrigkeit zu Diensten, und was haben sie nicht schon alles begründet und gerechtfertigt - nicht nur aus Selbstschutz, oft auch sehr zum eigenen Nutzen! Das hat schon lange vor der Hexenvbrennung angefangen und hat mit dem Holocaust noch nicht aufgehört. Der Mechanismus wirkt weiter, denn die Menschen haben sich nicht geändert. "Es ist gefährlich recht zu haben, wenn die Regierung unrecht hat", erkannte Voltaire, und Giraudoux fügte hinzu: "Den Irrtum erkennt man daran, dass alle Welt ihn teilt". Genau diese Situation liegt vor. Ich füge Ihnen Auszüge aus zwei Arbeiten bei, die aufzeigen, warum es einen Klimawandel gibt, und wir ihn angeblich verursachen (Bahcmann, Jaworowski). Und außerdem zwei Ausarbeitungen von mir. Ich bin kein Klimaforscher, sondern werte lediglich reale Messwerte aus, was einfach ist und jeder kann, denn die Daten sind im Internet verfügbar. Die daraus hergestellten Temperaturganglinien zeigen die üblichen Temperaturschwankungen, aber keinen wirklichen Klimawandel; sie lassen einen Einfluss von anthropogenem CO2 nicht erkennen, denn in den letzten Jahrzehnten war die Entwicklung nicht anders als in der vorindustriellen Zeit. Vielleicht können Sie sich die Zeit nehmen, mal 'reinzuschauen. Falls gewünscht, trage ich gerne bei ihnen vor. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr E., meistens findet man nichts, wenn man schaut. So ist das in der Wissenschaft. Das heißt nicht, dass es nichts gibt. Die Evidenz zum Klimawandel finden Sie im ersten Kapitel meines Buches „Das grüne Paradoxon“. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe das Interview mit Ihnen in Bayern-Alpha gesehen: Ich finde, daß die gegenwärtige Finanzpolitik mehrerer europäischer Regierungen fast kriminelle Züge hat. Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich, warum man nicht eine Sondersteuer für alle großen Unternehmen einführt, die der Allgemeinheit in der einen oder anderen Art (sei es z. B. durch Umweltschäden oder Finanzkrisen ...) größere Kosten verursacht haben oder verursachen. Auch Firmen, die Waffen produzieren, sollten mit einer Sondersteuer belegt werden (und zwar in solcher Höhe, bis diese Firmen aus Deutschland verschwinden oder kaputt gehen)! Außerdem sollte meiner Meinung nach z. B. die Mehrwertsteuer um 1-2 Prozent weiter erhöht werden - genauso wie etwa die Steuern auf Alkohol und Zigaretten. Jegliche Verschwendung von Staatsgeldern, die regelmäßig vom Bundesrechnungshof dokumentiert wird, sollte strafbar sein. Wir leben längst in einer Gesellschaft, in der ein falsch verstandener "Liberalismus" zur Gefahr für das Staatswesen und das Allgemeinwohl geworden ist: Viele Untaten in Politik, Finanzwesen, Wirtschaft, die dem Allgemeinwohl extrem schaden und von vielen (oder den meisten) Bürgern eigentlich als Straftaten empfunden werden, stehen schlicht nicht unter Strafe, werden von keiner Staatsanwaltschaft verfolgt. Viele Politiker trauen sich gar nicht mehr, die als rational eigentlich richtig erkannten Maßnahmen zu ergreifen oder auch nur auszusprechen. Wenn die internationale Staatsverschuldung nicht viel konsequenter bekämpft wird (wobei in Zukunft noch die enormen Kosten zur Eindämmung des Klimawandels hinzukommen!), sehe ich für zukünftige Generationen ernsthaft die Möglichkeit für gewaltsame Ausschreitungen und möglicherweise sogar Umstürze. Es wäre evtl. ratsam, für die Staatengemeinschaft sich lieber früher als später zu einer Um- und Entschuldungskonferenz zusammenzufinden, bevor das alles in eine gigantische, unkontrollierbare Katastrophe führt. PS: Die EU ist nicht in erster Linie eine Währungsunion für die Bürger sondern für die WIRTSCHAFT - als solche wurde sie konzipiert und viel zu schnell und ohne genügende Sorgfalt umgesetzt - ganz ähnlich wie damals Stoiber gedrängt hat, die marode Bank zu kaufen und seine Minister das abnicken ließ (obwohl er vor den Folgen schriftlich gewarnt wurde).
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Aussagen zum historisch hohen CDS-Kurs der Bundesrepublik Deutschlands gelesen. Sie verwenden die in $ notierten CDS-Kurse (gestern 133 BP). Die in € notierten CDS-Kurse lagen gestern deutlich darunter bei 88 BP. Bei Großbritannien lag der CDS-Kurs bei 113 BP notiert in $ und 103 BP notiert in €. Wieso verwenden Sie die in $ notierten Kurse und wie erklären Sie sich den großen Unterschied für Deutschland? Ein Konkurs Deutschlands würde vermutlich mit einer massiven Abwertung des Euro einhergehen.Dann müsste aber doch der CDS-Kurs in € sogar höher als der in $ sein, da die 88 BP in Euro über die Jahre immer weniger Wert sein würden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr B., die in Dollar notierten CDS-Prämien reflektieren das Konkurs - und Abwertungsrisiko Deutschlands. Wenn man das deutsche Risiko mit dem englischen vergleichen will, muss man beides auf Dollar-Basis rechnen. Sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Wenn der deutsche CDS-Preis in Euro und der britische auch in Euro ausgedrückt wird, dann ist beim britischen das Abwertungsrisiko des Pfund dabei, beim deutschen nicht. Der deutsche CDS-Preis in Dollar ist höher als der entsprechende CDS-Preis in Euro, weil die Märkte auch befürchten, dass der Euroraum inflationieren und der Euro abwerten wird (wie Sie richtig sagen). Das Abwertungsrisiko ist das Risiko, dass sich der deutsche Staat durch Inflation, die eine indirekte Form von Staatskonkurs darstellt, durch einen offenen Konkurs vor der Rückzahlung drücken wird. Es ist ein zusätzliches, konkursähnliches Risiko das zum Konkursrisiko im eigentlichen Sinne hinzutritt und deshalb die Versicherungsprämie erhöht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hans-Werner Sinn, sie sind mir bekannt vom Fernsehen. Es gab eben in meinen Bekanntenkreis eben eine Diskussion wie man sein Geld am besten anlegen könnte. So richtig ist man sich nicht einig geworden, bis ein Gesprächpartner auf die Idee kam zu fragen, wie Sie ihr Geld in der heutigen Zeit anlegen. Ist es möglich, daß Sie mir Tips geben, wie man sein Geld am besten anlegt ? Es geht um Beträge von 150.000 € bis etwa 10.000.000 € Ich hoffe diesbezüglich auf eine vernünfitge und ehrliche Antwort.
Sehr geehrter Herr M., deutsche Immobilien sind auf absehbare Zeit der Renner, weil die Krise viele Leute den sicheren Hafen suchen lässt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe eine Frage bezüglich der Irlandhilfen durch den EFSF. In einem Ihrer Vorträge stellen sie die Ursache für die Irlandhilfen heraus, Irland habe seinen Banken ein Rettungsversprechen im Umfang des 2,5 fachen des irischen BIPs. Wurden die ELA-Kredite in Höhe von rund 50 Mrd. € verwendet um ein Teil der Refinanzierung der Banken zu realisieren? Wenn ja, hat Irland deshalb Hilfen durch den EFSF beantragt um nicht komplett über ELA-Kredite die Banken zu retten, da sich so ja die Geldmenge erhöhen würde und somit die Inflation? Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr G., Irland hat sich mit Händen und Füßen gegen die EFSF-Hilfe gewehrt. Man fragt sich, warum sie nicht gerettet werden wollten, wenn sie doch in Nöten waren. Die Antwort: Sie hatten sich zuvor ja schon selbst durch Refinanzierungskredite zu einem Zins von 1% gerettet, konkret mit der Gelddruckmaschine. (ELA ist ein Teil dieser Kredite. Nämlich jene Refinanzierungskredite, die ohne Sicherheiten vergeben werden und vom irischen Staat verbürgt werden.) Beim EFSF mussten die Iren aber 6% bezahlen. Es ist klar, was sie vorzogen. Der niedrige Zins, den man für das Recht, sich Geld zu drucken, zahlen muss, ist der Grund dafür, dass der irische Premier angekündigt hat, nächstes Jahr wieder aus dem Rettungsschirm heraus zu wollen. Heute zahlt man 1,5%. (Es ist immer der Hauptrefinanzierungszins.) Mit der Inflation hat das nichts zu tun. Wenn man sich über den EFSF finanziert fließt das Geld vom Rest der Eurozone nach Irland und von dort für den Kauf von Gütern oder Assets (Kapitalflucht aus Irland) wieder zurück in den Rest der Eurozone. Wenn sich Irland über Target finanziert, wird der Gelddruck und die Kreditvergabe der jeweiligen nationalen Notenbanken vom Rest der Eurozone nach Irland verlagert, und das Geld fließt dann wieder zurück dorthin für den Kauf von Gütern oder Assets. Kein Unterschied. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, als Argument wird ja auch immer europäische Solidarität von den Geber-Ländern gefordert. In diesem Zusammenhang würde ich gern einmal wissen, wieso aus z.B. Deutschland Unterstützungsleistungen erwartet werden, solange dem zu unterstützenden Staat noch EIN Staatsbürger angehört, der über ein höheres Einkommen oder Vermögen verfügt, als der „ärmste“ deutsche Steuerpflichtige. Anders gefragt, was ist daran solidarisch, wenn ein deutscher Facharbeiter mit einem angenommen Einkommen irgendwo um die 3.000,- Euro auch nur einen Euro von seinen Steuergeldern auf’s Spiel setzen soll (ob nun als Direktleistung, Bürgschaft, Garantie oder wie auch immer), solange viele Griechen, Portugiesen, Italiener, Franzosen usw. (die Herren Berlusconi, Papandreou und Sarkozy eingeschlossen!) über weit mehr Mittel verfügen als unser Facharbeiter. Diese Frage hätte ich auch gern einmal von den angeblich verantwortlich handelnden Politikern aller Fraktionen beantwortet; und das bitte ohne die hinlänglich bekannten Ausflüchte (wie z.B. sich hinter dem Vorwurf der Polemik zu verstecken). Denn diese Frage stellen sich wohl so langsam immer mehr Menschen. Die ehrliche Antwort liegt, so glaube ich, klar auf dem Tisch: Es geht nicht um eine Art Länderfinanzausgleich. Nein, was hier stattfindet ist eine massive Umverteilung von unten nach oben. Und die Politiker der PIGS+F-Staaten spielen mit, weil sie eine realistische Chance sehen, PIGS+ihre Wahlgeschenke an das ausgeplünderte Volk aus dem deutschen Steuertopf finanzieren zu können. Und das so elegant, dass kein Normalbürger weiß, wie er dem begegnen kann. Und weder die Verfechter der Marktwirtschaft noch Sozialdemokraten vertreten das Volk, welches sie gewählt hat; letztere sehen sogar in Eurobonds eine Lösung. Diesen Politikern scheint der Blick für die Wirklichkeit völlig abhanden gekommen zu sein, die Grundrechenarten eingeschlossen. Mit herzlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, vielen Dank auch für diesen Beitrag. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Veröffentlichungen zur Problematik der Target-Salden, die ich mit großem Interesse aufgenommen habe. Worauf ich mir allerdings bislang keinen Reim machen kann, sind die verglichen mit der Bundesbank noch viel exorbitanteren Außenstände der luxemburgischen Zentralbank. In Relation zur Einwohnerzahl sind deren Forderungen nämlich wesentlich (um etwa das 33-fache!) höher, als diejenigen der Bundesbank, wenn man sie auf jeden Deutschen umlegt. Bisher konnte ich noch nirgends eine Antwort darauf finden, wie dieser unglaublich hohe Target-Saldo Luxemburgs zustande kommt. Haben Sie eine Erklärung dafür? Mit freundlichen Grüße
Sehr geehrter Herr S., Sie haben Recht, die Target-Forderungen von Luxemburg sind pro Kopf gerechnet sehr hoch. Das liegt an dem überproportional großen Bankensektor dort. Die hohe Target-Forderung dürfe Ausdruck einer Kapitalflucht aus Krisenländern sein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in den Medien wird vermehrt berichtet der Euro habe Deutschland geholfen (ja, er soll sogar das Wachstum beflügelt haben). Prominente und aktuelle Beispiele sind die FAZ und das Handelsblatt. Beide Medien beziehen sich auf eine McKinsey Studie. Hier die Links zu den Artikeln: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/euro-bringt-deutschland-milliarden-wachstum/5498858.html http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/im-gespraech-frank-mattern-wir-verdanken-dem-euro-ein-drittel-des-wachstums-11499521.html Besonders interessant ist die Grafik im Artikel der FAZ. Die Daten vergleichen (so wie ich das sehe) 2010 mit 2009. Ein Jahr in dem unsere Exporte sich abschwächten als Folge der Krise und ein Jahr in dem die Exporte bereits in den ersten Monaten stark anzogen... Das ist meiner Meinung nach nicht sehr seriös solche Jahre zu vergleichen. Außerdem soll Deutschland dem Euro 1/3 seines Wachstums verdanken. Dass ist lächerlich. Der einzige Sektor der stark wuchs war der Exportsektor, dass das keinesfalls nur gut ist kann man ja bei ihnen nachlesen (Stichwort "Basar"). Laut Mckinsey trug der erhöte Handel innerhalb der EU (er versteift sich sehr auf den Export in seiner Argumentation) zum Wohlstandswachstum in Deutschland bei. Wenn er damit meint unser Export in die Euro-Länder sei gestiegen, ist das nachweislich falsch. Er ist gesunken in Länder mit der gleichen Währung. Deutschland hat schon immer viel exportiert auch und gerade mit starker DM. Das wird jeder Währungsexperte zeigen können. Meint man damit aber den gesamten Handel in der EU, erschließt sich mir nicht wie wir davon profitieren und vor allem wenn alles auf Sand gebaut ist und sie es mit "unserem" Geld (Kapitalbilanz) bezahlen. Außerdem kann man doch nicht sagen der Euro hat uns als einziges geholfen hat. Das ist Monokausalität und damit nicht haltbar. Es gab seit den 90' viele Effekte die einander beeinflussten und nicht nur den Euro. Nach ihrem Basartheorem wäre der Vorteil einer starken DM groß gewesen oder nicht? Wieso um alles in der Welt sagt der Herr von McKinsey: "Das finde ich nicht überzeugend. Wie haben in Deutschland eine Veredelungsindustrie.". Damit wiederspricht er sich selbst. Wir importieren mit starker Währung günstig und exportieren teuer (wir exportieren ja keine Bananen oder Mangos sondern hochquaitative Güter...). Herr Prof. Sinn sollte Ihnen diese Studie im Detail vorliegen bitte nehmen Sie dazu Stellung.
Lieber Herr Meyer, vielen Dank für Ihren Beitrag. Leider liegt mir die McKinsey Studie im Original nicht vor. Bislang wurde von McKinsey nur eine Pressemitteilung mit den von Ihnen bereits genannten Fakten veröffentlicht. Die Aussage, dass Deutschland der Hauptprofiteur des Euros sein sollte, ist für mich nicht ersichtlich, auch wenn von Seiten der Politik immer wieder darauf hingewiesen wird. Ein Blick auf die Entwicklung diverser Wirtschaftsdaten legt jedoch den Schluss nahe, dass sich die wirtschaftliche Expansion in Deutschland relativ zu der in den übrigen Teilnehmerstaaten des Euros im Zeitraum von 1995 bis 2010 mäßig gestaltet hat. So wies Deutschland in dieser Zeitspanne das zweitniedrigste Wirtschaftswachstum auf. Von 1995 bis 2010 nahm das BIP in Deutschland etwa um 20,4% zu. Im gleichen Zeitraum weisen Länder wie Irland oder Griechenland Wachstumsraten von 102,3% bzw. von 45% auf. Auch fiel Deutschland in dieser Zeit beim BIP pro Kopf vom 3. auf den 10. Platz zurück. Darüber hinaus floss das deutsche Sparkapital nach Einführung des Euro verstärkt ins Ausland. Damit hat es dort einen Boom erzeugt, wie etwa in Spanien und Irland. Vielfach wird behauptet, unsere Außenhandelsüberschüsse zeigen wie sehr wir vom Euro profitiert haben. Diese Argumentation verkennt, dass der Außenhandelsüberschuss mit einem Kapitalexport aus Deutschland einhergeht. Damit ist dieser Überschuss Ausdruck des oben genannten Abflusses von Sparkapital aus Deutschland und keineswegs ein Erfolgssignal. Der Kapitalabfluss führt zur Flaute. Es wird wenig im Inland investiert und die Lohnentwicklung ist schwach, was den Konsum dämpft. Damit ist die Inlandsnachfrage generell vergleichsweise gering. Nähere Ausführungen zu diesem Thema, können Sie in dem von mir verfassten ifo Standpunkt „Wer vom Euro profitiert“ nachlesen. Sie finden den Beitrag auf der ifo Internetseite unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp120.htm. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Italien muß im 2. Hj.2011 insgesamt 275 Mrd. € umschulden. Gehen die um 100 Mrd. € für Italien erhöhten Target-Salden darauf zurück, daß Italien an den Kapitalmärkten derzeit nicht mehr kreditwürdig ist und seine auslaufenden Anleihen über diese Notenbankkredite finanziert? Zweite Frage: Stünden Sie bis zum Jahresende für eine FDP-Veranstaltung zur Schäffler-Initiative in Ihrer (und meiner) Heimat Ostwestfalen-Lippe als Redner oder Podiumsdiskutant zur Verfügung? Mit lippischem Gruß Michael Hentschel, Detmold
Sehr geehrter Herr Hentschel, vielen Dank für Ihre Mail. Es gibt eine Kapitalflucht aus Italien. Dies führt auch zu den erhöhten Target-Salden. Das ist in der Tat ein weiterer Beleg für die ungewollten Wirkungen des derzeitigen Target-Systems. Der Staat Italien kann allerdings nicht direkt seine auslaufenden Anleihen über Notenbankkredite finanzieren. Aber es ist für die italienischen Banken offensichtlich der Weg, den Kapitalabzug zu bewältigen. Bezüglich der Vortragsanfrage muss ich Sie enttäuschen. Es fällt meiner Sekretärin zunehmend schwerer, noch Zeit aus dem Kalender herauszuquetschen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Krise treibt mich um und wo findet man noch Gehör? Eine naturwissenschaftlich bewiesene Wahrheit ist, dass aus Nichts kein Etwas zu schaffen ist; der Homunkulus ist Schimäre - überall - auch in der Finanzwirtschaft. Das bedeutet: Hinter jeder Summe Geldes muss irgendjemand stehen, der letztenendes bezahlen muss. Das ist auch bei "Hebelungen" nicht anders; egal in welcher rechtlichen Ausgestaltung. Konkret gesagt: Nehmen wir mal an, die deutsche Haftung bleibt rechtlich tatsächlich auf nominal 211 MRD Euro begrenzt. Aber was passiert, wenn die Privaten (Banken, Versicherungen, Fonds etc), die die über den eigentlichen Rettungsschirm um ein Vielfaches hinausgehende Summe kreditiert haben, ihrerseits vor dem Konkurs stehen (weil irgendwann jede Summe aufgebraucht ist; und weil wer schon 300 Mrd nicht zurückzahlen kann, erst recht nicht 2,5 Billionen zurückzahlen kann)? Also was ist dann? Die Antwort ist einfach: Dann müssen diese Privaten (die heute die Lösung sein sollen) gerettet werden! Besser gesagt, sie müssten gerettet werden; nur ist dann selbst die vormals gesunde Bundesrepublik überfordert. Dann haftet Deutschland am Ende der Fahnenstange für 2-3 Billionen und das bedeutet "Pleite"! Dann bekommen wir Hyperinflation und Währungsreform! Dann ist alles, was seit '45 in Deutschland aufgebaut worden ist an privater und öffentlicher sozialer Sicherheit auf dem kalten Weg verschleudert worden. Verschleudert ohne dass der Bürger sich wehren konnte, verschleudert von einer unheiligen Allianz von Politikern, die ihren Auftrag, das Volk zu vertreten, nicht zu kennen scheinen, Finanzjongleuren, die sich mit prallen Taschen davonstehlen und einem Verfassungsgericht, das bei großen Fragen versagt (leider gerade da). Die Lösung? Cameron hat Recht: Schnell und massiv muss gehandelt werden. Aber bei den Mitteln irrt er: Nicht noch mehr Geld (Schulden), sondern Gesetze (ge- und Verbote) müssen her: Oft gesagt und nicht von mir erfunden: Finanzmärkte regulieren. Und zwar genau so im Schnellstverfahren, wie auch sonst in wenigen Tagen Gesetze durchpeitschen werden, wenn es ums Geldausgeben geht. Und das auch national! Egal, was es kostet: Jede andere Lösung wird teurer. Im Übrigen: Nachweispflicht hinsichtlich des Erwerbs von Finanztiteln, so wie man auch z.B. bei einem Auto die Rechtmäßigkeit des Besitzes nachweisen muss. Und Forderungen, die aus Finanztransaktionen resultieren, die nicht den nach deutschen Gesetzen geforderten Standards entsprechen, werden eben in Deutschland nicht anerkannt, sind hier nicht durchsetzbar. Wer z.B. im Lande X eine Frau nach den dortigen Gesetzen ganz legal gekauft hat, kann diesen Anspruch doch auch nicht in Deutschland gerichtlich durchsetzen. Mit freundlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Analyse. Stimme voll und ganz zu. Über die Politikmaßnahmen, die Sie vorschlagen, kann man debattieren. Wichtig ist es, ein Verfahren zu etablieren, dass für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESfio hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herren, bei einer Staats-Bonität ist es wie bei einem privaten Unternehmen, oder im Bankgeschäft, die Bonität ist schnell kaputt geredet (auch wenn es stimmt , dann heisst es, rette sich wer kann). Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Eine von Ihnen diskutierte Insolvenz Griechenlands muss unbedingt verhindert werden, es würde ein Domino-Effekt folgen, die anderen schwachen Südländer würden ebenfalls - sehr gerne- folgen, um ihre Schulden los zu werden, dies auf Kosten der 26 % - Quote der Deutschen in der Euro-Finanzierung. Die Banken-Engagements in diesen Ländern wären ebenfalls abzuschreiben. Das zusammen dürfen Sie sich ausrechnen. Es muss unbedingt eine langfristige Umschuldung dieser Länder erreicht werden, der einzige Ausweg. Siehe hierzu die Anlage. Die Sparmassnahmen lassen sich nur mittelfristig umsetzen, ohne dauernde Regierungswechsel und Instabilität . >Die Südländer haben sich viel zu kurz- und mittelfristig als Staaten verschuldet, aus dieser Falle müssen sie herausgebracht werden. > >Zeit gewinnen und geben, zählt dazu. > >Wir sollten darauf drängen, dass der Verwendungszweck für die EFSF Tranchen genau überprüft wird, sinnvoll ausgegeben wird,nicht in dubiosen Kanälen versickert, also keinesfalls frei verfügbar ausgezahlt wird. >Die Ratingagenturen, die evtl. auf default stellen, haben dieses Problem ( langfristige Aktiva kurzfristig anfinanziert, Risiko der Umschuldung) garnicht erkannt, liegen mit ihren Ratingeinschätzungen deshalb schief. >Die aktuell fälligen Anleihen von Griechenland sind restlich in 2011 und 2012 nicht so hoch, viel schlimmer ist ein Flächenbrand auf die anderen schwachen Südländer. > Wäre es nicht so teuer, verlorene oder nicht verlorene ZINSZUSCHÜSSE für Neuanleihen , als Differenz zu einem europäischen Durchschnitt zahlen, und zwar allenfalls Jahr FÜR JAHR. >Dies , weil Deutschland wohl als sicherer Hafen aktuell niedrigere Zinsen zahlt, als sonst ohne Eurokrise zu zahlen wäre. >Dies auch nur sukzessive nach erfüllten Auflagen z.B. zur Sanierung des griechischen Staatshaushaltes. Wichtig ist, dass die Regierungen und die Parlamente der Südländer selbst mit überzeugenden Sparmassnahmen Vorbild zeigen, z.B. sich die Gehälter selbst kürzen, oder die Pensionen, oder sonstige Vorteile, worüber die breite Bevölkerung erbost ist. Wie soll eine Bevölkerung in Griechenland seiner Regierung folgen, wenn diese sich ( 3 führende Familienclans) sich jahrelang die Taschen vollgestopft haben ? > >Unser Parlament sollte gem. dem BVG-Urteil seine Rechte stärker nutzen, jedoch fachkundig diskutieren, nicht auf Wählerstimmer schielen. Im übrigen zu den diskutierten Eurobonds: Es wäre der Einstieg zum Ende , d.h. die reichen Nordländer sollen dann unbegrenzt in jeder Hinsicht für die armen Südländer zahlen. Auf keinen Fall dürfen wir als Deutsche dadurch für das KAPITAL der Altschulden und Neuschulden haften. >Das wäre nicht nur die Belohnung der Schuldigen ( z.B. hat u.a. die Mafia in den 90 er Jahren Billionen schlechter Lira auf italienische Versichrungen eingezahlt, die dann durch die Euroeinführung in gutes Geld umgewandelt wurden), sondern als weitaus schlimmer für die Nordländer vergleichbar mit einem Währungsschnitt. Dieser Einstieg würde von den anderen schwachen Ländern auch gefordert, und dies würde indirekt zu einem Euro-Währungsschnitt führen, den die breite Bevölkerung der Deutschen und der anderen Nordländer so direkt erkennen würde. Freundliche Grüße Hans-Friedrich Neuerburg P.S. Über 40 Jahre im Bankgeschäft einer deutschen Großbank
Sehr geehrter Herr Neuerburg, vielen Dank für diese Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, gibt es bei den ausufernden Target-Krediten ein Limit, oder ist das ein Selbstbedienungsladen bis Deutschland pleite ist? MfG Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, letzteres, so befürchte ich. Es gibt keine Limits, außer dass die Banken des jeweiligen Landes Sicherheiten brauchen, die den vom Zentralbankrat festgelegten Standards entsprechen. Aber die wurden laufend gesenkt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihr Interview bei BR alpha gesehen, in dem Sie es als Ihre Aufgabe bezeichneten, als Chef des Ifo-Instituts die Öffentlichkeit politisch aufzuklären und die Debatte über wirtschaftspolitische Fragen zu fördern. Nun würde ich Sie gern mal aus der Perspektive eines interessierten Laien, der ja nach Ihrer vertretenen Ansicht in die Diskussion als Bürger eingreifen soll, auf den einen oder anderen offenen Punkt ansprechen, den ich allein nicht aufzuklären imstande bin. Vielleicht können Sie solche Anregungen ja in einen Ihrer nächsten Beiträge mit einbauen. So lese ich bei Martin Wolf in der FT in einer Auseinandersetzung mit Ihnen, dass Länder zwar durchaus ihre innere Wettbewerbsfähigkeit durch Austeritätsmaßnahmen wiederherstellen können, aber er schreibt, man könne nur "mit zwei Händen klatschen". Also müsse auch speziell Deutschland im Gegenzug etwas leisten: Konjunkturförderung, höhere Inflation etc. Wie stehen SIe dazu, geht das wirklich, dass die GIPS-Länder nur durch Gürtel enger schnallen vorankommen? Auf der anderen Seite scheint das ja bei Lettland und Irland durchaus geklappt zu haben. Hier bin ich durchaus verwirrt, vielleicht können Sie demnächst dieses zentrale Thema noch einmal in einem Aufsatz oder Debattenbeitrag erörtern, vielen Dank! Herzliche Grüße Ulrich Lenze, Hamburg
Sehr geehrter Herr Lenze, Sie haben Recht. Wir müssen stärker inflationieren und wachsen. Das tun wir ja auch. Konjunkturförderung vom Staat brauchen wir dafür nicht, denn es läuft ja vergleichsweise gut. Weil das Kapital krisenbedingt in Deutschland bleibt, kommen wir nun wieder stärker hoch, wachsen im Inneren und importieren mehr, während der Export durch die Inflation einen Dämpfer kriegt. Wenn wir nicht im Euro-Durchschnitt eine größere Inflation haben wollen, müssen andere Länder gleichwohl billiger werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Staatsverschuldung und Bankenschuld Banken handelten jahrelang im Rahmen der staatlich vorgegebenen Bedingungen: Staatsfinanzierungen sind erwünscht; Staaten können nicht Pleite gehen; keine oder nur geringe Kapitalunterlegung erforderlich; lt. Anlagerichtlinien bevorzugt zu berücksichtigen. Die "plötzlich" festgestellte Überschuldung bzw. die daraus resultierenden Kreditausfälle sollen nun rückwirkend aus höherem Eigenkapital bestritten werden. Welche (dummen) Investoren sollten denn nun neues Eigenkapital bereitstellen, wenn dieses sofort anschließend durch die - letztlich staatlich verursachten - Kreditverluste wieder vernichtet wird? Allerdings nahmen die Banken mit Vergnügen die stetig steigenden Zinsen in Anspruch - was nach Marktusancen überdeutlich "steigendes Risiko" anzeigt. Dies und eine gewisse Blindheit gegenüber der finanziellen Situation ihrer staatlichen Kreditnehmer muss dazu führen, die Banken ebenfalls in die Pflicht zu nehmen. Das Grundübel 'Überschuldung' hat rein politische Ursachen und kann den Banken alleine nicht zur Last gelegt werden. Leider bedeutet 'Staatshaftung', dass dafür der Steuerzahler (das heißt die, die auch tatsächlich Steuern zahlen!) einzutreten hat. Die somit zweiseitige angelegte Schuldfrage muss deshalb auch von beiden Seiten gemeinsam geschultert werden. Eine Lösung dazu wäre m.E.: Die Zinsen der oder bestimmter Kredite werden temporär auf bzw. in Richtung Null gestellt. Die eingesparten Zinszahlungen sind als Tilgungen zu leisten. Das trifft die Gläubiger (-Banken) auf Jahre hart, bringt sie aber nicht selbst in die Zahlungsunfähigkeit. Positiver Nebeneffekt: Die Schuldnerstaaten haben keinen Zugang mehr zu privatem Kapital; notwendige Finanzierungen sind nur über die Staatsfonds (EZB, IWF etc.) und nur unter strenger Kontrolle möglich. Evtl. darüber hinausgehend erforderliche Direktabschreibungen müssten aufgrund der staatlichen Mitschuld staatlicherseits durch die zeitweilige Erlaubnis eines geringeren Eigenkapital-Prozentsatzes (eine 'nur' synthetische Festlegung) aufgefangen werden. Wieso die zuletzt beschriebene, m.E. pragmatische Lösung in der öffentlichen Diskussion nicht vorkommt, verstehe ich nicht. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr V., es ist ein Fehler der Basel II Regelungen für die Banken, dass die Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegt sein müssen. Leider bringt hier auch die Nachfolgeregelung Basel III keine echte Lösung. Wenn nun private Investoren den Banken kein neues Kapital zu Verfügung stellen, müssen die Staaten es tun. Ja die Banken müssen sogar gezwungen werden, das Staatsgeld anzunehmen, wenn sie es brauchen. Versuchen die Banken alternativ durch eine Reduzierung ihres Kreditgeschäfts zu gesunden, laufen wir in die Kreditklemme. Die soll eine Zwangskapitalisierung verhindern. Temporär geringere Eigenkapitalquoten zu verlangen halte ich dagegen für einen gefährlichen Weg. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Anliegen gilt der Diskussion über die von Ihnen analytisch aufgedeckten Targetproblematik.Über ein offensichtlich eindeutiges Problem(s.Schlesinger) findet gegenwärtig eine verwirrende Fachdiskussion statt. Auch im neuen ECB-Monatsbericht wird analog zur Bundesbank die Targetproblematik (bewußt) verharmlost und über Seiten eine Analyse der spezifischen "Technicalities" des Targetsystems angeboten.Die Tatsache das Target von den "Südländern" als neue Finanzierungsform für die Zahlungsbilanzdefizite verwendet wird,wird nicht akzentuiert und so getan, als wenn es sich dabei um die normalen Risiken der Zentralbank im Geldschöpfungsprozeß handeln würde.Mich würde interessieren, was passiert mit den Forderungen der Bundesbank im worst case der Staatsinsolvenz einzelner Staaten wie z.B. Griechenland. Die griechischen Banken können doch dann sicherlich ihre Verbindlichkeiten gegenüber der ECB(=Forderungen d.Buba)nicht erfüllen? Mit freundlichen Grüßen Josef Holzer
Sehr geehrter Herr Holzer, da die griechischen Banken mit Staatspapieren vollgepumpt sind, sind sie allesamt sofort pleite, wenn der griechische Staat pleite ist. Wenn Griechenland nicht zahlen kann, verlieren wir unseren Kapitalanteil an den Target-Forderungen gegen Griechenland, etwa 28%. Wenn alle GIPS-Länder pleitegehen, verlieren wir 33%, und wenn Italien auch noch pleitegeht, 43%. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich kenne Ihre Vorlesung zur Eurokrise aus dem internet. Können Sie meinen Gedanken dazu etwas abgewinnen? Mit freundlichen Grüßen Ulf Waltz Den Abgeordneten des Bundestags hoffnungsvoll gewidmet Notstands-Gesetze Sehr geehrte Damen und Herren, alle haben wenig Zeit. Ich versuche deshalb mich kurz zu fassen. Folgende Einwände sprechen gegen jegliche Erweiterung des "Euro-Rettungsschirms": Europa und der Euro sind nicht identisch 1. Es sind die kulturellen Wurzeln, die Europa zusammen halten, nicht die gemeinsame Währung. Die Argumentation über einen Rettungsschirm wird unwahrhaftig geführt und ist irreführend, wo politische und wirtschaftliche Motive sich miteinander vermischen. 2. Die notwendige Solidarität mit Griechenland (und weiteren Ländern der Union) drückt sich nicht im Geldtransfer, sondern in der Hilfe zu einem Neubeginn aus. Helfen kann man Griechenland erst wenn man den Mut hat, es vom Euro abzukoppeln (ihm eine Art Quarantäne ermöglicht), über Schuldenstreckung oder Schuldenerlass verhandelt und eine eventuelle Insolvenz helfend begleitet. Es ist also nicht ein Rausschmiss das Motiv (damit wir vielleicht ungeschoren davon kommen), sondern die Gewissheit, dass eine notwendige Abnabelung die Voraussetzung bildet, um solidarische Hilfen wirksam zu machen. Alle bisherigen Mass- nahmen versickern. Sie verschleiern und verschleppen das Problem: und die Zeche zahlen unsere Kinder 3. Eine abgewertete Währung ermöglicht Griechenland den Neubeginn. Es kann den Tourismus zu steigern und (wie andere Länder des nahen und fernen Ostens) Aufträge aus ganz Europa übernehmen, die wieder wirtschaftlichen Aufschwung einleiten. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte Griechenland sich so konsolidieren, dass es unter bestimmten Voraussetzungen erneut in den Euroraum eintreten und seinerseits anderen Ländern solidarisch helfen kann. 4. Alle vorgeschlagenen Sparprogramme und Schuldenbremsen sind ohne den Willen des Volkes - ohne seine Einsicht und Opferbereitschaft - niemals durchzusetzen. Angedrohte Strafzahlungen oder andere Repressalien sind nicht zu realisieren, wenn nichts da ist und man schon mildere Vorgaben zu erfüllen nicht in der Lage war. Der Geld- transfer ermutigt nur weiterzumachen wie bisher. Warum auch nicht? 5. Solange insolvenzgefährdete Länder mit dem Euro verbunden sind, muss der Euro schwächeln - nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße. Erst die Trennung stärkt den Euro und versetzt ihn in die Lage (enthebt ihn aber nicht der Pflicht) effektvoll und solidarisch zu helfen. Die starken Euroländer und ihre Banken müssen rechtlich die Möglichkeit bekommen, uneinbringbare "Rettungsschirm"-Milliarden auf 20 bis 30 Jahre abschreiben. Sie müssten zinslos auf der Euro-Badbank eingelagert werden und sich jedes Jahr um 3 bis 5 % verringern. So gewinnt man auch Zeit für eine grundsätzlich notwendige Reform des internationalen Finanzwesens. Europa braucht Notstandsgesetze um für die kommende Finanz- und Bankenkrise gewappnet zu sein. D.h. befristete Gesetze, die - im voraus für 3 bis 5 Jahre vom Parlament verabschiedet - fertig in der Schublade liegen und die nach festgelegten Kriterien ohne weiteres wirksam werden können. Darin sind geregelt: - die Begrenzung von hohen Einkommen - die Besteuerung hoher Einkommen durch Sonderprogressionen - die Einführung einer progressiven Vermögenssteuer - Anhebung der Erschaftssteuersätze - die Begrenzung von Unternehmensgewinnen (Erträgniswucher) - Begrenzung und Abschöpfung von Renditen - Begrenzung von Zinsen (Zinswucher) - die Deckelung von Beamtengehältern und Renten ab 1.500 Euro - die Einführung hoher Transaktionssteuern, Spekulationsgewinn- und Kapitalertragssteuern, um kurzfristige Spekulationen einzudämmen (wenn sich gewisse Tendenzen der "Märkte" schon nicht verbieten lassen, soll die Allgemeinheit wenigstens daran mitverdienen - insbesondere bei Hedgefonds). - Begrenzung des freien Geldverkehrs - Begrenzung von Unternehmensverkäufen und -fusionen (Zustimmungspflicht von Betriebsbelegschaft und staatlichen Organen) - Reform der Sozialleistungsansprüche - Reform der Asylrechtsansprüche und alternative Vorschläge für eine sinnvolle Weltwährungsreform. Oder, wollen Sie wirklich Ihre Kinder und Enkel für unsere Versäumnisse bezahlen lassen? Mit freundlichen Grüßen Ulf Waltz
Sehr geehrter Herr Waltz, diese drakonischen Maßnahmen sind vorläufig übertrieben. So weit sind wir noch nicht. Es wäre besser, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
May I just take the opportunity to congratulate you on your recent. Saving The Euro article. My goodness. How crisp, balanced and very astute it. It was a pleasure to read. Kind Regards. Ps. I have 250.000 euros to invest. Which I am concerned about. I am a poet not an econimist. Though I have a real interest in the latter. Any suggestions CDS on France? I dont mean to be presumptious or rude. Hopefully, thats understood.
Dear Mr. R., I do not know how you can protect your money against the crisis. Perhaps you buy German real estate, because Germany is likely to experience growing land prices as everyone is look for safe havens. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, kennen Sie diese Liste? http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Unternehmen_in_Griechenland Können Sie mir das Geheimnis verraten, wo und wie Griechenland mit einer Abwertung Drachme international wettbewerbsfähig werden will? Bei Coca-Cola und Lotto? Mfg Ihr Dr. Becker
Lieber Herr Becker, durch den Kauf von weniger Mercedes-Autos. Wettbewerbsfähig ist ein Land, wenn es so viel importiert, wie es exportiert. Die Anpassung geht entweder über die Importseite oder über die Exportseite. Im Falle Griechenlands letzteres. Jedes Land der Welt, wie unproduktiv auch immer, ist bei Freihandel wettbewerbsfähig. Das ist das Grundtheorem der Außenhandelslehre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, egal wie man es dreht und wendet, es spricht derzeit so gut wie alles gegen Griechenland. Auch einen Austritt aus dem Euro halte ich für nicht ganz unproblematisch, denn dadurch würde man, abgesehen von der Erschwerung der Rückzahlung von Auslandsschulden, einen Weg einschlagen, der Griechenland in Richtung Billiglohnland, und damit in direkte Konkurrenz zum benachbarten Bulgarien treiben würde. Ob diese Konkurrenz die Griechen friedlich stimmen, und vor allem von diesen zu gewinnen wäre, möchte ich bezweifeln. Bisher hat die griechische Regierung diese Konkurrenz praktisch mit staatlichem Geld verhindert. Daß beispielsweise jeder Schüler jedes Jahr neue Schulbücher erhalten hat, war ja nichts anderes als eine Alimentierung der Druckindustrie, und wer so vom Staat alimentiert wird, kann schlecht ins (billigere) Nachbarland abwandern (kennt die Volkswirtschaftslehre solche "Alimentierungsfaktoren" ;-)? ). Doch statt bisher nicht abwandern zu können, werden diese sehr zügig abwandern müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben bzw erst zu werden. Meiner Meinung nach hat Griechenland nur die Chance, sich das billigere Nachbarland zunutze zu machen, sich selbst dagegen auf hochwertige Entwicklung und Endfertigung zu spezialisieren. Dies wird aber Zeit und Geld beanspruchen. Eine Möglichkeit, um an Geld zu kommen, sehe ich in einer besonderen Art der Umschuldung. Da die griechischen Staastschulden mittlerweilen nicht mehr das Problem Griechenlands sind, sondern das der überwiegend ausländischen Banken, könnte eine Umschuldung auch so aussehen, daß der Staatsbankrott erklärt und die Staatsanleihen durch solche mit längerer Laufzeiten getauscht werden, die allerdings einen "negativen Zinsertrag" haben, d. h. der Eigentümer muß beispielsweise 3% pro Jahr zahlen, damit die Anleihen nicht ungültig werden. Damit hätte Griechenland das benötigte Geld, die Geldgeber wären an der Rettung entsprechend beteiligt, und diese müssten keine so hohen und vor allem kurzfristigen Abschreibungen vornehmen. Wäre eine derartige Umschuldung, abgesehen von der politischen Durchsetzbarkeit und der Risiken durch CDS, denkbar? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., Griechenland ist etwa um die Hälfte teurer als die Türkei, die ähnliche Waren produziert. Deswegen ist das Land nicht wettbewerbsfähig. Ob es nun gefällt oder nicht, wenn niemand von außen künstlich den Lebensstandard finanziert, muss man sich bescheiden. Bei einem Austritt und externer Abwertung um ein Drittel fiele der Lebensstandard aber nicht in diesem Umfang, weil ja die lokalen Waren und Dienstleistungen auch billiger werden. Nur die Importware wird nicht billiger. Deutschland hat durch Preiszurückhaltung in 15 Jahren um 22% gegenüber seinen Handelspartnern im Euroraum abgewertet. Das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Wenn Griechenland in viel kürzerer Zeit im Euroraum durch Kürzung der Löhne und Preise um ein Drittel billiger werden soll, so geht das praktisch nicht, und selbst wenn es ginge, triebe es doch die Firmen in den Konkurs, weil deren Bankschulden nicht mit abgewertet werden, währen die Preise ihrer Realvermögensgüter entsprechend der allgemeinen Preissenkung fallen. Also bleibt dem Land nur der Austritt, wenn wir es nicht dauerhaft finanzieren wollen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vor der Abstimmung über den ESFS am 29. September sollten noch einmal die ungeschönten faktischen und zu erwartenden Belastungen Deutschland durch die EU und die EURO-Rettungsmaßnahmen der Öffentlichkeit und damit vor allem den verantwortungslos handelnden Politikern vor Augen gestellt werden. Das Handelblatt online vom 16.9.2011 http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/was-kostet-uns-der-euro/4610936.html bringt nicht Ihren Artikel „EZB und Rettungsfonds dürfen keine Staatsanleihen kaufen“, sondern einen Artikel zur Euro-Krise mit dem Untertitel „Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet“. Durch die Addition der Posten IWF ESM (Bareinzahlung) ESM (Bürgschaften) IWF-Rettungsplan für Griechenland EU-Rettungsplan für Griechenland EZB-Staatsanleihenkäufe Target-Verbindlichkeiten kommt der Autor auf eine Gesamtsumme von 379 EURO im schlechtesten Falle. Für ESM Bareinzahlung werden im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro veranschlagt, für ESM Bürgschaften bis zu 168 Milliarden Euro im Ernstfall. In http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2 kann man zu den Bundesbankforderungen im Rahmen von Target2 an die EZB lesen: „Im August 2011 stiegen sie auf 402 Milliarden Euro.“ Gibt es nicht weitere mögliche Belastungen durch die HERMES-Ausfuhrbürgschaften und durch die Kaskadenstruktur der Haftung, durch welche die zahlungsunfähigen Staaten ihre Bürgschaften auf die verbleibenden Staaten, besonders wieder Deutschland abwälzen können? Gilt diese Kaskadenstruktur auch für ESFS? In der Zusammenstellung eines Internet-Lesers fand ich folgende Angaben: 16.9.2011 flötrolf GRE I - 22 bis 38 Mrd. EURO; Bundesbank-Kontokorrent für PIIGS-Notenbanken: 356 Mrd. EURO; Anleihen der EU-Kom: 78 Mrd. EURO; EFSF - 400 Mrd. EURO; Hermes-Ausfuhrbürgschaften für die PIIGS - 167 Mrd. EURO; EZB - Anleihenaufkäufe - 150 Mrd. EURO; Bankenrettungsfonds - 500 Mrd. EURO (ja der besteht nach wie vor); IWF - 138 Mrd. EURO; EIB - Kreditausfälle - 48 Mrd. EURO; Als Wirtschaftslaie will ich mich gern auf Sie als glaubwürdigen und nicht gekauften oder erpressten Wirtschaftsexperten verlassen. Mit großem Dank für Ihr Wirken grüße ich Sie Horst Peters
Sehr geehrter Herr Peters, die Zahlen im Handelsblatt sind veraltet und entstammen vermutlich einem Artikel, den ich dazu vor der Sommerpause geschrieben habe. Die aktuellsten Zahlen finden Sie im neuesten ifo-Schnelldienst, der auf der Homepage herunterladbar ist. Die Target-Schuld im August sind 390 Milliarden. Dazu habe ich gerade gestern in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel geschrieben. Man kommt bei der Darstellung der Zahlen leicht durcheinander, weil das Eigenkapital der Bundesbank bei der EZB in der Statistik dazu gerechnet ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie engagieren sich seit Jahren für die Stabilität der Eurozone und stellen wie wir einfachen Bürger fest, dass immer neue Risiken aufgebaut werden, die Deutschland als Transfer- und Haftungsträger verpflichten. Die heutige "Münchner Runde" sah Sie einmal mehr als Verfechter eines Innehaltens und Überdenkens der gefährlichen Situation angesichts für die Bundesrepublik Deutschland gewaltige Vermögensrisiken. Solche Haftungsrisiken sind, wie vom Bundesverfassungsgericht festgelegt, von den Parlamenten zu beschließen, statt vom einem europäischen Gremium, das dafür überhaupt kein Mandat hat. Als „Normalbürger“ im 8ten Lebensjahrzehnt verfolgt man nicht nur als politisch Interessierter, sondern als betroffener Staatsbürger mit „europäischer Geistesprägung“ seit geraumer Zeit die politische Entwicklung mit ernster Sorge! Zunehmend verhärtet sich ein „Unbehagen an der Politik“. „Europa“ stellt sich dem Bürger weniger als „grenzenlos“ dar, sondern als politischer Krankheitsherd ungeahnten Ausmaßes! Anstatt wirtschaftlichen Aufschwunges bestimmen „Krisenländer“ mit überschuldeten Staatshaushalten die Handlungslinien der politischen Führung fast aller Mitgliedsländer und die europäische Bürokratie. Zahllose „Experten“ beziehen Stellung zur Schuldenkrise in Europa – was offensichtlich weder in der Vergangenheit zu nachhaltigen Erfolgskonzepten geführt hat, noch für die Zukunft plausible Handlungsoptionen eröffnet! Dem Bürger bleibt neben seinen Existenzsorgen die alltäglich in den Medien verbreitete „Drohkulisse“ eines Scheiterns Europas. "Scheitert der Euro, scheitert Europa!" Mit diesem Ausschließlichkeitsargument versucht die Bundeskanzlerin, die Abgeordneten des Bundestages und uns Bürger in Ihrem Sinne zu disziplinieren! Mit Ihrem heutigen Hinweis in der Münchener Runde "...wenn ihr nicht das Portmonae öffnet, droht ein weltweiter Finanzkollaps..." charakterisieren Sie genau den Handlungsdruck, der von der Finanzwelt ausgeht und die Politik "vor sich her treibt." Das ist nicht länger zumutbar, weil daraus nichts als Aussichtslosikkeit erwächst, jegliches souveränes politisches Handeln ausschließt - und, demokratische Willensprozesse ad absurdum führt! Laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer sind 76 Prozent der Deutschen gegen die geplante Ausweitung des Euro-Rettungsschirms. Viele Mails, Briefe und Anrufe bei den Abgeordneten sind Ausdruck dieses Volkswillens. All diese Menschen begreifen nicht, dass eine Regierung und die Abgeordneten des Bundestages nicht aus dem bisherigen krisenhaften Ablauf lernen! Schließlich haben bisher alle Hilfspakete ihre Wirkung verfehlt, alle Stabilitätsvereinbarungen der Maastricher Verträge wurden gebrochen - zum Schaden Deutschlands und seiner Bevölkerung, der gerade Haftungspflichten durch so genannte "Rettungsschirme" auferlegt werden, die zukünftigen Generationen keine andere Wahl als ein Leben in Fremdbestimmung und wirtschaftlicher Armut zumutet! Anstatt die Probleme unseres Landes zu lösen und Schulden abzubauen (Zinsverpflichtungen des Haushaltes = 40 Milliarden jährlich - der drittgrößte Haushaltsposten!), werden gebetsmühlenhaft Drohkulissen der Finanzwelt vermittelt. Das ist der Offenbarungseid dieser Bundesregierung, die schon längst keine Handlungsinitiative mehr hat - und die Gefangene ihrer eigenen verhängnisvollen Politik ist! Offensichtlich können einige wenige Finanzinstitute mit ihren Gurus die ganze Welt aus den Angeln heben - nur, weil die exorbitante Überschuldung europäischer Länder dafür die Vorlagen liefert! Obwohl immer das Gegenteil beschworen wurde, lässt sich ein kontrollierter Konkurs Griechenlands wohl kaum vermeiden. Und trotzdem wird der Bundestag in diesem Monat wohl mit großer Mehrheit für weitere Hilfspakete stimmen. Dem Bürger wird seit Jahren die Alternativlosigkeit einer Europapolitik sowohl von den Politikern, europäischen Institutionen, und der Finanzwelt offeriert, die einer Geiselnahme gleich kommt - man hat als Bürger das Gefühl, dem Chaos von Mitgliedsstaaten der EU ausgeliefert zu sein und sieht daher die eigene Lebensgrundlage gefährdet! Die Fähigkeit oder der Wille scheint abhanden gekommen, zu einer gründlichen "Güterabwägung" zurück zu kehren, die eine Fragestellung zur Grundlage macht, ob durch "Rettungsschirme" oder sonstige Hilfsmaßnahmen oder Auflagen der beabsichtigte Zweck, nämlich die Stabilität des Euro tatsächlich erreicht werden kann - oder ob "gutes Geld" dem "schlechten" wirkungslos und zu aller Schaden hinterher geworfen werden soll! Ich füge Ihnen als Anlage zu unseren Bürgersorgen meine Einlassungen an die Politik bei. 1. Unbehagen an der Politik (aus Sorge um den demokratischen Konsens) 2. Frau Bundeskanzlerin – Scheitern Europas 3. Finanzkrise Vorhersage 2005 Was mich persönlich beunruhigt ist, dass die internationale Finanzkrise die Denk- und Beurteilungsabläufe der Politik durch „Drohkulissen“ beeinflusst, bzw. einschränkt. Das kommt einem geistigen „Gulag“ gleich, in dem es die Ergebnisse von induktiven Denkprozessen öffentlich gebrandmarkt werden – und so deduktive Denkmuster gefördert, die, von „Experten“ vorgegeben, alternatives Handeln unter Ausschaltung folgerichtiger Denkprozesse einschränkt! Nach dem Motto: „Das Ganze vor den Teilen sehen“ werden normative Fakten nationaler Wirtschaften und Gesellschaften zugunsten einer Europaidee „globaler Stärke“ hinten angestellt, die seit Gründung den Nachweis ihrer Alltagstauglichkeit schuldig geblieben ist – ja durch eine Niedrigzinspolitik die Haushalte zahlreicher wirtschaftsschwacher Mitgliedsländer in den Ruin treibt/getrieben hat, weil sie zum Schuldenmachen geradezu annimiert hat! Ob Sie, Herr Professor mit Ihren Einlassungen „Recht“ haben – oder ob die Abläufe einer zwingenden Eigendynamik folgen, die weder Frau Merkel noch Herr Sarkozy beherrschen, wird die nahe Zukunft zeigen – mit Sicherheit zu Lasten der Bevölkerung - mit unbestimmter Zukunft! Ist das "Demokratie heute"?! Mit sorgenvollem Gruß Volker Meyer
Sehr geehrter Herr Meyer, wie Recht Sie doch haben. Vielen Dank für diesen Beitrag. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Gedankenspiel: Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bei gleichzeitigem Beibehalt des Euro als Fremdwährung Sehr geehrter Herr Sinn, wie viele andere Deutsche treibt mich die Angst sowohl um den Euro, die EU und, im besonderen aber auch die Angst vor dem um, welche Welle auf uns zurollen wird, wenn die Regierung die gegenwärtige Rettungsschirmpolitik starrsinnig fortführt und unsere Alterssicherung leichtfertig aufs Spiel setzt. Was dort lauert, das haben Sie ja schon verkündet, leider will es derzeit niemand hören, gleichgültig aus welcher politischen Ecke er entstammt. Nun aber meine Alternative zu den beiden Extremen Rettungsschirmpolitik vs. Euro-Austritt der Griechen aus dem Euro bzw. Insolvenz Griechenlands: Spielen Sie doch bitte einmal die folgende Alternative durch und nehmen die Beispiele der Dollarisierung (z.B. Ecuador, El Salvador) oder Euroisierung ( z.B. Montenegro, Kosovo), die keine eigenen Währungen besitzen sondern den US-$ bzw. den Euro als Fremdwährung übernommen haben. Griechenland verlässt die Euro-Zone und den Stabilitätspakt, würde aber den Euro als Fremdwährung beibehalten. Die Griechen würden sich dem Spardiktat entziehen, das zu nichts weiterem führt als zum Totalverlust ihrer Wirtschaftskraft und zum Volksaufstand. Griechenland könnte dann zwar nicht abwerten wie mit einer Drachme, würde aber dem Dilemma einer Drachme-Einführung entgehen, dass Einnahmen in Drachmen getätigt würden, Schulden aber in Euro zu begleichen wären. Die Banken drohen bei diesem Modell nicht zu fallen, weil es keinen Run auf Spareinlagen gäbe. Sie müssten nur über längere Fristen mit dem griechischen Staat zur Begleichung ihrer Forderungen verhandeln, andernfalls den Zahlungsausfall riskieren. Für die übrigen 16-Euro-Länder hat dies den Vorteil, dass sie nicht in die Falle der Haftungsgemeinschaft gerieten. Die Gefahr, dass Griechenland zwar zahlungsunfähig würde, besteht zwar dann auch, hätte aber nicht die dramatischen Folgen, die in der jetzigen Situation 100%-ig einträfen, nämlich Zahlungsausfall gekoppelt mit Inanspruchnahme der Bürgen auf lange Sicht und damit Abwürgen des europäischen Motors in der Euro-Zone Deutschland (+Frankreich, Niederlande, Österreich). Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde in diesem Fall auch nicht auf andere Eurozonen-Mitglieder übergreifen, da die direkte Koppelung entfiele. Zudem fiele dadurch eine Belastung für die wirtschaftlich stärkeren Mitglieder weg und das auf lange Sicht schwache Griechenland würde nicht durch die starken europäischen Nordländer in die Ecke gedrückt werden. Denn bei allen Rettungsplänen für die Griechen bleibt immer ein strukturelles Problem bestehen: wenn die griechische Wirtschaft konkurrenzfähig werden will, muss sie immer gegen die Wirtschaften der Nordländer konkurrieren, und das zu EZB-Bedingungen für die Nordländer und dem Stabilitätspakt im Nacken. Wie sollen sie jemals dabei einen Fuß auf die Erde bekommen, das ist die Quadratur des Kreises. Der Euro für die Griechen als Fremdwährung mag zwar nicht der beste Weg sein, er ist aber derjenige, der jedem Mitspieler am wenigsten schmerzen und gleichzeitig allen die Last etwas lindern würde, eben die klassische win-win-Situation, wenn man dei einem Dilemma überhaupt von einem win sprechen kann. Ich hoffe, dies ist eine kleine intellektuelle Anregung, die vielleicht Einzug in die politische Diskussion finden und den gedanklichen Stillstand beenden könnte. Mit freundlichen Grüßen Juergen Rieck Berlin
Sehr geehrter Herr Rieck, vielen Dank für Ihren Brief. Ich glaube nicht, dass der Euro als Parallelwährung eine Lösung bietet, denn die Hauptsache ist ja, dass Griechenland zu teuer ist und ein gewaltiges außenwirtschaftliches Defizit abbauen muss. Das geht nur über die Drachme. Es müssen zugleich alle In- und Auslandsschulden in Drachme umgetauscht werden. Da die Ausslandsschulden souveräne Schulden nach griechischem Recht sind, kann Griechenland die Umwandlung unilateral vornehmen. Nur so geht es meines Erachtens. Dann haben alle ausländischen Gläubiger einen gleichmäßigen Haircut im Ausmaß der Abwertung. Das werden sie verkraften. Wegen Argentinien und Mexiko ist die Welt auch nicht untergegangen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Frau Karen Pittel, Sie schrieben in ihrer Antwort. "... Daher ist die Ausnutzungsdauer der Windkraftanlagen in Bayern um etwa 400 Stunden geringer als im Bundesdurchschnitt .. während im Bund 2007 und 2008 die Anlagen 1857 bzw. 1763 Stunden im Volllastbetrieb waren ..." Sie lassen bei dieser Aussage leider den technischen Fortschritt außer Acht. In Bayern (und angrenzenden sonstigen "Ausland") ist es mit modernen Schwachwindanlagen möglich, Volllaststunden von über 3000 bei schon niedrigen Windgeschwindigkeiten von >6 m/s zu erreichen. Wir können also "froh" sein, dass bisher so wenig in Bayern gebaut wurde und hoffen, dass in Bayern die "richtigen" Anlagen in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen werden. Das Potenzial ist ganz beachtlich, Standorte gibt es gerade in Bayern mehr als ausreichend, ohne das dies zu einer unerträglichen Verspargelung führen würde. Bayern hat gemäß der letzten Binnenland-Studie vom BWE ein das höchsten Potenzial aller Bundesländer, was nichts anderes heißt, das man die Windmühlen dünn streuen könnte. Um Zahlen zu nennen, selbst das bayerische Umweltministerium rechnet viel zu konservativ: Mit den dort genannten 1500 Windkraftanlagen der 2,4 MW-Schwachwind-Klasse und 3500 Volllaststunden lassen sich 16% des bayerischen Strombedarfs decken (moderne Schwachwindanlagen des Typs N117, SWT 2.3). Damit würden 5x weniger Windmühlen pro km stehen als in Niedersachsen (nicht zu vergessen, das jetzt schon 400 WKA in Bayern betrieben werden, die allerdings mit den o.g. nicht zu vergleichen sind). Den völlig veralteten Anlagenpark aus 2007/08 für eine Abschätzung heranzuziehen ist jedenfalls Unsinn. Die Leistungcharaktistik (hohe Volllaststunden) der modernen Anlagen hat noch weitere gravierende positive Folgen: Es werden etwa nur halb so viele Standorte benötigt, im Gegensatz zur gerade in Bayern gigantisch teuren Photovoltaik wäre das auch einmal eine relativ, ökonomisch viel wertvollere Form des EE-Stromes. mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Goeb, Vielen Dank für die Informationen. Generell ist natürlich richtig, dass der technische Fortschritt das Windkraft-Potenzial in Bayern wie auch in anderen Bundesländern weiter erhöhen wird. Allerdings bleibt die Tatsache bestehen, dass das Windangebot in Bayern spürbar geringer ist als in Norddeutschland. Ich habe Ihre Informationen ebenfalls an unseren Energieexperten Herrn Karl weitergeleitet, der Ihnen zustimmt, dass der technische Fortschritt hat zwar einen Einfluss auf die erzielbare Windstromausbeute hat, allerdings nach wie vor betont, dass das Windangebot einen zentralem Einfluss hat. Obwohl die in den letzten Jahren errichteten Anlagen zunehmend besser waren als die älteren Windräder, lagen die Volllaststunden der Windkraftanlagen in Deutschland 2010 bei 1380 und damit dem niedrigsten Wert seit dem Jahr 2001; der Spitzenwert wurde 2007 mit 1860 Volllaststunden erreicht. Da Herr Karl insbesondere bzgl. der technischen Details der Experte am ifo ist, würde ich vorschlagen, dass Sie ihn bei weiterem Diskussionsbedarf ebenfalls kontaktieren (karl@ifo.de). Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel
Sehr geehrter Herr Karl, Über Ihre Antwort habe ich mich gefreut. 1) Ich "bestehe" darauf: eine unsinnige Rechnung ohne jeglichen Realitätsbezug anzuführen ist: Was will man damit überhaupt noch ausdrücken. Man hätte es genauso falsch mit Photovoltaikanlagen, etc machen können. 2) Sie werden mit hohen Anlagen erst einmal nur höhere Windgeschwindigkeiten und höhere Erträge erreichen. Mit Anlagen wie der E126 beispielsweise werden Sie keine höheren Volllaststunden erzielen. Der "Witz" ist eben das entsprechende Auslegung: hohe Anlagen mit niedrigen Generatorleistungen. 3) Die VLH ergeben sich aus den geprüften Leistungskennlinien der Anlagen, daran braucht man nicht zweifeln. 4) ohne die Windkraft-Anlagen mit höheren Kapazitätsfaktoren wird es in Zukunft gar nicht gehen. Grund: die steigende installierte Leistung wird gar nicht mehr abgenommen werden können, bzw. die Erträge werden stark sinken. Es wird also zwangsläufig zu einer Entwicklung des Anlagenbestandes mit hohen Kapazitätsfaktoren kommen. 5) die Prognos-Studie macht den gleichen Fehler, die Volllaststunden des Anlagenbestandes einfach fort zuschreiben. Die Frage habe ich mir nebenbei nicht alleine gestellt, in diesem Fall sogar zu meiner Überraschung ein Politiker: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/033/1703315.pdf Zum Thema zitiere ich noch mal aus einer Antwort im Forum: > Sehr geehrter Herr Dr. Heublein, ... Die Stromerzeugung aus > Windenergie hat in Bayern eine geringe Bedeutung; 2010 waren in Bayern > nur knapp 1,9% der durchschnittlich Windkraftleistung Deutschlands > installiert. Die Stromerzeugung fällt noch geringer aus, da Bayern > weniger windreich ist als die Gebiete in Norddeutschland und > insbesondere an der Küste. > > [Anm.: Die BWE-Studie nennt Bayern als Binnenland mit dem größten > nutzbaren Potenzial] > > Daher ist die Ausnutzungsdauer der Windkraftanlagen in Bayern um etwa > 400 Stunden geringer als im Bundesdurchschnitt: Während im Bund 2007 > und 2008 die Anlagen 1857 bzw. 1763 Stunden im Volllastbetrieb waren, > lagen die entsprechenden Werte für Anlagen in Bayern bei 1443 bzw. > 1371 Stunden. In Deutschland belief sich die durchschnittliche > Ausnutzungsdauer der Windenergieanlagen zwischen 2001 und 2010 auf > rund 1580 Stunden, wobei der Spitzenwert mit 1857 Stunden 2007 > erreicht wurde, der niedrigste Wert trat mit 1380 Stunden 2010 auf. > Angesichts von 8760 Stunden in einem Normaljahr wurden die > Windkraftanlagen nicht ganz zu 20% ausgenutzt. > > [Anm: auch hier wieder: Uralt-Anlagen taugen nicht für einen > realitätsnahen zukünftigen Vergleich] > > Während mit küstennahen und im Meer (offshore) positionierten modernen > Anlagen die Ausnutzungsdauern deutlich gesteigert (2050 rechnet man > für Offshore-Anlagen mit 4000 Stunden) werden können, ist das in > Bayern in dem Umfang nicht zu erreichen; eine spürbare Erhöhung der > Ausnutzungsdauern ist in Bayern nur möglich, wenn man die Anlagen auf > den Bergeshöhen errichtet. > > [Anm: die 4000h werden doch heute schon erreicht. Und um in Bayern > genau zu bleiben - Standorte mit >=6,5 m/s Windgeschwindigkeit] > > Hinweis: Die Ausnutzungsdauer ist dabei so definiert, dass die > jährliche Stromerzeugung durch die installierte Leistung der > Windkraftanlagen dividiert wird; die Anlagen erzeugen natürlich über > einen längeren Zeitraum elektrische Energie, aber häufig nur mit einem > Bruchteil der möglichen Leistung (=Nennleistung). > > [Anm: hier wird es besonders interessant, wenn man die u.g. 40.000 > Anlagen mal hernimmt. Das hatte ich ja schon vorgerechnet, s.u. erstes > Mail. Das ist sogar noch schlecht gerechnet, da sich das durch > innereuropäsche Standortstreuung sich noch wesentlich verbessert.] > > Die obigen Ausführungen beruhen auf den folgenden Quellen - > Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Energiebilanz Bayern, > Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik und - ewi-gws-prognos, > Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung, August > 2010 sowie Berechnungen von Hans-Dieter Karl, wissenschaftlicher > Mitarbeiter des ifo Instituts. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel > (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen) Hier noch ein sehr verstörendes Beispiel: http://www.muenchen.ihk.de/mike/WirUeberUns/Publikationen/Magazin-wirtschaft-/Aktuelle-Ausgabe-und-Archiv2/Magazin-09-2011/Politik-und-Standort/Streitgespraech-Eine-Verschandelung-der-bayerischen-Landschaft-wird-es-nicht-ge.html > *Sinn:* /Die Wattenmeere reichen nach unserer Rechnung nicht aus. > Wollte man auch nur den jetzigen Stromverbrauch durch Windflügel > ersetzen, bräuchte man fünf Wattenmeere und nicht eines, und die > müssten dicht an dicht im technischen Mindestabstand vollständig > bestückt werden mit Riesenrotoren./ Diese Berechnung würde mich brennend interessieren, "ein" Wattenmeer hat 9000 km2. Hier kann etwas nicht stimmen. Damit Sie mich mich falsch verstehen: mir geht es darum, eine "intelligente" Debatte zu führen. Wenn man in Talkshows laufend wiederholt, dass die Windkraftnutzung zur Verspargelung führt, dann ist das schlichtweg falsch, s.u. erstes Mail. Dies bedeutet, dass viele geeignete Standorte nicht mal genutzt werden, und ganze Landstriche gar kein Windrad aufweisen werden. Es gibt wirklich genug zu kritisieren an dem staatlich organisierten Umbau der Stromversorgung, auch ich halte das für eine ökonomische Katastrophe, was derzeit geschieht. Bloß mit irreführenden Informationen sind wir derzeit ja genug bedient. Gruß Markus Goeb
Sehr geehrter Herr Sinn, ich beziehe mich den Abschnitt "Windräder als Ersatz" S.279 in "Das Grüne Paradoxon". Sie rechnen dort die Unmöglichkeit vor, mit Windkraft ein Atomkraftwerk ersetzen zu wollen. Dabei vergleichen sie die sog. gesicherten Leistungen von 3MW-WKAs und Atomkraftwerken. Damit werden Sie natürlich immer „Erfolg“ haben. Sie hätten auch genauso gut vorrechnen können, wie teuer uns der Strom dann kommt. Sie folgern daraus nämlich eine Verspargelung, die es niemals geben würde: Bei einer installierten Leistung von 333.000 MW würden die Anlagen den größten Teil des Jahres abgeschaltet bleiben, die Netze würden den Strom nicht transportieren können, die kWh aus diesem Anlagenpark wäre unbezahlbar. > Die Rechnung so aufzumachen halte ich für unzulässig. Es geht doch darum, am Ende noch einen einigermaßen realistischen Ansatz zu verfolgen. Der kann nur heißen: WKAs in ein Gesamtkonzept einzubinden und keine isolierte Betrachtung vorzunehmen. Das hier ein ebenfalls teuerer Strompreis herauskommt, ist mir auch klar, aber die deutsche Gesellschaft sollte wenigstens wissen, was der „Unsinn“ vermutlich kostet, spannend wäre es allemal. Ich schlage also eine andere Modellrechung vor: 40.000 WKA onshore, Schwachwindanlagen (z.B. des Typs Siemens SWT 2.3-113, Nordex N117,...). Mit diesen Onshore – Anlagen, die bei niedrigen Windgeschwindigkeiten Kapzitätsfaktoren von 40% gegenüber den jetzigen 15% erreichen, lassen sich rund 330 TWh Strom erzeugen. Die Leistung dieser Anlagen beträgt 96 MW (derzeit 30MW), diese werden aber im Gegensatz zu Ihrer Rechnung nur an wenigen Stunden des Jahres erreicht, das „wegwerfen“ von Strom findet im vertretbaren Maße statt. Die Anlagen liefern, rein rechnerisch, statistisch betrachtet, an weniger als 10% des Jahres gar keinen Strom, an mehr als 40% des Jahres wäre eine Vollversorgung gegeben. Gefallen müssen Ihnen die Anlagen natürlich trotzdem nicht, aber es sind „nur“ 10.000 Anlagen mehr als derzeit vorhanden, die noch dazu niemals im schönen, aber Gott sein Dank völlig ungeeigneten Münchner Umland oder den Alpen, vielmehr dagegen in Nord- und Ostbayern und dem nicht-bayerischen Ausland ihren Platz finden müssten. Mir ist auch klar: der geeignete Schattenkraftwerkspark ist nicht vorhanden, kostet natürlich auch ein Heidengeld und wird dazu noch dazu mit niedriger Auslastung betrieben. Die Rentabilitätsprobleme verhindern ja heute schon Investitionen in Kraftwerke. Und das hier x Milliarden planwirtschaftlich durch das EEG verschoben werden, gefällt mir ebenfalls nicht. Ich bin Ihnen ja im Grund dankbar, dass Sie der deutschen Öffentlichkeit auch mal eine Rechnung präsentieren, wie teuer das alles kommt. Das machen die EE-verliebten-grünbeseelten Politiker nicht, und die Lobbyverbände machen immer ihre eigene Rechnung auf. Bloß sollte man wenigstens mit den Möglichkeiten spielen, die der technische Fortschritt heute bietet, sonst bleibt es eine an den Haaren herbeigezogene Spielerei. Auf eine kurze Entgegnung hierzu freue ich mich. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Goeb, im Auftrag von Prof. Sinn, der gegenwärtig durch andere Themen stark beansprucht wird, beantworte ich Ihr Schreiben. Sie beziehen sich darin auf den Abschnitt „Windräder als Ersatz“ in „Das grüne Paradoxon“. Zu Ihrer kritischen Anmerkung ist zu sagen, dass mit der Rechnung demonstriert werden sollte, dass Windkraftwerke, vor allem wenn man die gesicherte Leistung der Anlagen betrachtet, nur in sehr begrenztem Umfang konventionelle Kraftwerke ersetzen können. Die von Ihnen genannten Schwachwindanlagen stellen eine interessante technische Entwicklung dar. Die höheren Volllaststunden sind aber neben den technischen Fortschritten auch auf die größeren Dimensionen der Anlagen zurückzuführen. Ob mit Onshore-Schwachwindanlagen aber Kapazitätsfaktoren von 40% gegenüber derzeit knapp 20% zu erreichen sind, muss sich in der Praxis zeigen. Es bleibt das grundsätzliche Problem, dass das Winddargebot von Jahr zu Jahr und innerhalb eines Jahres starken Schwankungen unterliegt und zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit geeignete Kraftwerksleistung, auf die Sie auch hinweisen, benötigt wird. Noch ein Hinweis: In der Studie von ewi-prognos-gws für die Bundesregierung vom August 2010 werden für Onshore-Windkraftwerke im Zeitraum bis 2050 Jahresvolllaststunden je nach Szenario zwischen gut 1500 und 2180 ausgewiesen; Offshore-Anlagen erreichen danach im Jahr 2050 rund 4000 Volllaststunden (Kapazitätsfaktor: 46%). Mit freundlichen Grüßen H.-D. Karl
Hello Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, I have just become aware of a controversy involving yourself: http://economicsintelligence.com/2011/10/06/gips-euros-vs-german-euros-debunking-hans-werner-sinn-vol-ii/ (I have no opinion on this.) I do write to provide you with clear demonstration of a condemnable, massive deception by omission, done by the ‘mainstream’, which severely fools the people. I try to inform the people, but have no pulpit. Very instructive, real asset price histories are kept very-little-apparent to the people, please see: http://homepage.mac.com/ttsmyf/begun.gif http://www.nytimes.com/imagepages/2006/08/26/weekinreview/27leon_graph2.html Up to date, by me: http://homepage.mac.com/ttsmyf/RHandRD.html I feel sure that the main enabler of sizable asset price bubbles (very harmful!) is keeping the real inflation-adjusted price histories out of sight ... Might you care to give voice to UNfooling the people? Very sincerely,
Dear Mr. H., Yes I know Mr. Storbeck. He understands some nonsense and then argues against that. He permanently makes false allegations about what I said and wrote, twisting it often into the opposite. I gave it up to react to him. The scientific paper with Wollmershäuser has all the necessary details. This is the link: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Thanks for your links. Hans-Werner
Sehr geehrter Herr Sinn: Ich habe diesen Sonntag Ihr Interview gelesen, welches "El Mundo" veröffentlicht hat. Ihre Meinungen über die jetzige Situation der Währungsunion fand ich besonders zutreffend. Als ich in Bonn studierte (1987 - 1993) war der Vertrag von Maastricht in den ersten neunziger eine starke Debatte. Ich erinnere mich insbesondere daran, dass mein Professor des Wahlfaches Geldpolitik, M.J.M. Neumann, immer wieder eine bindende und glaubwürdige "no bail - out clause" forderte, welche am Schluss im Text nicht aufgenommen wurde. Jahre später sieht man, dass diese glaubwürdige "no bail out clause" viele Probleme vemieden hätte, denn, wie Sie im Interview feststellen, jedes Mitgliegstaat der Währungsunion muss seine Probleme für sich lösen und nicht auf die Hilfe anderer hoffen. Dies ist insbesondere der Fall in einer nicht optimalen Währungsunion wie unsere, in der keine einheitliche Finanzpolitik besteht und die Mobilität der Arbeitskräfte im Binnenmarkt beschränkt ist. Ich teile auch ihre Meinung über die Prämie die Spanien für seine Verschuldung zahlt. Die ist nicht zu hoch. Im Gegenteil, ich mach mir Sorgen darüber, dass diese Prämie indirekt oder, seit August, direkt mit Hilfe der europäischen Zentalbank künstlich heruntergedrückt wird und den Marktkräften nicht das richtige Signal geben lässt. Meiner Meinung nach ist die Politik der europäischen Zentralbank im Falle von Spanien (wahrscheinlich auch Italien) völlig verfehlt. Sie hat nur zur Folge, dass die notwendigen strukturellen Reformen verzögert oder nicht einmal durchgeführt werden (Sparkassen, Arbeitsmarkt, usw.). Wenn Spanien 700 Basispunkte mehr als Deutschland zahlen müsste, wäre die Nachfrage nach Reformen will stärker und viel einfacher es der Bevölkerung zu erklären. Dies wäre eingentlich der Mehrwert einer einheitlichen Geldpolitik, im € verkörpert, ein richtiger Disziplinmechanismus für die Mitgliedstaaten. Schade, dass fast jeder daran interessiert scheint, die Probleme unter dem Teppich zu kehren. Ein anderer Weg wäre jedoch möglich. Schliesslich steht im Artikel, dass Sie sich zum Ordoliberalismus bekennen, was als "deutscher Neoliberalismus" übersetzt wird. Ordoliberalismus ist, wenn ich mich nicht irre, eine der wissenschaftlichen Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft, welches von der österreichen Schule abzugrenzen ist und nicht mit Neoliberalismus verwechselt werden sollte. Es freut mich dass Ihre Meinungen bis Spanien angekommen sind. Ich muss jedoch zugeben, dass ich in meiner Heimat, auch unter Volkswirten, ein Sonderfall bin. Ich denke, dass Sie solche Äusserungen von Spaniern jedenfalls selten hören werden. Zu viele, wirklich zu viele, "vested interests". Mit freundlichen Grüssen, P. Spanischer Volkswirt
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Nachricht. Ja, in der Tat, Manfred Neumann hatte damals den vollen Durchblick. Ich selbst war noch nicht so weit, sondern habe mich von der Euro-Euphorie blenden lassen. Ich bin immer noch für den Euro, aber doch mit den Maßregeln, die Neumann beschrieb. Ihr Hans-Werner Sinn
Honorable Mr. Sinn I think it´s my moral duty to send you the result of my complaint in Entidade Reguladora para a Comunicação Social. Forgive me in my first email, but here in Portugal "the big money speaks laugther" and the news is what you saw! Take a look at roll of public debt created by politicians (Madeira, Metro do Porto, Public-Privates Parceries, etc). This debts wasn´t made by the public, but by the politicians! Thank you once more for your mail!It´s frustanting to try being informed in the news and even that public information most of the time is wrong. Please don´t put the blame on Portuguese people, blame our politicians. Best regards
Dear Mr. V., Thank you for your information. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich verfolge schon seit Jahren Ihre Statements in Bezug auf die Schuldekrise der BRD und Europas und bin mit Ihnen absolut d'accord. Es stellt sich aber die Frage, wie kann die Politik von Ihren Argumenten und die Ihres Ifo-Institutes überzeugt werden. In Deutschland gibt es gewiß einen Anteil von 50% in der Mittelschicht, die sofort einer Unterschriftenaktion zur Einflußnahme auf die Politik teilnehmen würde. - Wenn man die sich abzeichnende politische Entwicklung in der BRD vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen in 2013 vor Augen führt, muss ganz eindeutig von einer weiteren Verschlechterung der Schuldensituation in der BRD ausgegangen werden, und dies trotz der im Grundgesetz eingeführten Schuldenbremse. - Wieso kann niemand der deutschen Bevölkerung klarmachen, dass deren Lebensstandard schon seit rd. 10 Jahren abgenommen hat und weiterhin abnehmen wird. - Nun schürt Frau von der Leyen zudem Angst, dass die Sozialsysteme in der BRD auseinanderbrechen werden, wenn wir Griechenland fallen lassen, den Rettungsschirm nicht finanziell bedienen, etc. - Bitte bleiben Sie und ihr Ifo-Institut in allen Medien präsent und lassen Sie bitte in Ihrem Bemühen nicht nach, damit Ihre Argumente letztendlich umgesetzt werden. Mit bestem Gruß Franz Pfaff
Sehr geehrter Herr Pfaff, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, herzlichen Dank für Ihren Vortrag beim Export-Club Bayern, der vielen der dort Anwesenden die Augen für die dramatische Euro-Krise geöffnet haben dürfte. Nachstehend finden Sie - ich hatte Sie darauf angesprochen- den heute von MdB Stinner übermittelten Bericht aus Berlin, in dem es in Ziff. 1 b. u.a. zur BT-Entscheidung ueber den EFSF am 29.09. 2011 heißt:" ..sowie um die Ermächtigung von Aktivitäten, wie z.B. den Ankauf von Bonds am Primär-und Sekundärmarkt,...." Mit freundlichen Gruessen Dr. Klaus Hermann Ringwald
Sehr geehrter Herr Dr. Ringwald, Sie haben Recht mit Ihrer Interpretation. Die direkte Staatsfinanzierung ohne Krisenprozedur und ohne IWF ist nun möglich. Dazu der Text, über den der Bundestag abstimmen wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Im Gesetzentwurf für den Bundestag steht: „(1) Das Bundesministerium der Finanzen wird ermächtigt, für Finanzierungsge- schäfte, die eine von den Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets gegründete o- der beauftragte Zweckgesellschaft zur Durchführung von unter der Voraussetzung der Absätze 2 und 3 gewährten Notmaßnahmen zugunsten eines Mitgliedstaates des Euro-Währungsgebiets tätigt, Gewährleistungen bis zur Höhe von insgesamt 211,0459 Milliarden Euro zu übernehmen. Notmaßnahmen im Sinne von Satz 1 sind Darlehen der Zweckgesellschaft an den betroffenen Mitgliedstaat, einschließlich sol- cher, die der Mitgliedstaat zur Rekapitalisierung von Finanzinstituten verwendet, vor- sorgliche Maßnahmen sowie Ankäufe von Staatsanleihen dieses Mitgliedstaats am Primärmarkt oder Sekundärmarkt. Gewährleistungen nach Satz 1 können nur bis zum 30. Juni 2013 übernommen werden. Zu diesem Zeitpunkt verfällt die Ermächtigung für den nicht ausgenutzten Teil des Gewährleistungsrahmens. Eine Gewährleistung ist auf den Höchstbetrag dieser Ermächtigung in der Höhe anzurechnen, in der der Bund daraus in Anspruch genommen werden kann. Zinsen und Kosten sind auf den Ermächtigungsrahmen nicht anzurechnen.
Lieber Prof. Sinn, Griechenland führt die Troika und die deutsche Politik vor Anstelle der 8 Mrd. Euro aus dem Rettungspaket II der Troika, die derzeit verhandelt werden, besorgt sich Griechenland rasch 30 Mrd. Euro über den Target2-Mechanismus der Zentralbanken. Wie das geht? Ganz einfach die griechische Zentralbank emittiert 30 Mrd. Euro, die sie den griechischen Geschäftsbanken zur Verfügung stellt.[1] Von dort fließt das Geld dann in die griechische Wirtschaft und erhält dafür griechische Staatsschuldverschreibungen von der griechischen Regierung. Si ist die griechische Regierung nicht mehr auf die Hilfen aus dem Hilfsprogramm I angewiesen. Man kann auch ohne die fristgerechte Zahlung aus dem Rettungspaket liquide bleiben. Grundlage dafür ist das “Emergency Liquitity Assistance” Programm ELA der EZB.[2] Dieser Finanzierungstrick kann nur mit einer zweidrittel Mehrheit im Zentralbankrat der EZB gestoppt werden. Griechenland missbraucht die Währungsunion über Target2 So missbraucht man die Regeln der EZB. Denn im EZB-Rat hat Deutschland keine Verbündeten. Am Ende zahlt es ja dann doch die Deutsche Bundesbank. Über den Missbrauch des Clearing-Mechanismus von Target2 zur Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten und Staatsschulden der Krisenländer hat Hans-Werner Sinn und Timo Wollmershäuser eine umfangreiche Analyse vorgelegt.[3] Solange dort den Krisenländern kein Riegel vorgeschoben werden kann und auch noch Trichet die quasi-wertlosen griechischen Staatschuldverschreibungen diskontiert, hat der Versuch Griechenland über den Rettungsschirm I mittels Stabilisierungsauflagen zu einer Haushaltskonsolidierung zu zwingen keine Chance. Die Griechen sind viel gerissener was Schuldenfinanzierung angeht als es sich mancher Politiker und Zentralbanker in Deutschland vorstellt. Wie sagte doch der derzeitige Finanzminister der Griechen: „Ich ziehe in den wahren Krieg.“[4] Nur dass, er nicht für die Konsolidierung des griechischen Staatshaushalts in den Krieg zieht, sondern gegen die EZB und das System der Zentralbanken. Bevor diese Lücke nicht geschlossen wird, wird es auch keine Zugeständnisse der Griechen geben. Da die Deutsche Bundesbank die ganzen Verluste automatisch finanziert, ist die Bundesrepublik über die EZB quasi in Geiselhaft genommen worden. Die Börsen haben verstanden und die Kurse schießen wieder nach oben. Mit freundlichen Grüßen Georg Erber ________________________________________ [1] http://www.radio-utopie.de/2011/09/18/griechenland-zentralbank-druckt-kommerziellen-banken-euro-pasok-regierung-garantiert-mit-30-milliarden/ [2] http://www.businessinsider.com/greece-emergency-liquidity-assistance-thursday-2011-8 [3] http://www.wiso.uni-hamburg.de/lucke/wp-content/uploads/2011/04/Sinn-Wollmersh%C3%A4user-Target-neu-deutsch.pdf [4] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769087,00.html ____________
Lieber Herr Erber, vielen Dank für diese zutreffenden Einschätzungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe mit grosser Genugtuung Ihre Ausführungen in der BR Sendung Münchner Runde am 13. September 2011 verfolgt, als Sie u.a. kritisiert haben, daß in den Entscheidungen über den Euro Malta die gleiche Stimme hat wie Deutschland, obwohl sie eine wesentlich kleinere Witschaftskraft hat. Ich kann nicht verstehen, daß die deutschen Politiker eine derartige Konstellation zugelassen haben. Ähnlich schlimm ist die Lage bei der EU Komission in Brüssel. Dort gibt es etwa 160 französische hohe Beamte und nur etwa 100 deutsche. Kein Wunder also, wenn Brüssel die Destillation des französischen Weinüberschusses zu Industriealkohol finanziert und gleichzeitig wir für unseren Milchüberschuß Millionenstrafen zahlen müßen. Viele Bürger in Deutschland wissen gar nicht, daß diese ganzen Eurorettungsschirme das Hauptziel haben, die französischen Banken zu retten, die wesentlich stärker in den Südpleitestaaten beteiligt sind als die deutschen. Letztlich versucht der Franzose Trichet diese französischen Banken mit den Aufkauf der Staatsanleihen der Pleitestaaten auf Kosten des deutschen Steteurzahlers zu sanieren. Der Franzose Sarkozy wickelt unsere Kanzlerin um seinen Finger, um beliebige Geldmengen zu lockern zum selben Zweck. Ich danke Ihnen dafür, diese Politik zu kritisieren. Sie haben das Kriterium der „fiskalen Disziplin“ in Verbindung mit den EU Südstaaten genannt. Meines Erachtens kann man die tausendjährigen Sitten eines Volkes nicht ändern, zumindest nicht kurzfristig, wie viele deutsche Politiker jetzt verlangen. Man kann als Beispiel dafür die Mafia aufführen. Italien versucht schon über ein Jahrhundert lang diese auszurotten, bisher mit nur mässigen Erfolg. Wenn die Südländer die Steuern ein tausend Jahre lang nicht bezahlen wollten, dann ist es eine Illusion, sie jetzt plötzlich dazu bewegen zu können. Ich stamme selbst aus dem Süden, aus Kroatien und glaube die südländischen Sitten zu kennen. Es ist mE unmöglich die Staaten mit so unterschiedlichen Sitten, und verschiedenen Ansichten über die fiskalen Angelegenheiten in einer monetären Union zusammenzuhalten, ohne negative Auswirkungen auf unseren Wohlstand. Ich glaube, daß es zur Sicherung unseres Wohlstands dringend notwendig ist, die Südstaaten aus der Eurozone zu entfernen. Auch denke ich, daß Deutschland eine zahlenmässig angemessene Vertretung in den Entscheidungsgremien von EU und von EZB bekommen muss. Es darf in einer Demokratie nicht sein, daß mein Nachbar in Stutensee ein Grieche zweimal mehr Stimmrecht bei den Wahlen für das EU Parlament hat als ich. Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic
Sehr geehrter Herr Perinic, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, zuerst meinen Dank an Sie für Ihr sehr gutes und verständliches Interview auf BR alpha. Eine Frage: Die Bundesbank hat 390.000.000.000 Euro an Target-Forderungen gegen die EZB. Wie hoch sind die entsprechenden Forderungen anderer Staatsbanken gegen die EZB, z.B. die der französischen? Ich Frage dies deshalb, weil Formulierungen wie "Im Juni 2011 lag die Target-Schuld der GIPS-Notenbanken bei 327 Milliarden Euro, und ähnlich groß war die Forderung der Bundesbank." (Süddeutschen Zeitung, 19.09.2011, Nr. 225 , S. 18) bei mir der Eindruck entstehen lässt, dass alleine die Bundesbank mit den Target-Krediten belastet wird. Falls das stimmt wäre das... unfassbar. Und ich würde fragen, wie so etwas möglich sein kann. Zumindest anteilig ihrer Wirtschaftskraft müssten die Nationalbanken anderer Länder beteiligt sein. Mit freundlichen Grüßen, ~Thomas Pfohe
Sehr geehrter Herr Pfohe, es sind nicht nur Kredite der Bundesbank geflossen. Auch Luxemburg, Finnland und Holland haben welche gegeben. Aber das war alles vernachlässigbar relativ zu dem, was aus Deutschland kam. Frankreich hat keine Kredite gegeben, sondern welche bekommen. Mit freundlichem Gruß Hans- Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Schuldenquote Italiens wird oft, auch vom Ifo Institut, mit knapp 120% des BIP angegeben. Nun enthält das von Italien errechnete BIP aber gut 17% Schattenwirtschaft, aus der ja keine Steuern eingenommen werden, die zu Zinszahlung und Tilgung verwendet werden könnten. Bezieht man die Schulden auf das reguläre BIP, ergibt sich (auf der Basis dieser Zahlen) eine Schuldenquote von ca. 144%. Ist die auf das reguläre BIP bezogene Schuldenquote zur Einschätzung der Schuldentragfähigkeit eines Landes der italienischen Methode vorzuziehen? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr H., das ist ein guter Punkt, an den ich noch nicht gedacht hatte. Da das BIP Schätzungen zur Wertschöpfung auf den Schwarzmärkten enthält, ist die wahre Schuldenquote bezüglich des besteuerbaren Teils des BIP in Italien in der Tat höher als 120%, wie Sie darlegen. Im Grunde sollte man die Schuldenquoten entsprechend umrechnen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung gegenüber Ihren Bemühungen und Entsetzen gegenüber der Politik verfolgen wir Ihre mahnenden Worte zur Eurokrise. Darf ich mir erlauben, Ihnen einige Fragen zu stellen, sie betreffen mich persönlich, aber auch viele andere. Wie Sie wissen, sind endfällige Fremdwährungskredite (Yen und CHF) mit Tilgungsplan in Österreich sehr beliebt gewesen. Dieses Problem haben neben mir noch fast weitere 300.000 Haushalte, vor allem meistens (wie ich) Personen ohne Haftungsbeschränkung. Durch die Finanzkrise wurde der mit der Bank vereinbarte Tilgungsplan zunichte gemacht. Die Frage stellt sich nun, ob der in 5 Jahren fällige Kredit (in Yen und CHF) durch Verkauf von Vermögenswerten unter extremen Verlusten vorzeitig abbezahlt werden sollte (mein Kredit läuft im mittleren 7-stelligen Bereich), weil weder aus Ihren fundierten Analysen noch aus den fadenscheinigen Beteuerungen der Politiker irgendein Hoffnungsschimmer für die Rettung des Euros zu erwarten ist. Zusätzlich zu allen Risiken kommt noch das besondere Risiko für Österreich. Das Land übernimmt jetzt anteilsmäßig nicht nur ähnliche Haftungen wie Deutschland, hier sind auch im privaten Sektor ca. 85 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten ausständig (sowie eine weitere ähnliche Summe, welche großteils österreichische Banken in den neuen EU-Mitgliedstaaten vergeben haben), zusätzlich kommt die spezielle politische Konstellation der reformunfähigen, zementierten Großkoalition dazu. Würden Sie mir raten, unter Verlust meines fast gesamten Vermögens die Kredite rückzuzahlen, soll ich auf den Austritt der Südländer aus dem Euroraum und eine anschließende Aufwertung oder einfach darauf hoffen, dass mir bald ein Stein auf den Kopf fällt? Glauben Sie persönlich, dass die Politiker in Deutschland doch noch kurz vor dem endgültigen Desaster eine vernünftige Entscheidung treffen oder denken Sie, dass sich auch Deutschland in nicht mehr bewältigbare Schuldenstände hineinziehen läßt? Haben Sie eine Idee, in welchem Zeitraumen das absehbar sein wird? Herzlichen Dank für Ihre knappe Zeit!
Sehr geehrter Herr J., Ihre Frage kann ich nicht gut beantworten, weil man Wechselkurse kaum prognostizieren kann. Zum Glück für Sie hat die Schweiz nun beschlossen, ihre Währung gegen eine Aufwertung zu verteidigen. Ich würde die Dinge abwarten und auf eine Inflation in Österreich hoffen. Die Inflation würde ihr Einkommen vergrößern und insofern die Fremdwährungskredite wieder erträglicher machen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe das Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab" gelesen, worin er die "Aktivierende Sozialhilfe" des Ifo-Instituts als "utopisch und undurchführbar" bezeichnet. Ich unterstelle Herrn Sarrazin, dass er mit undurchführbar, politisch undurchsetzbar meinte. Wäre es nicht sinnvoll, wenn das Ifo Institut Reformen in solchen "Häppchen" vorschlagen würde, dass diese auch politische Mehrheiten finden (können)? Ein zentrales Anliegen des Buches ist, die relative Kinderlosigkeit der "bildungsnahen" Schichten zu beseitigen und gleichzeitig die Zuwanderung in die Sozialsysteme zu beenden. Gibt es neben dem Vorschlag des Ifo-Instituts die Rentenhöhe an die Zahl der Kinder zu binden um die Geburtenrate zu erhöhen weitere? Leider bleibt Herr Sarrazin in diesem Punkt sehr vage. Mit freundlichen Grüßen Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Dr. Böhme, die aktivierende Sozialhilfe ist ja bereits ein Stück mit der Hartz-IV-Gesetzgebung eingeführt. Die Lohnzuschüsse, die dort eingebaut sind genauso wie die Ein-Euro-Jobs entstammen faktisch dem ifo-Vorschlag von 2002. Aber man ist uns nur ein Stückweit gefolgt. Dass der Arbeitsmarkt derzeit viel besser funktioniert, liegt daran. Ich hoffe, man wird noch mehr in unsere Richtung gehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich möchte mich zunächst einmal herzlich bedanken für Ihre vielen erhellenden Beiträge zur Euro-Krise, die für mich wie ein Augenöffner gewirkt haben und die sich so erfrischend vom intellektuellen Mainstream in der Medienlandschaft abheben. Ich habe eine Frage zu Ihrem Aufsatz zu den Target-Krediten. Wie sind letztendlich die Target-Forderungen einer Notenbank (insbesondere der Bundesbank) gegenüber der EZB zu interpretieren? Bedeutet dies, dass in den Ländern mit Target-Verbindlichkeiten Kredite für Aussenhandelsgeschäfte, vom Käufer nicht bedient werden konnten, also am anderen Ende der Zahlungskette säumige Schuldner sitzen? Eine Tilgung des Kredits der Geschäftsbank durch den Käufer müsste doch eigentlich die gesamten durch diesen Kauf entstandenen Überweisungsvorgänge wieder rückabgewickelt werden: der Käufer gleicht seine Verbindlichkeiten gegenüber der Geschäftsbank im Target-Schuldnerland aus, diese wiederum kann die Forderung der Notenbank gegen sie ausgleichen, und diese kann die Target-Schuld bei der EZB begleichen. Und dann kann der Posten mit der Forderum des Target-Gläubigers beglichen werden. Wenn die auf dem Wege der Vermittlung durch die EZB geschöpften Kredite fristgerecht bedient würden, könnten doch Target-Salden bei der EZB nur temporär entstehen. Das einzige Problem bliebe dann die von Ihnen ausgeführte Kreditverlagerung zugunsten des Target-Schuldners. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Vielen Dank für Ihre Klarstellung, Herzlichst Hans-Jörg Bokermann
Sehr geehrter Herr Bokermann, die Target-Forderungen entstehen, weil die Mechanismen der EZB dazu geführt haben, dass die GIPS-Länder zu Lasten der Bundesbank mehr Geld drucken und verleihen konnten. Dafür erhielten sie eine Berechtigung, die den Charakter eines Kredits hatte, und die Bundesbank erhielt zum Ausgleich für die Verminderung der Kreditvergabe eine Kreditforderung gegen die EZB. Vielleicht schauen Sie sich das ifo-Sonderheft zu den Target-Krediten an. Dort habe ich eine Einführung zu der Problematik geschrieben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wie hoch wäre das wirtschaftliche Risiko für den deutschen Steuerzahler, wenn nicht nur die GIPS-Länder, sondern die GIPSI-Länder, d.h. GIPS plus Italien pleite gingen, falls die deutschen Bundestagsabgeordneten ökonomisch so dumm wären der Ausweitung des Euro-Rettungsschirm in der kommenden Woche, am 29. September 2011, zuzustimmen? Italiens Staatsschulden betragen ja bekanntlich rund 1.900 Milliarden Euro. Und warum werden in der kommenden Woche wohl ca. 80 bis 90 Prozent der deutschen Bundestagsabgeordenten - aus Ihrer Sicht - der ökonomisch hirnrissigen Ausweitung des Euro-Rettungsschirms bzw. EFSF-Rettungsschirm zustimmen? Eigentlich sollten die Bundestagsabgeordneten Schaden vom deutschen Volk abhalten (siehe unter anderem die Amtseide in Artikel 56 und Artikel 64 Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland)? Mit freundlichen Grüßen R. Muth
Sehr geehrter Herr Muth, wenn die GIPS-Länder pleitegehen, haftet Deutschland für 473 Mrd. Euro, und wenn zusätzlich Italien Pleite geht, haftet es für 527 Mrd. Euro. Das ist nicht so viel mehr, als man zunächst denkt, weil der Rettungsschirm begrenzt ist und nur die anteilige Haftung Italiens wegfällt. Allerdings wird in diesem Fall der Ruf nach einer weiteren Aufstockung oder Hebelung der EFSF-Mittel sicher lauter werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ist es nicht so, dass die 30er-Jahre-Krise genau so ablief, indem man die Löhne ins Unermessliche kürzte und damit der Binnenmarkt weltweit zusammenbrach? Sollte man in der Ökonomie nicht längst gelernt haben, dass nur ein funktionierender Binnenmarkt ein kapitalistisches System halten kann? Ist es nicht so, dass Deutschland mit seiner Billiglohnstrategie kläglich gescheitert ist und über 20% Armut geschaffen hat und weitere 23% stehen am Rande der Armut? Ist nicht dieses System an Zynismus nicht zu überbieten und treiben wir damit unser westliches Wirtschaftssystem zurück zur Leibeigenschaft? Wenn heute in Deutschland zwei Elternpaare voll arbeiten und ende des Monats müssen sie zur Sozialhilfe, dann sind wir doch bereits auf dem Niveau von Leibeigenen! Sie, lieber Herr Professor, und leider viele ihrer Berufsgenossen, wollen uns doch tatsächlich die Feudalherrschaft neu verkaufen. Ist das eigentlich nicht sehr beschämend? Es es eigentlich nicht so, dass wir den Binnenmarkt massiv stärken müssen, um aus der Schuldenkrise heraus zu kommen? Die SPD fordert einen Minimallohn von € 8.50, Schlecker bezahlt locker € 4.80 und eine neue Studie zeigt auf, dass ein Lohn selbt bei € 10.-- in die Armut führt. Was ist folglich zu tun? Ganz einfach, rauf mit dem Mindestlohn auf € 12.-- und zwar netto, und schon brummt der Binnenmarkt. Das wiederum generiert massig MwSt. in Milliardenhöhe pro Jahr und somit sind die Staatsschulden obsolet. Wenn man dann gleichzeitig noch die oberste Einkommensklasse in eine steuertechnische Progression setzt, dann hat man plötzlich Steuergelder ohne Ende! Dieses Szenario ist locker auf alle EU-Staaten und die USA anzuwenden. Lieber Herr Professor, Ökonomie ist gar nicht so schwer, man muss ihr nur einfache Mathematik zugrunde legen... Noch ein kleiner Tipp in Sachen Demokratie: Einführung der direkten Demokratie in der ganzen EU und ein kompölett neues Steuersystem. Drei direkte Steuern: Gemeindesteuer, Ländersteuer und Staatssteuer. Somit kann die Gemeinde völlig autonom über ihren Steuerfuss verfügen und hat nirgends nach Geld zu betteln. Falls Sie mehr Informationen über ein effektives Steuersystem brauchen, schauen Sie sich die entsprechenden Seiten aus der Schweiz an. Übrigens, die Schweiz hat auch immer mindestens die Hälfte Arbeitslose als Deutschland, da die Differenz zwischen Hartz-IV und dem untersten Einkommen fast einer Verdoppelung entspricht...!
Sehr geehrter Herr Schudel, ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass der Binnenmarkt wichtig für die Wirtschaftsentwicklung ist. Aber Ihre Hypothese, dass er durch die die Lohnkürzungen geschwächt wurde, trifft nicht zu. Das Gegenteil war der Fall. Die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre hat mit dazu beigetragen, dass wir nun einen solch starken binnenwirtschaftlichen Boom haben. Lohnkürzungen erhöhen die Investitionsgüternachfrage und schaffen Stellen. Die Lohnsumme wird durch Lohnkürzungen in einer offenen Wirtschaft mit freiem Kapitalverkehr mittelfristig nicht gesenkt, sondern erhöht. Insofern sind Mindestlöhne sicherlich schädlich. Dass 20% in Deutschland arm sind, stimmt nicht, jedenfalls nicht nach den OECD-Definitionen. Danach sind ca. 4% arm und 18% armutsgefährdet. Die Sozialhilfe (Sie meinen wohl Hartz IV) wird in dem von Ihnen genannten Fall in Deutschland ergänzend zum Lohn gezahlt, um das Einkommen unabhängig vom Lohn zu sichern. Ich finde es richtig, dass es durch die Schröderschen Reformen möglich wurde, 1,5 Millionen Menschen Lohnzuschüsse zu zahlen, um ihren Lohn vom Einkommen abzukoppeln. Wenn man das Einkommen nur über den Lohn sichern will, treibt man diejenigen, die man schützen will, in die Arbeitslosigkeit. Nur ein Lohnzuschuss hilft ihnen wirklich. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr prof. Sinn, oftmals wird gegen die Wirtschaftlichkeit der Kernkraft argumentiert, dass Müllentsorgung der Gemeinschaft aufgebürdet werden, die Erträge aber bei der Energiewirtschaft bleiben. Somit wäre Kernenergie stark subventioniert, was deren hohe Wettbewerbsfähigkeit erkärt. Wie hoch wäre der Kernstrompreis, wenn man auch Endlagerung und sonstige Kosten in den Preis einbezieht? Wie stehen im Vergleich Kohle und erneuebare Energien da? In wie weit spielen zukünftige Kosten durch Lagerung auf den aktuellen Strompreis eine Rolle? Werden die Kosten zu hoch eingeschätzt, weil man die Diskontierung zukünftiger Kosten übersieht? Mit freundlichen Grüßen Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, die Rechnung kann keiner aufmachen. Deswegen schlage ich ja vor, dass die Kernkraftwerke sich haftpflichtversichern müssen. Dann muss die Privatwirtschaft die externen Kosten ausrechnen und in Form der Prämie umlegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mir kommt die EZB mittlerweile als eine rein politische Veranstaltung vor.Insbesondere die EZB-Ratsmitglieder scheinen mehr Politiker als Ökonom zu sein.Das Ausufern der indirekten Staatsfinanzierung durch das Eurosystem wird wohl munter weitergehen.Ich befürchte,dass die von H.Schlesinger geforderte TARGET2-Obergrenze inkl. Strafzins nicht kommen wird.Leider. Solange nicht die ersten schmerzhaften Rechnungen für das sträfliche Handeln der politischen Kartelle - wie sie Wolf Schäfer treffend nennt - zu zahlen sind, wird es wohl munter weitergehen.Sobald wir Deutschen unser Portemonnaie zuhalten wird man uns - 66 Jahre nach Kriegsende - als Nazis beschimpfen.Spätestens da werden die linken politischen Protagonisten für eine unbegrenzte Haftung Deutschlands plädieren und diese auch ohne das Volk zu fragen durchsetzen.Einmal mehr werden die Warnungen der Ökonomen in den Wind geschlagen und die Politik wird mit aller Wehemenz versuchen ökonomische Gesetzmäßigkeiten zu ignorieren und auszuhebeln. Die Börsen haben demgegenüber aktuell bereits eine Pleite Griechenlands eingepreist, so scheint mir.Es wäre ein guter Zeitpunkt das politische Projekt Euro in der aktuellen Konstellation zu beenden.Die Politik sollte auch mal Fehler zugeben und sich zu den Fehlern bekennen.Den Euro als Friedensstifter zu bezeichnen ist Dummheit pur.Wir führen ja auch keine Kriege mit der Schweiz, Schweden oder Norwegen, nur weil die den Euro nicht haben oder haben wollen.Wenn Politker behaupten "im Herzen Europäer zu sein" dann kann ich das nicht mehr nachvollziehen: auf meinem Reisepass steht "Bundesrep.Dtl."...ich hoffe für Dtl.,dass Herr Starbatty recht behalten wird und das Ende der Eurozone in den nächsten 24 Monaten droht. Damit würde dann wenigstens die Transferunion verhindert werden....Viele Grüße aus Nürnberg
Vielen Dank, Herr S., für diese Meinung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihre Zeitungsbeiträge zur Euro-Krise mit großem Gewinn gelesen. Ich werde von meinen Großeltern und meinen älteren Verwandten oft gefragt, ob die Ersparnisse auf der Bank sicher sind, sollte Griechenland seine Schulden nicht mehr bezahlen. Ich antworte dann, dass die Ersparnisse im Grunde genommen laut Stresstest relativ sicher sind. Allerdings wird der Staat bei den Rentnern zu sparen anfangen. Die Inflation wird eher gering sein - obwohl die deutsche Position in der EZB offensichtlich ziemlich isoliert ist. Der Druck in Richtung mehr Inflation wird sicherlich steigen, wenn die Schulden der Euroländer exorbitant hoch werden. Wenn sich die Krise dann aber für andere Länder verschlimmert, sind die Ersparnisse in Gefahr. Was sind Ihrer Meinung nach die wahrscheinlichsten Auswirkungen eines (nun auch offiziell anerkannten) Staatsbankrotts Griechenlands für die Ersparnisse? Und: sind die Ersparnisse bei einer Verschlimmerung der Krise danach noch sicher? Natürlich spielen hier sehr viele Variablen eine Rolle, sodass eine Vorhersage unmöglich ist. Aber was sind Ihrer Meinung nach die wahrscheinlichsten Auswirkungen auf die Ersparnisse? Vielen herzlichen Dank!
Sehr geehrter Herr W., nicht der Bankrott macht hohe Lasten, sondern die Verschiebung desselben. Das Beste, was Ihren Großeltern passieren kann, ist der schnelle Konkurs und der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Je länger die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite anhält, desto mehr Geld ist weg. Die Staaten werden es nicht schaffen, das über Inflation hereinzuholen. Sie werden ihre Bürger besteuern, insbesondere auch die Vermögensbesitzer. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antworten. Bitte verstehen Sie mich auch nicht falsch, die Abschaffung des Euros war nicht Hintergrund meiner Fragen. Ich denke nur, wenn es so auffällige Fehlentwicklungen gibt, dann müsste es für die betreffenden Länder schon eine Ausstiegsoption geben. Irgendwie habe ich ein Störgefühl, wenn es heißt, Europa sei ein freier Zusammenschluss freier Völker (Helmut Kohl), und dann fragt man die Völker gar nicht, ob sie Mitglied der EWU sein wollen. Ich würde mir Referenden wünschen, um sicherzustellen, dass niemandem etwas aufgezwungen wird. Wenn man auf Referenden verzichtet, kann das m.E. nur bedeuten, dass die drei Staatsgewalten es besser wissen als die Bürger des betreffenden Landes. Das ist aus meiner Sicht auch für Deutschland nicht mehr zeitgemäß. (Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Analyse des schwedischen Referendums von Lars Jonung im Cato Journal 2004, wo ich auch dem Beitrag von Klaus gefunden habe). Nun hat Klaus in dem von mir zitierten Beitrag aus dem Jahr 2004 auch gesagt, die Binnenmarktfreiheiten hätten den "largest part of the positive economic impact of European integration (as well as of EU enlargement)" gebracht. "The marginal contribution of further economic or noneconomic unification will be close to zero, if not negative”. Martin Feldstein hat in den Foreign Affairs (1997) sogar eine eindeutig negative ökonomische Bilanz aufgemacht: “Indeed, the adverse economic effects of a single currency on unemployment and inflation would outweigh any gains from facilitating trade and capital flows among the EMU members.” Mich würde Ihre Sicht interessieren, auf welche Wirkungen des Euros führen Sie die ökonomischen oder politischen Vorzüge der Währungsunion zurück?
Sehr geehrter Herr Z., Klaus und Feldstein hatten grundsätzlich Recht mit der Einschätzung der Nachteile. Dennoch gibt es auch Vorteile: 1. Schutz vor exzessiven und destabilisierenden Wechselkursschwankungen (Schweiz) 2. Erleichterung des Kapitalverkehrs und damit eine bessere Allokation des Kapitals in Europa, woraus Wachstum entsteht (USA). 3. Senkung der Transaktionskosten für den Warenverkehr (USA). 4. Verbesserung der Freizügigkeit (USA) 5. Basis für politischen Zusammenhalt (USA). Ob diese Vorteile die Nachteile überwiegen, ist debattierbar. Ich habe natürlich auch meine Zweifel. Aber damit sie überwiegen, müssen wir die Regeln der USA übernehmen, insbesondere: 1. Kein Bail-out (Minnesota, New York) 2. Bezahlung der Target-Salden mit zinstragenden Assets. Ich stimme Ihnen zu, dass wir den Euro nicht brauchen, wenn wir dafür die Staatsschulden Europas sozialisieren sollen und die EZB zum Selbstbedienungsladen machen. Das in Kürze dazu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vor einigen Jahren hat Václav Klaus vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit der Auflösung der tschechoslowakischen Währungsunion einmal geschildert, dass der Austritt eines Landes aus einer Währungsunion "can be done without serious costs, smoothly and efficiently". Wäre das aus Ihrer Sicht ähnlich, wenn ein EWU-Mitglied aussteigt, oder wäre hier mit größeren Marktstörungen zu rechnen? Wenn das Land gleichzeitig zahlungsunfähig ist, dann müssten doch geordnete Verfahren erarbeitet werden, analog dem Restrukturierungsgesetz für Banken, um einen stabilitätsverträglichen Marktaustritt zu gewährleisten. Können Sie sagen, ob auf EU-Ebene oder in Deutschland so etwas in Vorbereitung ist oder ggf. schon existiert? Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., wenn es existiert, ist es geheim. Aber es wäre sträflich, wenn die Regierung so etwas nicht im Geheimen vorbereiten würde. Seit dem Untergang des Kommunismus wissen wir, dass es sträflich war, das angeblich Undenkbare nicht zu denken. Ich habe Klaus dazu letzte Woche gehört. Sie interpretieren ihn richtig. Ich möchte mit dieser Aussage nicht missverstanden werden. Ich halte die Abschaffung des Euro gleichwohl für falsch. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Herrn Heineking haben Sie geantwortet: "bestenfalls ein Prozess des Durchlawierens ... Ein schlechteres Ergebnis wäre, dass der Euro auseinander bricht und noch katastrophaler die Vergemeinschaftung der Altschulden". Bedeutet Durchlawieren letzten Endes nicht ebenfalls Schuldenübernahme, wie sie jetzt Ende September vom Bundestag verabschiedet werden soll: zusätzliche 340 Mrd EUR für den Garantiefonds. Vermutlich wird es wohl nicht die letzte Aufstockung sein. So können doch auf Deutschland und andere Länder hohe Belastungen zukommen. Wäre es dann nicht besser, statt sich durchzulawieren Griechenland die Option anzubieten, Insolvenz anzumelden und die EWU zumindest zeitweise zu verlassen. Die IWF-Programme haben doch auch ein wenig den Charakter einer Kommandowirtschaft. Muss man das den Griechen antun? Die Bevölkerung würde doch - wenn sie gefragt würde - vermutlich auch gerne aussteigen. Wäre der Ausstieg für den Frieden zwischen den Völkern und ihre (wirtschaftliche) Freiheit nicht besser als mit Hilfe der Staatsgewalt die Vision der supranationalen Politischen Union durchsetzen zu wollen? Mit Blick auf die Präambel zur Charta der EU-Grundrechte erscheint mir der Ausstieg aus der EWU die beste Lösung zu sein. Ich verstehe nicht ganz, wieso Sie sagen, dass dies ein "schlechteres Ergebnis wäre" als das fortgesetzte Durchlawieren. Für eine kurze Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Z.
Sehr geehrter Herr Z., bei Griechenland bin ich bei Ihnen. So ähnlich habe ich mich verschiedentlich schon geäußert. Jedenfalls können wir Griechenland nicht immer weiter finanzieren, und für Griechenland ist der Austritt deshalb besser, als der Verbleib in der Eurozone, der dem Land unerträgliche Lasten aufbürdet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie haben bisher immer betont, dass Sie Euro-Bonds vor allem auch deswegen ablehnen, weil dann alle Euro-Länder den gleichen Zinssatz zahlen müssten und damit jegliche Disziplinierung wegfallen würde. Haben Sie schon mal folgenden Gedanken durchgespielt ? Finanzierung über Euro-Bonds, Haftung gemeinsam durch alle Euro-Länder, und zwar nicht nur bis zu einem Verschuldungsgrad von 60 % des Brutoinlandsproduktes (BIP), sondern komplett. Die Finanzierung soll jedoch über eine unabhängige, europäische "Refinanzierungsanstalt" erfolgen, zu marktüblichen Konditionen. Diese gibt dann die Gelder an die einzelnen Länder weiter, aber zu einem gestaffeltem Zinssatz - je nach Verschuldungsgrad. Bis 60 % des BIP 1:1, also zu gleichen Konditionen, zwischen 61 und 70 % des BIP zu einem z.B. um 0,2 % erhöhtem Zinssatz, zwischen 71 und 80 % zu 0,4 % erhöhtem Zinssatz usw.. Dies würde m.E. eine Beruhigung der Märkte schaffen und gleichzeitig auch alle treffen, die die Mastricht-Kriterien nicht einhalten - auch Deutschland -, und wir hätten wieder den gewünschten Anreiz. Der zu erwartende (Zins-) Überschuss kann dann z.B. in Infrastrukturprogramme für die schwächeren Länder fließen. Selbstverständlich muss die Einführung von Euro-Bonds durch eine gemeinsame Wirtschafts-, Finanz-, Fiskal- und Sozialpolitik ergänzt werden (anfänglich erstmal grobe Zielkorridore mit einer gewissen Flexibilität für die einzelnen Staaten). Und wahrscheinlich müssten auch die Länder mit derzeitigen Rettungspaketen (Griechenland, Irland und Portugal) erst einmal außen vor bleiben. Ein Gedankenspiel, das ich bisher in der Diskussion vermisst habe. Ich grüße Sie freundlich.
Sehr geehrter Herr K., das wäre denkbar. Aber vergessen Sie nicht den politischen Prozess. Die Staffelung der Zinsen lässt sich ja nicht durchhalten, wie die Erfahrung des EFSF gezeigt hat. Schritt für Schritt wurden die Zusatzzinsen, die Griechenland, Irland und Portugal zahlen sollten, gesenkt. Nur die Märkte können die Zinssätze festlegen, nicht politische Instanzen. Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass keinerlei politische Disziplinierungsregeln irgendeinen Sinn machen, weil sie unterlaufen werden. Einzig und allein das Knapphalten des öffentlichen Geldflusses hilft. Frau Merkel macht mit ihrer abwiegelnden Grundhaltung genau das Richtige. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, bei der derzeitigen Debatte um die Eurokrise wird ja oft über die Rettungspakete diskutiert. Wie Sie in einen ifo-paper aufzeigen entfallen 88% des Leistungsbilanzdefizits der GIPS-länder auf die Targetkredite. Profitiert Deutschland dann nicht von den Rettungspaketen, wenn diese verwendet werden um anstehende Verbindlichkeiten zu bezahlen? Damit meine ich profitieren nicht im eigentlichem Sinne des Wortes, sondern, dass die Kredite auch von den anderen Ländern der Währungsunion durch die Rettungspakete abbezahlt werden. Die Importgüter stehen zwar nun Griechenland zur Verfügung statt in Deutschland, die deutsche Industrie profitierte doch aber von vollen Auftragsbüchern. Wie interpretieren Sie diese Situation um die Rettungspakete ?
Sehr geehrter Herr G., die deutsche Exportwirtschaft, die deutschen Banken, die Exportwirtschaften anderer Länder, die an Griechenland liefern, die Banken anderer Länder, die Griechenland Kredit gegeben haben und die Griechen selbst profitieren von Hilfsprogrammen für Griechenland. Wieviel von einem Euro, den wir für Griechenland ausgeben, Deutschland wieder zugute kommt, weiß ich nicht. Es ist sicherlich nur ein kleiner Anteil, denn einerseits sind ja die französischen Banken viel stärker in Griechenland engagiert als die unseren, und andererseits profitieren auch die Banken und Exportindustrien von Ländern, die sich nicht an den Rettungsaktionen beteiligen. Die für Deutschland billigste Strategie ist, die eigenen Banken durch Teilverstaatlichung zu retten (und nicht etwa die Aktionäre dieser Banken durch Geschenke). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Müssten Sie und die führenden Ökonomen in Deutschland nicht einen gangbaren Weg aufzeigen, wie auf die Eurokrise reagiert werden muss? Die Politiker sind in keinem Fall befähigt, die Eurozone aufzuteilen, auch zu einem Ausscheiden von Griechenland kann sich niemand durchringen. Also wird der Schuldenkrise immer dramatischer. Die Kraft, die die Krise freisetzt, ist möglicherweise groß genug, um die Politik in eine Richtung zu zwingen, die zu einer dauerhaften Europäischen Währungsunion führt. Mohamed El Erian schreibet heute im HB, „Er (der Kampf um den Euro) dauert vielleicht noch Wochen oder Monate, aber keine Jahre mehr. Kann nicht ein freiwilliges Eurobond-System kombiniert mit einem unabhängigen Stabilitätsrat eine langfristige Lösung für eine Europäische Währungsunion mit unbegrenzter Haltbarkeit sein? Ein gemeinsamer dringender Aufruf der führenden Ökonomen in D kann vielleicht der Auslöser für eine Rettung in letzter Minute sein. Als Anlage übersende ich Ihnen ein Papier, dass ich hierzu angefertigt habe. Mit freundlichen Grüßen Ihr Wilhelm Heineking Wirtschaftsprüfer Eurobond System Um das drohende Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion zu verhindern, ist ein Eurobond-System zu planen. Es kann die Europäische Währungsunion auf Dauer stabilisieren und es wird die Märkte beruhigen. Richtig konstruiert verhindert es einen Länderfinanzausgleich und schafft Vertrauen. Es kann damit die Bürger in den Hartwährungsländern beruhigen. Die stabilisierende und Vertrauen schaffende Wirkung entfaltet sich jedoch nur, wenn das Eurobond-System ganz bestimmte Kriterien erfüllt: Die unterzeichnungswilligen Staaten der Eurozone einigen sich auf einen Vertrag: Die EFSF AG (oder eine ähnliche Institution, genannt Eurobond AG) wird die Funktion der Ausgabe von Eurobonds und die Finanzierung der unterzeichnenden Staaten übernehmen. Die unterzeichnenden Staaten der Eurozone haften unbeschränkt gegenüber der Eurobond AG. Alle unterzeichnenden Staaten werden Staatsanleihen wie bisher ausgeben. Diese Staatsanleihen werden vollständig und ausschließlich von der Eurobond AG übernommen. Die Eurobond AG finanziert sich durch Ausgabe von Eurobonds. Der Zinssatz für die emittierten Eurobonds wird vom Finanzmarkt bestimmt. Die Eurobond AG hat einen Stabilitätsrat, der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet ist. Der Stabilitätsrat ist unabhängig. Der Stabilitätsrat besteht aus fünf Ökonomen mit einer Amtsdauer von sieben Jahren. Der Stabilitätsrat wählt eigenverantwortlich seine Nachfolger; Die Rechte und Pflichten des Stabilitätsrats sind im Wesentlichen: Festlegung der (unterschiedlichen) Zinssätze für Staatsanleihen der einzelnen Länder. Die Höhe der Zinssätze bestimmt sich nach dem internationalen Rating der Länder und nach der Verschuldungshöhe (bis 60 % des BIP und über 60 %) sowie nach dem jährlichen Haushaltsdefizit (bis 3 % und über 3 % Haushaltsdefizit). Das Recht, die jährlichen Haushaltsplanungen und die Verabschiedung der Haushalte der einzelnen Mitgliedsländer zu genehmigen; Weisungsrechte an nationale Parlamente zur Koordinierung der Haushalte und der wirtschaftspolitischen Gesetzgebung bei Verletzung bestimmter Stabilitätskriterien. Bei Überschreitung bestimmter Stabilitätskriterien hat der Stabilitätsrat das Recht, die Finanzhoheit eines Staates zu übernehmen und damit bindende Gesetze für diesen Staat zu erlassen. Das Recht endet, wenn die Stabilitätskriterien wieder erfüllt werden. Der Preis für die unbeschränkte Haftungsgemeinschaft ist ein Souveränitätsverzicht auf nationaler Ebene, wenn bestimmte Verschuldens- und Defizitgrenzen verletzt werden. Diese Bedingung ist unabdingbar ebenso wie die völlige Unabhängigkeit des Stabilitätsrats. Die Krise der Europäischen Währungsunion und die Erfahrungen mit den gebrochenen Schuldenbremsen in den USA, den ignorierten Maastrichtkriterien und der gebrochenen „No-Bailout-Klausel“ schaffen bei den Bürgern und Politikern die Bereitschaft, für eine dauerhafte Lösung zu stimmen. Eine geplante Wirtschaftsregierung und ein europäisches Finanzministerium werden die notwendige Disziplin nicht herbeischaffen. Schuldenbremsen in den Verfassungen haben ihren Härtetest noch nicht bewiesen. Letztlich würden immer die Mäuse den Käse überwachen. Wenn die GIPS-Staaten im Eurosystem bleiben und weitere Hilfen wollen, werden sie den Preis eines drohenden vorübergehenden Souveränitätsverzichts zahlen müssen. Ein Eurobond-System kombiniert mit einem unabhängigen Stabilitätsrat wird die langfristige Lösung für eine Europäische Währungsunion mit unbegrenzter Haltbarkeit sein. Die vorgeschlagene Lösung ist eine Kombination aus einer Trennung der Eurozone in Hart- und Weichwährungsländer mit einer gedeckelten Transferunion. Der Lissabonvertrag müsste nicht geändert werden und jeder Saat hat die Freiheit, dem System beizutreten. Ein Eurobond-System ohne einen Stabilitätsrat mit weitgehenden Kompetenzen würde nur Zeit kaufen und letztendlich den Kollaps der Europäischen Währungsunion auslösen. Seefeld, 17.8.2011 Heineking
Sehr geehrter Herr Heineking, die Tatsache ist, dass uns bestenfalls ein Prozess des Durchlawierens bevorsteht, der die peripheren Länder allmählich daran gewöhnt, nicht mehr über ihre Verhältnisse zu leben. Ein schlechteres Ergebnis wäre, dass der Euro auseinander bricht und noch katastrophaler die Vergemeinschaftung der Altschulden, der Weg in den Schuldenmorast und der Untergang der EU, der das Ergebnis von Eurobonds wäre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, wie beurteilen sie die aktuelle Diskussion um die Eurobonds? Bisher hieß es von ihrem Institut es würden immense mehr Kosten auf DE zukommen. Dies wird jetzt (wie ich auf einem anderen Blog las) bereits kritisiert und man unterstellt ihnen -frei formuliert- der entsprechende Bearbeiter könne keinen Taschenrechner bedienen. Herr Sinn was kann man tun um diesen Eurowahn zu beenden. Wie kann man weiteren Schaden vom deutschen Steuerzahler abwenden? auf Antwort hoffend JM
Sehr geehrter Herr M., die Berechnungen zu den Kosten von Eurobonds greifen alle auf Annahmen zurück, ohne die man nicht auskommt. Lassen Sie mich daher einen weiteren Aspekt anbringen. Um Schuldendisziplin einzufordern gibt es zwei Instrumente: die Politik und der Markt. Die Politik versucht es mit Regelungen, wie dem Wachstums- und Stabilitätspakt. Der Markt geht über unterschiedliche Zinsen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass wir ein System mit zwei Säulen haben. Sowohl die Politik als auch der Markt müssen disziplinierend wirken. Es müssen daher auch weiterhin unterschiedliche Zinssätze möglich sein. Wenn wir nur auf eine Säule bauen, ist das nicht stabil genug. Es gibt oft genug Gründe für Ausnahmeregelungen. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre bisherigen Debatten-Beiträge zur Euro-Krise/Staatsschuldenkrise möchte ich Ihnen herzlich danken. Ihre messerschafe Analyse der ökonomischen Vorgänge ist mir ein ausgezeichneter Wegweiser, um zu verstehen, was derzeit - und seit Eunführung des Euro - in der Euro-Zone geschieht. Wenn ich Sie richtig verstehe, lehnen Sie die Einführung von Euro-Bonds entschieden ab. Euro-Bonds würden das Sanktionsinstrument "Zins" für schlecht haushaltende Länder außer Kraft setzen. Damit würden sie auch einem übermäßigen Kapitalexport aus Deutschland in die Euro-Peripherie Vorschub leisten. Zudem hätte Deutschland höhere Kapitalmarktzinsen zu zahlen, weil wir zusätzliche Risiken anderer Länder absichern würden. Letzterer Effekt einer höheren Risikoprämie könne schnell zweistellige Mrd.-Belastungen erzeugen. Leider befürchte ich, dass die aktuelle politische Dynamik in der EU in absehbarer Zeit auf die Schaffung von Euro-Bonds hinausläuft, mit all den aufgeführten Problemen. Verfechter der Euro-Bonds führen nun seit einiger Zeit das Argument ins Feld, nach denen diese Euro-Bonds einen extrem liquiden Markt bilden würden. Aufgrund dieser hohen Liquidität würden internationale Kapitalanleger eine geringere Liquiditätsprämie von den Euro-Staaten als Emittenten der Bonds verlangen. Dieser Effekt sei auch aus deutscher Sicht gegenläufig zu der höheren Risikoprämie. Insgesamt sei deshalb davon auszugehen, dass die Zins-Mehrkosten für Deutschland bei der Einführung von Euro-Bonds überschauber seien. Wie belastbar ist aus ihrer Sicht dieses Liquiditätsprämien-Argument? Rechnen Sie mit günstigen Auswirkungen auf den Zins für Euro-Bonds und wenn ja, in welchem Umfang? Ändert dies etwas an Ihrer Ablehnung von Euro-Bonds? Mit scheint es etwas risikoreich, auf einen günstigen Liquiditätseffekt zu hoffen und die Risiko-Aspekte auszublenden. Mit freundlichen Grüßen Roland Nonnenmacher
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher, da Herr Sinn einen Forschungsaufenthalt im Ausland absolviert, antworte ich Ihnen. Im Grunde kann ich Ihren Darstellungen nur zustimmen. Es gibt derzeit viele Spekulationen wie groß der Liquiditätseffekt sein könnte. Angesichts der momentanen Schuldenproblematik und den Solvenzproblemen steht jedoch dieser Faktor im Vordergrund. Der Liquiditätseffekt ist dem untergeordnet. Viele Grüße Klaus Abberger
Dear Prof., The International Herald Tribune on 11 Aug, quoted excerpts from an article you wrote two weeks, stating that 'throwing money at Greece will only reduce incentives for the country to restructure its economy. If one were to look at many of the Asian economies, and in fact in the micro sense, at how Asian family units control their household budget, one would realise that we are totally responsbile for our own financial misdeeds. If we are not able to live within our monthly incomes, then the rule is very simple - scale down on the unnessary luxuries. Do not over spend. If we have to borrow, then make sure we pay it back as soon as possible and not to continue living like as if we are not in debt. It would seem here, and I am in agreement with you, that being in debt is not really a big problem, if there is always someone to bail you out. THe problem is when the citizens belive that the government has a never ending flow of money. They start to become pampered, lazy and live on welfare rather then having to work for it. It's time some of these governments realise that it is a great shame to be in such heavy debt. Live within your means and if you can't, do not expect others to bail you out evertime you overspend. What do you think Prof?
Dear Mr S., thank you very much for your comment. I agree with your opinion that citizens often demand too much from governments and that they ignore that also states do not have unlimited means. However, governments also often make promises too easily, since they have a limited time horizon. Thats why we need strict rules and in addition markets which react on failures. Best regards Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wird durch Anleihekäufe der EZB nicht der letzte Rest Vertrauen in die Märkte untergraben und somit das Schuldenproblem mittelfristig verschlimmert? Wie kann es denn sein, dass die EZB plötzlich ohne parlamentarische Beschlüsse Geld der Besitzer der EZB ausgeben kann? Sogar mit offener Missbilligung Deutschlands, was ja ca. für 25 % der Ausgaben einstehen muss? Viele Grüße Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, der Betrag von 47 Mrd. € ist natürlich nur ein plausibles Szenario. Es könnte auch billiger werden - oder aber teurer. Der erhoffte Liquiditätseffekt dürfte den Risikoaufschlag bei weitem nicht erreichen. Wenn man die Einteilung in blaue (bis 60% des BIP) und rote (alles darüber hinaus) Eurobonds vornimmt, tritt der Effekt für hochverschuldete Länder gerade nicht ein: Die roten Bonds würden die Investoren nur noch mit einer Kneifzange anfassen, für sie werden der Risikoaufschlag und die Liquiditätprämie noch höher als jetzt sein. Der Vergleich mit einzelnen Ländern hinkt, da der Euroraum gerade kein Staat ist. Dennoch: Die hohe Bonität Deutschlands gründet nicht in einer aktuell niedrigen Verschuldung (sie betrug Ende 2010 immerhin 83% des BIP), sondern der insgesamt hohen Solidität der Vergangenheit. Wenn die Investoren erst einmal befürchten, dass es auch bei uns damit vorbei ist, z.B. weil wir übermäßige Lasten übernehmen, wird es mit der bevorzugten Behandlung schnell vorbei sein. Übrigens hat es Italien auch nicht geholfen, einen der größten Anteile am weltweiten Markt für Staatsanleihen zu haben - der Liquiditätseffekt ist eben viel kleiner als der Risikoeffekt. Mit freundlichen Grüßen Kai Carstensen Übrigens scheinen auch die Ratingagenturen nicht so überzeugt zu sein von Eurobonds: siehe http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE77I01320110819.
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, wir wissen jetzt alle, dass die Hellas´ Aufnahme in die €-Zone ein Fehler war - die Wiedereinführung der Drachme wäre aber für Griechenland natürlich katastophal.. . Aber, unabhängig von Griechenland: Was spräche gegen Eurobonds, gemanaged über eine unabhängige Eurobond-Agentur, die mit in Abhängigkeit von der EU-Durchschnittsverschuldung und nach zuvor politisch festgelegter Berechnungsmethode nach intern gegenüber den Einzelstaaten mit jeweils differenziertem Zins abrechnen würden? Die Staaten müssten bei Überschreitung von zuvor festgelegten Verschuldungsobergrenzen bei deren Überschreitung die Haushalts-Souveränität an eine solche unabhängige "Agentur" abgeben bzw. ihren Haushalt entsprechend genehmigen lassen - nur dann dürfte die Eurobond-Agentur weitere Anleihen eines solchen Staates in Eurobonds an die Märkte weitergeben. Das würde die Akzeptanz des Euros in den Bevölkerungen stark verbessern, denn ein "sparsamer" Staat wie Deutschland oder Estland würde einen Zinsbonus erhalten, den die "Verschwender-Staaten" durch ihren Zinsmalus sozusagen finanzieren würden (insgesamt sollte das Zins-Saldo ausgeglichen sein, ein reines Rechenexempel..) - die PIGS könnten hingegen dankbar für die durch dieses System induzierte "Zinsdämpfung" sein, die sie gegenüber dem Marktzins erführen. Der Anreiz, an diesem System zu partizipieren und damit gleichzeitig die Disziplinierungmittel zu akzeptieren, wäre extrem hoch. Entscheidend wäre natürlich die unumkehrbare Festlegung automatisch wirkender Sanktionierungen und deren Umsetzung durch eine unabhängige Institution - das könnte Deutschland aber sicherlich als "Gegenleistung" für die Einführung von Eurobonds verlangen. Ich befürchte, dass die Märkte keine Ruhe geben, solange keine grundlegende Lösung auf dem Tisch ist - wenn uns jedoch das bestehende System irgendwann "um die Ohren fliegt", stände die deutsche Exportindustrie wegen des zu erwartenden Aufwertungs-Schock vor einem Desaster. Deshalb meine Idee. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihre Einschätzung dazu äußedrn könnten. Beste Grüße Wolfgang Meyer
Sehr geehrter Herr Meyer, zu Eurobonds gibt es verschiedene Überlegungen, die eine einheitliche Verzinsung für die Länder teilweise aufheben soll. Eine Idee ist etwa in "blaue" und "rote" Bonds zu unterteilen. Jedes Land dürfte bis zu 60% seines BIP Schulden mit Eurobonds aufnehmen (die Blauen). Darüber hinaus müssten die Länder Schulden mit eigenen Bonds aufbringen (die Roten). Auch Ihr Vorschlag geht in die Richtung, bei Eurobonds eine Zinsspreizung zu erreichen. Prinzipiell würde dies auch gehen. Die Frage ist nur, würden diese Spreizungen tatsächlich in einem Maße zugelassen, die sehr unbequeme und teils schmerzliche Reformen nötig machen? Hier sind Zweifel angebracht. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Sinn! Ich bin begeisterter Anhänger Ihrer Äußerungen und Ihrer Meinung in Sachen Schuldenkrise in Europa. Aus diesem Grunde erlaube ich mir auch, Ihnen kurz umrissen eine mögliche Lösungsidee in Sachen Schuldenkrise darzulegen. Eine genauere Analyse, auch unter Berücksichtigung von Interdependenzen, wurde von mir nicht vorgenommen. Fakt ist, dass Griechenland (und wohl auch andere Länder) überschuldet sind, und im derzeitigen Konstrukt der Währungsunion kaum Chancen haben, sich auch dieser Lage zu befreien. Man könnte für Griechenland (und auch für andere Problemländer) eine sogenannte "Parallelwährung" schaffen, nennen wir sie ECU (diese Bezeichnung kennen wir ja schon), welche als interne Rechengröße für eine bestimmte Zeit Gültigkeit hat. Mit Einführung dieser Rechengröße ECU würden die Bestände an Guthaben und Schulden in Griechenland in einem festzulegenden Verhältnis umgerechnet. Nach diesem Stichtag kann der ECU in "gewissen Bandbreiten" frei floaten, unter der Obhut der EZB. Als Bargeldwährung würde weiterhin der Euro fungieren. Damit würde man die hohen Kosten in Sachen Einführung einer neuen Währung vermeiden. Bei Barbehebungen kommt der von der EZB täglich festgelegte Umrechnungskurs zum ECU zur Anwendung. Diese "Parallelwährung" hat für das betroffene Land Gültigkeit, solange die Wettbewerbsfähigkeit nicht wieder hergestellt wurde (und natürlich auch die Haushaltskonsolidierung). Die EZB wäre sowohl für den Euro und die Rechengröße ECU zuständig. Ersuche Sie weiterhin Ihren Standpunkt weiterhin zu vertreten, die derzeitige Politik hat nicht die Kraft und die Größe wirklich "mutige Entscheidungen" zu treffen, die gerade jetzt notwendig wären.
Sehr geehrter Herr R., vielen Dank für Ihren Vorschlag. Das Problem, das ich sehe, liegt in den Preisen. Man muss alle Preise auf die neue Währung umstellen, damit deren Abwertung alle mit einem Schlag senkt. Das macht Griechenland wieder wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn Ich habe Ihr Interview in der Presse gelesen. Da habe ich nur eine Frage: Warum schreiben Sie, die Renten werden als erstes angegriffen? Warum nicht die Gehälter unserer Volksvertreter. Sind die Diätenerhöhungen kein Thema? Ich habe das Gefühl, darüber darf man nicht sprechen. Vielen Dank für Ihre Stellungnahme
Sehr geehrter Herr A., das Problem wird in zwanzig Jahren auftreten, wenn unsere Baby-Boomer, die jetzt Mitte vierzig sind, Renten von ihren Kindern haben wollen, die es nicht in genügender Zahl gibt. Dann werden sich die impliziten Staatsschulden Deutschlands in Form der Rentenversicherung mit den offenen Staatsschulden und den Garantieforderungen im Zuge der Rettungspakete addieren, was zu kaum lösbaren Finanzproblemen führen wird. Die Gehälter der Volksvertreter sind bei der Rechnung eine quantitativ vernachlässigbare Größe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des vorangegangenen Beitrags, siehe unten. Prof. Sinn, Thank you for your response. I know understand from your reference to the German Supreme Court what is the real issue behind the recent litigation spectacle that looks esoteric for non-Germans. However, it also makes me wonder why neither the German nor the Dutch government seems willing to seize the opportunity of the current very low interest rates to engage in a massive issuance of very long run bonds (30 - 100 years or even eternal bonds) and pay-off bonds which expire sooner. With respect to the intertemporal effects. I observe that governments have some other means to effectively force that issue. Requiring all kinds of regulated institutional investors and pension funds to raise their minimum investment level in AAA-related securities, in particular government bonds, which hardly pay out a real interest rate, effectively causes the same shift. I do not want to be as crass as Geoffrey Woods puts it in the FT today (http://www.ft.com/intl/cms/s/0/a246b0c2-b629-11e0-8bed-00144feabdc0.html) calling it "premeditated theft by governments from their citizens". Effectively this is just another, but less easily understood route for common people, working in the same direction of economic outcomes. As far as I understand the German Supreme Court doesn't have a say in German politicians designing laws / regulations that raise capital requirements for financial institutions and force insurers and pension funds into bonds with low or negative real returns. So this may then be the only political viable route, but it would then be due to a preconception of the German Supreme Court on what constitutes a stable and strong currency and the leeway politicians have to reach the some end results in a different way. But I may see this entirely wrong, but I do miss how in a neo-classical framework, where money acts as a veil over economic activities, the final outcome with respect to nominal intertemporal contracts is that different when the market moves toward a new equilibrium, guided by politicians who create the new institutional arrangements that will steer it into that direction. I only have the impression that the currently negotiated policies design a route that is slower to deflate the real debts, private and public.
I respond to your latest article on the Euro distributed by Project Syndicate. http://www.project-syndicate.org/commentary/sinn38/English Although I aggree with your line of analysis, I think you miss to point out the alternative political action: Internal Revaluation in Northern-Europe. A deliberate joint parliamentary action in Germany, France and The Netherlands in a law that raises for once nominal gross incomes for everyone working under an employee contract relation of 20-30%, made conditional on adoption of similar measures in each of the other two countries and considerable political pressure on Finland, Austria, Belgium and Ireland to adopt it too, would bring the solution of the observed economic imbalances, while the generic law imposition of this does provide the broad scale to avoid pay rises in only a few countries and sectors of industry. Alfred Kleinknecht tried to make this point after the Austerity run of the 1980s in the Netherlands, as keeping wages down mainly resulted in labour intensive industries to thrive. Today, this surely would cause some outcry in The Netherlands among the Pension Funds. But as many start to observe the ongoing slip of the prices paid for Dutch housing, while there is massive private debt in mortgages, this manoeuvre could become politically acceptable. As a one-off bump in labour cost would in particular lead to many businesses to raise investment in labour saving capital goods, Germany's strongest sector of industry, I do not know whether such an internal revaluation policy would not become politically feasible. For France it surely has some positive impact on their state debt levels as measured in Debt-to-GDP. In short, the ultimate economic maintainable mix will probably be a combination of both internal revaluation in the North and internal devaluation in the South. Aren't your proposed political solutions more problematic in economic impact than such a nation wide internal revaluation in the economic core of the Eurozone?
Dear Mr. R., Thanks for your reply. You are right, appreciation of the North via a relative price increase would greatly facilitate the adjustment. However, inflation also has its costs, because it imposes a risk on nominal intertemporal contracts within a country. Germany which suffered from a hyperinflation will definitely be reluctant to accept such a strategy. Its supreme court will likely take the Maastricht treaty literal should it turn out that the task of the ECB to stabilize the price level is interpreted as applying only to some European average. This will turn out to be a severe constraint excluding the solution you prefer. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mich würde Ihre Einschätzung zum jüngsten EU-Gipfelbeschluss zur Griechenland Rettung interessieren. Es sind sich ja nahezu alle ernsthaften Ökonomen einig, daß damit die Tür in die Sozialisierung der Schulden und mittelfristig in die Transferunion geöffnet wurde. Fiskalisch insoweit - besonders für Deutschland - überwiegend ein Misserfolg. Ist es nicht aber zumindest als kleiner Erfolg zu werten, dass die EZB wieder etwas mehr Spielraum bekommt, indem die Staatspapiere aus ihrer Bilanz wandern und stattdessen künftig im Krisenfonds landen. Ich denke, dass Gefährlichste überhaupt wäre es, eine einfache monetäre Lösung für die Euro-Problematik anzustreben und Staatspapiere über die EZB in größerem Umfange ankaufen zu lassen (Monetarisierung von Schulden). Dies zumindest wurde einstweilen vermieden. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die künftige Geldwertstabilität im Euro Raum? Sehen Sie - wie in Ihrem Buch "Kasino Kapitalismus" beschrieben - nach wie vor Europa eher in Richtung Japan treiben (deflatorische Tendenzen) oder sehen sie doch eher die Gefahr, künftig eine Politik des leichten Geldes mit deutlicher Inflationstendenz erleben zu müssen? Für eine kurze Antwort wäre ich sehr dankbar. Und bewahren Sie sich bitte den Mut, weiterhin alle ökonomischen Fakten so klar beim Namen zu nennen. Ihre Courage und Ihre Sachkompetenz finden breiteste Anerkennung.
Sehr geehrter Herr K., da Herr Sinn einen Forschungsaufenthalt im Ausland absolviert, antworte ich Ihnen. Herr Sinn hat in mehreren Publikationen darauf hingewiesen, dass die EZB sich massiv an der Rettung Griechenlands beteiligt. Es ist aber die Aufgabe der Regierungen die Rettungsmechanismen zu beschließen. Wenn die Regierungen diese Verantwortung von der EZB übernehmen, ist das sicherlich richtig. Zu Ihrer Frage über die Preisentwicklung: In der Tat ist momentan die Deflation kein großes Thema mehr. Es bestehen vermehrt Inflationsgefahren. Viele Grüße Dr. Klaus Abberger Leiter des Präsidentenbüros
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihr gestriges Interview im Zusammenhang mit den jüngsten Maßnahmen zur sog. "Eurorettung" zur Kenntnis genommen. Zugegebener Weise ermangelt es mir dem wirtschaftlichen Sachverstand, um hier die Lage hinreichend beurteilen zu können. Gleichwohl erscheinen mir Ihre Ausführungen sehr plausibel insbesondere auch Ihre Arbeit zu den TARGET-Krediten. Nach jüngsten Medienberichten, sollen bei dem neuerlichen "Rettungspaket" die Zinsen auf 3,5 % gesenkt werden. Bedeudet dies, dass sich nur noch jene Staaten am EFSF beteiligen müssen, die sich zu einem Zinssatz von unter 3,5 % am Markt finanzieren können? Hieße das dann nicht, dass Frankreich rausfiele und am Ende nur noch die derzeit noch Zahlungskräftigen (insb. Deutschland) übrigblieben? Für Ihre Mühewaltung danke ich im Voraus. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr W., in der Tat werden die Zinsen die Griechenland, Irland und Portugal für Kredite aus den Rettungsmaßnahmen zahlen, gesenkt. Damit soll den Ländern die Anpassung erleichtert werden. Allerdings ist das aus Sicht der anderen Länder schon eine kräftige Unterstützung. Statt zu Marktpreisen, können sich die Länder im Rettungsschirm günstige Zinsen sichern. Technisch läuft die Kreditgewährung über den EFSF (European Financial Stability Facility). Er besorgt das Geld am Kapitalmarkt. Es haften dafür die Länder der Eurozone. Es ist also nicht so, dass jedes Land einzeln das Geld für die Rettungsmaßnahmen leiht. Daher ist es auch nicht so, dass sich am EFSF nur Länder beteiligen, die sich günstiger als zu 3,5 % am Markt finanzieren können. Mit freundlichen Grüßen Klaus Abberger
Was macht Griechenland mit dem ihm zur Verfügung gestellten Geldmitteln? Ich habe bislang in den Medien keine konkreten Maßnahmen und Zeithorizonte erfahren. Wer kontrolliert den wirtschaftlich effizienten Einsatz der Mittel und welche Sanktionen werden bei Nichterfüllung seitens der Verantwortlichen der EU vollzogen?
Sehr geehrte Frau S., da Herr Sinn einen Forschungsaufenthalt im Ausland absolviert, antworte ich Ihnen. Die im Rahmen der Rettungspakete zur Verfügung gestellten Mittel dienen im Wesentlichen der Finanzierung der griechischen Schulden. Sie sind nicht an konkrete Projekte gebunden. Allerdings verlangen die "Retter" (also auch Deutschland) wirtschaftspolitische Maßnahmen, die Griechenland umsetzen muss, beispielsweise Sparmaßnahmen und Privatisierungen. Zusätzlich dazu wollen die europäischen Staaten Mittel für Investitionen zur Verfügung stellen, die dann in bestimmte Projekte fließen. Was tun wir, wenn die Griechen die auferlegten Maßnahmen nicht umsetzen? Ihre Frage dazu ist berechtigt. Denn dann sind wir in einer Zwickmühle. Die griechische Opposition lehnt vieles ab, was dem Land auferlegt wird. Wir können keineswegs sicher sein, dass Griechenland die Vorgaben erfüllt. Aber ab welchem Punkt sind wir nicht mehr bereit zu helfen? Im Moment gibt es dazu keine eindeutige Antwort. Mit freundlichen Grüßen Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Sinn Ich habe Ihr Interview in der Presse gelesen. Da habe ich nur eine Frage: Warum schreiben Sie, die Renten werden als erstes angegriffen? Warum nicht die Gehälter unserer Volksvertreter. Sind die Diätenerhöhungen kein Thema? Ich habe das Gefühl, darüber darf man nicht sprechen. Vielen Dank für Ihre Stellungnahme.
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie argumentieren in einem Vortrag, dass das EEG überflüssig ist. Zum einen kostet es den Staat Geld, zum Anderen wird nicht ein Gramm CO2 eingespart, weil dies bereits über die Emissionszertifikate geregelt ist. Mir fällt wirklich kein Argument ein, welches das EEG rechtfertigen würde, da selbst die größere Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen nicht gelingen kann. Leider gehöre ich zu der Hälfte Bundesbürger, die Steuern zahlen. Warum macht der Gesetzgeber so etwas? Warum wurde das EEG eingeführt? Viele Grüße, Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, das EEG wurde eingeführt, weil zwei Bundestagsabgeordnete von zwei verschiedenen Parteien sich zusammengetan haben. Der eine, weil er die grünen Technologien voranbringen wollte, der andere, weil er den Strom aus seinem Wasserkraftwerk besser verkaufen wollte. Damals gab es den Emissionshandel noch nicht, so dass man gewisse Effekte erwarten durfte. Dann hat die EU den Emissionshandel eingeführt, und das EEG verlor seine Wirkung. Aber man wollte vom EEG nicht lassen, weil es eine gute Einkommensquelle war. Die 17 Mrd., die das EEG die Verbraucher allein in diesem Jahr kostet, sind anderswo Einkommen, zu einem erheblichen Teil allerdings in China, denn von dort kommen zwei Drittel der Sonnenpaneelen und sicherlich auch ein großer Teil der Windräder. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bitte Sie um Ihre Meinung zu folgendem Vorschlag, um den Gordischen Knoten Euro-Krise zu lösen: Die EZB erstellt anhand transparenter, veröffentlichter Kriterien ein eigenes Rating der Euro-Länder. Zudem bietet die EZB an, gegen einen Aufschlag auf den Leitzins, die bei Ihr als Sicherheit hinterlegten Staatspapiere für die Zeit der Hinterlegung gegen Ausfall zu versichern. Der Aufschlag wird dabei anhand des eigenen Ratings ermittelt. Dies hätte zur Folge, daß der Teufelskreis aus steigenden Refinanzierungskosten der Länder aufgrund steigender Gefahr eines Zahlungsausfalls dieser Länder aufgrund steigender Refinanzierungskosten...sofort durchbrochen würde. Die CDS-Prämien würden sich ja sofort an der EZB orientieren. Die EZB würde ein fester Anker sein, welcher die Übertreibungen der Märkte sofort bremst. Zudem wäre auch sofort die Macht der Rating-Agenturen gebrochen, denn der Markt wird ein Rating, für welches die EZB, wenn die Versicherungsprämie gezahlt wurde, auch haftet, definitiv höher bewerten. Die EZB hätte auch die Zinshoheit in diesen Ländern wieder zurückgewonnen. Ganz nebenbei hätte Euroland auch ein effektives Druckmittel, um die einzelnen Staaten zu solidem Haushalten zu zwingen. Denn schlechte Haushaltsführung würde automatisch zu einem Strafzins führen, welcher auf dem Umweg über den Markt an die EZB abgeführt wird. Mit freundlichem Gruß K.S.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihr Schreiben. Sie gehen von der Hypothese aus, dass die Märkte übertreiben und Zinsaufschläge verlangen, die gar nicht nötig sind, bzw. dass die Rating-Agenturen übertreiben. Das sehe ich anders. Die EZB hat bereits drei Jahre lang die Zinsaufschläge gedämpft, indem sie die Zahlungsbilanzdefizite der defizitären Länder mit der Druckerpresse finanziert hat. Wie immer man das bewertet, heute sind wir im vierten Jahre der künstlichen Dämpfung der Zinsspreads gegenüber dem, was die Anleger angesichts der Konkursgefahren für richtig halten. Nach so langer Zeit kann man nicht mehr sagen, dass hier irgendwelche falschen Kräfte am Werk sind. Vielmehr ist es eine Tatsache, dass die Zinsen wegen der Überschuldung bestimmter Länder nicht mehr sicher sind und dass deshalb die Zinsspreizung nötig ist. Die Zinsspreizung ruft die Disziplinierung hervor, von der Sie sprachen. Das sehen wir ja jetzt an Italien. Allerdings wird die EZB sie, da ihr Zentralbankrat ein extrem politisch agierendes Gremium ist, immer zu klein halten wollen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Good evening I have just read your article in "Le Monde" saying that Greece should exit the Euro but some of the things you say do not make sense to me. First you say that Greece will regain competitiveness by devaluating. This is for sure, but this is just going back to the past and not trying to reform. Doing so the Greek people would also lose even more of their actual standard of living, and furthermore, it will not incite them in restructuring what really creates their lack of competitivity which is mainly the unproductive public sector (a complete failure). You say that Europe should not make money transfers as West Germany did with East Germany. Please note that at the moment there is no real money transfer to Greece other than the loans, which are actually part of the debt restructuration, which as you said yourself Europe would have to ensure whatever the case... Eventually, you say that the situation is going to turn into emigration out of Greece if they stay inside the Euro. Is it not the best solution from a European perspective as well as for the individuals ? is it not the best solution since both the people staying in the reformed greek economy and those leaving for other Europeans countries will both optimise their productivity and therefore optimize their standard of living ? Of course Greece is gonna be slightly downsized in term of population, but maybe not that much in terms of overall production and for Europe it is quite transparent since most Greek emigrants will help growth in other europeans economies.
Thanks for your note. Let me reply. 1. Explicit devaluation is the least harmful way of becoming competitive. Cutting prices while keeping the euro involves a decade of hardship, real contraction, misery and, as Keynes and Friedman alike have argued, political turmoil. Restructuring the economy is necessary regardless of that. But who does it? What, if it will not happen? That needs a mental revolution. There is no way to avoid a depreciation, either internally or externally. The living standard will fall for sure as Greece lives beyond its means. But an external depreciation means that the internal prices and wages will all stay the same and prices in general will only go up according to their import content. 2. Greece has been bankrupt basically since 2008. Since that time the excess of imports over exports has been financed with the money printing press and, from May 2010 onwards, with the aid programs of the Euro countries. There is general agreement of markets that additional loans given to Greece will not lead to additional debt services to other countries. Probably the tax payers of Europe will redeem the debt. 3. Emigration is only a second best option, given that we cannot fix the mess. Returning to an orderly state of affairs in Greece is better than a mass flight of the population. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Name ist Christian Goga und ich bin sehr interessiert an der aktuellen Schuldenkrise in Europa. In Ihren Vortrag ,,Warum Deutschland ein Schulden- Tsunami droht´´ sprachen Sie beim vierten Gliederungspunkt ,,Rettung: Target, ESM, etc.´´ von Geldmengen. In Griechenland ist die Geldmenge nach der Transaktion über die EZB nach Deutschland wieder konstant, hingegen sie sich in Deutschland im Umfang der Überweisung erhöht hat. Einige Sätze später jedoch heißt es: ,, [...] die Geldmenge ist weder hier noch da verändert. [...]´´. Hier ergibt sich für mich eine Verständnisschwierigkeit. Suggerieren Sie mit dieser Aussage, es würde sich die Geldmenge in Deutschland nicht verändern, weil die Kreditnehmer, bzw. die Geschäftsbanken über die BUBA in dem Umfang der indirekten Kreditvergabe an die GIPS-Länder, weniger Zentralbankgeld sich bei der EZB besorgen müssen um ihre Transaktionen zu tätigen. Setzten Sie also voraus, wäre der Kredit nicht für den griechischen Konsum vergeben wo! rden, hätten sich die deutschen Banken mehr Zentralbankgeld leihen müssen und dementsprechend hätte sich auch über diesem Weg die Geldmenge in Deutschland erhöht. Somit macht es für die Geldmenge in Deutschland keinen Unterschied, ob die Geldmenge über einen indirekten Kredit an Griechenland sich hierzulande erhöht hat, oder sich andernfalls die Banken mehr Zentralbankgeld geliehen hätten. Können Sie mir also bitte näher erläutern, wie Ihr Gedankengang aussah oder ob ich mit meiner Interpretation richtig lag. Mit großem Interesse erwarte ich Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Christian Goga
Sehr geehrter Herr Goga, Sie liegen richtig. Das Außengeld, das von Griechenland nach Deutschland strömt, verdrängt das deutsche Binnengeld, das durch Kreditvergabe der Bundesbank an die Geschäftsbanken entstanden ist. Die Bestände wurden in den letzten Jahren allmählich gegeneinander ausgetauscht. Bitte schauen Sie sich das folgende Video an: Target Loans, Current Account Balances and the ECB’s Rescue Facility, ifo Lunchtime Seminar, 28.06.2011 http://mediathek.cesifo-group.de/iptv/player/macros/cesifo/mediathek?content =1207699&idx=1&category=1097891849 Da wird alles erklärt, freilich auf Englisch. Auch in diesem Sonderheft des ifo Schnelldienstes: Schnelldienst: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Bonjour Monsieur le Professeur, Permettez-moi d'écrire en Français, afin d'éviter les erreurs que je risque de faire en utilisant l'allemand ou l'anglais. Je viens de lire dans le journal français "Le Monde" un article dans lequel vous préconisez pour la Grèce une sortie provisoire de l'EURO. Ne serait-il pas possible de créer un étalon-euro ayant cours légal dans tous les Etats de l'Euroland, ces derniers ayant la possibilité -mais non l'obligation- de créer parallèlement leur propre monnaie. Les pays comme la Grèce, l'Irlande, le Portugal, etc..., pourraient ainsi choisir le cours de change vis-à-vis de l'Euro qui leur serait financièrement le plus favorable. D'un autre côté, les avantages que procure une monnaie commune subsisteraient puisque l'Euro continuerait d'exister. Hochachtungsvoll, Marcel Luttgens
Sehr geehrter Herr Luttgens, erlauben Sie mir, auf Deutsch zurück zu schreiben. Ich denke, Sie machen einen sehr nützlichen Vorschlag. Gerne würden wir ihn auf unserer Homepage veröffentlichen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich habe Ihre Teilnahme am Gespräch bei Fr. Illner gesehen, bedanke mich für Ihre sachlichen Beiträge, und bitte darum, dass Sie in dieser aufgeladenen Atmosphäre auf ihre Gesundheit achten. Ich freue mich, dass wir bei Schröder einer Meinung sind, aber sollte das nicht auch für Brüning gelten? Da gehen Sie jedoch nicht mit, schwer verständlich. Eindeutig ist jedoch, dass Hitler wie Hoover/ Roosevelt mit starken Staatsdefiziten versuchten, den Aufschwung zu erzwingen. Deutschland erreichte mit einer anhaltenden Neuverschuldung von mehr als 10% die Vollbeschäftigung. In den USA lag die AL 1938 – 9 (!) Jahre nach Beginn der Krise - immer noch über 14%. FDR, der Schlingel, gewann den Wahlkampf durch „pork barreling“ mit defizitfinanzierten Bundeszuweisungen für einzelne Counties - m.a.W., durch Bestechung auf Kosten der Allgemeinheit. Aber der magere Aufschwung zu einem hohen Preis, hatte Konsequenzen, die Defizite uferten aus; in Deutschland liess sich Ende 1938 der Haushalt nicht mehr ausgleichen – wer mag da noch an eine zufällige Parallelität von Pogromnacht und „Judenbuße“ glauben? Was Sie als „volkswirtschaftliche Lehrmeinung“ ausgeben, greift jedoch so zuverlässig, wie Sie mit dem Hinweis auf die Zeitreihen suggerieren möchten. Auf das Fokussierungs-Problem - ein auf drei Jahre gestreckter Stimulus besitzt nicht die erwünschte punktuelle Wirkung - habe ich schon hingewiesen. Auch waren die immer wieder zitierten 1.000 Mia. US-$ (2008) nicht alles Stimulanzia, sondern zum guten Teil sind darin auch Mittel, die zur Rettung der Banken eingesetzt wurden. Warum ignorieren Sie die [habe im Moment kein besseres Wort] nicht-keynesianistischen Erholungsvorgänge so hartnäckig? Die unglaublich schnelle Erholung nach einer kurzen, moderaten Rezession 1920/21 in den USA, wie auch die schnelle Erholung dort nach einer überraschend milden Rezession nach Ende des WWII. Die Werte für die Staatsausgaben fielen in den USA von 1944 (100%) bis 1948 auf ca. 25%, was nach dem keynesianistischen Theorierahmen eine ultraheftige Kontraktion des GNP hätte auslösen müssen. Hat es aber nicht. Während die fortgesetzte Verschuldung unter Hoover/ Roosevelt und Hitler keinen selbsttragenden Aufschwung auslöste - führte der Rückgang der Staatsausgaben zu dem lang anhaltenden Aufschwung der 20er Jahre wie dem Boom Ende der 40er Jahre bis weit in die 50er hinein. Und schauen Sie heute nach USA oder nach Frankreich - beide haben wenig vom Aufschwung, trotz des Stimulus. Das sind nicht nur einzelne Ausreißer in den Datensätzen. Nehmen Sie bitte die widersprechenden Entwicklungen zur Kenntnis. Keine Methode mit dem Anspruch auf „Wissenschaftlichkeit“ darf sich gegen konträre Daten immunisieren, um den eigenen Theorierahmen zu erhalten.
Lieber Herr H., vielen Dank für den Beitrag. Ich bin nicht so weit von Ihnen. In dem Paper mit Wollmershäuser habe ich auch argumentiert, dass der Fall der Asset-Preise einen schnellen Aufschwung befördert, während die Politik der Stabilisierung der Asset-Preise lähmt, weil sie permanent Angst vor der Kollaps erzeugt. Für den Hinweis auf die Gesundheit danke ich, denn ich war in der Tat an dem Abend ziemlich müde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für Ihre Antwort. Wenn ich Ihre Aussagen kritisiere, heißt das sicher nicht, dass ich Ihre Leistungen schmälern möchte. Sie bleiben den Nachweis schuldig, dass das keynesianistische Nitro tatsächlich der entscheidende Faktor für die 2008-nachfolgende-Erholung war. Der Aufschwung ging von Asien aus, die USA sind dagegen heute immer noch im Keller, ein drittes Konjunkturprogramm wird daran nichts ändern. Auch wenn die Zahl von 1.000 Mia. US-$ weltweit als gewaltiger Stimulus erscheint, bricht man diese Summe auf die beteiligten Länder herunter, verringert sich die Größenordnung des Einzelstimulus auf vernachlässigbare Werte. Und ob eine umfassende Mikro-Analyse der Projekte Ihre These stützen würde, erscheint fragwürdig. Ein über Jahre gestreckter Stimulus kann nur schwer der zentrale Faktor für eine Konjunktur-Erholung sein kann. Ich befürchte einen post-hoc-propter-hoc-Fehler. Nur weil ein Effekt nach einem anderen Effekt auftritt, sollte man bei einer Unterstellung von Kausalität vorsichtig sein. Auch Deutschlands heutiger Aufschwung ist unabhängig von dem Mini-Stimulus. Brünings schwere Reformen hatten die Basis für den Aufschwung 1933ff. gelegt, ebenso wie Schröders Reformen die Grundlage für den heutigen Aufschwung. Wäre Schröder nicht nach der NRW-Wahl 2006 zurückgetreten, wäre Brüning nicht 1932 abgesetzt worden, hätten beide auch die Früchte ihrer schweren Reformen vereinnahmen können. Roosevelt wie Hitler nahmen zwar gerne das Lob entgegen, aber der „Aufschwung“ war erstens nicht ihrer und zweitens kein Erfolg. Mit Hilfe der indirekten Kreditierung des Staates über die Öffa- und MeFo-Wechsel, ein ähnlicher Verstoß gegen das Reichsbankgesetz wie heute der Ankauf von Staatspapieren auf durch die EZB, flankierte Hjalmar Schacht den Wiederaufschwung Deutschlands auf der monetären Seite. Trotz enormer Ausgabenprogramme und überbordendem Politikeinsatz brachten weder Hitler noch FDR (noch Obama) einen selbsttragenden, dauerhaften Aufschwung zusammen – stattdessen zeigte sich eine „Entfernte Verwandtschaft“ zwischen beiden Regimen. In Deutschland drohte Ende 1938 („Judenbuße“ als letztes Mittel des Haushaltsausgleichs) das Strohfeuer des defizitbefeuerten Aufschwungs in sich zusammen zu fallen, nicht viel anders in USA. Hitler flüchtete in den Krieg und der rettete auch Roosevelt (vor der Niederlage gegen Wendell Willkie); die Rüstungsproduktion und die Einziehung von 12 Mio. arbeitsfähigen Männern schufen endlich die langersehnte Vollbeschäftigung in den USA – jedoch keinen Wohlstand. In beiden Fällen führten die gewaltigen Haushaltsdefizite, die Roosevelt und Hitler eingingen, zu einem verminderten Vertrauen der Wirtschaft zur Politik, zu einem Investitionsattentismus auf privater Seite. Die Regel heißt - je mehr Politik, je mehr Programme, desto weniger selbsttragender Erfolg, und umgekehrt. Die überraschend schnelle Nach-WWI-Erholung wie die Reintegration von Millionen Soldaten nach Ende des WWII in den USA erfolgte nahezu ohne Staat und Politik. Nicht nur dass Ihre keynesianistische Glaubensrichtung wesentliche Fakten übergeht – sie verwechselt auch Korrelation und Kausalität. Mit freundlichen Grüßen - BH
Sehr geehrter Herr H., ich bin vollkommen bei Ihnen, was den Einfluss von Schröders Agenda betrifft. Das habe ich wieder und wieder betont. Aber zu dem Schluss, dass die keynesianische Rezeptur der Nitro-Kapsel bei einem Kreislaufkollaps funktioniert, komme ich nun wirklich nicht aufgrund der Beobachtung der zeitlichen Abfolge in dieser Krise, sondern aufgrund theoretischer Erwägungen und früherer ökonometrischer Studien. Das ist Teil der volkswirtschaftlichen Lehrmeinung. Allerdings liegt es in der Natur der Nitro-Kapsel, dass sie schadet, wenn man zu viel davon nimmt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in der Debatte um die Lösung der Euro-Krise - vornehmlich mittels politisch gesteuerter Aktionen - werden meist zwei prinzipielle Lösungen propagiert und gegeneinander bewertet: die geordnete Insolvenz (was einem internationalen Protektorat gleichkommt) und der Austritt aus dem Euro. Gerne wüsste ich Ihre Meinung zu einer dritten Lösung: den Dingen ihren Lauf lassen. Hier die Gedanken dazu: Griechenland muss sich selbst helfen. Das ist ein Ausweg, den wir höchstens mit einer Art Marshall-Plan für Griechenland und die stark betroffenen Banken unterstützten können - mehr nicht. Und auch der Austritt aus dem Euro ist nicht notwendig. Die griechische Wirtschaft wird sich so oder so mit derjenigen Währung versorgen, der sie Vertrauen schenkt. Das wird der Euro sein. Denken wir doch an den Balkan, der ohne unser Zutun durch die D-Mark saniert wurde. Das einzige, was passieren wird, ist, dass dem überbordenden griechischen Staatsapparat die Mittel entzogen werden, sein korruptes, verbrecheriches Tun weiterzutreiben. Er wird sich neu erfinden müssen. Der heilsame Schock ist die Grundvoraussetzung für ein Aufwachen und einen neuen Anfang - so wie bei uns nach dem letzten Weltkrieg. Die Griechen sind weder fauler noch geschäftsuntüchtiger als die Deutschen oder irgendjemand sonst. Also - lassen wir doch den Dingen ihren Lauf und geben den großen und vor allem den kleinen Unternehmern ihre faire Chance. Dann wird auch der Euro überleben. Mit freundlichen Grüßen, Peter Jumpertz
Sehr geehrter Herr Jumpertz, das ist eine ernst zu nehmende Alternative. Die stehen wir aber nicht durch. Man muss dann doch grenzenlos retten, und wenn man es nicht tut, kriegt man Schelte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
The biggest payer of euro crisis is not Germany. This message has been repeatedly spread in German’s media and by German’s politicians, and by you, but it doesn’t fit to reality. The contribution of member states to the Stability Fund is linked to the size of the economies and of their population. Germany has the largest population (80 million) and the strongest economy (around 30% of the eurozone). So, no surprise, it is the country that contributes the most, in absolute terms: 21.700 millions in cash and 168.300 millions guarantees. But these are absolute figures and we need to look at the proportion of the effort that is is asked to all countries. If you rank contributions in relation to GDP percentage, Germany is by far behind many other countries, being the 10th on the list and when you look at per capita contribution, Germany is the 6th of the 17 eurozone countries: Portuguese, Spanish, Maltese, Italians, they all pay more per capita than German people. The effort that is asked for each of these countries and each of their citizens is much bigger than the effort required by Germans. Nevertheless, in Germany the message that comes out of the media, is that they’re the ones paying for the crisis. In Luxembourg, for instance, the contribution per capita is 398 euros, against the 265 euros in Germany….and they aren’t complaining. France, with 20% less population than Germany, is paying 16.300 millions and guaranteeing 126.400 millions. And in addition, germany has a lot to win, because these countries are going to pay you back at a very conveninet interest rate... This is, in fact, an excellent buisiness for Germany!
Dear Mrs. Ferreira, Please mind that the quote in one of your newspapers to which you may allude implicitly was an entirely false translation. A correction is under way. As to your point, I do not think you are right. The participation in the official rescue operations is according to the ECB capital share, and that in turn is the average of country’s GDP and population share. In fact, however, Germany pays most - in terms of losing its rating, which currently is the best of the euro and - because the Bundesbank nearly exclusively exported the capital via the ECB system ( a good 300 billion euros) that was lent in the last three years to Greece, Portugal, Spain and Ireland. Please see this link: CESifo Working Paper Nr. 3500: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Betreff: Ihr Bericht Rente in Gefahr ich habe einen Kurzbericht gelesen, das die Rentner edie ersten Opfer sind. Ich bin nun beunruhigt. Ich bin selber Pensionär und habe nun Angst das der Staat keine Pension mehr bezahlen kann. Was meinten Sie , das die ersten Opfer Rentner sind.
Sehr geehrter Herr R., die Renten sind bei weitem der wichtigste und größte Posten im Staatsbudget. Die Lasten, die mit den riesigen Rettungspaketen auf den deutschen Staat zukommen, werden alle wichtigen Ausgabenposten treffen, vor allem die Renten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wie bewerten Sie die von Herrn Jacques Delpla lancierte Idee der Blue- und Red-Bonds? Interessant wäre eine Bewertung der langfristigen Perspektive (Vor- und Nachteile; Machbarkeit), da kurzfristig sicherlich das Problem des Moral-Hazard existiert. Vielen Dank im Voraus
Sehr geehrter Herr S., ich kenne den Vorschlag gut, zumal auch einer meiner ehemaligen Assistenten, Jakob von Weizsäcker, beteiligt war. Das Problem ist, dass man erst einmal auf den Haircut verzichtet, bis die 69% voll sind, so dass vorläufig keine Bankenbeteiligung vorkommt. Und wenn dann die Grenze für die roten Bonds erreicht ist, wird man diese Grenze hochsetzen. Das ist die beste Methode, die Banken nie zu beteiligen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich denke, mit dem kontrovers diskutierten Thema der Wirkung des EZB-Systems auf den Markt durch Liquidität haben Sie ein äußerst relevantes Thema aufgegriffen. Ich erhoffe mir, auch in der Betrachtung von Unterschieden zum Fed-System, eine Klärung, wie Geldpolitik sich in der Praxis auf die realen Märkte auswirkt und welcher politische Handlungsbedarf sich daraus ergibt Bereits Jean Bodin hat sich vor 500 Jahren mit dem Thema befasst, wie Glyn Davies in seinem Buch ‚History of Money‘ ausführt: „Bodin also related very carefully some of the regional and temporal differences in inflation to the pattern of geographical dispersal of Spanish specie, ….as waves going from the monetary centre to the periphery.” So also hat sich das aus Amerika geraubte Geld, damals Gold und vor allem Silber, in Wellen auf die Peripherie, von Spanien ausgehend, über Jahrzehnte ausgebreitet und eine Inflation bewirkt, die letztlich in den großen Dreißigjährigen Krieg mündete, die alte Ordnung zerstörte und den Aufstieg des Finanzplatzes London in unmittelbarer Folge bewirkte, weil England sich auf das Kreditgeschäft zu verständigen wusste. Die Entwicklung bewirkte aber auch, dass England erkannte, dass die Geldmenge kontrolliert werden mußte, letztlich die Goldakkumulation also politisch wie ökonomisch entscheidend war. So entstand der Goldstandard, der Englands Aufstieg begünstigte. Heute fließt im EZB-System auch Geld an die Peripherie, viel schneller als früher, weil bei digitalem Geld der Transport unerheblich ist. So können die Kreditvolumina an der Peripherie über alle Grenzen wachsen, die Staaten sich entsprechend verschulden, bis Signale aufkommen, dass die Rückzahlung dieser Schulden fraglich ist. Dieser Geldfluß hängt damit zusammen, dass in den Peripherie-Staaten höhere Investitionsrenditen erwartet wurden; er bewirkte aber auch Inflation an der Peripherie, die von der EZB nicht als kritisch erkannt wurde. Daher stellt sich die Frage, ob unser europäisches Geldsystem gut konzipiert ist. Damit meine ich, ob es rechtzeitig die richtigen Signale sendet und zugleich systemisch Korrekturen auslöst. Ihre Vergleiche mit dem Fed-System zeigen, dass dort ein derartiger Korrekturmechanismus wohl systemimmanent ist und im EZB-System nicht. Aber das EZB-System verfügt wohl auch nicht über die Signale, missliche Entwicklungen anzeigen. Selbst wenn Ihre Deutung auf TARGET doch nicht auf die alleinige Fehlerursache hinweisen sollte, so lösen Ihre Gedanken doch eine Befassung mit dem EZB-System und möglichen Konstruktionsfehlern aus. Das ist gut so. Wir dürfen das mit der Verschuldung Griechenlands verbundene Problem auch nicht allein auf die realwirtschaftlichen Ungleichgewichte beziehen. Dieses Denken, das sich mit den Überlegungen verbindet, eine einheitliche europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik könne die Probleme beseitigen, geht in die falsche Richtung. Die Praxis zeigt in Deutschland eine Währungsunion mit weitgehend einheitlicher Wirtschafts- und Finanzpolitik, ohne dass es gelingt, die Ungleichgewichte bspw. zwischen Bayern und Bremen oder West- und Ostdeutschland in überschaubaren Zeiträumen zu beseitigen. Transferzahlungen sind die Folge, ohne dass regelmäßige Föderalismusreformen ein Ende absehen ließen. Die mit dem ESM verbundenen Vereinbarungen auf EU-Ebene könnten trügerisch sein. Die Befassung mit dem Geld und dem EZB-System dürfte für den Erfolg der europäischen Integration entscheidend werden. Mit freundlichem Gruß Dr. Wolfgang P. Warth
Sehr geehrter Herr Dr. Warth, vielen Dank für Ihre weit führenden Bemerkungen. Sie zeugen von einem tiefen Verständnis. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bin ein großer Verehrer Ihrer Arbeit im Allgemeinen (Kritik folgt später) und freue mich im Speziellen darüber, dass Sie endlich die enormen Risiken, die mit der jeweiligen Art und Weise der Geldschöpfung verbunden sein können, einem größeren Publikum vor Augen führen. Mir war durchaus bewusst, dass in gewissen Ländern wegen fehlender Anforderungen an Kreditsicherheiten zu viel (weil eben schlecht besichertes) Geld geschöpft wird, als ich aber die Summe der akkumulierten Target2-Forderungen der Bundesbank gesehen habe, ist mir schlecht geworden. Wie die Luxemburger bei einem auf die Bevölkerung umgelegten VaR von über 100000 Euro pro Kopf noch ruhig schlafen können bleibt unklar. Zumindest kann man den Griechen und anderen jetzt nicht mehr vorwerfen, sie würden außer ein paar Oliven nichts produzieren und exportieren, denn wie sich zeigt, produzieren und exportieren sie in bemerkenswertem Umfang, nämlich Euro. Ich möchte Ihnen auch dafür danken, dass sie immer wieder auf das eigentliche Risiko einer Ansteckungsgefahr der Schuldenkrise in Europa aufmerksam machen, dass nämlich nicht nur die (drohende) Zahlungsunfähigkeit der Peripherie den Kern gefährdet (Finanzsystem), sondern dass der Kern natürlich hauptsächlich dadurch in Gefahr ist, dass er sich bei der Rettung der Peripherie übernimmt (Öffentliche Haushalte). Den Politikern, die dieses Problem verständlicherweise verdrängen, kann man ein kurzfristiges bzw. „legislaturperiodisches“ Denken kaum vorwerfen, und so braucht es eben andere, die dieses Risiko öffentlichkeitswirksam thematisieren. Einige Staatsverantwortliche, die sich ihrem Gewissen verpflichtet fühlen, treten dann zumindest – wie Horst Köhler (ESM) und Axel Weber (Target-Kredite) – umgehend zurück. Meiner Meinung nach hat sich Deutschland, dessen Regierung immer wieder neue zukünftige Steuerforderungen für nicht geborene Kinder anmeldet (Staatsanleihen), schon längst - spätestens mit der Unterschrift für das Bürgschaftsprogramm letztes Jahr (ESM) – übernommen, zumindest im Bezug auf eine langfristige Solvenz. Die spärlich vorhandene (ausbildungsreife) Jugend soll ja zusätzlich die Überzahl ihrer Eltern später versorgen und pflegen (implizite Staatsschuld). Ich promoviere in Frankfurt a. M. und beschäftige mich seit einiger Zeit mit den Risiken, die sich in den Bilanzen der GBen und ZBen in Europa aufbauen und einer möglichen Verursachung dieser Risiken durch eine entsprechende ZB-Politik. Besonders gut hat mir an Ihrem Aufsatz über die Target-Kredite gefallen, dass Sie letztendlich die zu niedrigen Kollateral-Anforderungen bei der Notenemission (in den GIPS-Ländern) als Problem für die Stabilität des Euro ausmachen. Es wird also nicht die Geldmenge, die ja durch die Transaktionen - welche den Target-Salden zugrunde liegen – gar nicht wächst, sondern die Besicherung dieser ausgegebenen Noten thematisiert. Es scheint langsam (endlich!) einer größeren Zahl von Ökonomen klar zu werden, dass bei der Geldemission das Entscheidende nicht die Menge des ausgegebenen Geldes ist („einfache“ Quantitätstheorie), sondern die Sicherung seiner Rückströmung. Für jene die sich mit der banking-currency-Debatte und dem berühmten “law of reflux“ während ihres Studiums beschäftigt haben, ist dies natürlich nicht besonders aufregend. Einen Widerspruch zu Ihrer jetzigen Argumentation sehe ich bezüglich Ihrer Äußerungen noch vor einem Jahr. Als die EZB vermehrt Staatsanleihen aufkaufte und sich damit brüstete - im Gegensatz zu anderen Zentralbanken - kein QE zu betreiben, haben Sie die Ankäufe zwar kritisiert, aber behaupteten: „Der Beschluss ist … kein Problem für die Geldwertstabilität, wenn die Geldmenge anderswo gekürzt wird“ (Süddeutsche Zeitung vom 14.05.2010). Obwohl die EZB ihre Aktiva durch die definitiven Ankäufe dem Risiko der Marktbewertung ausgesetzt hat, und dieses Risiko natürlich nicht durch die Ausschreibung von verzinslichen Termineinlagen verschwindet, sahen Sie „kein Problem für die Geldwertstabilität“. Heute führen Sie besagtes Risiko - eines (teilweisen) Ausfalls der Staatsanleihen - aber bei der „Gesamtrisikoposition“ bezüglich des Euro mit an. Ab welchem Punkt riskante Positionen in den Aktiva der ZBen ein Problem für die Währung darstellen können, werde ich weiter unten noch einmal kurz ansprechen. Aber auf jeden Fall gilt immer, dass der erste Schritt ein Teil des gesamten Weges ist und dieser dann irgendwann zu lang werden kann. Ein Stochern im Nebel Auch wenn sich immer viele Rahmenbedingungen ändern und historische Vergleiche dadurch nur bedingt tragen, lassen sich aus der Geschichte doch gewisse Erfahrungen und Kenntnisse herleiten. Ich hätte mir daher in Ihrem Aufsatz, der zwar einen Vergleich zum Federal Reserve System herstellt, auch einen historischen Vergleich (etwa zur Lateinischen- oder Skandinavischen Münzunion) gewünscht. Die Parallelen zur Problematik im Euro-System sind trotz der enormen Unterschiede (bspw. der Edelmetalldeckung) doch eindeutiger als man zunächst annehmen könnte (vgl. dazu auch die Arbeiten von Erik Lindahl 1930). Für einige Professoren, die sich ausgiebig mit der Geschichte der Währung(en) befasst haben, waren dann auch die Konstruktionsfehler des ESZB, die jetzt sichtbar werden, von Anfang an in erschreckender Deutlichkeit zu erkennen (vgl. Gunnar Heinsohn und Otto Steiger 2002). Da aber die Wirtschaftswissenschaft anscheinend nicht (hinreichend) gewillt ist, sich mit der Geschichte zu befassen, ist sie dazu verdammt, diese erneut zu erleben. Heinsohn/Steiger machen bereits vor einer Dekade darauf aufmerksam, dass die EZB nur der Torso einer ZB ist und ihre fehlenden Befugnisse von der breiten Wirtschaftswissenschaft nicht verstanden werden (Auszug): „Die EZB hingegen hat auf ihrer Aktivseite weder Forderungen gegen Geschäftsbanken in Europa noch gar – wie es die Ökonomen Sinn und Siebert glauben – gegen ihre NZB-Mütter im Euroraum“ (vgl. Heinsohn/Steiger 2003, S. 5). Das Zitat bezieht sich auf die Bilanz der EZB vom 31. Dezember 2001, dazu unten mehr. Wenn ich Sie recht verstanden habe, hat es Sie jetzt immer noch verwundert, dass die Target-Salden nicht in der Bilanz der EZB zu finden sind. Es sind natürlich die NZBen, die den Euro emittieren, und sie tun dies nur in geringem Umfang im Aufrag der EZB. Diese Emissionen, die nur einen kleinen Teil der Gesamtgeldmenge ausmachen, finden sich dann auch in der Bilanz der EZB – unter „Forderungen aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs“ (Aktiva), bzw. unter „Banknotenumlauf“ (Passiva) – wieder. Der Wunsch: Eine richtige ZB Den Vorschlag einer ZB der nationalen ZBen, die auf ihrer Aktivseite eingelieferte Sicherheiten der NZBen führt, hat es durchaus gegeben. Die NZBen könnten dann Euro nicht selbstständig emittieren, sondern müssten sich diese von der EZB gegen ihre guten Titel besorgen. Der damalige italienische Notenbankpräsident Carlo Ciampi hat 1998 für eine solche geworben: „Um die Schöpfung von Ecus [Euro] ... strikt zu kontrollieren, sollte der zentralen Behörde die Macht gegeben werden, den nationalen Zentralbanken Kredite in Ecus [Euro] in der gleichen Weise einzuräumen wie eine Zentralbank, wenn sie Geschäftsbanken über Offenmarkt- oder Diskontgeschäfte refinanziert“ (zitiert nach Heinsohn/Steiger 2003, S.6). Ist eine solche Struktur nicht gegeben, sind andere Maßnahmen zu treffen, um eine übermäßige Ausgabe schlecht besicherter Noten von einzelnen ZBen zu verhindern. Ein regelmäßiges clearing (siehe Fed) der Forderungen und Verbindlichkeiten bzw. eine Behörde, die die entsprechenden Summen im Auge behält, wäre von Vorteil gewesen. Das Problem, dass Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Notenbanken entstehen - und eine übermäßige (weil schlecht besicherte) Ausgabe einzelner Notenbanken dann andere Notenbanken gefährdet - ist wahrlich nicht neu. Schon die privaten Notenbanken Englands des 18. Jhd., die Zettelbanken, schaffen sich zur Überwachung dieser Beträge daher 1773 die Institution des clearinghouse. (Der Fall ist allerdings nur teilweise vergleichbar, da damals eine übermäßige Emission zu Abschlägen auf die herausgegebenen Noten führen konnte, die Bundesbank muss heute aber die griechischen „Y-Euro“ (gemeint sind die Target-Forderungen) ohne jegliche Abschläge akzeptieren). Die Tatsachen (1): Die EZB – eine ZB ohne Noten „Ein Blick in die Bücher der EZB vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2001 zeigt auch einem Bilanz-Laien, dass sie keine Notenbank, sondern das streng überwachte Töchterlein der zwölf NZBen ist. Eine wirkliche Notenbank hat auf ihrer Aktivseite erstklassig besicherte Forderungen gegen handverlesene – „zentralbankfähige“ – Geschäftsbanken. Auf ihrer Passivseite erscheinen entsprechend die an die Geschäftsbanken herausgegangenen Banknoten sowie Guthaben dieser Banken bei ihr“ (Heinsohn/Steiger 2003, S.5). Das Zitat bezieht sich auf die Bilanz der EZB vom 31. Dezember 2001, also bevor ihre Bilanz zum 1.1.2002 erstmals die Position „Forderungen aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs“ (Aktivseite) - bzw. „Banknotenumlauf“ (Passivseite) - aufwies. Allerdings handelt es sich dabei auch nur um vernachlässigbare 8% des gesamten Banknotenumlaufs. Die EZB ist daher bezüglich ihrer Verfügungsgewalt über die (eigene) Notenemission nur eine sehr unbedeutende ZB. In den letzten Jahren hat zwar die EZB mittels ihr erlaubter Operationen (erlaubt sind ihr: Feinsteuerungsoperationen, endgültige Offenmarkttransaktionen, Devisenswapgeschäfte und die Hereinnahmen von Termineinlagen) ihre Bilanz enorm aufgebläht, aber sie bleibt bezüglich der Notenemission eine weniger wichtige ZB. Die Tatsachen (2): Herr Trichet als Pressesprecher Das Direktorium hat im EZB-Rat nur 6 von 23 Stimmen und ist dadurch keineswegs mit dem mächtigen Direktorium der Fed (nach 1935, zuvor gab es im Fed-System ähnliche Probleme wie heute im ESZB) oder dem damaligen Direktorium der Bundesbank zu vergleichen. Die Entscheidungen vor der Weltpresse verkünden darf dann aber Herr Trichet ganz alleine. Die nicht proportionale Verteilung der Stimmen bezüglich der Wirtschaftsleistung (bzw. des Anteils am EZB Kapital) und die daraus folgenden (potenziellen) Nachteile für große Volkswirtschaften will ich gar nicht weiter thematisieren, da Sie diesen Punkt ja bereits angesprochen haben. Die aus der Stimmverteilung und Dezentralisierung resultierende Machtlosigkeit des EZB-Direktoriums zeigt sich sehr schön in Ihrem Streitgespräch mit Jürgen Stakt vom 20.06.2011, als dieser versichert: „Wir finanzieren nur gesunde Banken und nehmen nur solche Sicherheiten herein, die angemessen sind.“ Als damaliges Vorstandsmitglied der Bundesbank hätte er eine solche Aussage noch glaubhaft treffen können, in der jetzigen Situation entzieht sich die Entscheidung, welche (portugiesische) GB als solvent eingeschätzt wird, natürlich weitgehend seines Wirkungsbereichs. Stark weist den Vorwurf des Risikos der Target-Salden folgendermaßen zurück: „Es ergeben sich aus diesen Target2-Salden keine zusätzlichen Risiken für das Euro-System. Die Risiken ergeben sich ausschließlich aus den geldpolitischen Operationen der EZB und den nationalen ZBen.“ Diese Aussage ist zwar richtig, müsste aber folgendermaßen ergänzt werden: Die Risiken ergeben sich ausschließlich aus den geldpolitischen Operationen der EZB und den nationalen ZBen, die wir nur unzureichend kontrollieren können. Ich will damit natürlich nicht sagen, dass der EZB-Rat und auch das EZB-Direktorium keine Schuld an der Entstehung der Target-Salden trägt. Die verrückte Entscheidung, auf eines der Prinzipien der Zentralbankpolitik (die Forderung von angemessenen Sicherheiten) weitgehend zu verzichten, hat die Target-Salden in dieser Höhe ja erst entstehen lassen. Die Entscheidung des Rates, griechische Staatsanleihen trotz entsprechender Rankings weiterhin als Sicherheit zu akzeptieren, bezeichnet dabei den Tiefpunkt der Verwässerung der Kollateralanforderungen. Für eine ausführliche Kritik an der EZB bzw. am ESZB wäre natürlich noch nachzutragen, dass der Grund, aus welchem ZBen im 19. Jhd. überhaupt erst entstanden (die LOLR-Funktion) im Maastricht-Vertrag schlicht ausgespart wurde. So verfügte die Bundesbank über einen Sonderfond zur Ausübung ihrer LOLR-Funktion (die Liquiditätskonsortialbank), der auch durch Einzahlungen der GBen gespeist wurde. Die EZB besitzt einen solchen Fond nicht. Die Bundesbank hat keine Wahl Eine Einhaltung der Bankregeln, also die Forderung angemessener Sicherheiten, schützt die Bundesbank im ESZB nicht davor, dass sie letztendlich eine Forderung gegen andere ZBen (bzw. das ESZB) verbuchen muss, die (eventuell) unsicher ist. Sollte die Forderung unsicher sein, hat die Bundesbank eine Wertminderung ihrer Aktiva zu verbuchen. Auf dieses Problem haben wiederum Heinsohn/Steiger im gleichen Aufsatz unter der Überschrift „Tugendhaftigkeit ist kein Schutz“ aufmerksam gemacht: „Diese Tugendhaftigkeit [Strenge der Regeln bezüglich des akzeptierten Kollaterals] kann die Bundesbank aber nicht davor schützen, dass sich ihre Schuldner von anderen NZB gegen windige Sicherheiten Euro besorgen und damit ihre guten Pfänder bei der deutschen Zentralbank auslösen“ (Heinsohn/Steiger, 2003, S. 12). Im Grunde ist genau dies passiert, auch wenn die deutschen GBen das Geld aus den GIPS-Ländern wohl ohne eigenes Zutun (von der Bundesbank, dann in Bundesbanknoten = Passiva der BUBA) überwiesen bekommen haben. Eine normalerweise nötige Kreditaufnahme zur Sicherstellung des Liquiditätsbestands war danach für sie nicht mehr nötig. Für die Bundesbank hat sich also eine (mögliche und wahrscheinliche) Forderung gegen deutsche GBen, die mit ausreichenden Sicherheiten unterlegt wäre, in eine Forderung gegen das ESZB verwandelt. Im Maße der (zusätzlichen) Unsicherheit dieser Forderung wurde deutsches Eigentum des Steuerzahlers vernichtet. Ich habe vor einem Jahr versucht, einen sehr sympathischen ehemaligen (Honorar-) Professor von mir, Christian Thimann von der EZB, dem Sie in Ihrem Aufsatz danken, auf dieses Problem – und auch die meisten anderen angesprochenen Probleme – aufmerksam zu machen. Ich habe ihn gebeten diese Schwierigkeiten in seiner Vorlesung über die ZB-Politik im ESZB zu behandeln. Leider habe ich auf meine E-Mail niemals eine Antwort bekommen. Schon fünf nach zwölf (Kommentar) Der Kredit ist ein magisches Instrument, der das Morgen bereits im Heute verfügbar macht. Nur er ermöglicht es, über seine Verhältnisse zu leben. Die Verfügungsmöglichkeit - die von der Zukunft in die Gegenwart verschoben wird – sollte aber (heute) genutzt werden, um die Rückzahlung im Morgen (zuzüglich des Zinses!) leisten zu können. Das Risiko, dass Kredite nicht bedient werden, liegt in der Natur der Sache, denn die Zukunft ist immer unsicher. Private Gläubiger versuchen immer dieses Risiko zu minimieren und vergeben Kredite nur an solche Schuldner, denen sie eine Rückzahlung samt des Zinses zutrauen und verlangen im Normalfall ein solides Pfand. Weil auch der Schuldner, sollte er nicht die Tilgung erwirtschaften, den Regress in sein Eigentum fürchtet, wird er das Möglichste tun, um die Zahlungen zu leisten. Diese Anreizkompatibilität minimiert die übermäßige Ausgabe des Kredites und sorgt dafür, dass er für reale und aussichtsreiche Investitionen verwendet wird (natürlich können sich sowohl Schuldner bezüglich ihrer Investitionen als auch Gläubiger bezüglich ihrer Schuldner irren, aber ihre Motivation impliziert eine effiziente Verwendung des Kredits). Zentralbänker sind aber keine privaten Gläubiger, die die beschriebenen Restriktionen in der Kreditvergabe aus purem Eigennutz, der Verteidigung und Mehrung ihres EK, einhalten müssen. Sie entscheiden auch aus sozialpolitischen Gründen und können auf Zins verzichten oder Kollateralanforderungen senken. Über das Optimum der Restriktion in der Kreditvergabe lässt sich, vor allem währen einer Krise (LOLR-Funktion) streiten. Aber eine zu laxe Kreditvergabe trägt eben auch enorme Risiken, dass nämlich die Mittel - durchaus im Sinne einer Kornaischen weichen Budgetrestriktion (wenn wir kurz davon abstrahieren, dass der Sozialismus den Kreditkontrakt natürlich aufgrund des fehlenden Eigentumstitels nicht kennt) - nicht derart umgesetzt werden, um die Tilgung später leisten zu können. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise handelte der EZB-Rat - wie auch viele andere ZBen - schnell und entschieden, verzichtete weitgehend auf die Zinsforderung und senkte dann auch zunehmend die Anforderungen für Kreditsicherheiten. Darüber, ob dieser Schritt notwendig und richtig gewesen ist lässt sich streiten (ich lehne das im Sinne von Altmeistern der ZB-Kunst wie Bagehot oder Hawtrey ab), allerdings fällt es immer schwer, aus einer solchen Politik wieder auszusteigen. Allmählich scheint sich abzuzeichnen, dass die beschlossenen Maßnahmen des EZB-Rates – flankiert von den Bürgschaftsprogrammen der Politik – zu dem verzweifelten Versuch der Stabilisierung von Assetpreisen (Staatsanleihen) auf falschem Niveau verkommen sind. Der Ankauf von Staatsanleihen und anderen Assets durch GBen, angereizt, verursacht und zu verantworten von der Politik des EZB-Rates, und die Bürgschaften der (etwas) solventeren – aber auch kinderlosen - Länder für ihre insolventen Nachbarn, führ(t)en aber nicht zu realen Investitionen, mit denen die Rückzahlung erwirtschaftet werden könnte. Die durch die ZB-Politik inflationierten Positionen in den GB- und ZB-Bilanzen (Staatsanleihen) müssen abgeschrieben werden. Die Abschreibung lässt sich nur hinauszögern, aber nicht vermeiden. Der Kampf gegen das Marktgleichgewicht ist – wie uns beispielsweise die Geschichte der künstlich hochgehaltenen Wechselkurse lehrte - ein aussichtsloser Kampf. Die versteckten Kredite über das ESZB, die durch dessen diskutierte Konstruktionsfehler ermöglicht wurden, treten den anderen riskanten Positionen (Staatsanleihen) hinzu und sind mit diesen sehr stark positiv korreliert. Die durchaus begründete Angst der Politik vor einem Zahlungsausfall der GIPS-Länder - der Abschreibungsbedarf im Finanzsektor wäre massiv – treibt sie zu immer neuen Maßnahmen und damit zu einer Verschlimmerung des Problems. Diese Tragödie, dass nun weder von einer Verweigerung zusätzlicher (!) Bürgschaften und Rettungspakete im Verbund mit einer restriktiveren Geldpolitik noch von der Fortführung der Maßnahmen eine Lösung zu erwarten ist, zeigt den Stand auf der Schuldenuhr der kinderlosen Völker Europas: Es ist bereits fünf nach zwölf. Auch wenn die Solvenzverschleppung Griechenlands und Portugals noch ein paar Jahre aufrechterhalten wird, lässt sich die Uhr doch nicht mehr zurückdrehen. Und auch viele andere Kandidaten sehen sich mittelfristig dem Dilemma gegenüber, dass sie a) entweder den Schuldendienst nicht mehr leisten können oder b) die Währung (weiter) inflationieren. Dass sich die Target-Salden im ESZB wieder aufheben, ist illusionär. Ob nun der Euro in der unausweichlichen Finanz- und Staatsschuldenkrise auseinanderfällt oder zu einer Weichwährung verkommt - eventuell durch eine Umgehung des Verbotes der monetären Finanzierung - bleibt abzuwarten. Griechenland, bei dem sich der unvermeidliche Zahlungsausfall am deutlichsten manifestiert, ist für die Entstehung der Zivilisation (polis) und die Entwicklung der Geldwirtschaft in der Antike bekannt und wäre somit dann auch ein würdiges Grab für den Euro. Es wurde mehrmals verwiesen auf (absolut lesenswert!): Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (2002), The European Central Bank and the Eurosystem: An Analysis of the Missing Central Monetary Institution in European Monetary Union, Zentrum für Europäische Integrationsforschung, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Link: www.zei.de/download/zei_wp/B03-09.pdf Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (2003), Des Eurokaisers neue Kleider: Ein Märchen über das Notenbankkostüm der Europäischen Zentralbank, erschienen in: Wilhelm Hankel, Karl Albrecht Schatzschneider und Joachim Starbatty, Hg., Der Ökonom als Politiker – Europa, Geld und die soziale Frage: Festschrift für Wilhelm Nölling, Stuttgart: Lucius & Lucius. Link: eurospethmann.de/pdf/p17_DesEurokaisersNeueKleider.pdf PS: Noch etwas Grundsätzliches Sie berufen sich zwar auf die schlechte Besicherung der in den GIPS-Ländern emittierten Noten als großes Risiko für den Euro, die Gefahr von Inflation sehen Sie aber erst, wenn die Geldmenge (M0) ausgeweitet wird, weil eine automatische Sterilisierung des Zuwachses der Geldmenge durch den Abbau der Refinanzierungsgeschäfte irgendwann nicht mehr möglich ist. Die kategorische Fixierung auf die Menge des Geldes – und nicht auch auf die dieser Menge gegenüberstehenden Aktiva der ZBen - ist aber meines Erachtens falsch. Nehmen wir den extremsten aller denkbaren Fälle an: Sollte also die Geldschöpfung in den GIPS-Ländern über den möglichen Sterilisations-Punkt des Abbaus der Refinanzierungsgeschäfte hinaus stattfinden, könnten Ihrer Meinung nach die ZBen der Kernländer zur Sterilisierung der Geldmenge ihre sonstigen Aktiva (Gold und Devisen) verkaufen. In Ihrer Vorlesung sprechen Sie dieses Szenario ja sogar an und vermuten weitere fünf mögliche Jahre. In diesem abstrusen Szenario (nach dem Verkauf aller ZB-Aktiva) ist im Grunde niemand (keine ZB) mehr in der Lage Geld vom Markt zu nehmen. Würde dieses Geld weiterhin als Zahlungsmittel akzeptiert, obwohl es niemand mehr braucht, um Kredite bei den Notenbanken zu begleichen und seine Pfänder auszulösen, und auch niemand darauf hoffen kann, dass eine ZB ihm zur Einlieferung dieser Noten einen Vermögenswert (Staatsanleihen, Gold, …) übereignet, da die ZBen über solche ja gar nicht mehr verfügen, könnte man von wirklichem Nominalgeld (“Fiat Money“) sprechen. An diesem simplen und absurden Beispiel, das Sie aber mit der Behauptung in Ihrer Vorlesung (die ZBen könnten sämtliche Vermögenswerte veräußern) provozieren, kann man leicht sehen, dass es kein „vollkommen uneinlösbares Papiergeld“ (wie beispielsweise Friedman und Schwartz behaupten), also „Fiat Money“, geben kann. Ganz im Gegenteil hat Geld deswegen einen Wert, da es ständig zur Begleichung von ZB-Schulden gebraucht wird und Vermögenswerte von der ZB in dem Maße erworben werden können, in dem die ZB definitive Verkäufe von Vermögenswerten tätigt (die Deklarierung einer Währung zum „legal tender“ und das Eintreiben der Steuern in dieser Währung reichen für die Akzeptanz beim Publikum nicht aus). Es ist also die Potenz der ZB, Geld vom Markt zu nehmen (ihre Aktiva!!!!), welche die Akzeptanz - und damit die Stabilität - einer Währung erst ermöglicht. Es ist daher irreführend anzunehmen, dass wir noch mehrere Jahre ohne eine Abwertung (und damit einer kaum verhinderbaren Inflation) überstehen würden, wenn die GIPS-Länder weiterhin die entsprechenden Summen gegen schlechte Sicherheiten an nicht refundierungsfähige Schuldner emittieren. Wenn aber die Potenz der ZB, Geld vom Markt zu nehmen, für die Stabilität der Währung (mit-) entscheidend ist, dann bedeutet ein Verlust dieser Potenz (=ein Wertverlust der Aktiva der ZB!!!) eine Destabilisierung des Euro. Sie beschreiben ja selbst, dass die Forderungen der Bundesbank gegen die GIPS-ZBen (bzw. gegen das ESZB), unsicher sind. Die Bundesbank ist also durch die Transaktionen über das Target2-System dazu gezwungen worden, diese Forderung bei sich zu verbuchen. Fallen diese Forderungen (teilweise) aus, muss der Verlust über das Eigenkapital abgeschrieben werden. Wird dieses dabei aufgebraucht oder sogar negativ, kann nur der Staat (wie Charles Goodhard betonte: der eigentliche LOLR) der ZB Vermögenswerte (im Normalfall Schuldtitel) übertragen und die ZB damit wieder handlungsfähig machen und ihr somit die Potenz, Noten im gebotenen Umfang vom Markt zu nehmen, zurückgeben. Ist der Staat aber nicht dazu in der Lage, weil er sich nicht weiter im geforderten Maße verschulden kann, dann muss der Euro an Akzeptanz verlieren und abwerten. Ob die schnell schrumpfenden und vergreisenden Völker Europas (auch und vor allem Deutschland) von den privaten Kapitalgebern die Kredite zum Ausgleich der Verluste in den Zentralbankbilanzen bewilligt bekommen, bleibt abzuwarten. Natürlich ist die Gefahr extrem hoch, dass bei Schwierigkeiten der Kreditaufnahme – und/oder sehr hohen Zinsen – das Verbot der monetären Finanzierung umgangen wird, und die ZBen den Regierungen Kredite direkt zur Verfügung stellen. Dies wäre mit Sicherheit der Beginn einer stärkeren Inflation. Aber selbst wenn nicht mehr weiter gegen schlechte Sicherheiten emittiert würde, ist doch die Eigentumsbesicherung des Euro (ZB-Aktiva) schon dermaßen ausgehöhlt, dass er vielleicht an Akzeptanz (in der gesamten Welt) verlieren wird, sobald dem Publikum diese schlechte Besicherung der Euronoten bewusst wird. Die ZB kann nur Geld vom Markt nehmen, indem sie dem Einlieferer der Noten einen Vermögenswert überträgt (auch die Streichung der Forderung gegen eine GB ist eine Übertragung eines Vermögenswertes; die Forderung hat ja einen echten Wert und könnte (theoretisch) verkauft werden). Wenn die Halter der Geldnoten nicht darauf hoffen können, dass der Geldschaffer ihnen die Einlieferung der Noten ermöglicht und ihnen dabei einen dementsprechenden Vermögenswert überträgt, dann verliert das Geld seinen Wert. Denn Geld hat nicht einen Wert, weil wir uns an seine Benutzung gewöhn haben (“FIAT Money“), sondern Geld ist eine implizite Forderung gegen das Eigentum des Geldschaffers. (Vgl. hierzu Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, „Eigentum, Zins und Geld“, 2006, bspw. S. 182). Die Gelegenheit ist günstig, dass das endlich verstanden wird, denn die Nationalökonomen befassen sich nun hoffentlich vermehrt mit den ZB-Bilanzen und sehen, dass die Geldmenge als Verbindlichkeit verbucht wird. Die Target-Schuld eines Landes ist der Anteil ihrer ausgegebenen Noten, die im Ausland zirkulieren. Diese repräsentieren eine Forderung gegen das Eigentum ihrer ZB (den Geldschaffer). Das Eigentum des Geldschaffers ist wiederum die Forderung (gegen die GB) aus dem Geldschöpfungsprozess. Unterliegt der Geldschaffer einer Einlösepflicht, ist die Forderung gegen ihn konkreter Natur, gibt es allerdings keine Pflicht zur Einlösung, implizieren die Noten nur eine solche Forderung gegen sein Eigentum (trotzdem erhalten die Noten durch diese implizite Forderung einen Wert). In den Statuten des US-Finanzministeriums ist diese Definition des Geldes dann auch zu finden: “Federal Reserve notes are claims on the assets of the issuing Federal Reserve bank“ (US Treasury 2005). Konkret ist dieser Anspruch nur für andere US Notenbanken (jährliches clearing), für alle sonstigen Halter der Noten ist die Forderung nur eine implizite. Wichtig ist nun zu verstehen, dass eine ZB, zumindest wenn sie einer justiziablen Einlösepflicht untersteht, sich nicht durch die Ausgabe von zusätzlichen Noten vor einer Zahlungsunfähigkeit bewahren kann, da sie durch diese Noten ja nur wieder neue Ansprüche gegen sich schafft. Es ist dieser Mechanismus den Buiter nicht versteht, als er (in Kritik auf Ihre Position) darauf verweist, dass jede Zweigstelle der Fed sich die für das jährliche clearing benötigten Assets durch zusätzlich ausgegebene Noten beschaffen kann. Exakt dieses Missverständnis versuchte schon James Steuart vor zweieinhalb Jahrhunderten auszuräumen: “I have dwelt the longer upon this circumstance, because many, who are unacquainted with the nature of banks, have a difficulty to comprehend how they should ever be at a loss of money, as they have a mint of their own, which requires nothing but paper and ink to create millions. But if they consider the principles of banking, they will find that every note issued for value consumed, in place of value received and preserved, is neither more or less, than a partial spending, either of their capital [equity], or profits of the bank” (James Steuart, (1767[1993]) An Inquiry into the Principles of Political Oeconomy: Being an Essay on the Science of Domestic Policy in Free Nations, London, A. Millar & Dadell; reprint Düsseldorf, Verlag Wirtschaft und Finanzen, Band II, S. 151f.). Aber auch wenn es für die Halter der Noten keinen justiziablen Anspruch gegen den Geldschaffer gibt, ist es dennoch extrem wichtig, ob bei der Schaffung des Geldes die implizite Sicherung seiner Rückströmung (=das Aktivieren eines werthaltigen Assets auf der Aktivseite der ZB-Bilanz!!!) geschieht. Besonders deutlich wird dieser Unterschied beim definitiven Ankauf von Staatsanleihen. Seriösen ZBen ist es verboten dem Staat direkt Kredit zu gewähren (Verbot der monetären Finanzierung, vgl. bspw., Artikel 123, Abs. 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union), sie können aber Staatsanleihen am Sekundärmarkt (!) ankaufen. Durch den Ankauf am Sekundärmarkt kann sich der Staat nur verschulden, wenn ihm eine Rückzahlung der Verpflichtungen von den Investoren zugetraut wird, und die Staatsanleihen haben somit einen - zwar variablen, aber zu diesem Zeitpunkt - vom Markt verifizierten Wert (allerdings besteht bei einer Perpetuierung dieses Prozesses zusätzlich zum Bewertungsrisiko der Titel das Problem des „ZB-Defektes“, vgl. bspw. Stadermann 1994, Geldwirtschaft und Geldpolitik: Einführung in die Grundlagen, Wiesbaden, Gabler, S.202). Wenn die Zentralbank die Staatsschuld aber monetarisiert, indem sie staatliche Schuldverschreibungen zu einem überhöhten Preis, den private Investoren niemals zahlen würden, direkt vom Staat erwirbt, emittiert sie „Schuldnergeld“ (nach Eigentumsökonomischer Terminologie). Die ZB hat im letzteren Fall nicht die Möglichkeit, das geschaffene Geld (in vollem Umfang) durch einen Verkauf der Titel wieder vom Markt zu nehmen. Es ist diese triviale Unterscheidung des Geldes nach seiner Entstehung, die viele Ökonomen aussparen und schlicht vom „Geld drucken“ reden. Bei jeder Geldschöpfung muss man sich aber fragen, ob die ZB einen entsprechenden werthaltigen Asset aktiviert, der sie befähigt, die Geldmenge wieder zu sterilisieren (=“Gläubigergeld“), oder ob sie keinen Asset, der sie zur Sterilisierung der Geldmange befähigt, aktivieren kann (=“Schuldnergeld“). Auch bei Ihnen vermisse ich diese Unterscheidung, da Sie ja annehmen der Geldwert könne stabil bleiben, solange die Geldmenge nicht steigt, selbst wenn die ZB jegliche Aktiva (zur Sterilisierung des Überschusses) veräußert. Sollte das in den GIPS-Ländern geschaffene Geld, welches die Target-Salden verursacht hat, an ungesunde Banken und mit unzureichenden Sicherheiten emittiert worden sein, dann ist in einem gewissen Maße „Schuldnergeld“ entstanden. Ich hoffe zutiefst, dass es dadurch (endlich!) einer größeren Zahl von Ökonomen bewusst wird, dass das Entscheidende bei der Geldemission nicht die Menge des emittierten Geldes ist („einfache“ Quantitätstheorie), sondern die (implizite) Sicherung seiner Rückströmung. Ich würde mich wahnsinnig darüber freuen, einmal mit Ihnen persönlich über diese Themen diskutieren zu können. Mit freundlichen Grüßen, Ingo Sauer
Sehr geehrter Herr Sauer, haben Sie vielen herzlichen Dank für diesen tiefschürfenden Beitrag. Ich stimme allem zu. Auch dem, was Sie zur Inflation sagen. Wir haben in dem Beitrag mit Inflation nur die Inflation der Geldmenge gemeint, nicht anderweitige inflationäre Effekte durch die Überschuldung und dergleichen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, liege ich richtig in der Annahme, dass sie mit dem Euro Kritiker Professor Hankel in dem Punkt übereinstimmen, wenn er sagt: "Die Zahlungsbilanz befiehlt...die Handelsbilanz folgt" (wenn ich das richtig zuordne war das Böhm-Bawerk der das so formulierte). Diese Argumentation führen sie ja z.B. in ihrem Vortrag "Europa in der Krise" an. Sicher ist man hinterher immer schlauer aber es gab doch schon früh warnende Stimmen. Warum aber wurden diese Argumente nicht entsprechend zur Geltung gebracht - vor der Euro Einführung? Wäre es nicht sinnvoll -endlich- einige der besten Ökonomen Deutschlands an diesem Thema (öffentlich zwecks Transparenz) arbeiten zu lassen?
Sehr geehrter Herr M., die Argumente wurden zur Geltung gebracht. Es gab vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren einen Aufruf gegen den Euro, an dem sich über hundert VWL-Professoren beteiligt hatten, wo die Argumente genannt wurden. Ich muss freilich gestehen, dass ich damals nicht dazu gehörte, weil Währungsfragen auch nicht gerade mein Spezialgebiet waren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Professor Sinn, zunaechst darf ich mich mal fuer die Beantwortung der mail sehr herzlich bedanken, es ist ja in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt ueblich. Vorweg, ich wollte Ihnen auch nichts unterstellen was den Ursprung der Target 2 Geschichte angeht, wirklich weit entfernt davon! Sie stehen ja nicht nur aufgrund Ihrer zweifelsohne federfuehrenden Erfahrung und hervorragenden expertise im Rampenlicht, sondern eben auch wegen einer vermeintlichen german-centric Interpretation der oekonomischen Geschehnisse, teilweise werden Ihnen ja sogar bewusste Fehlinterpretationen zum zwecke der Meinungsmache unterstellt, das halte ich persoenlich fuer unhaltbar, wundert mich aber bei der mangelhaften Qualitaet so mancher journalistischer Erguesse wirklich nicht. Ich habe sehr genau beobachtet wie sie in Ihrer Praesentation im Mai, Schulden Tsunami, eben einen Schrit zurueck gingen, und deutlich zur Griechenland Frage auesserten, 'Ich weiss es eben auch nicht'. Sie zaehlten eben nur Moeglichkeiten auf, die allerdings auch alle ausnahmslos tragische Auswirkungen nach sich ziehen. Ich spreche Sie aber auch vielmehr in ihrer Eigenschaft als Sozial Wissenschaftler an, denn Volkswirtschaft ist ja genau dies schlussendlich, und wuerde mich wirklich freuen Ihre Gedanken hierzu besser zu verstehen. Roland Benedikter hat es meiner Meinung nach sehr schoen beschrieben, wir haben es global mit parasitaeren Wirtschaften zu tun die parallel zur real oekonomischen Wertschoepfung ueberproportional gewachsen sind, was sicherlich auch Gruende in fragwuerdiger Zentral Bank und EZB Politik, sowie einer allgemeinen neo liberal motivierten Deregulierungen des Finanzwesen hatte. Ich bin so frei und behaupte mal, dass sich unsere politischen Stellvertreter sich heute eher durch grobe Mittelmaessigkeit auszeichnen. Vom Finanzlatein versehen viele so gut wie gar nichts, sind demzufolge oft auch hoffnungslos ueberfordert eine rationale Verstaendnisgrundlage zu bilden, aber das mal aussen vor. Sie sprechen vom langsamen zu drehen des Ventils, und ich kann da nachvollziehen, frage mich aber, ob wir hier nicht gleichzeitig, wenn nicht sogar deutlich schneller, das 'parasitaere' Kapital ebenso verringern muessen. Eine Schock therapie ist sicherlich nicht ratsam. Wenn wir uns zurueckerinnern, 2007/2008 war doch das politische Mantra, sowas soll nicht wieder passieren koennen, und nicht nur in Deutschland. Bis dato hat sich allerdings das Gegenteil ereignet, too big too fail got even bigger, und eine ausschliessliche radikale Sparkur wird die strukturellen Defizite in den peripherie Laendern auch nicht beheben, das fast schon exklusive Export Mantra ist doch eine illusorische Annahme. Irland spielt hier sicher eine noch etwas andere Rolle, da es sich an transnational operierende Unternehmen mit dem Konzept der globalen Steuervermeidung angebiedert hatte, die 12.5 % corporation tax ist ja schliesslich nur ein teil des Konzeptes was den Standort Irland interessant gemacht hat, und man muss isch nur mal die kupfernen Firmenschiklder im IFSC in Dublin etwas genauer anschauen, dann wird einem schon vieles klarer. Ich versuche mich kurz zu fassen. Ziel sollte es doch sein einen neuen Konsens zu finden der eine vor allen Dingen friedliche weitere Koexistenz ermoeglicht, und diese sogenannte Krise hat viele Ebenen, das macht es ja so komplex. In meinen Briefwechseln mit Prof. Albert Bartlett http://www.albartlett.org/ bin ich mir darueber klar geworden, dass wir es hier mit einer weiteren Dimension zu tun haben. Al sagte mal, dass unser Nachkriegs Verstaendnis wirtschaftlicher Gueterstroeme den Aspekt der sustainability straeflich vernachlaessigt hat, und ich denke er hat hier voellig recht. Je laenger sich diese oekonomische Krise hinzieht, umso mehr wird internationale Instabilitaet gefoerdert, dazu muss man nicht die think tank Publikationen lesen, das ist naheliegend. Eine ideologische Betrachtung Keynesianer vs. Randian/ Rothbardian etc. halte ich fuer Zeitverschwendung, nicht ueberfluessig, aber im Moment doch eher akademisch. China und Indien, sowie der Rest der BRIC ueben ja laut UNCTAD eine Magnet Funktion auf Kapital Stroeme aus und spaetestens damit wird es dann ja auch richtig kompliziert. Glauben sie nicht, dass es im relativ kleinen europaeischen Betrachtungsrahmen angebracht waere eine debt forgiveness Politik anzusteuern, zumal die jahrelange Vernachlaessigung der strukturellen Defizit Problematik hier ja massgeblich zur Krise zugesteuert hat? Mit ganz herzlichen Gruessen, aus dem 'ansonsten' wirklich schoenem Irland, hier mal in voller HD Aufloesung, 1920 pixel von meiner Wahlheimat, Dooey Beach/Donegal.
Sehr geehrter Herr B., vielen Dank für die Mitteilung aus Irland. Ihre Worte geben einen tiefen Sinn. Ich befürchte, dass Sie Recht haben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, 1. haben Sie mir gestern früh aus dem Herzen gesprochen - nur schade, daß Ihr DLF Kommentar wohl nicht wiederholt wird, er sollte 'every hour on the hour' gesendet werden! 2. hätten Sie noch deutlicher werden können, daß Frau Merkel ihre heuchlerischen Posen mit strengeren Regeln für euro-Länder aufgeben sollte, und vor einem Jahr den Regeln gefolgt sein, anstatt sich von Sarkozy für seine Banken (mit Geflüster von Ackermann) vom 'Schirm' überzeugen zu lassen, denn sowohl der Verstoß gegen den 'no-bail-out' Paragraphen war von Anfang an ein VERSTOSS gegen das Euro Vertrags GESETZ - der § sollte gerade gegen "Schrecken ohne Ende" durch "Ende mit-etwas-Schrecken" vorbeugen - und war fundamental zu unserer Zustim- mung zum Wechsel von der D-Mark (die wir gerne wieder hätten, zumal der 'Gewinn im Europa-Handel' unredliche Verschleierungs-Politik ist - das 'Wirtschaftswunder' wurde mit der D-Mark gegen verschiedene Abwer- tungen anderer Länder erreicht). 3. Dazu gehört auch, daß die Klagen von Gauweiler und Hankel et al vom Gericht voraussichtlich unter politischer Einflußnahme bis zur möglichen Verhandlung jetzt aufgeschoben wurden - eben bis es zu spät erscheinen soll - obwohl 100 Mrd jetzt abzuschreiben immer noch das geringere Übel sein dürfte, da Griechenland die Gesamtschulden von ca 350 Mrd NIE wird erstatten können. (die Schweizer Finanz-Ethik Gruppe identifizierte die Gründe und deren anfänglichen Betrug schon früh, der unverändert im Charakter zumindest vieler, bes. Finanzoberschicht-Griechen weiter regiert). 4. Es ist falsch zu behaupten, daß der Ausschluß eines Landes eine Domino- Reaktion auslösen würde - die Mahnung an Andere wäre wie Medizin für die Betroffnen und täte dem euro, als eben >ernsthaft< gesicherte Währung nur gut, mehr als jeder 'Schirm'. (wobei ich im Falle Irland nie verstehen konnte, warum die Regierung Banken in ausländischer Hand rettete, die verführerische Geschäfte machten - ähnlich in Spanien - außer auf unlauteren politischen Druck vom Kontinent, dem die Regierung jetzt weiter ausgesetzt ist). 5. Verantwortlich ist Sarkosy, der die französischen Banken und Anleger in griech. Papieren schützen wollte, und die kindliche Merkel, die ihren Amtseid sowieso nicht ganz ernst zu nehmen scheint, indem sie u.a. Gesetze von Herrn Ackermanns Anwaltskanzlei entwerfen läßt, aber auf Sie nicht hört, und sich so über den Tisch ziehen ließ - sicher in Kollusion mit Trichet, 6. der den zweiten Verstoß mit Aufkauf der Griechen-Anleihen (und anderem Schrott?) zu verantworten hat, und so die von Schäuble lauthals geforderte "freiwillige" Beteiligung der Investoren zur Farce macht, während die griech. Papiere in deutschen, von Steuerzahlern noch immer gesicherten, Banken sowieso auf unser Volks-Vermögen abgeschrieben werden. 7. Um den Teufelskreis zu brechen, muß verhindert werden, daß Mme Lagarde zum Chef des IMF und Draghi der Nachfolger von Trichet werden! wie wäre ein Singaporer für den IMF und ein (wahrer?)Finne für die EZB? 8. Bereits 1996 habe ich Kanzler Helmut Kohl und Herrn Waigel in einem ausführlichen Paper auf die Unverträglichkeiten einer Gemeinschafts- währung mit Ländern mit anderen Wirtschafts-Ethik, -Praktiken und -Zyklen etc, hingewiesen, wie Sie sicher auch schon lange, und auch auf die Dummheit von finanziellen 'Strafen' (statt Gesichtsverlust) bei Verstößen - nie bestätigt, geschweige denn beantwortet...da beide wohl glaubten, daß die Politiker die Finanzkräfte steuern könnten - während schon das ganze zwanzigste Jahrhundert das Gegenteil bewiesen wurde. 9. So bin ich auch der Meinung, daß K.O.Pöhl eine richtigere Finanzpolitik für Ostdeutschland vertreten hat, und so weit gehe, daß ZWEI bescheiden- ere, kleinere, jedes in seiner Art stolze, 'Deutschländer' für Europa besser wären als eine Übermacht, die übermäßige Begehrichkeiten weckt - selbstverständlich mit vergleichbarer Unterstützung der Freiheit und Wirtschaft des Ostens wie geschehen, aber ohne Zerstörung Vieles brauch- baren dort, oder den Versuch von Umorientierung der Bevölkerung nach amerikanischem Muster im Westen in den Nachkriegsjahren... Mehr als genug, um meinen ersten Absatz zu unterstreichen, so verbleibe ich mit Dank und besten Grüßen, Christopher Landmann Stuttgart
Sehr geehrter Herr Landmann, habe Sie vielen Dank für Ihren Brief und die darin vertretenen Meinungen. Ich will jetzt im Einzelnen nicht Stellung nehmen, aber die Zeiten werden hektischer, wohl wahr. Ich bin gespannt, was nun alles wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geschätzter Herr ifo- Präsident SINN, ich danke Ihnen, dass Sie sich der Problematik " TARKET SALDEN " annehmen ! Von diesen TARKET SALDEN gehen zumindest in der nahen Zukunft sehr große Gefahren fur das gesamte Euro - System aus ! Weder die Politik noch die EZB erkennen die Bedeutung der TARKET SALDEN bis dato ! Darf ich an Sie Herr Prof. Dr. SINN bei dieser Gelegenheit noch eine kurze Frage stellen ! Teilen Sie meine Einschatzung, dass jede US- Administration, ganz egal welcher US- Präsident in Washington regiert, die Schuldenprobleme durch Inflation, sprich befeuern der Banknotenpresse lösen mochte auf Kosten der US- Bevölkerung ! Ob dies mittelfristig gelingen wird , steht auf einen ganz anderen Blatt ! In den letzten Tagen hat man ja in den Nachrichten zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Notenbank unter Ihrem Vorsitzenden die Banknotenpresse angehalten hat, also das pure Gegenteil, wovon ich in meiner Einleitung überzeugt bin ! Ist dies ein Widerspruch oder gibt es da eine wissenschaftliche Erklärung fur das Anhalten der Banknotenpresse ? Jedich ist unstreitig, dass sich die USA immer auf einem hoheren Niveau refinanzieren muss und deshalb wird Inflation immer ein Thema sein ! Gelddrucken hat nun einmal den unschoenen Nebeneffekt, dass sich bei zu nehmender Erhöhung des Geldvolumens bei gleichzeitigen gleichbleibenden Warenangebot die Inflations erhöht ! Ich bin zu tiefst überzeugt , dass die USA einen neuen Wirtschaftsraum vorstossen mochte, in dem Sie ( die USA ) die Bediengungen fur Refinanzierung vorfindet oder die Voraussetzungen zur Montage dieser Bedienungen der Refinanzierung selbst definieren kann ! Ich Wunsche Ihnen weiterhin alles Gute, Gesundheit, Wohlergehen, sehr viel Gluck und eine glueckliche Hand bei der täglichen Entscheidungsfindung sowie Gottes reichen Schutz und Segen! Muenchen, am Freitag, den 24.- Juni- 2011. So verbleibe ich gerne mit vorzüglichster Hochachtung und freundlichem Gruß ! GEZEICHNET DIETER WILHELM WAGNER
Sehr geehrter Herr Wagner, mir scheint auch, dass die USA auf eine Inflation hinsteuern möchten. Ob sie das schaffen, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man in einer Deflationsspirale ist, wird die Geldhaltung attraktiv, und die Geldmenge kann enorm anwachsen, ohne dass man die Leute zum Geldausgeben bringt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, Aktuell heute 29.06.2011: Also doch 'Schrecken ohne Ende' anstatt endlich... dazu: Frau Merkel ist so begeistert von chinesischer Großzügigkeit, nicht nur unsere HighTech Industrie Beiträge zur schnelleren Eigenständigkeit des Reichs der Mitte (nicht vergessen: 'Nabel der Welt') leisten zu lassen, sondern vergißt darüber (oder weiß nicht?), daß die EU (wir) a) für den möglichen Aufkauf von Milliarden Schuldpapieren (nach vorsichtiger chinesischer Auswahl?) mit zukünftiger besonderer finanzieller Abhängigkeit in der Steuerung dieses Marktes bezahlen, b) China dies mit unserem eigenen Geld tut, das aus der unausgegliche- nen Handelsbilanz mit dem unterbewerteten Yuan/Remnimbi resultiert - zugegebener Weise, zur bisherigen Freude europäischer Verbraucher, einschl. wohl auch mancher Griechen, die sich für chinesische Elektronik und andere Goodies privat verschuldet haben. Wer klärt sie, Herrn Juncker & andere wohl auf? Kaum Mme Lagarde... Mit besten Grüßen, Christopher Landmann
Sehr geehrter Herr Landmann, da Herr Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. In der Tat haben die internationalen Kapitalströme einen Konsumrausch in einigen Ländern finanziert. Allen voran übrigens einen Konsumboom in den USA. Die Haushalte dort haben sich enorm verschuldet und zahlen momentan den Preis dafür. Aber auch wir haben massiv Kapital exportiert. In die USA und in weitere Länder, natürlich auch in Europa. Daher haben auch wir zum Konsum in anderen Ländern beigetragen. Beste Grüße Klaus Abberger
Manche Ausführungen kann man kaum glauben. Prof. Sinn: „Ein Land, das wie die USA in der Liquiditätsfalle ist, muss Budgetdefizite fahren und die Geldmenge vergrössern, bis das Geld den Leuten zu den Ohren rauskommt. Frage an Prof. Sinn. „Reicht das?“ Prof. Sinn: „Ich weiss es nicht.“ Ihr Zitat klingt so sarkastisch, dass ich nachfragen möchte, ob Sie diese Aussage ernst meinen. Ich fahre regelm an einem Schwimmbad vorbei, das seit ca. 2 Jahren mit Mitteln aus diesen Töpfen renoviert wird. Der Einbruch ist längst vorbei, das Geld wird von der klammen Kommune immer noch gerne genommen. Die Mittel sind jedoch nicht ausreichend fokussiert für einen konjunkturellen Stimulus. Auch (noch) mehr Geld hätte da keinen positiven Effekt abgegeben. Das funktioniert schon deshalb nicht, weil solche Projekte nicht in der Schublade liegen. Bis zur Bewilligung nach einer Planungsphase vergeht einiges an Zeit, die Realisierung braucht weitere Monate - die konjunkturelle Situation hat sich dann schon verändert. Zudem – dass sich die Konjunktur hierzulande erholt hat, ist eine Ausnahme, für die USA gilt das nicht so. Der Fiskalimpuls hat in den USA nicht gewirkt, hier - s.o. - auch nicht, die Intervention war sowohl unnötig wie unwirksam, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Nur ist allerorten die öffentliche Verschuldung explodiert – per saldo hat die Massnahme die Vitalfunktionen der ausgabenfreudigen Gesellschaften belastet. Nicht nur, dass Sie die Brüning`sche Politik zu Unrecht (Borchardt-Kontroverse) anprangern. Sie verweigern sich auch der Einsicht, warum die tiefe Rezession folgend auf das Ende von WWI in den USA nach weniger als 2 Jahren vorbei war - obwohl (!!!) die US-Administrationen fast gar nichts getan haben. Nach Ihrer Interpretation hätte eine tiefe Rezession die 20er Jahre überschatten müssen. Ebenso vergessen Sie, dass Hoover u Roosevelt wie Hitler trotz enormer Budget-Defizite keinen selbsttragenden Aufschwung herbeiführen konnten. Weil Wilson/ Harding inaktiv blieben, war der Einbruch schnell vorbei, weil Hoover, noch mehr Roosevelt die Fiskalpolitik und den Interventionismus heftig nutzte, kamen die USA bis 1939 nicht zurück in einen selbsttragenden Aufschwung, ähnlich das NS-Deutschland. In Ihrem Eingangs-Zitat unterstellen Sie den Fiskal-Impulsen tatsächlich eine positive Wirkung. Das tun Etatisten mit ihren keynesianisischen Glaubensätzen häufig – Reinhart/ Rogoff verweisen auf die Konsequenzen.
Sehr geehrter Herr H., der Spruch, den ich wiedergab ist ein Lehrspruch der Monetaristen, nicht einmal nur der Keynesianer, die der Geldmengenvergrößerung ja keine Wirkung zuschreiben, wenn die Ökonomie in der Liquiditätsfalle ist. Die einen setzen auf Fiskalpolitik, die anderen auf Geldpolitik. Die Kombination ist ein ziemlich sicheres Rezept, wenn auch von der Natur einer Nitrokapsel gegen den Kreislaufkollaps. Das ist weitgehend Konsens unter den Ökonomen. Es ist leider so, dass das die einzige Chance ist. Wenn man in eine Deflationsspirale wie Japan rutscht, gibt es kein Entrinnen mehr. Diese Politik hat 2009 den Untergang verhindert. Die Konjunkturprogramme lagen bei 1000 Mrd. Euro weltweit. Ihretwegen kamen wir so schnell raus aus der Rezession, wie wir hineingekommen waren. Aber nun sind wir raus, und in der Tat muss man jetzt aussteigen. Schon letztes Jahr hätte man es tun müssen. Ich weiß nicht, ob sie mich bei Brüning richtig interpretieren. Brüning hatte in der Tat keine andere Wahl, weil er nicht extern abwerten durfte. Er tat das Richtige. Aber die Situation zeigt nur, in welch eine Zerreißprobe die Gesellschaft mit einer realen Abwertung von 20% bis 30% kommt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nun hat die europäische Politik heute tatsächlich die Büchse der Pandora geöffnet und ein dauerhaftes Transfersystem über 2013 hinaus eingerichtet. Dtl. wird wohl in ein paar Jahren wieder - wie in den letzten 15 Jahren schon - in eine Flaute kommen. Sicher, wir können die Kosten der Rettungspakete eine Zeit lang schultern, aber der Krug geht bekanntlich nur solange zum Brunnen, bis er bricht. Dabei wird mir Bange um die ökonomische Zukunft Deutschlands. Die Rettungspakete für die GIPS-Staaten um die Insolvenzverschleppung weiterführen zu können, der deutsche Alleinausstieg aus der Kernenergie und die wahrscheinlich kommenden Mindestlöhne. Allesamt sind ja ökonomischer Unsinn und werden dennoch vollzogen, um die nötigen Wählerstimmen für die nächste Wahl zu erkaufen. Stößt hier die die Politikberatung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute an ihre Grenzen? Verstauben die Forschungserkenntnisse in den Regalen? Scheinbar werden alle Warnungen der Ökonomenzunft in den Wind geschlagen. Die Politik scheint die Krise dazu zu benutzen, davon abzulenken, dass die hohe Staatsverschuldung auch in Dtl. durch die Politik selbst verursacht wurde. Es bleibt nur zu hoffen, dass endlich ein schnelles schmerzhaftes Ende folgt und alle Protagonisten aufwachen und einsehen, dass eine Pleite Griechenlands nicht das Ende der Welt bedeutet. Die Sonne wird trotzallem am nächsten Tag wieder aufgehen... Mit freundlichen Grüßen T.S.
Sehr geehrter T.S., da Herr Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. Deutschland hat momentan das Glück des Tüchtigen und erlebt einen fulminanten Aufschwung. Aber auch wir sind verwundbar. So ist unsere Staatsverschuldung derzeit schon zu hoch. Die Schuldenquote (Verhältnis von Staatsschulden zu BIP) liegt deutlich über den in Europa erlaubten 60%. Ein mehr an ökonomischem Sachverstand schadet somit in der Tat auch bei uns nicht. Beste Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, lassen Sie mich einmal versuchen, mich dem Thema betriebswirtschaftlich-pragmatisch zu nähern: 1. Die Staatsausgaben Griechenlands liegen seit Jahren (wohl schon vor der Euro-Einführung!) über den -einnahmen, daraus ergibt sich ein Defizit, das spiegelbildlich zu ständig wachsenden Staatsschulden führte (und gegenwärtig immer noch führt). 2. Also müssen sachgerechte Maßnahmen greifen., die Einnahmen erhöhen und/oder -ausgaben senken, bis ein (Roh-)überschuss entsteht, der es überhaupt erst einmal ermöglicht, Kredite (mit Zins und Tilgung) zu bedienen. 3. In einem Insolvenzplanverfahren (nach Insolvenzgesetz) würde man hier ein Konzept auflegen und daraus einen (in der Regel längerfristigen) Insolvenzplan ableiten. Im Kern stünde dabei die Abbildung diverser und sachgerechter Maßnahmen zur Einnahmensteigerung und Ausgabenreduzierung (nicht allein "Sparen"!)auf der Zeitachse. 4. Aus einem solchen Insolvenzplan ergäbe sich zugleich, wie hoch Neukredite bis zu dem Zeitpunkt ausgereicht werden müssten, zu dem neue Schulden nicht mehr entstehen, welcher Schuldendienst dann aus dem Roh-Überschuss etwa in 7 Jahren verkraftet werden kann und wie hoch im Umkehrschluss der "Haicut" aus hutiger Sicht sein müsste. Gläubiger würden dabei "mitziehen", denn wenn ein solcher Plan seriös ist und sein Vollzug kompetent begleitet und überwacht würde, wäre ihre Alternative, zwar vielleicht bei Vollzug des Insovenzplanes 50%, aber bei weiter ungesteuerter Entwickung dann wahrscheinlich alle Forderungen wertberichtigen zu müssen. Ich habe den Eindruck, dass die europäische Politik versucht, sich vor einer solchen (übrigens seit der deutschen Insovenzrechtsreform 1999 - für Unternehmen, versteht sich - bewährten)Logik zu drücken - oder erst garnicht anfängt, in eine solche Richtung zu denken. Wie sehen Sie das? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen, Volker E. Reich.
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, da Herr Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. Sie haben durchaus recht, ein solch klares und stringentes Verfahren zu fordern. Auch wir sehen diese Notwendigkeit. Das war auch ein Grund, warum wir von Anfang an die Einbeziehung des IWF gefordert haben. Der IWF macht seine Entscheidungen aufgrund von genauen Plänen, die von den Ländern vorgelegt werden. Allerdings müssen die Pläne auf einer soliden (Daten-) Basis erstellt werden und politisch auch durchgesetzt werden können. Hier bestehen Zweifel. Werden zukünftige Sparmaßnahmen nicht durchgesetzt, schlägt die Rechnung fehl. Weiter erschwert wird das Problem durch das bestehende doppelte Defizit. Neben der Staatsverschuldung weist Griechenland ein Außenhandelsdefizit auf. Das muss ebenfalls korrigiert werden. Dieser Prozess ist möglicherweise der noch schmerzhaftere. Auf dieses Problem weist Herr Sinn immer wieder hin. Die Situation ist also mit großen Unsicherheiten behaftet. Viele Maßnahmen müssen in der Zukunft durchgesetzt werden. Daher wird man nicht die Berechnungsgenauigkeit erreichen, die Sie von betriebswirtschaftlichen Problemen gewohnt sind. Mit diesen Abstrichen ist aber ein Insolvenzplan ein guter Ansatz. Beste Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe die Diskussion um die Target2 Salden verfolgt, die Sie angestoßen haben. Ihre Kritiker argumentieren, dass die Kreditvergabe der Geschäftsbanken durch die entstandenen Target2 Salden in Deutschland nicht eingeschränkt worden ist. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass eine Volkswirtschaft bei flexiblen Löhnen und Preisen imstande ist Vollbeschäftigung herzustellen, ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass die Menge an Sozialprodukt, welche im Rahmen der Target Kredite an die GIPS Länder geflossen ist, auch in Deutschland oder vergleichbaren Ländern mit ähnlicher Bonität hätte abgesetzt werden können. Insofern hat sich durch die Target Kredite nicht nur die Geldschöpfung in die GIPS Länder verlagert, sondern es wurden auch weniger Kredite von Geschäftsbanken an deutsche Kunden vergeben. Anders ausgedrückt, je weniger Flexibilität dem deutschen Arbeitsmarkt unterstellt wird, desto weniger haben die gewährten Target Kredite zu einer Verdrängung deutscher Kreditkunden durch die GIPS Länder geführt. In jedem Fall aber sind die entstanden Target2 Salden öffentlicher Kredit, welcher an die GIPS Länder geflossen ist. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, vielen Dank für Ihre Nachricht, die ich leider erst jetzt beantworten kann. Alles, was Sie schreiben ins vollkommen richtig. Haben Sie eigentlich das Working Paper mit Timo Wollmershäuser gesehen? Hier sind die Links: Ifo Working Paper Nr. 105: http://www.cesifo-group.de/DocDL/IfoWorkingPaper-105.pdf CESifo Working Paper Nr. 3500: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Schnelldienst: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Target Loans, Current Account Balances and the ECB’s Rescue Facility, ifo Lunchtime Seminar, 28.06.2011 http://mediathek.cesifo-group.de/iptv/player/macros/cesifo/mediathek?content=1207699&idx=1&category=1097891849 Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, ich möchte Ihnen zu Ihren Artikeln zu den Target Salden gratulieren, auch wenn ich sonst eher nicht Ihre Meinung teile. Der Hinweis auf die Target Salden ist sehr wichtig - vor allem in einem Diskussionsumfeld, das leider über weite Strecken durch Inkompetenz geprägt wird.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Rückmeldung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, Sie haben mit der TARGET2-Salden-Problematik ein Thema in die Medien gebracht, das aktuell sehr kontrovers diskutiert wird. Dabei müssen Sie viel Kritik einstecken. Ich möchte Sie darin bestärken weiterhin ökonomische Probleme zu erkennen und medial zu positionieren. Es wäre um einiges leichter sich im Elfenbeiturm der Wissenschaft zu verstecken. Machen Sie bitte weiter so! Mit freundlichen Grüßen Ralph Maurer
Vielen Dank, Herr Maurer. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich hatte bereits einen ähnlichen Beitrag in einem anderen Themenbereich formuliert. http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/95discforum/10discfor_hwsdtldretten Darin habe ich Lösungsvorschläge für das Dilemma der Griechen genannt, die bisher offensichtlich noch nicht in Erwägung gezogen worden sind. Da die Griechen offensichtlich nicht den Willen haben, die Kredite jemals zurückzuzahlen, muss man überlegen, wie man die Schulden aus dem Ausland - mit gewissen Abstrichen - auf die Griechen überträgt, also Anreize schafft, dass sich der griechische Staat beim eigenen Volk anstatt im Ausland verschuldet, so dass die hohen Risikoprämien den Griechen zugute kommen. Hierzu ist eine Steuerreform nötig, die die Steuersätze erhöht und dafür gesorgt wird, dass diese Steuern auch gezahlt werden. Der Staat soll dabei die eigenen Zinspapiere - nach dem Ende der Laufzeit -als Steuerzahlung akzeptieren. Somit kann jeder Steuerzahler in Griechenland seine Schuld mit Staatsanleihen begleichen. Da die Papiere aktuell weit unterhalb des Nominalwertes gehandelt werden und auch die Zinssätze relativ hoch sind, hätten die griechischen Steuerzahler einen großen Anreiz, die Papiere selbst zu kaufen. Ein Teil der Zinsausgaben würde dann über die Steuern zurück an den Staat fließen. Die Kosten der Staatsverschuldung demnach für Griechenland günstiger werden. Am Sparen und Lohnkürzungen führt aber trotzdem kein Weg vorbei. Mit freudlichen Grüßen Theo
Sehr geehrter Herr H., vielen Dank für Ihren Beitrag. Ihr Vorschlag ist aus meiner Sicht zweischneidig. Ja, zum einen ist es richtig, dass Staaten, die sich vorwiegend im Inland verschulden, höhere Schuldenquoten finanzieren können. Das eindrucksvollste Beispiel ist Japan. Dort ist die Staatsverschuldung in der Nähe von 200% des BIP. Sie ist also weit höher als in Griechenland, Irland, Spanien oder Italien. Dennoch ist die Situation in Japan derzeit stabil. Die Schulden werden dort zu über 90% von Inländern gehalten. Allerdings ist die Ruhe trügerisch. Und die Probleme können später noch schwieriger werden, weil sich ein so übergroßer Berg an Schulden aufgetürmt hat. Gleichzeitig stellt die Verschuldung bei Inländern aber auch ein Klumpenrisiko dar. Die inländischen Gläubiger würden bei einer Pleite ein Teil ihrer Ersparnisse verlieren. Die vermutlich unvermeidbare Rezession würde auch noch ihre Arbeitseinkommen senken oder sie sogar in die Arbeitslosigkeit treiben. Die Bürger hätten also mehrfach zu leiden. Eine Risikostreuung ist sinnvoll. Von daher kann man wohl nicht sagen, dass möglichst viel Schulden durch Inländer finanziert werden sollte. Ein gewisser Anteil an Schulden im Inland wirkt aber tatsächlich stabilisieren. Allerdings beseitig das nicht das Grundproblem, dass die Schulden zu hoch sind. Es würde also eine trügerische Sicherheit hergestellt. Der Druck auf den Staat zu Sparen würde zunächst einmal vermindert. Viele Grüße Dr. Klaus Abberger Leiter des Präsidentenbüros
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre beiträge zum tieferen Verständnis der Euro-Krise habe ich mit großem Interesse gelesen. Was die 'Target-Salden' angeht, so ist 'meines' (das Verständnis) noch nicht ganz rund und ich glaube da nicht alleine zu stehen: Wenn der griechische Importeur an den deutschen Lieferanten gezahlt hat, 'landet' das Geld bei der deutschen Bank des Importeurs. Damit ist die Geldschöpfung in GR rückgängig gemacht - aber wie entsteht dann genau die Target-Forderung der BUBank gegen die euop. ZB (oder gegen die griechische ZB)? Danke für klärenden Hinweis. Gruß aus Meerbusch Bernd Becker (Studium bei Krelle und Albach vor 40 Jahren)
Sehr geehrter Herr Becker, erst jetzt komme ich zur Beantwortung Ihrer Frage. Wenn der griechische Importeur an den deutschen Lieferanten zahlt, überweist seine Bank das Geld nach Deutschland. Konkret bedeutet das, dass das Guthaben der Bank bei der griechischen Zentralbank um den Überweisungsbetrag fällt, was Geldvernichtung in Griechenland bedeutet, und umgekehrt die Bundesbank Geld schafft und der Bank des Lieferanten gutschreibt. Normalerweise erhält die Bundesbank eine Forderung gegen die Bank, wenn sie Geld schöpft, weil sie es verleiht. In diesem Fall führt sie nur die Überweisung aus und erhält statt dessen eine Forderung gegen die EZB, und die eine solche gegen die griechische Zentralbank. Die Forderung gegen die EZB ist insofern gerechtfertigt, als die EZB nun weniger Geld durch Kreditschöpfung in Deutschland schafft, weil der private Sektor nur eine bestimmte Liquiditätsnachfrage hat. Im Endeffekt gibt die Bundesbank den Kredit durch das EZB-System an den griechischen Importeur statt an einen deutschen Kunden und ersetzt damit den versiegenden privaten Kreditfluss. In der Zahlungsbilanz wird der private Kapitalexport aus Deutschland durch den Kapitalexport durch das EZB-System ersetzt. Ich hoffe, dies beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof.Sinn, Ich habe mich sehr ueber ihre Publikationen und Interviews in den Print und TV Medien zum Thema der Griechenland Verschuldung und allgemeinen Euro Problematik& Verschuldung in Portugal, Spanien und Irland gefreut. Ich finde es vollkommen richtig, dass es eine Umschuldung fuer Griechenland geben muss zusammen mit einer Wiedereinfuehrung der Griechischen Drachme damit die Wirtschaft dort wieder Wettbewerbsfaehig wird und das Land wieder auf die Fuesse kommt. Es waere klueger gewesen ein Kerneuropa mit gesunden Volkswirtschaften als Start Laender fuer die Euro einfuehrung zu nehmen und nicht Laender wie die oben genannten durchzuschleppen. Wie ich im heutigen Focus lesen konnte ist dieses Thema in allen Bundestagsfraktionen nicht auf der Tagesordnung obwohl es jeden deutschen Buerger etwas angeht. Die eigentlich wichtige Steuerentlastung der Buerger entfaellt, um den Euro zu stabilisieren und die Geduld der Burger zu diesem Thema ist langsam am Ende. Ich sehe leider wirklich " Schwarz " falls man ihrem Rat und aller anderen vernuenftigen Oekonomen nicht folgt und Griechenland aus der Euro Zone ausschliesst, schliesslich hatt GR sich ja mit gefaelschten Zahlen und Fakten reingemogelt. Machen Sie weiter so unser Land bracht Maenner wie Sie die, die Wahrheit beim Namen nennen. Mit freundlichen Gruessen Stefan Hakenberg
Sehr geehrter Herr Hakenberg, vielen Dank für Ihren Zuspruch. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, ich habe Sie vor Kurzem in einer Fernsehsendung gesehen, in der Sie u.a. auf die mangelnde Effektivität der Windenergie auf dem Lande wie in Bayern hingewiesen haben. Der Beitrag der Windenergie sei verschwindend gering. Nachdem nun die CSU plötzlich völlig durchdreht und Herr Dr. Söder „mit Windgeschwindigkeit“ die erneuerbaren Energien entdeckt hat und z.B. aus dem Naturpark „Bayerischer Wald“ einen Windpark machen will, der den Grünen in Baden-W das Fürchten lehrt, möchte ich in meinem Bereich dagegen vorgehen. Die unüberlegten Pläne der CSU führen zur Zerstörung der so hoch gehaltenen bayerischen Landschaft und greift massiv in das Leben von Mensch und Tier ein. Und nun meine Bitte! Haben Sie Material, in dem man einmal neutral die Effektivität eines Windrades in Bayern berechnet hat. Es darf doch nicht übersehen werden, dass die meisten Windräder in unserer Region, wie z.B. in München und Pfaffenhofen elektrisch angetrieben werden, wenn Flaute herrscht; also einen erheblichen Strombedarf haben. In die Kalkulation muss auch der Aufwand für die Grundlastwerke eingerechnet werden; ferner kommt es hier zu erhöhter Klimabelastung usw. - da kann doch nichts mehr übrig bleiben. Wenn Sie hier einige seriöse Quellen benennen könnten wäre ich Ihnen sehr dankbar. Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Dr. A. Heublein
Sehr geehrter Herr Dr. Heublein, da Herr Sinn Ihnen leider aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, ist Ihre Email an mich weitergeleitet worden. Die Stromerzeugung aus Windenergie hat in Bayern eine geringe Bedeutung; 2010 waren in Bayern nur knapp 1,9% der durchschnittlich Windkraftleistung Deutschlands installiert. Die Stromerzeugung fällt noch geringer aus, da Bayern weniger windreich ist als die Gebiete in Norddeutschland und insbesondere an der Küste. Daher ist die Ausnutzungsdauer der Windkraftanlagen in Bayern um etwa 400 Stunden geringer als im Bundesdurchschnitt: Während im Bund 2007 und 2008 die Anlagen 1857 bzw. 1763 Stunden im Volllastbetrieb waren, lagen die entsprechenden Werte für Anlagen in Bayern bei 1443 bzw. 1371 Stunden. In Deutschland belief sich die durchschnittliche Ausnutzungsdauer der Windenergieanlagen zwischen 2001 und 2010 auf rund 1580 Stunden, wobei der Spitzenwert mit 1857 Stunden 2007 erreicht wurde, der niedrigste Wert trat mit 1380 Stunden 2010 auf. Angesichts von 8760 Stunden in einem Normaljahr wurden die Windkraftanlagen nicht ganz zu 20% ausgenutzt. Während mit küstennahen und im Meer (offshore) positionierten modernen Anlagen die Ausnutzungsdauern deutlich gesteigert (2050 rechnet man für Offshore-Anlagen mit 4000 Stunden) werden können, ist das in Bayern in dem Umfang nicht zu erreichen; eine spürbare Erhöhung der Ausnutzungsdauern ist in Bayern nur möglich, wenn man die Anlagen auf den Bergeshöhen errichtet. Aber generell müssen bei der Windenergie für windschwache Zeiten oder im Fall einer Flaute beträchtliche Reserve- und Regelleistungen vorgehalten werden; es besteht vor allem Bedarf an Pumpspeicherkraftwerken. Hinweis: Die Ausnutzungsdauer ist dabei so definiert, dass die jährliche Stromerzeugung durch die installierte Leistung der Windkraftanlagen dividiert wird; die Anlagen erzeugen natürlich über einen längeren Zeitraum elektrische Energie, aber häufig nur mit einem Bruchteil der möglichen Leistung (=Nennleistung). Die obigen Ausführungen beruhen auf den folgenden Quellen - Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Energiebilanz Bayern, Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik und - ewi-gws-prognos, Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung, August 2010 sowie Berechnungen von Hans-Dieter Karl, wissenschaftlicher Mitarbeiter des ifo Instituts. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben in Ihrem hervorragenden Artikel „Energiewende ins Nichts“ im Handelsblatt vom 28.3.11 leider das französiche Konzept für die künftige Stromversorgung nicht erwähnt. Ich denke allerdings, daß die Pläne der staatlich französischen CEA auch für Deutschland absolut wichtig sind. In Marcoule, Frankreich wird zurzeit ein Schneller Brutreaktor ASTRID gebaut, der sehr unserem SNR300 von Kalkar ähnelt, welcher für 7 Milliarden DM auf und abgebaut wurde. Die französische CEA plant, Frankreich ab 2050 energieautark zu machen. Das heißt: Für die Erzeugung des elektrischen Stroms werden keine Energieträger-Einfuhren mehr nötig. Ein Brutreaktor kann den Uranabfall (U238) spaltbar machen. Wie Sie wissen, besteht Uran zu 99,3% aus U238, und nur zu 0,7% aus dem heute spaltbarem und nutzbarem Isotop U235. Also der Uranabfallbfall U238 wird in Frankreich für die Stromerzeugung unter Verwendung von Brutreaktoren in der Zukunft genutzt. Damit kann Frankreich mehrere Tausend Jahre die Stromproduktion, ohne Einfuhr von jeglichen Energieträgern, aus dem dort heute vorhandenen Uranabfall decken. Diese Idee hatte vor vielen Jahren auch Willy Brandt, der in Februar 1972 seinen Forschungsminister Klaus von Dohnanyi beauftragte, das Projekt SNR300 ins Leben zu rufen. Er ahnte damals nicht, daß ausgerechnet sein Parteifreund Johannes Rau später dieses stolze Energieprojekt begraben wird. Sie wissen sicher, daß zurzeit auch in China Schnelle Brüter gebaut werden. Ich bezahle zurzeit in Lothringen 8Cent für eine kWh französischen Atomstrom. In Stutensee bei Karlsruhe bezahle für den deutschen Ökostrom 25Cent. Auch so kann man ein Volk bestrafen. Noch eine wichtige Tatsache: In einem Schnellen Brüter kann durch Neutronenaktivierung die Strahlungszeit der Spaltprodukte aus dem aktiven Abfall von einer Million auf ein Tausend Jahre oder weniger reduziert werden. Also kann ein schneller Brüter auch in der Abfallwirtschaft eine wichtige Rolle spielen! Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic (ehemaliger Mitarbeiter des Kernforschungszentrums Karlsruhe)
Sehr geehrter Herr Perinic, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Mir sind die Pläne Frankreichs im Grundsatz bekannt, auch wenn mir der Artikel keine Zeit ließ, darauf einzugehen. Ich habe auch über den schnellen Brüter in meinem Buch „Das Grüne Paradoxon“ geschrieben. Vielen Dank aber für weitere Details. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herren Heiner Bremer, Kollegen Prof. Hans-Werner Sinn und Prof. Hubert Weiger, bei der gestern (Di. 12.4.2011) in n-tv ausgestrahlten Sendung 'Das Duell bei n-tv' Wer bezahlt den grünen Strom? ging es doch bei der Diskussion wegen, teilweise unrichtiger Argumente, aus meiner Sicht doch ziemlich drunter und drüber, so dass der Kern der Debatte teilweise bis zu Unkenntlichkeit entstellt wurde. Ich denke wir sind uns einig, dass der Ausgangspunkt der Debatte folgende beiden Kernprobleme der modernen Zivilisation sind Klimawandel und (zunehmende) Ressourcenverknappung und die darauf mögliche bzw. geeigneten Reaktionen darauf. Um es gleich vorweg zunehmen können am langen Ende d.h. in den nächsten Jahrzehnten nur Lösungen der Energiefrage aus Kombinationen aus den Bereich 1.) Energiesparen, 2.) Steigerung der Energieeffizienz und 3.) erneuerbare Energien kommen, denn die Ressourcen fossiler Energien sind doch einerseits sehr endlich (bzw. in Termini von VWL'ern ist dies eine Frage von Beschaffungskosten), andererseits als Emitter von klimaschädlichem CO2 bekannt (siehe dazu meine Folien 4 - 10). Weiterhin ist die Nutzung von Nuklearenergie auch höchst umstritten, bzw., auch letztlich ressourcenlimitiert (siehe Folie 4). Nun was in ihrer Sendung einfach nicht vermittelt wurde, ist das der Konflikt nur in den der 'relativen Mischung' der Antworten in den Möglichkeiten 1.), 2.) und 3.) bestehen kann, und wie dabei ein optimaler Nutzen bei minimalen Kosten entsteht, eine Antwort die aber von vielen Faktoren anhängt und vor allem von der Zeit, für wann sie beantwortetet werden soll, also heute, in 5 Jahren, 20 Jahren et cetera. Nun wo stehen heute in der um die Energieversorgung. Dazu gab es in der jüngsten Vergangenheit doch etliche fundierte wissenschaftliche Literatur, deren Ergebnisse zu zitieren sich doch schon gelohnt hätte (diese Literatur - die von Untersuchungen von McKinsey über CO2 Vermeidingskosten, über SRU, bis Publikationen aus nature und Science reichen) finden sie implizit in meinem Vortrag im Anhang. Machen wir also kurz einmal ein Inventur, mit disputablen Vorschlägen, wie in den nächsten Jahrzehnten darauf diese Herausforderung zu reagieren ist, jenseits des tagesspolitisch hektischen Geschäfts, denn auf 1 Jahr mehr oder wenige Laufzeit von irgendetwas kommt es eigentlich gar nicht bei der Energieversorgung an. Betrachten wir also den Primärnergiebedarf von Deutschland (Folie 11) und wie darauf in den einzelnen Sektoren darauf reagiert mit Maßnahmen aus dem Bündel 1.), 2.) vernüftig zu reagieren ist. 1.) Wir wissen dass circa 3/8 der Primarenergie im Gebäudebereich eingesetzt wird. Folie 28 vermittelt Ihnen nun einen Eindruck, welche Maßnahme negative bzw. positive Vermeidungskosten haben, basierend auf den Energiepreisen von 2005. Wie sie z.B. ersehen können, haben negative Vermeidungskosten circa 57 Millionen CO2 Emisssionen, oder 7% des deutschen Primärnergiebedarfes. Aus meiner persönlichen Erfahrung als Wissenschaftler (Folien 29 -32) (und Hausbesitzer der ein Gebäudesanierung auf Niedrigenergiestandard hinter sich hat) weiss ich dass im dt. Gebäudebestand 3/4 zu erträglichen Kosten (ich hab es hinter mir) einzusparen sind (allerdings aber nicht von heute auf morgen, sinder das ist eine Generationenfrage). Also ist das Potential der Energieeinsparung im Gebäudebereich: 3/8 mal 3/4 = 9/32 also der dt. Energieversorgung! 2.) Energieeffizienz (Folie 11): Wir wissen, das 28.2% der dt. Pirmärnenergie zum großen Teil in (vermeidbaren) Verlusten verbraten wird, die man stark reduzieren könnten, falls wir bereit sind einigen technische Systeme (im Verkehr und Energiewirtschaft) umzustellen. Das gehören insbesondere die Stromerzeugung und der Verkehr, denn beide nützen einen aus physikalischen Gründen sehr ineffizienten Prozess (Carnot Prozess) zur Gewinnung mechanischer/bzw. eletrischer Energie aus chemischer Energie aus. Betrachten wir also Energieinsparungen durch Effizienzgewinne und die dafür erfordlichen Kosten in den beiden Bereichen. 2a.) Folie 14 zeigt Ihnen dazu die sogenannten CO2 Vermeidungskosten im Energiebereich, wobei dei Zahlen heute doch schon etwas günstiger für die EE sind, denn einerseits haben sich die Gestehungskosten z.Bsp. für on-shore Windstrom bei circa 90 Euro/MWh eingependelt, die Kosten für Photovoltaikstrom haben sich seither halbiert, so dass z.B. ich im eher sonnenreichen Allgäu auf meinem Dach Sonnenstrom für 160 Euro/MWh (EBIT Herr Prof. Sinn) herstellen kann, während der Strom vom lokalen Lieferanten z.B. 240 Euro/MWh kostet, andererseits die Stromkosten durch 'die Merit Order Effekte der EE' an der Leipziger Strombörse von gut 80 Euro/MWh (2008) auf heute unter 60 Euro/MWh verbilligt hat. Nebenbei bemerkt hätten Sie diesen Sachverhalt Herr Prof. Sinn als Ökonom, locker in die Debatte einführen können und müssen. Wie auch immer, es gibt von dem Sachverständigen Rat für Umweltfragen (SRU) eine Studie zur völligen Energieversorgung aus EE und ihrer Kosten (Folien 19 - 26) nach der mit Erzeugungskosten < 100 Euro/MWh der deutsche Stromverbauch von circa 600 TWh zu decken wäre, allerdings nur im Rahmen eines Energiaustausches/Speicher mit Dänemark und Norwegen. Wir wissen aber aus dem von unseren Studenten gerechnten Szenario, das die Preise und Versorgungssicherheit von EE stark günstiger mit wachsender Größe der Vernetzung günstiger wird. Eine Übeschlagrechnung die ich für Sie hier mache zeigt nun, dass das Einsparpotential im dt Primärenergibedarf der Energiewirtschaft (3/8) wiederrum 3/4 bei vernüftigen Kosten beträgt (siehe Folie 20), also ist das Einsparpotential für fossile Energien und Kernkraft durch Energieeffizienz und EE alleine im Energiesektor: 3/8 mal 3/4 = 9/32 beträgt. 2b.) Um es kurz zu machen Folien 34 bis 37 zeigt Ihnen das Effizienzsteigerungpotential im Verkehr, bzw. die CO2 Vermeidungskosten (betrachten Sie bitte dei Größe der Zahlen auf der y-Achse) bei Maßnahmen, die die Automobilindustrie enmpfiehlt im Vergleich zu den CO2 Vermeidungskosten der anderen Bereiche. Um es kurz und prägnant zu sagen: Energieeinsparung im konventionellen Verkehr ist ein typischer Fall einer Fehlallokation Volkswirtschaftlicher Mittel. Folie 35 vermittlet Ihnen einen Eindruck welchen energetischen Gewinn z.B. die breitflächige Einführung von Elektromobile mit sich brächte. Summa sumarum verbrauchen wir als 18.8% (3/16) der dt Primärenergie für Verkehrszwecke, von denen sich circa 1/2 bei Einführung von Elektromobile sparen liesen. Also besteht hier ein Eisparpotential von (3/32) des dt. Primärenergiebedarfs. 3.) Negative CO2 Vermeidungskosten in der Industrie wurden in 2005 auf 35 Millionen Tonnen CO2 geschätzt (Folie 27), was einer Menge 1/32 des dt Primäenergieverbrauches entspricht. Zählen wir als nun zusammen, was die dt Volkswirtschaft and Effizienz und Energieinsparpotential hat (deren Realisierung zugegebenermaßen je nach Maßnahme aber bis zu Jahrzehnte brauchen kann): 9/32 aus 1.), zzgl. 9/32 aus 2a, zzgl. 3/32 aus 2.) zzgl 1/32 aus 3.) also in Summe 22/32, oder mindestens 68.7 %, ohne! das dabei die dt, Industrie bzw. der Vebraucher unbotmäßig zur Kasse gebeten würde. Ich denke sinnvolle Poltitik wäre nun diese Potentiale der Maßnahmen 1.) 2.) und 3.) zu aktivieren. Also reden wir über hunderte wenn nicht tausende Maßnahmen (anstelle von Windkraft u.a. bei uns im Allgäu, was viele Mitbürger als einen notwendigen Tribut an den Lebenstil empfinden), denn diese wäre zum Besten des Landes, seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit und auch zuküftigen Chancen auf dem Weltmarkt! Ich denke die Sendung hätte entlang dieser Linie dem Zuschauer die Problematik der Energieversorgung vermittelt werden können, ohne ins polemische und daher wenig Informative abzukleiden.
Sehr geehrter Prof. P., im Namen von Herrn Sinn, der momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes leider nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen für Ihre ausführliche Stellungnahme und Folien danken. Ich stimme Ihnen natürlich sofort zu, dass die Lösung des Klima-/Ressourcenproblems keine kurzfristig zu lösende Aufgabe darstellt und vor allem nicht auf Einzelmaßnahmen sondern eine Kombination verschiedener Maßnahmen zurückgreifen muss. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
An die Redaktion der TAZ, Rudi-Dutschke-Str. 23, Berlin; via e-mail-Formular An die Redaktion des ZDF, Mainz. Via e-mail-Formular Sehr geehrter Herr Sinn, Ich schreibe Ihnen einen offenen Brief, den ich auch der Redaktionen der TAZ und des ZDF zukommen lasse. ich habe gestern, am 14. April, im zdf die Sendung von Maybrit Illner "Atom-Angst, Wie teuer kommt der schnelle Ausstieg" verfolgt, bei der Sie als Gast geladen waren. Ich möchte im ersten Schritt auf Ihre inhaltlichen Standpunkte eingehen, dass der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien eine "Schnapsidee" sei und uns sehr teuer zu stehen kommen wird. Nur soviel dazu: Ich denke, Ihr Standpunkt ist nicht hinreichend belegt, zumal nicht klar offengelegt ist, was uns die friedliche Nutzung der Kernenergie an volkswirtschaftlichen Kosten in der Vergangenheit aufgebürdet hat und uns zukünftig aufbürden wird. Da gibt es sehr viele Kosten, die gar nicht in den Strompreis eingerechnet wurden und werden, sondern mit vielen Griffen in die Staatskasse und somit aus Steuergeldern bezahlt wurden und werden und damit zu "indirekten Strompreis-Zusatzerhöhungen" geführt haben, die überhaupt nicht in der Strom-Jahresabrechnung eines jeden Strombeziehers auftauchen und die auch energieintensive, in diesem Falle ja stromintensive Güter, wie beispielsweise die der Aluminiumindustrie verteuert haben. Einige wenige Beispiele für diese "verdeckten" Mehrkosten möchte ich hier aufführen: - der volkswirtschaftliche Schaden durch den GAU in Tschernobyl, die anschließenden finanziellen Aufwendungen Deutschlands in Form von Hilfsgeldern für die Opfer und Geschädigten, die es auch in Deutschland gegeben hat und geben wird, aber auch in Form von wirtschaftlichen Hilfen für die zusammengebrochenen osteuropäischen Volkswirtschaften, sowie der Gelder, die dazu genutzt werden sollten, den beschädigten Reaktorblock wirksam von der Atmosphäre abzuschirmen (Sarkophag). - Hierzulande sind sehr viele Subventionen in den vergangenen 50-60 Jahren in die Erforschung der friedlichen Kernenergie geflossen, um sie unter anderem "marktreif" für die Anwendung in der Stromproduktion zu machen, aber auch um die Anlagen zu bauen. Einige Anlagen wurden mit Milliardenaufwand gebaut, sind aber nie ans Netz gegangen. - Zukünftig wird die Sanierung der Atommülllagerstätte im Bergwerk Asse schätzungsweise 4-5 Milliarden Euro kosten, die ebenfalls nicht auf den Strompreis umgelegt werden - wie viel erneuerbare Energien hätte man mit diesen "versenkten" Milliarden zusätzlich installieren können? - Die Endlagerfrage ist nach wie vor ungelöst. Die Erforschung zur Lösung dieser Frage wird weitere Milliarden kosten. Das Problem wird sich bei Stoffen wie Plutonium mit einer Halbwertszeit von mindestens 24.000 Jahren wohl für unzählige nachfolgenden Generationen auch in Form von Schäden und Kosten niederschlagen, die dann natürlich auch nicht in den Strompreis einkalkuliert werden. Ich denke, nur mit diesen wenigen Argumenten im Hinterkopf und angesichts des Restrisikos der Kernenergie, das uns jetzt drastisch in Japan vor Augen geführt wird, ist die Mehrheit der Menschen in diesem Land nicht mehr bereit dazu, die Kernenergie weiterhin zu tragen. Der eigentliche Anlass aber, der mich dazu bewogen hat Ihnen zu schreiben, ist Ihre Äußerung am Ender der Sendung gestern Abend: Sie unterstellten „den Medien“, insbesondere dem Fernsehen, durch die Überlagerung der Bilder des verheerenden Erdbebens und dem darauf folgenden Tsunami mit den Bildern der explodierenden Reaktorblöcke „alles zu mischen“ und so das Gefühl zu erzeugen, dass da die „Apokalypse im Atom“ sich ereignen würde. Sie stellten dar, dass die Opfer des Erdbebens und der Tsunami-Welle, die vielen Toten, zur Stimmungsmache gegen die Kernenergie verwendet werden, obwohl bei dem GAU in Fukushima ja noch keine Menschen umgekommen sind. Abgesehen davon, dass wir da momentan tatsächlich die „Apokalypse im Atom“ erleben – oder wie soll sonst ein Unfall der INES-Stufe 7 bezeichnet werden? – sind dort schon Menschen durch den GAU gestorben. Das sollten Sie eigentlich wissen! Ihre Darstellung ist unerträglich pietätlos gegenüber „diesen“ Opfern, aber auch den Opfern der Naturkatastrophe gegenüber und respektlos gegenüber allen Überlebenden. Ihre Äußerungen sind eigentlich nur als blanker Zynismus aufzufassen, denn Sie unterstellen „uns“, einfachen Beobachtern von außen, dass wir nicht trennen können zwischen der Naturkatastrophe und der von Menschen gemachten Katastrophe. Zum Anderen instrumentalisieren Sie die „unbeteiligten Toten“ der Naturkatastrophe, um „uns“ einfachen Beobachtern von außen einen Überhang an Emotionen unterzuschieben. Sie unterstellen „Stimmungsmache“, die dazu führt, dass es an „Rationalität“ fehlt. Stellen Sie sich vor, es wäre der GAU in Fukushima eingetreten, ohne vorheriges Erdbeben mit einem Tsunami – und diese Annahme ist nicht gerade weit hergeholt, wie uns die Historie der Unfälle, die bisher im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie aufgetreten sind, zeigt. Dann wäre der Aufstand, mit ihrem Wort die „Stimmungsmache“, hierzulande wahrscheinlich noch größer, weil eine erklärbare, von „außen“ kommende Ursache nicht menschlichen Ursprungs für einen GAU gar nicht via Fernsehen für uns zu sehen gewesen wäre. Es wäre sozusagen die nebulöse, unsichtbare Gefahr der Kernenergie durch Systemversagen und menschliche Fehler offensichtlich geworden, die uns ja in eine solche „Hysterie“ versetzt, sozusagen die „unschöne Variante“ des Restrisikos. Und natürlich werden noch weitere Opfer folgen, nicht zu schweigen von allen Erbgutschäden, die sich erst im Laufe der nächsten Generationen in Form von Totgeburten und Missbildungen niederschlagen werden. Wissen Sie, Herr Sinn, es ist nicht nur sehr bedrückend, zu sehen, dass so viele Menschen durch eine Naturkatastrophe gestorben sind und viele weitere darunter unendlich leiden. Nein, es ist unerträglich, mit ansehen zu müssen, dass zu all diesem Leid auch noch der GAU mit dazu gekommen ist. Das steigert die Tragödie über alle Schmerzgrenzen hinaus! Gestern hat ein 102 Jahre alter Mann Suizid begangen, als er sich vergegenwärtigen musste, dass er auf Grund der Verstrahlung durch den GAU in Fukushima sein Haus niemals wieder bewohnen kann. Solch ein Opfer alleine verbietet es schon, jegliche Form der Relativierung dieser „Katastrophe-on-top“ und der Gefahren der Kernenergie zu betreiben!
Sehr geehrter Herr S., leider kann Ihnen Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten. Ich möchte Ihnen jedoch versichern, dass Herr Sinn es weder den Opfern von Fukushima noch den Opfern des Tsunamis gegenüber an Respekt und Mitgefühl fehlen lassen wollte. Er hat lediglich darauf hingewiesen, dass es auch bei anderen Formen der Energieerzeugung zu Opfern gekommen ist. Und obwohl diese Opferzahlen zum Teil sehr hoch sind, wird darüber weit weniger in den Medien berichtet. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Werter H. Sinn, kommen Sie doch bitte mal ins Saarland, da können Sie sich den Preis als grössten Dummschwätzer des Landes abholen - soviel ist ihnen jetzt schon sicher. H. Peter Müller hat den Preis schon. Ich verfolge ihre Meinung schon einige Zeit - sie könnte genauso von meinem neuen Nachbarn, dem Banker, kommen. Wenn man sieht, in welchem Umfang in der Industrie Energie verschwendet wird, so kann ich immer wieder gut Ihre Argumentation verstehen. Sie sprechen für eine Kaste, die sich in grossen Teilen nicht darum schert, wie effizient die billige Energie verwendet wird. Dass man dafür dann Strom aus KKWs nutzen muss ist eine Farce. Verschwendung überall - auch im KKW, denn dort wird auch eine ganze Menge Ab-Wärme produziert - und das soll nicht zur Erwärmung der Erde beitragen? Ein KKW hat den schlechtesten Wirkungsgrad aller Energien, wenn man alle Kosten einrechnet. Ein schöner Witz, den man sich hier konstruiert hat. Aber Sie sind ja Wirtschaftsfachmann. Um physikalische Realitäten brauchen Sie sich ja nicht zu kümmern. Herzlichen Glückwunsch für dieses kastrierte Kastendenken. Gruss von einem Energietechniker von der Saar.
Sehr geehrter Herr H., vielen Dank für Ihre Email. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Bestehende Kernkraftwerke weisen in der Tat einen relativ geringen Wirkungsgrad auf. Die Kostenfrage, die sich naturgemäß bei Kernkraftwerken sehr kompliziert gestaltet, sollte jedoch von dieser physikalischen Größe getrennt betrachtet werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind hier nicht nur die hohen Kapitalkosten und relativ geringe Brennstoffkosten zu berücksichtigen, sondern ebenso die externen Kosten, die z.B. aus dem Risiko von Unfällen resultieren. Wie hoch der Preis für Atomstrom bei Berücksichtigung all dieser Kosten (inkl. Endlagerung und umfassender Versicherungspflicht) wäre, darüber gehen die Meinungen auch unter Experten stark auseinander. Sicher ist, dass sich der gegenwärtige Kostenvorteil des Atomstroms dadurch zumindest vermindert. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
hallo, herr sinn! der kabarettist georg schramm hat mal sinngemäss über sie gesagt, ihr nachname könne nur ein künstlername sein. dass er nicht so ganz unrecht hat, belegt ihr auftritt bei "illner" am donnerstag. dort sagten sie, keine industrie-nation komme ohne atomkraft aus. wenn sie mal nach dänemark schauen wollen! dort hat die regierung gerade beschlossen, den energiebedarf des landes bis 2045 aus- schliesslich aus regenerativen quellen zu bestreiten. ausserdem sagen sie mir bitte, welche vorschläge sie für die endlagerung des atommülls haben.
Sehr geehrter Herr A., vielen Dank für Ihren Kommentar. Prof. Sinn kann momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes leider nicht persönlich auf Ihre Email antworten. Eine Stellungnahme von ihm zur Frage der Endlagerung können Sie allerdings in seinem Buch "Das Grüne Paradoxon" finden, in dem er sich mit der Frage der Endlagerung auseinandersetzt. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, In der Kernenergieausstiegsdiskussion am 14.4.2011 im ZDF waren Ihre sachbezogenen Äußerungen ein Lichtblick. Herzlichen Dank! Die Diskussion zeigte deutlich, dass sich ein Industrieland mit Sonne/Wind und Laufwasserkraftwerke nicht versorgen kann. Bei dem hohen Anspruchsdenken der Deutschen wird diese alternative Energie keine Akzeptanz finden. Schon nachts den Strom abschalten zwischen 1 Uhr und 4 Uhr wurde bei uns im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Nicht die neuen Leitungstrassen angeblich von Nord nach Süd sind das Problem, (wir im Süden haben doch Solarenergie) sondern die Speicherung vor Ort. Die Kosten der Speicherung sind auch 10mal so hoch. Siehe meine Anlage. Ich bin durchaus für alternative Erzeugung und ich habe meiner Gemeinde eine Machbarkeitsstudie bis 2025 vorgelegt. Ich sage Ihnen: Die Leute im GR haben keine Ahnung was auf unsere Gemeinde und auf Deutschland zukommt. Es handelt sich um träumerische Ideen aus der Steinzeit, mehr ideologisierter Glaube als handeste Realisierung. Es geht nicht um den Ersatz von Opel durch den teureren Mercedes, sondern um ganz andere Fahrzeuge mit anderen Straßen.
Sehr geehrter Herr K., da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und ihren Kommentar danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihre objektiven Betrachtungen der regenerativen Energien anlässlich des TV-Auftritts zur Windkraft vom 12.April 2011 (N-TV) haben mich sehr beeindruckt. Leider konnte ich die Alternativen zur Windkraft nicht klar erkennen. Haben Sie die Geothermie gemeint, als Sie die Selbstversorgung der Landwirte ansprachen? Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, dass die Tiefengeothermie sehr wohl die Windkraft vollständig ersetzen kann (www.geothermie-zentrum.de/geothermie/tiefengeothermie.html). Dies setzt meines Erachtens voraus, dass keine atomaren Endlager in einem Bergwerk projektiert werden. Als voraussichtliche Langzeitwirkung wird Grundwasser radioaktiv kontaminiert und die Geothermieanlagen zur Abschaltung zwingen. Wenn mein bescheidener Hinweis für zukünftige Planungen Beachtung findet, wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Sehr geehrter Herr N., da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und den Hinweis danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, nachfolgende Nachricht hatte ich Ihnen bereits unter einer anderen E-Mail-Adresse zugesendet. Die Diskussion bei Maybrit Illner habe ich ebenfalls verfolgt und war gleichermaßen erstaunt, dass die wiederholte Frage der Moderatorin nach dem Ersatz der Kernkraftwerke durch Windenergie nicht beantwortet wurde – es ist nicht möglich. Bisher habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wie der Handel mit elektrischer Energie europaweit erfolgt. Wie werden die Belastungsspitzen behandelt? In Sommermonaten vergangener Jahre konnte Frankreich den Eigenbedarf nicht decken, weil deren Kernkraftwerke teilweise mit Wasser aus Flüssen gekühlt wurden, deren thermische Belastbarkeit überschritten worden wäre. Hätte z.B. Frankreich auch über 35 % der Kernenergie eines Moratoriums wegen vom Netz genommen, würden in Europa Versorgungsengpässe bestehen. Muss beim internationalen Handel die Leistungsspitze bestellt werden, wie das bei Großverbrauchern erfolgt? Eine Kurzfassung meiner Überlegungen füge ich bei. Übrigens ist nicht verwunderlich, dass über 80 % der Bevölkerung Kernenergie ablehnt, wenn sie fälschlicherweise unterrichtet wird, dass diese Energie nicht benötigt wird. Sie können davon ausgehen, dass meine Beurteilung keine grundlegenden Fehler beinhaltet. An einem Ideenaustausch bin ich aber sehr interessiert. Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sehr geehrter Herr Professor Weiger, bei der Diskussion mit Heiner Bremer wurde der Eindruck vermittelt, mit Windrädern könnten Kraftwerke ersetzt werden. Das geht nicht, die Leistungsbetrachtung – kW – lässt erkennen, dass ohne Wind kein Strom ankommt. Wenn als Ersatz für Biblis A theoretisch die über 6000 Windräder errichtet würden und wenig Wind bläst, muss das Kraftwerk wieder liefern. Aber bei guten Windverhältnissen würde die Anlage ein Vielfaches des Bedarfs leisten können. Das Problem besteht bereits heute zeitweise. Deshalb muss bei weiterem Ausbau von Wind- und Solarstrom gründlich über die Folgen nachgedacht werden. Speichern kann man Windenergie nicht, weil keine Speicher so viel Kapazität haben, dass sie die langen windarmen Phasen ausfüllen könnten. Völlig abgesehen davon, dass Speicher mit so viel Leistung gar nicht denkbar sind. Mit Elektrolyse Wasserstoff oder Methan herzustellen und damit wieder Kraftwerke zu betreiben, scheitert an dem sehr schlechten Wirkungsgrad dieses Verfahrens. Strom von Photovoltaikanlagen zu speichern ist auch nicht sinnvoll, weil alle Speicher Energie vernichten und der Erntefaktor der Solaranlagen zu schlecht ist. Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass Photovoltaik nicht weiter zulasten von Verbrauchern gefördert wird. Mit Kraft-Wärme-Kopplung sind die Anpassungsprobleme der Stromnetze nicht zu lösen, weil der Wärmebedarf die Leistung bestimmt. Es gibt viele Gutachten von SRU, WBGU, Fraunhofer, Prognos und anderen, die auf hunderten von Seiten nachweisen, dass z.B. bis 2050 eine Versorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist. Alle machen den gleichen Fehler: Die Energie – kWh – wird betrachtet und nicht die Leistung – kW! Mit Wind- und Solaranlagen können keine Kraftwerke ersetzt werden! Mit den vorhandenen oder denkbaren Techniken ist eine Versorgung mit regenerativer Energie nicht möglich. In den Roh- und Abfallstoffen der Kernspaltung sind riesige Energiemengen, die wir heute nicht nutzen. Wissenschaftler arbeiten daran Verfahren zu entwickeln, mit denen diese Energie genutzt werden kann und die Strahlung auf Halbwertszeiten von Sekunden gemindert wird. Der Zugriff auf die Abfälle muss erhalten bleiben, wir brauchen keine Endlager. Für Fragen und weitere Informationen stehe ich gern zu Ihrer Verfügung. Ich würde mich über eine Antwort von Ihnen freuen.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Email. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Sie weisen zurecht auf die Rolle, die französische Kernenergie bei der Deckung der weggefallenen Leistung aus den abgeschalteten deutschen Atomkraftwerken hin. Deutschland muss sich hier entscheiden, ob es wirklich konsequent auf Atomstrom verzichten will und sich über die entstehenden Kosten und technischen Voraussetzungen im Klaren sein. Ebenso muss bei der Suche nach Alternativen zur heutigen Nutzung von Atomenergie ergebnisoffen vorgegangen werden, ohne dass bestimmte Technologien von vorneherein aus der Betrachtung ausgeschlossen werden. Gerade diese Debatte ist es, zu der Prof. Sinn beitragen will. Zu Ihrer Frage nach dem Stromhandel: An der Strombörse werden sowohl Grundlaststrom als auch Spitzenstrom gehandelt, der Spitzenbedarf an Leistung kann dabei auch reserviert werden. In Anhang finden Sie noch eine Ausarbeitung der AGEB zu der aktuellen Energieverbrauchsentwicklung bei, in der auch die Terminbörsen angesprochen werden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen
Diskussionsrunde über Atomausstieg und erneuerbare Energie am 14.04.2011 bei Maybrit Illner Sehr geehrter Herr Professor Sinn. Mit großem Interesse verfolgen meine Frau und ich die Diskussionen zu diesem Thema. Es ist immer der gleiche Ablauf. Es wird geredet und geredet. Wir haben den Eindruck, daß Politiker von dieser Materie überhaupt nichts verstehen. Sie sind nicht in der Lage, selbst etwas zu überdenken und nachzurechnen. Jeder dieser Leute kommt mit seiner eigenen Statistik. Es gibt wohl keine parteilose Statistik. Ist dann,wie gestern, Gott sei Dank, einmal ein Fachmann in Ihrer Person dabei, dann läuft das wie üblich ab. Wenn ein Fachmann beginnt Fakten logisch und auch für jeden verständlich darzulegen, wird dies sofort vom Gesprächsführenden, wie gestern Frau Illner, unterbrochen. Man will stundenlang reden, ohne etwas konkretes sagen zu müssen. Ständig wird einhellig behauptet, daß der Staat keinen Betrieb führen kann. Hier aber, wo es um um die wichtigste wirtschaftliche Entscheidung geht, da führen Personen Regie, deren Kompetenzbasis das Parteibuch ist. Die Qualifikation dieser Leute ist so hoch, daß sie in der Lage sind ausnahmslos jedes Ministeramt zu übernehmen. Das erinnert uns an frühere Zeiten. Es gilt die Devise ,erst mal machen, und dann schauen,was passiert. Es gibt endlose Beispiele von Gesetzen, die man dann hat und nicht mehr losbekommt. Was man mit der hochgelobten Solartechnik anrichtet, hochgelobt von denen, die daran verdienen, ist absoluter Schwachsinn. Das ist Aktionismus in Reinkultur. Wer sind wir denn, daß wir die Welt verändern wollen ? Was denkt wohl der Rest der Welt von uns? Grössenwahnsinnig? Das könnte es treffen. Wissen Deutsche immer alles besser? Nein, aber deutsche Politiker, die wissen immer, was andere Länder tun sollten. Mir scheint, Deutschland wird für den Betrachter von außen mehr und mehr zu einer amorphen Masse. Keine Fasson, keine Linie mehr in Ethik und Moral. Jeder Politiker darf mehrmals am Tag öffentlich seine Meinung ändern. Man nennt es freie Meinungsäußerung, jedoch entwurzelt man dabei alles. Diskussionen, wie gestern bringen gar nichts, wenn nicht vor Beginn der Diskussion Fakten auf den Tisch kommen, über die dann diskutiert wird. Solange jeder Politiker einen andere Zahl aus der Tasche ziehen darf, ist die Absicht klar; darüber reden, aber vernebeln. Klar ist, daß keiner höhere Kosten will. Klar ist, daß keiner bei sich Windräder will. Klar ist, daß keiner bei sich Oberleitungen will. Klar ist, daß keiner bei sich die Landschaft für Erdkabel aufgraben lassen will. Klar ist, daß niemand die Langzeitfolgen all dieser Dinge kennt. Klar ist, daß Japan hätte nie in diesen Regionen Atomkraftwerke bauen dürfen. Klar ist, daß in den gefährlichsten seismischen Zonen dann auch die gefährlichsten Tsunamis auftreten können. Klar ist auch, daß die sofortige öffentliche Erklärung von Frau Merkel "...kein Wissenschaftler dieser Welt konnte so etwas vorraussehen...", unqualifiziert war. Das war vorprogrammiert, das war nur eine Frage der Zeit. Das gilt aber nicht für Deutschland. Klar ist auch, daß die Energiekonzerne in der Frage des Gewinns auch in absoluten Zahlen rechnen, und den Ausfall dann an anderer Stelle einfordern werden. Klar ist auch, daß dem Höhenflug der Atomgegner der freie Fall folgen wird. Was also ist in den Köpfen der Politiker klar? Gar nichts. Ich meine, die Wissenschaft ist gefordert, alle Fakten zu erarbeiten, und öffentlich Verständlich darzustellen. Nur sie ist in der Lage eine sachliche Basis zu schaffen. Was jetzt läuft ist nur Parteipolitik. Das muß ein Ende haben; alles Tun muß ausschließlich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Interesse unseres Landes hoffe ich und viele in diesem Land, daß die Vernunft siegen wird. Ich hoffe auf Ihren ganz grossen Beitrag dazu. Es grüßt Sie hochachtungsvoll Dieter Hacke
Sehr geehrter Herr Hacke, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne in seinem Namen für Ihren Kommentar danken. Herrn Sinn ist es ebenso wie Ihnen ein besonderes Anliegen, dass von der emotionalen Diskussion in der Folge von Fukushima wieder zu einer sachlichen Diskussion übergegangen wird, die auf wissenschaftlich fundierten Grundlagen basiert. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, In der Kernenergieausstiegsdiskussion am 14.4.2011 im ZDF waren Ihre sachbezogenen Äußerungen ein Lichtblick. Herzlichen Dank! Die Diskussion zeigte deutlich, daß die Vernichtung der deutschen Kerntechnik sehr, sehr teuer wird. Kernstrom ist unverzichtbar, die "Energiewende" besteht darin, daß Deutschland vom Exporteur von Kernstrom zum Importeur wird. Halten Sie es für möglich, daß die Kerntechnik im Interesse der deutschen Bevölkerung noch zu retten ist? Wäre ein Zusammenschluß von denkenden Fachleuten möglich? Kopien sende ich an eine Reihe von Fachleuten. Mit freundlichen Grüßen Hans Penner
Sehr geehrter Herr Penner, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und Ihren Kommentar danken. Ich persönlich denke, dass die langfristige Prognose für die Kernenergie in Deutschland stark von der weiteren Entwicklung in Fukushima abhängen wird. Es darf allerdings auch nicht vergessen werden, dass der Ausstieg aus der Kernenergie vor Fukushima und vor dem "Ausstieg vom Ausstieg" bereits schon einmal beschlossen wurde. Insofern würde ich zumindest kurzfristig nicht mit einer Umkehr der grundlegenden Entwicklung rechnen. Wichtig erscheint vor allem, dass in der zur Zeit noch sehr emotionalen Debatte keine überstürzten und potentiell langfristig sehr teuren Entscheidungen gefällt werden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Atomdebatte bei Illner vom 15.04. 2011 Sehr geehrter Herr Dr. Gaulke , Während der Sendung konnte ich feststellen, dass durch die Ausführungen von Herrn Professor Sinn endlich einmal versucht wurde die richtige Bezugsgröße ,nämlich den Primärenergiebedarf in Bezug zu den erneuerbaren Energien zu stellen. Versucht leider deshalb, weil die Moderatorin diese Art der Diskussion ständig abwürgen wollte. Ich bin der Meinung,dass wir weltweit ab 2020 eine, sich langsam aufbauende Versorgungslücke in der Beschaffung des Weltprimärenergiebedarfs erleben werden, gerade zu dem Zeitpunkt, wo wir unsere Kernkraftwerke abschalten sollen. Seit Beginn des 21.Jahrhundert wird sich der Primärenergiebedarf bis zum Jahr 2050 mindestens verdoppeln,aufgrund der weiteren Explosion der Weltbevölkerung und des verstärkten Zugriffs der Schwellen/Entwicklungsländer auf die fossilen Energieträger. Man kann davon ausgehen, dass bis 2020-2030 die Erdölreserven und die Erdgasreserven weitgehend abgebaut sind und danach die Kohle bis 2050-2060 ebenfalls.Selbst eine Verschiebung um 10 oder 20 Jahre löst unsere Probleme nicht. Das bedeutet auf jeden Fall, dass die Nachfrage das Angebot übersteigen wird und die Preise dramatisch steigen werden.Zur Zeit wird der Energiebedarf der Welt zu 99 % durch fossile Energieträger gedeckt, die erneuerbaren Energie spielen keine Rolle und werden es auch zukünftig nicht können, weil deren Energiedichte im Vergleich zu den fossilen Energieträgern etwa 10 (exp -9 ) bis 10 (exp - 17) mal kleiner ist, bezogen auf KWh /m³. Im Vergleich zur Kernenergie beträgt der Faktor sogar 10 (exp -21 ). Natürlich kann man in Deutschland längerfristig ,entspechend teuer,und einschließlich eines Landschaftsumbaus die 23 % der Stomgewinnung aus Kernenergie durch erneuerbare Energie ersetzen, aber gegenüber den zu erwartenden Problemen bringt uns das überhaupt nicht weiter, sondern kehrt sich sogar ins Negarive , weil wir unsere finanziellen Ressourcen verschwenden und unseren Anschluss an die Entwicklung von inhärenten und absolut sicheren Reaktoren aufzugeben. Zur Zeit wird in Deutschland der Primärenergiebedarf zu 9 % durch erneuerbare Energien gedeckt,( berechnet nach der Wirkungsgradmethode, sonst sind es nur 5 % ) davon werden um 6 % durch biogene Stoffe aller Art und durch Wasserenergie bereit gestellt, entscheident ist aber, dass sich dieser Anteil aus eigenen ,deutschen Quellen nicht mehr vergrößern lässt. 3 % zum Primärbedarf werden durch Wind-und Solarenergie aufgebracht. Wobei die Photovoltaik mal gerade 0,5 % liefert.Besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass für die Photovoltaik im Jahr 2010 19,5 Mrd € für Investitionen ausgegeben wurden. Damit hat sich die Photovoltaik in Deutschland von einem Energieentwicklungsprogramm in ein staatlich abgesichertes Renditeprogramm entwickelt. Ich bin der Meinung, dass die sich auftuende Versorgungslücke durch den Abbau der fossilen Energieträger ,wenn überhaupt ,nur durch die Option der Kernenergie abgemildert werden kann. Dies setzt aber voraus, dass man bei der weiteren Entwicklung der Kernenergie auf den, in Deutschland ,in den 80ziger Jahren entwickelten Hochtemperatuereakrtor , der heute in den Staaten, in China und anderen Ländern als die 4te Reaktorgeneration und als inhärenter kleiner Reaktor weiter entwickelt wird ,zurück greift. Desweiteren müsste die bereits begonnene Entwicklung der Hybridreatoren zur Entsorgung des radioaktiven Abfalls voran getrieben werden, sowie die Nutzung von Thorium zur Erweiterung der Kernbrennstoffe für weitere 200 Jahre um Zeit zu gewinnen, für die Entwicklung und den Aufbau von Fusionsreaktoren. Ich bin sicher, dass andere Länder diesen Weg gehen werden, denn falls uns dies nicht gelingen wird, bedeutet das für die gesamte Menschheit ein Absinken auf einen Lebensstandard den sich vor allem die Industrienationen nicht vorstellen können. P.S. Eine detaillierte Zusammenfassung der Energieproblematik gibt es in dem Buch von : Professor Dr. Dietrich Pelte " Die Zukunft unserer Energieversorgung " eine Analyse aus mathematischen - naturwissenschaftlicher Sicht Vieweg + Teubner / GWV Fachverlag Gmbh , Wiesbaden Dieses Buch ist mit Abstand das Beste und übersichtlichste was ich zu dem Thema Energieversorgung gefunden habe. Warum gibt es die Sendungen zu dem Thema Energie immer nur mit Juristen und sogenannten Experten, aber selten mit fundierten Wissenschaftlern, wie Professor Pelte ? Ich hoffe, ich habe Sie mit meiner Mail nicht zusehr belästigt, aber es war mir eine Freude in der o.g. Sendung durch Herrn Professor Sinn meine Meinung zu diesem Thema wenigstens teiweise bestätigt zu sehen, vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen Burkhard Franke
Sehr geehrter Herr Franke, Herr Gaulke hat Ihre Email an mich als Leiterin des Bereichs Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen am ifo Institut weitergeleitet und ich möchte mich auch in seinem Namen für Ihre ausführliche Stellungnahme bedanken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Doktor Sinn, Angesichts der öffentlichen Diskussion zukünftiger Energiesysteme in Deutschland schicken wir Ihnen unser Positionspapier (Anlage 1) zum Thema „Nutzung der bestehenden Energie-Speicher Strom und Gas in einem intelligenten Verbund-Regelsystem in Deutschland“ zu. Dieses Regelverbundsystem baut auf die Naturgesetze auf, das die unregelmäßig vorhandene Kraft von Sonnenlicht und Wind mit der regelmäßig nutzbaren Kraft des biologischen Lebens verbindet. Damit ist die freie, regenerative Biomasse gemeint, nicht zu verwechseln mit den Biofrüchten der heutigen Bio-Kraftstoffe. Die Abfall-Biomasse und ihre bakterielle Zersetzung, bei der Biomethangas entsteht, ist ein Geschenk der Evolution, die uns täglich im Leben begegnet (Klärgase, Verdauungsgase, etc.). Auf der Suche nach einer nachhaltigen „Erneuerbaren Energie“ (EE) hat die AIR-LNG GmbH Bonn im Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramms der Bundesregierung sensationelle Erkenntnisse gewonnen. Die Erde verfügt über ausreichende Ressourcen einer solchen freien Abfall-Biomasse, um damit unseren langfristigen, regenerativen Energiebedarf CO2-neutral decken zu können (Anlage 2: Strategiepapier I, Anfall Biomasse). Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist die Menschheit aufgefordert, eine globale „Abfall-Biomasse-Kreislaufwirtschaft“ (ABK) zu organisieren, um diese freie Biomasse zu sammeln und mit evolutionärer, bakterieller Unterstützung zu einem hochgradigen Wasserstoffträger CH4 (Biomethan) zu wandeln. Aus Biomethan kann ein hocheffizienter, flüssiger Energieträger Bio-LNG hergestellt werden, indem das Biomethangas auf seinen Siedepunkt (-164°C) gebracht wird. Dabei wird das Gas flüssig und erreicht die 600-fache Energiedichte. Mit LNG kann sowohl der gesamte Kraftstoffbedarf aller mobilen Verkehrsträger als auch zusammen mit Biomethan die Grundlast der erneuerbaren Stromproduktion der Welt bedient werden (Anlage 3: Strategiepapier II, Verwendung Biomasse), ohne die Nahrungsmittelkette tangieren zu müssen. In der Transitionsphase von fossil zu regenerativ kann Erdgas mit Biomethan beliebig gemischt werden (gleiches Molekül), sodass auch der Transport und die Speicherung in heutigen Gaspipelinesystemen möglich ist. Dieser nachhaltig verfügbare, regenerative Kraftstoff hat außerdem das Potential preiswert, energieeffizient (Anlage 4: Datenblatt) und kurzfristig in einem von uns entwickelten Regelverbundsystem Bio/Wind/Sonne (mit Stromspeicherkapazität) dezentral hergestellt zu werden. Bio-LNG passt sich 1:1 an die bestehende Erdgas- und LNG-Infrastruktur an, baut auf ihr auf und erfüllt als einziger bekannter Energieträger die ehrgeizigen europäischen Klimaziele. Die Antriebstechnologie mit ihren Hochleistungs-Verbrennungsmotoren ist das Herz der uns tragenden Mobilitätswirtschaft. Gemeinsam mit Bio-LNG als Kraftstoff der Zukunft können wir die Wende zur erneuerbaren Energie einleiten und Deutschland den entscheidenden wirtschaftlichen Impuls geben. Mit unseren Partnern, der innovativen Bio-Chemie-Anlagentechnik, kann in ca. 30 Jahren der gesamte mobile Verkehr treibhausgasneutral umgestellt werden. Damit ist die an die Industrie gestellte Herausforderung, einen alternativen Kraftstoff zu entwickeln, der Klima- und Umweltschutz mit Ökonomie und regenerativer Verfügbarkeit nachhaltig verbindet, erfüllbar. Unsere Roadmap beschreibt ein von uns weitgehend patentrechtlich abgesichertes Verbundsystem, mit dem im ersten Schritt noch in diesem Jahr ein extrem sauberes, preiswertes Flüssiggas, eine Mischung aus 30% Bio-LNG mit LNG-Methangas, geliefert werden kann. Mit Ihm können bereits in 10 bis 20 Jahren alle Verbrennungskraftmaschinen der Stromerzeugung sowie der deutsche Land- und Seeverkehr auf 50% CO2-Minderung umgestellt werden. Im zweiten Schritt kann in 20 bis 30 Jahren ein Weg hin zu einer absoluten Treibhausgasneutralität, einschließlich der Bedienung der globalen Luftfahrt beschrieben werden. Beide Schritte verbessern die heutige Unfall-Sicherheit und garantieren einen 100%igen Kontaminierungsschutz von Wasser und Erde. Weltweit sind bereits mehr als 10 Mio. Fahrzeuge mit komprimiertem Erdgas (CNG) und Biomethan im Einsatz (siehe NVGA*)), so auch viele Stadtbusse und kommunale LKWs auch bei uns. Die ersten Schiffe fahren in Norwegen mit LNG und die ersten LKWs in Kanada, Indien, Holland und Skandinavien bereits mit Bio-LNG, uns droht ein Dominanzverlust. Deutschland hat die große Chance mit gutem Beispiel voranzugehen und seinen gesamten öffentlichen Transportsektor ökonomisch und ökologisch weltweit vorbildlich zu gestalten und den derzeitigen Wirtschaftsaufschwung trotz global steigender Energiekosten zu stabilisieren. In Anbetracht der Bedeutung dieses wichtigen Themas freuen wir uns auf ein Feedback Ihrerseits und stehen sehr gerne für weitere Informationen und Fragen zur Verfügung.
Sehr geehrter Herr M., da Herr Sinn aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten konnte, möchte ich Ihnen stellvertretend sehr herzlich für Ihre Informationen und Positionspapiere danken. Sollten dazu Fragen aufkommen, so würden wir gerne auf Ihr Angebot zurückkommen und uns bei Ihnen melden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: Das Duell bei NTV am 11.04.2011 1. Sehr gute, treffende und anschauliche Argumente 2. Leider werden immer folgende Argumente vergessen: a) Das Verhältnis der "Eierschale" unserer Erde und dann 100%ige Sicherheit fordern; b) Bei dem Verweis auf die Gefahren für unsere Nachkommen vergißt man leider die leergebrannte Erde (Buch von H. Guhl: "Ein Planet wird geplündert"); c) Wenn denn die Endlagerung sorgfältig und rückholbar erfolgt -und nicht wie in Asse einfach abgekippt wird- werden nachfolgende Generationen neu entwickelte Verfahren zur Unschädlichmachung anweden können. Ein vielleicht vorläufiges Endlager z. B. in Gorleben ist bestimmt auch als Übergang besser/ sicherer als X- Zwischenlager!
Sehr geehrter Herr P., da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und Ihren Kommentar danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Sinn, ich kann verstehen, dass sie und von ihnen vertretene Gruppierungen der Gesellschaft ein Interesse an der Fortführung der Atomkraft haben. Wenn sie jedoch vor den Kosten warnen, dann bitte ich sie doch um Ehrlichkeit. Sagen sie der Bevölkerung doch, dass der Strom sie bisher nicht so viel gekostet hat, wie sie auf der Stromrechnung sahen. Sagen sie ihnen doch, dass rund 700 Milliarden Euro an Atom-Subventionen gezahlt wurden. Die Steuern haben wir Bürger gezahlt (wäre schön, wenn sie mal vorrechnen wie viel uns die Kilowattstunde tatsächlich gekostet hat). Sagen sie den Bürgern doch, dass sie nicht nur den Strompreis zahlen, sondern mit den Steuern auch das Milliardengrab Asse etc. finanzieren und finanziert haben. Bitte machen sie sich nur durch Verschweigen dieser Fakten der Lüge schuldig, sondern bekennen sie Farbe und sagen sie, dass diese Milliarden ihrer Meinung nach besser ausgegeben sind und waren als die, die neue Netze und der weitere Ausbau der Erneurbaren Energien kosten. Verbreiten sie nicht nur Halbwahrheiten.
Sehr geehrter Herr R., da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. In einer Live-Fernsehsendung können leider nicht immer alle Aspekte eines Themas angesprochen werden. Herr Sinn hat z.B. in seinem Beitrag im Handelsblatt vom 29.3. explizit auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Versicherungen für Atomkraftwerkbetreiber zu erhöhen und so eine Annäherung an die tatsächlichen Kosten der Atomenergie zu erhalten. Ich stimme Ihnen zu, dass die Preise, zu denen Atomstrom angeboten wird, nicht die wahren Kosten für die Gesellschaft (incl. Wiederaufbereitung, Zwischen- und Endlagerung, Versicherung der bei einem Unfall zu erwartenden Schäden,…) wiederspiegeln. Hier sollte die Transparenz erhöht werden. Daten zu expliziten und impliziten Subventionen der Vergangenheit stehen zwar zur Verfügung, werden aber häufig nicht beachtet. Entscheidend ist, dass bei der Kalkulation alternativer Energieszenarien für die Zukunft sämtliche Kosten berücksichtigt werden und diese einander systematisch gegenüber gestellt werden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr verehrter Herr Sinn, es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen nach der Sendung von Maibrit Illner für Ihre Standhaftigkeit zu danken, mit der Sie schlichte Fakten nennen. Egal, wie man zur Atomkraft steht, dieses naive Gerede über den Atomausstieg und über alternative Energien ist nicht mehr zu ertragen. Wer als Ingenieur mal den Taschenrechner in die Hand nimmt kann Ihnen nur zustimmen. Das schlimme ist nur, die Politiker glauben an ihr Gerede oder werden von der breiten Bevölkerung und auch den Medien vor sich hergetrieben mit einem Wunschdenken von alternativen Energieformen, das reine Fiktion ist. Dabei geht ihnen jegliches Gefühl für Proportionen verloren und auch für das technisch Machbare. „Nur ein bisschen Forschen Fördern und dann geht das schon“ ist ein weit verbreiteter Irrtum, aber wem sag ich das. Gemeinsam mit 16 mittelständischen, Schweizer Unternehmern habe ich vor 14 Tagen das neuste und grösste Schweizer KKW in Leibstadt besucht. Leibstadt erzeugt aus 3600 MW thermischer Energie 1250 MW Strom für ca. 1,2 Mio. Personen und braucht dafür pro Tag ca. 75kg Uran, davon ca. 2,5kg spaltbares Uran 235. Dies entspricht einem Äquivalent von mehr als 10.000 Tonnen Kohle, das sind 180 Güterwagons Kohle, pro Tag! Mehr als 6000 Windkraftanlagen wären dafür nötig, diese Energie zu erzeugen, vorausgesetzt, der Wind weht (mit mehr als 4,5 m/s). Wer hier von schnellem Atomausstieg redet träumt. Auch ich bin für alternative Energien, vieles ist möglich, dezentrale Kraft-Wärmekopplung etc. Hier ist mehr möglich als viele glauben. Zudem sollte das Quasi-Kartell der 5 grossen Energie-Konzerne aufgebrochen werden, die mit Heerscharen von Lobbyisten Berlin im Griff haben. Ich fürchte nur, Berlin wird wieder irgendwelche unsinnigen Förderprogramme auflegen wie die Solarförderung, die nur Aktionäre und ausländische Hersteller reich gemacht haben. Die gleichen Fördermittel hätten im Bereich der Wärmedämmung von Wohnung einen weit grösseren Einspareffekt erzielt. Ihnen jedenfalls nochmals ein Dankeschön. Sie sind eine erfrischende Bereicherung der Medien-Szene. Bleiben Sie so standhaft.
Sehr geehrter Herr B., da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen für Ihre zustimmenden Worte danken. In der gegenwärtigen emotionalen Debatte um den Atomausstieg fehlt tatsächlich die Ruhe und Sachlichkeit Alternativen systematisch gegeneinander abzuwägen. Die Gefahr ist hoch, dass anstelle eines langfristig tragbaren Konzeptes schnelle Lösungen gesucht und gefunden werden, die zu überhöhten Kosten und damit zu unnötigen volkswirtschaftlichen Belastungen führen. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: Sendung Mybrit Illner 14.04. Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich lasse mich selten dazu hinreißen, irgendwelche öffentliche Auftritte im Fernsehen zu kommentieren. Dennoch will ich das hiermit tun. Ihre Argumente, die gegen einen schnellen Ausstieg aus der Kernenergie sprechen unterstütze ich voll und ganz. In gleicher Weise kritisiere ich ebenfalls die Augenwischerei die mit emotionalen Debatten über die Kernenergie betrieben wird. Windkraft und Solarenergie werden in naher Zukunft nicht den gesamten Energiebedarf in Deutschland decken können. Da müssen dann schon andere Lösungen wie Fusionsreaktoren her - aber das könnte ja auch wieder "böse" sein. Im Übrigen sind statistisch und emotionsfrei betrachtet die Menschen die durch Radioaktivität mittelbar und unmittelbar umgekommen sind (selbst wenn man Hiroshima und Nagasaki hinzunimmt) eher gering einzuschätzen. Da ist morgendliche Fahrt mit dem Auto in die Arbeit deutlich riskanter.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Was die zweite Diskussionsrunde im ZDF zum Thema "Ausstieg aus der Kernenergie" offen legt, macht mir richtig Angst. Nicht die Gefahren durch die Kernreaktoren machen mir Angst, sondern die Abgründe an Ignoranz unserer Volksvertreter in Bezug auf marktwirtschaftliche Zusammenhänge. Das Ganze kommt mir vor die Situation eines Flugzeugingenieurs, der für die Entwicklung eines fortschrittlichen Hubschraubers auf die Zustimmung des "mündigen Bürgers" angewiesen ist, dessen Erfahrungen im Flugzeugbau sich auf seine Versuche mit einem Legobausatz beschränken. In einem Glaubenskrieg, zu dem sich die wild entschlossene Suche nach dem ökologischen Glück inzwischen entwickelt hat, werden Hinweise auf Hindernisse als verlogene Störmanöver betrachtet. Das führt dazu, dass die Überbringer schlechter Botschaften als Feinde gesehen werden. Die Stromkonzern-Dinosaurier müssen, koste es, was es wolle, von den Liliputanern, die ihren Strom aus ihrer Heizung zaubern, gefesselt werden. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Bundesbürger seinen Strompreis, geschweige denn seinen Verbrauch im Kopf, hat und damit auch überhaupt beurteilen kann, was eine weitere Preiserhöhung um einige Cents für ihn bedeutet. Wenn Sie argumentieren, dass eine Zunahme des Erzeugerpreises um 3,5 cts dramatisch ist im Vergleich zu den derzeit an der Börse gehandelten 5 cts, dann stößt das im besten Fall auf Unverständnis. Leider kenne ich auch keine Patentlösung für die Auflösung der Konfrontation. Da auch gestern Abend viel von Investitionen die Rede war, ist mein Vorschlag, bei den Hausaufgaben, die die Stromerzeuger und industriellen Nutzer zur Zeit machen, eine für kapitalintensive Anlagen maßgebliche Kennzahl, das spezifische Invest für den pro Jahr tatsächlich abgelieferten Strom (EURO/MWh x Jahr) zu klären für die zur Diskussion stehenden Varianten: • Gaskraftwerke • Kohlekraftwerke ohne und mit CO2-Lagerung • Windparks einschließlich Netzausbau und Speicherkapazitäten • Wasserkraftwerke • Stromerzeugung durch Wärmekopplung in privaten Haushalten. • Solarstrom Das spezifische Invest pro abgelieferte MWh dürfte bei den zur Diskussion stehenden Varianten drastisch unterschiedlich sein, könnte aber von weiteren Träumereien wie beim Solarstrom abhalten, wenn die Bedeutung dieser Kennziffer von einer breiten Öffentlichkeit verstanden wird. Statt der Kosten der Stromerzeugung, die man als internes Problem der "reichen" Stromkonzerne ansieht, sollte die Motivation für Investitionen in den Vordergrund gestellt werden. Den Leuten muss klar werden, dass ohne Motivation für wirtschaftlichen Erfolg sich niemand bewegen wird. Zudrehen von Geldquellen und Gängelung sind keine Motivation. Um die Bedeutung des spezisfischen Invest dem in Investitionsentscheidungen unerfahrenen Bürger nahe zu bringen, braucht man ein einfaches Bild aus dem täglichen Erfahrungsbereich. Als Analogie könnte ein Hauskauf dienen: "Ich würde mir gern ein Niedrigenergiehaus für 6.000 €/m² kaufen, kann mir aber leider nur ein konventionelles Haus für 3.000 €/m² leisten." Solange ich nicht weiß, wohin die Reise geht, verschiebe ich meine Hausinvestition erst mal. Einleuchtende Bilder wie die Dame aus Bremen, die von den Geräuschen benachbarter Windräder krank geworden ist, regen eher zu Nachdenken an als von Diskussionsteilnemern zitierte Zahlen zwischen 3 und 17% (?) für den Anteil an Windkraft. Das abstrakte Vorstellungsvermögen kann mit Bildern aus Japan einfach nicht mithalten. Noch ein letzter Gedanke: Die Banken haben es verstanden, Ihren Kopf mit der "Systemrelevanz" aus der Schlinge zu ziehen, die übersetzt in die Alltagssprache bedeutet: Wenn wir untergehen, geht Ihr alle mit uns unter. Bei der Energieversorgung der Industrie geht es ja auch um die berühmte Kuh, die man nur melken kann, wenn sie ausreichend Futter bekommt. So wie es die Banker und die Bauern geschafft haben, ihre Sorgen in einfache Bilder zu transponieren, müssen die Naturwissenschaftler und Ingenieure schleunigst eine einleuchtende Bildersprache entwickeln, um gehört zu werden. Auf jeden Fall wird das ein langer und sehr mühsamer Weg, bis alle verstanden haben, was heute auf dem Spiel steht.
Sehr geehrter Herr F., da Prof. Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich es übernommen. Prof. Sinn geht es, ebenso wie Ihnen, um eine Versachlichung der Debatte. Dies bedeutet insbesondere, die verschiedenen Alternativen in der Energiepolitik hinsichtlich Ihrer Umsetzbarkeit und Kosten zu beurteilen. Sie haben recht, dass die Informationen so dargestellt werden müssen, dass Sie einfach, schnell erfassbar und vergleichbar sein müssen. Allerdings muss ebenfalls sichergestellt werden, dass die zugrunde gelegten Zahlen die Kosten der jeweiligen Systems umfassend darstellen. Dies betrifft neben Kapitalinvestitionen u.a. die direkten Kosten pro produzierter MWh, die Lebensdauer der jeweiligen Anlagen, Folgekosten und CO2-Emissionen. All diese Informationen müssen in eine Form gebracht werden, die eingänglich und verständlich ist. Ich stimme Ihnen zu, dass wichtige Informationen zu häufig in der öffentlichen Debatte untergehen, da sie zu komplex dargestellt werden. Dementsprechend danke ich Ihnen für Ihre Anregung. Mit freundlichen Grüßen Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind Sie mir die Antwort auf meine Frage schuldig geblieben. Nehmen wir nun mal an, dass die Gewinnung aus dem Meerwasser und die Brütertechnologie irgendwann mal funktionieren sollte. Was ist danach? Sprich, wenn diese Vorräte auch aufgebraucht sind. Wie wollen wir dann unsere Energie erzeugen? Ich bedanke mich nochmals im Voraus für Ihre Antwort!
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Nachfrage. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Wie Herr Sinn bereits schrieb, ist der Zeithorizont dieser Technologien sehr lang, weit über die von Ihnen genannten Zeiträume hinaus (die Nuclear Energy Agency spricht von potentiell Tausenden von Jahren). Was danach sein wird, ist aus heutigen Sicht nur schwer einzuschätzen. Eine technische Option ist die Kernfusion. Des Weiteren sollte die Fähigkeit der Menschheit, neue Technologien zu entwickeln, die heute noch utopisch erscheinen, nicht unterschätzt werden. Vor ca. 150 Jahren wurde vom britischen Ökonomen W. Jevons in seinem Buch "The Coal Question" die These vertreten, dass die wirtschaftliche Entwicklung zum Stillstand kommen muss, da die Kohlereserven als Hauptenergielieferant der damaligen Zeit zwangsläufig zur Neige gehen müssen. Wie bekannt, sind die Kohlereserven auch heute noch lange nicht erschöpft und an die Stelle der Kohle sind alternative Energieträger getreten, die damals noch nicht denkbar waren. Die Annahme, dass auch in der Zukunft neue Verfahren entwickelt werden, erscheint mir daher durchaus gerechtfertigt. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zur Zeit ist die Energiedebatte im vollem Gange. Von allen Seiten hört man unterschiedliche Meinungen, die in den einzelnen Argumentationen oft plausibel klingen. Ich möchte mir selber ein differenziertes Bild aneignen. Ich habe Sie gerade eben bei Anne Will verfolgt und viele Argumente waren schlüssig. Aber bei einem Argument wollte ich eine generelle stellen. Sie sagten ohne Fossile Energieträger ist die Stromversorgung nicht möglich, da es die Erneuerbaren nicht schaffen. Deswegen meine generelle Frage. Irgendwann werden alle fossilen Energieträger inklusive Uranvorkommen aufgebraucht sein. Um das jetzt in 70, 100, 200,500 Jahren ist, ist mal dahingestellt. Wie wird die Menschheit dann Energie herstellen? Ich würde mich sehr freuen auf eine Antwort und bedanke mich im Voraus für Ihr Bemühen. Alles Gute!
Sehr geehrter Herr S., es ist mehr Kohle da, als wir in der Atmosphäre ablagern können. Kernkraft war die Hoffnung auf Ersatz der Kohle. Wenn wir aussteigen, stehen wir mit leeren Händen da. Windflügel werden den Ersatz nicht bringen können, weil die Kapazität zu klein ist. Kapazitätsprobleme beim Uran gibt es nicht, weil die Laufzeiten durch schnelle Brüter um den Faktor 60 vergrößert werden können. Außerdem kann man Uran aus dem Meerwasser herausfiltern. Bei der Kernkraft stellt sich nur das Problem der Gefahr, das man aber nicht verabsolutieren darf, denn alles ist gefährlich. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Diskussionsrunde bei Maybrit Illner Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank dafür, dass Sie heute Abend in der Diskussionsrunde bei Maybrit Illner als einzigster den Industriestandort Deutschland verteidigt haben. Sie haben realistisch aufgezeigt was die erneuerbaren in Deutschland leisten können und was nicht. Es wäre wünschenswert und wichtig so sachlich und ehrlich über den bisher sehr guten Enerhiemix in Deutschland zu diskutieren wie Sie es tun, damit die Bürger in der Lage versetzt werden wenigstens halbwegs objektiv eine Meinung zu bilden. Vielen Dank dafür.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für diesen Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Dear professor Sinn, Your contribution to the Maybritt Illner programme was sane and exactly on the mark! I have watched ARD and ZDF since 11 March and have been/continue to be dismayed and astonished by their irrational, hysterical mode of reporting. The Energiewende now planned in your country is an economic and ecological disaster. As you emphasized, sun and wind are far too diffuse to gather economically in the quantaties required in a postmodern industrial society like yours and mine. What germany needs in the next twenty years is all safe AKWs to run for 60 years and the construction of another thirty type 4 and 5 (breeder) reactors to replace all coal power stations. Thanks for your ratioanl analysis!!
Dear Mr. L., Thank you very much for your comment. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Betreff: Atom-Angst: Wie teuer kommt der schnelle Ausstieg? (Maybrit Illner vom 14.4.2011) Sehr geehrte Damen und Herren Diskutanten, mit Interesse habe ich die Sendung verfolgt und mir ab und zu Notizen gemacht, auf die ich im Folgenden gerne eingehen will. a) Stromimporte aus dem Ausland Deutschland importiert seit dem Herunterfahren der Alt-Meiler wieder mehr Strom. Dies ist aber kein Zeichen einer Stromlücke oder fehlender Kraftwerkskapazitäten, sondern ein marktgetriebener Mechanismus. Der Nachtstrom ist in Frankreich einfach billiger als in Deutschland, deswegen wird er importiert. Während der Mittagsstunden exportiert Deutschland nach wie vor hochpreisigen Peak-Strom, weil dieser hierzulande günstiger als im benachbarten Ausland ist. b) Neubau von Kraftwerken Gaskraftwerke sind in 2-3 Jahren errichtet und können einen drohenden Kapazitätsengpass durch plangemäßes Abschalten weiterer Kernkraftwerke sowie altersbedingte Außerbetriebnahmen von Kohlekraftwerken bis 2020 ausgleichen. Etliche größere und mittlere Stadtwerke haben bereits Pläne in der Schublade, die auch kurzfristig angegangen werden können. Das Preisrisiko für Erdgas scheint aufgrund des "Gas Gluts" (Fatih Birol, IEA) in der kommenden Dekade gebannt. Bei Kernkraftwerken ist eine negative Lernkurve festzustellen, d.h. sie werden spezifisch immer teurer. Der EPR in Olkiluoto wird auf über 3000€/kW geschätzt. Die Citibank gibt zur Kernenergie die Einschätzung ab: "New Nuclear – The Economics Say No" [1] und auch das MIT spricht in seiner Studie "The Future of Nuclear Power" davon, dass in liberalisierten Märkten Kernenergie im Vergleich zur Gas & Kohle nicht wettbewerbsfähig ist (Update von 2009). Der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien ist aus meiner Sicht insbesondere vor dem Hintergrund der gereiften EE-Industrie durchaus zu stemmen. In China wächst die Windenergie schon im zweiten Folgejahr mit knapp 100%, etwa die Hälfte des Weltmarktes wurde dort 2010 verbaut. Ich erwarte ähnliches beim PV-Sektor, sobald das chinesische EEG für die Sonnenenergie scharfgeschaltet wird (bislang gibt es dort nur Ausschreibungen für "Feldtestanlagen" in MW-Bereich) und die aufgebauten Produktionskapazitäen auch auf den Heimatmarkt wirken. Im Vergleich zu dieser Expansion ist die notwendige deutsche Marktentwicklung bei PV und Wind als harmlos zu bezeichen. c) Speichertechnologien und Netzausbau Der räumliche Ausgleich von Fluktuationen über das Netz ist aufgrund der höheren Wirkungsgrade volkswirtschaftlich zu bevorzugen. Nichts desto weniger können auch Netze nur Quellen mit Senken verbinden. Ist dieses Potential erreicht ("Kupferplatte"), so werden Speicher notwendig. Zudem kann auch bei langwierigem Leitungsbau die zweitrangige Lösung der Verstärkung der Speicherinfrastruktur kurzfristigere Umsetzungserfolge feiern. Neben den Stromspeichern im engeren Sinne sind auch funktionale Stromspeicher (DSM, therm. Speicher mit Koppelung zur Elektroenergie, etc.) zu betrachten. Wichtig ist bei der Speicherbedarfsanalyse eine spektrale Zerlegung der auszugleichenden Restlast: je nach Frequenzbereich wie Stunde, Tag, Woche, Jahr und Auslastung d.h. "Spitzenlast-" bzw. "Mittellast"speicher sind unterschiedliche Speichertechnologien in Form einer Merit-Order-Matrix kostenminimal. d) Energieeffizienz Das Energiesystem Deutschlands besteht, wie in der Runde angesprochen, nicht nur aus dem Stromsektor, sondern neben der Industrie auch aus den Haushalten (3/4 davon Heizwärme) und dem Transportsektor (Kraftstoffe). Im großen Feld der Raumwärme ist die kapitaleffektivste Methode für Einsparungen die Sanierung der Heizung. Im Segment der stromverbrauchenden Heizungen wäre dies also der Austausch von Nachtspeicherheizungen durch Wärmepumpen bzw. bei den gasverbrauchenden Heizungen ist die nächste Effizienzstufe die stromerzeugende Heizung (Mini-BHKW bzw. Umstellung auf Nah/Fernwärme). Im Verkehrssektor ist momentan das E-Auto groß in Mode, aber CO2-Einsparungen lassen sich viel schneller durch eine stärkere Marktdurchdringung der jetzt schon kaufbaren Erdgasautos erzielen, ggf. auch als Hybrid-Antrieb. f) Wer bezahlt es? Am Ende bezahlt es immer der Kunde bzw. der Verbraucher oder auch Bürger. Man kann natürlich Szenariorechnungen aufmachen, in denen bei konstantem Grundlastband aus Kernenergie und zunehmenden EE-Einspeisern diese beiden Elemente in einer Hammer (EE) und Amboss (KKW) Bewegung den Strompreis häufiger in Richtung der marginalen Grundlastkosten gedrängt hätten. Das führt zu einer Investitionszurückhaltung. Für den Aufbau der Speicher sowie für die Erneuerung des konventionellen Kraftwerksparks müssten dann zusätzliche Anreize geschaffen werden, die am Ende ebenfalls der Endverbraucher zahlt. Ansonsten hätte man einen ausblutenden und überalterten Anlagenpark, der dann nach den ersten sichtbaren Defekten in einer Hau-Ruck Aktion zu sanieren wäre. Eine hysteresearme Investitionscharakteristik mit gleichmäßigen Umsätzen für Neuanschaffung sehe ich für das Gesamtsystem als wünschenswerter an. Mit Clausthaler Glückauf, Gunnar Kaestle [1] https://www.citigroupgeo.com/pdf/SEU27102.pdf [2] http://web.mit.edu/nuclearpower/
Sehr geehrter Herr Kaestle, lassen Sie mich Ihnen bitte, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, für Ihren ausführlichen Kommentar danken. Sie haben natürlich recht, dass der Import von Atomstrom auf Marktmechanismen zurückzuführen ist. Sollte allerdings darauf verzichtet werden, so ist müssten die wegfallenden Importe zumindest zum Teil durch Kohlekraftwerke übernommen werden, die einen schlechteren Wirkungsgrad als bisher aktive Kraftwerke aufweisen. Entsprechend käme es zu einem Anstieg der Nachfrage nach CO2-Zertifikaten in Deutschland, was die Preise für Strom weiter steigen ließe. Mögliche Knappheiten in der kurzfristigen Versorgung würden entsprechend dem Marktmechanismus zu weiter steigenden Preisen führen. Auch bei Kernenergie müsste natürlich mit den wahren volkswirtschaftlichen Kosten kalkuliert werden. Erweiterte Versicherungspflichten für Atemkraftwerkbetreiber würden eine derartige Einpreisung zumindest partiell erreichen. Ebenso ist unumstritten, dass verschärfte Sicherheitsvorschriften und Sicherungssysteme wie beim EPR ihren Preis haben. Grundsätzlich ist ein Ausbau der erneuerbaren Energien zum Ersatz des Atomstroms sicherlich machbar. Insgesamt sollte bei der Diskussion um den Atomausstieg allerdings nicht das langfristige Ziel der Energiewende, die Reduktion der Emissionen aus fossilen Energieträgern, aus den Augen verloren werden. Bei der Kombination mit Gaskraftwerken muss entsprechend bedacht werden, dass auch diese wiederum CO2 ausstoßen. Ein effizienter Ausbau von Wind- und Sonnenenergie setzt zudem eine europäische Koordination und Integration der Energiekonzepte voraus. Dementsprechend ist vor einem deutschen Alleingang - ebenso wie beim Atomstrom - zu warnen. Steigerungen in der Energieeffizienz schließlich werden in der politischen Diskussion leider häufig vernachlässigt, obwohl gerade hier bereits heute großes Potential besteht. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Hervorragend, endlich wagt es jemand, gegen den Unsinn - Tsunami der Röttgens und Co. anzutreten. Helfen wird Ihre Hartnäckigkeit wenig bis nichts, denn solche Trotteleien und verbohrte Mainstream müssen durchlitten werden. Deprimierend. Meinen die CDU - "Granden" wirklich, das "gemeine Volk" jubelt ihnen zu" ? Übrigens: dieser die Gesellschaft und den Staat zerstörende Wahn geht auf die ebenso idiotische Klima - Hexerei zurück. Ich meine, es wäre sehr hilfreich, wenn Ihr Institut eine wissenschaftliche Dokumentation zum Thema Energie / Kernenergie herausbringen würde - vorausgesetzt, Sie haben Mitarbeiter, die nicht vom "modernen linken noch mainstream" mitgerissen werden /wurden. Und fähig sind, nüchtern zu denken. Grüße vom Chiemsee Dr.-Ing. A. Freißmuth
Sehr geehrter Herr Freißmuth, haben Sie vielen Dank für Ihre Kommentare. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, In der Kernenergieausstiegsdiskussion am 14.4.2011 im ZDF waren Ihre sachbezogenen Äußerungen ein Lichtblick. Herzlichen Dank! Die Diskussion zeigte deutlich, dass sich ein Industrieland mit Sonne/Wind und Laufwasserkraftwerke nicht versorgen kann. Bei dem hohen Anspruchsdenken der Deutschen wird diese alternative Energie keine Akzeptanz finden. Schon nachts den Strom abschalten zwischen 1 Uhr und 4 Uhr wurde bei uns im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Nicht die neuen Leitungstrassen angeblich von Nord nach Süd sind das Problem, (wir im Süden haben doch Solarenergie) sondern die Speicherung vor Ort. Die Kosten der Speicherung sind auch 10mal so hoch. Siehe meine Anlage. Ich bin durchaus für alternative Erzeugung und ich habe meiner Gemeinde eine Machbarkeitsstudie bis 2025 vorgelegt. Ich sage Ihnen: Die Leute im GR haben keine Ahnung was auf unsere Gemeinde und auf Deutschland zukommt. Es handelt sich um träumerische Ideen aus der Steinzeit, mehr ideologisierter Glaube als handeste Realisierung. Es geht nicht um den Ersatz von Opel durch den teureren Mercedes, sondern um ganz andere Fahrzeuge mit anderen Straßen. Mit freundlichen Grüßen Josef Kowatsch.
Sehr geehrter Herr Kowatsch, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und Ihren Kommentar danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr Geehrter Herr Prof. Sinn, Die Substitution von Produktionsfaktoren fand und findet immer statt und wird auch in Zukunft immer stattfinden. Das erzwingen schon die Veränderungen der Zusammensetzung des Ressourcenangebotes, die unterschiedlich zunehmenden Aufwände zu ihrer Gewinnung, die damit einhergehenden Änderungen der Kostenzusammensetzungen und die dazugehörende Wissensentwicklung. Aber : Eines ist dabei unabänderlich und unausweichlich : Der heutige Wohlstand wird vor allem durch die energiegetriebenen Maschinen, deren Leistungsfähigkeit, deren Wirkunggrad und deren Ressourcenversorgung bestimmt und hier liegt der unausweichliche Engpaß. Wenn die Ressourcenbereitstellung selbst bereits einen großen Teil der gewonnenen Ressourcen und Maschinenkapazitäten aufsaugt, bleibt für die eigentlichen Anwendungen jenseits der Ressourcengewinnung weniger übrig. Und wenn sich das weiter unaufhaltsam verschlechtert, kommt irgendwann der Punkt, wo für die elementaren Lebensbedürfnisse nicht mehr genug Ressourcen und Maschinenkapazitäten zur Verfügung stehen. Dann müssen Menschen sterben. Unausweichlich. Und die Atomenergiegewinnung löst das Problem dadurch, daß sie für das Leben heute auf das Leben in der Zukunft keine Rücksicht nimmt, unter Hoffnung, daß es da schon eine Lösung gibt, und unter Inkaufnahme des Untergangs aller höheren Lebewesen, falls es keine gibt. Kurz : Die unabdingbare Notwendigkeit der Energieversorgung für das Leben heute nimmt die Zerstörung des Lebens für alle Zukunft in Kauf. Damit verliert aber alles Leben heute seinen Sinn. Wir könnten also gleich unser Leben beenden. Das ist also keine Lösung. Zu Meadows : Er hat in seiner Gleichgewichtssimulation in "Die Grenzen des Wachstums" außer Acht gelassen, daß der Aufwand der Ressourcengewinnung unaufhaltsam zunimmt, der Prozentsatz der nutzbaren Ressourcen also immer geringer wird. Er hat deshalb nicht gesehen, daß eine gleichbleibende Resourcenversorgung schon Wachstum der Ressoourcengewinnung erzwingt, wenn die Menschen nicht ärmer werden sollen. Die Lage der Menschheit ist also schlimmer, als es Meadows dargestellt hat. Mit freundlichen Grüßen Erich Paus
Sehr geehrter Herr Paus, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und den Kommentar danken. Ich würde Ihre pessimistische Einstellung allerdings nicht teilen. Die Menschheit hat bereits in der Vergangenheit immer wieder Schranken überwunden, die noch wenige Jahre zuvor unüberwindbar erschienen. Auch Meadows Szenario aus dem Jahre 1972 hat sich bisher nicht bewahrheitet, da er ebenfalls die Anreizwirkungen, die von sich verändernden Preisen auf die wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt werden - sei es zur Entwicklung energiesparender Prozesse, der Erforschung von Substituten oder der Weiterentwicklung bestehender Technologien - unterschätzt hat. Die Hoffnung, dass der Mensch eine Lösung des Energieproblems findet halte ich dementsprechend für durchaus begründet. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Wie gerade tel. erläutert, hatte ich mit großem Interesse die gestrige Runde bei Frau Illner verfolgt und muss sagen, dass sowohl Minister Röttgen als auch H. Vahrenholt blass blieben. Dass Prof. Sinn Kernkraftanhänger ist (ich habe selbst Diplom in Kernreaktortechnik) und mit "Wind" u.a. regenerativen Energieerzeuger so seine Probleme hat, blieb mir nicht verborgen. Wir hatten vor gut einem Jahr schon entsprechende Korrespondenz. Im ANHANG ist die Windkraftausbeute der letzten 5 Jahre beigefügt, welche besagt, dass in diesen 5 Jahren Windkraft noch nicht einmal auf 8.000 h Volllast kommt (im Vergleich dazu 8.760 h/a). Im letzten Jahr lagen wir gerade bei 1.380 h (= 15,7 % /a). Wie wollen wir hiermit Stromversorgung garantieren, zumal bei Volllast diese nicht gespeichert werden kann. Was mich als "Antriebstechniker" jedoch wahnsinnig ärgert, ist die technische Unzuverlässigkeit der Windkraftanlagen. Ausgelegt für 20 Jahre störungsfreien Betrieb, erreichen sie dank insbesondere auch der Getriebeprobleme noch nicht mal die Hälfte. Dieser Umstand wurde jetzt beschrieben in SONNE WIND & WÄRME 5/2011, S. 108 (Ausgabe zur Hannover Messe). Zur schlechten Windkraftausbeute, die sich auch bei Vervielfachung der Windkraftanlagen nicht verbessert, kommt auch noch die fragwürdige Technik dazu, alles kostentreibend und nicht berechenbar. Prof. Sinn hat ja auf die EEG-Kosten von 3,53 ct/kWh in diesem Jahr hingewiesen. Er hätte sagen sollen, dass wir im nächsten Jahr (auch dank SOLAR-Vergütung) wohl bei über 5 ct/kWh liegen werden. Warum muss ich mich mit bald 74 Jahren noch so ins Zeug legen? Weil meine 5 Enkel bald zu Besuch kommen zu Ostern und irgendwann dann fragen werden, warum Energie so teuer ist. Mit freundlichen Grüssen Dr. Wilhelm Schäfer, Witten
Sehr geehrter Herr Schäfer, vielen Dank für die interessanten Informationen. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, vielen Dank für Ihren gestrigen "Auftritt" bei M. Illner.Besonders dankbar bin ich Ihnen, daß Sie mit überzeugenden Fakten "gegengehalten" haben. Die Diskussion über die sog. "Energiewende" ist voller Irrationalität. Besonders erfreut war ich für Ihren selten gehörten Hinweis auf die neuen Druckwasserreaktoren, die in Finnland und Frankreich gebaut werden. Einen solchen Hinweis hört man eigentlich nie. An dieser Reaaktorentwicklung waren auch Karlsruher Forscher beteiligt, die schon zu einem frühen Zeitpunkt z.B. auf einen sog. Kernfänger ( Core-Catcher ) hingearbeitet haben, der die Kernschmelze vom Eindringen ins Erdreich abhält. Es können Reaktoren gebaut werden, welche die Folgen einer Kernschmelze auf das Innere eines Reaktors beschränken. Bitte bringen Sie weiterhin Sachargumente in die Diskussion ein auch über die Kapitalvernichtungdsmaschine EEG. Vielen Dank und freundliche Grüße Hellmut Wagner Prof. Dr. Hellmut Wagner Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
Sehr geehrter Herr Wagner, vielen Dank für Ihren Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Es ist doch müßig weiterhin der Atomtechnologie das Wort zu reden, noch nach verantwortlichen Schuldigen für diese technisch nicht zu beherrschenden Anwendungen zu suchen. Wir müssen generell und sofort in erneuerbare Energieerzeugung umsteigen! Es kann doch nicht sein, dass wider besseres Wissen ein derartiges Gesetz Wirklichkeit wurde,dass CO2 in die Erde verpresst wird. Anscheinend wissen Sie nichts darüber und reden nur über Windkraft die allein keine Energiewende schaffen wird. 1. Methanol statt Wasserstoff Technology Review 10. März 2006 ... Vergessen wir Wasserstoff, meint der Chemie-Nobelpreisträger George Olah, ... Dem ist tatsächlich so: Man nimmt CO2 und Wasser plus ... www.heise.de › ... › Energie - Im Cache - Ähnliche Seiten Prozess womöglich umkehren könnte. Dem ist tatsächlich so: Man nimmt CO2 und Wasser plus elektrischen Strom und reduziert beides chemisch zu Methanol. Das zweite Standbein unserer Methanol-Wirtschaft wäre also, CO2 sofort an den Stellen zu recyceln, wo es in großen Mengen entsteht, etwa an den Abluftschächten von Erdgas-Kraftwerken. Später könnte man das CO2 auch aus der Luft nehmen, aber das wird nicht über Nacht passieren. TR: Würde das die Gefahr von CO2 als Treibhausgas reduzieren? Olah: Die Regierung will CO2 am liebsten einsperren. Man hört beispielsweise, dass man CO2 in der Erde vergraben oder auf dem Seeboden loswerden könnte. Aber wie lange würde es da unten bleiben? CO2 ist ein sehr flüchtiges Material. Auch unter den besten Konditionen wird es sich irgendwann befreien. Unser Ansatz ist ein ganz anderer: Wenn wir das CO2 loswerden wollen, müssen wir es einfangen. Und warum sollte man es dann nicht als neues Ausgangsmaterial recyceln Angesichts neuerer Forschung, wie in den genannten Internet-Adressen zu sehen, ist eine Verfahrensweise, CO2 in das Erdreich zu verpressen geradezu Hohn. Es führt dazu das menschliche Bedürfnis nach Orientierung über wirksame Maßnahmen zur CO2-Verminderung in die Irre. ? Umweltjournal.de: Energie aus CO2? Energie aus Wasserstoff? Sept.2000... Ein "CO2 Global Recycling System" soll mit Hilfe regenerativer Energien CO2 i Methanol umwandeln und somit zur Reduzierung von CO2 und zum ... www.umweltjournal.de/.../EnergieWasserstoff.php - Im Cache - • Methanol statt Wasserstoff | Technology Review 10. März 2006 ... Vergessen wir Wasserstoff, meint der Chemie-Nobelpreisträger George Olah, ... Dem ist tatsächlich so: Man nimmt CO2 und Wasser plus ... www.heise.de › ... › Energie - Im Cache - Ähnliche Seiten Bevor andere Möglichkeiten genutzt werden, sollten erst einmal andere Informatoren zu Rate gezogen werden. Ersichtlich ist, dass sich hier eine schier unerschöpfliche Energiequelle auftut. In Deutschland schon genutzt als Methan, das gewonnen wird. Methanol aber ist leichter zu lagern. Abgesehen davon ist Sonnenenergie wie sie DESERTEC anbietet gut geeignet Gleichstrom nach Europa zu bringen. Die Konkurrenz schläft nicht. Ich möchte darauf hinweisen, dass es keine konkreten Aussagen dazu gibt, wie ein Umstieg in erneuerbare Energien erreicht werden soll, den auch jeder Bürger verstehen und nachvollziehen kann. Windkraft, Pumpspeicher, allein werden nicht reichen. Auch ein weiterer Ausbau von Solardächern bzw. Wärmepumpen die Erdwärme nutzen wird das nicht schaffen. Es muss mehr geschehen. Dazu sollte vorhandene und schon erprobte Technik von DESERTEC genutzt werden, Diese Gesellschaft hat schon in Marokko ein Solarkraftwerk in Betrieb in Uschta genommen. Auch in Spanien ist das der Fall. Es sind Polarrinnenkraftwerke, die die Sonneneinstrahlung nutzen, aber auch Energie speichern können in Salz wenn die Sonne nicht scheint, um auch in der Nacht Strom zu erzeugen. Diese Technik ist erfunden und erprobt. Sagen Sie doch den Menschen, dass es eine Vorgehensweise für Sie ist, denn die Bürger wollen nicht immer nur hören, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien so schnell wie möglich angestrebt wird. Die Bürger wollen wissen wie und womit, damit sie verstehen und nachprüfen können, ob das machbar ist. Um diesen Strom nach Europa und Deutschland zu transportieren braucht es Gleichstromleitungen, braucht es Gleichrichter, die z. B. Siemens produziert, braucht es Kabelproduzenten usw. Also Arbeitsplätze in Europa. Aber es entstehen auch Arbeitsplätze in Ägypten, in Tunesien und Marokko, die dort dringend erforderlich sind, damit die Menschen dort bleiben und uns nicht zur Lasst fallen. Erprobte Technik also, und keine Versuche, sondern anpacken und sofort beginnen. Auch gibt es in Mekpom einen im Bau befindlichen Nutzer überschüssiger Windstromenergie, der mit einem Nutzungsgrad von 40% Wasserstoff speichert, der Brennstoffzellen versorgen kann, also weniger Abgase durch Autos. . Über all diese Fakten hörte man bisher nichts, und von den Politikern schon gar nichts konkretes, was schnellstens geschehen müsste. All diese Unternehmen brauchen jede Menge Kapital. Es kann aber nicht sein, dass nur der kleine Strombezieher und der Staat die Zeche zahlt und Strom teuer wird. Die Großkapitalbesitzer müssen dazu aufgefordert werden, ihr Geld dort in sicheren Investitionen, die Gewinne erzeugen, anzulegen anstatt ihr Geld auf unsicheren Devisenmärkten zu verlieren. Dazu muss die Politik auffordern und die Rahmenbedingungen setzen. Das ist Sache von Frau Merkel.. Schauen Sie dazu die Sendung –higtec- in 3sat und Projekt Wüstenstrom v. 31.3. auf ZDF-Info. Mit freundlichem Gruß K.-H. Lüdecke
Sehr geehrter Herr Lüdecke, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. In der Diskussion direkt nach Fukushima (und zum Teil noch heute) wurde die Debatte zum großen Teil emotional geführt, zur besonnenem und überlegtem Handeln mahnende Stimmen gingen dabei vielfach unter. Ich stimme mit Ihnen überein, dass mit Windenergie alleine die Energiewende nicht zu schaffen ist, sondern dass ein breit angelegter Mix an Maßnahmen erforderlich ist. Diese gilt es bzgl. Kosten ebenso wie Emissionsreduktionen sorgfältig zu prüfen. Für die von Ihnen angesprochenen Alternativen und Hinweise zu Informationsquellen danken wir Ihnen entsprechend. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn, Sie waren in der Talkrunde bei Maybritt Illner der einzige "nüchterne Wissenschaftler", der darauf hinwies, dass für >90 % unseres Energiebedarfs, der ja nur zu einem Drittel aus Strom besteht, völlig ungeklärt ist, wie dieser auf erneuerbare Energie umgestellt und wie die Umstellung finanziert werden soll. Aber das wollte in der Runde niemand hören, denn darauf hat noch niemand eine Antwort. Experten haben errechnet, dass das bis 2050 1450 Mrd. kosten soll ! Wenn jetzt von "ein paar Milliarden" für neue Stromleitungen gesprochen wird, dann soll offensichtlich nur das Problem vertuscht und verniedlicht werden, um die Verbraucher nicht zu beunruhigen. Da sind sich sogar Politik und Greenpeace einig! Sie haben zu Recht auch darauf hingewiesen, dass das mit Sonne und Wind allein nicht zu schaffen ist! Deshalb möchte ich Sie auf ein Konzept aufmerksam machen, das einen wichtigen Beitrag leisten kann, nämlich Wasserstoff aus Biomasse! Wasserstoff ist der einzige, emissionsfreie Energieträger, der aus erneuerbarer Energie hergestellt und universell eingesetzt werden kann - sogar als Kraftstoff für Flugzeuge ! In Verbindung mit hocheffizienten Brennstoffzellen, die in Massenproduktion sicherlich sehr viel billiger werden und deren Einsatz beim Verbraucher (= Kraft-Wärme-Kopplung vor Ort), könnten die Energieverluste - und Kosten - halbiert werden! Näheres dazu finden Sie in dem Buch "Wasserstoff für alle" von Karl-Heinz Tetzlaff und im Internet unter www.bio-wasserstoff.de
Sehr geehrter Herr Behrenwaldt, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und die Informationen danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, was die zweite Diskussionsrunde im ZDF zum Thema "Ausstieg aus der Kernenergie" offen legt, macht mir richtig Angst. Nicht die Gefahren durch die Kernreaktoren machen mir Angst, sondern die Abgründe an Ignoranz unserer Volksvertreter in Bezug auf marktwirtschaftliche Zusammenhänge. Das Ganze kommt mir vor, wie die Situation eines Flugzeugingenieurs, der für die Entwicklung eines fortschrittlichen Hubschraubers auf die Zustimmung des "mündigen Bürgers" angewiesen ist, dessen Erfahrungen im Flugzeugbau sich auf seine Versuche mit einem Legobausatz beschränken. In einem Glaubenskrieg, zu dem sich die wild entschlossene Suche nach dem ökologischen Glück inzwischen entwickelt hat, werden Hinweise auf Hindernisse als verlogene Störmanöver betrachtet. Das führt dazu, dass die Überbringer schlechter Botschaften als Feinde gesehen werden. Die Stromkonzern-Dinosaurier müssen, koste es, was es wolle, von den Liliputanern, die ihren Strom aus ihrer Heizung zaubern, gefesselt werden. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Bundesbürger seinen Strompreis, geschweige denn seinen Verbrauch im Kopf, hat und damit auch überhaupt beurteilen kann, was eine weitere Preiserhöhung um einige Cents für ihn bedeutet. Wenn Sie argumentieren, dass eine Zunahme des Erzeugerpreises um 3,5 cts dramatisch ist im Vergleich zu den derzeit an der Börse gehandelten 5 cts, dann stößt das im besten Fall auf Unverständnis. Leider kenne ich auch keine Patentlösung für die Auflösung der Konfrontation. Da auch gestern Abend viel von Investitionen die Rede war, ist mein Vorschlag, bei den Hausaufgaben, die die Stromerzeuger und industriellen Nutzer zur Zeit machen, eine für kapitalintensive Anlagen maßgebliche Kennzahl, das spezifische Invest für den pro Jahr tatsächlich abgelieferten Strom (EURO/MWh x Jahr) zu klären für die zur Diskussion stehenden Varianten: • Gaskraftwerke • Kohlekraftwerke ohne und mit CO2-Lagerung • Windparks einschließlich Netzausbau und Speicherkapazitäten • Wasserkraftwerke • Stromerzeugung durch Wärmekopplung in privaten Haushalten. • Solarstrom Das spezifische Invest pro abgelieferte MWh dürfte bei den zur Diskussion stehenden Varianten drastisch unterschiedlich sein, könnte aber von weiteren Träumereien wie beim Solarstrom abhalten, wenn die Bedeutung dieser Kennziffer von einer breiten Öffentlichkeit verstanden wird. Statt der Kosten der Stromerzeugung, die man als internes Problem der "reichen" Stromkonzerne ansieht, sollte die Motivation für Investitionen in den Vordergrund gestellt werden. Den Leuten muss klar werden, dass ohne Motivation für wirtschaftlichen Erfolg sich niemand bewegen wird. Zudrehen von Geldquellen und Gängelung sind keine Motivation. Um die Bedeutung des spezisfischen Invest dem in Investitionsentscheidungen unerfahrenen Bürger nahe zu bringen, braucht man ein einfaches Bild aus dem täglichen Erfahrungsbereich. Als Analogie könnte ein Hauskauf dienen: "Ich würde mir gern ein Niedrigenergiehaus für 6.000 €/m² kaufen, kann mir aber leider nur ein konventionelles Haus für 3.000 €/m² leisten." Solange ich nicht weiß, wohin die Reise geht, verschiebe ich meine Hausinvestition erst mal. Einleuchtende Bilder wie die Dame aus Bremen, die von den Geräuschen benachbarter Windräder krank geworden ist, regen eher zum Nachdenken an als von Diskussionsteilnehmern zitierte Zahlen zwischen 3 und 17% (?) für den Anteil an Windkraft. Das abstrakte Vorstellungsvermögen kann mit Bildern aus Japan einfach nicht mithalten. Noch ein letzter Gedanke: Die Banken haben es verstanden, Ihren Kopf mit der "Systemrelevanz" aus der Schlinge zu ziehen, die übersetzt in die Alltagssprache bedeutet: Wenn wir untergehen, geht Ihr alle mit uns unter. Bei der Energieversorgung der Industrie geht es ja auch um die berühmte Kuh, die man nur melken kann, wenn sie ausreichend Futter bekommt. So wie es die Banker und die Bauern geschafft haben, ihre Sorgen in einfache Bilder zu transponieren, müssen die Naturwissenschaftler und Ingenieure schleunigst eine einleuchtende Bildersprache entwickeln, um gehört zu werden. Auf jeden Fall wird das ein langer und sehr mühsamer Weg, bis alle verstanden haben, was heute auf dem Spiel steht. Mit freundlichen Grüßen Martin Fischer
Sehr geehrter Herr Dr. Fischer, da Prof. Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich es übernommen. Prof. Sinn geht es, ebenso wie Ihnen, um eine Versachlichung der Debatte. Dies bedeutet insbesondere, die verschiedenen Alternativen in der Energiepolitik hinsichtlich Ihrer Umsetzbarkeit und Kosten zu beurteilen. Sie haben recht, dass die Informationen so dargestellt werden müssen, dass Sie einfach, schnell erfassbar und vergleichbar sein müssen. Allerdings muss ebenfalls sichergestellt werden, dass die zugrunde gelegten Zahlen die Kosten der jeweiligen Systems umfassend darstellen. Dies betrifft neben Kapitalinvestitionen u.a. die direkten Kosten pro produzierter MWh, die Lebensdauer der jeweiligen Anlagen, Folgekosten und CO2-Emissionen. All diese Informationen müssen in eine Form gebracht werden, die eingänglich und verständlich ist. Ich stimme Ihnen zu, dass wichtige Informationen zu häufig in der öffentlichen Debatte untergehen, da sie zu komplex dargestellt werden. Dementsprechend danke ich Ihnen für Ihre Anregung. Mit freundlichen Grüßen Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Sinn, ich möchte meine Empörung über die Niederträchtigkeit zum Ausdruck bringen, mit der Frau Illner Sie in ihrer „Polit-Talk“ über die Kosten des „Umstiegs“ auf Erneuerbare Energien am 14. April, ZDF, 22:15, behandelt hat. Unser Umweltminister durfte über viel Unüberlegtes reden, Sie kamen kaum zu Wort. Als Sie u. a. darauf hinwiesen, wie die deutsche Öffentlichkeit durch die Medien verwirrt wird und es durch Erdbeben und Tsunami 30.000 Tote oder mehr gegeben hat, durch Radioaktivität aber noch kein einziger Japaner getötet wurde, liess sie es zu, dass Sie niedergeschrieen wurden, und als Sie versuchten, die Belastung der deutschen Volkswirtschaft zu erklären und empfahlen, neue, gegen Kernschmelze gesicherte Kernreaktoren zu bauen, wie der in Finnland gebaute und in Frankreich geplante „Europäische Druckwasserreaktor“ (EPR), schnitt Maybrit Illner ihnen das Wort ab, obwohl dies zum eigentlichen Thema gehörte. Ich habe mich in der ehemaligen Kernforschungsanlage Jülich (jetzt Forschungszentrum) lange mit der biologischen Wirkung der ionisierenden Strahlung und mit den Vorteilen und Gefahren der Kernenergie befasst und kann Ihre Ansichten nur bestätigen. (Für die Behauptung, die man Ihnen entgegenhielt, dass die Todesfälle noch kommen würden, gibt es keinerlei Anhalt. Dazu waren die bisher bekannt gewordenen Strahlendosen – anders als in Tschernobyl – viel zu gering, und es ist auch nichts über das Vorkommen der sog. „Strahlenkrankheit“ bekannt.) Mit freundlichen Grüßen, Karl-Hartmut v. Wangenheim Prof. Dr. Karl-Hartmut v. Wangenheim
Sehr geehrter Prof. von Wangenheim, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen hiermit für Ihre unterstützende Email danken. Livesendungen entwickeln bekanntermaßen ihre eigene Dynamik und so gehen auch wichtige Beiträge leider immer wieder in der Hitze des Gefechtes unter. Es bleibt zu hoffen, dass die Informationen wie bei Ihnen so auch bei anderen Zuschauern trotz der Unterbrechungen angekommen sind. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: Ihr Beitrag bei Maybrit Illner am gestrigen Abend Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, für Ihren deutlichen Beitrag gestern bei der Talkrunde bei Maybrit Illner möchte ich Ihnen im Namen von EIKE unseren Respekt und Dank aussprechen. Lediglich etwas mehr Festigkeit gegenüber dem ständigen "Ins- Wort- Fallen" der Gastgeberin hätten wir uns gewünscht, aber trotz vieler Talkrunden können manche (und noch mehr Ihr Nachbar Dr. Vahrenholt) ihre gute Kinderstube nicht vergessen. Leider war diese weder bei Minister Röttgen noch der Linken noch der Gastgeberin ein Hemmnis. Obwohl wir in der Klimafrage uneins blieben (siehe unseren Mailwechsel vom November 2008 zu Ihrem Buch "Das grüne Pardoxon") sind wir über die Bewertung des abrupten Kurswechsels der Parteien samt der Regierung, weg von aller konventioneller Energieerzeugung zum "Zeitalter der Erneuerbaren" völlig einig. Es ist und bleibt ein naturwissenschaftliches Unding und eine wirtschaftliche Katastrophe die Wirtschaft eines Landes auf unerfüllbare Visisonen umzusteuern, die vielen naturwissenschaftlichen Gesetzen widersprechen und ökonomisch desaströse Folgen haben. Und das von einer Regierung, die geschworen hat "Gefahren vom deutschen Volke abzuwenden und dessen Wohlstand zu mehren". Jetzt wird dieser Schwur schon auf "gefühlte" Gefahren angewendet, nur mit zwangsläufig folgendem "gefühltem" Wohlstand werden wir uns nichts kaufen können. Das Mantra vom notwendigen Klimaschutz ist die Hauptbegründung all diesen Unsinns. Auch jetzt, 3 Jahre nach unserem Mailwechsel hat sich am Klima nichts wirklich verändert, die Erwärmung bleibt seit 15 Jahren aus, die CO2 Konzentration steigt stetig, die Meeresspiegel sind weiter völlig unbeeindruckt und steigen weiter mal moderat, mal nicht. Die "Beweise" für den CO2 induzierten Klimawandel liefern nach wie vor nur Computermodelle. Also kein Grund in Sicht die Klimapanik weiter zu verfolgen. Auch das Thema Ressourcenverfügbarkeit entspannt sich jeden Tag mehr, wie die jüngsten Entdeckungen z.B. im Schiefergasbereich zeigen. (z.B. hier http://www.eike-klima-energie.eu/news-anzeige/riesige-energiequelle-schiefergas-die-hits-reissen-nicht-ab/) Es wäre vielleicht doch mal angebracht, dass wir uns treffen um darüber zu reden. Mit den Kollegen vom PIK werden wir das in der nächsten Woche tun (Dr. Vahrenholt wird auch dabei sein), allerdings ohne Hoffnung der gegenseitigen Überzeugung. Aber das Ifo Institut und Sie leben ja nicht von der Klimapanik und betreiben nicht die große Transformation, deswegen gibt es Hoffnung auf Einsicht in Fakten. Ich würde mich über einen Gesprächsvorschlag freuen und verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Limburg Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie) Tel: +49-(0)33201-31132 http://www.eike-klima-energie.eu/
Sehr geehrter Herr Limburg, vielen Dank für Ihre Email. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. In der Einschätzung der Bedrohung durch den Klimawandel stimme ich Herrn Sinn zu, so dass zwischen Ihrer und meiner Position auch hier Unterschiede bestehen dürften. Dies heißt natürlich nicht, wie Sie schon bemerkten, dass man nicht über Sachfragen reden sollte. Ich wäre gerne bereit, mich mit Ihnen auszutauschen und würde vorschlagen, dass Sie diesbezüglich meine Sekretärin kontaktieren (budel@ifo.de). Ich könnte dann auch bei Herrn Sinn nachfragen, ob er zeitlich die Möglichkeit hätte, an dem Treffen teilzunehmen. Mit freundlichen Grüßen Karen Pittel
Sehr geehrter Dr.Sinn, Ich habe Ihnen in dem Programm maybrit illner gesehen, wo Sie die Kernkraft befürwortet hat. Zur Zeit keine leichte Aufgabe. Ich versuche seit 36 Jahren in Dänemark für die Kernkraft zu argumentieren, aber wie Sie wissen, ohne Erfolg. Die Dänische Politiker und Behörden versuchen weltweit den Eindruck zu geben dass in DK die Windenergie einen sehr grossen Teil von dem Stromverbrauch deckt, etwa 20%. Das richtige ist, dass die Windkraftproduktion etwa 20% des Stromverbrauchs entspricht, aber nicht alles wird in Dänemark verwendet, viel wird exportiert. Ich habe darüber geschrieben und füge einige Dokumente bei. Ausserdem möchte ich Ihnen einen Hinweiss geben, und zwar zu www.pfbach.dk . Dort gibt es viele sehr nützliche Informationen. Der Autor, Paul-Frederik Bach, hat viele Jahren in der Stromversorgung gearbeitet. Mit freundlichen Grüssen Bertel Lohmann Andersen www.reo.dk
Sehr geehrter Herr Andersen, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen auch in seinem Namen für die Informationen danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betr.: Atomangst http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,8232601,00.html Da haben 2 Fach-Experten gefehlt: 1 Klimatologe (z.B. Prof. Rahmstorf) http://www.pik-potsdam.de/~stefan/ und 1 Peak Oiler (z.B. Dr. Zittel) http://www.lbst.de/ Dass die Oelpreise wieder hoch gehen wuerden war und ist allen klar, die peak oil verstanden haben. Wir haben 3 Probleme gleichzeitig: (1) Globale Oel Exporte haben schon 2005 ihr Maximum ueberschritten. Die Zeit laeuft aus, da die Unruhen in der Arabischen Welt zum Teil von peak selber ausgeloest wurden. Ich traf einen von zwei OPEC whistleblowers, Dr Bakhtiari, persoenlich hier in Sydney, ein Jahr vor seinem Tod (oder Ermordung?). Er sagte mir, Iran wird 2015 kein Oel mehr exportieren. (2) Eine oelabhaengige Wirtschaft kann ihre Schulden nicht zurueckzahlen wenn die Verfuegbarkeit von Oel zurueckgeht, es sei denn die Produktivitaet des Oel Einsatzes steigt entsprechend. Es werden aber immer noch Autobahnen gebaut. Das Fenster fuer Elektro-Autos is laengst geschlossen. 19/6/2010 M2 widening: Primary Energy Dilemma for cars http://www.crudeoilpeak.com/?p=1631 (3) Eigentlich muessen die Kohlekraftwerke ersetzt werden 8/3/2010 NASA climatologist James Hansen at Sydney Uni: "Australia doesn't agree now that they got to stop their coal, but they are going to agree. I can guarantee you that within a decade or so because the climate change will become so strongly apparent that's going to become imperative" http://www.usyd.edu.au/sydney_ideas/lectures/2010/professor_james_hansen.shtml 8/12/2009 James Hansen: Storms of My Grandchildren http://www.crudeoilpeak.com/?p=767 Mein GAU Szenario: Peak oil und die Schuldenkrise werden unsere Wirtschaft zermuerben und wenn die Natur uns dann zwingt die Kohlekraftwerke abzuschalten und zu ersetzen, ist die Wirtschaftskraft (und vielleicht auch das Oel) nicht mehr da, diese Mega-Projekte zu finanzieren und zu implementieren. Zeitraum: bis 2020. Die Atom-Angst Diskussion im ZDF hat ueberhaupt nicht die system dynamics Problematik (wie in den Grenzen des Wachstums) behandelt. Wenn das Arktische See Eis schmilzt wird das Wetter auf der Nordhaelfte verrueckt spielen Sehen Sie sich mal die Maslowski Studie an, kann schon zwischen 2013 und 2018 passieren http://soa.arcus.org/sites/soa.arcus.org/files/sessions/1-1-advances-understanding-arctic-system-components/pdf/1-1-7-maslowski-wieslaw.pdf http://nsidc.org/arcticseaicenews/ ----------------links von meiner website www.crudeoilpeak.com--------------- 15/3/2011 Japanese meltdown highlights energy dilemma as peak oil enters hot phase http://www.crudeoilpeak.com/?p=2735 12/4/2011 Libyans fight over oil field at depletion mid point while African crude oil exports decline http://www.crudeoilpeak.com/?p=2947 24/3/2011 Libya: yet another (peak) oil war http://www.crudeoilpeak.com/?p=2759 19/3/2011 2010 vs. 2005: pay 40% more for the same amount of crude oil http://www.crudeoilpeak.com/?p=2752 2/3/2011 WikiLeaks cable from Riyadh implied Saudis could pump only 9.8 mb/d in 2011 http://www.crudeoilpeak.com/?p=2669 24/2/2011 Libya exports 7% of crude from Mediterranean and Middle East http://www.crudeoilpeak.com/?p=2633 31/1/2011 Egypt - the convergence of oil decline, political and socio-economic crisis http://www.crudeoilpeak.com/?p=2525 30/12/2010 Another warning on Iran's oil production and exports http://www.crudeoilpeak.com/?p=2448 2/12/2010 Fly, but leave your car at home http://www.crudeoilpeak.com/?p=2320 17/11/2010 Diesel shortages in China http://www.crudeoilpeak.com/?p=2149 10/11/2010 IEA World Energy Outlook 2010: Global crude oil production will never grow again http://www.crudeoilpeak.com/?p=2060 10/10/2010 Oil importers outside Chindia to save 1/3 by 2015, says US petroleum geologist at ASPO conference http://www.crudeoilpeak.com/?p=1934 4/10/2010 Russia's oil peak and the German reunification http://www.crudeoilpeak.com/?p=1912 20/9/2010 IEA corrects oil statistics containing bio fuels http://www.crudeoilpeak.com/?p=1876 13/8/2010 Saudi Arabia lost production share to Russia http://www.crudeoilpeak.com/?p=1800 31/7/2010 Saudi Aramco's crude oil exports peaked in 2005 http://www.crudeoilpeak.com/?p=1738 12/11/2009 “Key oil figures were distorted by US pressure, says whistleblower” http://www.crudeoilpeak.com/?p=564 ....und Vieles mehr MfG Dipl. Ing. Matt Mushalik (MIEAust, CPEng) Sydney www.crudeoilpeak.com
Sehr geehrter Herr Mushalik, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Ich stimme Ihnen zu, dass die Atomdebatte nicht losgelöst von der Klimadebatte geführt werden darf. Im Zuge der akuten Atomangst wird die langfristige Gefahr des Klimawandels häufig vergessen und die Diskussion dreht sich ausschließlich um den kurzfristigen Atomausstieg. Ich sehe allerdings die Chancen, einen langfristigen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern wirtschaftlich zu überleben, weniger skeptisch. Wie Sie auch bemerkten, werden im Zuge der steigenden Knappheit fossiler Energieträger deren Preise ansteigen, so dass nicht nur bereits bestehende alternative Technologien (zur Energieeinsparung ebenso wie zum Ersatz fossiler Energieträger) wettbewerbsfähig werden, sondern auch Anreize zur Entwicklung weiterer Technologien entstehen. Die Anreizwirkungen von Preisen wurde in den „Grenzen des Wachstums“ beispielsweise zum großen Teil vernachlässigt. Problematisch ist vor allem, dass im Angesicht der bisher noch verfügbaren Reserven und Ressourcen an insbesondere Kohle, eine Umstellung des Energiesystems aufgrund marktwirtschaftlicher Triebkräfte zu spät kommen, um einen starken Anstieg der globalen Temperaturen zu vermeiden. Hier sind Klimapolitik und globale Lösungen gefragt. Für Ihre Angaben zu weiterführenden Informationen danke ich Ihnen sehr. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gestern Abend Ihren Auftritt bei Frau Illner gesehen und kann Sie in Ihren Aussagen nur unterstützen. Ich finde es immer wieder traurig, wie weltfremd manche Leute sind, so auch leider unser Herr Minister. Wie Sie zu Recht bemerkten, frage ich mich auch, wie man den Energiebedarf zukünftig decken soll, wenn wir jetzt auch noch alle anfangen Elektroautos zu fahren und dabei die Kernkraft- und Kohlekraftwerke abschalten wollen. Eigentlich braucht man keine Volkswirtschaft studiert zu haben, um festzustellen, dass da irgendetwas nicht funktionieren kann. Der Glaube an den techn. Fortschritt allein hat noch keine Berge versetzt! Ich habe mich schon immer gefragt, wie wir es in diesem Land bei so vielen Träumern überhaupt so weit gebracht haben...
Sehr geehrter Herr L., im Namen von Herrn Sinn, der momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes leider nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen für Ihre unterstützende Email danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was mich an der derzeitigigen Diskussion vor allem im politischen Raum immens stört, ist die Irrationalität und Substanzlosigkeir. Die eine Seite möchte möglichst schon heute alle AKWe abschalten und die andere wollte deren Laufzeiten ursprünglich sogar erst verlängern, um dann ein "Moratorium" (was das immer sein mag) zu verkünden und sich schließlich von welchen "Zeitgeistwellen" auch immer wieder nach oben tragen zu lassen. Man kann (muss vielleicht auch!) zwar das Ziel setzen, aus der KKW-Technik auszusteigen, sollte dann aber doch zugleich ein konsistentes und auch nachvollziebares Konzept zur zukünftigen (Elektro-)Energieversorgung vorlegen, das zudem nicht Deutschland allein, sondern Europa (Frankreich hat knapp 60 AKWe!) einschließen müsste. Stark vereinfacht: Welche EL-Kapazitäten in welchem Umfang müssen wo und wie neu installiert, wie muss diese Energie wohin transportiert und wo können dann schließlich welches AKWe abgeschaltet werden. Das ganze folgte zudem einer Zeitachse und wäre zu unterlegen mit einer Investitions- und Kostenplanung, die schließlich Verbrauchern wie Unternehmen verlässliche Informationen darüber liefert, was zukünftig eine KWh kostet. Dann könnte man übrigenes auch den "Zeitgeist" ziemlich gut testen. Das ist aber Konjunktiv, denn ein solches Konzept kenne ich nicht und gerade die, die es jetzt "liefern" müssten, gehen wohl eher in Deckung. Vielleicht sehe ich das aber aus der betriebswirtschaftlichen Frochperspektive aber auch zu eng und übersehe, dass heute einige für mich munter drauflos plappernde Damen und Herren tatsächlich ein schon so inniges Verhältnis zu besagtem Zeitgeit unterhalten, dass sie bei dessen Ausgießungen jeweils doppelter Portionen teilhaftig werden (was mir schwachem Menschen versagt bleibt). Aber vielleicht sehe ich auch etwas falsch und hoffentlich, nein sicher, kann der Volkswirt helfen. Danke und mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email danken, in der Sie die grundsätzlichen Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die Atomausstiegsdebatte momentan konfrontiert sieht, sehr schön auf den Punkt bringen! Es gibt zu der Debatte um alternative Ausstiegsszenarios bereits eine ganze Reihe von Studien, die allerdings häufig von unterschiedlichen Annahmen über Technologien und Preise ausgehen und unterschiedliche Energieträger zu unterschiedlichen Anteilen berücksichtigen, so dass eine Menge von Zahlen existiert, die für die breite Öffentlichkeit kaum noch nachzuvollziehen ist. Die Herausforderung ist, diese in einen übersichtlichen Rahmen zu bringen. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: ZDF, Illner Sehr geehrter Herr Sinn, für die Teilnahme an der gestrigen Gesprächsrunde danke ich Ihnen. Es tut gut, in Zeiten, in denen Naivität und Heuchelei Konjunktur haben, hier und da eine Stimme der Vernunft zu hören. Bitte halten Sie durch. Mit freundlichen Grüßen aus Dithmarschen Jörn Fiebelkorn
Sehr geehrter Herr Fiebelkorn, vielen Dank für die Ermutigung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Teilnahme Prof. Sinn bei Illner Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre klaren Worte zu den Ökoenergien in der gestrigen Illner-Sendung meinen herzlichen Dank. Nicht nur Politiker befinden sich auf Wolke sieben. Sogar der BDEW verschließt die Augen vor der Realität. Alle gemeinsam verniedlichen die schon vorhandenen und die künftigen Eingriffe in die Natur. Eine Reise von Emden entlang der Nordseeküste nach Niebüll sollte zur Pflicht für jeden werden, der sich zu dem Thema äußern will. Nur die großen Naturkatastrophen haben das Land zuvor so dramatisch und nachhaltig verändert, wie das nun durch die sogenannten Erneuerbaren geschieht. Für den Bürger entstehen nur zusätzliche Kosten und vielfältige Belastungen ohne den geringsten zusätzlichen Nutzen. Insbesondere können die sogenannten Erneuerbaren keine thermischen Kraftwerke ersetzen. Das geht zwar rechnerisch, aber in der Praxis geht das regelmäßig schief. In diesen Stunden sorgt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa dafür, daß Deutschlands 21600 Windkraftanlagen bei einer Nennleistung von 27000 Megawatt gerade noch 600 Megawatt Leistung erbringen. Jederzeit aktuell zu finden bei eex http://www.transparency.eex.com/de/daten_uebertragungsnetzbetreiber/stromerzeugung/tatsaechliche-produktion-wind Damit kann man offensichtlich überhaupt nichts ersetzen. Nochmals Dank und beste Grüße. Helmut Erb
Sehr geehrter Herr Erb, vielen Dank für diese Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ihr Kommentar "Müttern helfen" in der Zeit Sehr geehrter Herr Sinn, selten habe ich einen Kommentar gelesen, der mir so aus der Seele gesprochen hat!!! heutzutage ist Alles ein großes Durcheinander, Kristina Schröder und Alice Schwarzer streiten sich öffentlich, die Rede ist von Kinderbetreung, Frauenquote und Emanzipation, DIE Frau will und kann alles, - das letzte sehe ich genauso, sonst ist mir die Debatte zu einseitig. Emanzipation heißt doch auch Wahlfreiheit und Selbstverwirklichung, nirgendwo wird erwähnt, dass man eventuell auch gerne mit seinen Kindern zusammen sein und sich freiwillig dafür entscheiden könnte. Ich bin ganz bestimmt ein Kind der Emanzipation, wir haben in Frankreich gelebt, wo ich in den Genuss der „Rund-Um-Kinderbetreuung“ kam, bin dann aber, wieder zurück in Deutschland, nach der Geburt des zweiten Kindes zu Hause geblieben. Dieser Rückzug war zunächst nicht ganz freiwillig, weil es damals keine Kinderbetreuung gab, die sich mit meinen Arbeitszeiten im Labor (Grundlagenforschung) deckte. Aus dieser Notwendigkeit wurden dann aber viele freiwillige „Mutterjahre“. In öffentlichen Talkrunden treten berufstätige Mütter gegen Nur-Mütter an, letztere sind gerne ein bisschen dümmlich in Szene gesetzt und entsprechen dem Bild vom Heimchen am Herd. Und die Diskussionen sind nicht objektiv, sondern agressiv, warum kann man verschiedene Lebensformen nicht einfach gleichberechtigt nebeneinander stehen lassen? Warum muss es schwarz oder weiß, ja oder nein sein?? Die Kinderbetreuung muss ausgebaut werden, das ist keine Frage, aber es muss doch nicht für Jeden die richtige Lösung sein, mal abgesehen davon, dass das sowieso Niemand bezahlen könnte! Alles ist sehr kurzlebig, Lebensformen, Ansichten und wissenschaftliche Theorien ändern sich alle paar Jahre, was heute allgemein anerkannt ist, kann morgen schon wieder verworfen werden. Und für so eine vage Aussicht soll ich meine Überzeugung aufgeben, nur um in zehn Jahren womöglich als neue Erkenntnis der Wissenschaft zu hören, dass es für Kinder doch auch anregend und nicht schlecht ist, wenn die Familie Zeit für sie hat, wenn sie nicht um Beruf und Selbstverwirklichung herum organisiert werden müssen?? Angeblich ist ja jetzt die >neue deutsche Gemütlichkeit< wieder da, der soziale Mittelpunkt ist wieder die Familie..., ich bin atem- und fassungslos. Ich komme mir vor wie eine Unbelehrbare, die die Familie immer erstrebenswert , wertvoll und lustig fand und mit dem Begriff Humankapital, der von manchen Wirtschaftsleuten verbreitet wurde, nie etwas anfangen konnte. Ich (48 Jahre, 3 Kinder, 18,16,13 Jahre) bin Diplom-Biologin und habe nach dem Studium zunächst in Freiburg in einem Pharmazielabor in der Forschung gearbeitet. Anschließend war ich für meine Promotion für fünf Jahre in Strasbourg an der Uni. Da es dort eine funktionierende Kinderbetreuung gab und es auch allgemein ganz normal war, während der Doktorarbeit das erste Kind zu bekommen, bin ich dem Beispiel meiner Mit-Doktoranden gefolgt, unsere erste Tochter kam während meiner Laborversuche zur Welt (nicht wörtlich gemeint..). Zwei Jahre später, während des Zusammenschreibens der Ergebnisse wurde unser Sohn geboren. Da wir aber mittlerweile wieder zurück in Deutschland waren, fehlte mir die Kinderbetreuung und ich habe die Promotion nicht beenden können. Das dritte Kind kam drei Jahre später. Heute, nach der längeren Kindererziehungspause, ist meine Situation natürlich schwierig, das gebe ich gerne zu, aber deswegen würde ich mich trotzdem nicht anders entscheiden. Ich arbeite an meinem Wiedereinstieg, schreibe mittlerweile Artikel für verschiedene Zeitschriften und stelle immer wieder fest, dass man heutzutage als Mutter irgendwie doch "von gestern" ist. Die von Ihnen angesprochene Wertschätzung gab es noch vor wenigen Jahren, jetzt hat sich die Gewichtung verschoben! Dehalb tat es so gut, Ihren Kommentar zu lesen, vielen Dank dafür! Mit freundlichen Grüßen Patricia Klatt
Sehr geehrte Frau Klatt, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich hoffe, Deutschland wird sich nochmal besinnen. Die Mütter müssten sich öffentlich äußern, wie Sie es tun. Wir am ifo wollen die Akzente so setzen, dass die kinderlose Schein-Familie bei der Sozial- und Familienpolitik jedenfalls nicht im Mittelpunkt steht. Mit herzlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin durch Zufall auf Ihre Aussagen im Fernsehen gestossen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,757163,00.html Leider habe ich die Sendung nicht gesehen. Ich möchte Sie auf die Bemerkungen von Prof David Spiegelhater (Professor of the Public Understanding of Risk at the University of Cambridge) hinweisen, die für Sie möglicherweise von Interesse sind: http://www.rssenews.org.uk/articles/20110404 http://www.newscientist.com/article/mg20928050.200-risk-expert-why-radiation -fears-are-often-exaggerated.html Ich dachte, dass solche kritischen Kommentare wie von Spiegelhalter in Deutschland unmöglich sind, bis ich auf Ihre Bemerkungen gestossen bin. Respekt. Freundliche Grüsse Leonhard Held Professor of Biostatistics University of Zurich
Sehr geehrter Herr Held, vielen Dank für diese interessanten Links. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Die Frage, ob Deutschland noch zu retten ist, ist eng mit der Frage verknüpft, ob es gelingt, dass sich Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien ... gerettet werden können. Hier haben wir das Problem, dass die Staatspapieren keine Käufer mehr finden, weil das Ausfallrisiko zu groß ist. Damit steigen die Zinsen auf eine Höhe, dass die Länder nicht in der Lage sind (auch gesunde Länder wären dazu nicht in der Lage) die Schulden zu bedienen. Ein Ausweg wäre aber relativ einfach zu finden. Würden die Staaten gestatten, dass die Bürger ihre Steuerschulden mit Staatspapieren begleichen, würde das dazu führen, dass die eigenen Bürger die Papiere kaufen und der Staat sich somit bei der eigenen Bevölkerung verschuldet. Die Steuersätze könnten dafür auch angehoben werden und eine Zinsabschlagsteuer erhoben werden. Das würde dazu führen, dass es Käufer für die Papiere gibt und die Risikozinsaufschläge würde sinken. Ein Teil der Schuldzinsen fließt dann über die Zinsabschläge an den Staat zurück. Die Bürger könnten dann zwar weniger konsumieren, was zu einer Verbesserung der Leistungsbilanz führen würde. Was halten Sie von diesem Vorschlag zur Rettung der Schuldnerstaaten?
Sehr geehrter Herr H., in der Tat ist ein Teil des Verschuldungsproblems einiger europäischer Länder darin zu sehen, dass diese Staaten im Ausland und nicht bei der eigenen Bevölkerung verschuldet sind. Der angebotene Vorschlag eignet sich jedoch meines Erachtens nicht zur Lösung dieses Problems, da zunächst keine Anreize zum Kauf von Staatspapieren für den Steuerpflichtigen ersichtlich sind. Selbst wenn die Steuerpflichtigen jedoch so zum Kauf von Staatspapieren animiert werden könnten, würden am Ende des Jahres dem Staat (monetäre) Steuereinnahmen in der Höhe fehlen, für die er Staatsanleihen zurückgenommen hat. Insofern ergibt sich kein Nettovorteil. Der Vorschlag, die Steuern (hier: Zinsbesteuerung) auszuweiten ist hingegen eine von vielen möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Haushaltslage vieler Staaten. Angesichts des Steuerwettbewerbs ist es jedoch möglich, dass hiermit auch Standortnachteile verbunden sind, was also auch kontraproduktiv sein kann. Mit freundlichen Grüßen Christian Breuer
Wie kann man die CO2 -Einlagerung im Boden stoppen? Sehr geehrter Herr Sinn, möglicherweise hat die Ausbringung von Millionen Tonnen CO2 einen Einfluss auf unser Klima. Möglicherweise kann man auch ausrechnen, wie hoch der Schaden ist, den eine zusätzliche Tonne CO2 in der Natur anrichtet. Aber wird beim Einlagern von CO2 nicht selbst Energie benötigt, die dann zusätzlich erzeugt werden muss? Birgt die Einlagerung nicht selbst Risiken und entstehen nicht zusätzliche Kosten dadurch, dass man mögliche Lagerstätten erkunden muss? Würde es nicht viel günstiger sein, wenn man das Geld, was dafür aufgewendet werden muss direkt in den Bau von Windrädern investiert – und zwar global – auch dort, wo bisher Kohle oder Öl statt Wind zur Energiegewinnung genutzt wird, denn CO2 macht ja nicht an der Landesgrenze halt. Kann es sein, dass wir am Ende zur CO2 Einsparung ein Vielfaches von dem ausgeben, was das Einsparen in anderen Ländern kosten würde und wäre es dann nicht sinnvoller, die Einsparungen dort vorzunehmen, wo die Kosten für die Einsparung am Geringsten sind? Wer kann die Politiker daran hindern, in dieser Frage Dummheiten zu machen?
Sehr geehrter Herr Hecker, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihren Beitrag danken. Beim Einlagern von CO2 wird natürlich ebenso wie bei der Produktion von Windrädern Energie benötigt. Wichtig ist, wie die Energiebilanz bzw. CO2-Reduktionsbilanz der verschiedenen Energieträger ausfällt. Ein nationaler Alleingang Deutschlands ist weder in der Klima- noch in der Atompolitik sinnvoll. Zum Sinn und Unsinn solcher Politiken würde ich Ihnen auch Herr Sinns Buch „Das Grüne Paradoxon“ empfehlen. CO2-Einsparungen können in der Tat häufig zu geringeren Kosten in anderen Ländern getätigt werden. Im Kyoto-Protokoll wurde versucht, dieser Tatsache durch den sogenannten Clean Development Mechanism (CDM) Rechnung zu tragen. Im Rahmen dieses CDM können in Entwicklungsländern durchgeführte CO2-Reduktionsmaßnahmen auf die eigene Reduktionsverpflichtung angerechnet werden. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass zum einen Einsparungen dort vorgenommen werden, wo es am Günstigsten ist, und zum anderen auch ein gewisser Technologietransfer hin zu den Entwicklungsländern stattfindet. Dies betrifft zum Beispiel auch die Energieproduktion mit erneuerbaren Energien. Die Wissenschaft kann in diesem Zusammenhang nur immer wieder versuchen, Informationen zu verschiedenen Energieszenarien, deren technologische und infrastrukturelle Voraussetzungen sowie gesamtwirtschaftlichen Kosten und Wirkungen zur Verfügung zu stellen. Diese Informationen müssen natürlich nicht nur den Politikern sondern ebenso der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nur auf diese Weise können die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass eine breite informierte Basis für politische Entscheidungsprozesse entsteht. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Preisstabilität ohne Zinsschraube. Das Problem der Geldmengensteuerung durch Zinsen besteht darin, dass es einen systematischen Konflikt gibt. Wenn Inflation droht, dann versucht die Notenbank mit höheren Zinsen entgegenzutreten. Damit werden Investitionen teurer und so wird der wirtschaftliche Aufschwung abgewürgt mit Folgen für den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig wird das Land für ausländisches Kapital interessant, das dann verstärkt ins Land fließt und der Inflation zusätzlichen Auftrieb gibt. Eigentlich sollte doch das Ziel sein, die Preise stabil zu halten und es gibt nach meiner Einschätzung einen direkten Weg, Einfluss auf die Preise und die Geldmenge zu nehmen. Die Inflation wird oft durch extern durch steigende Rohstoffpreise ausgelöst, die dann später zu höheren Produktpreisen und höheren Löhnen führen. Die Rohstoffpreise steigen wegen gestiegener Nachfrage (wegen eines weltweiten Aufschwunges) bei nur gering steigender Rohstofferzeugungsmenge. Im Fall einer globalen Rezession sinkt die Nachfrage und die Rohstoffpreise fallen, so dass dann viele Rohstofferzeuger ihre Produktion senken müssen. Ließen sich diese Rohstoffpreise nicht dadurch stabilisieren, indem große Vorratslager für Rohstoffe angelegt werden und die Notenbank mit Notenbankgeld in der Rezession die billigen Rohstoffe vom Weltmarkt gegen frisches Notenbankgeld einkauft? Dieses Geld wäre damit gedeckt, der Rohstoffpreis fällt nicht ins Bodenlose und viele Bergbauunternehmen können überleben. Die Reserven, die dabei aufgebaut werden, kann dann zur Stabilisierung der Preise genutzt werden, wenn Inflation droht. Der Preisanstieg wird dadurch etwas verringert und es wird beim verkauf Geld aus den Märkten genommen, ohne dabei an der Zinsschraube drehen zu müssen. Das würde die Konjunktur und die Preise stabilisieren. Die Gewinne, die die Notenbank durch diese Eingriffe erzielt, werden teilweise für die Lagerhaltungskosten benötigt oder können für den Schuldenabbau verwendet werden. Diese Rohstofflager bilden gleichzeitig eine strategische Reserve. Sehr geehrter Herr Sinn, warum ist das, was ich hier beschreibe, völliger Blödsinn? Es wäre jedenfalls eine Abkehr von der verschuldungsabhängigen Geldpolitik - hin zu einer teilweise physisch mit Rohstoffen gedeckten Geldmenge. Das würde am Ende auch das Vertrauen in das Papiergeld zurückbringen.
Sehr geehrter Herr Hecker, Ihr Vorschlag ist im Grunde gar nicht so abwegig. Eigentlich wird er von der Wissenschaft bereits seit Jahrzehenten diskutiert – wenn auch in etwas anderer Form. So wurde bereits in den 1970er Jahren vorgeschlagen (Alchian und Klein, 1973) Vermögenspreise wie Immobilienpreise und Aktienkurse direkt in den Preisindex einzubeziehen, auf dessen Grundlage die Stabilität des Preisniveaus definiert wird. Dieser Ansatz basiert auf der Annahme, dass Vermögenspreisänderungen (ähnlich wie die von Ihnen angesprochenen Rohstoffpreise) die künftige Entwicklung der Verbraucherpreise maßgeblich beeinflussen – denken Sie etwa an den Zusammenhang zwischen Immobilienpreisen und Mieten. Allerdings findet diese Idee sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als auch unter Zentralbänkern kaum Zuspruch. Denn eine Reihe von Gründen spricht gegen ein Eingreifen der Zentralbank auf den Immobilien-, Aktien- oder Rohstoffmärkten: (1) Eine Ausrichtung der Geldpolitik an Rohstoff- oder Vermögenspreisen, die Gegenstand von spekulativen Investitionen sind, könnten die Risikobereitschaft von Investoren oder Spekulanten deutlich verstärken. Würde z. B. die Zentralbank – sei es durch ihren Leitzins oder gar durch den tatsächlichen physischen Erwerb – auf Rohstoffpreisänderungen reagieren, könnten die Marktteilnehmer im Falle sinkender Preise oder gar eines Crashs auf eine Intervention der Zentralbank spekulieren. In der Gewissheit, dass sich die Zentralbank starken Schwankungen an den Rohstoffmärkten entgegenstellen wird, würden Spekulanten das Risiko eines plötzlichen Preisverfalls wesentlich geringer einschätzen, wodurch ihre Risikoneigung und damit spekulative Entwicklungen an den Rohstoffmärkten letztendlich sogar noch verstärkt werden könnten. (2) Zwischen der Rohstoffpreisentwicklung und der Geldpolitik käme es so zu einer wechselseitigen Abhängigkeit. Während die Zentralbank auf Vermögenspreisänderungen reagiert, wären die Vermögenspreise ihrerseits von den Erwartungen der Wirtschaftssubjekte über die zukünftige Geldpolitik abhängig. In der Konsequenz stiege der Einfluss sich selbst erfüllender Erwartungen auf die Inflationsentwicklung und die Rohstoffpreise, wodurch letztendlich sogar die Stabilitätsziele der Zentralbank gefährdet würden. (3) Überdies ist die Lagerung derartiger Mengen an Rohstoffen, die für ein solches strategisches eingreifen notwendig wären, mit großen Problemen und insbesondere Kosten verbunden, während eine stabilisierende Wirkung auf die Märkte, wie gesagt, mehr als nur fraglich erscheint. Übrigens steuert die EZB erklärtermaßen nicht die Geldmenge, sondern zieht diese nur als ein Indikator zur Beurteilung des Inflationsdrucks heran. Mit freundlichen Grüßen Kai Carstensen
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf den Zeitungsartikel "Tickende Zeitbombe" von Prof. Sinn, der am 2. April 2011 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist) http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm Lieber Herr Sinn, warum unterordnet sich die Bundesbank diesem Spiel? Warum werden diese Daten nicht von den Verantwortlichen, also dem Bundesbankpräsidenten, öffentlich gemacht und diskutiert? Ein Rücktritt allein kommuniziert zu wenig, insbesondere wenn dessen Gründe aus falsch verstandener "Solidarität" der Öffentlichkeit verschwiegen werden. Herr Issing hatte sich seinerzeits strikt gegen Transparenz über die Interna der EZB ausgesprochen. Es ist klar, daß Herr Issing für diese Position die Unterstützung der Mehrheit im Direktorium fand - und immer noch finden würde. Aber ein weiter so kann ja ab einem gewissen Punkt wohl nur noch schwerlich im Interesse der Mehrheit sein. Warum dringen die Beratergremien der deutschen Politik nicht durch? Vielleicht ändert sich das ja, nachdem einige Garantieeinlagen abgeflossen sind? Das wäre dann ein teurer Lernprozeß, aber vielleicht kann sich Deutschland das noch leisten? Besser als nie wär es allemal. Mit besten Grüßen und bestem Dank für Ihren Einsatz!
Lieber Herr G., wenn ich wüsste, warum die Bundesbank das mitgemacht hat, wäre ich klüger. Ich bin ziemlich sprachlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich schätze Ihre Ansichten zu aktuellen ökonomischen und politischen Fragen normalerweise sehr. Die Vorschläge, die Sie jedoch kürzlich unter dem Titel "Müttern helfen" in der ZEIT veröffentlicht haben, halte ich für den falschen Weg. Überlegen wir doch einmal, wie eine freie Gesellschaft das Problem handhaben würde: Eltern müßten die Opportunitätskosten der Kindererziehung selbst tragen. Dazu gehören auch die Abschreibungen, die auf das im Beruf erworbene Humankapital in der Babypause vorzunehmen sind. Ihre Rechtfertigung besteht nun darin, dass es auf Grund des Rentensystems externe Effekte gibt. Diese sollten aber internalisiert werden, indem wir das bestehende Rentensystem abschaffen. Eine Internalisierung durch Subventionierung der Geburten schafft die falschen Anreize. Wenn man ihren Vorschlag konsequent anwendet, würde jedes Kind einem Paar 140.000 Eur an Barwert in Rentenansprüchen einbringen. Versicherungsgesellschaften würden vielleicht Swaps anbieten, die dieses Geld sofort auszahlen, um später einmal die Rente zu kassieren. Nicht auszudenken, wer dann aus welchen Motiven Kinder in die Welt setzen würde! Ich denke, das Thema zeigt sehr schön, dass im Sozialstaat eine Intervention die nächste rechtfertigt. Ich bin selbst gerade Vater geworden. Auch ich wünsche mir flexible, elterngerechte Arbeitszeiten, aber ich bin auch bereit den Preis, den diese Flexibilität in Form geringerer Produktivität erfordert, selbst zu zahlen. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, die möglich zur Telearbeit, etc. gesetzlich festzuschreiben. Vielleicht sind die hohe Abgabenlast und die teure staatlich regulierte Kinderbetreuungslandschaft Ursache der Misere; ich kann es nicht genau sagen. Ich denke nur, dass derlei Forderungen -wie Sie sie äußern- affirmativ gegenüber einem Politikverständnis wirken, das sich immer mehr festsetzt und das da lautet: wir können und sollten jeden Bereich des Privaten Lebens durch staatliche Anreize, Ge- und Verbote leiten und lenken. P.S. Ein aufschlußreicher Artikel zu dem Thema findet sich unter http://mises.org/daily/1406. Dort geht es um den Geburtenrückgang in Schweden. Die These des Autors lautet, dass der Sozialstaat erst systematisch die ökonomischen Vorteile der Familie zerstört hat und anschließend -um die demographie Entwicklung im Lot zu halten- zu einer vollständigen Vergemeinschaftung der Kosten übergehen musste. Das Resultat ist eine Bevormundungsbürokratie von der Wiege bis zur Bahre und ein Pflegemangel wie wir ihn auch bei uns kennen. Between 1935 and 1975, the Myrdals' domestic agenda guided, by fits and starts, the evolution of the Swedish welfare state. Periods of political and bureaucratic activism-1935 to 1938, 1944 to 1948, and 1965 to 1973-were punctuated by evidence of stubborn resistance among the Swedish populace, or by budgetary restraints that delayed full implementation. Yet by the end of the process, most elements of the Myrdals' family agenda were in place. What were the specific results? With the family stripped, by state fiat, of all productive functions, of all insurance and welfare functions, and of most consumption functions, it should cause little surprise that ever fewer Swedes chose to live in families. The marriage rate fell to a record low among modern nations, while the proportion of adults living alone soared. In central Stockholm, for example, fully two-thirds of the population lived in single-person households by the mid-1980s. With the costs and benefits of children fully socialized, and with the natural economic gains from marriage intentionally eliminated by law, the bearing of children was also severed from marriage: by 1990, well over half of Swedish births were outside of marriage. Children, too, enjoyed as 'rights' a great parcel of benefits provided by the state: free medical and dental care; abundant and cheap public transport; free meals; free education; and even state "child advocates" available to intervene when parents overstepped their bounds. Children, too, no longer needed "family": the state now served as their real parent. Indeed, Rutgers University sociologist David Poponoe suggests that the term 'welfare state' no longer does justice to this form of total personal dependence on the government. Instead, he uses the label, "client society," to describe a nation "in which citizens are for the most part clients of a large group of public employees who take care of them throughout their lives." .... Hewlett is right, of course, about the flaws in the existing American welfare state: we have socialized the economic value of children here; but we have left the costs with individual parents. The United States in 1991, as Sweden in 1934, has an incomplete version of the pure welfare state model. She's correct, too, that this exacts a price: the number of American children born annually inside of marriage has been stagnant through the 1980s, at a level 30 percent below the zero-growth rate. Americans are simply not investing their own time and money in more than one or two children, largely because its not worth their while. (The overall birthrate, it is true, has climbed somewhat, but this is due entirely to the sharp rise in the number of out-of-wedlock births from 665,000 in 1980 to over 1,000,000 in 1990; these births, it appears, our welfare system subsidizes well.) But there is an alternative to the "Swedish solution." It's one that Dr. Hewlett declines to mention; and it's the one that the Myrdals dismissed as "beyond reasonable debate" sixty years ago. This option is called a "free society," where instead of completing the client/welfare state by extending bureaucratic tentacles completely around children, we instead dismantle what we already have done. The agenda here is simple, radical and pragmatically anti-bureaucratic: 1. end state-mandated and state-controlled education, leaving the training and rearing of children up to their own parents or legal guardians; 2. abolish child-labor laws, again reasoning that parents or guardians are the best judges of their children's interests and welfare, vastly better than any combination of state bureaucrats; 3. and dismantle the Social Security system, leaving protection or security in old age to be provided, once again, by individuals and their families. These acts would restore the economic benefits of children to parents, and so end the anti-child contradiction that lies at the center of the incomplete welfare state. Most commentators would respond that these would be impossible, inconceivable actions in a modern, industrial society. Given the realities or complexities of the modern world, they would say chaos would be the sure result, if we engaged in such reactionary efforts. My response would be to point to scattered groups in America which, through some amazing historical quirk or some political miracle, still inhabit one of our few remaining "zones of liberty" and which survive under such an "impossible" regime. One unexpected but interesting example would be the Amish, who beat off government challenges to their special limited educational practices (namely, schooling only by Amish teachers and only through the eighth grade), who make heavy use of child labor, and who avoid Social Security (as well as government farm welfare) out of principle. Not only have the Amish managed to survive in an industrial, market milieu; they have thrived. Their families are three times the size of the American average. When facing fair competition, their farms turn profits in "good times and bad." It is probably true that relatively few contemporary Americans would choose to live like the Amish, given a true freedom of choice. Then again, no one can be quite sure what America would look like, if citizens were actually freed from the bureaucratic rule over families that began to be imposed here, over one hundred years ago, starting with the rise of the mandated public school. I have absolutely no doubt, though, that under a true regime of liberty, families would be stronger, children more plentiful, and men and women happier and more content. For me, that's enough. -- "We favor diversity, just not diversity of opinion"
Sehr geehrter Herr A., Sie sprechen mir ja aus dem Herzen. Erst zerstört der Staat die Familie, und dann muss er die Konsequenzen bezahlen. Das ist ja die Kernthese aus dem Rentenkapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" Ihren Gedankengang finden Sie dort zentral präsentiert. In der Tat geht es nicht um die Subventionierung der Geburten, sondern die Rücknahme der Sozialisierung der Schaffenskraft der Kinder. Genau deshalb will ich ja eine Kinderkomponente in das Rentensystem einbauen, anstatt mit Familienpolitik zu arbeiten. Wenn die Renten nicht mehr unabhängig davon gezahlt werden, ob man Kinder großgezogen hat oder nicht, wird das Ausmaß der Sozialisierung der Nachteile der Kinderlosigkeit kleiner. Die völlige Abschaffung der Rentenversicherung, die Sie vielleicht im Auge haben, ist ein quantitativ weiterer Schritt, den ich aber für zu weitgehend halte. Die Rentenversicherung kann als Versicherung gegen Kinderlosigkeit interpretiert werden. Heute ist sie als Vollkaskoversicherung ausgestaltet. Ich fände eine Teilkaskoversicherung besser. Eine solche Teilkaskoversicherung einzuführen ist systematisch eben nicht eine Subventionierung des Kinderkriegens, sondern eine Verminderung des Moral-Hazard-Effekts durch Umverteilung der Ressourcen von den Kinderlosen zu den Eltern. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Tickende Zeitbombe Sehr geehrter Herr Professor Sinn, es stellt stellt sich mir nach Lesen Ihres obigen Artikels die Frage, ob Frau Merkel 1. die Zusammenhänge, Folgen und Risiken, die Sie darlegen, verstanden haben könnte und ob sie 2. die Kraft aufbringt, daraus endlich die nötigen Schlüsse zu ziehen. Wenn man allein bedenkt, daß sie als promovierte Physikerin nach Harrisburg und Tschernobyl noch ein Fukushima brauchte, um (angeblich) die der Kernenergiegewinnung innewohnenden Gefahren zu erkennen, dann sind wohl erhebliche Zweifel angebracht! Dennoch sei Ihnen Dank, daß Sie Ihre Stimme immer wieder einmal erheben. Mit freundlichen Grüßen Arne Bruhn
Vielen Dank für die Rückmeldung, Herr Bruhn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Dear Dr. Sinn, I am a Greek political scientist and the last 10 years I run a family owned high-tech marble processing company in the country. I write this e-mail to you, because for one more time I see that for many people living outside Greece the whole issue of the country's competitiveness is focused on the high cost of wages and salaries. I have a different opinion and I will explain to you why. The first issue dealing with the lack of competitiveness in the country, emanates from the more than 30 years trend in our educational system and our society to demonize capitalism, entrepreneurship, productivity, etc. According to data from the Greek Institute of Economic Research the country has stopped producing from1983 and we present since then as GDP growth the EC funding. All the EC funding for modernization of infrastructure etc, became means of political influence within the country. A whole generation grow with the belief that a place can be found in the public sector so as there is no need to improve our skills or knowledge. The second issue is dealing with the fact that the country has vast geographical problems and its tiny population is very small to encourage the development of an internal market capable enough to maintain feasible large companies. In the contemporary global market system only large companies can survive. The third factor is dealing with the Greek political system and the Greek state apparatus. If you are not a Greek businessman you can have no idea (even fictional fantasy) to know what businesses suffer from Greek bureaucracy. Even today they pass taxation law and other structural measures and at the same time they pass decisions that change the whole law. Everything is decided without long-term planning and they pass laws without any calculation about the consequences. I really can not understand in what way they want to attract FDI's. They do not have a stable taxation system, a logical insurance system, a decentralised and minimum bureaucracy, low public spending, small number of public personnel and educated and well trained personnel. The procedures for a taxation issue in one municipality are not the same with the procedures for the same issue to another. A fourth factor is the lack of infrastructure. A fifth factor is the lack of a business prone ideology. Many Greek businessmen have great ideas and initiatives but they do not have people to run them either in the private or the public sector. A final factor is the country's bad reputation abroad because of the bribing, the low quality of products and services, the negative reports etc. I would like to inform you that most of the Greek people are working many hours a day and their salary is very low. The whole issue is dealing with the dramatic low effectiveness of their working hours and believe me the workers have minimum responsibility to that. The last 30 years have been created a system that today nobody can control it. There is only one issue that can change this system. The minimum presence of the state apparatus and the Greek political system to the peoples everyday life. When I say minimum I imply very low taxes, elimination of bureaucracy, minimum insurance system. In the absence of the state apparatus the Greek people can very easily change the problems of the country. Neither Euro, or drachma, or salaries are problems. We need really a free political system and a free economy in order to grow and prosper our country. All the political system of the country is completely inadequate to run the country especially under this critical situation. The EU should stop listen our politicians and start listen other independent views because our future is linked to the future of the EU and its currency. Henry Kissinger, in his Ph.D Thesis he dealt with Greek revisionism in 1821 against the Ottoman Empire that finally led to the crumbling of the then equilibrium system among the European powers. Today, a new Greek revisionism, as a result of the actions of amature politicians in the country, ones more threatens European equilibrium.
Dear Mr. K., Thank you very much for your insightful comment. I enclose a copy of the last EEAG report which has a chapter on Greece. Some of your points are taken up there. Sincerely yours Hans-Werner Sinn http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Respekt, mit welcher Oberflächlichkeit Sie das Thema Restrisiko und die damit gegebenenfalls verbundenen Folgekosten "ökonomisch verharmlosen". Sie wissen genau, dass der Fall der Fälle nicht versichert ist und sich auch nicht versichern läßt. Dazu hat sich in der vergangenen Woche die Münchener Rückversicherung dezidiert geäußert. Die Folgekosten sind unkalkulierbar (siehe Tschnobyl mit 235 Milliarden $ Schaden, Handelsblatt Nr. 59 S.1), so heisst es. Wenn die Medienangaben stimmen, muss die Ukraine jedes Jahr 5% des Sozialprodukts allein für den Unterhalt der Ruine ausgeben. Ich würde Ihnen mal empfehlen, sich über diese Folgekosten Gedanken zu machen und - Sie sind ja schliesslich Ökonom - diese zu beziffern. Es wäre nur zu fair wenn Sie nicht Äpel mit Birnen vergleichen. Jedes Solarkraftwerk und Windenergieanlage hat eine Haftpflichtversicherung, sogar jeder Hundebesitzer muss diese vorweisen, nur die gesamte Atomindustrie ist davon erstaunlicherweise weitgehend freigestellt. So banal das klingt, der Schaden muss dann entweder vom Staat oder von den Geschädigten getragen werden. Genauso wie die Kosten für die Entsorgung und die Endlagerung. Halten Sie diesen Zustand für "ökonomisch" angemessen und vertretbar? Muss es nicht ein gesellschaftlicher Grundkonsens sein, dass die Betreiber verantwortlich sind für den "Dreck" und das "Risiko"? Was glauben Sie, wie hoch sind dann die Kosten pro Kwh? 1, 2 oder gar 20 €? Oder noch mehr? Wie wäre es, wenn Sie sich mal Gedanken um den Subventionswert der oben genannten Postionen zu machen? Sie sind doch Volkswirt, also machen Sie sich bitte mal endlich "nützlich" und tragen Sie nicht weiter zur allgemeinen Volksverdummung bei!
Sehr geehrter Herr B., vielen Dank für Ihren Kommentar. Aber Sie scheinen mich nicht verstanden zu haben und unterstellen mir das Gegenteil, von dem, was ich gesagt habe. Die Internalisierung der Schäden durch Versicherung ist doch gerade das, was ich gefordert habe. Cat Bonds versichern schon heute viele Milliarden Euro bei Naturkatastrophen. Der CDS-Markt umfasst über 30.000 Milliarden Euro. Diese Dinge sind versicherbar, und dann erfolgt genau das, was Sie und ich fordern: Die Internalisierung der Schäden. Bitte lesen Sie meinen Artikel ein zweites Mal. Beiliegend auch noch ein früherer Artikel aus der Wirtschaftswoche zu dem Thema. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Professor Sinn, Nachdem Sie und ich gemeinsam auf den Seminarbänken der Uni Mannheim bei Prof. Helten saßen, dasselbe gehört - vielleicht Unterschiedliches gelesen haben - und dabei zu grundverschiedenen Schlußfolgerungen gelangen, verfolge ich - als Sie alimentierenden Steuerzahler - mit immer weniger Verständnis Ihre Arbeit, Ihre Äußerungen und Argumentationen . Es liegt vielleicht daran, daß wir - mein Freund Edgar Moser-Fendel und ich - schon damals und in der Folge während unsere wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeiten die Grundlagen der universitär vermittelten Lehr- und Lernstoffe skeptisch bis kritisch in Frage stellten. Sie hingegen und die anderen Kommilitonen der damaligen Mannheimer Studenten- und Assistenten-Generation, wie z. B. W. Franz, K. Zimmermann oder F. Dudenhöffer scheinen eher ungefragt den Annahmen, Darstellungen und Ausführungen neoliberaler Glaubenslehren - bis heute - zu folgen. Sie haben sich persönlich damit- bei der gläubigen Öffentlichkeit - eine Reputation geschaffen, weil insb. die vorherrschende Meinung in Industrie, Verbänden und Politik den vermeintlich "logischen" und richtigen Schlußfolgerungen dieser "falschen" Glaubenslehre überwiegend folgte. Es war bis heute ein einseitiger und bequemer Weg - mit fatalen Folgen in Geld- und Realwirtschaft für unsere Kinder und Kindeskinder. Ich frage Sie : Wie vermitteln Sie Ihren Kindern guten Gewissens die Tatsachen und die Lasten für unsere folgenden Generationen, die sich aus den ökonomischen Aktivitäten der letzten 3o Jahre u. a. auch aus der ständigen Vermittlung Ihrer Erkenntnisse auf Grundlage der neoliberalen Glaubenslehre ergeben haben ? Natürlich haben Sie auch häufig auf die Folgen ausufernder öffentlicher Verschuldungen hingewiesen - das erkenne ich immer wieder. Nur waren Sie in meinen Augen nicht konsequent genug - oder zu zurückhaltend - Ihr gläubiges Publikum über die zugrundeliegenden fehlerhaften Paradigmen des neoklassischen Wirtschafts- und Wachstumsmodells und die sich daraus ergebenden sozialen und politischen Folgen aufzuklären Würde das getan, ergäben sich einige wesentlich andere Schlussfolgerunge, die allerdings das Wert- und Machtgefüge kräftig ins Wanken brächten. Warum sind Sie z. B. nicht schon lange mit dem Vorschlag aufgetreten, in das deutsche Sozialsystem analog der Schweizer Praxis alle Einkunftsarten einzubeziehen. Die Erosion des weitestgehend aus Arbeitseinkommen gespeisten Sozialsystems mit u. a. der verheerenden Folge, daß dadurch eine Spirale zu immer weniger Nachfrage nach sozial abgesicherter Arbeit (Schwarzarbeit) entstand und dadurch die Basis für die Aufbringung der Beiträge bei gleichzeitig wachsender Basis der Leistungsempfänger aufgrund der demographischen Entwicklung schrumpfte, war mit den an der Universität Mannheim vermittelten ökonomischen Kenntnisse leicht abzusehen! Statt dessen lamentiert Herr Merz, vormaliger prominenter CDU Politiker, über die "Auswanderung"der Wähler aus den "Volksparteien". Die Zusammenhänge für die "Auswanderung" der sozial gesicherten Arbeit aus den Sozialversicherungssystemen, und damit ein wichtiger Grund für die zunehmende Staatsverschuldung, konnten Herrn Merz offenbar nicht vermittelt werden. Oder er nimmt sie , dann aber aus ideologischen Gründen in Kauf um damit die sich immer stärker entwickelnde Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung nicht thematisieren zu müssen Mit dem uns u. a. vermittelten kritischen Rationalismus sowie einem angelesenen Verständnis der Kapital-Akkumulation (Joan Robinson) hatten wir ein Rüstzeug ,den prahlerischen neoliberalen angelsächsischen Wirtschafts-Lehren (wie z. B. Laffer-Curve, Shareholder Value etc. - als pseudowissenschaftlich verkappten Thesen frühzeitig und grundlegend zu mißtrauen Zumindest für mich hat sich mit dem politischen Machtwechsel im Land Baden- Württemberg meine Reise über 30 Jahre kritischer Beobachtung in ein kleines Stück Optimismus für das Leben unserer Kinder verwandelt.
Sehr geehrter Herr F., Ihren Rundumschlag nehme ich zur Kenntnis. Aber nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis, dass ich a) wissenschaftlich schon vor Jahrzehnten gegen die Behauptung angeschrieben habe, wir seien auf dem rechten Ast der Laffer-Kurve, wo niedrigere Steuern mehr Einnahmen bringen und b) in meinem Buch Kasino-Kapitalismus (Kapitel 4) nachweise, wieso die Idee des Shareholder Value die Zockerei der Banken verursachte. Kann es sein, dass Sie bei Ihren Aussagen Dinge durcheinander bringen oder mich vielleicht verwechseln? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf den Zeitungsartikel "Tickende Zeitbombe" von Prof. Sinn, der am 2. April in der SZ erschienen ist. http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm) Lieber Kollege Sinn! Vielen Dank für die e-mail und den interessanten Artikel! In der Tat. Deswegen hat ja Trichet sehr gebettelt, dass der "Rettungsschirm" auch Altschulden kauft, insbesondere die, die die EZB hält. In gewisser Weise ist das eine Buchhaltungsfrage, denn ob nun Deutschland per EZB-Anteil für diese Schulden haftet, oder per Rettungsschirm-Anteil (wenn der die denn gekauft hätte), macht einen geringen Unterschied, außer das die beschlossene Lösung zusätzliche Mittel für Neuschulden bereit stellt. Mit freundlichen Grüßen, Harald Uhlig
Lieber Herr Uhlig, vielen Dank für die Rückantwort und schöne Grüße nach Chicago. Ihr Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Lieber Herr Sinn, richtig, d.h. gut und schön. Aber wenn man sich diesen Effekt (Konvergenz der Zinssätze) schon wünscht, dann muss man sich dazu auch gleich einen Ersatz wünschen für den verloren gegangenen Anpassungsmechanismus über Wechselkurse. Wir alle wissen, dass "eigentlich" etwas auf den Arbeitsmärkten hätte passieren müssen (um das Auseinanderdriften der Lohnstückkosten zu vermeiden), aber die Chancen, dass der Euroraum vom Buba-Standard, wie das damals hiess, auf einen IG Metall-Standard (anbei ein Uralt-Editorial) übergehen könnte, standen damals - und stehen immer noch - denkbar schlecht.
Lieber Herr S., ja, da haben Sie wohl recht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf den Artikel "Tickende Zeitbombe" von Prof. Sinn, erschienen am 2. April in der SZ: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm) Lieber Herr Sinn, der eigentliche Sündenfall (i.e., Verschuldung der GIPS-Länder) hiess seinerzeit an den Kapitalmärkten das "convergence game." Warum ist damals keinem Beobachter ein Licht aufgegangen?
Lieber Herr S., ganz so sehe ich es nicht. Die Konvergenz durch Kapitalströme an sich war ja nicht das Problem, sondern ein erwünschter Effekt. (Ich hänge dazu einen älteren Artikel an.) Das Problem war die Blase, die Staatsverschuldung und nun der Kreditfluss durch die Staatengemeinschaft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Danke für die gewohnt klare Analyse! Schon vorher erhalten, gelesen und weiter umverteilt. Die Entwicklung ist in der Tat Besorgnis erregend. Prof. Dr. Wolfram F. Richter Technische Universität Dortmund
Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag von Prof. Richter bezieht sich auf auf den Zeitungsartikel von Prof. Sinn "Tickende Zeitbombe"; erschienen am 2. April 2011 in der Süddeutschen Zeitung http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm
Betreff: Energiewende Sehr geehrter Herr Sinn, es ist mir möglich Ihren Argumenten zu 98 % zu folgen – sie zu verstehen. Aber plötzlich danke ich an meine „erwachsenen Kinder“ und an die Enkel und von da geht es dann zum Hauptproblem!!!!!! Entsorgung – kennen Sie ein schlüssiges Konzept für die Entsorgung des Atommülls?????
Sehr geehrter Herr S., der Salzstock in Gorleben ist vermutlich geeignet. Aber man kann über schnelle Brüter die Restmengen radioaktiven Materials dramatisch verringern. Das Endlagerproblem für C02 ist um vieles größer. In meinem Buch „Das Grüne Paradoxon“ habe ich das ausgeführt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Energiewende ins Nichts Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihren Beitrag im Handelsblatt des heutigen Tages. Sie schreiben, man müsse unsere Reaktoren sicherer machen. Aber hieß es denn nicht bis quasi gestern, daß wir die sichersten Reaktoren der Welt hätten? Mag ja sein, daß Flugzeug"abstürze" selten vorkommen. Und wenn doch? Das Erschreckende ist doch, daß dann in den ersten vierzehn Tagen gewissermaßen mit dem Gartenschlauch herumgefuchtelt wird und dann in den nächsten Monaten - wir werden ja noch sehen wie lange - anstelle von Salzwasser Süßwasser verwendet wird. Daß uns hierfür nicht mehr eingefallen ist, ist m.E. die eigentliche Katastrofe.
Sehr geehrter Herr H., es mag sein, dass es irgendwo so hieß. In meinem Buch "Das grüne Paradoxon" habe ich das Risiko der Kernschmelze beschrieben und darauf hingewiesen, dass es besser wäre, die deutschen Atomkraftwerke durch sicherere vom Typ Olkiluoto zu ersetzten. Im übrigen stimme ich Ihnen zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
An Herrn Sinn, Gastautor, Montag 28.03.11 Guten Tag, Herr Sinn, Mit einigem Erstaunen habe ich ihren Kommentar gelesen. Ihrem Argument, wir würden uns ja auch anderen Gefahren wie zum Beispiel Auto fahren oder fliegen aussetzen hinkt leider gewaltig. Erstens setzen wir uns der "Gefahr" selbstbestimmt aus und das Risiko ist ja wohl deutlich geringer für einen großen Teil der Bevölkerung und zweitens kann man das ja mit dem Risiko eines möglichen GAU`s nicht unbedingt vergleichen. Oder meinen Sie vielleicht, die Menschen, die in der Nähe der Kernkraftwerke leben nehmen dieses Risiko gerne in Kauf? Ich und offensichtlich viele andere- wie der Sonntag gezeigt hat- sehen die Sache etwas anders. Mit freundlichen Grüßen E. F.
Sehr geehrte Frau F., ich verstehe, dass Sie die Unterschiede in der Natur der Risiken betonen. Wir setzten uns aber vielen Risiken aus, die nicht selbstbestimmt sind. So sind bislang sehr viel mehr Menschen unschuldig oder auch, ohne selbst Auto zu fahren, bei Autounfällen umgekommen als bei Atomunglücken. Und was sagen Sie zu dem Argument, dass Kernkraftgebiete Zuzugsgebiete sind, weil die Attraktivität der Jobs die Abschreckung durch das Strahlenrisiko überstieg? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
herr Sinn, Ich Wohne in US Bundesstaat Californien wir sind von Gruenen(liberal demokraten) beherrscht. die Arbeitslosigkeit quote ist 12.4% die staats und Kommunalkassen sind leer. Grosse Areale von fetten Agrarland werden Wueste. Tausenden von wohnhaeuser sind non den Banken versteigert. Californien ist deutschlands Zu kunft Vorsicht Robert N.
Sehr geehrter Herr N., vielen Dank für Ihre Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin ein Fan Ihrer meist sehr scharfsinnigen Beiträge. Ich habe aber nach sorgfältiger Recherche den Eindruck, dass Sie in dem unten stehenden Artikel (ifo Standpunkt Nr. 122, Abgründe)in einem Punkt irren. Die 326 Mrd. Euro Nettoforderungen gegenüber anderen Notenbanken des Eurosystems fallen unter die Offenmarktransaktionen der EZB. Für Ausfälle haftet das Eurosystem, Deutschland gemäß seinem Kapitalanteil an der EZB.
Sehr geehrte Frau K., vielen Dank für den Hinweis. Ich habe aber nicht gesagt, dass Deutschland allein haftet oder zu welchem Prozentanteil, eben weil mir das nicht klar war. Als ich den Artikel schrieb, hatte ich von zwei Interpretationen gehört: 1. Die Salden sind aus Handelsgeschäften entstanden, und deshalb haftet Deutschland allein. 2. Die Salden gelten als im Zusammenhang mit Geldpolitik entstanden, und Deutschland haftet zu seinem Kapitalanteil +x, wobei x durch die ausfallenden Länder bestimmt wird. Ich hatte in einer Vorfassung des Artikels beide Varianten erwähnt, dann aber der Kürze halber die Frage, zu welchem Anteil Deutschland haftet, offen gelassen. Inzwischen hat die Bundesbank reagiert und mitgeteilt, dass es Forderungen und Schulden gegenüber dem EZB-System sind. Forderungen und Schulden entstehen bilateral und werden im zweiten Schritt auf die EZB übertragen. Dazu muss es eine Vereinbarung geben, die aber nicht veröffentlicht ist. Jedenfalls deckt dies die zweite Interpretation. Auf der Basis habe ich heute (2. 4. 2011) einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich stimme mit Ihrer Analyse überein, halte aber die Argumentation bei dem Vergleich mit den Flugzeugabstürzen für angreifbar. Atomunfälle sind sehr seltene Ereignisse mit, wenn sich das Risiko realisiert, extrem großem und langandauerndem Schaden. Ich glabe daher, dass Sie besser mit Meteoriteneinschlägen argumentieren sollten. Sie sind gleichermaßen selten und, falls sie eintreten, ebenso gefährlich. Nach der Logik des Atomausstiegs müsste man also sofort Milliarden in das Scanen des Weltraums nach Meteoriten investieren und gleichzeitig technische Abwehrkonzepte entwickeln und implementieren. Das Preisschild dieses Rettungsschirms müsste sich sicher nicht vor dem des Euro-Rettungsschirmes verstecken. Übrigens bin ich seit fast 30 Jahren mit einer Japanerin verheiratet. Wir haben zwei erwachsene Kinder. Meine Schwiegermutter lebt 100 km Luftlinie von Fukushima. Wir haben zahlreiche Verwandte in Japan. Natürlich sind wir um sie und sie um sich besorgt. Aber trotzdem sind sie gelassener als viele im fast 10000km entfernten Deutschland. Vielleicht trifft ja schlußendlich auch hier das Sprichwort von "nomen est omen": Fuku=Glück,Shima=Insel.
Sehr geehrter Herr O., vielen Dank für den Kommentar. Jeder Vergleich hinkt, das ist schon klar. Aber wir Menschen kommen nicht umhin, unseren Weg durch einen Dschungel von Gefahren zu bahnen und dabei abzuwägen. Mit apodiktischen Urteilen kommen wir bestimmt nicht weit. Es ist interessant, was Sie von Japan berichten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren Gastkommentar im Handelsblatt am 28. März gelesen zum Thema: Energiewende ins Nichts. Ich bin davon sehr angetan, weil er sich wohltuend abhebt von den vielen fast hysterischen Appellen so mancher Personen, auch Politiker. Gestatten Sie, daß ich Ihnen einen eigenen Artikel aus der Essener Bistumszeitung RuhrWort vom 2. April 2011 zu dem Thema zusende, der auf den Kugelhaufenreaktor hinweist – eine ganz andere Kernkrafttechnologie, die die Ereignisse in Tschernobyl und Japan verhindert hätte und leider in diesen Wochen gar nicht in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Der BKU – Bund Katholischer Unternehmer – befürwortet seit langem bereits diese Kernkrafttechnologie, findet aber in der aufgeregten Welt von heute leider keinerlei Gehör. Sie wenden sich gegen Hauruck-Maßnahmen und setzen sich für wohlüberlegte Strategien ein – daher hoffe ich, bei Ihnen ein offenes Ohr im Sinne einer wohlwollenden Prüfung für diese Alternative zu finden nach dem Motto: Umstieg statt Ausstieg.. In der Hoffnung, daß mein Artikel – Vorwort und Hauptartikel der beigefügten Seite – auf Ihr Interesse stößt, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Elisabeth Schulte (Anm. des Moderators: Nachfolgend der im Text erwähnte Artikel) Umstieg statt Ausstieg - Kernkraft ist nicht gleich Kernkraft Japan, 11. März 2011: Ein Erdbeben mit Stärke 9 bringt die Ostküste aus dem Gleichgewicht – Häuser und Unternehmen - auch Kernkraftwerke - erzittern und brechen nahe des Zentrums größtenteils zusammen. Diese Stärke 9 eines Bebens war noch nie gemessen worden. Und dann der Tsunami: Er überflutet und verwüstet, was bisher dem Erdbeben noch standgehalten hatte - auch die Stromversorgung einiger Kernreaktoren. Und die Notaggregate erweisen sich als zu schwach, um die erforderliche Kühlung aufrecht zu erhalten. Es droht der GAU – der größtmögliche Unfall eines Atomkraftwerkes: Überhitzung, Durchbrennen der Brennstäbe, Explosion, Austreten von Radioaktivität – Verstrahlung von Menschen, Lebensmitteln, Wasser. Auch in Tschernobyl entstand die Katastrophe durch Ausfall der Kühlung des Reaktors, weil ein Test, den Strom abzuschalten, komplett aus dem Ruder lief. Eines ist klar: die Frage der Energieversorgung stellt sich weltweit neu, auch wenn es eine alte und bereits oft diskutierte Frage ist. Kernkraftwerke in Deutschland und der Welt haben ein Restrisiko, das seit jeher umstritten ist und nicht versicherbar. Bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wies Hermann Josef Werhahn, Mitglied des BKU seit Jahrzehnten, erfahren in Wirtschaft und Politik wie kaum ein anderer, auf dieses Manko hin. Deshalb warb und wirbt der Schwiegersohn des Nachkriegs-Bundeskanzlers Adenauer für eine Alternative, die genau in diesem Punkt entscheidend anders war und ist: er setzte sich seit damals ununterbrochen und unermüdlich für den Kugelhaufenreaktor ein, den Prof. Rudolf Schulten seit 1956 in Jülich entwickelt hatte. Werhahns Motto: „Umsteigen statt Aussteigen!“ Der Kugelhaufenreaktor basiert nicht auf der Reaktion von Brennstäben, die gekühlt werden müssen und im Notfall durch menschliches Eingreifen gestoppt werden, indem mit Hilfe von Strom z.B. Graphitstäbe zwischen die Brennstäbe gefahren werden, um den Betrieb herunter zu fahren. Der Kugelhaufenreaktor hingegen besteht aus kugelförmigen Brennelementen in einem Kugelbett und einer Helium-Kühlung. Die handgroßen Grafitkugeln enthalten nadelkopfgroße Kernbrennstoffe – Werhahn nennt sie „sandkornkleine Panzerkörner“ -, und diese sind ummantelt mit einer Schicht von Siliziumkarbit, also einer diamantharten Keramikhülle. Die Kernreaktion läuft im Kugelhaufenreaktor durch die genau austarierte Ummantelung der Kugeln ab und nicht durch menschlich gesteuerte Vorgänge, die fehlerhaft sein könnten. Wird eine Kugel während einer Kernreaktion beschädigt, wird die Reaktion automatisch, aus sich selbst heraus gestoppt: das ist die „inhärente Sicherheit“. Werhahn: „Kommt es von außen zu einem enormen Druck auf die Kugeln, so fliegen die Kugeln auseinander – und selbst wenn einige Kugeln beschädigt werden, bleiben die Panzerkörner darin unversehrt. Und vor allem: Je höher die Temperatur im Reaktor wird, um so schwächer ist die Rate der Kernreaktion - schließlich bei Null.“ Erfolgreiche Versuche mit Kugelhaufenreaktor In Jülich wurde der Atom-Versuchsreaktor bereits in den 60er und erneut in den 70er Jahren auf einen GAU hin getestet: Bei voller Temperatur und in vollem Betrieb wurden die Abschaltstäbe blockiert und das Kühlgasgebläse abgeschaltet. Die Wärme wurde langsam über das Kugelbett nach außen abgeführt, nichts brannte durch oder explodierte. Es gab keine Strahlung nach draußen. 2005 erfolgte ein ähnlicher Versuch in China genauso erfolgreich. 1988 wurden aus politischen Gründen der Atom-Versuchsreaktor in Jülich wie auch der daraus entwickelte Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop abgeschaltet. Auch in Südafrika scheiterte der Bau eines Hochtemperaturreaktors 2010, aber nicht, weil der Kugelhaufenreaktor nicht funktioniert – er hat 20 Jahre Probelauf in Jülich gut absolviert -, sondern weil in Südafrika Abweichungen vom Grundprinzip getätigt wurden, die von Prof. Schulten und seinem Team bereits in den 60er Jahren bei der Suche nach Weiterentwicklungen verworfen worden waren. In Südafrika liefen schließlich Zeit und Geld aus dem Plan, was das Aus bedeutete. Verantwortliche sollen über Restrisiko nachdenken Ggf. gibt es noch das ein oder andere am Kugelhaufenreaktor zu verbessern - das wesentlich Positive dieser Technologie jedoch besteht in ihrer inhärenten Sicherheit, die es lohnend macht, der Umsetzung weiter nachzugehen und sie als ernsthafte Alternative zu der bisher nicht versicherbaren Kernkraft-Technologie zu sehen. Auch wenn die genauen Ursachen und Folgen der Kernkraftwerksunglücke in Japan jetzt kurz nach der Katastrophe noch nicht feststehen, so sollten sie auf jeden Fall Anlaß für alle Verantwortlichen dieser Welt – sei es auf Betreiber-Seite oder Politiker-Seite – sein, über das Restrisiko nachzudenken, das sie zu verantworten haben. Bis auf weiteres – man sollte nie „nie“ sagen - ist die Kerntechnologie alternativlos als einer von mehreren Bausteinen der Energieversorgung: alle alternativen Energien wie Wind- und Solarenergie können nur Spitzen des Verbrauchs abdecken, nicht aber den gesamten Bedarf der Volkswirtschaften. Auch ökologisch gesehen wäre es nicht zielführend, riesige Flächen Deutschlands mit Windkrafträdern zuzupflastern. Außerdem haben auch Kohlebergbau und –kraftwerke ihre ökologischen Nachteile. Bei jeder Art der Energieversorgung sind Vor- und Nachteile verantwortungsbewußt im Einzelfall abzuwägen. So zu tun, als könne alles von jetzt auf gleich ohne massive Konsequenzen für die gesamte Bevölkerung geändert oder gar abgeschaltet werden, ist unrealistisch und nicht hilfreich. Dipl.-Volkswirtin Elisabeth Schulte, Mülheim an der Ruhr, BKU Bund Katholischer Unternehmer, Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Ruhrgebiet.
Sehr geehrte Frau Schulte, vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Man sollte sich mit den Möglichkeiten des Kugelhaufen-Reaktors in der Tat näher befassen. Es gibt viele Möglichkeiten, in Sicherheit zu investieren. Auch die Core Catcher, die in Flamanville und Olkiluoto eingebaut sind, beherrschen die Kernschmelze. Die hysterische Überreaktion von Politik und Öffentlichkeit ist kein guter Ratgeber für weise Entscheidungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, aus Ihren Theorien und Plänen für Deutschland muss man schließen, dass Sie sich dieses Land im Zustand der sechziger Jahre wünschen: Währen der amerikanische Industriearbeiter einen Chevrolet fuhr, begnügte sich der deutsche mit einem Volkswagen oder Opel Kadett. Den Deutschen ging es damals bereits wieder ›ganz gut‹, aber ihre Lebensverhältnisse waren eben immer noch bescheiden genug, dass ihre Qualitätsdrehbänke billiger war als die Qualitätsdrehbänke der Chevrolet/Ford/Plymouth fahrenden amerikanischen Kollegen. Sie behaupten somit, das deutsche ›Wirtschaftswunder‹ resultierte aus einem ganz bestimmten Verhältnis aus Lebensstandard und Leistung. Das ist in sich logisch – leider wohl. Und es bedeutet zugleich, dass die absolute Leistung (›deutsche Qualität‹) nicht über der anderer Nationen liege. Auch das mag stimmen. Also leben wir heute über unsere Verhältnisse. Gut soweit die Analyse. Aber das Zurückgehen auf das alte Verhältnis ist mit Sicherheit nicht zu erreichen. Ihre Vorschläge sind sehr drastisch und belasten das ›soziale Gefühl‹ zu stark, um akzeptiert zu werden. Was ich in Ihren Vorschläge vermisse, ist die Forderung nach eindeutigen Anstrengung, bessere Waren und Dienstleistungen anbieten zu können. Und das geht nur über Wissen und Können. Deutschland verfügt nicht annähernd über das Wissen wie allgemein angenommen. Wie kann es sonst sein, dass die IT-Branche dümpelt (wer versteht wirklich etwas von Computern). Gentechnologie, Kernfusion, Naotechnologie seien weiter genannt. In Deutschland gibt es kein Harvard, Stanford, Princeton, MIT, nicht einmal IBM. Bereits das Elektro-Auto hinkt offensichtlich wieder hinterher. Und hier ist eine wirkliche Innovation gar nicht beteiligt. Ich habe übrigens eine kleine private historische Studie betrieben und mir die Entwicklung in Naturwissenschaft und Technologie mit Schwerpunkt Aufklärung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts angesehen. Deutschland steht hier gegen v. a. Frankreich, England, Italien, Holland nicht gut da. Ich bin der Überzeugung, der allzu gute Ruf der Deutschen beruht auf einer Selbstpropaganda um die Gründerzeit herum – also nach 1871 bis zum Ersten Weltkrieg. Ja, es gab Gauss, Zeiss und Abbe. Aber zuvor gab es Jansen, Swammerdam, Leeuwenhoek, Wollaston, Hall, de Fermat. Und Daimler und Benz? Die Geschichte zeigt, wer alles bereits zuvor die Grundlagen erforscht und geschaffen hat (die halbe Welt baute irgendwelche Verbrennungsmotoren und baute sie sogar in Fahrzeuge ein). Wie also soll das weitergehen? Billig billig gegen Slawen, Balkan, Fernost? Die Idee mit den Indern ist Vergangenheit – niemand fühlt sich im deutschen Wissenschaftsbetrieb wohl. Wir müssen lernen, was Grundlagenforschung und Innovation wirklich bedeuten. Und wenn es die Deutschen nicht alleine hin bekommen – ja dann müssen sie ihren Stolz besiegen (schon Nietzsche wusste, Deutsche überschätzen sich maßlos) und mit Nicht-Deutschen etwas dafür tun, dem gerecht zu werden, was sie seit ehe und je glauben zu sein. Mit freundlichen Grüßen Dr. Harry Martin (ich bin Deutscher)
Sehr geehrter Herr Martin, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich finde sie interessant, auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme. Mich selbst erkenne ich in Ihrer Darstellung freilich nicht wieder. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Überschrift Ihres Kommentars beschreibt sehr richtig den Zustand, den man erreichen würde, wenn man heute in einer Phase von Angst und Schrecken den Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung nach einem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie in einem Energiekonzept umsetzen würde. Es kann nicht sein, dass man eine über Jahrzehnte zuverlässige und bewährte Quelle der Grundlast-Stromversorgung aufgibt und meint, sie durch eine Vision ersetzen zu können. Ein in jeder Beziehung verantwortungsloses Regierungs-Handeln wäre das Ergebnis. Grundsätzlich fehlt heute in den Köpfen die Erkenntnis, dass jede Energie, die wir wandeln und nutzen - nichts anderes können wir - Kernenergie ist. Die erneuerbaren Energien sind die Kernenergie der Sonne und der Erde! Zudem wird völlig vergessen, dass zu Beginn des 19.Jahrhunderts die Energieversorgung vollständig durch erneuerbare Energien erfolgte. Dies konnte damals bei einer Weltbevölkerung von 1 Milliarde Menschen auch gelingen. Der Einsatz der Kohle mit seiner 10fach höheren Energiedichte hat erst die industrielle Revolution ausgelöst. Der Übergang zum Uran mit seiner noch um ein Vielfaches höheren Energiedichte war demzufolge ein logischer Schritt im Hinblick auf einen effiziente Versorgung der exponentiell wachsenden Weltbevölkerung. Einen weiteren Schritt auf diesem vorgezeichneten Weg würde wie von Ihnen angesprochen die Kernfusion darstellen. Allerdings kann diese aus technischen Gründen sicherlich nicht in einem Energiekonzept für die nächsten 40 Jahre Berücksichtigung finden. Ein Zurück zu einer 100 %-Versorgung mit erneuerbaren Energien für ein Industrieland wird es jedenfalls nicht geben. Es wäre ein Schritt zurück in die Vergangenheit! Der riesige Flächenbedarf und die gigantischen Anlagen zur Stromerzeugung aufgrund der niedrigen Energiedichten von Wind und Sonne würden Deutschland zu einem "Erneuerbaren- Energien-Monstrum" verkommen lassen. Es läßt sich absehen, dass allein die auslaufenden Einspeisevergütungen dazu führen werden, dass in 10 - 15 Jahren Deutschland das Land mit den meisten Windmühlen-Ruinen sein wird. Leider erwähnen Sie in Ihrem Kommentar den Atomstrom als einzige Möglichkeit, die Erwärmung der Erde durch den Treibhauseffekt zu verhindern, weil dessen Erzeugung keinen CO2-Ausstoß verursacht. Ich möchte aus den aktuellen Gründen dieses Faktum nicht besonders in den Vordergrund stellen. Aber die sich durchsetzende Erkenntnis, ja Weisheit ist: Nicht CO2 bestimmt das Klima, sondern das Klima bestimmt das CO2! Sie hatten in einer früheren Veröffentlichung bereits darauf hingewiesen, dass der Emissionshandel wahrscheinlich ergebnislos bleiben wird. Klimaschutz: wie viel Überheblichkeit des Menschen steckt allein in diesem Begriff ! Physikalische Grundlage Ihrer richtigen Feststellung ist, dass alle Spurengase unter den atmosphärischen Bedingungen abnehmender Gasdichte durch den bisher nicht berücksichtigten Effekt der Vorwärtsstreuung keinen "Wärmestrahlungs-Widerstand" ausbilden und damit keinen Beitrag zu einem Treibhauseffekt leisten können. Es sind die Kondensationsprodukte des Wasserdampfs, die verständlicherweise den Treibhauseffekt verursachen! Ich kann Sie heute nur bitten, dies bei den nun anstehenden Diskussionen zumindest im Kopf zu behalten. Mit freundlichen Grüßen Dr.-Ing. Hans-Joachim Böhme (Förderndes Mitglied der NRW-Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf)
Sehr geehrter Herr Böhme, vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Professor, ich habe ihren Artikel in der SZ gelesen. Ich schätze Sie für ihre kritische Haltung zur causa Hellas sogar als Inselgrieche, trotzdem würde mich interessieren, ob man nicht eine schnelle und konstruktive Lösung für diesen ersten Krisenfall Europas finden sollte, anstatt hier die "Salami-Taktik" zu betreiben und unnötige Zeit zu verlieren. Europa funktioniert nun mal nicht nach dem Prinzip "wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass," - das gilt für die jetzigen Pleitestaaten, wie auch für die starken Volkswirtschaften, die viel zu lange zugeschaut haben. Warum nur hat es so lange gedauert, bis man auf die Idee gekommen ist, dass eine zentralisierte und vorausschauende Wirtschaftspolitik etwas für sich hat. Vor Jahren hat man "Europas verlängerte Werkbank" nach Kleinasien verlegt. Fernseher, Autos und Waschmaschinen werden nun in der Türkei gefertigt. Frage: Können wir nicht Produktionsstätten aus der Türkei zurück verlagern, um die Produktivität beispielsweise Portugals und Griechenlands wieder zu steigern oder ist diese Form der Wirtschaftslenkung naiv? Als Hotelier reagiere ich dieser Tage besonders bestürzt darauf, mit welcher Vehemenz die Türkei als Billig Reiseland wirbt und erhört wird (April Ausgabe Merian; in der April Ausgabe GeoSaison wirbt man neuerdings sogar für Nordzypern). Der griechische Tourismus (die einzig verbliebene "Industrie") ist rückläufig und wir können nur schwer mit der Türkei konkurrieren. Meiner Meinung nach müssten die Griechen günstiger, die Touristen vielleicht solidarischer werden, anstatt Griechenland jetzt auch noch zu meiden. Wunschdenken? Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar - MfG - M.S.
Sehr geehrter Herr S., als das Handelsblatt letztes Jahr fragte, wie man Griechenland helfen solle, schlug ich vor, wieder mehr Urlaub in Griechenland zu machen. Allerdings muss das Land dazu billiger werden. Das letzte Mal, als ich da war, war ich entsetzt. Mit zwei Personen ist man am Abend schnell mal 100 Euro los. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihren Beitrag im Handelsblatt Energiewende ins Nichts quer zu aller Hysterie und allen opportunistischen Ankündigungen zur Selbstdemontage der deutschen Wirtschaft finde ich verdienstvoll und mutig. Mich hat besonders Ihr Absatz über die Hinwendung zur Kernfusion beinahe elektrisiert. So etwas stand schon in einem von mir mitverfaßten Flugblatt, das ich 1972 nach der Verleihung des Friedenspreises an den Club of Rome dem Bundespräsidenten Heinemann in seinen Staatsopel hineinreichte. Auch finde ich Ihren Beitrag weitsichtiger und frei von der Unbeweglichkeit der Intervention von Helmut Kohl in BILD, zu der ich mich (undedeutend an hochbedeutender Stelle) in Facebook so geäußert habe: Einspruch eines Monuments by Peter G. Spengler on Friday, March 25, 2011 at 2:20pm Den größten anzunehmenden Einbruch der CDU in ihrer letzten Festung kann Herrn Kohls Intervention http://bit.ly/gd5KnY nicht mehr abwenden. Es fehlt ihr trotz Verweis auf Deutschland als Technologieführer die operative Präzision seiner berühmten 10 Punkte von 1989 http://bit.ly/gS0DYk. Forschung und Entwicklung der Welt werden auf die in der Urantechnologie eingepferchte Zirkelhysterie deutscher Verbote nicht warten. Allein schon dann wenn sich in China, Russland und Indien die Kerntechnik mit dem Brennstoff Thorium duchsetzt, wird klarer werden, daß die Kernfission tatsächlich eine Brückentechnologie ist - aber eine zur Kernfusion, nicht eine für den Wind. Aber mir scheint - zum Schluß bemerkt - auch in Ihrer Sicht der Alternativen noch etwas zu fehlen: Kernenergierzeugung nicht mit dem Brennstoff Uran, sondern Thorium. Das wäre ein Unterschied ums Ganze. Auch hier war die deutsche Kerntechnik einst führend; nun übernehmen das die Chinesen, demnächst mit zusätzlichem KnowHow aus Russland. Ambrose Evans-Pritchard war so hilfreich, diese Alternative in seinem letzten Beitrag im Torygraph darzustellen, bevor er sich ins Land der Mayas in Urlaub begeben hat: Safe nuclear does exist, and China is leading the way with thorium Vielleicht sollten Sie diese ganz andere Schiene auch bedenken. Mit besten Grüßen Peter G. Spengler
Sehr geehrter Herr Spengler, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Ihren Artikel im Handelsblatt zur Atomdebatte gelesen und möchte mich auf diesem Weg zu einigen Punkten Ihrer Argumentation äußern. Ich war Student der VWL an der LMU und habe alle drei Kernfächer der Finanzwissenschaft bei Ihnen gehört. Meiner Meinung nach, sollten bei der ökonomischen Analyse von AKWs, neben den Opportunitätskosten von alternativen Energieproduzenten und der Leistung für den Endverbrauch auch die Kosten noch einmal genau qualifiziert und quantifiziert werden. Zwei Kostenpunkte werden oft nicht berücksichtigt: Die Lagerkosten für den Atommüll und die ökonomischen Kosten von jeglichen Unfällen. Die Lagerkosten pro Jahr sind gering. Multipliziert man diese jedoch mit den „x-tausend“ Jahren, so nehmen sie insgesamt einen sehr hohen Wert ein. Die ökonomischen Kosten von jeglichen Unfällen bis hin zum Super-GAU sind enorm. Oft wird gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit der Unfälle niedrig einzuschätzen ist. Wenn man bedenkt, dass zwischen Fukushima und Tschernobyl nur 25 Jahre liegen und die Sowjetunion und wahrscheinlich alle Länder mit AKWs viele Unfälle und Gefahrensituationen gar nicht an die Öffentlichkeit bringen, kann man die Wahrscheinlichkeit als höher einschätzen als bisher gewollt. Ich glaube, dass die Leistungsfähigkeit eines AKWs unter der Berücksichtigung aller Faktoren deutlich geringer einzustufen ist als dies bisher der Fall war. Sie argumentieren ähnlich, wenn sie den Versorgungsgrad von Wind- und Sonnenenergie berücksichtigen. Zu einem einzigen Punkt in Ihrem Artikel möchte ich mich kritisch äußern. Sie vergleichen die Nutzung der Atomenergie mit dem Flug- oder PKW- Verkehr. Dieser Vergleich ist nicht ganz treffend. Beim größten anzunehmenden Unfall auf der Autobahn oder mit dem Flugzeug sind von dem Unfall „nur“ Menschen betroffen, die direkt beteiligt sind. Tschernobyl hat ein sehr großes Gebiet auf einen sehr dicht besiedelten Kontinent als nicht mehr lebensfähig gestaltet. Die Opfer von Tschernobyl sind in ganz Mittel- und Osteuropa verstreut. Ich finde es akzeptabler Deutschlands und Europas Landschaften in einen großen Windpark umzubauen, als in den nächsten x-hundert Jahren Gebiete in Europa zu haben, die bis zum Jüngsten Tag nicht mehr bewohnbar sind. Es gibt keinen Versicherer der hierfür eine Haftpflichtversicherung anbieten kann. Ich schätze Ihre Arbeit und Zeit sehr und erwarte daher keine Antwort. Trotzdem hoffe ich, dass Sie diese E-Mail gelesen haben.
Sehr geehrter Herr C., vielen Dank für den Kommentar. Unfälle durch Menschenhand, bei denen es Opfer gibt, die sich nicht bewusst der Gefahr ausgesetzt haben, gibt es haufenweise, auch durch den Verkehr. Es sind daran bislang sehr viel mehr Menschen gestorben als an Atomunfällen. Nichts ist absolut. Man muss immer abwägen. Das Endlagerproblem ist beim CO2 viel größer als beim Atom, denn man lagert ja in der Atmosphäre, und unterirdisch gibt es den Platz nicht. Ein Kubikmeder Kohle bringt mehr als 5 Kubikmeter flüssiges CO2. Um Biblis A, das einen halben Güterzug an Abfällen pro Jahr erzeugt, zu ersetzen, bräuchte man Kohlekraftwerke, die 6000 Güterzüge mit CO2-Tanks pro Jahr an Abfällen erzeugen, die in der Atmosphäre abzuladen sind. Ein Viertel des in der Atmosphäre abgelagerten CO2 verschwindet praktisch nie. Die mittlere Verweildauer ist 30.000 Jahre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Interesse habe ich Ihren Artikel Energiewende ins Nichts im Handelsblatt gelesen. Da für die Endlagerung keine vernünftige Lösung gefunden werden kann, sind auch angeblich sicherere AKW's höchstens eine sehr kurzfristige Lösung für unser Energieproblem. Interessant finde ich den Aspekt Kernfusion. Das Endlagerproblem ist reduziert auf 100 Jahre, geringere Radioaktivität, höhere Betriebssicherheit, verfügbare Rohstoffe, CO2-frei sind weitere Pluspunkte. Ich frage mich allerdings, warum die Kernfusion überhaupt nicht in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Es muss doch gerade jetzt auch im Sinne der Politik sein, neue Technologie aus Deutschland zum Thema Energieerzeugung ins Gespräch zu bringen.Welche Gefahren birgt die Kernfusion, welche Nachteile bringt sie? Oder steckt man mit Cern, Wendelstein und Iter noch zu sehr in den Kinderschuhen der Entwicklung? Was denken Sie? Mit freundlichen Grüßen Stefan Bauer
Sehr geehrter Herr Bauer, ich glaube, die Politik ist einfach nicht rational und die meisten Wähler sind es auch nicht. Schon das Adjektiv „Atom“ ist emotional negativ besetzt, und da fällt so ein kleiner Unterschied wie zwischen Kernfusion und Kernspaltung schon gar nicht mehr ins Gewicht. Wir machen Emotionspolitik statt Sachpolitik. So richtet sich dieses Gemeinwesen zugrunde. Die hyperaktiven, aufbauschenden und emotionalisierenden Medien, die mit Sensationen um Marktanteile kämpfen, tragen dazu bei, dass die Politik sich immer mehr von der Sachebene löst und zur Gemütspolitik wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ich habe eine Frage bezüglich des Finanzsystems in den USA. Gibt es dort institutionelle Regelungen, welche explizit festsetzen wie bei einem möglichen Staatsbankrott vorzugehen ist? Hilft zum Beispiel Washington oder die FED mit einer Finanzspritze oder eventuell der IMF? Vielen Dank!
Sehr geehrte Frau V., der IWF hilft sicherlich nicht. Die Staaten werden weitgehend allein gelassen. Als die Stadt New York um das Jahr 1972 aufgrund der umfangreichen Sozialausgaben von Bürgermeister Lindsey Pleite ging (sie ist ökonomisch fast deckungsgleich mit dem Staat New York), musste sie ihre zukünftigen Steuereinnahmen an die Banken verpfänden. Europa richtet einen Rettungsmechanismus ein, den man in den USA nicht kennt, obwohl es noch gar kein Bundesstaat ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Frau Marquardt, bezugnehmend auf unser Telefongespräch von heute morgen, folgende Punkte: Von der DRV Bund bin ich anders beraten worden, als Herr Sinn in dem Artikel von 10.03.11 in der Zeit schreibt. Pro Kind erhält ein Elternteil 3 Rentenpunkte (seit 1992), ein Retnenpunkt ist derzeit 27 € wert, also steigtert sich die Rente um 80,- € pro Monat. Selbst bei einer "nur" druchschnittlichen Lebenserwartng der Frauen macht dies mehr als die genannten 11.000,- € aus. Zudem trägt diese Regelung der Selbstbestimmung der Frauen erheblich bei, da die 3 Punkte auf jeden Fall gutgeschrieben werden, auch denn die Frau keine 3 Jahre pausiert, sondern auch möglicherweise gleich nach der Geburt weiterarbeitet (so bin ich auf mehrmalige Nachfrage von der DRV Bund beraten worden). So diskrimiert werden die Frauen also vom Rentenwesen her nicht, seit 1992. Ich freue mich, von Ihnen zu hören
Sehr geehrte Frau L., vielen Dank für Ihre Anfrage. Prof. Sinn bezieht sich auf einen Forschungsbericht (ifo Forschungsbericht Nr. 27: Die fiskalische Bilanz eines Kindes im deutschen Steuer- und Sozialsystem), der vor einiger Zeit bei uns erstellt wurde. Bei den Berechnungen wird die Barwertmethode verwendet, weil zeitlich gestaffelte Zahlungen - wie eine längere Zeit laufende Renten - für eine zusammenfassende gegenwartsbezogene Bewertung abdiskontiert werden müssen. Man darf nicht einfach jährliche Euro-Beträge addieren, sondern nur deren "Barwerte". In dem Gutachten wird errechnet, dass kinderbezogene Rentenansprüche im Durchschnitt 4,5 Entgeltpunkte ausmachen (3 Punkte die Erziehungszeiten, 1,5 Punkte die evtl. Höherbewertung beitragsbezogener Ansprüche bis zum 10. Lebensjahr eines Kindes), und dann wird für eine Frau gerechnet, die derzeit 25 Jahre alt ist, mit 65 in Rente geht und bis 80 lebt. Die zeitliche Distanz und der als Diskontfaktor verwendete Zins (3,5% p.a.) sind für die am Ende ermittelte Zahl wichtig. Zu beachten ist aber, dass die von uns gleichfalls abgeschätzten Erträge eines Kindes für das Rentensystem bzw. andere Versicherte nach genau derselben Logik berechnet werden: als Barwerte des zukünftigen Zahlungsstroms der vom Kind (und allen seinen erwarteten Kindeskindern) entrichteten Rentenbeiträge, abzüglich der jeweils erhaltenen Renten. Änderungen der Annahmen ändern also zwar vielleicht die Zahlen, aber nicht (so sehr) die von Herrn Sinn angesprochene Relation zwischen beiden Einzelgrößen. Ich darf an dieser Stelle noch anführen, dass Ihnen die DRV natürlich richtige Auskünfte erteilt hat. Es ist nur eine andere Herangehensweise, weil nicht der Barwert ermittelt wird. Konnten wir Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen? Mit freundlichen Grüßen Annette Marquardt
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zuunächst besten Dank für Ihren sachlichen Gastkommentar in einer Zeit, in der vielen unserer Mitbürger Sachlichkeit und die Tragweite von ad-hoc-Entscheidungen bzw. den Forderungen nach solchen mindestens vorübergehend abhanden gekommen ist. Unabhängig vom Pro- oder Contra-"Atomkraft"-Votum des Einzelnen, machen Sie zu Recht darauf aufmerksam, daß ein Ausstieg nur über einen längeren Zeitraum darstellbar ist, wollen wir uns nicht der Grundlage unseres zukünftiges Wohlstandes entziehen. Selbst bei einem geplanten Ausstieg über einen vernünftigen Zeitraum, ist heute nicht abschließend zu klären, ob die regenerativen Quellen zu allen Jahreszeiten den künftigen Energiebedarf abdecken können, d.h. ob nicht auch in ferner Zukunft noch ein Minimum an Atomkraft unumgänglich ist. Deutlich zu kurz gekommen ist mir in Ihrem Beitrag, ein anderer Aspekt in der ökonomischen Betrachtung der Atomkraft. Ein Produktionsprozeß dessen Restrisiko (und nichts anderes hat sich in Fukushima realisiert; dies meine ich keineswegs zynisch, schon gar nicht, angesichts des Leidens der betroffenen Menschen) auf Versicherungsmärkten nicht versicherbar ist, weil keine risikoadäqauten Prämien berechenbar sind bzw. wären sie es, dann wäre die Atomenergie wahrscheinlich hoffnungslos überteuert im Vergleich zu anderen Energieträgern, ein solches Unternehmen bzw. Produkt hat in einer marktwirtschaftlichen Ordnung m.E. nichts verloren (Ihr Vergleich mit Flugzeugunglücken und Autounfällen ist nicht richtig, da es sich hier um "Restrisiken" handelt, jedes Schadenereignis sowohl räumlich als auch hinsichtlich der potentiellen Opferzahlen vergleichsweise sehr begrenzt ist - daher sind diese Risiken auch versicherbar). Nur durch eine entsprechend immens hohe Subventionierung (= Übernahme der Kosten durch den Steuerzahler im Fall der Realisierung des Restrisikos sowie der Kosten für Zwischen- und Endlagerung der Brennstäbe) kann die Atomenergie preislich "wettbewerbsfähig" gehalten werden (Der übliche Verweis auf die Deckungsvorsoge deutscher Kernkraftswerkbetreiber in Höhe von 2,5 Mrd EUR sowie die Gesamthaftung der Betreibergesellschaften und ihrer Mütter in Höhe ihres gesamten Vermögens halte ich nicht für überzeugend, da heute nicht absehbar ist, ob der künftige Marktwert mindestens dem Schadenswert entspricht.). Subventionierung jedweder Art (auch anderer Energieträger!) stellt eine Preisverzerrung dar und führt zu einer massiven Fehlallokation der Ressourcen, mit den entsprechenden (negativen) Konsequenzen für Wachstum und Beschäftigung sowie der Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Aus diesem (marktwirtschaftlichen) Grund, und nicht wegen einer "grünen" Romantik, halte ich den Ausstieg aus der Atomkraft für geboten - so schnell wie möglich, aber ohne Hysterie. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Just
Sehr geehrter Herr Just, wir stimmen weitgehend überein. Nur wäre ich bezüglich der Versicherbarkeit nicht so pessimistisch. Es gibt ja die sogenannten Cat Bonds, handelbare Versicherungskontrakte, die Naturkatstrophen abdecken. Und der Markt für CDS-Versicherungen lag vor der Finanzkrise bei 60.000 Milliarden Dollar (also etwa 45 Billionen Euro). Die Gesamtkosten der Katastrophe von Japan wurden zuletzt inklusive der Tsunami-Schäden auf 200 Milliarden geschätzt. Und wenn die Reaktoren versichert werden müssen, wird man sehen, ob sie sich noch lohnen. Das kann man dann abwarten. Sie haben völlig Recht, dass die möglichen Schäden internalisiert werden müssen, und das kann mit Hilfe von Versicherungen geschehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zum Thema Kernenergie vs. regenerative Energieträger bin ich abolut Ihrer Meinung und danke Ihnen für den letzten Artikel im Handelsblatt. Ich erachte es als äußerst problematisch, dass der Staat, nur um Wählerstimmen zu fangen, profitable Unternehmen (Kernkraftwerke)- die Abeitsplätze sichern und schaffen - per Gesetz zusperren will. Dann müsste man auch hergehen, und Chemiekonzerne wie BASF zwingen, das Unternehmen abzuwickeln. Wenn ein Flugzeug auf Lugwigshafen kracht, könnten ja auch hier Chemieunfälle ungeahnten Ausmaßes stattfinden, die weite Landstriche verseuchen würden. Die "Möchtegern-Grünen" blenden noch etwas ganz Wesentliches aus: Für die vielen häßlichen Windräder müssen zukünftig auch rund 5000km neue Überland-Kabeltrassen durch Dtl. gezogen werden. Das bedeutet, dass auch viel Wald abgeholzt werden muss.Dagegen laufen die sog. Umweltschützer in Niedersachsen ja jetzt schon sturm. Standpunkt der Grünen: Windräder ja, neue Kabeltrasse nein. Typisch, erstmal gegen alles wettern, dann aber kein Gegenkonzept haben. Der Grüne Gedanke in Dtl. ist eher Scheinheiligkeit.Solarpanels werden ja auch nicht von Herzen und aus grüner Überzeugung aufs Dach gezimmert, sondern ausschliesslich aus monetären Anreizen heraus. Hoffentlich geht den ganzen naiven Schauspielern wie Gabriel, Trittin, Künast und Roth endlich mal ein Licht auf. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Mit freundlichen Grüßen T.S.
Sehr geehrter Herr S., es freut mich, dass wir einer Meinung sind. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen Leserbrief von gestern. Erlauben Sie mir dazu eine kurze ergänzenden bzw. Gegenargumentation. Bezüglich der prinzipiellen Identität der Risiken der Kernenergie mit anderen Lebensrisiken haben Sie Recht. Die Dachziegel und das Auto kann man ebenso wie die Kernenergie als Lebensrisiken einer wirtschaftlich hoch-entwickelten Welt ansehen, dem sich jeder aussetzt, der darin leben möchte. Diese Risiken stehen im Vergleich zu den Raubtieren und Hungersnöten unserer Vorfahren in einem durchaus vorteilhaften Verhältnis. Die Frage, ob ein Risiko bewusst oder unbewusst eingegangen wird, ist übrigens aus meiner Sicht nicht entscheidend. Die Verantwortung für das Einsetzen seines eigenen Verstandes liegt bei jedem Menschen selbst - das ist die zwingende Schlussfolgerung aus den Erkenntnissen Charles Darwins. Dennoch besteht ein Unterschied, wenn man den Erwartungswert der Dachziegel mit demjenigen der Kernenergie aus Sicht des Einzelnen vergleicht. Nach meiner Überzeugung und derjenigen meiner Mitarbeiter ist der Erwartungswert eines erheblichen Kernenergieschadens extrem viel höher als derjenige einer Dachziegel. Denn die systemischen Risiken der Kernenergie mit der Folge eines GAU - ob in Form eines Bedienfehlers (Ukraine) oder eines Konstruktionsfehlers (Japan) - sind viel höher als landläufig angenommen oder behauptet. Wir haben in einer Mitte 2010 veröffentlichten Prognose (siehe Anlage, u.a. veröffentlicht in www.competence-site.de, "Prognose der Wechselquoten ..." ) darauf hingewiesen, dass innerhalb von fünf Jahren mit einen solchen Vorfall außerhalb Europas zu rechnen ist, da eine Analyse der Systemfaktoren unter Einbeziehung menschlicher Verhaltensmuster (kulturell geprägte Befehls- und Hierarchiestrukturen in Japan und den USA) zu einer überraschend hohen Risikobewertung kommt. Bezüglich CO2 haben Sie ebenfalls Recht - CO2 kann allerdings als Energiespeicher dienen, wenn man es unter Zuhilfenahme von Sonnenenergie oder seiner Derivate (Wind, Wasserkraft, Biomasse, etc.) zur Herstellung von Methan nutzt. Damit füllt man den Speicher CO2-neutral wieder auf. Es dient also in der umgewandelten Form als Speicher für Sonnenenergie - der allerdings gegenüber den meisten übrigen bekannten Speichertechniken einen erheblichen Herstellungs- und Transportkostenvorteil besitzt, da er auf bereits vorhandener Infrastruktur - namentlich Gasnetzte und -speicher - aufbauen kann und für Verbrennungsmotoren geeignet ist. Eine kurze Darstellung finden Sie im beiliegenden Dokument "Simple Truth" auf der Seite 82. Mit freundlichen Grüßen Peter Jumpertz p.s. Im Moment gehen wir übrigens davon aus, dass die Gefahr durch libysche Spontanterroristen für französische Kernkraftwerke von den Sicherheitsbehörden Europas enorm unterschätzt wird. Bei einem Besuch am Flughafen Nizza kann man sich dieses Eindrucks selbst beim besten Willen nicht erwehren. In Anbetracht der möglichen Weiterentwicklung des "arabischen Frühlings" überprüfen wir daher zurzeit unsere Einschätzung bezüglich der regionalen Risikoverteilung der Kernenergie.
Betreff: Zu: Energiewende ins Nichts, Prof. Dr. Werner Sinn, HB vom 28.03.2011 Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, dass uns die erneuerbaren Energien alleine nicht helfen werden, unseren heutigen Lebensstil und Wohlstand zu sichern, steht fest. Insoweit teile ich ein Kernargument Ihrer Analyse. Allerdings irren Sie in zwei wesentlichen Punkten und kommen daher möglicherweise zu einer falschen Schlussfolgerung. Erstens darf man vom Prinzip her die Risiken der Kernenergie nicht mit Flugzeugen und Schiffen wie der Titanic vergleichen. Denn wer diese Risiken nicht tragen will, muss und kann sich auf andere Verkehrsmittel besinnen. Die sog. "Nachbarschaftseffekt" dieser Technologie liegen in der Wasser- und Luftverschmutzung durch Treibstoffverbrennung und potenziellen Abstürzen auf bewohnte Gebiete. Wer sich allerdings den Risiken der Kernkraft wirksam entziehen will, muss das Land oder sogar den Kontinent mit Hab und Gut verlassen. Der Nachbarschaftseffekt einer verfehlten Energiepolitik ist mithin gewaltig. Zweitens ist die Kernfusion vielleicht die langfristige Lösung für die Generation unserer Ur-Ur-Enkel. Die kurzfristig wirksamere und damit wertvollere ist aber vermutlich die Umwandlung des Naturrohstoffes CO2 in gasförmigen oder flüssigen Treibstoff mittels Sonnenenergie. Die Verfahren dazu haben bereits den Nachweis der Funktionsfähigkeit erbracht. Lediglich ihre Effizienz gilt es weiter zu verbessern. Würden wir in diese Technik mehr investieren, könnten wir unsere noch einige hundert Jahre weit reichenden Kohlenreserven guten Mutes und ohne irrationale Angst vor dem Mythos der menschengemachten globalen Warmzeit zum Wohle Aller und mit Vernunft ausschöpfen. Mit freundlichen Grüßen Peter Jumpertz THERON Management Advisors AG
Sehr geehrter Herr Jumpertz, Sie haben natürlich Recht, dass man sich den Gefahren der Kernenergie nicht so ohne weiteres entziehen kann. Aber der Unterschied zu anderen Gefahrenquellen ist nur quantitativ, nicht qualitativ. Es kann Ihnen ein Dachziegel auf den Kopf fallen, oder ein Auto kann Sie auf dem Bürgersteig erfassen. Hunderte von Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland durch Risiken, denen sie kaum hätten ausweichen können und die sie jedenfalls nicht selbst bewusst eingegangen sind. Widersprechen muss ich Ihnen beim CO2-Thema. Um Das C vom O2 abzuspalten brauchen Sie genau wieder so viel Energie, wie Sie durch die Verbrennung gewinnen. CO2 ist wie ein leerer Akku. Er liefert keine Energie. Wenn man Sonnenlicht einfangen will, kann man das sinnvoll nur über Wärmespeicher, Wärmekraftwerke, Photovoltaik oder Biomasse machen. Letzteres steht aber in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der Katastrophe in Japan, sind nun sämtliche Parteien für einen möglichst schnellen Atomausstieg. Glauben Sie, dass es in einigen Jahren möglich sein wird, eine Industrienation wie Deutschland, dauerhaft mit Wind, Sonnenenergie und Wasserkraft am Laufen zu halten. Auch habe ich gehört, dass durch die Herstellung von Kernbrennstäben sehr viel CO2 verursacht wird. Eine Kritik der Biosprit Erzeugung besteht darin, dass die Anbauflächen die dafür benötigt werden, die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben. Für die Erzeugung von Windenergie werden aber ebenfalls enorme Flächen benötigt. Spricht daher das gleiche Argument nicht auch gegen die Energieerzeugung durch Windkraft? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Sie können meine Antwort nächste Woche im Handelsblatt lesen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
URSACHE der Ausfälle der Not-Strom-Aggregate und damit der Reaktor-Kühlungs-Pumpen Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind in keiner Weise bei der Atomkraftwerktechnologie engagiert und auch keine Atomkraftfans. Trotzdem möchten wir aus unserer Fachkenntnis heraus feststellen, dass die Reaktorkatastrophe in Japan vermeidbar gewesen wäre und die dortige Reaktor-Technik trotz Erdbeben und damit ausgelöstem Tsanami nicht hätte versagen müssen. Es war letztlich ein Versagen der Planer, die den Worstcase zu niedrig eingeschätzt hatten und deshalb nicht alle schon beim Bau nötigen aber auch jederzeit nachrüstbaren und ohne weiteres möglichen technischen Vorsorgemaßnahmen für den nun eingetretenen Ernstfall geplant und eingesetzt hatten. Das Tragische an der Reaktorkatastrophe in Japan ist, dass diese nämlich durch einfache technische Maßnahmen für wenige tausend Dollar hätte verhindert werden können. Die Ursache des Ausfalls der Reaktorkühlung ist nicht das starke Erdbeben, sondern das durch den Tsunami in das Reaktorgebäude eingedrungene Meerwasser, das die Notstromversorgung der Kühlungswasser-Umwälzpumpen irreparabel lahmgelegt hatte. Jeder Elektrikerlehrling im 1.Lehrjahr weiß, dass Wasser in elektrischen Anlagen Kurzschlüsse verursacht und damit ausser Funktion setzt.Die elektrische Notstromanlage besteht aus mehreren Dieselmotoren (in Fukushima mindetens 3 Stück je Anlage) die jeweils einen Stromgenerator antreiben, die im Notfall nach der Schnellabschaltung des Reaktors den Strom für die Kühlungs-Wasserpumpen liefern wenn die allgemeine Stromzufuhr zum Kraftwerk zusammenbricht. Das Tsunamiwasser hat also die Generatoren durch Kurzschlüsse irreparabel stillgelegt und wahrscheinlich auch die Dieselmotoren, wenn Wasser in deren Luftansaugschacht gelangt ist, wodurch der Motor "absäuft" und dadurch nicht mehr zum Laufen gebracht werden kann und sogar irreparabel beschädigt ist. Ein zusätzliches Problem sind wie gemeldet, die außerhalb des Gebäudes stehenden Dieseltanks die vom Tsunami weggeschwemmt wurden und die dadurch abgerissenen oder beschädigten Dieselzuleitungen. Der Atom-GAU in Japan wäre mit realtiv geringen Kosten absolut sicher verhindert worden durch einfache technische Vorsorge: 1.) Wasserdichte Notstrom-Generatoren (Tauchwasserdichtigkeit) zur Kurzschluss-Sicherheit und/oder absolut wasserdichtes, erbebenfestes Beton-Bauwerk um Generatoren und Dieselmotoren mitsamt Dieselbehältern. 2.) Notstrom-Generatoren mit Dieselmotoren die mindestens 10 Meter hohe Luftansaugschächten über der Normal-Meerwasserhöhe aufweisen. 3.) Erdbeben- und Tsunamisichere Dieselbehälter und Zuleitungen zu den Dieselmotoren im gemeinsamen wasserdichten Notaggregate-Gebäude. 4.) Zusätzliche manuelle Startmöglichkeit der Notstrom-Dieselmotoren mit wasserdichten Batterien und manuellen Schaltern ohne die ebenfalls wasserausfallgefährdeten Computersteuerungen. Mit freundlichen Grüßen German Gresser Intertronic Gresser GmbH - Innovation + Technology Eichendorffstrasse 4 / D - 97072 Wuerzburg / Germany
Sehr geehrter Herr Gresser, das sind wichtige Feststellungen. Es ist wirklich verblüffend und irritierend, wenn man solche billigen Lösungen nicht gewählt hat, obwohl dadurch die möglichen Schäden hätten vermieden werden können. Aber der Punkt ist: Die Kosten für die Verhütung trägt man selbst, während man die Schäden mangels Haftungsmasse gar nicht tragen muss. Die bleiben anderswo liegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Ihr Artikel "Mütter helfen" in "Die Zeit" vom 10.3.2011 Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr o. g. Artikel hat mir gut gefallen. Ich bin Diplom-Kauffrau (FH) und Mutter von 4 Kindern. Das Thema "Müttern helfen" interessiert mich sehr. M. E. wäre den Müttern am besten geholfen, wenn "Mutter als Beruf" eingeführt und bezahlt würde (die Tätigkeit von Müttern ist als Arbeit gesellschaftlich nicht anerkannt), und zwar für alle Frauen, die es wünschen (ich bin überzeugt, dies wäre die Mehrheit). Hierzu hat z. B. die bekannte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Autorin Christa Meves ein Modell entworfen, was mir sehr gut gefällt. Was dazu fehlt, ist ein konkretes Finanzierungsmodell. Dies müßte noch erarbeitet werden. Das wäre wohl eigentlich Regierungsarbeit, doch so lange die Regierung das nicht will, wird sie an so einem Finanzierungsmodell nicht arbeiten. Wenn ich Zeit hätte, würde ich so etwas gern (mit)erarbeiten. Nur - als Mutter von 4 noch kleinen Kindern habe ich dazu keine Zeit. Ich weiß, dass schon verschiedentlich Leute versucht haben, so ein Modell fü! r ein Gehalt für Mütter zu erarbeiten. Nur - m. W. sind diese Modelle offensichtlich noch nicht bis zum Ende durchdacht (das wäre wirklich sehr, sehr viel Arbeit). Es müßte m. E. so sein, dass die Bedürfnisse ALLER Frauen - die, die ganz zu Hause sich der Familienarbeit widmen wollen und solche, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen wollen für andere Berufsarbeit - abdecken. (wobei: ich denke, dass dann die wenigsten Frauen noch andere Berufsarbeit machen würden - weil es nämlich großer Stress ist bzw. nicht wirklich möglich ist, Familie und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu kriegen. Und die Bedürfnisse der Kinder werden bei der gegenwärtigen Politik nicht mitbedacht (z. B.: kleine kinder unter 3 bleiben NICHT gern in der Kita - und Mütter haben eigentlich emotionale Probleme, sie abzugeben ... und die Kinder entwickeln bei unzureichender Bindung an die Mutter oftmals viele Probleme, z. B. Lernschwierigkeiten) Ich denke, wenn das Finanzierungsmodell und die Ausgestaltung des Berufes "Mutter" so gestaltet wäre, das es so plausibel und für alle vorteilhaft wäre, so dass NIEMAND mehr nein dazu sagen kann - und der Politik begründet vorgelegt wird, DANN gäbe es vielleicht eine Chance, dass es umgesetzt wird ...? Wie gesagt, ich würde mich gern damit beschäftigen, realistisch Zeit dafür werde ich aber wohl erst in einigen Jahren haben, wenn die Kinder selbständig sind und ggf. aus dem Haus ... Haben Sie eine Idee, was man tun kann, ganz praktisch, z. B. zur Entwicklung eines Finanzierungsmodells für den Beruf Mutter?
Sehr geehrte Frau S., haben Sie vielen Dank für Ihre Notiz. Ich habe kein direktes Finanzierungsmodell vor Augen, wohl aber ein Modell, bei dem den Müttern Rentenansprüche erwachsen, wenn sie Kinder großziehen. Ich habe das "Kinderrente" genannt. Die Kinderrente bietet sogar auch einen finanziellen Vorteil schon, wenn die Kinder klein sind, denn Eltern brauchen in meinem Modell nicht zu Riestern, während andere es müssen. Wenn Sie das näher interessiert: Dieses Modell ist in einem Kapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" das bei Econ und Ullstein erschien, dargelegt. Ich denke, Sie werden sich da wiederfinden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr E., ja, Sie haben Recht. Das ist eine Belohnung für Griechenland. Aber die Banken werden sich anschließend hüten, Griechenland ohne Zinsaufschläge Kredit zu geben. Was ist die Alternative? Sie besteht darin, dass die Staatengemeinschaft die Schulden übernimmt. Dann muss Griechenland noch nicht einmal die Zinsaufschläge befürchten. Am besten wäre es, Griechenland würde zahlen. Aber das können sie wohl nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, Mit großem Interesse habe ich die von 189 Ökonomen unterzeichnete Broschüre gelesen. Anläßlich habe ich zwei Fragen: 1. Ist der Schuldenerlass ist nicht eine Belohnung für schlechtes Verhalten in Griechenland? Der niederländische Finanzminister De Jager hat das letzter Sonntag gesagt am Fernsehen. 2. Wie denken deutsche Ökonomen im Allgemeinen über die Gold-Standard? Ik habe diese Email übersetzt met Google Translate. Vielen Dank für eine Antwort.
Sehr geehrter Prof. Sinn, Ich hatte die Freude Ihnen am 14.März in der Anhörung des Haushaltsauschusses im Deutschen bundestag zuzuhören. Bei all der Diskussion um die beste Konstruktion des ESM, stellt sich mir als junger Student der Ökonomie doch die Frage: Was würde passieren bzw. wäre passiert, wenn die europäische Staatengemeinschaft, nie auch nur 1 Cent nach Griechenland transferiert hätte und auch in der Zukunft solche Rettungsmaßnahmen nicht angedacht wären? Hätten die Griechen dann selbst eine "Gläubigerkonferenz" einberufen müssen? Und welche evtl. Auswirkungen (auf Deutschland) rechtfertigen nun doch, nicht tatentlos geblieben zu sein?
Sehr geehrter Herr Müller, Griechenland wäre dann ab Mai zahlungsunfähig gewesen. Sie hätten eine Vereinbarung mit ihren Gläubigern mit einem gewaltigen Haircut gebraucht. Meine Position war, dass die Staatengemeinschaft in diesem Fall Notkredite zur Aufrechterhaltung der Staatsfinanzen zur Verfügung hätte stellen sollen. Das Problem war, dass man diese Kredite gegeben hat, ohne dass die Gläubiger Verzicht leisten mussten, dass also die Staatengemeinschaft die Gläubiger zu 100% abgesichert hat. Das ist die Einladung, die überschuldeten Länder weiterhin grenzenlos zu finanzieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren Kommentar und Ihre Berechnungen zu dem europäischen Rettungsfond gelesen (www.voxeu.org, s. u.). Ihre Zahlen decken sich weitestgehend mit denen anderer Kritiker an einer Aufstockung, und in etwa meinen eigenen. Die Erfahrung hat mich allerdings gelehrt, dass der Markt Limite immer antestet, es sei denn sie sind sehr großzügig gesetzt. Auch mache ich mir immer stärkere Sorgen bzgl. Belgien, und der dort vorherrschenden politischen Paralyse. Den Medien habe ich entnommen, dass auch Sie überrascht wurden über die Kapitalflucht innerhalb der Eurozone, dargestellt im letzten Monatsbericht der Bundesbank (338 Mrd. Euro netto Forderungen innerhalb der Euro-Systems). Ich hatte mich bei meinen Schätzungen auf die ELAs der ZBs schwacher Länder gestützt (51 Mrd. Euro Irland, 20 Mrd. Euro Portugal, etc.), und war unter grober Abschätzung potenzieller Grauzonen „nur“ auf Größenordnungen um die 100 Mrd. Euro gekommen. Was die Buba Zahlen auf jeden Fall aufdecken, die Zerreißproben innerhalb des Euro-Raumes sind wesentlich höher als EZB Kommentare und aggregierten Zahlen vermuten ließen. Im Zentrum bleibt dabei der Banken- und Finanzsektor. Es erscheint mir daher fraglich, wie eine Rettung oder nachhaltige Stützung des Euro erreicht werden kann, ohne simultan den Banken- und Finanzsektor auf ein solides Fundament zu stellen? Ich wäre Ihnen oder einem Ihrer Kollegen oder Kolleginnen dankbar, wenn Sie mir folgende Fragen beantworten könnten: 1. sind bei Ihren Berechnungen die notwendigen Rekapitalisierungen der Banken berücksichtigt worden? 2. von welcher Höhe von Abschreibungen und EK-Nachschuss gehen Sie aus? 3. falls ja, zu welchem Zeitpunkt stehen Ihrer Meinung nach diese Nachschüsse an? Ich stelle mir die Frage, ob es nicht billiger und nachhaltiger wäre, wenn überverschuldete Länder, wie z. B. Griechenland, die Bedienung ihrer Staatsschulden aussetzen und einen hair-cut verhandeln. Da diese Länder während der Verhandlungsphase keinen Zugang zu den Kapitalmärkten haben, werden die EFSF Gelder zur Finanzierung des Haushaltsdefizits herangezogen. Selbst wenn dies für alle Peripherie Länder notwendig ist, so sollte ein niedriger 3-stelliger Milliardenbetrag ausreichen. Simultan dazu wird ein pan-europäischer Bankenrettungsfond aufgelegt. Zunächst werden die Institute dazu angeleitet ihre Bilanzen zu bereinigen. Aktionäre und nachrangige Anleihe tragen die Kosten. Und soweit notwendig springt der pan-europäische Rettungsfond bei der Rekapitalisierung ein. Dies wird offen und explizit nach außen kommuniziert, und begleitet von einer umfangreichen Liquiditätslinie durch EZB und ZBs. Die Kombination beider Fonds zusammen sollten die zur Verfügung gestellten 750 Mrd. Euro nach meiner Einschätzung nicht überschreiten. Der anstehende Entschuldungsprozess befindet sich aktuell am Anfang der Implementierung. Es erscheint mir nicht unrealistisch von einem mehr-, vielleicht 10-jährigen Zeithorizont auszugehen, in Griechenland könnte es eine ganze Generation dauern. Und das unter Annahme günstiger Refinanzierungskosten und keiner weiteren Marktturbulenzen. Bei der aktuellen Entwicklung an den Kapitalmärkten, insbesondere den Rohstoffmärkten, kommen mir aber ernsthafte Zweifel, ob wir überhaupt noch 12 Monate Zeit haben. Ein Beispiel, der Ölpreis (Brent) handelt inzwischen über 106 $/Barrel. Es wird geschätzt, dass ein weiterer nachhaltiger Anstieg um 10-15% konjunkturelle Auswirkungen haben sollte. Mein obiger Lösungsansatz findet im Endeffekt bereits schleichend statt. Weil er aber nicht klar definiert wird, zu enormen Kosten und mit potentiell katastrophalen negativen Nebenwirkungen.
Sehr geehrter Herr W., Ihre Vorstellungen von einem Haircut sind realistisch. Allerdings braucht man für die Finanzierung lange nicht einen solch großen Fonds, wie Sie unterstellen. Das ist ja das Ergebnis des Vox-Artikels. Kosten für die Rekapitalisierung von Banken und ähnliches sind dabei nicht direkt berücksichtigt worden. Vielmehr werden nur die durch die EU- und EZB-Aktionen eingegangenen Verpflichtungen dem Refinanzierungsbedarf und einer dreiprozentigen Nettoneuverschuldung gegenüber gestellt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, am Montag der vergangenen Woche haben Sie sich in einem Morgeninterview mit dem Deutschlandfunk zu Saudi Arabien geäußert, und zwar zu der Frage, ob es dort möglicherweise auch zu Unruhen kommen könne. Dabei haben Sie darauf verwiesen, dass die Bevölkerumg dort ja keine - wirtschaftliche - Not leide, und dass Unruhen somit unwahrscheinlich seien ( VERZEIHEN SIE, WENN ICH DEN WORTLAUT NICHT MEHR PRÄSENT HABE!! ). Ich war über diese Äusserung etwas verwundert bzw. sehr befremdet, denn die Frage ist ja keineswegs nur eine wirtschaftliche. Die Unruhen und der Widerstand gegen die Regierungen basieren ja auf eine ganzen Menge anderer - vor allem auch sozialer und menschenrechtlicher - Faktoren. So nimmt z. B. kaum jemand Bezug auf die vielen keineswegs auf Rosen gebetteten ausländischen ArbeitnehmerInnen in Saudi Arabien. Ich bitte Sie dringend, diese Aspekte in Ihre geschätzten Analysen aufzunehmen und darauf hinzuweisen. Freundliche Grüsse (ich würde mich über eine Antwort freuen)!
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für Ihre Nachricht. Sicherlich spielen auch soziale Dinge, die nichts mit materiellen Aspekten des Lebens zu tun haben, eine Rolle. Das will ich nicht verhehlen. Aber mir scheint doch, dass die Armut und Hoffnungslosigkeit der vielen jungen Menschen der arabischen Länder, die wegen der gestiegenen Nahrungsmittelpreise kürzlich noch gesteigert wurde, ein Ventil gesucht hat. Nun hofft man darauf, dass neue Machthaber die Armut überwinden werden, aber ich befürchte, die arabischen Länder werden doch nur vom Regen in die Traufe kommen. Um eine Demokratisierung im westlichen Sinne ging es jedenfalls bei den Aufständen wohl eher nicht. Ob die immer nur kurzfristig eingesetzten Gastarbeiter in Saudi-Arabien das Potenzial haben, sich politisch zu organisieren, wage ich zu bezweifeln. Insofern glaube ich in der Tat, dass kein Analogieschluss von den nordafrikanischen Staaten auf Saudi-Arabien möglich ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Prof. Sinn, mit Interesse und Zustimmung gabe ich Inr Interview mit der Rheinischen Post gelesen. Darin heißt es wie folgt: "Der Rettungsschirm ist schon groß genug: Er kann nach unserer Rechnung 315 Milliarden Euro an Krediten ausreichen, zusammen mit den Hilfen der EU und des IWF sind es 560 Milliarden Euro". Meine Frage: Gelten diese Zahlen auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zur Erhaltung des AAA-Ratings Teile der Anleiheerlöse als Sicherheiten/Barreserve einbehalten werden müssen? Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihre Rechnung zusenden würden. Mit einem Dank für eine Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüssen Siegfried Hildebrandt www.zeitbombe-staatsverschuldung.de
Sehr geehrter Herr Hildebrandt, nein, eine Barreserve ist nicht herausgerechnet. Es ist in der Presse manchmal davon die Rede, aber es ist mir bislang nicht gelungen, irgendeine verlässliche Quelle dafür zu finden, dass das AAA-Rating des Fonds sonst nicht gewährt wird. Ich halte das im Moment nur für eine von interessierter Seite vorgebrachte Behauptung. Fest steht jedenfalls, dass die 315 Milliarden von den AAA-bewerteten Länder garantiert werden. Das folgt aus den Gesetzestexten und Verträgen. Der Rest ist Spekulation. Wenn Kredite in dieser Höhe ausgegeben werden, dann hat der Anleihekäufer den vollen Schutz der Länder Frankreich, Deutschland, Niederlande, Österreich und Finnland. Ich verstehe nicht, warum eine Barreserve zur weiteren Erhöhung des Schutzes erforderlich sein soll, zumal ja noch der Schutz anderer Länder, die nicht AAA-bewertet sind, hinzukommt. Ich habe in einem ifo-Standpunkt, den Sie auf der Homepage finden, aber einmal die Rechnung aufgemacht, dass 1/6 der Summe als Reserve gehalten werden muss, so dass nur etwa 260 Mrd. effektiv aus dem EFSF zur Verfügung stehen. Dann ist die Rettungssumme aus EFSF, ESM und IMF gut 480 Milliarden, was immer noch 50 Milliarden mehr ist als für die Refinanzierung der Länder Spanien, Portgual und Irland inklusive einer Nettoneuverschuldung von 3% des BIP benötigt wird (Nur um die geht es. Griechenland hat ein eigenes Programm.) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse verfolge ich die aktuelle wirtschaftliche Debatte. Die Meinungen gehen jedoch vor allem bei einem Thema auseinander: Inflation. Noch im Januar letzten Jahres schrieben Sie, dass wir von einer Inflation meilenweit entfernt seien. Haben sich die Dinge aus Ihrer Sicht geändert? Steuern wir geradewegs auf eine Inflation zu? Der Großteil (zugegebenermaßen allesamt wirtschaftliche Laien) derer, mit denen ich dieses Thema bereits diskutierte, sind der Meinung, dass eine "große Inflation" bevorstünde und investieren nun größtenteils in (vermeintlich inflationssichere) Immobilien, deren Preise sich aber momentan bekannterweise auch auf dem Gipfel befinden. In Aktien zu investieren ist zu dieser Zeit aber wohl auch denkbar ungünstig. Was ist Ihrer Meinung nach die sinnvollste sowie sicherste Geldanlage oder halten Sie diese Debatte ohnehin für überflüssig, da Sie denken, dass eine Inflation ausbleibt? Für eine Antwort wäre ich dankbar. Mit freundlichen Grüßen Guido Frank
Sehr geehrter Herr F., Sie haben Recht. Das war vor einem Jahr noch meine Einschätzung. Aber ab Mai habe ich diese Einschätzung in mehreren Artikeln korrigiert, und zwar wegen der europäischen Schuldenkrise. Die Krise hat zu Lasten der europäischen Peripherie zu einer dramatischen Umlenkung der Kapitalströme nach Deutschland geführt. Die Deflationsgefahren konzentrieren sich deshalb auf die Peripherie, während in Deutschland nun eine Inflation der Güterpreise und Löhne bevorsteht. Es handelt sich dabei aber wohlgemerkt nicht um eine klassische Inflation, bei der im Währungsgebiet alle Löhne und Preise steigen, sondern um ein lokales Ereignis, und zudem noch eines, von dem wir profitieren, denn die Inflation ist das Ergebnis einer deutschen Separatkonjunktur bei der Investitionstätigkeit, die uns nach fünfzehn Jahren Flaute neues Wachstum beschert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, offenbar haben sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone darauf geeinigt, dass EFSF und ESM auch Anleihen auf dem Primärmarkt, d.h. direkt von den Eurostaaten kaufen dürfen. Ist das nicht praktisch der Einstieg in Eurobonds? Warum sollte Deutschöand dem zustimmen? Welche Vorteile hat das für uns, wenn es irgendwelche gibt? Herzlichen Dank!
Sehr geehrter Herr P., hier kann ich entwarnen. Die Käufe am Primärmarkt werden verrechnet mit der direkten Kreditvergabe und kommen aus demselben Kontingent und zu denselben Bedingungen. Auch muss der IWF in Proportion dazu selbst Kredite bereitstellen. Jedenfalls war das gestern bei einer Anhörung die Aussage von Bundesbankchef Weber. Schriftlich habe ich diese Interpretation noch nicht gesehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie schreiben regelmäßig, dass die bestehenden Rettungsschirme groß genug seien, um die GIPS-Staaten für drei Jahre zu finanzieren. Nun habe ich gelesen, dass die Griechenland-Hilfe so organisiert ist, dass das Land bereits im Jahr 2012 56 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufnehmen müsste. Wie soll das bei einem Zinssatz von grob 12-13 Prozent realistisch möglich sein? Meine Fragen dazu: 1. Können Sie diesen Sachstand bestätigen oder ist Griechenland tatsächlich für die nächsten beiden Jahre durch die Rettungsschirme ausfinanziert. 2. Müsste die Politik nicht dringend die Umschuldung planen, um einen ungeordneten Konkurs des Landes zu vermeiden? 3. Wie kann es sein, dass bei den geplanten Bankenstresstest die Umschuldung eines Eurostaates einfach nicht als "Worst Case" berücksichtigt wird, ob wohl der Fall Griechenland so offensichtlich ist? 4. Sind wir nicht ohne harten Stresstest und ggf. Rekapitalisierungen von banken nicht erpressbar gegenüber Griechenland, d.h. dass wir dem Land einfach mehr Geld geben müssen, weil unsere Banken eine Umschuldung möglicherweise nicht überleben? An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Sie für Ihre klaren und äußerst informativen Stellungnahmen hier auf der Webseite und in den Medien sowie für die Möglichkeit, mit Ihnen auf diesem Weg in Diskussion zu treten.
Sehr geehrter Herr P., der Rettungsschirm für Griechenland beläuft sich auf 110 Mrd. Euro (davon 30 Mrd. Euro vom IMF, 80 Mrd. Euro von der EU). Davon wurde bisher etwa die Hälfte ausgezahlt (IMF knapp 15 Mrd. Euro, EU ca. 40 Mrd. Euro [Quelle: IMF]), rund 55 Mrd. Euro bleiben also noch übrig. Im Zeitraum April 2011 bis Anfang Mai 2013 (Ende des Rettungsschirms) werden in Griechenland auslaufende Staatsanleihen im Volumen von 49 Mrd. Euro fällig [Quelle: Finanzministerium Griechenland], dafür müsste der Rettungsschirm also reichen. Die EU hat im Einklang mit dem IMF beschlossen, dass die im Rahmen der Griechenland-Hilfe gewährten Darlehen alle eine Laufzeit von 7 ½ Jahren haben [Quelle: Rat der Europäischen Union]. Das bedeutet, dass die ersten Rückzahlungen im November 2017 fällig werden. Ob der Schirm für die Zinsen und die Nettoneuverschuldung reicht, ist eine andere Frage. Ich habe bei der Aussage, dass der Rettungsschirm reiche, übrigens immer dazu gesagt, dass Irland, Portugal und Spanien gemeint sind, denn nur um die ging es bei der Aussage der EU, dass der Schirm nicht reicht. Dass man vor Mai 2013 für Griechenland aus dem Luxemburger Fonds noch Geld vorsehen solle und müsse, höre ich das erste Mal. Dass Griechenland pleite ist, erkläre ich seit dem 28. April 2010 immer wieder. Die Stresstests zwingen die Banken nicht, die Papiere der südlichen Staatsanleihen zum Marktwert zu bewerten. Die meisten dieser Papiere stehen im Anlagenbuch zum Nennwert. Der Stresstest ist deshalb nicht ernst zu nehmen. Genauso wenig wie der erste Test, bei dem die irischen Banken, die ein halbes Jahr später pleitegingen, im grünen Bereich waren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit einigem Erschrecken beobachte ich als schon immer sehr wirtschaftsinteressierter, junger Mensch die Entwicklungen in der Schuldenkrise der Euro-Peripherie. Die regelrecht undemokratischen, immer weitergehenden Haftungen Deutschlands, die aus meiner Sicht nicht verfassungskonform sind, schockieren auch mich als FDP-Mitglied. Und obwohl ich Wirtschaftswissenschaften studiert habe, bleiben an einigen Stellen Fragen offen, die mich beschäftigen. Da ich weiß, dass Sie für unsere Fraktion eine Expertise zur Entwicklung eines dauerhaften Rettungsschirmes entwickelt haben, die ich sehr unterstütze und da ich Ihren wirtschaftlichen Sachverstand sehr schätze, wollte ich den Versuch unternehmen, Ihnen in aller Kürze meine Fragen zu stellen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir diese beantworten könnten. 1) Die Bundesbank hat Forderungen in Höhe von über 300 Mrd. Euro gegenüber anderen Zentralbanken. Ist dies für Deutschland wirklich gefährlich (also eine Art zweiter Rettungsschirm), oder handelt es sich - wie die Bundesbank selbst angibt - lediglich um buchungstechnische Ursachen? 2) Aufgrund der "Bad Banks" für WestLB und HRE stieg Deutschlands Schuldenstand 2010 um etwas 7-8 Prozentpunkte des BIP. Verstehe ich das richtig, dass durch die Abwicklung der beiden Bad Banks in den kommenden Jahren voraussichtlich davon auszugehen ist, dass der Schuldenstand sukzessive auch wieder um etwa diese 7-8 Prozentpunkte sinken wird? Ich bedanke mich schon einmal im Voraus sehr herzlich für eine kurze Beantwortung und möchte mich - unabhängig von einer Beantwortung - auch für Ihr Engagement bedanken, welches Sie durch Ihre Expertisen und Ihre Artikel z.B. in der Wirtschaftswoche zum Wohle Deutschlands zeigen und welches hoffentlich mehr und mehr Menschen die Augen öffnen wird! Beste Grüße, Dipl.-Kfm. Benjamin Lentz
Sehr geehrter Herr Lentz, zu Ihren Fragen: 1. Bei den Forderungen der Bundesbank gegenüber anderen Zentralbanken handelt es sich in dem gleichen Sinne um buchungstechnische Ursachen wie buchungstechnische Ursachen hinter einem Überziehungskredit stehen, die Ihnen Ihre Bank auf dem Girokonto gibt. Ich weiß nicht, warum das beruhigend sein soll. Auch die Aussage der Bundesbank, dass sich die Salden im Euroraum ausgleichen, ist wahr aber nicht beruhigend. Wenn A eine Forderung gegen B hat, gleichen sich die Salden über A und B zusammengenommen aus. Das ist wohl wahr. Wenn B pleite ist, hilft das A leider nicht. Und da liegt das Problem. Zwar kriegt die Bundesbank Zinsen für ihre Forderungen, aber genauso muss sie die Verluste tragen, wenn ein Land, dem sie Kredit gegeben hat, in den Staatskonkurs geht. Vielleicht nicht zu 100%. Vielleicht nur gemäß dem Kapitalanteil (mindestens 27)(100%-Prozentsatz des Pleite gehenden Landes). Das ist noch rechtlich unklar. 2. Bei den Bad Banks weiß ich nicht, wie Sie sich die Abwicklung in den kommenden Jahren vorstellen. Diese Banken werden vermutlich Jahrzehnte bestehen. Und sie werden neue Schulden aufnehmen müssen, um alte zu bedienen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich hab vergangene Woche mit großem Interesse den neuen "EAAG report on the European Economy.." gelesen. Wenn ich Ihre Stellunghahmen im "Diskussionsforum" betr. der finanziellen Lage Griechenland lese, habe ich alledings den Eindruck, da0 Sie eine etwas andere Linie - als die in diesem Report dargelegte - vertreten. In Kap 1.3.1 (Box 1.1) heißt es, daß Griechenland, Irland, Portugal und Spanien durchaus mittelfristig zahlungsfähig werden können. Besonders Irland und Griechenland könnten z.B. Ihre Steuereinnahmen erheblich steigern. Die Frage sei aber, ob potentielle Gläubiger in Zukunft die nötige Geduld mit diesen Ländern aufbrigen und zu vertretbaren Zinssätzen Geld leihen werden. In Kap. 3.6.5. steht u.a.: Vielleicht könne Griechenland ab 2013 Anleihen mit angehängten "Collective Action Clauses" zu akzeptablen Konditionen verkaufen, da diese Instrumente die maximalen Verluste von Gläubigern begrenzen. Betr. der beiden Optionen a) Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum uns b) Abwertung innerhalb des gemeinsamen Währungsgebiets handle es sich um eine Wahl zwischen zwei Übeln; keine dieser Möglichkeiten sei eindeutig zu empfehlen (Kap.3.6.2). Wenn ich Ihre Stellungnahmen im "Diskussionsforum" (aus dem Jahr 2010) dagegenhalte, ist es de facto unmöglich, daß das Land innerhalb des Euro-Raums abwertet und in Zukunft seine Zinsen noch bezahlen kann. Haben Sie Ihre Ansicht mittlerweile modifiziert oder besteht hier ein Dissens zu anderen Autoren des g. "Reports"? Mit freudlichen Grüßen W. N.
Sehr geehrter Herr N., sicherlich ist es so, dass bei einem Gemeinschaftsbericht nicht alles von jedem uneingeschränkt geteilt wird. Bei den von Ihnen genannten Beispielen stehe ich aber voll und ganz hinter den EEAG-Aussagen und habe sie sogar größtenteils selbst verfasst. Der Bericht äußert ja auch deutliche Zweifel, dass Griechenland es schaffen wird, um eine Umschuldung herumzukommen. Die CAC-Klauseln dienen dazu, einen Weg für eine geregelte Umschuldung zu beschreiben. Es ist für mich auch kein Widerspruch zwischen der Prognose zu erkennen, dass Griechenland um eine Umschuldung nicht herumkommen und mittelfristig wieder zahlungsfähig werden wird, zumal wir mit unserem Vorschlag einer Prozedur für die „drohende Insolvenz“ genau ein solches Szenarium durchspielen. Man ist für ein paar Jahre nicht in der Lage, die fällig werdende Schuld zu bedienen, muss deshalb partielle Umschuldungsprozeduren durchstehen, und rappelt sich dann auf. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion vom 4. März 2011) Sehr geehrter Herr Sinn, herzlichen Dank für die umgehende Antwort. Bitte gestatten Sie mir, für meine Entgegnung die Welt der Äpfel und Birnen zu verlassen. In der Veröffentlichung des Economist ging es um die 'reale' Veränderung des BIP/Einwohner. Ich bin der Meinung, das muss man -je nach Erkenntniszweck- auf unterschiedliche Weise angehen. Hat man die Veränderung des BIP-Volumens im Auge (so wohl die Economist-Autoren), nimmt man das volumenorientiert deflationierte BIP pro Land (üblicherweise via doppelte Deflationierung gewonnen wie bei der Messung des wirtschaftlichen Wachstums). Geht es dagegen um den Realwert der BIP, so ist nicht der implizite Deflator zu nehmen, sondern ein auf die jeweilige Fragestellung antwortendes Inflationsmass Das heißt, es ist eine Entscheidung zu treffen bezüglich des adäquaten Deflationierungshorizonts. Sie vertreten die Position, es müsse auf jeden Fall ein Preisindex für den gesamten Währungsraum sein. Da bin ich nicht mit von der Partie. Man mag so vorgehen (da es um Adäquatheit geht, gibt es kein richtig oder falsch), zwingend ist es jedoch keinesfalls, und überzeugend meiner Meinung nach auch nicht. Angenommen, man nimmt den HVPI für die Eurozone. Dann misst man Inflation an den Waren und Dienstleistungen des Konsums in der gesamten Eurozone. Das mag mit Blick auf die Deflationierung des BIP aus zwei Gründen problematisch erscheinen: das BIP steht für mehr als nur Konsumgüter, und der im Eurozonen-HICP manifestierte Warenkorb ist beschränkt relevant für Deutschland. Was den Preisindex betrifft, schiene mir stattdessen ein Preisindex der Güter letzter Verwendung interessant. Und dann eher der landesbezogene als derjenige der Eurozone. Damit ergäbe sich die Veränderung der jeweiligen gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung unter Zugrundelegung eines Warenkorbs, der für die betrachtete Volkswirtschaft relevant ist. Bei dieser realwertorientierten Deflationierung werden die Änderungen der die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung mit determinierenden Relativpreise (von Produktionswert und Vorleistungen) nicht herausgerechnet.Geht man wie von Ihnen vorgeschlagen vor, werden die Terms of Trade des gesamtwirtschaftlichen Produktionsprozesses (relative Veränderungen von Output- zu Inputpreisen) zwar auch nicht angetastet, man eliminert aber auch inflatorische Komponenten, die für den betrachteten volkswirtschaftlichen Produktionsprozess irrelevant sind. Für Letzteres sehe ich allerdings keine inhaltlich-konzeptionelle Begründug in Ihrem Beitrag. Eine im übrigen hier nicht adressierte (aber durchaus reizvolle) Frage ist, wie obige Überlegungen zu intertemporalen Preisveränderungen sich verhalten zu Zeitvergleichen von Niveaus von Länderaggregaten unter Verwendung von Kaufkraftparitäten. Es ist offenkundig, dass Realvergleiche über Zeit und Raum konzeptionell nichttrivial sind. Dem Adäquationsproblem ist dabei sehr sorgfältig zu begegnen. Und dies insbesondere dann, wenn man - wie Sie in Ihrem Leserbrief an den Economist- aus den Rechnungen weitreichende Schlussfolgerungen zieht. Da Sie, so ich es nicht missverstehe, die Position vertreten, Statistiker (Sie meinen sicher die amtliche Statistik) verwechselten Äpfel und Birnen, wäre es sehr angemessen, wenn Sie diese offensiv mit ihren vermuteten Fehlern konfrontierten. Mit freundlichen Grüßen Joachim Recktenwald
Sehr geehrter Herr Recktenwald, es geht wirklich darum, was die Frage ist. Will man wissen, wie sich die wirtschaftliche Leistung eines Landes im Zeitablauf im Vergleich zu anderen entwickelt hat, muss man einheitlich deflationieren. Wenn ich zum Beispiel wissen will, wie sich die Leistung von BMW und Mercedes im Vergleich zueinander entwickelt hat muss ich die Entwicklung des Umsatzes oder der Wertschöpfung zu Marktpreisen nehmen, und dann ggfs. noch mit dem deutschen Preisindex deflationieren. Will man wissen, wie sich der Mengenabsatz entwickelt hat, kann man messen, wie sich die jeweiligen Stückzahlen entwickelt haben. Das entspricht einer Deflationierung der Umsätze mit einem Preisindex für Mercedes-Autos bei Mercedes oder BMW-Autos bei BMW. Die BIP-Deflation mit dem nationalen Preisindex ist letzteres. Sie liefert das Wachstum eines Mengenindikators. Die Deflation mit einem gesamteuropäischen Index (am besten natürlich ein BIP-Deflator statt eines Konsumindex, wie Sie erwägen) ist ersteres. Man erhält das inflationsbereinigte Wachstum von ökonomischen Werten. Wir bewegen uns hier im Elementarbereich der Wohlfahrtstheorie aus dem Grundstudium. Die Dinge sind meines Erachtens trivial. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Betreff: Professor Sinns Leserbrief im Economist dieser Woche Professor Sinns Anmerkungen zur korrekten Deflationierung (Economist dieser Woche) überraschen. Sie stehen nicht im Einklang mit der international üblichen Praxis (basierend auf SNA und ESVG). Hat Herr Sinn die konzeptionellen Grundlagen seiner Auffassung anderweitig detaillierter dargelegt? Mit freundlichen Grüßen Joachim Recktenwald
Sehr geehrter Herr Recktenwald, wenn ein Bauer Äpfel, der andere Birnen produziert, und Sie wollen wissen, wer eine höhere Wertschöpfung hat, können Sie nicht den Umsatz des einen durch den Apfelpreis und den des anderen durch den Birnenpreis teilen, denn dann erhalten Sie die Apfel- und die Birnenmenge. Preise sind dazu da, unterschiedliche Güter vergleichbar zu machen. Also darf man bei einer Inflationsbereinigung in einem Wirtschaftsraum, wenn man Wirtschaftsstärke messen will, nur durch einen einheitlichen Preisindex teilen. Tut man das nicht, rechnet man neben der Inflation auch noch die Relativpreisänderung heraus. Konkret: Deutschland ist von 1995 bis 2010 vom dritten auf den zehnten Platz im BIP pro Kopf zurück gefallen. Diese Aussage macht nur Sinn, wen Sie sie auf der Basis einer Marktbewertung der Produktion vornehmen, und sie ist robust, gleichgültig ob Sie sie in Nominalwerten treffen oder durch den harmonisierten Preisindex für den Euroraum teilen. Wie man deflationiert hängt immer von der Fragestellung ab. Wenn ich wissen will, um wie viel Prozent die Apfelmenge beim einen Bauern und die Birnenmenge beim anderen Bauern gewachsen ist, kann ich durch spezifische Preisindices teilen. Das wäre sinnvoll, wenn der eine Bauer sich von Äpfeln und der andere von Birnen ernährt und ich wissen will, wie sich der Lebensstandard verändert hat. Vielleicht kann ich an solchen Zahlen auch interessiert sein, wenn ich ein Maß für die Steigerung der technischen Effizienz gewinnen will. Wenn es aber um Markterfolge und ökonomische Wirtschaftsleistung geht, muss ich die Erfolge der beiden Bauern vergleichen, indem ich die Marktpreisrelationen nutze, um unterschiedliche Mengen vergleichbar zu machen. Ich hoffe, diese Ausführungen waren Ihnen nützlich. Es geht hier um recht einfache, aber fundamentale Sachverhalte, die manch ein Statistiker vielleicht aus dem Blick verliert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihre gestrigen Ausführungen beim 37. Augsburger Konjunkturgespräch mitverfolgt. Sie äußerten dabei u.a. drei Thesen: 1. Deutschland geht einer goldenen Dekade entgegen. 2. Das Kapital traut sich nicht mehr ins Ausland. 3. Der "Club Med" geht schweren Zeiten entgegen. Als Hersteller von Konsumgütern, insbesondere von Lebensmitteln, kann ich den zweiten Punkt bestätigen. Ich vermute, dass aufgrund des inländischen Liquiditätsüberschusses auch viele Anleger den Weg in die Agrar-Rohstoffmärkte gefunden haben. Preissteigerungen von über 100% bei Weizen innerhalb eines Jahres lassen sich nicht mit den partiell schlechten Ernten erklären. Die Folge ist nun, dass in Deutschland, in Europa, und weltweit die Lebensmittelpreise steigen. Nicht zuletzt in Tunesien waren es auch die gestiegenen Lebensmittelpreise als der berühmte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat. Die von Ihnen prognostizierte aufgehende Schere zwischen den südlichen "Kater"-Ländern der EU und "Party"-Ländern wie Deutschland birgt innerhalb einer freizügigen EU doch erhebliche Risiken. Wenn die Griechen und Spanier ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können, werden sie nicht tatenlos sitzenbleiben. Das Problem der Rohstoffspekulation, der explodierenden Lebensmittelpreise, scheint mir als Problem von der Politik noch nicht erkannt worden zu sein. Dies wird uns doch ebenfalls tangieren?
Sehr geehrter Herr Küchle, vielen Dank für den Hinweis. Die steigenden Lebensmittelpreise kommen vor allem daher, dass Lebensmittel und Öl heute bei der Energieversorgung fast perfekte Substitute geworden sind. 40% der US-Mais-Produktion geht in die Bioethanol-Erzeugung, und Weizen ist wiederum ein Substitut zum Mais, bei den Verbrauchern und bei der Anbauentscheidung der Bauern. In gewisser Weise kann man „mit Weizen heizen“. Ich habe das alles in meinem Buch „Das Grüne Paradoxon“ in einem Kapitel über Bioenergie ausgeführt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre sehr aufschlussreichen und wertvollen Analysen im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in der Eurozone. Insbesondere teile ich Ihre klare Ablehnung des Aufkaufs von Anleihen durch den EFSF oder die Gewährung (günstiger) Kredite an Griechenland, damit dieses Land eigene Anleihen zurückkaufen kann. Das wäre im Ergebnis eine Vergemeinschaftung von Altschulden und die Einführung von Eurobonds durch die Hintertür. Ich würde mich allerdings freuen, wenn Sie einen Punkt nochmals vertieft darstellen können: Sie selbst schlagen vor, dass es erst einen Haircut geben solle und anschließend im Austausch neue Papiere, die ganz oder teilweise (z.B. zu 80 Prozent) von den anderen Euro-Staaten garantiert werden. Damit würden doch letztlich auch die Altschulden vergemeinschaftet. Warum ist das überhaupt erforderlich? Schafft so eine Absicherung nicht einen Moral Hazard, den Haircut zu niedrig anzusetzen, weil die anderen Eurostaaten für das "Restrisiko" die Haftung übernehmen? Führt so eine Lösung nicht letztlich ebenfalls zu Eurobonds durch die Hintertür? Worin unterscheidet sich dieser Vorschlag qualitativ vom Aufkauf der Anleihen durch den EFSF? Vielen Dank!
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Frage. Der Unterschied zum Rückkauf am Markt ohne Androhung eines Haircut ist, dass hier die Banken bis zu 60% des Nennwertes verlieren können. Die möglichen Verluste führen zur Vorsicht, aber zugleich wird der Fall der Wertpapiere ins Bodenlose verhindert: Versicherung mit Selbstbehalt ist die Grundidee. Was die EU praktiziert ist eine Versicherung ohne Selbstbehalt. Die maximiert den Moral-Hazard-Effekt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist wiederum die Fortsetzung der Diskussion vom 31. Januar 2011) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, neben viel Zustimmung hier noch zwei weitere kritische Bemerkungen zu zwei Ihrer zentralen Aussagen zum Euro, nämlich 1. "Deutschland hat unter dem Euro extrem gelitten." und 2. Ihre ablehnende Haltung zu einer "europäischen Wirtschaftsregierung". ad 1. Sie begründen Ihre Aussage mit dem Abfluss (deutscher) Ersparnisse im gemeinsamen (europäischen) Kapitalmarkt und - saldenmechnisch völlig korrekt - mit dem "Überschuss im Außenhandel, der exakt so groß war wie der Abfluss an Ersparnissen", und Sie folgern daraus: "Der Überschuss im Außenhandel ist ein Ergebnis der Flaute, kein Zeichen von Handelsgewinnen." Hier handelt es sich um ein Henne-Ei-Problem, das in der Natur - nämlich evolutionstheoretisch - gelöst ist, für das die Ökonomie - so auch Sie - aber bisher den Beweis schuldig geblieben ist. Allenfalls sprich mehr oder weniger für die eine oder andere Sichtweise (nämlich ob der Kapitalabfluss Ursache oder Folge des Außenhandelsüberschusses ist.) Die (von Ihnen in Ihrem (großen) Vortrag im Rahmen der Münchner Seminare am 14. Dezember 2010 und im Interview mit dem Standard vom 31.12.2010) dargelegten Konsequenzen des Kapitalzuflusses in den Peripherieländern sind wiederum unstrittig. In einer Gesamtbilanz des Euro für die deutsche Wirtschaft darf freilich - neben dem von Ihnen erwähnten sichereren Wechselkurs sowie der größeren Preis- und Kostentransparenz, den geringeren Transaktions- und Informationskosten, dem breiteren Kapitalmarkt und der niedrigeren Inflationsrate in den Teilnehmerländern - vor allem nicht fehlen, dass die Zinsen wegen der gemeinsamen europäischen Geldpolitik in Deutschland niedriger sind als sie es sonst wären, und der zeitweise schwache Euro-Wechselkurs - jedenfalls gemessen an einem fiktiven DM-Wechselkurs (nicht an der Kaufkraftparität des Euro zum US-Dollar). Beides hatte positive (kaum messbare) Effekte auf die deutsche Wirtschaft. ad 2. Zur "europäischen Wirtschaftsregierung" einem Begriff, der wie andere von Ihnen gewählte (z. B. Transferunion) negativ besetzt ist (Sie also vorhandene Ressentiments schüren) wenige (rethorische) Fragen: - Geht nicht heute schon, wie häufig zu lesen ist, ein großer Teil der deutschen Gesetzgebung - auch im Bereich von Wirtschaft und Finanzen - von Brüssel aus? - Wurden und werden im Euro-Raum im Zusammenhang mit der Finanz- und Schuldenkrise im Bereich der öffentlichen Finanzen nicht wichtige und notwendige Initiativen zur Stärkung des Euro (konkret: des Stabilitäts- und Wachstumspakts) auf den Weg gebracht? Was doch zweifellos notwendige Schritte hin zu einer europäischen Wirtschaftsregierung sind. - Und ist nicht eine - die wichtigste - Lehre (auch der Spekulanten) aus der so genannten Eurokrise, dass eine auf Dauer angelegte Währungsunion neben einer gemeinsamen Geldpolitik auch eine koordinierte Finanzpolitik braucht? Über die konkrete Ausgestaltung einer solchen "Wirtschaftsregierung" lässt sich dann immer noch trefflich streiten. Freundliche Grüße von Ihrem Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, der Euro hat den Kapitalabfluss induziert, unsere Flaute und den südlichen Boom. Die EZB hat die Zinsen an uns orientiert, deswegen ging es noch mal leidlich gut. Aber die hohen Renditen haben das Kapital weggelockt. Bis 2008. 2009 war Krise. Ab 2010 trauen sich die Banken nicht mehr raus, und die Zinsen spreizen sich zu unseren Gunsten. Wir wachsen nun so stark, weil das Kapital hier bleibt. Letztes Jahr hatten wir einen gewaltigen Investitionsboom. Aber das ist die plötzliche Korrektur der Märkte. Jetzt versucht der Markt nachzuholen, was unter dem Euro versäumt wurde. Von 1995 bis 2008 war alles anders herum. Da war anderswo Party, und hier fehlte das Kapital. Man kann die jetztige Entwicklung nicht dem Euro zuschreiben, denn sie ist ja die Reaktion auf die Fehlentwicklungen unter dem Euro. Wir hätten von vornherein mehr Investitionen und mehr Wachstum gehabt, hätte es den Euro nicht gegeben. Natürlich sollte man die Vorteile des Euro für Europa nicht unerwähnt lassen: 1. Senkung der Transaktionskosten für den Handel, 2. niedrige Inflation, und 3. schließlich ja auch die Schaffung des Kapitalmarktes an sich. Von 2. haben wir profitiert, leider zu viel, und von 2. und 3. mehr die anderen, denn wir sind ein großes Land. Je kleiner ein Land ist, desto mehr profitert es, weil es mehr Grenzen hat relativ zu seiner Größe. Europäische Wirtschaftsregierung kann viel bedeuten: Angleichung der Lohnstückkosten steht für die Franzosen im Vordergrund. Wäre Katastrophe für uns. Geht den Staat auch nichts an. Angleichung des Renteneintritts: schönes Spielthema. Geht die EU auch nichts an. Nützlich wäre: Mindeststeuersätze, Harmonisierung der Bemessungsgrundlagen der Steuern. Schädlich wäre Transferunion. Das wollen die Südländer. Die bloße Semantik, eine gemeinsame Währung brauche eine gemeinsame Regierung, ist Käse. In der Geschichte wurde der Welthandel meistens mit Gold bezahlt, ohne dass es solch eine gemeinsame Regierung gab. Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine Frage zur Giralgeschöpfung, um die sich ja viele Mythen ranken. Nehmen wir an die freien Liquiditätsreserven einer Geschäftsbank sind aufgebraucht und sie verkauft der Notenbank festverzinsliche Wertpapiere, um ihr Zentralbankguthaben wieder aufzufüllen. Kann die Geschäftsbank dieses Zentralbankgeld direkt an die Privatwirtschaft weiterverleihen oder kann dieses Zentralbankgeld nur dadurch in Umlauf kommen in dem die Geschäftsbank das Zentralbankgeld zum Beispiel für eine Kundenüberweisung verwendet, so dass die Empfängerbank dieses Zentralbankuthaben dann wieder im Zuge der Giralgeschöpfung weiterverleihen kann. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Liebe Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, die Bank kann das Zentralbankgeld verleihen. Dann wandert es aber nur zu einem Teil aus dem Bankensystem heraus, weil die Kunden es großenteils für Überweisungen innerhalb des Bankensystems verwenden. Man kann deshalb ein Vielfaches des Zentralbankgeldes verleihen, das man hat. Gäbe es keinen Bargeldabfluss, könnten Banken nach Belieben Kredite vergeben, ohne, dass sie das Geld haben. Sie müssen ja dann nie mit echtem Geld auszahlen. Das gäbe unweigerlich Inflation. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Bedeutung des Zinsmechanismus ist mir nicht ganz klar. Der Nominalzins setzt sich aus Inflation und Realzins zusammen. Der Zins entsteht am Markt durch Angebot und Nachfrage. Ein niedriger Zins macht Investitionen attraktiv, da sie sich schnell amortisieren und umgekehrt. Der Zins wirkt also antizyklisch und damit konjunkturglättend. So weit, so gut. Es gibt aber auch den Leitzins der Notenbank. Der Leitzins ist der Preis, den die Banken für von der Notenbank geliehenes Geld zu zahlen haben. Der variable Leitzins spiegelt sich also in variablen Refinanzierungskosten der Banken wider. Die Geldschöpfung ist aber kein Monopol der Notenbank. Die Geldschöpfung wird bereits zu über 90% (?) von den Geschäftsbanken betrieben. Durch das von den Geschäftsbanken geschöpfte Geld entstehen diesen aber keine Refinanzierungskosten. Warum orientiert sich der Marktzins dann so streng (tatsächlich oder vermeintlich) am Leitzins? Ist der Markt effizient, wird er die Inflation (die tatsächliche oder zu erwartende) und einen angemessenen Realzins (wovon hängt der eigentlich ab?) abbilden. Der Geldbesitzer wird einen Nominalzins kleiner als die Inflation (also negativen Realzins) auch nicht dulden. Die in den Wirtschaftsmedien geführte Diskussion, die EZB müsse wegen der steigenden Inflation in D die Zinsen anheben, könne dies aus Rücksicht auf die schwächeren Peripherie-Staaten aber nicht, schreibt dem Leitzins eine Rolle zu, die ich nicht nachvollziehen kann. Bildet der Markt die Verhältnisse realistisch und effizient ab, wird die durch eine Lohn-Preis-Spirale ausgelöste Inflation schon alleine deshalb konjunktur- und inflationsdämpfend wirken, weil die Unternehmen (ebenso Staat und private Haushalte) überproportional höhere Fremdkapitalzinsen zu zahlen haben (Zinsaufwand für Unternehmensanleihe heute ca. 6%, bei 3 Prozentpunkten mehr Inflation erhöht sich der Zinsaufwand um ca. 50%, die Inflation erhöht den Umsatz und die anderen Kosten aber nur um die 3%). Wir haben es bei einem höheren Lohn-Preis-Niveau also mit einer realen Aufwertung zu tun, die die Wettbewerbsfähigkeit reduziert und daher den abgeschafften Wechselkursmechanismus ersetzt. Die zentrale Frage lautet: Warum ist eine Leitzinserhöhung die notwendige Bedingung für die Bekämpfung der Inflation? Der Marktzins dürfte sich in dieser Konstellation vom Leitzins gar nicht oder kaum beeindrucken lassen. Vielen Dank für Ihre Mühe. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Müller, das Gesamtvermögen einer Volkswirtschaft besteht aus realen Vermögensgegenständen, die man anfassen kann, Forderungen gegenüber dem Ausland und Geld im Sinne von Bargeld und Girokonten. Dahinter stehen Eigenkapitalansprüche und Kredite. Das Bargeld wurde als Kredit von der Notenbank ausgegeben, das Giralgeld als Kredit von den Banken geschaffen. Der Wert der Bankaktien leitet sich u.a. durch den Wert der Kreditforderungen aus der Giralgeldschöpfung her, und auch die Notenbank könnte man durch den Barwert der Zinserträge, die sie erwirtschaftet, bewerten. Der Zins wird maßgeblich durch die Forderungen der Kreditgeber und die Nachfrage der Kreditnehmer bestimmt. Über den Leitzins der EZB wird der kurzfristige Zins festgelegt, denn zu diesem Zins gewährt die EZB Kredit mit selbst gedrucktem Geld. Senkt sie den Zins, kann mehr neuer Kredit nachgefragt werden, als an neuen Ersparnissen von den Kreditanbietern kommt. Die Wirtschaft expandiert. Freilich ist die Voraussetzung, dass die Leute das Mehr an Geld, das sie sich leihen, nicht einfach auf ihrem Konto halten und sich der größeren Liquidität erfreuen. Heute ist der Zins schon fast null. Die Annehmlichkeiten der hohen Liquidität veranlassen viele, das Geld zu halten, statt es auszugeben. Die Notenbank hat dann kaum noch einen Einfluss auf die Wirtschaftstätigkeit. In Amerika, wo der Leizins praktisch Null ist, sehen wir das ganz deutlich. Oder auch in Japan, wo er schon 12 Jahre null ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion vom 27. Januar 2011 zur Eurokrise) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre im Stil gemäßigte Antwort (eines zweifellos hoch angesehenen und verdienten Ökonomen) auf meine bedauerlicherweise etwas vorlautenden Anmerkungen zu Ihrem SZ-Interview. Ihre Antwort in der Sache auf meine damaligen kritischen Hinweise habe ich allerdings auch nach mehrmaligem Durchlesen nicht in Gänze verstanden. Mit den laufenden Verhandlungen auf europäischer Ebene bin ich nicht (wie Sie?) im Detail vertraut. Aus meiner Sicht stellt sich die Sache bezüglich der in Rede stehenden, vergleichbar den von der Mexiko-Krise der Jahre 1988/89 bekannten, so genannten Brady-Bonds in den Grundzügen wie folgt dar: 1. EFSF-Anleihen ähnlich den kürzlich im Rahmen des Rettungspakets für Irland begebenen - also mit Zins und Tilgung (und nicht mit einem Null-Coupon) versehenen - Gemeinschaftsanleihen, die am Markt reißenden Absatz fanden (Süddeutsche Zeitung vom 26.1.2011: "Ansturm auf die erste Anleihe des Europäischen Rettungsfonds") 2. Rückkauf umlaufender Griechenland-(Alt)Anleihen (vom EFSF oder unter dieser Auflage von Griechenland selbst) am Markt zu aktuellen Marktkursen (d.h. weit unter, nicht über pari). Ein solches Vorgehen hätte m. E. für die Beteiligten folgende Vorteile: - für Euro-Staaten, die sich unter den Rettungsschirm "flüchten" und die damit verbundenen strengen (Restrukturierungs-) Auflagen akzeptieren, die Chance mittelfristig ihre Kreditwürdigkeit am Markt zurückzugewinnen (wie es im vergleichbaren Fall der Schuldenkrise südamerikanischer Länder der Fall war); - für die Käufer der EFSF-Anleihen als auch für die Verkäufer der umlaufenden, unter pari notierenden Alt-Anleihen die freiwillige (und nicht wie bei einem befürchteten nachträgliche Haircut erzwungene) Nutzung eines Instrumentes, mit dem die Banken aus anderen Situationen (z. B. beim Verkauf von Immobilienkrediten) sehr wohl vertraut sind und von dem sie in der Vergangenheit, insbesondere zur Entlastung ihrer Bilanzen, reichlich Gebrauch gemacht haben; - für die Europäische Zentralbank und den Europäischen Rettungsfond eine veränderte Aufgabenteilung (die Rückkäufe von Staatsanleihen würden vom EFSF und nicht mehr, wie in den vergangenen Monaten, von der EZB geleistet), die den EFSF stärkt und die EZB in ihrem Stabilitätsauftrag entlastet. Der von Ihnen behauptete - aber von anderen bestrittene - Bruch der Maastrichter Verträge würde vermieden. Vermieden würden aber vor allem auch schädliche Extremlösungen in der einen oder anderen Richtung: - ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro bzw. eine Aufspaltung in Süd- und Nordländer (Welche Länder sind das?) mit unübersehbarem Schaden für alle Beteiligten; - eine Dauersubventionierung der Schuldnerländer, aber eine Fortführung von Finanzhilfen von den starken Ländern, also u.a. Deutschland, in die Peripherieländer, wie sie unter den dem Europagedanken Wohlgesonnenen unstrittig und wirtschaftlich unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sind; - eine zu starke (extreme) innere Abwertung Griechenlands, die das Land überfordern (und erst recht zahlungsunfähig machen) würde wohl aber eine Rückführung (nicht eine utopische und ökonomisch keineswegs wünschenswerte komplette Rückzahlung) seiner Staatsschulden. Kredite (an Unternehmen, aber auch an Staaten) sind und waren immer ein wichtiges Schmiermittel jeder prosperierenden Wirtschaft sowie ein wesentlicher Bestandteil eines pragmatischen (leider gelegentlich allzu abschätzig bezeichneten) mudling through, an dem auch im Falle Griechenlands - wie anderer hoch verschuldeter Länder (außer europäischen auch z. B. die USA und Japan) - kein Weg vorbeiführen wird. Für ab 2013 emittierte Anleihen sollte, wie schon heute bei vergleichbaren Anleihen, eine "Collective Action Klausel" fester Vertragsbestandteil sein. Das würde sowohl Kreditnehmer wie -geber disziplinieren. Bei den notwendigen Warnungen vor allfälligen Fehlentwicklungen sollte man im Sinne der Bewahrung des Euro, der - siehe die Statements des französischen Staatspräsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin in Davos - mehr ist als eine Währung, Übertreibungen wie die, eine "Staatenkrise" herbeizureden, "unter Strafandrohung höhere Löhne" zu beschwören, oder über "schwindelerregende Summen von Verlusten in den Bilanzen der europäischen Banken" zu philosophieren, tunlichst vermeiden. Die Sonderausgabe des ifo Schnelldienst "Ein Krisenmechanismus für die Eurozone habe ich gelesen, allerdings, wie ich zugebe, nicht in allen Punkten bis zum Ende durchdacht. Im Vergleich zu den (oben skizzierten) so genannten Brady-Bonds für umlaufende Anleihen scheint er mir (bei allem Respekt vor der "Komplexität der Materie") zu anspruchsvoll. Ich freue mich, heute Abend anlässlich der Münchener Seminare, bei denen ich bisher stets viel gelernt habe und überdies zuvorkommend und reichhaltig bewirtet wurde, wieder im Ifo- Institut zu Gast zu sein. Freundliche Grüße und Bitte um Nachsicht für die möglicherweise als langatmig und belehrend empfundenen Bemerkungen meinerseits von Ihrem Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, das Problem ist der freiwillige Haircut. Den gibt es nicht. Sobald man anfängt, den EFSF-Topf für den Kauf des Altbestandes zu öffnen, springen die Kurse hoch, denn das sind dann die Eurobonds, die es aus vielerlei Gründen zu vehindern gilt. Es geht nur eine Art von Brady-bond-Ansatz: "Vogel friss oder stirb". Der Aufkauf der griechischen Schulden zum heutigen Markdiskont hat mit diesem Ansatz jedenfalls wenig bis gar nichts zu tun. Er würde den Moral Hazard Effekt einer übermäßigen Verschuldung der Südländer perpetuieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Geschätzter Herr Professor Sinn! In der Süddeutschen lese ich mit großem Interesse Ihr Interview und Ihre Aussage, wonach es naiv sei, aus Finanzjongleuren ehrbare Kaufleute machen zu wollen. Das sehe ich auch so. Dennoch wird ständig davon geredet, dass es mehr Moral im Finanzmarkt bzw. für Finanzmarktakteure brauche (in derselben Ausgabe, wenige Seiten vor Ihrem Interview, steht auch, dass es politische Ökonomie brauche - gibts sowas wirklich, oder nur sehr begrenzt - eine Sozialisierung des Sinns des Marktes sollte gewagt werden, liest man...- ein reines Wunschkonzert??). Wenn es aber keine moralische Reinigung gibt oder geben wird, dann nützen wohl auch Regeln und Kontrollen nur sehr wenig, denke ich. Würde mich interessieren, welchen Schluss Sie aus Ihre Aussage ziehen würden? Irgendwie ist ja unbestritten, dass es Haftung, Verantwortung braucht, damit der Schaden nicht (wieder) jene trifft, die ihn nicht verursacht haben. Wie zuversichtlich sind Sie diesbezüglich? Würde mich sehr freuen, könnten Sie mir darauf antworten. Vielen Dank für Ihre Mühe und Ihr Entgegenkommen. Mit besten Grüßen Karl Brunner Klagenfurt
Sehr geehrter Herr Brunner, Sie haben Recht: Das Haftungsprinzip ist entscheidend. Aber es sind die Eigentümer der Bank, die nicht genug haften, weniger die Manager. Wenn Sie mehr dazu interessiert, das habe ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus ausgeführt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Ihrem Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 26.Januar 2011 sind Sie wieder einmal Ihrem Ruf als ein zu Schnellschüssen neigender und gelegentlich polemisch argumentierender (Star-)Ökonom gerecht geworden. Speziell beziehe ich mich diesbezüglich auf Spalte zwei Mitte, wo Sie sich zu Euroanleihen äußern, die Griechenland dazu nutzt, eigene Anleihen zu Kursen, die u.U. weit unter dem Nennwert liegen, am Markt zurückzukaufen. Ihre allgemeine Spepsis (Ablehnung) gegenüber Euroanleihen teile ich. Im Falle so genannter Brady-Bonds könnten die Dinge allerdings etwas anders (komplizierter) liegen. Ich verweise diesbezüglich auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 21. 1. 2011 und bitte Sie, die Sache in Ihrem Hause, dem ifo Institut, einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen zu lassen. An dem Ergebnis wäre auch ich sehr interessiert. Freundlichen Grüßen von Ihem Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, Sie neigen auch nicht gerade zu milden Formulierungen. Aber zur Sache: Es geht bei der jetzt diskutierten Lösung für Griechenland keineswegs um Brady Bonds, sondern um Kredite des ESM an Griechenland zur Ablösung der Altschuld. Brady Bonds wären neue griechische Anleihen, die von der Staatengemeinschaft mit einem Null-Coupon-Gemeinschaftsbond besichert sind, das Griechenland selbst wiederum zu kaufen hätte. Bei Brady Bonds endet die Haftungskette in Griechenland. Bei der jetzt diskutierten Lösung endet sie bei den anderen EU-Staaten. Die Brady Bonds sind für die Käufer trotz Haircut bei den Altschulden attraktiv, weil sie, wenn sie sich verweigern, das Risiko eingehen, zum Schluss gar nichts zu kriegen. Bei den jetzigen Vorschlägen zu Griechenland ist nicht die Rede davon, dass die Schulden zum Schluss nicht bedient werden könnten, auch nicht davon, dass den Investoren eine einmalige Umtausch-Chance geboten wird. Vielmehr soll Griechenland die neuen Kredite benutzen, um die Altschulden mit einem Aufschlag (!) zurückzukaufen. Die Konsequenz dieser Maßnahme wird eine rasche Kurserholung der griechischen Schulden und ein bloßer Austausch der privaten gegen öffentliche Gläubiger sein. Entscheidend für den Erfolg einer Umschuldungsmaßnahme ist die Androhung eines späteren Haircut zu schlechteren Bedingungen. Davon ist derzeit nicht die Rede. Wege zur Ablösung von Altschulden durch Ersatzanleihen werden im übrigen in dem von Kai Carstensen und mir erstellten Gutachten "Ein Krisenmechanismus für die Eurozone" beschrieben, das im Dezember als Sonderheft des ifo-Schnelldienstes herauskam. Soviel zu den Schnellschüssen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nachdem ich mich in meinen kritischen Leserbriefen an das Handelsblatt bereits mehrfach auf Sie bezogen habe, möchte ich Sie über meinen letzten informieren: Wunschdenken Zu: „Mit dem Finanzrisiko steigt der politische Einfluss“, HB vom 18.1.2011 Statt der Bundesregierung hat sich bisher eher das HB selbst einen „Pinocchio“ für Schwindeleien und Halbwahrheiten verdient. „Wachstum und Wohlstand in Deutschland basieren auf dem Euro“. Dem wird zwar von einigen Ökonomen, z. B.Prof. Sinn widersprochen, aber das HB meint penetrant von dieser Grundhypothese in seinen europolitischen Analysen ausgehen zu können. Zeigen Sie doch bitte mal, wie sich das deutsche Wirtschaftswachstum in den letzten 10 Jahren im Vergleich zu Nicht-Euro-Ländern in der EU entwickelt hat, oder wie der Anteil der deutschen Exporte in den Euroraum im Vergleich zur Zeit vor dem Euro nun aussieht. Es wird sich zeigen, dass Deutschland nicht der große Europrofiteur ist, als der es fälschlicherweise dargestellt wird. Deshalb ist es auch verfehlt, vom deutschen Steuerzahler penetrant ein noch höheres finanzielles Risiko einzufordern. Denn dass unsere Politiker dafür an politischem Einfluss gewinnen, dürfte Wunschdenken bleiben. Sie haben es im Verbund mit hunderten EU- und Eurobürokraten nicht vermocht, den Maastricht-Vertrag und seine Stabilitätskriterien durchzusetzen. Wie sollen sie auf dem noch schwierigeren Feld der Lohn- und Sozialpolitik erfolgreich sein. Bitte kommen Sie allmählich zu Analysen, die einer Wirtschafts- und Finanzzeitung würdig sind. Viele Grüße Gernot Müller Elsternweg 3 40468 Düsseldorf Tel:0211/4230577 E-Mail: gernot.m@gmx.de PS: Wäre die Aufspaltung der Eurozone in zwei Zonen, oder der Austritt einzelner Länder eine Lösung - auch politisch machbar?
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank für diese Information. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, gestern (12.1.2011) erschien im Handelsblatt ein Interview mit Ihnen unter der Ueberschrifft "Die Konjunktur brummt wegen der Krise". Dort habe ich Ihre Aussagen ueber Griechenland scharf kritisiert. Nachdem ich gelesen habe, was Sie hier schreiben, stimme ich immer noch nicht mit Ihrer pessimistischen Sicht ueber Griechenland ueberein, verstehe allerdings besser Ihre Argumentation. Aber konzentrieren wir uns auf den Anleihenmarkt, den Sie fuer einen unbeeinflussten, effizienten Markt halten, der nur auf Angebot und Nachfrage reagiert, und der nicht von Marktmanipulation beeinflusst wird. Koennte ich Sie bitte fragen, waehrend einer ruhigen Stunde, auf dem ZEIT Herdentrieb Blog unter der Ueberschrift "Der Euro Wackelt" alle Leserbeitraege zu lesen. Dort beschaeftige ich mich mit CDS, und argumentiere fuer ein Verbot, da diese Instrumente der reinen Spekulation dienen, und den Anleihenmarkt beeinflussen. CDS sind, meiner Ansicht nach, eine Hauptursache, wenn auch nicht der Ausloeser der Krise. Denn es ist nur durch ein Ansteigen der CDS Preise, und ein Umschulden/Haircuts/Euroaustritt, dass man durch CDS Geld verdienen kann. Deshalb wird die Eurokrise geschuert, und deshalb wird auch durch nichts, ausser einem CDS Verbot, die Eurokrise beendet werden. Eine weitere Quelle ueber CDS ist der Bundesbankmonatsbericht vom Dezember. Auch in seinem Buch "Freefall" geht Joseph Stiglitz auf die Credit Default Swaps ein, und fordert ein Verbot in ihrer jetzigen Form. Jeder im Herdentrieb, und dort sind viele Oekonomen unterwegs, schliesst sich meiner Analyse an, und fordert ein sofortiges Verbot von CDS. Wenn Sie das auch machen wuerden, haette ich den Top-Volkswirt in Deutschland auf meiner Seite, und unsere Kampagne haette natuerlich mehr Gewicht. Ich habe Sie im Handelsblatt heftig angegriffen, was mir jetzt leid tut, und ich waere trotzdem dankbar wenn Sie sich mit der Frage der CDS befassen wuerden. Mit freundlichen Gruessen Matthias Usselmann
Sehr geehrter Herr Usselmann, wenn Sie die Wirkungsweise des CDS-Marktes interessiert, verweise ich Sie auf mein Buch "Kasino-Kapitalismus". Dort wird der Herdentrieb analysiert und ein Verbot von CDS für den Fall eines fehlenden versicherbaren Interesses gefordert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihnen noch ein gesundes neues Jahr. Kurz vor Weihnachten letztes Jahr, schockt Herr Prof. Möller vom IAB Nürnberg alljene wie mich, die bisher gegen einen Mindestlohn waren. Er plädiert nun wider erwarten plötzlich für einen Mindestlohn mit Augenmaß, wobei er auch auf meine Nachfrage hin eine Antwort schuldig bleibt, was Augenmaß denn betragsmäßig sei. Auf meine Nachfrage schrieb er (Zitat): "Im Unterschied zu dem, was die meisten Kollegen in Deutschland in der Tat glauben, ist die Wirkung eines moderaten Mindestlohns auf die Beschäftigung theoretisch unbestimmt. Falls Unternehmen - aus welchem Grund auch immer - Marktmacht besitzen, kann eine staatlich festgelegte Lohnuntergrenze die Beschäftigung sogar erhöhen. Der Grund liegt darin, dass wegen des höheren Lohns mehr Leute eine Arbeit aufnehmen wollen. Dies funktioniert solange, wie die Unternehmen bei Ausweitung der Beschäftigung noch Gewinne machen." Ich glaube, dass die Öffentlichkeit nun vollends verwirrt ist, wenn Beiträge wie "Lügen der Ökonomen über den Mindestlohn" o.ä. veröffentlicht werden. Kommen derartige Meinungswandel auf politischen Druck hin zustande, oder gibt es andere triftige Gründe, die Kombilöhne aus der Diskussion zu verdrängen? Beste Grüße, T.S.
Sehr geehrter Herr S., Herr Möller hat insofern recht, als das Fehlen von Konkurrenz auf Seiten der Arbeitgeber die Implikation haben kann, dass der Mindestlohn mehr Beschäftigung hervorruft. Nur ist dies bloß ein theoretischer Fall. Gerade gering Qualifzierte können wegen ihrer fehlenden Spezialausbildung auch in den kleinsten Gemeinden zwischen vielen Arbeitgebern wählen, zu denen ja auch Privathaushalte gehören. Es gibt also auch auf Seiten der Arbeitgeber Konkurrenz. Unter diesen Voraussetzungen gibt es keine theoretische Zweideutigkeit. Mindestlöhne vernichten dann eindeutig Jobs. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Professor! In "Mross Daily News" vom 21.12.2010 im Internet habe ish unter anderem auch Folgendes gelesen: "Menschliches Glück lässt sich nicht messen – zu dieser Erkenntnis kommt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Bruttoinlandsprodukt hätte durch einen Wohlfahrtsindikator ersetzt werden sollen, um qualitative Aspekte des Lebens zu messen." Wo kann ich dazu etwas im Original lesen, da mir der Ansatz bemerkenswert scheint. Sind Sie vielleicht der Betreuer jener Forschungsarbeit gewesen, für die ein Student aus Dresden in diesem Jahr einen Preis bekam - seine Ansichten scheinen drauf hinzudeuten. Mit freundlichen Grüßen Siegfried Newiger
Sehr geehrter Herr Newiger, mein Kommentar bezog sich auf das Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu diesem Thema. Sie können es per Google finden. Mit freundlichen Grüßen zum Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die EZB verdoppelt ihr Grundkapital. Wie muß man sich diesen Vorgang praktisch vorstellen? Müssen die nationalen Notenbanken Teile ihres Wertpapierportfolios an die EZB übertragen, so dass die EZB die Liquidität die sie dem Markt durch den Ankauf verschiedener Anleihen von Schuldenstaaten zur Verfügung gestellt hat, gegebenenfalls wieder aus dem Markt nehmen kann. Ich meine, um die Märkte erneut mit Liquidität zu versorgen, braucht die EZB ja nicht unbedingt mehr Grundkapital, denn sie kann ja selbst Geld schöpfen und damit Devisen oder Wertpapiere aufkaufen. Mit freundlichem Gruß Noel König P.S.: Ich möchte Ihnen einmal recht herzlich danken, für die Zeit die Sie sich immer nehmen, um auf meine Fragen oder Meinungen einzugehen. Ich denke hier spreche ich auch für die anderen Teilnehmer im Diskussionsforum. Frohe Weihnachten für Sie und Ihre Familie wünscht Ihr Noel König
Lieber Herr König, es geht hier nicht um Liquidität, sondern um Eigenkapital, also eine Haftungssumme. Die nationalen Notenbanken zahlen dies mit bereits geschöpftem Geld ein, für das die Finanzminister auch Güter hätten kaufen können. Wenn die EZB Verluste macht, weil die Griechen die Staatsanleihen, die die EZB gekauft hat, nicht bedienen, ist das Geld in Griechenland statt in Deutschland. Frohe Weihnachten Ihr Hans-Werner Sinn
Jean-Claude Juncker zum EU-Beitritt der Schweiz Jean-Claude Juncker hat sich in einem Interview mit „Die Zeit“ klar für einen Beitritt der Schweiz zur EU ausgesprochen. Damit befördert Juncker wie so viele Berufspolitiker aus der EU, die die Eidgenossenschaft gerne als Mitglied sähen, die Meinung jener stark überwiegenden Mehrheit in der Schweiz, die eine Mitgliedschaft vor allem deshalb ausschliesst, weil die kleine Schweiz und die grosse EU in sehr unterschiedlicher, inkompatibler Weise regiert werden. Es gibt bis auf weiteres keine Alternative zu einer friedlichen und offenen Zusammenarbeit. Juncker mag richtig liegen, wenn er die SVP-Position als grundsätzlich perspektivlos bezeichnet. Er befindet sich jedoch total auf dem Holzweg, wenn er meint, eine Nicht-Mitgliedschaft der Schweiz in der EU finde nur in nationalistischen bis xenophoben Kreisen ihre Anhänger. Verfechter offener Märkte, für die ‚gross‘ bei weitem nicht immer und schon gar nicht automatisch ‚gut‘ bedeutet, bietet die EU wenig Attraktion. Das Machbarkeitsprinzip hat dort einen viel zu hohen Stellenwert. Den Schaden daraus können ‚wir‘ beinahe täglich mitverfolgen. Die Attraktion eines Beitritts ist in jüngerer Zeit auch deshalb kleiner geworden, weil zunehmend das politische Duopol von Paris und Berlin meint, ‚Europa‘ de facto im Alleingang zum Wohlstand führen zu dürfen. Das hat ja Jean-Claude Juncker selbst erfahren, indem er etwa von Präsident Sarkozy wie ein Schulbube abgekanzelt wurde. So wie sich Präsident Chirac vor Jahren pauschal gegenüber den ehemaligen Ostländern als Peiniger aufspielte. Eine Nicht-Mitgliedschaft mit ‚totaler Abschottung‘ gleichzusetzen, ist Unfug. Man befrage dazu insbesondere Unternehmer im Süddeutschen Raum. Mich dünkt, bei Jean-Claude Juncker seien die Nerven nun etwas angespannt. Ich kann das verstehen. Denn: Falls sich die Hiobsbotschaften zum Euro im gegenwärtigen Rhythmus weiterziehen, wird sich der Eurogruppen-Präsident nicht mehr den vermeintlichen Sorgen der prosperierenden Schweiz, sondern wieder vollumfänglich seinem übergrossen Zuständigkeitsbereich widmen. Und wer weiss: vielleicht kommt er dann auch davon weg, etwa jeden dritten Tag einen neuen Vorschlag zu machen, der jeweils Schuldenprobleme mit neuen Schulden lösen soll. Vielleicht kommt er auf die Idee, dass es grundsätzlich ‚nur‘ drei Möglichkeiten für die Auflösung des selbstverschuldeten Schlamassels dieser unsäglichen Euro-Zwängerei gibt: Die EZB kauft in noch grösserem Ausmass und anhaltend Schulden der Gross-Schuldenländer. Sie ist dabei schon weit ‚fortgeschritten‘ und tönt an, sie brauche für die Fortführung mehr Mittel. Genannt wird dies ‚Flexibilisierung‘. Die EU wird zum Bundesstaat. Ohne neuen Vertrag wird dies nicht zu bewerkstelligen sein. Die Aussichten dafür sind, vorsichtig ausgedrückt, ungünstig. Stichwort: Deutsches Verfassungsgericht. Schliesslich und vorteilhafterweise wird sich auch in EU-Kreisen die Meinung und Haltung schrittweise verbreiten, dass ‚gross‘ nicht in jedem Fall ‚gut‘ sein muss. ‚L’Europe à deux vitesses‘ (mindestens !) wird wieder ein Thema werden. Auch de jure. De facto haben ‚wir‘ dies längst. Und dann, aber erst dann, wird ein luxemburgischer Premierminister mit etwas Aussicht auf Erfolg den schweizerischen Souverän zu einem Beitritt oder jedenfalls zu noch engerer Zusammenarbeit einladen und animieren können. Erich Heini, Luzern (ehemals Wirtschaftsredakteur und Auslandkorrespondent der „NZZ“ sowie Pressechef der Schweizerischen Nationalbank unter Fritz Leutwiler von 1976 bis 1985)
Sehr geehrter Herr Heini, vielen Dank für Ihre sehr erwägenswerten Überlegungen. Ich wünsche Ihnen alles Gute zum vierten Advent und Frohe Weihnachten. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrer Beantwortung der Frage (17.11.2010), ob in einer Wirtschaft Investitionen ausschließlich mit inländischen und ausländischen Ersparnissen zu finanzieren seien, also I = S - (Ex - Im), bestätigten Sie dies. Falls I größer S - (Ex - Im), gibt es eine Überschussnachfrage mit Inflation. Die Inflation frisst das reale Geld wieder auf und verhindert so, dass Banken Investitionen mit selbstgemachten Geld finanzieren. Nun meine Frage: Angenommen eine prosperierende Volkswirtschaft (dynamische Bevölkerungsentwicklung, wachsende Wertschöpfung und Produktivität)hat einen erhöhten Kapitalbedarf, den sie mit der eigenen Ersparnis nicht decken kann. In diesem Fall wäre sie auf ausländisches Kapital angewiesen und hätte ein Leistungsbilanzdefizit, damit I = S - (Ex -Im). Wenn das ausländische Sparkapital nun aber z. B. aus politischen Gründen nicht für die notwendigen Investitionen zur Verfügung steht, dann könnte der Staat die Lücke doch "mit der Druckerpresse" stopfen ohne dass daraus zwangsläufig eine Überschussnachfrage mit Inflation resultiert. Denn der zusätzlichen Nachfrage nach (Investitons)gütern stünde aufgrund der inneren dynamischen Entwicklung (Produktivitätsanstieg) auch ein entsprechendes zusätzliches Angebot gegenüber. Die Frage wäre natürlich, ob diese Lösung akzeptiert würde. Mit freundlichen Grüßen Peter Busse
Sehr geehrter Herr Busse, wenn I größer S durch die Druckerpresse bedient wird, gibt es eine Überschussnachfrage, die Inflation macht, weil die Ressourcen im Umfang dieser Differenz ja nicht aus dem Ausland kommen. I minus S ist der Überschuss der Nachfrage über die eigene Produktion, weil S der Teil der Produktion ist, der nicht konsumiert ist. Mit freundlichem Gruß zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, leider konnte ich am 14.12. an dem Seminar nicht teilnehmen. Daher habe ich folgende Fragen: Stimmen Sie darin überein, dass die Schuldenkrise europäischer Staaten nur durch ein Zusammenspiel von a) einem Haircut i.H.v. bis max.40% der Verschuldung b) einer Gläubigerbeteiligung c) einer Einhaltung eines (neugeregelten) Stabilitätspakts d) einer engeren Zusammenarbeit der Eurostaaten hinsichtlich ihrer Wirtschaftspolitik e) einer Führungsposition Deutschlands (aufgrund seiner ~25%igen Wirtschaftslstg.) überwunden werden kann und dass 1.) eine Erweiterung d. "Rettungs"schrims auf 1.5 Bill.€ 2.) Eurobonds (unabhängig der Gestaltung) 3.) eine nur bedingte Gläubigerbeteiligung sich negativ auf den Krisenverlauf auswirken, da diese Maßnahmen zu einem zusätzlichen Vertrauensverlust führen. Wie sehen Sie die Zukunft der Euro"gemeinschaft"? Wird es Ihrer Meinung nach zu einer gespaltenen WU kommen, mit einer harten und einer weichen Währung? Sind die gemeinsamen Anleihen des Rettungsschirms nicht bereits eine Art der abgelehnten Eurobonds? Ich bedanke mich bereits für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen A. F.
Sehr geehrter Herr F., hier meine Antworten in Kürze. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn a) einem Haircut i.H.v. bis max.40% der Verschuldung Wir sagen maximal 50%. b) einer Gläubigerbeteiligung. Das ist daselbe. c) einer Einhaltung eines (neugeregelten) Stabilitätspakts Ja. Aber politische Schuldenbremsen funktionieren ohne strikte Automatik nicht. d) einer engeren Zusammenarbeit der Eurostaaten hinsichtlich ihrer Wirtschaftspolitik Nein. Hat nichts mit der Problematik zu tun. Man sollte offen aussprechen, was man meint: Schuldengrenzen oder Transfers. Der Begriff "gemeinsame Wirtschaftpolitik" vernebelt die Problematik. e) einer Führungsposition Deutschlands (aufgrund seiner ~25%igen Wirtschaftslstg.) Verstehe ich nicht. überwunden werden kann und dass 1.) eine Erweiterung d. "Rettungs"schrims auf 1.5 Bill.€ Gefährlich. Vergrößert die Ansteckungsgefahren und Dominoeffekte. Wir können das nicht stemmen. 2.) Eurobonds (unabhängig der Gestaltung) Maximiiert Fehlanreize zum Schuldenmachen. 3.) eine nur bedingte Gläubigerbeteiligung sich negativ auf den Krisenverlauf auswirken, da diese Maßnahmen zu einem zusätzlichen Vertrauensverlust führen. So ist es.
HB 10.12.10 – „WIEDER DIE GLEICHEN FEHLER“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, nach den vielen widersprüchlichen Kommentaren und Forderungen der vergangenen Wochen zur Euro-Krise hat Ihr wohlfundierter Artikel die Dinge auf den Punkt gebracht. Gestatten sie mir, dass ich noch einiges anmerke: Ich erinnere mich, dass in der Vor-Euro-Zeit in den 70’er-Jahren, Staaten mit starkem Abwertungsrisiko wie z.B. Italien, für Anleihen drei bis fünf Prozent höhere Zinsen zahlen mussten. Das war damals völlig normal und hat keinerlei Kommentare ausgelöst. Warum sollte es also heute für Länder wie Griechenland, Irland und Portugal so schwerwiegend sein, ebenfalls höhere Zinsen bezahlen zu müssen? Weiter glaube ich, dass die Märkte die „Umbrella-Theorie“ aus der Zeit der Ost-West-Spaltung Europas wieder aufleben lassen werden, die besagte: im Ernstfall wird die Sowjetunion für Schulden der Satelliten- Staaten aufkommen, auch ohne formale Garantie. Das führte seiner Zeit zu erträglichen Zinskonditionen im Handelsverkehr mit jenen, teil- weise wackeligen Ländern (z.B. Rumänien). Der in diesem Jahr von der EU geleistete Beistand für bedrohte Euro-Länder bestätigt die Richtigkeit einer solchen „EU-Umbrella-Vermutung“ und dürfte daher die Zinssätze für die betroffenen Länder nicht in den Himmel schiessen lassen. Unbedingt muss jedoch die wirtschaftliche Leistungskraft Griechenlands, Portugal, Irlands auch Spaniens gestärkt werden, damit eine reale Chance für eine Gesundung und Schuldenrückzahlung geschaffen wird. Das kann nur mit Hilfe ausländischer Investitionen geschehen. In den 70’er Jahren gab es in Deutschland ein Gesetz über steuerliche Vergünstigungen für Investitionen in Entwicklungsländern. Das hat zwar hauptsächlich zu schlecht konzipierten Hotelprojekten auf den Kanaren geführt, viele Anleger haben Geld verloren, aber man könnte es heute sicher besser machen und zwar auf europäischer Ebene. Es gibt den EU-Strukturfond, der entsprechend modifiziert werden könnte um sinnvolle Investitionen in diesen Ländern zu fördern. Sie beklagen, dass deutsche Ersparnisse in den vergangenen Jahrzehnten mehr im Ausland als im Inland zu Investitionen verwendet wurden. Neben grossen Projekten im Wachstumsmarkt China, ist viel Geld nach Osteuropa geflossen, da für Produktionsbetriebe dort die Investitionen aufgrund niedriger Löhne lukrativer waren. Diese Investitionen waren langfristig sicher sinnvoll, da sie der deutschen Industrie gleichzeitig neue Märkte eröffnet haben. Um aber Anreize für Investitionen in Deutschland zu schaffen, sollte bei den Abschreibungsregeln für Ausrüstungen angesetzt werden. Schon in Anbetracht der demografischen Entwicklung braucht Deutschland eine kapital- und nicht personalintensive Industrie. Weiter senkt der Einsatz automatischer Fertigungsprozesse die Kosten, sodass wir auch gegenüber Billiglohnländern wieder konkurrenzfähig sein werden. Der deutsche Maschinenbau hat das Potential Anlagen zu entwickeln, die eine kostengünstige Produktion in Deutschland vieler Artikel erlauben würde. Warum musste die Handy-Produktion in Deutschland eingestellt werden? Hätte deutsche Ingenieurskunst nicht Anlagen zur vollautomatischen Herstellung entwickeln können? Mit günstiger steuerlichen Abschreibung dieser Investitionen wäre dies sicher für alle Beteiligten attraktiv gewesen. Der Vorteil ist zudem, dass solche Anlagen aufgrund des deutschen Knowhows im Maschinenbau im Lande entwickelt und gefertigt worden wären, um eines Tages, wenn auch in China und Indien die Löhne steigen, ein Exportschlager zu werden. Der taiwanesisch-chinesische Elektronik-Zulieferer, Foxconn, plant Fertigung in den USA mit vollautomatischen Fabriken ohne Beschäftigte! Solche Pläne sollten eigentlich aus Deutschland kommen! Die Wirtschaft hat sich in dieser Richtung noch nicht geäussert. Es scheint mir, die deutschen Unternehmen wollen wieder den einfachen Weg mit preiswerten Fachkräften von ausserhalb der EU gehen, statt in moderne Anlagen zu investieren. Letzteres mindert zunächst die Rendite, worauf besonders Unternehmen mit Beteiligung von Finanzinvestoren Rücksicht nehmen müssen. Langfristig verschlechtert eine veraltete Industrie aber die Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt. Die Ökonomie sollte sich über diese betriebswirtschaftlichen Bedenken hinwegsetzen und für eine kapitalintensive, moderne Industriestruktur in Deutschland plädieren. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, vielen Dank für die tiefschürfenden Beobachtungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin derzeit verwundert, dass sich ganz Deutschland über unseren Exportüberschuß freut. Exportüberschuß bedeutet doch im Endeffekt Ware aus dem Handelsraum raus - Geld rein, bzw. am Ende steht mehr Geld weniger Ware gegenüber also nach allem was ich gelernt habe müsste die Gleichung lauten Exportüberschuß = Inflation. Dazu müssen die Exporteure noch massenweise dafür arbeiten ohne am Ende etwas dafür zu haben (über die Summe der deutschen gesehen, nicht auf die einzelnen bezogen). Zur Betrachtung der tatsächlichen Inflation muss jetzt allerdings das Spektrum der bewerteten Produkte um Finanzprodukte wie Aktien, Fonds und Staatsanleihen erweitert werden, da gerade hierhin in der Vergangenheit massiv Geld abgeflossen ist (auch staatlich provoziert durch die Riesterrente und ähnliches). Ich denke, dass dies einfache Gedanken sind, habe diese jedoch noch nie diskutiert gehört. Können Sie mir sagen weshalb wir uns das ganze dennoch dauerhaft schönreden?
Sehr geehrter Herr Maier, fast haben Sie recht, aber nicht ganz. Man kriegt kein Geld für die Exporte, sondern Wertpapiere, also Ansprüche gegen Ausländer, die später gegen Waren einlösbar sind. Das ist nichts, was die Inflation treiben könnte, jedenfalls nicht bei uns. In den Schuldnerländern ergibt sich ein Anreiz, sich der Rückzahlungsverpflichtung durch Infaltion zu entziehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Altkanzler Helmut Schmid kritisiert, dass Frau Merkel beim Aufkommen der Finanzkrise in Griechenland nicht sofort Ihre Solidarität bekundet hat, um dadurch den Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er spricht Merkel und Schäuble in Teilen das Format ab, genug von den Zusammenhängen der Finanzmärkte, des Bankensystems, sowie von nationalen und internationalen Fragen zu verstehen. Jean Claude Junker hingegen, dem Fan für Euro Bonds, hält unser Altkanzler wohl für einen großen Staatsman mit genügend Überblick. Ich meine, unabhängig von der fachlichen Qualifikation von Merkel und Schäuble, bezweifle ich, ob Helmut Schmidt über die Urteilskraft verfügt, die er anderen abspricht. Gerade als studierter Ökonom sollte er doch erkennen, dass mit sofortigen Solidaritätsversprechen und Euro Bonds der Kapitalexport aus Deutschland heraus perpetuiert wird und Deutschland Güter gegen Zahlungsversprechen eintauscht, für die es auch noch selbst bürgen muß. Mit freundlichem Gruß, K.
Lieber Herr K., inhaltlich haben Sie völlig recht. Dass der Gläubiger für die Bonität seines Schuldners bürgen soll ist pervers. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich las mehrere Bücher von Ihnen und erlebte Sie in Fernsehdiskussionen. Da Sie jemand sind, der sich traut, visionäre Ideen zu formulieren und in die Öffentlichkeit zu tragen, sende ich Ihnen anbei eine Kopie einer E-Mail zu, die ich an alle Abgeordneten des deutschen Bundestages mit der Bitte schickte, sich ernsthaft mit meinem Lösungsansatz "Englisch als offizielle zweite Amtssprache einführen" zu beschäftigen. Mir geht es darum, dass möglichst schnell möglichst viele Entscheider aus Wirtschaft und Politik sich mit meinem Lösungsansatz auseinandersetzen und er hoffentlich irgendwann in die Öffentlichkeit getragen wird, um breitflächig und hoffentlich sachlich diskutiert zu werden. Verantwortungsvolle Eltern, die ihren Kindern eine gute Ausbildung als Vorbereitung für einen erfolgreichen Berufsstart zukommen lassen wollen, werden mir bestimmt in vielen Punkten zustimmen. Wenn Sie finden, dass an meinen Gedanken etwas dran ist, so finden Sie bestimmt einen Weg, die Idee in die Öffentlichkeit zu tragen. Wenn Ihnen meine Idee nicht behagt, so wäre ich um eine kurze Rückantwort dankbar, warum Sie wenig oder nichts davon halten. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, haben Sie herzlichen Dank für Ihre interessante Email. Ihre Idee, die englische Sprache in Deutschland als zweite offizielle Amtssprache einzuführen, um die Attraktivität des Landes für ausländische Arbeitnehmer zu erhöhen, ist nachvollziehbar. Inwiefern die Bürokratiesprache eines Landes die Entscheidung eines Arbeitnehmers zur Migration in dieses Land beeinflusst, ist jedoch zu prüfen. Intuitiv scheinen privatwirtschaftliche Gründe, insbesondere die Attraktivität der Arbeitsplätze in deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich, als die wichtigeren Entscheidungskriterien. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zum Thema Geldschöpfung habe ich eine Verständnisfrage. Die Banken können per Kredit Geld aus dem Nichts schöpfen. Es gibt dabei diverse Restriktionen, z.B. den Mindestreservesatz der Notenbank oder das Eigenkapital der Bank. Die Banken insgesamt können aber ein Vielfaches der Spareinlagen als Kredit vergeben. In den Einführungskursen der VWL wird aber gelehrt, dass in einer geschlossenen Wirtschaft Ersparnisse und Investitionen gleich seien (S=I) bzw. in einer offenen Wirtschaft (S-I=EX-IM). Ein Unternehmen kann aber doch nicht nur Unternehmensanleihen ausgeben, um die Investitionen zu finanzieren, sondern ebenso einen klassischen Bankkredit aufnehmen. Damit dürfte die Wirtschaft (ob geschlossen oder offen) nicht ausschließlich von inländischen und ausländischen Ersparnissen abhängig sein. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Müller, doch, investieren kann man nur mit Ersparnissen. Die Kreditschöpfung der Banken ist ein Einmaleffekt. Abhängig von den Zahlungssitten und den regulatorischen Details wird in Relation zur Geldbasis (Zentralbankgeld in den Händen der Privaten) eine bestimmt Gesamtgeldmenge M1 geschaffen (Bargeld in den Händen privater Nichtbanken und Sichtdepositen bei Banken). Der Kredit aus dem Nichts ist ein zusätzlicher Geldbestand, der zirkuliert, aber nicht für Investitionen zur Verfügung steht, außer er wächst schneller als das Transaktionsvolumen, weil die EZB die Geldbasis schneller wachsen lässt. Dann ist ex ante tatsächlich I größer S - EX + Im, und es gibt eine Überschussnachfrage mit Inflation. Die Inflation frisst das reale Geld wieder auf und verhindert so, dass Banken Investitionen mit selbstgemachtem Geld finanzieren. Auch wenn die Geldbestände relativ zum Transaktionsvolumen kleiner werden, kann diese Ungleichung temporär gelten. Ich hoffe, dies beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herren Professoren, endlich lese ich wieder was vernünftiges. Allerdings kommt es etwas spät. Ja, vor allem die Bundesregierung, aber auch die beteiligten europäischen Finanzminister haben beim finanzpolitischen Schutzschirm für Griechenland und Co. solange rumgekaspert, bis die risikobereiten Profis im Besitz der Staatsanleihen waren und nun neben den hohen Zinsen auch noch die europäischen Garantien für die Rückzahlung haben. Feine Leistung. Zu allem Überfluss hat man diese Garantien eben nicht auf zB 70 oder 60 % der Anleihen beschränkt, so dass die Anleihekäufer, -besitzer und neuen Investoren eben nicht mitbelastet werden. Ich bin aber fast sicher, dass die lange schlecht geredeten Anleihen von den seit 2008 als Käufer auftretenden neuen Investoren eben nicht zu 100, sondern mit erheblichem Abschlag gekauft wurden, womit sich das Geschäft zum dritten nochmals besonders lohnend gestaltete. Fast ist man versucht, zu sagen, die beteiligten Investmentbanker haben sich so zu Recht ihre Boni verdient. Daß man es diesen Leuten zu Lasten der Steuerzahler aber so einfach macht, lässt mich schon zornig werden. Ich behaupte seit mehreren Jahren, dass der finanzpolitische Verstand vollständig entstaatlicht wurde und dass dieser Umstand zum eigentlichen und wohl dauerhaften Sieg des Neoliberalismus (oder wie das Programm auch immer hieß) geführt hat. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr V., der Vorschlag mit der Insolvenzordnung ist nicht erst jetzt von uns gekommen. Ich habe seit dem Mai schon in drei größeren Publikationen und mehreren Interviews diesen Vorschlag gemacht. Sie finden die Sachen bei uns auf der Homepage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, in großer Hoffnung wende ich mich an Sie. Können Sie mir kurz was zu dieser These sagen? "Die Segmentierung des Emissionsmarktes sowie Regulierungsüberlagerung von Emissionshandelssystemen und Ökosteuer führen dazu, dass die Kosten der Klimapolitik steigen." haben Sie vielen Dank für Ihre Mühen. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau W., Ihre Vermutung stimmt. Das habe ich ausführlich in meinem Buch Das grüne Paradoxon aus dem Jahr 2008 begründet. Der Emissionshandel setzt den gleichen Preis für Schadstoffemission und führt deshalb zu einer kostenminimalen Vermeidung. Zusätzliche Regulierung führt zu einer Abweichung von dieser Lösung, ohne die Gesamtemission beeinflussen zu können. Also steigen die Kosten der Vermeidung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn Danke das Sie die Sendung gerade ertragen haben (Illner-ZDF). Ich danke Ihnen für Ihre Beiträge in der Disskusion. Als ich mir zusammen mit meiner Frau die Vorstellung der Teilnehmer ansah, tippten wir gleich zu Beginn, dass man Sie als Sündenbock eingeladen hatte. Ich danke Ihnen für Ihre Sachlichkeit und stimme Ihne zu, dass die Umweltproblematik neu grüne Religion geworden ist. Auch wenn Ihre Stimme nicht gern ghört wird von der Mehrzahl meinen Befall haben Sie.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für den Zuspruch. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was würden Sie der amerikanischen Regierung und der FED raten, um sich aus ihrer prekären Finanzsituation zu befreien? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, der Wahrheit ins Auge sehen und einen Prozess der Schrumpfung des Lebensstandards durch Austerity-Programme und Budgekürzungen einleiten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe vor kurzem Ihren Vortrag beim ifo-Branchendialog zur Konjunkturlage gehört, der wieder einmal sehr informativ und interessant war. Einige Fragen sind offen geblieben: 1.) Sie haben erwähnt, dass das Leistungsbilanzdefizit der USA nach wie vor riesig ist und dass seine Finanzierung, nachdem China und D sich hieran zuletzt weniger als früher beteiligen, durch GB bzw. "durch die Londoner City" übernommen worden ist. Sie selbst meinten eher flapsig, dass GB die Finanzierung irgendwie an andere weiter reichen wird. Es blieb offen an wen. Also: Gibt es weitere Informationen, wer dieses nach wie vor riesige Defizit finanziert und warum eigentlich? 2.) Auch wenn der derzeitige Konjunkturaufschwung in D offenbar diesmal mit von der Binnenkonjunktur angezogen wird, weist D nach wie vor einen erheblichen Leistungsbilanzüberschuss auf, d.h. wir exportieren nach wie vor netto Kapital. Wenn nicht mehr in die USA und wohl auch nicht mehr so viel in den europäischen Süden, wohin dann? Mit freundlichen Grüßen Franz Müller
Sehr geehrter Herr Müller, wenn ich das alles wüsste! Leider werden die Kapitalbewegungen nicht richtungsmäßig erfasst. Das weiß man alles nicht. Zu London habe ich mich vergebens bemüht, Klarheit zu gewinnen. Vielleicht sind es die Emirate, vielleicht auch wieder europäische Banken, die die Sachen kaufen, wer weiß. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Annahme, dass ein steigender Preis (hier Mindestlohn) am Arbeitsmarkt zu sinkender Arbeitsnachfrage führen müsste und demzufolge höhere Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten auslösen könnte ist logisch und nachvollziehbar. Allerdings hat das IAB in Nürnberg meines wissens in der überwiegenden Zahl seiner empirischen Studien zum Mindestlohn herausgefunden, dass die Annahme in der Praxis kaum zutrifft. Dies liegt wohl zum einen daran, dass oft keine Substitutionsmöglichkeiten bestehen (in vielen Dienstleistungsbetrieben können die Menschen nicht gegen Maschinen ausgetauscht werden, siehe Post oder Pflegebranche). Zum anderen werden wohl im Gegenzug zu gestiegenen Lohnkosten einfach die Preise erhöht um eine Kompensation zu erreichen. Also entweder liegt das IAB da falsch oder das ifo. Wahrscheinlich liegt sogar die Wahrheit in der Mitte?? Beste Grüße aus Nürnberg
Der Chef des IAB, Prof. Möller, hat in einer ökonometrischen Studie in der Baubranche in den neuen Bundesländern massive Beschäftigungseinbrüche gefunden, als nach dem Entsendegesetz eine Tarifbindung eingeführt wurde. Für den Westen fand er keine negativen Ergebnisse, allerdings waren seine Schätzergebnisse dort auch nicht statistisch signifikant, weil die Datenbasis nicht reichte. Im Westen war die Tarifbindung ja auch unbedeutend, weil ohnehin die meisten Löhne tariflich determiniert waren. Im Osten war es anders. Die ostdeutschen Baufirmen hatten untertariflich gezahlt und mussten nun mit den Löhnen hoch, was eine massive Entlassungswelle hervorrief. Eine Übersicht über die statistischen Untersuchungen dazu finden Sie auf der Homepage von IZA, dem Institut für die Zukunft der Arbeit. Danach kommen fast alle Untersuchungen zu dem Schluss, dass Lohnerhöhungen die Zahl der Jobs verringern. Das kann auch gar nicht anders sein. Dass die Nachfrage fällt, wenn der Preis steigt, ist eines der grundsätzlichsten und trivialsten Gesetze der Volkswirtschaftlehre. Natürlich gibt es immer irgendwelche Ausnahmen hier und da. Ich wundere mich nur, wie in Deutschland aus ideologischen Gründen häufig auf solchen Ausnahmen herumgeritten wird. Für mich ist das Ganze so ähnlich, als würde jemand die Fallgestze negieren: Eigentlich jenseits dessen, was man seriöserweise diskutieren kann. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Kasino-Kapitalismus" Sehr geehrter Professor Sinn Mit einer Mischung aus Genuss und Schrecken habe ich Ihr Buch gelesen und möchte Ihnen für Ihre Analyse danken. Auch wenn ich Ihrer Argumentation in anderen Fragen nicht folge, so muss ich doch Ihre Expertise neidlos anerkennen. Es wäre für den Leser allerdings weiterhin interessant zu erfahren, inwieweit Konsequenzen für die amerikanische Immobilienfinanzierung bezüglich rechtlicher Rahmenbedingungen entstanden sind. Sind amerikanische Banken weiterhin gezwungen, hochriskante Geschäfte zu finanzieren? Mir ist dabei klar, das sich aus der wirtschaftlichen Situation heraus dieses Problem akut nicht stellt. Da aber Immobilienpreise wieder steigen werden, könnten so abermals Zitronen in den Finanzmarkt gelangen, auch wenn sie sich dann vermutlich nicht so gut verkaufen lassen. Entweder führte dies dazu das sich die Zitronen bei den amerikanischen Banken sammeln oder das sich die Banken von der Immobilienfinanzierung fern halten. Beides wäre ökonomisch wenig wünschenswert. Weiterhin stellt sich mir die Frage, welche objektiven und rechtlich eindeutigen Kriterien bezüglich der Regulierung von Leerverkäufen anwendbar sind. Aus meiner Sicht besteht der Unterschied zu Termingeschäften neben der Intension, welche allerdings rechtlich schwer nachzuweisen ist, nur in der verkauften Menge der Aktien, also der Marktmacht. Welche Reglungsprinzipien hielten sie hier für tauglich? Mit freundlichen Grüßen Jens Dietzmann
Sehr geehrter Herr Dietzmann, vielen Dank für den Kommentar. Die Amerikaner haben jetzt einige Schritte zur Bankenregulierung getan und auch im Zuge des Basel-III-Abkommens auf eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen hingewirkt. Ob sie Basel III formell in ihr Rechtssystem übernehmen, bleibt freilich abzuwarten. Ich würde die Leerverkäufe vollständig verbieten. Sie tragen im Vergleich zu Termingeschäften für mich nicht erkennbar zur Verbesserung des Marktgeschehens bei. CDS-Kontrakte, die ebenfalls häufig auf tönernen Füßen stehen, weil sie meistens Wetten sind würde ich dadurch auf einen nützlichen Rest reduzieren, dass ich den Nachweis einer versicherten Gefahr verlange. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag ist die Fortsetzung der Diskussion vom 30. September 2010) Es dreht sich hierbei um die Wirkungsmächtigkeit heutiger volkswirtschaftlicher Theorien, Wirkungsmächtigkeit im Habermas“schen Sinne, daß diese Überlegungen im internationalen Diskurs „Fahrt“ gewinnen. ( Es sei angemerkt, daß im Raum des internationalen Handelsrechtes, vielleicht auch anderer Rechtsgebiete, das ANGELSÄCHSISCHE Element immer mehr die internationalen Handelsabläufe und Standards bestimmt). Dies ist m.E. nicht ausschließlich eine Frage der Dominanz des Amerikanisch-Englischen als lingua franca). – Ich denke, daß sich die deutsche, theoretische Ökonomie auf einem sehr hohen und differenzierten Niveau der Analyse und des Perspektive-Einnehmen-Könnens bewegt. Das sollte doch unsere Ökonomen veranlassen, in der internationalen maßgeblichen Presse massiver auf zu treten. Deutschland kann seine Spitzenposition – jetzt bedrängt von China und anderen wichtigen Schwellenländern – leicht auf Dauer verlieren, wenn wir nicht die theoretische „Deutungshoheit“ über das weltwirtschaftliche Geschehen im Auge behalten. Ich mag diesen Begriff der Deutungshoheit eigentlich gar nicht, aber man muß sich leider so verquast ausdrücken. Gemeint ist, daß auch theoretische Kompetenz ein ganz, ganz wichtiges Exportgut ist! Übrigens müßte sich auch Minister Brüderle um solche Fragen m.E. mehr kümmern… zusammen mit Frau Schavan. Gruß an Sie persönlich nach München und natürlich an Herrn Professor Sinn. sigurd schmidt
Sehr geehrter Herr Schmidt, ich kann Ihnen nur beipflichten. Es ist eminent wichtig, dass wir Deutschen uns die Deutungshoheit nicht aus der Hand nehmen lassen. Die Interpretation des deutschen Außenhandelsüberschusses als Zeichen der Stärke statt als Ergebnis der Kapitalabwanderung ist der größte gedankliche Fehler der europäischen politischen Klasse. Deutschland muss sich gegen diesen Fehler zur Wehr setzen, auch weil seine Anerkennung als angeblich richtige Aussage, teure politische Konsequenzen hätte. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mithelfen würden, die Politiker von der Wichtigkeit dieses Gegenstandes zu überzeugen. Vielleicht hören sie dann besser zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, sehr geehrter Herr Professor Sinn, in der FAZ von heute war ein Bericht zu lesen über die Podiumsdiskussion im Haus der Jugend in Frankfurt mit Sarah Wagenknecht und Ihnen. "Einig sind sich beide", so steht geschrieben," dass die Deregulierung der Finanzbranche eine Ursache der Krise war." Eine Ursache, vielleicht, aber war nicht der weit grössere Anteil die Ausweitung zweifelhafter Kredite und deren Verbriefung? Denn wäre ein Weiterverkauf der "Risi-ken" an die Investmentbanken, und somit auch die Bündelung, nicht möglich gewesen, wäre wohl nichts passiert. Dann hätten nämlich die Kredite vergebenden Institute sehr wohl auf die Bonität geachtet. Nur weil sie die er-kennbar faulen Kredite an Investmentbanken weiterverkaufen konnten, wurden diese auch vergeben. Hätte man diese in den eigenen Büchern halten müssen, wären die erkennbar wackeligen Subprime Hypotheken nie vergeben worden. Die Investmentbanken bündelten diese Papiere und verkauften sie weiter. Somit hatten diese auch kein Interesse an der Qualität, da auch sie das Risiko nicht tragen mussten. Noch war nichts passiert, außer dass die unterschiedlichen Hypotheken mit ihren Risiken gebündelt und nun ein AAA bewertetes "Investment" wa- ren. Diese waren am Markt gefragt, also mussten neue Hypotheken zum Verbriefen her, da an diesen schließlich gut verdient wurde. Bald gab es nicht mehr genügend gute Papiere, deswegen wurden die weni-ger gut bewerteten Hypotheken genommen und verwendet. Somit konnten mehr Papiere "erzeugt" werden. Auch diese wurden AAA geratet, denn die Ratingagenturen verdienten schließlich damit gutes Geld und "glaubten" den Bankern, dass aufgrund der Streuung die Korrelation der Papiere untereinander gering sei. Dass Mitarbeiter der Ratingagenturen wussten, dass sie die Papiere nicht richtig bewerten konnten, geht aus einem Bericht der SEC hervor, die Mails von Ratingmitarbeitern veröffentlichte, die sich diese untereinander geschrieben hatten. Auch mit diesen neueren, überbewerteten Papieren hätte sich der Schaden im Falle einer Krise in Grenzen gehalten, da die "Luft" in diesen Papieren nicht "gehebelt" war. Dies erfolgte erst mit den Kreditausfallver-sicherungen. Benötigte man bisher echte Hypothekenkredite, so konnten nun synthetische CDOs, durch Sub-prime Hypotheken "gesichert" in beliebiger Anzahl vergeben. Ein äußerst lukratives Geschäft für die Banken, die Jahr für Jahr enorme Gebühren kassierten. Auch die synthetischen CDOs wurden mit Höchstbewert-ungen versehen, denn auch hier verdienten die Ratingagenturen gut. Durch die CDOs hatte sich dieser Teil des Finanzmarktes von der Realität abgekoppelt. Was kann man hieraus entnehmen? Es müsste verboten werden: - Eigenhandel der Institute - Verkauf des Risikos - Versicherungen ohne Besitz der versicherten Sache Die Finanzwirtschaft muss wieder der realen Wirtschaft dienen und keine Geldvermehrung betreiben. Denn dieses Geld, das mit dieser Art Investmentbanking "erzeugt" wird, ist nichts Wert, da sie die zugrunde lie- genden "tatsächlichen Werte" ja nicht vermehrt haben. Es handelt sich doch hier um Scheingewinne, die wirtschaftlich nicht relevant sind. Sie dienen nur den Akteuren selbst, die mit überhöhten Boni oder Provisi-onen Teile dieser Scheingewinne "personalisieren" und diese dann in Sachwerte wandeln, damit die nächste Krise diesem Teil der Scheingewinne nicht die "Luft rauslässt". Sehr geehrter Herr Professor Sinn, könnten Sie dieser Betrachtung als Hauptkrisenursache zustim-men? Auch engere Regeln nützen nichts, wenn weiterhin Geld aus dem Nichts geschaffen werden kann. Dies sollte das Recht der Notenbanken bleiben. Auch da ist dies schon kritisch genug. Weiter unten wird beschrieben: "Sinn bekräftigt seine Ansicht, dass auch wegen der hohen Löhne in Deutsch-land lang Geld ins Ausland geflossen sei, dann sei es eben in amerikanische Giftpapiere investiert worden und nicht in deutsche Fabriken." Welche Löhne haben Sie da in Ihrem Focus? Die "normalen" Löhne? Die gehen in den Konsum, da wird wohl kaum etwas gespart, was sich ausserhalb des Sparbuches investment-mässig anlegen liesse. Wie Sie auch wissen, sind die Löhne resp. die Lohnsumme in den letzten Jahren so gut wie nicht gestiegen, ganz im Gegensatz zu den Einkünften aus Unternehmertätigkeit und Kapitalanlagen. Nicht zu vergessen sind auch wirkliche "Gutverdiener", die ausserhalb ihres zum Lebensunterhalt benötigtem Kapital noch genügend Geld investieren können. Wenn Sie mit hohen Löhnen die Lohnkosten oder die Lohnnebenkosten gemeint haben sollten, so wissen Sie ja auch, dass diese in Deutschland nicht die höchsten sind. Die Lohnstückkosten liegen in etwa im oberen Drittel im Vergleich mit anderen europ. Ländern. Die Erfolge die BMW und Daimler in UK oder den USA hatten deuten nicht daraufhin, dass niedere Löhne und auch niedere Steuern ein Garant für den unternehmerischen Erfolg sind. Die entstandenen Löcher wurden hauptsächlich mit den im "Hochlohn-" und "Hochsteuerland" BRD erzielten Gewinnen gefüllt. Die Geldanlagen im Ausland hatten doch wohl andere Hintergründe. Blicken wir zurück, so hat sich etwa seit Mitte der 70er Jahre im letzten Jahrhundert im produzierenden Ge- werbe aufgrund der wachsenden Produktivität die Anzahl der Arbeitsplätze verringert bei gleichzeitiger Erhöhung der Beschäftigten im Servicebereich. Der Anteil der Produktion an der gesamten Wertschöpfung ging kontinuierlich zurück, ohne dass Arbeitsplätze ins Ausland verlagert wurden. Im Gegensatz zu den anderen großen Nationen (UK, Frankreich, USA) hat es Deutschland schon vor 2000 verstanden, einen höheren Anteil des produzierenden Gewerbes zu erhalten als in den angesprochenen Ländern. Hier mussten wir uns dann von "schlauen" Fachleuten und Journalisten sagen lassen, dass Deutschland das falsche Geschäftsmodell verfolgt, dass Produktion "out" ist, der Servicebereich und das Investmentbanking "in". Das deutsche Bankensystem wurde als "schnarchzapfig" bezeichnet, welches mit viel zu geringen Renditen arbeitet im Vergleich mit den internationalen Großbanken, der Servicebereich sei im internationalen Vergleich viel zu klein und die Ausrichtung auf die industrielle Produktio! n würde die Zukunft der Bundesrepublik gefährden und diese würde zurückfallen im internationalen Vergleich. Das war, wie schon gesagt, die Argumentation der "Fachleute" im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts. Leider setzte sich dann bei uns auch die "angelsäch-sische" Denkungsweise durch, die einseitig auf das Kapital setzt. Die Folgen lassen sich sehr gut in UK und den USA (aber nicht nur dort) sehen. In England sei nur auf die Situation der Automobilindustrie verwiesen oder auch auf die der Elektronik. Hatte England in den 80er Jahren noch die zweitgrößte Elektronikproduktion in Europa nach Deutschland, so ist es heute Italien, das diesen Platz einnimmt. In USA wird keine LEVIS- Jeans ( kein High Tech Produkt, aber mit Symbolwirkung) mehr genäht, obwohl dies mit modernen NC- gesteuerten Maschinen kein Problem sein sollte. Ein weiterer Indikator ist der Zustand der Automobilindustrie. Aber die Prioritäten waren anders, ich vereinfache einmal: - Verlagerung der Produktion ins Ausland, möglicht in Kooperation oder nur als Fertigungsstätte ohne eigene Beteiligung, um den Kapitaleinsatz zu minimieren - Keine Ausbildung in den Betrieben, wenn notwendig wird das Personal beim Wettbewerb wegge- kauft. Das erfordert weniger Aufwand (Kapital), man benötigt keine Ausbildungsinfrastruktur - Ausbau des Kapitalsektors bei produzierenden Betrieben, z.B. hat General Motors mehr Geld durch die GM eigene Bank durch Finanzierungen und Leasing verdient als mit der Produktion von Autos Gottseidank war die deutsche Wirtschaft aufgrund der Struktur (starker Mittelstand) nicht so "flexibel" und hat diesen Umbruch nicht im selben Umfange nachvollzogen wie die anderen Länder. Diese lächelten über die Deutschen und bauten zielstrebig den Service- und Finanzbereich aus und erhöhten dort die "Wertschöp-fung?!" und konnten Wirtschaftszuwächse erreichen, die wir nur neidvoll zur Kenntnis nehmen konnten. Die gab den "Neoliberalen" Auftrieb, die nun zielstrebig die deutsche Wirtschaft umbauen wollten, die Sozialsys-teme in Frage stellten und auf die zu hohen Löhne (Arbeitskosten) genauso hinwiesen wie auf die angeblich zu hohe Steuerbelastung, obwohl diese schon seit Jahrzehnten bei 20% bis 25% lag, auf das BIP bezogen, und somit unterhalb des Durchschnittes der EU und der OECD lag. Für Deutschland könnte man den Beginn dieser Betrachtungsweise so um 1990 feststellen. Im Verlauf konnte man dann noch durch den Druck der "Globalisierung" erreichen, dass die Lohnsumme im Vergleich zum BIP immer niedriger wurde, ganz im Gegensatz z.B. zu Frankreich. Aufgrund des Druckes der "Globalisierung" kamen die Löhne unter Druck, die Arbeitslosigkeit erzwang den Niedriglohnsektor. Das war per se nicht schlecht, schlecht war nur die teilweise Aufspaltung regulärer Jobs in Niedriglohnjobs, die aber praktisch keine Steuern und Abgaben zahlen. Dies soll noch weiter getrieben werden!? Diese Arbeitnehmer erhalten keinen vernünftigen Lohn und der Allgemeinheit fehlen Steuern und Sozialabgaben. Von den Vertretern der neoliberalen Ordnung wird immer auf den Druck der Globalisierung auf die Löhne hingewiesen. Nur, was ist denn diese "Globalisierung", wo kommt diese denn her? Im Gegensatz zu der BRD oder Japan, die nach dem Kriege ein "Wirtschaftwunder" geschaffen haben, aufbauend auf dem Stand der Industrie vor dem 2. Weltkrieg, war China bis zur Zeit Mao Tse Tungs ein Agrarland. Erst hinterher kam die vorsichtige Öffnung zum Westen. Diese Öffnung war die Grundlage der Investitionen, die der Westen dann in China tätigte. Schon in den 80er Jahren im letzten Jahrhundert haben doch amerikanische und europäische Firmen in "Mainland China" investiert, ohne dass juristisch schon alles klar war (z.B. Eigentum / Besitzverhältnisse), in dem sie auf die Macht des Faktischen vertraut haben. Die gewaltigen Investitionen zum Aufbau einer modernen Wirtschaft kamen doch zunächst aus dem Ausland. Hierzu wurden die Sonderwirtschaftszonen geschaffen z.B. Shenzen. Dass die chinesische Führung clever war und sich grundsätzlich einen Anteil von der Hälfte der Firmen sicherte, ließ sie am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben, ermöglichte ihnen den Einblick in alle firmeninternen Vorgänge. Denn es waren ja nicht nur "alte" Techniken, die nach China verfrachtet wurden. Texas Instruments, STMicroelectronics u.a. Halbleiterhersteller gingen frühzeitig nach China, obwohl diese z.B. in Singapur und Malaysia schon vor Ort waren. Die Globalisierung war nichts anderes, als China als verlängerte Werkbank zu benutzen. Es war! en zu dieser Zeit keine chinesischen Waren, die die Märkte überflutet haben, sondern es waren die "eigenen" Produkte. Hauptsächlich, aber nicht nur, haben die großen Konzerne die Fertigung nach China verlagert, um die laxen Umweltbestimmungen nutzen zu können, genauso wie die niedrigen Löhne und die durch wenige Arbeitsschutzmassnahmen eingeschränkte Verfügbarkeit der (Wan-der-) Arbeiter. Dass die Chinesen dann Parallelfabriken bauten, in denen sie dann "Kopien" herstellten, war eine logische Folge, aber sicherlich nicht in diesem Umfange vorausgesehen. Und bei uns stellen sich die Größen der Wirtschaft hin und sprechen mit Krokodilstränen in den Augen von der Globalisierung, die sie zu Lasten der hiesigen Arbeitnehmer und Sozialsysteme selbst vorangetrieben und finanziert haben. Nachdem nun in China über die letzten Jahre eine gute industrielle Infrastruktur zur Produktion hochwertiger Wirtschaftsgüter entstanden ist, finanziert vom Westen, kann man ja sehr gut die Globalisierungskeule schwingen, natürlich mit dem Hinweis auf die angeblichen Sachzwänge. Verlogener geht es nicht mehr!! Für deutsche Arbeitnehmer Löhne von China, für deutsche Vorstandsvorsitzende Be-züge wie in den USA, das ist wohl der Traum eines Teils unserer "Wirtschaftseliten". Aufgrund der starken Ausrichtung auf den Finanzsektor konnten nun die als "Vorbild" hingestellten Volks-wirtschaften den Export von zweifelhaften Finanzprodukten ankurbeln, was auch recht "erfolgreich" ver-wirklicht wurde. Diese "Luftnummern" erreichten einen "Gesamtwert" von nahezu dem 4-fachen des gesamten weltweiten BIP. Mit diesen "Werten" wurde Wirtschaftswachstum "erzeugt". Dieses fand aber nur in der Statistik statt. Eine Wirtschaft, die weite Teile ihrer Produktion ins Ausland, hauptsächlich nach China verlagert hat, kann im Inland nicht mehr viel bewirken. Das Land wird zwangs- läufig importabhängig. Das fördert natürlich den Protektionismus. Dass auch Intel Boss Andy Grove auf Protektionismus setzt, ist genauso nachvollziehbar. Bei der Stellung von Intel bei den Komponenten für PCs kann sich die Forderung von Grove nur auf Autos, Industriegüter, Konsumartikel,... beziehen. Und hier dürfte er recht haben. Welche Güter wollen denn die USA zusätzlich weltweit exportieren um den Arbeitsmarkt anzukurbeln? Selbst typische amerikanische Produkte wie LEVIS JEANS oder APPLE I - PHONE werden nicht in den USA produziert. Nein, Grove hat als einer der wenigen amerikanischen Wirtschaftsführer erkannt, dass das McKinsey -Prinzip der gnadenlosen Optimierung betriebswirtschaftlicher Vorgänge nach Finanz-zahlen zu Lasten der Volkswirtschaft erfolgt ist und die Überlebensfähigkeit dieser beeinträchtigt. Er sieht offensichtlich, dass es unmöglich ist, gegen die Konkurrenz aus China, Japan, Deutschland ...die industrielle Produktion hochzufahren, wenn der einheimische M! arkt nicht über Zölle geschützt wird, um den Preisdruck zu nehmen. Der Rückstand der US - Industrie im produzierenden Gewerbe ist gewaltig und würde zunächst kaum wettbewerbsfähige Produkte ermöglichen. Herr Professor Sinn, können Sie mir zustimmen, dass die Kapitalanlagen im Ausland differenziert zu sehen sind? Einmal zum Erzielen spekulativer Gewinne, was auch "normale" Firmen genutzt haben, als auch die "besseren" Produktionsbedingungen hauptsächlich in China zu nutzen. Die guten Löhne der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten werden wohl kaum in großer Anzahl im Ausland zur Kapital-anlage gelandet sein bei ca. 31 000 Euro Durchschnittsverdienst im Jahr. Der Durchschnittsverdienst aller Beschäftigten liegt bei ca. 41 000 Euro pro Jahr. Da ist vielleicht dann bei denen etwas mehr übrig, die den Schnitt heben. Mit freundlichem Gruß W. R.
Sehr geehrter Herr R., ich stimme Ihnen in den meisten Punkten zu. Was Sie zur Verbriefung und zum Outsourcing sagen ist Gegenstand meiner Bücher "Kasino-Kapitalismus" und "Basarökonomie". Mit den Löhnen sind natürlich bei Standortentscheidungen immer nur die Lohnkosten gemeint. Da haben Sie Recht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Sinn, in der FAZ vom 20.09. ist zu lesen, dass Sie die Meinung vertreten, dass Deutschland vor einem Superboom steht. Da Ihre Meinung für mich Gewicht hat, ich Sie beim Peutinger- Colleg auch schon einmal gehört habe, erlaube ich mir die Frage, ob Sie das wirklich so gesagt haben und wenn ja, wie lang Ihrer Meinung nach der Boom dauern wird. Mit besten Grüßen Dr. Dieter Scheidemandel
Sehr geehrter Herr Dr. Scheidemandel, ja das habe ich so gesagt. Aber zugleich habe ich ausgeführt, dass ich an eine langanhaltende Strukturveränderung zu deutschen Gunsten denke, die weit über die Konjunkturzyklen hinausreicht. Es ist keine Aussage, die übernächstes Jahr, wenn vielleicht aus Amerika die nächste Nachfragekrise kommt, gelten muss. Die Konjunktur ist die Schwankung um den Trend. Ich meine aber den Trend, und der ist nun positiv, weil sich das Risikobewusstsein der Anleger ändert. Viel Geld, das ohne die Krise wieterhin ins Ausland gegangen wäre, wird nun hier bleiben und einen Bauboom erzeugen. Die Auftragsbestände der Architekten sind heute schon größer als je zuvor in den letzten 15 Jahren. Nur noch eine Bedingung muss ich nennen. Wenn die Euro-Rettungspakete in dieser Form unbefristet verlängert werden, werden wir wieder in das alte Entwicklungsmuster zurückfallen, weil wir dann unseren Konkurrenten auf dem Kapitalmarkt mit unserer Bonität zu billigen Krediten verhelfen. Wenn aber Frau Merkel hart bleibt, dann wird Deutschland wieder ein Investitionsstandort. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor. Dr. Sinn, anbei gestatte ich mir, Ihnen einen Leserbrief an Le Monde z.Kts. zu bringen. In dem Artikel von Prof. Martin Wolf werden Sie verschiedentlich – in kritischer Absicht –zitiert. Prof.Wolf gehört – wie Christine Lagarde u.a. – zu den so genannten „Salden-Mechanikern“, die dem deutschen Export-lastigen Wirtschaftsmodell vorwerfen, die Kaufkraft anderer Länder ab zu schöpfen. Wie der heutigen FAZ zu entnehmen, scheint auch Ihr französischer Kollege Jean-Paul Fitoussi ähnlich zu denken. Selbstverständlich wäre idealiter – ich bin nicht Ökonom, sondern habe lediglich Soziologie studiert – wünschenswert, daß alle Volkswirtschaften der Welt miteinander in einem ausgeglichenen Handels- und Leistungsaustausc h stehen sollten. Aus strukturellen Gründen (z.Bsp. fehlender Mittelstand), aber insbesondere auch aus einer nicht auf Stabilität und Leistung ausgerichteten Wirtschafts- und Finanzpolitik ist aber dieses anzustrebende „Equilibrium“ eben nur ein prinzipielles Ziel. Vielleicht wäre es richtig, wenn auch Sie als maßgeblicher Ökonom Deutschlands einmal in Le Monde aus Ihrer eigenen Sicht Stellung nähmen? Mit den besten Grüßen nach München sigurd schmidt
Sehr geehrter Herr Schmidt, ich kenne diese Denkmuster. Martin Wolf hat auch schon in der FT gegen mich argumentiert. Auch aus Kreisen um die deutsche Regierung habe ich schon schuldbewußte Äußerungen zu den deutschen Überschüssen gehört, die zeigen, dass man gar nicht versteht, dass es hier um Kapitalabwanderung geht, die das Land heruntergezogen hat. Die keynesianische Saldenmechanik beherrscht das Denken vieler, leider. Ich habe in dem angehängten Beitrag "Rescuing Europe" schon dagegen angeschrieben und werde es weiter tun. Martin Wolf hat darauf reagiert. Mal sehen, welche internationale Zeitschrift Interesse an meiner Meinung hat. Nochmals vielen Dank für den Hinweis. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, ich muss Ihnen viele Komplimente machen für Ihre Engelsgeduld und Ihre unglaubliche Toleranz in der Talkshow "M.Illner" soeben im ZDF. Wie schmerzhaft muss es sein, sorgsam zuzuhören und den Mund halten zu müssen, weil a eine sensationsfreudige Moderatorin b ein cleverer, aalglatter, aber nicht sehr kompetenter Minister c ein angeberischer Latif, der allzu gerne riesengroße Sprüche ablässt d ein total naiver, emotionaler (ernsthaft bemühter??) Schauspieler e eine fanatisch indoktrinierte sozialistisch-religiöse junge Wilde alle ihre Sprüche absondern wollen. DANKE, dass Sie es auf sich nehmen, solche zutiefst qualvolle Veranstaltung durchzustehen und trotz allen Gegenwindes, trotz allen emotional geäußerten Schwachsinns immer wieder Ihre vernünftige Meinung zu vertreten. Wenn Sie nicht dabei gewesen wären, hätte ich abgeschaltet, weil das hoffnungslos indoktrinierte Personen (naive dt. Weltverbesserer), ein geltungsbedürftiger Klimaforscher und ein überaus aalglatter Minister waren. Ist diese derzeit typische Diskussionskultur in unseren Medien noch zu retten? Alle müssen gleichberechtigt zu Wort kommen, jeder selbstgekochte Quatsch, jede verdrehte Ansicht ist ein "berechtigter Diskussionsbeitrag". Beste Grüße Ihr Christoph Buchal (Forschungszentrum Jülich und Uni Köln, Autor von "KLIMA" und "ENERGIE")
Sehr geehrter Herr Buchal, haben Sie vielen Dank für die Mitteilung. Wenn man sich auf das Medium Talkshow einlässt, bleibt nichts anderes übrig, als Geduld zu wahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, wenn ich Ihre Position zum Thema Klimapolitik, wie sich sich mir in der o. g. Sendung dargestellt hat, zusammenfasse, dann bestand Ihr Beitrag in der Sendung fast ausschließlich darin, darauf hinzuweisen, dass die Politik der CO 2-Einsparung nicht nachweisen kann, dass sie effektiv ist; deshalb sei sie fragwürdig und Gutmenschentum (was mit dem gleichen abwertenden Hintergrund versehen ist wie wenn Befürworter der Todesstrafe von Humanitätsduselei reden). Nun wissen Sie genau, dass der Beweis, den Sie da von diesem Ansatz der Umweltpolitik verlangen, unmöglich erbracht werden kann. Oder erklären Sie mir bitte, wie CO 2-Moleküle gekennzeichnet werden können, damit differenziert werden kann, welches CO 2 von wem emittiert bzw. eingespart wurde. Sie bauen da also eine unerfüllbare Voraussetzung auf, genießen in der Sendung offenbar, dass darauf Ihnen keiner eine Antwort geben kann - logisch, der Herrgott saß nämlich in der Runde gerade nicht mit dabei - , und ziehen daraus auch noch den unzulässigen Schluss, dass diese Politik ineffizient ist. Eben das gibt Ihr Argument aber auch nicht her. Sie können nämlich umgekehrt genausowenig beweisen, dass das CO 2 nicht doch eingespart wird und die Politik nicht doch Effekte zeigt. Ihr Argument führt also gar nicht weiter und bewegt sich - entschuldigen Sie - auf einem intellektuell erbarmungswürdigen Niveau. Worum es dabei eigentlich geht, wurde für mich deutlich, als Sie nach Ihrem persönlichen Beitrag zur CO 2-Reduzierung im Straßenverkehr gefragt wurden, und Sie antworteten, langsamer zu fahren käme für Sie nicht in Frage, weil das Unfälle provozieren würde. Dieses Argument ist so armselig, dass nicht einmal der ADAC es noch in die Debatte wirft. Es zeigt aber für mich, worum es Ihnen eigentlich geht: selbst nichts zu tun und das Verhalten nicht zu verändern, bevor nicht sichergestellt ist, dass auch der letzte Ölscheich und der hinterste Kohlebaron davon nicht profitiert. Die übliche und typische Ausflucht der Bequemen, die sich in der Konsequenz auf einer ähnlichen Ebene bewegt wie die der Skeptiker des Klimawandels in den USA, inhaltlich ohne wirkliche Substanz, sondern einfach nur als Ausrede vor sich selbst und Anderen. Und dabei, so meine ich in der Sendung gesehen zu haben - und falls ich da falsch liege, bitte ich Sie um Entschuldigung -, genießen Sie anscheinend auch noch die Rolle des intellektuellen und scharfsinnigen Advocatus diaboli. Zu Ihrer Argumentation in der Sendung kann ich allerdings nur sagen: das war nicht scharfsinnig, sondern in mehrererlei Hinsicht kurzsichtig und von miserablem Niveau. Mit freundlichen Grüßen Hermann Woelke
Sehr geehrter Herr Woelke, haben Sie vielen Dank für diese Kritik. Zur Frage der Wirkungen der Einsparungen bei den fossilen Brennstoffen: Ich denke, in einer Marktwirtschaft muss derjenige den Nachweis der Wirksamkeit erbringen, der Milliarden an Steuergeldern einsetzen will, die er anderen Leuten weggenommen hat, nicht umgekehrt. Konkret muss er zeigen, dass die Kohlenstoffmengen, die wir nicht verbrauchen, im Boden bleiben, dass also die Ölscheichs, Kohlebarone und Gasoligarchen auf unsere Maßnahmen mit einer Verminderung ihrer Fördermengen reagieren. Sie werden mir zustimmen, dass die Politik und auch viele Wissenschaftler dazu schweigen. Die Angebotsseite des Kohlenstoffmarktes kommt in der Argumentation gar nicht vor. Im Übrigen habe ich zwei Belege, Sie mögen sie Indizien nennen. 1. Die Kurve des aggregierten Ausstoßes an Kohlendioxid für die Welt steigt progressiv an und zeigt wegen der europäischen Sparmaßnahmen nicht einmal einen Knick. Das spricht dafür, dass das Öl, die Kohle und das Gas, das wir nicht verbrennen, anderswo verbrannt wird. (H.-W. Sinn, Grünes Paradoxon, Econ, Berlin 2008, Abbildungen 6.1 und 6.2) 2. Eine volkswirtschaftliche Theorie, wie sie in den letzten beiden Kapiteln des grünen Paradoxons ausführlich dargelegt und früher auch schon in Form eines mathematischen Modells in einer referierten internationalen Fachzeitschrift publiziert wurde. (Ist im Grünen Paradoxon zitiert.) Danach sorgt das grüne Säbelrasseln dafür, dass die Förderländer den Abbau der fossilen Kohlenstoffbestände beschleunigen, um der erwarteten Vernichtung ihrer Märkte zuvor zu kommen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Mit Vergnügen habe ich beobachtet, wie hilflos Herr Röttgen Ihren Argumenten entgegnete.Bei der Abwahl der (Klima-) Kanzlerin wird er dann stolz seine Erneuerbaren via EEG, einschließlich der für die deutsche Stromversorgung völlig unnötigen PV-Anlagen,hervorheben. Eine Schande für Deutschland-schon wieder ein Fachminister ohne Sachverstand, der nicht einmal die Wirkungsweise des derzeitigen Emissionshandels verstehen will-.Er redet von der europäischen Vorreiterrolle und von der einmaligen deutschen erneuerbaren Technik, obwohl z.B. China 2009 für 2,54 Milliarden PV-Module nach Deutschland exportiert hat.Politik ohne Substanz und ökonimische Basis! MFG Harald Lutz Dipl. Ing.
Sehr geehrter Herr Lutz, haben Sie vielen Dank für die Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, habe neugierig die Sendung im ZDF verfolgt! Es ist unglaublich das es nicht gelingt dem Deutschen Volk klarzumachen, wie die Weltwirtschaft funktioniert. Die glauben wirklich man kann das Klima verändern, wenn man Umweltstrom kauft und 100 auf der Autobahn fährt. Ich glaube Sie haben Recht. Wenn es nicht gelingt ein Globales Modell zu finden verlaufen die nächsten 50 Jahre im Sand und "wir" werden nur abkassiert von einer gerade entstehenden Umweltindustrie. Es kommt nichts Messbares dabei raus. Es schockt mich, wenn eine ganze Nation einem Schauspieler, einer "Linken Grünen mit Wahnvorstellungen" (Entschuldigen Sie!), einem frisch gebackenen Umweltminister der den ganzen Tag Zucker von der Industrie in den Arsch geblasen bekommt und einem Meteorologen, der nur Auswirkungen propagiert, besser zuhört als einem Mann wie Ihnen, der endlich mal den wahren Ablauf der Sache überhaupt schildern kann. Wenn das so einfach wäre wie "die" Glauben, dann hätten wir kein Problem, denke ich. Vielen Dank und beste Grüsse aus Niederbayern Thomas Feilmeier
Sehr geehrter Herr Feilmeier, vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr verehrter Herr Professor Sinn, Mit besonderem Genuss habe ich Ihren Beitrag „Euro Krise“ in Schnelldienst gelesen. Mit dessen europabezogener Analyse stimme ich hundertprozentig überein und gratuliere Ihnen für Ihre prägnante Darstellung. In eineinhalb kleinen Punkten bin ich leicht anderer Meinung. Sie beziehen sich alle auf die Gegenseite des Eurodollarkurses, nämlich die Einflüsse über den Dollarwert. Erstens: S. 8 rechts oben hätte ich geschrieben „dass das......verringerte Aufwertungserwartungen (statt: Abwertungserwartungen) für den Euro erzeugt.“ Ihre Abb. 1 zeigt ja eine Trendabwertung für den US Dollar (0.87 auf cca 1.60 Dollar pro Euro Mitte 2008 oder 0.87 auf 1.23 Dollar pro Euro jetzt). Die laufenden Leistungsbilanzdefizite der USA und nunmehr die hohen Staatsbudget Defizite, welche von den griechischen kaum abweichen, müssen langfristig gesehen den Dollar abwerten. Besonders pervers fand ich daher die Mahnung der USA an Deutschland, Konjunkturankurbelungen der USA mittels Deficit-Spending nicht durch übermäßiges deutsches Sparen zu konterkarieren! Der halbe Punkt betrifft etwas von Ihnen Unerwähntes: Der Wechselkurs des Euro (Ihre Abbildung 1) zeigt zwei markante Zacken nach unten, die m. E. vor allem auf rationale Kapitalfluchtbewegungen finanzmarktunkundiger ausländischer Privater zurückgehen. Im Herbst 2008 hätte wegen der dort ausbrechenden Finanzmarktkrise der Dollar gerade weiter abwerten müssen. Stattdessen wertete er auf, weil viele Russen den Rubel angesichts des Preisabsturzes von Erdöl flohen. (Natürlich repatriierten auch US Banken und Unternehmen ihre verbliebenen Auslandsveranlagungen). Und der zweite Zacken 2010: Das erste, was die privaten Griechen taten, war in gigantischem Ausmaß Gelder aus Griechenland hinaus ins Ausland, vielfach das Euro-Ausland, zu verlagern. Sie spekulierten damit gegen ihre eigene Regierung und gegen den Euro, wobei gerade die Griechen – und vielleicht auch noch manche Italiener – diejenigen sind, die noch immer nicht an den Euro glauben. Außerdem: wenn man zusätzlich besteuert werden soll, ist es am besten, sein Geld (dort unsichtbar) ins Ausland zu verlagern. Der halbe Punkt, den Sie vielleicht erwähnen hätten können, wäre somit die doppelte Schuld der Griechen: Die Regierung hat zu lange Budgetdefizite gefahren und die Privaten spekulierten letztlich gegen ihre eigene Währung. Ich verbleibe mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung ganz Ihr E. W. Streissler
Lieber Herr Streißler, vielen Dank für Ihr Lob. Es freut mich sehr, dass Sie der Analyse zustimmen, denn Ihr Wort hat Gewicht. Bei beiden Punkten gebe ich Ihnen Recht. Beim zweiten würde ich noch anfügen, dass der Dollar auch deshalb in der Krise gestiegen ist, weil die Amerikanischen Banken sich nach dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes in Euro verschuldet und die Euros dann in Dollar umgetauscht haben. Das hatte ich schon in der ersten Auflage des Kasinokapitalismus geschrieben, und ich hatte prognostiziert, dass der Dollar wieder schwach werden würde, wenn der Interbankenmarkt in den USA wieder ins Laufen kommt. So war es dann auch. Das ergänzt Ihre Aussage, dass man seine Mittel aus Europa zurückgerufen hat, was fast derselbe Vorgang ist. Ihr Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Ich habe mit Interesse Ihre Aussagen in einem FAZ-Artikel zur DIW-Studie über die schrumpfende Mittelschicht gelesen. Sie zitieren dort aus der OECD-Studie "Growing unequal" dass rund 80% der steigenden Ungleichheit sich auf geänderte Haushaltsstrukturen zurückführen lassen. Diese Zahlen sind allerdings falsch und auf einen Übertragungsfehler zurückzuführen, was mittlerweile von den Autoren der Studiebestätigt wurde. Wir haben eine ähnliche Analyse durchgeführt: http://ftp.iza.org/dp4770.pdf Diese Version überarbeiten wir gerade für eine Resubmission - bei Interesse kann ich Ihnen die überarbeitete Version in ein paar Wochen senden. Unabhängig von der Äquivalenzskala (und auch ohne) finden wir, dass der Anstieg der Ungleichheit vor (nach) Steuern und Transfers zu rund 55% (15%) mit geänderten Haushaltsstrukturen in Verbindung steht. (Die Zahlen ändern sich durch ein umfassendes, rückwirkendes Datenupdate des SOEP etwas im Vergleich zum IZA-Discussion paper). Für Rückfragen hierzu stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Beste Grüße aus Bonn und bis spätestens zur IIPF-Konferenz Andreas Peichl
Lieber Herr Peichl, das ist sehr interessant. Ich habe in der Tat die OECD zitiert. Die 80%-Zahl stammt von dort und wurde von mir letztes Jahr im Frühjahr, als ich meinen Artikel schrieb, zitiert. Allerdings sind Ihre 55% immer noch mehr als die Hälfte. So falsch lag also die OECD nicht. Bitte schicken Sie mir Ihre Studie. Meine Kritik ist aber fundamentaler. Ich finde, man kann nicht einfach bei Singles eine Bedarfsgewichtung vornehmen und die Einkommen mit 77% multiplizieren und dann die so künstlich verkleinerten Einkommen der Einkommensverteilung zuführen, für die man dann die Verteilungsmaße berechnet und interpretiert. Die Mittelstandsgrenze liegt dann nicht bei 70% des Median, sondern in Wahrheit bei 91%, ohne dass das klar gemacht wird. Das ist eine schlimme Irreführung der Öffentlichkeit, weil das Werturteil, wieviel Singles mehr an Geld brauchen, bereits in die Daten einfließt. Ich habe einmal gelernt, dass Daten und Interpretation streng zu trennen sind. Dieses Fundamentalprinzip der seriösen volkswirtschaftlichen Analyse wird mit der Bedarfsgewichtung durchbrochen. Die Öffentlichkeit interpretiert und bewertet Daten, die selbst bereits durch ein Werturteil manipuliert wurden. Ich hoffe, Sie schließen sich dem nicht an. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, bin dieses Jahr 70 Jahre alt geworden und verstehe Ihre Argumentation von einem „sozial gerechten Sparpaket“ nicht. Vielleicht erläutern Sie es mir bitte, woran ich eine Beteiligung der oberen Einkommensschichten erkennen kann. Spitzensteuersatz? Vermögenssteuer? Es geht um das Gerechtigkeitsgefühl der Bürger. So sind wir auf dem weiteren Weg von zwei Bevölkerungsanteilen. 1. Nichtwähler, 2. Wähler der Partei Die Linken. Mit freundlichen Grüßen S.
Sehr geehrter Herr S., als sozial gerecht empfand ich es als Beamter, dass auch die Beamtengehälter um 2,5% gekürzt werden sollen. Im Übrigen kann man soziale Leistungen nur in dem Maße gewähren, wie die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft das zulässt. Die Leistungseinkommen sind in dieser Krise stark gefallen, insbesondere die Gewinneinkommen. Deswegen müssen nun auch die daraus bezahlen Sozialeinkommen fallen. Würde man die Leistungseinkommen nochmal durch Erhöhung der Steuersätze kürzen, würden sie zweimal fallen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, zu dem Standpunkt "Griechisches Geschäftsmodell" habe ich - als volkswirtschaftlicher Laie - eine Grundsatzfrage. Kann ein Land mit einem Leistungsbilanzdefizit von z. B. 3% dieses nicht dauerhaft finanzieren, wenn es gleichzeitig eine Sparrate von 3% hat, ohne sich zu verschulden (Einkommen und Vermögen von Einwohnern und Staat der Einfachheit halber zusammengenommen)? Andererseits gelingt es Ländern mit regelmäßig positiver Leistungsbilanz (wie Deutschland) offenbar problemlos, sich zu verschulden. D. h. meine Frage lautet im Prinzip, wie sind Leistungsbilanz und Neuverschuldung mathematisch gekoppelt? Mit freundlichem Gruß, Gunther Mair
Sehr geehrter Herr Mair, definitorisch ist die Summe aus der privaten Ersparnis, der öffentlichen Ersparnis und dem Leistungsbilanzdefizit gleich der Investition. Ein Land, das privat 3% des BIP spart und 3% Leistungsbilanzdefizit hat, hat eine Summe aus staatlichem Defizit und gesamtwirtschaftlicher Investition von 6%. Ich weiß nicht, ob Ihnen dies weiter hilft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie erinnern sich vielleicht: Wir haben vor etwas mehr als einem Jahr miteinander gemailt und damals auch unsere Bücher (mein Buch »Wir Schwätzer im Treibhaus«, Ihr »Grünes Paradoxon«) ausgetauscht. Nun bin ich an einer Recherche dran, die ich kurzfristig für einen Artikel für die »Wochenzeitung« in Zürich brauche, längerfristig für ein neues (energiepolitisches) Buchprojekt. Ich wollte Sie fragen, ob Sie sich selber schon mit der Frage, wie hoch CO2-Preise sein müssten, um die aus klimawissenschatflicher Sicht notwendigen Emissionsreduktionen zu erreichen und ob Sie auch selber solche Berechnungen angestellt haben. Sie schreiben in Ihrem Buch, die Energieökonomie vergesse das Angebot. Ich habe den Verdacht, dass das auch ni den üblichen Berechnungen zum CO2-Preis vergessen geht: Ein CO2-Preis muss ja nicht nur bewirken, dass fossile Energie für die Konsumenten teurer wird, sondern auch, dass der Preis für die Produzenten sinkt, so dass sie aufhören zu produzieren. Und weil die Produktionspreise weit unter dem Marktpreis liegen, müssten die Preise für die Produzenten auch sehr tief fallen. IPCC 2007 betrachtet Szenarien nur bis zu einem CO2-Preis von 100$ pro t CO2, was ungefähr 60 $ pro Barrel Öl entspricht - was ja nicht genügen kann um den Preis für die Produzenten ausreichend tief fallen zu lassen. Sind diese Überlegungen korrekt? Wenn Sie mich heute im Verlaufe des Tages anrufen könnten (oder mir mitteilen, wann ich Sie erreichen kann), wäre ich Ihnen sehr dankbar; wenn Sie meine beiden Fragen lieber schriftlich beantworten, wäre das auch recht. Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen, Marcel Hänggi
Sehr geehrter Herr Hänggi, damit die Produktion sich nicht mehr lohnt, muss der Ölpreis auf deutlich unter 15 Dollar fallen. Am Golf liegt die Grenze sogar unter 2 Dollar. Ihre Überlegungen sind korrekt. Das Thema habe ich mehrfach aufgegriffen. Ich lege Ihnen nur mal einen Artikel vom Handelsblatt bei. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Dikussion mit Herrn Hänggi zu Umwelt- und Klimapolitik) Sehr geehrter Herr Sinn Mit Interesse habe ich Ihre zwei Artikel in der Handelszeitung und auch Ihr Interview mit der NZZ gelesen. Darf ich Sie noch einmal mit einer Frage belästigen - es eilt nicht mit einer Antwort. Sie sagen im NZZ-Interview, eine CO2-Abgabe könnte die Reduktion des Angebots nicht erzielen. Zumindest theoretisch bin ich immer davon ausgegangen, dass Cap&Trade und CO2-Abgabe an sich das selbe können - einfach gibt im einen Fall die Politik das Cap vor und der Preis bildet sich auf dem Markt, im anderen Fall ist es umgekehrt. Man könnte sich ja eine CO2-Abgabe vorstellen, die den richtigen Abgabesatz "sucht", indem sie automatisch so lange angepasst würde, bis die gewünschte Emissionsreduktion erreicht wäre. Ginge das ohne Zeitverzögerung, wäre das m.E. mit Cap&Trade äquivalent. In der Praxis aber gibt es natürlich Zeitverzögerungen, deren Spielraum die Produzenten ausnutzen können - das ergibt, was Sie das "grüne Paradoxon" nennen. Ich überlege mir nun, wie die beiden Systeme auf die Produzenten wirken würden - vielleicht können Sie mir sagen, ob Sie das auch so sehen: - Bei einem Cap&Trade wissen die Produzenten, dass sie nur noch eine bestimmte Menge verkaufen können. Sie haben also ein Interesse, das wenigstens zu möglichst hohen Preisen zu tun. Sie werden dem Nachfragekartell also ein starkes Angebotskartell entgegenstellen wollen, das die Förderung sogar noch unter das Cap drosselt, um über die Fördermengen die Hoheit zu behalten und Knappheitspreise zu erzielen. Der Preis des CO2 fiele moderat aus, das ganze wäre gut fürs Klima, aber schlecht für den Fiskus, weil das Geld in die Produzentenländer abfließt. - Bei einer CO2-Abgabe mit einem Automatismus zur Anpassung des Satzes würden die Produzenten versuchen, den Spielraum der Zeitverzögerung zu nutzen und noch so viel wie möglich auf den Markt zu werfen. Sie würden also die Preise fallen lassen. Die CO2-Abgabe müsste diese Preissenkung auffangen, könnte das aber nur zeitverzögert tun. Das wäre schlecht für das Klima ("grünes Paradoxon"), aber gut für den Fiskus, weil wenig Geld in die Produzentenländer abflösse. - Oder könnte es auch im zweiten Fall so sein, dass die Produzenten mit einem Kartell regaierten - dass sie lieber etwas weniger Öl für (viel) höhere Preise verkaufen als etwas mehr Öl zu (viel) tiefern Preisen? Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen, Marcel Hänggi
Lieber Herr Hänggi, vielen Dank für den Kommentar. Was Sie zum doppelten Kartell sagen, kann stimmen oder auch nicht. Wir wissen das nicht genau. Es hängt von der relativen Stärke ab. Aber der Streit ist dann ein reiner Verteilungsstreit, weil ja jede Partei die Mengen beschränken kann. Insofern wirkt der Emissionshandel auf jeden Fall. Steuern sind ein ganz anderes Thema. Im statischen Zusammenhang sind Steuer- und Zertifikatelösungen weitgehend deckungsgleich, intertemporal jedoch nicht, weil die Angebotswirkungen von den Änderungen der Steuersätze statt der Höhe dieser Sätze selbst abhängen. Konkret müsste man bei vernachlässigbaren Extraktionskosten einen fallenden Ad-valorem-Steuersatz haben, um die Extraktion zurückzudrängen. Das kriegt man aber politisch nicht hin. Sicher wirken auch Quellensteuern auf Finanzerträge, weil sie den Ressourcenbesitzern die Versilberung ihrer Bestände versauern. Die Wirkungsrichtung der Steuern hängt nicht von der Änderung der Sätze, sondern der Höhe ab. Ob die Sätze fallen oder steigen, immer wird eine Reaktion in die richtige Richtung ausgelöst. Mit bestem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, im Zusammenhang mit der m.E. unverantwortlichen Reaktion seitens unserer Politiker auf die Staatsschuldenkrise und vor dem Hintergrund, dass Länder wie Griechenland nicht beabsichtigen, die Eurozone zu verlassen, stellt sich mir die Frage, ob nicht als Ultima Ratio Deutschland die Währungsunion verlassen sollte (vgl. z.B. den Aufsatz von Prof. Dr. Meyer, Helmut-Schmid-Universität "Währungsdesintegration in der EURO-Zone", Jan.2010), da man m.E. (leider) beim Euro nicht mehr von einer langfristig stabilen Währung ausgehen kann und eine Entwicklung hin zu einer Transferunion/Übernahme der Schulden anderer Länder nicht einzusehen ist. Wie schätzen Sie die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Rückübertragung der Währungshoheit ein? Vielfach wird ja die Ansicht vertreten, dass es dann zu einer starken Aufwertung der neuen D-Mark kommen würde, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der deutschen Exporte führen könnte, was letztlich zu einer Rezession führen könnte. Wie ist Ihre Meinung hierzu?
Sehr geehrter Herr Kempgen, ich bin gegen einen Austritt. Aber eine Rezession gibt es sicher nicht. Deutschlands Wachstumsschwäche ist auch das Resultat des Euro. Es ist uns sehr viel Kapital weggelaufen, was woanders einen Wirtschaftsboom und bei uns ene Dauerflaute erzeugte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Abwertung im Euroraum" - was meinen Sie damit, verehrter Herr Sinn? Eine Abweretung des Euro (gegenüber dem US-Dollar u. a.) hilft auch Griechenland (und ist insoweit nicht zu dramatisieren). Eine Abwertung der Drachme, d. h. ein Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum, käme Hellas und seine Partnern in Europa - insbesondere deren Banken - demgegenüber sehr viel teurer (siehe auch Ihre Bemerkung zum IWF). Bankanalysten schließen im Übrigen nicht aus, dass Griechenland - dank auch den Sparbemühungen der neuen griechischen Regierung unter Premierminister Papandreou - eine "Turnaround-Story" werden könne.
Lieber Herr Barth, Abwertung im Euroraum heißt Senkung der Löhne und Preise relativ zu den anderen Ländern. Deutschland hat eine solche innerer Abwertung über einen längeren Zeitraum hinbekommen, freilich nicht in der Größenordnung, wie ihn Griechenland braucht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gerade Ihr Buch Kasino Kapitalismus gekauft. Den größten Teil des US-Rettungspaketes das Public-Private Investment Program, welches Sie dort erläutern, wirft auch ein schlechtes Licht auf den amerikanischen Präsidenten Obama. Der amerikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger wird gemeinhin als intelligenter Gutmensch wahrgenommen, der sich nicht in erster Linie den Interessen der Reichen und Mächtigen verpflichtet fühlt, sondern vielmehr das Gemeinwohl aller Menschen im Blick hat. Die komplexen Zusammenhänge des PPIP, die Sie in Ihrem Buch hinsichtlich ihrer Wirkungsweise entflechten, sind für die breite Masse der Amerikaner kaum zugänglich. Barack Obama aber müßte erkennen, dass der amerikanische Steuerzahler, durch das PPIP, gezwungen wird, Banken, Hedgefonds und Pensionsfonds Geld zu schenken. Er müßte auch erkennen, dass die Geldgeschenke nur zum Teil in der Lage sind, die Solvenzprobleme der angeschlagenen Banken zu lösen, da ein großer Teil an die Hedgefond und Pensionsfonds abfließt. Ein wirklich guter amerikanischer Präsident wäre Finanzminister Geithner bei seinen Plänen frühzeitig dazwischengefunkt. Das schwedische Model, von dem die Engländer wohl am meißten gelernt haben, müßte bei der Rettung der Banken, in der ganzen Welt, Schule machen. Meinen Glückwunsch zu diesem Buch. Mit freundlichem Gruß Noel König
Vielen Dank, Herr König. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Zu Ihrer Information: Auf der Seite http://www.energie-lexikon.info/ag_klimaschutz.html habe ich eine Kritik ihrer Argumentationskette im NZZ-Interview vom 05.06.2010 veröffentlicht. Ich bin entschieden der Ansicht, dass Sie mit Ihrer Argumentation schwer daneben liegen, verspreche aber gleichzeitig, diese Ansicht und den Artikel umgehend zu korrigieren, wenn Sie mich vom Gegenteil überzeugen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich will Ihrer Aufforderung gerne nachkommen. Sie verweisen darauf, dass die Ölscheichs auf Preissenkungen mit einer Angebotseinschränkung reagieren. Das ist richtig, sofern es um eine temporäre Preissenkung geht. Die Scheichs vergleichen nämlich die Barwerte der erwarteten Preise für alle Zeitpunkte und planen dort zu verkaufen, wo der Barwert am höchsten ist. Fällt in einer Periode der Preis, reagieren sie stark negativ mit den Mengen. Temporäre Preisschocks verursachen also Mengenreaktionen. Anders ist es bei permanenten Preisschocks. Wenn der Barwert des Preises für alle Perioden in gleichem Umfang sinkt, kann man nicht mehr ausweichen. Dann gibt es keine Mengenreaktionen. Die Mengenreaktionen können dann sogar falsch herum gehen in dem Sinne, dass man bei Preissenkungen mehr anbietet. Das ist genau dann der Fall, wenn erwartet wird, dass einer die Ökosteuern im Laufe der Zeit immer stärker werden und der Barwert des Preises für zukünftige Perioden mehr sinkt als in der Gegenwart. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: 2. Fortsetzung der Diskussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Ich meinte ganz einfach gedankliche Modelle, wie wir sie alle in mehr oder weniger angemessener Form für unsere Überlegungen benutzen. Gegen die Hotelling-Theorie habe ich auch nichts Grundsätzliches einzuwenden, nur gegen das Ausblenden wichtiger anderer Aspekte, die damit nicht berücksichtigt sind. Leider sehr ich in Ihren Rückmeldungen nichts, was diverse von mir kritisierte Punkte substanziell berührt: - Etwa den Umstand, dass die Förderkosten nicht wie von Ihnen behauptet überall extrem niedrig sind, sondern bei neuen Projekten so hoch sind, dass dies häufig die Realisierung be- oder verhindert. - Ebenso, dass dies meist die Projekte mit den größten Umweltbelastungen sind, dass deren Verhinderung also dem Klima sehr wohl zugute kommt. - Weiter, dass die heutigen Klimaschutzbemühungen, so unvollkommen sie sein mögen, eine wichtige Vorbereitung auf ein späteres, richtig greifendes Cap & Trade-Regime sind, da man offensichtlich niedrigere Caps durchsetzen kann, wenn man schon ein Stück weit in diese Richtung gegangen ist. Caps fallen nicht vom Himmel, sie müssen politisch ausgehandelt werden und werden von gemachten Erfahrungen beeinflusst. Übrigens auch von Forderungen nach anderen Maßnahmen: Es braucht viel politischen Druck. Und politisch betrachtet ist es eben verheerend, viele Leute dazu zu verleiten, dass sie einfach mal nichts tun und warten, bis irgend jemand (wer denn?) auf irgend eine Weise ein wirksames Cap & Trade-Regime weltweit installiert. Sie können ihnen ja auch nicht sagen, wie das gehen soll. Ihr Endziel ist ja gut, das will ich auch, und bis wir es erreicht haben, setze ich mich energisch für Schritte in die richtige Richtung ein. (Selbstverständlich nicht für wirkungslose Maßnahmen, nur um das eigene Gewisse zu beruhigen.) Sie mögen ja die ökonomischen Theorien bestens verstehen, berücksichtigen aber leider einfach diverse Umstände nicht, die essenziell für die Beurteilung der Lage und möglicher Maßnahmen sind. Gleichzeitig werfen Sie anderen Leuten Oberflächlichkeit vor - das passt wirklich nicht zusammen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, bei den Modellen weichen Sie aus, und das wissen Sie auch selbst. Sie geben mir nicht den Eindruck, dass Sie die kritisierten Modelle kennen. Sie haben gesagt, Sie würden Ihre Ansichten revidieren, wenn ich Sie überzeugen könnte. Doch haben Sie Ihren Beitrag parallel bereits der NZZ geschickt, bevor ich überhaupt eine Chance hatte, Sie zu überzeugen. Ihre Aussage, dass Sie bereit sind, sich überzeugen zu lassen, nehme ich Ihnen deshalb nicht mehr ab. Dennoch hier ein letzter Versuch. Die Rolle der Förderkosten sehen Sie leider falsch. Ich verweise Sie auf die beiliegende Studie von Karl zu den wirklichen durchschnittlichen Förderkosten. Die liegen alle nur bei Bruchteilen der Preise. Dass der Preis der limitierende Faktor für die profitable Extraktionsmenge ist, ist für erschöpfbare Ressourcen im Gegensatz zu reproduzierbaren Gütern grundsätzlich nicht wahr. Würden Sie die intertemporalen Modelle kennen, wüssten Sie das. Ressourcenpreise sind Knappheitspreise, die fast nichts mit den Förderkosten zu tun haben. Richtig ist, dass es im Einzelfall in einer großen Weltwirtschaft auch Lagerstätten geben mag, deren Abbau durch das Grenzkostenkriterium gesteuert wird, weil die Eigentümer keinerlei intertemporale Erwägungen mehr anstellen. Das kann z.B. dann der Fall sein, wenn sie die Enteignung durch nationale Politik, ihren eigenen Machtverlust oder die Enteignung durch grüne Politik in der Zukunft erwarten. Doch werden diese Mengen im Gleichgewicht der Märkte stets durch die Minderproduktion der Standardanbieter kompensiert, weil die Mengen der nicht intertemporal optimierenden Anbieter die Preise heute drücken und sie morgen erhöhen, so dass es für Normalanbieter rentabel wird, eine vollkommene Substitution der Mengen vorzunehmen, bis die erwartete Preissteigerungsrate der Bestände in Situ wieder die Marktverzinsung bringt (Standardresultat der intertemporalen Modelle der Hotelling-Welt). Im Übrigen, wenn schon die drohende Enteignung durch grüne Politik hinter dem Verzicht auf intertemporale Optimierung ist, so würde sich ja schon hier das grüne Paradoxon zeigen. (Ankündigung grüner Politik führt heute zu Angstverkäufen.) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Dikussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Im NZZ-Interview haben Sie nicht mit Barwerten argumentiert, sondern mit Produktionskosten, was wirklich Ihre Thesen nicht untermauern kann. Nun verwenden Sie das Barwert-Argument, das immerhin viel besser ist, aber viel zu simpel, um die Realität damit vernünftig zu erfassen. Ich führe das kurz aus. Die Realität auf dem Ölmarkt - begrenzte Kapazitäten bei steigender Nachfrage sowie extrem unterschiedliche Förderkosten - bilden Sie in Ihren allzu simplen Modellen nicht angemessen ab. In 2008 hat die Nachfrage die Produktionskapazitäten fast ausgeschöpft, deswegen auch die nervösen Preisausschläge. Wenn die Wirtschaftskrise demnächst endet, sind wir sofort wieder an diesem Punkt, und die Preise werden wieder explodieren - bald womöglich noch weit mehr als je gesehen. Das gibt dann Anreize für die Aufnahme zusätzlicher, teurer und häufig extrem umweltschädlicher bzw. gefährlicher Produktionsprojekte - z. B. Ölsande, Tiefseebohrungen oder auch Kohleverflüssigung. Wenn wir durch Sparbemühungen dies verhindern oder zumindest dämpfen, ist für das Klima sehr viel gewonnen. Nebenbei auch für unsere Volkswirtschaft. Ihr Barwert-Argument geht an diesen Sachverhalten völlig vorbei. Gerade wenn es uns gelänge, etwa durch flächendeckende CO2-Steuern die Barwerte des Öls dauerhaft wesentlich zu senken, würde das jede Menge zusätzlicher extrem umweltschädlicher Produktion verhindern. (Sie haben also übersehen, dass es sehr wohl Projekte gibt - vor allem zukünftige - deren Produktionskosten viel höher liegen als etwa in OPEC-Ländern.) Absolut Recht gebe ich Ihnen aber in einem: Eine Dämpfung der Nachfrage durch Energiesparbemühungen (mit den bis heute genutzten Methoden) wird kaum so stark ausfallen können, dass dies für den Klimaschutz genügt. Deswegen brauchen wir in der Tat dringend Cap & Trade oder ähnliche ergänzende Mechanismen. Erst durch diese kann das Energiesparen ausreichend effektiv werden, um das Klimaproblem zu entschärfen. Das ändert aber nichts daran, dass energische Bemühungen um Energieeffizienz und -einsparung schon vor Cap & Trade sehr nützlich sein werden - allein schon deswegen, weil man die Caps niedriger ansetzen kann, wenn sich die Wirtschaft schon etwas darauf vorbereitet hat. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich empfehle Ihnen, wenn Sie tiefer einsteigen wollen, die Lektüre eines Ökonomie-Lehrbuches zum Stichwort Hotelling-Regel. Sie werden feststellen, dass da kein Widerspruch zur Extraktionskostenbetrachtung ist. Das entscheidende Argument gegen Ihres habe ich Ihnen gegeben. Ich weiß nicht, was Sie mit meinen Modellen meinen. Welchen meiner Aufsätze meinen Sie? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in verschiedenen Medienbeiträgen zur Finanzmarktkrise aüßerten Sie, Griechenland könne seine Schulden niemals zurückzahlen. Das klingt populär, ist volkswirtschaftlich betrachtet aber ein völlig abwegiges Argument. Welcher Staat, Deutschland eingeschlossen, so frage ich Sie, kann jemals seine Schulden zurückzahlen, und welche Folgen hätte ein solches Ansinnen für die jeweils nationale und globale wirtschaftliche Entwicklung? Worum es im Fall Griechenland und anderer hochverschuldeter Staaten geht, ist, das Vertrauen der Kapitalmärkte (der privaten Gläubiger) in die Defizitländer zurückzugewinnen, so dass die Schulden über die internationalen Finanzmärkte (zu verträglichen Zinsen) finanziert werden können und es des Beistands der internationalen Staatengemeinschaft (des IWF und der EU, darunter Deutschland) nicht mehr bedarf. Diesem Ziel erweisen Sie mit Ihrer Aussage und der daran geknüpften Forderung, Griechenland solle aus der Europäischen Währungsunion ausgeschlossen werden, einen Bärendienst. Auch aus politökonomischen Gründen macht eine solche Forderung, jedenfalls um das bekannten Wochenende herum und in der gegenwärtigen Krisensituation, weder eu-rechtlich noch faktisch Sinn. Ich möchte Sie daher angesichts der Aufmerksamkeit, die sie in der Öffentlichkeit finden, dringend bitten, ihre Argumente in Bezug auf die (0ber- und Unter-)Grenzen der öffenlichen Verschuldung sorgfältiger zu bedenken und sich zukukünftig (zum Beispiel in der bevorstehenden Ifo-Jahresversammlung) vorsichtiger zu äußern. Freundliche Grüße von Ihrem aufmersamen Zuhörer Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, vielen Dank für Ihre Nachricht. Zuerst einmal: Ich habe nie gefordert oder empfohlen, Griechenland aus dem Euro auszuschließen. Ich weiß nicht, welcher Sekundärquelle Sie das entnehmen wollen. Aus meinem Mund oder aus meiner Feder haben Sie das jedenfalls nicht. Ich habe nur gesagt, dass ein Austritt mit einer offenen Abwertung für Griechenland besser ist als eine Abwertung im Euroraum, und das ist etwas anderes. Sodann habe ich darauf verwiesen, dass Griechenland kein tragfähiges Geschäftsmodell hat, weil sein Leistungsbilanzdefizit 11% des BIP beträgt. Das muss finanziert werden. Es gibt keine historischen Beispiele dafür, dass ein Land ein solches Defizit hatte und herauskam, ohne abzuwerten. Die Vorstellung, Griechenland könnte das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückgewinnen und dann aus eigener Kraft wieder wettbewerbsfähig werden, indem es Schuldendisziplin übt und dann so billig wird, bis die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt ist, wird von der Politik zwar aufrecht erhalten. Ich halte sie aber für abwegig. Sie läuft auf Konkursverschleppung hinaus und wird den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Sie haben schon Recht, dass ein Staat seine Schulden im wörtlichen Sinne nicht wirklich zurückzahlen muss. Mit der Äußerung habe ich gemeint, dass Griechenland seinen Schuldendienst nicht aus eigener Kraft wird bezahlen können, sondern nur, wenn wir ihm mit verbilligten Zinsen oder neuen Finanztransfers die Last abnehmen. Bei einer geschätzten Schuldenquote von 150% nächstes Jahr und Zinsen in der Größenordnung von 10 bis 15%, wie sie ohne die Hilfen sicherlich wieder fällig gewesen wären (wie vor der Euro-Zeit), wären das zunächst 15% bis 22,5% des BIP bei aber weiterhin steigender Tendenz. Zugleich wird das Land zu einer Austerity-Politik gezwungen, das eine Schrumpfung des BIP impliziert. Lettland hat das vorgemacht. Das Land ist allein letztes Jahr um 18% geschrumpft. Ob das reicht, um das griechische Leistungsbilanzdefizit bereits auf Normalmaß zu reduzieren, wage ich zu bezweifeln. Der IMF verlangt in ähnlichen Fällen eine Abwertung um ein Drittel. Dann liegt der Zinsendienst schon bei 23% bis 34% des BIP, ein Ding der Unmöglichkeit. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Artikel über den Neoliberalismus ist ja sehr nett aber Leuten die sich damit befassen sicherlich bekannt. Fragen muss man sich, wieso das Wort Neoliberalismus einen so schlechten Ruf bekommen konnte. Ich finde es waren Professoren und Experten wie Sie, die Ihre Meinung über Regeln viel zu spät verdeutlichen. Jetzt den Mund öffnen um das Wort "Neoliberalismus" zu retten wird den Verlierern dieser Krisen nicht gerecht und dient nur als Beschönigung um vielleicht sogar Sturköpfen wie der FDP ein "weiter so" zu ermöglichen. Wenn Sie es ernst meinten wären sie vor Jahren der Vereinigung Attac beigetreten. Diese als Chaoten beschriebenen Menschen hätten meinungsmachende Schwergewichte wie sie gebraucht. PS: In Ihren öffentlichen Auftritten schaffen Sie es nie Sachverhalte eindeutig zu erklären. So werden Sie immer wieder missverstanden. Verstanden werden Sie nur von Menschen die sich mit der Materie auseinander setzen. Das reicht bei einem öffentlichen Auftritt gerade mal dazu als Buhmann herzuhalten.
Sehr geehrter Herr K., leider hat die Redaktion den Hinweis auf die historischen Ursprünge des Neoliberalismus herausgestrichen (1938!). Daran hätten Sie erkannt, dass es nicht um eine Ex-Post-Rechtfertigung ging. Der volle Text wird im nächsten ifo-Schnelldienst erscheinen, der nächste Woche herauskommt. Wir stellen ihn umsonst auf die Homepage. Was mich betrifft, so habe ich eindringlich in meinem Buch The New Systems Competition, das 2003 herauskam, vor der Erosion der Bankenregulierung und dem Glücksrittertum, das daraus resultiert, gewarnt. Ich habe sogar eine Literaturdiskussion dazu angestoßen. Bitte schauen Sie auf unserer Homepage nach: www.CESifo.de.Sie tun mir in diesem Punkt wirklich unrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
sehr geehrter herr professor sinn ich hab in bazonline soeben das interview gelesen, das philipp müller mit Ihnen abgehalten hat. u.a. ist da geschrieben: "Was muss die Politik Ihrer Meinung nach tun, um die Erderwärmung aufzuhalten? Wir brauchen dringend Massnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstosses. Aber die müssen gemeinsam von allen Ländern beschlossen werden. Einzelstaatliche Massnahmen sind sinnlos." es wird sich möglicherweise noch herausstellen, dass die reduktion des co2 ausstosses nicht tauglich ist, um die klimaerwärmung aufzuhalten. der dänische klimaforscher henrik svensmark sagt aufgrund jahrelanger, durch experimente bestätigte, forschungen, dass das klima durch den einfluss der kosmischen strahlung im zusammenhang mit dem sonnenwind auf die wolkenbildung in der unteren atmosphäre "gemacht" wird. wenn sich seine theorie bestätigt, müssen die zahlreichen co2 päpste gelegentlich ihre notebooks zuklappen und erkennen, dass sie auf dem falschen dampfer fuhren. trotzdem ist es natürlich zweckmässig, den einsatz fossiler brennstoffe so weit wie möglich zu reduzieren bzw. diese für höherwertige zwecke als zum verheizen einzusetzen. dann resultiert als nebeneffekt automatisch eine verringerung des co2. dass die theorie von svensmark noch nicht auf breiter basis anerkannt ist, braucht nichts zu heissen. alfred wegener wurde ja seinerzeit auch ausgelacht, als er seine kontinentalverschiebungstheorie bekannt machte. mit freundlichen grüssen Willi Aerne, Schönenbach 7d, CH-9422 Staad (Schweiz) +4171/ 855 10 85
Sehr geehrter Herr Aerne, dass die Theorie nicht anerkannt ist, macht schon einen entscheidenden Unterschied. 99% der nicht anerkannten Theorien sind falsch. Aus der Nichtanerkennung kann man nun wirklich nicht schließen, dass an der Theore etwas dran ist. Wer nicht Fachwissenschaftler ist, muss sich an den Main Stream halten. Alles andere macht in einem ratinalen öffentlichen Diskurs keinen Sinn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren obigen Artikel gelesen. Daß der Euro durch die EU Maßnahmen weiter nach unten gedrückt wird, war mir auch von vornherein klar. Doch die ökonomischen Konsequenzen für Deutschland sind mir erst durch Ihren Beitrag richtig klar geworden. Danke für Ihre klaren Worte! Wenn sie nur die Politiker erreichen würden.
Lieber Herr S., vielen Dank für die Stellungnahme. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden.
Sehr geehrter Herr B., Sie haben natürlich völlig Recht mit Ihrer Kritik an den Landesbanken. Ich habe übrigens diese Kritik schon in einem Buch über die Landesbanken, das vor gut zehn Jahren bei Beck erschien, formuliert und vor den Geschäftsmodellen gewarnte. Das Basel-System reguliert aber auch die Privatbanken zu wenig. Dazu habe ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus, das gerade in dritter Auflage herauskam, ziemlich viel geschrieben. Ich bin skeptischer als Sie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, in einem Forumsbeitrag sagen Sie, dass die Schuldenquote gegen den Steady-State-Wert (Quotient aus Defizitquote und Wachstumsrate) strebt. Ich komme allerdings zu dem Ergebnis, dass die Schuldenquote gegen unendlich strebt, wenn die Defizitquote größer ist als die Wachstumsrate. Bei identischen Raten komme ich auf den Grenzwert 1, also Schuldenquote 100 %. Vielleicht habe ich mich auch verrechnet. Ich habe einfach den Grenzwert von folgendem Quotienten ermittelt: Zähler: S + W((1+f)hoch n -1) Nenner: W (1 +g) hoch n mit S=Schuldenstand, W=Wirtschaftsleistung, f=Defizitquote, g=Wachstumsrate Vielen Dank für Ihre Mühe.
Sehr geehrter Herr Müller, Sie verlangen jetzt zuviel, wenn ich den Beweis, der sich der Methode der Differenzialrechnung bedient, hier im Email darlege, zumal man da keine Formeln schreiben kann. So, wie Sie es rechnen, kann man nicht vorgehen, denn der Schuldenbestand im Zähler wächst ja nicht mit einer konstanten Rate, selbst wenn die Wirtschaftsleistung das tut. Nur der absolute Zuwachs der Schulden wächst immer mit der Rate der Wirtschaftleistung. Allerdings nähert sich die Wachstumsrate des Schuldenbestandes allmählich der Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung an. Diese Heuristik mag hilfreich sein. Stellen Sie sich vor, Sie geben jedes Jahr eine bestimmte Kartoffelmenge zu einem schon vorhandenen Haufen dazu, die selbst wiederum mit einer festen Rate wächst. Dann wächst auf die Dauer auch der ganze Haufen so schnell wie die pro Jahr hinzu gegebene Kartoffelmenge, und zwar unabhängig davon, wie groß der Anfangshaufen war. War der anfängliche Haufen groß, nähert sich die Wachstumsrate des Haufens von oben der Wachstumsrate des Zuwachses an Kartoffeln an, war der anfängliche Haufen klein, nähert sie sich von unten an. Die Regel ist: "Eine Größe wächst auf die Dauer so schnell wie ihr Zuwachs wächst." Im konkreten Fall ist die Zuwachsrate der Kartoffelmenge, also des Schuldenbestandes, auf die Dauer stets so groß wie die Wachstumsrate des Sozialprodukts. Also geht der Quotient aus Schulden und Sozialprodukt, die Schuldenquote, auf jeden Fall gegen einen festen Grenzwert, sofern die Wachstumsrate des Sozialprodukts größer Null und konstant ist. Der Quotient kann also nie gegen unendlich gehen, wie Sie vermuten. Das hat der englische Ökonom Evsay Domar schon in den frühen 50er Jahren herausgefunden. Die Größe der Schuldenquote, gegen die das System im Laufe der Zeit strebt, wird durch den Quotienten aus Defizitquote und Wachstumsrate angegeben. Bei 5% nominalem Wachstum und 3% Defizitquote geht also die Schuldenquote asymptotisch gegen 60% (=3%/6%). Das sind die Zahlen, die beim Stabilitäts- und Wachstumspakt zugrunde lagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, bzgl. der Finanzkrise scheint mir die Situation allmählich recht einfach gestrickt zu sein. Meine vergangenen Fragen wurden nicht wirklich beantwortet. Ich möchte daher etwas konkreter werden. Ich erinnere mich in meiner Kindheit an Kettenbriefe, Sie kennen Sie sicherlich auch. Können Sie mir einen Unterschied nennen, der genau dieses Prinzip dieser Kettenbriefe gegenüber der Zockermentalität der Finanzbranche unterscheidet, nennen? Dwn einzigen Unterschied, den ich erkenne ist der, dass das System möglichst lange durch die Bankenwelt verschleiert wurde. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dss, so wie Sie in Osnabrück in Ihrem Vortrag noch darstellten "alle keine Ahnung gehabt haben". Denn so naiv können doch Banken und die die beratenden Wirtschaftswissenschafter wirklich nicht sein. Oder wurde nur die angehört, die dem System "hörig" sind und darauf gepokert wude, dass die Zeche der Steuerzahler begleicht? Ich würde mir wünschen, das Sie, als Kapazität, auf genau diese Fragen eine konkrete Stellungnahme abgeben. Mit freundlichem Gruss Martin Schlütz
Sehr geehrter Herr Schlütz, man hat in der Tat auf den Bail out gepokert und ist deswegen zu viele Risiken eingegangen. Das habe ich in Osnabrück gesagt und das ist die These meines Buches zum Kasino-Kapitalismus. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Herr Prof Sinn, ich bin Student, und möchte gerne einen Kommentar verfassen, erst einmal gilt Ihnen ein großes Dankeschön, dass Sie in vielen Sendungen fast ausnahmslos in einer einfachen Weise , dargestellt haben, inwiefern sich unser Land, unsere Volkswirtschaft, befindet und befinden wird. Genau, wenn man teurer ist, muss man auch besser sein. Es mag Ausnahmen geben, aber die Trendlinie wird sich über die Nationen ausbreiten, ob die es wollen oder nicht. Wenn man aufsteht, als große Volkswirtschaft, kann es sein, dass eine Bahn daneben das Land viel weiter ist. Man kann sich große Muskeln antrainiert haben und den Siegesstolz, aber manchmal sind die dünnen und flinken Beinchen der anderen ausreichend,um dennoch schneller zu sein. Ohne Frage - ein Dilemma. Man möchte die Menschen nicht vertäufeln, die sich wundern, dass es Veränderungen gibt. Aber leider gibt es sie, die Geschwindigkeit wird gedrosselt durch den Staat, aber die Bremskraft wird auf Dauer die Entwicklung nicht kompensieren können.Der Bremsstreifen wird nur länger und vielleicht auch dunkler. Der Grundgedanke von nationaler Verschuldung war ja bestenfalls der "Multiplikations-Effekt". Vielleicht in einer geschlossenen Volkswirtschaft, aber der Staat ist kein Unternehmen. Der Staat nimmt kein Kredit auf, um die nächsten Jahre Ernte einzufahren. Ich verstehe nicht, warum führende Volkswirste das anders sehen. Natürlich sollte der Staat intervenieren in Krisen und investieren in die Zukunft. Dass leider auch langfristig nicht gesichert ist, dass die Investition in Bildung im Land bleiben, ist eine andere Sache. Aus meiner Sicht ist es mindestens gewagt, wenn man als führender Politiker in Sendungen, die ein großes Publikum erreicht, immer von Exportweltmeister spricht. Man kann nur exportieren, wenn man zuverlässig ist (Rechtssystem), die Technik hat (Know How) und die Qualität erbringt. Die Chinesen holen auf. Sie sind talentiert und lernfähig. Was wird aus unserer Export-Weltmeisterschaft, wenn 10 Meter vor dem Ziel eine andere Nation schneller vorher im Ziel ist, sind vielleicht Subventionen Sportschuhe, die uns erstmal schneller werden lassen ? Andreas Müßener
Sehr geehrter Herr Müßener, vielen Dank für diese Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ich finde es bedauerlich, daß die deutsche Industrie sich den Orden "Exportweltmeister" anheften läßt und nicht merkt, daß sie mit diesem für einen Teil Ihrer Leistung bezahlt wird; dh. Lob statt Bezahlung. Wenn ein Land mehr Waren liefert als es bekommt, dann hat es einen Anspruch auf Lieferung der Differenz. Dieser Anspruch liegt als verbrieftes Guthaben auf der Bank. Da jedoch offen ist, ob der Schuldner, der das Guthaben bedienen muß, dies auch tut, wäre es besser, eine ausgeglichene Handelsbilanz zu haben. Es ist nämlich vorzuziehen, die Ware im Haus zu haben als eine offenstehende Forderung. So viel aus der Sicht des Lieferanten.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die Dinge auf den Punkt! Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich habe Ihre Kritik am "750bn Rettungssschrim fuer den EURO" gelesen und moechte Sie ausdruecklich unterstuetzen. Ihre Analyse zu diesem Vorgehen unserer politischen Klasse -ueber Nacht an einem Wochenende den Einstieg in die Trasnferunion zu entscheiden sowie die EZB in ihrer Unabhaengigkeit zu beschneiden- ist ein Ding der Unmoeglichlkeit. Das dem Bundestag vorgelegt Kreditermaechtigungsgesetz ist ebenso untragbar. Keine der Massnahmen bekaempft wirkungsvoll Ursachen der Krise. Das ist das Schlimme, und der deutschen Volkswirtschaft, den Buergern, wird erheblicher Schaden zugefuegt (Verschuldung) sowie die Stabilitaet unseres Geldes langfristig gefaehrdet. Einzig richtiger Weg waere eine planmaessige Schuldenrestrukturierung betroffener Laender gewesen (iVm Pariser Club, IMF, Glaeubigern...) Danke dass Sie sich offen positioniert haben. Leider agieren unsere Politiker mit immer weniger oekonomischem Sachverstand nach dem Motto "was nicht sein darf das nicht sein kann" bzw "nach mir (meiner Legislaturperiode) die Sintflut". Die Quittung ist bei den naechsten Landtags- bzw Bundestagswahlen zu erwarten. Mit freundlichen Gruessen, Jochen Huppert Kfm. Geschaeftsfuehrer eines mittelstaendischen Unternehmens Backnang, Deutschland
Sehr geehrter Herr Huppert, vielen Dank für die Unterstützung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn : Ihren Ausführungen zum Verbot von Leerverkäufen, die ich mit Interesse gelesen habe, möchte ich folgendes hinzufügen. Der Verkauf von geliehenen Wertpapieren verfälscht den Markt ebenso wie der echte Leerverkauf; mit dem Unterschied, daß letzterer vor Börsenschluß glattgestellt werden muß. Die Verfälschung der Marktlage besteht darin, daß Wertpapiere auf dem Markt erscheinen und auf den Kurs drücken, obwohl der Besitzer diese gar nicht verkaufen will. Der Leerverkäufer hat sich mit geliehenen Aktien eine Macht verschafft, die er aus eigenem Vermögen nicht hat. Und das im Verborgenen! Diese Täuschung des Marktes ist der erste Makel. Nun ist davon auszugehen, daß der Leerverkäufer mit seiner Spekulations-Richtung richtig liegt. Er beschleunigt dann eine Entwicklung, die später doch eingetreten wäre. Damit verhindert er aber einen langsamen, also sanften Verlauf, und nimmt der Wirtschaft die Möglichkeit, sich anzupassen. Das ist der zweite Makel. Viele Grüße Klaus Friebe PS. Die Contra-Ausführungen von Thomas Mayer von der Deutschen Bank sind reine Rabulistik.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die beiden Hauptaspekte auf den Punkt. Ich stimme Ihnen dabei vollständig zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze Ihre geschliffene Kritik, so wie die o.g. aktuelle, sehr! Sie hätten m.E. noch weiter gehen können. Der zweifellos durch unser Land dominierte europäische Rettungsschirm birgt zwar das Potential für eigene Verluste, jedoch auch die (viel größere-) Gefahr einer zukünftigen politischen Dominanz Deutschlands in Europa und darüber hinaus.... Davor fürchtete ich mich als überzeugter Europäer viel mehr als vor den Verlusten bei französischen oder deutschen Banken. Es wird wieder einmal Zeit, sich an eine nicht allzu ferne Vergangenheit zu erinnern, in größeren Zusammenhängen zu denken und möglichen Anfängen zu wehren. Diese Situation stimmt mich sehr nachdenklich. Viele Grüße Priv.-Doz. Dr. Charles Dewey
Sehr geehrter Herr Dewey, das ist ein interessanter Gesichtspunkt. Sie meinen, die Länder würden von Deutschland abhängig. In der Tat ist auch das eine der problematischen Implikationen. Schuldner mögen Ihre Gläubiger meistens nicht besonders. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Prof. Sinn, ich verstehe den Zusammenhang zwischen fallender Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen und den gegebenen Garantien nicht. Eigentlich haben unsere Parlamentarier mit dem größten "All in" aller Zeiten doch massiv das Risiko bei Investition in unsere Staatsanleihen erhöht. Wieso steigen denn aber die Kurse? Womit rechnen die Märkte? Mit freundlichen Grüßen, Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, die Märkte schätzen nun das Risiko von Anlagen in den Ländern der südwestlichen Peripherie Europas und in Amerika wesentlich höher ein als früher. Das treibt die Zinsspreads im Vergleich zu Deutschland hoch. Die Zinsen im Rest Europas steigen, doch in Deutschland fallen sie, weil Deutschland als der sichere Hafen gilt, zumal es bei dem Anlage suchenden Geld ja im Wesentlichen um unsere eigenen deutschen Spargelder geht. Deutschland war nun mal diesseits und jenseits des Atlantik der bei weitem größte Kapitalexporteuer. Investiert wurde hier nur noch wenig. Das alles ändert sich nun. Das Kapital drängt auf den Inlandsmarkt und begnügt sich mit niedrigsten Renditen, was hierzulande mittelfristig einen Bauboom auslösen wird, so jedenfalls meine Vermutung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich frage mich seit längerem was die Vorteile und Nachteile der Quote: "Staatsverschuldung im Bezug zum BIP" ist. In der Literatur wird dies als einzig relevante Grösse angesehen. Weshalb vergleicht man nicht die Staatsverschuldung im Bezug zur Einwohnerzahl eines Landes oder die Staatsverschuldung im Bezug zum gesammten Kapital eines Landes? Mit freundlichem Gruss Paul-Oliver Burkart
Sehr geehrter Herr Burkart, man nimmt das BIP, weil man die wirtschaftliche Leistungskraft zum Vergleich heranziehen möchte. Eigentlich sollte man aber lieber das Nettonationaleinkommen nehmen, das die Summe der Einkommen der Deutschen misst. Das BIP ist die Summe der in Deutschland verdienten Einkommen zuzüglich der Abschreibungen, keine besonders relevante Maßgröße. Das ist aber Konvention. Eine Relation zum gesamten Kapital wäre möglicherweise noch besser. Das Problem ist nur, dass es darüber keine verlässlichen Statistiken gibt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Zur Staatsschuldenkrise: Was wäre von einem Vorschlag zu halten, der die Landesverwalter in die persönliche Haftung bei staatlichem Bilanz-Betrug bringt? Als seinerzeit Verantwortliche bei Enron die drohende Insolvenz verschleiert hatten, wurden teils auch Haftstrafen verhängt. Bei öffentlich Amtsträgern hingegen ist da Fehlanzeige, da kann gefälscht werden, wie es gerade beliebt und im Zweifel gibt es dann Anwürfe gegen die Erfüllungsgehilfen statt gegen die Verantwortlichen, wie im Fall von Goldmann-Sachs. Mutmaßlich hätte eine persönliche Haftung mit Strafbarkeit doch eine stark disziplinierende Wirkung und würde ebenso Gerechtigkeitsaspekte berücksichtigen. Jedenfalls sorgt die SOX-Gesetzgebung beispielsweise für geradezu paranoide Genauigkeit in den betroffenen Unternehmen, das würde bestimmt auch durch die Übertragung dieses Gesetzes auf die Sphäre der öffentlichen Finanzen erzielt werden können. Freundliche Grüße, Roland Scheel
Sehr geehrter Herr Scheel, Recht haben Sie. Nur wie setzt man das in Griechenland um? Die Schummelei fand ja dort statt. Wenn alles korrupt ist, kann man auch keine Gesetze implementieren. Vielleicht müsste die EU eine Strafgerichtsbarkeit für die Fälschung von EU-relevanten Daten und die Missachtung von EU-Regeln einrichten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse und großer Zustimmung habe ich Ihre Analyse zum Gewährleistungsgesetz gelesen. Durch die von der Mithaftung für die Staatsschulden anderer Länder erzeugte Verzerrung der Kapitalströme, senken wir auch das Lohnniveau, welches mit Vollbeschäftigung im Niedriglohnsektor kompatibel wäre. Viele treibt wohl die Angst um, würde Griechenland, oder das ein oder andere gefährdete Land, pleite gehen, dass man dann wieder die Banken retten müßte. Die Angst ist wohl nicht ganz unbegründet. Wenn dies aber im Austausch gegen Aktien passieren würde, könnte man den Bankensektor retten, ohne den griechischen Gläubigern Geschenke zu machen. Zum Glück haben wir tolle Politiker, die werden die richtigen Dinge schon in die Wege leiten. Mit freundlichem Gruß Noel König
Lieber Herr König, vielen Dank für die Nachricht. Insbesondere auf die Politiker, auf die wir nach dem Abgang von Köhler und Koch noch zurückgreifen können, ist in diesem Zusammenhang besonders viel Verlass. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrem Beitrag zum EURO-Rettungsschirm sprechen Sie die Angleichung des Zinsniveaus für EUR-Staaten nach Einführung des Euros und die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die deutsche Volkswirtschaft an. Ich finde diese Überlegungen sehr interessant, habe aber eine Verständniss-Frage dazu. Sie Argumentieren, dass das relativ niedrigere Zinsniveau für insbesondere südeuropäische Staaten dazu führte, dass das Kapital dorthin wanderte und in diesen Ländern einen Boom auslöste, während die deutsche Volkswirtschaft mit eher mageren Wachstumsraten auskommen musste. Wenn aber das Kapital in Deutschland knapp wurde, hätte es das nicht zu steigenden Zinsen führen müssen, wenn weiterhin Unternehmer hätten investieren wollen? Tatsächlich liegt das Zinsniveau seit einigen Jahren auf einem historisch niedrigen Niveau. Hätten des weiteren Unternehmer nicht schon vor Jahren über eine Kreditklemme o. ä. klagen müssen, wenn in Deutschland eine Kapitalknappheit vorgelegen hat? Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus! MfG Frank Winninghoff
Sehr geehrter Herr Winnighoff, vom Euro her kamen ja nicht die einzigen Einflüsse auf das Zinsniveau. Die lockere Geldpolitik in der zweiten Hälfte der 1990ger Jahre, aber auch nach dem 11. September und dem Irakkrieg hat die Zinsen insgesamt niedirg gehalten. Dies aber für alle Länder. Die Beseitigung der Risikoprämien gegenüber Deutschland kam aber als Sondereffekt noch hinzu, und daraus resultiert die hohe Wachstumsdynamik auf den Immobilienmärkten der süd-westlichen Peripherie Europas, von der der deutsche Immoblienmarkt gänzlich unbeeindruckt blieb. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, es wird diskutiert, dass sich die verschuldeten Staaten mittels Inflation entschulden könnten. Ist dies in der jetzigen Situation überhaupt für Deutschland möglich? Soweit ich weiss, haben die deutschen Staatsanleihen nur eine Restlaufzeit von durchschnittlich 3-4 Jahren. Falls nun die Inflation angeheizt wird, bedeutet dies wohl auch steigende Zinsen. Da der Staat sich aber bald wieder refinanzieren muss, würden dann auch höhere Zinszahlungen folgen, womit eine Entschuldung nicht mehr möglich ist. Sind meine Überlegungen korrekt oder habe ich was übersehen? Mit freundlichem Gruß Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, da haben Sie völlig recht. Nur eine nichtantizipierte Inflation kann die Staatsschulden erodieren. Antizipierte Inflation ist im Zins erfasst. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Artikel über den Neoliberalismus ist ja sehr nett aber Leuten die sich damit befassen sicherlich bekannt. Fragen muss man sich, wieso das Wort Neoliberalismus einen so schlechten Ruf bekommen konnte. Ich finde es waren Professoren und Experten wie Sie, die Ihre Meinung über Regeln viel zu spät verdeutlichen. Jetzt den Mund öffnen um das Wort "Neoliberalismus" zu retten wird den Verlierern dieser Krisen nicht gerecht und dient nur als Beschönigung um vielleicht sogar Sturköpfen wie der FDP ein "weiter so" zu ermöglichen. Wenn Sie es ernst meinten wären sie vor Jahren der Vereinigung Attac beigetreten. Diese als Chaoten beschriebenen Menschen hätten meinungsmachende Schwergewichte wie sie gebraucht. Mit freundlichen Grüßen Bernhard Kühn PS: In Ihren öffentlichen Auftritten schaffen Sie es nie Sachverhalte eindeutig zu erklären. So werden Sie immer wieder missverstanden. Verstanden werden Sie nur von Menschen die sich mit der Materie auseinander setzen. Das reicht bei einem öffentlichen Auftritt gerade mal dazu als Buhmann herzuhalten.
Sehr geehrter Herr Kühn, leider hat die Redaktion den Hinweis auf die historischen Ursprünge des Neoliberalismus herausgestrichen (1938!). Daran hätten Sie erkannt, dass es nicht um eine Ex-Post-Rechtfertigung ging. Der volle Text wird im nächsten ifo-Schnelldienst erscheinen, der nächste Woche herauskommt. Wir stellen ihn umsonst auf die Homepage. Was mich betrifft, so habe ich eindringlich in meinem Buch The New Systems Competition, das 2003 herauskam, vor der Erosion der Bankenregulierung und dem Glücksrittertum, das daraus resultiert, gewarnt. Ich habe sogar eine Literaturdiskussion dazu angestoßen. Bitte schauen Sie auf unserer Homepage nach: www.CESifo.de.Sie tun mir in diesem Punkt wirklich unrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, in der Vergangenheit hatte ich bzgl. der Finanzkrise und Ihrem Vortrag in Osnabrück schon einmal die Frage gestellt, inwieweit Deutschland, als Eyposrt (Vize)Weltmeister gewährleisten kann, dass den exportierten Werten auch ein adäquater Gegenwert geleistet werden kann. Die Antworten, die ich erhalten hatte waren (und sind erst recht jetzt) recht zweifelhaft. Wenn wir nur exportieren um dann die Werte gegen Bürgschaften des eigenen Landes abzusichern (siehe Griechenland), so kann das ja nicht ernsthaft eine nachhaltige wirkliche Perspektive sein. Wir produzieren sozusagen auf Pump und wenn der Gläubiger nicht zahlen kann, dann zahlen halt die Steuerzahler in Deutschland!! Was ist denn da Ihrer Meinung nach los? Aus meinen vormaligen Beiträgen können Sie schliessen, dass ich hier jetzt von Ihnen eigentlich einmal eine grundsätzliche Stellungnahme bzgl. der Stellung Deutschlands im europäischen und globalen Rahmen wünschen würde. Mit freundlichem Gruss Martin Schlütz
Sehr geehrter Herr Schlütz, Ihre Bedenken sind berechtigt. Sie können dazu morgen oder übermorgen von der ifo-Homepage, wenn Sie wollen, einen grundsätzlichen Text von mir herunterladen. Er ist gerade in der Endredaktion. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden. Mit bestem Gruß Frank B.
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Ihre zahlreichen Beiträge zur Schuldenkrise Griechenlands habe ich mit viel Interesse gelesen. Das europäische Währungssystem steht vor einem Scherbenhaufen und enthüllt dabei gewisse Parallelen mit der NS-Zeit. Griechenland steht vor dem Staatsbankortt, andere europäische Länder sind am Taumeln. Die EU sucht nach Wegen zur Stabilisierung des fragmentierten Wirtschaftsraums. Lesen Sie den vollständigen Beitrag unter: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000550> Mit besten Grüssen, Dr. Radu Golban
Sehr geehrter Herr Dr. Golban, da Herr Sinn unterwegs ist, antworte ich Ihnen. Wie Herr Sinn in zahlreichen Beiträgen schreibt, sieht er eine Wende in der europäischen Politik. Die ergriffenen und geplanten Maßnahmen führen seiner Meinung dazu, dass notwendige Korrekturmechanismen nicht mehr greifen. Die Zinsen hatten etwa begonnen, sich wieder an die Bonität der Länder anzupassen. Die Hilfszusagen führen nun dazu, dass diese Zinsspreizungen sich wieder etwas einengen. Die Zinsen der stark verschuldeten Länder sinken und die deutschen Zinsen werden etwas steigen. Der Rettungspakt verzerrt den Kreditfluss der Kapitalmärkte. Wir bräuchten daher vielmehr einen Pakt, der die bisherigen Inhaber der Staatspapiere an den Lasten einer Staatsinsolvenz beteiligt. Die Altgläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Eine solche Insolvenz würde auch zukünftig Anreize für eine Kreditvergabe zu angemessenen Zinsen und bei den Staaten für eine nachhaltigere Politik geben. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn schon Griechenland nicht zu seiner Drachme zurückkehrt -eine Empfehlung, die Sie seinerzeit abgegeben haben - wie wäre es dann, wenn Deutschland aus dem Euro Verbund austritt und damit deutlich macht, dass es nicht zum ewigen Zahler der EU werden will. Hat das Ifo Insitut derartige "Visionen" einmal durchgespielt? Was würde das für die deutsche Wirtschaft selbst, in Europa und gobal bedeuten? Unter der Maßgabe, dass man politische Erwägungen möglichst außen vor lassen kann! Und wäre es möglich, den Spekulanten damit den Garaus zu machen? Unsere, wie auch die anderen Regierungen haben es ja bis heute nicht geschafft, (oder wollen es auch nicht) wirksame Regeln für alle Arten von Bankgeschäften zu erlassen. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
Sehr geehrte Frau W., ich habe das Szenarium nicht durchgespielt, aber ich denke, es übersteigt das, was wir Deutschen uns in Europa würden erlauben können. Davon abgesehen bin ich auch überzeugt, dass der Euro auch nützlich für Deutschland ist. Er schafft eine Zone der Stabilität und Prosperität im Herzen des Kontinents. Wir müssen nur das Schuldenproblem lösen und zu diesem Zweck die Südländer auf Kurs bringen, was freilich schwierig genug sein wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben, mehr als einmal, warnend Ihre Stimme erhoben. (Wie im Übrigen auch Hans-Olaf Henkel es nicht müde wird, zu tun) Jetzt auch wieder in Bezug auf die Griechenland-Krise. Doch was frommt's? Unsere Politiker sind nicht in der Lage und wohl auch nicht willens, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Letztlich wird das wieder nur zu dem führen, was der begnadete Kabarettist Volker Pispers schon vorausgesehen hat: "Dann kommt wieder ein eloquenter junger Mann aus dem benachbarten Ausland und erzählt den Deutschen, wo es langgeht". Und ich füge bei - und es werden ihm alle wieder nachlaufen. Die meisten "Volksvertreter" werden sagen, dass sei unmöglich: ich erinnere aber nur an Ted Turner oder Silvio Berlusconi. Diese Menschen sind auf einmal da, wie der Blitz, man bemerkt ihn erst, wenn er einschlägt. Deshalb: wir brauchen in Deutschland neben all den linken Parteien (darunter jetzt auch: CDU und CSU) eine neue konservative Partei, eine Partei des gesunden Menschenverstandes. Die FPD wird es allein nicht richten können, dafür sind die Vorbehalte gegen diese Gruppierung zu groß. Ansonsten werden wir den von Henkel schon heraufbeschworenen "Neosozialismus" bekommen, Deutschland würde zu einer "DDR-light". Warum gründen Sie nicht, gemeinsam mit den wenigen, noch "Verständigen" im Land diese neue Partei? Frau Merkel hat viele in der CDU vergrätzt. Ich bin sicher, es würden Ihnen viele nur zu gern folgen. Im jetzigen Zustand ist die Union als Volkspartei nicht überlebensfähig. Herzliche Grüße H.W.
Sehr geehrter Herr W., zu viel der Ehre, die Sie mir da zuteil werden lassen. Ich bin als Politiker ungeeignet. Ich bin ein Wissenschaftler, und dabei muss es bleiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, habe mit grossem Interesse "Kasino-Kapitalismus" gelesen und viel daraus gelernt, denn ich bin nur Physiker. Frage: Wäre es nicht richtiger, den Zustand einer Volkswirtschaft nicht nur mit dem Wachstum des PIB, sondern mit dem Wachstum minus Defizit des PIB zu beschreiben ? Das würde doch endlich den Politikern den Wind aus den Segeln für weiteres Schuldenmachen nehmen. Auch in der jetzigen Extremsituation würde damit jedem die reale Situation der Volkswirtschaft viel besser vor Augen geführt.
Sehr geehrter Herr Kollege A., gute Idee. Theoretisch müsste man den Quotienten von Defizitquote und Wachstumsrate nehmen, denn das ist der Steady-State-Wert, gegen die die Schuldenquote strebt. Also Wachstum von 2% bei Defizit von 5% macht einen Steady State für die Schuldenquote von 250%, was in etwa unsere derzeitige Situation ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist denn von den aktuellen Maßnahmen zur Stabilitätssicherung des Euro? Gruß, Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, es ist wenig davon zu halten. Schauen Sie am Dienstag in die FAZ. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sind Sie der Meinung, dass es hilfreich wäre, CDS Papiere, mit welchen Spekulanten auf den Ausfall von Staatsschulden spekulieren können, zu verbieten. Soweit ich richtig informiert bin, sind sie ja der Meinung, dass man Leerverkäufe auf Aktien oder Anleihen verbieten sollte. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, ich bin nicht der Meinung, dass man CDS-Kontrakte generell verbieten sollte, nur die naked CDS, also Versicherungen gegen Risiken, die man gar nicht hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Sie im TV gesehen und gehört. Mir fiel auf, dass Sie bei der Argumentation gegen eine Griechenlandhilfe einen Domino-Effekt anderer "Sünder-Staaten" befürchten. Da kann was daran sein,obwohl der Domino-Effekt auch in die völlig andere Richtung gehen kann ("Lernen am Erfolg") Wenn es gelingt, die Eurozone in Sachen Griechenland zu bezwingen, dann kann man sich (wie es sich bereits abzeichnet) die nächsten vornehmen: Portugal, Spanien.... Wenn die Eurozone mit dem "kleinen Griechenland-Problem" nicht fertig wird, müsste Spanien dann für den Euro tödlich sein. Aber es gibt ein historisches Beispiel, das gegen Ihre Positionierung spricht, weil die Dominos weltweit nach der verweigerten Hilfe fielen, das war die Lehman-Pleite Mitte September 2008. Damals wollte Herr Paulson (warum auch immer) verhindern, dass sich Finanzinstitute auf staatliche Hilfe stets verlassen könnten (vorher hatte er mit höheren Beträgen als für Lehman zur Konkursvermeisung nötig gewesen wären) u.a. Fannie Mae und Frteddie Mac gestützt sowie kurz danach sein 700 Milliarden Dollar-Programm für die Finanzwirtschaft durchgesetzt. Für Lehman kam das zu spät und die weltweite Finanzkrise brach los. Bei "Wikipedia" habe ich gelesen, dass die Verweigerung der Lehman-Hilfe als "Jahrhundertfehler" bewertet wird. Also die Weltfinanzkrise wurde durch die nicht gewährte vergleichsweise geringe nötige Hilfe für Lehman ausgelöst und machte Billionenschäden. Bei Griechenland sehe ich die gleiche Domino-Gefahr wie damals bei Lehman: eine neue Krise , weil die Hilfe vetweigert wurde.
Sehr geehrter Herr Röseler, vielen Dank für Ihren Beitrag. Mir ist die Lehman-Problematik bewusst. Ich habe darüber in meinem Buch Kasino-Kapitalismus ausführlich geschrieben und teile insofern Ihre Einschätzung. Die Parallelen sind aber insofern begrenzt, als bei Lehman wegen des Vertrauensverlustes der gesamte Interbankenmarkt zusammenbrach. Das kann jetzt nicht passieren. Richtig ist, dass Portugal und Irland in Schwierigkeiten kommen könnten. Aus drei Gründen halte ich diese Gefahr für begrenzt bzw. hinnehmbar. Erstens wäre es richtig, wenn diese Länder durch die Kapitalmärkte diszipliniert würden. Beide haben über ihre Verhältnisse gelebt. Wer soll das stoppen, wenn nicht die Kapitalmärkte? Zweitens ist Griechenland ein anderer Fall insofern als Griechenland sich in den Euro hereingeschwindelt hat und jetzt unser Geld will. Ich würde Portugal und Irland helfen, Griechenland aber nicht. Das wird man den Kapitalmärkten kommunizieren können. Drittens funktioniert das US-amerikanische System seit zweihundert Jahren trotz gelegentlicher Staatskonkurse recht gut. Dort hilft keiner, und die Welt geht nicht unter. Als zuletzt New York in den siebziger Jahren praktisch pleite war, musste es sich unter das Kuratel einer Aufsicht durch die Banken (Municipal Assistance Corporation) stellen, weil weder die anderen Länder noch der Bundesstaat zu Hilfe kamen. New York fand den Weg zu einer gesunden Finanzpolitik zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zu dem Thema Unterstützung für Griechenland haben Sie sich bereits dezidiert geäußert. Sie haben meiner Meinung nach ausnahmsweise einmal die deutliche Mehrheit in Deutschland hinter sich. Einige wenige Punkte möchte ich noch dazu anführen, die Sie bitte gerne in der weiteren Diskussion verwenden wollen: 1. Wie sieht es bei der Griechenland-Rettung eigentlich mit den Nicht-Euro-Staaten in der EU aus, insbes. mit Großbritannien? Soweit ich weiß, haben gerade die britischen Banken in erheblichem Maß in Griechenland investiert. Rettet Deutschland jetzt nebenbei auch noch diese Banken? 2. Profitiert hat nicht Deutschland durch den Euro, sondern einige Deutsche. Die meisten Arbeitnehmer zählen jedenfalls nicht dazu, sollen aber im Ergebnis bezahlen. Zusammengefasst bedeutet dies nichts anderes, als das deutsche (andere natürlich auch) Spekulanten und Unternehmer (insbes. am Export beteiligte) den deutschen Arbeitnehmern auf dem Umweg über Griechenland (...) auf kaltem Wege Kapital entzogen haben. 3. Geschäfte mit Pleitiers sind keine guten Geschäfte. Ein Geschäft mit jemandem der die Ware möchte, aber nicht zahlen wird, kann jeder abschließen. Ist dies von vornherein bekannt und wird dennoch im Vertrauen auf den Steuerzahler gemacht, ist es ein unzulässiges Geschäft zu Lasten Dritter. Und da die Bank ja Geld der Anleger an den Pleitier auszahlt zudem Veruntreuung, somit strafbar. 4. Die deutschen Firmen, die nach Griechenland exportieren und ohne eine Finanzhilfe um weitere Exporte bangen, können auch anders unterstützt werden: Wenn das Geld nicht nach Griechenland fließt, um dann teilweise auf Umwegen wieder in Deutschland zu landen, sondern direkt in Deutschland verbleibt - und z.B. für Steuersenkungen genutzt wird - können die Deutschen Steuerzahler/Konsumenten die Waren auch selbst kaufen. Das wäre billiger, sicherer, gerechter und sogar politisch profitabel Mit freundlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, Sie haben leider mit all Ihren Punkten Recht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
“Strategie ohne Taktiken ist der langsamste Weg zum Sieg. Taktiken ohne Strategie sind der Lärm vor der Niederlage” Sun Tzu (544 – 496 v. Chr. - chinesischer General, Militär- stratege und Philosoph, Buch: „Die Kunst des Krieges“) Lieber Herr Sinn, Sie sagen goldrichtig in Ihrem SPIEGEL-ONLINE-Interview, dass Griechenland ein „Geschäftsmodell“ fehlt. Das Gleiche gilt für meine zweite Heimat, Portugal. Nun, ein „Geschäftsmodell“ ist zwar vorhanden, aber es ist wenig differenziert und man kann, was viele andere auch und z.T. sogar besser können. Was fehlt ist ein glaubhaftes stark differenziertes Profil der weltweit einzigartigen und unverwechselbaren Stärken, das bei entsprechender Anwendung den Ländern nach aussen mehr Anziehungskraft und damit mehr Kredit verleiht. Bereits als 1986 meine zweite Heimat Portugal der EWG beitrat, sah ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich war nämlich bereits damals zur Überzeugung gelangt, dass die EWG „umgekippt“ war. Und zwar von einer extrovertiert-alterozentrischen Zielsetzung in eine introvertiert-egozentrische. In der Folge habe ich seitdem meine portugiesischen Freunde immer wieder darauf hingewiesen, dass, wenn solche (geschlossenen) Systeme am Ende ankommen, es „die weniger enwickelten Subsysteme sind, die als erste über die Klinge springen müssen“. Aber das wollte niemand hören, auch nicht meine über all die Jahre gemachten konkreten politisch-ökonomischen Vorschläge zur Vorbeugung einer solchen Situation (z.B. mein Artikel „Warum es sich (für Portugal) lohnt auf Afrika zu setzen“, von 1997). Und jetzt steht Portugal, hinter Griechenland, sozusagen auf dem „Zehnmeterbrett“ um in ein Schwimmbad ohne Wasser zu springen. Schiller, würde er heute leben, würde möglicherweise dazu sagen. „Gegen Subventionen kämpfen Götter selbst vergebens“. Und so wurde der staatl. regulierte Systemraubbau sozusagen zur Staatsreligion – bis nun endlich die kybernetischen Korrekturmechanismen der Natur zu greifen beginnen. Aber noch ist das „Lügen in die eigene Tasche“ nicht am Ende, obwohl der Anfang vom Ende bereits begonnen hat. Gestern setzte sich z.B. Prof. Arnulf Baring als einziger der Gäste von Anne Will über das punktuelle Griechenlandproblem hinweg und machte – sinngemäss – die folgende systemisch-ganzheitliche Aussage: „Wir alle und nicht nur Griechenland marschieren schon lange in die falsche Richtung, und falls nichts geschieht wird am Ende auch die Bundesrepublik da landen, wo sich Griechenland heute befindet“. Ich behaupte, dass es zwischen dem Teufel und Belzebub.d.h. Hilfe und Nichthilfe, einen eleganten Ausweg gibt und zwar einen kybernetischen (s. Anlage). Nachdem allerdings keiner der auf den rein materiellen Teil fixierten Problemkandidaten – Deutschland gehört mit dazu – an die Wirksamkeit desselben zu glauben bereit sein wird – die Portugiesen tun es nicht – , geschweige denn Hand anzulegen, gibt es als grossen Wurf nur eine Möglichkeit einer systemisch-ganzheitlichen Lösung: Deutschland, das zusammen mit Frankreich einer der Hauptanführer der in die Introversion und den Egozentrismus geratenen EU ist, wird den ihm noch verbliebenenen Rest an Macht in Brüssel einbringen müssen um einen Strategiewechsel in die Wege zu leiten um die EU und mit ihr alle ihre Mitglieder zu retten. Ich schrieb bereits 1997 an Freunde: „Man wird ‚Strohhalme‘ loslassen müssen, die man bisher für ‚Balken‘ gehalten hat und dafür echte ‚Balken‘ ergreifen müssen, die man bisher für ‚Strohhalme‘ gehalten hat. Das ist der Abschied vom schönen Schein zu dem uns die Ereignisse zwingen werden.“ Nun, dieser Moment ist jetzt gekommen. Man wird auf EU-Ebene wieder nach aussen blicken und sich den wachsenden Bedürfnissen von einigen Milliarden Menschen da draussen in der 3. Welt widmen müssen – in strategisch korrekter und wirksamer Weise, wohlverstanden. Das ist der externe, der Zielgruppenengpass. Zuvor wird man allerdings den internen Engpass – welches ist der fehlende Minimumfaktor, dessen Besitz es uns ermöglichen würde die beabsichtigte soziale Kettenreaktion auszulösen? – lösen müssen. Zum Beispiel: Ein grosser Befreiungsschlag in Form einer radikalen Steuerreform (Flat Tax, Bierdeckel!?). Wahnsinn, das ist nicht durchsetzbar? Stimmt, im Moment NOCH nicht durchsetzbar. Die handelnden Akteure benötigen also noch einige Zeit um richtig „durchzugaren“ oder – noch besser – durch Leute ersetzt zu werden, die die Welt auch ohne vorhergegangenen Leidensdruck mit anderen Augen zu sehen. Wahrscheinlich ist, dass man zur Lösung der Existenzfrage (der EU und seiner Susbsyteme) zunächst einmal weiterhin den linearen Weg wählt und einen der beiden Irrwege einschlägt. Das wird kurzfristig die kybernetischen Korrekturmechanismen derart anheizen, dass man sich in seiner Verzweiflung doch noch entschliesst den Strategiewechsel ad hoch einzuleiten, indem man die scheinbaren „Strohhalme“ aufgreift – und siehe da, es geschieht das, was schon Goethe wusste: „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.” Eine Positivspirale wird eingeleitet. Entscheidendes geschieht auf der immateriellen Ebene: Neues Vertrauen, Hoffnung und Motivation kommen auf; es geht wieder aufwärts. Einzige Vorbedingung: Die Macht darf vorher nicht auf die Strasse fallen – sonst wird uns anderfalls die sich dann bis zum bitteren Ende rasend schnell abspulende Negativspirale ganz schön beschädigen. Mit besten Grüssen aus Estoril Rolf Dahmer
Sehr geehrter Herr Dahmer, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, Sie haben im Januar dieses Jahres am Zentrum Wald-Forst-Holz in Freising einen Vortrag zur aktuellen Klimadiskussion gehalten. Ich habe ein paar Urlaubstage genutzt, um Ihr diesbezügliches Buch in Ruhe zu lesen. Die Urlaubsstunden sind mir durch die Lektüre nicht "versüßt" worden; denn leider finde ich gegen viele Ihrer Thesen und Ausführungen keine guten Gegenargumente. Das ein oder andere am bisherigen Weltbild ist massiv erschüttert worden, und manche Ihrer Aussagen und Argumente muss ich deshalb "leider" übernehmen. Einiges bleibt für mich aber auch offen. Ich greife Ihren Aufruf im Buch, Meinungen und Kommentare abzugeben, deshalb hiermit gerne auf. Kernaussage 1 ist: Ob wir in Deutschland regenerativen Strom erzeugen oder nicht ist hinsichtlich Klimavorsorge völlig belanglos; denn unsere CO2- Einsparungen werden innerhalb Europas gehandelt, das CO2 also andernorts (auf unsere Rechnung) produziert. Hintergrund ist der Zertifikatehandel. Diesem Argument muss man sich wohl beugen. Kernaussage 2: Wann immer wir Öl/Gas/Kohle einsparen: wir senken den Marktpreis, was andere veranlasst, mehr davon zu kaufen und zu verbrennen. Insgesamt spielt der freie Markt in Ihrer Argumentation ja die zentrale Rolle. Nun wurde Ihr Buch vor dem Jahr 2009 geschrieben; und der freie Markt und seine stets optimierende Wirkung haben 2009 ja, um es vorsichtig zu formulieren, vieles von ihrem Nimbus verloren. ich habe also zunächst einmal die Hoffnung, dass die Realität doch etwas anders aussieht als in Ihren Skizzen dargestellt. Ich kann also sagen, dass mich Ihr Buch im besten Sinne des Wortes "nachhaltig" beeindruckt hat. Auch wenn diese "Beeindruckung" stellenweise schmerzlich ist, ich akzeptiere sie, da die Argumentation an vielen Stellen absolut überzeugend dargestellt ist. Dennoch bleibt ein unbefriedigender Beigeschmack! Bei einem Buch wie diesem möchte man als Leser ja auch gerne etwas für die Zukunft mitnehmen. Das, um in Ihrem Duktus zu bleiben "grüne Leitbild": "spare, tue Gutes, und Du bist auf dem richtigen Weg" wird hier ja nun massiv zerstört. Was aber wird als Handlungsoption neu angeboten? 1) einen Ressourcenverbrauchsplan mit ALLEN Ländern der Welt auszuhandeln, und 2) Wälder anzuplanzen. Das zweite finde ich als Vertreter einer Forstorganisation natürlich ausgezeichnet, auch das erste erscheint sinnvoll und unterstützenswert. -Was aber kann das Parlament eines Bundeslandes, ein Gemeinderat, ein Bürger tun? Nimmt man alle im Buch zusammengetragenen Argumente hinsichtlich Klimaschutz zusammen bleibt doch: absolut gar nichts. Ob man Energie einspart oder vergeudet ist völlig unbedeutend. Entweder wird das CO2 von einem selbst produziert, oder es wird eben von einem anderen produziert. Damit kann ich als Bürger, Gemeinderat oder Parlamentarier die Hände in den Schoß legen, voll aufs Gaspedal drücken und sagen: "Die ganz da oben, auf globaler Ebene, die müssen das richten. Ich kann derweil alles verprassen; denn mein Handeln ist unbedeutend". Das ist für mich wirklich ein unbefriedigendes Ende der Story. Wenn es also zu einer Neuauflage oder einer Weiterentwicklung des Buches kommt: hierzu sollte etwas gesagt werden. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Anton Fischer
Sehr geehrter Herr Kollege Fischer, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 13. April 2010. Ich weiß Ihr Lob und Ihr Urteil zu schätzen. Sie bezweifeln, ob freie Märkte ihren Nimbus zu Recht haben. Das bezweifle ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus auch. Aber darum geht es bei meinem CO2-Argument nicht. Auch wenn die Märkte schlecht funktionieren, führt unsere Kaufzurückhaltung bei fossilen Brennstoffen zur Sen-kung der Weltmarktpreise, was den Konsum andernorts ankurbelt. Das ist ein robustes, fast trivia-les Ergebnis. Ich sage ja noch mehr: Die intertemporal optimierenden Ressourcenanbieter werden ihre Extrakti-on in der Gegenwart und näheren Zukunft erhöhen, wenn wir für die fernere Zukunft grüne Politik ankündigen und den Anbietern den Wertzuwachs auf die Lagerstätten kaputt machen. Eine grüne Politik, die immer grüner wird, führt dazu, dass die Weltmarktpreise der fossilen Brennstoffe in der näheren Zukunft noch stärker fallen, als wenn der Zeitpfad des Angebots nicht auf diese Poli-tik reagieren würde. Die Chinesen kaufen nicht nur den Kohlenstoff, den wir freigeben, sondern zusätzlich die Mengen, die die Ressourcenanbieter aus Angst vor der Marktzerstörung durch grüne Politik zusätzlich verkaufen. Das ist das grüne Paradoxon. Was den unbefriedigenden Beigeschmack des nihilistischen Ergebnisses betrifft, bin ich bei Ihnen. Ich empfinde es auch als frustrierend, dass wir im Kleinen nichts beitragen können. Aber was soll ich machen, wenn es so ist? Ich verfolge mit meiner Argumentation keine Absicht, sondern lasse mich nur durch die Logik der Gedanken leiten. Dennoch würde ich die Hände nicht in den Schoß legen, sondern die Bürger auffordern, sich dafür einzusetzen, dass die Bundesregierung auf der Ebene der internationalen Abkommen eine Füh-rungsrolle übernimmt. Nicht durch ein Voranpreschen bei der Verbrauchsminderung, das brächte gar nichts, sondern durch die Organisation einer Koalition, die China und Amerika so unter Druck setzt, dass diese Länder ein Kyoto-Nachfolgeabkommen unterschreiben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, wäre denn der Austritt Deutschlands aus der EURO- Zone eine Alternative? Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, in der Tat ist das eine theoretische Möglichkeit. Aber das Land, das autritt, handelt sich eine Menge technischer Probleme ein, so dass es besser ist, wenn Griechenland austritt. Man kann Griechenland helfen, diese Probleme zu lösen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, der Volkswirt Heiner Flassbeck vertritt die Meinung, dass zu niedrige Lohnkosten in Deutschland mitverantwortlich für die griechische Misere sind. Sie hingegen vertreten die Meinung, dass die Löhne gerade im Niedriglohnsektor immer noch zu hoch sind und sich dadurch zu wenig Investitionsprojete in Deutschland lohnen, was bewirkt, dass das Kapital ins Ausland abfließt, wodurch sich die großen Differenzen in den Handelsbilanzen begründen. Das Argument von Flassbeck halte ich für abwegig, impliziert es doch den Vorwurf an deutsche Firmen, dass diese ihre Produkte zu günstig anbieten und deshalb zu konkurenzfähig sind. Ihre Argumentation empfinde ich als schlüssig. Allerdings sehe ich einen Widerspruch ihrer Position im Kontext mit den bilateralen Hilfen, welche die Überschußländer im Notfall gewähren sollen. Meiner Meinung nach beflügeln die bilateralen Hilfszusagen den deutschen Kapitalexport, wärend das Kapital durch einen gut ausgebauten Niedriglohnsektor ja eigentlich im Land gehalten werden soll. Mit freundlichem Gruß Noel König
Lieber Herr König, bilaterale Hilfszusagen sind Kapitalexport, wenn Kredite gegeben werden, und Transfers, wenn das Geld geschenkt wird. Sie erhalten den deutschen Überschuss und das griechische Defizit in den Leistungsbilanzen. Ich stimme zu, dass das keine guten Lösungen sind, weil sie darauf hinauslaufen, dass wir unsere Exporte verschenken. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, ich las kürzlich auf Ihrere Homepage die Erklärungen zum Stichwort "Staatsbankrott". Worüber ich mich nun etwas wundere ist, warum der Staat denn überhaupt etwas gegen übermäßige Staatsverschuldung tun sollte? In dem Video "Welche Folgen hat ein Staatsbankrott" erklärt Herr Sinn, dass die Folge einfach ist, dass die Gläubiger eben Pech haben und ihr Geld nicht mehr vollständig zurückbekommen. Was ist daran denn so schlimm, volkswirtschaftlich gesehen? Oder gibt es andere Gründe, warum Staatsschulden ein Problem sein könnten? MfG, Daniel Lechmann
Sehr geehrter Herr Lechmann, was ist schlimm am Staatsbankrott? Allerlei. In der Erwartung des Bankrotts kann sich der Staat nicht mehr finanzieren und die öffentliche Versorgung bricht zusammen. Der Kapitalmarkt wird geschädigt, weil auch die Garantien des Staates für das Bankensystem, ob privat oder staatlich, wertlos werden. Der Zahlungsverkehr bricht zusammen. Das Ergebnis ist Chaos und Revolte auf den Straßen. Ein geordnetes Wirtschaften ist nicht mehr möglich. Das Land verliert an Wohlstand und versinkt im Chaos. Danach mag es sich wieder fangen, doch ist der Bazillus des Staatsbankrotts virulent, wenn der Bankrott einmal stattgefunden hat. Dauerhaft werden höhere Risikoprämien im Zins verlangt, die zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums führen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, durch eine Internetrecherche nach Beiträgen ihrerseits zu Politik und Wirtschaft bin ich auf ihr Interview mit der Süddeutschen Zeitung gestoßen, dass man sich zu Teilen auch per Video anschauen kann (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/517/422278/text/). Zuerst wollte ich mich für ihre Arbeit als Ökonom und Autor bedanken; Mein Interesse an politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten des Lebens ist durch ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten“ geweckt worden. Geprägt durch die Ausführungen in ihrem Buch und der Überzeugung, dass diese richtig sind, habe ich eine liberale Haltung eingenommen und bereits zu meiner Schulzeit immer wieder heftig dafür argumentiert und diskutiert. Seitdem bin ich meinem Interesse treu geblieben und studiere nun im zweiten Semester Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Bei dem Interview sind mir zwei Aspekte aufgefallen, die mich seitdem sehr beschäftigt haben. Die Frage, ob Managergehälter gerecht seien, verneinen Sie klar. Kurz darauf erläutern Sie, dass man diese unverhältnismäßige Lohnspreizung aber nicht ändern könne und man sich daher mit ihr abfinden sollte. Ich muss ihnen in diesem Punkt widersprechen, da ich der festen Überzeugung bin, dass beides möglich ist. Im Zuge dieser Finanzkrise, bei der diese Managergehaltsdiskussion durch (ungerechtfertigte?) Abfindungen von Managern in Millionenhöhe, unter deren Leitung riskante Geschäfte abgewickelt worden sind, die letztendlich zu Abschreibungen, Schließungen und Vermögensverlusten von einfachen Bürgern geführt hat, ist die Diskussion entbrannt, wie man Gehaltsanreize schaffen kann, die sich am langfristigen Erfolg des Unternehmens messen und wie Manager mehr Verantwortung für ihre Firma, im Sinne von Eigenhaftung, übernehmen sollten. Dabei vertrete ich keinesfalls die Meinung, dass alle Manager raffgierige Menschen sind und nie an das Unternehmen denken und daher enteignet werden sollten zum Wohle des Unternehmens. Ich kenne Beispiele von Schweizer Banken, bei denen Manager auf ihr rechtmäßiges Gehalt verzichtet haben um ihrer Bank zu helfen. Ebenfalls habe ich ihre Meinung unterstützt, dass die Grenze von Managergehältern auf 500000€ bei Inanspruchnahme des Stabilisierungsfonds, zu Fehlanreizen, durch Rückschraubung des Geschäftes und verspäteter Inanspruchnahme, und dadurch zu einer viel größeren Katastrophe für Deutschland werden könnte. Bislang scheint sich diese Prognose allerdings als falsch darzustellen, da schon einige private Unternehmen den Sonderfond in Anspruch genommen haben. Meine Verwunderung über ihre Aussage war vielmehr, dass Sie einen Fehler erkennen, aber meinen, nichts daran ändern zu können bzw. zu müssen. Generell müssen Regulierungen das Ergebnis nicht verschlechtern, sie können sie auch verbessern, wie viele Beispiele zeigen: Verbot von Monopolen, da diese ineffizienter arbeiten, Regulierung von Energie und auch Sie haben, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahr 2001 für schärfere Kontrollen des Finanzsystems plädiert. Warum sind Sie dann der Meinung, dass eine Regulierung bei Managergehältern nicht möglich sei und automatisch zu einer Verschlechterung des Gemeinwohls führen würde. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass genau die Forderungen, die verschiedene Wissenschaftler und Politiker an die Gehaltsstrukturen stellen richtig sind; der Bonus soll durch langfristigen Erfolg gedeckt werden und bei Krisen oder fatalen Fehlern, die auch zur Schließung von Unternehmen führen, müssen Manager zu Teilen haftbar gemacht werden. Wieso stellen Sie sich diesen Forderungen entgegen? Ist es nicht berechtigt, diese Maßnahmen der Haftung und der Vorsorge, gegen zu riskante Geschäfte, bei deren Misslingen der Bürger verliert, mit zu den Aufgaben eines Managers zu stellen, der über das 50-fache der Bundeskanzlerin verdient? Würde ein solches Vorgehen, bei dem junge, engagierte, höchstmotivierte Menschen dieses Risiko eingehen und diejenigen, denen das Risiko zu hoch ist und dann ins Ausland abwandern, wie Sie es im weiteren Verlauf des Interviews prognostiziert haben, nicht zu mehr Wettbewerb um die Posten führen? Ich glaube, dass es ein großes Potential an Menschen gibt, die in der Lage sind, mindestens genauso gut die größten Firmen Deutschlands zu leiten, aber dabei die geforderten Auflagen oder auch eine Verringerung des Gehalts in Kauf nehmen. Weshalb ich ursprünglich dieses Schreiben anfangen wollte, war ein anderer Grund, der aber auch durch das oben genannte Interview entstand. Davor möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie meine höchste Achtung haben und ich Sie für einen sehr intelligenten Mann halte, von dem ich sehr überzeugt war, dass er wichtige und richtige Hypothesen aufstellt. Allerdings beginnen Sie beim Interview ein Argument mit den Worten: „Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“, was ich durchaus unterstütze, und kommentieren dann kurz einen Vergleich der beiden deutschen Wirtschaftssysteme. Sie sagen dann, dass die Neidpräferenz in der ehemaligen DDR so weit ging, dass sich die Menschen darüber aufregten, dass Honecker ein Kühlschrank hatte und dieses ausgeprägte Neid dazu führt, „dass keiner einen Kühlschrank hatte oder nur sehr wenige“. Diese Aussage ist definitiv falsch und zeugt von einem völlig falschen Bild der DDR. Es ist sehr drastisch formuliert und ich kann mir vorstellen, dass Sie es für anmaßend halten, dass ich als Student des zweiten Semesters, ihnen als Professor etwas so direkt schreibe. Jedoch muss ich zugeben, dass mich ihre Äußerung zutiefst enttäuscht hat, da ich Sie für einen wohlüberlegten Menschen hielt, der seine Meinung fundiert vertritt. Meine Großeltern haben in der DDR gelebt und meine Eltern sind dort groß geworden. Obwohl wir alle, damit schließe ich mich definitiv ein, keine Befürworter des Kommunismus oder der DDR waren, sind wir doch bestrebt, falsche Behauptungen über das dortige Leben richtig zu stellen. Ich finde es paradox, dass Sie für einen Vergleich von Managern und Juden, was meines Erachtens von den Medien total lächerlich aufgezogen wurde und überhaupt nicht der Punkt ihrer Aussage verstanden worden ist, öffentlich so angegriffen wurden, sodass Sie sich entschuldigen mussten, eine Aussage aber, die sich auf keine historischen Daten stützt, ein falsches Bild der ostdeutschen Geschichte zeigt und dem Klischee des desinteressierten Westdeutschen genügt, von den Medien nicht beachtet wird, obwohl es dort ihre Berechtigung hätte. Ich würde Sie Bitten, auch in Ihrem Interesse, in der Öffentlichkeit ein solches Beispiel nicht mehr anzuführen, da es Ihre Glaubhaft in anderen Dingen sehr in Frage stellt. Falls Sie jedoch ein anderes – ich nenne es mal polemisches – Beispiel zur Unterstützung Ihres Unmutes über das kommunistische System suchen, kann ich Ihnen mit gutem Gewissen die Waschmaschine empfehlen. Diese hatten in der Tat nicht alle Bürger. Ich glaube allerdings nicht, dass es Ihrer Umgangsweise und Erfahrung als Ökonom und Wissenschaftler entspricht, polemisch zu argumentieren, bin mir dennoch über die Schlagkräftigkeit und Medienwirksamkeit solcher Argumente bewusst. Allerdings bin ich mir sicher, dass Sie ihre Position auch ohne so was vertreten können und den Menschen bewusst machen, warum wir die soziale Marktwirtschaft brauchen und weshalb ein kommunistisch/sozialistisch geprägtes System die falsche bzw. keine Alternative ist. Mit freundlichen Grüßen, Alexander Scheer
Sehr geehrter Herr Scheer, haben Sie vielen Dank für Ihren langen Brief, auf den ich nur kurz antworten kann. Ich bin gegen einen Eingriff des Staates in die Entlohnungsstrukturen, weil Löhne Preise sind, die eine Allokationsfunktion ausüben. Das gilt auch für Manager-Gehälter. Wenn die Gehälter gedeckelt werden, wird der Wettbewerb der Unternehmen um die Manager ausgeschaltet. Dann geht nicht mehr der cleverste Manager zum größten Unternehmen, wo er durch weise Entscheidungen den größten Schaden verhindern kann. Die Schäden für die Gesellschaft wären ein Vielfaches dessen, was bei den Gehältern eingespart wird. Bestimmte Dinge, die einen ärgern, kann man nicht ändern. Staatliche Interventionen, die externe Effekte internalisieren, kann man in der Regel jedoch realisieren. Ihrer Behauptung, dass es genügend clevere Manager gibt, kann ich nur heftig widersprechen. Das Wissen der jeweiligen Manager ist sehr speziell. Es reicht nicht, intelligent und gut ausgebildet zu sein. Man muss zudem in einem möglichst ähnlichen Marktumfeld reichlich Erfahrung haben. Die Vorstellung, dass die Manager sich selbst bedienen, kann ich im Großen und Ganzen nicht teilen, weil die Manager ja von den Unternehmen angeheuert werden, und dann werden die Gehälter schon vereinbart. Wenn ein Manager erst einmal im Job ist, hat er nur noch wenig Verhandlungsmacht. Im Übrigen ist dies wirklich ein Nebenkriegsschauplatz, der nur von der öffentlichen Neiddiskussion aufgeblasen wurde. Dass sich ostdeutsche Neidgefühle eher auf Waschmaschinen als auf Kühlschränke konzentrieren, weil die knapp waren, akzeptiere ich mit Interesse. Meine flapsige Bemerkung in dieser Hinsicht sollten Sie nicht auf die Goldwaage legen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, wenn ich Ihre Vita lese gehe ich im Normalfall davon aus das Sie hochgebildet sind. Umsomehr verwundert mich, als Nichtakademiker, dass Sie immernoch in das Horn der Klientel der FDP und teilweise CDU stossen indem Sie sich, und nun kommts, wider besseren Wissens, gegen den Mindestlohn aussprechen. Frei nach Herrn Volker Pispers: Wer gegen den Mindestlohn ist, ist ein A...l.... und wer behauptet Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze ist erschwerend ein dummes A...l.....! Herr Sinn: Auch Ihnen wird nicht entgangen sein, dass in fast allen europäischen Ländern Mindestlöhne gezahlt werden und nicht Ihre Horrorvorstellung von dann eintretender Areitslosigkeit stattgefunden hat. In Deutschland soll nach meiner Auffassung von Gerechtigkeit jeder Arbeitnehmer/in, der/die 40 Wochenstunden arbeitet, auch so bezahlt werden, dass er/sie ohne Unterstützung vom Staat (Aufstocker) leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Alles andere ist unsozial undSchürt auf Dauer Unfrieden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr S., ich blase nicht in das Horn der FDP und CDU. Es ist, mit Verlaub, umgekehrt. Zum Mindestlohn habe ich das ifo Institut schon lange positioniert, bevor er ein öffentliches Thema wurde. Das ifo hat ja im Jahr 2002 die Alternative des aktivierenden Sozialstaates zur Entwicklung eines Niedriglohnsektors in einem Gutachtentext entwickelt, der zur Basis der Hartz-Reformen und der Vorschläge verschiedener Sachverständigengremien wurde. Das war die Alternative zum Mindestlohn. Die Erfahrungen anderer Länder mit dem Mindestlohn sind eher schlecht. Die französische Jugendarbeitslosigkeit hat damit viel zu tun. Das Problem ist: Zwar ist es ein akzeptabler Wunsch, dass jeder von seiner Hände Arbeit leben kann, doch die Wirklichkeit ist, dass es nicht genug gute Stellen gibt, um diesen Wunsch ohne Beschäftigungszwang der Arbeitgeber zu realisieren (und ein Beschäftigungszwang wie etwa bei Behinderten würde die Grundregeln des marktwirtschaftlichen Systems unterminieren und auch entwürdigend wirken). Unsere Devise ist: "Wer arbeiten will, muss arbeiten können und dann genug zum Leben haben." Dieses Ziel kann mit einem Mindestlohn nicht erreicht werden. Nach jüngsten Schätzungen von Schöb und Knabe (finden Sie auf unserer Homepage) würde ein Mindestlohn von 8,25 Euro 1,25 Millionen Stellen in Deutchland vernichten. Man kann es nur durch eine Politik der Lohnzuschüsse erreichen, weil man dann Menschen ein hinreichendes Einkommen sichern kann, ohne sie zugleich so zu verteuern, dass sie keine Stelle mehr finden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des vorangegangenen Beitrag zur Aktivierenden Sozialhilfe/Mindestlohn) Sehr geehrter Herr Sinn, ich zitiere aus der Antwort: " Man kann es nur durch eine Politik der Lohnzuschüsse erreichen, weil man dann Menschen ein hinreichendes Einkommen sichern kann, ohne sie zugleich so zu verteuern, dass sie keine Stelle mehr finden." Und genau da sehe ich die Gefahr. Ich kenne mittlerweile Beispiele von Unternehmen, die genau diese Subvention als Geschäftsmodel haben. Ganz einfach ausgedrückt. Die Unternehmen kalkulieren Ihren Gewinn durch den Zuschuss zum Lohn vom Staat. Da frage ich mich, und ich betone nochmal, ich bin nicht akademisch vorgebildet sondern besitze lediglich ein halbwegs gutes Allgemeinwissen, geht's eigentlich noch? Diese Unternehmen machen ihren Profit nur deswegen, weil sie mit den Aufstockern rechnen. Beispiel Springer mit Pin. Das Unternehmenskonzept brach sofort zusammen als es entsprechende Tarifverträge im Postdienstleistungsgewerbe gab. Ich habe vor einiger Zeit in einer Fernsehdiskussion einen Unternehmensvertreter sagen hören, sinngemäß, ja leider erwirtschaften solche Mitarbeiter keinen ausreichenden Lohn um davon leben zu können, deswegen muss der Staat einspringen. Das neue Geschäftsmodel heißt: Zahle deinen Mitarbeitern so wenig wie möglich, den der Staat wird den Rest zahlen damit der MA davon leben kann. Und das sagen einige Unternehmen mittlerweile ganz offen. Sorry, ich habe da eine andere Auffassung. Was würde eigentlich passieren, wenn niemand die Arbeit für das bisschen Geld macht? Würde dann z.B. einfach nicht mehr geputzt, putzen dann z.B. die Vorstände selbst, wird dann plötzlich mehr gezahlt weil es plötzlich doch wirtschaftlich ist? Ich weiß, so viele Fragen und so wenig Antworten.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig Recht: Die Lohnbezuschussung über Hartz IV bedeutet, dass Geschäftsmodelle entstehen, die ohne diese Bezuschussung nicht existieren würden. Das sagt mit anderen Worten dasselbe wie das, was ich gesagt habe. Wir brauchen solche Geschäftsmodelle, damit wir allmählich wieder zur Vollbeschäftigung zurückkehren können. Will man darauf verzichten, dann bleibt die Arbeitslosigkeit unverändert hoch. Wenn Unternehmen zugeben, dass sie darauf spekulieren, dass der Staat einen Teil der Lohnrechnung übernimmt, so ist das nicht verwerflich, sondern ehrlich und ökonomisch genau richtig. Genau darum geht es. Hartz-IV ist ein Lohnzuschussystem, das niedrigere Löhne ohne Einkommensverluste ermöglicht und so die Zahl der Stellen, die von den Unternehmen rentabel zu bewirtschaften sind, erhöht. Genau das ist der Weg, mit dem der Niedriglohnsektor aufgebaut werden sollte und wurde. Sie verweisen auf das Putzen. Ja, in der Tat, es würde weniger geputzt, und es wird ja noch immer zu wenig geputzt, trotz Hartz IV. Schauen Sie sich mal in manchen Großstädten um. Aber nicht das Putzen und ähnliche Dienstleistungen sind das Hauptproblem, sondern die vielen einfachen Arbeitsstellen im verarbeitenden Gewerbe und im Bau, die durch Kapitalexport nach Osteuropa und Asien verlagert werden. Deutschland hatte in den Jahren vor der Krise die niedrigste Nettoinvestitionquote aller OECD-Länder. Im Jahr 2008 wurden von der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis in Höhe von 280 Milliarden Euro nur 117 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Der Rest des Geldes wanderte ins Ausland. Bezuschusste Geschäftsmodelle in Deutschland verhindern das. Eine Mindestlohnstrategie verhindert hingegen diese Geschäftsmodelle, erzeugt Arbeitslosigkeit und zwingt den Staat, Arbeitslosigkeit zu finanzieren, was sehr viel teurer ist und Menschen aus dem Sozialverbund der Arbeitswelt ausgrenzt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Vergnügen und großem Interesse verfolge ich Ihre Konjunkturberichte und Kommentare zur wirtschaftlichen Entwicklung. Leider sind Wissenschaftler rar geworden, die es verstehen, komplexe Zusammenhänge einfach und klar darzustellen und ordnungspolitische Empfehlungen unabhängig von ideologischen Einflüssen und tagespolitischen Opportunitäten auszusprechen. So habe ich auch Ihre Kommentare zur Griechenlad-Krise aufmerksam gelesen und möchte gerne Ihrer Argumentation folgen, dass ein vorübergehender Austritt der Griechen aus der Eurozone für alle Beteiligten der beste Weg wäre. Hierzu habe ich jedoch nur eine Anmerkung und viele Fragen: Wäre es nicht ein Gebot der Fairness, den Griechen gleichzeitig zu sagen, dass Sie bei einem Wiedereintritt für jede Drachme, die sie heute mit einem Euro bezahlen, wahrscheinlich nur noch 30 oder 50 Cents erhalten? Sie sprechen selbst von der Notwendigkeit einer drastischen Abwertung! Wer kann verhindern, dass Griechen schon heute Euroscheine mit dem X vor der Nummer horten um Ihre Ersparnisse zu schützen? Wie soll überhaupt ein derartiger Umtausch bei offenen Grenzen vonstatten gehen? Wer würde unter diesen Umständen einen Umtauschkurs von 1:1 akzeptieren? Gilt unter diesen Umständen noch die Regel, dass das schlechte Geld das gute Geld verdrängt? Zumindest für mich bleiben da noch viele Fragen offen! Freundlich grüßt Sie Dr. Thomas Wagner
Sehr geehrter Herr Dr. Wagner, der Umtausch müsste so geschehen, dass alle Konten in Griechenland über das Wochenende in Drachmen gewechselt werden und die Drachme zugleich abgewertet wird. Außerdem muss der Staat Griechenland ein Schuldenmoratorium erklären, wonach er die auf Euro lautenden Staatsschulden im gleichen Umfang abwertet. Da er ein souveräner Schuldner ist, darf er das. Die Leute werden im Vorfeld reagieren, indem sie ihr Geld von den Konten abheben und bunkern. Das tun sie in der Tat heute schon. Am besten wäre es gewesen, man hätte die Abwertung schon vor einem Monat überraschend gemacht. Aber auch der Bank Run, der jetzt stattfindet, könnte den Staat zum Schluss dazu zwingen, weil er die Bankenkrise sonst nicht mehr lösen kann. Warten wir ab, was geschieht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wegen der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011 werden wahrscheinlich weitere tarifliche Mindestlöhne (mehr oder weniger flächendeckend?) vereinbart werden, die auf Antrag des Tarifvertragsparteien nach Arbeitnehmerentsendegesetz zugleich für die jeweilige Branche von dem/der Bundesminister/in für Arbeit und Soziales als verbindlich erklärt werden (können). Erlauben Sie dazu die folgenden Fragen: 1. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? 2. Halten Sie damit die Diskussion zu den gesetzlichen Mindestlöhnen für obsolet? 3. Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die Arbeitslosigkeit? Danke für die Antwort und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, Sie sehen das wohl realistisch. Sie kennen meine normative Position. Hände weg von den Mindestlöhnen, weil sie Jobs kosten. Nach einer neueren Studie von Schöb und Knabe würde ein Mindestlohn von 8,50 Euro 1 1/4 Millionen Stellen kosten, die zusätzliche Immigration und die dadurch verursachte Verdrängung noch nicht gerechnet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn es nach Angela Merkel geht sind die Weichenstellugnen zur Rettung Griechenlands auf den Weg gebracht. Der IWF soll eigeschaltet werden, ferner sollen bilaterale Kredite aushelfen, welche dem Vertrag von Lissabon offenbar nicht widersprechen. Aus meiner Sicht wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen, den ich als Einstieg in eine Transferungion bezeichnen möchte. Die Griechen werden ihre Kredite nie und nimmer zurückzahlen können, es sei denn, sie würden Überschüsse in ihrer Handelsbilanz ausweisen, was ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, wenn die Griechen in der Eurozone verbleiben. Ich teile daher ihre Schlußfolgerung voll und ganz, dass die Griechen die Eurozone verlassen sollten. Nur so kann die Währung abgewertet werden, was die Handelsbilanz der Griechen in die richtige Richtung lenken würde. Der Weg in die Transferunion bedeutet auch, dass der Steuerzahler die Renditen der griechischen Staatspapiere subventioniert. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, vielen Dank für diese Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ersteinmal danke für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Publikationen, Sie brinegn "Licht ins Dunkle". Im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise greifen die großen Zentralbanken der Welt zu Maßnahmen des "quatitative easing". Die FED hat MBS-Papiere im "Buchwert" von 1300 Mill. USD von den Banken gekauft. Sie schätzen den fairen Wert der Papiere jedoch auf nur 30-40% des ursprünglichen Buchwertes. Die FED plant dieser Papiere zu einem spätern Zeitpunkt zu veräußern, wenn Sie richtig liegen wird die FED damit eine Verlust in Höhe von ca. 850 Mill. USD machen, den der US-Steuerzahler tragen muss. Sehe ich das richtig? Wenn ja, welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die USA? Die 850 Mill. USD sind im Umlauf, jedoch stehen dahinter keine echten Güter/Immobilienwerte, muss dies nicht langfristig in hoher Inflation enden? Wodurch könnte jetzt die Geldumlaufgeschwindigkeit steigen? Mit freundlichen Grüßen, Luis Bötticher
Sehr geehrter Herr Bötticher, wenn Ihre Zahlen über das, was die FED gekauft hat, stimmen, stimmt auch Ihre Konsequenz, es sei denn, es gibt doch noch ein Wunder bei den toxischen Papieren. Sind Sie aber sicher, dass die FED die Papiere gekauft und nicht nur in Zahlung genommen hat? In Europa nimmt die EZB private Wertpapiere nur in Zahlung und behält in vollem Umfang ihre Ansprüche gegen die Banken. Nur, wenn die Banken pleite gehen, kriegt sie ihr Geld nicht wieder. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe Ihnen, weil ich erleichtert bin, dass Sie bezüglich der griechischen Katastrophe ein klares Handeln empfehlen. Gleichzeitig möchte ich zum Ausdruck bringen, dass es ein Glück für Deutschland ist und dass es Mut macht, zu wissen, dass es Menschen wie Sie gibt. Ich hoffe, dass Sie bei den Regierenden Gehör finden und dass Sie die Kraft und das Durchsetzungsvermögen haben, sich dieses zu verschaffen. Seit der deutschen Wiedervereinigung fahren wir in regelmäßigen Abständen von zwei Jahren für 2 Monate nach Griechenland. In dem ersten Jahrzehnt hatte man den Eindruck, dass der Lebensstandard nicht sonderlich hoch ist. Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich aber scheinbar eine wundersame Entwicklung vollzogen. Staunend fragt man sich, wie das möglich war, obwohl es in Griechenland kaum einen Zuwachs an Industrie gegeben hat. Und der Tourismus ist auch nicht derart angestiegen! Wenn man durch die Orte streift, dann hat man den Eindruck, dass fast alle Griechen Urlaub machen. Und neben dem ‚urlaubmachen‘ und den vielen Luxusautos entdeckt man immer häufiger den griechisch sprechenden ‚Pascha‘, unförmig dick, mit einer Stimme, die seiner Bedeutung gerecht wird. Diese Pascha hat es geschafft und muss nicht mehr selbst arbeiten – er beschäftigt Albaner, Rumänen, Bulgaren, usw.. Vor der Wahl Anfang Oktober 2009 ließ die FAZ einen griechischen Politiker zu Wort kommen. Sinngemäß sagte er: „Wir wissen, dass wir auf eine große Krise zusteuern, aber wir sind nicht mehr in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Wir sind zu fett und zu faul“. Bleibt die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung. Sind die Griechen allein an diesem dekadenten Verfall schuld? Meine Meinung ist nein. Dem kleinen Griechenland mit nicht einmal 12 Millionen Einwohnern wird von der EU Jahr für Jahr die größte Fördersumme aller EU-Länder – rund 550 € pro Person und Jahr - zugeschoben. Und dieses Geld fließt, wahrscheinlich ohne Kontrolle, in die Taschen von griechischen Beamten, die den Wert des Geldes zu schätzen wissen. Diese reichen dann einen Teil davon an Günstlinge weiter, um sich des Wohlwollens zu erfreuen und um ihre Positionen zu sichern. Und in diesem EU-Sumpf versenkt Deutschland jährlich 12.500.000.000 € ! Deutschland hat bisher genug geholfen, ganz besonders den Griechen. Die Griechen haben diese Hilfe missbraucht. Die Griechen müssen wieder zu sich selbst finden. Das schlimmste wäre, wenn sich Deutschland auf irgendeine Art und Weise erpressen ließe. Der Prozess wird sehr lange dauern. Und für diese Zeit muss man Griechenland aus der €-Zone ausschließen. Die Griechen wollen und werden sich nicht umstellen. Sie vertrauen darauf, dass ihnen weitere Tricks einfallen und dass letztendlich die Europäer, entsprechende Stimmen sind schon zu hören, umfallen und weiterhin ihr Füllhorn in das Fass ohne Boden ausgießen. Es besteht auch die Gefahr, dass es in Griechenland große Unruhen, wenn nicht sogar Bürgerkrieg gibt. Die Sanierungsmaßnahmen in Griechenland werden nicht denen aufgebürdet, die bisher Nutznießer waren, sondern hauptsächlich der großen Masse, die nur wenig oder gar nichts von dem EU-Segen abbekommen hat. Europa ist sicher gut beraten, wenn es sich bei diesem Klärungsprozess diskret zurückhält. Wenn ich als CDU-Mitglied zu den CDU-Mitgliedern der Regierung mehr Vertrauen hätte, dann wäre dieser Brief an diese gegangen. Ich wünsche Ihnen allen Erfolg. Mit freundlichen Grüßen W. John
Sehr geehrter Herr John, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Sie gesehen bei Hart aber Fair. Mir ist nicht deutlich, wie Ihr Vorschlag der Erhöhung des Anreizes zu arbeiten durch Erhöhung der Freibeträge umzusetzen wäre. Ich habe nicht Wirtschaft, sondern Philosophie studiert und arbeite seit 2006 als Arbeitsvermittler in div. Jobcentern Berlins. Meiner Auffassung nach ist es rein inhaltslogisch nicht möglich, den Anreiz durch eine Erhöhung des Freibetrages zu erhöhen. Sie müssten schon die Regelleistung absenken, wie Herr Franz das in die Runde geworfen hat, oder sie begrenzen die Bezugsdauer von ALGII. Wenn aber diese Stellgrößen unverändert bleiben, werden die Leute sich an den höheren Freibetrag anpassen. Wie heißt es hier regelmäßihg so schön: "Herr Goldmann, ich darf ja nur 100 Euro im Monat dazuverdienen". Vielleicht können Sie bei einem Ihrer nächsten Auftritte im Fernsehen konkreter mitteilen, wie Sie sich die Umsetzung vorstellen. Mit freundlichem Gruß G.
Sehr geehrter Herr G., wir schlagen eine Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze von 100 auf 500 Euro vor sowie eine Absenkung der Transferentzugsrate von jetzt 80%-100% auf durchgängig 70%. Auch eine Senkung auf 50% ist debattierbar. Wenn man die Hälfte des hinzu verdienten Einkommens behalten kann, dann wird die Arbeit gegenüber der Nichtarbeit attraktiver, und wenn man bis 500 Euro den Hinzuverdienst voll behalten kann, wird auf jeden Fall die Bereitschaft gestärkt, bis dahin mehr zu arbeiten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Hat die Elite in unserem Land keine Ideen und Träume mehr. Wir diskutieren seit sieben Jahren über Hartz IV. Es scheint mir aber, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch mindestens ein Drittel Sklaven brauchen. Wir können uns immer noch nicht von der Sklaverei befreien und uns anzumaßen Menschen zu bevormunden und zu bestimmen. Wir sollten keine weitere Zeit verlieren und uns vom jetzigen Sozialsystem so schnell wie möglich verabschieden. Wir sollten auch unsere Gesellschaft nicht weiterhin gegeneinander ausspielen. Jung gegen Alt, Arbeitende gegen Arbeitslose, die Jugend gegen die Rentner usw.. Wir sollten so schnell wie möglich uns auf den Weg machen, ein neues Sozial- und Wirtschaftssystem zu denken. Vorschläge von Universitäten und Professoren gibt es genug. Um einen nur zu nennen, wäre Prof. Götz Werner, Inhaber des DM-Drogeriemarktes. Er schlägt ein bedingungsloses Grundeinkommen in Verbindung mit einer Steuerreform vor. Uns geistig in dieser Richtung zu bewegen, würde viel mehr Sinn machen, als weiterhin über alle Sozialleistungen zu diskutieren und Menschen weiterhin unter Druck zu setzen. Ich würde mich schämen, weiterhin ins Fernsehen zu gehen und über das abgelaufene Sozialsystem zu dikutieren. Mit freundlichen Grüssen Manfred Rubba
Sehr geehrter Herr Rubba, das bedingungslose Grundeinkommen ist leider nicht finanzierbar. Bei den angestrebten 800 Euro für Kind und Kegel kämen 800 Milliarden Euro heraus. Der Mehrwertsteuersatz zur Finanzierung müsste auf über 100% steigen. Das alles ist reichlich utopisch. Verantwortungsvolle Politik bleibt im realistischen Rahmen. ifo schlägt eine Erhöhung des Freibetrags bis zum Beginn des Transferentzugs von 100 auf 500 Euro vor und will den Transferentzug von derzeit 80-90% auf 70% senken. Das ist finanzierbar, bzw. kostet nichts, weil Hartz-IV zugleich zu einem Lohn für kommunale Arbeit wird. Genaueres finden Sie, wenn es Sie interessiert, auf unserer Homepage (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sehe ich es richtig, dass ein Land seine ausländischen Staatschulden nur dann tilgen kann, wenn es einen Handelsbilanzüberschuß erwirtschaftet? Um wie viel sich die Staatsschuld dann aber wirklich reduziert, hängt davon ab, wie hoch der Anteil des Überschusses ist, welcher für die Tilgung verwendet wird. Das bedeutet, Griechenland müßte in der Tat seine Währung abwerten, was schwerlich gelingen kann, wenn es den Euro beibehält. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, man kann den Außenhandelsüberschuss verwenden, um dem Ausland Geschenke zu machen, dort Vermögen kaufen oder seine Schulden zu tilgen. Da Griechenland keine Geschenke macht, sondern solche von der EU erhält, stünde mehr als der Überschuss im Außenhandel für die Tilgung zur Verfügung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, sie behaupten Griechenland habe beim Beitritt zur Euro-Zone gemogelt. Darf ich ihren Horizont etwas erweitern? Am 3. Mai 1998 wurde Griechenland der Beitritt zur dritten Stufe WWU verwehrt, da es keines der aufgestellten Konvergenzkriterien erfüllte. Am 19.6.2000 wurde festgestellt, daß Griechenland nunmehr alle Kriterien erfüllt und trat folglich der Euro-Zone am 1.1.2001 bei. Trotz eifriger Suche habe ich weder von ihnen noch aus ihrem Institut Beiträge gefunden, die die Maßnahmen in Griechenland erläutern, die zu diesem erstaunlichen Ergebnis führen. Die den europäischen Behörden wie EUROSTAT gemeldeten Zahlen beinhalten überhöhte Erträge aus Sozialkassen und im wesentlichen nicht dargestellte Militärausgaben. Hintergrund ist die Vertuschung des Ägeiskonflikts um den wahrscheinlich ölreichen Festlandsockel, in dem sich zwei höchstgerüstete Nato-Partner gegenüberstehen. So besitzt Griechenland im Verhältnis zur Bundeswehr die doppelte Anzahl an LeoII-Panzern. Die Lösung liegt nicht in in den von ihnen beschriebenenen Tragödien, sondern in der Lösung der schwelenden militärischen Konflikte in Europa und daraus folgenden Hochrüstung. Wie wenig Deutschland tatsächlich zu einer Lösung beiträgt, erkennen sie auch daran, daß Außenminister Westerwelle bei seinem Antrittsbesuch in Athen unmißverständlich gefordert hat, Griechenland solle nun Eurofighter im Umfang von drei Milliarden kaufen. Der von mir dargestellte Sachverhalt für den relevanten Zeitraum ab 1997 ist für jeden mittelmäßig begabten Ökonomen leicht nachvollziehbar. Die Militärausgaben fehlen in den Eurostat-Meldungen, in den Veröffentlichungen der griechischen Nationalbank sind sie enthalten. Übrigens die nähere Beschäftigung mit Griechenand seitens Eurostat scheiterte 2003/2004 am Veto Deutschlands. Ihre Meinung zu Griechenlandland, ich müßte lachen, wenn ich nicht weinen sollte über einen führenden deutschen Ökonomen. Griechenland und gemogelt? 1.
Sehr geehrter Herr Linke, es ist leider so, dass Eurostat in einer Reihe von Fällen festgestellt hat, dass der Oberste Rechnungshof Griechenlands und das griechische Statistische Amt "vorsätzlich", so wörtlich, falsche Zahlen gemeldet haben. Sie finden die Dokumentation auf der Homepage des ifo Instituts. (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bedanke mich für Ihre rasche Rückantwort. Ich habe jedoch Einiges nicht richtig verstehen können. Sie schreiben u. a. ...Es muss ein Unterschied erhalten bleiben. Die Hartz-IV-Beschäftigung darf unter keinen Umständen gleich entlohnt werden wie eine normale Beschäftigung,..... Wieso muss ein Unterschied bleiben? Beispiel: Ein LZA soll beim Strassenreinigungsdienst Vollzeit nur eine Entlohnung in Höhe von Hartz IV erhalten. Wenn dieser LZA diese Tätigkeit wie ein anderer Beschäftiger verrichtet, wieso soll er dann nicht für seine geleistete Arbeit genauso entlohnt werden? Verstehe ich nicht. Oder geht es nur darum, dass man den LZA sozusagen jetzt während der Vollzeit unter Kontrolle hat, ober er regelmäßig auf der Arbeit erscheint, oder, dass er in der Zeit sog. "nicht Schwarzarbeitet" etc. Ich vermute, dass es nur darum geht. Wenn es um Leistung gehen sollte, dann soll man den LZA auch richtig (mit Arbeitsvertrag) entlohnen. Muss ja nicht gleich als Neueinsteiger der gleiche Lohn sein. Jedoch auch nicht auf Hartz-IV Niveu. Dies würde einem LZA doch nur wieder demoralisieren. Wenn ein LZA richtig seinen Job als Strassenreiniger verrichtet und dies täglich 8 Stunden, dann aber bitte einen fairen LOHN. Arbeit muss sich lohnen - heisst es doch immer. Meiner Meinung nach muss man auch dieses sog. Lohnabstandsgebot detailierter betrachten. Bisher nannte man immer gerne die Frisöse. Dann stelle ich mir natürlich auch die Frage, warum eine Frisöse z. B. bei Vollzeit nur 900,00 Euro netto verdient und ein Politiker ca. 7.000,00 - 8.000,00 Euro. Kurzum: Unterschiede zwischen einem alleinstehendem LZA und einer Familie mit 1 oder 2 Kindern: Alleinstehender ca. 670,00 Euro Hartz IV Familie mit Kind ca. 1500, Euro Hartz IV Wenn der Familienvater auf Hartz IV Niveau als Strassenfeger arbeitet erhält er nach Ihrem Vorschlag also 1500,00 Euro Der Alleinstehende für den gleichen Job 670,00 Euro Wie geht das zusammen??? Man muss also schon sehr differenzierter schauen. Auch z.B. ob jemand mit oder ohne Ausbildung ist etc. Ich würde mich nochmals sehr freuen, wenn sie mir antworten. Mit freundlichen Grüssen M.
Sehr geehrter Herr M., eine Hartz-IV-Beschäftigung kann keine Dauerlösung sein, und insofern wäre es verfehlt, diese Tätigkeit wie eine normale Beschäftigung zu entlohnen. Es steht ja jedem frei, in den normalen Arbeitsmarkt zu wechseln, der wegen der dramatischen Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten, die wir vorsehen, gewaltig in Bewegung kommen wird. Dort wird er schon bei einer Halbtagstätigkeit deutlich mehr verdienen. Der Staat hat die Aufgabe,das Existenzminimum zu sichern, aber er kann auch eine Gegenleistung dafür erwarten. Das Geld für eine Entlohung wie in regulären Stellen ist nicht da. Woher soll das kommen? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Sie heute bei Hart aber Fair gesehen und Sie haben mir da wie immer aus meiner VWLer-Seele gesprochen. Hartz IV war richtig weil u.a. die Arbeitslosenversicherung als Risikoversicherung zu sehen ist. Man kann nur hoffen, dass bei der SPD wieder die Vernunft einkehrt und Wünschbares und Realität wieder auseinander gebracht werden. Nur eine Sache stößt mir trotz meines noch nicht allzu lange zurückliegenden quantitativen VWL-Studiums in Ihren Argumenten immer wieder sauer auf. Das ist Ihr Argument – was sicherlich aus theoretischer Sicht wegen Markträumung etc. völlig richtig ist – dass ein Lebensunterhalt sichernder Lohn für viele Arbeitnehmer gerade im Hinblick auf Globalisierung usw. utopisch ist. Da haben Sie sicherlich recht. Auch Ihr Argument, dass es einen Zuschuss für Arbeitnehmer geben sollte, die ihren Lebensunterhalt nicht von Ihrer Arbeit bestreiten können, ist klar einleuchtend. Aber ich finde, zu diesem Argument gehört auch ein Unternehmer, dessen Geschäftsmodell im Zweifel auf einem solchen niedrigen Lohn basiert. Ich erinnere mich da bspw. an die Pin-Gruppe (eigentlich ein schlechtes Beispiel, weil die nie Gewinne gemacht haben). Was sagen Sie zu Unternehmen/Unternehmern, die Ihren Arbeitnehmern einen solchen bezuschussungswürdigen Lohn zahlen und am Ende auch noch eine Vergütung erhalten, die im Zweifel deutlich über der Durchschnittsvergütung liegt? Ein im Zweifel überdurchschnittlicher Unternehmerlohn ist hier in meinen Augen absolut ungerechtfertigt. Zum einen macht er Profit aus dem Niedriglohn, zum anderen – und das Argument wiegt für mich schwerer – wird der Unternehmerlohn indirekt vom Steuerzahler subventioniert und bezahlt. Nicht zuletzt werden hier auch Anreize für jeden Unternehmer gesetzt, die Löhne zu drücken; das ist doch eine simple Maximierung für jeden Unternehmer, das kann man doch nicht leugnen? Einen subventionierten Unternehmerlohn können Sie doch nicht ernsthaft wollen? Müsste man hier nicht aus einer Gerechtigkeitsperspektive hergehen und das Einkommen eines Unternehmers, der Zuschussempfänger beschäftigt, nach oben begrenzen? Den Unternehmerlohn quasi auch kontrollieren, solange indirekt Steuergelder in das jeweilige Geschäftsmodell fließen? Ich weiß, VWL ist nicht die Frage nach der Gerechtigkeit. Aber wenn es aus der Wissenschaft auch Antworten hierzu geben würde, wäre Ihre Zunft bei der breiten Bevölkerung vielleicht auch besser angesehen und man würde mehr von dem Umsetzen, was Sie und Ihre Kollegen richtigerweise sagen. Für meinen Geschmack sollte sich die ökonomische Wissenschaft viel mehr in die politische Diskussion einmischen, hier in den USA hat man das Gefühl, dass Krugman & Co. wesentlich präsenter sind. Vielleicht haben Sie ja mal Zeit zum Antworten, viele Grüße aus New York, Bastian Falk
Sehr geehrter Herr Falk, dass Zuschüsse den Lohn senken ist erforderlich, damit sie mehr Jobs schaffen. Aber der Lohn fällt nicht ins Bodenlose, sondern nur bis zur Markträumung, also quasi Vollbeschäftigung. Fiele er tiefer, würden ihn die Unternehmer wieder hochkonkurrieren, denn dann gäbe es ja eine Überschussnachfrage nach Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt. Sehen Sie das Ganze mal nicht vom heutigen, verzerrten Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt aus, sondern vom Vollbeschäftigungsniveau aus mit den dann herrschenden Löhnen für gering Qualifizierte. Von diesen Löhnen kann man nicht leben, also muss man helfen. Aber wie? Lohnerhöhungen führen zu Arbeitslosigkeit, weil sie die minder produktiven Jobs vernichten. Lohnzuschüsse führen zu einem Zusatzeinkommen, ohne dass die Beschäftigung sich verringert. Und nun können die Unternehmer das wegen des oben genannten Arguments nicht ausnutzen, indem sie den Lohn drücken. Hieran sehen Sie, dass die Lohnsubvention keine Subvention der Unternehmen, sondern der Menschen ist. Die Lohnsenkung vom verzerrten Marktgleichgewicht aus zu beurteilen und dann als Unternehmersubvention zu interpretieren, ist, so denke ich, falsche Semantik. Die Lohnsubvention hilft, ausgehend vom verzerrten Gleichgewicht, den Arbeitnehmern insofern, als sie ihnen auf dem Wege über eine Senkung der Lohnkosten Jobs schafft, ohne dass sie dafür Einkommen einbüßen müssen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gestern im TV ihren Vorschlag gehört, worin sie u. a. vorschlagen, dass jeder Hartz IV-Empfänger von der Kommune einen Vollzeitarbeitsplatz in Höhe des Hartz IV-Geldes erhalten soll. Ich habe mir dabei so meine eigenen Gedanken über diesen Vorschlag gemacht. Es würde doch damit wieder nur Unruhen geben, dieses Mal jedoch unter den Hartz IV-Empfänger. z. B. 10 LZA bekommen einen Job in der Stadt XY als Strassenreiniger. Wieso erhalten diese 10 dann für den gleichen Job jeder einen unterschiedlichen Lohn??? (Lohn= Regelsatz plus unterschiedliche Mietkosten inkl. Heizung) Desweiteren heisst es doch: Arbeit muss sich Lohnen! Wenn es nach ihrem Vorschlag gehen würde, wo würde sich hierbei die Arbeit lohnen??? Ich finde, wer einen Arbeitsplatz hat und Vollzeit arbeiten soll, der soll auch wie jeder andere Arbeiter in Deutschland einen Arbeitsvertrag erhalten. Desweiteren einen Lohn, der für den ausgeführten Job angemessen und leistungsgerecht ist. Warum soll z. B. ein Straßenfeger der vorher LZA war und ungelernt ist, mehr verdienen, wie z. B. ein Zuarbeiter in der Verwaltung der auch vorher LZA war und eine kaufmännische Ausbildung hat? (Beispiel: Straßenfeger hatte vorher 723 Euro Hartz IV, der Zuarbeiter hatte vorher 685 Euro Hartz IV)(Beide vorausgesetzt sind Alleinstehende) Noch als weiterer Gedanke von mir. Selbst die o. g. Beispiele zeigen, wenn man fordert, dass man auf Hartz IV Niveu für einen Ganztagsjob lediglich 723,00 Euro oder 685 Euro netto erhält, so sehe ich dies als Ausbeutung an. Ich finde, wer als LZA ganztags arbeiten soll, der verdient es auch nicht,als Hartz IV-Empfänger weiterhin deklariert zu werden, sondern, wie schon erwähnt, genauso behandelt werden muss, wie jeder Arbeiter (mit Arbeitsvertrag) oder Angestellter. Mich würde es natürlich auch sehr interessieren, wie sie zu ihrem Vorschlag gekommen sind. Mir kommt es langsam von allen Seiten so vor, als würde man in einer Pokerrunde sitzen. Ja, das Thema ist ein heisses Feuer, aber es gießen leider zu viele Leute immer wieder neues Benzin hinein. Da ich auch ein Mensch offener Worte bin, nenne ich meine Empfindungen und Gefühle als Betroffener. Wut, Angst und teilweise richtige Ohnmacht. Mit Menschen sollte man nicht spielen. Ich empfinde es jedoch als Pokerspiel, was in den letzten Monaten mit Hartz IV-Empfängern geschieht. Als Betroffener würde ich liebendgern Vorschläge unterbreiten, die Substanz haben und auch effektiv und nachhaltig sind. Jedoch zusammen mit den LZA.... Man möchte doch LZA wieder zu Mitarbeitern machen. Betonung auf Mit Die Politik sehen die LZA jedoch als Gegenarbeiter und das ist schon mal der allererste Fehler. Worte wie Unterschicht etc. - mal ehrlich, wo bleibt denn da die Menschlichkeit. Die meisten LZA sind engagiert, mehr als man glauben mag. Das Menschen jedoch andere Menschen gegenseitig aufhetzen, das hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun. (Ich weiß, dass sie, Herr Prof. Sinn, es nicht machen und auch nicht machten, vielmehr verschiedene Politiker und Medien). Und bei LZA geht es nunmal auch um Menschen. Das sollte man niemals aus den Augen verlieren. Als letzten Hinweis. Ich habe am 08.03.10 in meiner Gemeinde im Rathaus bei der Personalabteilung wieder mal vorgesprochen, mit der Bitte, ob ich vielleicht einen Job erhalten könnte. Auch nur als sog. Zuarbeiter oder Ähnliches. Die Antwort war folgende: Nein, wir stellen keine Leute ein. Wir müssen selbst für unsere Mitarbeiter, die länger erkrankt sind, Wiedereingliederungsstellen offen halten. Habe nochmals nachgefragt. Defenitiv war die Antwort Nein. Selbst bei einem sog. 1 Eurojob erhielt ich ein NEIN. Herr Prof. Sinn, es ist nicht so einfach. Mich würde es von den jetzt regierenden Politiker mal interessieren, welche Taktik oder beim Bild der Pokerrunde zu bleiben, was wirklich gespielt wird. Ich habe dabei ein mullmiges Gefühl. Noch als letzter Gedanke. Wann öffnes sich denn endlich wieder mal die Tore bei der Bundesanstalt für Arbeit in den verschiedenen Städten für die LZA??? Bei uns in meinem Ort ist der Zugang für LZA verwehrt. Und das ist auch eine falsche Massnahme. Ich würde mich sehr freuen, Herr Prof. Sinn, wenn ich zu meinem Schreibeneine Antwort erhalten würde. Mit freundlichen Grüssen M.
Sehr geehrter Herr M., ich verstehe Ihre Bedenken. Aber Sie müssen bitte auch berücksichtigen, dass die Arbeit der Hartz-IV-Bezieher nur ein Notanker bei meinem Vorschlag ist. Durch die dramatische Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten, die ich vorschlage, wird es viel attraktiver, in der Privatwirtschaft zu arbeiten. Dort würde man schon bei einer Halbtagsstelle im Niedriglohnbereich so viel Geld in der Tasche haben, wie ein Hartz-IV-Bezieher bei Vollzeit. Es muss ein Unterschied erhalten bleiben. Die Hartz-IV-Beschäftigung darf unter keinen Umständen gleich entlohnt werden wie eine normale Beschäftigung, denn sonst bleiben die Menschen da hängen, und das wollen Sie doch sicher auch nicht. Insgesamt laufen meine Vorschläge auf eine Belebung des Arbeitsmarktes und eine Erhöhung des Lebensstandards derer hinaus, die heute keine Stelle haben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie argumentieren in Bezug auf das Grüne Paradoxon, dass die Hoffnung der Umweltpolitiker, die Kosten für grüne Energien soweit senken zu können, dass fosile Brennstoffe sich nicht mehr lohnen, als illusorisch. Hierfür führen Sie die durchschnittlichen Förderkosten an und vergleichen diese mit den Preisen der Energieträger. Ist es aber nicht so, dass bei einem Gut mit steigenden Grenzkosten der Durchshcnittspreis immer unter dem Preis liegt? Wäre nicht auch hier eine marginalistische Betrachtungsweise richtig? Tatsächlich würde es doch schon helfen, wenn die Kosten für regenerative Energien soweit sinken, dass sich die Erschließung neuer Ölquellen/Kohleminen nicht mehr lohnt. Die Kosten bis auf die 3 USD zu senken, die die Förderung in Saudi-Arabien kostet, ist tatsächlich illusorisch, die Kosten jedoch bis auf die Grenzkosten von vielleicht 60 USD/Barrel abzusenken, erscheint dagegen durchaus möglich. Sinkt der Preis weiter, lohnt sich der Abbau immer weiterer Lagerstätten nicht mehr (Ölsande, Off-Shore). Beste Grüße
Sehr geehrter Herr Fritzsche, sicher sind es die Grenzkosten. Nur was sind die Grenzkosten? Das Grenzkostenkonzept ist im intertemporalen Zusammenhang nicht trivial. Die relevanten Grenzkosten sind zu einem Zeitpunkt, bei dem dann vorhandenen Restbestand der Ressource im Boden, die Mehrkosten, die entstehen, wenn zu diesem Zeitpunkt ein Barrel mehr gefördert wird. Die Grenzkosten sind nicht die teuersten Kosten, die man zu einem Zeitpunkt findet, schon gar nicht die Kosten der am schlechtesten erreichbaren Lagerstätten, die man noch gar nicht angeht. Der Grund ist, dass die Märkte, egal ob Konkurrenz, Monopol oder Oligopol so extrahieren, dass der Barwert der Extraktionskosten minimiert wird (z.B. Long, The optimal order of extraction ...). D.h. sie fangen mit den günstigsten Lagerstätten an und gehen zu den teureren über. Theoretisch sind die Grenzkosten also immer die Kosten des am einfachtsen erreichbaren Bestandes an Ölreserve, mit den niedrigsten Extraktionskosten. Semantische Analogieschlüsse mit der statischen Theorie der Preise und Grenzkosten verbieten sich schon von daher. Wenn trotzdem zu einem Zeitpunkt in verschiedenen Ländern unterschiedlich hohe Förderkosten bestehen, und schon verfrüht die teureren Lagerstätten angegangen werden, so kann das nur an den unterschiedlichen nationalen Risikoeinschätzungen (Enteignungswahrscheinlichkeiten) liegen, die implizieren, dass die Ressourcenbesitzer mit unterschiedlichen Diskontfaktoren arbeiten. Es bleibt aber richtig, dass die Grenzkosten jene Kosten sind, die das zusätzliche Barrel Öl zum jeweiligen Zeitpunkt kostet, und zwar unter Einschluss der Kosten der Exploration und der Anlagen. Es handelt sich dabei praktisch um ein gewogenes Mittel der zu diesem Zeitpunkt messbaren Stückkosten, denn die Grenzbetrachtung bezieht sich auf den Restbestand der Ressoure im Boden und nicht im Hinblick auf den Förderstrom. In meinem Modell misst g(S) mit g'(S) kleiner Null, wobei S der Restbestand im Boden ist, die Stückkosten der Extraktion, wenn der Bestand S ist. Die Größe g misst zugleich die Grenzkosten bezüglich des Förderbestandes. Empirisch ist diese Größe der Durchschnitt der Stückkosten, den man bei S misst. Dieser Durchschnitt liegt beim Öl, so ich mich aus dem Kopf an einen Schnelldienst-Aufsatz von Karl erinnern darf, in der Größenordnung von ein paar Dollar. Wir haben durch das Bieterverfahren des Irak inzwischen auch direkte Zahlen. Danach haben sich die Ölfirmen dort bereit erklärt, für nur ein bis zwei Dollar pro Barrel zu extrahieren. Da das meiste Öl im Golf gefördert wird, liegt der Mittelwert der Förderkosten in der Welt sicherlich nicht allzuweit davon entfernt. Auf jeden Fall haben die Ölpreise, die bei 70 Dollar pro Barrel liegen, wenig bis nichts mit den Förderkosten zu tun. Ich hoffe, das hilft Ihnen. Mit freundlichenm Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. im Gefolge des Urteils des BundesVerfG wird über die Angemessenheit der Regelsätze diskutiert. Dazu haben sich die Richter allerdings nicht geäußert. In diesem Zusammenhang werben Sie seit einiger Zeit für die Regionalisierung der Regelsätze: "Angesichts der regionalen Unterschiede im Preisniveau der Waren und Dienstleistungen verlangt dies zwingend eine Regionalisierung der Geldsätze". Ist es aber nun wirklich so, dass in dem Warenkorb der Bedarfsgemeinschaften nach SGB II regionale Preisunterschiede eine wesentliche Rolle spielen? Bei den Lebensmittelangeboten der Supermärkte mit deren hoher Wettbewerbsintensität kann ich mir das kaum vorstellen, bei Textilien ebenso wenig und die Kosten der Wohnung sind bereits regionalisiert. Meine Frage daher: Gibt es Untersuchungen mit verlässlichen Ergebnissen zu diesem Thema? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gab bis in die neunziger Jahre eine Statistik des Statistischen Bundesamtes mit Unterschieden in den regionalen Preisindices ohne Wohnen von bis zu 6%. Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig. Wenn man die Wohnkosten ohnehin schon regionalisiert, kann man den Rest auch regionalisieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Nachfrage zur Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe Ihre TV-Beiträge in der Mediathek des ifo- Instituts sowie den in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.3.20210 verfolgt und bin dankbar, dass Sie bei dieser möglicherweise für Europa schicksalhaften Frage für die Einhaltung der ökonomischen Vernunft eintreten. Ich hätte zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann man im Fall eines Austritts von Griechenland aus der EURO- Zone verhindern, dass sich die Spekulation gegen das nächste schwache Land in der Euro-Zone wendet? 2. Könnte Griechenland den gewaltigen Aufwand einer Währungsumstellung schultern? Es müsste zum Beispiel neues Geld hergestellt und umgetauscht werden, der öffentliche Sektor, Banken, Versicherungen, Handel und Industrie müssten umrechnen, Verträge ändern und sowie neue Preise finden und bekannt geben. Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, die Gefahr eines Dominoeffektes der von Ihnen beschriebenen Art besteht, doch es besteht auch die Chance, den Euro zu stabilisieren, indem Griechenland nicht mehr dabei ist. Die Währungsumstellung könnte eine Drachme einführen, die zunächst die gleichen numerischen Preise wie in Euro hat. Danach könnte die Drachme abgewertet werden. DIe EU könnte bei der Umstellung helfen. Der Verbleib Griechenlands im Euroraum stellt das Problem eines Außenhandelsdefizits von 16% dar, das dauerhaft finanziert werden muss. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Erscheint mir utopisch. Im Euroraum müsste Griechenland durch Kürzung der Löhne und Preise abwerten. Das ist ein Rezept für Aufruhr, weil keiner der Erste sein will. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Meine Frage bzw. Meinung zu dem Vorschlag von Herrn Prof. Sinn: Alle Kommunen sollen verpflichtet werden, jeden Hartz IV-Empfänger einen Vollzeitarbeitsplatz anzubieten. Die Entlohnung soll dann auf Hartz IV-Niveu sein. Meine Frage dazu, wie nennt man dann diese Arbeit? Schwarzarbeit? Nein regulärer Arbeitsplatz? Nein Wer arbeitet und das 8 Stunden täglich, soll doch bitte dafür auch eine anständige Entlohnung erhalten. Natürlich dann auch einen Arbeitsvertrag, wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland. Ich bin der Ansicht, das diese Arbeit (auf Hartz IV-Entlohnung) nur folgend heißen kann, und zwar: SCHEINARBEIT Nach dem Motto: 1. Wir halten somit die untere und mittlere Lohnschicht-Arbeiter etwas mehr in Laune, da ja nun die "Hartz IV"-Menschen ja auch 8 Stunden arbeiten (jedoch auf Hartz IV-Niveu) 2. Die Arbeitslosenstatistik wird auf einem Schlag "schön geschminkt" 3. Regierende Länderparteien und Bundesparteien profitieren durch mehr und längere Machterhaltung. Alles zum "SCHEIN" ! Wenn man ernst meint, und den LZA einen Vollzeitjob durch die Kommunen anbietet, so ist es ohne Weiteres nicht verkehrt. Verkehrt ist nur die Entlohnung auf Hartz IV-Niveu. Soll wirklich jemand 8 Stunden täglich arbeiten und trotzdem ein Hartz-IV-Empfänger bleiben. Was will man damit wirklich bezwecken? Bitte eine ehrliche Antwort. Ich bedanke mich schon jetzt recht herzlichst für Ihre Antwort, Herr Prof. Sinn
Sehr geehrter Herr Bürger, wie hoch das Hartz-IV-Niveau ist, kann man diskutieren. Es sollte zur Sicherung des Existenzminimums ausreichen. Sie vergessen, dass nach dem Vorschlag des ifo Instituts auch die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert werden. Schon bei einer Halbtagstätigkeit im Niedriglohnsektor käme man mit den Lohnzuschüssen auf mehr Einkommen als bei einer Vollzeittätigkeit bei der Kommune. Niemand würde bei meinem Vorschlag weniger kriegen als heute, doch die meisten deutlich mehr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Ihre Diskussionsbeiträge im „ZDF- Heute -Journal“ und in der „Phoenix-Runde“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als interessierter Laie, der sich Sorgen um die Kaufkraft seiner Rente macht, habe ich Ihre Äußerungen zum diesem Thema dankbar aufgenommen. Der Vergleich der aktuellen Situation Griechenlands mit einer antiken Griechischen Tragödie, in der es keinen guten Ausweg, sondern nur schlechte Lösungen gibt, ist einfach genial. Ich hoffe sehr, dass die Politik ihre Eitelkeiten bezüglich möglicher Einmischungen des IWF allmählich überwindet und sich verabschiedet von dem Selbstbetrug der Einrichtung eines EWF, der einen gigantischen Vermögenstranfer vom Nord nach Süd nach sich ziehen und unser Land schwächen würede. Im EWF würden dann die Defizitsünder über sich selber zu Gericht sitzen, eine Farce. Und man würde den bereits ausgehöhlten Vertrag von Maastricht vollends brechen. Ich glaube, heute hätten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht bessere Chancen als in der Vergangenheit. Danke, dass Sie sehr viel für die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit tun.
Sehr geehrter Herr Scherer, vielen Dank für die Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Thema: Griechenland, Währungskrise Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre klaren Ausführungen gestern abend bei Phoenix. Neben der Lage an sich ist das eigentlich Erschreckende die Beharrlichkeit, mit der gerade führende Vertreter der Politik die ökonomischen Mechanismen ignorieren. Wer eine Beruhigung der Finanzmärkte (und der Bürger) wünscht, sollte doch vielmehr auf klare Ansagen und vorhersehbare Konsequenz setzen. Nun aber zur Frage: Als kleinstes Übel raten Sie zum kontrollierten Austritt Griechenlands aus dem EURO und anschl. Devaluierung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In DK, wo ich beruflich die Debatte verfolge, gilt aber die Massnahme Devaluierung nahezu als verschrien, da die sozialdemokratischen Regierungen in den Siebzigern bei galoppierender Staatsverschuldung damit mehrfach scheiterten. Erst in den Achtzigern gelang es einer bürgerlichen Regierung mit harten Sparmassnahmen und einer festen Bindung der Krone an die EWS, die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. Seither schwören Sozilademokraten wie bürgerliche Parteien auf die Politik der festen Wechselkurse. Frage also: Verführt die Devaluierung nicht zu einer unsoliden Haushaltspolitik und macht auch das Aussenhandelsgeschäft schwer planbar? Mit freundlichen Grüssen Simon Faber
Sehr geehrter Herr Faber, Sie haben insofern recht, als fortgesetzte Abwertungen eine Inflationspolitik ermöglichen und insofern selbst ein Probelm sind. Feste Kurse sind eigenlicht ein Disziplinierungsmittel. Nur hat Griechenland darauf bekanntlich nicht reagiert, weil das Land die Welt mit getürkten Statistiken glaubte dauerhaft belügen zu können. Heute ist die Aufwertung so weit fortgeschritten, dass eine Disziplinierung in dem Maße, wie sie Märkte nun erzwingen würden, wenn Griechenland nicht geholfen würde, das Land zerbrechen würde. Man muss sich der Disziplin auch unterwerfen wollen, wenn man in einem Festkurssystem ist. Das hat Griechenland nie getan. Das Ganze ist eine Gradwanderung zwischen verschiedenen Gefahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, gut nachgeplappert, könnte man denken. Herr Pofalla meint, die Darstellung nach außen könne verbessert werden – was immer er damit auch meinen möge. Und prompt kommen Sie hinterher und empfehlen, die Hartz.IV-Sätze müssten besser begründet werden, was immer Sie damit meinen. Eine andere Begründung der Sätze ändert noch nichts an der Situation selbst, dass einige Empfänger damit nicht leben können und dem entgegen manch Arbeitnehmer acht Stunden und mehr malochen muss und trotzdem weniger auf der Hand hat als vergleichbare Hartz-IV-Bezieher. Nicht die Begründung ist ausschlaggebend sondern ein Ergebnis, was zur Befriedigung aller Betroffenen beitragen kann. Solch nutzlose Meinungsbekundungen oder ins Leere gehenden Empfehlungen brauchen wir sicher nicht. Erstaunlich nur, dass Sie bzw. Ihr Institut noch nicht folgende Tatsache festgestellt haben wollen; jedenfalls, so weit mir bekannt ist, nicht öffentlich: Die Zahl der Arbeitslosen sei in Deutschland im Januar 2010 auf 3.617.000 Millionen gestiegen. Bei gleichzeitig rund 7,4 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die ja unstrittig grundsätzlich auch arbeitslos sind, addieren sich die Arbeitslosen insgesamt auf rund 11 Millionen. Subtrahiert man davon 1,35 Millionen Hartz-IV- Aufstocker, bleiben immer noch real 9,65 Millionen Arbeitslose übrig. Einfach nur in der Statistik ‚rumkorrigieren ändert noch nichts am Problem selbst! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., die Aussage, dass nicht die Hartz-IV-Sätze falsch sind, sondern die Art ihrer Berechnung, ist nicht meine, sondern die des Verfassungsgerichts. Ich weiß nicht, was Herr Pofalla gesagt hat. Definitiv folgt aus dem Urteil des Gerichts nicht, dass man Hartz-IV-Sätze zur Befriedigung aller Betroffenen braucht. Da es sich um Gelder handelt, die anderen über das Steuersystem weggenommen werden, kann es immer nur um den Grundbedarf gehen, der zum Existenzminimum gehört. Bitte lesen Sie das Urteil und richten Sie Ihre Kritik zuständigkeitshalber an das Gericht. Was die Zahlen betrifft, so darf man sie nicht addieren, wie Sie es tun. Es stimmt zwar, dass die Hartz-IV-Empfänger arbeitslos sind, aber genau deshalb sind sie in der Arbeitslosenzahl schon enthalten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze und achte Sie sehr hoch. Angesichts der extremen Bedrohung durch die globalen Finanzmärkte in Verbindung mit der vor allem indischen und chinesischen Wachstumsdynamik und der damit verbundenen extremen ökologischen Bedrohungen und weltweiten Elendsthematik und der damit einhergehenden möglichen schwerwiegenden Krisenpotentiale, die wiederum die Lage auf den Finanzmärkten weiter verschärfen könnte, ist mir bewusst, dass die Probleme des deutschen Niedrigstlohnsektors in dieser Hinsicht keine Priorität besitzen können. Aber wenn Sie und zum Beispiel Herr Prof. Miegel, den ich ebenso hoch achte und schätze, offen und objektiv über diese Thematik reden, dann sollten auch alle Implikationen dieses Randthemas offen und ohne Tabus genannt werden – das gehört dann auch zur intellektuellen Redlichkeit! Zumindest sollte deutlichst gesagt werden, dass es eine „entscheidungstheorietische“ „Optimierungsaufgabe“ für nationale makroökonomische Arbeitsmarktkonstruktion unter globalen Rahmenbedingungen ist. Dabei spielt die zu erwartende Anforderungsprofilstruktur der Arbeitsmärkte in Europa natürlich eine extrem große Rolle. Die extreme Wissensgesellschaft muss zwangsläufig der Masse der intelligenzverteilten (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) Bevölkerung ( ca. 0.33), die die Kerntätigkeitsbereiche nie abdecken kann, einen Ersatzarbeitsmarkt zuweisen und diesen möglichst ausbauen. Das geht nur über die legislative Setzung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die notwendig nicht mehr grundgesetzkonform sein können. Dies muss man also zunächst einmal in einem Wust aus lex superior, lex inferior und lex spezialis so verwursteln, dass es niemand mehr rechtssystematisch entwirren kann. Das ist bereits geschehen. Dann kann mit den entsprechenden Rechtsmitteln versehen, ein solcher substitutiver Arbeitsmarktsektor langfristig aufgebaut werden. Das geschieht auch bereits. Die Lohnspreizung nimmt enorm zu und zwar so weit, dass die weiter expandierenden substitutiven Niedrigstlohnarbeitsmärkte keine Existenzsicherung mehr ermöglichen werden. Das deutet sich bereits an. Man sollte also zugeben, dass man aus den oben (sehr grob) aufgeführten Gründen nicht anders kann, als einen nicht existenzsichernden substitutiven Niesdrigstlohnarbeitsmakt zu schaffen, der aus Sozialkrisenvermeidungs- und Akzeptanzsteuerungsgründen so weit ausgebaut werden muss, dass mindestens 80% der derzeit Arbeitslosen darin Beschäftigung finden können und komplementär staatlich alimentiert werden. Damit diese Menge an Arbeitsplätzen entstehen kann, sind Ecklöhne in der Gegend von 3 Euro erforderlich. Wenn dies in der Masse langfristig nicht erreichbar ist, droht ein extremer sozialer Konflikt wegen des sich verschärfenden Akzeptanzverlustes der Ungleichbehandlung von Arbeitslosen und Niedrigstlöhnern (Lohnabstandsgebot). Meine Beurteilung dieses Szenarios ist, dass es ist in der Masse nicht erreichbar ist, weil die tarifär abgesicherte 3 Euro Grenze nicht erreichbar ist. Also bleibt nur der Ausweg die Arbeitsmarktgruppen gegeneinander in Stellung zu bringen ( Arbeitslose gegen Hochlöhner – Hochlöhner gegen Zeitarbeiter, Zeitarbeiter gegen Niedrigstlöhner – Niedrigstlöhner gegen Arbeitslose ), um so den Eiertanz der Verschleierung der ganz einfachen Tatsache politisch weiter tanzen zu können: Diese primitive Wahrheit lautet: 33% der Gesellschaft sind nicht intelligent (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) genug, um die Normalarbeitsmarktanforderungen zu erfüllen. Diese Leute belasten den „intelligenten Mittelstand“ – also müssen wir sie akzeptanzbasiert ruhig stellen, weil es (noch) keine funktionierende sekundäre Fertilitätssteuerung gibt und es keine primäre Fertilitätssteuerung geben darf. Ich gehöre übrigens zu den 33% der „Unintelligenten“. So verbleibe ich mit den besten Grüßen A. B.
Sehr geehrter Herr B., ich nehme Ihre Meinung zur Kenntnis, die Sie überpointiert vortragen, aber ich teile sie nur ansatzweise. Sicherlich stimmt es nicht, dass man im untersten Bereich Stundenlöhne von 3 Euro braucht, um den Großteil der Arbeitslosigkeit zu beseitigen: ifo hat im Jahr 2002 eine Untersuchung getätigt, wonach man mit gut dem Doppelten hinkommt, die dann zu subventionieren sind, um das Einkommen über den Lohn zu erhöhen, wie Sie es ja auch vorschlagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hr. Sinn, vieleicht koennen Sie mir eine Erklaerung oder einen Link zur Erklaerung geben. Es geht diesmal nicht um die Hartz 4 Saetze, sondern Tatsache, das man, wenn man die Grundsicherung im Werte von Hartz 4 selbst erwirtschaftet schon zum guten Steuerzahler wird. Bei aller Diskussion ueber Hartz4 scheint niemand zu sehen, das man keinen Kinderfreibetrag hat, wenn man Kindergeld bezieht. Ein Hartz4 Empf. allein mit 2 Kindern bekommt z.B. 1510,- + Kindergeld. Will man aber 1510 EUR netto erarbeiten und bekommt Kindergeld da Nutzung des Freibetrages weniger im Total ergeben wuerde, dann sind das etwa 2400 brutto und man ist guter Steuerzahler. Siehe unten. Aber dies scheint ein Dreisatz zu sein, welcher fuer viele Redakteure zu komplex ist. Entweder liege ich voellig falsch oder ich bin der Einzige der dies versteht. Deshalb wende ich mich an Ihr Institut der Fachleute. Vielen Dank. Die Zahlen kennen Sie natuerlich schon: Hartz4 Bezuege fuer Alleinerziehend mit 2 Kindern per Monat Erwachsener 359,00 2 Kinder 506,20 Alleinerziehend 129,24 Kaltmiete 740,00 Heizung 100,00 Total Anspruch 990,84 + 840,00 = 1830,84 Kindergeld -320,00 Total 1510,84 Ausgezahlt vom Staat per Jahr: 18130,08 netto ohne Kindergeld, das geht natuerlich separat. --------------------- Benoetigte Einnahmen als Selbstaendiger um den Nettobetrag mit Arbeit zu erwirtschaften: 25900 EUR - 4200 EUR (Krankenv.) = 21500 EUR - 3225,00 EUR (15% Steuern) = 18270,- gezahlte Steuern: 3225,- / 12 = 269 EUR pro Monat ---------------------------------------- Also Stundenlohn etwa 10EUR Netto. Dies liegt dann in einem Bereich in dem schon erhebliche EUR Betraege an Sozialabgaben und vor allem Steuern gezahlt werden muessen. Diese arbeitende Person ist ja schon "gutverdienend". Ich kenne die Angestellen Formel nicht genau, aber es sollte auf etwa 2400 EUR (4800 DMark) brutto hinauslaufen. Volle Verguenstigungen ohne Antragsverzoegerungen bei Kinderbetreuung, Gerichtskosten, etc. kommen noch hinzu. Da haben nicht nur Geringqualifizierte Schwierigkeiten den Hartz4 Betrag zu verdienen. Ich stehe voll hinter einem Sozialsystem mit Hartz 4 Saetzen, speziell fuer Kinder muss alles getan werden. Aber ist es nicht grundgesetzwidrig vom Buerger Steuern zu verlangen wenn er die Grundsicherung selbst verdient? Ich habe noch weitere absurde Beispiele und stehe Ihnen gerne fuer Fragen zur Verfuegung. Noch interessanter wird es wenn jemand alleinerziehend mit 2 Kindern ist und fuer 2 weitere Kinder Unterhalt zahlen und erwirtschaften will. Mit freundlichem Gruss A. M.
Sehr geehrter Herr M., schöne und erhellende Beispiele. Vielen Dank! Damit schlagen wir uns am ifo auch dauernd herum. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit des fiskalischen Systems ist grenzenlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, selten gehe ich mit Ihren zumeist sehr plakativen Meinungsäußerungen konform. Hier jedoch haben Sie den Nagel nicht nur auf den Kopf getroffen sondern absolut zentral erwischt. Die Zuteilung von monetären Leistungen an Hartz IV-Empfänger für deren Kinder kommt allzuoft eben nicht bei den Kindern an sondern endet - populistisch gesprochen - an Theken oder Zigarettenautomaten. Hier sind dann die Erwirtschafter der Leistungen mindestens doppelt geprellt, denn zunächst haben diese die Leistungen zur Verteilung zur Verfügung zu stellen um dann den x-ten Bildungsweg für die bedauernswerten Spösslinge der alimentierten Eltern zu finanzieren und dann im Endeffekt diesen später die Vollalimentierung zu bezahlen. Dumm ist an der Situation, dass die Kinder spätestens vom ersten Atemzug an die Nachteile des sozialen Umfeldes spüren, erleiden und letztendlich verständlicherweise verinnerlichen, so dass dieses Problem wirklich besser durch Sachleistungen angegangen werden kann. Aber nur diese Sachleistungen auf Basis Hartz IV werden das Problem nicht lösen, dazu bedarf es eben größerer gesellschaftlicher Anstrengungen und diese erfordern im kleinen Rahmen bereits das Engagement der Bürger, so dass Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen Angebote zur Freizeitgestaltung abseits des vor- und nachmittäglichen Fernsehkonsums sowie den Reizen der täglichen Komasauferei ab 9, 10 oder 11 geboten werden können, wenn die Kommunen hier schon ihre Verantwortng mit Verbotsschilder gegen Sauferei "erschöpfend" abgegolten sehen. Es ist schon erschreckend zu beobachten, dass Kommunen zuerst allen Einrichtungen für Jugendliche den Geldhahn zudrehen und zu schließen um dann entrüstet auf die Reaktion! der Jugend zu reagieren, da diese nun herumlungern. Sie haben jedenfalls meine volle Unterstützung für Ihre Forderung nach Sachleistungen! Mit freundlichen Grüßen vom Bodensee S. H.
Sehr geehrter Herr H., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sagen viel Wahres. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Könnten Sie mir sagen wie es mit Haftungsfragen bei der besagten HypoRealEstate mit dem Verlust von ~ 100 Milliarden € aussieht? Mit freundlichen Grüßen Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, es gibt keinen Verlust von 100 Milliarden Euro. Die HRE hat bislang 5,0 Milliarden Euro an Abschreibungen auf toxische Papiere realisiert, also nur ein Zwanzigstel der von Ihnen genannten Summe. Was Sie meinen sind staatliche Kredite und Bürgschaften (je hälftig) im Umfang von 102 Milliarden Euro. Das sind keine Verluste, denn der Staat kassiert einen Zins für die Kredite und eine marktübliche Avalgebühr für die Bürgschaften. Wahrscheinlich macht er damit sogar einen Gewinn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie haben in der Folge vom 18.Februar auf BR-alpha vom Sperrklinkeneffekt gesprochen und damit die "Verknüpfung" von Nahrungsmittelmärkten und Energiemärkten erklärt. Als liberaler Ökonom müsste man eigentlich befürworten, dass die Ressourcen in die "produktivste" Verwendung fließen. Das könnte aber der SUV in Amerika sein und nicht der Magen der Menschen in Mexiko. Sie haben auch davon gesprochen, dass diese Verknüpfung eine ähnliche Revolution darstellt wie die Industrialisierung. Bedeutet dies auch, dass wir in der Ökonomie neue Wege gehen müssen und gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung Allokations- und Verteilungsfragen stärker miteinander verknüpfen müssen? Haben wir inzwischen ein Maß an Ungleichheit erreicht, das eine freie globale Allokation der Güter gar nicht mehr zulässt? Und wie stellen Sie sich vor, dass man verhindern kann, dass Nahrungsmittel zur Energiegewinnung eingesetzt werden? Der Bauer wird sein Produkt dem geben, der am meisten dafür bezahlt.
Sehr geehrter Herr Blau, Sie habe ja Recht. Liberal ist die Abschottung der Nahrungsmittel- und Energiemärkte nicht. Aber man muss sie versuchen. Mindestens sollte man jegliche Förderung des Biosprit sofort einstellen. Das wäre liberal und verteilungspolitisch geboten. Ich würde weitergehen und die Flächennutzung für Biosprit verbieten und nur noch Biosprit aus Abfällen erlauben. Das ist nicht liberal, aber verhindert, dass uns die Welt um die Ohren fliegt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof.Dr.Sinn, in ihrem Buch, dem Grünen Paradoxon, erwähnen sie ein Super-Kyoto, bei dem das Ziel ist, alle Länder der Welt in einen internationalen Emissionshandel einzugliedern. Nun meine Frage dazu: Desto mehr Länder diesem Emissionshandel beitreten, desto mehr sinkt die Nachfrage nach den fossilen Energien, was bedeutet das der Weltmarktpreis von Öl, Kohle und Gas sinkt. Wieso sollten sich dann die letzen übrigen Länder, die noch nicht im Emissionshandel eingepflegt sind, diesem beitreten, wo sie nun günstig fossile Energien nachfragen können? Worin steht der Anreiz Ländern wie Indien und China Europa zu folgen, wenn sie wissen, das Dank Europa und ihrem Emissionshandel die Preise sinken? Meine zweite Frage bezieht sich auf die Subventionierung der grünen Energie in Deutschland und Ihre darauf bezogene Kritik: Sie schildern in Ihrem Buch, das Sie es nicht für gerechtfertigt finden, das die regenartiven Energien in Deutschland subventioniert werden. Vorallem gehen sie Kritisch auf die Willkür der Subventionshöhe und Art ein. Kann aber eine Subvention der regenerativen Energien nicht dazu führen, das eine schnellere Entwicklung und Verbesserung der Technologien stattfindet? Zwar ist Ihrer Eklärung des "einen Preises" nichts anzusetzen, doch kann ich mir vorstellen, das gezielte Förderung dazu führen kann, das Teile der regenerativen Energie dadurch im technischen Fortschritt beschleunigt werden kann. Und genau diesen Fortschritt und die neue Technik kann den Ländern zu Gute kommen, die unentschlossen sind, einem gemeinsamen Emissionshandel beizutreten. Ich hoffe Sie können verstehen was mein Anliegen ist, und ich Danke Ihnen im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Levent G.
Sehr geehrter Herr Gürcan, haben Sie vielen Dank für die Nachricht. Sie haben völlig Recht. Je mehr Länder beim Emissionshandel mitmachen, desto kleiner ist der Preis für fossilen Kohlenstoff, desto geringer der Anreiz der anderen mitzumachen. Dieses Problem habe ich ausführlich in meinem Buch Das grüne Paradoxon beschrieben. Genau deshalb muss es heißen: alle oder keiner. Sonst kriegt man Indien und China nie dazu mitzumachen. Die Sonderförderung grüner Technologie in Deutschland senkt die Preise für Emissionszertifikate in Europa und erschwert die grüne Technologie in anderen Ländern. Wenn man einen Emissionshandel hat, kann man die grünen Technologien nur noch über schärfere Standards fördern. Nationale Alleingänge sind konterproduktiv. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe unseren Politikern bereits vor längerer Zeit geschrieben, da dass Hauptproblem bei den Familien doch auf dem Gebiet der Ausbildungs- und der Studiums-kosten liegt, möge mann analog der Bausparkassen eine Ausbildung und Studiumfinanzierungskasse auf Grundlage der Richtlinien der Bausparkasse Gründen, wo jedes Kind mit der Geburt Mitglied wird und eiene Finanzierung über das Kinder und Eelterngeld erfolgen sollte, von dem direkt ein gewisser Prozentsatz in diese Kasse fließt, dies Geld dürfte aber gar nicht erst in die Hand der Eltern gelangen, sondern müsste direkt in die Kasse fließen. Vielleicht könnten Sie unsere Politiker in diese Richtung führen, da unsere Politiker zu schlau sind um vom kleinen Mann einen Anstoß an zu nehmen. Ich wäre Froh. wenn ich dazu von Ihnen etwas hören würde. In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Hermann Müller
Sehr geehrter Herr Müller, das ist ein guter Vorschlag, den man nur unterstützen kann. Ein Vorteil ist, dass die Ausbildungskosten nicht anderen auferlegt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, mein Vorschlag zu Hartz IV: 1. Alle Hartz4-Empfänger sollen für maximal 6 Monate befristet einen 400,00 Euro-Job ohne einer Anrechnung ausüben dürfen. D. h. 400,00 Euro ohne einer Anrechnung, zusätzlich zu Hartz 4. Begründung: 1. Die Hemmschwelle für Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen einzustellen wird geringer, da für die Arbeitsleistung keinen Abzug von 240,00 Euro auf Hartz IV angerechnet würde. (von 50 Arbeitgebern bekam ich 50 Absagen. Die potentiellen Arbeitgeber hatten immer wieder bedenken, dass durch die 240,00 Euro Anrechnung die Arbeitsleistung nicht gewährleistet sei. Es hatte nichts mit meiner Qualifikation zu tun, die auch nicht schlecht ist) 2. Der LZA ist somit im Betrieb und hat eventuell auch eine weitere Chance voll eingestellt zu werden. 3. Der LZA verbessert somit seinen Lebenslauf und hat auch mehr Chancen auf dem weiteren 1. Arbeitsmarkt. 4. Die Binnenwirtschaft wird dadurch auch angekurbelt, da der Hinzuverdienst wieder ausgegeben wird. 5. Der LZA verstärkt dadurch sein Selbstbewusstsein. Kann sich wieder auf Jobs konzentrieren, die seinem Arbeitsprofil dienen. (Nur als Hinweis: ein 1,00 Euro Job z. B. Straßefegen für einen Bankkaufmann macht keinen Sinn. Und es werden zusätzliche Ausgaben im Schnitt 300,00 - 500,00 Euro an den jeweiligen gemeinnützigen Arbeitgeber von der Staatskasse bezahlt. Bekommt der Bankkaufmann jedoch einen 400,00 Euro Job als Mitarbeiter in einer Bank, so ist es für die Laufbahn weitaus dienlicher. 6. Schwarzarbeit würde dadurch eingedämmt werden. Meine Frage an die Politiker(in): Was würde gegen meinen o. g. Vorschlag sprechen??? Ich habe manchmal so den Eindruck, dass nicht der Hartz-IV-Empfänger das Hartz-IV-Gesetz missbraucht, sondern die Hartz IV-Gesetzgebung die Hartz IV-Empfänger. Oder benutzt man das Hartz-IV Gesetz nur als sog. Lohndumpingbarometer? Zum Schluss noch zu erwähnen: Ich bitte von den Politiker nicht wieder so Ausreden, wie - ja eine Friseuse muss 8 Stunden täglich schwer arbeiten und hat im Monat fast weniger Lohn als ein Hartz-IV-Empfänger. 1. Wir haben keine 35 Millionen Friseusen. 2. Nicht der Hartz-IV-Empfänger ist an den Billiglöhnen der Friseusen schuld. An alle Friseusen, ihr macht alle einen guten Job und drücke euch allen die Daumen, dass ihr in Zukunft einen vernünftigen Lohn bekommt. Ich habe es nur als Beispiel genommen, da die Politiker ständig in der Vergangenheit es ins "Spiel" brachten und weiter bringen werden. Ich würde mich sehr darüber freuen, mir mitzuteilen, was sie über meinen o.g. Vorschlag halten. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr M., Sie schlagen vor, die Freigrenze für abzugsfreien Hartz-IV-Bezug auf 400 Euro zu erhöhen. Das ist kein schlechter Vorschlag. Auch das ifo will die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessern. Allerdings wollen wir eher den Transferentzug insgesamt verringert, so dass es sich auch lohnt, besser entlohnte Jobs anzunehmen. Sie haben aber recht: Wir müssen ein System schaffen, wo wir ein Sozialeinkommen zum niedrigen Lohn hinzu gewähren, weil nur so mehr Stellen entstehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, um die Beherrschung der Firma Opel durch GM gab und gibt es viele Diskussionen. U.a. wurde bekannt, daß es Opel aufgrund des Beherrschungs-vertrags duch GM nicht gestattet ist, seine Produkte in bestimmten fremden Ländern wie China, USA, Canada, etc. anzubieten. Ferner wurde bekannt, daß alle Rechte an Erfindungen + Patenten von Opel Ingnieuren nach USA übertragen wurden und daß Opel für diese eigenen Erfindungen auch noch jährliche Lizenzgebühren an GM zahlen muß. Mir ist gut bekannt, wie ausländische Firmenmütter damit u.a. das dt. Arbeitnehmer- Erfindungsgesetz aushebeln. Die bekannten Beherrschungsverträge sind alles andere als fair. Sie räumen der besitzenden Mutter einen Absolutheitsanspruch ein, unter dem schon viele Mitarbeiter gekaufter Firmen zu leiden hatten und haben. In USA machte in den 70ern ein Carl Icahn davon Gebrauch.In D betraf es die Firmen AEG, Höchst, Grohe, dt.Airbus-Töchter, SEL und viele mehr. Die bekannten Beherrschungsmethoden behandeln gekaufte Firmen oft wie Sklaven. ITT-Manager in USA verlangten von dt. Managern in den 80 Jahren "go home, change laws". Mich wundert, daß mir bis heute kein Beitrag eines Wirtschafts-forschungsinstitutes bekannt ist, das sich mit dieser Thematik eingehend beschäftigt, auseinandergesetzt und für faire Lösungen geworben hat. Es wäre m.E. höchste Zeit im Zeitalter der Globalisierung "faire Vertragsgrundlagen" für gekaufte Firmen zu erarbeiten und dafür eingehend zu werben. Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, das sind in der Tat problematische Verhältnisse. Ich muss gestehen, dass ich das nicht wusste. Die Leser auf unserer Homepage werden sich dafür interessieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe nicht warum es bei den Managern keinerlei Haftung zu geben scheint. Jeder Handwerker haftet für die fachgerechte Qualität seiner Arbeit, in der Regel nach BGB 5 Jahre. Top Manager in den Vorständen der großen Unternehmen, die ein Vielfaches jährlich gegenüber kleinen Handwerkern verdienen, scheinen nicht zu haften. Hatte nicht die HypoRealEstate ca. 100 Milliarden € Verluste unter ihrem Vorstand verzeichnet und trotzdem konnten Herr Funke u. andere Manager ausstehende Gehälter inkl. Boni etc. einklagen. Gelten für Top-Manager andere Regeln als für kleine Unternehmer? Wie erklärt sich das? Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, Sie sind falsch informiert. Manager haften für ihre Fehler im vollen Umfang ihres Privatvermögens. So wurde ein namhafter Banker kürzlich von einem Hedgefonds von den Bahamas auf 15 Mrd. Euro verklagt. Der Banker hat zwar eine Versicherung, aber die deckt maximal 250 Millionen ab. Wer nicht haftet, ist der Aktionär. Er kann seine Bank durch die Einstellung, Instruktion und Bezahlung seiner Manager zum Glücksspiel antreiben, und haftet doch nicht mit seinem Privatvermögen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Als ich kürzlich Ihren "Auftritt" bei ntv zum Thema "Hartz IV, zu lasch, zu teuer" sah, kam ich nicht umhin, mich zu wundern, warum Sie ihre Meinung zur Ausgestaltung des ALG II su stark geändert zu haben scheinen: Sah die Aktivierende Sozialhilfe nicht sehr wohl vor, das ALG II bei Nicht-Erwerbstätigkeit drastisch (auf 1/3, soweit ich das richtig in Erinnerung habe) zu kürzen, und im Gegenzug die Hinzuverdienstmöglichkeiten ebenso drastisch zu erhöhen? Davon war nur aber keine Rede mehr. Stattdessen traten Sie nur noch für eine Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten ein, auch ganz ohne grundsätzliche Kürzung von Hartz4 bei Nicht-Aufnahme einer (ggf. von der Kommune bereitgestellten) Erwerbstätigkeit. Warum dieser Meinungsumschwung? Und ist es denn überhaupt wirklich so zweckmäßig, die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei sehr niedrigen EInkommen zu verbessern? Birgt das nicht die Gefahr, wie es ja auch bei den ersten 100 Euro Hinzuverdienst bereits der Fall ist, die ohne jeden Abzug behalten werden dürfen, dass insbesonere geringfügige Beschäftigung gefördert wird, statt Vollzeittätigkeiten? Der Sachverständigenrat plädiert deshalb jedenfalls auch eher zu einer Geringfügigkeitsschwelle, also eben schlechteren Hinzuverdienstmöglichkeiten im ganz unteren Einkommensbereich. Ich würde dem zustimmen. Anreize, mehr zu arbeiten, schafft man doch dann, wenn bei zunehmendem EInkommen die zusätzliche Belastung verringert wird (also direkt regressive Belastung), und nicht umgekehrt, bei niedrigen EInkommen die Belastung niedrig ist und dann immer höher wird (also direkt progressive Belastung). Man sollte deshalb, m.E., lieber, bei sehr niedrigen Einkommen sehr schwache HInzuverdienstmöglichkeiten gewähren, und erst bei EInkommen, die auf eine Vollzeittätigkeit schließen lassen, die Hinzuverdienstmöglichkeiten wieder verbessern. Mit freundlichen Grüßen, Daniel Lechmann
Sehr geehrter Herr Lechmann, das ist kein Meinungsumschwung. Nur haben Sie die Information über unser Modell offenbar aus einer Sekundärquelle. In der Tat wird unser Vorschlag so kolportiert, wie Sie es sagen. Die Kürzung um eine Drittel bei Nichtaufnahme der Arbeit und mehrfacher Nichtaufnahme ist herrschende Gesetzeslage, nichts besonderes bei unserem Vorschlag. Das Besondere ist, dass wir kommunale Arbeitsgelegenheiten für jeden Hartz-IV-Empfänger ohne Ausnahme vorsehen wollen, die zur Höhe des Hartz-IV-Satzes entlohnt werden (Null-Euro-Jobs, wenn Sie so wollen). Dann kann einerseits niemand, der arbeiten will, weniger Geld haben als heute bei Hartz IV und andererseits ist doch der Arbeitsanreiz gewährleistet. Wenn die Kommune ihrer Verpflichtung nicht nachkommt, muss sie Hartz IV auch ohne Arbeit zahlen. Das wird in der Presse nicht richtig dargestellt, und deshalb muss ich mich stets mit der angeblichen, unbedingten Kürzung des Regelsatzes auf ein Drittel herumschlagen, die in der Presse kursiert. Die Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten kommt hinzu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Einstellung in der heutigen Bildzeitung über Hartz 4 Empfänger gelesen und bin zu tiefst erschüttert. Ihrer Meinung nach ist das Landleben preisgünstiger als das Stadtleben. Falsch gegedacht. Auf dem Land haben wir nicht die Möglichkeiten des Einkaufs. Sind abhängig von der hiesigen Preisgestaltung, die in der Stadt doch größer ist. Und der Vergleich mit der Currywurst ist doch mehr als an den Haaren herbeigezogen. Hartz 4 Empfänger ernährren sich nicht nur von Currywurst. Die Infrastruktur auf dem Land ist sehr eingeschränkt und die Preispolitik wird natürlich von den großen Anbietern bestimmt. Ich hoffe, Sie ändern Ihre Einstellung und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., vielen Dank für die Notiz. Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes bezogen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Tageszeitung "Die Presse" las ich Ihren Gastkommentar "Ist die Bankenkrise vorbei?" vom 27.06.2009. Daraufhin habe ich mir Ihr Buch Kasino-Kapitalismus gekauft. Danke dafür. Bitte CDS: "Leider kann dieses Buch die vielen unklaren Probleme, die sich im CDS- Bereich auftun, nicht abschließend erhellen." (K.-K., S.315) Ich würde mich sehr über weitergehende Untersuchungen und Artikel zu diesem Problem freuen. Anmerkung Risiko (1): Am 02.04.2009 (Online Ausgabe 1.4.09, siehe Anhang) fand sich in der gleichen Zeitung ein Artikel von Petra Adams. "...Wohin der Verlust des persönlichen Risikos (von führenden Managern, m.k.) bei gleichzeitiger Möglichkeit zu traumhaften Gagen beim Eingehen hoher und höchster Risiken geführt hat, haben wir jetzt gesehen." Wenn ich Sie recht verstanden habe sehen Sie die Aktionäre oft als Mit-Verursacher der Krise. Fehlen nicht kritische Worte gegenüber führenden Managern? Ich sehe diese auch als Teil des Systems. Anmerkung Risiko (2): An verschiedenen Stellen wie z. Bsp. bei "Warum die Nachhaltigkeit aus dem Blick geriet" (K.-K., S.95) kritisieren Sie die Risikomodelle. Ergänzend möchte ich anmerken mit "unendlichem" Risiko kann nicht sinnvoll umgegangen werden (ich finde die richtigen Worte nicht). (Siehe Anhang Gedanken zum Derivatmarkt Teil 2) Ausserdem sind Risiken im Finanzmarkt oft asymmetrisch verteilt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., vielen Dank für Ihre Schreiben. Leider habe ich noch keine neuen Informationen zu den CDS. Was die Manager betrifft, so sehe ich nicht, was die Erklärung sein könnte. Dass es böse Menschen sind, ist ja keine Erklärung. Dass die Anreizsysteme falsch sind, ist auch keine Erklärung, denn die sind ja nur abgeleitet. Die Erklärung des Zockens liegt im unzureichenden Eigenkapital, das den Aktionären Anlass gibt, die Anreize der Manager zu verzerren. Aber das habe ich in dem Buch ja ausgeführt. Um Schonung oder Verurteilung von irgendwem geht es mir nun überhaupt nicht. Ich bin kein Moralist, sondern suche Erklärungen für Wirkungszusammenhänge, und zwar möglichst tief. Das Geschehen um die Manager ist mir zu sehr an der Oberfläche. Mit unendlichen Risiken kann man in der Tat nicht umgehen, aber darum handelte es sich kaum. Es waren nur Risiken, die man anderen aufgeladen hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, mit Interesse habe ich Ihre Ausfuehrungen zu Hartz VI gelesen, die regionale anpassende Differenzierung betreffend. Dem kann ich nur zustimmen. Mit Sorge dagegen habe ich die Initiativen Ihres Kollegen Prof. Franz, des hessischen Ministerpraesidenten und anderer Politiker gesehen, das Thema Zwangsarbeit und die Diskretitierung als "eigenstaendig lebensunfaehige Alkoholiker" betreffend. Immer kritisiert habe ich die Zuverdienstregelung, Verdienste die noch nicht zur wirklichen Befreiuung ausreichen einzuziehen und durch Sozialleistung zu ersetzen. Das fuehrt bei Sachleistungsverdiensten auch dazu (Beispiel Mietminderung bei Hausverwaltertaetigkeit), dass unbare Erwerbsverdienste den Barleistungsbetrag verkuerzen, die Arbeit also noch bestraft wird. Dem Anschein nach wie real unterbindet das wirksam die Befreiiung oder zumindest Milderung der Lage. Ich hielte es fuer sinnvoller, Zuverdienste zu belassen und aufzustocken zu einem fliessenden Uebergang. Das waere auch psychologisch sinnvoller und wuerde die Konkurrenzsituation zwischen Sozialleistung und Geringverdienst entschaerfen helfen. In der bestehenden Lage ist Schwarzarbeit oft die einzige Moeglichkeit die eigene Lage zu verbessern. Die derzeiteige Verwaltungspraxis noetigt das geradezu auf, befoerdert auch durch die Amtssekeltion in "Vermittlungs-, Beratungs- und Betreuungskunden". Bei letzteren ist die Vermittlung erst ga nicht beabsichtigt. Auch das wird leider nicht oeffentlich debattiert weil politisch erkennbar offensichtlich unerwuenscht. Zusammenhaengend mit dem Wunsch der Wirtschaft, sich Mitarbeiter definierter Kostenhorizonte wie Lebensalter guenstig zu entledigen und deren Kosten zu "sozialisieren". Rechtlich sofort greifbar als Mitspflichtverletzung i.S. d. § 71 Abs. 2 GVG weil durch diese Verwaltungspraxis der Gesetzesauftrag schlicht unterlaufen wird und sich die oeffentliche Gewalt selbst nicht an die eigenen Gesetze haelt mit allen Folgen. Hartz IV in diesem Sinn ist fuer mich auch eine vorweggenommene Sozialisierung vom Bilanzbereinigungsmassnahmen der Wirtschaft, akuelle Nachlegung die Bankenkrise. Siehe die Aussage von Donald Trump: "um erfolgreich zu sein brauchen wir eine Grosse Krise" zum Thema Neoliberalismus und dessen Ziele, siehe dazu auch Sloterdijk u.a.m. Hartz IV ist insofern ein besonderes Politikum und wird inzwischen von vielen auch so verstanden. Es sind ja gerade nicht mehr die klassischen Faelle der "Asozialitaeten" dort versammelt, sondern auch Berufe, die in den Maerkten verdraengt werden warum auch immer bis hin zum Vollakademiker, oder die lebensalterbedingt ausgesteuert und abgeschoben sind. Zugleich ist es auch eine Plattform fuer Immigrationsprobleme und in diesem Zusammenhang "grossfamiliaere Clanversorgung" ueber die deutschen Grenzen hinaus. Betrachtet man den Missbrauch lag er bisher am unteren Ende der Kriminalstatistik. Die Vergleichsfaelle nach dem aktuellen Report aus Nuernberg, die die Bild-Zeitung zitiert lassen darauf schliessen, dass der Missbrauch nicht nur seitens der "Regelbetroffenen" erfolgt sondern offenbar auch gezielt aus dem vermoegenden Bereich, die eher wohl auch im Bereich der Steuerhinterziehung u.a.m. angesiedelt sind. Es waere also zu untersuchen was welchen Bereichen tatsaechlich zuzurechnen ist. Bei diesen Fragen stellt sich aktuell die Frage nach der Gesetzestreuepflicht des Staates, neu debattiert am Falle der Steuerdatenankaeufe aus der Schweiz. Verbunden mit der Frage, ob sich der Staat zum eigenen Vorteil ueber das Gesetz stellen darf. Siehe die Deckelung und politische Willkuerung der Amtshaftungsentschaedigung. Hier wird ganz offen und zum Nachteil der eigenen Staatsbuerger und Waehler das Recht gebeugt und das Vertrauen in die Demokratie untergraben wird. Die politische Kritik daran wird in der Regel als "Pauschalbeleidigung" unter Ausschluss des Vorbringens begruendeter Belange, damit unter Ausschluss der Verteidigung strafverfolgt und kriminalisiert, dito missliebige Rechtsmittelantraege auch gegen das Verbot dieser Vorgehensweise nach BGH. Auf der u.g. Site dokumentiert. Das weitere Mittel ist die Zwangspsychiatrierung, verbunden mit der politischen Diskriminierung als "betreuungsbeduerftige Alkoholiker" z.B. Strafrechtlich zu bewerten als Verbrechen gem. StGB und Tatbestand der Volksverhetzung. Da die Betroffenen keine politische Vertretung und Lobby haben wird das auch in den Medien nicht thematisiert. Die Links-Partei ist keine Alternative und die Gewerkschaften sehen die Betroffenen ebenfalls eher Konkurrenten fuer ihre Mitglieder. Sie haben naturgemaess kein Interesse daran, dass die Betroffenen wieder auf dem Arbeitsmarkt zurueckkehren und die Lage fuer die eigenen Mitglieder verschaerfen auch im Sinne des Lohndumpings. Siehe die aktuelle Lage nach dem Mindestlohnurteil bei der Post. Wir haben hier bereits eine Spaltung der Gesellschaft, zu der der Bundestag selbst festgestellt hat, dass sie die Menschenwuerde und greifbar das Recht verletzt. Ebenso vernetzt sind die EU-Vertraege (Verelendungsverbot, Werttbewerbsverzerrungen etc. pp.), insbesondere aber Art. 1, 6 EMRK. besonders kritisch dabei: die unmittelbare politische Weisungsgebundenheit der Strafermittlungsbehoerden und Anklaeger zum Staatsmonopol gem. § 146 GVG zum Ausschluss des fairen Verfahrens generell in Deutschland. Die Rechtspflege steht hier also still, die Betroffenen sind von fairen Verfahren ausgeschlossen. Keine Frage also dass es bei Hartz IV um viel mehr geht also nur um Leistungssaetze oder Zuverdienstgrenzen. Auf den wohl derzeit krassesten Fall in Deutschland moechte ich Sie hinweisen unter URL.: http://www.petart-foundation.eu /.org Ich moechte Sie nicht in Verlegenheit bringen, dazu Ihre Meinung kund zu tun, obwohl das sehr hilfreich sein koennte. Sie sehen daran, die BundesRD hat ein noch groesseres Problem als nur die Bankenrettungen und die aktuelle Haushaltslage. Juergen Peters
Sehr geehrter Herr Peters, vielen Dank fuer Ihre umsichtigen Ausfuehrungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist die Ursache der meisten Hartz IV Empfänger? Die Arbeitslosigkeit,die bis hin zur Verzweiflung führt. Mein Sohn von 36 Jahren hat nach langem Kämpfen in 2 Jahren wieder einen Job nach intensiver Selbstbemühung gefunden. Jetzt nach 5-Monaten hat er die Kündigung wegen wirtschaftlicher Krise und Zahlungsunfähigkeit des Chefs bekommen. Sehen Sie, so geht es uns schon seit Jahren. Das kostet mir als Mutter viel Nerven und 10 Jahre am Lebensmut. Wenn ich all diesen Schwachsinn und die Unverschämtheit so einiger Politiker ect. höre, das "Alle" an der Armutsgrenze lebenden faul und Abzocker sind, das macht mich wütend. Man sollte mal dafür Sorge tragen, das so junge "Dinger von Frauen, nicht laufend Kinder wegen der Hilfe z.B. Kindergelderhöhung, indiese "Welt setzen! Aber diese "Frauen" leben dann sozusagen vom Staat und finden das gut! Wenn ich mich täglich umschaue, begegnen mir Frauen in ziemlich jungen Jahren und haben 3,4 noch kleine Kinder und müssen vom Staat Hilfe! bekommen. Muss man "Heute" soviele Kinder in die Welt setzen? Das kann man Heute so einfach verhindern, aber "diese Leute legen es darauf an, vom Staat zu leben und das sind "Die" die mit anderen fleißigen arbeitswilligen verglichen werden von Seitens der Politiker. Müssen wir Auländer dulden, die viele Kinder hier in die Welt setzen und keine Arbeit haben, die wir von unseren Steuern unterstützen müssen? Für unsere eigenen Bürger von Deutschland ist bald kein Geld und keine Arbeit mehr da. Hinzu kommt noch, das die Arbeitgeber Jobs unter dem menschlichen Nivieuau anbieten. Heute in der Zeitung: Schichtarbeit für Brutto 7,67€ Vollzeit,oder Minijob für 5,37€. Meinen Sie nicht auch, dass das der Knackpunkt ist, diesen Arbeutgebern gehörig auf die Finger zu klopfen. Davon kann keiner leben, das Ergebnis: Der Staat muss wieder helfen. Ich könnte Ihnen noch soviele Beispiele nennen, aber es wird ja nichts verändert, nur ich lasse mich mit meiner Familie nicht mit anderen vergleichen und werde kämpfen, das nicht "Alle" faul sind. Mit freundlichen Gruß Thielemeier-Brüning
Sehr geehrte Frau Thielemeier-Brüning, ich danke Ihnen für Ihre Zeilen. Ihrer Auffassung, dass HartzIV-Empfänger nicht faul sind, kann ich mich nur anschließen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse habe ich ihre Ausführungen zu den Folgen der Staatsverschuldungen zur Kenntnis genommen. Ich möchte Sie darin unterstützen, die Brisanz des Themas für Demokratie und Generationengerechtigkeit öffentlich zu machen. Hier meine Anmerkungen: Nach der Währungsreform ist vor der Währungsreform Die Wirtschaftswissenschaft sollte der Wirtschaft nicht länger hinterherlaufen, sondern heute schon Lösungen für morgen erarbeiten. In der Vergangenheit wurden Währungsreformen durchgeführt, weil das Vertrauen in die Währung verloren gegangen war und eine nicht mehr aufzuhaltende Inflation die Funktionen des Zahlungsmittels außer Kraft gesetzt haben. Die Währung ist heute auch ohne hohe Inflation gefährdet. Es werden hier 7 Fakten genannt, die eine Notwendigkeit einer Währungsreform begünstigen: Eine Staatsverschuldung, die einen hohen Anteil am Steueraufkommen für die Zinsleistungen bindet,erhöht die Gefahr, dass in länger anhaltenden Hochzinsphasen, bei steigender Inflation oder bei Abwertung der Bonität die Zinsleistungen so rapide ansteigen, dass diese nur mit noch höherer Staatsverschuldung geleistet werden können. Dadurch beschleunigt sich die Beziehung aus Schuldendienst und Staatsverschuldung über einige Jahre bis zum Staatsbankrott. Bei einigen südeuropäischen EURO-Ländern sind erste Signale dieser Entwicklung zu sehen. Eine Regierung mit einer hohen Staatsverschuldung hat sich in die Hände ihrer Geldgeber gegeben. Die politische Erpressbarkeit durch die Kapitalgeber hat man in der Bankenkrise gesehen, als 500 MRD EUR als Rettungspaket für die Banken aufgelegt wurden. Die Regierung musste die Banken retten, da nur die Banken und die Kapitalsammelstellen (z.B. Versicherungen, Fonds) in der Lage sind, den wachsenden Kreditbedarf des Staates zu decken. Es hat sich eine unheilvolle Abhängigkeit der Banken und des Staates entwickelt. Der Staat ist heute ohne die Banken insolvent. Aufgrund der internationalen Verpflechtung der Konzerne und des investierten Kapitals sind alle großen Währungen heute stark voneinander abhängig. Der Sturz einer großen Währung führt unweigerlich dazu, dass die anderen Währungen mit ins Trudeln geraten. Der Niedergang einer großen Währung alleine, ohne die anderen zu betreffen, ist eher unwahrscheinlich. Die spannende Frage ist hier, ob eine Volkswirtschaft sich einen Vorteil verschaffen kann, wenn es zeitlich vor den anderen Ländern seine Schulden ablegt. Die fortschreitende Konzentration des Kapitals innerhalb einer Volkswirtschaft ist ein Grundgesetz. Die Bankenkrise hätte dazu führen können, dass dieser Trend vorübergehend ausgesetzt wäre, wenn viele Banken insolvent und in der Folge die Vermögen vieler Superreichen verloren gegangen wären. Die Regierenden haben die Banken und die Vermögen der Superreichen gerettet. Die Konzentration des Kapitals führt dazu, dass die Regierenden immer abhängiger von den Reichen werden und immer weniger abhängig von den Wählern. Die Konzentration des Kapitals kann aber auch dazu führen, dass eine große Mehrheit der Bürger die Zinsleistungen des Staates als Reparationen empfinden, und sich weigert, länger für die Fehler der Vergangenheit große Teile des Staatsaufkommens an die Kapitalgeber abzugeben und kein großes Bedürfnis am Festhalten an der alten Währung empfindet. Diese Bewußtwerdung kann in der Staatskrise dazu führen, dass ein Staat sich neu gründet und die Verpflichtungen ! der Vergangenheit ablegt. Eine Währungsreform ist dann logisch. Die US-Notenbank hat im Jahr 2007 die Zinsen ansteigen lassen. Dadurch wurde die Immobilienkrise sichtbar und in der Folge kam es zur Banken- und Weltwirtschaftskrise. Viele hochverschuldeten Volkswirtschaften halten die Zinsen dadurch niedrig, dass sie die Märkte liquide halten. Diese Liquidität führt zur Ausweitung der Geldmenge, was immer dann zur Inflation führt, wenn diese Liquidität für die Bürger spürbar ist. Da diese Liquidität nur im Bankensystem kreist, kommt es noch zu keinen Inflationstendenzen. Das Geld, dass auf den Markt gepumpt wird, sucht nach Anlagemöglickeiten und findet diese bei den Staatsschulden. Die Staaten schöpfen Geld und nehmen dieses Geld anschließend als Staatsschulden auf. Dieses System der wundersamen Geldvermehrung ist auf Sand gebaut und kann nicht auf Dauer für Geldwertstabilität sorgen. Kann es bei den Staatsschulden überhaupt noch folgenlose Hochzinsphasen geben? Die fortschreitende Staatsverschuldung ist solange möglich, so lange die Geldgeber Vertrauen in die Zahlungswilligkeit und -fähigkeit des Staates haben. Die eingeführte Schuldenbremse beabsichtigt, dieses Vertrauen nicht zu überreizen. Die bisherige Unfähigkeit des Staates zum Sparen läßt große Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Gesetzes aufkommen. Übersteigt der Schuldendienst eine magische Grenze (z.B. 50% der Steuereinnahmen), so ist die Wahrscheinlichkeit groß, das das Volk sich seiner Schulden entzieht. Die Nennung dieser Ziele in den Parteiprogrammen wäre automatisch das Ende jeder Kreditwürdigkeit eines Staates. Die Nicht-Regulierung der Finanzmärkte kann dazu führen, dass erneut große Verwerfungen am Immobilien- und/oder am Kapitalmarkt entstehen. Die Folge wäre eine erneute Rettung der Beteiligten mit großen Folgen für die Staatsfinanzen und die Stabilität der Währung. Eine Währungsreform sollte im Idealfall auch die Besitzverhältnisse an Grund und Boden und Firmeneigentum neu regeln. In diesem Sinne ist eine Währungsreform die ideale Möglichkeit, die Ideale und Vorteile des Sozialismus und des Kapitalismus zu vereinen: Ein sozialistischer Neuanfang (alle 50 Jahre) für alle gleich und eine soziale Marktwirtschaft, die den Vorteil des egoistischen Gewinnstrebens nutzt. Eine Währungsreform ist gleichzusetzen mit einem Reset, um die politischen Fehler der Staatsverschuldung zu korrigieren und der Vermögensungerechtigkeit wirksam zu begegnen. Spannend wird in schlechteren Zeiten sein, ob die Kapitalseite weiter die Politiker und die Wissenschaft einwickeln und die Bürger ruhig halten kann oder ob sich die Bürger gegen die Kapitalinteressen durchsetzen können. Hohe Zinszahlungen für die Staatsverschuldung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Bürger sich gegen ein Weiterso stellt. Die Gefahr einer zunehmenden Diktatur des Kapitals und eine Verabschiedung von der Demokratie ist sehr hoch! Ich freue mich über eine kurze Nachricht! Gruß Rainer Kuczewski
Sehr geehrter Herr Kuczewski, was Sie unter dem Namen Währungsreform vorschlagen ist nichts anderes als eine Revolution. Solche Revolutionen mit einer Neuordnung der Besitzverhältnisse hat es hier und da in der Geschichte gegeben, und wir Deutschen hatten die verlorenen Kriege, die auch auf das Gleiche hinausliefen. Nach meinem Eindruck sind die Ergebnisse der Revolutionen im Großen und Ganzen aber nicht besonders günstig für die Menschheitsentwicklung gewesen. Die Gefahr für eine neue Revolution in Deutschland sehe ich nicht. Heute haben auch die weniger begüterten Teile der deutschen Bevölkerung ein Realeinkommen wie noch nie zuvor in der Geschichte. Auch die Armutsgefährdung, die ein relatives Maß ist, ist seit den Hartz-IV-Reformen deutlich zurück gegangen. Und die Notwendigkeit einer Revolution sehe ich schon rein gar nicht. Unser Land muss im Gegenteil nach den Kriegen endlich zur Ruhe kommen. Es braucht eine langanhaltende Phase der ruhigen wirtschaftlichen Entwicklung, in der sich die Vermögenswerte allmählich wieder aufbauen können. Dazu brauchen wir mehr wirtschaftliche Dynamik in unserem Land, was ein besseres Bildungssystem und ein anreizverträglicheres Sozialsystem verlangt. Reformen sind der wesentlich bessere Weg zur Überwindung der Spannungen in der Gesellschaft. Wir brauchen als nächstes eine große Reform des Finanzsektors. Dann ersparen wir uns Revolutionen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Dr. h.c. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal möchte ich mich für Ihr hervorragendes und erfrischendes Referat während der Ringvorlesung des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan am 27.01.2010 herzlich bedanken. Diesbezüglich habe ich einige Fragen an Sie, die sich leider nicht durch die anschließende Diskussion im Rahmen der Vorlesung, aufgrund der Kürze der Zeit, beantworten ließen. Vielleicht bietet sich Ihnen die Möglichkeit mir die Antworten kurz mitzuteilen. 1. Emissionshandel - Nettoimport von Zertifikaten in Deutschland Ihren Ausführungen war zu entnehmen, dass deutsche Unternehmen Zertifikate importieren. Dieses Phänomen erklärt sich mir nicht, da aufgrund des EEGs und der hierdurch resultierenden Einspeiseverpflichtung doch eigentlich weniger Strom aus fossilen Brennstoffen produziert und verbraucht wird. Aufgrund dessen müssten die EVU in Deutschland doch Zertifikate einsparen, die wiederum an der Börse veräußert werden könnten. Warum importiert Deutschland jedoch Zertifikate? Wer importiert die Zertifikate? (EVU, energieintensive Unternehmen, Broker?) Gibt es Erhebungen, wie viele Zertifikate jährlich nach Deutschland importiert werden? 2. EON/RWE: Investitionen in erneuerbare Energien Sie haben während der Diskussion im Anschluss an Ihr Referat ausgeführt, dass EON/RWE in erneuerbare Energien investieren, diese Investitionen sind hinlänglich bekannt. Ihren Ausführungen, soweit ich dies richtig verstanden habe, war zu entnehmen, dass die EVUs Investitionen in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs und der damit verbundenen Einspeisevergütung tätigen. Investieren diese Unternehmen wirklich in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs oder aus dem Grund, dass sie mit einem Anstieg der Zertifikatpreise in Zukunft rechnen und somit die Grenzvermeidungskosten niedriger sind als die Zertifikatpreise oder ist es eine Kombination aus beidem?
Sehr geehrte Frau A., ich habe den Sachverhalt nochmals geprüft. Deutschland importiert in der Tat in geringem Umfang UNO- und EU-Zertifikate, AAUs und EUAs. Ich nehme an, das liegt daran, dass die anderen Länder cleverer waren bei der Feststellung ihres Status-Quo-Ausstoßes, von dem aus die Zuteilungen berechnet wurden. Die Zertifikate werden von den Unternehmen selbst importiert, indem sie einfach an der Leipziger Börse gekauft werden. Ohne den grünen Strom würden wir noch viel mehr importieren. Zur zweiten Frage: Hier ist es sicherlich die Kombination aus Emissionspreisen und den Einspeisetarifen. Beides macht den grünen Strom wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie zum Thema "Kredithürde" die folgende Frage: Zwar ist die Kredithürde seit 2008 rezessionsbedingt wieder gestiegen, erreicht aber nicht den Wert von 2003 von über 60%. Auffällig ist allenfalls, dass jetzt (anders als zuvor) mehr große Unternehmen als kleine und mittlere über Kreditrestriktionen klagen, was an der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation der Sparkassen und Volksbanken auf der einen und der großen Privatbanken (auch der Landesbanken) auf der anderen Seite nach der Finanzkrise liegen dürfte. Trotzdem überrascht doch, dass im Gefolge der schwersten Rezession seit 1929 - und übrigens auch des Anstieges der Unternehmensinsolvenzen seit Mitte 2009 - die Kredithürde "im Schnitt" immer noch deutlich unter 50% gemessen wird. Jedenfalls scheint insofern das Ergebnis auf den ersten Blick nicht plausibel. Welche Erklärung haben Sie? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen aus der Oberpfalz Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, gerade weil es die schwerste Rezession der Nachkriegszeit ist und die Investitionen in den Keller gingen wie nie, wird die volle Schwere des Rückgangs der Kreditmöglichkeiten noch nicht sichtbar. Umso überraschender ist es, dass bei den Großunternehmen die Hürde heute höher ist als selbst bei der kleinen Flaute, die wir hatten. Das volle Ausmaß der Klemme wird sich im Aufschwung zeigen. Im Übrigen ist schon heute die Differenz zwischen den Ausleihzinsen und den Zentralbankzinsen in den USA und Europa auf einem historischen Höchststand. Kreditklemme heißt nicht, dass man keine Kredite kriegt, wenn man hohe Zinsen zu zahlen bereit ist, sondern dass die Zinsmargen hoch sind. Die Geldpolitik der Zentralbank scheitert im Moment am fehlenden Eigenkapital der Banken. Die niedrigen Zinsen werden nicht weitergereicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich stelle mir die Frage, ob zwischen der Inflationsrate und der Staatsverschuldung eine direkte Korrelation besteht. Ist es nicht so, dass hohe Staatsausgaben unweigerlich cet. par. dazu führen, dass die Inflationsrate steigt, weil die Bürger, die die Staatspapiere halten, ihre anderen Ausgaben dafür nicht einschränken werden? Beispiel: Jemand hat ein Vermögen von einer Million Euro und gibt normalerweise 100.000 Euro im Jahr aus. Nun kauft er sich für 50.000 Euro Staatsanleihen - jetzt wird er ja sein normales Konsumbudget nicht verringern, da er ja wieder fest mit der Rückzahlung seiner Anlage + Rendite rechnet. Von seiner Million wird also nach dem Kauf der Anleihen nicht mehr 100.000, sondern 150.000 in die Wirtschaft fließen. Steigt hierdurch nicht auch automatisch die Inflationsrate und stellt dies nicht ein großes Problem für die Volkswirtschaft, gerade zu Zeiten so expansiver Fiskalpolitik, dar? Herzlichen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Sie liegen insofern nicht falsch, als dass eine Staatsverschuldung, mit der der Staat zusätzliche Ausgaben finanziert, tatsächlich die gesamtwirschaftliche Nachfrage erhöht. Tut er das in einer ausgeglichenen Wirtschaftslage, gibt es Inflation. Tut er es in der Flaute, so verhindert es zunächst einmal nur den Absturz. Solange er die ausfallende private Nachfrage nicht überkompensiert, gibt es keine Inflation. Allerdings könnten die Finanzminister in Zukunft die Notenbank bedrängen, mehr Geld zu drucken, um so die Inflation anzuheizen und die Schuld des Staates real zu entwerten. Nur ist das leichter gesagt als getan. Im Moment sind wir meilenweit von einer Inflation entfernt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, auf den Seiten 279 - 284 Ihres Buches beschreiben Sie eindrucksvoll die Gefahren der Deflation, die ja nu in vollem Gange ist. Was schlagen Sie vor, wie sie zu beenden sei? Keynes erwähnt in seiner Theorie den Silvio Gesell, dass er die richtigen Gedanken hätte. Er tauchte auch bei Mankiew in der Diskussion auf. Wäre das nicht ein Vorschlag? Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Gerhardus Lang
Sehr geehrter Herr Lang, eine Deflation ist schwer zu bekämpfen, wenn man sie erst einmal hat. Eine chronische Krankheit halt. Am besten ist es, man rekapituliert die Banken in der Krise ganz schnell, damit keine Kreditklemme entsteht. Dann gibt es auch keine Deflation. Gesells Vorstellungen sind nicht falsch, aber schwerer umzusetzen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Dr.Dr. Sinn, als Redner beim Neujahrsempfang der Süßwarenbranche (was es nicht alles gibt - gabs Schampus und Kaviar??) haben Sie die Manager der Banken in Schutz genommen. Demnach seien die Manager nur die Marionetten im Theater und der Stripenzieher der Aktionäre. Nun - dem kann ich so nicht zustimmen. Denn es sind ja gerade diese Manager der Banken, die ihre eigenen Leute massiv unter Druck setzen um die von der Bank vertriebenen Finanzprodukte - und sei es noch so großer und hochriskanter Mist - unters Volk zu bringen und für die Abschlüsse kassierten sowohl die Bank, als auch die Bankberater und last but not least der Manager (gemessen am Erfolg) fette Provisionen. WOllen Sie mal ein Beispiel? Na da schnappen wir und soch mal den Krösus der Bankenbranche, Mr. Josef Ackermann himself, Chef der Deutschen Bank. Die haben beispielsweise für einen Investmentfonds zum Bau von Megariesenrädern wie dem Golden Eye in London in vielen Metropolen der Welt Geld gesammelt, darunter von 10 000 Anlager aus Deutschland. Hier wurde den leuten eine risikolose Anlage mit hoher Gewinnausschüttung suggeriert - lassen Sie sich einfach mal so einen Prospekt zukommen von der Deutschen Bank. Die Bank selbst hat bereits für den Abschluß selber knappe 10% Vermittlungsprovision kassiert. Der Fond ist Pleite - die Kohle futsch, es steht nirgends auch nur ein einziges dieser Riesenräder - denn die Klitsche ging gleich nch dem bau eines Fundaments in China Pleite. Über die Seriösität von so einer eigenartigen Anlage kann man ncht streiten, die ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Allein von der großen Deutschen Bank gibt es noch weitere solcher Beispiele von - ich nenne es betrügerischen - Investmentprodukten. Und es gibt Tausende mehr solcher Investmentprodukte von sämtlichen anderen banken. Die Banken sind da fein raus, denn sie haben sih nach dem Crash darauf spezialisiert keine eigenen Anlageprodukte mehr zu verkaufen, sondern treten nur noch als Vermittler auf und kassieren dafür fette Provisionen. Nun frage ich Sie: Wollen Sie allen Ernstes Ihre Behauptung aufrecht erhalten die Bankmanager seien nur marionetten? Diese unseriösen Leute, werter Herr Sinn, sind die Ursache für massive Kaitalvernichtung. Und genau diese Banken werden beim nächsten Crash, dem Platzen der us-amerikanischen Kreditkartenblase, erneut nach Vater Staat schreien umd Steuergelder zu vereinnahmen. Und nich ein paar Worte zu Ihren Theorien des Esports: Exporte werden wegen des schwachen Dollars mehr denn je zu einem Zuschussgeschäft. Fragt sich nur wer das Geld aufbringen soll, um Exporte weiterhin in so großzügiger Form zu finanzieren, die Risiken für solche Geschäfte zu sozialisieren und die Gewinne in die Taschen der Manager - die ja nach wie vor mehrere Millionen für Null Risiko kassieren - zu leiten. Sehen SIe das nicht falsch. Ich bin sehr dafür das eine herausragende Leistung dementsprechend entlohnt werden muss, aber nur dann wenn die manager im falle eines Scheiterns auch das Risiko zu tragen mal ein oder 2 jahre für NULL gearbeitet zu haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fal: Scheitern die Manager, dann kassieren sie fette Abfindungen für vorzeitige Vertragsauflösung oder kassiern bis Vertragsende weiterhin ihre Gehälter - vorausgesetzt die Firma besteht solang und muss nicht Konkurs anmelden und Hunderte oder tausende Jobs vernichten. Die Gier vieler Manager ist so ausgeufert, sie scheuen nicht einmal davor zurück hier die fabriken zu schließen und in China neue Klitschen einzurichten und das gesamte Know-How frei haus mitzuliefern - die eigentliche Ursache für das Wachstum Chinas. Obwohl ich die von den kommunistischen Machthabern vorgegaukelten Wachstumszahlen sowieo sehr anzweifle. Das ganze System erinnert mich doch zu sehr an die 5-jahres-Pläne der DDR, wo Mähdurchbrigade 0815 trotz sinkender Ernten Jahr für Jahr die Soll-Zahlen um 10-20% überschritten haben - komische Ähnlichkeit gelle. Ihre Mitleidsbekunden zu Gunsten der Manager in aller Ehren, Meister Sinn. Es wäre aber angebracht Sie würden mal etwas Anteilnahme zeigen für die wahren Verlierer - den Arbeitnehmern hierzulande die Tag für Tag um ihren Job fürchten. Was glauben Sie eigentlich wie lange das Spiel so weitergeht? Europa wird finanzpolitsch daran scheitern, denn es wird mehr und mehr das Opfer und der Zahlmeister des us-amerikansichen Kapitalismus und des Sozialismus Chinas sowie Korruption Indiens. Die Amerikaner sind fein raus, sie delegieren einfach ihre Schulden, sie lassen ihre Währung geradezu verfallen und können somit ihre Schulden locker zahlen - Looser wird die deutsche Exportwirtschaft - was zu weiteren Megapleiten führt, und die Chinesen - angesichts ihrer extrem hohen Devisenreserven in US-Dollar. Ich bin nur darauf gespannt, wie Sie solche Entwicklungen dann begründen wollen? Selbst Ihnen dürfte klar sein, das gerade in der BRD der massive Rückgang an Exporten einigermaßen durch den Konsum im Binnenmarkt abgemildert wurden. Sicherlich gab es auch einen gewaltigen Abschwung hier, aber mit weit weniger Auswirkungen als in den anderen europäischen Ländern. Und dies haben wir auch dem Instrument Kurzarbeit zu verdanken, wobei hier massenhaft von den Großkonzernen betrogen wurde. Der Mittelstand und das Handwerk haben sich als Stütze der Konjuntur erwiesen - womit keiner von euch selbstherrlichen Experten gerechnet hat. Um das instument Kurzarbeit beneiden uns inzwischen die anderen Länder. Von den Experten wird sie dagegen, wegen der damit verbundenen Kosten, als Hindernis und Damoklesschwert angesehen, da sie ja auch die Fertigungskosten verteuert. Nun - das ist durchaus richtig: Aber hätten beispielsweise die Manager der großen Konzerne nicht in hirnloser Wildwestmanier über Jahrzehnte so massiv Jobs nach Asien verlagert, dann gäbe es das Phänomen Massenarbeitslosikeit nicht in dieser krassen Form. Und dadurch wären letztenendes auch die Lohnnebenkosten niedriger. Die alten Weisheiten der Manager, wie dauernd Fehlzeiten wegen Krankheit, zuviel Feiertage, zuviel Urlaub, zu hohe Löhne etc. sind schon seit teilweise 20 jahren nicht mehr zutreffend. Feiertage sind bereits weggefallen, der Urlaub hat sich im Schnitt auf 25 Tage reduziert, die Wochenarbeitszeit liegt durchschnittlich bei 41,5 Stunden, die Löhne stagnieren seit bereits 20 Jahren - und genau das sind die eigentlichen Ursachen der Krise auf dem binnemarkt. Mit freundlichen Grüßen Stephan Vollmer
Sehr geehrter Herr Vollmer, ich befürchte, Sie missverstehen mich, wenn Sie glauben, ich wollte die Manager in Schutz nehmen. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass deren Entlohnung, die in der Tat zu riskantem Anlageverhalten geführt hat, von der Entlohung der Aktionäre abgeleitet ist, bei der es auch nur Boni und kaum Mali gibt. Wenn Sie die Argumentation näher interessiert, kann ich Sie auf mein Buch "Kasino-Kapitalismus", Kap. 4, verweisen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse habe ich heute Ihren Beitrag auf BR alpha verfolgt. Hierzu haben sich für mich einigen Fragen ergeben, für deren Beantwortung ich Ihnen sehr dankbar wäre: 1) Sie sagten während des Vortrages, dass zwischen CO2-Gehalt und Temperatur kein kausaler Zusammenhang bestehen würde da auch noch eine Reihe weiterer Faktoren die Temperaturen beeinflussen würden. Wenn dem so ist, wieso können Sie dann davon ausgehen, dass mit einer Verringerung des CO2-Ausstoßes eine weitere Klimaerwärmung vermieden werden kann? 2) Sie haben den Temperaturverlauf der letzten 800.000 dargestellt. Wenn ich mir diesen anschaue, fällt mir auf, dass die Extreme / die Amplitude von Wechsel zu Wechsel der Warm- und Kaltphasen zugenommen haben. Demzufolge wäre es doch eine logische Schlussfolgerung, dass auch bei der jetzigen Warmphase ein neues Maximum erreicht werden sollte? 3) Können Sie mir sagen, weshalb die Extrema von Wechsel zu Wechsel zugenommen haben – ohne den CO2-Ausstoß durch den Menschen in früheren Phasen? 4) Wodurch kam es letztendlich in den zurückliegenden Warmphasen zu dem plötzlichen Ende der selbigen? Sind diese Abstürze vorhersehbar oder könnte es auch sein, dass der Temperaturanstieg der letzten Jahre sich plötzlich in einen negativen Trend umwandeln würde? Die Studien zum Temperaturanstieg gehen alle von einem mehr oder weniger linearen Verlauf aus, aber gerade Ihre Temperaturkurve zeigt doch, dass Änderungen plötzlich und unvorhersehbar auftreten. 5) Ebenso zeigt Ihre Temperaturkurve, dass die derzeitige Warmphase von ungewöhnlich langer Dauer ist. Keine vorhergegangene Warmphase hat jemals so lange angedauert. Glauben Sie, dass dieses konstante Klima ohne Zutun des Menschen auf ewig bestehen bleiben würde? Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen U. T.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Ich kann die zweite und dritte Frage nicht beantworten, weil ich kein Klimaforscher bin. Aber hier zur ersten Frage: Ich habe nicht gesagt, dass kein kausaler Zusammenhang besteht, sondern nur, dass die Korrelation der beiden Zeitreihen nicht so zu interpretieren sind, dass die hauptsächliche Kausalität vom CO2 zum Klima geht, sondern umgekehrt. Gleichwohl gibt es auch die umgekehrte Kausalität, wie die Klimatheorie und Spektralmessungen aus dem Weltall zur Erde zeigen. Bei der Rückstrahlung von der Erde, wie man sie aus dem Weltall misst, fehlen genau die Spektren, die das CO2 herausfiltert und in Wärme umsetzt. Die Filterung bzw. Absorption der Strahlen durch das CO2 selbst ist eine physikalisch eindeutige Sache. Alle Gase mit drei Atomen und mehr haben diesen Absorptionseffekt. Bezüglich der Kausalitätsrichtung ist das so: Wenn ein Auto zum Stillstand kommt, ist es meistens wegen der Bremse, aber manchmal auch, weil es vor ein Hindernis fährt. In meinem Buch "Das Grüne Paradoxon" habe ich mich damit in Kap.1 auseinander gesetzt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Augsburger AZ vom 02.01.10 wurden Sie in einem Interview zitiert: 'Die Senkung ....entbehrt einer volkswirtschaftlichen Berechtigung.' Politisch kann man über jede Steuer - die ja immer auch einen steuernden Effekt hat - verschiedener Meinung sein. Aber volkswirtschaftlich - aus europäischer Sicht betrachtet? Seehofer hatte versprochen, die MWSt. auf die gesamten Dienstleistungen der heimischen Gastronomie auf 7 % zu reduzieren. Heraus kam bekanntlich der Kompromiß auf 'Übernachtungen' begrenzt.- Ich verstehe H. Seehofer also: 'E i n s t i e g ' in die Reduzierung bzw. letzlich Abschaffung der MWSt. auf a l l e Dienstleistungen. Und gibt es zum Zurück zur alten Warenumsatzsteuer (aber eben im Mehrwertsteuersystem) überhaupt eine Alternative, wenn Europa als Ganzes seinen Lebensstandard nur beihalten will? (Gern sehe ich Europa und nicht die globale Welt positiv auch als Fortschrittslokomotive in Umwelt etc.) Die Besteuerung des Faktor 'A r b e i t ' mag zu Bismarck's Zeiten geboten und richtig gewesen sein, aber heute? Nur 1 Beispiel: Es sollte sich wieder lohnen, jedwelches Industrieprodukt zu reparieren oder eben 'nur' ein Update nachzurüsten als es als Ganzes dem Müll zuzuführen. Aus eben diesem Grunde sind m.E. auch Lohnnebenkosten als Ganzes umwelt-fortschrittsshemmend! Es wäre mal interessant auszurechnen, wie hoch verschiedene Waren-MWSt-Sätze sein müßten. Würden etwa 5 % für handwerkliche 50-km-Nahprodukte, (z.B. Bäckerbrot) 15 % für industrielle Fertigfood (z.B. Industriebrot) und Medikamente, sowie 25 % für den großen industriellen Rest nicht bestens ausreichen? Schließlich könnten dabei die sog. Betriebskosten der Firmen nicht mehr als Vorsteuer behandelt werden. Jedes Produkt würde de fakto mit seinem E n d preis mehrwert-besteuert, egal ob es zuletzt privat oder gewerblich gekauft wird. Wäre all dieses oder eben nur der Schritt dahin nicht eine echte Wachstumbeschleunigung in Richtung Vollbeschäftigung, Austrocknung der Schwarzarbeit, Umweltsanierung und letztlich ein Staatsschuldenabbau? Finden Sie diese Überlegungen gedanklich falsch? Liebe Grüsse M. S. PS: Die Einführung von regionalem Kunstgeld 'WIR' in Leipzig etc. etc. geht doch m.E. eigentlich als Nebeneffekt in dieselbe von mir skizzierte Richtung! Doch wie lang wird die EZB dieses akzeptieren?
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Es ist wichtig, dass die Steuern einheitlich sind, damit sie keine Lenkungseffekte entfalten. Die Mehrwertsteuer ist eine der neutralsten Steuern, die es gibt, aber nur, wenn die Sätze nicht differenziert werden. Die Differenzierung führt zu einer Änderung der Wirtschaftsstruktur, die den Präferenzen der Menschen nicht entspricht und aus steuerlichen Ausweichreaktionen resultiert. Ich kenne keinen Ökonomen, der das gutheißen würde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, fast ungläubig habe ich Ihren "Dino-Thesen" entnommen, dass Sie eines gleichnamigen Preises teilhaftig geworden sind. Was führt eigentlich das "hochmögende Preiskomitee" zur Begründung an und gibt es aus dieser Richtung inzwischen auch sachliche Reaktionen auf die "Thesen" und wenn ja, welche? Man wäre geneigt, über die Preisstifter (die Ihre Dotation wahrscheinlich feixend als kreativ beklatschen) den mildtätigen Mantel des Schweigens zu breiten, wenn hier nicht sachfundierte Diskussion ganz bewusst (!) durch persönliche Diffamierung ersetzt würde. Insofern ist dieses Thema nicht so ganz "ohne". Respekt daher vor der Art und Reise, wie Sie prompt, sachbezogen und vor allem souverän reagiert haben. Es wäre nun nach meiner Meinung wichtig, die "Thesen" nicht nur in den engeren Wissenschaftszirkeln zu diskutieren, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dann ich finde schon, dass die "0-Wirkungen" des EEG kaum bekannt sind, mir waren Sie vor dem "Grünen Paradoxon" übrigens auch keineswegs bewusst. Ich hatte nur manchmal Bauchschmerzen, wenn ich sah, dass umweltpolitische Förder- und Subventionsmillionen stets in einunddieselbe Richtung flossen. Mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gibt bislang keinerlei inhaltliche bzw. sachbezogene Kommentare des NABU. In der Tat sollte man die Öffentlichkeit informieren. Nur wie? Ich bemühe mich seit über einem Jahr. Ein Wissenschaftler dringt einfach nicht durch, wenn die Presse sich des Themas nicht wirklich annimmt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, Ich hab mit grossem interesse ihr buch Kasino Kapitalismus gelesen und gratuliere ihnen zur klarheit der darstellung und zu ihrem engagement,die oeffentlichkeit wach zu ruetteln (bei den politikern geht das wohl nicht). Mich wundert allerdings und das ist meine frage,warum sie nicht die abtrennung des investmentbanking von den grossbanken fordern: denn so lange die banken das billige EZB geld lieber in den renditestaerkeren Eigenhandel stecken,wird die kreditklemme wohl kaum beseitigt!? Und/oder waere es nicht sinnvoll die eher nutzlosen landesbanken mit der kreditgewaehrung an den mittelstand zu beauftragen und nur diesen und fuer diesen zweck billiges EZB geld zu gewaehren? Vielen dank Gruss Jochen Krautter,pensionierter Finanzvorstand Henkel
Sehr geehrter Herr Krautter, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Bei den Landesbanken bin ich ganz bei Ihnen. Dass man denen mit Staatsgeld das weltweite Zocken erlaubt, wenn ich so sagen darf, habe ich nie verstanden. Ich habe es auch schon in einem Buch über die Landesbanken, das in den neunziger Jahren herauskam, kritisiert. Bei der Trennung in Investment- und Geschäftsbanken wäre ich vorsichtiger, denn was soll sie bringen. Auch nach einer Trennung können die Geschäftsbanken ihr Geld an die Investment-Banken verleihen, so dass die dann weltweit in riskante Papiere investieren. Was helfen würde wäre statt dessen, die Banken zu zwingen, ihre Kapitalmarkt-Anlagen mit erheblichen Eigenkapitalbeträgen zu unterlegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ! Vor einiger Zeit (Datum nicht erinnerlich) haben Sie in der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" ein Interview gegeben, das unter dem Titel: "Niedriglöhne um ein Drittel kürzen" erschienen ist. Sie werden sich sicher noch daran erinnern können. Dieses Interview liegt jedenfalls schon länger zurück. Meine Frage: Halten Sie heute angesichts der derzeit gegebenen Situation Ihre Meinung noch aufrecht ? Haben Sie jemals in Ihrem Leben existenzielle Sorgen gehabt ? Ich vermute doch eher nein. Wären Sie bereit, eine sehr begrenzte Zeit (eine Woche) das Leben eines Niedriglohnempfängers zu führen um dann in der Praxis - und nicht aus dem elfenbeinernen Turm der Wissenschaft - zu prüfen, wie es sich so lebt ? Wenn man das überhaupt als "Leben" ansehen kann. Sie werden doch nicht im Ernst glauben, daß man mit einem Absenken der Löhne den Wirtschaftsstandort Deutschlands oder Österreichs halten kann. Sie plädieren für ein Absenken der Sozialbeihilfen und gleichzeitig für ein Absinken der Löhne. Dabei ist aber doch abzusehen, daß die Lebenskosten verursacht durch Wohnen, Kleidung, Energiekosten, Lebensmittel, etc. nicht in gleichem Ausmass zurückgehen werden. Nehmen Sie es also in Kauf, daß dann gewisse Leute einbrechen gehen, Überfälle durchführen etc.? Das erfordert dann wieder enorme Kosten des Strafvollzuges. Da beisst sich doch die Katze in den Schwanz. Auf eine Antwort, die so gehalten ist, daß diese auch jemand mit "nur Abitur" versteht, wäre ich sehr gespannt. Mit freundlichen Grüßen Thomas Seger
Sehr geehrter Herr Seger, Sie sind das Opfer einer verzerrenden Darstellung des Titeltextes geworden, der wie es so üblich ist, so geschrieben wird, dass der Protest der Leser maximiert und die Emotion geschürt wird. Das Interview liegt in der Tat schon einige Jahre zurück. Es ging um die Schaffung eines Niedriglohnsektors in Deutschland. Er sollte durch ein Lohnzuschusssystem ermöglicht werden, das dann die Einkommen erhöht statt gesenkt hätte. Es kommt ja für den Lebensstandard nicht auf die Löhne, sondern auf die Einkommen an, und die können durch Lohnzuschüsse erhöht werden. Das ifo Institut hatte dazu die aktivierende Sozialhilfe als Fördermodell entwickelt. Die Politik ist uns ein Stück weit gefolgt. Deutschland hat den Niedriglohnsektor bekommen, es gab ein Jobwunder, und mit Hartz IV wurde ein Lohnzuschusssystem eingeführt, das die Einkommen für 1,3 Millionen Lohnbezieher aufstockte und über die Armutsgefährdungsgrenze hob. Würde ich Ihre Suggestivfrage bezüglich meiner eigenen Erfahrung mit einem niedrigen Lebensstandard beantworten, wären Sie sicherlich schockiert. Aber das gehört wohl nicht zur Sache. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich hatte vor einigen Monaten eine Anfrage nach Ihrem Vortrag in Osnabrück gestellt, deren Antwort leider weder inhaltlich, noch semantisch einen Sinn ergab. Ich möchte daher meine Frage noch etwas präzisieren: Ein auf Wachstum orientiertes Wirtschaftssystem ist, rein mathematisch, von einer oberen Grenze determiniert. Genauer: Das derzeitige Wirtschaftssystem basiert (mathematisch) auf einem exponentiellen Wachstum. Sie kennen sicher das uralte Beispiel mit dem Schachbrett: Ein Reiskorn auf dem ersten Feld und dann doppelt so viele auf dem jeweilig folgenden. Es ist nach einigen Wachstumsperioden einfach nicht möglich, das weitere Wachstum in adäquatem prozentualem Zuwachs zu realisieren. In dem Beispiel mit dem Schachbrett (bei Verdoppelung) muss man bei 64 Feldern quasi eine unendliche Anzahl von Reiskörnern aufbringen. Auch wenn in den derzeitigen wirtschaftlichen Systemen von keiner Verdoppelung von Jaht zu Jahr ausgegangen wird, so ist aber dennoch das System exponentiell angelegt. Der Faktor ist halt nicht 1 zu 2, sondern man "begnügt" sich mit einer Rendite von 5-10 oder auch 20 oder 30 (?) Prozent (je nach Gier der entsprechenden Investoren und den scheinbaren Möglichkeiten durch geschickte kurzfristige Kalkulationen). In der Vergangenheit konnte immer wieder ein "Reset" dieses Sytems erfolgen (die Weltkriege). Zerstörung schafft immer wieder die neue Möglichkeit, Wachstum von einem neuen Nullpunkt aus, zu schaffen. Heute leben wir in einer Welt, die global dermassen vernetzt und abhängig ist, dass ein solcher Weg - zum Glück - nicht mehr möglich ist. Umso mehr stelle ich noch einmal die Frage, wie - unter der Voraussetzung des geforderten systemimmanenten exponentiellen Wachstums - das derzeitige System überhaupt funktionieren kann. Beschleunigt wird meiner Meinung nach das System wesentlich dadurch, dass nur Abgaben auf Güter, nicht aber auf Finanztransaktionen erhoben werden. Stichwort: Güter unterliegen einem Wertverlust (Steuern/ Verderb / Veralterung/ Wertverlust), Geld aber bleibt, abgesehen von Inflation im Wert erhalten. Ist nicht mindestens eine Abgabe auf Finanztransaktionen notwendig? Ich möchte betonen, dass ich mich hier nicht nur auf die Finanzsituation in Deuschland beziehe. Es geht hier um das grundsätzliche System, welches natürlich global aufgestellt ist. Allerdings ist mit der EU ja auch ein durchaus mächtiger Apparat instititioniert (insbesondere nach der Verabschiedung des Lissabon-Vertrages), so dass es Möglichkeiten gibt (oder sehr kurzfristig geben kann - wenn der Wille da ist), um entsprechende Massnahmen durchsetzen zu können. Das Prinzip des Zinseszins zerstört immer stärker die gesamten Volkswirtschaften, weil immer offensichtlicher wird, dass selbst die Zinsen nicht mehr adäquat (Stichwort Wertschöpfung) beglichen werden können. Welche Vision haben Sie? Ich bin sehr interessiert. Mit freudlichem Gruss M. S.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig recht. Exponentielles Wachstum für immer kann es nicht geben. Aber doch für lange Zeiträume. Wenn die Weltwirtschaft eines Tages nicht mehr wächst oder sogar schrumpft, weil die Ressourcen zur Neige gehen, was ich vermute, wird dennoch die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform sein, weil sie die Knappheit effizient verwaltet. Mit dem Zins oder Zinseszins hat das nichts zu tun. Selbstverständlich kann es auch in einer stationären oder schrumpfenden Wirtschaft Zinsen geben. Der alte österreichische Ökonom Böhm von Bawerk hatte drei Zinsgründe angegeben: Die Mehrergiebigkeit längerer Produktionsumwege, die bessere Versorgungslage in der Zukunft und die Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse. Nur der zweite Grund hat mit Wachstum zu tun. Die anderen beiden Gründe können auch bei stationärer oder schrumpfender Wirtschaft einen Zins erzeugen. Alle einschlägigen Wachstumsmodelle können bei geeigneter Parameterwahl auch als Schrumpfungsmodelle laufen, und dennoch kann der Zins positiv sein. Freilich kann der Zins bei hinreichend starker Schrumpfung negativ werden, weil der zweite Zinsgrund von Böhm von Bawerk die anderen dominiert. Auch mit negativen Zinsen bleibt die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform. Ob der Staat eine Steuer auf Finanzvermögen einführen sollte, kann man diskutieren. Dafür spricht ein Verteilungsargument sowie das Tobin-Argument, den Nullsummenspielen die Luft wegzunehmen. Dagegen spricht, dass man eigentlich keine Steuer auf Transaktionen haben sollte, weil sie die meisten Verzerrungen im Wirtschaftsablauf auslöst. Wenn man gute von schlechten Finanztransaktionen unterscheiden könnte, hätte ich nichts dagegen, die schlechten zu besteuern. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihren Artikel in der FAZ habe ich mit großen Interesse gelesen, und ich stimme fast allen Ihren Thesen zu. Lediglich zur These 6 habe ich eine etwas andere Sicht. Sie schreiben dort als Quintessenz, "Je mehr Schlote die Europäer außer Betrieb nehmen, desto niedriger ist der Preis der fossilen Brennstoffe, und desto mehr Schlote werden im Rest der Welt neu errichtet." Kann es nicht sein, dass ähnlich wie Europa über kurz oder lang auch die USA und weitere wichtige Staaten aus eigener Einsicht und ohne ein globales Abkommen eine effektive Klimaschutzpolitik betreiben? Warum sollte die Nachfrage nach fossiler Energie außerhalb Europas nur durch den Preis bestimmt werden. Das Beispiel Europa zeigt doch, dass auch allein durch Druck von innen Klimaschutzpolitik in Gang kommen kann. Ist es nicht denkbar, dass das Beispiel Europa Schule macht und dass dadurch letztlich auch weltweit die Nachfrage nach fossiler Energie sinkt, trotz sinkender Preise? Ich glaube, offen gesagt nicht daran, dass man außerhalb Europas auf Dauer Energiepolitik nur nach Maßgabe der Angebotspreise der Energieträger machen wird. Mein Eindruck ist eher, dass China mit seinem Ziel, die CO2 Intensität seines Sozialprodukt in den 15 Jahren von 2005 - 2020 um 40-45% zu reduzieren, sich bereits ein ehrgeiziges Ziel setzt, an dem sich auch die USA und Europa messen lassen müssen. Vielleicht liegt hier auch eine Ursache für das eine oder andere Missverständnis, das Ihre Positionen manchmal bei Berufsgrünen hervorrufen. Mit freundlichem Gruß Christoph Barthe
Sehr geehrter Herr Barthe, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es gibt keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen meiner These 6 und Ihrer Sicht. Klar: man kann hoffen, dass die Chinesen unserem Beispiel folgen und sich zu Einschränkungen des C02-Verbrauchs bereit erklären, wenn wir mit gutem Beispiel voran gehen. Das aber ist eine Aussage, die sich nicht auf die Entscheidungen der Firmen und Bürger, sondern die Entscheidungen des Staates bezieht, also eine mögliche chinesische Position bei den Verhandlungen für ein weltweites Klimaabkommen. Meine These bezieht sich nicht auf die politische Entscheidungsebene, sondern auf die Ebene der einzelnen Entscheidungsträger und auf die Marktprozesse. Da ist unilateral grüne Politik aus den im Artikel beschriebenen Gründen konterproduktiv. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob wir mit unseren politischen Vorleistungen bei den internationalen Verhandlungen etwas erreichen. Kopenhagen hat das ja gezeigt. Was die Chinesen zum Mitmachen bewegen wird, sind nur harte Positionen und glaubhafte Drohungen. Wenn wir unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen politisch drosseln und die Klimaerwärmung drosseln, haben sie bei gegebenem Klimaziel umso mehr Spielraum für eigene Emissionenen. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Vorschlag, dass sich der Staat an den privaten Geschäftsbanken beteiligen sollte, um deren Eigenkapitalquoten zu heben, scheint mir fast völlig aus der aktuellen Diskussion verschwunden zu sein. Ich bitte Sie, dieses Thema, wieder stärker in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken. Angesichts der immer stärker werdenden Kreditklemme, ist es der einzig faire Weg die Banken zu retten ohne Steuergeschenke an die Altaktionäre zu verteilen. Könnte diese von Ihnen entwickelte Stategie auf breiter Front umgesetzt werden, würde unser gesamtes Land sehr stark davon profitieren. Ich wünsche Ihnen einen "Guten Rutsch" und viel Erfolg im neuen Jahr, bei Ihrer wichtigen und oft mühsamen Überzeugungsarbeit. Herzliche Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, auch Ihnen alles Gute im neuen Jahr. Ich werde sehen, wie ich den Vorschlag der Staatsbeteiligung an den Banken im Gespräch halte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn Bei ihrer Argumentation gegen Mindestlohn und für aktivierende Sozialhilfe spielt ja das Thema der Produktivität der Arbeiter eine entscheidende Rolle. Von der Einführung eines Mindestlohns von 7,50€ wären ja fast ausschließlich Angestellte im Dienstleistungssektor betroffen. Nun meine ganz einfache und kurze Frage: Wie kann man die Produktivität eben eines solchen Angestellten bestimmen? z.B. die Produktivität eines Straßenkehrers oder einer Friseurin. Das muss doch irgendwie von der Zahlungsbereitschaft des Kunden abhängen. Ich studiere zwar VWL im 7. Semester, unter anderem bei ihnen, aber es bleibt mir ein Rätsel..
Sehr geehrter Herr Graf, in der Tat geht es um Wertproduktivitäten, und in die gehen die Preise ein, die von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängen. Je billiger die Haarschnitte sind, desto mehr werden nachgefragt. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geerhter Herr Sinn Ich habe ihren Bericht in der FAZ gelesen. Dieser Artikel beschreibt die Situation und das Verhalten der Deutschen und ihrer Politiker vollkommen richtig. Ich möchte dazu nur zwei Anmerkungen machen. 1. Biogas Wir ernten in Schleswig-Holstein um 50t Mais vom Hektar Wenn man eine gute Anlage hat schafft man 250m3 Gas pro Tonne mit 60% Methan. Das sind 7500m3 Gas mit Erdgasqualität , das entspricht 10KW je Kubimeter Gas oder auch 75000KW pro Hektar. Dieses Gas kaufen die Stromkonzerne für 7-8 ct/KW und betreiben damit Blockheizkraftwerke um Gebäude zu heizen und den Strom für 20ct an sich selbst zu verkaufen. Das Entscheidende ist der Rohertrag vom Hektar Mais ist 5250€. In Bayern ist der Maisertrag noch 30% höher. Die Kosten für die Biogasanlage pro Hektar und Jahr (Zinsen und AFA) beträgt ungefähr 1300- 1600€. 3500€ konkurrieren mit 1500€ Rohertrag bei Weizenproduktion. Der Aufwand ist bei Mais für Biogas aber 20% niedriger. Deutschland wird bei diesen Rahmenbedingungen Biogasland!!!! und das alles ohne Geld vom Staat. Die Nahrungsmittelproduktion kommt erst wieder auf diesen Flächen in Gang bei einem Weizenpreis von über 25€/dt 2. zu ihre Bemerkung der Maisversorgung Mexikos aus der USA. Bis 1990 versorgte sich Mexiko mit Mais und Zucker selbst, mit Gründung der nordarmerikanischen Freihandelszone waren die nicht mechanisierten Bauern in Mexiko nicht mehr wettbewerbsfähig, machten sowohl bei Zuckerrohr wie auch beim Mais eine reine Subsistenzwirtschaft und als dann die Nahrungsmittel knapp wurden konnten sie sofort wieder produzieren. Genauso wie USA verhindert die EU mit ihrer subventioniertenden Landwirtschaft Aufbau einer leistungsfähigen Landwirtschaft in diesen Ländern. Aber das Problem werden die Ökös bei uns ändern, wenn die Nahrungsmittelproduktion aufhört. Ich frage mich wie diese Probleme der Markt lösen sol. Peter Lund
Sehr geehrter Herr Lund, Ihre Zahlen sind sehr interessant. Die Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion wird die Welt verändern, auch Deutschland. Der Markt kann hier nichts lösen, sondern erzeugt das Problem. Meines Erachtens sollte der Staat Barrieren zwischen den Märkten aufbauen, anstatt die Verkopplung zu befördern. In meinem Buch "Das grüne Paradoxon" habe ich das näher ausgeführt. Ein ganzes Kapitel ist der Bioenergie gewidmet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich stimme Ihnen völlig zu, wenn Sie lt. FAZ-Artikel eine Kurskorrektur der Umweltpolitik und ein Ende des kostspieligen Aktionismus fordern. Wo Sie allerdings irren, ist Ihre Feststellung, dass die Erdtemperatur in 20 oder 30 Jahren höher sein wird als in den vergangenen 800 000 Jahren. Die Annahme, die Globaltemperatur würde sich nur nach dem CO2 richten, ist eine naive Irrlehre. Die Eiskernbohrungen von Grönland und der Antarktis zeigen eindeutig, dass sich in der Vergangenheit immer erst die Temperatur geändert hat (Haupteinfluss: die variable Sonnenaktivität) und dann mit Verzögerung der CO2-Gehalt angepasst hat (durch Ausgasung/Aufnahme der Ozeane). Hier verwechseln einige Leute aus ideologischen Gründen Ursache und Wirkung. Eine Vorhersage der Klimaentwicklung ist grundsätzlich nicht möglich, da zu viele Einflussfaktoren mitspielen, die heute noch nicht hinreichend definiert sind. Die vergangenen 10 Jahre haben dies erneut bewiesen: alle Vorhersagen (die nur auf CO-Anstieg beruhten) waren falsch. Niemand hat das Ende des Temperaturanstieges und den Rückgang in den letzten Jahren vorhergesagt. Wie der IPCC schon richtig festgestellt hat, gilt in der Klimawissenschaft: "In climate research and modelling we should recognize, that we are dealing with a coupled non-linear chaotic system, and therefore that the long-term prediction of future climate states is not possible". IPCC, Third Assessment Report, 2001, Section 14.2.2.2, page 774 Wenn Sie schreiben: "das Grönland-Eis wird noch in diesem Jahrhundert schmelzen", dann liegt offenbar ein tiefgreifendes Missverständnis vor: Auch bei langfristig erhöhten Temperaturen würde es etwa 10 000 Jahre dauern, bis der bis 3000 m starke Eispanzer abgeschmolzen wäre, auf dem heute Temperaturen von durchschnittlich -31°C herrschen. Ein Abschmelzen tritt nur an den Rändern und durch Gletscherfluss auf, wird aber weitgehend durch den jährlichen Schneefall auf der fast 2 Millionen Quadratkilometer grossen Hocheisfläche wieder ausgeglichen. Im übrigen zeigt die Temperaturhistorie von Grönland in den letzten 2000 Jahren eine abfallende Tendenz, siehe das beigfügte Diagramm. Mit freundlichen Grüssen Dr. D. E. Koelle
Sehr geehrter Herr Koelle, vielen Dank für Ihre Nachricht. Aber keine Angst, ich schließe nun wirklich nicht von der Korrelation auf die Kausalität. Mit der Kausalitätsfrage und den Eiskernbohrungen habe ich mich im ersten Kapitel des in der Fußnote des FAZ-Artikels genannten Beitrages beschäftigt. Die Prognosen stammen vom IPCC, die Aussage, dass der Rekord der letzten 800 Tausend Jahre gebrochen wird, folgt aus den Eiskernbohrungen. Zum Grönlandeis verweise ich auf: Ice-Sheet and Sea-Level Changes” Alley, Richard B., Clark, Peter U., Huybrechts, Philippe und Joughin, Ian, (2005), Science, Vol. 310 No. 5747, pp. 456-460. Danach beginnt das Eis ab einer Erwärmung der Atmosphäre bei 3 Grad Celsius zu schmelzen, natürlich von den Rändern her. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, im Rahmen eines von Herrn Professor Schwintowski (Humboldt Universität Berlin) betreuten juristischen Promotionsvorhabens befasse ich mich derzeit mit möglichen Regulierungsansätzen für Leerverkäufen. Im Rahmen dieser Dissertation bemühe ich mich um ein besseres Verständnis der ökonomischen Auswirkungen von Leerverkäufen auf die Finanzmärkte. Ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Leerverkaufsthematik in Ihrem jüngsten Buch „Kasinokapitalismus“ gelesen. In dem Buch betonen Sie die Eignung von Leerverkäufen zur Marktmanipulation sowie deren destabilisierenden Einfluss auf die Kapitalmärkte. Sie argumentieren, dass das typischerweise mit Hilfe von Leerverkäufen verfolgte Ziel – die Spekulation auf sinkende Kurse – auch durch Terminverkäufe von Aktien realisierbar sei. Daher seien Leerverkäufe letztlich überflüssig und zu verbieten. Ich teile Ihre Einschätzung hinsichtlich der mit Leerverkäufen verbundenen Risiken. Allerdings meine ich, dass Leerverkäufe durchaus sinnvolle Funktionen erfüllen können. So wird sich in dem von Ihnen genannten Beispiel der Terminkäufer – meist eine Bank – gegen das Risiko eines steigenden Kurses absichern wollen. Eine solche Absicherung erfolgt meines Wissens in der Praxis meist über einen simultan mit dem Termingeschäft getätigten Leerverkauf. Insofern scheinen mir Leerverkäufe jedenfalls zur Absicherung von Termingeschäften notwendig. Zu der Frage, wie sich Leerverkäufe auf die Finanzmärkte auswirken, existieren zahlreiche wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen meist angelsächsischen Ursprungs, die ich derzeit auswerte. Die meisten dieser Studien bescheinigen jedenfalls gedeckten Leerverkäufen positive Auswirkungen auf die Finanzmärkte. So wird betont, dass Leerverkäufe einen positiven Beitrag zur Marktliquidität und Preisfindung leisteten. Dennoch darf das Missbrauchspotential dieser Handelstechnik nicht aus den Augen verloren werden. Es stellt sich daher die Frage, ob Leerverkäufe in Deutschland und Europa wenn nicht zumindest erhöhten Transparenzerfordernissen unterworfen werden sollten. In Frage kämen hier bspw. Kennzeichnungspflichten für Leerverkäufe und/oder Meldepflichten hinsichtlich gehaltener Short Positionen, sobald diese gewisse Grenzwerte überschreiten. Für eine solche Kennzeichnungspflicht spräche, dass Leerverkäufe für die Finanzmarktaufsicht erkennbar und damit besser kontrollierbar würden. Zudem könnten die gesammelten Daten dem Finanzmarkt in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden und so zu einer Verbesserung der Markt- und Preistransparenz beitragen. Neben der Einführung der oben skizzierten Transparenzvorschriften könnte eine Unterbindung ungedeckter Leerverkäufe nach US- amerikanischem Vorbild (Regulation SHO à „locate requirement“ & „close out requirement“) sinnvoll sein. Zur Verhinderung von Leerverkaufs-Attacken auf einzelne Aktientitel könnte zudem die Einführung sogenannter „Circuit- Breaker“, die bei starken Kursrückgängen einzelner Aktientitel die Durchführung weiterer Leerverkäufe dieser Titel automatisch unterbinden, erwogen werden. Eine weitere Alternative wäre die Einführung einer Regelung, welche Leerverkäufe nur in steigende Märkte zulässt. Eine solche, an der US- amerikanischen „Up-Tick- Rule“ angelehnte Vorschrift wäre ggf. geeignet, eine Beschleunigung von Abwärtsspiralen durch Leerverkäufe zu verhindern. Mit der Leerverkaufsproblematik haben sich in kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen sowohl das Committee of European Securities Regulators (CESR) als auch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) befasst. Während die CESR primär mehr Transparenz für Leerverkäufe fordert, regt die IOSCO darüber hinausgehend die Einführung strikter Settlement- Vorschriften zur Bekämpfung von Lieferverzögerungen bei Wertpapiergeschäften an. Eine Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen würde für die betroffenen Wertpapierhändler/ Banken/ Investmenthäuser wohl nicht unerhebliche Kosten verursachen und zudem eine erhebliche Einschränkung der Geschäftstätigkeit bedeuten. Erste Stellungnahmen der Wertpapierwirtschaft zu den Vorschlägen der CESR und IOSCO fallen daher naturgemäß wenig euphorisch aus. Ich würde mich freuen, mit Ihnen oder einem mit dieser Thematik befassten Mitarbeiter Ihres Hauses zu den oben aufgeworfenen Fragen in Dialog treten zu dürfen. Würden Sie die Einführung von Transparenzvorschriften für Leerverkäufe begrüßen? Oder ist aus Ihrer Sicht ein völliges Verbot gedeckter und ungedeckter Leerverkäufe tatsächlich die einzig richtige Antwort auf die mit Leerverkäufen verbundenen Risiken? Ist das aktuell an deutschen Börsen für Wertpapiertransaktionen geltende Settlement- System ausreichend effektiv oder sollten hier verschärfte Regelungen (wie bspw. die Einführung von Strafzahlungen und schnellere Zwangseindeckung offener Positionen bei Lieferverzug) erwogen werden, um ungedeckte Leerverkäufen entgegenzuwirken? Mir ist bewusst, dass die vorstehend formulierten Fragen recht speziell und nicht einfach zu beantworten sind. Sie haben sich aber intensiv mit den Ursachen der Finanzkrise befasst. Möglicherweise können Sie daher zu der einen oder anderen der oben aufgeworfenen Fragen etwas sagen? Ich würde mich freuen, wenn Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten. Mit freundlichen Grüßen Dirk- Fabian Lange
Sehr geehrter Herr Lange, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Das Thema, das Sie sich vorgenommen haben, ist wichtig. Aber Sie sind sicherlich schon viel tiefer eingestiegen als ich. Die Transparenzregeln können helfen, wenn wir eine Aufsicht haben, die damit etwas anfangen kann. Was Sie an positiven Aspekten der Leerverkäufe aufzählen, will ich nicht bestreiten. Allerdings scheint mir, dass die genannten Effekte auch bei einfachen Termingeschäften zu erzielen sind. Das müsste die Forschungsstrategie sein: Herausfinden, was Leerverkäufe zusätzlich zu Termingeschäften an Vorteilen bringen. Wenn diese Vorteile damit zu tun haben, dass man als einzelner Investor den Marktkurs verändern kann, sind sie volkswirtschaftlich zu verwerfen. Wenn es andere Vorteile sind, die ich aber im Moment nicht überblicke, kann man Leerverkäufen positiver gegenüber stehen. Ich kann Ihnen also nur empfehlen, sich bei Ihrem Denkprozess präzise auf diese Fragestellung zu konzentrieren. Eigentlich ist die Fragestellung mathematischer Natur, aber ich weiß natürlich, dass es für Juristen nicht gerade naheliegt, die Natur der Geschäfte formal-mathematisch zu formulieren. Dann würde man aber präzise sehen, worin der Zusatznutzen der Leerverkäufe besteht und könnte volkwirtschatlichen von privatem Nutzen unterscheiden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihren Vortrag in Hannover über die Finanzkrise vor einigen Monaten gehört und anschließend Ihr Buch zum Casino Kapitalismus gelesen. Die hat bei mir etliche Fragen aufgeworfen und ich erlaube mir, mich hilfesuchend hiermit an Sie zu wenden : Rein volkswirtschaftlich gesehen müßte die Bewältigung der jetzigen Krise doch wohl nicht zwangsläufig mit höheren Schulden einhergehen, wie man sagt. Wäre es nicht denkbar, daß statt der Verschuldung bei uns auch der Weg der dauerhaften Geldschöpfung gewählt würde, indem die Bundesbank sogenannten systemrelevanten Instituten „einen verlorenen Sanierungs-Zuschuß“ gewährte, der nie zurück gezahlt würde? Wie sich das auf das Vertrauen in die Stabilität der Währung , den Lebenshaltungskostenindex auswirkt. müßte man sehen… Ist die Fed nicht auf dem Wege dazu, indem sie Anleihen aufkauft (warten wir mal, was sie tut, wenn die nicht gezahlt werden können..) Man sagt gemeinhin, daß die Geldmenge, die heute weltweit existiert das 30fache? dessen umfaßt, was realwirtschaftlich notwendig ist. Verstehe ich es richtig, daß also ein Großteil der Geldmengen nicht in die Realwirtschaft fließen, sondern in finanziellen Gütern gebunden sind. Gibt es diese überhaupt oder hängt alles irgendwie mit der Realwirtschaft zusammen? Selbst wenn das der Fall wäre, gibt es offensichtlich einen riesengroßen, permanenten Bodensatz , indem das spekulative Geld steckt. Weiß man in etwa in welchen Kategorien und Größenordnungen die nicht realwirtschaftlich benötigten Beträge angelegt sind weltweit? Ich unterstelle, daß es solche finanziellen Güter gibt und frage folgendes: Irgendwann habe ich in der Jugendzeit etwas von der Fischerschen Verkehrsgleichung gehört , die heute wohl nur noch historische Bedeutung hat. Als Denkmodell scheint sie mir aber nach wie vor hilfreich, wenn man sie etwas erweitert, nämlich annimmt, daß Mit dem Einkommen gehortet+konsumiert+investiert+spekuliert werden kann (der Faktor Spekulation wäre hier neu. Ihn gab es immer schon , aber nie in so erheblichem Umfang wie heute im Verhältnis zur Realwirtschaft) Und neben dem Güterberg heute zusätzlich finanzielle Güter (Instrumente, wie Aktien, Kontrakte…) bestehen, die losgelöst vom Güterberg existieren können und ein Leben für sich leben.. Vor diesem Hintergrund würde dann deutlich, daß die Erweiterung der Geldmenge nicht zwangsweise zu einem Anstieg der realwirtschaftlichen Preise führt sondern sich die Effekte in einem Aufblähen und einer Inflation der Werte der finanziellen Instrumente sich zeigen kann. Hätte die Volkswirtschaftsehre einen Index für die Preisentwicklung der finanziellen Güter und betrachtete man beides zusammen, also insbesondere den Verbraucherpreisindex und den Finanzindex, müßte doch vieles deutlicher werden. Wie man diesen Index mißt und was man einbezieht, wäre sicherlich einiger Forschung wert. Wenn diese 2 Welten existieren, die eigenen Gesetzen unterliegen, dann würde auch deutlich, daß es völlig hirnrissig ist, den Banken Geld – heute auch noch auf unserer aller Kosten- zu geben, die zum größten Teil in Finanzinstrumente fließen, statt in die Realwirtschaft und daß es richtig wäre das Banksystem – wie in England wohl vorgesehen – in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Die Notenbank kann nicht beliebig viel Geld schaffen, weil das den Kapitalmarkt aushebelt. Die Zinsen sind dann praktisch null. In der Krise ist es ok. Bei Normalsituationen der Wirtschaft gäbe es Inflation. Deswegen ist die Monetarisierung der Staatsschuld keine Option. Die Geldmenge ist bestimmt nicht dreißig Mal höher als nötig. Das ist eine viel zu hohe Zahl. Wir müssen irgendwann zu einer Politik des knappen Geldes zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn! Vielen Dank für Ihren Artikel in der heutigen FAZ. Erlauben Sie ein paar Bemerkungen dazu. Es mag sein, dass ich offene Türen einrenne, da ich leider das Buch, auf das der Artikel Bezug nimmt, noch nicht kenne. Jedenfalls ist es dankenswert, dass Sie die religiöse Komponente des Höllenhauches CO2 relativiert und daraus überzeugende Wirtschaftspolitische Konsequenzen aufgezeigt haben. Ich schreibe Ihnen als emeritierter Radiochemiker und pensionierter Geschäftsführer eines Nuklearbetriebes, der einen Großteil seines Berufslebens mit der intellektuellen Angst -campagne gegen Radioaktivität in Deutschland leben musste. Dadurch sensibilisiert sammle ich nun seit vielen Jahren sorgfältig Literatur zum Wetter, neuerdings als Nicht-begriff Klima überhöht, und lese diese kritisch, um mir ein eigenes Bild außerhalb dieser neumodischen verzichtsethischen Treibjagd machen zu können.. Es ist immer verdächtig, wenn alle sogenannten Fachleute zu ihrem eigenen Nutzen einer Meinung sind. Meteorologen waren immer arme Schlucker und sind erst mit der Klimahysterie an die Fleischtöpfe der Fördermittel herangekommen Umso mehr wundert es, wenn es schon ganz zu Anfang der Beobachtungen eines sich anbahnenden Klimawandels immer Fachleute gab, die einen Einfluss des CO2-anstieges in der Atmosphäre als den bestimmenden Faktor infrage gestellt haben. Meine Sammlung solcher Stimmen hat mittlerweile schon fast biliophilen Charakter und geht weit über die 1000 Zitate hinaus, wobei auch berühmte Forscher darunter sind. Da werden auch beispielsweise die von Ihnen zitierten Bohrkernanalysen aus der Antarktis wegen der Diffusion zwischen den Eisschichten ernstlich in ihrer Aussagekraft angezweifelt. Es scheint aber unbestreitbar zu sein, dass nach einer langen Periode relativ bescheidener Klimaveränderungen nun doch eine Erwärmung messbar ist. Es wird allgemein versucht, durch Vergleiche mit früheren Perioden des Erdklimas eine Zukunftsprognose zu erhärten. Die neuen Klimamodelle schießen aber meist weit über die erwartbaren Veränderungen hinaus und sind damit wenig glaubwürdig. Es fällt auf, dass zwei Grundfragen übegangen werden : 1) Hängen gleichzeitig ablaufende Vorgänge tatsächlich ursächlich zusammen ? Dann könnte man ja beispielsweise durch eine Storchennestanbringungsverordnung auch unsere demographische Delle auswetzen. 2) Lösen lineare Veränderungen einer Bestimmungsgröße bei der anderen unbedingt und nur lineare Veränderungen aus - oder könnten es auch nicht lineare, also degressive oder progressive Folgen sein ? Zu 2) könnte man immerhin fragen, was denn am Menschen-gemachten CO2-anstieg anders wäre, als es die Vergangenheit ausweist. Der einzige Unterschied, der auffallen könnte, ist das D(C)/dt, die Anstiegsgeschwindigkeit, die in geologischen Dimensionen betrachtet von geradezu explosionsartiger Plötzlichkeit ist. Merkwürdigerweise hat dieser Umstand, weil er keinerlei erdgeschichtliches Vorbild hat, noch wenig Beachtung gefunden. Man darf aber vermuten, dass die abmildernden Augleichsvorgänge zwischen den verschiedenen Kohlenstoffdepots der Erde, wie sie bisher immer stattfanden, nicht so schnell folgen können. Das betrifft zu allererst das beweglichste nach der Atmosphäre, das Depot Meerwasser, das ja immerhin 30 mal größer als das der Atmosphäre ist (aus der Umverteilung von Radiokohlenstoff nach den oberirdischen Atombombenversuchen weiß man, dass die obere Meeresschicht CO2 mit einer Halbwertszeit von etwa 12 Jahren mit der Atmosphäre austauscht, von tieferen Schichten weiß man aber nichts), wie auch die Pflanzendecke, das Plankton und die Karbonatbildung in den Gebirgen als Hauptauffang-Reservoirs. Es gibt auch ein Henne-Ei Problem mit der Meerwassertemperatur, die aus welch- immer Gründen ansteigt und damit nicht nur Teile des gelösten CO2 nach Mineralwasserart freisetzt, sondern auch Teile des unter-meerischen Methans. Damit könnte es sein, dass wir wegen der einmaligen Anstiegsgeschwindigkeit bereits jetzt einem sich selbst beschleunigenden Änderungsvorgang ausgesetzt sind, den man nicht mehr durch auch noch so rigorose Exhalationsbeschränkungen aufhalten kann. Das wäre ! zwar wenig ermutigend. Wir wissen es aber nicht. Ebenso könnte es sein, dass die Wärmerückhaltewirkung des CO2 schon heute weit über der atmosphärischen Sättigungsgrenze liegt und mehr davon im Vergleich zum Wasserdampf gar nichts mehr bewirkt - ein degressives Klimamodell. Es würde dennoch die Schlussfolgerung nahe legen, dass wir alle unsere Mittel vorzugsweise für eine Folgenminderung einsetzen müssen, da uns eine wirkliche Klimaänderung ja mindestens über Jahrhunderte begleiten würde, bis der Kohlenstoff-Kreislauf wieder zu den alten Niveaus zurückfindet. Die augenblickliche Vermeidungshektik greift bestimmt nur langsam, wenn überhaupt, und nur mit einer weltweiten Ökodiktatur. Teuer ist sie obendrein. Meinen wir ernstlich, dass wir das Abholzen der letzten Büsche in der Savanne mit aus Deutschland geschenkten Sonnenöfen vermeiden können ? Oder woher sollen die für unsere Ochsenmästung dringend erforderlichen zusätzlichen Sojabohnen kommen, wenn nicht aus den Urwald-Rodungsflächen? Können wir wegen der Methanfreisetzung Japan, Korea, den Philippinen und Indonesien den Nassreis-Anbau verbieten und bei uns die Kuhmilch rationieren? Solcherlei Fragen gibt es viele, aber keine schlüssigen und umsetzbaren Antworten. All das unterstreicht nur Ihre Ausführungen - daher nochmals meinen Dank ! Mit freundlichen Grüßen! Prof. Dr. Wolfgang Stoll (Anmerkung: Diesem Beitrag sind noch folgende Hinweise hinzuzufügen: CO2- Zbigniew Jaworowski, “The greatest scientific scandal of our Time” EIR Science, March 16, 2007, Seite 38 -53, dort: 18 weitere Literaturhinweise. Es gibt darüber hinaus neuere Arbeiten über andere klimawirksame Gase von fast ebenso großem Einfluss ,wie z.B. Methan, und die ebenso neue wie verblüffende Erkenntnis, dass sowohl die Algen der Weltmeere, wie auch die normalen Pflanzen im Sonnenlicht neben Zuckern auch erhebliche Mengen Methan produzieren. Das Thema ist viel verzwickter, als man zunächst glaubt. So schert sich niemand darum, dass z.B. der anaerobe Grenzbereich von einer Tiefe von 250 m im Schwarzen Meer durch Eintrag organischen Materials (Dreck) aus den Zuflüssen in den letzen 20 Jahren bis auf -100 m angestiegen ist und ein Durchbruch mit der Folge von großen Exhalationen von Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff in irgendeinem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zum Umkippen dieses Meeres führen muß. Prinzipiell kann das irgendwann bei allen Meeren passieren, vor allem nach Algensterben durch Übersäuerung. Das ist neben den Wirkungen von Methan aus den Wirkungen des auftauenden Permafrostbodens eine der vielen großen Unbekannten im Wettergeschehen der Zukunft. Von dem unaufhaltsam anwachsenden Stickoxidul (170 mal wirksamer als CO2) aus unserer Düngung (besonderer Sünder der durch Rapsanbau verdichtete Boden ) will ich erst gar nicht anfangen. Der Wahlspruch heißt: Es gibt viel zu tun: Warten wir´s ab !)
Sehr geehrter Herr Kollege Stoll, haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme, die ich mit Interesse gelesen habe. All Ihre skeptischen Fragen sind berechtigt. Zur Frage der Kausalität zwischen Kohlendioxid-Gehalt und Temperatur gilt natürlich das von Ihnen Gesagte. Im Wesentlichen macht die Temperatur das Kohlendioxid in der Luft, und nicht so sehr umgekehrt. Dennoch gibt es auch die umgekehrte Korrelation, was den Treibhauseffekt hervorruft und verstärkt. Das folgt im Wesentlichen aus Messungen, die man aus dem Weltall bezüglich der zurück kommenden Strahlung gemacht hat. Sie zeigen, dass das Strahlungsspektrum genau im Bereich des Kohlendioxid-Filters Lücken hat. Ich habe solche Themen in meinem Buch diskutiert. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie mögen ein kluger Mensch sein, doch Ihre Beurteilung über die Situation der Hartz IV-Empfänger hat wenig mit der Realität zu tun. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie von dieser Realität zu weit entfernt sind. Sicherlich gibt es Gemeinden, in denen einiges billiger ist, verglichen mit Städten, in denen manches teurer ist. Dennoch würde ich mir, nach 35 Jahren Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit durch einen betrügerischen Konkurs meines Arbeitgebers wünschen, in einer grösseren Stadt zu leben. Mit meinem Einkommen durch Hartz IV bin ich z.B. völlig unbeweglich, da ich Transportkosten im kleinstädtischen Bereich nicht finanzieren kann.Es ist schlichtweg zu teuer. Ich schaffe gerade mal die Buskosten, um zum Arzt zu kommen, Kosten, die ich ohne Hartz IV möglicherweise nicht hätte, da ich mit normaler Arbeit wahrscheinlich gesunder wäre. Nach 35 Jahren Berufsstätigkeit ohne Erkrankungen hoffte ich auf ein Älterwerden in meinem Beruf, der mir viel Freude machte. Ein krimineller Arbeitgeber, für den ich die letzten 14 Berufsjahre gearbeitet habe, führte die Firma in eine betrügerische Insolvenz, wurde allerding niemals erwischt. Doch mich hat es aufgrund Hartz IV voll erwischt. Ich bin einfach daran krank geworden. Ohne Perspektive mit Geld, das zum Überleben reicht, aber von der Gesellschaft ausschliesst, braucht man all seine Kraft, um diesem Leben kein Ende zu setzen. Selbst die ehrenamtliche Tätigkeit mit benachteiligten Kindern schafft da keinen Ausgleich, da mir auch dabei die entsetzlichen Folgen des Neokapitalismus permanent vor Augen geführt werden. Wahrscheinlich könnte ich das alles besser ertragen, wenn ich über ein gewisses Mass an Dummheit verfügen würde. Leider kann ich mir die nicht mehr aneignen. Nur dass Sie, der sich wirklich um gar nichts wirtschaftlich sorgen muss, solche Weisheiten loslassen, demonstriert Ihre Unwissenheit. Auch ohne Alkohol und ungesunde Lebensweise werden Menschen, die an sich gern arbeiten würden und trotz excellenter Ausbildung und Berufspraxis in diesem Land keine Arbeit fanden und finden, krank. Dieser Aspekt kommt mir immer viel zu kurz. Mit der staatlichen Hilfe kann ich sehr wohl rein körperlich überleben. Ich habe aber nicht die geringste Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Da ich billig leben muss, wohne ich ausserhalb. Sonst würde meine Miete nicht übernommen. Ich kann mich aber nicht nach innen bewegen, weil die Transportkosten zu hoch sind. Für einen Besuch in die Stadt muss ich zwei Wochen sparen. Der völlige Verzicht auf Fleisch, Aufschnitt und Kaffee ermöglicht es mir, dass ich alle Vierteljahr einmal eine Eintrittskarte von ca. EUR 8 erwerbe, um mal eine Autorenlesung zu besuchen. Wahrscheinlich soll ich das aber gar nicht, sondern mich nur vom TV und Prof. Sinn einlullen lassen, damit ich ja nicht kritisch werde. Herr Prof. Sinn, beschränken Sie sich auf das, was sie mal gelernt haben, aber lassen Sie Ihre Finger weg von Beurteilungen dessen, was HartzIV-Empfänger zu viel oder zu wenig haben - Sie haben keine Ahnung! Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, den ich sehr überzeugend finde. Aber Sie scheinen implizit davon auszugehen, dass ich die Hartz-IV-Sätze im kleinstädtischen Bereich kürzen möchte. Darf ich fragen, wie Sie darauf kommen? Ich habe das nicht vorgeschlagen und würde deshalb gerne von Ihnen wissen, was Ihre Quelle ist. Auf einer Homepage ist eine Lüge in dieser Richtung verbreitet worden. Dagegen gehe ich juristisch vor. Mich würde es interessieren, woher Sie Ihre Information haben. Bestimmt nicht von mir. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion siehe oben) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, danke für Ihre umgehende Antwort. Da ich zwar kein Geld, aber sehr viel Zeit habe, lese ich viel. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob die von mir geschilderte Information aus irgendeiner Zeitschrift - Spiegel, Focus, Stern, Manager-Magazin - oder aus der Tagespresse stammt. Übrigens kann ich mir all diese Dinge nicht kaufen, sondern erhalte sie von Familie und Freunden abgelegt, d.h. nach 1 oder 2 Wochen. Es ist aber auch möglich, dass ich die Information aus Radio oder TV habe. Zunächst hatte ich mehrere Tage meiner Empörung gefrönt, bevor ich Ihnen meine mail schickte. Da ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, unsachliche Angriffe auf alles, was mit HartzIV zu tun hat, und auch grundsätzlich auf HartzIV-Empfänger - und das beginnt leider bei den imkompetenten Mitarbeitern der ARGE - hinzunehmen und zu verkraften, reagiere ich normalerweise nicht. Doch die Ihnen zugeschriebene Äusserung ging mir schlichtweg zu weit, da sie sicherlich von unwissenden Politikern gern zur Grundlage genommen wird, Kürzungen vorzunehmen, deshalb meine mail. Nach 35 Jahren Berufstätigkeit mit 3 äusserst wohlgeratenen Söhnen, die diesem Land viel Steuern zahlen, fühle ich mich schlecht behandelt. Seit 9 Jahren habe ich mich von Flensburg bis Garmisch beworben, mit ausgezeichneten Unterlagen. Vielleicht hätte ich mein Alter fälschen sollen. Ganz klar bin ich der Meinung, dass ich all die Despektierlichkeiten, die ich permanent höre oder lese, nicht verdient habe. Es gibt gewiss ausser mir noch viele andere 'Hilfeempfänger', die ähnlich empfinden. Ich bedaure, dass ich Ihnen keine Quelle benennen kann, aus der die benannten Fakten stammen. Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, vielen Dank für Ihre Antwort. Aber Sie sehen, wie das Mediengeschäft läuft. Hier kochen einige Leute ihre eigenen Süppchen, indem sie die Empörung zu einer Geschäftsidee machen. Mit freundlichem Gruß und den besten Wünschen bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es ist begrüßenswert, dass die Hartz-IV-Regelungen auf den Prüfstand sollen. Nicht begrüßenswert ist Ihr Vorschlag, Hartz-IV-Leistungen territorial zu staffeln. In Berlin seien die Lebenshaltungskosten höher als in Hoyerswerda? Vielleicht auch noch zu unterscheiden zwischen Berlin-Ost und Berlin-West? Dann staffeln Sie bitte auch gleich die Renten, dass ALG I und die Prämien für Krankenkassen - vielleicht auch noch die Löhne? Welch unsinniger Vorschlag, welch bürokratischer immenser Aufwand? Aber immerhin, Herr Professor, so bleibt man im öffentlichen Dialog. Das ist doch auch schon viel wert. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich darf darauf hinweisen, dass die Renten, das ALG I, die Löhne und die Krankenkassenprämien allesamt regional gestaffelt sind! Das scheinen Sie zu übersehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auf Seite 510 wird die EU-Verfassung Artikel II-34 erwähnt. Frage: Wurde dieser Artikel inzwischen geändert? Wenn ja, wie? Mit freundlichen Grüßen Hermann Weller
Sehr geehrter Herr Weller, der zitierte Artikel bezieht sich auf einen Entwurf der EU-Verfassung, der im irischen Referendum gescheitert ist. Inzwischen wurde stattdessen ein Grundlagenvertrag angenommen, bei dem alles nochmal neu nummeriert und vieles umgeschrieben wurde. Der Inhalt dieses Paragraphen ist meines Wissens aber noch vollständig erhalten. Nur fehlt mir jetzt die Zeit, dem nachzuforschen. Ich bitte um Ihr Verständnis. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, warum fehlt in Deutschland der politische Wille, sich temporär an Banken, mit zu niedrigen Eigenkapitalquoten, zu beteiligen. Kann es daran liegen, dass den meißten Menschen nicht klar ist, dass eine Kapitalerhöhung im Kern bedeutet, dass die Aktien der Altaktionäre, nach der Kapitalerhöhung, nicht mehr den gleichen prozentualen Anteil am Gesamtunternehmen repräsentieren wie vor der Kapitalerhöhung. Und dies unabhängig davon, ob die Aktien der Altaktionäre nach der Kapitalerhöhung gefallen oder gestiegen sind? Mit freundlichem Gruß Noel König
Wenn ich das wüsste, lieber Herr König. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prefessor Sinn, geben Sie lieber zu, dass auch dieses System mit 250 km/h gegen die Mauer fährt. Schulden soweit das Auge reicht - wir leben über unsere Verhältnisse, jedoch nicht weil die Bürger das so wünschen. Preise in diesem System werden nicht durch den Gegenwert der Ware oder Dienstleistung bestimmt, sondern nach dem Einkommens- niveau der Bevölkerung. Dies fordern Sie nun auch bei den Regelsätzen der ALG II- Sätzen - Angleich der sozialen Leistungen nach Ausgabenniveau der jeweiligen Region. Hiermit befeurern Sie gerade zu das Spekulantentum von Regionen wie München und Stuttgart oder auch in Berlin. Welchen Sinn kann es haben, dass junge Familien in München nie in der Lage sein werden sich Wohneigentum zu schaffen ohne sich und Ihre Kinder lebenslänglich an die Willkür der Banken auszuliefern? Scharen von fahrenden, telefonierenden und Internet-Abzockern überziehen das Land und stürzen Bürger mit seitenweisen missverständlichen Verträgen in Unheil. Die wirklichen Verbrecher sind m.E. die internationalen Konzerne, welche bspw.fuer einen Dollar in Bangladesch oder Kambodscha ein Poloshirt nähen lassen (wobei auch hier der Löwenanteil den Fabrikbesitzer bleibt) und dieses dann in der westlichen Welt unter wohlklingenden europäischen Namen für 50 Dollar verkaufen. Hier fordern Sie nie eine Regulierung und erklären die sittenwiedrige Praxis mit dem Gespenst der globalen Marktwirtschaft. Hier werden Milliardengewinne ergaunert, die keinem ALG II-Bezieher zu Gute kommen. Btw: der kauft bei KIK sein Poloshirt aus China (Zwangsarbeiter, die von Ihren Familien verschleppt werden sehen keinen Lohn für Ihre Arbeit). Ist dies Sinn der (marktwirtschaftlichen) Demokratie? Ich glaube nicht! Mit freundlichen Grüßen, irgendein Bürger.
Sehr geehrter Herr N., ich verstehe Ihre Skepsis bezüglich des Finanzwesens und stehe ihr nicht ganz fern, nur dass meine Kritik weniger radikal wäre. Zu Hartz IV: Die Mietzuschüsse sind ja schon heute nach den regionalen Gegebenheiten gestaffelt. Was ich vorschlage, ist auch die unterschiedlichen Preisniveaus der Konsumgüter zu berücksichtigen, damit jeder Hartz-IV-Empfänger gleich viel bekommt. Es kann nicht sein, dass der Lebensstandard der Hartz-IV-Empfänger in der Großstadt kleiner ist als auf dem flachen Lande. Gleiches muss gleich behandelt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn,Ihre Äußerung über die regionale Anpassung der Hartz4-Sätze ruft bei mir Erstaunen hervor.Kosten für Unterkunft und Heizung übernehmen in der Regel die Städte und Kommunen,egal ob in Berlin,Hoyerswerda,München oder im Sauerland.Die wirklichen Kosten die zu Buche schlagen sind Kosten für Lebensmittel,Gas,Strom und Dienstleistungen,egal ob in Berlin,München,Hoyerswerda oder in der Uckermark.Denn diese Kosten sind überall gleich,Milch,Butter oder Wurst kosten in der Uckermark genausoviel wie in Schwaben.Dazu noch die Dienstleistungen die in einkommensschwachen Regionen zum Teil noch höher liegen wie in Ballungsgebieten. Ich weiß wovon ich schreibe,beziehe nun nicht gerade Hartz4 sondern bin Eu-Rentner und bekomme neben meiner Rente noch Grundsicherung aber nach Abzug der Miete verbleibt mir gerade noch der Regelsatz in Höhe von 359,00 EURO.Und das kuriose an der ganzen Sache ist mir wurden die von mir erarbeiteten Rentenpunkte West in Rentenpunkte Ost umgewandelt. Also bitte sehr geehrter Herr Prof.Sinn erst einmal sehr genau recherchieren und sich dann dazu Äußern.
Sehr geehrter Herr Sonnenberg, die Kosten der Lebensmittel sind keineswegs gleich. Die Unterschiede betragen bis zu 6% zwischen den teuren und billigen Regionen, von der Miete abgesehen. Ich will nur, dass Gleiches gleich behandelt wird. Wer keine Arbeit hat, muss überall so unterstützt werden, dass er den gleichen Lebensstandard hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf die Diskussion vom 29. Oktober 2009)Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Analogie die Sie zwischen einem Unternehmen (Gewinn von 100, Schulden von 150) und dem Staat herstellen, enthält einen Fehler. Der Gewinn eines Unternehmens ergibt sich aus den Einnahmen abzüglich der Ausgaben. Die richtige Analogie bestünde aus dem Gewinn eines Unternehmens und einem etwaigen Budgetüberschuß des Staates. Hätte der Staat einen Budgetüberschuß von 1000 Milliarden Euro, könnte er die Staatsschulden von ca. 1600 Milliarden genauso gut beherrschen wie ein Unternehmen seine Schulden von 150 bzw. 160 bei einem jährlichen Gewinn von 100. Wie weit wir davon entfernt sind, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Aber der Staat hat ja immer noch seine Immobilien. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, jeder Vergleich hinkt, zugegeben. Dennoch, das Einkommen einer Unternehmung ist der Gewinn, und das Einkommen des Staates sind seine Steuereinnahmen und Beiträge, nachzulesen in jedem Lehrbuch der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (Stobbe z.B.). Aber besser sollte man mit dem Kapitalbestand vergleichen. Unternehmen finanzieren stets einen erheblichen Teil des Kapitalstocks, mit dem sie arbeiten, mit Fremdkapital, und der Staat tut es auch. Nach Art. 115 GG darf er nicht mehr an neuen Schulden aufnehmen, als er real investiert, und ein Großteil des staatlichen Kapitalbestandes ist schuldenfrei. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass man eigentlich nur eine Teilfinanzierung neuer Investitionen durch Schulden erlauben sollte und überhaupt enge Schuldengrenzen einziehen muss. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, in Nachgang zu unserer anregenden Diskussion in Würzburg schicke ich Ihnen den Artikel von Paul Krugman, auf den sich meine Äußerungen bezogen haben, das erwähnte Titelbild des Economist und ein paar Gedanken, die ich vor fast einem Jahr zur Finanzkrise aus psychologischer Sicht zu Papier gebracht habe. Mit herzlichem Gruß, Fritz Strack http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html http://memex.naughtons.org/wp-content/uploads/2009/08/economist_economic_theory.jpg http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,585425,00.html
Lieber Herr Strack, erst jetzt komme ich dazu, auf Ihre Mail zu antworten. Ihren Beitrag finde ich sehr überzeugend, sehe aber keinen Widerspruch zur Ökonomie. Wenn Sie z.B. auf die Asymmetrie der Beteiligung an Gewinnen und Verlusten hinweisen, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Das habe ich in meiner Dissertation schwerpunktmäßig behandelt. (Ök. Entscheidungen bei Ungewissheit, Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Mohr-Siebeck 1980.) Auch der folgende Beitrag untersucht das Thema: „Kinked Utility and the Demand for Human Wealth and Liability Insurance“, European Economic Review 17, 1982, S. 149-162. Der Krugman-Artikel ist bissig, aber in seiner Kritik am Chicago-Ansatz korrekt. Wiederum kein Widerspruch. Auch ich habe in meinen Vorlesungen diesen Ansatz stets massiv mit ähnlichen Argumenten kritisiert und mich beim Konjunkturthema auf die Seite der Keynesianer geschlagen. (Dass die meisten ökonomischen Probleme nichts mit Konjunktur und Krisen zu tun haben, weiß natürlich auch Krugman. Er selbst hat kaum in dieser Richtung publiziert.) Hier zwei meiner Beiträge aus dieser Richtung, wo ich die Alt- und Neumonetaristen aus Chicago kritisiere. „Rationale Erwartungen, Rationierung und Rezession ‑ Braucht keynesianische Politik dumme Bürger?“, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 199, 1984, S. 158-178. „Pro und Contra Crowding Out. Zur Stichhaltigkeit dreier populärer Argumente“, Kredit und Kapital 16, 1983, S. 488-512. Das alles ist aber keine Kritik am ökonomischen Ansatz an sich, sondern eine hausinterne Kritik. Auch Krugman kritisiert ja nicht sich selbst, sondern speziell nur die Ökonomen der Chicago-Schule. Der Konflikt zwischen der Ostküste und Chicago ist alt. Europa steht überwiegend auf der Positition der Ostküste. Und in Deutschland haben wir die neoliberale oder ordoliberale Schule, die eine starke Rolle des Staates bei der Setzung der Spielregeln bejaht. Diese Schule ist ziemlich deckungsgleich mit dem, was die Ostküste meint. Diese Krise ist in der Tat eine Schlappe für Chicago und ein Triumph des Neoliberalismus, jedenfalls in seiner ursprünglichen Bedeutung als Gegenteil von Paleoliberalismus, der dem heutigen Chicago-Liberalismus entspricht. Wir hatten uns noch über die effizienten Märkte ausgetauscht. Das stammt von Fama und meint nur, dass die Kurse zu jedem Zeitpunkt die dann vorhandene Information widerspiegeln. Effiziente Märkte im Sinne der allokativen Effizienz, also der Hauptsätze der Wohlfahrtstheorie sind damit nicht gemeint. In einem Punkt stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass man zur Erklärung der Krise irrationales Verhalten braucht. In meinem Buch "Kasino-Kapitalismus", das ich Ihnen zukommen lasse, läuft die Erklärung im wesentlichen über die Haftungsbeschränkung und die asymmetrischen Entlohnungsstrukturen, die daraus resultieren. Bislang habe ich noch kein Argument gehört, wie irrationales Verhalten die Krise zur Krise hätte beitragen können. Auch die Fehleinschätzung kleiner Wahrscheinlichkeiten, die wir seit Allais (ich glaube 1949) kennen, trägt nichts Erkennbares bei. Die Banken hätten genauso gespielt, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten korrekt eingeschätzt hätten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betrifft: Das Grüne Paradoxon darf nicht zum Atomausstiegs-Verschiebungs Paradoxon werden Hallo Herr Prof. Sinn, 1. eine gute Theorie muss man auch breit einsetzen können. Ich wende daher mal das Grüne Paradoxon auf die beschlossene Verschiebung des Atomausstieges an. Das Ergebnis: der verschobene deutsche Atomausstieg bringt überhaupt keine CO2-Einsparung solange die CO2 Zertifikate insgesamt (also nicht nur für Deutschland) nicht entsprechend reduziert werden. 2. Also muss man als Klimaschützer fordern: Weniger CO2-Zertifikate und höhere CO2-Einsparquoten zur Realisierung der Kernenergie-Dividende. Auf der COP15 Konferenz in Kopenhagen ergibt sich hierfür im Dezember 2009 eine gute Gelegenheit. 3. Die Bundesregierung ist hier jedoch bisher noch nicht auf dem richtigen Weg. Im neuen Regierungsprogramm wurde das bisherige CO2-Einsparziel von 40% (für 2020 im Vergleich zu 1990) noch nicht geändert. Dies wäre aber auch nur ein erster Schritt, denn die Verankerung bei den CO2-Zertifikaten müsste folgen. 4. Seltsam ist nur, dass die Grün- Orthodoxen diese weiche Flanke des verschobenen Atomausstieges noch nicht erkannt haben. Oder behindert sie da vielleicht ihre Lebenslüge, dass man nämlich mit Kernenergie ja eh kein CO2 einsparen könne? Oder behalten sie sogar am Ende noch Recht, wenn der Weiterbetrieb der Kernenergie nicht als Verknappung der Zertifikate umgesetzt wird? Dr. rer. nat. Gerhard Luther, Saarbrücken
Sehr geehrter Herr Dr. Luther, vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Tat ist der Verzicht auf den Atomausstieg für sich genommen klimapolitisch irrelevant, weil der CO2-Ausstoß Europas bereits durch die Menge der Emissionszertifikate gesteuert wird. Er ist aber natürlich relevant für die Energiekosten, weil Atomenergie, zumal von Kernkraftwerken, die schon stehen, die billigste Energieform ist. Ob es Sinn macht, die C02-Menge in Europa unilateral weiter zu senken, wage ich zu bezweifeln, denn der Kohlenstoff, den wir Europäer nicht kaufen, wird halt anderswo angeliefert und verbrannt. Ich meine deshalb, dass es keine Alternative zu einem weltweiten Emissionshandel gibt, an dem sich alle Länder beteiligen. Weitere Vorleistungen Europas könnten konterproduktiv sein, weil sie den Chinesen und Amerikanern noch mehr Anreize gibt, auf eigene Anstrengungen zu verzichten, und zwar sowohl politisch als auch über die Märkte wegen der Absenkung der Preise für fossile Brennstoffe. Noch eine Anmerkung zum grünen Paradoxon. In meinem gleichnamigen Buch werden zwar einige Paradoxa beschrieben, doch ist der Name für einen besonderen Effekt reserviert. Wenn die grüne Politik allmählich immer grüner wird, verringert die grüne Politik die Steigerungsrate der Preise der fossilen Brennstoffe, was den Ressourcenbesitzern Anreize gibt, schneller zu extrahieren und ihr Vermögen in Finanzanlagen umzutauschen, weil die Rendite der Ressourcen im Boden kleiner wird. D.h. angekündigte grüne Politik senkt die Preise der fossilen Brennstoffe heute und beschleunigt den Klimawandel. Das gilt für alle Arten grüner Politik, sogar unilateral angekündigte Einschränkungen der Menge der Emissionszertifikate. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, danke für Ihre Antwort. Bei den Staatseinnahmen hatte ich mich "versehen": Es stehen hier wohl ca. 1.050 Mrd. € etwa 1.600 € Staatsschulden gegenüber, was einem Verhältnis von Staatseinnahmen und -schulden von ca. 0,7 entspräche. Der Vergleich zu solchen anlageintensiven Unternehmen wie BMW bzw. VW würde indessen Relationen von immerhin 1,5 bzw. 2,1 ergeben. Ich sehe natürlich - unter den Maßstäben etwaige Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung - Deutschland gewiss nicht als "insolvenzgefährdet", meine aber, dass die Grenzen der Verschuldung (so langsam?) erreicht sind. Außerdem sehe ich nicht, dass diese Verschuldung in den nächsten Jahrzehnten nennenswert abgebaut werden könnte. Und das hielte ich für nicht ungefährlich, weil damit die Handlungsspielräume der "öffentlichen Hände" immer weiter sinken. Die "Finanzverfassungen" mancher Kommunen sind doch heute schon mehr als bedenklich. Etwa aus bankbetriebswirtschaftlicher Perspektive würde ich Deutschland daher schon intensiver beobachten (was Tripleas der Rater wert sind, haben wir erfahren!) und im Übrigen hoffen, dass es zu einer nächsten Finanzkrise nicht kommen wird. Reicht aber das Prinzip Hoffnung aus? Danke und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, Ihre Sorgen teile ich vollauf. Keinesfalls reicht das Prinzip Hoffnung. Umso wichtiger ist die Schuldenbremse, die die alte Regierung noch im Grundgesetz verankert hatte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn ich es recht sehe, wäre ein Unternehmen bei einem Schuldenstand von 1.500 Mrd. € und jährlichen Einnahmen von etwa 500 Mrd. € "pleite", weil der fällige Kapitaldienst zumindest aus einer durchschnittlichen Umsatzrendite (vor Zinsen) nicht erwirtschaftet werden könnte. Beim Staat ist das offenbar anders und man fragt sich als bescheidener Betriebswirt, ob hier jemand - ohne, dass man das bislang merkte - das ökonomische Perpetuum mobile erfunden hat. Diese Frage drängt sich umso mehr auf, als die Regierung Staatseinnahmen über Steuersenkungen schmälern möchte und (vielleicht mit Laffer?) gleichzeitig Einnahmen stimulierende Wachstums- und Steuereinnahmenwunder erhofft. Daher erlauben Sie folgende Fragen: Wie muss man (empirisch) etwa den Zusammenhang zwischen Steuer-, Haushaltseinnahmen- und Staatschuldenveränderungen sehen? Gibt es eine Grenze für die Höhe der Staatsschulden? Eine Schuldenrückführung pro rate temporis durch diese und folgende Generationen erscheint mir immer mehr illusorisch. Welche realistischen Alternativen - jenseits eines "Währungsschnittes" - gibt es eigentlich? Danke für Ihre Antwort und Mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, der Staat hat jährlich ein Einkommen aus Steuern und Beiträgen von (aus dem Kopf) gut 1000 Milliarden. Das ist nicht wenig bei einem Schuldenbestand von 1500 Milliarden Euro. Ein Unternehmen, das bei Gewinnen von 100 Schulden von 150 hat, ist extrem gut aufgestellt. Gemessen daran ist der Staat noch lange nicht überschuldet. Auch ist das Immobilienvermögen des Staates sicherlich weit mehr als 1500 Milliarden Euro wert. Trotzdem ist die Schuld hoch genug und muss abgebaut werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie sprechen von "angeblichen Wachstumszwang". In einer früheren Diskussion mit mir sagten Sie, würde die Zentralbank ihre Zinsgewinne nicht in den Bundeshaushalt einbringen, sondern erneut an den privaten Sektor verleihen, würde dies Inflation erzeugen. Wenn ein Großteil der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken erfolgt, welche ihre Zinseinahmen fortlaufend für neue Ausleihungen verwenden, müßte dieser Prozess doch auch eine Ausweitung der Geldmenge und damit Inflation nach sich ziehen, falls das reale Wirtschaftswachstum mit der Ausweitung der Geldmenge nicht mithalten kann. Was wären Ihrer Meinung nach die Folgen, wenn das Wirtschaftswachstum ganz zum erliegen käme? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Sie haben Recht, wenn die privaten Geschäftsbanken ihre Zinsgewinne vollständig thesaurieren würden. Das tun sie aber nicht, denn die Aktionäre wollen Dividenden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, die neue Regierung Merkel/Westerwelle möchte die Steuern senken, um Wirtschaftswachstum zu erreichen. In Deutschland ist die Abgabenlast laut Spiegelonline weitaus höher als die Steuerlast. Wäre es nicht sinnvoller, um Arbeitsplätze zu schaffen, Konsum und Investitionen zu fördern, den Faktor Arbeit zu verbilligen? Warum wird dieser Ansatz in der öffentlichen Diskussion völlig vernachlässigt? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichem Gruß, Peter Weinreich
Sehr geehrter Herr Weinreich, Konsum ist das Gegenteil von Investition. Wenn ich den Konsum fördere, kann ich zwar den Auslastungsgrad des Produktionspotenzials erhöhen, doch echtes Wachstum gibt es nur, wenn ich das Potenzial selbst vergrößere, und das geht nur über Investitionen. Deutschland hat die kleinste Nettoinvestitionsquote aller OECD-Länder. Wachsen können wir nur mit mehr Investitionen. Beschleunigte Abschreibungen wären ein Mittel, sie anzuregen. Die Verbilligung der Arbeit über die weitere Ausdehnung des Niedriglohnsektors durch eine Agenda 2020, also noch mehr Lohnzuschüsse, wäre eine weitere Möglichkeit, sogar eine sehr viel wirksamere. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, für uns Betriebswirte ist die fristenkongruente Finanzierung eine fast eherne Regel, deren Verletzung schwerwiegende Folgen haben kann. Denn wenn ein Unternehmen langfristiges Anlagevermögen so kurzfristig finanziert, das etwa der Kapitaldienst aus dem (zuwachsendem) Cashflow nicht geleistet werden kann oder eine Bank langfristige Ausleihungen mit Kurzfristkrediten refinanziert, kommt es fast regelmäßig zu Störungen des finanziellen Gleichgewichtes mit wachsender Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. In Ihrem Buch "Kasinokapitalismus" sagen Sie nun sinngemäß, dass Aufgabe des Bankensystems auch die Fristentransformation sei. Es scheint, dass genau das die HRE - allerdings mit verheerenden Folgen - versucht hat. Oder soll man die HRE eher als Opfer des Zusammenbruchs des Geldmarktes (Interbankenhandel) sehen, dessen Aufgabe eben auch diese Fristentransformation ist? Danke für ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, die HRE hat, soweit ich der Presse entnehme, die Fristentransformation betrieben und dadurch hohe Zinsgewinne erzielt, ist aber am Zusammenbruch des Interbankenmarktes gescheitert. Das Modell ist bei gutem Wetter verlässlich, aber in der Krise nicht. Da ist die fristenkongruente Finanzierung besser. Nur verdient man dabei in Normalzeiten nicht so viel. Aber es stimmt natürlich, dass die Fristentransformation eine der zentralen Aufgaben eines Bankensystems ist, denn auch wenn die Sparer nur kurzfristige Zwecksparer sind, die ihr Geld nach wenigen Jahren zurück haben wollen, muss ja mal hin und wieder ein Haus gebaut werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion, letzter Beitrag verfasst am 23. Oktober, siehe unten stehende Beiträge) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für die Richtigstellung. Sämtliche Fehler gehen natürlich allein zu meinen Lasten. Sie bestätigen, dass die staatliche Ausgabenerhöhung das GDP fast immer weniger erhöht als der direkte fiskalische Impuls. Barro-Zitat: … thus spending stimulus programs will likely raise GDP by less than the increase in government spending. Defense-spending multipliers exceeding one likely apply only at very high unemployment rates, and nondefense multipliers are probably smaller. However, there is empirical support for the proposition that tax rate reductions will increase real GDP. Multiplikatoren überschreiten nur in ganz seltenen Fällen – ziemlich sicher nicht heute, da die Arbeitslosigkeit nicht so hoch ausfällt – den Wert von 1. Und gleichzeitig – meine Rede - treten fast immer gegenläufige Effekte ein, die gleichzeitig zu einer Absenkung der privaten Investition und Nachfrage führen, ansonsten wäre der Multiplikator mindestens = 1. Es gibt fast immer eine Minderung privater Wirtschaftstätigkeit parallel zu den Konjunktur-programmen, wobei das allein noch keine Kausalität, aber doch eine Beziehung ausdrückt. Auf die pure Spekulation auf einen Multiplikator > 1 hin große Verschuldungspakete zu befürworten, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Die empirischen Auswertungen der letzten Jahrzehnte wie der WW-Krise belegen diese Annahme jedenfalls nicht, was Sie auch nicht bestreiten. Angesichts niedriger Zinsen, eines hohen Staatsanteils und Arbeit-nehmer-Einkommen in der Weltspitzengruppe ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die gegenläufigen Effekte (u.a. Crowding-Out) eher noch zunehmen werden à sich der tatsächliche Multiplikator vielleicht sogar weiter von 1 entfernt (auf 0 zu). Vermutlich würden Sie die WW-Krise als „nicht-gleichgewichtige Ökonomie“ bezeichnen. Die Barro-Analyse zeigt jedenfalls, dass auch für diese Phase keine empirischen Belege vorliegen, dass über die staatlichen Programme reliabel Impulse vom Staat auf den Privatbereich induziert werden können. In meiner Lesart, erstens ist es fraglich, ob nicht viel eher die Investitionen die Arbeitsplätze schaffen als simple Ausgabenerhöhungen, zweiten sind solche Programme immer die Ausflüsse von big/ bigger government. Dies bildet gleichzeitig institutionellen Barrieren, welches die Privaten von mehr Nachfrage und Investition abhält, wie unter Hoover und Roosevelt. Je mehr Staat, desto mehr politische Lösungen, die immer wieder Klientelpräferenzen folgen. Barro verweist darauf, dass Steuersenkungen die gleiche Wirkung haben. Sie halten solche Argumente, die ich früher von ihnen gehört hatte, heute aus der Diskussion heraus und propagieren stattdessen das Allheilmittel weiterer großer Staatsprogramme. Damit folgen Sie einem Tenor - bei aller Wertschätzung Ihrer Sachkunde und Ihres Engagements - den man nur als „sozialdemokratisiert“ bezeichnen muss.
Sehr geehrter Herr Hamilton, Sie haben sich irgendwie festgebissen in der Vorstellung, das Sozialprodukt würde fallen, wenn der Multiplikator kleiner als eins sei. Die Begründung für Konjunkturprogramme braucht das nicht. Auch wenn der Multiplikator kleiner als eins ist, steigt das Sozialprodukt. Aber das hatte ich ja schon erwähnt. Warum gehen Sie darauf nicht ein? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie sagten in der Runde, dass durch die Agenda 2010 die Arbeitslosigkeit 2006 und 2007 gesunken sei. Interessierte Bürgerin, aber in ökonomischen Fragen fehlt mir Fachwissen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Oben genanntes Argument ist oft zu hören, wird auch oft bestritten. Meine Frage, welche Maßnahmen der agenda 2010 haben zu diesem Erfolg geführt? Ist es nicht auch so, dass durch Anspringen der Weltwirtschaft, durch größere Nachfrage, die Arbeitslosigkeit, ohne Unterstützung aus der Politik, sinkt? Danke für eine Antwort! Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrte Frau A., in der Tat liegt bei der Weltkonjunktur der Haupteffekt. Das hatte ich bei der Sendung ja gesagt. Indes war diesmal die Belebung am Arbeitsmarkt viel stärker als sonst. Der Zusatzeffekt war eine Million mehr Stellen in Westdeutschland, als es bei einer Wiederholung früherer Aufschwungmuster zu erwarten gewesen wäre. Auf unserer Homepage finden Sie mehr dazu. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe eine Frage an Sie bezüglich der Pleitewelle in Deutschland. Wenn ich z. B. nur den aktuellen Fall "Quelle" (ca. 7000 Mitarbeiter) und den Fall "Karmann" (weitere 800 von einst 7000 noch vor 5 Jahren, bleiben noch 800 Mitarbeiter übrig) hier in der Region nehme, wie verheerend wird sich dies in 1o, 15, 20 Jahren auf die (Renten)-sozialkassen auswirken ? Ich sehe da dramatische Anforderungen auf die Sozialhilfekassen auf uns zu kommen. Wie wird der Staat diese Mittel aufbringen können ? Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr D., uns stehen in der Tat schwierige Zeiten bevor. Allerdings belasten die Pleiten von heute die Zukunft nur in dem Maße, wie die Arbeitslosengelder von heute durch Schulden bezahlt werden. Der Wegfall der Arbeitsplätze selbst ist nur dann ein Problem für die Zukunft, wenn er nicht durch neue Arbeitsplätze ersetzt wird. Das war in der hundertfünfzigjährigen Geschichte der Industriegesellschaft aber noch immer der Fall gewesen. Am besten wäre es natürlich, Quelle hätte die Kurve rechtzeitig gekriegt und könnte überleben. Aber so ist es nun mal nicht. Quelle nun mit Staatsgeldern zu retten wäre ein großer Fehler. Das könnte ein Fass ohne Boden werden. Quelle hatte sich offenbar überlebt. Die Firma hat den Wandel zum Internet total verschlafen und wurde von Wettbewerbern verdrängt. Dort entstehen heute die Arbeitsplätze. Überall im Land entstehen zum Beispiel derzeit neue Verteilerzentren und Lagerhallen für Amazon. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es redet sich so dahin, wenn man einfach behauptet, die Steuern müssten runter, um die Kaufkraft zu stärken. Wenn dann am Ende stolz verkündet wird, in Höhe von 20 Milliarden Steuern zu senken, sind das letztlich pro Bürger auch nur runde 250 Euro pro Jahr. Und das einmalig. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass eine Steuerersparnis von rund 21 Euro pro Monat dazu motiviert, Geld auszugeben? Alles nur Geschwafel, man hört eben hin, weil das ein namhafter Wirtschaftsexperte von sich gibt. Sicher haben Sie Recht, wenn Sie behaupten, wir hätten zu hohe Lohnsteuern; nicht nur das, wir haben insgesamt zu eine hohe Abgabenrate im Vergleich zu anderen europäischen Ländern; und zwar erheblich. Während Arbeitnehmer z. B. in Irland etwa 25 Prozent Abgaben leisten, sind es bei uns um die 50 Prozent; bei Beamten allerdings nur 28 Prozent. Aber ist das ein Wunder? Müssen wir doch alle die mitversorgen, die niemals auch nur einen Cent einzahlen und trotzdem ein Anrecht auf Leistungen haben dürfen. Sie vertreten weiter die Ansicht, die Verbraucher müssten Geld ausgeben, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Wer hat denn die Wirtschaft in den Dreck gefahren - doch nicht die Verbraucher? Unternehmen sollten investieren, neue Maschinen kaufen und Gebäude bauen? Wie schlau? Warum sollten Unternehmen so etwas tun, wenn keine Aufträge da sind, die die Finanzierung sichern? Sicherlich wären neue Gebäude sinnvoll; aber nur als Abschreibungsmodelle. Das hilft der Wirtschaft auch nicht weiter. Was nutzen denn so zu schaffenden Arbeitsplätze? Wenn Haushalte und Firmen zu viel sparen, müsse sich der Staat verschulden, meinen Sie? Ich meine, dann muss auch der Staat sparen. Dann gibt es eben keine neuen Stadtschlösser, Hauptbahnhöfe oder sonstige Prunkbauten. Da kann man eben Beamten großzügig Sozialleistungen und Pensionen spendieren oder Abgeordneten Luxusdiäten und -pensionen spendieren. Wenn Haushalte und Firmen sparen, hat das sicher Gründe, sowohl privat als auch unternehmerisch. Wer will schon gern in die Insolvenz? Im Übrigen sollten Haushalte sparen, wenn es nach den Politikern geht - nämlich fürs Alter Vorsorge treffen! Erstaunlich auch, dass bei jeder prekären Situation sofort irgendwelche Experten nach vorn stürmen und ihre Weisheiten zum Besten geben wollen - natürlich i.d.R. im Sinne der jeweiligen führenden Politiker. Man möchte doch recht lange "dazugehören" und vom Kuchen eine möglicht große Scheibe abbekommen. Für mich ist das mehr Heuchelei als der Sache dienlich zu sein. Wer hat uns denn in den ganzen Schlamassel hineingeritten? Die Bürgerinnen und Bürger bestimmt nicht - eher größenwahnsinnige und geldgierige Politiker? Zumal wir von den ewigen, später dann aber nicht eintretenden Wirtschaftsprognosen langsam die Nase voll haben sollten. Das ist meine Meinung!
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Meinung. Aber bedenken Sie bitte, dass wir derzeit die bei weitem schlimmste Rezession der Nachkriegszeit überwinden müssen. Dazu haben die Staaten der westlichen Welt ein Verschuldungspaket von 1.4 Billionen Dollar geschnürt. Ohne die Verschuldung hätte die Krise einen Verlauf wie 1929 bis 1932 nehmen können. Der Anfang, die ersten 11 Monate, war identisch, doch dann konnte die Wirtschaft abgefangen werden. Eine Verschuldung von zusätzlichen 1% des BIP, wie ich sie vorschlug, erspart uns mindestens etwa 1% Schrumpfung, wahrscheinlich noch mehr. Sie tritt hinzu zu der automatischen Verschuldung wegen der höheren Arbeitslosengelder und der wegbrechenden Steuerereinnahmen. Übrigens ist die Steuersenkung nicht einmalig, sondern dauerhaft. Der genannte Betrag bezieht sich auf ein Jahr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Die Diskussion von Herrn König vom 19.10. wird hier fortgesetzt) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken einen Wachstumszwang impliziert. Geschäftsbanken verleihen Kredite an den Staat oder private Unternehmen und wollen Ihr Kapital zuzüglich Verzinsung zurück, um es dann erneut zu verleihen. Um die Rückzahlung plus Zinsen bezahlen zu können, muß die Wirtschaft gesamtheitlich wachsen. Dauerhaftes exponetielles Wachstum erscheint mir aber in einer Welt mit endlichen Ressourcen nicht dauerhaft möglich. Würde man den Geschäftsbanken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung nehmen, wodurch sich die Gewinne der Notenbanken vergrößern, könnte der Wachstumszwang abgemildert werden, weil die Zinsgewinne der Notenbank in den Staatshaushalt eingehen und somit nicht wieder erneut als Kredit in den Wirtschaftskreislauf geschleust werden. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Zinsen kann es auch in einer stationären Wirtschaft geben. Ihre Grundannahme ist deswegen leider falsch. Richtig ist, dass der Staat mehr Geldschöpfungsgewinne hätte, würde man den Giralbanken die Möglichkeit der Geldschöpfung nehmen. Aber ein angeblich vorhandener Wachstumszwang wird dadurch nicht gemildert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre schnelle Antwort. Tatsache ist, dass ich auch kein Lagervertreter bin; ich bin von meinen Wurzeln her Sozialdemokrat, und von meiner Qualifikation her mit Dr. Brauckseipe vergleichbar. Die Schwierigkeiten, andere Lösungen als die fortgesetzte Staatsverschuldung gegen den Zeitgeist einer eher konstruktivistischen Gesellschaft zu vertreten, haben natürlich auch - mehr oder weniger subtile - Rückwirkungen auf die Kommunikatoren. Daher meine Besorgnis einer schleichenden Sozialdemokratisierung, die ich allerdings auch bei den konservativen Parteien sehe. Nur - im Gegensatz zu Ihnen sehe ich fast gar keine Möglichkeiten, mit Staatskonsum einen selbsttragenden Aufschwung zu erreichen, unabhängig ob noch weitere schwere Krankheitsherde bestehen. Ich habe auf die verschiedenen US-Autoren verwiesen, die zur Weltwirtschaftskrise geschrieben haben. Auch wenn der staatliche Konsum das Gegenwartseinkommen erhöht, zeigt es sich als strittig, dass der Staat besser weiß, was die „richtige“ Spar- und Konsumquote ist. Sicher ist es angebracht, den Zusammenbruch des Bankensystems politisch zu verhindern. Aber überall, wo sich Regierungen in Krisen gestaltend/ fördernd etc. einmischen, klingen die Intentionen zwar nobel, aber die Hilfeleistungen entpuppen sich vorrangig als die biederen Instrumente der politische Ökonomie - und bezogen auf das GDP fallen die Ergebnisse viel bescheidener aus. FDR`s Nachfrage-Politik war, an der Macht zu bleiben, dass war die Realität seiner Ausgabenprogramme, „pork barreling“ in einzelnen Stimmbezirken, und speziell auf ihn bezogen „buying votes by buying boates“ (er ließ - ein Navy-Präsident - Schlachtschiffe bauen). Was nicht davor schützte, dass die Situation 1938 (US-Arbeitslosenquote 18%) immer noch ohne signifikante Fortschritte war. Zu dieser Zeit deutete sich sogar eine „Entfernte Verwandtschaft“ (Wolfgang Schivelbusch) zwischen dem Hitler-Regime und Roosevelt`s USA an, nicht nur was die Erfolglosigkeit der Politiken anbetrifft. FDR hätte die Wahl 1940 gegen den republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten Wendell Willkie verloren, die Amerikaner waren mit seinen Leistungen zunehmend unzufrieden. Nur der in Europa und Asien heiße Krieg ließ ihn im Amt überleben. Auch für das Deutschland der 30er Jahre fehlt jeder Beleg, dass die NS-Keynesianistik einen selbsttragenden Aufschwung herbeiführen konnte. Im Gegenteil, die Situationen des Deutschen Reichs war Ende 1938 nach 5 Jahren fortgesetzter deutlicher Haushaltsdefizite (10% p.a.) finanziell so fragil, dass eine weder über inländische noch ausländische Kreditaufmärkte zu schließende Lücke in den Staatsfinanzen bestand. Ein starker Inflationsschub oder mgl. sogar ein Staatsbankrott stand zu diesem Zeitpunkt unmittelbar bevor. Die fehlende Bereitschaft, entgegen dem Reichsbankgesetz Kredite direkt an den Staat zu geben, führte zur Entlassung des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht am 19.01.1939. Die Wirtschaftskrise eröffnete vorrangig Möglichkeiten, die politische Macht-erhaltung bzw. den Machtzugang zu sichern. Man wünscht sich ja geradezu empirische Belege herbei, dass für die Stimulus-Pakete der Multiplikator >1 ausfällt. Aber im Gegenteil, der „tatsächliche“ Multiplikator liegt fast immer im Bereich <1, was bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung - private Investitionen und Beschäftigung - durch staatliche „Nachfrage-Erhöhung“ real vermindert wird. Die Daten aus mehr als 30 Jahren bestätigen nicht, dass die Multiplikatoren staatlicher Konjunkturprogramme den Wert von 1 übersteigen - siehe dazu Barro 2009 - "Stimulus Spending Doesn't Work". http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704471504574440723298786310.html Angesichts dieser Belege erscheint die Aussage tragfähig, dass ohne Hoover`s und Roosevelt`s Konjunkturprogramme die erste WW-Krise kürzer und weniger dramatisch ausgefallen wäre - siehe u.a. Amity Shlaes, "The Forgotten Man". Mir fällt es daher schwer, Ihre nachfrageorientierten Therapievorschläge nach zu vollziehen. Mit kommt dieser Ansatz vor wie eine mittelalterliche Behandlung, bei dem der Patient (finanziell) zur Ader gelassen wird und daran gesunden soll, faktisch wird er jedoch weiter geschwächt. Ich weiß auch, dass die Behandlung einer Grippe ohne Arzt sieben Tage dauert, mit Arzt dagegen eine Woche. Ich fürchte, mit diesem Therapieansatz - jenseits einer Evidenz-basierten-Medizin - jedoch im allgemeinen Tenor [Pardon] eines sozialdemokratischen Politikverständnisse werden wir noch um 2020 gegen die Auswirkungen dieser Krise ankämpfen. Mit freundlichen Grüßen nach München – Ihr – Bernhard Hamilton P.S. Jederzeit offen für eine linkliste zu Papers, die belegen, dass der Staatsausgaben-Multiplikator > 1 ausfällt.
Sehr geehrter Herr Hamilton, die häufigsten Werte für den Multiplikator, etwa durch Blanchard berechnet, liegen bei 0.8, sind also in der Tat kleiner 1, wie Sie es sagen. Indes sind diese Multiplikatoren für nahezu gleichgewichtige Ökonomien außerhalb der Krise berechnet, wo alle möglichen Crowding-Out-Mechanismen greifen, die den Multiplikator begrenzen. In der Krise könnte der Multiplikator sehr viel höher sein. Aber auch ein Wert von kleiner als 1 besagt nicht das, was Sie sagen. Ich zitiere Sie: Aber im Gegenteil, der „tatsächliche“ Multiplikator liegt fast immer im Bereich <1, was bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung - private Investitionen und Beschäftigung - durch staatliche „Nachfrage-Erhöhung“ real vermindert wird. Diese Aussage stimmt nicht. Vielmehr ist die Erhöhung der Wirtschaftsleistung so lange als solche gegeben, wie der Multiplikator über Null liegt. Erst wenn er negativ ist, schrumpft die Wirtschaftsleistung, wie Sie vermuten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Vielen Dank für Ihre Beiträge zur gestrigen Phönix-Runde. Sie, als „neoliberaler Papst“ (im Wortgebrauch der Linkspartei) haben es besonders schwer, weil auf Sie die Aggressionen der Linken, fast einer ganzen Gesellschaft mit strukturell linker Mehrheit - auf Sie personifiziert werden. Ich finde das ist nicht unwichtig, wenn es zur Betrachtung Ihrer Argumentation kommt. Denn ich bin mehr als überrascht, dass Sie als Protagonist eines großen Staatsdefizits auftreten. Gerade vor dem Hintergrund der ersten Weltwirtschaftskrise erscheint diese Maßnahme doch diskussionswürdig. Setzt man ein solches Instrument ein, dann müsste auch eine keynesianische Krise vorliegen. Unbestritten, dass die Weltwirtschaft einen starken exogenen Schock hinnehmen musste. Aber gleichzeitig sind in diesem Modell etliche Aspekte fragwürdig. Günstiges Geld steht zur Verfügung aufgrund der hohen Sparleistung, das Zinsniveau ist niedrig wie lange nicht mehr. Der Schlussfolgerung, dass nun durch Staatskonsum die Nachfrage belebt werden müsse, fehlt das Fundament. Denn, wenn zu wenig Arbeitsplätze da sind, gleichzeitig aber mehr als genügend Geld, dann müssen die Gründe für die niedrige Beschäftigung und das schwache Wachstum an anderer Stelle gesucht werden. Und das wäre viel weniger die Nachfrage, sondern primär die Investitionen. Sie haben in früheren Veröffentlichungen häufiger davon geredet, dass die Gewerkschaften auf dem Arbeitsmarkt keine beschäftigungsförderlichen Löhne vereinbart haben. In Bochum kämpft ein OPEL-Werk um das Überleben, dessen Personalstundensatz mit ca. 34€ ungefähr viermal (!) so hoch ist wie in Gliwice (Polen) mit ca. 8€. Deutschland liegt mit seinen Lohnkosten, im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes, an 3. Stelle weltweit - noch. Gleichzeitig gibt es keine nennenswerten deutschen Consumer-Electronic-Hersteller mehr, die wenigen Fachkräfte des Elektrotechnik-Bereichs werden quasi überall gebraucht. Ein Freund, beschäftigt bei Siemens-BenQ, wurde mit der Einstellung der Handyproduktion arbeitslos, fand jedoch einen Monat später Arbeit bei NOKIA in Bochum und nach der Schließung dieses Werkes war er wiederum nach einem Monat in einem neuen - guten - Beschäftigungsverhältnis. Ihre Nachfrage-Argumentation übersieht die Rigiditäten, die sich auf dem Arbeitsmarkt ergeben haben: Am Anfang dieses Jahres wurden wir an vielen Stellen mit Forderungen von 8%-Steigerung überrascht. Natürlich fallen dann immer mehr wenig Qualifizierte und Ältere aus der Beschäftigung. Wenn die Freiheit der Vereinbarung von Arbeitsentgelten bestehen lässt, dann muss auch die Verantwortung daran gekoppelt sein - was sie nicht ist. Die Flexibilität der Löhne ist nicht gegeben, das ist eine der härtesten Rigiditäten. Wir haben hier einen ganz anderen Faktor für die Dauer-Arbeitslosigkeit in Deutschland als den Nachfragemangel. Ganz ähnliches Verhalten zeigte sich in den USA in der Folge der ersten WW-Krise. Die Gewerkschaften nutzten ihre Verhandlungsmacht, um trotzdem noch hohe Lohnzuwächse durchzusetzen. Weder die protektionistischen Maßnahmen noch die vielfältigen Eingriffe durch Hoover und FDR führten zu einer Lösung des Problems - trotz hoher Staatsdefizite sowohl unter Hoover wie unter Roosevelt. Ich darf daran erinnern, dass 1938 die Arbeitslosenquote in USA immer noch 18% betrug - nach mehr als 6 Jahren „New Deal“, trotz einer für damalige Zeiten vergleichbar immensen Verschuldung. Das deficit-spending, der vermehrte Staatskonsum war damals keine adäquate Reaktion auf die Krise. In den USA wurde sicher keine „Parallelpolitik“ betrieben, und gleichzeitig blieb die schreckliche Situation unverändert. Im Gegenteil, der überbordende Staatseinfluss verlängerte und vertiefte die Situation sogar noch weiter (siehe dazu: Shlaes, Higgs, Rauchway, Murphy, früher schon - Rothbard). Ihre Nachfragemangel-Argumentation lässt sich historisch nicht validieren. Die unglaublich geringe Investitionsquote in Deutschland hat zuallererst eine mikroökonomische Ursache (ebenso wie die wachsende Sozialquote). Die Beschäftigung ist primär von der Investitionstätigkeit abhängig. Wir kämpfen ja nicht allein gegen den Zuwachs an Arbeitslosigkeit durch diese Krise, sondern gegen die hohe Sockelarbeitslosigkeit, die sich in Deutschland trotz mehr als 30 Jahren ungebrochener Staatsverschuldung eingestellt hat. Meiner Ansicht nach geht Ihre Differentialdiagnose auf wesentliche Aspekte nicht (mehr) ein, die sie früher noch vertreten haben - ich bedaure, sagen zu müssen, dass Ihre Argumentation sich sozialdemokratisiert hat. Angesichts des öffentlichen Drucks auf Sie könnte man diesen Umschwung durchaus verstehen - aber ich fürchte, er vermeidet die Auseinandersetzung mit den wirklich umstrittenen Themen und ist nicht sachgerecht. Mit freundlichen Grüßen - Bernhard Hamilton
Sehr geehrter Herr Hamilton, ich teile Ihre Auffassung bezüglich der Lohnrigiditäten voll und ganz. Sie sind der Grund für die strukturelle Zunahme der Arbeitslosigkeit während der letzten Jahrzehnte. Dazu schreibe ich mir ja beständig die Finger wund. Nur dürfen Sie nicht übersehen, in welcher Situation die ganze Welt seit einem Jahr steckt. Dies ist die bei weitem schärfste Rezession der Nachkriegszeit mit geradezu dramatischen Nachfrageeinbrüchen. Alle, aber auch wirklich alle Institutionen, die den Prozess aus ökonomischer Sicht kommentiert haben, ob Sie nun den IMF, die Weltbank, die deutschen Institute oder die Zentralbanken der USA oder der EU nehmen, sehen das gleich. Man kann unter schleichendem Siechtum leiden und sich gleichzeitig das Bein brechen. Das ist die Situation von Deutschland heute. Das Bein muss geschient werden, und gleichzeitig muss das Siechtum bekämpft werden. Konkret muss man mit keynesianischem Deficit Spending die Wirtschaft vor dem Absturz retten und den Arbeitsmarkt von seinen Lohnrigiditäten befreien. Ein Großteil der Diskussion gestern ging um die Lohnrigiditäten, und da habe ich Ihre Position doch voll und ganz vertreten. Ich verstehe deshalb nicht, wo Sie die Sozialdemokratisierung meiner Argumentation sehen. Ich bin doch kein Ideologe, der grundsätzlich dieselbe Medizin verschreiben will, egal welche Krankheit der Patient hat. Kommentare wie Ihren kriege ich von Seiten der Linken übrigens spiegelbildlich. Offenbar möchte man mich in Lagern verorten und ist irritiert, wenn ich da nicht hineinpasse. Das erfüllt mich in gewisser Hinsicht mit Genugtuung, denn nichts fände ich schlimmer, als in einem politischen Lager verortet zu werden. Ich habe übrigens die keynesianischen und die angebotsorientierten Probleme immer zugleich im Blick gehabt und die Marktfehler wie die Leistungen des Marktes gleichermaßen betont. Das können Sie an meinem Schriftenverzeichnis unschwer erkennen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Sie haben - bezogen auf Ihr Beispiel - recht. Dort tragen Bankaktionär und Gläubiger ein identisches Risiko: In einem Zustand ergibt sich eine positive Rendite von 6 %, im anderen Zustand ein Totalverlust. Dies ist jedoch nur ein Randfall. In der Realität dürfte es auch Zwischenschritte gegeben, etwa die Kombination "Totalverlust für den Aktionär und teilweiser Verlust für den Gläubiger". Hier sollte es sodann zu einem Auseinanderfallen von Gesamtkapital-Rentabilität (operative Rendite) und Verzinsungsforderung der Gläubiger und - in der Folge - zum klassischen Leverage-Effekt kommen. Vermutlich sind aber derlei Feinheiten - und auch das von mir genannte Zusammenspiel von Renditeforderungen und Marktwerten - in einem, auf ein breiteres Publikum abzielenden Buch nicht statthaft. Besten Dank für die Diskussion und viele Grüße! Josef Schosser
Anmerkung des Moderators: Das ist eine Antwort von Herrn Dr. Schosser auf den Beitrag vom 13. Oktober 2009
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was halten Sie von folgenden Vorschlägen: 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung. 2. die Beendingung jeglicher Bandkengeldschöpfung (Giralgeldschöpfung) 3. die schuldenfreie Inumlaufbringung neuen Geldes z.B. durch öffentliche Ausgaben. Es gibt eine Initiativerklärung auf folgender Internetseite: www.monetative.de , welche auch von verschiedenen Volkswirtschaftsprofessoren unterstützt wird. Müßte unser Geldsystem nicht grundlegend verändert werden? Wie stehen Sie dazu? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, dem Bankensystem die Möglichkeit der Geldschöpfung zu nehmen ist eine Möglichkeit zur Vergrößerung der Geldschöpfungsgewinne der Notenbank, die vielfach ernsthaft diskutiert wurde. Ich sehe allerdings keinen Zusammenhang mit der Krise. Die Mechanismen, die zur Krise geführt haben, sind anderer Natur. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn,etwas spät über BR-Alpha bin ich auf ihr Buch "Kasino Kapitalismus" aufmerksam geworden. Heute sofort gekauft.Die Seiten 89-92 sind für mich ein hochgradiges DE ja-vu Erlebnis. In all den deutschen Talk-Show über die Finanzkrise hört man einen solchen Schwachsinn, wieso kennen diese selbsternannten Experten eigentlich nicht ihr Buch? Was noch fehlt ist eine Analyse 10 Jahre SPD-Finanzpolitik in Deutschland, bevor hier die Legendenbildung einsetzt. Mit besten Grüßen Friedhelm Frank
Sehr geehrter Herr Frank, vielen Dank für Ihre Zeilen. Ja, in der Tat fragt man sich manchmal, warum so viele Leute nicht zum Kern der Sache vordringen wollen, sondern im Nebulösen herumargumentieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich lese gegenwärtig Ihr Buch "Kasino Kapitalismus". Die Ausführungen in Kapitel 4 zum Theorem von Modigliani und Miller erscheinen mir etwas unscharf. Mit zunehmender Verschuldung steigen die Renditeforderungen (=Verzinsungsansprüche) der Fremdkapital-Geber. Sofern das operative Geschäft nicht verändert wird (d.h. die Gesamtkapital-Rentabilität unverändert bleibt), geht damit dennoch eine Erhöhung der Eigenkapital-Rentabilität einher! Die Irrelevanz - aus Sicht der ursprünglich nicht oder geringer verschuldeten Unternehmung - kommt dadurch zustande, dass aufgrund der höheren Verzinsungsforderungen der Anspruchsgruppen die Summe der "Verkaufswerte" von Eigen- und Fremdkapital sich nicht ändert. Wichtig für die Beurteilung der Finanzierungspolitik ist also die Vermögensposition der Alteigentümer vor und nach der Emission von (zusätzlichen) Verbindlichkeiten. Wie so häufig führt das Denken in Renditen in die Irre! (formal unübertroffen: Jochen Wilhelm (1985), Arbitrage Theory). Noch ein Hinweis zur Literatur: Zweckmäßiger erscheint mir die Angabe des grundlegenden Aufsatzes: Modigliani / Miller: The cost of capital, corporation finance, and the theory of investment, American Economic Review, 48 (1958), S. 261-297. Viele Grüße Josef Schosser
Sehr geehrter Herr Schosser, vielen Dank für den Kommentar. Die Literaturverweise in den Fußnoten sind ja tatsächlich falsch. Ich hatte Mitarbeiter gebeten, die Quelle für MM einzutragen, und dann nicht aufgepasst. Ich bin aber wegen der fehlenden Kontrolle selbst verantwortlich. Was Ihren Hinweis auf die trotz MM steigende Eigenkapitalrendite betrifft, hoffe ich, die Unklarheit mit dieser Formulierung ausräumen zu können, die ich in der nächsten Auflage des Kasino-Kapitalismus verwenden werde: "Danach würde die mittlere Eigenkapitalrendite gar nicht steigen können, wenn fremdfinanzierte Banken ins Risiko gehen, weil der Anstieg des Zinssatzes, den sie für das Fremdkapital zahlen müssen, jedweden Vorteil zunichte machen würde. Konkret würden die Gläubiger von der Bank im obigen Beispiel eine nominelle Rendite von 6% verlangen, wenn die Bank sich für die riskante Strategie entscheidet, um im Mittel immer noch 5% zu erhalten (von einer möglichen Risikofurcht einmal abgesehen, die noch höhere Zinsforderungen begründen würde). Aber dann kämen die Bankaktionäre auch nur auf eine Maximalrendite von 6% und eine mittlere Rendite von 5%. Dem Geschäftsmodell wäre also der Boden entzogen." Sie schreiben, das Leverage würde die Risikoprämie auch erhöhen, wenn MM gilt. Richtig ist diese Aussage für den Fall, dass die Gläubiger sich mit einer kleineren erwarteten Rendite als die Aktionäre begnügen. Doch wenn die informierten Aktionäre die gleiche erwartete Rendite wollen wie die Aktionäre, und das sollte man ja wohl unterstellen, stimmt sie nicht. Das können Sie anhand meines Zahlenbeispiels leicht nachrechnen. Wenn der nominale Zins, der den Gläubigern geboten wird, 6% ist, erzielen sie und die Aktionäre im Mittel immer 5%, egal wie hoch die Schuldenquote ist. Obwohl Ihre Kritik also in diesem Punkt nicht unbedingt stimmt, hat sie mir aber doch sehr geholfen, denn mein Absatz war nicht scharf genug formuliert, weil er allgemein vom fehlenden Vorteil des Leverage bei Gültigkeit des MM-Theorems sprach, während ich doch eigentlich vom fehlenden Vorteil des Risk Taking bei gegebenem Leverage sprechen wollte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, erlauben Sie mir einige Anmerkungen zu Ihrem Statement in der FTD: Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts: "Noch nie waren die Schwierigkeiten, denen sich eine neue Bundesregierung gegenübersah, so groß wie heute. Arbeitslosigkeit, Finanzkrise und Staatsschulden bilden eine schwer beherrschbare Gemengelage. Ich hoffe auf eine Fortsetzung der Agenda 2010, um den Arbeitsmarkt noch weiter in die Richtung des aktivierenden Sozialstaates zu verändern." Die Herausforderungen sind in der Tat immens und noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik werden wir wohl mit einem derart massiven Problemgeflecht auf verschiedenen Feldern parallel konfrontiert. Ich konzentriere mich allein auf einige aktuelle Aspekte zum Thema Arbeitslosigkeit, das schon wegen des Regierungswechsels wohl wie kein anderes im Feuer der politischen Auseinandersetzung schon der nächsten Monate stehen dürfte: 1. Die Agenda-Politik war und ist m.E. im Grundsatz zwar weiterhin richtig, sie erfordert heute allerdings deutliche Neujustierungen (eine "Monstranz" Hartz IV nutzt keinem). Z.B. ist die "Klasseneinteilung" in ALG(I) und ALGII bzw. BA und ARGE, für "Harz IV"-Empfänger diskriminierend und zugleich kontraproduktiv, weil sie deren Arbeitsmarktchancen (nämlich als "ausgewiesene" Arbeitssuchende zweiter Klasse) mindert. Zudem setzen die Zuverdienstregelungen des ALG II falsche Anreize (vgl. anders das Konzept "aktivierende Sozialhilfe" des ifo). Berücksichtigt man hier z.B. weiter, dass im Niedriglohnbereich Werbungs- und Sonderausgabenabzüge mangels Steuerpflicht zumeist nicht wirken (schon die zuwachsenden Fahrtkosten konterkarieren nicht selten bereits Brutto-Mehreinkommen), überrascht nicht, dass Arbeitslose (zu) lange Leistungsempfänger bleiben, bis sich eine Erwerbtätigkeit vermutlich nachhaltig (!) lohnt. Solche (und andere) Inkonsistenzen im - insoweit auch inflexiblen und inzwischen deutlich bürokratielastigen - Regelwerk SGB II bauen Arbeitslosigkeit daher nicht nicht wie gewünscht - und wie es m.E. möglich wäre (!) - ab (sondern dienen eher der "Arbeitsbeschaffung" für eine wachsende Schar von Sozialrichtern). Hinzu kommt schließlich und (nach meiner nur fallweisen) Beobachtung, dass es hier eine wirklich effektive Arbeitsvermittlung (schon mangels "Mase") nach wie vor nicht gibt (es dürfte die "Delegierung" an Zeitarbeitsfirmen und sonstige Unternehmen überwiegen und zumindest bei einigen (vielen?) dürfte ein Seriositätstest auch nicht uneingeschränkt positiv ausfallen. 2. Die "Neue SPD" wird es möglicherweise als Befreiungsschlag empfinden, das "Schrödervermächtnis Hartz IV" endlich "in die Tonne zu treten". Folglich wird es vermutlich schon in den nächsten Monaten hierüber eine heftige - und hochideologisierte - Diskussion - mit beiden (!) linken Parteien - geben. Das "bürgerliche Lager" wäre hier gut beraten, wenn es diese Diskussion offensiv (also nicht aus einer Verteidigungsposition heraus) führte und dabei zugleich deutlich machte, dass die SGB-II-Systemregelungen stets (!) den Interessen der betroffenen Leistungsbezieher objektiv entsprechen, die von der Solidargemeinschaft unter großen Anstrengungen gewahrt und geschützt werden. Insoweit hat der scheidende Arbeits- und Sozialminister Scholz sogar recht: "Die SPD hat es mit der Reformpolitik der letzten Jahre geschafft, die Grundlagen des deutschen Sozialstaats zu sichern", sagte er. "Aber die Reformen waren - wenn die Bürger ihr eigenes Leben betrachten - nicht immer gut. Das aufzuarbeiten, wird unsere Aufgabe sein." 3. Für diese Neujustierung ALG II ist wissenschaftlicher Support wie übrigens auch umgekehrt die Bereitschaft der Politik notwendig, eine solche Unterstützung anzunehmen. An die Wissenschaft ist indessen zu apellieren, an die bezeichnete "Gemengenlage" interdisziplinär heranzugehen, Wie schon oben erwähnt, sind Systemregelungen im Bereich SGB II nicht allein unter volks(und betriebs-)wirtschaftlichen, sondern zudem (beispielweise) auch unter markt- und verhaltenspsychologischen Aspekten heranzugehen und dabei gleichzeitig effiziente Methoden der - auch stufenweisen - Arbeitsvermittlung bzw. des Coaching zu entwickeln und umzusetzen. Ziel muss dabei auch sein, Akzeptanz bei dieser Zielgruppe zu erreichen. Dabei sind mir die (auch zielgruppenimmanenten) Grenzen durchaus bewusst. Insbesondere eindeutig zu erkennende Gestaltungsfehler sind indessen ebenso konsequent zu korrigieren wie letztlich verhindert werden muss, dass eben diese Zielgruppe zu einem "Neo-Proletariat" und im Übrigen nachhaltigem Reservoir für Parteien und Gruppierungen gepäppelt wird, die bei einer etwaigen Verteidigung der deutschen Demokratie sicher nicht an der Spitze stehen werden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, vielen Dank für die tiefschürfende Antwort. Ich stimme vielem zu, nur nicht Ihrer Kritik an Hartz IV. Hartz IV erzeugt schon zwei Klassen von Arbeitslosen. Das ist objektiv richtig. Aber es ist auch nicht vermeidbar, wenn man die Kosten der Arbeitslosigkeit im Griff behalten und Anreize zur Arbeitsaufnahme bieten will. Die Grundidee ist ja gewesen, die Arbeitslosigkeit etwas weniger komfortabel zu gestalten und dafür die Beschäftigung ein wenig zu bezuschussen. Ich würde die Beschäftigung noch mehr bezuschussen, und damit wären wir dann irgendwann bei der aktivierenden Sozialhilfe, die Sie ja auch wollen. Wichtig ist mir, dass die Bezuschussung durch Hartz IV (bis weit über den Sockel hinaus) die Armutsgefährdung schon heute für geringbezahlte Arbeitnehmer wirksam verhindert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anm. des Moderators: Dies ist eine Antwort von Hr. Dr. Reich auf den Beitrag vom 7.10.2009 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, herzlichen Dank für Ihre Antwort: Die Weiterentwicklung von ALG II zur aktivierenden Sozialhilfe, diese etwa eingebettet in ein "Bürgergeld" als negative Einkommensteuer wäre der Weg, den ich prinzipiell versuchen würde. Im Zentrum stehen dabei in der Tat die Anreize zur Arbeitsaufnahme bzw. die Beseitigung von Inkonsistenzen, die das erschweren (ein "Aufstocker", der "auf dem flachen Land" mit dem Auto monatlich 1.000 Km zur Arbeitsstelle fahren müsste, kann eine Arbeitsaufnahme schlichtweg nicht "rechnen"). Jedenfalls gefällt mir nicht, dass "Hartz IV" (namentlich von der Politik) nicht selten nur noch als Monstranz hochgehalten wird (und sich daraus übrigens auch eine durchaus nicht ungefährliche politische Statik entwickelt hat). Schließlich steht insoweit der "Lackmustest" der Agenda 2010 noch aus. Denn die positive Arbeitsmarktentwicklung der Jahre 2005 bis 2008 ergab sich ja auf dem Boden einer deutlichen konjunkurellen Aufwärtsbewegung. Das wird in den Jahren 2010 bis 2012 - siehe auch Prognose ifo - vermutlich ganz anders sein. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, klar, der Test geht weiter. Aber im Aufschwung wurde erstmals das bisherige (seit einem Drittel Jahrhundert geltende) Muster durchbrochen, dass die Sockelarbeitslosigkeit im Westen von Boom zu Boom um 800.000 Personen stieg. Sie fiel stattdessen um 200.000. Macht 1 Mio Extrajobs, die nicht durch die Konjunktur zu erklären sind. Außer der Agenda fällt mir nichts ein, was die Ursache hätte sein können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bin wie Sie der Meinung, dass sich der Staat in der heutigen Lage an den Geschäftsbanken temporär beteiligen sollte, um die Eigenkapitalausstattung dieser, zu verbessern. Ich finde es aber nicht plausibel, dass Geschäftsbanken sich derzeit zu günstigen Konditionen mit Zentralbankgeld eindecken können, für welches sie dann zum Beispiel wieder Staatsanleihen kaufen. Solche risikolosen Zinsdifferenzgeschäfte stellen versteckte Subventionen für Geschäftsbanken auf Kosten des Steuerzahlers dar. Ich bin der Meinung, dass sich die Regierungen generell kein Geld vom privaten Kapitalmarkt leihen sollten, sondern nur direkt bei der Zentralbank. Da die Zinsgewinne der Zentralbank dann wieder in den Bundeshaushalt eingehen, hätte der Staat sich das Geld dann faktisch zum Nulltarif geliehen. Das Argument, das dann keine Geldwertstabilität gewährleistet sei, halte ich nicht unbedingt für bewiesen. Ich denke hier müssten Kontrollmechanismen eingebaut werden, welche verhindern, das die Staaten sich hemmungslos Geld bei den Zentralbanken leihen können. Die enormen Staatsverschuldungen in der Welt, welche stetig ansteigen und meiner Meinung nach System bedingt sind, zeigen, dass hier Systemveränderungen angebracht wären. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, hier erwähnen Sie einen wichtigen Punkt, auf den man stärker hinweisen sollte, in der Tat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, hat die Hartz IV Gesetzgebung zu einem Mehrwert für die Volkswirtschaft geführt oder wurde nur die Arbeit im Billiglohnsektor auf mehr Köpfe verteilt, die dann entsprechend weniger verdienen?
Sehr geehrter Herr Böhme, die Arbeit wurde definitiv nicht auf mehr Köpfe verteilt, sondern es wurde mehr gearbeitet und ein höheres Sozialprodukt erzielt. Deutschland kam nach langen Jahren aus seiner europäischen Schlusslichtposition beim Wachstum heraus und hat sich bis zum Durchschnitt vorangerobbt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der Bundestagswahl ist die Tür nun offen für eine Steuerstrukturreform. Das Konzept der FDP halte ich für gut, nur leider fehlt mir im Geringverdienerbereich die Einführung einer Negativsteuer. Warum ist dieser Ansatz im FDP Konzept nicht vorhanden? Welche Bedenken gibt es gegenüber dem jetzigen Zuschusssystem?
Wenn ich nur wüsste, warum die FDP das nicht aufnimmt. Aber vielleicht tut sie es ja doch, ohne es an die große Glocke zu hängen. Warten wir ab. Da ich mit der Partei nichts zu tun habe, weiß ich es nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Herr Prof. Hans- Werner Sinn hat in seinem bis heute unübertroffenen Buch “Kasino_Kapitalismus” eine erste hervorragende und verständliche Analyse und Vorschläge zur Finanzmarktregulierung abgeliefert. Ich verstehe nun aber nicht weshalb weiterhin widersprüchliche Aussagen über grundlegende Weiterentwicklungen einer Regulierung der Banken und Finanzen bestehen. Ich ziehe daraus den z.Zt. vereinfachten Schluss, dass die tatsächlichen Ursachen (nicht die Auslöser) der Krise noch weitgehend im Dunkel liegen. Daher sollte man doch alle DEMOKRATISCHEN ORGANE drängen zu mehr Aufklärung zu kommen, insbesondere vermute ich, dass die Judikative erhebliche Defizite hat, da es sicher noch erheblich mehr strafbare Vergehen im Dunkeln gibt, die über eine Steuerhinterziehung hinausgehen und die Legislative sollte doch noch parlamentarische Ausschüsse bilden um Ursachen zu finden. Danach können bessere Regulierungen gefunden werden, die von allen Ökonomen unterstützt werden können, dann weis man dort auch, ob Inflation oder Deflation droht? Sollte ich mich da so sehr täuschen. Gerne würde ich insbes. Herrn Sinn fragen.
Sehr geehrter Herr Klös, haben Sie vielen Dank für die Anfrage. Ich sehe die Probleme nicht im strafrechlich relevanten Bereich, sondern im Regulierungsrahmen. Insofern kommt man mit einer Aufklärung im Sinne von Untersuchungsausschüssen nicht weiter. Meines Erachtens liegen die Gründe doch offen zutage, wie ich in meinem Buch ausgeführt habe. Man muss jetzt meine politischen Empfehlungen umsetzen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
HB 10.09.09 - IHR GASTKOMMENTAR „WELTMEISTERSCHAFT AUF PUMP“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Stellungnahme! Aus der Sicht der Sozialhaushalte haben Sie natürlich völlig Recht, dass Lohnzuschüsse keine Subventionen sind, aus der Sicht der Unternehmen verhält es sich jedoch anders. Lohnzuschüsse sind hier Subventionen genau wie Zuschüsse zu Treibstoffen, oder zinsgünstige Kredite. Das ist eine Verzerrung der Wettbewerbssituation und wird über kurz oder lang die EU-Organe auf den Plan rufen. In historischer Betrachtung haben sich moderne, d.h. in der Regel kapitalintensive Industrien langfristig der lohnintensiven Fertigung überlegen gezeigt. Um in der globalen Wirtschaft mithalten zu können, muss Deutschland als Hochlohn- land kapitalintensiv arbeiten. Hätten wir rechtzeitig Maschinen entwickelt, die Mobiltelefone computergesteuert montieren, wären zwar bei Nokia in Bochum Arbeitsplätze weggefallen, die Wertschöpfung aber in Deutschland verblieben. So wird für vielleicht zehn oder zwanzig Jahre in Rumänien montiert, bevor automatische Anlagen entwickelt und in Betrieb genommen werden. Gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung muss Deutschland schon jetzt die Weichen für eine kapitalintensive Produktion stellen um mit weniger Beschäftigten weiterhin Wachstum zu erzielen. Einmal braucht die technologische Entwicklung ihre Zeit, weiter müssen die Unternehmen Gelegenheit haben, sich in ihrer Kapitalstruktur darauf einzustellen. Lohnzu- schüsse würden hier kontraproduktiv wirken, da sie den Innovationsprozess hemmen. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, wie recht Sie doch haben. Nur, man kann alles übertreiben. Da wir eine Marktwirtschaft haben, passiert genau das, was Sie beschreiben von allein durch den Markt, wenn man ihn lässt. Wenn man ihn nicht lässt und die Löhne noch über das hohe Niveau hinaus erhöht, das sie in Deutschland sowieso gehabt hätten, dann gibt es zu viel Kapitalintensivierung. Sie können mir glauben, der Punkt ist ökonomisch sonnenklar, sogar duch die Nobelpreise von Arrow und Debreu untermauert. Das richtige kommt heraus, wenn der Staat nicht in die Lohnstruktur eingreift. Tut er es, wie in Deutschalnd, geht die Spezialisierung zu weit und führt zu Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist das Kriterium, das zeigt, ob die Spezialisierung zu weit ging, denn Spezialisierung auf arbeitssparende Prozess, bei denen die freigesetzen Arbeitnehmer unbeschäftigt bleiben, sind Wohlfahrtsverluste für die Volkswirtschaft. Eine Lohnsubvention ist deshalb ausgehend von der verzerrten Situation, die wir in Deutschland haben, keine Verzerrung, sondern die Aufhebung derselben. Das kann ich nun nicht hier in der Kürze der Zeit nicht für Sie beweisen. Ich kann auch nicht erwarten, dass Sie das Argument als Nichtökonom wirklich in dem Sinne verstehen können, dass Sie davon überzeugt sind. Sie müssen mir insofern also schon vertrauen, so wie wir alle ja auch den Aussagen anderer Fachdisziplinen vertrauen, auch wenn wir die Argumente nur ansatzweise zur Kenntnis nehmen können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, nachdem ich Ihr Buch über das grüne Paradoxon gelesen hatte, war ich geradezu schockiert über die Erkenntnis, dass die mittels des EEG mit zig Milliarden Euro geförderten neuen Energieindustrien keine Reduzierung des CO2-Ausstoßes bewirken, sondern wohl nur eine industriepolitische Maßnahme sind (wegen des parallel laufenden Zertifikatehandels). Falls diese Behauptung stimmt, müsste doch eigentlich ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit und die Parteien gehen, zumindest was den Etikettenschwindel anbelangt, der mit dem EEG betrieben wird. Nach meiner Wahrnehmung hat sich am der öffentlichen und parteioffiziellen (SPD, Grüne) Standpunkt, das EEG als wichtigen Beitrag zur CO2-Reduzierung anzusehen, aber gar nichts geändert. Als ich im Rahmen gelgentlicher öffentlicher politischer Diskussionen im sozialdemokratischen Umfeld auf ihre Einwände hingewiesen habe, traf ich auch unter Experten (Ulrich Kelber, SPD-MdB) auf völliges Unverständnis, Nichtwissen oder Ignoranz. Ich frage mich nun, woran das liegt. Ist Ihre oben beschriebene Behauptung wissenschaftlich womöglich umstritten? (Ich bin Laie!) Oder wie erklären Sie sich die meines Erachtens geringe Wirkung Ihrer Publikation? Mit freundlichen Grüßen, Robert Philips
Sehr geehrter Herr Philipps, meine Thesen sind kaum widerlegbar, auch wenn einige aus ideologischen Gründen sie nicht wahrhaben wollen. Beim Jahreskongress 2009 des deutschen Ökonomenverbandes wurden sie von vielen Ökonomen wiederholt. Es sind ja auch keine Thesen, sondern einfache mathematische Wahrheiten. Politische Wahrheiten respektieren aber keine mathematische Wahrheiten. Wenn zu viele Leute ihr Einkommen einer Ideologie verdanken, siegt die Ideologie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, nachdem Sie die gestrige Diskussionsrunde, zu der die F.D.P. eingeladen hatte, aufgrund eines Anschlusstermins zeitig verlassen mussten, konnte ich zwei Anmerkungen nicht los werden bzw. diese Ihnen nicht als Frage stellen. Es eilt auch nicht aber ich würde mich freuen, bei Gelegenheit Ihr Statement zu den beiden folgenden Punkten zu erfahren: 1. Thema Bad Banks / "Buchhaltertrick": Sie gaben zu bedenken, dass die durch den "marktunüblichen" Verkaufspreis in Verbindung mit der späteren Verlustaus-gleichsverpflichtung bestehende Eventualschuld der abgegeben Bank eventuell als Drohverlustrückstellung zu passivieren wäre. Auch nach HGB (und erst recht nach IFRS) würde dies aber eine hinreichende Wahrscheinlichkeit voraussetzen, dass sich das entsprechende Papier nicht erholt. Ob die Papiere in x Jahren oder bei Endfällig-keit tatsächlich unter dem "Subventionspreis" notieren bzw. fällig werden wissen wir heute nicht - wir befürchten es nur. Gehen wir von Papieren aus, für die es derzeit keinen repräsentativen Marktpreis gibt, die ansonsten aber kein (hohes) Ausfallrisiko aufweisen. Dann wäre der Ansatz einer Drohverlustrückstellung nicht angebracht und der Vorwurf des Buchhaltertricks nicht fair. Natürlich: bei einem echt wertlosen weil ausfallgefährdetem Papier, müsste eine DVRS gebildet werden, um die Risiken transparent und vollständig abzubilden. Ich habe mit unseren Prüfern (für unser Haus stellt sich das Thema aber gar nicht) bislang nicht ausgetauscht - könnte mir aber vorstellen, dass eine Passivierung durchaus geboten sein könnte. Der Brand-melder lässt sich hoffentlich nicht ganz abschalten... Haben Sie hierzu schon nähere Erkenntnisse? 2. Basel-II und Risikoaktiva: Die Finanzmarktkrise steht in meinen Augen in ei-nem unglücklichen zeitlichen Aufeinanderprallen mit den ersten Effekten von Basel-II. Denn in 2007 und 2008 wurden mehr und mehr die RWA- und damit Kernkapital-entlastenden Effekte von Basel-II spürbar. Durch die Ratingmodelle und die abgestuf-te RWA-Anrechnung je nach Rating des Kreditnehmers sanken bei gleichem Ge-schäftsvolumen die RWA (bzw. stiegen die RWA nicht so stark wie das Geschäftsvo-lumen) mit der Folge freiwerdenden Eigenkapitals (für Neugeschäft oder für Aus-schüttungen, da weniger thesauriert werden musste). Jetzt, da die Krise auf die Re-alwirtschaft ausstrahlt und die Ratings der Kreditnehmer schmelzen wie der Schnee in der Märzsonne, schießen die RWA nach oben und die Kernkapitalquoten schmie-ren ab, weil das Eigenkapital unterjährig gar nicht Schritt halten kann - wohl dem, der gerade eine Kapitalerhöhung durchdrücken kann. Basel-II - und bitte, das war vom Regulierer gewollt - soll zu risikoorientiertem Pricing führen, indem es die RWA-Anrechnung und damit die EK-Unterlegung eines Kredits an die Bonität - sagen wir Ertragskraft - des Kreditnehmers bindet. In der Krise wird das zum Bumerang: Durch Rating-Migrationen "konsumieren" Banken Eigenkapital in einem Maße, dass Neuge-schäft (oder Prolongationen) fast nicht mehr drin sind (Sie als Aufsichtsrat unseres Hauses wissen, dass es sich bei uns etwas anders verhält - das ist aber HVB-spezifisch. Andere Banken trifft das aber schmerzhaft). Für mich heißt das pointiert: weg mit Basel-II, das ist genauso Volatilitäts-verstärkend wie Fair Value-Bilanzierung. Teilen Sie meine Ansicht? Wie gesagt - keine Eile. Es hat Spaß gemacht, Ihnen (und natürlich meinem CEO) zu-zuhören. Als Alumnus Ihrer "Nachbarfakultät" kenne ich Sie aus der ein oder anderen Vorlesung, in die ich mich während Studium bzw. Promotion interessehalber gesetzt habe und auch gestern wurden die erwartungen nicht enttäuscht. Einen schönen Tag und beste Grüße, Dr. Martin Hebertinger Hypovereinsbank
Sehr geehrter Herr Hebertinger, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Nur kurz zwei Kommentare: 1. Was Sie schreiben, ist bilanztechnisch richtig. Dennoch handelt es sich um Buchhaltungstricks, denn wenn die Bank für ihre Bad Bank voll und ganz aufkommen muss und alles versicherungsmathematisch korrekt berechnet ist, kann es keine Entlastung geben. Es geht hier wirklich nur um regulatorische Arbitrage mithilfe des Gesetzgebers. 2. Mit der Frage der dynamischen Bewertungseffekte im Rahmen von Basel II habe ich mich in meinem Buch "Kasino-Kapitalismus" ausführlich auseinander gesetzt und komme zu Ihrem Ergebnis. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn! In ihrem Buch "Das grüne Paradoxon" haben Sie sehr viele verschiedene Aspekte beleuchtet. Meiner Meinung verdienen folgende Aspekte eine ausführlichere Betrachtung. 1. Einbeziehung der Ressourcenländer am Umbau zu kohlenstoffarmen Wirtschaft (wie z.B. IRENA in Abu Dhabi, Aufbau von grüner Forschung und Industrie, siehe Masdar) 2. Das enorme Wachstum der Städte in den Golf Staaten und die Entwicklungspläne von Saudi Arabien (dies ist eine Weg der Quellensteuer zu entgehen) Mit freundlichen Grüßen, Markus A. Wischy
Sehr geehrter Herr Wischny, haben Sie vielen Dank für die Mail. Dass die Ressourcenländer auch auf alternative Strategien setzen, sehe ich als Versicherungsstrategie für den Fall, dass der Ölhahn zugedreht wird. Man extrahiert so schnell man kann, weil man vor der Zukunft Angst hat, und investiert in alternative Technologien. Sicherlich würde das Investitionsvolumen in den Ölstaaten steigen, wenn man eine Quellensteuer hätte. Aber der Platz für Investitionen ist begrenzt. Derzeit wird der Löwenanteil der Petrodollars in die westlichen Länder zurückgeführt. Aber Sie haben recht: beide Aspekte sind wichtig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Frage bezieht sich auf das Thema Eigenkapitalzuführung des Staates an notleidende Banken versus Bad Bank-Konzept: In einer Veranstaltung der FDP in München am 29. Juli d.J. sagten Sie, dass Deutschland (im Gegensatz zu USA und GB, oder Schweden Anfang der 90er Jahre) aus ideologischen Gründen eher den Bad Bank-Weg statt den Weg der Kapitalzuführung und Beteiligung geht. Mich würde zum einen sehr interessieren, was Sie mit diesen ideologischen Gründen genau meinten. Zu meiner zweiten Frage: Ich kann die von Ihnen angeführten Vorteile der Beteiligungslösung sehr wohl nachvollziehen. Dennoch frage ich mich, ob das durch das neue Eigenkapital aufgebaute Vertrauen unter den Banken und die daraufhin folgende Anregung des Geld- und Kreditverkehrs nicht dadurch wieder reduziert wird, dass ja die nach wie vor toxischen Wertpapiere bei den einzelnen Banken verbleiben und damit noch lange für Unsicherheit sorgen, da sie ja nicht externalisiert werden. Oder wäre auch eine Kombination beider Wege denkbar? Besten Dank für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Roland Behm
Sehr geehrter Herr Behm, mit den ideologischen Gründen meine ich die Auffassung, dass der Staat sich nicht beteiligen soll, weil Verstaatlichungen in der Vergangenheit problematisch waren, ohne zu sehen, dass es keine wirklichen Alternativen gibt. Eine theoretische Alternative ist, nichts zu machen. Dann schrumpfen sich die Banken gesund und die Wirtschaft kaputt. Eine andere ist, den Banken Geschenke zu machen. Dann verliert der Steuerzahler Geld, und die Banken machen in Erwartung neuer Geldgeschenke immer so weiter. Deswegen geht nur die staatliche Beteiligung. Die Kombination beider Wege ist denkbar. Ich habe nichts gegen die Bad Banks an sich, nur helfen sie meines Erachtens wenig. Man könnte die toxischen Papiere genausogut in den Bankbilanzen lassen und auf ihren Marktwert, der heute bei 30% liegt, abschreiben. Dann wäre auch Klarheit hergestellt. Das dann fehlende Eigenkapital fehlt ja in Wahrheit schon heute, nur sieht man es nicht. Der Staat müsste es auffüllen, und dann wäre das Vertrauen und die Funktionsfähigkeit des Bankensystems mit einem Schlage wiederhergestellt. Allerdings müsste der Staat seine Anteile bei der erstbesten Gelegenheit auch wieder verkaufen, denn er ist ja in der Tat ein schlechter Banker. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Dies ist eine Antwort von Prof. Dr. Hickel auf den Beitrag vom 29.07.09 Lieber Herr Sinn, für Ihre prompte Antwort danke ich Ihnen gerne. Auf mein geplantes Buch kann ich nach der Vorlage Ihres „Kasinokapitalismus“ nicht nur wegen der großen Übereinstimmung sondern auch der ausgesprochen gelungenen didaktischen Umsetzung (einschließlich der Grafiken) gerne verzichten. Mit der Internationalisierung des Begriffs Neoliberalismus auf der Konferenz, die der französische Philosoph Louis Rougie im August 1938 in Paris durchgeführt hatte, haben Sie Recht. Da dieses Ereignis mir nicht präsent war, habe ich die Wissenslücke gestern geschlossen. Dennoch, der Begriff Neoliberalismus als Schelte gegen einen entfesselten Kapitalismus ist weltweit besetzt. Deshalb spreche ich immer vom Ordoliberalismus als das gegenüber dem Neoliberalismus stehende Ordnungsmodell. Wie bisher bereits, ich werde künftig noch stärker betonen, dass die Schöpfer des Ordoliberalismus damit einen staatlich gestaltenden Neoliberalismus wollten. Ihre Hinweise zu Keynes im Kontext der Zunahme der Liquiditätsneigung teile ich uneingeschränkt. Mir geht es jedoch auch darum, seinen Beitrag zur Dominanz der Spekulationen als Kennzeichen des modernen Kapitalismus zu betonen (kaleidoskopischer Keynesianismus). In der Tat, nach meiner Auffassung müssen nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Güter- und insbesondere die Arbeitsmärkte reguliert werden. Konstitutiv für die Regulierung der Arbeitsmärkte ist das Tarifvertragssystem, das das Grundgesetz auf die Tarifvertragsparteien überträgt. Wenn Sie es für sinnvoll halten, können Sie meine Charakterisierung Ihres Buches auch öffentlich kommunizieren. Jetzt wünsche Ihnen einen erholsamen Sommerurlaub. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Hickel
Lieber Herr Sinn, für die Lektüre Ihres neuen Buchs „Kasinokapitalismus“ habe ich richtig viel Zeit eingesetzt. In einem Satz lautet mein Urteil zusammenge¬fasst: Dies ist eine ausgezeichnete Analyse der Ursachen, der Folgen, vor allem aber des sich daraus ableitenden Handlungsbedarfs im Sinne einer strengen Regulierung der Finanzmärkte, insbesondere der Banken. Zu diesem Werk gratuliere ich Ihnen uneingeschränkt. Dabei stelle ich fest, dass sich das Grundmuster Ihres Buches mit den Aussagen der vielen Vorträge, die ich zum Thema seit Anfang letzten Jahres gehalten habe, ziemlich deckt. Gerne überlasse ich Ihnen, wenn Sie es interessiert, mal eine Powerpointpräsentation aus der Vor-Lehman-Zeit“. Einige Hinweise: - Ihre Klarstellung zur Zinspolitik von Greenspan ist wohltuend. Damit räumen Sie mit der Legende von Greenspan als dem Verursacher der Finanzkrise auf. Er musste makroökonomisch für billige Liquidität sorgen. Dass dies die Hypothekenbanken - etwa die Country Wide - bei der Vergabe von Immobilienkrediten schamlos ausgenutzt haben, steht auf einem anderen Blatt. - Die Forderung nach einem Selbstbehalt – etwa von 20% - bei den Banken, die die Wertpapiere (SVI) packen – teile ich voll. Dadurch werden rationale Anreize gesetzt. - Übrigens höre ich soeben von der Pariser Börse, dass dort geplant wird, die Leerkäufe dadurch auszutrocknen, dass die geliehenen Ak¬tien nicht mehr unterhalb des Marktpreises verkauft werden können. - Auch teile ich Ihre Aufforderung, künftig eine Kernkapitalquote vorzuschreiben und bei deren Unterschreitung die betroffenen Banken zur Annahme von staatlichem Kapital zu zwingen. - Schließlich geht es nicht um die Bekämpfung von Gier, sondern um die Sicherung von Spielregeln, die das Austoben von Gier begrenzen. Marx würde wohl sagen: Durch die Gestaltung der Verhältnisse das Verhalten zu beeinflussen. Nach diesem Lob erlauben Sie mir zwei kritische Hinweise: 1. Der Titel Kasinokapitalismus lehnt sich sehr stark an J. M. Keynes an. Auf S. 135 in der neuesten Ausgabe der GT von 1936 heißt es: Wenn durch Spekulationen „die Kapitalentwicklung eines Landes das Nebenerzeugnis der Tätigkeiten eines Spielkasinos wird….“ Aus dieser Stelle habe ich schon vor Jahren den Begriff „Kasinokapitalismus“ für Keynes reserviert. Ein entsprechender Hinweis wäre wichtig. Denn dadurch würde endlich die vor allem in Deutschland durch die Ökonomenzunft dem Theore¬tiker Keynes zugeschriebene Version eines Vulgärkeynesianismus („Hydraulik“) zurückgewiesen. Keynes war einer der ersten Ökonomen, die die überbordenden Spekulationen in Richtung eines kaleidoskopischen Kapitalismus erkannt hat. Gesetze sind kaum noch formulierbar, nur noch die Maserung des Systems lässt sich beschreiben. 2. Ihre Aussagen zu den Ordoliberalen finde ich wichtig. Mit dem Zitat von Alexander Rüstow von 1932 weisen Sie zu Recht darauf hin, dass er - in deutscher Sprache - einen „neuen Liberalismus“ fordert, zu dem der ordnende Staat gehört. Dieser Sicht stimme ich voll zu. Aller¬dings zweifle ich daran, ob man das als Neoliberalismus bezeichnen soll. Die babylonische Begriffsverwirrung lohnt nicht. Ihre Abgrenzungs¬versuche gleichen einem Kampf gegen Windmühlen. Sagen wir doch, Rüstow und die vielen anderen Theoretiker der Sozialen Marktwirt¬schaft wollten gegenüber dem Manchester- bzw. FDP Liberalismus einen neuen, staatlich verantworteten Liberalismus. Ich spreche gerne von einem emanzipatorischen Liberalismus im Unterschied zum Wirtschaftsliberalismus. Der Neoliberalismus – ein Begriff der auch in die Globalisierungssprache übersetzbar ist – kennzeichnet das, was Sie Paläoliberalismus bezeichnen: gesellschaftssprengende Entfesselung der Märkte. Wer gegen den Neoliberalismus argumentiert, bedient sich der wichtigen Argumente von Rüstow, Röpke und Walter Euken. Schließlich noch der Hinweis: Dieses Buch mit dem Titel „Kasinokapitalismus“ wollte ich ganz ähnlich schreiben. In gewisser Weise haben Sie das Projekt überflüssig gemacht. Für die wissenschaftlich fundierte Aufklärung ist das ein Glücksfall. Für mich bedeutet dies, dass ich mein Buch anders akzentuieren muss. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Hickel
Lieber Herr Hickel, vielen Dank für dieses freundliche Schreiben. Dass Sie etwas Ähnliches schreiben wollten und ich Ihnen nun praktisch das Thema weggenommen habe, tut mit leid. Sie finden aber bestimmt noch neue Variationen. Außerdem geht die Krise ja weiter. Es freut mich aber, dass wir bei der Beurteilung der Krise keinen Dissens haben wie bei so vielen anderen Themen. Den Hinweis zu Keynes nehme ich gerne auf. Sie wissen, dass ich nie ein Keynes-Kritiker war, sondern im Laufe meines Lebens ganz im Gegenteil eine ganze Reihe von neokeynesianischen Aufsätzen verfasst habe. (z.B. "Warum die keynesianische Politik keine dummen Bürger braucht", eine Lucas-Kritik, aus meinen frühen Jahren.) Die keynesianische Krisentheorie halte ich noch immer für absolut richtig. Die Erkenntnis, dass die Geldhortung spiegelbildlich zur realen Konjunktur verläuft und der einzige Grund für Nachfragedefizite ist, ist phänomenal einfach und richtig. Sie erklärt, wieso der Zusammenbruch des Interbankenmarktes und die damit einhergehende Zunahme der Liquiditätsneigung zur Übertragung der Krise auf die Realwirtschaft führte. Der mögliche Dissens zur Rolle keynesiansicher Rezepte in der jüngeren Vergangenheit rührt allein daher, dass ich damals keine keynesianische Krankheit vermutet hatte. Was den Neoliberalismus betrifft, liegen Sie nicht richtig. Rüstow selbst hat auf der Konferenz von Louis Rougie in Paris im Jahr 1938, die als Geburtsstunde des internationlaen Neoliberalismus gilt, diesen Begriff gewählt. Das war die konsequente Internationalisierung seines "neuen Liberalismus", den er bei der Vereinstagung 1932 proklamiert hatte, das Gegenteil des Paleoliberalismus, wie er sagte. Rüstow wollte den starken, ordnenden Staat. Später wurde dann statt Neo- auch Ordoliberalismus gesagt. Hören Sie auch, was Erhard dazu sagt: "Wenn nämlich jemals eine Theorie die Zeichen der Zeit richtig zu deuten wußte und einer ihren Erkenntnissen gemäßen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik neue Impulse gab, dann waren es die Gedanken der Männer, die heute als Neo- oder Ordoliberale gelten." Neo- und Ordoliberalismus sind identische Begriffe. Als "neoliberaler Täter", zu dem mich eine Zeit-Redateurin (eine gelernte Kinderpsychologin) zusammen mit Köhler, Merz und Baring im Herbst stempelte, liegt mir schon daran, dass diese Dinge nicht durcheinandergebracht werden. Ich selbst bin bestimmt kein Neo-Liberaler in dem Sinne, dass ich keynesianische und verteilungspolitische Maßnahmen ablehne. Nur in dem Sinne, dass ich die Rolle des Staates bei der Ordnungspolitik ebenfalls betone, wie Sie ja auch. Die Unterschiede liegen vor allem bei der Frage, ob der Staat in die Lohn- und Preisbildung eingreifen darf. Die Neoliberalen lehnen jegliche Eingriffe strikt ab. Ich auch. Sie aber nicht. Mit den besten Grüßen für einen erholsamen Sommer. Ihr Hans-Werner Sinn
Hallo Hr. Prof. Dr. Sinn, wäre nett, wenn Sie eine ehrliche Antwort geben würden: "Halten Sie privat, wo auch immer, etwas Gold bzw. Edelmetalle?" Gruß S.Mueller
Nein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit neuen Vorschriften zur Bilanzierung der "Neubewertungsrücklage" will die Bundesregierung im Rahmen der Fair-Value-Bewertung von Finanzanlagen über einen modifizierten Eigenkapitalausweis den Spielraum für die Kreditvergabe der Banken erweitern: Sind das nicht letztlich reine "Bewertungsspielchen" (zurück zum Niederstwertprinzip des HGB wäre hier meine Devise), die gerade nicht mehr Eigenkapital schaffen, auf dessen Grundlage m.E. allein (!) die Kreditvergabebasis einer Bank stabilisiert und erweitert werden kann? Weiterhin wehren sich derzeit insbesondere Sparkassen und Volksbanken gegen den Vorwurf, sie verhielten sich bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen zu restriktiv - vgl. Ifo-Kredithürde - bzw, es gäbe bereits eine Kreditklemme. Ich konzediere zwar, dass sich Banken - gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise und (!) der Rezession - vorsichtig verhalten (müssen), sehe aber in meiner Praxis als Unternehmensberater eigentlich schon seit einem Jahren ein zunehmend restriktives (und übrigens durchaus auch irrationales) Verhalten. Was meinen Sie dazu? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, ich teile Ihre Bedenken. Man sollte den Banken mehr Eigenkapital verschaffen, anstatt ihnen die Feuermelder abzustellen. Eine Kreditklemme haben wir in Deutschland heute definitiv bei den Großunternehmen. Mehr als die Hälfte von ihnen beklagen, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiv sei. Das ist mehr als in der letzten Flaute um das Jahr 2003. Die Eigenkapi-talverluste der Banken werden die Kreditklemme verschärfen. Ich habe mich ausführlich zu diesen Dingen übrigens in meinem Buch "Der Kasino-Kapitalismus" ausgelassen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn