Dieses Diskussionsforum steht für Kommentare zu Hans-Werner Sinns Veröffentlichungen und Presseäußerungen zur Verfügung. Sie können Hans-Werner Sinn auch Fragen zu einem bestimmten Thema stellen. Das Diskussionsforum wurde Ende 2003 eingerichtet, als Hans-Werner Sinns gerade veröffentlichtes Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" viele, teilweise kontroverse, Reaktionen hervorrief.
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(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion mit Herrn D. vom 7. Februar 2012) Allerdings führt die Antwort von Professor Sinn, für die ich Ihm sehr danke, nicht nur in den Bereich von Politik unter den Prämissen der Demokratie. Im Wesen der Sache ist hier der gegenwärtige Status der europäischen Kultur angesprochen. Beides, der staatspolitische Charakter der Antwort von Professor Sinn und die damit zusammenhängende Frage nach dem kulturellen Status Europas, weist uns hin auf die Notwendigkeit eines öffentlichen Diskurses der angeschnittenen Fragen. Dieser Diskurs sollte von vorn herein auf die Grundnorm europäischer Kultur fokussiert werden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt“ (Art. 1, Abs.1 GG) in Verbindung mit Art. 6, Abs.1 EUV. Mit freundlichen Grüßen, Hubertus D.
Lieber Herr D., haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung und die Mitteilung Ihrer Einsichten, denen ich nur zustimmen kann. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, mit großem Gewinn lese ich Ihre Publikationen, zuletzt "Kasino-Kapitalismus". Als Lehrer für Sozialwissenschaften an einem Bonner Gymnasium sind Ihre Denkansätze immer wieder interessant für mich und meine Schüler. Als Lehrer fehlt mir bisweilen der akademische Input, daher möchte ich Sie um Ihre Hilfe bitten: Gerade behandeln wir die Thematik "Wirtschaftsstandort Deutschland". In dem Zusammenhang habe ich noch einmal Ihr Buch "Die Basar-Ökonomie" gelesen, und habe nun dazu eine Frage: Sie stellen die These auf, dass die deutschen Arbeitslosen die Lohnstückkosten gewissermaßen künstlich senken, da sie mit ihrer niedrigen Produktivität aufgrund fehlender Qualifikation nicht mit eingerechnet werden. Das erscheint mir absolut logisch. Nun ist es aber mittlerweile doch so, dass der Standort Deutschland wieder sehr attraktiv geworden zu sein scheint. Die Lohnstückkosten sind bei sinkender Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren weiter gesunken. Wie passt das zur o.g. These? Unabhängig davon ist mir beim Studium der Geschäftsberichte der Bundesbank eine weitere Entwicklung aufgefallen, es würde mich freuen, wenn Sie dazu kurz Stellung nehmen könnten: Die Entwicklung der Stundenlöhne lag in den letzten Jahren praktisch immer knapp über der Inflationsrate. Dennoch wird oft von stagnierenden bzw. sinkenden Reallöhnen gesprochen. Liegt dies möglicherweise an der dauerhaft sinkenden durchschnittlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätigem? Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., es freut mich zu hören, dass Sie meine Publikationen für Ihren Unterricht zu Rate ziehen. Zu Ihrer ersten Frage: wie Sie andeuten, berechnen sich die Lohnstückkosten als der Quotient aus Arbeitnehmerentgelt und Bruttoinlandsprodukt je beschäftigtem Arbeitnehmer (BIP). Ceteris paribus senkt also bereits eine wachsende Arbeitslosigkeit die Lohnstückkosten. Aber das ist ja nur ein Effekt. Zusätzlich wirken die Lohnkosten direkt, und wenn sie im Vergleich zu den Wettbewerbern fallen, wie es in den Jahren bis zur Krise der Fall war, dann steigt die Beschäftigung wieder. Obwohl dies für sich genommen die Lohnstückkosten wieder erhöht, weil ja die Produktivität wegen der Integration der bislang Arbeitslosen zurückbleibt, kann gleichwohl der direkte Effekt der zurückbleibenden Löhne auf die Lohnstückkosten dominieren. Sie haben Recht bei Ihrer Beobachtung, dass der Reallohn pro Stunde von 1995 bis 2010 gestiegen ist, jährlich um durchschnittlich 0,2% . Wenn man von fallenden Reallöhnen spricht, ist das also nicht richtig. Richtig ist aber vermutlich, dass die Reallöhne langsamer als bei den Wettbewerbern gestiegen sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Professor Sinn, vielen Dank fuer Ihre faktenbasierte, unermuedliche Aufklaerungsarbeit. Kurze Frage: Sind die 3-Jahrestender in der Graphik des IFO Haftungspegel bereits enthalten (etwa unter EZB Staatsanleihenkauefe?) Wenn ja, in welcher Hoehe? Besten Dank!
Sehr geehrter Herr S., die 3-Jahrestender sind im ifo Haftungspegel nicht enthalten. Der Grund ist, dass diese EZB-Kredite solange nicht zu höheren Risiken führen, wie nur die kürzerfristigen EZB-Kredite in den Krisenländern verdrängen. Es ist aber zu befürchten, dass sie auch mehr privaten Kapitalimport aus anderen Ländern verdrängen oder inländisches Privatkapital ins Ausland drängen. Wenn sie das tun, wird es zu höheren Target-Salden führen und insofern erfasst. Die Staatsanleihenkäufe umschließen diesen Posten nicht. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, normalerweise wählen wir Bürger doch unsere Politiker, damit diese unsere Interessen, so wie bei den Wahlen versprochen, vertreten. Was wir nach den Wahlen immer erleben ist, dass sie es nicht tun. Gierige Banken und deren Banker haben uns die Finanzkrisen eingebrockt, wurden mit Steuergeldern gerettet und machen straffrei lustig weiter. Zuerst wurden unsere Steuergelder für Prämien veruntreut. Kann man gegen diese miesen Machenschaften wirklich nichts unternehmen - man kommt sich richtig ohnmächtig vor. Bitte machen Sie weiter so. Mit "winterlichen" Grüßen aus Hamburg B.S.
Sehr geehrter Herr S., ich kann Ihre Besorgnis auch gut verstehen. Aber die Gier der Banken und Manager ist es nicht, die uns da hinein geritten hat, sondern die fehlende Zügelung des Gewinnstrebens. Dass Menschen nach Geld streben, liegt in der Natur unseres Wesens, nicht immer ein schöner Zug, keine Frage, wohl aber einer, den man überall sieht. Es kommt darauf an, den Egoismus durch ein klug gestaltetes Wirtschaftssystem zur produktiven Entfaltung zu bringen. Das ist offenbar im Bankenbereich ganz und gar nicht gelungen. Deswegen bin ich im Endeffekt bei Ihnen. Ich würde die Sache nur von der persönlichen Seite auf die sachliche schieben. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie bitte mein Buch Kasino-Kapitalismus. Dann werden Sie mich verstehen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, mein ultimativer Wunsch an Sie: Bitte, lieber Herr Sinn, nehmen Sie Ihre geschichtliche Verantwortung wahr und bringen Sie der Mehrheit der wichtigsten, ahnungslosen deutschen Politiker, Journalisten, Wirtschaftsführern und auch Bankern sowie deren Partnern im Ausland Ihre fundierten und unumstößlichen Erkenntnisse zu den elementaren volkswirtschaftlichen Zusammenhängen in der ( Welt- )Finanzwirtschaft nicht nur ungefragt näher, sondern entlarven Sie notfalls kampagnenartig über alle medialen Kanäle deren unerträgliche Unwissenheit, Ahnungslosigkeit und Borniertheit Ich weiß, es klingt utopisch. Aber bitte, wenn nicht Sie, wer sonst hat die Kompetenz und wirkliche Unabhängigkeit zu diesem Verdienst? Nochmals, danke für Ihren Stopp in Hannover und für Ihre faszinierende und an Klarheit nicht zu überbietende Vorlesung. Sehr überzeugend, kein bißchen langweilig, höchstes Lob ! Mit freundlichen Grüßen.
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Es sei Ihnen versichert, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht, um die Gefahren der Krise aufzudecken und bekannt zu machen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Kommentar zu den Plaenen der EU-Kommision bezueglich Exportueberschussbegrenzung war derartig treffend! Danke fuer Ihren Mut, sich laut gegen den politischen Irrsinn und die oekonomische Unbedarftheit unserer Regierungen zu stellen! Bitte machen Sie weiter so, ich wuensche Ihnen viel Kraft dafuer. Beste Gruesse
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für den Zuspruch! Ich freue mich sehr darüber. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sind dafür Bekannt, dass Sie die Wahrheit sagen (analystisch brilliant, direkt auf den Punkt). In den vergangenen Jahren empfand ich Ihre Analysen häufig sehr drastisch, weil Sie auf die Arbeitnehmerschaft gezielt war; im Nachhinein haben Sie aber Recht! Darf ich Sie um folgendes Bitten? Vor einiger Zeit habe ich versucht aus dem Finanzministerium folgende Infos zu erhalten: 1. Bisherige Kosten der Bankenrettung aus 2008 für sämtliche Institute in D-Land über folgende Vehikel: -Soffin - verdeckte Rettung durch kostenlose Dienste des Staates (Zinslosigkeit der Beteiligungen etc. etc.), - verdeckte Finanzierungen über die KFW - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften usw. Eben ALLES, was die menschliche Fantasie der Gestaltung so hergibt. 2. Exakte Höhe der zurzeit noch bestehenden Garantien (inkl. Angabe für welche Institute) 3. Wie hoch ist der Betrag der schon jetzt als uneinbringlich in die Bundesschulden übernommen worden ist? Zur Südflankenrettung inkl. Irland: 1. Wie hoch ist der Aufwand für unser Land hierfür? Auch hier ALLES, was die menschliche Gestaltungskraft zulässt: - Liquiditätsaufwand sowie Haftungsvolumen für den ESEF? Gehört habe ich von 211 Mrd. Euro an Garantien sowie 21 Mrd. Euro an Bareinlage... ist das richtig?) - Target-Kredite sowie alle sonstigen Kredite der Bundesbank (egal wie es genannt wird) (gehört habe ich hier etwas von einem Betrag von 450 Mrd. Euro.. ist das richtig?) - andere (vielleicht verdeckte) Bundesbankfinanzierungen - verdeckte Finanzierungen über die KfW sowie andere staatsnahe Banken - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften - Aufkauf von Staatspapieren der EZB (inkl. Haftungs-Prozentanteil von D-Land) Eben ALLES, was die menschliche Fantasie an Gestaltungsmöglichkeiten so hergibt 2. Wie ist das, wenn ein Staat (z.B. jetzt Italien) schwächelt: übernehmen dann die anderen Staaten im Rahmen der gesamtschuld- nerischen Haftung den Anteil (im negativen Sinne automatisch)? Leider bekomme ich von dort keine Antwort. Das eigene Volk (das es bezahlen soll) scheint hier nur zu stören; es ist nicht mal eine Antwort wert. 3. An der EZB-Spitze ist Herr Draghi. Er kann nicht vergessen, dass er Italiener ist. In jünster Zeit wurden große Volumina an italienischen Staatspapieren aufgekauft. DIES ENTSPRICHT NICHT DEN EURO-VERTRÄGEN! Wie ich oben bereits schrieb gehen Sie gerne direkt auf den Kern der Wahrheit zu (gratuliere nochmals). SIND SIE BEREIT VOR DEM EUGH GEGEN DIESEN VERTRAGSVERSTOß ZU KLAGEN? Aus dem Impressum ersehe ich, dass das IFO-Institut ein e.V. ist - also staatsfern. WARUM NIMMT DAS DIE GANZE WIRTSCHAFTSELITE HIN, DASS SO EKLATANT GEGEN VERTRÄGE VERSTOSSEN WIRD? Wenn das EU-Gebiet in gleicher Weise ideoligisch oder militärisch bedroht werden würde wären diese Herrschaften doch sehr schnell auf dem Plan! 4. Der Euro nützt unserer Wirtschaft (nicht den Arbeitnehmern) durch einen realtiv schwachen Euro-Kurs. Die Gewinne steigen stetig, lt. FAZ sinken die Einkommen weiter. Die Entwicklung der Höhe des Rentenpunktes 2009 zu 2010 zeigt dies deutlich. Der kleine Mann hat also nicht sehr viel vom Euro. Der Presse entnehme ich, dass -falls wir die DM wieder einführen würden- eine Aufwertung von ca. 40 % erfahren könnten. Aber da unser Land auch Rohprodukte, Halbfertigwaren etc. einführt wäre diese Aufwertung entspannter zu sehen. FRAGE: WIE TEUER WÄRE DANN ENGERGIE IM LANDE? Leider habe ich keinen Fahrzeugpool oder keinen Dienstwagen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich an der Tankstelle für die schwachen Südländer kräftig zahle. Um wieviel Cent wäre ein Liter Superbenzin und Diesel an der Tankstelle? 5. Warum wird jetzt ausgeblendet, dass Bürger unseres Landes in der Vergangenheit schon kräftig bezahlt haben? Das Sozialsystem wurde "angepasst" z.B. durch den demografischen Faktor, Kürzungen in verschiedenen anderen Bereichen. 6. Wenn der Sozialbereich gekürzt wird fallen immer Worte wie - zukunftsfähig machen - Generationengerechtigkeit, - Wettbewerbsfähigkeit erhalten, - Zukunftsbelastungen tragbar gesalten Wenn es um die viel höheren Belastungen der Südflanken- und Irlandrettung handelt scheinen die Belastungen die jetzt aufgeladen werden einfach vergessen! Diese Belastungen scheinen Lust und nicht Last zu sein?!?!? Lösen sich diese Belastungen in Kürze in Luft auf - oder wird dadurch auch die Zukunft belastet? Wie erscheinen in Ihren Augen die Dinge wenn das eigene Volk wegen des Sozialsystems an die kurze Leine kommt, das eigene Volk aber für die Rettung anderer Völker kräftig bezahlen soll? 7. Ist das nicht wunderbar? Die Menschen die Folgendes Erfahren: - Einkommenskürzungen - Zeitverträge - raus aus festen Verträgen, rein in betriebseigene Zeitarbeitsfirmen - usw. usw. haben den größten Kosten-Einsparapparat entdeckt: keine Kinder mehr! Kinder kosten nun einmal Geld. Bei zunehmenden Zeit- verträgen (bei guter Gewinnlage der Firmen) kann man sich Kinder leider nicht leisten. Alleine in NRW werden nächsten Jahr 300 Grundschulen wegen Kindermangel geschlossen (es wären 360 gewesen, wenn nicht in manchen Bereichen kleinere Klassen akzeptiert würden). Aufgrund unserer komplizierten Sprache stehen die qualifizierten Zuwanderer nicht vor der Tür (gehen lieber in Länder des angelsächsischen Sprachraumes). Hat das Unternehmerlager hier nicht selber die Verantwortung zu tragen? Soll der Steuerzahler auch noch die Qualifikationsmaßnahmen für schwache Schüler tragen - oder tragen die Unternehmer hier mal Verantwortung? Sehr geehrter Herr Sinn, dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten würden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr D., die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Allerdings kann ich aus Zeitgründen nicht auf alle Ihre Fragen eingehen. Das artet in Arbeit aus, die wir normalerweise in Form bezahlter Gutachten machen würden. Deshalb hier nur Teilantworten. Laut Eurostat kostet die Rettung von Hypo Real Estate, Commerzbank, IKB und mehreren Landesbanken dem deutschen Steuerzahler bisher 38,9 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Banken waren es, die sich mit toxischen verbrieften Wertpapieren und Problemkrediten vollgesogen hatten: IKB, Hypo Real Estate, Dresdner Bank, Sachsen LB, Bayern LB, HSH Nordbank. Sie mussten von Bund und Ländern mit Milliarden gestützt werden. Der bundeseigene Rettungsfonds Soffin zahlte etwa der Commerzbank, die in der Krise die Dresdner Bank übernahm, 18,2 Milliarden Euro; einen großen Teil davon hat das Institut in diesem Sommer zurückgegeben. Die Hypo Real Estate und ihre abgespaltene Abwicklungsbank wurden vom Soffin mit knapp zehn Milliarden Euro gestützt, die WestLB erhielt drei Milliarden Euro. Wie die 38,9 Milliarden Euro für den deutschen Steuerzahler im Einzelnen zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Eurostat verbucht Kapitalhilfen, Garantien, Zinsen und Rückzahlungen in einem komplizierten Prozess in den einzelnen Staatshaushalten. Das deutsche Defizit ist deshalb so hoch, weil das Statistische Bundesamt Anfang September einen großen Posten bei der Hypo Real Estate verbuchte. Der Bund übernahm beim Übergang auf die Abwicklungsbank Verluste, die mit 22,3 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Ohne diesen Posten hätte die Bankenrettung in Deutschland 17,6 Milliarden Euro gekostet. Allerdings könnte dies nur die Spitze des Eisbergs sein, denn immerhin hat der Staat den Banken letztes Jahr für ca. 240 Mrd. Euro toxische Papiere gegen Staatspapiere eingetauscht. Dadurch stieg die Staatsschuld von 75% auf 83% des BIP. Zusammen mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland, den Traget-Krediten der EZB in die peripheren Länder, den Anleiherückkäufen der EZB, der Hilfe durch den IWF und dem ESFM kommt ein Hilfsvolumen der Staatengemeinschaft von 1846 Mrd. Euro zustande. Deutschland müsse bei einem Ausfall der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien daraus eine Haftung von 580 Mrd. Euro übernehmen. Anhand des Anstiegs der Versicherungsprämie gegen deutschen Konkurs ist ersichtlich, dass Deutschland mit seiner Beteiligung an den Rettungsaktionen dabei ist seine Bonität zu verspielen (siehe ifo Pressemitteilung vom 27.9.: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/e-pr/e1pz/_generic_press_item_detail?p_itemid=16690430) . Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank beläuft sich derzeit auf ein Volumen von ca. 450 Mrd. Euro. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Entsetzen habe ich heute morgen ihren Artikel gelesen bzgl. den vermeintlich nutzlosen EU-Klimaschutz. Wir versuchen in der Familie klimabewusst zu leben, fahren energiesparende Kleinwagen, haben in 3-fach Verglasung investiert, kaufen Strom aus nachhaltige Stromerzeugung, fahren nicht weit weg in Urlaub, nicht Skifahren, keine ferne Ausflüge, Öffentliche Verkehrsmittel, usw. Wir versuchen damit auch unsere Nachkommen das Bewusstsein für die Umweltproblematik zu schärfen. Und jetzt kommen Sie und versuchen die Welt klar zu machen, daß das alles Unsinn ist. Wir sollten lustig darauf los verbrauchen, es würde ja die Wirtschaft zu gute kommen, und die anderen machen es ja auch. Die Wirtschaft sind aber nicht die Menschen. Die Wirtschaft und deren Lobby kümmerte sich noch nie um die Umwelt ( schauen Sie sich mal Ihren Auto an und Ihren persönlichen Energieverbrauch ) Ich hatte schon lange Zweifel an Ihre gesellschaftliche kompetenz, sie hat sich leider in Gewissheit gefestigt. Sie haben sich für die Umweltzerstörung in China und Indien wohl noch nie so richtig interessiert. Auch ! verschwenden Sie keine Gedanken an wo das Klima stehen würde, wenn wir Europäer so leben würden wie z.B. die Amerikaner. Eines Tages, wenn die Monsune in Europa ganze Landstriche überschwemmen, andere Landstriche von Dürre heimgesucht werden, und das nicht nur in Europa, und die Weltgemeinschaft endlich einsieht, daß was getan werden muss, dann wird Deutschland womöglich die Technologien dafür bereitstellen können. Nicht dank Herr Sinn, sondern trotz Herr Sinn. mit freundlichen Grüssen
Sehr geehrter Herr H., Klimaschutz ist nicht nutzlos, wenn er das Klima schützt. Der Klimawandel ist eine große Bedrohung der Menschheit. Deshalb müssen wir handeln. Nur, das was wir tun, ist nutzlos, denn die Mengen an Kohlenstoff, die wir nicht verbrauchen, verbrauchen andere auf der Welt. Deswegen brauchen wir eine weltweite Vereinbarung über eine Begrenzung des Co2-Ausstoßes. Ich habe dazu ein Buch "Das grüne Paradoxon" geschrieben, das bei Econ herauskam, aber leider in der zweiten Auflage vergriffen ist. Vielleicht interessiert Sie das. Im Februar kommt die dritte. Glauben Sie nicht alles, was Sie in der Presse lesen, sondern lesen Sie im Original. Wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen, schicken Sie mir das, was Sie gelesen haben. Dann will ich gerne prüfen, ob es dem entspricht, was ich gesagt habe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Verehrter Herr Professor Sinn, die, nach dem Vortrag von Professor Murswieg nicht gestellte Frage lautet: Unter all den - bedrückenden - Gegebenheiten, Wie könnte eine Vorwärtsstrategie aussehen ? Vorschlag: Soziale Marktwirtschaft und soziale Partnerschaft für Europa! Was das im Einzelnen bedeuten könnte, wäre in einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit wirtschafts- und gesellschaftspolitisch ausgerichteten Forschungsinstituten aus mehreren Mitgliedstaaten der EU zu erarbeiten! Beste Grüße
Lieber Herr D., der Vorschlag ist bestechend, aber angesichts der verqueren Vorstellungen, die es in Europa bezüglich der Funktionsweise eines Gemeinschaftssystems gibt, und angesichts des Umstandes, dass wir politisch nicht gemäß unserer Größe repräsentiert sind und selbst in der EU-Kommission nichts zu melden haben, wage ich zu bezweifeln, dass das der richtige Weg ist. Erst einmal müssten wir Demokratie herstellen, so dass jeder das gleiche Stimmrecht hat für alle relevanten Gremien. Sodann müsste man ein gemeinsames Rechtssystem und eine gemeinsame Armee schaffen, um die Regeln, die sich die Gemeinschaft gegeben hat, durchsetzen zu können. Die Durchsetzbarkeit von Vereinbarungen und die Vertragstreue, die Verfassungskonformität: all diese für ein Staatswesen unerlässlichen Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Wenn wir jetzt unter dem Namen Soziale Partnerschaft eine Transferunion starten, dann enden wir mit 20 Mezzogiorni, weil man ein Lohnersatzsystem einrichten wird, um die Arbeitslosigkeit auf deutschem Leistungsniveau abzusichern. Also quasi nochmal die deutsche Vereinigung. Bevor wir so weit gehen, sind einige technische Schritte zur Verstärkung der Haftung im Euroraum tun, wie wir sie in unserer Bogenberger Erklärung definiert haben http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/text-bogenberger-erklaerung-sd23.pdf. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn es scheint eine allgemeine Ratlosigkeit zu herrschen, wie die strukturelle Schwäche durch fehlende Wechselkursanpassungen im EU Raum beseitigt werden und die Wettbewerbsfähigkeit der schwachen Länder wieder hergestellt werden könnte. Anregung: Man sollte mal diskutieren, ob es nicht helfen könnte in den schwachen Ländern wie Griechenland etc. Importzölle einzuführen und gleichzeitig zur Exportförderung ein System negativer Zölle (also Gutschriften), welche an die importierenden Firmen/Privatpersonen zu zahlen wären. Auf diese Weise scheint mir, käme man der Situation nahe, die bestehen würde, wenn die schwachen Länder noch die Möglichkeit hätten Ihre Währungen abzuwerten. Der Hinweis auf die Frage, ob dies rechtlich und administrativ möglich ist, sollte kein Killerargument sein, auch nicht der Hinweis auf die Belastung z.B. unserer Exportindustrie.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für Ihren Vorschlag, der schon vielfach erwogen wurde. Dies ist prinzipiell eine Möglichkeit. Dafür müssten dann aber die EU-Verträge verändert werden. Was dem freilich nahekommt, ist eine Umschichtung der Besteuerung von der direkten Steuer zur Mehrwertsteuer. Das würde die Importe verteuern, ohne dass man mit EU-Recht in Konflikt geriete. Nur leider ist der Weg in Griechenland so extrem weit (Abwertung von 30-50% nötig), dass man so wohl nicht hinkommt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, meiner Wahrnehmung nach ist es in den letzten Jahren, zu meiner Freude, zunehmend Ausweis von Wissenschaftlichkeit geworden, in der Darstellung von Ergebnissen die Komplexität des Themas anzudeuten und den eigenen Beitrag in diese Komplexität einzuordnen. Dies lässt - und ich sehe das positiv - wenig Platz für Polarisierungen, hat natürlich den Nachteil, dass die Ergebnisse weniger plakativ darstellbar sind und dass der eigene Beitrag einer von vielen ist, ein vielleicht wichtiger Baustein, aber nicht als fundamentaler Paradigmenwechsel darstellbar ist. Genau diese Haltung habe ich bei Ihnen vermisst, angesichts der Bedeutung des Themas, die Sie ja auch dargestellt haben, eine verpasste Chance. Als Nichtökonomin war für mich der Hinweis, die ökonomische Abwägung von vermutetem Vermögenszuwachs kontra Anlage von Erträgen auf der Angebotsseite als einen Hebel für erfolgreiche Umweltpolitik einzusetzen, sehr interessant. Für mich würde es für einen guten Vortrag schon genügen, hier EINEN neuen Hebel kennengelernt zu haben. Argumentativ nicht belegt ist für mich jedoch, dass VORRANGIG die "grüne" Bewegung dafür gesorgt hat, die Energiepreise seit den Energiekrisen der siebziger Jahre konstant niedrig zu halten. Hier haben, nicht nur meiner Einschätzung nach, politische Entscheidungen für niedrige Energiepreise eine große Rolle gespielt, Diversifizierung der Energiequellen, wie Ausweitung von Atomstrom in den Hauptabnehmerländern, Verstromung von Kohle, der in Deutschland auch gegen Protest der Anwohner in Braunkohleabbaugebieten durchsetzt wurde, Erschließung von Nordseeöl und nicht zuletzt die Präsenz des größten Nachfragers USA als Militärmacht am Golf, um nur einige zu nennen. Dies alles wurde nicht einmal erwähnt. Damit ist ihr vorgestelltes "Grünes Paradoxon" für mich nicht ausreichend begründet, denn die Nachfrageseite hat bisher sehr effektive Strategien entwickelt, um einen niedrigen Energiepreis durchzusetzen. Die Bausch-und-Bogen-Verdammung von allem, was in der Klimapolitik und- technologie auf der Nachfrageseite je gelaufen ist, ist damit für mich nicht nachvollziehbar. Polarisierungen haben zudem leider den Nachteil, Tausenden von Menschen, die sich bisher mit dem Thema beschäftigt haben, schlicht die Intelligenz abzusprechen. Meiner Ansicht nach sollte die Universität Düsseldorf die gute Darstellung von Wissenschaft auch nicht aus den Augen verlieren, wenn sie in der Öffentlichkeit bekannte Menschen als Vortragende einlädt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau R., Sie haben Recht, dass durchaus auch andere Faktoren die Energiepreisentwicklung beeinflusst haben und weiter beeinflussen. Mir ging es aber nicht um eine umfassende Erklärung sondern um die Frage, ob unsere Politik der Nachfrageeinschränkung wirksam ist oder überhaupt sein kann. Deshalb habe ich das Angebot in den Blick genommen, was bisher nicht geschehen ist. Wer die Politik will, muss begründen, warum er glaubt, dass die Nachfrageeinschränkung die Abbaumengen verringert. Aber die Vertreter der Grünen haben das Angebot bislang systematisch ausgeblendet. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich beziehe mich auf Ihren Vortrag "Ist der Euro noch zu retten?" und auf den Abschnitt "Politikoptionen": Sie führen aus, dass bei (fort-)bestehendem Target-System die Einführung von Eurobonds "zwingend" folgen müsse, weil der Anreiz zum Ziehen von Targetkrediten durch die Zinsspreizung "übergroß" sei. Meine Frage: Wären denn nicht Targetkredite immer noch attraktiver als die Finanzierung durch Eurobonds? Würden Eurobonds an der "Krise der EZB", an der Targetproblematik überhaupt etwas ändern können? Eine bloß relativ günstigere Finanzierung kann doch die "günstigste" keineswegs schlagen? Ein "großer" Anreiz ist doch nicht weniger schlimm als ein "übergroßer"? Wie lässt sich die Nutzung der bloß zweitbesten Option und damit der Verzicht auf Targetschulden überhaupt sichern? Soweit meine Frage. Meinen Dank für Ihr sachliches Auftreten in den Medien stelle ich an den Schluss. In einem Umfeld, wo Desinformation - freiwillige und unfreiwillige - zur Regel geworden ist, sind Sie eine hochwillkommene Ausnahme. So sehr Ihre Analyse ernüchtert, besorgt, entsetzt, so sehr respektiert sie Leser und Zuschauer indem sie Ihnen die Annäherung und Auffassung komplexer Sachverhalte zumutet und zutraut, darin unterscheidet sie sich vom Alarmismus, der das Publikum bereits weitgehend abstumpft hat. Mit recht freundlichen Grüßen R. S-H.
Sehr geehrte Frau S., vielen Dank erst mal für die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ihre Frage ist berechtigt. Aber Sie müssen bedenken, dass die EZB-Kredite nur kurzfristiger Natur sind und insofern auch bei höheren Zinsen die Konkurrenz mit kurzfristigen EZB-Krediten bestehen. Es gibt eine sogenannte Fristigkeitsstruktur der Zinsen. Je länger die Zinsbindung, desto höher der Zins. Wenn man Eurobonds anbietet, die als sicher gelten, werden die Kapitalanleger wieder Geld in die Südländer verleihen, und die Target-Kreditaufnahme geht zurück. Aus der Möglichkeit, sich mit der Druckerpresse selbst zu bedienen folgen Eurobonds zwingend, leider. Aber das Ganze wird dann gar nicht mehr funktionieren, weil die Risiken in den Zinsen nicht mehr abgebildet sind. Wir kriegen dann wieder die Überhitzung und Leistungsbilanzdefizite im Süden, die wir ja gerade bekämpfen wollten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dres. h.c. Hans-Werner Sinn, mein Versuch mich telefonisch für Ihre klare Darstellung der Wirtschaftslage zu bedanken ist gescheitert. anstatt des Anrufs schreibe ich Ihnen nun diese Email. Vielen Dank für Ihre klare und allgemein verständliche Erklärung zu der momentanen allgemeinen wirtschaftlichen Lage der EU, die Sie in der Sendung "Unter den Linden" formulierten. Wenn der Kunde nicht zahlt, muss der Kaufmann den Laden schließen oder die Preise erhöhen, bis schlussendlich der letzte Kunde wegbleibt und der Laden dann geschlossen wird, so ist es eben. Konsolidierung kann nur entstehen wenn sich die Konsumenten bewusst werden, was Sie da konsumieren und wie aufwendig die Entwicklung und Herstllung ist. Hochtechnologien sind eben nicht mit Oliven und Schafskäse zu bezahlen. Wir in Deutschland sind lange Jahre Exportweltmeister und immernoch Vizemeister. Dies ist den Arbeitnehmern in Deutschland zu verdanken, die Lohnverzicht geübt haben. Es ist an der Zeit, das die Löhne erhöht werden und Rentner in Deutschland von Ihrer Rente leben können und mit leben meine ich konsumieren und somit junge Menschen in Arbeit bringen. Der Binnenmarkt kann uns aus der Krise führen. Deutschland kann Deutschland helfen, aber nicht der ganzen Welt! Wir haben unsere Stärken sind aber nicht, um bei der griechischen Mythologie zu bleiben, Atlas, der die Welt auf den Schultern trägt. Denken Sie mit jedem Ihrer Worte an die Menschen in Deutschland, die trotz beruflicher Qualifikation und Berufserfahrung zu Schmutzlöhnen arbeiten müssen, damit unsere Zahlungsschwachen Kunden bedient werden können.
Sehr geehrter Herr F., haben Sie vielen Dank für die netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ich freue mich sehr, dass Ihnen die Sendung gefallen hat. Dass nun die Zeit für Lohnerhöhungen in Deutschland gekommen ist, hatte ich in meinem Beitrag ja gesagt. Das muss aber als Reaktion auf die Nachfrage nach Arbeitskräften geschehen und darf ihr nicht vorauseilen. Ich bin zuversichtlich, dass die allmähliche Räumung des Arbeitsmarktes, die wir beobachten, die lange vermissten Lohnerhöhungen bringen wird. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin wirklich sehr angetan von Ihrem gestrigen Vortrag in Kiel. Aber obwohl Sie die Kernprobleme der Euro-Schuldenkrise wirklich beeindruckend klar und präzise auf den Punkt bringen, habe ich das Gefühl, dass Sie die Sache in manchen Punkten nicht konsequent zu Ende denken: - Sie sagen, dass die Krisenländer eine reale Abwertung brauchen. Problem: Wenn die versuchen, im nötigen Ausmaß billiger zu werden, gibt es dort Firmenpleiten und womöglich einen Bürgerkrieg - dieser Weg ist nicht gangbar. Sie sagen auch, dass wir in Deutschland teurer werden müssen (reale Aufwertung), aber dass wir das nicht wollen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie etwas mehr darauf eingehen, was die Politik dazu beitragen könnte, dass Deutschland real aufwertet. Sie räumen (während der Diskussion) ein, dass die Löhne bei uns jetzt natürlicherweise steigen könnten, aber nach Ihrer Einschätzung sollte dies nachfrageseitig vom Markt gesteuert werden, statt es politisch zu verordnen. Aber: Wenn Griechenland abseits von "natürlichen" Lohnverhandlungen die Löhne teilweise um 40% kürzt, warum soll der deutsche Staat die Lohnsetzung und die Binnennachfrage nicht auch maßvoll (!) beeinflussen? Man könnte hier z.B. die Lohnnebenkosten erhöhen, um die Exporte zu verteuern, und im Gegenzug die Mehrwertsteuer senken, um Importe zu stimulieren (allerdings möglichst verteilungsneutral). Man könnte die öffentlichen Löhne als Lohnlokomotive einsetzen und durch öffentliche Erklärungen ein Klima schaffen, das gewerkschaftliche Lohnforderungen nicht prinzipiell als maßlos geißelt, sondern ein etwas höheres Niveau der Lohnsteigerungen für alle Branchen gleichzeitig empfiehlt. Deutschland könnte mit diesen Maßnahmen die Ungleichgewichte abdämpfen und ohne große eigene Schmerzen und Bürgerkriege zu einem echten Realignment beitragen. - Sie kritisieren Frau Lagarde dafür, dass sie Sanktionen gefordert hat, wenn ein Land hohe Leistungsbilanzüberschüsse produziert. Aber letztlich muss die Diskussion doch genau in diese Richtung gehen! Besser wäre natürlich ein marktbasiertes Anreizsystem, dass automatisch zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzsalden beiträgt, aber wenn das nicht verfügbar ist, muss eben die Wirtschafts- und Sozialpolitik zentral koordiniert werden, sodass außenwirtschaftliche Ungleichgewichte im Rahmen bleiben. - Sie sagen mit Recht, dass die Ausspreizung der Zinssätze ein Marktsignal und ein notwendiger Anreizmechanismus ist, damit in den betroffenen Länder die weitere Verschuldung unattraktiv gemacht wird. Daher solle man dieses Marktsignal nicht durch Vergemeinschaftung der Risiken kaputt machen. Was Sie dabei nicht sagen ist, dass Italien höchstwahrscheinlich in der Schuldenspirale versinken würde, wenn dieses Land auf Dauer 7% Zinsen für die 10jährigen (bei 120% Verschuldung, 2% Inflation und ohne reales Wirtschaftswachstum) zu schultern hätte. Marktsignale sind eine gute Sache, aber wenn dann Italien in den "Default" geht, ist es keine gute Lösung. - Sie sagen, dass ohne die Target-Salden der Kapitalmarkt eine Lösung finden würde, um die Geldabflüsse auszugleichen, indem sich z.B. italienische Banken bei deutschen Banken zu höheren Zinsen als 1% Geld leihen würde; und dass die EZB durch die "verliehene Druckerpresse" nötige Marktsignale unterdrückt und damit Ungleichgewichte perpetuiert. Das stimmt zwar, aber die EZB versteht ihren Auftrag auch so, dass sie für eine ausreichende Liquiditätsversorgung der italienischen Wirtschaft zu sorgen hat. Würde sie das "Gelddrucken" kontingentieren, würde deutlich teurere Liquidität den italienische Kredit- und Kapitalmarkt ziemlich austrocknen und zahllose Firmen wären von der Pleite bedroht. Das wäre das Gegenteil von der geforderten Liquiditätsversorgung der Wirtschaft - die EZB tut das Richtige. Die Ungleichgewichte müssen auf andere Weise gelöst werden. Also, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin wirklich begeistert von Ihrem Vortrag gestern und unterschreibe so gut wie alles, ich würde mir nur wünschen, dass Sie in einigen Punkten die Konsequenzen zu Ende denken und gangbare Lösungswege klarer beschreiben. Viele Grüße Ulrich S.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für die Rückmeldung. Lassen Sie mich auf einige Punkte antworten. Löhne: Wenn man die Löhne politisch anhebt, wird Deutschland in die Flaute gedrückt, und es entsteht klassische Arbeitslosigkeit bei fallenden Importen und fallenden Exporten. Möglicherweise steigt sogar der Leistungsbilanzüberschuss, was die falsche Reaktion wäre. Wenn aber wir die Rettungsschirme knapp halten, dann boomt Deutschland, weil das Kapital hier bleibt, und die Importe steigen. Die Exporte werden wie bei der anderen Variante gedrückt. Nur so kann man Lohnerhöhungen begründen, nicht über den Weg von Frau Lagarde. Zinsen für Italien. Eurostat schätzt, dass Italien im Jahr 2012 eine Zinslast von 5% des BIP haben wird. In den neunziger Jahren hatte Italien 10% des BIP als Zinslast. Westdeutschland hatte damals eine Last von 6% für Zinsen und die Transfers in die neuen Länder. Italien ist offenbar weit davon entfernt, seine Zinsen nicht allein schultern zu können. Die Behauptung, es könne sie nicht schultern, ist eine Zweckbehauptung. Austrocknen von Italien: Dass Italien höhere Zinsen zahlt und über eine Flaute zur realen Abwertung gezwungen wird, ist unerlässlich, wenn die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen soll. Die vermeintliche Rettung durch Kredite zu 1% Zins für 3 Jahre schlägt das private Kapital in die Flucht und verhindert den Prozess der realen Abwertung für Italien. Es gibt keine anderen Wege, die Ungleichgewichte zu lösen als durch die reale Abwertung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
To Professor Simm First I want to say THANK YOU for the EXCELLENT Speech and Research by You and Your Colleague ! http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x _s-764870657/ifo/index.html http://www.nber.org/papers/w17626.pdf?new_window=1 } The interrelationships presented has clarified a lot of questions for me . I will need to study the research a bit in detail to understand it properly ..as I am not an economist but just a surgeon The overriding question though is WHAT NEEDS TO BE DONE .. I think You can agree on that ! In my mind it should not be too difficult ...though eventually politically ..very difficult First of all : take away the incentive of borrowing from the ECB : this is OBVIOUS accord to You This can be done just by increasing the interest-rate which has to be paid By nations having a deficit on this ECB account. For ex letting it be a FLOATING INTEREST RATE ... increasing in magnitude ..in correlation with the Size of the deficit ... the higher the deficit.. the higher the interest rate .. Quite sound in financial terms ! Politically easy to explain and motivate and Still NOT a total denial of shared responsibility . Second of all : Assure that collateral ASSETS are fungible ..as You term it . I have for a long time ..inspired by the Norvegian Wealth Fund Been thinking ..WHY ... not make the EURO .. a real asset backed currency . In that context GOLD is too narrowminded ... it should include ALL tangible Asset Classes in public Sovereign Posession within the EURO Area : Infrastructure / Real Estate / Equities / Foreign Bonds .. private and sovereign satisfying certain investment criteria and ofc Gold/ Silver / Platinum etc . This represents an enormous CAPITAL ! ( There is NO area with equal accumulated capital in the world ..wealth which often is lying dormant .. and which is Europes real Strength ... the quite uniform INFRASTRUCTURE ... of Europe Unparalleled in the world ... as long as that will last Why not use that .. the foundation for our wealth ? In theory there should be no objection ...IF ,, the errand is not to CHEAT !) But publicly owned tangible assets Organized in ETF like structures ( for which there now exists ample expertice in all sorts of assets ) Handed over as collateral for Money issued according to a fixed agreed percentage .. as much as possible ..but a little less will do ... for ex the nominal amount of Euro in effect MINUS the circulating amount of Euro in coins and notes ! Handed over to a central EURO FUND working in close synch with the ECB Run on legally enshrined principles of sustainable profit and growth . ETF Shares traded at Global exchanges and freely exchangeable with the EURO at Market prices . And if there are NOT REAL assets to cover up ... well . then no more EURO can be issued ... by such a sovereign ! It would take some Brilliant legal and financial experts to hammer out Such a construction .. but I am sure such brilliance is there..in Europe WHO ... would not want to hold and save in such a currency ? ... Few ..is my guess ! The process would take time ... but in my opinion .. fully worth the effort securing the future of normal European citicens and Nations for a long time to come and therefore A POSITIVE goal to work towards I may be NAÏVE ..in this suggestion .. but cannot really see WHY that should be so ? Third of all : CAPITAL CONTROL UNTIL THE SITUATION IS UNDER CONTROL ! I do not know whether You are aquainted with the Almost unprecedented attack on the EURO coming out of the anglosaxon world. I think You know ! Take any issue of The Financial Times ..or almost any Other anglosaxon media outlet ... and the picture is clear ! It is interesting that the Capital Flight out of especially Italy and France Occurs exactly at the time where the ANGLOSAXON MEDIA RHETORIC BOMBARDEMENT is gaining strength and volume I do not think this is coincidental ... and I do think I know the reasons for this ! As a convinced European ... I do not think it is in the interest of EUROPE or GERMANY Or my own country DENMARK to let the anglosaxon world get away with this Attempt of DIVIDE et IMPERARE ... in order to save their own miserable situation far worse than the European situation and something they have no choice but to run away from ... which in my opinion .. is ..what is being prepared ! ( and something You do not incorporate in Your presentations .. even if the condition Of the anglosaxon financial world is a pre-requisite of understanding the current Global financial situation..of which Europe and the PIIGS and Germany are a part ) A broken down European Union split up in smaller national entities could be CAJOLED into accepting above future development ! Fourth of all : assist the indebted Euro-countries to regain competitiveness by support and investment in REAL PRODUCTIVE ENTITIES ... most of all ...CREATING JOBS .. where wages are paid by income generated by that production ... evt subsidizing such concrete individual measures in start up phases ... Just like it was done in Ireland .. in the start of that nations tiger-leap from powerty to a competitive nation. Fifth of all : increase EU spending on EDUCATION , RESEARCH and INNOVATION especially also in Indebted countries .. subsidize THAT .. not bottomless sovereign holes Never forget or omit that .. even if NO IMMIDIATE MONEY will be received . Sixth of all : increase cooperation EAST and SOUTH WARD : towards EAST EUROPE, RUSSIA and CHINA Promote the aspirations of TURKEY into the European Union ( Greece & Cyprus should never have been admitted without also taking in Turkey ! ) Nurture the relations to AFRICA .. the area of the world , where Europes fate will ultimately be decided ( are you aware that it is big business for individual african farmers to RENT out their land even on relatively small plot scale to INDIVIDUAL chinese farmers who use the land to produce ..right now ... said just to exemplify .. what is going on ? ) Seventh of all : get rid of as much of Anglosaxon " Assets " as possible.. as these debts cannot be re-paid considering the imbalances present in these countries with NO END IN SIGHT ! That will be especially Important for GERMANY .. who is facing potentially loosing half of its wealth in Europe .. but may face Loosing a big part of the second half ...in the US .. and evt the UK ( if the latter does not regain its senses abandon the illusion of financial " wealth creation " regain its industrial productive apparatus ... And come on board ) Und hiermit .. Entschuldigen Sie mich fuer meine eventuell amateurische Gedanken Und noch einmal ..VIELEN DANK ...fuer Ihren Beitrag und Erleuterungen ! Vieles ist mir nach dem Lesen ..klarer geworden ! Ich wuensche Ihnen ein Frohes Fest und Neues Jahr ! Mr Ole C G Olesen
Dear Mr. Olesen, I am sorry to respond so late. But I was overly busy with other things. Thank you very much for your insightful comments and for expressing your interest in my work. Needless to say, the questions regarding how the economic crisis challenges the economic and political strength of the EU is of extremely high interest to me. I enclose a link to the last EEAG report which has a chapter on a new crisis mechanism for the Euro area. This mechanism considers a three-stage procedure that distinguishes between different degrees of a crisis: illiquidity, impending insolvency and actual insolvency: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Furthermore I want to advert to the Bogenberger Declaration: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_20 11_bogenberg_declaration.pdf. Therefore a resolution of the crisis can only come by addressing the real roots of the crisis. Treating only the symptoms of the disease is doomed to failure. Since there is no way to return to a policy of completely excluding mutual liabilities, the declaration makes a proposal for a agenda. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Nachgang zu Ihrem Vortrag am 10. Januar an der Uni Düsseldorf möchte ich Ihnen nochmals für Ihre klaren und abschließend pointierten Aussagen zur aktuell hierzulande praktizierten "Klimapolitik" danken. Ich kann nur hoffen, dass Ihre Worte in die Köpfe der Zuhörer eingedrungen sind. Nach dem Vortrag hatte ich Sie kurz angesprochen und dieses Schreiben angekündigt. Sie hatte einleitend ausgeführt, dass Sie kein Experte in Sachen Klima wären, dann aber doch in voller Breite die Thesen der Anhänger (oder sind es Profiteure?) des proklamierten menschengemachten Klimawandels vorgetragen. Und dann geäußert, dass Sie in Ihrer Situation dem "Mainstream" folgen müssten. Hierzu möchte ich Sie nur aufmerksam machen, dass die "Mainstream"-Thesen gar nicht so gesichert sind, wie sie i.d.R vorgetragen werden. Um dies zu merken, muss man allerdings schon sehr genau hinsehen: 1. In der Erklärung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft zum "Treibhauseffekt, der ja der Quell der Klimaveränderungsthesen ist, heißt es einleitend "Es ist unstrittig, daß der anthropogene Treibhauseffekt noch nicht unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte." und abschließend "Fazit: Es ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, daß sich die Strahlungsflüsse im System Erde/Atmosphäre durch die Zunahme der klimarelevanten Spurengase verändern. Ohne Berücksichtigung der Rückkopplung mit dem komplexen Klimasystem würde dies mit Sicherheit zu einer Erwärmung der Erdoberfläche und der Troposphäre führen. Die eigentliche, wissenschaftlich herausfordernde Debatte beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die verschiedenen Rückkopplungsprozesse die strahlungsbedingte Erwärmung verstärken oder dämpfen." Quelle http://www.dmg-ev.de/gesellschaft/stellungnahmen/treibhauseffekt.pdf . Hieraus kann man nur schließen, dass es keine gesicherte Beweislage für die Richtigkeit der Klimawandelthesen gibt. 2. Mehr in USA als in D gibt es Wissenschaftler, die zu dieser Thematik öffentlich Stellung beziehen, z.B. in der "Global Warming Petition", in der von "keinem überzeugendem wissenschaftlichen Beweis" der behaupteten Wirkungen der Treibhausgase" die Rede ist. Diese Petition ist immerhin von mehr als 31.000 US-Wissenschaftlern unterzeichnet. Anzusehen hier: http://www.petitionproject.org/ In D sind die einschlägig tätigen Wissenschaftler stiller geworden, ohne allerdings ihre Auffassungen geändert zu haben. Z.B. kann man hier sehen, was man sich noch vor 13 Jahren zu äußern getraute: "Die Argumente der Zweifler" http://www.berliner-zeitung.de/archiv/pro-und-kontra-in-der-aktuellen-wissenschaftlerdebatte-die-argumente-der-zweifler,10810590,9370520.html . Als Mitglied der DMG kann ich auf Vortragsveranstaltungen immer wieder die Zweifel leise geäußert wahrnehmen. 3. In dem recht neu erschienenen Buch von Hüttl, R. F. J., Wissenschaftlicher Vorstand des GeoForschungsZentrum Potsdam (eines der drei sehr renommierten deutschen Forschungsinstitute auf diesem Gebiet, neben AWI und Geomar, nicht zu verwechseln mit dem Ideologie-Camp PIK), "Ein Planet voller Überraschungen", ist zu lesen z.B. auf S. 8/10: 'Wie wir gesehen haben, besteht das System Erde aus einer Vielzahl von Teilsystemen. Das Klima ist eine der Schnittstellen, auf die Prozesse in Atmosphäre, Hydrosphäre, Geosphäre, Biosphäre und Anthroposphäre einwirken. Unsere Forschungen geben uns ständig neue und überraschende Einsichten in diese Prozesse und ihre verzweigten Wechselwirkungen, und wir sind immer noch weit davon entfernt, sie vollständig zu verstehen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Annahme, wir könnten die aktuelle Entwicklung durch Reduktion der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen bis 2050 auf zwei Grad begrenzen, als fragwürdig. Eine tatsächliche Erreichbarkeit dieses Zwei-Grad-Ziels lässt sich wissenschaftlich nicht begründen, dafür sind im Gesamtsystem Erde zu viele Variablen im Spiel, und auch der Teilkomplex Klima selbst besitzt eine hohe Eigendynamik.' Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte Sie nicht langweilen. Aber ich nehme an, dass auch Sie eine mittels Fußbodenheizung beheizte Wohnung nutzen. Und mit der Überlegung, wie denn die Fußbodenheizung und angenehme Lufttemperaturen in den Wohnräumen liefert, kann man auch als Laie verstehen, dass das mit dem Treibhauseffekt, der uns die +15°C Lufttemperatur bescheren soll, nicht so ganz stimmen kann. Die Erde besitzt nämlich auch eine Fußbodenheizung. Und zwar den durch Sonneneinstrahlung erwärmten Erdboden. In den äquatornahen Gebieten erreicht Sandboden (Wüste, trockene Bodenflächen) Temperaturen bis zu 80°C. Diese Wärme wird dort an die darüberliegende Luft abgegeben, weshalb diese, wenn es keinen Austausch mit kühlerer Luft gäbe, auch die 80°C annehmen würde. Wir wissen, warme Luft steigt auf. Aber oben an der Grenze zum All gibt es keine Kühlflächen, dort schließt Vakuum an, der beste Wärmeisolator überhaupt. Also würde an den heißen Bodenflächen die Luft auf eben diese Temperatur des Bodens erwärmt, darüber hinaus geht nicht, es muss immer ein Temperaturgefälle vorhanden sein, um Wärme übergehen zu lassen. Aber abkühlen könnte die erwärmte Luft nicht, nirgendwo, wenn keine strahlungsaktiven Bestandteile, die sogenannten "Treibhausgase", darin enthalten wären. Abkühlung durch Wärmeabgabe an kältere Bodenflächen irgendwo wäre nicht möglich, weil sich über solchen Bodenflächen stets eine sehr dünne, etwas kühlere Luftschicht legen würde und damit die wärmere Luft (oben) gegen den kalten Boden (unten) isolieren würde. Das ist der Grund, weshalb es nicht gelingt, den Boden von unbeheizten Räumen durch zirkulierende wärmere Luft aus Nachbarräumen zu erwärmen, auch wenn diese recht warm ist. Fazit dieser Überlegung ist, ohne Treibhausgase in der Luft, der Atmosphäre, wäre es nicht -18°C kalt auf unserer Erde, nein, wir hätten Lufttemperaturen weltweit von etwa +80°C. Leben in der bekannten Form gäbe es auf unserer Welt dann nicht. Mehr zum Thema Wärmehaushalt der Erde/Atmosphäre habe ich in einer Veröffentlichung dargestellt, welche auch im Internet verfügbar ist: „Die Erdatmosphäre – ein Wärmespeicher“ http://real-planet.eu/wspeicher.htm So, und nun werden Sie einschätzen können, wie ich die wissenschaftlichen Leistungen des Mainstreams (es handelt sich aber nur um einen selbsternannten) im Thema menschgemachter Klimawandel beurteile. M.E. wäre es auch ausreichend, wenn Sie in einem solchen Vortrag wie dem in Düsseldorf lediglich die Auffassungen, welche als Begründung für klimapolitische Maßnahmen von der Politik gepflegt und gefördert werden, unkommentiert darlegen. In der Hoffnung, noch öfter Ihre klare Rede entweder direkt oder übermittelt vernehmen zu dürfen, verbleibe ich mit freundlichem Gruß Heinz Thieme Dipl.-Ing. Heinz Thieme
Sehr geehrter Herr Thieme, vielen Dank für die Rückmeldung. Auch wenn ich kein Klimaexperte bin, habe ich mich doch mit der Literatur zu dem Thema im ersten Kapitel meines Buches Das grüne Paradoxon ausführlich auseinandergesetzt. Die Evidenz ist doch erdrückend. Ich kann Ihnen auch versichern, dass weltweit nur eine kleine Minderheit der Fachwissenschaftler Zweifel hegt. Auch die von Ihnen zitierten Passagen drücken übrigens keinen grundlegenden Zweifel aus. Das Zitat unter 1 sagt ja nur, dass nicht klar ist, ob der anthropogene Klimaeffekt durch endogene Prozesse verstärkt oder abgeschwächt wird. Dass er stattfindet, wird nicht bestritten. In meinem Buch diskutiere ich die verstärkenden und abschwächenden Effekte. Das Zitat unter 2 zeigt mir nicht, dass hier Leute befragt wurden, die wirklich darüber geforscht haben. 31.000 Forscher zum Treibhauseffekt gibt es ja gar nicht. Sie müssen die Literatur in den referierten Fachzeitschriften auswerten, und dort ist der Überhang derer, die einen Klimaeffekt nachweisen, riesig. Das Zitat unter 3 war auch immer meine Vermutung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir es schaffen, die Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen. Auch das habe ich in meinem Buch ausführlich mit Rechnungen belegt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Verständnisschwierigkeiten mit Ihrer Antwort auf den Beitrag von Herrn Müller vom 17.11.2010. Sie schrieben ‘…, investieren kann man nur mit Ersparnissen. Die Kreditschöpfung der Banken ist ein Einmaleffekt. … Der Kredit aus dem Nichts ist ein zusätzlicher Geldbestand, der zirkuliert, aber nicht für Investitionen zur Verfügung steht, außer er wächst schneller als das Transaktionsvolumen, weil die EZB die Geldbasis schneller wachsen lässt.‘ Nun liegen dem gesamten Banken-Buchgeldgestand Bankenkredite zugrunde. Wenn der gesamte Banken-Buchgeldgestand letztendlich aus Bankkrediten besteht, ist es einleuchtend, dass der gesamte Buchgeldgestand ständig revolviert werden muss. Dass heißt die Kreditschöpfung der Banken ist bzgl. der Investitionen kein Einmaleffekt, denn die Banken benötigen ständig Kreditnehmer um die Geldmenge aufrecht zu erhalten. Wo liegt mein Fehler, wenn ich der Meinung bin: entweder wird ständig investiert, oder der Geldbestand schrumpft, bzw. kann eben noch durch degenerierende/spekulative/konsumtive Kredite aufgeblasen werden?
Sehr geehrter Herr W., Banken schaffen Geld, indem sie Kredite vergeben. Sofern Banken den Bestand an Krediten ausweiten, entsteht auch ein größerer Geldbestand. (Da die Kredite meistens nur begrenzte Zeit laufen, wird dieser Bestand ständig revolviert.) Daraus können so lange keine Investitionen finanziert werden, wie der zusätzliche Geldbestand nicht für ein Mehr an Transaktionen, sondern für mehr Bequemlichkeit bei den Transaktionen (Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit) oder Geldhorte verwendet wird. Die Investition muss dann aus Ersparnissen finanziert werden, und die reichen auch gerade aus, denn sie sind ja der nicht konsumierte Teil des Sozialprodukts. Wird aber mehr Geld ausgegeben, als für die genannten Zwecke gebraucht wird, dann übersteigt das Angebot an Finanzierungsmitteln die Nachfrage für Investitionen, der Zins fällt, und es wird mehr investiert. Dann ist die gesamtwirtschaftliche Nachfrage größer als der Wert der laufenden Produktion, und die Wirtschaft expandiert. Wenn die Expansion in die Nähe oder bis zur Kapazitätsgrenze führt, gibt es sogar eine Inflation. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dies Ihre Frage beantwortet, hoffe aber, Sie kommen damit ein Stück weiter. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antworten. An der einen oder anderen Stelle ergeben sich jedoch Nachfragen, die ich Ihnen gerne stellen würde. 1) Sie gehen davon aus, dass Mitarbeiter bei einer Lohnerhöhung entlassen werden, das Produktionsvolumen aber trotzdem konstant bleibt, da die wegfallenden Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden. In diesem Fall kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen. Wenn die Arbeit von infolge von Lohnerhöhungen entlassenen Arbeitskräften allerdings nicht durch Maschinen ersetzt wird, sondern wegfällt, kann ich keine dadurch verursachte Senkung der Lohnstückkosten erkennen. Vielleicht kann ich meine Überlegung anhand eines Beispiels verdeutlichen: In Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" schreiben Sie auf den Seiten 116-117, die nominalen Stundenlöhne der westdeutschen Arbeitnehmer seien im Zeitraum von 1982 bis 2002 um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr gestiegen, während die reale Arbeitsproduktivität bezogen auf die Erwerbstätigen um 2,0 Prozent pro Jahr gestiegen sei. Daraus ergebe sich ein Anstieg der nominalen Lohnstückkosten von 1,7 Prozent pro Jahr. Wenn man die Arbeitsproduktivität allerdings nicht auf die Erwerbstätigen, sondern auf alle Menschen im erwerbsfähigen Alter (also auch auf die Arbeitslosen) beziehe, dann sei der Produktivitätszuwachs geringer und damit der Anstieg der Lohnstückkosten höher gewesen. Diese Argumentation ist logisch und nachvollziehbar. Ich stelle mir nur die Frage, ob man, wenn man schon die niedrige bzw. nicht vorhandene Produktivität der Arbeitslosen mit einrechnet, nicht auch deren potenziell geringere Löhne mit berücksichtigen muss. Möglicherweise hat die Entlassung der Arbeitnehmer auch den Anstieg der nominalen Lohnkosten höher ausfallen lassen, da sie, auch nach der Lohnerhöhung, die zu ihrer Entlassung geführt hat, niedriger entlohnt worden sind als der durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer. Einen umgekehrten Effekt konnte man im letzten Jahrzehnt beobachten, als die Durchschnittslöhne sehr langsam gestiegen sind, da durch die Agenda 2010 viele vormals Arbeitslose in ein Beschäftigungsverhältnis kamen, dass unterhalb des Durchschnitts entlohnt wurde. Man müsste also, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, auch den gemessenen Anstieg der nominalen Lohnkosten zwischen 1982 und 2002 von 3,7 Prozent einer Revision unterziehen. Stimmen Sie dem zu? 2 + 3) Ich habe mehrere Veröffentlichungen des ifo-Instituts zur Aktivierenden Sozialhilfe gelesen. In keiner mir bekannten wird im Detail erläutert, bei welchem Verdienst im Bereich über 500 Euro wie viel Geld abgezogen bzw. zugezahlt wird. Es ist immer nur pauschal von einem 70-prozentigem Abzug die Rede. Wenn sich Mehrarbeit wirklich immer rentieren soll, müssten doch bis in die höchsten Einkommensschichten hinein noch Lohnzuschüsse gezahlt werden. Wenn jemand, der 1100 Euro aus eigener Kraft verdient, besser gestellt sein soll als jemand, der ein Einkommen von 1100 Euro nur mit einem Lohnzuschuss verdient, müsste ersterer ebenfalls einen Lohnzuschuss erhalten. Das ist, wie Sie schreiben, in System der Aktivierenden Sozialhilfe auch vorgesehen. Wenn man annimmt, dass dieser Zuschuss 200 Euro beträgt, dann müsste jemand, der 1300 Euro ohne einen Lohnzuschuss verdient, ja auch einen Lohnzuschuss von z. B. 100 Euro erhalten, in der Folge auch jemand, der 1400 Euro ohne einen Lohnzuschuss verdient etc. pp.. Können Sie mir eine Veröffentlichung zur Aktivierenden Sozialhilfe nennen, in der diese Zusammenhänge detailliert erläutert werden? Vermutlich liegt der Schlüssel in der Kombination der Aktivierenden Sozialhilfe mit dem Steuer- und Abgabensystem. 4 + 7) Ich denke, dass hier eine klassische "Die Katze beißt sich in den Schwanz"-Situation vorliegt. Bei einer Lohnerhöhung gibt es zwei mögliche Effekte: Erstens eine Steigerung der Konsumgüternachfrage, was zu mehr Arbeitsplätzen und mehr Investitionen führt - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass keine Lohnbezieher aufgrund der Lohnerhöhung entlassen werden, da dann möglicherweise die Lohnsumme sinkt. Und zweitens ein Verlust von Arbeitsplätzen sowie ausbleibende Investitionen - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die gestiegene Konsumgüternachfrage nicht vorher zum Tragen kommt. Denn bei einer gestiegenen Konsumgüternachfrage können bspw. Frisörläden ihre Preise ohne Nachfrageeinbußen erhöhen, was höhere Löhne für die angestellten Frisöre rechtfertigt. Auch ansonsten treibt eine gestiegene Konsumgüternachfrage die Investitionen an, da so die mit Investitionen erzeugten Konsumgüter abgesetzt werden können. Der springende Punkt ist letztlich, welcher der beschriebenen Effekte zuerst zum Tragen kommt und dann den jeweils anderen verhindert bzw. abmildert. Mit welcher Begründung gehen Sie davon aus, dass der Entlassungseffekt zuerst eintritt und der Konsumsteigerungseffekt somit nicht zum Tragen kommt? 5) Sie argumentieren doch häufig, dass die Löhne in den Industrieländern unter Druck kommen, da durch den Fall des Eisernen Vorhangs sehr viele zusätzliche Menschen ihre Arbeitskraft anbieten. Dies hat doch aber nichts damit zu tun, dass die Produktivität in den Industrieländern gesunken ist, sondern es hat etwas mit den Knappheitsverhältnissen zu tun. Auch das Argument, dass Zuwanderer nur durch flexible Lohnstukturen in den Arbeitsmarkt integriert werden können, läuft darauf hinaus, dass sich Löhne nach den Knappheitsverhältnissen richten. Zuwanderung erzeugt schließlich keine Produktivitätssenkung, sondern ein höhreres Angebot an Arbeitskräften. Wenn sich die marktwirtschaftliche Entlohnung nach der Produktivität richtet, wieso steigen die deutschen Löhne dann seit langer Zeit nicht mehr so schnell wie die Produktivität? 6) Das sich die Produktivität einer Sekretärin oder einer Putzfrau nach dem Resultat ihrer Arbeit richtet, ist klar. Meine Frage hierzu war, wie man ebendiese Produktivität berechnen kann. Wenn sich der Lohn nach der Produktivität richtet, dann muss die Produktivität doch auch in irgendeiner Form als Zahl angegeben werden können, so wie der Lohn auch. Nochmals vielen Dank für Ihre Mühe. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, ich bedanke mich für Ihre Fragen, kann sie aber aus Zeitgründen nicht ausführlich beantworten. Zu 1) Ich gehe nicht davon aus, dass die Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden. Die Produktion der Entlassenen fällt aus, aber da man erst einmal die weniger produktiven Arbeitsplätze abbaut, steigt die Produktivität des Restes. Natürlich nur, wenn man die Null-Produktivität der Arbeitslosen außer Acht lässt. Zu 2+3) Das Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe wird in mehreren Artikeln des ifo Instituts dargelegt. In der Regel findet sich in jedem dieser Artikel eine Grafik, die genau zeigt, dass ein höheres Haushaltseinkommen durch eigene Anstrengungen auch für Personen mit niedriger Leistungsfähigkeit möglich ist. Folgt man dem Verlauf der Kurve, kann genau abgelesen werden, welchen Betrag die Aktivierende Sozialhilfe bei welchem Bruttoeinkommen vorsieht. Anbei ein Link zu einer relevanten Publikation: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1194660.PDF. Auf S. 11 ist die besagte Grafik zu finden. Zu 4+7) Der Konsum ist bekanntermaßen ein zyklisch nachlaufender Indikator. Zu 5) Die Produktivität ist nur eine wesentliche Bestimmungsgröße. Darüber hinaus spielen weitere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise der von Ihnen angeführte Punkt der Knappheitsverhältnisse. Zu 6) Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Produktivität im Dienstleistungssektor stark vom Humankapital der Mitarbeiter abhängig ist. Dazu zählen Qualifikation, Kompetenz sowie Motivation der Mitarbeiter. Da dies allerdings weiche Faktoren sind, die man nur schwer messen kann, gilt es noch ein geeignetes Verfahren zur Produktivitätsmessung zu finden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihre unermüdliche Arbeit, die zur Aufklärung des interessierten Bürgers einen erheblichen Beitrag leistet. So war auch Ihr Vortrag vom 19.12.2011 wieder höchst aufschlussreich. Nun habe ich folgende Fragen: 1.In Ihrem Vortrag sagten Sie, die EZB vergebe selbst keinerlei Darlehen, sondern verlange von den nationalen Zentralbanken , dies zu tun. Ist es also sachlich falsch, wenn in der Presse immer wieder berichtet wird, die EZB habe Staatsanleihen erworben (und nicht lediglich als Sicherheiten akzeptiert, was ja etwas anderes ist als die unmittelbare Kreditvergabe) oder Darlehen gewährt? 2.Falls nur nationale Zentralbanken Kredite an andere geben oder Staatsanleihen erwerben: Ist es dann nicht so, dass die Risiken des Ausfalls eines Staates nicht bei der EZB, sondern bei den nationalen Zentralbanken oder anderen Kreditgebern liegen? 3.Heute wurde berichtet, Europas Banken schuldeten der EZB 830 Milliarden Euro. Trifft diese Zahl zu und schulden die Banken diese Beträge tatsächlich der EZB oder den nationalen Zentralbanken? 4.Richten sich die Forderungen der Bundesbank aus den Target 2-Salden unmittelbar gegen die EZB oder –anteilig- gegen diejenigen nationalen Zentralbanken, aus deren Staaten heraus die Salden aufgebaut wurden? Bereits jetzt danke ich ganz herzlich für die mit Spannung erbetenen Antworten. Mit freundlichen Grüßen A.
Sehr geehrter Herr A., um Euro-Krisenstaaten wie Griechenland und Italien zu stützen, hat die EZB bisher Staatsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 219 Mrd. Euro aufgekauft. Allerdings habe sie den Ländern indirekt weitaus mehr Geld geliehen – über die Finanzierung der dortigen Banken. Grund dafür sind staatlich garantierte Bankanleihen, welche die EZB von den Banken als Sicherheit für die Ausgabe von Liquidität akzeptiert. Die Rede ist hier von den sog. Target-Krediten. Sie sind EZB-Refinanzierungskredite an die Banken eines Landes, die über die normale Liquiditätsversorgung dieses Landes hinausgehen und einen Nettoerwerb von Gütern und/oder Vermögenstiteln in anderen Euroländern finanzieren. Sie sind nationalen Zahlungsbilanzdefiziten gleichzusetzen. Die Target-Verbindlichkeiten der GIPS-Länder und Italien belaufen sich im November 2011 auf 556 Mrd. Euro. Der deutsche Haftungsanteil berechnet sich aus dem Kapitalschlüssel der EZB vom 1. Januar 2011. Setzt man den gesamten Euroraum (17 Länder) gleich 100%, entfällt auf Deutschland ein Anteil von ca. 27%. Für die Risikoberechnung wird angenommen, dass die Krisenländer GIPS und Italien ausfallen und nur zwölf Euroländer für die ausfallenden Target-Verbindlichkeiten aufkommen können. Auf Deutschland entfallen in diesem Szenario ca. 43% der aggregierten Haftungssumme. Der aktuelle Haftungsbetrag beläuft sich somit derzeit auf 237 Mrd. Euro. Die Forderungen Deutschlands gegen die EZB hat die EZB ihrerseits wieder gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir freilich unseren gesamten Forderungen hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion mit Frau D. vom 18. Januar 2012) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre freundliche Antwort! Ihre Ausführungen sind durch das Beispiel mit dem griechischen Bauern sehr hilfreich - ich hatte schon vor einigen Tagen aus dem Internet entnommen, dass es sich bei dem Target-System um das System handelt, mittels dessen wir unsere ganz normalen Überweisungstransaktionen von Deutschland nach Griechenland und umgekehrt durchführen. Da wurde mir immerhin schon klar, dass so eine Überweisung nicht einfach abgewiesen werden kann... Jetzt freue ich mich, dass mir durch Ihre Erläuterung bestätigt wird, dass ich immerhin auf dem richtigen Weg bin. Nicht klar dagegen ist mir, woran die Bundesbank erkennen kann, dass es sich um Gelder "über den Durst" handelt, um buchhalterisch gedrucktes Geld. Vermutlich werden die Beträge aufaddiert und überschreiten irgendwann eine bestimmte Grenze... aber wo liegt diese Grenze? Woran kann die Bundesbank erkennen, ob die Geldschöpfung auf normalem Weg - z.B. über eine Kreditvergabe innerhalb GR's z.B. zu dem von Ihnen erwähnten hohen Zinssatz - oder ob sie über das buchhalterische Gelddrucken der Notenbank entstanden ist? Sie schreiben "Die Bundesbank verbucht zum Ausgleich für das "Gelddrucken" eine verzinsliche Target-Forderung an die Europäische Zentralbank". Woher weiß die Bundesbank, dass es hier etwas zum "Ausgleichen" gibt? Sie brauchen mir natürlich nicht unbedingt auf meine Frage zu antworten - ich habe wirklich Verständnis für jemanden mit einem so vollen Terminkalender. Wäre ich jünger und in Deutschland, dann würde ich sicher gern nach München kommen und Ihre Vorträge besuchen. Leider ist mir das kaum möglich, außerdem sind die Studienplätze für diejenigen da, die es für ihr weiteres Leben als Existenzgrundlage brauchen. Einerseits sehnen wir den Tag herbei, ab dem GR endlich die Chance erhält, künftig alles besser zu machen - und das geht nur mit der Drachme. Andererseits fürchten wir uns vor diesem Tag, denn es könnte für uns ganz persönlich bedeuten, dass wir Feindlichkeiten ausgesetzt sein werden. Ich als Deutsche und mit mir mein Mann als Auslandsgrieche könnten dann womöglich für all das zur Rechenschaft gezogen werden, was die Leute in unserer Umgebung für Folgen der Merkel'schen Politik halten. Die griechischen Medien ziehen ja nicht etwa den Schluss, dass die Griechen an der Entwicklung selbst schuld sind, sondern sie suchen die Schuldigen gern anderswo. Die Medien befinden sich in der Hand weniger einflussreicher Familien. Diese werden verteidigen, was sie reich gemacht hat. Sie werden keine Privilegien aufgeben. Um das zu erreichen, brauchen sie einen Sündenbock. Der Sündenbock ist vor allem Deutschland. Die Medien hetzen also gegen Deutschland. Kommt die Drachme, leben wir hier u.U. gefährlich - wenigstens für eine Weile. Deshalb möchten wir nicht, dass Sie meinen Namen nennen. Sie können ja den ersten Buchstaben nennen und ich habe auch nichts dagegen, wenn Sie aus der Erklärung hierfür zitieren. Ich danke Ihnen für die Zeit, die Sie sich für meine Mails und für die Beantwortung genommen haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau D., ich freue mich, dass Ihnen meine Antwort beim Verständnis der Target-Problematik weitergeholfen hat. Woran merkt die Bundesbank, dass mehr Geld als normal gedruckt wurde? Nun, ganz einfach dadurch, dass ihr per saldo welches zuströmt. Praktisch alles, was ihr netto zuströmt, ist woanders über die eigene Geldversorgung hinaus gedruckt (geschaffen) worden. Zusammen mit Herrn Wollmershäuser habe ich einen ausführlichen Artikel über Target-Salden geschrieben. In diesem Artikel wird ausführlich auf das Buchungssystem eingegangen. Sie finden den Artikel auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1207364.PDF. Außerdem möchte ich auch auf die Mediathek des ifo Instituts verweisen:http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x_s-764870657/ifo/index.html. Hier finden Sie einige meiner Vorträge. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
2. Vortrag Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am 10.01.2012 Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe gestern als ehemaliger Student der Heinrich-Heine-Universität auch ihren zweiten Vortrag besucht und mir hat persönlich gut gefallen, dass Sie auf Missstände hingewiesen und dabei auch mögliche Lösungen präsentiert haben. Leider sind mir zwei Folien in Ihrem Vortrag aufgefallen, die mich in der sonst überzeugenden Präsentation (auch wenn ich nicht immer gleicher Meinung bin) gestört haben. Sie haben dargelegt, warum Sie das EEG für "reine Verschwendung" halten, aber warum mussten Sie dafür die absolut überzogenen Einspeisevergütungen von Anfang 2009 auflegen? Die ~48 Cent für Einspeisung von Photovoltaik sind "Schnee von vorgestern", denn mittlerweile wurden die Vergütungen massiv gekürzt. Es sind bei einer neuen Aufdachanlage bis 30 kW ab dem 01.01.2012 nur noch ~24 Cent. Die zweite Anmerkung ist eher eine Frage. Sie haben die Endenergieverbrauchsstruktur aufgelegt, die natürlich für "Anhänger der erneuerbaren Energien" erst einmal ernüchternd sind. "Anhänger der erneuerbaren Energien" würden natürlich die Stromerzeugung auflegen, die 2011 mittlerweile zu 20 Prozent durch erneuerbare Energien abgedeckt wird. Warum sehen Sie so wenig Potenzial in der Energieeffizienz? Wir haben das 3 Mal 20 Prozent Ziel der EU (Verbesserung der Energieeffizienz, Anteil der erneuerbaren Energien, Verringerung der CO2-Emissionen). Auf die Atomkraftwerke (und noch viel mehr Endenergie) können wir durch energieeffizientere Produkte, Anlagen usw. durchaus verzichten und gleichzeitig unsere Produkte als Exportnation auch noch an andere Länder liefern. Denn heute benötigt ein Auto nur noch 5 anstatt 10 Liter Diesel bei höherer Motorleistung, von hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage hat man vor Jahren noch geträumt und einen zwanzig Jahre alten Kühlschrank traut man sich gar nicht mehr anzuschließen, weil der neue A+++ Kühlschrank im Gegensatz dazu "praktisch keine Energie" benötigt. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Sehr geehrter Herr B., es stimmt, dass die Förderung des Solarstroms seit Jahren zurückgeführt wird. 2011 waren es noch 28,74 ct/kWh und ab 2012 sind es 24,43 ct/kWh. Aber das steht nicht im Widerspruch zu meinen Zahlen. Ich habe die durchschnittlichen Einspeisetarife der installierten Anlagen gezeigt, und die liegen natürlich weit über den Sätzen für neue Anlagen, die Sie zitieren. Dass ich die Durchschnittswerte der installierten Anlagen und nicht die Förderung neuer Anlagen meinte, habe ich gesagt. Ansonsten bin ich nicht skeptisch bezüglich der Möglichkeiten, die Effizienz beim Energieverbrauch zu steigern, sondern nur bezüglich der Klimawirkung dieser Effizienzsteigerung. Der CO2-Ausstoß wird nicht reduziert, sofern nicht weniger Kohlenstoff aus der Erde geholt wird. Vielmehr führt die Effizienzsteigerung dazu, dass die Mengen an Kohlenstoff, die wir nicht verbrauchen, über die Weltmärkte an andere Abnehmer fließen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Sie haben sich in jüngster Zeit immer wieder zur unzureichenden Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Unternehmen geäußert. Dabei weisen Sie darauf hin, dass die Reallöhne in Griechenland gesenkt werden müssen. Gleichzeitig erwähnen bzw. fordern Sie, dass die Löhne in Deutschland steigen müssen. Diese zweite Aussage halte ich aus mehreren Gründen für problematisch. Das klingt nach einem Null-Summenspiel, bei dem es gleichgültig ist, ob die Löhne in Griechenland sinken oder in Deutschland steigen. Dabei bleibt offen, wie die Löhne bestimmt werden sollen. Bei Ihnen hört es sich so an, als müssten die Lohnstückkosten in beiden Ländern gleich hoch sein. Wegen der unterschiedlichen sonstigen Produktionsbedingungen wird sich ein solches Ergebnis aber auf den Märkten auch dann nicht einstellen, wenn ein Gleichgewicht herrscht. Die Aussage, in Deutschland müssten die Löhne (stärker) steigen, lässt nicht erkennen, nach welchen Kriterien eine solche Lohnsteigerung bemessen werden soll und inwieweit das sogar eine politische Forderung ist. Meines Erachtens kann keine pauschale Aussage getroffen werden, wonach die Löhne in Deutschland steigen müssten. Lohnsteigerungen ergeben sich auf den Teilmärkten, auf denen eine Übernachfrage besteht. Auf einigen Teilmärkten gibt es aber durchaus noch unfreiwillige Arbeitslosigkeit, weil die Löhne zu hoch sind. Maßstab für die Angemessenheit der Löhne sollte das Marktgleichgewicht (bei Vollbeschäftigung) sein. Als Ökonomen sollten wir auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Politik müsse für höhere Löhne sorgen – sei es über Mindestlöhne, sei es über eine Ermutigung der Gewerkschaften. Bei dem Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wird m. E. zu sehr auf die Relation der Löhne abgestellt. Anders ausgedrückt: Das Beschäftigungsniveau wird ausgeblendet. In den wirtschaftsschwachen Ländern geht es vor allem darum, mehr Menschen in eine (produktive) Beschäftigung zu bringen. In dem Zusammenhang ist die Erfahrung der letzten Jahre in Deutschland besonders wichtig. Gesamtwirtschaftlich kommt es nicht so sehr auf die Löhne pro Stunde, sondern auf die Lohnsumme an. Einzelwirtschaftlich profitieren auch die Arbeitnehmer, deren Lohn nicht steigt oder sogar sinkt, von einem steigenden Beschäftigungsniveau, weil die Abgabenlast nicht steigt oder sogar sinkt. Ich bin sicher, dass Sie diese Zusammenhänge sehen, aber der Beifall „von der falschen Seite“ zeigt, dass sie immer wieder erläutert werden müssen. Viele Grüße Ihr Johann Eekhoff -- Prof. Dr. Johann Eekhoff, Sts. a. D.
Lieber Herr Eekhoff, Sie haben ja recht, dass man die Lohnsteigerungen nicht oktroyieren kann. Aber es wird welche geben, nach langen Jahren der Flaute, weil wieder mehr investiert wird. Und das ist auch gut so, denn ohne eine deutsche Inflation können wir die innereuropäischen Ungleichgewichte nicht lösen. Man darf natürlich die Lohnerhöhungen nicht oktroyieren. Sie müssen und werden sich von selbst durch die Nachfrage ergeben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Griechenland hat kein tragfähiges Geschäftsmodell." Zurzeit hat kein Staat auf der Welt ein "tragfähiges Geschäftsmodell"! Denn solange ein a priori fehlerhaftes Zwischentauschmittel mit parasitärer - der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden - Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) verwendet wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, müssen die Geldvermögen, die sich bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung konzentrieren, durch den "makroökonomischen Offset" der Liquiditätsverzichtsprämie auf Kosten der Mehrarbeit anderer ansteigen, und damit auf der Kehrseite der Medaille auch die Gesamtverschuldung. Und weil der mittelständischen Privatwirtschaft die Schulden bereits "Oberkante Unterlippe" stehen, muss die Staatsverschuldung erhöht werden, um den Geldkreislauf aufrechtzuerhalten. Wer ernsthaft an eine staatliche "Schuldenbremse" glaubt, leidet an Realitätsverlust. Eine Reduzierung der Verschuldung bedingt eine spiegelbildliche Reduzierung der Geldvermögen! Dies kann auf friedlichem Wege nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform erreicht werden. Meine Frage: Beabsichtigt das "ifo-Institut" diese "banalsten Selbstverständlichkeiten" (Zitat: Silvio Gesell) in nächster Zeit zu thematisieren, oder muss der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft erst eintreten, bevor an dieser Stelle mit dem selbständigen Denken angefangen werden kann?
Sehr geehrter Herr Wehmeier, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Wie Sie selbst der ifo-Homepage entnehmen können, versuche ich mein Bestes, die Sachverhalte zu klären. Auch die Theorien von Gesell sind mir bekannt. Die Wissenschaft ist seitdem aber vorangeschritten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: heutige phoenix sendung sehr geehrter professor sinn, ich möchte ihnen ganz herzlich danken für ihre klaren und verständlichen worte in der o. a. sendung. im gegensatz zu den meisten politikern sind sie erfrischend parteiunabhängig und haben nach meiner auffassung die misere der weltwirtschaft heute auf den punkt gebracht. ich bin ökonomisch nicht sehr gebildet, konnte aber ihre argumentation gut verstehen und nachvollziehen. jedoch habe ich politische eine frage, die mir auch im zusammenhang mit den banken und konzernen unter den nägeln brennt. im bundesdeutschen grundgesetz heißt es ja: eigentum verpflichtet. es soll zugleich dem wohle der allgemeinheit dienen. des weiteren sieht das grundgesetz sogar im schlimmsten fall vergesellschaftung von konzernen und banken vor. die konsequente regulierung der banken, märkte und konzerne scheint mir hier eine möglichkeit zu bieten, dem grundgesetz wenigstens ein wenig zu genügen. sie bekommen sicher viele briefe, aber ich würde mich über eine kurze einschätzung von ihnen sehr freuen. mit freundlichem gruß peter biehl
Sehr geehrter Herr Biehl, ich freue mich über Ihre netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Eine Verstaatlichung ist durchaus möglich. Als politisches Instrument zur Stabilisierung wie beispielsweise während der Finanzkrise kam es ja auch zu gewissen Notverstaatlichungen. Ich erinnere da nur an die Hypo Real Estate. Banken sollten den Staat als Teilhaber akzeptieren, wenn sie es nicht schaffen, selbst genug neues Eigenkapital zu finden. Wenn eine Bank in Schwierigkeiten kommt, sollten aber nicht die Bank-Aktionäre retten, sondern nur die Banken selbst. Und das geht nur, indem der Staat im Tausch für seine Hilfe an die Banken Aktien bekommt. Ansonsten haben Sie vollkommen Recht, dass die Banken stärker reguliert werden müssen. Wie, das habe ich im letzten Kapital meines Buches Kasino-Kapitalismus ausführlich beschrieben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für die stete Aufklärung. Ich hege noch die Hoffnung, dass auch Politiker dies lesen, aber leider tut sich nicht viel. Daher gebe ich Ihren Warnungen nur eine Chance für eine Umsetzung: die lückenfreie Addition aller bestehenden und bereits realisierten Risiken für D. Dann der Gang vor das Verfassungsgericht, da H. Voßkuhle und H. Di Fabio einhellig der Meinung sind, dass das parlamentarische Budgetrecht nicht wesentlich eingeschränkt werden darf, daher die Absage an Eurobonds. Die o.g. Addition würde zeigen, dass es sich um wesentliche Risiken handelt (m.E. knapp 1 Billion Euro). Hierzu muß aufgezeigt werden, dass nicht nur die 500 Mrd. Target zu 27% im Risiko stehen, sondern die holländischen (90 Mrd), luxemb. (80 Mrd), etc., da wir für diese ebenfalls zu 27% haften (für Griechenland mit 100 Mrd Saldo gem. H. Fuest also allein schon 27 Mrd.). Die 27% steigen natürlich mit jedem default durch den Wegfall der anteiligen Haftung. Wenn Griechenland fällt, werden CDS fällig (da können auch die Banker des ISDA-Kommitees nicht mehr mit Freiwilligkeit gegenargumentieren), welche Frankreich (neben Italien und Spanien) über deren Banken in den Abgrund ziehen, will sagen, ich geben Ihnen recht dass wir uns trotz der 27% der Kompletthaftung nähern (fällt der Euro haben wir eine Forderung gegen eine Institution EZB, die es nicht mehr gibt, in einer Währung, die es auch nicht mehr gibt). Hinzu kommen die bilateralen Kredite über KfW, IWF, in Bad Banks ausgelagerte Staatsanleihen ("freiwilliger" Schuldenschnitt), Anleiheaufkäufe, Kreditvergabe der EZB an Schrottbanken in GIIPS Ländern (m.E. mit das größte Risiko), Target (alles abzüglich m.E. nicht werthaltiger Sicherheiten bei der EZB). Wenn den Deutschen diese Summe vor Augen gehalten wird und gezeigt wird, dass unsere potenzielle Verschuldung fremdbestimmt ist (wir haben ja nur 1 Stimme in der EZB), was verfassungsrechtlich verboten ist, bekommt man das entsprechende Forum, die Risiken zu verstehen und anzugehen. Dabei muß ich sagen, dass ich nicht grundsätzlich gegen die Hilfen bin, aber sie sollten verfassungsrechtlich einwandfrei und vor allem sollte dem Wähler bekannt sein, dass wir unsere Bilanz nur aufhübschen, die vermeintlich tollen Exportzahlen also selber zahlen. Das nenne ich mal Konjunkturprogramm (bei gleichzeitiger Verlagerung der Geldschöpfung). Zu den Details der Verfassungsmäßigkeit folgender Auszug meiner email an das Verfassungsgericht, zu der ich keine Antwort bekomme: ...Es handelt sich (durch die gewünschte Unabhängigkeit der EZB/Bundesbank) um eine indirekte Einschränkung der parlamentarischen Budgethoheit in faktischer Sicht. Deutschland hat 1 Stimme in der EZB, wie z.B. auch Malta, kann also in keinster Weise in die Risikenübernahme steuernd eingreifen. Dies entspricht einer deutschen Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten, weshalb das Bundesverfassungsgericht folgerichtig Eurobonds ablehnt, inhaltlich aber dasselbe wie ein Eurobond ist (gleiches gilt im Übrigen für die unbedingten 20-30% Ausfallgarantien aus dem Rettungsschirm)! Wie kann also die Übergabe der Verschuldungsmöglichkeit auf die Bundesbank (Target-Kredite) oder gar EZB verfassungskonform sein? Daher: Ist die (partielle und indirekte) Aufgabe der parlamentarischen Budgethoheit durch Übertragung der geldpolitischen Kompetenzen an eine unabhängige Zentralbank überhaupt zulässig? Selbst H. Weidmann versucht ja das Parlament einzubinden, hat also offensichtlich ähnliche Bauchschmerzen (leider nur für den "Kleckerbetrag" von 45 Mrd., nicht aber für die o.g. bereits bestehenden und nach oben offenen 500 Mrd.). Art. 88 GG hilft hier nicht, da die EZB ganz offensichtlich nicht mehr die Preisstabilität als vorrangiges Ziel im Auge hat. Jede andere Interpretation der Rettungsversuche der EZB grenzt an Selbstbetrug. Selbst die seinerzeitige Übertragung der Kompetenzen an die Bundesbank ist ein Zielkonflikt zur parlamentarischen Budgethoheit (Die aktuellen Target Salden resultieren ebenfalls nicht aus Zielen der Preisstabiltität, sondern aus einer nicht zu verhindernden Finanzierung der Budgetdefizite der PIIGS-Staaten; will sagen, noch nicht mal die BB kann eine Kreditvergabe an ausl. Zentralbanken vermeiden. Daher müsste diese Kreditvergabe verfassungsgerecht neu geregelt werden). Ich bin auf Ihre weiteren Beiträge sehr gespannt. Freundlicher Gruß, Michael Mältzer
Sehr geehrter Herr Mältzer, vielen Dank für die Rückmeldung und Ihre sehr richtigen Überlegungen. Mit den besten Grüßen zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Prof. Sinn, erst einmal vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Vortrag "Zur Situation in der EU", den ich vorgestern von Griechenland aus als Video im Internet anhören konnte. Sie sind ohnehin für meinen Mann und mich einer der wenigen Lichtblicke, weil Sie erstens komplexe Zusammenhänge klar und verständlich und mit wenigen Worten darstellen können und zudem einen kritischen Standpunkt zum Thema Eurorettung usw. einnehmen. Zum Thema TARGET wußte ich bis dahin nichts. Gehört hatte ich den Begriff wohl, aber ich habe mir nichts darunter vorstellen können. Dann hörte ich Ihren Vortrag und war fassungslos. Ich hatte nicht geahnt, dass es für GR so einfach gewesen war, sich immer mehr Geld zu besorgen. Beim Versuch, Freunden die soeben erfahrenen Zusammenhänge zu erklären, fiel mir auf, dass ich selbst Einiges nicht gut genug verstanden habe, um es anderen erklären zu können. Daher bitte ich Sie, mir Folgendes zu erläutern oder mir einen Tipp zu geben, wo ich im Netz Informationen zu diesem Thema finden kann. Meine Frage bezieht sich auf Ihren Vortrag (s.o.), und zwar auf die Erläuterungen zum Thema Target-Salden ab dem Zeitpunkt 31:30 (31. Minute) des Videos. Sie erklären, dass die nationalen Notenbanken der GIPS-Länder sich Geld leihen. Allerdings habe ich Sie so verstanden, dass sie dieses Geld bei der EZB leihen. Sie erklären aber dann einige Sekunden später, dass sie das Geld bei der Bundesbank leihen. Und genau dies ist es, was ich nicht verstehe. Ist denn nicht eigentlich die EZB zuständig und wenn nicht, warum nicht und warum tritt die Bundesbank an ihre Stelle? Die Zustände hier in GR kenne ich sehr gut. Wir haben uns allerdings schon seit 1975 gewundert, wie das Land überhaupt funktioniert - erst Recht natürlich nach dem EU-Beitritt und am größten war das Erstaunen, nachdem GR es sogar geschafft hatte, Mitglied der Währungsunion zu werden. Das alles hätte nie passieren dürfen. Nicht nur wegen der hohen Schulden, die jetzt überall Probleme machen, sondern vor allem auch, weil man den Griechen damit letztlich gar keinen Gefallen getan hat. Sie haben ja dadurch eine wichtige Entwicklung verpasst. Sie sind vom Esel direkt in den Mercedes umgestiegen und glauben mehrheitlich, dass dies normale Zustände sind. Über Produktivität wissen sie meist gar nichts und schon gar nicht, dass ihre Löhne eigentlich in einem gewissen Verhältnis dazu stehen sollten. Sie wurden niemals darüber informiert, dass es keinen Automatismus in der europäischen Lohnentwicklung gibt und fordern deshalb noch immer gleiche Löhne wie sie (z.B.) die Holländer haben. Gefördert wird diese Unwissenheit durch ein völlig marodes Schulsystem, ein fehlendes Berufsbildungssystem, die Allmacht der orthodoxen Kirche (Religion ist Hauptfach und man kann mit einer guten Zensur in Religion eine schlechte in Mathe ausgleichen). Wenn man sich etwas mit der griechischen Geschichte beschäftigt, sieht man, dass sich die mächtigen Familien schon ganz am Anfang, gleich bei der Staatsbildung, ihre Macht für die Zukunft gesichert haben. Man erkennt, dass es hier seit der noch jungen Staatsgründung niemals eine wirkliche Demokratie gegeben hat. Vielmehr wurden die anarchischen Strukturen, die sich schon während der Türkenherrschaft bestens bewährt hatten, auch in das neu gegründete Land mit übernommen. Das war alles zu sehen. Man konnte es ohne große Mühe erkennen, wenn man es nur gewollt hätte. Statt dessen hat man sich mit althumanistischen Gefühlsduseleien selbst belogen und gemeint, man könne doch kein Europa gründen ohne Griechenland, die Wiege der Demokratie. Was für eine Vermessenheit der damaligen Entscheidungsträger! Jetzt müssen es alle ausbaden. Hier in GR ist eine ganze Generation verdorben worden. Junge Menschen, die fest an ihre vermeintlich gute Ausbildung glauben und sich wundern, dass sie niemand im Ausland haben will. Und der Rest Europa's ist sauer, weil GR eine ungewollte Entwicklung losgetreten hat. Na ja - ich will nicht noch mehr von Ihrer Zeit stehlen und höre lieber auf. Das Thema GR und die Euroentwicklung ist für mich mehr als spannend und da lasse ich mich gern zu vielen Worten hinreißen... Aber es wäre wirklich sehr nett, wenn Sie mir in der o.a. Frage weiter helfen könnten! Ich wünsche Ihnen ein stressfreies Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins Neue Jahr!
Sehr geehrte Frau D., haben Sie vielen Dank für die Übersendung Ihres Beitrags. Ich freue mich über Ihr Engagement und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Zu Ihrer Frage: Am besten lässt sie sich anhand eines Beispiels beantworten. Gehen wir von einem griechischen Bauern aus, der seine Bank um einen Kredit bittet, damit er sich einen Traktor in Deutschland kaufen kann. Da sich die Bank des Bauern von anderen europäischen Banken kein Geld leihen kann oder wenn, dann nur zu sehr hohen Zinsaufschlägen, wendet sie sich an die griechische Zentralbank, die für diesen Zweck neues Geld "druckt" (natürlich im übertragenen Sinne "druckt", das Geld wird durch Buchungen bereitgestellt). Dieses Geld erhält der Bauer. Der Bauer überweist das Geld sodann durch das Zentralbanksystem an den deutschen Produzenten. Dadurch verringert sich die griechische Geldmenge wieder, während die von der Bundesbank bereit gestellte Geldmenge um diesen Betrag zunächst ansteigt. Das weitere Vorgehen sieht wie folgt aus: Die Bundesbank verbucht zum Ausgleich für das "Gelddrucken" eine verzinsliche Target-Forderung an die Europäische Zentralbank (EZB), die EZB an die griechische Zentralbank und die griechische Zentralbank an die griechische Geschäftsbank, die wiederum eine Forderung an den griechischen Bauern hält. Im Ergebnis ist dies ein erzwungener Kapitalexport von Deutschland nach Griechenland, weil die Bundesbank in dem Umfang, wie sie Geld durch die Erfüllung des Überweisungsauftrages zur Verfügung stellt, weniger Refinanzierungskredit in Deutschland vergeben kann. Der griechische Refinanzierungskredit, der mit Geldschöpfung einhergeht, ersetzt den entsprechenden deutschen. Wirtschaftlich handelt es sich um eine Kreditvergabe der Bundesbank an die griechische Zentralbank, und so wird der Vorgang in den Bilanzen verbucht. Wenn Sie so wollen, verleiht die Bundesbank ihre Druckerpresse an die griechische Zentralbank. Vielen Dank übrigens auch für Ihre Impressionen aus Griechenland. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe hier schon eine Frage gepostet, aber Ihre Vorträge sind reichhaltig genug, dass sich mehrere Anschlussfragen ergeben. Ihre Diagnose der "Eurokrise" ist m.E. letztendlich das Missverhältnis zwischen der Wettbewerbsfähigkeit und den Preisniveaus in den Südländern. Die "Lösung" ist Abwertung. Ich habe nun zwei stark miteinander verwandte Fragen: 1.) Wenn man nun die gegenwärtige Krise abwendet, und sozusagen alles so ist wie vor 2008, was für einen Anreiz haben dann die nächsten Beitrittskandidaten für den Beitritt, z.B. Kroatien oder Serbien. 2.) Abstrakter zielt die Frage darauf, dass in Zukunft die Blasenbildung und Überhitzung wie in Spanien und Griechenland in diesen Ländern im vornherein vermieden werden muss. Was bringt dann aber ein neuer Beitritt, wenn "Nord-Länder", USA und Asien weniger in die Infrastruktur dieser Länder investieren? Noch allgemeiner gesprochen dachte ich, dass doch genau dieser Kapitalfluss in die europäische Peripherie ausgehend von Zentrum der Sinn des Euros war. Läuft denn ihr Vorschlag nicht darauf hinaus, dass mehr oder weniger freie Wechselkurse, die sich entsprechend an die Wettbewerbsverhältnisse anpassen können, stabiler sein müssten? beste Grüße
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für Ihre Mail. Der Beitritt zu einer Währungsunion hat immer Vor- und Nachteile, die man abwägen muss. Der Nachteil ist der Verlust der Möglichkeit des Realignment durch Auf- und Abwertung. Der Vorteil ist der Schutz gegen ungerechtfertigte Wechselkursschwankungen. Diesen Vorteil würde ich noch hoch genug einschätzen, um den Euro im Wesentlichen zu erhalten. Aber es können wohl nicht mehr alle Länder im Euro gehalten bleiben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Angeregt durch Nachhören von Prof. Sinn's Univortrag 05.12.2011 überlasse ich Ihnen im Anhang eine kurze Historie der Banken-Geschäftstrennung in USA (& ihrer Aushebelung!), die ich vor einiger Zeit in Anbetracht der EU Bankenkrise und unseligen Rettungsschirmen für Freunde hier zusammenstellte. Die UBS Bank spielte vor einigen Monaten mit dem Gedanken: wird Axel Weber ihn evtl. aufgreifen? Auch wenn Prof. Sinn den Anschlagversuch auf Herrn Ackermann zu Recht verurteilte, glaube ich, daß Ackermann seinen leidigen Einfluß bei der Regierung zum Vorteil seiner DB aber Nachteil des Bankensystems, somit der Realwirtschaft und der EURO-Finanzen geltend macht - Eine Geschäftstrennung würde zwar Probleme für die Eigenkapital-Rendite (und Aktienkurs) machen, aber auch die gewünschte Beteiligung der Groß-Investoren an den Risiken, direkt und ohne politisches Gerangel verwirklichen. Aber Hauptanlaß, Ihnen zu schreiben, sind zwei Fragen, auf die ich nach dem Vortrag, leider vergebens, gewartet hatte: "Auf Anregung Merkel/Sarkozy diskutiert das EU Kommissariat Finanz-Überwachungs-Strukturen, die Fehlentwicklungen erkennen, vorbeugen & mit (m.E. fragwürdigen) Maßnahmen verhindern sollen; Prof. Sinn zeigte in Grafiken die seit ca. 2008/9 steil ansteigenden Kurven des Geld-Transfer aus den schwachen Ländern, - zu welchem Zeitpunkt - bzw. welchem Ausmaß des Anstiegs - hatte er selbst öffentlich, bzw zu 'Wirtschafts-Weisen' Beiträgen etc. bereits Warnungen zu dieser Entwicklung ausgesprochen? "Er deutete die Möglichkeit an, daß mit Euro-Bonds die Kurven zu einer vorübergehenden, irrtümlichen Normalität zurückfinden könnten: - Was wären seine Kriterien für unumgängliche 'Eingriffe' der EU, um seinen prognostizierten Wiederanstieg in hypergefährliche Höhen noch zeitgerecht zu verhindern? Ich wäre dankbar für Hinweise, wo ich seine Antworten hierzu vielleicht bereits finden könnte, und verbleibe mit guten Wünschen für die kommenden Jahre und freundlichen Grüßen, Christopher Landmann In Anbetracht der irren Geldschwemme von der EZB: versäumte Banken-Trennung - hier, die lehrreiche US Historie so kurz gefaßt wie möglich: "Nicht nur ist die Wiederauflage des Soffin ohne Verpflichtung der Banken, ihre Rücklagen zu stärken, halbherzig. Selbst mit Zwang wäre der Steuerzahler wieder der "Paymaster (nicht 'Lender') of last resort". Das Banken-Lobby hat diese Regierung, und damit uns, fest im Griff. Madame Lagarde identifizierte die Parallelen dieser Dauerkrise zurecht mit den 1930er Jahren - sogar zyklisch passend zurück zu den Krisen des neunzehnten Jahrhunderts. Was sie leider vermied, war, an die Medizin zu erinnern, die Franklin D. Roosevelt den Banken zu schlucken gab - die Frau Merkel vor 2 Jahren auch hier in Aussicht stellte, aber wohl über Dinner mit Herrn Ackermann und seinen Beratern schnell wieder vergaß, nachdem das sicher auch nicht in's französische Konzept paßte: Die faktische und juristische Trennung von kommerziellen und Vermögens-Verwaltungsgeschäften der Banken. "Nur die kommerziellen Funktionen der Banken sind wirklich 'systemrelevant' und verdienen die Absicherung durch Steuergelder. Nicht zu vergessen, daß die unsägliche EU-Liberalisierungspolitik auch unsere Landesbanken genau in die falsche Richtung zu Universalbanken trieb, für die Erfahrung und Management fehlen mußten, die aber auch die Privatbanken nicht vor gravierenden Fehlentscheidungen bewahrt haben. In der Erkenntnis des Problems, die Frau Merkel hätte als Vorbild dienen sollen, betrieb Roosevelt die Bankentrennung bald nach seiner Amtsübernahme mit den 'Demokraten', und unterzeichnete am 16.Juni 1933 den entsprechenden 'Glass-Steagall Act'; Banken blieben zur Umsetzung 10 Tage geschlossen, die Einhaltung der Bestimmungen wurde bis in die Siebzigerjahre streng überwacht; als Konsequenz wuchsen auch die unabhängigen 'Broker' rapide. "Mit dem weltweiten Wirtschaftsaufschwung und Stärkung der - neo-liberalen - Republkaner im Congress wurden die Gesetze zunehmend durch Holding- oder Tochter-Konstruktionen ausgehölt, sodaß sich Großbanken praktisch doch wieder organisieren konnten. "Nachdem schon die Ein-Dollar-Scheine mit Umtausch-Garantie in Silber Dollar eingezogen worden waren, wurde das für die 'Zukunft unseres Geldes' entscheidende Datum der 15. August 1971 an dem der Republikanische Präsident Richard Nixon die feste Bindung des US Dollar an Gold per Dekret aufhop: Die FED durfte sich von nun an ihrer zweiten Funktion, der Unterstützung der Volkswirtschaft widmen, ohne die Fesseln der ersten (und der Bundesbank und EZB offiziell einzige!) Aufgabe, bestmöglich für Geldwertstabilität zu sorgen. Entsprechend blieb die Inflation in den USA in den folgenden Jahren fast nie mehr unter 2%p.a. (de Facto wurden am selben Tag die Schleusen zu den Milliarden 'euro-Rettungsschirmen' der heutigen 'Finanzpolitik' geöffnet....) Damit konnte dann auch die Rettung aus der Krise der 'Savings-and-Loan'- (Sparkassen) 1987 und deren Refinanzierung leichter durch billiges Geld von der FED - ohne Decckelung der Kreditzinsen - mit Wuchermargen auf dem Rücken der Sparer und Konsumenten ausgetragen werden - (obwohl die Krise eigentlich durch ein Immobiliensteuer-Gesetz (Gebhard & Bradley TaxReformAct TRA 22.11.1986) ausgelöst worden war, das zur Flucht von Kapital aus kommerziell verwalteten Immobilien führte). - Den gleichen Fehler, (neo-liberal) die Kreditzinsen nicht zu regulieren, wiederholte die FED unter Greenspan ca.20 Jahre später, und löste damit die US Immobilien- & Hypotheken-Krise aus! "Unter dem schwachen Präsidenten Bill Clinton konnten die Republikaner das Ende der Banken-Geschäftstrennung offiziell mit dem Gramm-Leach-Bliley Act am 12.11.1999 zelebrieren - ohne irgendwelche Sicherungs- oder Rücklagen- Forderungen für die Banken seitens der 'Demokraten' im Congress. Das Ergebnis zurückgedrängter Aufsicht und kapitalistischer laissez-faire Praxis war 2008/9 zu beobachten. "Aber wir brauchen keine Multimilliarden Sicherungs-Schirme für Institute zur Finanzierung von Industrie und Handel, woher am Ende auch unsere Einkommenssteuer-Einnahmen und Vermögen kommen, mit denen wir dikrekt oder durch Inflation für die Risiken in den Universal-Banken haften sollen. Bevor sie uns alle zu Bürgen für Schulden macht, die wir nicht, bzw. nur durch mißratene Politik, zu verantworten haben, sollte jemand Frau Merkel nochmal an ihre Aussagen von 2009 zurBankenreform erinnern und sie selbst bei Roosevelt, bzw.William Woodin (Secy. of the Treasury) nachlesen.
Sehr geehrter Herr Landmann, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Zu Ihrer ersten Frage: Seit Bekanntwerden, dass die Target-Salden im Euroraum nicht mehr ausgeglichen werden, berichtet das ifo Institut über diesen Umstand. Auf der ifo Homepage finden Sie ein Spezialthema zu den Target-Salden mit allen wichtigen Hintergrundinformationen:http://www.cesifo-group.de/link/Target. Darüber hinaus finden Sie auf der Homepage auch eine Seite zum Thema Euro-Krise: http://www.cesifo-group.de/link/Euro-Krise. Zu Ihrer zweiten Frage: Wichtig ist es, ein Verfahren zu etablieren, das für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, kurze Frage: Was passiert, wenn der Euro auseinanderbricht mit den Kundeneinlagen von deutschen Sparern von ausländischen Banken, die in Deutschland aktiv sind, z.B. Santander Bank, Garantiebank usw. siehe auch http://www.modern-banking.de Z.B. griechische Banken in Griechenland stellen auf Drachmen um. Was passiert z.B. mit der Santander Bank in Deutschland, wenn Spanien austritt usw. bzw. z.B. die Garantie-Bank (oder die Santander-Bank) hat eine Filiale in Deutschland bei der man in Euro einzahlt. Der Kern der Frage: Eine ausländische Bank aus dem Euro-Raum hat eine Filiale in Deutschland. Dort zahlt man Euro ein. Bekommt man auf jeden Fall Euro zurück, Wenn das Herkunftland auf eine andere Währung umstellt? Vielen Dank Mike Suttner
Sehr geehrter Herr Suttner, die Einlagen sind prinzipiell durch die deutschen Sicherungssysteme geschützt, aber was alles bei einem Zusammenbruch des Euro passiert, weiß nur der liebe Gott. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Ihr Vortrag vom 19. Dezember 2011 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zuerst möchte ich Ihnen für Ihren ausgezeichneten Vortrag zum Thema „Ist der Euro noch zu retten?“ und die Darstellung der Konsequenzen der Überschuldung einiger Euro-Staaten danken. Wer über die Krise, die die überschuldeten Euro-Staaten ausgelöst haben, reden will, muss sich mit dem Inhalt Ihres Vortrages auseinandersetzen. Deshalb reicht es m.E. nicht aus, nur ein Video über diesen Vortrag zu veröffentlichen, zumal das Ansehen dieses Videos gut 2 Stunden erfordert. Diese Zeit haben diejenigen, die über das weitere Vorgehen bei der Lösung dieser Krise zu entscheiden haben, wie z.B. Mitglieder der Bundesregierung und des Bundestages, in der Regel nicht. Es wäre gut, wenn man den Text Ihres Vortrages in schriftlicher Form übermitteln und sie auf die wichtigen Passagen, wie z.B. über das Target-System und seine Auswirkungen, hinweisen könnte. Deshalb möchte ich anregen, ob Sie den Text Ihres Vortrages nicht auch in schriftlicher Form im Internet veröffentlichen könnten. Das würde es erleichtern, Entscheidungsträger gezielt auf wichtige Passagen anzusprechen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für eine solche Hilfe. Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein erfolgreiches Neues Jahr verbleibe ich Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Ich würde Ihnen empfehlen die Bogenberger Erklärung der Freundesgesellschaft des ifo Instituts und des Vorstands des ifo Instituts zu lesen. Diese Erklärung enthält 16 Thesen zur Situation der Europäischen Währungsunion und stellt somit eine gute Zusammenfassung meines Vortrags vom 19. Dezember dar. Die Bogenberger Erklärung finden Sie auf der Homepage des ifo Instituts:http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifosd_2011_23_1_EN.pdf. Außerdem möchte ich auf meinen Beitrag aus dem ifo Schnelldient vom 24. Juni 2011 zu den Target-Salden hinweisen: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. Wir brauchen mehr pragmatisches Handeln. Das Kaputtsparen der Schuldenstaaten ist der falsche Weg. Das sagten auch Sie in Ihren Fernsehinterviews. Sie sagten zwar dass es dessen bedarf, aber Sie sagten nicht wie solches erreicht werden könnte. Deshalb empfehle ich Ihnen das Nachfolgende zu überdenken. Wichtiger ist es Investoren anzulocken, damit in Schulden-Ländern ein Aufschwung ihrer Wirtschaft möglich wird. Wie kann das erfolgen? Diese Staaten müssen große Bereiche ihres Staatsgebiets in exterritoriale Gebiete umwandeln, und diese dann verkaufen, was ja auch die EU verlangt, nämlich Privatisierung von Staatseigentum, damit schnell viele Staatseinnahmen entstehen. Das entlastet die Staatskassen. Diese Gebiete müssen Investoren angeboten werden. Den Investoren muss gesagt werden, dass sie in diesen Gebieten sich in einer Sonderwirtschaftszone befinden, in der Steuergesetze sich in der Größenordnung z. B. der Schweiz bewegen. Sofort wird ein Run auf diese Gebiete einsetzen, was aber dann Arbeitsplätze für die Menschen der Region schafft, die dann Steuern und Sozialabgaben an den Staat zu zahlen haben, der diese Sonderwirtschaftszone erlaubt hat. Sobald dann diese Investoren in diesen Regionen produzieren und Umsätze haben, müssen sie Steuern wie z. B. in der Schweiz an den Staat, der diese Sonderwirt- schaftszonen schaffte, abführen. Das ist die einzige Möglichkeit auch griechische Milliardäre aus der Schweiz nach Griechenland zu locken. Sie müssen dann nur etwas produzieren, was weltweit nachgefragt wird, alternative Energie was enorme Gewinne erlaubt. Das sind neue Geschäftsfelder wie sie auch zu Zeiten der Computereinführung entstanden. Was China in Hongkong und Macao geschafft hat, sollte auch in Europa möglich sein. Es bleibt dem Staat, der diese Gebiete schuf unbenommen, selbige später wieder zurückzukaufen, wenn dann über ausreichendes Geld verfügt.. Ihre Meinung dazu interessiert mich sehr. M.f.G. K.-H. Lüdecke
Sehr geehrter Herr Lüdecke, vielen Dank für Ihren Beitrag! Ihre Idee der Schaffung von Sonderwirtschaftszonen finde ich interessant. Sie müssen aber bedenken, dass bislang Sonderwirtschaftszonen mit dem EU-Recht nicht vereinbar sind. D.h. eine schnelle Umsetzung wäre erst mal nicht möglich. Des Weiteren müssen die Länder der Peripherie trotzdem wichtige Reformen durchführen, um wieder wettbewerbsfähig werden zu können. Das bleibt nicht aus. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse habe ich die Bogenberger Erklärung in der FAZ gelesen. Ich überlasse Ihnen hierzu in der Anlage meine Ansicht. Mit freundlichen Grüßen Hermann Mezger Quo vadis EU? Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Der Anblick der Europäischen Union, aber auch der Bundesrepublik, jagt einem Angst und Schrecken ein. Kommunen nagen am Hungertuch oder sind regelrecht pleite, Kultur-, und Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, Straßen nicht mehr gebaut und instandgesetzt, in den Schulen fallen wöchentlich eine Million Unterrichtsstunden aus, die Hörsäle sind hoffnungslos überfüllt und personell unterbesetzt, die Straßen-, Schienen-, und Stromnetze hinken dem Bedarf weit hinterher, in der Kinder-, und Altenbetreuung fehlt vorne und hinten Personal. Das Einzige was wächst und gedeiht ist unsere Bürokratie. Hier bringen es die Regierungen in Mainz und Stuttgart sogar fertig, zusätzliche Ministerien zu installieren. Beamtenpensionen für Spitzenleute werden erhöht, die Versorgungsausgaben des Staates steigen dramatisch an und bilden eine weitere schwere Hypothek für die nachfolgenden Generationen. Trotz sprudelnder Steuer-einnahmen und Schuldenbremse werden weiter Milliarden Schulden gemacht. Wo man hinschaut Schuldenberge und weit und breit kein Wegweiser, der aus der Krise führt. Kein einziger Politiker hat ein Rezept, und auch die klügsten Köpfe haben sich damit abgefunden, dass alles am Steuerzahler hängen bleibt. Aus heutiger Sicht ist Europa auf Jahrzehnte hinaus ein Pflegefall. Die Oppositionsparteien wetteifern um Steuererhöhungen ohne damit auch nur einen Cent des Schuldenberges abtragen zu wollen. Sie sollten eigentlich wissen, dass Steuererhöhungen und Rentenkürzungen Kaufkraft kosten, die Konjunktur abwürgen und somit kontraproduktiv sind. Der Hebel muss bei den Regierungs-, und Verwaltungskosten angesetzt werden. Die Bundesrepublik beansprucht fast die Hälfte des Sozialproduktes (2,49 Billionen ) für sich, 30 Prozent wären laut IWF angemessen. In Zahlen ausgedrückt sind das 400 Milliarden Euro. In den anderen Euro-Ländern sieht es nicht besser aus. In Italien haben 60 000 Einwohner einen Abgeordneten, bei uns 130 000, in den USA 580 000. Wir haben nicht nur viel zu viele Abgeordnete sondern auch zu viele Vizepräsidenten, Staatssekretäre, Bundesländer und Verwaltungsebenen. Wenn wir nicht bald etwas dagegen tun, ersticken wir daran. Was wir brauchen ist ein drastisches Sparprogramm. Nur eisernes Sparen durch die Reduzierung der Staatsquote führt aus der Krise heraus, nur dadurch können die Haushalte nachhaltig saniert und Schulden abgebaut werden. Alles andere ist Pipifax. Allein die Ankündigung eines solchen Programms würde die Märkte nachhaltig beruhigen. Natürlich geht ein solcher Umbruch nicht von heute auf morgen. In einer Zeitspanne von 5 Jahren muss es aber möglich sein, folgende Punkte europaweit umzusetzen: 1. Eine neue Europäische Verfassung 2. Einführung einer Schuldenbremse 3. Einführung des Kirchhoff´schen Steuermodells 4. Begrenzung der Staatsquote auf 30 Prozent Und für die Bundesrepublik zusätzlich: 5. Neuregelung der Beamtenversorgungssysteme 6. Ein einheitliches Schulmodell 7. Keine Studiengebühren Der Staat darf nicht Selbstzweck sein. Er hat dafür zu sorgen, dass die Jugend eine Perspektive hat und die Bevölkerung keine Existenzangst zu haben braucht. Die Gesundung des Euros kostet Zeit und ist anstrengend. Aber das Ziel eines prosperierenden Europas muss jede Mühe wert sein. Hermann Mezger
Sehr geehrter Herr Mezger, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der Informationen. Ich habe mir Ihre Ansichten zur Bogenberger Erklärung mit großem Interesse durchgelesen und kann Ihnen nur zustimmen. Ich freue mich sehr über das Engagement Ihrerseits. Machen Sie weiter so. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin erst kürzlich auf die Mediathek des CES gestossen, nachdem ich verschiedene Beiträge zur "Euro-Krise" von Ihnen gesehen bzw. gehört habe. Zuerst einmal möchte ich für die klare Darstellung der Situation danken, die ich so bisher nirgendwo gesehen hatte. Zweitens möchte ich das Medienportal des CESInfo und drittens die Einrichtung dieses Diskussionsforums loben. Meckern kann man aber immer, daher möchte ich anregen, die Beiträge auch als Podcasts zu veröffentlichen. Der eigentliche Grund, warum ich hier schreibe, ist natürlich eine Anmerkung bzw. Frage zu den Vorträgen, die Sie scheinbar seit Mitte vergangenen Jahres immer wieder halten. Sie erklären schlüssig, was jetzt das Problem der Schuldenkrise ist, und erklären nachvollziehbar, was es für sinnvolle "Lösungs"-Varianten gibt. Die GIPS-Staaten sind nicht wettbewerbsfähig (das ist eigentlich ein komplexeres Argument), und die Lösung ist "interne" oder "externe" Abwertung. Für Griechenland ist das nun scheinbar mittlerweile die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Aber es wird weder für Griechenland noch für Deutschland besser, wenn man weitere Zahlungen nicht stoppt (stark verkürzt). Meine eigenliche Frage ist nun: (1) Hätte man das nicht vorher wissen können? (2) Und wird man es beim nächsten Mal vorher wissen und besser machen? Sie skizzieren ja an verschiedenen Stellen, dass davon auszugehen ist, dass sich das Problem grundsätzlich wieder anhäufen kann. Die vorgeschlagene "Lösung" der internen oder externen Realabwertung ist nur die "Lösung" des bestehenden Problems. (2a) Was ist in 10 Jahren, wenn man wieder an derselben Stelle steht? Verbunden mit der ersten Frage: (1a) Wie steht es um die VWL, dass es zu dieser Krise kommen konnte? (1b) Warum besteht immer noch so eine große Uneinigkeiten selbst unter den anderen Wirtschaftsweisen? Ich beziehe mich hier auf die Diskussion "Rettungsschirme, Notpakete, Finanzspritzen? Welche Zukunft hat der Euro?" vom 25. November 2011 von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, bei der Sie, Herr Bofinger und Herr Wiegard zu diskutiert haben. Warum ist sogar so eine Runde sich derart uneinig. Zu guter letzt ist mir insbesondere bei Ihren Kommentaren in der Sendung "Hart aber Fair" vom 18.05.2011 aufgefallen, dass Sie anmahnen, dass das Ausmaß der deutschen Verbindlichkeiten in den Südländern nicht bekannt ist. (3) Warum sind Informationen über die wirtsch. Verhältnisse über z.B. Griechenland so schlecht verfügbar, dass z.B. auch in der Sendung "Unter den Linden" vom 16.01.2012 nur Sie und Herr Verheugen die Zahlen haben, aber nicht die Journalisten (ganz unpolemisch gemeint)? Beste Grüße
Sehr geehrter Herr P., zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen für Ihr Lob bedanken. Ich freue mich auch über Ihr Interesse an unseren Videos. Allerdings sind Podcasts oder ein Download der Videos nicht vorgesehen. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem ist, dass Griechenland durch Mogelei sich den Zutritt zur Eurozone verschafft hat. Als Finanzierungsdefizit des Staates im relevanten Jahr 1999 wurden zunächst 1,6% gemeldet, nach dem Beitritt erhöhte sich der Wert auf 3,3%. Derzeit weist Eurostat keine Defizitzahl für 1999 mehr aus. Für 2009 wurde zum Jahreswechsel 2008/2009 im Stabilitätsprogramm der griechischen Regierung ein Finanzierungsdefizit von lediglich 3,7% des BIP prognostiziert, im Herbst schätzte es die EU-Kommission dann aber auf 12,7% des BIP. In einem Bericht der Europäischen Kommission ist folgendes dazu zu lesen: „Aufgrund der dargelegten Art und Größenordnung der Datenkorrekturen, der mangelnden Zuverlässigkeit und der unzureichenden Belege für die gemeldeten Defizitzahlen sieht sich Eurostat derzeit nicht in der Lage, Zahlen von vertretbarer statistischer Qualität zu validieren“ (vgl. Europäische Kommission (2010), Bericht zu den Statistiken Griechenlands über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, Brüssel, S. 30). Von daher war damals (1999) zuerst nicht davon auszugehen, dass seitens Griechenlands Probleme auftreten könnten. Ob wir in Zukunft wieder mit einer derartigen Krise konfrontiert werden, hängt davon ab, wie wir mit der jetzigen Krise umgehen. Die unterschiedlichen Meinungen zum Umgang mit der jetzigen Krise resultieren daher, dass verschiedene Risikoeinschätzungen vorliegen. Unser Bankensystem ist aufgrund der zu geringen Eigenkapitalausstattung sehr marode. Das würde bedeuten, dass wenn die Staaten der Peripherie sich nicht mehr refinanzieren können, es zu einem Schuldenschnitt kommen wird. Die Banken würden die Abschreibungen, die sie deswegen vornehmen müssten, aufgrund des zu geringen Eigenkapitals nicht verkraften. Es würde demnach zu einer Kernschmelze im Finanzsystem kommen. Herr Bofinger ist deshalb beispielsweise, anders als ich, der Meinung, dass man Eurobonds einführen müsste. Da das jedoch etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, plädiert er gleichzeitig dafür, dass die EZB massiv Staatsanleihen aufkauft. Ich dagegen bin der Meinung, dass wir uns nicht erpressen lassen sollten. Zu guter Letzt: Die nötigen Daten über wirtschaftliche Verhältnisse sind bei ausgiebiger Recherche für jeden zugänglich. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
EZB-3-Jahres-Tender über rund € 500 Milliarden Target 2/svH/24.12.2011 Sehr geehrter Prof. Sinn, die Presse und die Bundesregierung freuen sich über den 3-Jahres Tender der Europäischen Zentralbank (EZB). Ich kann diese Freude nicht teilen. Hier meine Gründe: Mit dem EZB-3-Jahres-Tender über € 500 (!) Milliarden (ein Billigkredit zu 1 % an europäische Banken) nimmt die Höhe der Target2-Forderungen (T2) der Bundesbank (BuBa) gegen die EZB dramatisch zu. Ein großer Teil der fast € 500 Milliarden zusätzlicher EZB-Kredite ist sicher von den Banken in Südeuropa aufgenommen worden (Geldschöpfung) um die auslaufenden Forderungen ihrer eigenen Darlehnsgeber (Banken) in Nordeuropa zu bezahlen. Dies entspricht Ihrem Fall des kreditfinanzierten Kaufs eines deutschen LKW durch einen griechischen Unternehmer. Die mit (neuem) EZB-Kredit finanzierte Rückzahlung des auslaufenden (alten) Kredits (Tilgung) entspricht der kreditfinanzierten Bezahlung des LKW durch den griechischen Unternehmer. Jetzt tritt wieder die Situation ein, dass die deutsche Bank des LKW-Verkäufers das (via T2) überwiesene Geld bei der BuBa belässt und damit (verkürzt gesagt: im Verrechnungswege) die Summe der Ausleihungen der BuBa an deutsche Banken weiter fällt oder gar negativ wird (Forderungsaufbau deutscher Banken gegen die BuBa). Wird dieser Saldo negativ (wird also die BuBa, insgesamt betrachtet, Schuldner des deutschen Bankensystems und verliert so ihren bisherigen Status als dessen Kreditgeber), dann kann das per Kreditrückzahlungen ins deutsche Inland flutende Geld nicht mehr mit offenen Darlehnsforderungen der BuBa gegen deutsche Banken verrechnet/kompensiert werden. Dies bedeutet, das zunehmend hereinströmende Geld wird nicht mehr (oder nur noch teilweise) „durch Einzug/Verrechnung eliminiert“ (Geldvernichtung), sondern erhöht tatsächlich die im Eurosystem umlaufende Geldmenge. In der BuBa-Bilanz Dezember 2011/Januar 2012 wird dies zu einem (weiteren) hochgefährlichen Anstieg der (überwiegend ungesicherten) Target2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB führen. Im ersten Quartal 2012 muss die italienische Regierung (über die Banca d´Italia) einen großen Teil ihrer Staatsschulden zurückzahlen/refinanzieren und wird dafür neue italienische Staats-anleihen begeben. Es ist davon auszugehen, dass die lokalen italienischen Banken davon „überzeugt“ werden, diese neuen italienischen Staatspapiere mit Mitteln aus dem aktuellen EZB-500-Tender aufzukaufen, um diese dann wiederum als Sicherheiten für den Ankauf von Tranchen aus dem nächsten EZB-500-Tender einzusetzen (für Februar 2012 ist ein weiterer 3-Jahres-Tender der EZB über nochmals € 500 Milliarden angekündigt). Damit entsteht unweigerlich ein auf Scheinsicherheiten aufgebautes Kredit-Schneeballsystem (ähnlich der US-Verbriefungsproblematik, die zur Krise 2007 geführt hat), das u.a. einen weiteren (wohl letzten) dramatischen Anstieg der T2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB auslösen wird. Nach dieser Runde dürfte dann das Spiel aus sein, auch wenn sich der Kessel noch eine Weile dreht. Habe ich Recht oder träume ich nur schlecht? Mit freundlichen Grüßen Siegfried von Hohenhau
Sehr geehrter Herr von Hohenhau, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann Ihren Befürchtungen nur zustimmen. Sie prangern zurecht den 3-Jahres Tender der EZB an. Letztendlich sind es die Staaten selbst, die Ihre Haushalte sowie ihre maroden Banken in Ordnung bringen müssen. Die Zentralbank kann kurzfristig helfen. Ihre Maßnahmen dauern aber schon zu lange an und es besteht der Druck die Maßnahmen noch auszuweiten. Die Politik ist aber gefordert, bewusst Maßnahmen zu ergreifen oder eben möglicherweise bewusst die Hilfsmaßnahmen nicht mehr auszuweiten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Vortrag v. Professor Hans Werner Sinn am 19.12.2011, LMU München, "Ist der Euro noch zu retten?" Sehr geehrte Damen und Herren, auf YouToube sah ich oben genannten Vortrag von Professor Hans Werner Sinn. Eines habe ich nicht verstanden, und das würde ich Herrn Professor Sinn gerne fragen: Wenn die Eurobonds kommen, konvergieren die Zinsen in Europa. Aber wie soll das denn nach 10 Jahren wieder auseinander laufen können? Da müssten doch die Eurobonds wieder abgeschafft werden? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüssen Thomas Schorn
Sehr geehrter Herr Schorn, Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Interpretation. Die Eurobonds werden nicht überleben, weil sie missbraucht werden. Ein System, bei dem sich die Zinsen nicht nach der Bonität der Länder ausspreizen, wird überdehnt werden, bis alle Fäden reißen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
2 Fragen zu Vortrag "Ist der Euro noch zu retten?" LMU am 19.12.2011 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, großes Lob für den tollen, spannenden und interessanten Vortrag am gestrigen Montag in der LMU. Für die Beantwortung der beiden nachfolgenden Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden: 1.) Bei der Verfolgung der von Ihnen prognostizierten, aber nicht empfohlenen, Politikoption Nr. 1 ("Euro-Bonds") würden die Zinssätze wieder konvergieren. Da aber diesmal -im Unterschied zu den Zinskonvergenzen bei Einführung des Euro- die Zinskonvergenz per definitionem (vertragliche gesamtschuldnerische Haftung) bedingt wäre, verstehe ich nicht, wie Sie zu der weiteren Prognose gelangen, dass in ca. 10 Jahren die Zinssätze wieder (wie aktuell) auseinanderlaufen? Dies ist dann doch im Gegensatz zu heute gar nicht mehr möglich, da es ja eben gar keine unterschiedlichen Schuldner/Emittenten mehr gibt? Ist die angedeutete Folge nicht vielmehr, dass sich das Crashpotenzial in einem Szenario der Schuldengemeinschaft -unter der Annahme nicht gelöster unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzsalden- einfach erhöht und uns somit -nur zeitlich verschoben- ein (viel größerer) Kollaps bevorsteht? In der Analogie zu der Privatperson, die für den angeschlagenen Nachbarn eine uneingeschränkte Gesamtbürgschaft übernimmt, womit letztendlich nicht nur eine, sondern zwei Existenzen vernichtet werden? 2.) Frage zu Schutz des Vermögens: Wenn man überzeugt ist, dass Ihre detaillierte und fundierte Prognose die Zukunft (es kommen höchstwahrscheinlich Eurobonds, die das ursächliche Problem aber nicht lösen werden, da insbesondere die Schuldenbegrenzung nicht eingehalten wird) am ehesten trifft und sich dem anschließt...muss sich dies dann nicht konsequenterweise in einer entsprechenden Meinung zur optimalen Vermögensallokation widerspiegeln, die von einer "einfachen", möglichst breiten Diversifikation (z.B. 10% Gold, 30% Aktien, 30% Immobilien, 30% Anleihen) abweicht? Wie sähe Ihre beste Allokationsantwort aus, wenn Sie realistisch bis pessimistisch denken, keinerlei laufende Erträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus dem Vermögen benötigen, keine kurzfristige Volatilitätsaversion besäßen, keine Verbindlichkeiten oder sonstige Liquitätserfordernisse besäßen, sondern lediglich das erarbeitete Vermögen auf Sicht der nächsten 10-20 Jahre bestmöglich vor den vermögensvernichtenden "tail-risks" der Zukunft schützen wollen, dabei lediglich einen realen Vermögenserhalt anstreben. (Mir ist bewusst, dass Sie keine Anlageempfehlung abgeben dürfen und können, da diese immer von den individuellen Anlagezielen des Investors abhängt. Ich hoffe trotzdem, dass Sie mir vor dem Hintergrund der geschilderten Informationen etwas konkretes an die Hand geben können. Ansonsten sind die ganzen Überlegungen praktisch wenig hilfreich). Vielen herzlichen Dank vorab. Beste Grüße
Sehr geehrter Herr E., zuerst einmal freue ich mich zu hören, dass Ihnen der Vortrag gefallen hat. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem der Eurobonds ist, dass die nationale Verantwortung für eine solide Haushaltsführung und Verschuldungspolitik weiter geschwächt werden würde. In der Folge würde mit der Einführung von Eurobonds den Ländern der Peripherie ihre unsolide Haushalts- und Verschuldungspolitik vereinfacht, indem ihnen die Zinskosten für exzessive Politiken subventioniert würden und die Bürde der Rückzahlung übermäßiger Schulden durch Haftung der solideren Länder abgenommen werden würde. Die übermäßige Verschuldung wird entweder zu einem Auseinanderbrechen des Euro und von neuem zu entsprechenden Zinsspreizungen oder zu einer Transferunion führen. Die Graphik, die ja bloß spekulativ gemeint war, bezieht sich auf das erste Szenarium. Zu Ihrer zweiten Frage: Wie Sie selber feststellen, ist es nicht meine Aufgabe mich zu Anlage- und Vermögensfragen zu äußern. Aber ich denke, man tut gut, reale Dinge wie Aktien oder Immobilien zu kaufen. Am besten das, was man in zwanzig Jahren selbst benötigt. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Bei etlichen Stellen (MdB H. Bosbach; FOCUS, und Stern) habe ich bisher vergeblich versucht Antworten zu meinen Fragen zu bekommen. Kann ich bitte bei Ihnen hoffen? In bisher allen mir zugänglichen Informationen (Tagespresse, Magazinen und Talkshows usw.) vermisse ich folgende Hinweise: 1. GB hat seinerzeit als "Gegenorganisation" die EFTA gegründet und ist gescheitert. Danach baten sie um Aufnahme in die EU forderten aber unter Frau Thatcher Sonderkonditionen im Milliardenbereich und bekommen die auch noch Heute. Dem Euro sind sie nicht beigetreten und freuen sich nun wie andere Staaten sich abmühen diesen und damit die EU zu erhalten. Wo bitte bleibt deren Solidarität und die der USA die ja an diesem Desaster herrlich verdienen ?? Geht´s hier nicht auch um die "Weltwährung" Dollar?? 2. Wenn Deutschland von anderen Sparen verlangt, warum nicht selbst tun? 3. Die enorme Schuldenlast der BRD rührt doch letztendlich von der Wiedervereinigung her!? 4. Wie kommt Griechenland zu hohen Schulden die sicher ein Vielfaches des jährlichen Budgets ausmachen. 5. Rot/ Grün hat´s eingebrockt (Aufnahme der Griechen und Einführung der Hedgefonds) auslöffeln müssen´s die Schwarzen!! Im Interesse Deutschlands müssen Alle zusammenarbeiten!! Bei einer der letzten Talkshowen hat hierzu allerdings Herr Gysi kurz hingewiesen, jedoch ohne Echo. Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich werde versuchen so gut es geht, auf Ihre Fragen einzugehen. Zu Frage 1: Ich bin der Meinung, dass es sich innerhalb der Eurozone um eine systemische Krise handelt. Es gibt einige Konstruktionsfehler des Euro. Diese Probleme müssen wir selber abstellen oder der Euro wird nicht dauerhaft bestehen. Daher ist auch mit den bisherigen Rettungsschirmen die Eurokrise nicht gelöst. Zu Frage 2: Deutschland hat natürlich auch einen zu hohen Schuldenstand. Wir reißen damit auch die Regeln des ursprünglichen Stabilitäts- und Wachstumspakts. Das zeigt aber auch, dass wir uns auch schnell mit der Rettung des Euros überheben können. Zu Frage 3: Die Wiedervereinigung spielt sicherlich auch eine Rolle. Wenn Sie sich allerdings den Verlauf der Schuldenquote anschauen, sehen Sie, dass seit der Ära Willi Brandt, die Schuldenquote kontinuierlich angestiegen ist. Zu Frage 4: Die Staatsverschuldung Griechenlands lag Ende 2010 bei 329.351 Mio. Euro. Gemessen am BIP sind dies 144,9%. Die Ursachen für die griechische Schuldenkrise sind vielfältig. Der Staatsapparat wurde aufgebläht und um das Ausmaß der Schuldenproblematik zu verschleiern, wurden die Statistiken zurecht gebogen. Zu Frage 5: Ich weiß zwar nicht genau, auf welche Äußerung seitens Herrn Gysi Sie anspielen, aber die ganze Schuld der Rot-Grünen Regierung zu geben, ist nicht korrekt. Erinnern Sie sich nur an die wichtigen Hartz-IV Reformen unter Schröder. Diese Reformen waren richtig und notwendig. Die Regeln zum Euro wurden unter Helmut Kohl verhandelt. Hier wurden bereits die heutigen Probleme angelegt. Daher möchte ich gar nicht Partei ergreifen. Es sind von allen Fehler gemacht worden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
1. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verfolgte Ihre Vorträge "Eurokrise und Konjunktur" und "Ist der Euro noch zu retten?". In beiden Vorträgen gingen Sie auf den dramatischen Anstieg der Target-Kredite ein. Leider steht der erste Vortrag "Eurokrise und Konjunktur" in der Mediathek Ihres Instituts nicht mehr zur Verfügung. Unter www.querschuesse.de wird über dieses Problem seit einigen Monaten berichtet. Am 4.01.2012 erschien der Artikel "Spaniens Target2 Saldo explodiert auf -137,178 Mrd. Euro". Ältere Artikel finden Sie dort unter der Registerkarte "Target2". Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter 2. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich sah mir gerade noch einmal das Video "ifo Konjunkturprognose 2011/2012: Schuldenkrise bremst deutsche Wirtschaft aus" an. Ich schätze Ihre Einschätzungen sehr und motivierte viele Bekannte, sich die Videos auch speziell zu den Target-Krediten anzusehen. Ich möchte dennoch Ihren Fokus auf ein soziales Problem verstärken. Im Video ""ifo Konjunkturprognose 2011/2012" sagen Sie: "Bis Willy Brandt hatte sich die Arbeitslosigkeit treppenförmig vergrößert. Das war die Situation, als Schröder mit der Agenda 2010 die Notbremse zog. Sie sehen, dass das gewirkt hat. Die Arbeitslosenzahlen gingen runter... Vergleichen Sie das mit Frankreich. Sie sehen, dass Deutschland mittlerweile eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit hat als im Höhepunkt des letzten Booms vor Lehmann im Jahre 2008, während Frankreich eine Arbeitslosigkeit hat, die leicht über dem Höhepunkt der letzten Flaute im Winter der Jahre 2005 und 2006 liegt. Die beiden Länder entwickeln sich scherenförmig auseinander... Das ist Spanien, und Sie sehen, welch katastrophale Entwicklung dort die Wirtschaft nimmt mit einer immer weiter ansteigenden Massenarbeitslosigkeit. Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegen wir bei über 40 Prozent. Was das für die Stabilität von Europa bedeutet, ist schwer zu einzuschätzen. Deutschland ist hier in einer unglaublich günstigen Situation. Und das liegt eben daran, dass wir einerseits unter dem Euro unsere Hausaufgaben haben machen müssen..." Ich arbeite im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds Münster, also einem karitativen gemeinnützigen Unternehmen. Ich habe einen Arbeitsbvertrag auf Gleizonenbasis (800 Euro brutto pro Monat) bei 120 Stunden Arbeitszeit pro Monat, entspricht 4 Tage pro Woche mit 8,5 Stunden pro Tag abzüglich 0,5 Stunden Pause. Mein Nettogehalt liegt bei 627 Euro in einer der teuersten Städte in Münster. 627 Euro pro Monat entspricht 5,23 Euro pro Stunde. Ich begleitete vor einiger Zeit eine Gruppe Rentner bei einem Tagesausflug durch die City von Münster. Die Rollstuhlfahrerin, die ich durch Karstadt schob, kaufte dort ein Stück Seife für 5 Euro. Ein Kollege von mir erschien neulich zu Fuss zur Arbeit, weil sein Fahrrad einen Platten hatte. Er sagte mir, er müsse bis Ende des Monats auf sein Gehalt warten, um sich einen neuen Fahrradschlauch leisten zu können. Uns Fahrern im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds geht es dabei noch gut. Wir bekommen zwar keine Zulage bei Nachtarbeit oder Wochenendarbeit und kein Weihnachtsgeld, aber Lohnfortzahlung bei Krankheit. Vorher fuhr ich als Kurierfahrer bei Beckann Kurierdienst in Münster und leerte unter anderem Briefkästen der Deutschen Post. Mein Nettostundensatz lag bei 4,50 Euro ohne Urlaubsgeld und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Da ist zwar vieles illegal dran, aber niemand geht dagegen vor, weil die ganze Branche so arbeitet und weil es keine Tarifverträge gibt. Ich unterhielt mich mit jemandem vom Zoll darüber, und er sagte mir, dem Zoll seien die Hände gebunden. Überlegen Sie noch einmal Ihre oben genannten Aussagen unter diesen Aspekten. Sie sprechen von sozialen Spannungen wegen der Massenarbeitslosigkeit in Spanien und sagen, Deutschland sei hier in einer unglaublich günstigen Situation. Ich persönlich glaube, dass sich in Deutschlang unglaublich großer sozialer Sprengstoff mehr und mehr ansammelt. Und ich würde mir wünschen, dass Sie in Ihren zukünftigen Vorträgen zumindest in einem Nebensatz eingehen, um anzudeuten, dass Sie auch diesen Aspekt (ausfklaffende Schere in Deutschland) im Fokus haben. Viele Grüße Ulrich Schlüter 3. Mail: vielen Dank, dass Sie meine Anmerkungen zu den Vorträgen von Herrn Prof. Sinn inhaltlich an Herrn Sinn weiterleiten. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und noch eine Frage anhängen. Im Artikel "Deutscher Exportmotor brummt" vom 9.01.2012 steht, dass die deutschen Exporte im November 2011 stärker als erwartet um 2,5 Prozent angestiegen sind, während die Importe um 0,5 Prozent zurückgingen. Ich habe den Verdacht, dass in diese Exporte auch beispielsweise deutsche Immobilien eingerechnet werden, die die Griechen, Italiener und zuletzt auch die Franzosen kaufen, um ihre Euros sicher anzulegen. Mit anderen Worten: Die Kapitalflucht der Südeuropäer und damit die zunehmenden negativen Targetsalden werden als Exporte der deutschen Wirtschaft ausgewiesen. Oder ein Grieche kauft ein deutsches Auto oder deutsche Aktien, und als Gegenwert erhält Deutschland faule Anleihen der Griechen in Form von ansteigenden Forderungen der Deutschen Bundesbank. Wenn mein Verdacht zutrifft, wäre es vielleicht angebracht, wenn Herr Prof. Sinn diesen Tatbestand öffentlich aufdeckt. Bei den veröffentlichten Target-Salden ist übrigens folgendes vielleicht zu berücksichtigen: Wenn man eine Immobilie kauft, so vergehen vom Termin des notariellen Kaufvertrag bis zur Abwicklung (Zahlung des Kaufpreises) oft zwei Monate. Wenn also die Südeuropäer heute Eigentumswohungen in Berlin kaufen, zahlen sie den Kaufpreis erst Monate später. Folglich schlägt sich ein weiterer Anstieg der Target-Salden mit entsprechender Verzögerung in den Zahlen der Deutschen Bundesbank nieder. Den Artikel "Deutscher Exportmortor brummt" finden Sie hier: http://www.teleboerse.de/nachrichten/Deutscher-Exportmotor-brummt-article516 1491.html Hier der komplette Inhalt des Artikels "Deutscher Exportmortor brummt": Deutscher Exportmotor brummt Deutschland exportiert weiterhin kräftig und verzeichnet unerwartet hohe Überschüsse. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Abnehmer deutscher Produkte. Volkswirte warnen aber vor Euphorie. In Deutschland haben die Exporte im November 2011 stärker zugelegt als erwartet. Im Monatsvergleich seien die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 2,5 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem Plus um 0,5 Prozent gerechnet. Unterdessen gingen die Einfuhren um 0,4 Prozent zurück, während Volkswirte einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet hatten. Der Außenhandelsverband hatte Anfang Dezember auf Basis eigener Berechnungen gemeldet, dass die Billionengrenze durchbrochen sei. Er erwartet Ausfuhren im Wert von 1,075 Billionen Euro im Gesamtjahr 2011. Zwar macht die Euro-Schuldenkrise den Unternehmen zu schaffen. Doch nachdem im Oktober die weltweite Konjunkturschwäche den Export überraschend klar gedämpft hatte, zeigt sich die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" nach den letzten amtlichen Zahlen insgesamt sehr robust. EU bleibt der größte Kunde Im Jahresvergleich stiegen die Ausfuhren im November um 8,3 Prozent, die Einfuhren lagen um 6,7 Prozent höher als im Vorjahr. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss stieg auf 16,2 Mrd. Euro, nach 11,5 Mrd. Euro im Vormonat. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Dorthin gingen im November Waren im Wert von 56 Mrd. Euro, ein Anstieg um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allein die Euroländer bezogen demnach Waren im Wert von 37,7 Mrd. Euro aus Deutschland - ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum November 2010. 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in den Euro-Raum. "Von einem Einbruch der Exporte, der nach dem deutlichen Rückgang der Stimmungsindikatoren weltweit und nach den schlechten Wirtschaftszahlen aus dem Euroraum befürchtet worden war, ist bisher nichts zu sehen", kommentierte die Commerzbank. Für die kommenden Monate sei jedoch "kaum mit Impulsen vom Außenhandel zu rechnen", schreiben die Ökonomen, "die mageren Auftragseingänge aus dem Ausland" dürften sich "nach und nach bei den Ausfuhren bemerkbar machen". Ende des Artikels Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, ich bedanke mich für Ihren Brief. Haben Sie auch vielen Dank für den Hinweis auf die Internetseite "Querschüsse" sowie die Übersendung des interessanten Artikels "Deutscher Exportmotor brummt". Es tut mir Leid zu hören, dass Ihre private Situation so beschwerlich ist. Was Sie zu den Niedriglöhnen schreiben ist der Grund dafür, dass ich mich immer für Lohnzuschüsse eingesetzt habe. Ihrer Vermutung zu den Target-Salden kann ich nur zustimmen. Genauere Informationen, wie sich die Höhe der Target-Salden bestimmt, können Sie auf der Internetseite des ifo Instituts finden: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, ich schätze Ihre Art, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Mich interessiert, was Sie vom Vollgeldsystem halten (http://de.wikipedia.org/wiki/Vollgeld). Leider habe ich hierzu nichts von Ihnen im Internet gefunden.
Sehr geehrter Herr M., mit dem Vollgeldsystem (100% Mindestreserve) wird den Banken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung genommen. Die entsprechenden Zinsgewinne fließen der Notenbank zu, weil viel mehr Zentralbankgeld in Umlauf sein muss. Die Banken müssen sich dann verstärkt über Gebühren finanzieren. Mir fällt es im Moment schwer, den Nutzen einer solchen Reform zu erkennen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, Ich bin französischer Staatsbürger, bin mit einer Kölnerin verheiratet und wohne seit 43 Jahren in Deutschland. Ich bin Diplom-Ingenieur und war bis zu meiner Pensionierung Abteilungsleiter in einem Betrieb eines grossen deutschen Elektrounternehmens in Frankreich. Seit sehr vielen Jahren verfolge ich Ihre negativen Kommentare bzgl. Europa, Euro und EZB. (Vor allem, dass Deutschland immer betrogen wird...) Jetzt haben Sie in einem Spiegelinterview davon gesprochen, dass "Deutschland in der Falle sitzt". Aus meinem Verständniss der deutschen Sprache gebe ich Ihnen einige Beispiele für "Falle". Mein Vater saß 1940 in Dünkirchen in der "Falle". Er kam aus dieser "Falle" um in die nächste "Falle" zu tappen und kam erst 1943, krank, zurück nach Hause. Viele deutschen Soldaten saßen in Stalingrad in der "Falle". Und ich habe immer mehr den Eindruck, dass ich in Deutschland mit meiner französischen Rente in der "Falle" sitzen würde, falls es zu einem Zusammenbruch des Euro käme. (Ich bezahle in Deutschland treu und brav meine nicht unerheblichen Steuern, einschließlich Ergänzungsabgabe, bzw jetzt SOLI) Robert Camboni
Sehr geehrter Herr Camboni, was ich mit "Deutschland sitzt in der Falle" meine, ist, dass große Lasten auf Deutschland zukommen werden. Entweder über die EZB oder, wenn wir das über Rettungssysteme verhindern, über diese Systeme selbst. Wenn überhaupt, so werden einige der südlichen Länder ihre Schulden mit dem Geld zurückzahlen, das wir Ihnen vorher als Transfers haben zukommen lassen. Wenn der Euro kollabiert, sind die 500 Milliarden Kredit kaum noch einbringbar, die die Bundesbank über die EZB den anderen Ländern zur Verfügung gestellt hat. Und deshalb muss Deutschland zahlen. Sie erinnern sich vielleicht, dass Le Figaro den Euro in Frankreich mit dem Spruch "Jetzt müssen sie zahlen." beworben hatte, der nach dem Versailler Vertrag geprägt worden war. Der Euro hat sich als eine Maschinerie zur Umverteilung von Schuldenrisiken zwischen den Ländern entpuppt. Das kann man nicht leugnen. Christine Lagarde hat öffentlich erklärt, man habe den Maastrichter Vertrag mit Absicht gebrochen. Die Vergleiche, die Sie ziehen, greifen um einige Stufen zu hoch. Im Deutschen liegt im Wort "Falle" eine wesentlich geringere Dramatik. Glauben Sie mir bitte, dass meine Aussagen nicht europafeindlich sind, nicht einmal eurofeindlich. Ich finde den Euro erhaltenswert. Aber das Haftungsprinzip muss eingehalten werden. Der französische Staat muss für seine Banken, die sich mit den Staatsschulden der südlichen Länder überladen haben (wesentlich mehr als die Deutschen), selbst gerade stehen. Das ist nicht Sache der Staatengemeinschaft, aber Sarkozy will es dazu machen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, großes Lob für den tollen, spannenden und interessanten Vortrag am gestrigen Montag in der LMU. Für die Beantwortung der beiden nachfolgenden Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden: 1.) Bei der Verfolgung der von Ihnen prognostizierten, aber nicht empfohlenen, Politikoption Nr. 1 ("Euro-Bonds") würden die Zinssätze wieder konvergieren. Da aber diesmal -im Unterschied zu den Zinskonvergenzen bei Einführung des Euro- die Zinskonvergenz per definitionem (vertragliche gesamtschuldnerische Haftung) bedingt wäre, verstehe ich nicht, wie Sie zu der weiteren Prognose gelangen, dass in ca. 10 Jahren die Zinssätze wieder (wie aktuell) auseinanderlaufen? Dies ist dann doch im Gegensatz zu heute gar nicht mehr möglich, da es ja eben gar keine unterschiedlichen Schuldner/Emittenten mehr gibt? Ist die angedeutete Folge nicht vielmehr, dass sich das Crashpotenzial in einem Szenario der Schuldengemeinschaft -unter der Annahme nicht gelöster unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzsalden- einfach erhöht und uns somit -nur zeitlich verschoben- ein (viel größerer) Kollaps bevorsteht? In der Analogie zu der Privatperson, die für den angeschlagenen Nachbarn eine uneingeschränkte Gesamtbürgschaft übernimmt, womit letztendlich nicht nur eine, sondern zwei Existenzen vernichtet werden? 2.) Frage zu Schutz des Vermögens: Wenn man überzeugt ist, dass Ihre detaillierte und fundierte Prognose die Zukunft (es kommen höchstwahrscheinlich Eurobonds, die das ursächliche Problem aber nicht lösen werden, da insbesondere die Schuldenbegrenzung nicht eingehalten wird) am ehesten trifft und sich dem anschließt...muss sich dies dann nicht konsequenterweise in einer entsprechenden Meinung zur optimalen Vermögensallokation widerspiegeln, die von einer "einfachen", möglichst breiten Diversifikation (z.B. 10% Gold, 30% Aktien, 30% Immobilien, 30% Anleihen) abweicht? Wie sähe Ihre beste Allokationsantwort aus, wenn Sie realistisch bis pessimistisch denken, keinerlei laufende Erträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus dem Vermögen benötigen, keine kurzfristige Volatilitätsaversion besäßen, keine Verbindlichkeiten oder sonstige Liquitätserfordernisse besäßen, sondern lediglich das erarbeitete Vermögen auf Sicht der nächsten 10-20 Jahre bestmöglich vor den vermögensvernichtenden "tail-risks" der Zukunft schützen wollen, dabei lediglich einen realen Vermögenserhalt anstreben. (Mir ist bewusst, dass Sie keine Anlageempfehlung abgeben dürfen und können, da diese immer von den individuellen Anlagezielen des Investors abhängt. Ich hoffe trotzdem, dass Sie mir vor dem Hintergrund der geschilderten Informationen etwas konkretes an die Hand geben können. Ansonsten sind die ganzen Überlegungen praktisch wenig hilfreich). Vielen herzlichen Dank vorab. Beste Grüße c.v.ende
Sehr geehrter Herr von Ende, zuerst einmal freue ich mich zu hören, dass Ihnen der Vortrag gefallen hat. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem der Eurobonds ist, dass die nationale Verantwortung für eine solide Haushaltsführung und Verschuldungspolitik weiter geschwächt werden würde. In der Folge würde mit der Einführung von Eurobonds den Ländern der Peripherie ihre unsolide Haushalts- und Verschuldungspolitik vereinfacht, indem ihnen die Zinskosten für exzessive Politiken subventioniert würden und die Bürde der Rückzahlung übermäßiger Schulden durch Haftung der solideren Länder abgenommen werden würde. Die übermäßige Verschuldung wird entweder zu einem Auseinanderbrechen des Euro und von neuem zu entsprechenden Zinsspreizungen oder zu einer Transferunion führen. Die Graphik, die ja bloß spekulativ gemeint war, bezieht sich auf das erste Szenarium. Zu Ihrer zweiten Frage: Wie Sie selber feststellen, ist es nicht meine Aufgabe mich zu Anlage- und Vermögensfragen zu äußern. Aber ich denke, man tut gut, reale Dinge wie Aktien oder Immobilien zu kaufen. Am besten das, was man in zwanzig Jahren selbst benötigt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich vermute, mein Kommentar zu Ihrem Vortrag war wegen seiner Kürze unklar. Hier kommt die längere Version: Zu Ihren Ausführungen zu den wachsenden Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Eurosystem finde ich erheblich (und eben bedenklich), dass Deutschland diese Forderungen sicherer und vorteilhafter findet als andere Forderungen im Euro-Ausland. Niemand hindert ja die Deutschen, Anleihen oder Aktien im Ausland zu erwerben. Kann die Bundesbank die bedeutenden akkumulierten Forderungen gegenüber der EZB nicht in anderer Form anlegen? Wenn sie das kann (d.h. ihr nicht verboten ist), dann könnte sie beispielsweise ausländische Anleihen kaufen. Es ist gerade der Umstand, dass die Bundesbank und ebenso die deutschen Anleger daran kein Interesse haben (weil die Risiken der Anlagen der Peripherie zu hoch sind), die auf den Kern des Problems hinweist. Die Peripherie drängt aus ihren riskanten Staatspapieren und Bankeinlagen (riskant besonders wenn der Euro kippt) in die noch sicheren Staatspapiere oder Bankeinlagen des Eurozentrums. Der Preismechanismus aber equilibriert diesen Prozess aus verschiedenen Gründen nicht (oder nicht mehr). Ein Grund besteht darin, dass eine weitere Zinskorrektur beispielsweise in Deutschland nach unten nicht möglich ist, und wir uns deshalb wohl in einer Ecklösung befinden. In dieser Situation sind alle (auch die Deutschen und damit sind besonders auch die Privaten gemeint) tendenziell nur noch an Forderungen gegenüber dem Zentrum interessiert. Dieser Prozess läuft daher nicht mehr über eine Anpassung der Preise und Renditen sondern über eine von der EZB generierte Mengenzunahme, d.h. über eine Vermehrung der Forderungen gegenüber dem Zentrum. Diese Mengenzunahme zeigt sich dann in der im Vortrag von Herrn Sinn beschriebenen, sehr bedenklichen, Expansion der Bundesbankforderungen. Der Mechanismus der EZB führt damit gegenwärtig dazu, dass eine für viele unerwünschte Portfolio-Zusammensetzung statt über eine Anpassungen der Renditen über eine Veränderungen des Angebotes (von Geld und Assets) zustande kommt. Dieser Prozess kommt dann an sein vorläufiges Ende, wenn die Peripherie ihre unerwünschten Assets veräußert hat, und die Assets des Zentrums einerseits genügend zugenommen und andererseits an Bonität eingebüßt haben. Dies ist dann ein Zustand der gleichgewichtigen, wenn auch nicht gerechten, aufs Gesamtkollektiv verteilten Ausfallrisiken. Von diesem Zustand des kollektivierten Risikos - Eurobonds braucht es dazu offensichtlich gar nicht - mag dann die Geldpolitik eine Umkehr versuchen. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Tobias F. Rötheli
Sehr geehrter Herr Rötheli, die Bundesbank kann natürlich Schulden bei den deutschen Banken aufnehmen und mit dem Geld ausländische Papiere kaufen. Dann gehen die Target-Salden möglicherweise wieder zurück, nämlich dann, wenn die Ausländer die Verkaufserlöse nicht ihrerseits für den Kauf deutscher Wertpapiere verwenden. (Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, weil die Bundesbankaktion die ausländischen Wertpapiere teurer, die deutschen also vergleichsweise billiger macht.) Aber auch dann hätten wir insofern ein Problem, als die Bundesbank nur den einen öffentlichen Kapitalexport durch den anderen ersetzt und die Märkte immer noch verfälscht. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, meine etwas ungehaltene Mail an den DGB möchte ich Ihnen zur Kenntnis geben und Ihnen gleichzeitig danken für den ifo-Schnelldienst 16/2011, Ihre Hartnäckigkeit in Sachen Target2 und die "16 Wege aus der Krise". Mit freundlichen Grüßen Jochen Scholz Sehr geehrte Damen und Herren, der große Philanthrop und kleine Spekulant George Soros wird sich freuen, so prominente Unterstützung zu erfahren, noch dazu aus einer Richtung, von der er es sicher nicht erwartet hätte. Auch der Dank der insolventen internationalen Banken, unter ihnen alle großen amerikanischen, wird ihnen gewiss sein. Die warten nämlich schon lange darauf, endlich ihre Bilanzen einschließlich des Derivate-Kartenhauses auf Kosten der EZB und damit des europäischen Steuerzahlers bereinigen zu können. Der ausstehende Nominalwert am Markt für Credit-Default-Swaps (CDS) beträgt immerhin noch stattliche $ 32 Bio. US-Dollar (2007 58 Bio.,Quelle: BIZ Deswegen fordern sie wie der DGB: „Wir fordern deshalb vor allem die deutsche Bundesregierung auf, die Schlüsselrolle der EZB als Kreditgeber der letzten Instanz und die Einführung von Eurobonds nicht länger blockieren.....Deshalb muss die EZB nicht nur gegenüber den Banken, sondern Staaten als Kreditgeber der letzten Instanz (Lender of Last Resort) fungieren und ausreichend Liquidität bereitstellen.“ Wenn der vorgeblich geballte Sachverstand der deutschen Gewerkschaften einen derartigen Unfug gebiert, ist das schon peinlich genug. Noch peinlicher wird es jedoch, wenn man sich ausgerechnet vom Council on Foreign Relations erklären lassen muss, warum die EZB die Rolle nicht spielen kann, wie die Fed oder die Bank of England: weil sie keine Zentralbank wie jene ist, sondern ein föderatives Konstrukt mit staatlichen Notenbanken als Anteilseigner, der das Entscheidende für die von Ihnen vorgeschlagene Rolle fehlt: “Unlike the Fed, the ECB has no nation behind it which considers it central to its nationhood.” Die USA haben die Bedingung für eine solche Rolle in ihre Verfassung geschrieben: full faith and credit of the United States (Artikel 4, Abschnitt 1) Die Sache wird übrigens nicht besser, wenn SPD, Grüne und Linke in dasselbe Horn blasen. Wer das Internet allerdings ein wenig durchforste, dem wird schnell klar, warum es diese Übereinstimmung gibt: Referenten-Inzucht. Mit freundlichen Grüßen Jochen Scholz Berlin
Sehr geehrter Herr Scholz, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und die beigefügten Informationen. Ich freue mich über Ihre Unterstützung und Ihr Engagement. Den immer wieder gleichen Referenten, auf die sich die Linken stützen, könnte man entgegen halten: Si tacuisses, philosophus manisses. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion vom 25.11.2011) Angenommen es kommt zu einem Euro-Austritt von Irland, Griechenland und Portugal: Dann würden die TARGET2-Forderungen in der Buba Bilanz reduziert/abgeschrieben werden. Entsprechend muss auch die Passivseite der Bilanz gekürzt werden. Da das Eigenkapital lediglich € 5 Mrd. beträgt und und eher einen symbolischen Wert hat, müsste doch entsprechend das „Fremdkapital“, also die Geldbasis verringert werden. Das wiederum hätte dann eine stark deflationäre Wirkung aufs deutsche Bankensystem und entsprechend auch auf die Wirtschaftsleistung. Oder wie beurteilen Sie das? Mit freundlichen Grüßen Christian Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, wenn die Länder austreten, bleiben die Forderungen gegen sie erhalten. Etwas anderes ist es, wenn sie pleite sind und auch die Papiere, die zur Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte eingereicht wurden, wertlos werden. Dann muss die EZB ihre Forderungen gegen diese Länder abschreiben. Davon trägt die Bundesbank ihren Kapitalanteil plus der anteiligen Aufstockung des Anteils durch den Wegfall dieser Länder. Auf die Forderungen der Bundesbank selbst kommt es dabei nicht unmittelbar an. Diese Forderungen stehen erst im Risiko, wenn der Euro zerbricht, weil wir dann eine Forderung gegen eine Institution haben, die es nicht mehr gibt. Man wird dann verhandeln müssen, welchen Anteil der Forderungen die anderen noch bedienen werden. Das Eigenkapital der Bundesbank beträgt übrigens inklusive der Rücklagen 132,1 Mrd. Euro, nicht 5 Milliarden Euro. Der "Ausgleichsposten aus Neubewertung" in der Bilanz, der ein Volumen von 127,1 Mrd. Euro hat, enthält unter anderem die Goldbestände. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, normalerweise wählen wir Bürger doch unsere Politiker, damit diese unsere Interessen, so wie bei den Wahlen versprochen, vertreten. Was wir nach den Wahlen immer erleben ist, dass sie es nicht tun. Gierige Banken und deren Banker haben uns die Finanzkrisen eingebrockt, wurden mit Steuergeldern gerettet und machen straffrei lustig weiter. Zuerst wurden unsere Steuergelder für Prämien veruntreut. Kann man gegen diese miesen Machenschaften wirklich nichts unternehmen - man kommt sich richtig ohnmächtig vor. Bitte machen Sie weiter so. Schöne Weihnachten Mit "winterlichen" Grüßen aus Hamburg
Sehr geehrter Herr S., ich kann Ihre Besorgnis auch gut verstehen. Aber die Gier der Banken und Manager ist es nicht, die uns da hinein geritten hat, sondern die fehlende Zügelung des Gewinnstrebens. Dass Menschen nach Geld streben, liegt in der Natur unseres Wesens, nicht immer ein schöner Zug, keine Frage, wohl aber einer, den man überall sieht. Es kommt darauf an, den Egoismus durch ein klug gestaltetes Wirtschaftssystem zur produktiven Entfaltung zu bringen. Das ist offenbar im Bankenbereich ganz und gar nicht gelungen. Deswegen bin ich im Endeffekt bei Ihnen. Ich würde die Sache nur von der persönlichen Seite auf die sachliche schieben. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie bitte mein Buch Kasino-Kapitalismus. Dann werden Sie mich verstehen. Ich wünsche auch Ihnen frohe Weihnachten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auch aus unserer Familie ein herzliches Dankeschön für Ihre (wie im Forum schon benannt) analytisch brillianten, direkt auf den Punkt gebrachten Vorträge, Bücher und anderen Lesestoffe. Es ist ja auch der Ton Ihrer Sprache, der so angenehm ist, niemals verletzend, herabwürdigend oder mit Schlagwörtern belastet, sondern immer besonnen, sachlich, verbindlich. Auch wenn die Materie schwierig ist, wir freuen uns schon auf neue Wortmeldungen.M.f.G.
Sehr geehrter Frau F., ich habe mich sehr über Ihre netten Worte gefreut! Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Sie haben Auszuführungen zu den disziplinierenden Wirkungen der Staats-Insolvenz gemacht. Ich hoffe, ich habe die Information nicht übersehen, aber ich suche Literaturangaben zu den Insolvenzen im US-Raum (Bundesstaaten/ Counties), auf die Sie rekurriert haben. Wenn ich Sie dazu um Quellenangaben bitten darf? mfg - H.
Sehr geehrter Herr H., in meinem Buch „Kasino-Kapitalismus“ können Sie Angaben zur USA finden. Wenn Sie Zahlen zur amerikanischen Staatsverschuldung suchen, dann empfehle ich Ihnen die Internetseite der US-Regierung: http://www.usa.gov/Topics/Reference-Shelf/Data.shtml. Speziell zu den Insolvenzen empfehle ich: Reinhart C.M. und K.S. Rogoff (2010), Growth in a Time of Debt, NBER Working Paper No. 15639. Reinhart C.M. und K.S. Rogoff (2009), This Time is Different, Princeton University Press, Princeton. Reinhart C. M. (2002), »Default, Currency Crises and Sovereign Credit Ratings«, NBER Working Paper 8738. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich wünsche Ihnen ein gutes Neues Jahr 2012 und viel Erfolg die wahren ökonomischen Zusammenhänge zu erläutern, wie Sie das auch im letzten Jahr in gewohnt brillanter Manier verstanden haben. Traurig und besorgniserregend stimmt leider die Entwicklung in Richtung einer Transferunion, welche sich in Europa derzeit vollzieht. Viele Politiker, Journalisten und auch manche Volkswirte scheinen die entscheidenden Zusammenhänge nicht wirklich zu verstehen. Auch Helmut Schmidt bildet da leider keine Ausnahme. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Hallo Professor Sinn, Erstmal Ihnen und den Ifo-Institut vielen Dank, es ist immer informativ hier zu lesen. Ich möchte hier nunmal einen Gedanken, den ich seid Jahren habe anbringen und Sie um eine Stellungnahme dazu bitten. Kann die Europäische Union nach derzeitigen Verstädnis überhaupt Zukunftsträchtig sein? Konkreter möchte ich damit auf die einzelnen Nationstaaten anspielen und deren unterschiedlichen Ausrichtungen der wirtschaftlichen Schwerpunkte. Kann eine Gemeinschaftwährung überhaupt die Interessen und wirtschaftlichen Schwerpunkte der Nationalstaaten wahren? Ich denke nicht! Meines Erachtens reicht es eben nicht aus eine gemeinsame Währung zu haben, vorab hätte die Wirtschaft einzehlner Staaten nach ihren produktivsten Segmenten gefördert werden müssen. Desweitern hätte es einen "Wir" Verstädnisses gebraucht um eine "Ausnutzung" von solventen Staaten durch weniger solvente Staaten zu verhindern. Der nationale Gedanke der einzeln Staaten verursacht zwangsläufig das durchsetzten eigener nationalen Interesen zu Ungunsten der Gemeinschaft. Hierbei fallen wir einige Analogien zu der Eingliederung der DDR in die BRD auf. Aus menschlicher Sicht ist es gut und nachvollziehbar gewesen, nach meinen ökonomischen Verständnis war es ein Fehler. Konkreter war der Fehler darin, dass die Politik völlig überhastet versuchte einen nach Planwirtschaft ausgelegten Staat in eine Marktwirtschaft zu integrieren. Wirtschaftliche Effektivtäten könnten in der DDR zu den Zeitpunkt überhaupt nicht bekannt gewesen sein können, folglich erlebten wir den "wirtschaftlichen Zusammenbruch" der DDR, der den Haushalt der BRD noch heut und viel mehr damals massiv belastete und der den Wirtschaftstandort der DDR auf sehr lange Sicht schadete. Ähnlich erachte ich es mit der Europäischen Union, am Ende werden alle verlieren. Was meinen Sie dazu? Herzlichen Dank
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Sie haben sicherlich Recht mit Ihrer Ansicht, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung etwas übereilt war. Sicherlich sind so Fehler bei der Ausgestaltung gewisser Regulierungen gemacht worden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Implementierung des Target-Systems hätte eher nach amerikanischem Vorbild erfolgen sollen, wonach negative Salden jedes Jahr im April durch goldgedeckte Wertpapiere oder andere marktfähige, normal verzinste Wertpapiere bezahlt werden. Mehr zum Thema „Target-Salden“ finden Sie auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/link/Target. Trotz aller Schwierigkeiten glaube ich allerdings weiterhin, dass der Euro überleben wird. Was ich allerdings einräumen muss, ist, dass die Währungsunion sich verkleinern könnte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Entsetzen verfolge ich seit ihrem ersten Artikel zur Target-Krise die Entwicklung der Zahlungsbilanzkrise, und ich finde ihre Vorträge, die Sie dankenswerterweise in der Mediathek des ifo-Institutes bereitstellen, sehr erhellend. In den zwei Stunden eines Vortrages mit Ihnen lernt man mehr über die Euro-Krise und ihre Ursachen als man von allen Politikern und Talkshows bisher erfahren konnte. Nun frage ich mich nur: Sind unseren Politikern diese von Ihnen so schlüssig vorgetragenen Informationen eigentlich bekannt? Wäre es nicht eine gute Idee, z.B. den Vortrag vom 19.12.2011 auf DVD zu brennen und an jeden Bundestagsabgeordneten zu schicken? So bestünde wenigstens eine kleine Chance, dass die Politik aufwacht (wenn sie denn überhaupt aufwachen will). Auf jeden Fall: Vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit. Beste Grüße, M.Z.
Sehr geehrter Herr Z., haben Sie vielen Dank für Ihre netten Worte. Ich kann Ihnen versichern, dass unseren Politikern die Target-Problematik bekannt sein sollte. Eine Initiative der ifo-Freundesgesellschaft und des Vorstands des ifo Instituts hat am 07. Dezember zur Bogenberger Erklärung geführt, die den Politikern vorgelegt wurde. Die Bogenberger Erklärung finden Sie auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_2011_bogenberger_erklaerung.pdf. Über Ihren Vorschlag mit der DVD denke ich nach. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sind dafür Bekannt, dass Sie die Wahrheit sagen (analystisch brilliant, direkt auf den Punkt). In den vergangenen Jahren empfand ich Ihre Analysen häufig sehr drastisch, weil Sie auf die Arbeitnehmerschaft gezielt war; im Nachhinein haben Sie aber Recht! Darf ich Sie um folgendes Bitten? Vor einiger Zeit habe ich versucht aus dem Finanzministerium folgende Infos zu erhalten: 1. Bisherige Kosten der Bankenrettung aus 2008 für sämtliche Institute in D-Land über folgende Vehikel: -Soffin - verdeckte Rettung durch kostenlose Dienste des Staates (Zinslosigkeit der Beteiligungen etc. etc.), - verdeckte Finanzierungen über die KFW - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften usw. Eben ALLES, was die menschliche Fantasie der Gestaltung so hergibt. 2. Exakte Höhe der zurzeit noch bestehenden Garantien (inkl. Angabe für welche Institute) 3. Wie hoch ist der Betrag der schon jetzt als uneinbringlich in die Bundesschulden übernommen worden ist? Zur Südflankenrettung inkl. Irland: 1. Wie hoch ist der Aufwand für unser Land hierfür? Auch hier ALLES, was die menschliche Gestaltungskraft zulässt: - Liquiditätsaufwand sowie Haftungsvolumen für den ESEF? Gehört habe ich von 211 Mrd. Euro an Garantien sowie 21 Mrd. Euro an Bareinlage... ist das richtig?) - Target-Kredite sowie alle sonstigen Kredite der Bundesbank (egal wie es genannt wird) (gehört habe ich hier etwas von einem Betrag von 450 Mrd. Euro.. ist das richtig?) - andere (vielleicht verdeckte) Bundesbankfinanzierungen - verdeckte Finanzierungen über die KfW sowie andere staatsnahe Banken - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften - Aufkauf von Staatspapieren der EZB (inkl. Haftungs-Prozentanteil von D-Land) Eben ALLES, was die menschliche Fantasie an Gestaltungsmöglichkeiten so hergibt 2. Wie ist das, wenn ein Staat (z.B. jetzt Italien) schwächelt: übernehmen dann die anderen Staaten im Rahmen der gesamtschuld- nerischen Haftung den Anteil (im negativen Sinne automatisch)? Leider bekomme ich von dort keine Antwort. Das eigene Volk (das es bezahlen soll) scheint hier nur zu stören; es ist nicht mal eine Antwort wert. 3. An der EZB-Spitze ist Herr Draghi. Er kann nicht vergessen, dass er Italiener ist. In jünster Zeit wurden große Volumina an italienischen Staatspapieren aufgekauft. DIES ENTSPRICHT NICHT DEN EURO-VERTRÄGEN! Wie ich oben bereits schrieb gehen Sie gerne direkt auf den Kern der Wahrheit zu (gratuliere nochmals). SIND SIE BEREIT VOR DEM EUGH GEGEN DIESEN VERTRAGSVERSTOß ZU KLAGEN? Aus dem Impressum ersehe ich, dass das IFO-Institut ein e.V. ist - also staatsfern. WARUM NIMMT DAS DIE GANZE WIRTSCHAFTSELITE HIN, DASS SO EKLATANT GEGEN VERTRÄGE VERSTOSSEN WIRD? Wenn das EU-Gebiet in gleicher Weise ideoligisch oder militärisch bedroht werden würde wären diese Herrschaften doch sehr schnell auf dem Plan! 4. Der Euro nützt unserer Wirtschaft (nicht den Arbeitnehmern) durch einen realtiv schwachen Euro-Kurs. Die Gewinne steigen stetig, lt. FAZ sinken die Einkommen weiter. Die Entwicklung der Höhe des Rentenpunktes 2009 zu 2010 zeigt dies deutlich. Der kleine Mann hat also nicht sehr viel vom Euro. Der Presse entnehme ich, dass -falls wir die DM wieder einführen würden- eine Aufwertung von ca. 40 % erfahren könnten. Aber da unser Land auch Rohprodukte, Halbfertigwaren etc. einführt wäre diese Aufwertung entspannter zu sehen. FRAGE: WIE TEUER WÄRE DANN ENGERGIE IM LANDE? Leider habe ich keinen Fahrzeugpool oder keinen Dienstwagen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich an der Tankstelle für die schwachen Südländer kräftig zahle. Um wieviel Cent wäre ein Liter Superbenzin und Diesel an der Tankstelle? 5. Warum wird jetzt ausgeblendet, dass Bürger unseres Landes in der Vergangenheit schon kräftig bezahlt haben? Das Sozialsystem wurde "angepasst" z.B. durch den demografischen Faktor, Kürzungen in verschiedenen anderen Bereichen. 6. Wenn der Sozialbereich gekürzt wird fallen immer Worte wie - zukunftsfähig machen - Generationengerechtigkeit, - Wettbewerbsfähigkeit erhalten, - Zukunftsbelastungen tragbar gesalten Wenn es um die viel höheren Belastungen der Südflanken- und Irlandrettung handelt scheinen die Belastungen die jetzt aufgeladen werden einfach vergessen! Diese Belastungen scheinen Lust und nicht Last zu sein?!?!? Lösen sich diese Belastungen in Kürze in Luft auf - oder wird dadurch auch die Zukunft belastet? Wie erscheinen in Ihren Augen die Dinge wenn das eigene Volk wegen des Sozialsystems an die kurze Leine kommt, das eigene Volk aber für die Rettung anderer Völker kräftig bezahlen soll? 7. Ist das nicht wunderbar? Die Menschen die Folgendes Erfahren: - Einkommenskürzungen - Zeitverträge - raus aus festen Verträgen, rein in betriebseigene Zeitarbeitsfirmen - usw. usw. haben den größten Kosten-Einsparapparat entdeckt: keine Kinder mehr! Kinder kosten nun einmal Geld. Bei zunehmenden Zeit- verträgen (bei guter Gewinnlage der Firmen) kann man sich Kinder leider nicht leisten. Alleine in NRW werden nächsten Jahr 300 Grundschulen wegen Kindermangel geschlossen (es wären 360 gewesen, wenn nicht in manchen Bereichen kleinere Klassen akzeptiert würden). Aufgrund unserer komplizierten Sprache stehen die qualifizierten Zuwanderer nicht vor der Tür (gehen lieber in Länder des angelsächsischen Sprachraumes). Hat das Unternehmerlager hier nicht selber die Verantwortung zu tragen? Soll der Steuerzahler auch noch die Qualifikationsmaßnahmen für schwache Schüler tragen - oder tragen die Unternehmer hier mal Verantwortung? Sehr geehrter Herr Sinn, dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten würden.
Sehr geehrter Herr D., die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Allerdings kann ich aus Zeitgründen nicht auf alle Ihre Fragen eingehen. Das artet in Arbeit aus, die wir normalerweise in Form bezahlter Gutachten machen würden. Deshalb hier nur Teilantworten. Laut Eurostat kostet die Rettung von Hypo Real Estate, Commerzbank, IKB und mehreren Landesbanken dem deutschen Steuerzahler bisher 38,9 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Banken waren es, die sich mit toxischen verbrieften Wertpapieren und Problemkrediten vollgesogen hatten: IKB, Hypo Real Estate, Dresdner Bank, Sachsen LB, Bayern LB, HSH Nordbank. Sie mussten von Bund und Ländern mit Milliarden gestützt werden. Der bundeseigene Rettungsfonds Soffin zahlte etwa der Commerzbank, die in der Krise die Dresdner Bank übernahm, 18,2 Milliarden Euro; einen großen Teil davon hat das Institut in diesem Sommer zurückgegeben. Die Hypo Real Estate und ihre abgespaltene Abwicklungsbank wurden vom Soffin mit knapp zehn Milliarden Euro gestützt, die WestLB erhielt drei Milliarden Euro. Wie die 38,9 Milliarden Euro für den deutschen Steuerzahler im Einzelnen zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Eurostat verbucht Kapitalhilfen, Garantien, Zinsen und Rückzahlungen in einem komplizierten Prozess in den einzelnen Staatshaushalten. Das deutsche Defizit ist deshalb so hoch, weil das Statistische Bundesamt Anfang September einen großen Posten bei der Hypo Real Estate verbuchte. Der Bund übernahm beim Übergang auf die Abwicklungsbank Verluste, die mit 22,3 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Ohne diesen Posten hätte die Bankenrettung in Deutschland 17,6 Milliarden Euro gekostet. Allerdings könnte dies nur die Spitze des Eisbergs sein, denn immerhin hat der Staat den Banken letztes Jahr für ca. 240 Mrd. Euro toxische Papiere gegen Staatspapiere eingetauscht. Dadurch stieg die Staatsschuld von 75% auf 83% des BIP. Zusammen mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland, den Traget-Krediten der EZB in die peripheren Länder, den Anleiherückkäufen der EZB, der Hilfe durch den IWF und dem ESFM kommt ein Hilfsvolumen der Staatengemeinschaft von 1846 Mrd. Euro zustande. Deutschland müsse bei einem Ausfall der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien daraus eine Haftung von 580 Mrd. Euro übernehmen. Anhand des Anstiegs der Versicherungsprämie gegen deutschen Konkurs ist ersichtlich, dass Deutschland mit seiner Beteiligung an den Rettungsaktionen dabei ist seine Bonität zu verspielen (siehe ifo Pressemitteilung vom 27.9.: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/e-pr/e1pz/_generic_pre ss_item_detail?p_itemid=16690430). Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank beläuft sich derzeit auf ein Volumen von ca. 450 Mrd. Euro. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sendung Günter Jauch 11.12.11 Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Gefahr eines Unfriedens zwischen den Euroländern, aber vielmehr die Gefahr eines Generationenkonflikts ähnlich dessen in den 1960er Jahren halte ich auch gegeben, wenn mann den Euro nicht zu retten vermag, aber auch, wenn die Länder sich weiter wie bisher verschulden. Eine Budget-Kontrolle ohne Einbindung der Märkte halte ich für schwierig wegen des möglichen Verlusts der Anerkennung der Leistungen der Bundesrepublik, wenn Deutschland anfängt Europolizei zu spielen. Ebenso falsch mag die völlige Freiheit der Finanzmärkte sein, die bisher zwar steuernd wirken aber, mehr als bisher, zu sozialen Verwerfungen führen könnten. .... warum also nicht doch Eurobonds? Warum legt man nicht Eurobonds auf, die von einer europäischen Stelle (z.B. ESM, ESFS) kontrolliert werden und dessen Einnahmen an die Euro-Staaten verteilt werden. Diese Verteilung sollte angelehnt an die Maastricht Kriterien erfolgen aber zu einem reduziertem Prozentsatz des BIP, beispielsweise nur 1,5-2% anstatt 3%. Für die Verteilung sollte das BIP des vorvergangenen Jahres zugrunde gelegt werden, damit die europäische Statistikbehörde genug Zeit hat gründlich die Zahlen der Länder zu prüfen. Wenn von einem Staat mehr Geld, bis zur Maastricht Grenze 3%, benötigt wird müsste sich dieser dann entsprechend seiner Bonität mit einem höheren oder auch niedrigerem Zinssatz refinanzieren können. Staaten mit sehr guter Bonität würden zwar auch für die Eurobonds haften, müssten sich aber nicht über dieses Vehikel finanzieren sondern könnten weiter eigene Staatsanleihen zu niedrigeren Zinssätzen herausgeben. Dies hätte mehrere Vorteile. Länder mit schlechter Bonität wären aufgrund des Drucks der Finanzmärkte weiterhin angehalten zu sparen und die Eurobonds würden hier nicht den Anreiz setzen sich billig refinanzieren zu können. Somit verlören Eurobonds aus deutscher Sicht ihren Schrecken. Länder mit guter Bonität könnten sich weiterhin mit niedrigen Zinssätzen refinanzieren. Deutschland und Frankreich müssten nicht Budgetpolizei spielen und die Länder behielten Ihre Budgethoheit. Die EZB wäre entlastet und müsste keine Staatsanleihen mehr aufkaufen und kann sich wieder auf ihre eigentliche Aufgaben der Geldwertstabilität kümmern. Die Zugrundelegung des BIP des vorvergangenen Jahres hat den Vorteil, dass bei einer drohenden Rezession eher ein größeres BIP als Bemessungsgrundlage dient und bei einem Aufschwung eher ein kleineres BIP. In einer Rezession steht demnach dem Staat zur Ankurbelung der Wirtschaft relativ mehr Geld zur Verfügung, bei einem Aufschwung aus einer Rezession heraus eher weniger. Schließlich gibt es für den Fall das ein Staat die 3% Grenze überschreitet die Möglichkeit die Refinazierung aus Eurobond zu reduzieren oder ganz zu stoppen. Es bräuchte keine Hebelung von zugesagten Geldern und das Risiko eines Bürgschaftsausfalls ist m.E. deutlich geringer, da die Finanzmärkte nicht mehr auf einen Ausfall spekulieren könnten. Mit freundlichen Grüßen Dr. Hein Kleihues Dr. med. H. Kleihues
Sehr geehrter Herr Dr. Kleihues, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann Ihnen nur leider nicht zustimmen, weil die Eurobonds sich nie so politisch begrenzen lassen, wie Sie es gerne hätten. Eurobonds, egal in welcher Form, würden die massive Kapitalabwanderung aus Deutschland heraus wieder aktivieren und unser Land erneut zurückwerfen. Sie würden die überschuldeten Staaten der Peripherie anregen, neue Schulden zu machen, und die Bedingungen, die zur Krise des Euro geführt haben, perpetuieren. Insbesondere würden die Eurobonds, indem sie die Kapitalströme in Europa wieder in Gang setzen, damit die Leistungsbilanzungleichgewichte zwischen den Ländern verfestigen. Ziel muss jedoch ein System sein, das vor Zahlungsunfähigkeit schützt, aber keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt darstellt. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Prozedur entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Bogenberger Erklärung Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für die Bogenberge Erklärung, in der die Argumente zusammengefasst sind, die gegen die Politik der Rettungsschirme sprechen und zeigen, dass diese Politik unverantwortlich ist. Ich möchte zu 2 Punkten etwas sagen: • Im 2. Absatz der Ziffer 6 wird gesagt, dass mit dem Ankauf von Staatsanleihen der überschuldeten Euro-Staaten durch die EZB das Verbot des Art. 123 AEUV verletzt wird. Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht sehen das anders. Das ergibt sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 7. September 2011 zu den Klagen gegen die Rettungsschirme, und zwar aus den Ziffern 65, 84 und 129 der Entscheidungsgründe. Einzelheiten habe ich in einem Artikel vom 10. September 2011 zum Rücktritt es Chefvolkswirts der EZB Jürgen Stark dargelegt, den ich als Anlage 1 beifüge. In der Diskussion über diese Frage, sollten die Positionen von Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht deutlich zum Ausdruck gebracht werden, denn sie versuchen sie durch Kritik an diesem Handeln nicht deutlich werden zu lassen. • In der Erklärung wird leider nicht erwähnt, dass die Verwaltungsstrukturen in überschuldeten Euro-Staaten teilweise überhaupt nicht geeignet sind, eine effiziente Ausgabenpolitik durchzuführen, und dringend einer Generalüberholung bedürfen. Ich verweise insoweit auf den OECD-Bericht, der ein verheerendes Bild der griechischen Verwaltung zeichnet (vgl. den als Anlage 2 beigefügten Bericht „Keiner redet mit keinem“ in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Dezember 2011). So lange in dieser Hinsicht keine entscheidenden Änderungen eingetreten ist, ist keinerlei finanzielle Hilfe an Griechenland zu rechtfertigen. Außerdem verbieten solche Mißstände in den überschuldeten Euro-Staaten eine weitere Übertragung von Kompetenzen auf europäische Institutionen. Das ist erstmöglich, wenn solche Mißstände beseitigt sind, denn sie können nicht durch europäische Institutionen beseitigt werden. Das kann nur durch die nationalen Regierungen mit Unterstützung ihrer Bürger geschehen. Zu dieser Frage habe ich einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschrieben, der am 10. November veröffentlicht wurde und als Anlage 3 beigefügt ist. Mit freundlichen Grüßen Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, vielen Dank für diese Einschätzung. Dass das Bundesverfassungsgericht die Monetisierung der Staatsfinanzen erlauben würde, kann ich aus der von Ihnen zitierte Passage nicht erkennen. Sie lautet ja: „Auch weitere zentrale Vorschriften zur Ausgestaltung der Währungs-union sichern unionsrechtlich verfassungsrechtliche Anforderungen des Demokratie-gebots. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere das Verbot des unmittelbaren Erwerbs von Schuldtiteln öffentlicher Einrichtungen durch die Europäische Zentralbank, das Verbot der Haftungsübernahme (Bail-out-Klausel) und die Stabilitätskriterien für eine tragfähige Haushaltswirtschaft (Art. 123 – 126, Art. 136 AEUV. Ohne dass es hier auf die Auslegung dieser Bestimmungen im Einzelnen ankäme, lässt sich ihnen doch entnehmen, dass die Eigenständigkeit der nationalen Haushalte für die gegenwärtige Ausgestaltung der Währungsunion konstitutiv ist, und dass eine die Legitimationsgrundlagen des Staatenverbundes überdehnende Haftungsübernehme für finanzwirksame Willensentschließungen anderer Mitglied-staaten – durch direkte oder indirekte Vergemeinschaftung von Staatsschulden – verhindert werden soll.“ Darin wird eher Besorgnis statt Zustimmung geäußert. Die Bundesbank jedenfalls vertritt die Auffassung, dass der Aufkauf der Staatspapiere ein Umgehungstatbestand ist. Voll zustimmen kann ich zu Ihrem zweiten Punkt. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte mich hiermit für Ihre stets klaren Worte gegenüber der Politik in Sachen Euro bedanken! Mit mehr Gehör auf Fachleute durch die Politik hätten wir die derzeitigen Probleme nicht. Mir fehlt auch der Glaube, dass sich die Mentalität der "PIGS" aufgrund von neuen Vorgaben ändern wird. Pausenlose Rechtsbrüche sprechen nicht dafür...bitte machen Sie weiter so...Herzlichen Dank und Gruß Ernst Wünsche
Sehr geehrter Herr Wünsche, vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Zunächst: Hochachtung für Ihre Leistung, das kann überhaupt nicht oft genug betont werden! Meine Frage: Sie betonen immer wieder, ein Hauptproblem ist die "demokratische" Abstimmungsregel der EZB. In Ihrem Arbeitspapier mit Wollmershäuser (fig.1) sollte es aber eigentlich eine Mehrheit von Ländern geben, die letztlich mit ihren Anteilen für die Kredite an die PIGS haften (auf den ersten Blick Deutschland, NL, Finnland, Luxemburg, Estland, Malta, Slovenien, Zypern, Slowakei, Österreich). Warum stimmen die gegen die Interessen der Haftenden ab, wenn sie letztlich selbst dazugehören?
Sehr geehrte Frau P., angehängt (Diagramme Target-Salden und Haftungssummen) finden Sie den aktuellen Stand der Salden. Sie sehen, dass eine Reihe der von Ihnen genannten Länder, auch Österreich, Target-Kreditnehmer sind. Forderungen haben eigentlich nur Deutschland und die Niederlande. Luxemburg hat relativ zur Landesgröße auch große Forderungen, aber Luxemburg ist ein Bankplatz, der mich immer stärker an Island erinnert. Für die ist Unsicherheit Gift. Die Frage ist, warum sich die Bundesbank und Holland nicht sträuben. Die stelle ich mir auch. Fest steht, dass die Bundesbank, als wir die Sache aufbrachten, auf dem falschen Fuße erwischt wurde, weil sie überhaupt nicht wusste, was sich hinter den Target-Salden verbirgt. Man reagierte mit Statements, die ziemlich daneben lagen (z.B.: irrelavante Salden, die sich im Euroraum aufheben). Ich habe den Eindruck, dass die Bundesbank die Problematik mittlerweile verstanden hat und die die Sache ernst nimmt. Unter Weidmann habe ich keine beschwichtigenden Statements zu Target mehr gehört. Allerdings wäre eine öffentliche Kritik an der Art, wie die Target-Salden verrechnet werden, schon ein riesiger Schritt von politischer Dimension. Die Bundesbank hat aber stets gegen die Aufkäufe von Staatsschulden der Südländer votiert und wurde regelmäßig überstimmt. Das finde ich schon problematisch. Immerhin sollte doch die EZB nach dem Modell der Bundesbank konstruiert sein. So hieß es damals doch immer. Das ist sie offenkundig nicht. Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr. Ihr Hans-Werner Sinn
Target loans NBER papers Dear Professor Sinn, as a researcher, as a European citizen and as a holder of significant euro savings, I have read your highly topical paper with great interest. As you described the working of the TARGET Balances, my first reaction was that this system shows great similarities with the defunct transferable rouble (TR). TR was created as pseudo-money, as an accounting unit of the Comecon central bank. It was long time ago, but I am sure that you remember the basic story. The CMEA member countries were, theroretically, expected to run balanced trade with each other only at the aggregate level. In reality, the trade balances had to be achieved at the bilateral level, because the surplus claims in country 'A' on country 'B' were not transferable into the trade with country 'C'. The TR was de fact not transferable at all. This led, in turn, to two consequences: (i) bilateral trade was materialized at the lowest level, as given by the export capability of the weaker country; (ii) Surplus countries preferred to use convertible currency as a means of exchange, because the convertible currency surplus was real money. If I understood your paper correctly, the problem is the same with the TARGET surpluses: BuBa cannot make any good use of the accumulated claims. The problem can be even catastrophic, if it the euro-zone falls apart and nobody is willing to convert the surplus back to DM. Kind regards,
Dear Prof. M., Thank you very much for your insightful comments. It is very interesting to compare the Target balances with the transferable ruble. There is one difference though: Not even bilateral trade needs to be balanced. Germans can work for decades and accumulate Target claims against their Eurozone trading partners without ever getting anything in exchange. For a while I thought that there would be natural boundary when the total stock of money balances has been issued by the GIIPS. But there isn't. They can continue printing the money, buy goods and assets in Germany, and the Bundesbank just puts the money in the shredding machine after absorbing the liquidity from the market by borrowing from the banks. It has already become a net borrower. And you are right, if the euro collapses, these are claims against a non-existing system. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass jeder Target Saldo als auch jeder ELA der griechischen Nationalbank letztendlich a) zur direkten Entwertung des Euros führt b) die Bundesbank ihre Ansprüche gegenüber der EZB zwar geltend machen kann, aber im Endeffekt wird Sie lediglich Ihre Forderungen mit den Verbindlichkeiten der EZB verrechnen können da von den anderen 16 Eurostaaten im kommenden Crashfall nichts zu erwarten ist. MFG R.Hoppmann
Sehr geehrter Herr Hoppmann, mit Hilfe von Target schöpfen die GIIPS Länder mehr Zentralbankgeld als es eigentlich für die innländische Verwendung notwendig wäre. Deutschland schöpft dagegen entprechend zu wenig. Die Geldschöpfung hat sich also in die Krisenländer verlagert. Solange die Bundesbank dieses Geld aus dem Verkehr zieht, muss die Geldmenge insgesamt nicht steigen. Insofern ist die Geldentwertung nicht direkt angelegt. Problematischer sehe ich Ihren zweiten Punkt: Heute erhält die Bundesbank als Gegenleistung für ihre Kreditvergabe Forderungen gegen das EZB-System (mittlerweile von ca. 500 Mrd. Euro), die nur minimal verzinst sind (derzeit 1 Prozent), die nicht fällig gestellt werden können und von denen man nicht weiß, ob sie sich bei einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone jemals werden eintreiben lassen. Hätte Europa das US-interne Abrechnungssystem für Target-Salden zwischen den Distrikten der Fed, dann könnte die Bundesbank dafür die Übertragung von marktgängigen, gut verzinslichen Wertpapieren im gleichen Umfang verlangen. Ich befürchte wie Sie, dass wir hier einem großen Risiko ausgesetzt sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe mit großem Interesse Ihre Beiträge zum Thema Target-Salden verfolgt. Die Bundesbank ist der Ansicht, dass der deutsche Target-Saldo „kein sinnvoller Indikator für Risiken“ sei. Die Finanzierung der Banken mit Zentralbankgeld sei in der Krise notwendig. Wie schätzen Sie die Meinung der Bundesbank ein? Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrte Frau Schmidt, die Target-Salden messen die zwischenstaatliche Kreditvergabe und damit die Zusatzrisiken, die über die Geldversorgung der betreffenden Länder hinaus entstehen. Deutschland hat heute für 500 Mrd. Euro Target-Forderungen gegen die EZB, und die hat entsprechende Forderungen gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir den 500 Mrd. Euro hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Woher haben Sie die Meinung der Bundesbank dazu? Das würde mich interessieren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe mich ausführlich mit Ihren Standpunkten zur Energie- und Klimapolitik befasst. Zu diesem Thema habe ich zwei Fragen an Sie. 1) Bezüglich meiner ersten Frage zitiere ich aus einem Interview, dass Sie der Zeitung "Financial Times Deutschland" am 10.10.2007 gaben. "FTD Die Bundeskanzlerin hat sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben und kommt damit gut an. Was sagen Sie zur deutschen und europäischen Klimapolitik? Sinn An den Ergebnissen der Klimaforscher lässt sich nicht rütteln: Wir müssen versuchen, den Ausstoß an Treibhausgasen soweit es geht zu reduzieren. Derzeit wird aber, vor allem in Europa, versucht, die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen zu senken. Man unterstellt: Wenn der Verbrauch hier sinkt, hat das auch dann einen positiven Effekt, wenn der Rest der Welt keine Klimapolitik betreibt. FTD Stimmt das denn nicht? Sinn Der Effekt ist nicht nur gering, er liegt sogar bei null. Wir dürfen uns doch nicht isoliert sehen. Wenn wir Europäer die Nachfrage nach fossiler Energie drosseln, sinkt der Preis für Öl und Kohle. Er sinkt so lange, bis die geringere Nachfrage durch andere Länder kompensiert wird. Interessenten gibt es genug: die USA, China oder Indien. Wir müssen bedenken, dass das Kioto-Protokoll nur 29 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs wirksam beschränkt." (http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/20echointerv/_echointerv?item_link=ifointerview-FTD-10-10-07.htm) Die Zeitschrift "Der Spiegel" veröffentlichte am 30.10.2008 anlässlich der Veröffentlichung Ihres Buches "Das Grüne Paradoxon" einen Artikel, in dem es, bezogen auf Ihre Argumentation, wörtlich heißt: "[...]Sein wichtigstes Argument geht so: Die gewaltige Menge an Öl, Kohle und Erdgas, die in Deutschland durch die milliardenteure Ausnutzung von Wind und Sonne weniger verfeuert wird, sorgt auf dem Weltmarkt zu sinkenden Preisen. Das wiederum regt Schwellenländer wie China und Indien nur dazu an, noch mehr zu verbrauchen. In Summe würde also kein Gramm weniger fossile Energie verbrannt – wahrscheinlich sogar mehr, behauptet der Münchner Ökonom. Denn die Ölscheichs müssten in den westlichen Klimaschutzmaßnahmen eine Art drohende Enteignung sehen: Würde der Ölverbrauch wirklich drastisch reduziert werden, blieben sie in nicht allzu ferner Zukunft auf ihrem unterirdischen Reichtum sitzen. Sinn: "Die werden folglich noch schnell versuchen, möglichst viel ihres Schatzes zu fördern und zu verkaufen." Volkswirtschaftler sprechen von dem sogenannten "Leakage-Effekt": Sparen an der einen Stelle führt zu höherem Verbrauch an anderer Stelle. Aber wie stark schlägt der Effekt wirklich zu Buche? "Der Leakage-Effekt ist häufig berechnet worden", sagt zum Beispiel Ökonom Till Requate von der Universität Kiel. Er liege aber keinesfalls wie von Sinn behauptet bei 100 Prozent, sondern lediglich bei rund 60 Prozent: "Unsere Einsparungen werden also nicht vollends von den anderen aufgebraucht." Denn sollte der Ölpreis aufgrund sinkender Nachfrage tatsächlich immer weiter fallen, würden viele schwer zugängliche Lagerstätten gar nicht ausgebeutet, weil es sich nicht mehr rechnet. Auch der Ökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung glaubt, Sinn übertreibe beim Leakage-Effekt. Er liege deshalb auch falsch, wenn er fordert, nur wenn China und Indien beim CO2-Sparen, angeregt durch ein Emissionshandelssystem, mitmachen, brächte unsere Enthaltsamkeit wirklich etwas. Edenhofer: "Europa und die USA müssen schnell ein Klimaabkommen beschließen. Nach meinen Berechnungen würde es aber reichen, wenn China und Indien bis 2020 folgen."[...]" (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,587192,00.html) Nach Angaben der vom Spiegel zitierten Wissenschaftler ist es also tatsächlich so, dass die europäischen Klimaschutzmaßnahmen zum Teil durch Mehremissionen aus nichteuropäischen Ländern kompensiert werden. Jedoch liege dieser "Leakage-Effekt" nicht bei 100 Prozent. Dies deuten Sie aber mit der oben zitierten Äußerung, der Effekt der europäischen Klimaschutzmaßnahmen liege "bei null", an. Halten Sie Ihre These aufrecht? 2) Häufig argumentieren Sie auf Basis einer vom ifo-Institut erstellten Statistik zum Endenergieverbrauch in Deutschland, welche bspw. im ifo-Schnelldienst 10/2011 auf S. 16 einzusehen ist. Nach dieser Statistik macht der Stromverbrauch ca. 20 Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Der Stromverbrauch wird in verschiedene Energieträger bzw. -quellen (z. B. Kernenergie oder Windstrom) aufgeschlüsselt. Den Löwenanteil des Endenergieverbrauchs machen jedoch die drei Posten Verkehr (26 Prozent), Raumwärme und Warmwasser (29 Prozent) sowie Prozesswärme (17 Prozent) aus, welche nach der Statistik vollumfänglich zu den fossilen Brennstoffen zählen. Was mich hierbei irritiert, ist, dass bei diesen Bereichen der Verwendungszweck der Energie (z. B. Verkehr), jedoch nicht der Energieträger (z. B. Benzin, also Erdöl) angegeben wird. Diese Methode erscheint mir fragwürdig, da der Energieverbrauch bspw. im Verkehr keineswegs nur durch fossile Brennstoffe gedeckt wird. Im Bereich des Schienenverkehrs wird der Energiebedarf fast vollständig durch elektrischen Strom gedeckt, welcher ja laut Ihrer Statistik nicht nur aus fossilen Quellen stammt. Ähnliches gilt meines Wissens nach auch für Warmwasser, welches z. B. auch über Sonnenwärme erwärmt wird. Wäre es nicht transparenter, die angesprochenen Bereiche ebenfalls nach Energieträgern aufzuschlüsseln? Oder beziehen sich z. B. die Verkehrsangaben nur auf die Verkehrsbereiche, deren Energiebedarf nicht durch elektrischen Strom abgedeckt wird? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Falls Sie zzt. verhindert sind, würde ich lieber warten, als dass Ihre Mitarbeiter die Fragen beantworten. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, zu Ihrer ersten Frage. Sie zitieren eine alte spontane Stellungnahme von Requate, die er gegenüber Journalisten gemacht hatte, bevor er überhaupt wusste, was das grüne Paradoxon ist oder mein Buch gelesen hatte. Mit Leakage, wie er es sah, nämlich der Verlagerung von Industrien hat das alles herzlich wenig zu tun. Und die Studien, die er zitiert, haben die Angebotsseite gar nicht modelliert. Also was folgt dann daraus? Nichts. Es gab zumindest zum Zeitpunkt als Requate sich äußerte, nicht eine einzige Studie, die die angebotsseitigen Effekte, die ich hergeleitet habe, empirisch untersucht haben. (Und auch danach ist mir nichts bekannt.) Der Effekt, den ich beschrieb, läuft über die Weltrohstoffmärkte und würde auch auftreten, wenn das Leakage über Produktionsverlagerung null wäre. Dass speziell die Einsparungen in Europa keine messbaren Wirkungen hatten, wird in einer kürzlich vom ifo veröffentlichten Studie nochmal belegt. Die Studie zeigt sehr deutlich, dass die Einsparanstrengungen der Kyoto-Länder vollständig durch gestiegene Importe von CO2 kompensiert wurden. D.h., dass der globale Effekt das Kyoto-Protokolls gleich Null war und sich der Carbon-Footprint der Kyoto-Teilnehmer nicht verändert hat. Die besagte Studie finden Sie unter dem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/Schnelldienst-2011-PDF/ifosd_2011_21_2.pdf. Das grüne Paradoxon, nach dem grünes Säbelrasseln die Extraktion fördert, kann man im Übrigen grundsätzlich wohl nicht in Frage stellen. Jedenfalls erklärt es, dass die fossilen Energien über drei Jahrzehnte relativ zu anderen Gütern nicht teurer geworden sind, was sie theoretisch hätten werden müssen, weil sie ja immer knapper werden. Edenhofer stellt das Grüne Paradoxon nicht in Frage, sondern betont im Gegenteil bei seinen Vorträgen, dass die angebotsseitigen Effekte, die ich in die Diskussion eingebracht hat, von großer Bedeutung sind und vorher eben nicht in den Modellen drin waren. Er ist nur etwas optimistischer, dass letztlich im Laufe langer Zeiträume Nachfragezurückhaltung durch Ersatztechnologien die Menge der abbaubaren Ressourcen verringert wird und dadurch ein Effekt zustande kommen kann. Diese Möglichkeit habe ich in meinem Buch ebenfalls betont, halte sie aber angesichts der großen Abstände zwischen Preis und Extraktionskosten für empirisch nicht sonderlich relevant. Gerade mit Edenhofer bin ich mir bei Analyse und politischer Schlussfolgerung im Kern vollkommen einig. Auch er hat mehrfach erklärt, dass die europäische Nachfragepolitik wirkungslos ist . Zu Ihrer zweiten Frage. Es gibt viele Gliederungsmöglichkeiten. Die Art der Darstellung im Schnelldienst wurde gewählt, um zu verdeutlichen, welchen Anteil der Verkehr am Verbrauch fossiler Energieträger hat. Dies ist insbesondere in Bezug auf das Ziel, den Verkehr in Zukunft immer stärker zu elektrifizieren, relevant, da entsprechende zusätzliche Kapazitäten der regenerativen Energieerzeugung geschaffen werden müssen, wenn dieser Strom nicht aus fossilen Quellen stammen soll. Die 26,1 %, die im Schnelldienstartikel angegeben sind, entsprechen dem Anteil des Endenergieverbrauchs durch den Verkehr, der aus fossilen Brennstoffen gedeckt wird. Schienenverkehr ist beim Strom dabei. Eine andere Systematik finden Sie in meinem Buch "Das grüne Paradoxon", das übrigens im Februar in dritter Auflage und jetzt gerade bei MIT Press auf Englisch erschienen ist. Da finden Sie die Diskussion der Fragen, die Sie interessieren. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie interessierten Bürgern die Möglichkeit einräumen, Fragen an Sie zu stellen. Ich habe Ihre Bücher "Ist Deutschland noch zu retten?", "Die Basarökonomie", "Das Grüne Paradoxon" sowie "Kasino-Kapitalismus" gelesen. Beim Lesen dieser Bücher stellten sich mir einige Fragen, welche ich nun gerne über dieses Forum an Sie richten würde. Zum Themenkomplex Lohnpolitik und Aktivierende Sozialhilfe wären dies folgende. 1) Sie argumentieren, die Lohnstückkosten seien aufgrund des Phänomens der Entlassungsproduktivität nicht aussagekräftig. Wenn eine überzogene Lohnerhöhung minder produktive Arbeitsplätze vernichte, senke dies die Lohnstückkosten, da die durchschnittliche Produktivität ansteige. Was ich dabei nicht verstehe: Minder produktive Arbeitsplätze sind ja i. d. R. Arbeitsplätze mit niedriger Entlohnung. Wenn nun eine überzogene Lohnerhöhung minder produktive Arbeitsplätze vernichtet, steigt doch sowohl die durchschnittliche Produktivität, als auch die durchschnittliche Entlohnung. Diese beiden Effekte müssten sich ausgleichen und die Lohnstückkosten, die ja als Verhältnis von Entlohnung und Produktivität definiert sind, müssten konstant bleiben. Was sagen Sie zu dieser Überlegung? 2)Im System der Aktivierenden Sozialhilfe sollen die Hinzuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose deutlich ausgeweitet werden. Ein Beispiel: Ein Hartz IV-Empfänger bekommt, wenn er einen Arbeitsplatz bei der Kommune hat, den heutigen Regelsatz von ca. 700 Euro inkl. Miete. Nun nimmt er einen Arbeitsplatz in der Privatwirtschaft für 400 Euro im Monat an. Nach Ihrem Modell hat er dann ein Gesamteinkommen von 1100 Euro. Was geschieht dann aber mit Arbeitsplätzen, bei denen ein Arbeitnehmer ohne staatliche Sozialleistungen 1100 Euro verdient? 3) An einem bestimmten Punkt kommt ein Arbeitnehmer doch auch im System der Aktivierenden Sozialhilfe in die Situation, dass sich Mehrarbeit nicht mehr lohnt. Denn auch in diesem System wird das Transfergeld ab einen bestimmten Einkommen gänzlich gestrichen. Wie wollen Sie verhindern, dass die Arbeitnehmer an diesem Punkt zur Teilzeitarbeit übergehen, weil sich Mehrarbeit nicht mehr lohnt? 4) Sie argumentieren, niedrigere Löhne steigerten die Investitionsgüternachfrage, da Investitionen durch niedrigere Löhne rentabler würden. Ist es nicht so, dass ein Unternehmer seine Investitionsentscheidung von zwei Faktoren abhängig macht: Erstens natürlich von der Rentabilität, aber eben auch von der Frage, ob er die mit der Investition erzeugten Güter auch absetzen kann. Investitionen dienen letztlich zusammen genommen der Produktion von Konsumgütern. Insofern ist eine ausreichende Nachfrage nach Konsumgütern notwendig, damit investiert wird. Und Nachfrage nach Konsumgütern kann wesentlich über Lohnerhöhungen generiert werden, da Arbeitnehmer einen höheren Anteil ihres Einkommens konsumieren als Unternehmer. Vorausgesetzt, dass mein Gedankengang richtig ist, ergibt sich also ein gewisser Wiederspruch: Die Löhne müssen hoch genug sein, damit die mit einer Investition produzierten Komsumgüter abgesetzt werden können, andererseits müssen sie hinreichend niedrig sein, sodass die Investition rentabel bleibt. Man kann sicherlich argumentieren, dass die notwendige Konsumgüternachfrage auch aus dem Ausland kommen kann, dies gilt dann jedoch nur für Unternehmen, die exportieren können. Gaststätten oder kleine Textilbetriebe investieren nur, wenn die Mahlzeiten bzw. die Textilien im Inland nachgefragt werden. Was halten Sie von meinem Gedankengang? 5) Richtet sich die Entlohnung in der Marktwirtschaft nach den Knappheitsverhältnissen oder nach der Arbeitsproduktivität eines Arbeitnehmers? Oder hängt beides zusammen? 6) Wie ist die Arbeitsproduktivität einer Sekretärin oder einer Putzfrau zu bestimmen? 7) Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen dem Lohn- und dem Preisniveau? Der Lohn eines Frisörs ist ja unmittelbar von der Zahlungskraft und damit auch von dem Lohn anderer Arbeitnehmer abhängig. Stimmt die Gleichung "Niedrige Löhne sorgen für niedrige Preise, und niedrige Preise generieren mehr Nachfrage", wenn zumindest die Konsumgüternachfrage (auf die ein Frisör ja angewiesen ist) über die niedrigeren Löhne sinkt? (Dieser Effekt kann zwar über die sinkenden Preise aufgefangen werden, jedoch ergibt sich unterm Strich keine Nachfrageerhöhung über den sinkenden Preis.) Dies ist eine Ansammlung von Fragen, die ich mir beim Lesen Ihrer Publikationen gestellt habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Zeit für eine Beantwortung fänden. Falls Sie zzt. verhindert sind, würde ich lieber warten, als das Ihre Mitarbeiter die Fragen beantworten. Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass das ifo Institut auf seiner Homepage weiteführende Literatur u.a. zu dem Thema "Aktivierende Sozialhilfe" anbietet, die Sie über folgenden Link beziehen können: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/niedriglohn#. Zu Ihrer 1. Frage: Die Lohnstückkosten messen, welche Lohnkosten bei der Erstellung der Produkte anfallen. Wenn die Produkte mit weniger Arbeisteinsatz erstellt werden, weil ein Teil der Mitarbeiter entlassen wird und die restlichen die Produktivität erhöhen, sinken die Lohnstückkosten. In der Regel steigt bei übermäßiger Lohnerhöhung der Kapitaleinsatz bei der Produktion und der Arbeitseinsatz sinkt. Zu Ihrer 2. Frage: Laut dem ifo Modell der aktivierenden Sozialhilfe werden auch bei einem Bruttoverdienst von 1100€ staatliche Leistungen bewilligt. Das Modell ist so konzipiert, dass man sich immer besser stellt, wenn man mehr arbeitet. Zu Ihrer 3. Frage: Wie eben bereits erwähnt, lohnt sich nach dem ifo Modell Mehrarbeit immer. Wenn jemand sich dafür entscheiden sollte von Vollzeitarbeit auf Teilzeitarbeit zu wechseln, wird sich für denjenigen das Nettoeinkommen in erheblichem Maße reduzieren. Zu Ihrer 4. Frage: Wenn Kosten sinken, werden Investitionen rentabler. Projekte die sich unter den bisherigen Bedingungen gerade nicht mehr lohnen, werden bei geringeren Kosten durchgeführt. Bezüglich der inländischen Konsumnachfrage ist gesamtwirtschaftlich die Lohnsumme eine wichtige Größe. Wenn zu höhe Löhne Arbeitslosigkeit generieren, ist die Summa aller Löhne und Gehälter oftmals geringer. Einfach mit höheren Löhnen Nachfrage zu erzeugen ist nicht möglich. Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. Zu Ihrer 5. Frage: Die wesentliche Größe für die Lohnbestimmung ist die Produktivität. Zu Ihrer 6. Frage: Ganz allgemein berechnet sich die Arbeitsproduktivität aus dem Quotienten von Produktionsmenge und Arbeitsvolumen. Die Problematik hier, auf die Sie hinauswollen, bezieht sich auf Dienstleistungen. Die Arbeitsproduktivität einer Sekretärin ist nicht davon abhängig, wie schnell sie gewisse Arbeiten verrichtet. Vielmehr ist das Resultat hier wichtig. Die gute Koordinierung von Terminen beispielsweise würde sich in einer erhöhten Produktivität ausdrücken. Zu Ihrer 7. Frage: Auch hier müssen Sie wieder beachten, dass wir uns nicht über höhere Löhne wie Münchhausen am Haarschopf aus dem Sumpf ziehen können. Übertrieben hohe Löhne verursachen Arbeitslosigkeit und die Lohnsumme sinkt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Prof. Sinn, nachstehend mein Statement, dass ich am 3.12.2011 an die Mitglieder unserer Interessengemeinschaft Zukunftsfähigkeit geschickt habe zur Kenntnis. Beste Grüsse, S. Hildebrandt Hallo an die Interessengemeinschaft, man muss es immer wiederholen und wo immer bekannt machen: Das jetzt laufende Vorspiel mit den Vertragsänderungen (die von der Politik wiederum mit einer alternativlosen Begründung gebrochen werden können) wird in den nächsten Wochen mit einem Feuer frei für den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) über die bisherige Summe von 200 Mrd. Euro hinaus enden. Das hierin liegende Inflationsrisiko wird von der Politik in Kauf genommen. Allein bis April 2012 werden Staatsanleihen von Frankreich, Italien und Spanien von 425 Mrd. Euro fällig, für deren Rückzahlung diese Länder neues Geld brauchen. Die EZB kauft Staatsanleihen, die mit dem Risiko belastet sind, dass sie nicht in voller Höhe zurückgezahlt werden können. Wenn dieses Risiko eintritt, wird die EZB einen Verlust erleiden. Deutschland ist mit 27,1 % an der EZB beteiligt. Über die hier liegende Gefahr für den Bundeshaushalt hüllt die Politik den Mantel des Schweigens. Wenn die EZB nicht zur "grössten Bad-Bank aller Zeiten" verkommen will, wird sie zur Abwendung des Vertrauensschadens eine Kapitalerhöhung beschliessen müssen. Die Rekapitalisierung muss dann durch die Bundesbank erfolgen und führt zu einer Verringerung der Gewinnauschüttung an den Bundeshaushalt. Wenn dies nicht ausreicht, wird die Bundesbank die Verlustabdeckung an den Bundeshaushalt weiterleiten. Ergebnis: Defizitwirksame Ausgabe aus dem Bundeshaushalt, Erhöhung der Neuverschuldung und der Gesamtverschuldung des Bundes. Das ist die Geburtsstunde der Transferzahlungen an die wirtschaftlich schwachen Euro-Länder. Beste Grüsse Siegfried Hildebrandt www.zeitbombe-staatsverschuldung.de www.vereinigtes-europa.info
Sehr geehrter Herr Hildebrandt, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich finde Ihr Engagement über die Gefahren der Staatsverschuldung und der Europäischen Schuldenkrise aufzuklären nach wie vor sehr ehrenwert. Ich kann Ihrer Empörung nur zustimmen. Wir müssen alles unternehmen, um zu verhindern, dass Europa eine Union wird, die die Schulden sozialisiert. Ich wünsche Ihnen für Ihre Initiative weiterhin viel Erfolg! Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich möchte die Einführung von "selbst-stabilisierenden" Anleihen vorschlagen. Sie funktionieren wie Vorzugsaktien und enthalten eine Kombination von: - einem akzeptablen "BasisZins" (bspw. Italien 4,5 %), - dem "Stabilitätsversprechen", dass sich die öffentliche Verschuldung während der Laufzeit (bspw. 5 Jahre) auf einem bestimmten Konsolidierungspfad bewegt (Defizit bspw. im ersten Jahr 4%, im zweiten Jahr 3,5%, ... im letzten Jahr 1,5%) der u.U. noch einen Inflationsfaktor enthält (d.h. bei bspw. über 3 % Preissteigerung kann die Verschuldung entsprechend höher sein) und - einer variablen Kompensationszahlung in Form eines "Ausgleichszinses" für den Fall, dass das - bspw. vom IWF zu überprüfende - Stabilitätsversprechen nicht eingehalten wird (in Höhe von bspw. dem Dreifachen der Differenz zwischen dem Soll-Defizit laut Stabilitätsversprechen und Ist-Defizit laut IWF), zu einem festzusetzenden Stichtag. Liegt das Defizit bspw. im zweiten Jahr bei 5% der im Stabilitätsversprechen zugesagten 3,5% so beträgt der zu zahlende Zinssatz 4,5% + 3 x 1,5% = 9%. Der Sinn der Regel ist, dass die Investoren davon überzeugt werden, dass das anleihebegebende Land aus elementarem Eigeninteresse sein Stabilitätsversprechen einhalten muss. Natürlich kann die Handelbarkeit solcher Aktien erschwert sein, weil der Zinssatz lange ungewiss ist. Aber das ist ähnlich wie bei der Dividende. Ich denke, der Markt wird das einschätzen können. Mit besten Grüßen von Eichborn
Sehr geehrter Herr von Eichborn, toller Vorschlag. Fast eine Art „Ei des Kolumbus“! Haben Sie vielen Dank für die Idee einer "selbst-stabilisierenden Anleihe". Zusammen mit meinen Kollegen der European Advisory Group habe ich ebenfalls einen Vorschlag vorgelegt. Sie können ihn unter http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport nachlesen. Aber die Vorschläge stehen nicht im Widerspruch zueinander. Sie sollten Ihre Ideen in Form eines längeren Textes aufschreiben. Ich kann mir vorstellen, dass Frau Dr. Jennewein für den ifo Schnelldienst Interesse daran hätte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des Beitrags vom 16.11. von Herrn Baumann) Sehr geehrter Herr Sinn, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Ich habe mich falsch ausgedrueckt, oder mir fehlt Grundlegendes. Nicht Privatkredite meinte ich sondern Kredite, die der Staat aufnimmt zur Bedienung der Staatsschulden, Staatsanleihen. Nach meinem Wissen muss etwa Italien fuer Staatsanleihen zwischen 5 und 8% Zinsen zahlen. Target-Kredite sind - so vermute ich - erheblich billiger. Warum nimmt Italien seine Staatsanleihen nicht als Target-Kredite auf? Dito fuer Griechenland, Irland, Spanien, Portugal. MfG Tilo Baumann, PS: Im Falle grundlegenden Unverstaendnisses bin ich fuer einen Link auf Erhellendes in Ihren Seiten oder denen Anderer dankbar.
Sehr geehrter Herr Baumann, hinter den Target-Krediten steht keine autonome Politikentscheidung der Bundesbank und kein direkter Geldverleih. Nach den Statuten der EZB hat jede Zentralbank das Recht, mehr Geld in ihrem Hoheitsgebiet zu schaffen und an die Banken zu verleihen, als es der jeweiligen Wirtschaftsleistung entspricht und als im Inneren des Landes für die Geldversorgung benötigt wird. Nimmt sie dieses Recht in Anspruch, zwingt sie die anderen Notenbanken, in diesem Fall vornehmlich die Bundesbank, die Geldversorgung einzuschränken. Dafür erhält die Bundesbank eine Kreditforderung gegen die EZB, und die EZB entsprechend eine gegen die jeweilige nationale Notenbank, die das zusätzliche Geld schafft. Es handelt sich wirtschaftlich um eine Kreditvergabe der Bundesbank über die EZB an die anderen Notenbanken, und unter Berücksichtigung der Eigentümerstruktur der nationalen Notenbanken letztlich um einen Staatskredit Deutschlands an die Krisenländer. Der Kredit dient einerseits dazu, die enormen Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer weiter zu finanzieren, obwohl sich das private Kapital verweigert, und andererseits der Kompensation von Kapitalflucht und Kapitalrepatriierung aus diesen Ländern. Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target. Staatsanleihen kommen hier insofern ins Spiel, da die Banken häufig Staatsanleihen des eigenen Landes als Sicherheiten für die Target-Kredite hinterlegen. Die EZB hat diese Politik möglich gemacht, weil sie die Sicherheitsanforderungen an die Papiere, die sie akzeptiert mehrfach heruntergeschraubt hat. Einen direkten Zugriff auf Target hat der Staat aber nicht. Es ist immer der Umweg über die Banken notwendig. In der öffentlichen Diskussion wird daher von diesen Ländern oftmals gefordert, dass die EZB direkt und nahezu unbegrenzt (momentan sind die Summen begrenzt) Staatsanleihen aufkauft. Damit überzieht sie aber aus meiner Sicht ihr Mandat bei weitem. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre jahrelange aufklärerische Arbeit danke ich Ihnen ganz herzlich. Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ sollte zur Pflichtlektüre/-studium werden, um den meist dogmenbehafteten Politikern und Journalisten die Gesetze der Volkswirtschaft und ihre Komplexität nahe zu bringen. Eine ehrlich Diskussion, die bei jedem überschuldeten oder hochverschuldeten Unternehmen sofort geführt wird, über „Wo und bei wem ist das Geld geblieben?“, ist durch unsere intransparente Haushaltsaufstellung leider nicht gegeben und wahrscheinlich nicht gewünscht. Seit meinem Geburtsjahr 1969 wurden von den deutschen Regierungen, egal welchem Colour, Schulden gemacht und nicht einen Euro getilgt! Keine politische Partei und gesellschaftliche Gruppe kann sich da rausnehmen! Alle haben (wieder Mal) mitgemacht! Ansätze zur Reduzierung der Neuverschuldung oder die „gefeierte“ Schuldenbremse von Bund und Ländern sind nett, aber bei einer Staatsverschuldung von über 80 % bei den vorgegebenen Maastricht-Kriterien von 60 % mindestens widersprüchlich oder realitätsfern. Minister Schäuble hat in der letzten Woche von einer Ausgliederung der Schulden bis zur Maastricht-Kriteriengrenze gesprochen und den Abbau der Differenz von mehr als 20% über die nächsten 20 Jahre als eine Lösung vorgelegt aber dies natürlich nur im europäischen Gesamtkontext. Meine Fragen an Sie: Wie müsste aus Ihrer Sichtweise ein realistisches Schuldenabbauszenario aussehen und welche volkswirtschaftlichen und politischen Maßnahmen müssten erfolgen, um Deutschland, egal ob mit oder ohne Euro, noch zu retten? Ich freue mich über Ihre Sichtweise und Danke im Namen meiner Generation und der Generation Ihrer Enkel. Hochachtungsvoll Alexander Amin
Sehr geehrter Herr Amin, haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihre Unterstützung! Idealerweise hätte die „3%-Grenze“ des Stabilitäts- und Wachstumspaktes ausreichen müssen, um für die notwendige Schuldendisziplin im Euroraum zu sorgen. Zumindest hätte sie zusammen mit dem Kriterium von Staatsschulden in Höhe von maximal 60% des BIP zu einer Stabilisierung geführt. Aber der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde wohl nie wirklich ernst genommen. Nur die Disziplinierung durch die Märkte hat schließlich funktioniert. Zwar haben die Märkte den schädlichen Entwicklungen in Europa zu spät und zu plötzlich Einhalt geboten, doch immerhin haben sie reagiert. Von daher glaube ich, dass ein Steuerungsmechanismus zur Disziplinierung der Länder nicht ohne die Disziplinierungswirkung der Märkte auskommen kann, weil die Politik nie die Kraft aufbringen wird, sich selbst den Geldhahn abzudrehen. Darüber hinaus sollten, in einem begrenzten Umfang, Absicherungen für Investoren, die staatliche Wertpapiere kaufen, bereitgestellt werden. Dadurch kann im Fall einer Krise Panik, die zu immer weiter wachsenden Zinsaufschlägen und einer Finanzblockade führen könnte, vermieden werden. Ziel muss ein System sein, das vor Zahlungsunfähigkeit schützt, aber keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt darstellt. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Prozedur entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Auf Deutschland bezogen: Ich bin froh, dass es die vorige Bundesregierung geschafft hat, die Schuldenbremse ins Grundgesetz aufzunehmen. Das war ein großer Erfolg. Alles wird freilich zunichte gemacht, wenn wir nun den unermesslich großen Rettungspaketen zustimmen, die die EU von uns will. Hier liegt derzeit die wichtigste Front im Kampf gegen die Überschuldung. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft & Geduld bei dem unermüdlichen Einsatz für die dt. Volkswirtschaft & für die Bildung der Bevölkerung in ökonomischen Grundzusammenhängen. Bitte vergessen Sie dabei nicht auf Ihre eigene Gesundheit zu achten. Ich brauch Ihnen ja nichts zum Thema "abnehmender Grenznutzen" zu sagen... Zu den Target2-Salden verstehe ich die entspannte Haltung in den Chefsesseln der Zentralbanken nicht. Wenn eine Privatbank einem Kunden einen hohen Dispokredit einräumt, dann bleibt die Bank auch darauf sitzen, wenn der Kunde sich mit dem Geld aus dem Staub macht. Ähnlich dürfte es auch laufen, wenn die Bundesbank auf ihren Salden sitzen bleibt. Nur der Saldo wäre schmerzhafter. Zudem beunruhigt mich, dass sowohl EZB als auch Bundesbank, ihre Vorstandsmitglieder fast ausschließlich aus politischen Reihen rekrutieren. Hier kann doch nicht im Ernst von einer unabhängigen Zentralbank die Rede sein???Herr Weidmann hat sicherlich bei Manfred J.M. Neumann eine exzellente Ausbildung genossen. Aber Herr Assmussen ist ja wohl ein echter Schuss in den Ofen...seine ökonomische Brillianz habe ich noch nicht entdeckt. Und auch nie etwas davon gehört, dass er etwas von Geldpolitik verstünde. Otmar Issing ist - ob seines möglichen "unökonomischen" Nachfolgers - nur zu bedauern. Und als sei das alles noch nicht genug, wird fast unbemerkt der Mindestlohn in Dtl. etabliert. Erst wenn die Arbeitslosenzahlen wieder Richtung 4 Mio marschieren, wird man merken, dass man ihn doch nicht hätte einführen sollen. Aber auch dann wird die Politik wieder Ausreden finden, um die eigenen Fehler zu vertuschen & das Wahlvolk zu blenden. Es ist eine Farce... Nebenbei: Sie empfehlen immerwieder in Sachwerte, u.a. Immobilien, zu investieren. Meines Erachtens entsteht in Dtl. aber aktuell eine Immobilienblase. Wenn zuviel Menschen in eine Richtung laufen, hat das bisher immer zu einer Katastrophe geführt. Ein breit aufgestelltes Portfolio von Tagesgeld/Festgeld über Fonds, Aktien, Gold und evtl. Immobilien erscheint hier vielleicht doch die bessere Alternative zu sein?? Naja und die Beispiele in Griechenland und Spanien zeigen, dass Immobilien auch sehr gut zum Vernichten von Vermögen geeignet sind. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei ... Beste Grüße aus Franken S.T.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Unterstützung und Anteilnahme. Sie sprechen in der Tat viele besorgniserregende Ereignisse an, die auch mich umtreiben. Aus genau diesem Grund habe ich einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Ich empfehle Ihnen den Brief zu lesen (http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-wiwo-28-11-11.htm). Zu Ihrer Frage über Geldanlagen will ich nicht wirklich widersprechen. Nur dauert eine Immobilienblase zehn Jahre oder länger, bis sie platzt, und vorläufig platzt nichts. Die Preise sind im internationalen Vergleich zu niedrig. Erst wenn sie über das Niveau anderer Länder hinaussteigen, würde ich ein Problem sehen. Bedenken Sie, dass wir viele Jahre mit sinkenden Immobilienpreisen hatten. Die Sache normalisiert sich. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Beiträge zu den Target-Salden habe ich fortlaufend mit großem Interesse verfolgt, so auch Ihren heutigen Beitrag in MMnews. Zur Kontrolle, ob ich die Problematik richtig verstanden habe, möchte ich Sie fragen: Kann man, vielleicht etwas verkürzt, sagen, dass wir über die Targetsalden, also die letztendlich wohl wertlosen Forderungen der BBK gegen die EZB, gleichsam die Kaufpreise für die aus DL in die Eurozone exportierten Waren selbst bezahlen? Herzlichen Dank, schon jetzt für die erbetene Antwort. Mit freundlichen Grüßen AD
Sehr geehrter Herr A., Sie haben mit Ihrer Frage den Nagel auf den Kopf getroffen! Während die Notenbanken der Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (GIPS) sowie neuerdings auch Italien weit über den Bedarf ihrer Länder hinaus Geld drucken und an ihre Bürger verleihen, die damit Güter oder Vermögensobjekte im Rest des Euro-Systems erwerben, zieht die Bundesbank ihren Refinanzierungskredit und das von ihr geschöpfte Geld wieder ein. Refinanzierungskredit wird von Deutschland in die GIIPS-Länder (Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien) verlagert. Die Bundesbank baut dafür Target-Forderungen auf. Doch was erhält sie gegen diese Forderungen, wenn andere Staaten pleite gehen? Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, einen "Methodenstreit in der VWL" gibt es solange, wie man sich der sinnfreien Aufgabe widmet, etwas "regeln" zu wollen, was nicht geregelt werden kann, solange es sich durch das vom Kapitalismus (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz - sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten) befreite Spiel der Marktkräfte nicht selbst regelt. Die einzige Möglichkeit, die "Finanzkrise" (korrekt: beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) zu überwinden, ist eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform. Alles, was dagegen eingewendet werden kann, sind mehr oder weniger naive Vorurteile und Denkfehler. Ich nehme an, zu diesem Ergebnis sind Sie mittlerweile selbst gekommen, auch wenn Sie es (noch) nicht öffentlich zugeben wollen. Mit freundlichem Gruß Stefan Wehmeier
Sehr geehrter Herr Wehmeier, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, folgende Idee: Italien und Frankreich besitzen Goldreserven im Wert von je 100Mrd €. Würden die Staaten diese Goldreserven dazu verwendet, hiermit ihre Bonds mit 20% direkt und vorranging zu besichern, hätte man die Wirkung des Rettungsschirms: Jedes dieser Länder könnte dann - die Wahl treffen zwischen a) hohen Renditen oder b) niedrigere Renditen durch teilweise Goldbesicherung - bei 20% könnten jeweils Bonds von 500Mrd € besichert werden, - Kein Länd würde sein Gold verlieren, es dient lediglich als Sicherheit - der Reformdruck bliebe bestehen. - Mechanismus ist direkt von den Nationalstaten schnell implementierbar
Sehr geehrter Herr K., vielen Dank für Ihre Idee. Das Problem ist jedoch, dass der Schuldenstand der besagten Länder den Wert der Goldreserven bei weitem übersteigt. Frankreich weist 2010 Staatsschulden in Höhe von 1591 Mrd. Euro auf, allein der Schuldenzuwachs betrug 2010 98,5 Mrd. Euro. Ähnlich verhält es sich mit Italien (Schuldenstand 2010: 1843 Mrd. Euro; Schuldenzuwachs: 79,1 Mrd. Euro). D.h. also, dass die Dimension der Goldreserven von etwa 100 Mrd. Euro je Land gemessen anhand des Schuldenstands der Länder zu gering ist. Aber die Länder haben allesamt noch andere Sicherheiten, die sie einsetzen können. Es wäre vollkommen richtig, diesen Weg zu gehen, wenn einem die Zinsen zu hoch sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren, anbei senden wir Ihnen unser Schreiben zu o.g. Betreff mit den darin genannten anlagen bzw. den zugehörigen Links (s.u.) mit der Bitte um aufmerksame Durchsicht. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/57688_Milliardaere-wollen-nic ht-helfen.html http://wko.at/statistik/eu/wp-griechenland.pdf http://www.numbeo.com/cost-of-living/country_result.jsp?country=Greece Mit freundlichen Grüßen Friedrich Humbeck Entschuldung Griechenlands Sehr geehrte Damen und Herren, wir lesen dieser Tage viel vom Versagen des Euros, der europäischen Gemeinschaft, der Politik, von den bösen Griechen und den strengen Deutschen. Über das Versagen der vierten Gewalt im Staat lesen wir nichts. Jeder Journalist, der Griechenland besucht, müsste feststellen, dass die Benzinpreise, Nahrungsmittelpreise, Stromkosten – also die „Preise des täglichen Bedarfs“ bis zu 30% höher liegen als in Deutschland. Gleichzeitig lesen wir vom Druck auf die Bevölkerung, Gehaltskürzungen, Pensionskürzungen usw. hinzunehmen. Wir sollen die Einkommen gekürzt werden können, wenn diese Ausgaben für den „täglichen Bedarf“ unverändert hoch sind?? Warum stellt sich keiner der Journalisten die Frage, welche exorbitanten Unternehmensgewinne zwangsläufig entstehen müssen, wenn die Gehälter niedrig sind, keine Steuern und Abgaben bezahlt werden und die Preise 30% über dem europäischen Durchschnitt liegen. Wenn dieses Problem die Politik nicht erkennt, warum sind die Journalisten, die dieses Land bereisen, nicht in der Lage dieses Problem anzusprechen. Tatsächlich liegt hier ein totales Versagen der vierten Gewalt (Presse) vor. Griechenland mit 11 Mio. Einwohnern (= ehemalige DDR) wird von ca. 10 Oligarchen-Familien beherrscht. Sie beherrschten und beherrschen immer noch eisern die Kernindustrie des Landes, wie z.B. Energie, Strom, Fährverbindungen, Bau und Bankwesen. Die Bevölkerung wäre absolut willens zu sparen. Sie kann aber nicht, da die „Preise des täglichen Bedarfs“ wie Strom, Benzin, Maut, Nahrungsmittel etc. nicht ebenfalls sinken. Diese Preise werden von den Oligarchen vorgegeben. Deutschland hat es vorgemacht. Die Löhne mussten nicht steigen, obwohl sie real sanken, weil die „Preise des täglichen Bedarfs“ stabil niedrig blieben. Die Preise des „täglichen Bedarfs“ blieben niedrig aufgrund der Einführung der Deregulierungsbehörden, Auflösung der Deutschland AG, Ausschreibung aller staatlicher Leistungen von Bau- bis Dienstleistungen, Wettbewerb in den Leitungsnetzen und vieles mehr. Ganz nach dem Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ In Griechenland war dies die letzten zehn Jahre komplett anders. Hier sind die Gehälter und die „Preise des täglichen Bedarfs“ gleichzeitig exorbitant gestiegen. Doch wem hat dies genutzt. – den Oligarchen. Griechenland ist seit über zehn Jahren Mitglied der Europäischen Union, hat aber bis heute keinen freien Wettbewerb eingeführt, da die Oligarchen dies verhindern und so die Preise steigen. Dabei ist nicht allein der Wettbewerb der Berufsstände gemeint, das ist nur Ablenkung, sondern insbesondere der Wettbewerb auf dem Energiesektor, Fähr- bzw. Flugverbindungen etc.. Erst wenn man diese zehn Oligarchen entmachtet, einen Wettbewerb einführt, die „Preise des täglichen Bedarfs“ sinken, können auch die Löhne sinken und die Bevölkerung wird sich beruhigen und den Sparkurs mittragen. Es liegt an den führenden Köpfen Europas, dies der herrschenden Klasse der Oligarchen in Griechenland nahezubringen. Wir haben dies in unserem Schreiben vom 31. März 2011 bzw. 11. Mai 2011 aufgezeigt (Anlage). Die Oligarchen benutzen die Bevölkerung als Faustpfand um die Europäische Union zu erpressen und zu plündern. Ohne einen freien Wettbewerb und einer entsprechenden internationalen Konkurrenz im Lande selbst sinken die Preise niemals!! Aufgeschlüsselt nach Branchen stehen folgende Oligarchen im Brennpunkt: Banken: - Familie Latsis EFG Bank, Euro Bank - Familie Vardinogiannis Piräus Bank - Familie Costopoulos Alpha Bank Sie sind die Geldbeschaffer des griechischen Staates. die das internationale Geld einwerben und international strukturieren und sie dem griechischen Staat zur Verfügung stellen. Fähren: - Familie Panagopoulos Attika Group, wozu - Superfast Ferries - Minoan Line - Starmarine gehört - Familie Vardinogiannis, - Sea Star capital - ANEK Line - Hellenic Seaways darüber Aktionär bei Attika Group Die Fährverbindungen sind das Nadelöhr über das jede Art von Waren läuft. Ohne Wettbewerb diktieren die Familien die Preise. Nahrungsmittel: - Familie Lerentis Getränkeabfüllanlagen Stromversorgung: - Familie Vardinogiannis, - Cyclos Hellas - zweitgrößte Ölraffinerie - Motoroilcompany - Avin - Familie Latsis = Hellenic Petroleum - Familie Mytilineos ENEL, ENDESA Trotz vermeintlicher Windkraft und Sonnenenergie werden 90% des Stroms mit Dieselkraftwerken erzeugt, 10% durch Windkraft und Solar, Atomkraft und Wasserkraftwerke existieren in Griechenland naturgemäß nicht. Diese Dieselkraftwerke gehören den Familien, die staatliche Energieversorgungsgesellschaft PPC kauft diesen Familien den Strom ab für teilweise 20 EUR/kWh um es dann zu staatlich subventionierten Preisen den Endverbrauchern zur Verfügung zu stellen. Stromgewinnung über Dieselkraft ist die teuerste Energiegewinnung, die man sich vorstellen kann. Dies ist mit einer der Hauptgründe, warum keine Photovoltaikanlagen genehmigt werden. Darüberhinaus verdienen diese Familien nicht unerheblich über ihre weit verzweigten Tankstellennetze, bei denen es auch keine internationale Konkurrenz gibt und insbesondere die Bauern darunter leiden. Bau: - Familie Angeloupoulos - Familie Canellopoulos/Papalexopoulos Titan Cement Group Frau Gianna Angeloupoulos-Daskalaki war Chefin des Athener Olympischen Organisationskomitee ATHOC. Die Bauarbeiten stoppten 2002/03. Die Olympiade drohte zu scheitern bis Frau Angeloupoulos vom damaligen Kulturminister installiert wurde und anschließend ohne Ausschreibung und Wettbewerb an den Mann von Frau Angeloupoulos Herrn Theodore Angeloupoulos die gesamten Bauarbeiten vergeben wurden. Der damalige Kulturminister war Angelos Venizelos, derselbe der heute Finanzminister ist und nicht in der Lage ist Wettbewerb und Steuern einzuführen. Warum erkennt niemand diese Zusammenhänge? Venizelos ist der Pate der Oligarchen, der diese schützt und jegliche „Änderungen“ aussitzt. Diese sind zu trennen von den von den international tätigen Miliardären die mit Tankern und Frachtern gigantische Vermögen international aufgebaut haben, wie z.B. Niarchos, Onassis, Maritnos etc. und in ganz anderen Sphären leben. In der internationalen Presse wird zwischenzeitlich darüber munter berichtet (Anlage). - Warum nicht in Deutschland? Mit freundlichen Grüßen Friedrich Humbeck
Sehr geehrter Herr Humbeck, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der durchaus interessanten Dokumente. Anhand der Dokumente ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit der derzeitigen Situation Griechenlands auseinander setzen. Ich freue mich über Ihr Engagement. Sie führen verschiedene Beispiele für ineffiziente Maßnahmen auf und prangern diese Missstände zu Recht an. Die Korruption muss beispielsweise bekämpft werden. Aber die Probleme gehen noch tiefer. Griechenland weist zwei große Defizite auf: Zum einen erhöhen sich die Staatsschulden fortlaufend, zum anderen ist Griechenland nicht wettbewerbsfähig. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Autoren, die Herren Dr. Clement und Dr. Merz, des im Betreff genannten Buches! Sehr geehrte Frau Dr. Weidenfeld! Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn! Der gelungen und auch erfrischend formulierte Inhalt ihres Buches, indem sowohl politische- als auch wirtschaftliche und auch noch technologisch erforderliche Reformschritte eingemahnt werden, hat mir nicht nur sehr gut gefallen, sondern auch motiviert dieses Schreiben zu verfassen. Des weiteren wurden mir im Rahmen der Fachmesse iENA in Nürnberg auch die Namen von Frau Dr. Weidenfeld und Herrn Prof. Dr. Sinn, als Persönlichkeiten von besonderer Fachkompetenz und Sensibilität für mein Anliegen, zur Kontaktierung empfohlen. Dieses Schreiben verfasse ich an sie alle gemeinsam, da es einerseits im Zusammenhang mit dem im Betreff genannten Buch und andererseits mit doch gleichen Interessen für längst überfällige und technologische Reformschritte eine gemeinsames Zielsetzung gibt, wobei ich dazu ich einen Vorschlag unterbreiten möchte. Gegen Ende Oktober 2011 war ich als Aussteller bei der iENA 2011 in Nürnberg gewesen und habe dort meine Erfindung (Patent) präsentiert. Meine Erfindung befasst sich grundsätzlich mit dem Thema der Elektromobilität. Jedoch nicht in dem bereits allseits bekannten kleinen Segment von Citycars. Für mich stehen damit einige wesentliche Grundprinzipien zur Verbesserung der Effizienz und Praxistauglichkeit im Vordergrund wie: • Die Elektromobilität darf nicht nur auf den Bereich von PKW beschränkt bleiben bzw gesehen werden. • Nicht nur Kleinwagen, sondern auch Limousinen wie z.B. AUDI A8, BMW 7-ner oder MERCEDES-BENZ S-Klasse sind dabei mit einzubeziehen. • Der Transitanteil des Schwerverkehrs wie z.B. LKW, BUS, LKW + Anhänger, LKW + Sattelaufleger, müssen dabei mit einbezogen werden. • Auch der Formel-Rennsport wie z.B. Formel-Ford wäre dazu gut geeignet, um die Entwicklung bis zur Serienreife über den Rennsport voran treiben zu können. • Damit kann eine erhebliche Verbesserung des Wirkungsgrades (zur Schonung der Ressourcen) erzielt werden. • Die Energieaufnahme in ausreichend großer Energiedichte, beim Betrieb im hochrangigen Straßennetz, auch während der Fahrt erfolgen kann. • Die bisher unzureichende Reichweite der Elektromobilität kann damit erheblich verbessert werden. • Dies alles unter dem Gesichtspunkt, nicht in Konkurrenz zu bestehenden Herstellern und Vertreibern in der Automobilbranche zu stehen, sondern diesen eine Ergänzung zu bereits bestehenden Entwicklungen der Elektromobilität – Energieübergabe während der Fahrt - zur Verfügung zu stellen. Diese Erfindung (europäisches Patentamt in Den Haag) habe ich bei der iENA 2011 in Nürnberg anhand eines Modells im M 1:10 präsentiert. Sämtliche Aussteller bei der iENA wurden von einer Fachjury bezüglich Potential der Innovation geprüft und bewertet. Diese Bewertung hat mir bezüglich Neuheit und Innovation zur Erlangung einer Goldmedaille verholfen. In der Anlage übermittle ich einige Bilder der iENA 2011 in Nürnberg sowie auch die Grundprinzipien und die Wirkungsgradgegenüberstellung meiner Erfindung zum Verbrennungsmotor. Mein Ersuchen ist, sofern Interesse an Detailinformationen bestehen sollte, mir die Möglichkeit zu geben diese Erfindung einem spezifischen Kreis von Fachpersonen vorstellen zu dürfen. Mir ist aber auch bewusst, dass es letztendlich immer eine politische Entscheidung sein wird, die einer technischen Innovation zu Durchbruch verhelfen kann, aber vielleicht könnte das ein erster Schritt dazu sein. Mit besten Dank für ihre Mühe und dem Hoffen auf Antwort verbleibe ich, mit freundlichen Grüßen Ing. Wittmann Johannes
Sehr geehrter Herr Wittmann, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der Dokumente. Mutige Ideen sind immer gefragt. Insofern bin ich froh, dass es Erfinder wie Sie gibt. Allerdings scheint es mir sehr ambitioniert, wenn Sie für Ihre Elektroautos die dafür notwendige Energie aus Wind- und Sonnenstrom speisen. Vor allem in Hinblick darauf, dass der Verkehr etwa 26,1% der Endenergie verbraucht. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung und Verständnis verfolge ich Ihre Aussagen und Statements in der gegenwärtigen europäischen Finanzkrise. Bitte unterstützen Sie in weiteren Aussagen unsere Bundeskanzlerin und unsere Bundespolitiker, dass ihre ablehnende Haltung zu EUROBONDS das Gebot der Stunde ist. Ohne weitere europäische Vertragsformen würden derartige Bonds nur inaktiven Euro-Staaten helfen. Und wer haftet dafür? Letztendlich würde die Hauptlast bei Deutschland liegen, da viele europäische Staaten selbst keine Kreditwürdigkeit mehr haben. Man kann doch fast sagen, dass EUROBONDS zum großteil Bonds sind, für die wir fast alleine haften…. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch diesen gefährlichen Aspekt der jetzigen Situation öffentlich vertreten würden. Hochachtungsvoll Erhard Schreiber, Burgwedel.
Sehr geehrter Herr Schreiber, vielen Dank für den Rückhalt. Ich kämpfe. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie mir bitte, dass ich mich auf diesem Wege an Sie wende. Ich beschäftige mich derzeit mit dem möglichen Bruch der Eurozone. Dabei scheint mir das Target2 System der zentrale Punkt zu sein, welcher über das weitere Schicksal von Deutschland entscheiden dürfte. Gerne würde ich Ihre Expertenmeinung hören zu folgenden Fragen: - Was genau sind diese €400 Mrd., welche die Bundesbank im Rahmen des Target2 Systems (indirekt) an anderen Euro-Zentralbanken verliehen hat? - Sind das Forderungen der BuBa gegenüber der EZB und somit wiederum Forderungen der EZB gegenüber den Peripherie-Zentralbanken? - Also wenn jetzt Griechenland und Irland aus dem Eurosystem austreten müssen, muss dann in einem ersten Schritt die ECB diese Abschreibungen vornehmen? Und kann die ECB diese Abschreibungen 1:1 an die BuBa „weitergeben“? Oder wie sieht das buchhalterisch genau aus? Über eine Antwort Ihrerseits wäre ich Ihnen äußerst dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Christian Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, bei den deutschen Target-Krediten handelt es sich in einem ersten Schritt um Forderungen, die die Bundesbank gegenüber dem sogenannten Eurosystem hat. Das Eurosystem besteht aus allen Eurostaaten. Aber wie soll die Bundesbank das Geld zurückerhalten, wenn andere Staaten nicht mehr zahlungsfähig sind oder wenn der Euro auseinander bricht? Der prozentuale Anteil mit dem Deutschland am gesamten Eurosystem beteiligt ist, beläuft sich auf 27,0647% (Stand Januar 2011). Wenn alle GIIPS Länder ausfallen, ist die Summe, für die Deutschland gerade stehen muss, derzeit 582 Mrd. Euro. Die Target-Kreditvergabe zwischen den europäischen Zentralbanken spielte bis zum Jahr 2007 praktisch keine Rolle, erhöhte sich jedoch in der Finanzkrise dramatisch. Im Juni 2011 lag die Target-Schuld der GIPS-Notenbanken bei 327 Milliarden Euro, und ähnlich groß war die Forderung der Bundesbank. Alle Zahlen schießen am aktuellen Rand aber nach oben. Mittlerweile sind 450 Milliarden Euro an Target-Forderungen bei der Bundesbank aufgelaufen, davon allein 106 Milliarden Euro im August und September. Das ist der größte Posten in der Bundesbankbilanz, ein erheblicher Anteil des Auslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland und doppelt so viel Rettungsgeld, wie die Bundesrepublik allein über den EFSF bereitstellen soll. Mit den Target-Krediten werden die Lücken der Zahlungsbilanzen der GIPS-Länder finanziert. Ein Zahlungsbilanzlücke ist, grob gesprochen, jener Teil des Importüberhangs über die Exporte (im Sinne der Leistungsbilanz), der nicht durch eine Kreditaufnahme im Ausland, sondern durch frisch gedrucktes Geld finanziert wird. Theoretisch kann man ihn auch noch durch den Abbau von schon vorhandenen Geld- und Devisenbeständen finanzieren, aber das spielte faktisch keine Rolle. Die GIPS-Länder konnten ihr Zahlungsbilanzdefizit mit der Druckerpresse schließen, weil es keine länderspezifischen Kontingente für die europäische Geldversorgung gibt und der Zentralbankrat den Verleih von Zentralbankgeld durch die fortwährende Absenkung der Sicherungsanforderungen erleichtert hatte. In Portugal und Griechenland wurde rechnerisch in den letzten drei Jahren der gesamte Importüberhang so finanziert, in Spanien nur etwa ein Viertel. In Irland wurde der Importüberhang und zusätzlich noch eine gewaltige Kapitalflucht finanziert. Das viele Zusatzgeld, das wegen der automatischen, unbegrenzten Kreditvergabe zwischen den Zentralbanken gedruckt werden konnte, ersetzte das Geld, das man sich früher privat im Ausland geliehen hatte, und floss wie dieses Geld für die Bezahlung von Rechnungen wieder dorthin zurück. Es verdrängte dort den Notenbankkredit, über den Geld normalerweise geschaffen wird, eins zu eins. Wenn nun ein Staat Pleite geht, sind die Sicherheiten der Banken auch zumeist nichts mehr wert, und das EZB-System bleibt auf seinen Target-Forderungen sitzen. Dann müssen sich alle übrigen Länder die Lasten teilen. Wenn der Euro untergeht, muss die Bundesbank vermutlich die gesamten Target-Forderungen, die sie hat, abschreiben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich möchte mich mit zwei Fragen zur Krise in Europa an Sie wenden: 1. In Ihren Veröffentlichungen legen Sie überzeugend dar, dass sich in der Euro-Zone inzwischen eine ausgewachsene Zahlungsbilanzkrise entwickelt hat. Derzeit finanzieren eine Reihe von Ländern ihre Leistungsbilanzdefizite nicht durch privates Kapital, sondern über Target2 sowie diverse Rettungspakete. Eine wirkliche Lösung der Krise in Europa ist nur dann möglich, wenn die Zahlungsbilanzen wieder auf normalem Wege ausgeglichen werden. Sie schlagen dazu einen Mechanismus vor, der die Kapitalströme „langsam zudreht“. Die Politik scheint sich dieser Erkenntnis jedoch zu verweigern. Dies könnte auch erklären, warum die Politik mit den Rettungspaketen zwar immer wieder „Zeit kauft“, diese dann aber nicht nutzt. Nach meinem Eindruck steuern wir deshalb auf eine Situation zu, in der wir nur noch die Wahl haben zwischen dem Auseinanderbrechen der Eurozone oder der unbegrenzten monetären Staatsfinanzierung durch die EZB (Euro-Bonds können in diesem Zusammenhang ebenfalls keine Lösung sein, sondern nur weitere Zeit kaufen). Wenn dies geschehen sollte, für welche Option würden Sie sich entscheiden? 2. Zuletzt habe ich verschiedentlich die Auffassung gehört, für die Stabilität der Finanzmärkte sei es sehr wichtig, dass zumindest eine, als absolut sicher geltende Wertpapierart verfügbar sei (z. B. Bundesanleihen oder Euro-Bonds). Mit diesem Argument wird dann entweder die Notwendigkeit von Euro-Bonds oder der monetären Staatsfinanzierung durch die EZB begründet. Aber was ist von dieser Aussage ökonomisch zu halten? Ich habe den Eindruck, hier soll die Realität auf merkwürdige Weise an das Wünschenswerte angepasst werden. Denn eine Erkenntnis aus der derzeitigen Krise ist doch, dass Staatspapiere gerade nicht so sicher sind, wie wir die letzten 50 Jahre geglaubt haben. Angesichts der demographischen Situation und den enormen expliziten und impliziten Staatsschulden in Europa scheinen mir die Risiken künftig sogar eher zu- als abzunehmen.
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher, wie Recht Sie doch haben mit Ihrer Besorgnis über die wirtschaftliche Situation der Euro-Zone! Wichtig ist es jetzt, ein Verfahren zu etablieren, das für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link:http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Zu Ihrer zweiten Aussage: Wieso man ein sicheres Wertpapier im Bankwesen braucht, verstehe ich auch nicht. Mit der Behauptung kann ich nicht das Geringste gedanklich anfangen. Sie haben das sehr gut in Worte gefasst. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, toll, dass Sie und Ihre KollegInnen uns den Wirschaftskompass geschenkt haben. Auch ich werde ihn meinen Kindern zu Weihnachten schenken. So ein Buch hat der Volksaufklärung gefehlt. Ein Bollwerk gegen Stammtischgeschwafel und ein wirklicher "Faktencheck". Meine Frage: wie oft werden sie ihn aktualisieren? Oder warum nicht eine Online Aktualisierung? Herzliche Gruesse Dieter Scheiff
Sehr geehrter Herr Scheiff, es ist geplant, dass alle zwei Jahre eine Neuauflage erscheinen soll. Das begleitende App (mit einem Quiz zum Wirtschaftskompass) wird laufend aktualisiert. Ich hoffe, Sie haben viel Freude mit dem Wirtschaftskompass. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre verständiche Vermittlung volkswirtschaftlich schwieriger Kost. Für mich sind Ihre Analysen sehr plausibel. Danke auf für den Kriminalfall "Targetsalden". Aber ich finde, Sie machen zu wenig deutlich, was die Konsequenzen Ihrer Handlungsvorschläge sind. Davor haben Politiker und Bürger Angst. In der Südwestpresse sagten sie letztlich: in Wahrheit brechen nur einige Vermögensportfolios zusammen. Ist es wirklich so harmlos? Herzliche Gruesse Dieter Scheiff
Sehr geehrter Herr Scheiff, ich freue mich sehr über Ihre netten Worte. Wenn es zu einem Austritt eines der Krisenländer aus dem Euro kommen sollte, werden einige Banken sich damit schwer tun. Die deutschen Banken sind davon nicht so stark betroffen, wie beispielsweise die französischen oder amerikanischen. Allerdings werden momentan neue Stresstests berechnet, die die Auswirkungen auch auf die deutschen Banken noch einmal überprüfen. Deutschland muss hingegen für eine Summe in Höhe von derzeit 582 Mrd. Euro gerade stehen, wenn es zu einem totalen Zahlungsausfall der GIIPS-Länder kommen sollte. Diese Summe enthält die Forderungen der Bundesbank gegenüber den GIIPS-Ländern. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, haben Sie eine Idee wie die Milliarden Euro der Reichen Griechen die überwiegend auf Schweizer Banken liegen. wieder nach Griechenland überwiesen werden (laut Siegel allein in der Schweiz 600 Milliarden) ich denke Geld haben Reiche Griechen reilich, also liegt es nicht am Geldmangel, das Land wieder auf Eurostabilität zu bringen, Auf Ihre persönliche Antwort bin ich gespannt, bitte nicht wieder mit der Drachme oder dem Aussluß von Griechenland aus der EU argumentieren. Mit freundlichen Grüßen Athanassios Parashidis
Sehr geehrter Herr Parashidis, Sie liegen richtig mit Ihrer Vermutung, dass viele Private ihr Geld im Ausland anlegen. Die griechische Zentralbank geht davon aus, dass in den vergangenen beiden Jahren die Sparguthaben in griechischen Banken um 45 Milliarden Euro geschmolzen sind - mindestens ein Drittel davon soll ins Ausland gegangen sein. Dieser Abfluss ist übrigens nur möglich, weil das Eurosystem der Zentralbanken den griechischen Banken Kredite gewährt, die sie auf dem Markt nicht bekommen würden. Die derzeitige Rettungspolitik macht diesen Kapitalabfluss daher erst möglich. So lange keine Lösung für die Krise gefunden ist und die Rettungspolitik in der bisherigen Form weitergeht, kann auch Kapital aus Griechenland abfließen. Und es wird vor einer Lösung auch nicht zurückfließen. Auch wenn Sie es nicht hören wollen, aber ein Weg wäre auch die Drachme. Nach einer Abwertung würde es sich wieder lohnen, die Auslandsvermögen nach Griechenland zu transferieren. Die reichen Griechen kämen sofort zurück, um sich die billigen Immobilien zu kaufen. Es würde wieder gebaut, und Arbeitsplätze würden entstehen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Professor Sinn, Ihr Interview im Thalia Magazin 3/2011 habe ich erst jetzt gesehen und wollte Ihnen für die deutliche Kritik der Energiepolitik in Deutschland herzlich danken. Denn dieser Unsinn mit den EEG, dem Atomausstieg, der CO2 Verpressung etc. und die damit verbundene Stromverteuerug bedroht unseren Wohlstand. Für mich ist es unverständlich, daß Wissenschaftler, die an sich selbst skeptisch sein sollten, diese Hysterie von der angeblichen Klimaerwärmung durch antropogenen CO2, derart verfallen sind. Denn für mich handelt es sich hier bisher nur um eine noch nicht bewiesene Hypothese. Und zwar so lange, bis jemand nachgewiesen hat, wieso es vor nicht allzu langer Zeit diese enorme und schnelle Klimaerwärmung mit einem Anstieg des Meeresniveaus um 120 m (ein hundert zwanzig METER) gegeben hat. Ich stamme von der Insel Hvar in Dalmatien. Vor etwa 11000 Jahren konnte man von meiner Insel Hvar gegenüber nach Italien, wo heute Ancona ist, trockenen Fußes gehen, denn weit und breit gab es kein Meer. Das ist wohl auch der Grund, warum Archäologen auf den dalmatinischen Inseln (damals Berge) keine Zivilisationsreste älter als 7000 Jahre gefunden haben. Denn die Menschen lebten damals natürlich nicht in den Bergen sondern in dem fruchtbaren Adriatal. Dann plötzlich stieg das Meeresniveau in weniger als 500 Jahren um 120 Meter, ohne jeglichen CO2 Einfluß, aber vermutlich solar getrieben? Wenn für diese heutige minimale Meeresniveauanhebung von wenigern Zentimetern die Menschen mit ihren CO2 verantwortlich sein sollen, dann ist diese Hypothese für mich ein schlechter Witz. Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich möchte Ihnen mit dieser Nachricht ein schlichtes Danke senden, dass Sie einer der wenigen Menschen sind, die in diesen Tagen versuchen, den Menschen in Deutschland zu erklären, dass wir Ländern wie Griechenland nicht helfen, indem wir ihnen Milliarden von Euro schenken. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, aber ich habe Ihnen vor etwa einem halben Jahr nach einem Vortrag der Studienstiftung des Deutschen Volkes im Maximilianeum die Frage gestellt, warum das ifo-Institut nicht mehr unternimmt, um die Menschen in Deutschland über die äußerst risikoreiche Politik ihrer Regierung aufzuklären. Sie antworteten mir damals, dass Sie alles tun würden, dass Ihnen möglich sei und dass Sie leider auch nicht mehr tun könnten, als ihre Aussagen so oft es geht zu wiederholen. Als ich Ihr kurzes Interview im vorletzten Spiegel gelesen habe, musste ich an dieses kurze Gespräch denken und wollte Ihnen auf diesem Wege einfach nur sagen, dass ich es großartig finde, dass Sie sich für meine Zukunft und die Zukunft meiner Generation so stark einsetzen. Danke, bitte machen Sie weiter so!
Sehr geehrter Herr J., vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre stets klaren und gut verständlichen Worte. 1. Nun, die europäischen Staaten müssen die Zinsen ihrer zahlreichen Anleihen ja aus Steuern bedienen. Wird der Zins durch den Druck der Kapitalmärkte erhöht, so steigt der Zinsanteil am Steueraufkommen und der Staat kann weniger für andere Zwecke verwenden. Wie hoch ist nach Ihrer Meinung eigentlich der kritische Prozentsatz (Anteil Zinsaufwand am gesamten Steueraufkommen), bei dem ein Staat definitiv in den Bankrott marschiert? Für Unternehmen gibt es ja den Kenner Zinsaufwand/Umsatz und ab einer gewissen Größe marschiert das Unternehmen schnurstracks in die Insolvenz. 2. Ein Blick in den § 3 der deutschen Abgabenordnung belehrt einen ja, dass der Staat das Recht hat, Geldleistungen ohne Gegenleistung von seinen Bürgern zu verlangen. Man kann sich daher fragen, warum ein Staat überhaupt Schulden und vor allem in diesen Dimensionen aufnimmt. Wie wird diese Frage unter den Volkswirten diskutiert? 3. Sie verzeihen mir den Gedankensprung und erlauben mir die Frage: Was ist eigentlich aus der Schuldenkrise in Dubai geworden? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Großmann, vielen Dank für Ihren Zuspruch. Ihre Frage nach dem Zinssatz lässt sich nicht für alle Länder einheitlich beantworten. Es gibt hier aber Faustformeln. Demnach hängt die Zinsschwelle vom zukünftigen nominalen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (d.h. sowohl das reale Wirtschaftswachstum als auch die Inflation spielen hier hinein) und vom Schuldenstand ab. Da bei der Bewertung der Finanzierbarkeit Erwartungen über das künftige Wachstum und die künftige Inflation hineinspielen sieht man, wie sehr das Vertrauen in die Zukunftsperspektiven eines Landes seine Finanzierungsmöglichkeiten beeinflussen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass ein Land jenseits einer Schuldenquote von 90% in den Konkurs abrutscht. Das klassische Motiv für Staatschulden ist die Glättung der Lasten über die Zeit. Staatsschulden sind danach vertretbar, wenn einmalige, unvorhergesehene Katastrophen eintreten. Die Lage in Dubai hat sich wieder etwas beruhigt, ohne dass man sagen kann, die Krise ist schon ausgestanden. Zwar investieren insbesondere Asiaten und Bürger aus arabischen Staaten wieder in Immobilien in Dubai. Doch ist der Markt weiterhin fragil. Das es aber zwischenzeitlich nicht zu noch stärkeren Verwerfungen gekommen ist, verdankt Dubai seinem Nachbar Abu Dhabi. Da das Emirat Abu Dhabi über beträchtliche Ölvorkommen verfügt, konnte es in Dubai helfend einspringen. Dubai selber besitzt ja keine nennenswerten eigenen Ölvorkommen und ist zum einen ein wichtiger Finanzplatz für die arabische Welt und zum anderen durch seinen Hafen ein wichtiger Warenumschlagplatz. In Dubai macht daher viel das Schlagwort von der "Neuen Seidenstraße" die Runde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Warum nehmen Staaten wie GIPS oder Italien Kredite nicht als Target Kredite? Anders gefragt: Warum gehen Staaten nicht so vor, wie der beispielhafte Irische Bauer, der einen Traktor in Deutschland kauft?
Sehr geehrter Herr Baumann, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Morgen Herr Sinn, da ich mir nicht sicher bin, ob Sie meine E-Mail vor ein paar Wochen erhalten haben, informiere ich Sie nochmals über unser Anliegen. Ich hoffe, Sie können mir helfen. Ich habe zwei Fragen aus der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Im besonderen Reallohnentwicklung, Armutsdiskussion und die jetzt aktuelle Debatte um den Mindestlohn. Vielleicht können Sie mir bei diesen zwei Fragen helfen: 1) Ist es in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren zu einer Reallohnsenkung gekommen? Ist, falls eine Reallohnsenkung eingetreten ist, diese auf das Anwachsen von Minijobs und auf flexible Erwerbsformen, insbesondere Teilzeit, zurückzuführen? 2) Man hat den Eindruck, dass die Beschäftigung in Deutschland insgesamt zunimmt, dass aber dadurch das Lohnniveau nicht steigt, sondern eher sinkt. Interessant ist hier die Frage, wie sich das Lohnniveau aus der Schaffung zusätzlicher Vollzeit-Arbeitsplätze insgesamt entwickelt. Ob also mehr Stellen mit überdurchschnittlicher Entlohnung oder mehr Stellen mit unterdurchschnittlicher Entlohnung geschaffen werden. Ich hoffe, Sie können mir helfen und bedanke mich sehr im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrter Frau Schmidt, werden die Brutto-Reallöhne pro Kopf betrachtet, so kam es in den vergangenen Jahre tatsächlich zu Senkungen. Es ist allerdings zu b eachten, dass es einen Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung und zu Minijobs gab. Auch aktuell ist die Tendenz zu geringeren Arbeitszeiten vorhanden. Dies drückt in einer pro-Kopf Betrachtung die Reallöhne. Der Reallohn pro Stunde ist dagegen von 1995 bis 2010 jährlich um durchschnittlich etwa 0,2% gestiegen. Die strukturelle Verschiebung der Beschäftigung in den Dienstleistungssektor hinein dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. In einigen Dienstleistungsbereichen ist die Produktivität unterdurchschnittlich. Daher drückt das auf die Löhne. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Wie Sie selber in vielen Artikeln und Interviews immer wieder beschreiben, ist eines der zentralen Probleme der südlichen Euroländer darin zu sehen, dass diese zu Teuer geworden sind. Eine interne Abwertung ist also nötig, welche in der Realität wegen der Starrheit der Löhne/Preise bekanntlich schwer durchzuführen ist. Wäre daher nicht der einfachste Weg aus dieser Situation, wenn die EZB mehr Inflation im Euroraum zulassen würde? Dann könnten die südlichen Länder ihre Nominalpreise auf dem jetzigen Niveau belassen und würden somit abwerten.
Sehr geehrter Herr R., vielen Dank für Ihren Beitrag. Das Zulassen von Inflation seitens der EZB ist aus mehreren Gründen nicht akzeptabel. Zum einen würde damit die EZB endgültig ihre Glaubwürdigkeit verlieren, da sie damit ihr oberstes Ziel der Preisstabilität aufgeben würde. Zum anderen würden die Länder, die bisher solide gewirtschaftet haben, bestraft werden. In einer Wärungsgemeinschaft führt kein Weg an einer internen Abwertung über die Löhne vorbei. Dieser Weg ist sehr schmerzlich aber letztlich ohne Alternative. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Währungspolitische Dichotomie – ein Modell für Europa? Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wir hatten in der Vergangenheit bereits die Ehre des Informationsaustausches. Auch habe ich Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ gelesen. Gleichzeitig verfolge ich die währungspolitische Diskussion und Ihre Beiträge dazu in den Medien. Im folgenden möchte ich kurz ein – meiner Meinung nach naheliegendes – Alternativmodell aufzeigen, welches sowohl den sozialen Abstand zwischen zwei EURO-Staaten gerecht wird als auch der sozialen Schere innerhalb eines EURO-Staates. Nehmen Sie die Gedanken zu den Ihrigen. Wenn Sie was davon halten, geben Sie es an die Medien. Ich selber habe nur Zugang zur hiesigen Lokalredaktion, wenn es um Radwege geht. Bei Ihnen ist das was anderes. Jeder EURO-Staat habe zwei Währungen, die Heimatwährung, also bei uns die DM und in Griechenland die Drachme. Sie sind alle kompatibel und werden täglich einmal notiert europaweit. Die Sozialpolitiker akzeptieren endlich, dass die postindustriellen Gesellschaften in der entwickelten EURO-Zone dichotom sind: * Die 2/3-Gesellschaft, das sind die Leute, die man zum produzieren und dienstleisten braucht und die in den verschiedenen Staaten einen unterschiedlichen Prozentsatz der Erwerbspersonen ausmachen. In Deutschland einen größeren, in Griechenland einen kleineren. * Die 1/3-Gesellschaft, das sind die Leute, die man zwar nicht unbedingt braucht zum produzieren und dienstleisten, aber die können in Teilbereichen mithelfen und werden sozial abgestützt (Aufstockerei, Sozialhilfe, negative Einkommenssteuer, 1-€-Jobs u.s.w.). Wir belassen für die 2/3-Gesellschaft den € und re-einführen die nationalen Währungen für die 1/3-Gesellschaft. Freilich ist es einem 1/3ler unbenommen, DM anzusparen, an seinem Geburtstag das Geld in € zu tauschen auf der Bank und am Abend die Geburtagsgesellschaft in ein Restaurant zu führen, welches nur € akzeptiert. In besonders anderen Restaurants steht an der Tür: „€ heute: =“ analog zu früher: „Dollar today“. Ansonsten steht bei allen Angeboten in der Werbung und an der Geschäftstür, welche Währung hier akzeptiert wird. Die Regierung kann leicht sozialpolitische Akzente setzen: Sie tauscht 1 Million € in DM und beschäftigt auf Zeit viele ABM-Kräfte. Der Markt wirkt mit all seinen Vorteilen im Oberhaus wie im Unterhaus. Die Gewerkschaften können durchsetzen, dass eine Firma, deren Produkte in € fakturiert werden, auch ihre Angestellten in € ausbezahlen. Egal ob Stammbelegschaft oder Mietarbeiter (woher kommt das Wort „Leiharbeiter“ eigentlich her? Die werden doch bezahlt?). Diese dichotomische Marktwirtschaft, fixiert am Arbeitsmarkt funktioniert, wenn die herrschenden Kreise, auch die Kirchen, einsehen, dass es sich bei den postindustriellen Gesellschaften um zweigeteilte Erwerbspersonengruppen handelt. Das bisherige Tun, z. B. mit dem Bundesfreiwilligendienst und anderen Maßnahmen, ist Flick- und Stückwerk. Ziel muss sein, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten wohl fühlt und keine Existenzängste haben muss. Umgekehrt muss auch nicht jeder Urlaub in Cap Antibè machen. Südfrankreich. An der Cóte Azur. Ihr Hanns-Georg Schweitzer
Sehr geehrter Herr Schweitzer, vielen Dank für Ihren Vorschlag. Aber eine Aufteilung der Gesellschaft scheint mir nicht durchführbar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, es ist sehr schwierig mit einer Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft in Kontakt zu treten, ohne dass man in eine endlose Warteschleife stecken bleibt. Ich hoffe mit Ihnen mehr Glück zu haben. Kurz: Warum kann man keine "stille" Abwertung durchführen, indem man in den EU-Ländern alle aus Griechenland eingeführte Waren und Dienstleistungen mit einem negativen Einfuhrzoll belegt. Dies würde für den Importeur wie eine Abwertung wirken und dadurch den Import aus Griechenland attraktiv machen. Die griechische Wirtschaft könnte in fast allen Bereichen, z.B. auch Tourismus, einen Boom erleben, mit u.a. einer Zunahme der Arbeitsplätze und des Steueraufkommens. Wie schon früher als man bei Vorlage einer Quittung die Mehrwertsteuer zurück bekommen konnte, könnte auch der Tourismus- und Dienstleistung- Bereich hiervon profitieren. Nebeneffekt: Steuerehrlichkeit durch Quittungen! Auch Investitionen von EU-Betrieben in Griechenland würden attraktiv werden. Die erforderliche Geldmittel sollten aus dem EFSF kommen, und dadurch, dass sie in die eigene Wirtschaft fliessen in der Öffentlichkeit mehr Sympathie finden. Dieser Negativzoll könnte flexibel an die zeitliche Entwicklung und unterschiedlich in verschiedenen Bereiche der Wirtschaft angepasst werden. Vielleicht könnte man ja sogar auch andere Länder damit unterstützen. Dies würde dann im Sinne einer Nord-Süd Währungsdifferenzierung wirken, was ja auch schon im Gespräch war. Möglicherweise würde die EU dies als eine Wettbewerbsverzerrung sehen, aber hier müsste man dann durch eine zeitliche Begrenzung eine Akzeptanz herbei führen, da dem gegenüber stünde, das Griechenland dann in der EU verbleiben könnte. Mit freundlichen Grüßen, Hubert Vockensperger
Sehr geehrter Herr Vockensperger, vielen Dank für Ihre Mail. Was Sie vorschlagen ist eine Subventionierung der griechischen Waren. Das wird sehr teuer. Griechenland lebt eindeutig über seine Verhältnisse, und muss deshalb billiger werden. Daran führt kein Weg vorbei. Wir können in Europa keine Transfersysteme installieren, um falsche Preise zu stützen. Wo kommen wir dann hin? Das ist ein Fass ohne Boden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, in Ihrem Artikel „Die Drohung mit der Druckerpresse“ (Wirtschaftswoche Nr. 44) schreiben Sie, daß zuerst Irland und dann andere Länder der Euro Zone die Druckerpresse angeworfen hätten. Meine Sie damit den Druck von Bargeld? Ist dies bei den erforderlichen Summen vorstellbar? Für eine Erläuterung wäre ich sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Dipl. Kfm. Günter Kircher
Sehr geehrter Herr Kircher, mit dem Begriff „Druckerpresse“ meine ich nicht unbedingt das tatsächliche Drucken von Bargeld. Die Geldschöpfung, also die Vermehrung der Geldmenge, geschieht heutzutage sehr stark über sogenanntes Giral- oder Buchgeld, das nicht als Papier- oder Münzgeld sondern virtuell auf Bankkonten existiert. Dieses Geld entsteht etwa durch die Vergabe von Krediten. Ich verwende den Begriff "Druckerpresse" daher um bildlich zu beschreiben, was derzeit geschieht. Die Banken ziehen Notenbankkredite über das Verrechnungssystem Target, um die Zahlungsbilanzdefizite in ihren Ländern zu schließen. Für weitere Einzelheiten zum Targetsystem verweise ich auf folgenden Aufsatz: „Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB“ (http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1207364.PDF). Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zunächst einmal !DANKE! für den Fingerzeig auf die Target Salden - nirgendwo sonst wird die Unwucht in der Europäischen Bankenfinanzierung so auf den Cent genau sichtbar. Ich glaube aber nicht, das wir hier tatsächlich ein zusätzliches Risiko für die Bundesrepublik haben - wäre das Zentralbanksystem eine wirtschaftliche Einheit, hätte die doch EZB die (höchstwahrscheinlich nicht besonders werthaltigen) Ausleihungen an das griechische Bankensystem, die die griechische ZB mit den Guthaben finanziert hat, direkt in der Bilanz. Ich bin mir sicher, dass es auch zwischen den deutschen Bundesländern unausgeglichene "Targetsalden" gäbe, würde man diese erheben - und niemand würde darin einen verdeckten Länderfinanzausgleich sehen. Nach Ihren Nachforschungen sind die Salden letztlich Gegenstück zu der politisch gewollten unbegrenzten Bankenfinanzierung durch Zentralbankgeld, wofür der Bedarf naturgemäss in den Problemregionen am grössten ist. Mit dem amerikanischen Model wäre das Problem auf "mechanische" Art verhindert, aber wäre es nicht eher an der Zeit eine Beendigung oder zumindest deutliche Verteurerung der unbegrenzten Geldversorgung zu fordern? Die EZB soll gerne sicherstellen, das an sich gesunde Institute nicht in einer Marktpanik illiquide werden. Aber diese Hilfen dürften nicht so preiswert und permanent ausgereicht werden, dass sich ein Geschäftsmodell darauf aufbauen lässt. Wenn die Defizitländer so zum Defizitabbau oder Rückkehr zum regulären Kapitalimport gezwungen würden, müsste sich dies doch unmittelbar in einer Verringerung der Targetsalden niederschlagen - bitte korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege.
Sehr geehrter Herr Weissbach, Sie liegen mit allem richtig. Ich glaube nur nicht, dass es in Deutschland solche große Target-Salden gibt, selbst wenn wir dafür ein Messsystem hätten, und zwar deshalb nicht, weil alle Bundesländer zum selben Staat gehören, am Finanzausgleich hängen und deshalb allesamt ein AAA-Rating haben. Sie gewinnen nichts, wenn sie ihre Papiere an die Banken verkaufen, die sich den Kredit dafür bei der jeweiligen Niederlassung der Bundesbank holen. Dieses Geschäft lohn sich nur, wenn man vom Markt abgeschnitten ist. Man könnte nun natürlich in Europa die gleichen Verhältnisse herstellen. Das wollen die Südländer mit Nachdruck. Sie haben immer vom deutschen Finanzausgleich geträumt und wollen jetzt das EZB-System als Brechstange dafür verwenden. Vielleicht haben sie Erfolg. Nur hat das gewaltige Implikationen für die Wohlstandsverteilung in Europa und die Anreize, neuen Wohlstand zu schaffen. Wenn man die Transferunion nicht will, muss man diejenigen Länder, die ihre Druckerpresse im Übermaß bedienen, veranlassen, dafür marktgängige Papier herzugeben, wie es in den USA üblich ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herr Professor Sinn, mit großem Interesse lese ich zur Zeit das ifo Paper: ,,Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB´´. In einem Interview bezüglich der Schuldenkrise äußerten Sie sich im Mai aber wie folgt: "Das war das erste heimliche Rettungspaket", sagt Sinn. Diese Gelder müssten zu den bekannten Forderungen und Haftungen hinzu gezählt werden, womit die Staatsschulden deutlich zulegen. In Griechenland etwa um 40 Milliarden Euro auf mehr als 180 Milliarden Euro und in Irland um 150 auf rund 250 Milliarden Euro. Damit steigen aber auch die Haftungen und Kredite zur Euro-Rettung auf insgesamt 1480 Milliarden Euro. Die Hauptlast trage Deutschland mit 373 Milliarden Euro, Österreich davon rund ein Zehntel. `` Hierzu meine Frage, dass Leistungsbilanzdefizit trägt doch zur Neuverschuldung eines Staates bei. Im Falle der GIPS-Länder beträgt das akkumulierte Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2011 388 Mrd. €, gemäß Abbildung 13 Ihres ifo Papers. In diesem Paper erläutern Sie, es entfallen 88% des Leistungsbilanzdefizits auf die Target-Kredite. Wieso addieren Sie dann in diesem Interview die Target-Kredite zu den bekannten Staatsschulden hinzu, sodass in Griechenland ein tatsächlicher Schuldenstand von 181% des BIP erreicht wird. Diesen Zusammenhang verstehe ich so nicht, wenn doch das Leistungsbilanzdefizit bekannt war und dementsprechend in die Staatsschuld hätte eingerechnet werden können, denn wie Sie erläutern die Target-Kredite den größten Teil der Leistungsbilanzdefizite ausmachen. Mit großem Interesse erwarte ich Ihre Antwort Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr G., das Leistungsbilanzdefizit misst den jährlichen Zuwachs der Auslandsverschuldung eines Landes. Dieser Zuwachs besteht aus dem Zuwachs der privaten Nettoauslandsverschuldung, dem Zuwachs der öffentlichen Nettoauslandsverschuldung und dem Zuwachs der Nettoverschuldung über das EZB-System (Target). Die Target-Schuld als Bestand ist eine Schuld gegenüber ausländischen Zentralbanken und damit Staaten. Die Staatschuld üblicher Art ist eine Schuld gegenüber in- und ausländischen Gläubigern. Target-Schuld und offene Staatsschuld zusammen sind die gesamte Schuld eines Staates gegenüber In- und Ausländern. Wäre die offene Staatsschuld nur im Ausland entstanden (was sie nicht ist), wäre die Summe der akkumulierten Leistungsbilanzdefizite gleich der Summe von Target-Schuld, Staatsschuld üblicher Art und privater Nettoauslandsschuld. Doppelzählungen kommen hier nicht vor. Ich hoffe, das beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn: HB vom 12.09.2011, Seite 11, EURO, Kein Erpressungspotenzial Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Beitrag macht sehr deutlich, dass wir in dem Dilemma schon gefangen sind. Selbst, wenn wir eine neue D-Mark durch Ankauf von Euro drücken würden, hätten wir ja wieder das, was Sie mit dem Problem der Targetkonten schon ankreiden. Was mir nicht in den Kopf will, ist, dass wir in Deutschland Jahrzehnte auf eine fair bewertete D-Markt geschworen haben, warum trauen wir sie uns heute nicht mehr zu? Natürlich gäbe es Anpassungsprozesse im Übergang, aber bei den prognostizierten Kursen lagen wir vor kurzem mit dem Euro auch schon mehr oder weniger. Also warum das Geschrei? Und wenn wir einen steten Exportüberschuss pflegen wollen, zeigen uns Norwegen und andere, wie man das mit Auslandsinvestmentfonds auch tatsächlich als Kaufkraft in die Zukunft retten kann. Mit besten Grüßen
Sehr geehrter Herr P., Sie haben ja Recht. Ich habe ja nicht gesagt, dass die Bundesbank intervenieren sollte, sondern nur, dass sie es könnte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Interview in focus money Guten Tag, Herr Professor Sinn, ich beziehe mich auf das im obigen Magazin abgedruckte Interview mit Ihnen. Ich verstehe nicht, wieso die Eurobonds schlechter sein sollen, als das, was die EZB bereits schon getan hat: nämlich Schrottanleihen anzukaufen. Bei den Eurobonds wäre die Haftung Deutschlands zumindest theoretisch quotal zu begrenzen gewesen, bei den EZB Papieren haftet Deutschland gesamtschuldnerisch, im schlimmsten Fall allein. Mach ich da einen Denkfehler? Danke im Voraus für eine qualifizierte Antwort. MFG
Sehr geehrter Herr R., was die EZB macht, ist in der Tat fast dasselbe wie Eurobonds ausgeben. Man muss viele Löcher stopfen. Nicht nur eines. Aber Deutschland haftet keinesfalls gesamtschuldnerisch. Wenn die EZB kein Eigenkapital mehr hat, muss Deutschland allenfalls gemäß seinem Kapitalanteil für die Verluste aufkommen, obwohl nicht ganz klar ist, ob wir überhaupt eine bindende Nachschusspflicht haben. Eine gesamtschuldnerische Haftung gibt es jedenfalls nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, von Herrn Dipl.-Ing. Eberhard Stotko habe ich erfahren, dass er Ihnen einen Link mitgeteilt hat, der einen meiner Klima-Vorträge öffnet. Aus einem Ihrer Schreiben an ihn habe ich Ihre Bemerkung gelesen "Das mag ja alles sein. Nur die Evidenz bezüglich der Erderwärmung (ist) so erdrückend, dass...." In der Tat, in der Öffentlichkeit wird das so dargestellt und nur ein Teil der Wissenschaft darf zu Wort kommen. Aber schon immer waren Wissenschaftler der Obrigkeit zu Diensten, und was haben sie nicht schon alles begründet und gerechtfertigt - nicht nur aus Selbstschutz, oft auch sehr zum eigenen Nutzen! Das hat schon lange vor der Hexenvbrennung angefangen und hat mit dem Holocaust noch nicht aufgehört. Der Mechanismus wirkt weiter, denn die Menschen haben sich nicht geändert. "Es ist gefährlich recht zu haben, wenn die Regierung unrecht hat", erkannte Voltaire, und Giraudoux fügte hinzu: "Den Irrtum erkennt man daran, dass alle Welt ihn teilt". Genau diese Situation liegt vor. Ich füge Ihnen Auszüge aus zwei Arbeiten bei, die aufzeigen, warum es einen Klimawandel gibt, und wir ihn angeblich verursachen (Bahcmann, Jaworowski). Und außerdem zwei Ausarbeitungen von mir. Ich bin kein Klimaforscher, sondern werte lediglich reale Messwerte aus, was einfach ist und jeder kann, denn die Daten sind im Internet verfügbar. Die daraus hergestellten Temperaturganglinien zeigen die üblichen Temperaturschwankungen, aber keinen wirklichen Klimawandel; sie lassen einen Einfluss von anthropogenem CO2 nicht erkennen, denn in den letzten Jahrzehnten war die Entwicklung nicht anders als in der vorindustriellen Zeit. Vielleicht können Sie sich die Zeit nehmen, mal 'reinzuschauen. Falls gewünscht, trage ich gerne bei ihnen vor. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr E., meistens findet man nichts, wenn man schaut. So ist das in der Wissenschaft. Das heißt nicht, dass es nichts gibt. Die Evidenz zum Klimawandel finden Sie im ersten Kapitel meines Buches „Das grüne Paradoxon“. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe das Interview mit Ihnen in Bayern-Alpha gesehen: Ich finde, daß die gegenwärtige Finanzpolitik mehrerer europäischer Regierungen fast kriminelle Züge hat. Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich, warum man nicht eine Sondersteuer für alle großen Unternehmen einführt, die der Allgemeinheit in der einen oder anderen Art (sei es z. B. durch Umweltschäden oder Finanzkrisen ...) größere Kosten verursacht haben oder verursachen. Auch Firmen, die Waffen produzieren, sollten mit einer Sondersteuer belegt werden (und zwar in solcher Höhe, bis diese Firmen aus Deutschland verschwinden oder kaputt gehen)! Außerdem sollte meiner Meinung nach z. B. die Mehrwertsteuer um 1-2 Prozent weiter erhöht werden - genauso wie etwa die Steuern auf Alkohol und Zigaretten. Jegliche Verschwendung von Staatsgeldern, die regelmäßig vom Bundesrechnungshof dokumentiert wird, sollte strafbar sein. Wir leben längst in einer Gesellschaft, in der ein falsch verstandener "Liberalismus" zur Gefahr für das Staatswesen und das Allgemeinwohl geworden ist: Viele Untaten in Politik, Finanzwesen, Wirtschaft, die dem Allgemeinwohl extrem schaden und von vielen (oder den meisten) Bürgern eigentlich als Straftaten empfunden werden, stehen schlicht nicht unter Strafe, werden von keiner Staatsanwaltschaft verfolgt. Viele Politiker trauen sich gar nicht mehr, die als rational eigentlich richtig erkannten Maßnahmen zu ergreifen oder auch nur auszusprechen. Wenn die internationale Staatsverschuldung nicht viel konsequenter bekämpft wird (wobei in Zukunft noch die enormen Kosten zur Eindämmung des Klimawandels hinzukommen!), sehe ich für zukünftige Generationen ernsthaft die Möglichkeit für gewaltsame Ausschreitungen und möglicherweise sogar Umstürze. Es wäre evtl. ratsam, für die Staatengemeinschaft sich lieber früher als später zu einer Um- und Entschuldungskonferenz zusammenzufinden, bevor das alles in eine gigantische, unkontrollierbare Katastrophe führt. PS: Die EU ist nicht in erster Linie eine Währungsunion für die Bürger sondern für die WIRTSCHAFT - als solche wurde sie konzipiert und viel zu schnell und ohne genügende Sorgfalt umgesetzt - ganz ähnlich wie damals Stoiber gedrängt hat, die marode Bank zu kaufen und seine Minister das abnicken ließ (obwohl er vor den Folgen schriftlich gewarnt wurde).
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Aussagen zum historisch hohen CDS-Kurs der Bundesrepublik Deutschlands gelesen. Sie verwenden die in $ notierten CDS-Kurse (gestern 133 BP). Die in € notierten CDS-Kurse lagen gestern deutlich darunter bei 88 BP. Bei Großbritannien lag der CDS-Kurs bei 113 BP notiert in $ und 103 BP notiert in €. Wieso verwenden Sie die in $ notierten Kurse und wie erklären Sie sich den großen Unterschied für Deutschland? Ein Konkurs Deutschlands würde vermutlich mit einer massiven Abwertung des Euro einhergehen.Dann müsste aber doch der CDS-Kurs in € sogar höher als der in $ sein, da die 88 BP in Euro über die Jahre immer weniger Wert sein würden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr B., die in Dollar notierten CDS-Prämien reflektieren das Konkurs - und Abwertungsrisiko Deutschlands. Wenn man das deutsche Risiko mit dem englischen vergleichen will, muss man beides auf Dollar-Basis rechnen. Sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Wenn der deutsche CDS-Preis in Euro und der britische auch in Euro ausgedrückt wird, dann ist beim britischen das Abwertungsrisiko des Pfund dabei, beim deutschen nicht. Der deutsche CDS-Preis in Dollar ist höher als der entsprechende CDS-Preis in Euro, weil die Märkte auch befürchten, dass der Euroraum inflationieren und der Euro abwerten wird (wie Sie richtig sagen). Das Abwertungsrisiko ist das Risiko, dass sich der deutsche Staat durch Inflation, die eine indirekte Form von Staatskonkurs darstellt, durch einen offenen Konkurs vor der Rückzahlung drücken wird. Es ist ein zusätzliches, konkursähnliches Risiko das zum Konkursrisiko im eigentlichen Sinne hinzutritt und deshalb die Versicherungsprämie erhöht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hans-Werner Sinn, sie sind mir bekannt vom Fernsehen. Es gab eben in meinen Bekanntenkreis eben eine Diskussion wie man sein Geld am besten anlegen könnte. So richtig ist man sich nicht einig geworden, bis ein Gesprächpartner auf die Idee kam zu fragen, wie Sie ihr Geld in der heutigen Zeit anlegen. Ist es möglich, daß Sie mir Tips geben, wie man sein Geld am besten anlegt ? Es geht um Beträge von 150.000 € bis etwa 10.000.000 € Ich hoffe diesbezüglich auf eine vernünfitge und ehrliche Antwort.
Sehr geehrter Herr M., deutsche Immobilien sind auf absehbare Zeit der Renner, weil die Krise viele Leute den sicheren Hafen suchen lässt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe eine Frage bezüglich der Irlandhilfen durch den EFSF. In einem Ihrer Vorträge stellen sie die Ursache für die Irlandhilfen heraus, Irland habe seinen Banken ein Rettungsversprechen im Umfang des 2,5 fachen des irischen BIPs. Wurden die ELA-Kredite in Höhe von rund 50 Mrd. € verwendet um ein Teil der Refinanzierung der Banken zu realisieren? Wenn ja, hat Irland deshalb Hilfen durch den EFSF beantragt um nicht komplett über ELA-Kredite die Banken zu retten, da sich so ja die Geldmenge erhöhen würde und somit die Inflation? Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr G., Irland hat sich mit Händen und Füßen gegen die EFSF-Hilfe gewehrt. Man fragt sich, warum sie nicht gerettet werden wollten, wenn sie doch in Nöten waren. Die Antwort: Sie hatten sich zuvor ja schon selbst durch Refinanzierungskredite zu einem Zins von 1% gerettet, konkret mit der Gelddruckmaschine. (ELA ist ein Teil dieser Kredite. Nämlich jene Refinanzierungskredite, die ohne Sicherheiten vergeben werden und vom irischen Staat verbürgt werden.) Beim EFSF mussten die Iren aber 6% bezahlen. Es ist klar, was sie vorzogen. Der niedrige Zins, den man für das Recht, sich Geld zu drucken, zahlen muss, ist der Grund dafür, dass der irische Premier angekündigt hat, nächstes Jahr wieder aus dem Rettungsschirm heraus zu wollen. Heute zahlt man 1,5%. (Es ist immer der Hauptrefinanzierungszins.) Mit der Inflation hat das nichts zu tun. Wenn man sich über den EFSF finanziert fließt das Geld vom Rest der Eurozone nach Irland und von dort für den Kauf von Gütern oder Assets (Kapitalflucht aus Irland) wieder zurück in den Rest der Eurozone. Wenn sich Irland über Target finanziert, wird der Gelddruck und die Kreditvergabe der jeweiligen nationalen Notenbanken vom Rest der Eurozone nach Irland verlagert, und das Geld fließt dann wieder zurück dorthin für den Kauf von Gütern oder Assets. Kein Unterschied. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, als Argument wird ja auch immer europäische Solidarität von den Geber-Ländern gefordert. In diesem Zusammenhang würde ich gern einmal wissen, wieso aus z.B. Deutschland Unterstützungsleistungen erwartet werden, solange dem zu unterstützenden Staat noch EIN Staatsbürger angehört, der über ein höheres Einkommen oder Vermögen verfügt, als der „ärmste“ deutsche Steuerpflichtige. Anders gefragt, was ist daran solidarisch, wenn ein deutscher Facharbeiter mit einem angenommen Einkommen irgendwo um die 3.000,- Euro auch nur einen Euro von seinen Steuergeldern auf’s Spiel setzen soll (ob nun als Direktleistung, Bürgschaft, Garantie oder wie auch immer), solange viele Griechen, Portugiesen, Italiener, Franzosen usw. (die Herren Berlusconi, Papandreou und Sarkozy eingeschlossen!) über weit mehr Mittel verfügen als unser Facharbeiter. Diese Frage hätte ich auch gern einmal von den angeblich verantwortlich handelnden Politikern aller Fraktionen beantwortet; und das bitte ohne die hinlänglich bekannten Ausflüchte (wie z.B. sich hinter dem Vorwurf der Polemik zu verstecken). Denn diese Frage stellen sich wohl so langsam immer mehr Menschen. Die ehrliche Antwort liegt, so glaube ich, klar auf dem Tisch: Es geht nicht um eine Art Länderfinanzausgleich. Nein, was hier stattfindet ist eine massive Umverteilung von unten nach oben. Und die Politiker der PIGS+F-Staaten spielen mit, weil sie eine realistische Chance sehen, PIGS+ihre Wahlgeschenke an das ausgeplünderte Volk aus dem deutschen Steuertopf finanzieren zu können. Und das so elegant, dass kein Normalbürger weiß, wie er dem begegnen kann. Und weder die Verfechter der Marktwirtschaft noch Sozialdemokraten vertreten das Volk, welches sie gewählt hat; letztere sehen sogar in Eurobonds eine Lösung. Diesen Politikern scheint der Blick für die Wirklichkeit völlig abhanden gekommen zu sein, die Grundrechenarten eingeschlossen. Mit herzlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, vielen Dank auch für diesen Beitrag. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Veröffentlichungen zur Problematik der Target-Salden, die ich mit großem Interesse aufgenommen habe. Worauf ich mir allerdings bislang keinen Reim machen kann, sind die verglichen mit der Bundesbank noch viel exorbitanteren Außenstände der luxemburgischen Zentralbank. In Relation zur Einwohnerzahl sind deren Forderungen nämlich wesentlich (um etwa das 33-fache!) höher, als diejenigen der Bundesbank, wenn man sie auf jeden Deutschen umlegt. Bisher konnte ich noch nirgends eine Antwort darauf finden, wie dieser unglaublich hohe Target-Saldo Luxemburgs zustande kommt. Haben Sie eine Erklärung dafür? Mit freundlichen Grüße
Sehr geehrter Herr S., Sie haben Recht, die Target-Forderungen von Luxemburg sind pro Kopf gerechnet sehr hoch. Das liegt an dem überproportional großen Bankensektor dort. Die hohe Target-Forderung dürfe Ausdruck einer Kapitalflucht aus Krisenländern sein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in den Medien wird vermehrt berichtet der Euro habe Deutschland geholfen (ja, er soll sogar das Wachstum beflügelt haben). Prominente und aktuelle Beispiele sind die FAZ und das Handelsblatt. Beide Medien beziehen sich auf eine McKinsey Studie. Hier die Links zu den Artikeln: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/euro-bringt-deutschland-milliarden-wachstum/5498858.html http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/im-gespraech-frank-mattern-wir-verdanken-dem-euro-ein-drittel-des-wachstums-11499521.html Besonders interessant ist die Grafik im Artikel der FAZ. Die Daten vergleichen (so wie ich das sehe) 2010 mit 2009. Ein Jahr in dem unsere Exporte sich abschwächten als Folge der Krise und ein Jahr in dem die Exporte bereits in den ersten Monaten stark anzogen... Das ist meiner Meinung nach nicht sehr seriös solche Jahre zu vergleichen. Außerdem soll Deutschland dem Euro 1/3 seines Wachstums verdanken. Dass ist lächerlich. Der einzige Sektor der stark wuchs war der Exportsektor, dass das keinesfalls nur gut ist kann man ja bei ihnen nachlesen (Stichwort "Basar"). Laut Mckinsey trug der erhöte Handel innerhalb der EU (er versteift sich sehr auf den Export in seiner Argumentation) zum Wohlstandswachstum in Deutschland bei. Wenn er damit meint unser Export in die Euro-Länder sei gestiegen, ist das nachweislich falsch. Er ist gesunken in Länder mit der gleichen Währung. Deutschland hat schon immer viel exportiert auch und gerade mit starker DM. Das wird jeder Währungsexperte zeigen können. Meint man damit aber den gesamten Handel in der EU, erschließt sich mir nicht wie wir davon profitieren und vor allem wenn alles auf Sand gebaut ist und sie es mit "unserem" Geld (Kapitalbilanz) bezahlen. Außerdem kann man doch nicht sagen der Euro hat uns als einziges geholfen hat. Das ist Monokausalität und damit nicht haltbar. Es gab seit den 90' viele Effekte die einander beeinflussten und nicht nur den Euro. Nach ihrem Basartheorem wäre der Vorteil einer starken DM groß gewesen oder nicht? Wieso um alles in der Welt sagt der Herr von McKinsey: "Das finde ich nicht überzeugend. Wie haben in Deutschland eine Veredelungsindustrie.". Damit wiederspricht er sich selbst. Wir importieren mit starker Währung günstig und exportieren teuer (wir exportieren ja keine Bananen oder Mangos sondern hochquaitative Güter...). Herr Prof. Sinn sollte Ihnen diese Studie im Detail vorliegen bitte nehmen Sie dazu Stellung.
Lieber Herr Meyer, vielen Dank für Ihren Beitrag. Leider liegt mir die McKinsey Studie im Original nicht vor. Bislang wurde von McKinsey nur eine Pressemitteilung mit den von Ihnen bereits genannten Fakten veröffentlicht. Die Aussage, dass Deutschland der Hauptprofiteur des Euros sein sollte, ist für mich nicht ersichtlich, auch wenn von Seiten der Politik immer wieder darauf hingewiesen wird. Ein Blick auf die Entwicklung diverser Wirtschaftsdaten legt jedoch den Schluss nahe, dass sich die wirtschaftliche Expansion in Deutschland relativ zu der in den übrigen Teilnehmerstaaten des Euros im Zeitraum von 1995 bis 2010 mäßig gestaltet hat. So wies Deutschland in dieser Zeitspanne das zweitniedrigste Wirtschaftswachstum auf. Von 1995 bis 2010 nahm das BIP in Deutschland etwa um 20,4% zu. Im gleichen Zeitraum weisen Länder wie Irland oder Griechenland Wachstumsraten von 102,3% bzw. von 45% auf. Auch fiel Deutschland in dieser Zeit beim BIP pro Kopf vom 3. auf den 10. Platz zurück. Darüber hinaus floss das deutsche Sparkapital nach Einführung des Euro verstärkt ins Ausland. Damit hat es dort einen Boom erzeugt, wie etwa in Spanien und Irland. Vielfach wird behauptet, unsere Außenhandelsüberschüsse zeigen wie sehr wir vom Euro profitiert haben. Diese Argumentation verkennt, dass der Außenhandelsüberschuss mit einem Kapitalexport aus Deutschland einhergeht. Damit ist dieser Überschuss Ausdruck des oben genannten Abflusses von Sparkapital aus Deutschland und keineswegs ein Erfolgssignal. Der Kapitalabfluss führt zur Flaute. Es wird wenig im Inland investiert und die Lohnentwicklung ist schwach, was den Konsum dämpft. Damit ist die Inlandsnachfrage generell vergleichsweise gering. Nähere Ausführungen zu diesem Thema, können Sie in dem von mir verfassten ifo Standpunkt „Wer vom Euro profitiert“ nachlesen. Sie finden den Beitrag auf der ifo Internetseite unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp120.htm. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Italien muß im 2. Hj.2011 insgesamt 275 Mrd. € umschulden. Gehen die um 100 Mrd. € für Italien erhöhten Target-Salden darauf zurück, daß Italien an den Kapitalmärkten derzeit nicht mehr kreditwürdig ist und seine auslaufenden Anleihen über diese Notenbankkredite finanziert? Zweite Frage: Stünden Sie bis zum Jahresende für eine FDP-Veranstaltung zur Schäffler-Initiative in Ihrer (und meiner) Heimat Ostwestfalen-Lippe als Redner oder Podiumsdiskutant zur Verfügung? Mit lippischem Gruß Michael Hentschel, Detmold
Sehr geehrter Herr Hentschel, vielen Dank für Ihre Mail. Es gibt eine Kapitalflucht aus Italien. Dies führt auch zu den erhöhten Target-Salden. Das ist in der Tat ein weiterer Beleg für die ungewollten Wirkungen des derzeitigen Target-Systems. Der Staat Italien kann allerdings nicht direkt seine auslaufenden Anleihen über Notenbankkredite finanzieren. Aber es ist für die italienischen Banken offensichtlich der Weg, den Kapitalabzug zu bewältigen. Bezüglich der Vortragsanfrage muss ich Sie enttäuschen. Es fällt meiner Sekretärin zunehmend schwerer, noch Zeit aus dem Kalender herauszuquetschen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Krise treibt mich um und wo findet man noch Gehör? Eine naturwissenschaftlich bewiesene Wahrheit ist, dass aus Nichts kein Etwas zu schaffen ist; der Homunkulus ist Schimäre - überall - auch in der Finanzwirtschaft. Das bedeutet: Hinter jeder Summe Geldes muss irgendjemand stehen, der letztenendes bezahlen muss. Das ist auch bei "Hebelungen" nicht anders; egal in welcher rechtlichen Ausgestaltung. Konkret gesagt: Nehmen wir mal an, die deutsche Haftung bleibt rechtlich tatsächlich auf nominal 211 MRD Euro begrenzt. Aber was passiert, wenn die Privaten (Banken, Versicherungen, Fonds etc), die die über den eigentlichen Rettungsschirm um ein Vielfaches hinausgehende Summe kreditiert haben, ihrerseits vor dem Konkurs stehen (weil irgendwann jede Summe aufgebraucht ist; und weil wer schon 300 Mrd nicht zurückzahlen kann, erst recht nicht 2,5 Billionen zurückzahlen kann)? Also was ist dann? Die Antwort ist einfach: Dann müssen diese Privaten (die heute die Lösung sein sollen) gerettet werden! Besser gesagt, sie müssten gerettet werden; nur ist dann selbst die vormals gesunde Bundesrepublik überfordert. Dann haftet Deutschland am Ende der Fahnenstange für 2-3 Billionen und das bedeutet "Pleite"! Dann bekommen wir Hyperinflation und Währungsreform! Dann ist alles, was seit '45 in Deutschland aufgebaut worden ist an privater und öffentlicher sozialer Sicherheit auf dem kalten Weg verschleudert worden. Verschleudert ohne dass der Bürger sich wehren konnte, verschleudert von einer unheiligen Allianz von Politikern, die ihren Auftrag, das Volk zu vertreten, nicht zu kennen scheinen, Finanzjongleuren, die sich mit prallen Taschen davonstehlen und einem Verfassungsgericht, das bei großen Fragen versagt (leider gerade da). Die Lösung? Cameron hat Recht: Schnell und massiv muss gehandelt werden. Aber bei den Mitteln irrt er: Nicht noch mehr Geld (Schulden), sondern Gesetze (ge- und Verbote) müssen her: Oft gesagt und nicht von mir erfunden: Finanzmärkte regulieren. Und zwar genau so im Schnellstverfahren, wie auch sonst in wenigen Tagen Gesetze durchpeitschen werden, wenn es ums Geldausgeben geht. Und das auch national! Egal, was es kostet: Jede andere Lösung wird teurer. Im Übrigen: Nachweispflicht hinsichtlich des Erwerbs von Finanztiteln, so wie man auch z.B. bei einem Auto die Rechtmäßigkeit des Besitzes nachweisen muss. Und Forderungen, die aus Finanztransaktionen resultieren, die nicht den nach deutschen Gesetzen geforderten Standards entsprechen, werden eben in Deutschland nicht anerkannt, sind hier nicht durchsetzbar. Wer z.B. im Lande X eine Frau nach den dortigen Gesetzen ganz legal gekauft hat, kann diesen Anspruch doch auch nicht in Deutschland gerichtlich durchsetzen. Mit freundlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Analyse. Stimme voll und ganz zu. Über die Politikmaßnahmen, die Sie vorschlagen, kann man debattieren. Wichtig ist es, ein Verfahren zu etablieren, dass für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESfio hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herren, bei einer Staats-Bonität ist es wie bei einem privaten Unternehmen, oder im Bankgeschäft, die Bonität ist schnell kaputt geredet (auch wenn es stimmt , dann heisst es, rette sich wer kann). Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Eine von Ihnen diskutierte Insolvenz Griechenlands muss unbedingt verhindert werden, es würde ein Domino-Effekt folgen, die anderen schwachen Südländer würden ebenfalls - sehr gerne- folgen, um ihre Schulden los zu werden, dies auf Kosten der 26 % - Quote der Deutschen in der Euro-Finanzierung. Die Banken-Engagements in diesen Ländern wären ebenfalls abzuschreiben. Das zusammen dürfen Sie sich ausrechnen. Es muss unbedingt eine langfristige Umschuldung dieser Länder erreicht werden, der einzige Ausweg. Siehe hierzu die Anlage. Die Sparmassnahmen lassen sich nur mittelfristig umsetzen, ohne dauernde Regierungswechsel und Instabilität . >Die Südländer haben sich viel zu kurz- und mittelfristig als Staaten verschuldet, aus dieser Falle müssen sie herausgebracht werden. > >Zeit gewinnen und geben, zählt dazu. > >Wir sollten darauf drängen, dass der Verwendungszweck für die EFSF Tranchen genau überprüft wird, sinnvoll ausgegeben wird,nicht in dubiosen Kanälen versickert, also keinesfalls frei verfügbar ausgezahlt wird. >Die Ratingagenturen, die evtl. auf default stellen, haben dieses Problem ( langfristige Aktiva kurzfristig anfinanziert, Risiko der Umschuldung) garnicht erkannt, liegen mit ihren Ratingeinschätzungen deshalb schief. >Die aktuell fälligen Anleihen von Griechenland sind restlich in 2011 und 2012 nicht so hoch, viel schlimmer ist ein Flächenbrand auf die anderen schwachen Südländer. > Wäre es nicht so teuer, verlorene oder nicht verlorene ZINSZUSCHÜSSE für Neuanleihen , als Differenz zu einem europäischen Durchschnitt zahlen, und zwar allenfalls Jahr FÜR JAHR. >Dies , weil Deutschland wohl als sicherer Hafen aktuell niedrigere Zinsen zahlt, als sonst ohne Eurokrise zu zahlen wäre. >Dies auch nur sukzessive nach erfüllten Auflagen z.B. zur Sanierung des griechischen Staatshaushaltes. Wichtig ist, dass die Regierungen und die Parlamente der Südländer selbst mit überzeugenden Sparmassnahmen Vorbild zeigen, z.B. sich die Gehälter selbst kürzen, oder die Pensionen, oder sonstige Vorteile, worüber die breite Bevölkerung erbost ist. Wie soll eine Bevölkerung in Griechenland seiner Regierung folgen, wenn diese sich ( 3 führende Familienclans) sich jahrelang die Taschen vollgestopft haben ? > >Unser Parlament sollte gem. dem BVG-Urteil seine Rechte stärker nutzen, jedoch fachkundig diskutieren, nicht auf Wählerstimmer schielen. Im übrigen zu den diskutierten Eurobonds: Es wäre der Einstieg zum Ende , d.h. die reichen Nordländer sollen dann unbegrenzt in jeder Hinsicht für die armen Südländer zahlen. Auf keinen Fall dürfen wir als Deutsche dadurch für das KAPITAL der Altschulden und Neuschulden haften. >Das wäre nicht nur die Belohnung der Schuldigen ( z.B. hat u.a. die Mafia in den 90 er Jahren Billionen schlechter Lira auf italienische Versichrungen eingezahlt, die dann durch die Euroeinführung in gutes Geld umgewandelt wurden), sondern als weitaus schlimmer für die Nordländer vergleichbar mit einem Währungsschnitt. Dieser Einstieg würde von den anderen schwachen Ländern auch gefordert, und dies würde indirekt zu einem Euro-Währungsschnitt führen, den die breite Bevölkerung der Deutschen und der anderen Nordländer so direkt erkennen würde. Freundliche Grüße Hans-Friedrich Neuerburg P.S. Über 40 Jahre im Bankgeschäft einer deutschen Großbank
Sehr geehrter Herr Neuerburg, vielen Dank für diese Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, gibt es bei den ausufernden Target-Krediten ein Limit, oder ist das ein Selbstbedienungsladen bis Deutschland pleite ist? MfG Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, letzteres, so befürchte ich. Es gibt keine Limits, außer dass die Banken des jeweiligen Landes Sicherheiten brauchen, die den vom Zentralbankrat festgelegten Standards entsprechen. Aber die wurden laufend gesenkt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihr Interview bei BR alpha gesehen, in dem Sie es als Ihre Aufgabe bezeichneten, als Chef des Ifo-Instituts die Öffentlichkeit politisch aufzuklären und die Debatte über wirtschaftspolitische Fragen zu fördern. Nun würde ich Sie gern mal aus der Perspektive eines interessierten Laien, der ja nach Ihrer vertretenen Ansicht in die Diskussion als Bürger eingreifen soll, auf den einen oder anderen offenen Punkt ansprechen, den ich allein nicht aufzuklären imstande bin. Vielleicht können Sie solche Anregungen ja in einen Ihrer nächsten Beiträge mit einbauen. So lese ich bei Martin Wolf in der FT in einer Auseinandersetzung mit Ihnen, dass Länder zwar durchaus ihre innere Wettbewerbsfähigkeit durch Austeritätsmaßnahmen wiederherstellen können, aber er schreibt, man könne nur "mit zwei Händen klatschen". Also müsse auch speziell Deutschland im Gegenzug etwas leisten: Konjunkturförderung, höhere Inflation etc. Wie stehen SIe dazu, geht das wirklich, dass die GIPS-Länder nur durch Gürtel enger schnallen vorankommen? Auf der anderen Seite scheint das ja bei Lettland und Irland durchaus geklappt zu haben. Hier bin ich durchaus verwirrt, vielleicht können Sie demnächst dieses zentrale Thema noch einmal in einem Aufsatz oder Debattenbeitrag erörtern, vielen Dank! Herzliche Grüße Ulrich Lenze, Hamburg
Sehr geehrter Herr Lenze, Sie haben Recht. Wir müssen stärker inflationieren und wachsen. Das tun wir ja auch. Konjunkturförderung vom Staat brauchen wir dafür nicht, denn es läuft ja vergleichsweise gut. Weil das Kapital krisenbedingt in Deutschland bleibt, kommen wir nun wieder stärker hoch, wachsen im Inneren und importieren mehr, während der Export durch die Inflation einen Dämpfer kriegt. Wenn wir nicht im Euro-Durchschnitt eine größere Inflation haben wollen, müssen andere Länder gleichwohl billiger werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Staatsverschuldung und Bankenschuld Banken handelten jahrelang im Rahmen der staatlich vorgegebenen Bedingungen: Staatsfinanzierungen sind erwünscht; Staaten können nicht Pleite gehen; keine oder nur geringe Kapitalunterlegung erforderlich; lt. Anlagerichtlinien bevorzugt zu berücksichtigen. Die "plötzlich" festgestellte Überschuldung bzw. die daraus resultierenden Kreditausfälle sollen nun rückwirkend aus höherem Eigenkapital bestritten werden. Welche (dummen) Investoren sollten denn nun neues Eigenkapital bereitstellen, wenn dieses sofort anschließend durch die - letztlich staatlich verursachten - Kreditverluste wieder vernichtet wird? Allerdings nahmen die Banken mit Vergnügen die stetig steigenden Zinsen in Anspruch - was nach Marktusancen überdeutlich "steigendes Risiko" anzeigt. Dies und eine gewisse Blindheit gegenüber der finanziellen Situation ihrer staatlichen Kreditnehmer muss dazu führen, die Banken ebenfalls in die Pflicht zu nehmen. Das Grundübel 'Überschuldung' hat rein politische Ursachen und kann den Banken alleine nicht zur Last gelegt werden. Leider bedeutet 'Staatshaftung', dass dafür der Steuerzahler (das heißt die, die auch tatsächlich Steuern zahlen!) einzutreten hat. Die somit zweiseitige angelegte Schuldfrage muss deshalb auch von beiden Seiten gemeinsam geschultert werden. Eine Lösung dazu wäre m.E.: Die Zinsen der oder bestimmter Kredite werden temporär auf bzw. in Richtung Null gestellt. Die eingesparten Zinszahlungen sind als Tilgungen zu leisten. Das trifft die Gläubiger (-Banken) auf Jahre hart, bringt sie aber nicht selbst in die Zahlungsunfähigkeit. Positiver Nebeneffekt: Die Schuldnerstaaten haben keinen Zugang mehr zu privatem Kapital; notwendige Finanzierungen sind nur über die Staatsfonds (EZB, IWF etc.) und nur unter strenger Kontrolle möglich. Evtl. darüber hinausgehend erforderliche Direktabschreibungen müssten aufgrund der staatlichen Mitschuld staatlicherseits durch die zeitweilige Erlaubnis eines geringeren Eigenkapital-Prozentsatzes (eine 'nur' synthetische Festlegung) aufgefangen werden. Wieso die zuletzt beschriebene, m.E. pragmatische Lösung in der öffentlichen Diskussion nicht vorkommt, verstehe ich nicht. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr V., es ist ein Fehler der Basel II Regelungen für die Banken, dass die Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegt sein müssen. Leider bringt hier auch die Nachfolgeregelung Basel III keine echte Lösung. Wenn nun private Investoren den Banken kein neues Kapital zu Verfügung stellen, müssen die Staaten es tun. Ja die Banken müssen sogar gezwungen werden, das Staatsgeld anzunehmen, wenn sie es brauchen. Versuchen die Banken alternativ durch eine Reduzierung ihres Kreditgeschäfts zu gesunden, laufen wir in die Kreditklemme. Die soll eine Zwangskapitalisierung verhindern. Temporär geringere Eigenkapitalquoten zu verlangen halte ich dagegen für einen gefährlichen Weg. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Anliegen gilt der Diskussion über die von Ihnen analytisch aufgedeckten Targetproblematik.Über ein offensichtlich eindeutiges Problem(s.Schlesinger) findet gegenwärtig eine verwirrende Fachdiskussion statt. Auch im neuen ECB-Monatsbericht wird analog zur Bundesbank die Targetproblematik (bewußt) verharmlost und über Seiten eine Analyse der spezifischen "Technicalities" des Targetsystems angeboten.Die Tatsache das Target von den "Südländern" als neue Finanzierungsform für die Zahlungsbilanzdefizite verwendet wird,wird nicht akzentuiert und so getan, als wenn es sich dabei um die normalen Risiken der Zentralbank im Geldschöpfungsprozeß handeln würde.Mich würde interessieren, was passiert mit den Forderungen der Bundesbank im worst case der Staatsinsolvenz einzelner Staaten wie z.B. Griechenland. Die griechischen Banken können doch dann sicherlich ihre Verbindlichkeiten gegenüber der ECB(=Forderungen d.Buba)nicht erfüllen? Mit freundlichen Grüßen Josef Holzer
Sehr geehrter Herr Holzer, da die griechischen Banken mit Staatspapieren vollgepumpt sind, sind sie allesamt sofort pleite, wenn der griechische Staat pleite ist. Wenn Griechenland nicht zahlen kann, verlieren wir unseren Kapitalanteil an den Target-Forderungen gegen Griechenland, etwa 28%. Wenn alle GIPS-Länder pleitegehen, verlieren wir 33%, und wenn Italien auch noch pleitegeht, 43%. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich kenne Ihre Vorlesung zur Eurokrise aus dem internet. Können Sie meinen Gedanken dazu etwas abgewinnen? Mit freundlichen Grüßen Ulf Waltz Den Abgeordneten des Bundestags hoffnungsvoll gewidmet Notstands-Gesetze Sehr geehrte Damen und Herren, alle haben wenig Zeit. Ich versuche deshalb mich kurz zu fassen. Folgende Einwände sprechen gegen jegliche Erweiterung des "Euro-Rettungsschirms": Europa und der Euro sind nicht identisch 1. Es sind die kulturellen Wurzeln, die Europa zusammen halten, nicht die gemeinsame Währung. Die Argumentation über einen Rettungsschirm wird unwahrhaftig geführt und ist irreführend, wo politische und wirtschaftliche Motive sich miteinander vermischen. 2. Die notwendige Solidarität mit Griechenland (und weiteren Ländern der Union) drückt sich nicht im Geldtransfer, sondern in der Hilfe zu einem Neubeginn aus. Helfen kann man Griechenland erst wenn man den Mut hat, es vom Euro abzukoppeln (ihm eine Art Quarantäne ermöglicht), über Schuldenstreckung oder Schuldenerlass verhandelt und eine eventuelle Insolvenz helfend begleitet. Es ist also nicht ein Rausschmiss das Motiv (damit wir vielleicht ungeschoren davon kommen), sondern die Gewissheit, dass eine notwendige Abnabelung die Voraussetzung bildet, um solidarische Hilfen wirksam zu machen. Alle bisherigen Mass- nahmen versickern. Sie verschleiern und verschleppen das Problem: und die Zeche zahlen unsere Kinder 3. Eine abgewertete Währung ermöglicht Griechenland den Neubeginn. Es kann den Tourismus zu steigern und (wie andere Länder des nahen und fernen Ostens) Aufträge aus ganz Europa übernehmen, die wieder wirtschaftlichen Aufschwung einleiten. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte Griechenland sich so konsolidieren, dass es unter bestimmten Voraussetzungen erneut in den Euroraum eintreten und seinerseits anderen Ländern solidarisch helfen kann. 4. Alle vorgeschlagenen Sparprogramme und Schuldenbremsen sind ohne den Willen des Volkes - ohne seine Einsicht und Opferbereitschaft - niemals durchzusetzen. Angedrohte Strafzahlungen oder andere Repressalien sind nicht zu realisieren, wenn nichts da ist und man schon mildere Vorgaben zu erfüllen nicht in der Lage war. Der Geld- transfer ermutigt nur weiterzumachen wie bisher. Warum auch nicht? 5. Solange insolvenzgefährdete Länder mit dem Euro verbunden sind, muss der Euro schwächeln - nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße. Erst die Trennung stärkt den Euro und versetzt ihn in die Lage (enthebt ihn aber nicht der Pflicht) effektvoll und solidarisch zu helfen. Die starken Euroländer und ihre Banken müssen rechtlich die Möglichkeit bekommen, uneinbringbare "Rettungsschirm"-Milliarden auf 20 bis 30 Jahre abschreiben. Sie müssten zinslos auf der Euro-Badbank eingelagert werden und sich jedes Jahr um 3 bis 5 % verringern. So gewinnt man auch Zeit für eine grundsätzlich notwendige Reform des internationalen Finanzwesens. Europa braucht Notstandsgesetze um für die kommende Finanz- und Bankenkrise gewappnet zu sein. D.h. befristete Gesetze, die - im voraus für 3 bis 5 Jahre vom Parlament verabschiedet - fertig in der Schublade liegen und die nach festgelegten Kriterien ohne weiteres wirksam werden können. Darin sind geregelt: - die Begrenzung von hohen Einkommen - die Besteuerung hoher Einkommen durch Sonderprogressionen - die Einführung einer progressiven Vermögenssteuer - Anhebung der Erschaftssteuersätze - die Begrenzung von Unternehmensgewinnen (Erträgniswucher) - Begrenzung und Abschöpfung von Renditen - Begrenzung von Zinsen (Zinswucher) - die Deckelung von Beamtengehältern und Renten ab 1.500 Euro - die Einführung hoher Transaktionssteuern, Spekulationsgewinn- und Kapitalertragssteuern, um kurzfristige Spekulationen einzudämmen (wenn sich gewisse Tendenzen der "Märkte" schon nicht verbieten lassen, soll die Allgemeinheit wenigstens daran mitverdienen - insbesondere bei Hedgefonds). - Begrenzung des freien Geldverkehrs - Begrenzung von Unternehmensverkäufen und -fusionen (Zustimmungspflicht von Betriebsbelegschaft und staatlichen Organen) - Reform der Sozialleistungsansprüche - Reform der Asylrechtsansprüche und alternative Vorschläge für eine sinnvolle Weltwährungsreform. Oder, wollen Sie wirklich Ihre Kinder und Enkel für unsere Versäumnisse bezahlen lassen? Mit freundlichen Grüßen Ulf Waltz
Sehr geehrter Herr Waltz, diese drakonischen Maßnahmen sind vorläufig übertrieben. So weit sind wir noch nicht. Es wäre besser, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
May I just take the opportunity to congratulate you on your recent. Saving The Euro article. My goodness. How crisp, balanced and very astute it. It was a pleasure to read. Kind Regards. Ps. I have 250.000 euros to invest. Which I am concerned about. I am a poet not an econimist. Though I have a real interest in the latter. Any suggestions CDS on France? I dont mean to be presumptious or rude. Hopefully, thats understood.
Dear Mr. R., I do not know how you can protect your money against the crisis. Perhaps you buy German real estate, because Germany is likely to experience growing land prices as everyone is look for safe havens. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, kennen Sie diese Liste? http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Unternehmen_in_Griechenland Können Sie mir das Geheimnis verraten, wo und wie Griechenland mit einer Abwertung Drachme international wettbewerbsfähig werden will? Bei Coca-Cola und Lotto? Mfg Ihr Dr. Becker
Lieber Herr Becker, durch den Kauf von weniger Mercedes-Autos. Wettbewerbsfähig ist ein Land, wenn es so viel importiert, wie es exportiert. Die Anpassung geht entweder über die Importseite oder über die Exportseite. Im Falle Griechenlands letzteres. Jedes Land der Welt, wie unproduktiv auch immer, ist bei Freihandel wettbewerbsfähig. Das ist das Grundtheorem der Außenhandelslehre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, egal wie man es dreht und wendet, es spricht derzeit so gut wie alles gegen Griechenland. Auch einen Austritt aus dem Euro halte ich für nicht ganz unproblematisch, denn dadurch würde man, abgesehen von der Erschwerung der Rückzahlung von Auslandsschulden, einen Weg einschlagen, der Griechenland in Richtung Billiglohnland, und damit in direkte Konkurrenz zum benachbarten Bulgarien treiben würde. Ob diese Konkurrenz die Griechen friedlich stimmen, und vor allem von diesen zu gewinnen wäre, möchte ich bezweifeln. Bisher hat die griechische Regierung diese Konkurrenz praktisch mit staatlichem Geld verhindert. Daß beispielsweise jeder Schüler jedes Jahr neue Schulbücher erhalten hat, war ja nichts anderes als eine Alimentierung der Druckindustrie, und wer so vom Staat alimentiert wird, kann schlecht ins (billigere) Nachbarland abwandern (kennt die Volkswirtschaftslehre solche "Alimentierungsfaktoren" ;-)? ). Doch statt bisher nicht abwandern zu können, werden diese sehr zügig abwandern müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben bzw erst zu werden. Meiner Meinung nach hat Griechenland nur die Chance, sich das billigere Nachbarland zunutze zu machen, sich selbst dagegen auf hochwertige Entwicklung und Endfertigung zu spezialisieren. Dies wird aber Zeit und Geld beanspruchen. Eine Möglichkeit, um an Geld zu kommen, sehe ich in einer besonderen Art der Umschuldung. Da die griechischen Staastschulden mittlerweilen nicht mehr das Problem Griechenlands sind, sondern das der überwiegend ausländischen Banken, könnte eine Umschuldung auch so aussehen, daß der Staatsbankrott erklärt und die Staatsanleihen durch solche mit längerer Laufzeiten getauscht werden, die allerdings einen "negativen Zinsertrag" haben, d. h. der Eigentümer muß beispielsweise 3% pro Jahr zahlen, damit die Anleihen nicht ungültig werden. Damit hätte Griechenland das benötigte Geld, die Geldgeber wären an der Rettung entsprechend beteiligt, und diese müssten keine so hohen und vor allem kurzfristigen Abschreibungen vornehmen. Wäre eine derartige Umschuldung, abgesehen von der politischen Durchsetzbarkeit und der Risiken durch CDS, denkbar? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., Griechenland ist etwa um die Hälfte teurer als die Türkei, die ähnliche Waren produziert. Deswegen ist das Land nicht wettbewerbsfähig. Ob es nun gefällt oder nicht, wenn niemand von außen künstlich den Lebensstandard finanziert, muss man sich bescheiden. Bei einem Austritt und externer Abwertung um ein Drittel fiele der Lebensstandard aber nicht in diesem Umfang, weil ja die lokalen Waren und Dienstleistungen auch billiger werden. Nur die Importware wird nicht billiger. Deutschland hat durch Preiszurückhaltung in 15 Jahren um 22% gegenüber seinen Handelspartnern im Euroraum abgewertet. Das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Wenn Griechenland in viel kürzerer Zeit im Euroraum durch Kürzung der Löhne und Preise um ein Drittel billiger werden soll, so geht das praktisch nicht, und selbst wenn es ginge, triebe es doch die Firmen in den Konkurs, weil deren Bankschulden nicht mit abgewertet werden, währen die Preise ihrer Realvermögensgüter entsprechend der allgemeinen Preissenkung fallen. Also bleibt dem Land nur der Austritt, wenn wir es nicht dauerhaft finanzieren wollen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vor der Abstimmung über den ESFS am 29. September sollten noch einmal die ungeschönten faktischen und zu erwartenden Belastungen Deutschland durch die EU und die EURO-Rettungsmaßnahmen der Öffentlichkeit und damit vor allem den verantwortungslos handelnden Politikern vor Augen gestellt werden. Das Handelblatt online vom 16.9.2011 http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/was-kostet-uns-der-euro/4610936.html bringt nicht Ihren Artikel „EZB und Rettungsfonds dürfen keine Staatsanleihen kaufen“, sondern einen Artikel zur Euro-Krise mit dem Untertitel „Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet“. Durch die Addition der Posten IWF ESM (Bareinzahlung) ESM (Bürgschaften) IWF-Rettungsplan für Griechenland EU-Rettungsplan für Griechenland EZB-Staatsanleihenkäufe Target-Verbindlichkeiten kommt der Autor auf eine Gesamtsumme von 379 EURO im schlechtesten Falle. Für ESM Bareinzahlung werden im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro veranschlagt, für ESM Bürgschaften bis zu 168 Milliarden Euro im Ernstfall. In http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2 kann man zu den Bundesbankforderungen im Rahmen von Target2 an die EZB lesen: „Im August 2011 stiegen sie auf 402 Milliarden Euro.“ Gibt es nicht weitere mögliche Belastungen durch die HERMES-Ausfuhrbürgschaften und durch die Kaskadenstruktur der Haftung, durch welche die zahlungsunfähigen Staaten ihre Bürgschaften auf die verbleibenden Staaten, besonders wieder Deutschland abwälzen können? Gilt diese Kaskadenstruktur auch für ESFS? In der Zusammenstellung eines Internet-Lesers fand ich folgende Angaben: 16.9.2011 flötrolf GRE I - 22 bis 38 Mrd. EURO; Bundesbank-Kontokorrent für PIIGS-Notenbanken: 356 Mrd. EURO; Anleihen der EU-Kom: 78 Mrd. EURO; EFSF - 400 Mrd. EURO; Hermes-Ausfuhrbürgschaften für die PIIGS - 167 Mrd. EURO; EZB - Anleihenaufkäufe - 150 Mrd. EURO; Bankenrettungsfonds - 500 Mrd. EURO (ja der besteht nach wie vor); IWF - 138 Mrd. EURO; EIB - Kreditausfälle - 48 Mrd. EURO; Als Wirtschaftslaie will ich mich gern auf Sie als glaubwürdigen und nicht gekauften oder erpressten Wirtschaftsexperten verlassen. Mit großem Dank für Ihr Wirken grüße ich Sie Horst Peters
Sehr geehrter Herr Peters, die Zahlen im Handelsblatt sind veraltet und entstammen vermutlich einem Artikel, den ich dazu vor der Sommerpause geschrieben habe. Die aktuellsten Zahlen finden Sie im neuesten ifo-Schnelldienst, der auf der Homepage herunterladbar ist. Die Target-Schuld im August sind 390 Milliarden. Dazu habe ich gerade gestern in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel geschrieben. Man kommt bei der Darstellung der Zahlen leicht durcheinander, weil das Eigenkapital der Bundesbank bei der EZB in der Statistik dazu gerechnet ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie engagieren sich seit Jahren für die Stabilität der Eurozone und stellen wie wir einfachen Bürger fest, dass immer neue Risiken aufgebaut werden, die Deutschland als Transfer- und Haftungsträger verpflichten. Die heutige "Münchner Runde" sah Sie einmal mehr als Verfechter eines Innehaltens und Überdenkens der gefährlichen Situation angesichts für die Bundesrepublik Deutschland gewaltige Vermögensrisiken. Solche Haftungsrisiken sind, wie vom Bundesverfassungsgericht festgelegt, von den Parlamenten zu beschließen, statt vom einem europäischen Gremium, das dafür überhaupt kein Mandat hat. Als „Normalbürger“ im 8ten Lebensjahrzehnt verfolgt man nicht nur als politisch Interessierter, sondern als betroffener Staatsbürger mit „europäischer Geistesprägung“ seit geraumer Zeit die politische Entwicklung mit ernster Sorge! Zunehmend verhärtet sich ein „Unbehagen an der Politik“. „Europa“ stellt sich dem Bürger weniger als „grenzenlos“ dar, sondern als politischer Krankheitsherd ungeahnten Ausmaßes! Anstatt wirtschaftlichen Aufschwunges bestimmen „Krisenländer“ mit überschuldeten Staatshaushalten die Handlungslinien der politischen Führung fast aller Mitgliedsländer und die europäische Bürokratie. Zahllose „Experten“ beziehen Stellung zur Schuldenkrise in Europa – was offensichtlich weder in der Vergangenheit zu nachhaltigen Erfolgskonzepten geführt hat, noch für die Zukunft plausible Handlungsoptionen eröffnet! Dem Bürger bleibt neben seinen Existenzsorgen die alltäglich in den Medien verbreitete „Drohkulisse“ eines Scheiterns Europas. "Scheitert der Euro, scheitert Europa!" Mit diesem Ausschließlichkeitsargument versucht die Bundeskanzlerin, die Abgeordneten des Bundestages und uns Bürger in Ihrem Sinne zu disziplinieren! Mit Ihrem heutigen Hinweis in der Münchener Runde "...wenn ihr nicht das Portmonae öffnet, droht ein weltweiter Finanzkollaps..." charakterisieren Sie genau den Handlungsdruck, der von der Finanzwelt ausgeht und die Politik "vor sich her treibt." Das ist nicht länger zumutbar, weil daraus nichts als Aussichtslosikkeit erwächst, jegliches souveränes politisches Handeln ausschließt - und, demokratische Willensprozesse ad absurdum führt! Laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer sind 76 Prozent der Deutschen gegen die geplante Ausweitung des Euro-Rettungsschirms. Viele Mails, Briefe und Anrufe bei den Abgeordneten sind Ausdruck dieses Volkswillens. All diese Menschen begreifen nicht, dass eine Regierung und die Abgeordneten des Bundestages nicht aus dem bisherigen krisenhaften Ablauf lernen! Schließlich haben bisher alle Hilfspakete ihre Wirkung verfehlt, alle Stabilitätsvereinbarungen der Maastricher Verträge wurden gebrochen - zum Schaden Deutschlands und seiner Bevölkerung, der gerade Haftungspflichten durch so genannte "Rettungsschirme" auferlegt werden, die zukünftigen Generationen keine andere Wahl als ein Leben in Fremdbestimmung und wirtschaftlicher Armut zumutet! Anstatt die Probleme unseres Landes zu lösen und Schulden abzubauen (Zinsverpflichtungen des Haushaltes = 40 Milliarden jährlich - der drittgrößte Haushaltsposten!), werden gebetsmühlenhaft Drohkulissen der Finanzwelt vermittelt. Das ist der Offenbarungseid dieser Bundesregierung, die schon längst keine Handlungsinitiative mehr hat - und die Gefangene ihrer eigenen verhängnisvollen Politik ist! Offensichtlich können einige wenige Finanzinstitute mit ihren Gurus die ganze Welt aus den Angeln heben - nur, weil die exorbitante Überschuldung europäischer Länder dafür die Vorlagen liefert! Obwohl immer das Gegenteil beschworen wurde, lässt sich ein kontrollierter Konkurs Griechenlands wohl kaum vermeiden. Und trotzdem wird der Bundestag in diesem Monat wohl mit großer Mehrheit für weitere Hilfspakete stimmen. Dem Bürger wird seit Jahren die Alternativlosigkeit einer Europapolitik sowohl von den Politikern, europäischen Institutionen, und der Finanzwelt offeriert, die einer Geiselnahme gleich kommt - man hat als Bürger das Gefühl, dem Chaos von Mitgliedsstaaten der EU ausgeliefert zu sein und sieht daher die eigene Lebensgrundlage gefährdet! Die Fähigkeit oder der Wille scheint abhanden gekommen, zu einer gründlichen "Güterabwägung" zurück zu kehren, die eine Fragestellung zur Grundlage macht, ob durch "Rettungsschirme" oder sonstige Hilfsmaßnahmen oder Auflagen der beabsichtigte Zweck, nämlich die Stabilität des Euro tatsächlich erreicht werden kann - oder ob "gutes Geld" dem "schlechten" wirkungslos und zu aller Schaden hinterher geworfen werden soll! Ich füge Ihnen als Anlage zu unseren Bürgersorgen meine Einlassungen an die Politik bei. 1. Unbehagen an der Politik (aus Sorge um den demokratischen Konsens) 2. Frau Bundeskanzlerin – Scheitern Europas 3. Finanzkrise Vorhersage 2005 Was mich persönlich beunruhigt ist, dass die internationale Finanzkrise die Denk- und Beurteilungsabläufe der Politik durch „Drohkulissen“ beeinflusst, bzw. einschränkt. Das kommt einem geistigen „Gulag“ gleich, in dem es die Ergebnisse von induktiven Denkprozessen öffentlich gebrandmarkt werden – und so deduktive Denkmuster gefördert, die, von „Experten“ vorgegeben, alternatives Handeln unter Ausschaltung folgerichtiger Denkprozesse einschränkt! Nach dem Motto: „Das Ganze vor den Teilen sehen“ werden normative Fakten nationaler Wirtschaften und Gesellschaften zugunsten einer Europaidee „globaler Stärke“ hinten angestellt, die seit Gründung den Nachweis ihrer Alltagstauglichkeit schuldig geblieben ist – ja durch eine Niedrigzinspolitik die Haushalte zahlreicher wirtschaftsschwacher Mitgliedsländer in den Ruin treibt/getrieben hat, weil sie zum Schuldenmachen geradezu annimiert hat! Ob Sie, Herr Professor mit Ihren Einlassungen „Recht“ haben – oder ob die Abläufe einer zwingenden Eigendynamik folgen, die weder Frau Merkel noch Herr Sarkozy beherrschen, wird die nahe Zukunft zeigen – mit Sicherheit zu Lasten der Bevölkerung - mit unbestimmter Zukunft! Ist das "Demokratie heute"?! Mit sorgenvollem Gruß Volker Meyer
Sehr geehrter Herr Meyer, wie Recht Sie doch haben. Vielen Dank für diesen Beitrag. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Gedankenspiel: Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bei gleichzeitigem Beibehalt des Euro als Fremdwährung Sehr geehrter Herr Sinn, wie viele andere Deutsche treibt mich die Angst sowohl um den Euro, die EU und, im besonderen aber auch die Angst vor dem um, welche Welle auf uns zurollen wird, wenn die Regierung die gegenwärtige Rettungsschirmpolitik starrsinnig fortführt und unsere Alterssicherung leichtfertig aufs Spiel setzt. Was dort lauert, das haben Sie ja schon verkündet, leider will es derzeit niemand hören, gleichgültig aus welcher politischen Ecke er entstammt. Nun aber meine Alternative zu den beiden Extremen Rettungsschirmpolitik vs. Euro-Austritt der Griechen aus dem Euro bzw. Insolvenz Griechenlands: Spielen Sie doch bitte einmal die folgende Alternative durch und nehmen die Beispiele der Dollarisierung (z.B. Ecuador, El Salvador) oder Euroisierung ( z.B. Montenegro, Kosovo), die keine eigenen Währungen besitzen sondern den US-$ bzw. den Euro als Fremdwährung übernommen haben. Griechenland verlässt die Euro-Zone und den Stabilitätspakt, würde aber den Euro als Fremdwährung beibehalten. Die Griechen würden sich dem Spardiktat entziehen, das zu nichts weiterem führt als zum Totalverlust ihrer Wirtschaftskraft und zum Volksaufstand. Griechenland könnte dann zwar nicht abwerten wie mit einer Drachme, würde aber dem Dilemma einer Drachme-Einführung entgehen, dass Einnahmen in Drachmen getätigt würden, Schulden aber in Euro zu begleichen wären. Die Banken drohen bei diesem Modell nicht zu fallen, weil es keinen Run auf Spareinlagen gäbe. Sie müssten nur über längere Fristen mit dem griechischen Staat zur Begleichung ihrer Forderungen verhandeln, andernfalls den Zahlungsausfall riskieren. Für die übrigen 16-Euro-Länder hat dies den Vorteil, dass sie nicht in die Falle der Haftungsgemeinschaft gerieten. Die Gefahr, dass Griechenland zwar zahlungsunfähig würde, besteht zwar dann auch, hätte aber nicht die dramatischen Folgen, die in der jetzigen Situation 100%-ig einträfen, nämlich Zahlungsausfall gekoppelt mit Inanspruchnahme der Bürgen auf lange Sicht und damit Abwürgen des europäischen Motors in der Euro-Zone Deutschland (+Frankreich, Niederlande, Österreich). Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde in diesem Fall auch nicht auf andere Eurozonen-Mitglieder übergreifen, da die direkte Koppelung entfiele. Zudem fiele dadurch eine Belastung für die wirtschaftlich stärkeren Mitglieder weg und das auf lange Sicht schwache Griechenland würde nicht durch die starken europäischen Nordländer in die Ecke gedrückt werden. Denn bei allen Rettungsplänen für die Griechen bleibt immer ein strukturelles Problem bestehen: wenn die griechische Wirtschaft konkurrenzfähig werden will, muss sie immer gegen die Wirtschaften der Nordländer konkurrieren, und das zu EZB-Bedingungen für die Nordländer und dem Stabilitätspakt im Nacken. Wie sollen sie jemals dabei einen Fuß auf die Erde bekommen, das ist die Quadratur des Kreises. Der Euro für die Griechen als Fremdwährung mag zwar nicht der beste Weg sein, er ist aber derjenige, der jedem Mitspieler am wenigsten schmerzen und gleichzeitig allen die Last etwas lindern würde, eben die klassische win-win-Situation, wenn man dei einem Dilemma überhaupt von einem win sprechen kann. Ich hoffe, dies ist eine kleine intellektuelle Anregung, die vielleicht Einzug in die politische Diskussion finden und den gedanklichen Stillstand beenden könnte. Mit freundlichen Grüßen Juergen Rieck Berlin
Sehr geehrter Herr Rieck, vielen Dank für Ihren Brief. Ich glaube nicht, dass der Euro als Parallelwährung eine Lösung bietet, denn die Hauptsache ist ja, dass Griechenland zu teuer ist und ein gewaltiges außenwirtschaftliches Defizit abbauen muss. Das geht nur über die Drachme. Es müssen zugleich alle In- und Auslandsschulden in Drachme umgetauscht werden. Da die Ausslandsschulden souveräne Schulden nach griechischem Recht sind, kann Griechenland die Umwandlung unilateral vornehmen. Nur so geht es meines Erachtens. Dann haben alle ausländischen Gläubiger einen gleichmäßigen Haircut im Ausmaß der Abwertung. Das werden sie verkraften. Wegen Argentinien und Mexiko ist die Welt auch nicht untergegangen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Frau Karen Pittel, Sie schrieben in ihrer Antwort. "... Daher ist die Ausnutzungsdauer der Windkraftanlagen in Bayern um etwa 400 Stunden geringer als im Bundesdurchschnitt .. während im Bund 2007 und 2008 die Anlagen 1857 bzw. 1763 Stunden im Volllastbetrieb waren ..." Sie lassen bei dieser Aussage leider den technischen Fortschritt außer Acht. In Bayern (und angrenzenden sonstigen "Ausland") ist es mit modernen Schwachwindanlagen möglich, Volllaststunden von über 3000 bei schon niedrigen Windgeschwindigkeiten von >6 m/s zu erreichen. Wir können also "froh" sein, dass bisher so wenig in Bayern gebaut wurde und hoffen, dass in Bayern die "richtigen" Anlagen in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen werden. Das Potenzial ist ganz beachtlich, Standorte gibt es gerade in Bayern mehr als ausreichend, ohne das dies zu einer unerträglichen Verspargelung führen würde. Bayern hat gemäß der letzten Binnenland-Studie vom BWE ein das höchsten Potenzial aller Bundesländer, was nichts anderes heißt, das man die Windmühlen dünn streuen könnte. Um Zahlen zu nennen, selbst das bayerische Umweltministerium rechnet viel zu konservativ: Mit den dort genannten 1500 Windkraftanlagen der 2,4 MW-Schwachwind-Klasse und 3500 Volllaststunden lassen sich 16% des bayerischen Strombedarfs decken (moderne Schwachwindanlagen des Typs N117, SWT 2.3). Damit würden 5x weniger Windmühlen pro km stehen als in Niedersachsen (nicht zu vergessen, das jetzt schon 400 WKA in Bayern betrieben werden, die allerdings mit den o.g. nicht zu vergleichen sind). Den völlig veralteten Anlagenpark aus 2007/08 für eine Abschätzung heranzuziehen ist jedenfalls Unsinn. Die Leistungcharaktistik (hohe Volllaststunden) der modernen Anlagen hat noch weitere gravierende positive Folgen: Es werden etwa nur halb so viele Standorte benötigt, im Gegensatz zur gerade in Bayern gigantisch teuren Photovoltaik wäre das auch einmal eine relativ, ökonomisch viel wertvollere Form des EE-Stromes. mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Goeb, Vielen Dank für die Informationen. Generell ist natürlich richtig, dass der technische Fortschritt das Windkraft-Potenzial in Bayern wie auch in anderen Bundesländern weiter erhöhen wird. Allerdings bleibt die Tatsache bestehen, dass das Windangebot in Bayern spürbar geringer ist als in Norddeutschland. Ich habe Ihre Informationen ebenfalls an unseren Energieexperten Herrn Karl weitergeleitet, der Ihnen zustimmt, dass der technische Fortschritt hat zwar einen Einfluss auf die erzielbare Windstromausbeute hat, allerdings nach wie vor betont, dass das Windangebot einen zentralem Einfluss hat. Obwohl die in den letzten Jahren errichteten Anlagen zunehmend besser waren als die älteren Windräder, lagen die Volllaststunden der Windkraftanlagen in Deutschland 2010 bei 1380 und damit dem niedrigsten Wert seit dem Jahr 2001; der Spitzenwert wurde 2007 mit 1860 Volllaststunden erreicht. Da Herr Karl insbesondere bzgl. der technischen Details der Experte am ifo ist, würde ich vorschlagen, dass Sie ihn bei weiterem Diskussionsbedarf ebenfalls kontaktieren (karl@ifo.de). Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel
Sehr geehrter Herr Karl, Über Ihre Antwort habe ich mich gefreut. 1) Ich "bestehe" darauf: eine unsinnige Rechnung ohne jeglichen Realitätsbezug anzuführen ist: Was will man damit überhaupt noch ausdrücken. Man hätte es genauso falsch mit Photovoltaikanlagen, etc machen können. 2) Sie werden mit hohen Anlagen erst einmal nur höhere Windgeschwindigkeiten und höhere Erträge erreichen. Mit Anlagen wie der E126 beispielsweise werden Sie keine höheren Volllaststunden erzielen. Der "Witz" ist eben das entsprechende Auslegung: hohe Anlagen mit niedrigen Generatorleistungen. 3) Die VLH ergeben sich aus den geprüften Leistungskennlinien der Anlagen, daran braucht man nicht zweifeln. 4) ohne die Windkraft-Anlagen mit höheren Kapazitätsfaktoren wird es in Zukunft gar nicht gehen. Grund: die steigende installierte Leistung wird gar nicht mehr abgenommen werden können, bzw. die Erträge werden stark sinken. Es wird also zwangsläufig zu einer Entwicklung des Anlagenbestandes mit hohen Kapazitätsfaktoren kommen. 5) die Prognos-Studie macht den gleichen Fehler, die Volllaststunden des Anlagenbestandes einfach fort zuschreiben. Die Frage habe ich mir nebenbei nicht alleine gestellt, in diesem Fall sogar zu meiner Überraschung ein Politiker: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/033/1703315.pdf Zum Thema zitiere ich noch mal aus einer Antwort im Forum: > Sehr geehrter Herr Dr. Heublein, ... Die Stromerzeugung aus > Windenergie hat in Bayern eine geringe Bedeutung; 2010 waren in Bayern > nur knapp 1,9% der durchschnittlich Windkraftleistung Deutschlands > installiert. Die Stromerzeugung fällt noch geringer aus, da Bayern > weniger windreich ist als die Gebiete in Norddeutschland und > insbesondere an der Küste. > > [Anm.: Die BWE-Studie nennt Bayern als Binnenland mit dem größten > nutzbaren Potenzial] > > Daher ist die Ausnutzungsdauer der Windkraftanlagen in Bayern um etwa > 400 Stunden geringer als im Bundesdurchschnitt: Während im Bund 2007 > und 2008 die Anlagen 1857 bzw. 1763 Stunden im Volllastbetrieb waren, > lagen die entsprechenden Werte für Anlagen in Bayern bei 1443 bzw. > 1371 Stunden. In Deutschland belief sich die durchschnittliche > Ausnutzungsdauer der Windenergieanlagen zwischen 2001 und 2010 auf > rund 1580 Stunden, wobei der Spitzenwert mit 1857 Stunden 2007 > erreicht wurde, der niedrigste Wert trat mit 1380 Stunden 2010 auf. > Angesichts von 8760 Stunden in einem Normaljahr wurden die > Windkraftanlagen nicht ganz zu 20% ausgenutzt. > > [Anm: auch hier wieder: Uralt-Anlagen taugen nicht für einen > realitätsnahen zukünftigen Vergleich] > > Während mit küstennahen und im Meer (offshore) positionierten modernen > Anlagen die Ausnutzungsdauern deutlich gesteigert (2050 rechnet man > für Offshore-Anlagen mit 4000 Stunden) werden können, ist das in > Bayern in dem Umfang nicht zu erreichen; eine spürbare Erhöhung der > Ausnutzungsdauern ist in Bayern nur möglich, wenn man die Anlagen auf > den Bergeshöhen errichtet. > > [Anm: die 4000h werden doch heute schon erreicht. Und um in Bayern > genau zu bleiben - Standorte mit >=6,5 m/s Windgeschwindigkeit] > > Hinweis: Die Ausnutzungsdauer ist dabei so definiert, dass die > jährliche Stromerzeugung durch die installierte Leistung der > Windkraftanlagen dividiert wird; die Anlagen erzeugen natürlich über > einen längeren Zeitraum elektrische Energie, aber häufig nur mit einem > Bruchteil der möglichen Leistung (=Nennleistung). > > [Anm: hier wird es besonders interessant, wenn man die u.g. 40.000 > Anlagen mal hernimmt. Das hatte ich ja schon vorgerechnet, s.u. erstes > Mail. Das ist sogar noch schlecht gerechnet, da sich das durch > innereuropäsche Standortstreuung sich noch wesentlich verbessert.] > > Die obigen Ausführungen beruhen auf den folgenden Quellen - > Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Energiebilanz Bayern, > Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik und - ewi-gws-prognos, > Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung, August > 2010 sowie Berechnungen von Hans-Dieter Karl, wissenschaftlicher > Mitarbeiter des ifo Instituts. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel > (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen) Hier noch ein sehr verstörendes Beispiel: http://www.muenchen.ihk.de/mike/WirUeberUns/Publikationen/Magazin-wirtschaft-/Aktuelle-Ausgabe-und-Archiv2/Magazin-09-2011/Politik-und-Standort/Streitgespraech-Eine-Verschandelung-der-bayerischen-Landschaft-wird-es-nicht-ge.html > *Sinn:* /Die Wattenmeere reichen nach unserer Rechnung nicht aus. > Wollte man auch nur den jetzigen Stromverbrauch durch Windflügel > ersetzen, bräuchte man fünf Wattenmeere und nicht eines, und die > müssten dicht an dicht im technischen Mindestabstand vollständig > bestückt werden mit Riesenrotoren./ Diese Berechnung würde mich brennend interessieren, "ein" Wattenmeer hat 9000 km2. Hier kann etwas nicht stimmen. Damit Sie mich mich falsch verstehen: mir geht es darum, eine "intelligente" Debatte zu führen. Wenn man in Talkshows laufend wiederholt, dass die Windkraftnutzung zur Verspargelung führt, dann ist das schlichtweg falsch, s.u. erstes Mail. Dies bedeutet, dass viele geeignete Standorte nicht mal genutzt werden, und ganze Landstriche gar kein Windrad aufweisen werden. Es gibt wirklich genug zu kritisieren an dem staatlich organisierten Umbau der Stromversorgung, auch ich halte das für eine ökonomische Katastrophe, was derzeit geschieht. Bloß mit irreführenden Informationen sind wir derzeit ja genug bedient. Gruß Markus Goeb
Sehr geehrter Herr Sinn, ich beziehe mich den Abschnitt "Windräder als Ersatz" S.279 in "Das Grüne Paradoxon". Sie rechnen dort die Unmöglichkeit vor, mit Windkraft ein Atomkraftwerk ersetzen zu wollen. Dabei vergleichen sie die sog. gesicherten Leistungen von 3MW-WKAs und Atomkraftwerken. Damit werden Sie natürlich immer „Erfolg“ haben. Sie hätten auch genauso gut vorrechnen können, wie teuer uns der Strom dann kommt. Sie folgern daraus nämlich eine Verspargelung, die es niemals geben würde: Bei einer installierten Leistung von 333.000 MW würden die Anlagen den größten Teil des Jahres abgeschaltet bleiben, die Netze würden den Strom nicht transportieren können, die kWh aus diesem Anlagenpark wäre unbezahlbar. > Die Rechnung so aufzumachen halte ich für unzulässig. Es geht doch darum, am Ende noch einen einigermaßen realistischen Ansatz zu verfolgen. Der kann nur heißen: WKAs in ein Gesamtkonzept einzubinden und keine isolierte Betrachtung vorzunehmen. Das hier ein ebenfalls teuerer Strompreis herauskommt, ist mir auch klar, aber die deutsche Gesellschaft sollte wenigstens wissen, was der „Unsinn“ vermutlich kostet, spannend wäre es allemal. Ich schlage also eine andere Modellrechung vor: 40.000 WKA onshore, Schwachwindanlagen (z.B. des Typs Siemens SWT 2.3-113, Nordex N117,...). Mit diesen Onshore – Anlagen, die bei niedrigen Windgeschwindigkeiten Kapzitätsfaktoren von 40% gegenüber den jetzigen 15% erreichen, lassen sich rund 330 TWh Strom erzeugen. Die Leistung dieser Anlagen beträgt 96 MW (derzeit 30MW), diese werden aber im Gegensatz zu Ihrer Rechnung nur an wenigen Stunden des Jahres erreicht, das „wegwerfen“ von Strom findet im vertretbaren Maße statt. Die Anlagen liefern, rein rechnerisch, statistisch betrachtet, an weniger als 10% des Jahres gar keinen Strom, an mehr als 40% des Jahres wäre eine Vollversorgung gegeben. Gefallen müssen Ihnen die Anlagen natürlich trotzdem nicht, aber es sind „nur“ 10.000 Anlagen mehr als derzeit vorhanden, die noch dazu niemals im schönen, aber Gott sein Dank völlig ungeeigneten Münchner Umland oder den Alpen, vielmehr dagegen in Nord- und Ostbayern und dem nicht-bayerischen Ausland ihren Platz finden müssten. Mir ist auch klar: der geeignete Schattenkraftwerkspark ist nicht vorhanden, kostet natürlich auch ein Heidengeld und wird dazu noch dazu mit niedriger Auslastung betrieben. Die Rentabilitätsprobleme verhindern ja heute schon Investitionen in Kraftwerke. Und das hier x Milliarden planwirtschaftlich durch das EEG verschoben werden, gefällt mir ebenfalls nicht. Ich bin Ihnen ja im Grund dankbar, dass Sie der deutschen Öffentlichkeit auch mal eine Rechnung präsentieren, wie teuer das alles kommt. Das machen die EE-verliebten-grünbeseelten Politiker nicht, und die Lobbyverbände machen immer ihre eigene Rechnung auf. Bloß sollte man wenigstens mit den Möglichkeiten spielen, die der technische Fortschritt heute bietet, sonst bleibt es eine an den Haaren herbeigezogene Spielerei. Auf eine kurze Entgegnung hierzu freue ich mich. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Goeb, im Auftrag von Prof. Sinn, der gegenwärtig durch andere Themen stark beansprucht wird, beantworte ich Ihr Schreiben. Sie beziehen sich darin auf den Abschnitt „Windräder als Ersatz“ in „Das grüne Paradoxon“. Zu Ihrer kritischen Anmerkung ist zu sagen, dass mit der Rechnung demonstriert werden sollte, dass Windkraftwerke, vor allem wenn man die gesicherte Leistung der Anlagen betrachtet, nur in sehr begrenztem Umfang konventionelle Kraftwerke ersetzen können. Die von Ihnen genannten Schwachwindanlagen stellen eine interessante technische Entwicklung dar. Die höheren Volllaststunden sind aber neben den technischen Fortschritten auch auf die größeren Dimensionen der Anlagen zurückzuführen. Ob mit Onshore-Schwachwindanlagen aber Kapazitätsfaktoren von 40% gegenüber derzeit knapp 20% zu erreichen sind, muss sich in der Praxis zeigen. Es bleibt das grundsätzliche Problem, dass das Winddargebot von Jahr zu Jahr und innerhalb eines Jahres starken Schwankungen unterliegt und zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit geeignete Kraftwerksleistung, auf die Sie auch hinweisen, benötigt wird. Noch ein Hinweis: In der Studie von ewi-prognos-gws für die Bundesregierung vom August 2010 werden für Onshore-Windkraftwerke im Zeitraum bis 2050 Jahresvolllaststunden je nach Szenario zwischen gut 1500 und 2180 ausgewiesen; Offshore-Anlagen erreichen danach im Jahr 2050 rund 4000 Volllaststunden (Kapazitätsfaktor: 46%). Mit freundlichen Grüßen H.-D. Karl
Hello Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, I have just become aware of a controversy involving yourself: http://economicsintelligence.com/2011/10/06/gips-euros-vs-german-euros-debunking-hans-werner-sinn-vol-ii/ (I have no opinion on this.) I do write to provide you with clear demonstration of a condemnable, massive deception by omission, done by the ‘mainstream’, which severely fools the people. I try to inform the people, but have no pulpit. Very instructive, real asset price histories are kept very-little-apparent to the people, please see: http://homepage.mac.com/ttsmyf/begun.gif http://www.nytimes.com/imagepages/2006/08/26/weekinreview/27leon_graph2.html Up to date, by me: http://homepage.mac.com/ttsmyf/RHandRD.html I feel sure that the main enabler of sizable asset price bubbles (very harmful!) is keeping the real inflation-adjusted price histories out of sight ... Might you care to give voice to UNfooling the people? Very sincerely,
Dear Mr. H., Yes I know Mr. Storbeck. He understands some nonsense and then argues against that. He permanently makes false allegations about what I said and wrote, twisting it often into the opposite. I gave it up to react to him. The scientific paper with Wollmershäuser has all the necessary details. This is the link: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Thanks for your links. Hans-Werner
Sehr geehrter Herr Sinn: Ich habe diesen Sonntag Ihr Interview gelesen, welches "El Mundo" veröffentlicht hat. Ihre Meinungen über die jetzige Situation der Währungsunion fand ich besonders zutreffend. Als ich in Bonn studierte (1987 - 1993) war der Vertrag von Maastricht in den ersten neunziger eine starke Debatte. Ich erinnere mich insbesondere daran, dass mein Professor des Wahlfaches Geldpolitik, M.J.M. Neumann, immer wieder eine bindende und glaubwürdige "no bail - out clause" forderte, welche am Schluss im Text nicht aufgenommen wurde. Jahre später sieht man, dass diese glaubwürdige "no bail out clause" viele Probleme vemieden hätte, denn, wie Sie im Interview feststellen, jedes Mitgliegstaat der Währungsunion muss seine Probleme für sich lösen und nicht auf die Hilfe anderer hoffen. Dies ist insbesondere der Fall in einer nicht optimalen Währungsunion wie unsere, in der keine einheitliche Finanzpolitik besteht und die Mobilität der Arbeitskräfte im Binnenmarkt beschränkt ist. Ich teile auch ihre Meinung über die Prämie die Spanien für seine Verschuldung zahlt. Die ist nicht zu hoch. Im Gegenteil, ich mach mir Sorgen darüber, dass diese Prämie indirekt oder, seit August, direkt mit Hilfe der europäischen Zentalbank künstlich heruntergedrückt wird und den Marktkräften nicht das richtige Signal geben lässt. Meiner Meinung nach ist die Politik der europäischen Zentralbank im Falle von Spanien (wahrscheinlich auch Italien) völlig verfehlt. Sie hat nur zur Folge, dass die notwendigen strukturellen Reformen verzögert oder nicht einmal durchgeführt werden (Sparkassen, Arbeitsmarkt, usw.). Wenn Spanien 700 Basispunkte mehr als Deutschland zahlen müsste, wäre die Nachfrage nach Reformen will stärker und viel einfacher es der Bevölkerung zu erklären. Dies wäre eingentlich der Mehrwert einer einheitlichen Geldpolitik, im € verkörpert, ein richtiger Disziplinmechanismus für die Mitgliedstaaten. Schade, dass fast jeder daran interessiert scheint, die Probleme unter dem Teppich zu kehren. Ein anderer Weg wäre jedoch möglich. Schliesslich steht im Artikel, dass Sie sich zum Ordoliberalismus bekennen, was als "deutscher Neoliberalismus" übersetzt wird. Ordoliberalismus ist, wenn ich mich nicht irre, eine der wissenschaftlichen Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft, welches von der österreichen Schule abzugrenzen ist und nicht mit Neoliberalismus verwechselt werden sollte. Es freut mich dass Ihre Meinungen bis Spanien angekommen sind. Ich muss jedoch zugeben, dass ich in meiner Heimat, auch unter Volkswirten, ein Sonderfall bin. Ich denke, dass Sie solche Äusserungen von Spaniern jedenfalls selten hören werden. Zu viele, wirklich zu viele, "vested interests". Mit freundlichen Grüssen, P. Spanischer Volkswirt
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Nachricht. Ja, in der Tat, Manfred Neumann hatte damals den vollen Durchblick. Ich selbst war noch nicht so weit, sondern habe mich von der Euro-Euphorie blenden lassen. Ich bin immer noch für den Euro, aber doch mit den Maßregeln, die Neumann beschrieb. Ihr Hans-Werner Sinn
Honorable Mr. Sinn I think it´s my moral duty to send you the result of my complaint in Entidade Reguladora para a Comunicação Social. Forgive me in my first email, but here in Portugal "the big money speaks laugther" and the news is what you saw! Take a look at roll of public debt created by politicians (Madeira, Metro do Porto, Public-Privates Parceries, etc). This debts wasn´t made by the public, but by the politicians! Thank you once more for your mail!It´s frustanting to try being informed in the news and even that public information most of the time is wrong. Please don´t put the blame on Portuguese people, blame our politicians. Best regards
Dear Mr. V., Thank you for your information. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich verfolge schon seit Jahren Ihre Statements in Bezug auf die Schuldekrise der BRD und Europas und bin mit Ihnen absolut d'accord. Es stellt sich aber die Frage, wie kann die Politik von Ihren Argumenten und die Ihres Ifo-Institutes überzeugt werden. In Deutschland gibt es gewiß einen Anteil von 50% in der Mittelschicht, die sofort einer Unterschriftenaktion zur Einflußnahme auf die Politik teilnehmen würde. - Wenn man die sich abzeichnende politische Entwicklung in der BRD vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen in 2013 vor Augen führt, muss ganz eindeutig von einer weiteren Verschlechterung der Schuldensituation in der BRD ausgegangen werden, und dies trotz der im Grundgesetz eingeführten Schuldenbremse. - Wieso kann niemand der deutschen Bevölkerung klarmachen, dass deren Lebensstandard schon seit rd. 10 Jahren abgenommen hat und weiterhin abnehmen wird. - Nun schürt Frau von der Leyen zudem Angst, dass die Sozialsysteme in der BRD auseinanderbrechen werden, wenn wir Griechenland fallen lassen, den Rettungsschirm nicht finanziell bedienen, etc. - Bitte bleiben Sie und ihr Ifo-Institut in allen Medien präsent und lassen Sie bitte in Ihrem Bemühen nicht nach, damit Ihre Argumente letztendlich umgesetzt werden. Mit bestem Gruß Franz Pfaff
Sehr geehrter Herr Pfaff, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, herzlichen Dank für Ihren Vortrag beim Export-Club Bayern, der vielen der dort Anwesenden die Augen für die dramatische Euro-Krise geöffnet haben dürfte. Nachstehend finden Sie - ich hatte Sie darauf angesprochen- den heute von MdB Stinner übermittelten Bericht aus Berlin, in dem es in Ziff. 1 b. u.a. zur BT-Entscheidung ueber den EFSF am 29.09. 2011 heißt:" ..sowie um die Ermächtigung von Aktivitäten, wie z.B. den Ankauf von Bonds am Primär-und Sekundärmarkt,...." Mit freundlichen Gruessen Dr. Klaus Hermann Ringwald
Sehr geehrter Herr Dr. Ringwald, Sie haben Recht mit Ihrer Interpretation. Die direkte Staatsfinanzierung ohne Krisenprozedur und ohne IWF ist nun möglich. Dazu der Text, über den der Bundestag abstimmen wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Im Gesetzentwurf für den Bundestag steht: „(1) Das Bundesministerium der Finanzen wird ermächtigt, für Finanzierungsge- schäfte, die eine von den Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets gegründete o- der beauftragte Zweckgesellschaft zur Durchführung von unter der Voraussetzung der Absätze 2 und 3 gewährten Notmaßnahmen zugunsten eines Mitgliedstaates des Euro-Währungsgebiets tätigt, Gewährleistungen bis zur Höhe von insgesamt 211,0459 Milliarden Euro zu übernehmen. Notmaßnahmen im Sinne von Satz 1 sind Darlehen der Zweckgesellschaft an den betroffenen Mitgliedstaat, einschließlich sol- cher, die der Mitgliedstaat zur Rekapitalisierung von Finanzinstituten verwendet, vor- sorgliche Maßnahmen sowie Ankäufe von Staatsanleihen dieses Mitgliedstaats am Primärmarkt oder Sekundärmarkt. Gewährleistungen nach Satz 1 können nur bis zum 30. Juni 2013 übernommen werden. Zu diesem Zeitpunkt verfällt die Ermächtigung für den nicht ausgenutzten Teil des Gewährleistungsrahmens. Eine Gewährleistung ist auf den Höchstbetrag dieser Ermächtigung in der Höhe anzurechnen, in der der Bund daraus in Anspruch genommen werden kann. Zinsen und Kosten sind auf den Ermächtigungsrahmen nicht anzurechnen.
Lieber Prof. Sinn, Griechenland führt die Troika und die deutsche Politik vor Anstelle der 8 Mrd. Euro aus dem Rettungspaket II der Troika, die derzeit verhandelt werden, besorgt sich Griechenland rasch 30 Mrd. Euro über den Target2-Mechanismus der Zentralbanken. Wie das geht? Ganz einfach die griechische Zentralbank emittiert 30 Mrd. Euro, die sie den griechischen Geschäftsbanken zur Verfügung stellt.[1] Von dort fließt das Geld dann in die griechische Wirtschaft und erhält dafür griechische Staatsschuldverschreibungen von der griechischen Regierung. Si ist die griechische Regierung nicht mehr auf die Hilfen aus dem Hilfsprogramm I angewiesen. Man kann auch ohne die fristgerechte Zahlung aus dem Rettungspaket liquide bleiben. Grundlage dafür ist das “Emergency Liquitity Assistance” Programm ELA der EZB.[2] Dieser Finanzierungstrick kann nur mit einer zweidrittel Mehrheit im Zentralbankrat der EZB gestoppt werden. Griechenland missbraucht die Währungsunion über Target2 So missbraucht man die Regeln der EZB. Denn im EZB-Rat hat Deutschland keine Verbündeten. Am Ende zahlt es ja dann doch die Deutsche Bundesbank. Über den Missbrauch des Clearing-Mechanismus von Target2 zur Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten und Staatsschulden der Krisenländer hat Hans-Werner Sinn und Timo Wollmershäuser eine umfangreiche Analyse vorgelegt.[3] Solange dort den Krisenländern kein Riegel vorgeschoben werden kann und auch noch Trichet die quasi-wertlosen griechischen Staatschuldverschreibungen diskontiert, hat der Versuch Griechenland über den Rettungsschirm I mittels Stabilisierungsauflagen zu einer Haushaltskonsolidierung zu zwingen keine Chance. Die Griechen sind viel gerissener was Schuldenfinanzierung angeht als es sich mancher Politiker und Zentralbanker in Deutschland vorstellt. Wie sagte doch der derzeitige Finanzminister der Griechen: „Ich ziehe in den wahren Krieg.“[4] Nur dass, er nicht für die Konsolidierung des griechischen Staatshaushalts in den Krieg zieht, sondern gegen die EZB und das System der Zentralbanken. Bevor diese Lücke nicht geschlossen wird, wird es auch keine Zugeständnisse der Griechen geben. Da die Deutsche Bundesbank die ganzen Verluste automatisch finanziert, ist die Bundesrepublik über die EZB quasi in Geiselhaft genommen worden. Die Börsen haben verstanden und die Kurse schießen wieder nach oben. Mit freundlichen Grüßen Georg Erber ________________________________________ [1] http://www.radio-utopie.de/2011/09/18/griechenland-zentralbank-druckt-kommerziellen-banken-euro-pasok-regierung-garantiert-mit-30-milliarden/ [2] http://www.businessinsider.com/greece-emergency-liquidity-assistance-thursday-2011-8 [3] http://www.wiso.uni-hamburg.de/lucke/wp-content/uploads/2011/04/Sinn-Wollmersh%C3%A4user-Target-neu-deutsch.pdf [4] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769087,00.html ____________
Lieber Herr Erber, vielen Dank für diese zutreffenden Einschätzungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe mit grosser Genugtuung Ihre Ausführungen in der BR Sendung Münchner Runde am 13. September 2011 verfolgt, als Sie u.a. kritisiert haben, daß in den Entscheidungen über den Euro Malta die gleiche Stimme hat wie Deutschland, obwohl sie eine wesentlich kleinere Witschaftskraft hat. Ich kann nicht verstehen, daß die deutschen Politiker eine derartige Konstellation zugelassen haben. Ähnlich schlimm ist die Lage bei der EU Komission in Brüssel. Dort gibt es etwa 160 französische hohe Beamte und nur etwa 100 deutsche. Kein Wunder also, wenn Brüssel die Destillation des französischen Weinüberschusses zu Industriealkohol finanziert und gleichzeitig wir für unseren Milchüberschuß Millionenstrafen zahlen müßen. Viele Bürger in Deutschland wissen gar nicht, daß diese ganzen Eurorettungsschirme das Hauptziel haben, die französischen Banken zu retten, die wesentlich stärker in den Südpleitestaaten beteiligt sind als die deutschen. Letztlich versucht der Franzose Trichet diese französischen Banken mit den Aufkauf der Staatsanleihen der Pleitestaaten auf Kosten des deutschen Steteurzahlers zu sanieren. Der Franzose Sarkozy wickelt unsere Kanzlerin um seinen Finger, um beliebige Geldmengen zu lockern zum selben Zweck. Ich danke Ihnen dafür, diese Politik zu kritisieren. Sie haben das Kriterium der „fiskalen Disziplin“ in Verbindung mit den EU Südstaaten genannt. Meines Erachtens kann man die tausendjährigen Sitten eines Volkes nicht ändern, zumindest nicht kurzfristig, wie viele deutsche Politiker jetzt verlangen. Man kann als Beispiel dafür die Mafia aufführen. Italien versucht schon über ein Jahrhundert lang diese auszurotten, bisher mit nur mässigen Erfolg. Wenn die Südländer die Steuern ein tausend Jahre lang nicht bezahlen wollten, dann ist es eine Illusion, sie jetzt plötzlich dazu bewegen zu können. Ich stamme selbst aus dem Süden, aus Kroatien und glaube die südländischen Sitten zu kennen. Es ist mE unmöglich die Staaten mit so unterschiedlichen Sitten, und verschiedenen Ansichten über die fiskalen Angelegenheiten in einer monetären Union zusammenzuhalten, ohne negative Auswirkungen auf unseren Wohlstand. Ich glaube, daß es zur Sicherung unseres Wohlstands dringend notwendig ist, die Südstaaten aus der Eurozone zu entfernen. Auch denke ich, daß Deutschland eine zahlenmässig angemessene Vertretung in den Entscheidungsgremien von EU und von EZB bekommen muss. Es darf in einer Demokratie nicht sein, daß mein Nachbar in Stutensee ein Grieche zweimal mehr Stimmrecht bei den Wahlen für das EU Parlament hat als ich. Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic
Sehr geehrter Herr Perinic, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, zuerst meinen Dank an Sie für Ihr sehr gutes und verständliches Interview auf BR alpha. Eine Frage: Die Bundesbank hat 390.000.000.000 Euro an Target-Forderungen gegen die EZB. Wie hoch sind die entsprechenden Forderungen anderer Staatsbanken gegen die EZB, z.B. die der französischen? Ich Frage dies deshalb, weil Formulierungen wie "Im Juni 2011 lag die Target-Schuld der GIPS-Notenbanken bei 327 Milliarden Euro, und ähnlich groß war die Forderung der Bundesbank." (Süddeutschen Zeitung, 19.09.2011, Nr. 225 , S. 18) bei mir der Eindruck entstehen lässt, dass alleine die Bundesbank mit den Target-Krediten belastet wird. Falls das stimmt wäre das... unfassbar. Und ich würde fragen, wie so etwas möglich sein kann. Zumindest anteilig ihrer Wirtschaftskraft müssten die Nationalbanken anderer Länder beteiligt sein. Mit freundlichen Grüßen, ~Thomas Pfohe
Sehr geehrter Herr Pfohe, es sind nicht nur Kredite der Bundesbank geflossen. Auch Luxemburg, Finnland und Holland haben welche gegeben. Aber das war alles vernachlässigbar relativ zu dem, was aus Deutschland kam. Frankreich hat keine Kredite gegeben, sondern welche bekommen. Mit freundlichem Gruß Hans- Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Schuldenquote Italiens wird oft, auch vom Ifo Institut, mit knapp 120% des BIP angegeben. Nun enthält das von Italien errechnete BIP aber gut 17% Schattenwirtschaft, aus der ja keine Steuern eingenommen werden, die zu Zinszahlung und Tilgung verwendet werden könnten. Bezieht man die Schulden auf das reguläre BIP, ergibt sich (auf der Basis dieser Zahlen) eine Schuldenquote von ca. 144%. Ist die auf das reguläre BIP bezogene Schuldenquote zur Einschätzung der Schuldentragfähigkeit eines Landes der italienischen Methode vorzuziehen? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr H., das ist ein guter Punkt, an den ich noch nicht gedacht hatte. Da das BIP Schätzungen zur Wertschöpfung auf den Schwarzmärkten enthält, ist die wahre Schuldenquote bezüglich des besteuerbaren Teils des BIP in Italien in der Tat höher als 120%, wie Sie darlegen. Im Grunde sollte man die Schuldenquoten entsprechend umrechnen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung gegenüber Ihren Bemühungen und Entsetzen gegenüber der Politik verfolgen wir Ihre mahnenden Worte zur Eurokrise. Darf ich mir erlauben, Ihnen einige Fragen zu stellen, sie betreffen mich persönlich, aber auch viele andere. Wie Sie wissen, sind endfällige Fremdwährungskredite (Yen und CHF) mit Tilgungsplan in Österreich sehr beliebt gewesen. Dieses Problem haben neben mir noch fast weitere 300.000 Haushalte, vor allem meistens (wie ich) Personen ohne Haftungsbeschränkung. Durch die Finanzkrise wurde der mit der Bank vereinbarte Tilgungsplan zunichte gemacht. Die Frage stellt sich nun, ob der in 5 Jahren fällige Kredit (in Yen und CHF) durch Verkauf von Vermögenswerten unter extremen Verlusten vorzeitig abbezahlt werden sollte (mein Kredit läuft im mittleren 7-stelligen Bereich), weil weder aus Ihren fundierten Analysen noch aus den fadenscheinigen Beteuerungen der Politiker irgendein Hoffnungsschimmer für die Rettung des Euros zu erwarten ist. Zusätzlich zu allen Risiken kommt noch das besondere Risiko für Österreich. Das Land übernimmt jetzt anteilsmäßig nicht nur ähnliche Haftungen wie Deutschland, hier sind auch im privaten Sektor ca. 85 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten ausständig (sowie eine weitere ähnliche Summe, welche großteils österreichische Banken in den neuen EU-Mitgliedstaaten vergeben haben), zusätzlich kommt die spezielle politische Konstellation der reformunfähigen, zementierten Großkoalition dazu. Würden Sie mir raten, unter Verlust meines fast gesamten Vermögens die Kredite rückzuzahlen, soll ich auf den Austritt der Südländer aus dem Euroraum und eine anschließende Aufwertung oder einfach darauf hoffen, dass mir bald ein Stein auf den Kopf fällt? Glauben Sie persönlich, dass die Politiker in Deutschland doch noch kurz vor dem endgültigen Desaster eine vernünftige Entscheidung treffen oder denken Sie, dass sich auch Deutschland in nicht mehr bewältigbare Schuldenstände hineinziehen läßt? Haben Sie eine Idee, in welchem Zeitraumen das absehbar sein wird? Herzlichen Dank für Ihre knappe Zeit!
Sehr geehrter Herr J., Ihre Frage kann ich nicht gut beantworten, weil man Wechselkurse kaum prognostizieren kann. Zum Glück für Sie hat die Schweiz nun beschlossen, ihre Währung gegen eine Aufwertung zu verteidigen. Ich würde die Dinge abwarten und auf eine Inflation in Österreich hoffen. Die Inflation würde ihr Einkommen vergrößern und insofern die Fremdwährungskredite wieder erträglicher machen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe das Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab" gelesen, worin er die "Aktivierende Sozialhilfe" des Ifo-Instituts als "utopisch und undurchführbar" bezeichnet. Ich unterstelle Herrn Sarrazin, dass er mit undurchführbar, politisch undurchsetzbar meinte. Wäre es nicht sinnvoll, wenn das Ifo Institut Reformen in solchen "Häppchen" vorschlagen würde, dass diese auch politische Mehrheiten finden (können)? Ein zentrales Anliegen des Buches ist, die relative Kinderlosigkeit der "bildungsnahen" Schichten zu beseitigen und gleichzeitig die Zuwanderung in die Sozialsysteme zu beenden. Gibt es neben dem Vorschlag des Ifo-Instituts die Rentenhöhe an die Zahl der Kinder zu binden um die Geburtenrate zu erhöhen weitere? Leider bleibt Herr Sarrazin in diesem Punkt sehr vage. Mit freundlichen Grüßen Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Dr. Böhme, die aktivierende Sozialhilfe ist ja bereits ein Stück mit der Hartz-IV-Gesetzgebung eingeführt. Die Lohnzuschüsse, die dort eingebaut sind genauso wie die Ein-Euro-Jobs entstammen faktisch dem ifo-Vorschlag von 2002. Aber man ist uns nur ein Stückweit gefolgt. Dass der Arbeitsmarkt derzeit viel besser funktioniert, liegt daran. Ich hoffe, man wird noch mehr in unsere Richtung gehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich möchte mich zunächst einmal herzlich bedanken für Ihre vielen erhellenden Beiträge zur Euro-Krise, die für mich wie ein Augenöffner gewirkt haben und die sich so erfrischend vom intellektuellen Mainstream in der Medienlandschaft abheben. Ich habe eine Frage zu Ihrem Aufsatz zu den Target-Krediten. Wie sind letztendlich die Target-Forderungen einer Notenbank (insbesondere der Bundesbank) gegenüber der EZB zu interpretieren? Bedeutet dies, dass in den Ländern mit Target-Verbindlichkeiten Kredite für Aussenhandelsgeschäfte, vom Käufer nicht bedient werden konnten, also am anderen Ende der Zahlungskette säumige Schuldner sitzen? Eine Tilgung des Kredits der Geschäftsbank durch den Käufer müsste doch eigentlich die gesamten durch diesen Kauf entstandenen Überweisungsvorgänge wieder rückabgewickelt werden: der Käufer gleicht seine Verbindlichkeiten gegenüber der Geschäftsbank im Target-Schuldnerland aus, diese wiederum kann die Forderung der Notenbank gegen sie ausgleichen, und diese kann die Target-Schuld bei der EZB begleichen. Und dann kann der Posten mit der Forderum des Target-Gläubigers beglichen werden. Wenn die auf dem Wege der Vermittlung durch die EZB geschöpften Kredite fristgerecht bedient würden, könnten doch Target-Salden bei der EZB nur temporär entstehen. Das einzige Problem bliebe dann die von Ihnen ausgeführte Kreditverlagerung zugunsten des Target-Schuldners. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Vielen Dank für Ihre Klarstellung, Herzlichst Hans-Jörg Bokermann
Sehr geehrter Herr Bokermann, die Target-Forderungen entstehen, weil die Mechanismen der EZB dazu geführt haben, dass die GIPS-Länder zu Lasten der Bundesbank mehr Geld drucken und verleihen konnten. Dafür erhielten sie eine Berechtigung, die den Charakter eines Kredits hatte, und die Bundesbank erhielt zum Ausgleich für die Verminderung der Kreditvergabe eine Kreditforderung gegen die EZB. Vielleicht schauen Sie sich das ifo-Sonderheft zu den Target-Krediten an. Dort habe ich eine Einführung zu der Problematik geschrieben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wie hoch wäre das wirtschaftliche Risiko für den deutschen Steuerzahler, wenn nicht nur die GIPS-Länder, sondern die GIPSI-Länder, d.h. GIPS plus Italien pleite gingen, falls die deutschen Bundestagsabgeordneten ökonomisch so dumm wären der Ausweitung des Euro-Rettungsschirm in der kommenden Woche, am 29. September 2011, zuzustimmen? Italiens Staatsschulden betragen ja bekanntlich rund 1.900 Milliarden Euro. Und warum werden in der kommenden Woche wohl ca. 80 bis 90 Prozent der deutschen Bundestagsabgeordenten - aus Ihrer Sicht - der ökonomisch hirnrissigen Ausweitung des Euro-Rettungsschirms bzw. EFSF-Rettungsschirm zustimmen? Eigentlich sollten die Bundestagsabgeordneten Schaden vom deutschen Volk abhalten (siehe unter anderem die Amtseide in Artikel 56 und Artikel 64 Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland)? Mit freundlichen Grüßen R. Muth
Sehr geehrter Herr Muth, wenn die GIPS-Länder pleitegehen, haftet Deutschland für 473 Mrd. Euro, und wenn zusätzlich Italien Pleite geht, haftet es für 527 Mrd. Euro. Das ist nicht so viel mehr, als man zunächst denkt, weil der Rettungsschirm begrenzt ist und nur die anteilige Haftung Italiens wegfällt. Allerdings wird in diesem Fall der Ruf nach einer weiteren Aufstockung oder Hebelung der EFSF-Mittel sicher lauter werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ist es nicht so, dass die 30er-Jahre-Krise genau so ablief, indem man die Löhne ins Unermessliche kürzte und damit der Binnenmarkt weltweit zusammenbrach? Sollte man in der Ökonomie nicht längst gelernt haben, dass nur ein funktionierender Binnenmarkt ein kapitalistisches System halten kann? Ist es nicht so, dass Deutschland mit seiner Billiglohnstrategie kläglich gescheitert ist und über 20% Armut geschaffen hat und weitere 23% stehen am Rande der Armut? Ist nicht dieses System an Zynismus nicht zu überbieten und treiben wir damit unser westliches Wirtschaftssystem zurück zur Leibeigenschaft? Wenn heute in Deutschland zwei Elternpaare voll arbeiten und ende des Monats müssen sie zur Sozialhilfe, dann sind wir doch bereits auf dem Niveau von Leibeigenen! Sie, lieber Herr Professor, und leider viele ihrer Berufsgenossen, wollen uns doch tatsächlich die Feudalherrschaft neu verkaufen. Ist das eigentlich nicht sehr beschämend? Es es eigentlich nicht so, dass wir den Binnenmarkt massiv stärken müssen, um aus der Schuldenkrise heraus zu kommen? Die SPD fordert einen Minimallohn von € 8.50, Schlecker bezahlt locker € 4.80 und eine neue Studie zeigt auf, dass ein Lohn selbt bei € 10.-- in die Armut führt. Was ist folglich zu tun? Ganz einfach, rauf mit dem Mindestlohn auf € 12.-- und zwar netto, und schon brummt der Binnenmarkt. Das wiederum generiert massig MwSt. in Milliardenhöhe pro Jahr und somit sind die Staatsschulden obsolet. Wenn man dann gleichzeitig noch die oberste Einkommensklasse in eine steuertechnische Progression setzt, dann hat man plötzlich Steuergelder ohne Ende! Dieses Szenario ist locker auf alle EU-Staaten und die USA anzuwenden. Lieber Herr Professor, Ökonomie ist gar nicht so schwer, man muss ihr nur einfache Mathematik zugrunde legen... Noch ein kleiner Tipp in Sachen Demokratie: Einführung der direkten Demokratie in der ganzen EU und ein kompölett neues Steuersystem. Drei direkte Steuern: Gemeindesteuer, Ländersteuer und Staatssteuer. Somit kann die Gemeinde völlig autonom über ihren Steuerfuss verfügen und hat nirgends nach Geld zu betteln. Falls Sie mehr Informationen über ein effektives Steuersystem brauchen, schauen Sie sich die entsprechenden Seiten aus der Schweiz an. Übrigens, die Schweiz hat auch immer mindestens die Hälfte Arbeitslose als Deutschland, da die Differenz zwischen Hartz-IV und dem untersten Einkommen fast einer Verdoppelung entspricht...!
Sehr geehrter Herr Schudel, ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass der Binnenmarkt wichtig für die Wirtschaftsentwicklung ist. Aber Ihre Hypothese, dass er durch die die Lohnkürzungen geschwächt wurde, trifft nicht zu. Das Gegenteil war der Fall. Die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre hat mit dazu beigetragen, dass wir nun einen solch starken binnenwirtschaftlichen Boom haben. Lohnkürzungen erhöhen die Investitionsgüternachfrage und schaffen Stellen. Die Lohnsumme wird durch Lohnkürzungen in einer offenen Wirtschaft mit freiem Kapitalverkehr mittelfristig nicht gesenkt, sondern erhöht. Insofern sind Mindestlöhne sicherlich schädlich. Dass 20% in Deutschland arm sind, stimmt nicht, jedenfalls nicht nach den OECD-Definitionen. Danach sind ca. 4% arm und 18% armutsgefährdet. Die Sozialhilfe (Sie meinen wohl Hartz IV) wird in dem von Ihnen genannten Fall in Deutschland ergänzend zum Lohn gezahlt, um das Einkommen unabhängig vom Lohn zu sichern. Ich finde es richtig, dass es durch die Schröderschen Reformen möglich wurde, 1,5 Millionen Menschen Lohnzuschüsse zu zahlen, um ihren Lohn vom Einkommen abzukoppeln. Wenn man das Einkommen nur über den Lohn sichern will, treibt man diejenigen, die man schützen will, in die Arbeitslosigkeit. Nur ein Lohnzuschuss hilft ihnen wirklich. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr prof. Sinn, oftmals wird gegen die Wirtschaftlichkeit der Kernkraft argumentiert, dass Müllentsorgung der Gemeinschaft aufgebürdet werden, die Erträge aber bei der Energiewirtschaft bleiben. Somit wäre Kernenergie stark subventioniert, was deren hohe Wettbewerbsfähigkeit erkärt. Wie hoch wäre der Kernstrompreis, wenn man auch Endlagerung und sonstige Kosten in den Preis einbezieht? Wie stehen im Vergleich Kohle und erneuebare Energien da? In wie weit spielen zukünftige Kosten durch Lagerung auf den aktuellen Strompreis eine Rolle? Werden die Kosten zu hoch eingeschätzt, weil man die Diskontierung zukünftiger Kosten übersieht? Mit freundlichen Grüßen Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, die Rechnung kann keiner aufmachen. Deswegen schlage ich ja vor, dass die Kernkraftwerke sich haftpflichtversichern müssen. Dann muss die Privatwirtschaft die externen Kosten ausrechnen und in Form der Prämie umlegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mir kommt die EZB mittlerweile als eine rein politische Veranstaltung vor.Insbesondere die EZB-Ratsmitglieder scheinen mehr Politiker als Ökonom zu sein.Das Ausufern der indirekten Staatsfinanzierung durch das Eurosystem wird wohl munter weitergehen.Ich befürchte,dass die von H.Schlesinger geforderte TARGET2-Obergrenze inkl. Strafzins nicht kommen wird.Leider. Solange nicht die ersten schmerzhaften Rechnungen für das sträfliche Handeln der politischen Kartelle - wie sie Wolf Schäfer treffend nennt - zu zahlen sind, wird es wohl munter weitergehen.Sobald wir Deutschen unser Portemonnaie zuhalten wird man uns - 66 Jahre nach Kriegsende - als Nazis beschimpfen.Spätestens da werden die linken politischen Protagonisten für eine unbegrenzte Haftung Deutschlands plädieren und diese auch ohne das Volk zu fragen durchsetzen.Einmal mehr werden die Warnungen der Ökonomen in den Wind geschlagen und die Politik wird mit aller Wehemenz versuchen ökonomische Gesetzmäßigkeiten zu ignorieren und auszuhebeln. Die Börsen haben demgegenüber aktuell bereits eine Pleite Griechenlands eingepreist, so scheint mir.Es wäre ein guter Zeitpunkt das politische Projekt Euro in der aktuellen Konstellation zu beenden.Die Politik sollte auch mal Fehler zugeben und sich zu den Fehlern bekennen.Den Euro als Friedensstifter zu bezeichnen ist Dummheit pur.Wir führen ja auch keine Kriege mit der Schweiz, Schweden oder Norwegen, nur weil die den Euro nicht haben oder haben wollen.Wenn Politker behaupten "im Herzen Europäer zu sein" dann kann ich das nicht mehr nachvollziehen: auf meinem Reisepass steht "Bundesrep.Dtl."...ich hoffe für Dtl.,dass Herr Starbatty recht behalten wird und das Ende der Eurozone in den nächsten 24 Monaten droht. Damit würde dann wenigstens die Transferunion verhindert werden....Viele Grüße aus Nürnberg
Vielen Dank, Herr S., für diese Meinung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihre Zeitungsbeiträge zur Euro-Krise mit großem Gewinn gelesen. Ich werde von meinen Großeltern und meinen älteren Verwandten oft gefragt, ob die Ersparnisse auf der Bank sicher sind, sollte Griechenland seine Schulden nicht mehr bezahlen. Ich antworte dann, dass die Ersparnisse im Grunde genommen laut Stresstest relativ sicher sind. Allerdings wird der Staat bei den Rentnern zu sparen anfangen. Die Inflation wird eher gering sein - obwohl die deutsche Position in der EZB offensichtlich ziemlich isoliert ist. Der Druck in Richtung mehr Inflation wird sicherlich steigen, wenn die Schulden der Euroländer exorbitant hoch werden. Wenn sich die Krise dann aber für andere Länder verschlimmert, sind die Ersparnisse in Gefahr. Was sind Ihrer Meinung nach die wahrscheinlichsten Auswirkungen eines (nun auch offiziell anerkannten) Staatsbankrotts Griechenlands für die Ersparnisse? Und: sind die Ersparnisse bei einer Verschlimmerung der Krise danach noch sicher? Natürlich spielen hier sehr viele Variablen eine Rolle, sodass eine Vorhersage unmöglich ist. Aber was sind Ihrer Meinung nach die wahrscheinlichsten Auswirkungen auf die Ersparnisse? Vielen herzlichen Dank!
Sehr geehrter Herr W., nicht der Bankrott macht hohe Lasten, sondern die Verschiebung desselben. Das Beste, was Ihren Großeltern passieren kann, ist der schnelle Konkurs und der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Je länger die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite anhält, desto mehr Geld ist weg. Die Staaten werden es nicht schaffen, das über Inflation hereinzuholen. Sie werden ihre Bürger besteuern, insbesondere auch die Vermögensbesitzer. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antworten. Bitte verstehen Sie mich auch nicht falsch, die Abschaffung des Euros war nicht Hintergrund meiner Fragen. Ich denke nur, wenn es so auffällige Fehlentwicklungen gibt, dann müsste es für die betreffenden Länder schon eine Ausstiegsoption geben. Irgendwie habe ich ein Störgefühl, wenn es heißt, Europa sei ein freier Zusammenschluss freier Völker (Helmut Kohl), und dann fragt man die Völker gar nicht, ob sie Mitglied der EWU sein wollen. Ich würde mir Referenden wünschen, um sicherzustellen, dass niemandem etwas aufgezwungen wird. Wenn man auf Referenden verzichtet, kann das m.E. nur bedeuten, dass die drei Staatsgewalten es besser wissen als die Bürger des betreffenden Landes. Das ist aus meiner Sicht auch für Deutschland nicht mehr zeitgemäß. (Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Analyse des schwedischen Referendums von Lars Jonung im Cato Journal 2004, wo ich auch dem Beitrag von Klaus gefunden habe). Nun hat Klaus in dem von mir zitierten Beitrag aus dem Jahr 2004 auch gesagt, die Binnenmarktfreiheiten hätten den "largest part of the positive economic impact of European integration (as well as of EU enlargement)" gebracht. "The marginal contribution of further economic or noneconomic unification will be close to zero, if not negative”. Martin Feldstein hat in den Foreign Affairs (1997) sogar eine eindeutig negative ökonomische Bilanz aufgemacht: “Indeed, the adverse economic effects of a single currency on unemployment and inflation would outweigh any gains from facilitating trade and capital flows among the EMU members.” Mich würde Ihre Sicht interessieren, auf welche Wirkungen des Euros führen Sie die ökonomischen oder politischen Vorzüge der Währungsunion zurück?