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Lieber Herr Sinn, ich muss Ihnen viele Komplimente machen für Ihre Engelsgeduld und Ihre unglaubliche Toleranz in der Talkshow "M.Illner" soeben im ZDF. Wie schmerzhaft muss es sein, sorgsam zuzuhören und den Mund halten zu müssen, weil a eine sensationsfreudige Moderatorin b ein cleverer, aalglatter, aber nicht sehr kompetenter Minister c ein angeberischer Latif, der allzu gerne riesengroße Sprüche ablässt d ein total naiver, emotionaler (ernsthaft bemühter??) Schauspieler e eine fanatisch indoktrinierte sozialistisch-religiöse junge Wilde alle ihre Sprüche absondern wollen. DANKE, dass Sie es auf sich nehmen, solche zutiefst qualvolle Veranstaltung durchzustehen und trotz allen Gegenwindes, trotz allen emotional geäußerten Schwachsinns immer wieder Ihre vernünftige Meinung zu vertreten. Wenn Sie nicht dabei gewesen wären, hätte ich abgeschaltet, weil das hoffnungslos indoktrinierte Personen (naive dt. Weltverbesserer), ein geltungsbedürftiger Klimaforscher und ein überaus aalglatter Minister waren. Ist diese derzeit typische Diskussionskultur in unseren Medien noch zu retten? Alle müssen gleichberechtigt zu Wort kommen, jeder selbstgekochte Quatsch, jede verdrehte Ansicht ist ein "berechtigter Diskussionsbeitrag". Beste Grüße Ihr Christoph Buchal (Forschungszentrum Jülich und Uni Köln, Autor von "KLIMA" und "ENERGIE")
Sehr geehrter Herr Buchal, haben Sie vielen Dank für die Mitteilung. Wenn man sich auf das Medium Talkshow einlässt, bleibt nichts anderes übrig, als Geduld zu wahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, wenn ich Ihre Position zum Thema Klimapolitik, wie sich sich mir in der o. g. Sendung dargestellt hat, zusammenfasse, dann bestand Ihr Beitrag in der Sendung fast ausschließlich darin, darauf hinzuweisen, dass die Politik der CO 2-Einsparung nicht nachweisen kann, dass sie effektiv ist; deshalb sei sie fragwürdig und Gutmenschentum (was mit dem gleichen abwertenden Hintergrund versehen ist wie wenn Befürworter der Todesstrafe von Humanitätsduselei reden). Nun wissen Sie genau, dass der Beweis, den Sie da von diesem Ansatz der Umweltpolitik verlangen, unmöglich erbracht werden kann. Oder erklären Sie mir bitte, wie CO 2-Moleküle gekennzeichnet werden können, damit differenziert werden kann, welches CO 2 von wem emittiert bzw. eingespart wurde. Sie bauen da also eine unerfüllbare Voraussetzung auf, genießen in der Sendung offenbar, dass darauf Ihnen keiner eine Antwort geben kann - logisch, der Herrgott saß nämlich in der Runde gerade nicht mit dabei - , und ziehen daraus auch noch den unzulässigen Schluss, dass diese Politik ineffizient ist. Eben das gibt Ihr Argument aber auch nicht her. Sie können nämlich umgekehrt genausowenig beweisen, dass das CO 2 nicht doch eingespart wird und die Politik nicht doch Effekte zeigt. Ihr Argument führt also gar nicht weiter und bewegt sich - entschuldigen Sie - auf einem intellektuell erbarmungswürdigen Niveau. Worum es dabei eigentlich geht, wurde für mich deutlich, als Sie nach Ihrem persönlichen Beitrag zur CO 2-Reduzierung im Straßenverkehr gefragt wurden, und Sie antworteten, langsamer zu fahren käme für Sie nicht in Frage, weil das Unfälle provozieren würde. Dieses Argument ist so armselig, dass nicht einmal der ADAC es noch in die Debatte wirft. Es zeigt aber für mich, worum es Ihnen eigentlich geht: selbst nichts zu tun und das Verhalten nicht zu verändern, bevor nicht sichergestellt ist, dass auch der letzte Ölscheich und der hinterste Kohlebaron davon nicht profitiert. Die übliche und typische Ausflucht der Bequemen, die sich in der Konsequenz auf einer ähnlichen Ebene bewegt wie die der Skeptiker des Klimawandels in den USA, inhaltlich ohne wirkliche Substanz, sondern einfach nur als Ausrede vor sich selbst und Anderen. Und dabei, so meine ich in der Sendung gesehen zu haben - und falls ich da falsch liege, bitte ich Sie um Entschuldigung -, genießen Sie anscheinend auch noch die Rolle des intellektuellen und scharfsinnigen Advocatus diaboli. Zu Ihrer Argumentation in der Sendung kann ich allerdings nur sagen: das war nicht scharfsinnig, sondern in mehrererlei Hinsicht kurzsichtig und von miserablem Niveau. Mit freundlichen Grüßen Hermann Woelke
Sehr geehrter Herr Woelke, haben Sie vielen Dank für diese Kritik. Zur Frage der Wirkungen der Einsparungen bei den fossilen Brennstoffen: Ich denke, in einer Marktwirtschaft muss derjenige den Nachweis der Wirksamkeit erbringen, der Milliarden an Steuergeldern einsetzen will, die er anderen Leuten weggenommen hat, nicht umgekehrt. Konkret muss er zeigen, dass die Kohlenstoffmengen, die wir nicht verbrauchen, im Boden bleiben, dass also die Ölscheichs, Kohlebarone und Gasoligarchen auf unsere Maßnahmen mit einer Verminderung ihrer Fördermengen reagieren. Sie werden mir zustimmen, dass die Politik und auch viele Wissenschaftler dazu schweigen. Die Angebotsseite des Kohlenstoffmarktes kommt in der Argumentation gar nicht vor. Im Übrigen habe ich zwei Belege, Sie mögen sie Indizien nennen. 1. Die Kurve des aggregierten Ausstoßes an Kohlendioxid für die Welt steigt progressiv an und zeigt wegen der europäischen Sparmaßnahmen nicht einmal einen Knick. Das spricht dafür, dass das Öl, die Kohle und das Gas, das wir nicht verbrennen, anderswo verbrannt wird. (H.-W. Sinn, Grünes Paradoxon, Econ, Berlin 2008, Abbildungen 6.1 und 6.2) 2. Eine volkswirtschaftliche Theorie, wie sie in den letzten beiden Kapiteln des grünen Paradoxons ausführlich dargelegt und früher auch schon in Form eines mathematischen Modells in einer referierten internationalen Fachzeitschrift publiziert wurde. (Ist im Grünen Paradoxon zitiert.) Danach sorgt das grüne Säbelrasseln dafür, dass die Förderländer den Abbau der fossilen Kohlenstoffbestände beschleunigen, um der erwarteten Vernichtung ihrer Märkte zuvor zu kommen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Mit Vergnügen habe ich beobachtet, wie hilflos Herr Röttgen Ihren Argumenten entgegnete.Bei der Abwahl der (Klima-) Kanzlerin wird er dann stolz seine Erneuerbaren via EEG, einschließlich der für die deutsche Stromversorgung völlig unnötigen PV-Anlagen,hervorheben. Eine Schande für Deutschland-schon wieder ein Fachminister ohne Sachverstand, der nicht einmal die Wirkungsweise des derzeitigen Emissionshandels verstehen will-.Er redet von der europäischen Vorreiterrolle und von der einmaligen deutschen erneuerbaren Technik, obwohl z.B. China 2009 für 2,54 Milliarden PV-Module nach Deutschland exportiert hat.Politik ohne Substanz und ökonimische Basis! MFG Harald Lutz Dipl. Ing.
Sehr geehrter Herr Lutz, haben Sie vielen Dank für die Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, habe neugierig die Sendung im ZDF verfolgt! Es ist unglaublich das es nicht gelingt dem Deutschen Volk klarzumachen, wie die Weltwirtschaft funktioniert. Die glauben wirklich man kann das Klima verändern, wenn man Umweltstrom kauft und 100 auf der Autobahn fährt. Ich glaube Sie haben Recht. Wenn es nicht gelingt ein Globales Modell zu finden verlaufen die nächsten 50 Jahre im Sand und "wir" werden nur abkassiert von einer gerade entstehenden Umweltindustrie. Es kommt nichts Messbares dabei raus. Es schockt mich, wenn eine ganze Nation einem Schauspieler, einer "Linken Grünen mit Wahnvorstellungen" (Entschuldigen Sie!), einem frisch gebackenen Umweltminister der den ganzen Tag Zucker von der Industrie in den Arsch geblasen bekommt und einem Meteorologen, der nur Auswirkungen propagiert, besser zuhört als einem Mann wie Ihnen, der endlich mal den wahren Ablauf der Sache überhaupt schildern kann. Wenn das so einfach wäre wie "die" Glauben, dann hätten wir kein Problem, denke ich. Vielen Dank und beste Grüsse aus Niederbayern Thomas Feilmeier
Sehr geehrter Herr Feilmeier, vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr verehrter Herr Professor Sinn, Mit besonderem Genuss habe ich Ihren Beitrag „Euro Krise“ in Schnelldienst gelesen. Mit dessen europabezogener Analyse stimme ich hundertprozentig überein und gratuliere Ihnen für Ihre prägnante Darstellung. In eineinhalb kleinen Punkten bin ich leicht anderer Meinung. Sie beziehen sich alle auf die Gegenseite des Eurodollarkurses, nämlich die Einflüsse über den Dollarwert. Erstens: S. 8 rechts oben hätte ich geschrieben „dass das......verringerte Aufwertungserwartungen (statt: Abwertungserwartungen) für den Euro erzeugt.“ Ihre Abb. 1 zeigt ja eine Trendabwertung für den US Dollar (0.87 auf cca 1.60 Dollar pro Euro Mitte 2008 oder 0.87 auf 1.23 Dollar pro Euro jetzt). Die laufenden Leistungsbilanzdefizite der USA und nunmehr die hohen Staatsbudget Defizite, welche von den griechischen kaum abweichen, müssen langfristig gesehen den Dollar abwerten. Besonders pervers fand ich daher die Mahnung der USA an Deutschland, Konjunkturankurbelungen der USA mittels Deficit-Spending nicht durch übermäßiges deutsches Sparen zu konterkarieren! Der halbe Punkt betrifft etwas von Ihnen Unerwähntes: Der Wechselkurs des Euro (Ihre Abbildung 1) zeigt zwei markante Zacken nach unten, die m. E. vor allem auf rationale Kapitalfluchtbewegungen finanzmarktunkundiger ausländischer Privater zurückgehen. Im Herbst 2008 hätte wegen der dort ausbrechenden Finanzmarktkrise der Dollar gerade weiter abwerten müssen. Stattdessen wertete er auf, weil viele Russen den Rubel angesichts des Preisabsturzes von Erdöl flohen. (Natürlich repatriierten auch US Banken und Unternehmen ihre verbliebenen Auslandsveranlagungen). Und der zweite Zacken 2010: Das erste, was die privaten Griechen taten, war in gigantischem Ausmaß Gelder aus Griechenland hinaus ins Ausland, vielfach das Euro-Ausland, zu verlagern. Sie spekulierten damit gegen ihre eigene Regierung und gegen den Euro, wobei gerade die Griechen – und vielleicht auch noch manche Italiener – diejenigen sind, die noch immer nicht an den Euro glauben. Außerdem: wenn man zusätzlich besteuert werden soll, ist es am besten, sein Geld (dort unsichtbar) ins Ausland zu verlagern. Der halbe Punkt, den Sie vielleicht erwähnen hätten können, wäre somit die doppelte Schuld der Griechen: Die Regierung hat zu lange Budgetdefizite gefahren und die Privaten spekulierten letztlich gegen ihre eigene Währung. Ich verbleibe mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung ganz Ihr E. W. Streissler
Lieber Herr Streißler, vielen Dank für Ihr Lob. Es freut mich sehr, dass Sie der Analyse zustimmen, denn Ihr Wort hat Gewicht. Bei beiden Punkten gebe ich Ihnen Recht. Beim zweiten würde ich noch anfügen, dass der Dollar auch deshalb in der Krise gestiegen ist, weil die Amerikanischen Banken sich nach dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes in Euro verschuldet und die Euros dann in Dollar umgetauscht haben. Das hatte ich schon in der ersten Auflage des Kasinokapitalismus geschrieben, und ich hatte prognostiziert, dass der Dollar wieder schwach werden würde, wenn der Interbankenmarkt in den USA wieder ins Laufen kommt. So war es dann auch. Das ergänzt Ihre Aussage, dass man seine Mittel aus Europa zurückgerufen hat, was fast derselbe Vorgang ist. Ihr Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Ich habe mit Interesse Ihre Aussagen in einem FAZ-Artikel zur DIW-Studie über die schrumpfende Mittelschicht gelesen. Sie zitieren dort aus der OECD-Studie "Growing unequal" dass rund 80% der steigenden Ungleichheit sich auf geänderte Haushaltsstrukturen zurückführen lassen. Diese Zahlen sind allerdings falsch und auf einen Übertragungsfehler zurückzuführen, was mittlerweile von den Autoren der Studiebestätigt wurde. Wir haben eine ähnliche Analyse durchgeführt: http://ftp.iza.org/dp4770.pdf Diese Version überarbeiten wir gerade für eine Resubmission - bei Interesse kann ich Ihnen die überarbeitete Version in ein paar Wochen senden. Unabhängig von der Äquivalenzskala (und auch ohne) finden wir, dass der Anstieg der Ungleichheit vor (nach) Steuern und Transfers zu rund 55% (15%) mit geänderten Haushaltsstrukturen in Verbindung steht. (Die Zahlen ändern sich durch ein umfassendes, rückwirkendes Datenupdate des SOEP etwas im Vergleich zum IZA-Discussion paper). Für Rückfragen hierzu stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Beste Grüße aus Bonn und bis spätestens zur IIPF-Konferenz Andreas Peichl
Lieber Herr Peichl, das ist sehr interessant. Ich habe in der Tat die OECD zitiert. Die 80%-Zahl stammt von dort und wurde von mir letztes Jahr im Frühjahr, als ich meinen Artikel schrieb, zitiert. Allerdings sind Ihre 55% immer noch mehr als die Hälfte. So falsch lag also die OECD nicht. Bitte schicken Sie mir Ihre Studie. Meine Kritik ist aber fundamentaler. Ich finde, man kann nicht einfach bei Singles eine Bedarfsgewichtung vornehmen und die Einkommen mit 77% multiplizieren und dann die so künstlich verkleinerten Einkommen der Einkommensverteilung zuführen, für die man dann die Verteilungsmaße berechnet und interpretiert. Die Mittelstandsgrenze liegt dann nicht bei 70% des Median, sondern in Wahrheit bei 91%, ohne dass das klar gemacht wird. Das ist eine schlimme Irreführung der Öffentlichkeit, weil das Werturteil, wieviel Singles mehr an Geld brauchen, bereits in die Daten einfließt. Ich habe einmal gelernt, dass Daten und Interpretation streng zu trennen sind. Dieses Fundamentalprinzip der seriösen volkswirtschaftlichen Analyse wird mit der Bedarfsgewichtung durchbrochen. Die Öffentlichkeit interpretiert und bewertet Daten, die selbst bereits durch ein Werturteil manipuliert wurden. Ich hoffe, Sie schließen sich dem nicht an. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, bin dieses Jahr 70 Jahre alt geworden und verstehe Ihre Argumentation von einem „sozial gerechten Sparpaket“ nicht. Vielleicht erläutern Sie es mir bitte, woran ich eine Beteiligung der oberen Einkommensschichten erkennen kann. Spitzensteuersatz? Vermögenssteuer? Es geht um das Gerechtigkeitsgefühl der Bürger. So sind wir auf dem weiteren Weg von zwei Bevölkerungsanteilen. 1. Nichtwähler, 2. Wähler der Partei Die Linken. Mit freundlichen Grüßen S.
Sehr geehrter Herr S., als sozial gerecht empfand ich es als Beamter, dass auch die Beamtengehälter um 2,5% gekürzt werden sollen. Im Übrigen kann man soziale Leistungen nur in dem Maße gewähren, wie die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft das zulässt. Die Leistungseinkommen sind in dieser Krise stark gefallen, insbesondere die Gewinneinkommen. Deswegen müssen nun auch die daraus bezahlen Sozialeinkommen fallen. Würde man die Leistungseinkommen nochmal durch Erhöhung der Steuersätze kürzen, würden sie zweimal fallen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, zu dem Standpunkt "Griechisches Geschäftsmodell" habe ich - als volkswirtschaftlicher Laie - eine Grundsatzfrage. Kann ein Land mit einem Leistungsbilanzdefizit von z. B. 3% dieses nicht dauerhaft finanzieren, wenn es gleichzeitig eine Sparrate von 3% hat, ohne sich zu verschulden (Einkommen und Vermögen von Einwohnern und Staat der Einfachheit halber zusammengenommen)? Andererseits gelingt es Ländern mit regelmäßig positiver Leistungsbilanz (wie Deutschland) offenbar problemlos, sich zu verschulden. D. h. meine Frage lautet im Prinzip, wie sind Leistungsbilanz und Neuverschuldung mathematisch gekoppelt? Mit freundlichem Gruß, Gunther Mair
Sehr geehrter Herr Mair, definitorisch ist die Summe aus der privaten Ersparnis, der öffentlichen Ersparnis und dem Leistungsbilanzdefizit gleich der Investition. Ein Land, das privat 3% des BIP spart und 3% Leistungsbilanzdefizit hat, hat eine Summe aus staatlichem Defizit und gesamtwirtschaftlicher Investition von 6%. Ich weiß nicht, ob Ihnen dies weiter hilft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie erinnern sich vielleicht: Wir haben vor etwas mehr als einem Jahr miteinander gemailt und damals auch unsere Bücher (mein Buch »Wir Schwätzer im Treibhaus«, Ihr »Grünes Paradoxon«) ausgetauscht. Nun bin ich an einer Recherche dran, die ich kurzfristig für einen Artikel für die »Wochenzeitung« in Zürich brauche, längerfristig für ein neues (energiepolitisches) Buchprojekt. Ich wollte Sie fragen, ob Sie sich selber schon mit der Frage, wie hoch CO2-Preise sein müssten, um die aus klimawissenschatflicher Sicht notwendigen Emissionsreduktionen zu erreichen und ob Sie auch selber solche Berechnungen angestellt haben. Sie schreiben in Ihrem Buch, die Energieökonomie vergesse das Angebot. Ich habe den Verdacht, dass das auch ni den üblichen Berechnungen zum CO2-Preis vergessen geht: Ein CO2-Preis muss ja nicht nur bewirken, dass fossile Energie für die Konsumenten teurer wird, sondern auch, dass der Preis für die Produzenten sinkt, so dass sie aufhören zu produzieren. Und weil die Produktionspreise weit unter dem Marktpreis liegen, müssten die Preise für die Produzenten auch sehr tief fallen. IPCC 2007 betrachtet Szenarien nur bis zu einem CO2-Preis von 100$ pro t CO2, was ungefähr 60 $ pro Barrel Öl entspricht - was ja nicht genügen kann um den Preis für die Produzenten ausreichend tief fallen zu lassen. Sind diese Überlegungen korrekt? Wenn Sie mich heute im Verlaufe des Tages anrufen könnten (oder mir mitteilen, wann ich Sie erreichen kann), wäre ich Ihnen sehr dankbar; wenn Sie meine beiden Fragen lieber schriftlich beantworten, wäre das auch recht. Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen, Marcel Hänggi
Sehr geehrter Herr Hänggi, damit die Produktion sich nicht mehr lohnt, muss der Ölpreis auf deutlich unter 15 Dollar fallen. Am Golf liegt die Grenze sogar unter 2 Dollar. Ihre Überlegungen sind korrekt. Das Thema habe ich mehrfach aufgegriffen. Ich lege Ihnen nur mal einen Artikel vom Handelsblatt bei. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Dikussion mit Herrn Hänggi zu Umwelt- und Klimapolitik) Sehr geehrter Herr Sinn Mit Interesse habe ich Ihre zwei Artikel in der Handelszeitung und auch Ihr Interview mit der NZZ gelesen. Darf ich Sie noch einmal mit einer Frage belästigen - es eilt nicht mit einer Antwort. Sie sagen im NZZ-Interview, eine CO2-Abgabe könnte die Reduktion des Angebots nicht erzielen. Zumindest theoretisch bin ich immer davon ausgegangen, dass Cap&Trade und CO2-Abgabe an sich das selbe können - einfach gibt im einen Fall die Politik das Cap vor und der Preis bildet sich auf dem Markt, im anderen Fall ist es umgekehrt. Man könnte sich ja eine CO2-Abgabe vorstellen, die den richtigen Abgabesatz "sucht", indem sie automatisch so lange angepasst würde, bis die gewünschte Emissionsreduktion erreicht wäre. Ginge das ohne Zeitverzögerung, wäre das m.E. mit Cap&Trade äquivalent. In der Praxis aber gibt es natürlich Zeitverzögerungen, deren Spielraum die Produzenten ausnutzen können - das ergibt, was Sie das "grüne Paradoxon" nennen. Ich überlege mir nun, wie die beiden Systeme auf die Produzenten wirken würden - vielleicht können Sie mir sagen, ob Sie das auch so sehen: - Bei einem Cap&Trade wissen die Produzenten, dass sie nur noch eine bestimmte Menge verkaufen können. Sie haben also ein Interesse, das wenigstens zu möglichst hohen Preisen zu tun. Sie werden dem Nachfragekartell also ein starkes Angebotskartell entgegenstellen wollen, das die Förderung sogar noch unter das Cap drosselt, um über die Fördermengen die Hoheit zu behalten und Knappheitspreise zu erzielen. Der Preis des CO2 fiele moderat aus, das ganze wäre gut fürs Klima, aber schlecht für den Fiskus, weil das Geld in die Produzentenländer abfließt. - Bei einer CO2-Abgabe mit einem Automatismus zur Anpassung des Satzes würden die Produzenten versuchen, den Spielraum der Zeitverzögerung zu nutzen und noch so viel wie möglich auf den Markt zu werfen. Sie würden also die Preise fallen lassen. Die CO2-Abgabe müsste diese Preissenkung auffangen, könnte das aber nur zeitverzögert tun. Das wäre schlecht für das Klima ("grünes Paradoxon"), aber gut für den Fiskus, weil wenig Geld in die Produzentenländer abflösse. - Oder könnte es auch im zweiten Fall so sein, dass die Produzenten mit einem Kartell regaierten - dass sie lieber etwas weniger Öl für (viel) höhere Preise verkaufen als etwas mehr Öl zu (viel) tiefern Preisen? Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen, Marcel Hänggi
Lieber Herr Hänggi, vielen Dank für den Kommentar. Was Sie zum doppelten Kartell sagen, kann stimmen oder auch nicht. Wir wissen das nicht genau. Es hängt von der relativen Stärke ab. Aber der Streit ist dann ein reiner Verteilungsstreit, weil ja jede Partei die Mengen beschränken kann. Insofern wirkt der Emissionshandel auf jeden Fall. Steuern sind ein ganz anderes Thema. Im statischen Zusammenhang sind Steuer- und Zertifikatelösungen weitgehend deckungsgleich, intertemporal jedoch nicht, weil die Angebotswirkungen von den Änderungen der Steuersätze statt der Höhe dieser Sätze selbst abhängen. Konkret müsste man bei vernachlässigbaren Extraktionskosten einen fallenden Ad-valorem-Steuersatz haben, um die Extraktion zurückzudrängen. Das kriegt man aber politisch nicht hin. Sicher wirken auch Quellensteuern auf Finanzerträge, weil sie den Ressourcenbesitzern die Versilberung ihrer Bestände versauern. Die Wirkungsrichtung der Steuern hängt nicht von der Änderung der Sätze, sondern der Höhe ab. Ob die Sätze fallen oder steigen, immer wird eine Reaktion in die richtige Richtung ausgelöst. Mit bestem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, im Zusammenhang mit der m.E. unverantwortlichen Reaktion seitens unserer Politiker auf die Staatsschuldenkrise und vor dem Hintergrund, dass Länder wie Griechenland nicht beabsichtigen, die Eurozone zu verlassen, stellt sich mir die Frage, ob nicht als Ultima Ratio Deutschland die Währungsunion verlassen sollte (vgl. z.B. den Aufsatz von Prof. Dr. Meyer, Helmut-Schmid-Universität "Währungsdesintegration in der EURO-Zone", Jan.2010), da man m.E. (leider) beim Euro nicht mehr von einer langfristig stabilen Währung ausgehen kann und eine Entwicklung hin zu einer Transferunion/Übernahme der Schulden anderer Länder nicht einzusehen ist. Wie schätzen Sie die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Rückübertragung der Währungshoheit ein? Vielfach wird ja die Ansicht vertreten, dass es dann zu einer starken Aufwertung der neuen D-Mark kommen würde, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der deutschen Exporte führen könnte, was letztlich zu einer Rezession führen könnte. Wie ist Ihre Meinung hierzu?
Sehr geehrter Herr Kempgen, ich bin gegen einen Austritt. Aber eine Rezession gibt es sicher nicht. Deutschlands Wachstumsschwäche ist auch das Resultat des Euro. Es ist uns sehr viel Kapital weggelaufen, was woanders einen Wirtschaftsboom und bei uns ene Dauerflaute erzeugte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Abwertung im Euroraum" - was meinen Sie damit, verehrter Herr Sinn? Eine Abweretung des Euro (gegenüber dem US-Dollar u. a.) hilft auch Griechenland (und ist insoweit nicht zu dramatisieren). Eine Abwertung der Drachme, d. h. ein Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum, käme Hellas und seine Partnern in Europa - insbesondere deren Banken - demgegenüber sehr viel teurer (siehe auch Ihre Bemerkung zum IWF). Bankanalysten schließen im Übrigen nicht aus, dass Griechenland - dank auch den Sparbemühungen der neuen griechischen Regierung unter Premierminister Papandreou - eine "Turnaround-Story" werden könne.
Lieber Herr Barth, Abwertung im Euroraum heißt Senkung der Löhne und Preise relativ zu den anderen Ländern. Deutschland hat eine solche innerer Abwertung über einen längeren Zeitraum hinbekommen, freilich nicht in der Größenordnung, wie ihn Griechenland braucht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gerade Ihr Buch Kasino Kapitalismus gekauft. Den größten Teil des US-Rettungspaketes das Public-Private Investment Program, welches Sie dort erläutern, wirft auch ein schlechtes Licht auf den amerikanischen Präsidenten Obama. Der amerikanische Präsident und Friedensnobelpreisträger wird gemeinhin als intelligenter Gutmensch wahrgenommen, der sich nicht in erster Linie den Interessen der Reichen und Mächtigen verpflichtet fühlt, sondern vielmehr das Gemeinwohl aller Menschen im Blick hat. Die komplexen Zusammenhänge des PPIP, die Sie in Ihrem Buch hinsichtlich ihrer Wirkungsweise entflechten, sind für die breite Masse der Amerikaner kaum zugänglich. Barack Obama aber müßte erkennen, dass der amerikanische Steuerzahler, durch das PPIP, gezwungen wird, Banken, Hedgefonds und Pensionsfonds Geld zu schenken. Er müßte auch erkennen, dass die Geldgeschenke nur zum Teil in der Lage sind, die Solvenzprobleme der angeschlagenen Banken zu lösen, da ein großer Teil an die Hedgefond und Pensionsfonds abfließt. Ein wirklich guter amerikanischer Präsident wäre Finanzminister Geithner bei seinen Plänen frühzeitig dazwischengefunkt. Das schwedische Model, von dem die Engländer wohl am meißten gelernt haben, müßte bei der Rettung der Banken, in der ganzen Welt, Schule machen. Meinen Glückwunsch zu diesem Buch. Mit freundlichem Gruß Noel König
Vielen Dank, Herr König. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Zu Ihrer Information: Auf der Seite http://www.energie-lexikon.info/ag_klimaschutz.html habe ich eine Kritik ihrer Argumentationskette im NZZ-Interview vom 05.06.2010 veröffentlicht. Ich bin entschieden der Ansicht, dass Sie mit Ihrer Argumentation schwer daneben liegen, verspreche aber gleichzeitig, diese Ansicht und den Artikel umgehend zu korrigieren, wenn Sie mich vom Gegenteil überzeugen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich will Ihrer Aufforderung gerne nachkommen. Sie verweisen darauf, dass die Ölscheichs auf Preissenkungen mit einer Angebotseinschränkung reagieren. Das ist richtig, sofern es um eine temporäre Preissenkung geht. Die Scheichs vergleichen nämlich die Barwerte der erwarteten Preise für alle Zeitpunkte und planen dort zu verkaufen, wo der Barwert am höchsten ist. Fällt in einer Periode der Preis, reagieren sie stark negativ mit den Mengen. Temporäre Preisschocks verursachen also Mengenreaktionen. Anders ist es bei permanenten Preisschocks. Wenn der Barwert des Preises für alle Perioden in gleichem Umfang sinkt, kann man nicht mehr ausweichen. Dann gibt es keine Mengenreaktionen. Die Mengenreaktionen können dann sogar falsch herum gehen in dem Sinne, dass man bei Preissenkungen mehr anbietet. Das ist genau dann der Fall, wenn erwartet wird, dass einer die Ökosteuern im Laufe der Zeit immer stärker werden und der Barwert des Preises für zukünftige Perioden mehr sinkt als in der Gegenwart. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Dikussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Im NZZ-Interview haben Sie nicht mit Barwerten argumentiert, sondern mit Produktionskosten, was wirklich Ihre Thesen nicht untermauern kann. Nun verwenden Sie das Barwert-Argument, das immerhin viel besser ist, aber viel zu simpel, um die Realität damit vernünftig zu erfassen. Ich führe das kurz aus. Die Realität auf dem Ölmarkt - begrenzte Kapazitäten bei steigender Nachfrage sowie extrem unterschiedliche Förderkosten - bilden Sie in Ihren allzu simplen Modellen nicht angemessen ab. In 2008 hat die Nachfrage die Produktionskapazitäten fast ausgeschöpft, deswegen auch die nervösen Preisausschläge. Wenn die Wirtschaftskrise demnächst endet, sind wir sofort wieder an diesem Punkt, und die Preise werden wieder explodieren - bald womöglich noch weit mehr als je gesehen. Das gibt dann Anreize für die Aufnahme zusätzlicher, teurer und häufig extrem umweltschädlicher bzw. gefährlicher Produktionsprojekte - z. B. Ölsande, Tiefseebohrungen oder auch Kohleverflüssigung. Wenn wir durch Sparbemühungen dies verhindern oder zumindest dämpfen, ist für das Klima sehr viel gewonnen. Nebenbei auch für unsere Volkswirtschaft. Ihr Barwert-Argument geht an diesen Sachverhalten völlig vorbei. Gerade wenn es uns gelänge, etwa durch flächendeckende CO2-Steuern die Barwerte des Öls dauerhaft wesentlich zu senken, würde das jede Menge zusätzlicher extrem umweltschädlicher Produktion verhindern. (Sie haben also übersehen, dass es sehr wohl Projekte gibt - vor allem zukünftige - deren Produktionskosten viel höher liegen als etwa in OPEC-Ländern.) Absolut Recht gebe ich Ihnen aber in einem: Eine Dämpfung der Nachfrage durch Energiesparbemühungen (mit den bis heute genutzten Methoden) wird kaum so stark ausfallen können, dass dies für den Klimaschutz genügt. Deswegen brauchen wir in der Tat dringend Cap & Trade oder ähnliche ergänzende Mechanismen. Erst durch diese kann das Energiesparen ausreichend effektiv werden, um das Klimaproblem zu entschärfen. Das ändert aber nichts daran, dass energische Bemühungen um Energieeffizienz und -einsparung schon vor Cap & Trade sehr nützlich sein werden - allein schon deswegen, weil man die Caps niedriger ansetzen kann, wenn sich die Wirtschaft schon etwas darauf vorbereitet hat. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich empfehle Ihnen, wenn Sie tiefer einsteigen wollen, die Lektüre eines Ökonomie-Lehrbuches zum Stichwort Hotelling-Regel. Sie werden feststellen, dass da kein Widerspruch zur Extraktionskostenbetrachtung ist. Das entscheidende Argument gegen Ihres habe ich Ihnen gegeben. Ich weiß nicht, was Sie mit meinen Modellen meinen. Welchen meiner Aufsätze meinen Sie? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: 2. Fortsetzung der Diskussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Ich meinte ganz einfach gedankliche Modelle, wie wir sie alle in mehr oder weniger angemessener Form für unsere Überlegungen benutzen. Gegen die Hotelling-Theorie habe ich auch nichts Grundsätzliches einzuwenden, nur gegen das Ausblenden wichtiger anderer Aspekte, die damit nicht berücksichtigt sind. Leider sehr ich in Ihren Rückmeldungen nichts, was diverse von mir kritisierte Punkte substanziell berührt: - Etwa den Umstand, dass die Förderkosten nicht wie von Ihnen behauptet überall extrem niedrig sind, sondern bei neuen Projekten so hoch sind, dass dies häufig die Realisierung be- oder verhindert. - Ebenso, dass dies meist die Projekte mit den größten Umweltbelastungen sind, dass deren Verhinderung also dem Klima sehr wohl zugute kommt. - Weiter, dass die heutigen Klimaschutzbemühungen, so unvollkommen sie sein mögen, eine wichtige Vorbereitung auf ein späteres, richtig greifendes Cap & Trade-Regime sind, da man offensichtlich niedrigere Caps durchsetzen kann, wenn man schon ein Stück weit in diese Richtung gegangen ist. Caps fallen nicht vom Himmel, sie müssen politisch ausgehandelt werden und werden von gemachten Erfahrungen beeinflusst. Übrigens auch von Forderungen nach anderen Maßnahmen: Es braucht viel politischen Druck. Und politisch betrachtet ist es eben verheerend, viele Leute dazu zu verleiten, dass sie einfach mal nichts tun und warten, bis irgend jemand (wer denn?) auf irgend eine Weise ein wirksames Cap & Trade-Regime weltweit installiert. Sie können ihnen ja auch nicht sagen, wie das gehen soll. Ihr Endziel ist ja gut, das will ich auch, und bis wir es erreicht haben, setze ich mich energisch für Schritte in die richtige Richtung ein. (Selbstverständlich nicht für wirkungslose Maßnahmen, nur um das eigene Gewisse zu beruhigen.) Sie mögen ja die ökonomischen Theorien bestens verstehen, berücksichtigen aber leider einfach diverse Umstände nicht, die essenziell für die Beurteilung der Lage und möglicher Maßnahmen sind. Gleichzeitig werfen Sie anderen Leuten Oberflächlichkeit vor - das passt wirklich nicht zusammen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, bei den Modellen weichen Sie aus, und das wissen Sie auch selbst. Sie geben mir nicht den Eindruck, dass Sie die kritisierten Modelle kennen. Sie haben gesagt, Sie würden Ihre Ansichten revidieren, wenn ich Sie überzeugen könnte. Doch haben Sie Ihren Beitrag parallel bereits der NZZ geschickt, bevor ich überhaupt eine Chance hatte, Sie zu überzeugen. Ihre Aussage, dass Sie bereit sind, sich überzeugen zu lassen, nehme ich Ihnen deshalb nicht mehr ab. Dennoch hier ein letzter Versuch. Die Rolle der Förderkosten sehen Sie leider falsch. Ich verweise Sie auf die beiliegende Studie von Karl zu den wirklichen durchschnittlichen Förderkosten. Die liegen alle nur bei Bruchteilen der Preise. Dass der Preis der limitierende Faktor für die profitable Extraktionsmenge ist, ist für erschöpfbare Ressourcen im Gegensatz zu reproduzierbaren Gütern grundsätzlich nicht wahr. Würden Sie die intertemporalen Modelle kennen, wüssten Sie das. Ressourcenpreise sind Knappheitspreise, die fast nichts mit den Förderkosten zu tun haben. Richtig ist, dass es im Einzelfall in einer großen Weltwirtschaft auch Lagerstätten geben mag, deren Abbau durch das Grenzkostenkriterium gesteuert wird, weil die Eigentümer keinerlei intertemporale Erwägungen mehr anstellen. Das kann z.B. dann der Fall sein, wenn sie die Enteignung durch nationale Politik, ihren eigenen Machtverlust oder die Enteignung durch grüne Politik in der Zukunft erwarten. Doch werden diese Mengen im Gleichgewicht der Märkte stets durch die Minderproduktion der Standardanbieter kompensiert, weil die Mengen der nicht intertemporal optimierenden Anbieter die Preise heute drücken und sie morgen erhöhen, so dass es für Normalanbieter rentabel wird, eine vollkommene Substitution der Mengen vorzunehmen, bis die erwartete Preissteigerungsrate der Bestände in Situ wieder die Marktverzinsung bringt (Standardresultat der intertemporalen Modelle der Hotelling-Welt). Im Übrigen, wenn schon die drohende Enteignung durch grüne Politik hinter dem Verzicht auf intertemporale Optimierung ist, so würde sich ja schon hier das grüne Paradoxon zeigen. (Ankündigung grüner Politik führt heute zu Angstverkäufen.) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in verschiedenen Medienbeiträgen zur Finanzmarktkrise aüßerten Sie, Griechenland könne seine Schulden niemals zurückzahlen. Das klingt populär, ist volkswirtschaftlich betrachtet aber ein völlig abwegiges Argument. Welcher Staat, Deutschland eingeschlossen, so frage ich Sie, kann jemals seine Schulden zurückzahlen, und welche Folgen hätte ein solches Ansinnen für die jeweils nationale und globale wirtschaftliche Entwicklung? Worum es im Fall Griechenland und anderer hochverschuldeter Staaten geht, ist, das Vertrauen der Kapitalmärkte (der privaten Gläubiger) in die Defizitländer zurückzugewinnen, so dass die Schulden über die internationalen Finanzmärkte (zu verträglichen Zinsen) finanziert werden können und es des Beistands der internationalen Staatengemeinschaft (des IWF und der EU, darunter Deutschland) nicht mehr bedarf. Diesem Ziel erweisen Sie mit Ihrer Aussage und der daran geknüpften Forderung, Griechenland solle aus der Europäischen Währungsunion ausgeschlossen werden, einen Bärendienst. Auch aus politökonomischen Gründen macht eine solche Forderung, jedenfalls um das bekannten Wochenende herum und in der gegenwärtigen Krisensituation, weder eu-rechtlich noch faktisch Sinn. Ich möchte Sie daher angesichts der Aufmerksamkeit, die sie in der Öffentlichkeit finden, dringend bitten, ihre Argumente in Bezug auf die (0ber- und Unter-)Grenzen der öffenlichen Verschuldung sorgfältiger zu bedenken und sich zukukünftig (zum Beispiel in der bevorstehenden Ifo-Jahresversammlung) vorsichtiger zu äußern. Freundliche Grüße von Ihrem aufmersamen Zuhörer Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, vielen Dank für Ihre Nachricht. Zuerst einmal: Ich habe nie gefordert oder empfohlen, Griechenland aus dem Euro auszuschließen. Ich weiß nicht, welcher Sekundärquelle Sie das entnehmen wollen. Aus meinem Mund oder aus meiner Feder haben Sie das jedenfalls nicht. Ich habe nur gesagt, dass ein Austritt mit einer offenen Abwertung für Griechenland besser ist als eine Abwertung im Euroraum, und das ist etwas anderes. Sodann habe ich darauf verwiesen, dass Griechenland kein tragfähiges Geschäftsmodell hat, weil sein Leistungsbilanzdefizit 11% des BIP beträgt. Das muss finanziert werden. Es gibt keine historischen Beispiele dafür, dass ein Land ein solches Defizit hatte und herauskam, ohne abzuwerten. Die Vorstellung, Griechenland könnte das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückgewinnen und dann aus eigener Kraft wieder wettbewerbsfähig werden, indem es Schuldendisziplin übt und dann so billig wird, bis die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt ist, wird von der Politik zwar aufrecht erhalten. Ich halte sie aber für abwegig. Sie läuft auf Konkursverschleppung hinaus und wird den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Sie haben schon Recht, dass ein Staat seine Schulden im wörtlichen Sinne nicht wirklich zurückzahlen muss. Mit der Äußerung habe ich gemeint, dass Griechenland seinen Schuldendienst nicht aus eigener Kraft wird bezahlen können, sondern nur, wenn wir ihm mit verbilligten Zinsen oder neuen Finanztransfers die Last abnehmen. Bei einer geschätzten Schuldenquote von 150% nächstes Jahr und Zinsen in der Größenordnung von 10 bis 15%, wie sie ohne die Hilfen sicherlich wieder fällig gewesen wären (wie vor der Euro-Zeit), wären das zunächst 15% bis 22,5% des BIP bei aber weiterhin steigender Tendenz. Zugleich wird das Land zu einer Austerity-Politik gezwungen, das eine Schrumpfung des BIP impliziert. Lettland hat das vorgemacht. Das Land ist allein letztes Jahr um 18% geschrumpft. Ob das reicht, um das griechische Leistungsbilanzdefizit bereits auf Normalmaß zu reduzieren, wage ich zu bezweifeln. Der IMF verlangt in ähnlichen Fällen eine Abwertung um ein Drittel. Dann liegt der Zinsendienst schon bei 23% bis 34% des BIP, ein Ding der Unmöglichkeit. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Artikel über den Neoliberalismus ist ja sehr nett aber Leuten die sich damit befassen sicherlich bekannt. Fragen muss man sich, wieso das Wort Neoliberalismus einen so schlechten Ruf bekommen konnte. Ich finde es waren Professoren und Experten wie Sie, die Ihre Meinung über Regeln viel zu spät verdeutlichen. Jetzt den Mund öffnen um das Wort "Neoliberalismus" zu retten wird den Verlierern dieser Krisen nicht gerecht und dient nur als Beschönigung um vielleicht sogar Sturköpfen wie der FDP ein "weiter so" zu ermöglichen. Wenn Sie es ernst meinten wären sie vor Jahren der Vereinigung Attac beigetreten. Diese als Chaoten beschriebenen Menschen hätten meinungsmachende Schwergewichte wie sie gebraucht. PS: In Ihren öffentlichen Auftritten schaffen Sie es nie Sachverhalte eindeutig zu erklären. So werden Sie immer wieder missverstanden. Verstanden werden Sie nur von Menschen die sich mit der Materie auseinander setzen. Das reicht bei einem öffentlichen Auftritt gerade mal dazu als Buhmann herzuhalten.
Sehr geehrter Herr K., leider hat die Redaktion den Hinweis auf die historischen Ursprünge des Neoliberalismus herausgestrichen (1938!). Daran hätten Sie erkannt, dass es nicht um eine Ex-Post-Rechtfertigung ging. Der volle Text wird im nächsten ifo-Schnelldienst erscheinen, der nächste Woche herauskommt. Wir stellen ihn umsonst auf die Homepage. Was mich betrifft, so habe ich eindringlich in meinem Buch The New Systems Competition, das 2003 herauskam, vor der Erosion der Bankenregulierung und dem Glücksrittertum, das daraus resultiert, gewarnt. Ich habe sogar eine Literaturdiskussion dazu angestoßen. Bitte schauen Sie auf unserer Homepage nach: www.CESifo.de.Sie tun mir in diesem Punkt wirklich unrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
sehr geehrter herr professor sinn ich hab in bazonline soeben das interview gelesen, das philipp müller mit Ihnen abgehalten hat. u.a. ist da geschrieben: "Was muss die Politik Ihrer Meinung nach tun, um die Erderwärmung aufzuhalten? Wir brauchen dringend Massnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstosses. Aber die müssen gemeinsam von allen Ländern beschlossen werden. Einzelstaatliche Massnahmen sind sinnlos." es wird sich möglicherweise noch herausstellen, dass die reduktion des co2 ausstosses nicht tauglich ist, um die klimaerwärmung aufzuhalten. der dänische klimaforscher henrik svensmark sagt aufgrund jahrelanger, durch experimente bestätigte, forschungen, dass das klima durch den einfluss der kosmischen strahlung im zusammenhang mit dem sonnenwind auf die wolkenbildung in der unteren atmosphäre "gemacht" wird. wenn sich seine theorie bestätigt, müssen die zahlreichen co2 päpste gelegentlich ihre notebooks zuklappen und erkennen, dass sie auf dem falschen dampfer fuhren. trotzdem ist es natürlich zweckmässig, den einsatz fossiler brennstoffe so weit wie möglich zu reduzieren bzw. diese für höherwertige zwecke als zum verheizen einzusetzen. dann resultiert als nebeneffekt automatisch eine verringerung des co2. dass die theorie von svensmark noch nicht auf breiter basis anerkannt ist, braucht nichts zu heissen. alfred wegener wurde ja seinerzeit auch ausgelacht, als er seine kontinentalverschiebungstheorie bekannt machte. mit freundlichen grüssen Willi Aerne, Schönenbach 7d, CH-9422 Staad (Schweiz) +4171/ 855 10 85
Sehr geehrter Herr Aerne, dass die Theorie nicht anerkannt ist, macht schon einen entscheidenden Unterschied. 99% der nicht anerkannten Theorien sind falsch. Aus der Nichtanerkennung kann man nun wirklich nicht schließen, dass an der Theore etwas dran ist. Wer nicht Fachwissenschaftler ist, muss sich an den Main Stream halten. Alles andere macht in einem ratinalen öffentlichen Diskurs keinen Sinn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren obigen Artikel gelesen. Daß der Euro durch die EU Maßnahmen weiter nach unten gedrückt wird, war mir auch von vornherein klar. Doch die ökonomischen Konsequenzen für Deutschland sind mir erst durch Ihren Beitrag richtig klar geworden. Danke für Ihre klaren Worte! Wenn sie nur die Politiker erreichen würden.
Lieber Herr S., vielen Dank für die Stellungnahme. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden.
Sehr geehrter Herr B., Sie haben natürlich völlig Recht mit Ihrer Kritik an den Landesbanken. Ich habe übrigens diese Kritik schon in einem Buch über die Landesbanken, das vor gut zehn Jahren bei Beck erschien, formuliert und vor den Geschäftsmodellen gewarnte. Das Basel-System reguliert aber auch die Privatbanken zu wenig. Dazu habe ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus, das gerade in dritter Auflage herauskam, ziemlich viel geschrieben. Ich bin skeptischer als Sie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, in einem Forumsbeitrag sagen Sie, dass die Schuldenquote gegen den Steady-State-Wert (Quotient aus Defizitquote und Wachstumsrate) strebt. Ich komme allerdings zu dem Ergebnis, dass die Schuldenquote gegen unendlich strebt, wenn die Defizitquote größer ist als die Wachstumsrate. Bei identischen Raten komme ich auf den Grenzwert 1, also Schuldenquote 100 %. Vielleicht habe ich mich auch verrechnet. Ich habe einfach den Grenzwert von folgendem Quotienten ermittelt: Zähler: S + W((1+f)hoch n -1) Nenner: W (1 +g) hoch n mit S=Schuldenstand, W=Wirtschaftsleistung, f=Defizitquote, g=Wachstumsrate Vielen Dank für Ihre Mühe.
Sehr geehrter Herr Müller, Sie verlangen jetzt zuviel, wenn ich den Beweis, der sich der Methode der Differenzialrechnung bedient, hier im Email darlege, zumal man da keine Formeln schreiben kann. So, wie Sie es rechnen, kann man nicht vorgehen, denn der Schuldenbestand im Zähler wächst ja nicht mit einer konstanten Rate, selbst wenn die Wirtschaftsleistung das tut. Nur der absolute Zuwachs der Schulden wächst immer mit der Rate der Wirtschaftleistung. Allerdings nähert sich die Wachstumsrate des Schuldenbestandes allmählich der Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung an. Diese Heuristik mag hilfreich sein. Stellen Sie sich vor, Sie geben jedes Jahr eine bestimmte Kartoffelmenge zu einem schon vorhandenen Haufen dazu, die selbst wiederum mit einer festen Rate wächst. Dann wächst auf die Dauer auch der ganze Haufen so schnell wie die pro Jahr hinzu gegebene Kartoffelmenge, und zwar unabhängig davon, wie groß der Anfangshaufen war. War der anfängliche Haufen groß, nähert sich die Wachstumsrate des Haufens von oben der Wachstumsrate des Zuwachses an Kartoffeln an, war der anfängliche Haufen klein, nähert sie sich von unten an. Die Regel ist: "Eine Größe wächst auf die Dauer so schnell wie ihr Zuwachs wächst." Im konkreten Fall ist die Zuwachsrate der Kartoffelmenge, also des Schuldenbestandes, auf die Dauer stets so groß wie die Wachstumsrate des Sozialprodukts. Also geht der Quotient aus Schulden und Sozialprodukt, die Schuldenquote, auf jeden Fall gegen einen festen Grenzwert, sofern die Wachstumsrate des Sozialprodukts größer Null und konstant ist. Der Quotient kann also nie gegen unendlich gehen, wie Sie vermuten. Das hat der englische Ökonom Evsay Domar schon in den frühen 50er Jahren herausgefunden. Die Größe der Schuldenquote, gegen die das System im Laufe der Zeit strebt, wird durch den Quotienten aus Defizitquote und Wachstumsrate angegeben. Bei 5% nominalem Wachstum und 3% Defizitquote geht also die Schuldenquote asymptotisch gegen 60% (=3%/6%). Das sind die Zahlen, die beim Stabilitäts- und Wachstumspakt zugrunde lagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, bzgl. der Finanzkrise scheint mir die Situation allmählich recht einfach gestrickt zu sein. Meine vergangenen Fragen wurden nicht wirklich beantwortet. Ich möchte daher etwas konkreter werden. Ich erinnere mich in meiner Kindheit an Kettenbriefe, Sie kennen Sie sicherlich auch. Können Sie mir einen Unterschied nennen, der genau dieses Prinzip dieser Kettenbriefe gegenüber der Zockermentalität der Finanzbranche unterscheidet, nennen? Dwn einzigen Unterschied, den ich erkenne ist der, dass das System möglichst lange durch die Bankenwelt verschleiert wurde. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dss, so wie Sie in Osnabrück in Ihrem Vortrag noch darstellten "alle keine Ahnung gehabt haben". Denn so naiv können doch Banken und die die beratenden Wirtschaftswissenschafter wirklich nicht sein. Oder wurde nur die angehört, die dem System "hörig" sind und darauf gepokert wude, dass die Zeche der Steuerzahler begleicht? Ich würde mir wünschen, das Sie, als Kapazität, auf genau diese Fragen eine konkrete Stellungnahme abgeben. Mit freundlichem Gruss Martin Schlütz
Sehr geehrter Herr Schlütz, man hat in der Tat auf den Bail out gepokert und ist deswegen zu viele Risiken eingegangen. Das habe ich in Osnabrück gesagt und das ist die These meines Buches zum Kasino-Kapitalismus. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Herr Prof Sinn, ich bin Student, und möchte gerne einen Kommentar verfassen, erst einmal gilt Ihnen ein großes Dankeschön, dass Sie in vielen Sendungen fast ausnahmslos in einer einfachen Weise , dargestellt haben, inwiefern sich unser Land, unsere Volkswirtschaft, befindet und befinden wird. Genau, wenn man teurer ist, muss man auch besser sein. Es mag Ausnahmen geben, aber die Trendlinie wird sich über die Nationen ausbreiten, ob die es wollen oder nicht. Wenn man aufsteht, als große Volkswirtschaft, kann es sein, dass eine Bahn daneben das Land viel weiter ist. Man kann sich große Muskeln antrainiert haben und den Siegesstolz, aber manchmal sind die dünnen und flinken Beinchen der anderen ausreichend,um dennoch schneller zu sein. Ohne Frage - ein Dilemma. Man möchte die Menschen nicht vertäufeln, die sich wundern, dass es Veränderungen gibt. Aber leider gibt es sie, die Geschwindigkeit wird gedrosselt durch den Staat, aber die Bremskraft wird auf Dauer die Entwicklung nicht kompensieren können.Der Bremsstreifen wird nur länger und vielleicht auch dunkler. Der Grundgedanke von nationaler Verschuldung war ja bestenfalls der "Multiplikations-Effekt". Vielleicht in einer geschlossenen Volkswirtschaft, aber der Staat ist kein Unternehmen. Der Staat nimmt kein Kredit auf, um die nächsten Jahre Ernte einzufahren. Ich verstehe nicht, warum führende Volkswirste das anders sehen. Natürlich sollte der Staat intervenieren in Krisen und investieren in die Zukunft. Dass leider auch langfristig nicht gesichert ist, dass die Investition in Bildung im Land bleiben, ist eine andere Sache. Aus meiner Sicht ist es mindestens gewagt, wenn man als führender Politiker in Sendungen, die ein großes Publikum erreicht, immer von Exportweltmeister spricht. Man kann nur exportieren, wenn man zuverlässig ist (Rechtssystem), die Technik hat (Know How) und die Qualität erbringt. Die Chinesen holen auf. Sie sind talentiert und lernfähig. Was wird aus unserer Export-Weltmeisterschaft, wenn 10 Meter vor dem Ziel eine andere Nation schneller vorher im Ziel ist, sind vielleicht Subventionen Sportschuhe, die uns erstmal schneller werden lassen ? Andreas Müßener
Sehr geehrter Herr Müßener, vielen Dank für diese Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ich finde es bedauerlich, daß die deutsche Industrie sich den Orden "Exportweltmeister" anheften läßt und nicht merkt, daß sie mit diesem für einen Teil Ihrer Leistung bezahlt wird; dh. Lob statt Bezahlung. Wenn ein Land mehr Waren liefert als es bekommt, dann hat es einen Anspruch auf Lieferung der Differenz. Dieser Anspruch liegt als verbrieftes Guthaben auf der Bank. Da jedoch offen ist, ob der Schuldner, der das Guthaben bedienen muß, dies auch tut, wäre es besser, eine ausgeglichene Handelsbilanz zu haben. Es ist nämlich vorzuziehen, die Ware im Haus zu haben als eine offenstehende Forderung. So viel aus der Sicht des Lieferanten.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die Dinge auf den Punkt! Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich habe Ihre Kritik am "750bn Rettungssschrim fuer den EURO" gelesen und moechte Sie ausdruecklich unterstuetzen. Ihre Analyse zu diesem Vorgehen unserer politischen Klasse -ueber Nacht an einem Wochenende den Einstieg in die Trasnferunion zu entscheiden sowie die EZB in ihrer Unabhaengigkeit zu beschneiden- ist ein Ding der Unmoeglichlkeit. Das dem Bundestag vorgelegt Kreditermaechtigungsgesetz ist ebenso untragbar. Keine der Massnahmen bekaempft wirkungsvoll Ursachen der Krise. Das ist das Schlimme, und der deutschen Volkswirtschaft, den Buergern, wird erheblicher Schaden zugefuegt (Verschuldung) sowie die Stabilitaet unseres Geldes langfristig gefaehrdet. Einzig richtiger Weg waere eine planmaessige Schuldenrestrukturierung betroffener Laender gewesen (iVm Pariser Club, IMF, Glaeubigern...) Danke dass Sie sich offen positioniert haben. Leider agieren unsere Politiker mit immer weniger oekonomischem Sachverstand nach dem Motto "was nicht sein darf das nicht sein kann" bzw "nach mir (meiner Legislaturperiode) die Sintflut". Die Quittung ist bei den naechsten Landtags- bzw Bundestagswahlen zu erwarten. Mit freundlichen Gruessen, Jochen Huppert Kfm. Geschaeftsfuehrer eines mittelstaendischen Unternehmens Backnang, Deutschland
Sehr geehrter Herr Huppert, vielen Dank für die Unterstützung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn : Ihren Ausführungen zum Verbot von Leerverkäufen, die ich mit Interesse gelesen habe, möchte ich folgendes hinzufügen. Der Verkauf von geliehenen Wertpapieren verfälscht den Markt ebenso wie der echte Leerverkauf; mit dem Unterschied, daß letzterer vor Börsenschluß glattgestellt werden muß. Die Verfälschung der Marktlage besteht darin, daß Wertpapiere auf dem Markt erscheinen und auf den Kurs drücken, obwohl der Besitzer diese gar nicht verkaufen will. Der Leerverkäufer hat sich mit geliehenen Aktien eine Macht verschafft, die er aus eigenem Vermögen nicht hat. Und das im Verborgenen! Diese Täuschung des Marktes ist der erste Makel. Nun ist davon auszugehen, daß der Leerverkäufer mit seiner Spekulations-Richtung richtig liegt. Er beschleunigt dann eine Entwicklung, die später doch eingetreten wäre. Damit verhindert er aber einen langsamen, also sanften Verlauf, und nimmt der Wirtschaft die Möglichkeit, sich anzupassen. Das ist der zweite Makel. Viele Grüße Klaus Friebe PS. Die Contra-Ausführungen von Thomas Mayer von der Deutschen Bank sind reine Rabulistik.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die beiden Hauptaspekte auf den Punkt. Ich stimme Ihnen dabei vollständig zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze Ihre geschliffene Kritik, so wie die o.g. aktuelle, sehr! Sie hätten m.E. noch weiter gehen können. Der zweifellos durch unser Land dominierte europäische Rettungsschirm birgt zwar das Potential für eigene Verluste, jedoch auch die (viel größere-) Gefahr einer zukünftigen politischen Dominanz Deutschlands in Europa und darüber hinaus.... Davor fürchtete ich mich als überzeugter Europäer viel mehr als vor den Verlusten bei französischen oder deutschen Banken. Es wird wieder einmal Zeit, sich an eine nicht allzu ferne Vergangenheit zu erinnern, in größeren Zusammenhängen zu denken und möglichen Anfängen zu wehren. Diese Situation stimmt mich sehr nachdenklich. Viele Grüße Priv.-Doz. Dr. Charles Dewey
Sehr geehrter Herr Dewey, das ist ein interessanter Gesichtspunkt. Sie meinen, die Länder würden von Deutschland abhängig. In der Tat ist auch das eine der problematischen Implikationen. Schuldner mögen Ihre Gläubiger meistens nicht besonders. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Prof. Sinn, ich verstehe den Zusammenhang zwischen fallender Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen und den gegebenen Garantien nicht. Eigentlich haben unsere Parlamentarier mit dem größten "All in" aller Zeiten doch massiv das Risiko bei Investition in unsere Staatsanleihen erhöht. Wieso steigen denn aber die Kurse? Womit rechnen die Märkte? Mit freundlichen Grüßen, Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, die Märkte schätzen nun das Risiko von Anlagen in den Ländern der südwestlichen Peripherie Europas und in Amerika wesentlich höher ein als früher. Das treibt die Zinsspreads im Vergleich zu Deutschland hoch. Die Zinsen im Rest Europas steigen, doch in Deutschland fallen sie, weil Deutschland als der sichere Hafen gilt, zumal es bei dem Anlage suchenden Geld ja im Wesentlichen um unsere eigenen deutschen Spargelder geht. Deutschland war nun mal diesseits und jenseits des Atlantik der bei weitem größte Kapitalexporteuer. Investiert wurde hier nur noch wenig. Das alles ändert sich nun. Das Kapital drängt auf den Inlandsmarkt und begnügt sich mit niedrigsten Renditen, was hierzulande mittelfristig einen Bauboom auslösen wird, so jedenfalls meine Vermutung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich frage mich seit längerem was die Vorteile und Nachteile der Quote: "Staatsverschuldung im Bezug zum BIP" ist. In der Literatur wird dies als einzig relevante Grösse angesehen. Weshalb vergleicht man nicht die Staatsverschuldung im Bezug zur Einwohnerzahl eines Landes oder die Staatsverschuldung im Bezug zum gesammten Kapital eines Landes? Mit freundlichem Gruss Paul-Oliver Burkart
Sehr geehrter Herr Burkart, man nimmt das BIP, weil man die wirtschaftliche Leistungskraft zum Vergleich heranziehen möchte. Eigentlich sollte man aber lieber das Nettonationaleinkommen nehmen, das die Summe der Einkommen der Deutschen misst. Das BIP ist die Summe der in Deutschland verdienten Einkommen zuzüglich der Abschreibungen, keine besonders relevante Maßgröße. Das ist aber Konvention. Eine Relation zum gesamten Kapital wäre möglicherweise noch besser. Das Problem ist nur, dass es darüber keine verlässlichen Statistiken gibt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Zur Staatsschuldenkrise: Was wäre von einem Vorschlag zu halten, der die Landesverwalter in die persönliche Haftung bei staatlichem Bilanz-Betrug bringt? Als seinerzeit Verantwortliche bei Enron die drohende Insolvenz verschleiert hatten, wurden teils auch Haftstrafen verhängt. Bei öffentlich Amtsträgern hingegen ist da Fehlanzeige, da kann gefälscht werden, wie es gerade beliebt und im Zweifel gibt es dann Anwürfe gegen die Erfüllungsgehilfen statt gegen die Verantwortlichen, wie im Fall von Goldmann-Sachs. Mutmaßlich hätte eine persönliche Haftung mit Strafbarkeit doch eine stark disziplinierende Wirkung und würde ebenso Gerechtigkeitsaspekte berücksichtigen. Jedenfalls sorgt die SOX-Gesetzgebung beispielsweise für geradezu paranoide Genauigkeit in den betroffenen Unternehmen, das würde bestimmt auch durch die Übertragung dieses Gesetzes auf die Sphäre der öffentlichen Finanzen erzielt werden können. Freundliche Grüße, Roland Scheel
Sehr geehrter Herr Scheel, Recht haben Sie. Nur wie setzt man das in Griechenland um? Die Schummelei fand ja dort statt. Wenn alles korrupt ist, kann man auch keine Gesetze implementieren. Vielleicht müsste die EU eine Strafgerichtsbarkeit für die Fälschung von EU-relevanten Daten und die Missachtung von EU-Regeln einrichten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse und großer Zustimmung habe ich Ihre Analyse zum Gewährleistungsgesetz gelesen. Durch die von der Mithaftung für die Staatsschulden anderer Länder erzeugte Verzerrung der Kapitalströme, senken wir auch das Lohnniveau, welches mit Vollbeschäftigung im Niedriglohnsektor kompatibel wäre. Viele treibt wohl die Angst um, würde Griechenland, oder das ein oder andere gefährdete Land, pleite gehen, dass man dann wieder die Banken retten müßte. Die Angst ist wohl nicht ganz unbegründet. Wenn dies aber im Austausch gegen Aktien passieren würde, könnte man den Bankensektor retten, ohne den griechischen Gläubigern Geschenke zu machen. Zum Glück haben wir tolle Politiker, die werden die richtigen Dinge schon in die Wege leiten. Mit freundlichem Gruß Noel König
Lieber Herr König, vielen Dank für die Nachricht. Insbesondere auf die Politiker, auf die wir nach dem Abgang von Köhler und Koch noch zurückgreifen können, ist in diesem Zusammenhang besonders viel Verlass. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrem Beitrag zum EURO-Rettungsschirm sprechen Sie die Angleichung des Zinsniveaus für EUR-Staaten nach Einführung des Euros und die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die deutsche Volkswirtschaft an. Ich finde diese Überlegungen sehr interessant, habe aber eine Verständniss-Frage dazu. Sie Argumentieren, dass das relativ niedrigere Zinsniveau für insbesondere südeuropäische Staaten dazu führte, dass das Kapital dorthin wanderte und in diesen Ländern einen Boom auslöste, während die deutsche Volkswirtschaft mit eher mageren Wachstumsraten auskommen musste. Wenn aber das Kapital in Deutschland knapp wurde, hätte es das nicht zu steigenden Zinsen führen müssen, wenn weiterhin Unternehmer hätten investieren wollen? Tatsächlich liegt das Zinsniveau seit einigen Jahren auf einem historisch niedrigen Niveau. Hätten des weiteren Unternehmer nicht schon vor Jahren über eine Kreditklemme o. ä. klagen müssen, wenn in Deutschland eine Kapitalknappheit vorgelegen hat? Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus! MfG Frank Winninghoff
Sehr geehrter Herr Winnighoff, vom Euro her kamen ja nicht die einzigen Einflüsse auf das Zinsniveau. Die lockere Geldpolitik in der zweiten Hälfte der 1990ger Jahre, aber auch nach dem 11. September und dem Irakkrieg hat die Zinsen insgesamt niedirg gehalten. Dies aber für alle Länder. Die Beseitigung der Risikoprämien gegenüber Deutschland kam aber als Sondereffekt noch hinzu, und daraus resultiert die hohe Wachstumsdynamik auf den Immobilienmärkten der süd-westlichen Peripherie Europas, von der der deutsche Immoblienmarkt gänzlich unbeeindruckt blieb. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, es wird diskutiert, dass sich die verschuldeten Staaten mittels Inflation entschulden könnten. Ist dies in der jetzigen Situation überhaupt für Deutschland möglich? Soweit ich weiss, haben die deutschen Staatsanleihen nur eine Restlaufzeit von durchschnittlich 3-4 Jahren. Falls nun die Inflation angeheizt wird, bedeutet dies wohl auch steigende Zinsen. Da der Staat sich aber bald wieder refinanzieren muss, würden dann auch höhere Zinszahlungen folgen, womit eine Entschuldung nicht mehr möglich ist. Sind meine Überlegungen korrekt oder habe ich was übersehen? Mit freundlichem Gruß Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, da haben Sie völlig recht. Nur eine nichtantizipierte Inflation kann die Staatsschulden erodieren. Antizipierte Inflation ist im Zins erfasst. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Artikel über den Neoliberalismus ist ja sehr nett aber Leuten die sich damit befassen sicherlich bekannt. Fragen muss man sich, wieso das Wort Neoliberalismus einen so schlechten Ruf bekommen konnte. Ich finde es waren Professoren und Experten wie Sie, die Ihre Meinung über Regeln viel zu spät verdeutlichen. Jetzt den Mund öffnen um das Wort "Neoliberalismus" zu retten wird den Verlierern dieser Krisen nicht gerecht und dient nur als Beschönigung um vielleicht sogar Sturköpfen wie der FDP ein "weiter so" zu ermöglichen. Wenn Sie es ernst meinten wären sie vor Jahren der Vereinigung Attac beigetreten. Diese als Chaoten beschriebenen Menschen hätten meinungsmachende Schwergewichte wie sie gebraucht. Mit freundlichen Grüßen Bernhard Kühn PS: In Ihren öffentlichen Auftritten schaffen Sie es nie Sachverhalte eindeutig zu erklären. So werden Sie immer wieder missverstanden. Verstanden werden Sie nur von Menschen die sich mit der Materie auseinander setzen. Das reicht bei einem öffentlichen Auftritt gerade mal dazu als Buhmann herzuhalten.
Sehr geehrter Herr Kühn, leider hat die Redaktion den Hinweis auf die historischen Ursprünge des Neoliberalismus herausgestrichen (1938!). Daran hätten Sie erkannt, dass es nicht um eine Ex-Post-Rechtfertigung ging. Der volle Text wird im nächsten ifo-Schnelldienst erscheinen, der nächste Woche herauskommt. Wir stellen ihn umsonst auf die Homepage. Was mich betrifft, so habe ich eindringlich in meinem Buch The New Systems Competition, das 2003 herauskam, vor der Erosion der Bankenregulierung und dem Glücksrittertum, das daraus resultiert, gewarnt. Ich habe sogar eine Literaturdiskussion dazu angestoßen. Bitte schauen Sie auf unserer Homepage nach: www.CESifo.de.Sie tun mir in diesem Punkt wirklich unrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, in der Vergangenheit hatte ich bzgl. der Finanzkrise und Ihrem Vortrag in Osnabrück schon einmal die Frage gestellt, inwieweit Deutschland, als Eyposrt (Vize)Weltmeister gewährleisten kann, dass den exportierten Werten auch ein adäquater Gegenwert geleistet werden kann. Die Antworten, die ich erhalten hatte waren (und sind erst recht jetzt) recht zweifelhaft. Wenn wir nur exportieren um dann die Werte gegen Bürgschaften des eigenen Landes abzusichern (siehe Griechenland), so kann das ja nicht ernsthaft eine nachhaltige wirkliche Perspektive sein. Wir produzieren sozusagen auf Pump und wenn der Gläubiger nicht zahlen kann, dann zahlen halt die Steuerzahler in Deutschland!! Was ist denn da Ihrer Meinung nach los? Aus meinen vormaligen Beiträgen können Sie schliessen, dass ich hier jetzt von Ihnen eigentlich einmal eine grundsätzliche Stellungnahme bzgl. der Stellung Deutschlands im europäischen und globalen Rahmen wünschen würde. Mit freundlichem Gruss Martin Schlütz
Sehr geehrter Herr Schlütz, Ihre Bedenken sind berechtigt. Sie können dazu morgen oder übermorgen von der ifo-Homepage, wenn Sie wollen, einen grundsätzlichen Text von mir herunterladen. Er ist gerade in der Endredaktion. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden. Mit bestem Gruß Frank B.
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Ihre zahlreichen Beiträge zur Schuldenkrise Griechenlands habe ich mit viel Interesse gelesen. Das europäische Währungssystem steht vor einem Scherbenhaufen und enthüllt dabei gewisse Parallelen mit der NS-Zeit. Griechenland steht vor dem Staatsbankortt, andere europäische Länder sind am Taumeln. Die EU sucht nach Wegen zur Stabilisierung des fragmentierten Wirtschaftsraums. Lesen Sie den vollständigen Beitrag unter: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000550> Mit besten Grüssen, Dr. Radu Golban
Sehr geehrter Herr Dr. Golban, da Herr Sinn unterwegs ist, antworte ich Ihnen. Wie Herr Sinn in zahlreichen Beiträgen schreibt, sieht er eine Wende in der europäischen Politik. Die ergriffenen und geplanten Maßnahmen führen seiner Meinung dazu, dass notwendige Korrekturmechanismen nicht mehr greifen. Die Zinsen hatten etwa begonnen, sich wieder an die Bonität der Länder anzupassen. Die Hilfszusagen führen nun dazu, dass diese Zinsspreizungen sich wieder etwas einengen. Die Zinsen der stark verschuldeten Länder sinken und die deutschen Zinsen werden etwas steigen. Der Rettungspakt verzerrt den Kreditfluss der Kapitalmärkte. Wir bräuchten daher vielmehr einen Pakt, der die bisherigen Inhaber der Staatspapiere an den Lasten einer Staatsinsolvenz beteiligt. Die Altgläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Eine solche Insolvenz würde auch zukünftig Anreize für eine Kreditvergabe zu angemessenen Zinsen und bei den Staaten für eine nachhaltigere Politik geben. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn schon Griechenland nicht zu seiner Drachme zurückkehrt -eine Empfehlung, die Sie seinerzeit abgegeben haben - wie wäre es dann, wenn Deutschland aus dem Euro Verbund austritt und damit deutlich macht, dass es nicht zum ewigen Zahler der EU werden will. Hat das Ifo Insitut derartige "Visionen" einmal durchgespielt? Was würde das für die deutsche Wirtschaft selbst, in Europa und gobal bedeuten? Unter der Maßgabe, dass man politische Erwägungen möglichst außen vor lassen kann! Und wäre es möglich, den Spekulanten damit den Garaus zu machen? Unsere, wie auch die anderen Regierungen haben es ja bis heute nicht geschafft, (oder wollen es auch nicht) wirksame Regeln für alle Arten von Bankgeschäften zu erlassen. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
Sehr geehrte Frau W., ich habe das Szenarium nicht durchgespielt, aber ich denke, es übersteigt das, was wir Deutschen uns in Europa würden erlauben können. Davon abgesehen bin ich auch überzeugt, dass der Euro auch nützlich für Deutschland ist. Er schafft eine Zone der Stabilität und Prosperität im Herzen des Kontinents. Wir müssen nur das Schuldenproblem lösen und zu diesem Zweck die Südländer auf Kurs bringen, was freilich schwierig genug sein wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben, mehr als einmal, warnend Ihre Stimme erhoben. (Wie im Übrigen auch Hans-Olaf Henkel es nicht müde wird, zu tun) Jetzt auch wieder in Bezug auf die Griechenland-Krise. Doch was frommt's? Unsere Politiker sind nicht in der Lage und wohl auch nicht willens, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Letztlich wird das wieder nur zu dem führen, was der begnadete Kabarettist Volker Pispers schon vorausgesehen hat: "Dann kommt wieder ein eloquenter junger Mann aus dem benachbarten Ausland und erzählt den Deutschen, wo es langgeht". Und ich füge bei - und es werden ihm alle wieder nachlaufen. Die meisten "Volksvertreter" werden sagen, dass sei unmöglich: ich erinnere aber nur an Ted Turner oder Silvio Berlusconi. Diese Menschen sind auf einmal da, wie der Blitz, man bemerkt ihn erst, wenn er einschlägt. Deshalb: wir brauchen in Deutschland neben all den linken Parteien (darunter jetzt auch: CDU und CSU) eine neue konservative Partei, eine Partei des gesunden Menschenverstandes. Die FPD wird es allein nicht richten können, dafür sind die Vorbehalte gegen diese Gruppierung zu groß. Ansonsten werden wir den von Henkel schon heraufbeschworenen "Neosozialismus" bekommen, Deutschland würde zu einer "DDR-light". Warum gründen Sie nicht, gemeinsam mit den wenigen, noch "Verständigen" im Land diese neue Partei? Frau Merkel hat viele in der CDU vergrätzt. Ich bin sicher, es würden Ihnen viele nur zu gern folgen. Im jetzigen Zustand ist die Union als Volkspartei nicht überlebensfähig. Herzliche Grüße H.W.
Sehr geehrter Herr W., zu viel der Ehre, die Sie mir da zuteil werden lassen. Ich bin als Politiker ungeeignet. Ich bin ein Wissenschaftler, und dabei muss es bleiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, habe mit grossem Interesse "Kasino-Kapitalismus" gelesen und viel daraus gelernt, denn ich bin nur Physiker. Frage: Wäre es nicht richtiger, den Zustand einer Volkswirtschaft nicht nur mit dem Wachstum des PIB, sondern mit dem Wachstum minus Defizit des PIB zu beschreiben ? Das würde doch endlich den Politikern den Wind aus den Segeln für weiteres Schuldenmachen nehmen. Auch in der jetzigen Extremsituation würde damit jedem die reale Situation der Volkswirtschaft viel besser vor Augen geführt.
Sehr geehrter Herr Kollege A., gute Idee. Theoretisch müsste man den Quotienten von Defizitquote und Wachstumsrate nehmen, denn das ist der Steady-State-Wert, gegen die die Schuldenquote strebt. Also Wachstum von 2% bei Defizit von 5% macht einen Steady State für die Schuldenquote von 250%, was in etwa unsere derzeitige Situation ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist denn von den aktuellen Maßnahmen zur Stabilitätssicherung des Euro? Gruß, Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, es ist wenig davon zu halten. Schauen Sie am Dienstag in die FAZ. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sind Sie der Meinung, dass es hilfreich wäre, CDS Papiere, mit welchen Spekulanten auf den Ausfall von Staatsschulden spekulieren können, zu verbieten. Soweit ich richtig informiert bin, sind sie ja der Meinung, dass man Leerverkäufe auf Aktien oder Anleihen verbieten sollte. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, ich bin nicht der Meinung, dass man CDS-Kontrakte generell verbieten sollte, nur die naked CDS, also Versicherungen gegen Risiken, die man gar nicht hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Sie im TV gesehen und gehört. Mir fiel auf, dass Sie bei der Argumentation gegen eine Griechenlandhilfe einen Domino-Effekt anderer "Sünder-Staaten" befürchten. Da kann was daran sein,obwohl der Domino-Effekt auch in die völlig andere Richtung gehen kann ("Lernen am Erfolg") Wenn es gelingt, die Eurozone in Sachen Griechenland zu bezwingen, dann kann man sich (wie es sich bereits abzeichnet) die nächsten vornehmen: Portugal, Spanien.... Wenn die Eurozone mit dem "kleinen Griechenland-Problem" nicht fertig wird, müsste Spanien dann für den Euro tödlich sein. Aber es gibt ein historisches Beispiel, das gegen Ihre Positionierung spricht, weil die Dominos weltweit nach der verweigerten Hilfe fielen, das war die Lehman-Pleite Mitte September 2008. Damals wollte Herr Paulson (warum auch immer) verhindern, dass sich Finanzinstitute auf staatliche Hilfe stets verlassen könnten (vorher hatte er mit höheren Beträgen als für Lehman zur Konkursvermeisung nötig gewesen wären) u.a. Fannie Mae und Frteddie Mac gestützt sowie kurz danach sein 700 Milliarden Dollar-Programm für die Finanzwirtschaft durchgesetzt. Für Lehman kam das zu spät und die weltweite Finanzkrise brach los. Bei "Wikipedia" habe ich gelesen, dass die Verweigerung der Lehman-Hilfe als "Jahrhundertfehler" bewertet wird. Also die Weltfinanzkrise wurde durch die nicht gewährte vergleichsweise geringe nötige Hilfe für Lehman ausgelöst und machte Billionenschäden. Bei Griechenland sehe ich die gleiche Domino-Gefahr wie damals bei Lehman: eine neue Krise , weil die Hilfe vetweigert wurde.
Sehr geehrter Herr Röseler, vielen Dank für Ihren Beitrag. Mir ist die Lehman-Problematik bewusst. Ich habe darüber in meinem Buch Kasino-Kapitalismus ausführlich geschrieben und teile insofern Ihre Einschätzung. Die Parallelen sind aber insofern begrenzt, als bei Lehman wegen des Vertrauensverlustes der gesamte Interbankenmarkt zusammenbrach. Das kann jetzt nicht passieren. Richtig ist, dass Portugal und Irland in Schwierigkeiten kommen könnten. Aus drei Gründen halte ich diese Gefahr für begrenzt bzw. hinnehmbar. Erstens wäre es richtig, wenn diese Länder durch die Kapitalmärkte diszipliniert würden. Beide haben über ihre Verhältnisse gelebt. Wer soll das stoppen, wenn nicht die Kapitalmärkte? Zweitens ist Griechenland ein anderer Fall insofern als Griechenland sich in den Euro hereingeschwindelt hat und jetzt unser Geld will. Ich würde Portugal und Irland helfen, Griechenland aber nicht. Das wird man den Kapitalmärkten kommunizieren können. Drittens funktioniert das US-amerikanische System seit zweihundert Jahren trotz gelegentlicher Staatskonkurse recht gut. Dort hilft keiner, und die Welt geht nicht unter. Als zuletzt New York in den siebziger Jahren praktisch pleite war, musste es sich unter das Kuratel einer Aufsicht durch die Banken (Municipal Assistance Corporation) stellen, weil weder die anderen Länder noch der Bundesstaat zu Hilfe kamen. New York fand den Weg zu einer gesunden Finanzpolitik zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zu dem Thema Unterstützung für Griechenland haben Sie sich bereits dezidiert geäußert. Sie haben meiner Meinung nach ausnahmsweise einmal die deutliche Mehrheit in Deutschland hinter sich. Einige wenige Punkte möchte ich noch dazu anführen, die Sie bitte gerne in der weiteren Diskussion verwenden wollen: 1. Wie sieht es bei der Griechenland-Rettung eigentlich mit den Nicht-Euro-Staaten in der EU aus, insbes. mit Großbritannien? Soweit ich weiß, haben gerade die britischen Banken in erheblichem Maß in Griechenland investiert. Rettet Deutschland jetzt nebenbei auch noch diese Banken? 2. Profitiert hat nicht Deutschland durch den Euro, sondern einige Deutsche. Die meisten Arbeitnehmer zählen jedenfalls nicht dazu, sollen aber im Ergebnis bezahlen. Zusammengefasst bedeutet dies nichts anderes, als das deutsche (andere natürlich auch) Spekulanten und Unternehmer (insbes. am Export beteiligte) den deutschen Arbeitnehmern auf dem Umweg über Griechenland (...) auf kaltem Wege Kapital entzogen haben. 3. Geschäfte mit Pleitiers sind keine guten Geschäfte. Ein Geschäft mit jemandem der die Ware möchte, aber nicht zahlen wird, kann jeder abschließen. Ist dies von vornherein bekannt und wird dennoch im Vertrauen auf den Steuerzahler gemacht, ist es ein unzulässiges Geschäft zu Lasten Dritter. Und da die Bank ja Geld der Anleger an den Pleitier auszahlt zudem Veruntreuung, somit strafbar. 4. Die deutschen Firmen, die nach Griechenland exportieren und ohne eine Finanzhilfe um weitere Exporte bangen, können auch anders unterstützt werden: Wenn das Geld nicht nach Griechenland fließt, um dann teilweise auf Umwegen wieder in Deutschland zu landen, sondern direkt in Deutschland verbleibt - und z.B. für Steuersenkungen genutzt wird - können die Deutschen Steuerzahler/Konsumenten die Waren auch selbst kaufen. Das wäre billiger, sicherer, gerechter und sogar politisch profitabel Mit freundlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, Sie haben leider mit all Ihren Punkten Recht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
“Strategie ohne Taktiken ist der langsamste Weg zum Sieg. Taktiken ohne Strategie sind der Lärm vor der Niederlage” Sun Tzu (544 – 496 v. Chr. - chinesischer General, Militär- stratege und Philosoph, Buch: „Die Kunst des Krieges“) Lieber Herr Sinn, Sie sagen goldrichtig in Ihrem SPIEGEL-ONLINE-Interview, dass Griechenland ein „Geschäftsmodell“ fehlt. Das Gleiche gilt für meine zweite Heimat, Portugal. Nun, ein „Geschäftsmodell“ ist zwar vorhanden, aber es ist wenig differenziert und man kann, was viele andere auch und z.T. sogar besser können. Was fehlt ist ein glaubhaftes stark differenziertes Profil der weltweit einzigartigen und unverwechselbaren Stärken, das bei entsprechender Anwendung den Ländern nach aussen mehr Anziehungskraft und damit mehr Kredit verleiht. Bereits als 1986 meine zweite Heimat Portugal der EWG beitrat, sah ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich war nämlich bereits damals zur Überzeugung gelangt, dass die EWG „umgekippt“ war. Und zwar von einer extrovertiert-alterozentrischen Zielsetzung in eine introvertiert-egozentrische. In der Folge habe ich seitdem meine portugiesischen Freunde immer wieder darauf hingewiesen, dass, wenn solche (geschlossenen) Systeme am Ende ankommen, es „die weniger enwickelten Subsysteme sind, die als erste über die Klinge springen müssen“. Aber das wollte niemand hören, auch nicht meine über all die Jahre gemachten konkreten politisch-ökonomischen Vorschläge zur Vorbeugung einer solchen Situation (z.B. mein Artikel „Warum es sich (für Portugal) lohnt auf Afrika zu setzen“, von 1997). Und jetzt steht Portugal, hinter Griechenland, sozusagen auf dem „Zehnmeterbrett“ um in ein Schwimmbad ohne Wasser zu springen. Schiller, würde er heute leben, würde möglicherweise dazu sagen. „Gegen Subventionen kämpfen Götter selbst vergebens“. Und so wurde der staatl. regulierte Systemraubbau sozusagen zur Staatsreligion – bis nun endlich die kybernetischen Korrekturmechanismen der Natur zu greifen beginnen. Aber noch ist das „Lügen in die eigene Tasche“ nicht am Ende, obwohl der Anfang vom Ende bereits begonnen hat. Gestern setzte sich z.B. Prof. Arnulf Baring als einziger der Gäste von Anne Will über das punktuelle Griechenlandproblem hinweg und machte – sinngemäss – die folgende systemisch-ganzheitliche Aussage: „Wir alle und nicht nur Griechenland marschieren schon lange in die falsche Richtung, und falls nichts geschieht wird am Ende auch die Bundesrepublik da landen, wo sich Griechenland heute befindet“. Ich behaupte, dass es zwischen dem Teufel und Belzebub.d.h. Hilfe und Nichthilfe, einen eleganten Ausweg gibt und zwar einen kybernetischen (s. Anlage). Nachdem allerdings keiner der auf den rein materiellen Teil fixierten Problemkandidaten – Deutschland gehört mit dazu – an die Wirksamkeit desselben zu glauben bereit sein wird – die Portugiesen tun es nicht – , geschweige denn Hand anzulegen, gibt es als grossen Wurf nur eine Möglichkeit einer systemisch-ganzheitlichen Lösung: Deutschland, das zusammen mit Frankreich einer der Hauptanführer der in die Introversion und den Egozentrismus geratenen EU ist, wird den ihm noch verbliebenenen Rest an Macht in Brüssel einbringen müssen um einen Strategiewechsel in die Wege zu leiten um die EU und mit ihr alle ihre Mitglieder zu retten. Ich schrieb bereits 1997 an Freunde: „Man wird ‚Strohhalme‘ loslassen müssen, die man bisher für ‚Balken‘ gehalten hat und dafür echte ‚Balken‘ ergreifen müssen, die man bisher für ‚Strohhalme‘ gehalten hat. Das ist der Abschied vom schönen Schein zu dem uns die Ereignisse zwingen werden.“ Nun, dieser Moment ist jetzt gekommen. Man wird auf EU-Ebene wieder nach aussen blicken und sich den wachsenden Bedürfnissen von einigen Milliarden Menschen da draussen in der 3. Welt widmen müssen – in strategisch korrekter und wirksamer Weise, wohlverstanden. Das ist der externe, der Zielgruppenengpass. Zuvor wird man allerdings den internen Engpass – welches ist der fehlende Minimumfaktor, dessen Besitz es uns ermöglichen würde die beabsichtigte soziale Kettenreaktion auszulösen? – lösen müssen. Zum Beispiel: Ein grosser Befreiungsschlag in Form einer radikalen Steuerreform (Flat Tax, Bierdeckel!?). Wahnsinn, das ist nicht durchsetzbar? Stimmt, im Moment NOCH nicht durchsetzbar. Die handelnden Akteure benötigen also noch einige Zeit um richtig „durchzugaren“ oder – noch besser – durch Leute ersetzt zu werden, die die Welt auch ohne vorhergegangenen Leidensdruck mit anderen Augen zu sehen. Wahrscheinlich ist, dass man zur Lösung der Existenzfrage (der EU und seiner Susbsyteme) zunächst einmal weiterhin den linearen Weg wählt und einen der beiden Irrwege einschlägt. Das wird kurzfristig die kybernetischen Korrekturmechanismen derart anheizen, dass man sich in seiner Verzweiflung doch noch entschliesst den Strategiewechsel ad hoch einzuleiten, indem man die scheinbaren „Strohhalme“ aufgreift – und siehe da, es geschieht das, was schon Goethe wusste: „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.” Eine Positivspirale wird eingeleitet. Entscheidendes geschieht auf der immateriellen Ebene: Neues Vertrauen, Hoffnung und Motivation kommen auf; es geht wieder aufwärts. Einzige Vorbedingung: Die Macht darf vorher nicht auf die Strasse fallen – sonst wird uns anderfalls die sich dann bis zum bitteren Ende rasend schnell abspulende Negativspirale ganz schön beschädigen. Mit besten Grüssen aus Estoril Rolf Dahmer
Sehr geehrter Herr Dahmer, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, Sie haben im Januar dieses Jahres am Zentrum Wald-Forst-Holz in Freising einen Vortrag zur aktuellen Klimadiskussion gehalten. Ich habe ein paar Urlaubstage genutzt, um Ihr diesbezügliches Buch in Ruhe zu lesen. Die Urlaubsstunden sind mir durch die Lektüre nicht "versüßt" worden; denn leider finde ich gegen viele Ihrer Thesen und Ausführungen keine guten Gegenargumente. Das ein oder andere am bisherigen Weltbild ist massiv erschüttert worden, und manche Ihrer Aussagen und Argumente muss ich deshalb "leider" übernehmen. Einiges bleibt für mich aber auch offen. Ich greife Ihren Aufruf im Buch, Meinungen und Kommentare abzugeben, deshalb hiermit gerne auf. Kernaussage 1 ist: Ob wir in Deutschland regenerativen Strom erzeugen oder nicht ist hinsichtlich Klimavorsorge völlig belanglos; denn unsere CO2- Einsparungen werden innerhalb Europas gehandelt, das CO2 also andernorts (auf unsere Rechnung) produziert. Hintergrund ist der Zertifikatehandel. Diesem Argument muss man sich wohl beugen. Kernaussage 2: Wann immer wir Öl/Gas/Kohle einsparen: wir senken den Marktpreis, was andere veranlasst, mehr davon zu kaufen und zu verbrennen. Insgesamt spielt der freie Markt in Ihrer Argumentation ja die zentrale Rolle. Nun wurde Ihr Buch vor dem Jahr 2009 geschrieben; und der freie Markt und seine stets optimierende Wirkung haben 2009 ja, um es vorsichtig zu formulieren, vieles von ihrem Nimbus verloren. ich habe also zunächst einmal die Hoffnung, dass die Realität doch etwas anders aussieht als in Ihren Skizzen dargestellt. Ich kann also sagen, dass mich Ihr Buch im besten Sinne des Wortes "nachhaltig" beeindruckt hat. Auch wenn diese "Beeindruckung" stellenweise schmerzlich ist, ich akzeptiere sie, da die Argumentation an vielen Stellen absolut überzeugend dargestellt ist. Dennoch bleibt ein unbefriedigender Beigeschmack! Bei einem Buch wie diesem möchte man als Leser ja auch gerne etwas für die Zukunft mitnehmen. Das, um in Ihrem Duktus zu bleiben "grüne Leitbild": "spare, tue Gutes, und Du bist auf dem richtigen Weg" wird hier ja nun massiv zerstört. Was aber wird als Handlungsoption neu angeboten? 1) einen Ressourcenverbrauchsplan mit ALLEN Ländern der Welt auszuhandeln, und 2) Wälder anzuplanzen. Das zweite finde ich als Vertreter einer Forstorganisation natürlich ausgezeichnet, auch das erste erscheint sinnvoll und unterstützenswert. -Was aber kann das Parlament eines Bundeslandes, ein Gemeinderat, ein Bürger tun? Nimmt man alle im Buch zusammengetragenen Argumente hinsichtlich Klimaschutz zusammen bleibt doch: absolut gar nichts. Ob man Energie einspart oder vergeudet ist völlig unbedeutend. Entweder wird das CO2 von einem selbst produziert, oder es wird eben von einem anderen produziert. Damit kann ich als Bürger, Gemeinderat oder Parlamentarier die Hände in den Schoß legen, voll aufs Gaspedal drücken und sagen: "Die ganz da oben, auf globaler Ebene, die müssen das richten. Ich kann derweil alles verprassen; denn mein Handeln ist unbedeutend". Das ist für mich wirklich ein unbefriedigendes Ende der Story. Wenn es also zu einer Neuauflage oder einer Weiterentwicklung des Buches kommt: hierzu sollte etwas gesagt werden. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Anton Fischer
Sehr geehrter Herr Kollege Fischer, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 13. April 2010. Ich weiß Ihr Lob und Ihr Urteil zu schätzen. Sie bezweifeln, ob freie Märkte ihren Nimbus zu Recht haben. Das bezweifle ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus auch. Aber darum geht es bei meinem CO2-Argument nicht. Auch wenn die Märkte schlecht funktionieren, führt unsere Kaufzurückhaltung bei fossilen Brennstoffen zur Sen-kung der Weltmarktpreise, was den Konsum andernorts ankurbelt. Das ist ein robustes, fast trivia-les Ergebnis. Ich sage ja noch mehr: Die intertemporal optimierenden Ressourcenanbieter werden ihre Extrakti-on in der Gegenwart und näheren Zukunft erhöhen, wenn wir für die fernere Zukunft grüne Politik ankündigen und den Anbietern den Wertzuwachs auf die Lagerstätten kaputt machen. Eine grüne Politik, die immer grüner wird, führt dazu, dass die Weltmarktpreise der fossilen Brennstoffe in der näheren Zukunft noch stärker fallen, als wenn der Zeitpfad des Angebots nicht auf diese Poli-tik reagieren würde. Die Chinesen kaufen nicht nur den Kohlenstoff, den wir freigeben, sondern zusätzlich die Mengen, die die Ressourcenanbieter aus Angst vor der Marktzerstörung durch grüne Politik zusätzlich verkaufen. Das ist das grüne Paradoxon. Was den unbefriedigenden Beigeschmack des nihilistischen Ergebnisses betrifft, bin ich bei Ihnen. Ich empfinde es auch als frustrierend, dass wir im Kleinen nichts beitragen können. Aber was soll ich machen, wenn es so ist? Ich verfolge mit meiner Argumentation keine Absicht, sondern lasse mich nur durch die Logik der Gedanken leiten. Dennoch würde ich die Hände nicht in den Schoß legen, sondern die Bürger auffordern, sich dafür einzusetzen, dass die Bundesregierung auf der Ebene der internationalen Abkommen eine Füh-rungsrolle übernimmt. Nicht durch ein Voranpreschen bei der Verbrauchsminderung, das brächte gar nichts, sondern durch die Organisation einer Koalition, die China und Amerika so unter Druck setzt, dass diese Länder ein Kyoto-Nachfolgeabkommen unterschreiben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, wäre denn der Austritt Deutschlands aus der EURO- Zone eine Alternative? Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, in der Tat ist das eine theoretische Möglichkeit. Aber das Land, das autritt, handelt sich eine Menge technischer Probleme ein, so dass es besser ist, wenn Griechenland austritt. Man kann Griechenland helfen, diese Probleme zu lösen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, der Volkswirt Heiner Flassbeck vertritt die Meinung, dass zu niedrige Lohnkosten in Deutschland mitverantwortlich für die griechische Misere sind. Sie hingegen vertreten die Meinung, dass die Löhne gerade im Niedriglohnsektor immer noch zu hoch sind und sich dadurch zu wenig Investitionsprojete in Deutschland lohnen, was bewirkt, dass das Kapital ins Ausland abfließt, wodurch sich die großen Differenzen in den Handelsbilanzen begründen. Das Argument von Flassbeck halte ich für abwegig, impliziert es doch den Vorwurf an deutsche Firmen, dass diese ihre Produkte zu günstig anbieten und deshalb zu konkurenzfähig sind. Ihre Argumentation empfinde ich als schlüssig. Allerdings sehe ich einen Widerspruch ihrer Position im Kontext mit den bilateralen Hilfen, welche die Überschußländer im Notfall gewähren sollen. Meiner Meinung nach beflügeln die bilateralen Hilfszusagen den deutschen Kapitalexport, wärend das Kapital durch einen gut ausgebauten Niedriglohnsektor ja eigentlich im Land gehalten werden soll. Mit freundlichem Gruß Noel König
Lieber Herr König, bilaterale Hilfszusagen sind Kapitalexport, wenn Kredite gegeben werden, und Transfers, wenn das Geld geschenkt wird. Sie erhalten den deutschen Überschuss und das griechische Defizit in den Leistungsbilanzen. Ich stimme zu, dass das keine guten Lösungen sind, weil sie darauf hinauslaufen, dass wir unsere Exporte verschenken. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, ich las kürzlich auf Ihrere Homepage die Erklärungen zum Stichwort "Staatsbankrott". Worüber ich mich nun etwas wundere ist, warum der Staat denn überhaupt etwas gegen übermäßige Staatsverschuldung tun sollte? In dem Video "Welche Folgen hat ein Staatsbankrott" erklärt Herr Sinn, dass die Folge einfach ist, dass die Gläubiger eben Pech haben und ihr Geld nicht mehr vollständig zurückbekommen. Was ist daran denn so schlimm, volkswirtschaftlich gesehen? Oder gibt es andere Gründe, warum Staatsschulden ein Problem sein könnten? MfG, Daniel Lechmann
Sehr geehrter Herr Lechmann, was ist schlimm am Staatsbankrott? Allerlei. In der Erwartung des Bankrotts kann sich der Staat nicht mehr finanzieren und die öffentliche Versorgung bricht zusammen. Der Kapitalmarkt wird geschädigt, weil auch die Garantien des Staates für das Bankensystem, ob privat oder staatlich, wertlos werden. Der Zahlungsverkehr bricht zusammen. Das Ergebnis ist Chaos und Revolte auf den Straßen. Ein geordnetes Wirtschaften ist nicht mehr möglich. Das Land verliert an Wohlstand und versinkt im Chaos. Danach mag es sich wieder fangen, doch ist der Bazillus des Staatsbankrotts virulent, wenn der Bankrott einmal stattgefunden hat. Dauerhaft werden höhere Risikoprämien im Zins verlangt, die zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums führen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, durch eine Internetrecherche nach Beiträgen ihrerseits zu Politik und Wirtschaft bin ich auf ihr Interview mit der Süddeutschen Zeitung gestoßen, dass man sich zu Teilen auch per Video anschauen kann (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/517/422278/text/). Zuerst wollte ich mich für ihre Arbeit als Ökonom und Autor bedanken; Mein Interesse an politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten des Lebens ist durch ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten“ geweckt worden. Geprägt durch die Ausführungen in ihrem Buch und der Überzeugung, dass diese richtig sind, habe ich eine liberale Haltung eingenommen und bereits zu meiner Schulzeit immer wieder heftig dafür argumentiert und diskutiert. Seitdem bin ich meinem Interesse treu geblieben und studiere nun im zweiten Semester Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Bei dem Interview sind mir zwei Aspekte aufgefallen, die mich seitdem sehr beschäftigt haben. Die Frage, ob Managergehälter gerecht seien, verneinen Sie klar. Kurz darauf erläutern Sie, dass man diese unverhältnismäßige Lohnspreizung aber nicht ändern könne und man sich daher mit ihr abfinden sollte. Ich muss ihnen in diesem Punkt widersprechen, da ich der festen Überzeugung bin, dass beides möglich ist. Im Zuge dieser Finanzkrise, bei der diese Managergehaltsdiskussion durch (ungerechtfertigte?) Abfindungen von Managern in Millionenhöhe, unter deren Leitung riskante Geschäfte abgewickelt worden sind, die letztendlich zu Abschreibungen, Schließungen und Vermögensverlusten von einfachen Bürgern geführt hat, ist die Diskussion entbrannt, wie man Gehaltsanreize schaffen kann, die sich am langfristigen Erfolg des Unternehmens messen und wie Manager mehr Verantwortung für ihre Firma, im Sinne von Eigenhaftung, übernehmen sollten. Dabei vertrete ich keinesfalls die Meinung, dass alle Manager raffgierige Menschen sind und nie an das Unternehmen denken und daher enteignet werden sollten zum Wohle des Unternehmens. Ich kenne Beispiele von Schweizer Banken, bei denen Manager auf ihr rechtmäßiges Gehalt verzichtet haben um ihrer Bank zu helfen. Ebenfalls habe ich ihre Meinung unterstützt, dass die Grenze von Managergehältern auf 500000€ bei Inanspruchnahme des Stabilisierungsfonds, zu Fehlanreizen, durch Rückschraubung des Geschäftes und verspäteter Inanspruchnahme, und dadurch zu einer viel größeren Katastrophe für Deutschland werden könnte. Bislang scheint sich diese Prognose allerdings als falsch darzustellen, da schon einige private Unternehmen den Sonderfond in Anspruch genommen haben. Meine Verwunderung über ihre Aussage war vielmehr, dass Sie einen Fehler erkennen, aber meinen, nichts daran ändern zu können bzw. zu müssen. Generell müssen Regulierungen das Ergebnis nicht verschlechtern, sie können sie auch verbessern, wie viele Beispiele zeigen: Verbot von Monopolen, da diese ineffizienter arbeiten, Regulierung von Energie und auch Sie haben, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahr 2001 für schärfere Kontrollen des Finanzsystems plädiert. Warum sind Sie dann der Meinung, dass eine Regulierung bei Managergehältern nicht möglich sei und automatisch zu einer Verschlechterung des Gemeinwohls führen würde. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass genau die Forderungen, die verschiedene Wissenschaftler und Politiker an die Gehaltsstrukturen stellen richtig sind; der Bonus soll durch langfristigen Erfolg gedeckt werden und bei Krisen oder fatalen Fehlern, die auch zur Schließung von Unternehmen führen, müssen Manager zu Teilen haftbar gemacht werden. Wieso stellen Sie sich diesen Forderungen entgegen? Ist es nicht berechtigt, diese Maßnahmen der Haftung und der Vorsorge, gegen zu riskante Geschäfte, bei deren Misslingen der Bürger verliert, mit zu den Aufgaben eines Managers zu stellen, der über das 50-fache der Bundeskanzlerin verdient? Würde ein solches Vorgehen, bei dem junge, engagierte, höchstmotivierte Menschen dieses Risiko eingehen und diejenigen, denen das Risiko zu hoch ist und dann ins Ausland abwandern, wie Sie es im weiteren Verlauf des Interviews prognostiziert haben, nicht zu mehr Wettbewerb um die Posten führen? Ich glaube, dass es ein großes Potential an Menschen gibt, die in der Lage sind, mindestens genauso gut die größten Firmen Deutschlands zu leiten, aber dabei die geforderten Auflagen oder auch eine Verringerung des Gehalts in Kauf nehmen. Weshalb ich ursprünglich dieses Schreiben anfangen wollte, war ein anderer Grund, der aber auch durch das oben genannte Interview entstand. Davor möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie meine höchste Achtung haben und ich Sie für einen sehr intelligenten Mann halte, von dem ich sehr überzeugt war, dass er wichtige und richtige Hypothesen aufstellt. Allerdings beginnen Sie beim Interview ein Argument mit den Worten: „Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“, was ich durchaus unterstütze, und kommentieren dann kurz einen Vergleich der beiden deutschen Wirtschaftssysteme. Sie sagen dann, dass die Neidpräferenz in der ehemaligen DDR so weit ging, dass sich die Menschen darüber aufregten, dass Honecker ein Kühlschrank hatte und dieses ausgeprägte Neid dazu führt, „dass keiner einen Kühlschrank hatte oder nur sehr wenige“. Diese Aussage ist definitiv falsch und zeugt von einem völlig falschen Bild der DDR. Es ist sehr drastisch formuliert und ich kann mir vorstellen, dass Sie es für anmaßend halten, dass ich als Student des zweiten Semesters, ihnen als Professor etwas so direkt schreibe. Jedoch muss ich zugeben, dass mich ihre Äußerung zutiefst enttäuscht hat, da ich Sie für einen wohlüberlegten Menschen hielt, der seine Meinung fundiert vertritt. Meine Großeltern haben in der DDR gelebt und meine Eltern sind dort groß geworden. Obwohl wir alle, damit schließe ich mich definitiv ein, keine Befürworter des Kommunismus oder der DDR waren, sind wir doch bestrebt, falsche Behauptungen über das dortige Leben richtig zu stellen. Ich finde es paradox, dass Sie für einen Vergleich von Managern und Juden, was meines Erachtens von den Medien total lächerlich aufgezogen wurde und überhaupt nicht der Punkt ihrer Aussage verstanden worden ist, öffentlich so angegriffen wurden, sodass Sie sich entschuldigen mussten, eine Aussage aber, die sich auf keine historischen Daten stützt, ein falsches Bild der ostdeutschen Geschichte zeigt und dem Klischee des desinteressierten Westdeutschen genügt, von den Medien nicht beachtet wird, obwohl es dort ihre Berechtigung hätte. Ich würde Sie Bitten, auch in Ihrem Interesse, in der Öffentlichkeit ein solches Beispiel nicht mehr anzuführen, da es Ihre Glaubhaft in anderen Dingen sehr in Frage stellt. Falls Sie jedoch ein anderes – ich nenne es mal polemisches – Beispiel zur Unterstützung Ihres Unmutes über das kommunistische System suchen, kann ich Ihnen mit gutem Gewissen die Waschmaschine empfehlen. Diese hatten in der Tat nicht alle Bürger. Ich glaube allerdings nicht, dass es Ihrer Umgangsweise und Erfahrung als Ökonom und Wissenschaftler entspricht, polemisch zu argumentieren, bin mir dennoch über die Schlagkräftigkeit und Medienwirksamkeit solcher Argumente bewusst. Allerdings bin ich mir sicher, dass Sie ihre Position auch ohne so was vertreten können und den Menschen bewusst machen, warum wir die soziale Marktwirtschaft brauchen und weshalb ein kommunistisch/sozialistisch geprägtes System die falsche bzw. keine Alternative ist. Mit freundlichen Grüßen, Alexander Scheer
Sehr geehrter Herr Scheer, haben Sie vielen Dank für Ihren langen Brief, auf den ich nur kurz antworten kann. Ich bin gegen einen Eingriff des Staates in die Entlohnungsstrukturen, weil Löhne Preise sind, die eine Allokationsfunktion ausüben. Das gilt auch für Manager-Gehälter. Wenn die Gehälter gedeckelt werden, wird der Wettbewerb der Unternehmen um die Manager ausgeschaltet. Dann geht nicht mehr der cleverste Manager zum größten Unternehmen, wo er durch weise Entscheidungen den größten Schaden verhindern kann. Die Schäden für die Gesellschaft wären ein Vielfaches dessen, was bei den Gehältern eingespart wird. Bestimmte Dinge, die einen ärgern, kann man nicht ändern. Staatliche Interventionen, die externe Effekte internalisieren, kann man in der Regel jedoch realisieren. Ihrer Behauptung, dass es genügend clevere Manager gibt, kann ich nur heftig widersprechen. Das Wissen der jeweiligen Manager ist sehr speziell. Es reicht nicht, intelligent und gut ausgebildet zu sein. Man muss zudem in einem möglichst ähnlichen Marktumfeld reichlich Erfahrung haben. Die Vorstellung, dass die Manager sich selbst bedienen, kann ich im Großen und Ganzen nicht teilen, weil die Manager ja von den Unternehmen angeheuert werden, und dann werden die Gehälter schon vereinbart. Wenn ein Manager erst einmal im Job ist, hat er nur noch wenig Verhandlungsmacht. Im Übrigen ist dies wirklich ein Nebenkriegsschauplatz, der nur von der öffentlichen Neiddiskussion aufgeblasen wurde. Dass sich ostdeutsche Neidgefühle eher auf Waschmaschinen als auf Kühlschränke konzentrieren, weil die knapp waren, akzeptiere ich mit Interesse. Meine flapsige Bemerkung in dieser Hinsicht sollten Sie nicht auf die Goldwaage legen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, wenn ich Ihre Vita lese gehe ich im Normalfall davon aus das Sie hochgebildet sind. Umsomehr verwundert mich, als Nichtakademiker, dass Sie immernoch in das Horn der Klientel der FDP und teilweise CDU stossen indem Sie sich, und nun kommts, wider besseren Wissens, gegen den Mindestlohn aussprechen. Frei nach Herrn Volker Pispers: Wer gegen den Mindestlohn ist, ist ein A...l.... und wer behauptet Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze ist erschwerend ein dummes A...l.....! Herr Sinn: Auch Ihnen wird nicht entgangen sein, dass in fast allen europäischen Ländern Mindestlöhne gezahlt werden und nicht Ihre Horrorvorstellung von dann eintretender Areitslosigkeit stattgefunden hat. In Deutschland soll nach meiner Auffassung von Gerechtigkeit jeder Arbeitnehmer/in, der/die 40 Wochenstunden arbeitet, auch so bezahlt werden, dass er/sie ohne Unterstützung vom Staat (Aufstocker) leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Alles andere ist unsozial undSchürt auf Dauer Unfrieden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr S., ich blase nicht in das Horn der FDP und CDU. Es ist, mit Verlaub, umgekehrt. Zum Mindestlohn habe ich das ifo Institut schon lange positioniert, bevor er ein öffentliches Thema wurde. Das ifo hat ja im Jahr 2002 die Alternative des aktivierenden Sozialstaates zur Entwicklung eines Niedriglohnsektors in einem Gutachtentext entwickelt, der zur Basis der Hartz-Reformen und der Vorschläge verschiedener Sachverständigengremien wurde. Das war die Alternative zum Mindestlohn. Die Erfahrungen anderer Länder mit dem Mindestlohn sind eher schlecht. Die französische Jugendarbeitslosigkeit hat damit viel zu tun. Das Problem ist: Zwar ist es ein akzeptabler Wunsch, dass jeder von seiner Hände Arbeit leben kann, doch die Wirklichkeit ist, dass es nicht genug gute Stellen gibt, um diesen Wunsch ohne Beschäftigungszwang der Arbeitgeber zu realisieren (und ein Beschäftigungszwang wie etwa bei Behinderten würde die Grundregeln des marktwirtschaftlichen Systems unterminieren und auch entwürdigend wirken). Unsere Devise ist: "Wer arbeiten will, muss arbeiten können und dann genug zum Leben haben." Dieses Ziel kann mit einem Mindestlohn nicht erreicht werden. Nach jüngsten Schätzungen von Schöb und Knabe (finden Sie auf unserer Homepage) würde ein Mindestlohn von 8,25 Euro 1,25 Millionen Stellen in Deutchland vernichten. Man kann es nur durch eine Politik der Lohnzuschüsse erreichen, weil man dann Menschen ein hinreichendes Einkommen sichern kann, ohne sie zugleich so zu verteuern, dass sie keine Stelle mehr finden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des vorangegangenen Beitrag zur Aktivierenden Sozialhilfe/Mindestlohn) Sehr geehrter Herr Sinn, ich zitiere aus der Antwort: " Man kann es nur durch eine Politik der Lohnzuschüsse erreichen, weil man dann Menschen ein hinreichendes Einkommen sichern kann, ohne sie zugleich so zu verteuern, dass sie keine Stelle mehr finden." Und genau da sehe ich die Gefahr. Ich kenne mittlerweile Beispiele von Unternehmen, die genau diese Subvention als Geschäftsmodel haben. Ganz einfach ausgedrückt. Die Unternehmen kalkulieren Ihren Gewinn durch den Zuschuss zum Lohn vom Staat. Da frage ich mich, und ich betone nochmal, ich bin nicht akademisch vorgebildet sondern besitze lediglich ein halbwegs gutes Allgemeinwissen, geht's eigentlich noch? Diese Unternehmen machen ihren Profit nur deswegen, weil sie mit den Aufstockern rechnen. Beispiel Springer mit Pin. Das Unternehmenskonzept brach sofort zusammen als es entsprechende Tarifverträge im Postdienstleistungsgewerbe gab. Ich habe vor einiger Zeit in einer Fernsehdiskussion einen Unternehmensvertreter sagen hören, sinngemäß, ja leider erwirtschaften solche Mitarbeiter keinen ausreichenden Lohn um davon leben zu können, deswegen muss der Staat einspringen. Das neue Geschäftsmodel heißt: Zahle deinen Mitarbeitern so wenig wie möglich, den der Staat wird den Rest zahlen damit der MA davon leben kann. Und das sagen einige Unternehmen mittlerweile ganz offen. Sorry, ich habe da eine andere Auffassung. Was würde eigentlich passieren, wenn niemand die Arbeit für das bisschen Geld macht? Würde dann z.B. einfach nicht mehr geputzt, putzen dann z.B. die Vorstände selbst, wird dann plötzlich mehr gezahlt weil es plötzlich doch wirtschaftlich ist? Ich weiß, so viele Fragen und so wenig Antworten.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig Recht: Die Lohnbezuschussung über Hartz IV bedeutet, dass Geschäftsmodelle entstehen, die ohne diese Bezuschussung nicht existieren würden. Das sagt mit anderen Worten dasselbe wie das, was ich gesagt habe. Wir brauchen solche Geschäftsmodelle, damit wir allmählich wieder zur Vollbeschäftigung zurückkehren können. Will man darauf verzichten, dann bleibt die Arbeitslosigkeit unverändert hoch. Wenn Unternehmen zugeben, dass sie darauf spekulieren, dass der Staat einen Teil der Lohnrechnung übernimmt, so ist das nicht verwerflich, sondern ehrlich und ökonomisch genau richtig. Genau darum geht es. Hartz-IV ist ein Lohnzuschussystem, das niedrigere Löhne ohne Einkommensverluste ermöglicht und so die Zahl der Stellen, die von den Unternehmen rentabel zu bewirtschaften sind, erhöht. Genau das ist der Weg, mit dem der Niedriglohnsektor aufgebaut werden sollte und wurde. Sie verweisen auf das Putzen. Ja, in der Tat, es würde weniger geputzt, und es wird ja noch immer zu wenig geputzt, trotz Hartz IV. Schauen Sie sich mal in manchen Großstädten um. Aber nicht das Putzen und ähnliche Dienstleistungen sind das Hauptproblem, sondern die vielen einfachen Arbeitsstellen im verarbeitenden Gewerbe und im Bau, die durch Kapitalexport nach Osteuropa und Asien verlagert werden. Deutschland hatte in den Jahren vor der Krise die niedrigste Nettoinvestitionquote aller OECD-Länder. Im Jahr 2008 wurden von der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis in Höhe von 280 Milliarden Euro nur 117 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Der Rest des Geldes wanderte ins Ausland. Bezuschusste Geschäftsmodelle in Deutschland verhindern das. Eine Mindestlohnstrategie verhindert hingegen diese Geschäftsmodelle, erzeugt Arbeitslosigkeit und zwingt den Staat, Arbeitslosigkeit zu finanzieren, was sehr viel teurer ist und Menschen aus dem Sozialverbund der Arbeitswelt ausgrenzt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Vergnügen und großem Interesse verfolge ich Ihre Konjunkturberichte und Kommentare zur wirtschaftlichen Entwicklung. Leider sind Wissenschaftler rar geworden, die es verstehen, komplexe Zusammenhänge einfach und klar darzustellen und ordnungspolitische Empfehlungen unabhängig von ideologischen Einflüssen und tagespolitischen Opportunitäten auszusprechen. So habe ich auch Ihre Kommentare zur Griechenlad-Krise aufmerksam gelesen und möchte gerne Ihrer Argumentation folgen, dass ein vorübergehender Austritt der Griechen aus der Eurozone für alle Beteiligten der beste Weg wäre. Hierzu habe ich jedoch nur eine Anmerkung und viele Fragen: Wäre es nicht ein Gebot der Fairness, den Griechen gleichzeitig zu sagen, dass Sie bei einem Wiedereintritt für jede Drachme, die sie heute mit einem Euro bezahlen, wahrscheinlich nur noch 30 oder 50 Cents erhalten? Sie sprechen selbst von der Notwendigkeit einer drastischen Abwertung! Wer kann verhindern, dass Griechen schon heute Euroscheine mit dem X vor der Nummer horten um Ihre Ersparnisse zu schützen? Wie soll überhaupt ein derartiger Umtausch bei offenen Grenzen vonstatten gehen? Wer würde unter diesen Umständen einen Umtauschkurs von 1:1 akzeptieren? Gilt unter diesen Umständen noch die Regel, dass das schlechte Geld das gute Geld verdrängt? Zumindest für mich bleiben da noch viele Fragen offen! Freundlich grüßt Sie Dr. Thomas Wagner
Sehr geehrter Herr Dr. Wagner, der Umtausch müsste so geschehen, dass alle Konten in Griechenland über das Wochenende in Drachmen gewechselt werden und die Drachme zugleich abgewertet wird. Außerdem muss der Staat Griechenland ein Schuldenmoratorium erklären, wonach er die auf Euro lautenden Staatsschulden im gleichen Umfang abwertet. Da er ein souveräner Schuldner ist, darf er das. Die Leute werden im Vorfeld reagieren, indem sie ihr Geld von den Konten abheben und bunkern. Das tun sie in der Tat heute schon. Am besten wäre es gewesen, man hätte die Abwertung schon vor einem Monat überraschend gemacht. Aber auch der Bank Run, der jetzt stattfindet, könnte den Staat zum Schluss dazu zwingen, weil er die Bankenkrise sonst nicht mehr lösen kann. Warten wir ab, was geschieht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wegen der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011 werden wahrscheinlich weitere tarifliche Mindestlöhne (mehr oder weniger flächendeckend?) vereinbart werden, die auf Antrag des Tarifvertragsparteien nach Arbeitnehmerentsendegesetz zugleich für die jeweilige Branche von dem/der Bundesminister/in für Arbeit und Soziales als verbindlich erklärt werden (können). Erlauben Sie dazu die folgenden Fragen: 1. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? 2. Halten Sie damit die Diskussion zu den gesetzlichen Mindestlöhnen für obsolet? 3. Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die Arbeitslosigkeit? Danke für die Antwort und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, Sie sehen das wohl realistisch. Sie kennen meine normative Position. Hände weg von den Mindestlöhnen, weil sie Jobs kosten. Nach einer neueren Studie von Schöb und Knabe würde ein Mindestlohn von 8,50 Euro 1 1/4 Millionen Stellen kosten, die zusätzliche Immigration und die dadurch verursachte Verdrängung noch nicht gerechnet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn es nach Angela Merkel geht sind die Weichenstellugnen zur Rettung Griechenlands auf den Weg gebracht. Der IWF soll eigeschaltet werden, ferner sollen bilaterale Kredite aushelfen, welche dem Vertrag von Lissabon offenbar nicht widersprechen. Aus meiner Sicht wurde ein Paradigmenwechsel vollzogen, den ich als Einstieg in eine Transferungion bezeichnen möchte. Die Griechen werden ihre Kredite nie und nimmer zurückzahlen können, es sei denn, sie würden Überschüsse in ihrer Handelsbilanz ausweisen, was ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint, wenn die Griechen in der Eurozone verbleiben. Ich teile daher ihre Schlußfolgerung voll und ganz, dass die Griechen die Eurozone verlassen sollten. Nur so kann die Währung abgewertet werden, was die Handelsbilanz der Griechen in die richtige Richtung lenken würde. Der Weg in die Transferunion bedeutet auch, dass der Steuerzahler die Renditen der griechischen Staatspapiere subventioniert. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, vielen Dank für diese Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ersteinmal danke für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Publikationen, Sie brinegn "Licht ins Dunkle". Im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise greifen die großen Zentralbanken der Welt zu Maßnahmen des "quatitative easing". Die FED hat MBS-Papiere im "Buchwert" von 1300 Mill. USD von den Banken gekauft. Sie schätzen den fairen Wert der Papiere jedoch auf nur 30-40% des ursprünglichen Buchwertes. Die FED plant dieser Papiere zu einem spätern Zeitpunkt zu veräußern, wenn Sie richtig liegen wird die FED damit eine Verlust in Höhe von ca. 850 Mill. USD machen, den der US-Steuerzahler tragen muss. Sehe ich das richtig? Wenn ja, welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die USA? Die 850 Mill. USD sind im Umlauf, jedoch stehen dahinter keine echten Güter/Immobilienwerte, muss dies nicht langfristig in hoher Inflation enden? Wodurch könnte jetzt die Geldumlaufgeschwindigkeit steigen? Mit freundlichen Grüßen, Luis Bötticher
Sehr geehrter Herr Bötticher, wenn Ihre Zahlen über das, was die FED gekauft hat, stimmen, stimmt auch Ihre Konsequenz, es sei denn, es gibt doch noch ein Wunder bei den toxischen Papieren. Sind Sie aber sicher, dass die FED die Papiere gekauft und nicht nur in Zahlung genommen hat? In Europa nimmt die EZB private Wertpapiere nur in Zahlung und behält in vollem Umfang ihre Ansprüche gegen die Banken. Nur, wenn die Banken pleite gehen, kriegt sie ihr Geld nicht wieder. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe Ihnen, weil ich erleichtert bin, dass Sie bezüglich der griechischen Katastrophe ein klares Handeln empfehlen. Gleichzeitig möchte ich zum Ausdruck bringen, dass es ein Glück für Deutschland ist und dass es Mut macht, zu wissen, dass es Menschen wie Sie gibt. Ich hoffe, dass Sie bei den Regierenden Gehör finden und dass Sie die Kraft und das Durchsetzungsvermögen haben, sich dieses zu verschaffen. Seit der deutschen Wiedervereinigung fahren wir in regelmäßigen Abständen von zwei Jahren für 2 Monate nach Griechenland. In dem ersten Jahrzehnt hatte man den Eindruck, dass der Lebensstandard nicht sonderlich hoch ist. Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich aber scheinbar eine wundersame Entwicklung vollzogen. Staunend fragt man sich, wie das möglich war, obwohl es in Griechenland kaum einen Zuwachs an Industrie gegeben hat. Und der Tourismus ist auch nicht derart angestiegen! Wenn man durch die Orte streift, dann hat man den Eindruck, dass fast alle Griechen Urlaub machen. Und neben dem ‚urlaubmachen‘ und den vielen Luxusautos entdeckt man immer häufiger den griechisch sprechenden ‚Pascha‘, unförmig dick, mit einer Stimme, die seiner Bedeutung gerecht wird. Diese Pascha hat es geschafft und muss nicht mehr selbst arbeiten – er beschäftigt Albaner, Rumänen, Bulgaren, usw.. Vor der Wahl Anfang Oktober 2009 ließ die FAZ einen griechischen Politiker zu Wort kommen. Sinngemäß sagte er: „Wir wissen, dass wir auf eine große Krise zusteuern, aber wir sind nicht mehr in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Wir sind zu fett und zu faul“. Bleibt die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung. Sind die Griechen allein an diesem dekadenten Verfall schuld? Meine Meinung ist nein. Dem kleinen Griechenland mit nicht einmal 12 Millionen Einwohnern wird von der EU Jahr für Jahr die größte Fördersumme aller EU-Länder – rund 550 € pro Person und Jahr - zugeschoben. Und dieses Geld fließt, wahrscheinlich ohne Kontrolle, in die Taschen von griechischen Beamten, die den Wert des Geldes zu schätzen wissen. Diese reichen dann einen Teil davon an Günstlinge weiter, um sich des Wohlwollens zu erfreuen und um ihre Positionen zu sichern. Und in diesem EU-Sumpf versenkt Deutschland jährlich 12.500.000.000 € ! Deutschland hat bisher genug geholfen, ganz besonders den Griechen. Die Griechen haben diese Hilfe missbraucht. Die Griechen müssen wieder zu sich selbst finden. Das schlimmste wäre, wenn sich Deutschland auf irgendeine Art und Weise erpressen ließe. Der Prozess wird sehr lange dauern. Und für diese Zeit muss man Griechenland aus der €-Zone ausschließen. Die Griechen wollen und werden sich nicht umstellen. Sie vertrauen darauf, dass ihnen weitere Tricks einfallen und dass letztendlich die Europäer, entsprechende Stimmen sind schon zu hören, umfallen und weiterhin ihr Füllhorn in das Fass ohne Boden ausgießen. Es besteht auch die Gefahr, dass es in Griechenland große Unruhen, wenn nicht sogar Bürgerkrieg gibt. Die Sanierungsmaßnahmen in Griechenland werden nicht denen aufgebürdet, die bisher Nutznießer waren, sondern hauptsächlich der großen Masse, die nur wenig oder gar nichts von dem EU-Segen abbekommen hat. Europa ist sicher gut beraten, wenn es sich bei diesem Klärungsprozess diskret zurückhält. Wenn ich als CDU-Mitglied zu den CDU-Mitgliedern der Regierung mehr Vertrauen hätte, dann wäre dieser Brief an diese gegangen. Ich wünsche Ihnen allen Erfolg. Mit freundlichen Grüßen W. John
Sehr geehrter Herr John, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Sie gesehen bei Hart aber Fair. Mir ist nicht deutlich, wie Ihr Vorschlag der Erhöhung des Anreizes zu arbeiten durch Erhöhung der Freibeträge umzusetzen wäre. Ich habe nicht Wirtschaft, sondern Philosophie studiert und arbeite seit 2006 als Arbeitsvermittler in div. Jobcentern Berlins. Meiner Auffassung nach ist es rein inhaltslogisch nicht möglich, den Anreiz durch eine Erhöhung des Freibetrages zu erhöhen. Sie müssten schon die Regelleistung absenken, wie Herr Franz das in die Runde geworfen hat, oder sie begrenzen die Bezugsdauer von ALGII. Wenn aber diese Stellgrößen unverändert bleiben, werden die Leute sich an den höheren Freibetrag anpassen. Wie heißt es hier regelmäßihg so schön: "Herr Goldmann, ich darf ja nur 100 Euro im Monat dazuverdienen". Vielleicht können Sie bei einem Ihrer nächsten Auftritte im Fernsehen konkreter mitteilen, wie Sie sich die Umsetzung vorstellen. Mit freundlichem Gruß G.
Sehr geehrter Herr G., wir schlagen eine Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze von 100 auf 500 Euro vor sowie eine Absenkung der Transferentzugsrate von jetzt 80%-100% auf durchgängig 70%. Auch eine Senkung auf 50% ist debattierbar. Wenn man die Hälfte des hinzu verdienten Einkommens behalten kann, dann wird die Arbeit gegenüber der Nichtarbeit attraktiver, und wenn man bis 500 Euro den Hinzuverdienst voll behalten kann, wird auf jeden Fall die Bereitschaft gestärkt, bis dahin mehr zu arbeiten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Hat die Elite in unserem Land keine Ideen und Träume mehr. Wir diskutieren seit sieben Jahren über Hartz IV. Es scheint mir aber, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch mindestens ein Drittel Sklaven brauchen. Wir können uns immer noch nicht von der Sklaverei befreien und uns anzumaßen Menschen zu bevormunden und zu bestimmen. Wir sollten keine weitere Zeit verlieren und uns vom jetzigen Sozialsystem so schnell wie möglich verabschieden. Wir sollten auch unsere Gesellschaft nicht weiterhin gegeneinander ausspielen. Jung gegen Alt, Arbeitende gegen Arbeitslose, die Jugend gegen die Rentner usw.. Wir sollten so schnell wie möglich uns auf den Weg machen, ein neues Sozial- und Wirtschaftssystem zu denken. Vorschläge von Universitäten und Professoren gibt es genug. Um einen nur zu nennen, wäre Prof. Götz Werner, Inhaber des DM-Drogeriemarktes. Er schlägt ein bedingungsloses Grundeinkommen in Verbindung mit einer Steuerreform vor. Uns geistig in dieser Richtung zu bewegen, würde viel mehr Sinn machen, als weiterhin über alle Sozialleistungen zu diskutieren und Menschen weiterhin unter Druck zu setzen. Ich würde mich schämen, weiterhin ins Fernsehen zu gehen und über das abgelaufene Sozialsystem zu dikutieren. Mit freundlichen Grüssen Manfred Rubba
Sehr geehrter Herr Rubba, das bedingungslose Grundeinkommen ist leider nicht finanzierbar. Bei den angestrebten 800 Euro für Kind und Kegel kämen 800 Milliarden Euro heraus. Der Mehrwertsteuersatz zur Finanzierung müsste auf über 100% steigen. Das alles ist reichlich utopisch. Verantwortungsvolle Politik bleibt im realistischen Rahmen. ifo schlägt eine Erhöhung des Freibetrags bis zum Beginn des Transferentzugs von 100 auf 500 Euro vor und will den Transferentzug von derzeit 80-90% auf 70% senken. Das ist finanzierbar, bzw. kostet nichts, weil Hartz-IV zugleich zu einem Lohn für kommunale Arbeit wird. Genaueres finden Sie, wenn es Sie interessiert, auf unserer Homepage (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sehe ich es richtig, dass ein Land seine ausländischen Staatschulden nur dann tilgen kann, wenn es einen Handelsbilanzüberschuß erwirtschaftet? Um wie viel sich die Staatsschuld dann aber wirklich reduziert, hängt davon ab, wie hoch der Anteil des Überschusses ist, welcher für die Tilgung verwendet wird. Das bedeutet, Griechenland müßte in der Tat seine Währung abwerten, was schwerlich gelingen kann, wenn es den Euro beibehält. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, man kann den Außenhandelsüberschuss verwenden, um dem Ausland Geschenke zu machen, dort Vermögen kaufen oder seine Schulden zu tilgen. Da Griechenland keine Geschenke macht, sondern solche von der EU erhält, stünde mehr als der Überschuss im Außenhandel für die Tilgung zur Verfügung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, sie behaupten Griechenland habe beim Beitritt zur Euro-Zone gemogelt. Darf ich ihren Horizont etwas erweitern? Am 3. Mai 1998 wurde Griechenland der Beitritt zur dritten Stufe WWU verwehrt, da es keines der aufgestellten Konvergenzkriterien erfüllte. Am 19.6.2000 wurde festgestellt, daß Griechenland nunmehr alle Kriterien erfüllt und trat folglich der Euro-Zone am 1.1.2001 bei. Trotz eifriger Suche habe ich weder von ihnen noch aus ihrem Institut Beiträge gefunden, die die Maßnahmen in Griechenland erläutern, die zu diesem erstaunlichen Ergebnis führen. Die den europäischen Behörden wie EUROSTAT gemeldeten Zahlen beinhalten überhöhte Erträge aus Sozialkassen und im wesentlichen nicht dargestellte Militärausgaben. Hintergrund ist die Vertuschung des Ägeiskonflikts um den wahrscheinlich ölreichen Festlandsockel, in dem sich zwei höchstgerüstete Nato-Partner gegenüberstehen. So besitzt Griechenland im Verhältnis zur Bundeswehr die doppelte Anzahl an LeoII-Panzern. Die Lösung liegt nicht in in den von ihnen beschriebenenen Tragödien, sondern in der Lösung der schwelenden militärischen Konflikte in Europa und daraus folgenden Hochrüstung. Wie wenig Deutschland tatsächlich zu einer Lösung beiträgt, erkennen sie auch daran, daß Außenminister Westerwelle bei seinem Antrittsbesuch in Athen unmißverständlich gefordert hat, Griechenland solle nun Eurofighter im Umfang von drei Milliarden kaufen. Der von mir dargestellte Sachverhalt für den relevanten Zeitraum ab 1997 ist für jeden mittelmäßig begabten Ökonomen leicht nachvollziehbar. Die Militärausgaben fehlen in den Eurostat-Meldungen, in den Veröffentlichungen der griechischen Nationalbank sind sie enthalten. Übrigens die nähere Beschäftigung mit Griechenand seitens Eurostat scheiterte 2003/2004 am Veto Deutschlands. Ihre Meinung zu Griechenlandland, ich müßte lachen, wenn ich nicht weinen sollte über einen führenden deutschen Ökonomen. Griechenland und gemogelt? 1.
Sehr geehrter Herr Linke, es ist leider so, dass Eurostat in einer Reihe von Fällen festgestellt hat, dass der Oberste Rechnungshof Griechenlands und das griechische Statistische Amt "vorsätzlich", so wörtlich, falsche Zahlen gemeldet haben. Sie finden die Dokumentation auf der Homepage des ifo Instituts. (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bedanke mich für Ihre rasche Rückantwort. Ich habe jedoch Einiges nicht richtig verstehen können. Sie schreiben u. a. ...Es muss ein Unterschied erhalten bleiben. Die Hartz-IV-Beschäftigung darf unter keinen Umständen gleich entlohnt werden wie eine normale Beschäftigung,..... Wieso muss ein Unterschied bleiben? Beispiel: Ein LZA soll beim Strassenreinigungsdienst Vollzeit nur eine Entlohnung in Höhe von Hartz IV erhalten. Wenn dieser LZA diese Tätigkeit wie ein anderer Beschäftiger verrichtet, wieso soll er dann nicht für seine geleistete Arbeit genauso entlohnt werden? Verstehe ich nicht. Oder geht es nur darum, dass man den LZA sozusagen jetzt während der Vollzeit unter Kontrolle hat, ober er regelmäßig auf der Arbeit erscheint, oder, dass er in der Zeit sog. "nicht Schwarzarbeitet" etc. Ich vermute, dass es nur darum geht. Wenn es um Leistung gehen sollte, dann soll man den LZA auch richtig (mit Arbeitsvertrag) entlohnen. Muss ja nicht gleich als Neueinsteiger der gleiche Lohn sein. Jedoch auch nicht auf Hartz-IV Niveu. Dies würde einem LZA doch nur wieder demoralisieren. Wenn ein LZA richtig seinen Job als Strassenreiniger verrichtet und dies täglich 8 Stunden, dann aber bitte einen fairen LOHN. Arbeit muss sich lohnen - heisst es doch immer. Meiner Meinung nach muss man auch dieses sog. Lohnabstandsgebot detailierter betrachten. Bisher nannte man immer gerne die Frisöse. Dann stelle ich mir natürlich auch die Frage, warum eine Frisöse z. B. bei Vollzeit nur 900,00 Euro netto verdient und ein Politiker ca. 7.000,00 - 8.000,00 Euro. Kurzum: Unterschiede zwischen einem alleinstehendem LZA und einer Familie mit 1 oder 2 Kindern: Alleinstehender ca. 670,00 Euro Hartz IV Familie mit Kind ca. 1500, Euro Hartz IV Wenn der Familienvater auf Hartz IV Niveau als Strassenfeger arbeitet erhält er nach Ihrem Vorschlag also 1500,00 Euro Der Alleinstehende für den gleichen Job 670,00 Euro Wie geht das zusammen??? Man muss also schon sehr differenzierter schauen. Auch z.B. ob jemand mit oder ohne Ausbildung ist etc. Ich würde mich nochmals sehr freuen, wenn sie mir antworten. Mit freundlichen Grüssen M.
Sehr geehrter Herr M., eine Hartz-IV-Beschäftigung kann keine Dauerlösung sein, und insofern wäre es verfehlt, diese Tätigkeit wie eine normale Beschäftigung zu entlohnen. Es steht ja jedem frei, in den normalen Arbeitsmarkt zu wechseln, der wegen der dramatischen Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten, die wir vorsehen, gewaltig in Bewegung kommen wird. Dort wird er schon bei einer Halbtagstätigkeit deutlich mehr verdienen. Der Staat hat die Aufgabe,das Existenzminimum zu sichern, aber er kann auch eine Gegenleistung dafür erwarten. Das Geld für eine Entlohung wie in regulären Stellen ist nicht da. Woher soll das kommen? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Sie heute bei Hart aber Fair gesehen und Sie haben mir da wie immer aus meiner VWLer-Seele gesprochen. Hartz IV war richtig weil u.a. die Arbeitslosenversicherung als Risikoversicherung zu sehen ist. Man kann nur hoffen, dass bei der SPD wieder die Vernunft einkehrt und Wünschbares und Realität wieder auseinander gebracht werden. Nur eine Sache stößt mir trotz meines noch nicht allzu lange zurückliegenden quantitativen VWL-Studiums in Ihren Argumenten immer wieder sauer auf. Das ist Ihr Argument – was sicherlich aus theoretischer Sicht wegen Markträumung etc. völlig richtig ist – dass ein Lebensunterhalt sichernder Lohn für viele Arbeitnehmer gerade im Hinblick auf Globalisierung usw. utopisch ist. Da haben Sie sicherlich recht. Auch Ihr Argument, dass es einen Zuschuss für Arbeitnehmer geben sollte, die ihren Lebensunterhalt nicht von Ihrer Arbeit bestreiten können, ist klar einleuchtend. Aber ich finde, zu diesem Argument gehört auch ein Unternehmer, dessen Geschäftsmodell im Zweifel auf einem solchen niedrigen Lohn basiert. Ich erinnere mich da bspw. an die Pin-Gruppe (eigentlich ein schlechtes Beispiel, weil die nie Gewinne gemacht haben). Was sagen Sie zu Unternehmen/Unternehmern, die Ihren Arbeitnehmern einen solchen bezuschussungswürdigen Lohn zahlen und am Ende auch noch eine Vergütung erhalten, die im Zweifel deutlich über der Durchschnittsvergütung liegt? Ein im Zweifel überdurchschnittlicher Unternehmerlohn ist hier in meinen Augen absolut ungerechtfertigt. Zum einen macht er Profit aus dem Niedriglohn, zum anderen – und das Argument wiegt für mich schwerer – wird der Unternehmerlohn indirekt vom Steuerzahler subventioniert und bezahlt. Nicht zuletzt werden hier auch Anreize für jeden Unternehmer gesetzt, die Löhne zu drücken; das ist doch eine simple Maximierung für jeden Unternehmer, das kann man doch nicht leugnen? Einen subventionierten Unternehmerlohn können Sie doch nicht ernsthaft wollen? Müsste man hier nicht aus einer Gerechtigkeitsperspektive hergehen und das Einkommen eines Unternehmers, der Zuschussempfänger beschäftigt, nach oben begrenzen? Den Unternehmerlohn quasi auch kontrollieren, solange indirekt Steuergelder in das jeweilige Geschäftsmodell fließen? Ich weiß, VWL ist nicht die Frage nach der Gerechtigkeit. Aber wenn es aus der Wissenschaft auch Antworten hierzu geben würde, wäre Ihre Zunft bei der breiten Bevölkerung vielleicht auch besser angesehen und man würde mehr von dem Umsetzen, was Sie und Ihre Kollegen richtigerweise sagen. Für meinen Geschmack sollte sich die ökonomische Wissenschaft viel mehr in die politische Diskussion einmischen, hier in den USA hat man das Gefühl, dass Krugman & Co. wesentlich präsenter sind. Vielleicht haben Sie ja mal Zeit zum Antworten, viele Grüße aus New York, Bastian Falk
Sehr geehrter Herr Falk, dass Zuschüsse den Lohn senken ist erforderlich, damit sie mehr Jobs schaffen. Aber der Lohn fällt nicht ins Bodenlose, sondern nur bis zur Markträumung, also quasi Vollbeschäftigung. Fiele er tiefer, würden ihn die Unternehmer wieder hochkonkurrieren, denn dann gäbe es ja eine Überschussnachfrage nach Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt. Sehen Sie das Ganze mal nicht vom heutigen, verzerrten Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt aus, sondern vom Vollbeschäftigungsniveau aus mit den dann herrschenden Löhnen für gering Qualifizierte. Von diesen Löhnen kann man nicht leben, also muss man helfen. Aber wie? Lohnerhöhungen führen zu Arbeitslosigkeit, weil sie die minder produktiven Jobs vernichten. Lohnzuschüsse führen zu einem Zusatzeinkommen, ohne dass die Beschäftigung sich verringert. Und nun können die Unternehmer das wegen des oben genannten Arguments nicht ausnutzen, indem sie den Lohn drücken. Hieran sehen Sie, dass die Lohnsubvention keine Subvention der Unternehmen, sondern der Menschen ist. Die Lohnsenkung vom verzerrten Marktgleichgewicht aus zu beurteilen und dann als Unternehmersubvention zu interpretieren, ist, so denke ich, falsche Semantik. Die Lohnsubvention hilft, ausgehend vom verzerrten Gleichgewicht, den Arbeitnehmern insofern, als sie ihnen auf dem Wege über eine Senkung der Lohnkosten Jobs schafft, ohne dass sie dafür Einkommen einbüßen müssen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gestern im TV ihren Vorschlag gehört, worin sie u. a. vorschlagen, dass jeder Hartz IV-Empfänger von der Kommune einen Vollzeitarbeitsplatz in Höhe des Hartz IV-Geldes erhalten soll. Ich habe mir dabei so meine eigenen Gedanken über diesen Vorschlag gemacht. Es würde doch damit wieder nur Unruhen geben, dieses Mal jedoch unter den Hartz IV-Empfänger. z. B. 10 LZA bekommen einen Job in der Stadt XY als Strassenreiniger. Wieso erhalten diese 10 dann für den gleichen Job jeder einen unterschiedlichen Lohn??? (Lohn= Regelsatz plus unterschiedliche Mietkosten inkl. Heizung) Desweiteren heisst es doch: Arbeit muss sich Lohnen! Wenn es nach ihrem Vorschlag gehen würde, wo würde sich hierbei die Arbeit lohnen??? Ich finde, wer einen Arbeitsplatz hat und Vollzeit arbeiten soll, der soll auch wie jeder andere Arbeiter in Deutschland einen Arbeitsvertrag erhalten. Desweiteren einen Lohn, der für den ausgeführten Job angemessen und leistungsgerecht ist. Warum soll z. B. ein Straßenfeger der vorher LZA war und ungelernt ist, mehr verdienen, wie z. B. ein Zuarbeiter in der Verwaltung der auch vorher LZA war und eine kaufmännische Ausbildung hat? (Beispiel: Straßenfeger hatte vorher 723 Euro Hartz IV, der Zuarbeiter hatte vorher 685 Euro Hartz IV)(Beide vorausgesetzt sind Alleinstehende) Noch als weiterer Gedanke von mir. Selbst die o. g. Beispiele zeigen, wenn man fordert, dass man auf Hartz IV Niveu für einen Ganztagsjob lediglich 723,00 Euro oder 685 Euro netto erhält, so sehe ich dies als Ausbeutung an. Ich finde, wer als LZA ganztags arbeiten soll, der verdient es auch nicht,als Hartz IV-Empfänger weiterhin deklariert zu werden, sondern, wie schon erwähnt, genauso behandelt werden muss, wie jeder Arbeiter (mit Arbeitsvertrag) oder Angestellter. Mich würde es natürlich auch sehr interessieren, wie sie zu ihrem Vorschlag gekommen sind. Mir kommt es langsam von allen Seiten so vor, als würde man in einer Pokerrunde sitzen. Ja, das Thema ist ein heisses Feuer, aber es gießen leider zu viele Leute immer wieder neues Benzin hinein. Da ich auch ein Mensch offener Worte bin, nenne ich meine Empfindungen und Gefühle als Betroffener. Wut, Angst und teilweise richtige Ohnmacht. Mit Menschen sollte man nicht spielen. Ich empfinde es jedoch als Pokerspiel, was in den letzten Monaten mit Hartz IV-Empfängern geschieht. Als Betroffener würde ich liebendgern Vorschläge unterbreiten, die Substanz haben und auch effektiv und nachhaltig sind. Jedoch zusammen mit den LZA.... Man möchte doch LZA wieder zu Mitarbeitern machen. Betonung auf Mit Die Politik sehen die LZA jedoch als Gegenarbeiter und das ist schon mal der allererste Fehler. Worte wie Unterschicht etc. - mal ehrlich, wo bleibt denn da die Menschlichkeit. Die meisten LZA sind engagiert, mehr als man glauben mag. Das Menschen jedoch andere Menschen gegenseitig aufhetzen, das hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun. (Ich weiß, dass sie, Herr Prof. Sinn, es nicht machen und auch nicht machten, vielmehr verschiedene Politiker und Medien). Und bei LZA geht es nunmal auch um Menschen. Das sollte man niemals aus den Augen verlieren. Als letzten Hinweis. Ich habe am 08.03.10 in meiner Gemeinde im Rathaus bei der Personalabteilung wieder mal vorgesprochen, mit der Bitte, ob ich vielleicht einen Job erhalten könnte. Auch nur als sog. Zuarbeiter oder Ähnliches. Die Antwort war folgende: Nein, wir stellen keine Leute ein. Wir müssen selbst für unsere Mitarbeiter, die länger erkrankt sind, Wiedereingliederungsstellen offen halten. Habe nochmals nachgefragt. Defenitiv war die Antwort Nein. Selbst bei einem sog. 1 Eurojob erhielt ich ein NEIN. Herr Prof. Sinn, es ist nicht so einfach. Mich würde es von den jetzt regierenden Politiker mal interessieren, welche Taktik oder beim Bild der Pokerrunde zu bleiben, was wirklich gespielt wird. Ich habe dabei ein mullmiges Gefühl. Noch als letzter Gedanke. Wann öffnes sich denn endlich wieder mal die Tore bei der Bundesanstalt für Arbeit in den verschiedenen Städten für die LZA??? Bei uns in meinem Ort ist der Zugang für LZA verwehrt. Und das ist auch eine falsche Massnahme. Ich würde mich sehr freuen, Herr Prof. Sinn, wenn ich zu meinem Schreibeneine Antwort erhalten würde. Mit freundlichen Grüssen M.
Sehr geehrter Herr M., ich verstehe Ihre Bedenken. Aber Sie müssen bitte auch berücksichtigen, dass die Arbeit der Hartz-IV-Bezieher nur ein Notanker bei meinem Vorschlag ist. Durch die dramatische Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten, die ich vorschlage, wird es viel attraktiver, in der Privatwirtschaft zu arbeiten. Dort würde man schon bei einer Halbtagsstelle im Niedriglohnbereich so viel Geld in der Tasche haben, wie ein Hartz-IV-Bezieher bei Vollzeit. Es muss ein Unterschied erhalten bleiben. Die Hartz-IV-Beschäftigung darf unter keinen Umständen gleich entlohnt werden wie eine normale Beschäftigung, denn sonst bleiben die Menschen da hängen, und das wollen Sie doch sicher auch nicht. Insgesamt laufen meine Vorschläge auf eine Belebung des Arbeitsmarktes und eine Erhöhung des Lebensstandards derer hinaus, die heute keine Stelle haben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie argumentieren in Bezug auf das Grüne Paradoxon, dass die Hoffnung der Umweltpolitiker, die Kosten für grüne Energien soweit senken zu können, dass fosile Brennstoffe sich nicht mehr lohnen, als illusorisch. Hierfür führen Sie die durchschnittlichen Förderkosten an und vergleichen diese mit den Preisen der Energieträger. Ist es aber nicht so, dass bei einem Gut mit steigenden Grenzkosten der Durchshcnittspreis immer unter dem Preis liegt? Wäre nicht auch hier eine marginalistische Betrachtungsweise richtig? Tatsächlich würde es doch schon helfen, wenn die Kosten für regenerative Energien soweit sinken, dass sich die Erschließung neuer Ölquellen/Kohleminen nicht mehr lohnt. Die Kosten bis auf die 3 USD zu senken, die die Förderung in Saudi-Arabien kostet, ist tatsächlich illusorisch, die Kosten jedoch bis auf die Grenzkosten von vielleicht 60 USD/Barrel abzusenken, erscheint dagegen durchaus möglich. Sinkt der Preis weiter, lohnt sich der Abbau immer weiterer Lagerstätten nicht mehr (Ölsande, Off-Shore). Beste Grüße
Sehr geehrter Herr Fritzsche, sicher sind es die Grenzkosten. Nur was sind die Grenzkosten? Das Grenzkostenkonzept ist im intertemporalen Zusammenhang nicht trivial. Die relevanten Grenzkosten sind zu einem Zeitpunkt, bei dem dann vorhandenen Restbestand der Ressource im Boden, die Mehrkosten, die entstehen, wenn zu diesem Zeitpunkt ein Barrel mehr gefördert wird. Die Grenzkosten sind nicht die teuersten Kosten, die man zu einem Zeitpunkt findet, schon gar nicht die Kosten der am schlechtesten erreichbaren Lagerstätten, die man noch gar nicht angeht. Der Grund ist, dass die Märkte, egal ob Konkurrenz, Monopol oder Oligopol so extrahieren, dass der Barwert der Extraktionskosten minimiert wird (z.B. Long, The optimal order of extraction ...). D.h. sie fangen mit den günstigsten Lagerstätten an und gehen zu den teureren über. Theoretisch sind die Grenzkosten also immer die Kosten des am einfachtsen erreichbaren Bestandes an Ölreserve, mit den niedrigsten Extraktionskosten. Semantische Analogieschlüsse mit der statischen Theorie der Preise und Grenzkosten verbieten sich schon von daher. Wenn trotzdem zu einem Zeitpunkt in verschiedenen Ländern unterschiedlich hohe Förderkosten bestehen, und schon verfrüht die teureren Lagerstätten angegangen werden, so kann das nur an den unterschiedlichen nationalen Risikoeinschätzungen (Enteignungswahrscheinlichkeiten) liegen, die implizieren, dass die Ressourcenbesitzer mit unterschiedlichen Diskontfaktoren arbeiten. Es bleibt aber richtig, dass die Grenzkosten jene Kosten sind, die das zusätzliche Barrel Öl zum jeweiligen Zeitpunkt kostet, und zwar unter Einschluss der Kosten der Exploration und der Anlagen. Es handelt sich dabei praktisch um ein gewogenes Mittel der zu diesem Zeitpunkt messbaren Stückkosten, denn die Grenzbetrachtung bezieht sich auf den Restbestand der Ressoure im Boden und nicht im Hinblick auf den Förderstrom. In meinem Modell misst g(S) mit g'(S) kleiner Null, wobei S der Restbestand im Boden ist, die Stückkosten der Extraktion, wenn der Bestand S ist. Die Größe g misst zugleich die Grenzkosten bezüglich des Förderbestandes. Empirisch ist diese Größe der Durchschnitt der Stückkosten, den man bei S misst. Dieser Durchschnitt liegt beim Öl, so ich mich aus dem Kopf an einen Schnelldienst-Aufsatz von Karl erinnern darf, in der Größenordnung von ein paar Dollar. Wir haben durch das Bieterverfahren des Irak inzwischen auch direkte Zahlen. Danach haben sich die Ölfirmen dort bereit erklärt, für nur ein bis zwei Dollar pro Barrel zu extrahieren. Da das meiste Öl im Golf gefördert wird, liegt der Mittelwert der Förderkosten in der Welt sicherlich nicht allzuweit davon entfernt. Auf jeden Fall haben die Ölpreise, die bei 70 Dollar pro Barrel liegen, wenig bis nichts mit den Förderkosten zu tun. Ich hoffe, das hilft Ihnen. Mit freundlichenm Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. im Gefolge des Urteils des BundesVerfG wird über die Angemessenheit der Regelsätze diskutiert. Dazu haben sich die Richter allerdings nicht geäußert. In diesem Zusammenhang werben Sie seit einiger Zeit für die Regionalisierung der Regelsätze: "Angesichts der regionalen Unterschiede im Preisniveau der Waren und Dienstleistungen verlangt dies zwingend eine Regionalisierung der Geldsätze". Ist es aber nun wirklich so, dass in dem Warenkorb der Bedarfsgemeinschaften nach SGB II regionale Preisunterschiede eine wesentliche Rolle spielen? Bei den Lebensmittelangeboten der Supermärkte mit deren hoher Wettbewerbsintensität kann ich mir das kaum vorstellen, bei Textilien ebenso wenig und die Kosten der Wohnung sind bereits regionalisiert. Meine Frage daher: Gibt es Untersuchungen mit verlässlichen Ergebnissen zu diesem Thema? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gab bis in die neunziger Jahre eine Statistik des Statistischen Bundesamtes mit Unterschieden in den regionalen Preisindices ohne Wohnen von bis zu 6%. Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig. Wenn man die Wohnkosten ohnehin schon regionalisiert, kann man den Rest auch regionalisieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Nachfrage zur Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe Ihre TV-Beiträge in der Mediathek des ifo- Instituts sowie den in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.3.20210 verfolgt und bin dankbar, dass Sie bei dieser möglicherweise für Europa schicksalhaften Frage für die Einhaltung der ökonomischen Vernunft eintreten. Ich hätte zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann man im Fall eines Austritts von Griechenland aus der EURO- Zone verhindern, dass sich die Spekulation gegen das nächste schwache Land in der Euro-Zone wendet? 2. Könnte Griechenland den gewaltigen Aufwand einer Währungsumstellung schultern? Es müsste zum Beispiel neues Geld hergestellt und umgetauscht werden, der öffentliche Sektor, Banken, Versicherungen, Handel und Industrie müssten umrechnen, Verträge ändern und sowie neue Preise finden und bekannt geben. Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, die Gefahr eines Dominoeffektes der von Ihnen beschriebenen Art besteht, doch es besteht auch die Chance, den Euro zu stabilisieren, indem Griechenland nicht mehr dabei ist. Die Währungsumstellung könnte eine Drachme einführen, die zunächst die gleichen numerischen Preise wie in Euro hat. Danach könnte die Drachme abgewertet werden. DIe EU könnte bei der Umstellung helfen. Der Verbleib Griechenlands im Euroraum stellt das Problem eines Außenhandelsdefizits von 16% dar, das dauerhaft finanziert werden muss. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Erscheint mir utopisch. Im Euroraum müsste Griechenland durch Kürzung der Löhne und Preise abwerten. Das ist ein Rezept für Aufruhr, weil keiner der Erste sein will. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Meine Frage bzw. Meinung zu dem Vorschlag von Herrn Prof. Sinn: Alle Kommunen sollen verpflichtet werden, jeden Hartz IV-Empfänger einen Vollzeitarbeitsplatz anzubieten. Die Entlohnung soll dann auf Hartz IV-Niveu sein. Meine Frage dazu, wie nennt man dann diese Arbeit? Schwarzarbeit? Nein regulärer Arbeitsplatz? Nein Wer arbeitet und das 8 Stunden täglich, soll doch bitte dafür auch eine anständige Entlohnung erhalten. Natürlich dann auch einen Arbeitsvertrag, wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland. Ich bin der Ansicht, das diese Arbeit (auf Hartz IV-Entlohnung) nur folgend heißen kann, und zwar: SCHEINARBEIT Nach dem Motto: 1. Wir halten somit die untere und mittlere Lohnschicht-Arbeiter etwas mehr in Laune, da ja nun die "Hartz IV"-Menschen ja auch 8 Stunden arbeiten (jedoch auf Hartz IV-Niveu) 2. Die Arbeitslosenstatistik wird auf einem Schlag "schön geschminkt" 3. Regierende Länderparteien und Bundesparteien profitieren durch mehr und längere Machterhaltung. Alles zum "SCHEIN" ! Wenn man ernst meint, und den LZA einen Vollzeitjob durch die Kommunen anbietet, so ist es ohne Weiteres nicht verkehrt. Verkehrt ist nur die Entlohnung auf Hartz IV-Niveu. Soll wirklich jemand 8 Stunden täglich arbeiten und trotzdem ein Hartz-IV-Empfänger bleiben. Was will man damit wirklich bezwecken? Bitte eine ehrliche Antwort. Ich bedanke mich schon jetzt recht herzlichst für Ihre Antwort, Herr Prof. Sinn
Sehr geehrter Herr Bürger, wie hoch das Hartz-IV-Niveau ist, kann man diskutieren. Es sollte zur Sicherung des Existenzminimums ausreichen. Sie vergessen, dass nach dem Vorschlag des ifo Instituts auch die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert werden. Schon bei einer Halbtagstätigkeit im Niedriglohnsektor käme man mit den Lohnzuschüssen auf mehr Einkommen als bei einer Vollzeittätigkeit bei der Kommune. Niemand würde bei meinem Vorschlag weniger kriegen als heute, doch die meisten deutlich mehr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Ihre Diskussionsbeiträge im „ZDF- Heute -Journal“ und in der „Phoenix-Runde“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als interessierter Laie, der sich Sorgen um die Kaufkraft seiner Rente macht, habe ich Ihre Äußerungen zum diesem Thema dankbar aufgenommen. Der Vergleich der aktuellen Situation Griechenlands mit einer antiken Griechischen Tragödie, in der es keinen guten Ausweg, sondern nur schlechte Lösungen gibt, ist einfach genial. Ich hoffe sehr, dass die Politik ihre Eitelkeiten bezüglich möglicher Einmischungen des IWF allmählich überwindet und sich verabschiedet von dem Selbstbetrug der Einrichtung eines EWF, der einen gigantischen Vermögenstranfer vom Nord nach Süd nach sich ziehen und unser Land schwächen würede. Im EWF würden dann die Defizitsünder über sich selber zu Gericht sitzen, eine Farce. Und man würde den bereits ausgehöhlten Vertrag von Maastricht vollends brechen. Ich glaube, heute hätten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht bessere Chancen als in der Vergangenheit. Danke, dass Sie sehr viel für die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit tun.
Sehr geehrter Herr Scherer, vielen Dank für die Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Thema: Griechenland, Währungskrise Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre klaren Ausführungen gestern abend bei Phoenix. Neben der Lage an sich ist das eigentlich Erschreckende die Beharrlichkeit, mit der gerade führende Vertreter der Politik die ökonomischen Mechanismen ignorieren. Wer eine Beruhigung der Finanzmärkte (und der Bürger) wünscht, sollte doch vielmehr auf klare Ansagen und vorhersehbare Konsequenz setzen. Nun aber zur Frage: Als kleinstes Übel raten Sie zum kontrollierten Austritt Griechenlands aus dem EURO und anschl. Devaluierung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In DK, wo ich beruflich die Debatte verfolge, gilt aber die Massnahme Devaluierung nahezu als verschrien, da die sozialdemokratischen Regierungen in den Siebzigern bei galoppierender Staatsverschuldung damit mehrfach scheiterten. Erst in den Achtzigern gelang es einer bürgerlichen Regierung mit harten Sparmassnahmen und einer festen Bindung der Krone an die EWS, die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. Seither schwören Sozilademokraten wie bürgerliche Parteien auf die Politik der festen Wechselkurse. Frage also: Verführt die Devaluierung nicht zu einer unsoliden Haushaltspolitik und macht auch das Aussenhandelsgeschäft schwer planbar? Mit freundlichen Grüssen Simon Faber
Sehr geehrter Herr Faber, Sie haben insofern recht, als fortgesetzte Abwertungen eine Inflationspolitik ermöglichen und insofern selbst ein Probelm sind. Feste Kurse sind eigenlicht ein Disziplinierungsmittel. Nur hat Griechenland darauf bekanntlich nicht reagiert, weil das Land die Welt mit getürkten Statistiken glaubte dauerhaft belügen zu können. Heute ist die Aufwertung so weit fortgeschritten, dass eine Disziplinierung in dem Maße, wie sie Märkte nun erzwingen würden, wenn Griechenland nicht geholfen würde, das Land zerbrechen würde. Man muss sich der Disziplin auch unterwerfen wollen, wenn man in einem Festkurssystem ist. Das hat Griechenland nie getan. Das Ganze ist eine Gradwanderung zwischen verschiedenen Gefahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, gut nachgeplappert, könnte man denken. Herr Pofalla meint, die Darstellung nach außen könne verbessert werden – was immer er damit auch meinen möge. Und prompt kommen Sie hinterher und empfehlen, die Hartz.IV-Sätze müssten besser begründet werden, was immer Sie damit meinen. Eine andere Begründung der Sätze ändert noch nichts an der Situation selbst, dass einige Empfänger damit nicht leben können und dem entgegen manch Arbeitnehmer acht Stunden und mehr malochen muss und trotzdem weniger auf der Hand hat als vergleichbare Hartz-IV-Bezieher. Nicht die Begründung ist ausschlaggebend sondern ein Ergebnis, was zur Befriedigung aller Betroffenen beitragen kann. Solch nutzlose Meinungsbekundungen oder ins Leere gehenden Empfehlungen brauchen wir sicher nicht. Erstaunlich nur, dass Sie bzw. Ihr Institut noch nicht folgende Tatsache festgestellt haben wollen; jedenfalls, so weit mir bekannt ist, nicht öffentlich: Die Zahl der Arbeitslosen sei in Deutschland im Januar 2010 auf 3.617.000 Millionen gestiegen. Bei gleichzeitig rund 7,4 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die ja unstrittig grundsätzlich auch arbeitslos sind, addieren sich die Arbeitslosen insgesamt auf rund 11 Millionen. Subtrahiert man davon 1,35 Millionen Hartz-IV- Aufstocker, bleiben immer noch real 9,65 Millionen Arbeitslose übrig. Einfach nur in der Statistik ‚rumkorrigieren ändert noch nichts am Problem selbst! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., die Aussage, dass nicht die Hartz-IV-Sätze falsch sind, sondern die Art ihrer Berechnung, ist nicht meine, sondern die des Verfassungsgerichts. Ich weiß nicht, was Herr Pofalla gesagt hat. Definitiv folgt aus dem Urteil des Gerichts nicht, dass man Hartz-IV-Sätze zur Befriedigung aller Betroffenen braucht. Da es sich um Gelder handelt, die anderen über das Steuersystem weggenommen werden, kann es immer nur um den Grundbedarf gehen, der zum Existenzminimum gehört. Bitte lesen Sie das Urteil und richten Sie Ihre Kritik zuständigkeitshalber an das Gericht. Was die Zahlen betrifft, so darf man sie nicht addieren, wie Sie es tun. Es stimmt zwar, dass die Hartz-IV-Empfänger arbeitslos sind, aber genau deshalb sind sie in der Arbeitslosenzahl schon enthalten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze und achte Sie sehr hoch. Angesichts der extremen Bedrohung durch die globalen Finanzmärkte in Verbindung mit der vor allem indischen und chinesischen Wachstumsdynamik und der damit verbundenen extremen ökologischen Bedrohungen und weltweiten Elendsthematik und der damit einhergehenden möglichen schwerwiegenden Krisenpotentiale, die wiederum die Lage auf den Finanzmärkten weiter verschärfen könnte, ist mir bewusst, dass die Probleme des deutschen Niedrigstlohnsektors in dieser Hinsicht keine Priorität besitzen können. Aber wenn Sie und zum Beispiel Herr Prof. Miegel, den ich ebenso hoch achte und schätze, offen und objektiv über diese Thematik reden, dann sollten auch alle Implikationen dieses Randthemas offen und ohne Tabus genannt werden – das gehört dann auch zur intellektuellen Redlichkeit! Zumindest sollte deutlichst gesagt werden, dass es eine „entscheidungstheorietische“ „Optimierungsaufgabe“ für nationale makroökonomische Arbeitsmarktkonstruktion unter globalen Rahmenbedingungen ist. Dabei spielt die zu erwartende Anforderungsprofilstruktur der Arbeitsmärkte in Europa natürlich eine extrem große Rolle. Die extreme Wissensgesellschaft muss zwangsläufig der Masse der intelligenzverteilten (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) Bevölkerung ( ca. 0.33), die die Kerntätigkeitsbereiche nie abdecken kann, einen Ersatzarbeitsmarkt zuweisen und diesen möglichst ausbauen. Das geht nur über die legislative Setzung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die notwendig nicht mehr grundgesetzkonform sein können. Dies muss man also zunächst einmal in einem Wust aus lex superior, lex inferior und lex spezialis so verwursteln, dass es niemand mehr rechtssystematisch entwirren kann. Das ist bereits geschehen. Dann kann mit den entsprechenden Rechtsmitteln versehen, ein solcher substitutiver Arbeitsmarktsektor langfristig aufgebaut werden. Das geschieht auch bereits. Die Lohnspreizung nimmt enorm zu und zwar so weit, dass die weiter expandierenden substitutiven Niedrigstlohnarbeitsmärkte keine Existenzsicherung mehr ermöglichen werden. Das deutet sich bereits an. Man sollte also zugeben, dass man aus den oben (sehr grob) aufgeführten Gründen nicht anders kann, als einen nicht existenzsichernden substitutiven Niesdrigstlohnarbeitsmakt zu schaffen, der aus Sozialkrisenvermeidungs- und Akzeptanzsteuerungsgründen so weit ausgebaut werden muss, dass mindestens 80% der derzeit Arbeitslosen darin Beschäftigung finden können und komplementär staatlich alimentiert werden. Damit diese Menge an Arbeitsplätzen entstehen kann, sind Ecklöhne in der Gegend von 3 Euro erforderlich. Wenn dies in der Masse langfristig nicht erreichbar ist, droht ein extremer sozialer Konflikt wegen des sich verschärfenden Akzeptanzverlustes der Ungleichbehandlung von Arbeitslosen und Niedrigstlöhnern (Lohnabstandsgebot). Meine Beurteilung dieses Szenarios ist, dass es ist in der Masse nicht erreichbar ist, weil die tarifär abgesicherte 3 Euro Grenze nicht erreichbar ist. Also bleibt nur der Ausweg die Arbeitsmarktgruppen gegeneinander in Stellung zu bringen ( Arbeitslose gegen Hochlöhner – Hochlöhner gegen Zeitarbeiter, Zeitarbeiter gegen Niedrigstlöhner – Niedrigstlöhner gegen Arbeitslose ), um so den Eiertanz der Verschleierung der ganz einfachen Tatsache politisch weiter tanzen zu können: Diese primitive Wahrheit lautet: 33% der Gesellschaft sind nicht intelligent (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) genug, um die Normalarbeitsmarktanforderungen zu erfüllen. Diese Leute belasten den „intelligenten Mittelstand“ – also müssen wir sie akzeptanzbasiert ruhig stellen, weil es (noch) keine funktionierende sekundäre Fertilitätssteuerung gibt und es keine primäre Fertilitätssteuerung geben darf. Ich gehöre übrigens zu den 33% der „Unintelligenten“. So verbleibe ich mit den besten Grüßen A. B.
Sehr geehrter Herr B., ich nehme Ihre Meinung zur Kenntnis, die Sie überpointiert vortragen, aber ich teile sie nur ansatzweise. Sicherlich stimmt es nicht, dass man im untersten Bereich Stundenlöhne von 3 Euro braucht, um den Großteil der Arbeitslosigkeit zu beseitigen: ifo hat im Jahr 2002 eine Untersuchung getätigt, wonach man mit gut dem Doppelten hinkommt, die dann zu subventionieren sind, um das Einkommen über den Lohn zu erhöhen, wie Sie es ja auch vorschlagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hr. Sinn, vieleicht koennen Sie mir eine Erklaerung oder einen Link zur Erklaerung geben. Es geht diesmal nicht um die Hartz 4 Saetze, sondern Tatsache, das man, wenn man die Grundsicherung im Werte von Hartz 4 selbst erwirtschaftet schon zum guten Steuerzahler wird. Bei aller Diskussion ueber Hartz4 scheint niemand zu sehen, das man keinen Kinderfreibetrag hat, wenn man Kindergeld bezieht. Ein Hartz4 Empf. allein mit 2 Kindern bekommt z.B. 1510,- + Kindergeld. Will man aber 1510 EUR netto erarbeiten und bekommt Kindergeld da Nutzung des Freibetrages weniger im Total ergeben wuerde, dann sind das etwa 2400 brutto und man ist guter Steuerzahler. Siehe unten. Aber dies scheint ein Dreisatz zu sein, welcher fuer viele Redakteure zu komplex ist. Entweder liege ich voellig falsch oder ich bin der Einzige der dies versteht. Deshalb wende ich mich an Ihr Institut der Fachleute. Vielen Dank. Die Zahlen kennen Sie natuerlich schon: Hartz4 Bezuege fuer Alleinerziehend mit 2 Kindern per Monat Erwachsener 359,00 2 Kinder 506,20 Alleinerziehend 129,24 Kaltmiete 740,00 Heizung 100,00 Total Anspruch 990,84 + 840,00 = 1830,84 Kindergeld -320,00 Total 1510,84 Ausgezahlt vom Staat per Jahr: 18130,08 netto ohne Kindergeld, das geht natuerlich separat. --------------------- Benoetigte Einnahmen als Selbstaendiger um den Nettobetrag mit Arbeit zu erwirtschaften: 25900 EUR - 4200 EUR (Krankenv.) = 21500 EUR - 3225,00 EUR (15% Steuern) = 18270,- gezahlte Steuern: 3225,- / 12 = 269 EUR pro Monat ---------------------------------------- Also Stundenlohn etwa 10EUR Netto. Dies liegt dann in einem Bereich in dem schon erhebliche EUR Betraege an Sozialabgaben und vor allem Steuern gezahlt werden muessen. Diese arbeitende Person ist ja schon "gutverdienend". Ich kenne die Angestellen Formel nicht genau, aber es sollte auf etwa 2400 EUR (4800 DMark) brutto hinauslaufen. Volle Verguenstigungen ohne Antragsverzoegerungen bei Kinderbetreuung, Gerichtskosten, etc. kommen noch hinzu. Da haben nicht nur Geringqualifizierte Schwierigkeiten den Hartz4 Betrag zu verdienen. Ich stehe voll hinter einem Sozialsystem mit Hartz 4 Saetzen, speziell fuer Kinder muss alles getan werden. Aber ist es nicht grundgesetzwidrig vom Buerger Steuern zu verlangen wenn er die Grundsicherung selbst verdient? Ich habe noch weitere absurde Beispiele und stehe Ihnen gerne fuer Fragen zur Verfuegung. Noch interessanter wird es wenn jemand alleinerziehend mit 2 Kindern ist und fuer 2 weitere Kinder Unterhalt zahlen und erwirtschaften will. Mit freundlichem Gruss A. M.
Sehr geehrter Herr M., schöne und erhellende Beispiele. Vielen Dank! Damit schlagen wir uns am ifo auch dauernd herum. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit des fiskalischen Systems ist grenzenlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, selten gehe ich mit Ihren zumeist sehr plakativen Meinungsäußerungen konform. Hier jedoch haben Sie den Nagel nicht nur auf den Kopf getroffen sondern absolut zentral erwischt. Die Zuteilung von monetären Leistungen an Hartz IV-Empfänger für deren Kinder kommt allzuoft eben nicht bei den Kindern an sondern endet - populistisch gesprochen - an Theken oder Zigarettenautomaten. Hier sind dann die Erwirtschafter der Leistungen mindestens doppelt geprellt, denn zunächst haben diese die Leistungen zur Verteilung zur Verfügung zu stellen um dann den x-ten Bildungsweg für die bedauernswerten Spösslinge der alimentierten Eltern zu finanzieren und dann im Endeffekt diesen später die Vollalimentierung zu bezahlen. Dumm ist an der Situation, dass die Kinder spätestens vom ersten Atemzug an die Nachteile des sozialen Umfeldes spüren, erleiden und letztendlich verständlicherweise verinnerlichen, so dass dieses Problem wirklich besser durch Sachleistungen angegangen werden kann. Aber nur diese Sachleistungen auf Basis Hartz IV werden das Problem nicht lösen, dazu bedarf es eben größerer gesellschaftlicher Anstrengungen und diese erfordern im kleinen Rahmen bereits das Engagement der Bürger, so dass Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen Angebote zur Freizeitgestaltung abseits des vor- und nachmittäglichen Fernsehkonsums sowie den Reizen der täglichen Komasauferei ab 9, 10 oder 11 geboten werden können, wenn die Kommunen hier schon ihre Verantwortng mit Verbotsschilder gegen Sauferei "erschöpfend" abgegolten sehen. Es ist schon erschreckend zu beobachten, dass Kommunen zuerst allen Einrichtungen für Jugendliche den Geldhahn zudrehen und zu schließen um dann entrüstet auf die Reaktion! der Jugend zu reagieren, da diese nun herumlungern. Sie haben jedenfalls meine volle Unterstützung für Ihre Forderung nach Sachleistungen! Mit freundlichen Grüßen vom Bodensee S. H.
Sehr geehrter Herr H., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sagen viel Wahres. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Könnten Sie mir sagen wie es mit Haftungsfragen bei der besagten HypoRealEstate mit dem Verlust von ~ 100 Milliarden € aussieht? Mit freundlichen Grüßen Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, es gibt keinen Verlust von 100 Milliarden Euro. Die HRE hat bislang 5,0 Milliarden Euro an Abschreibungen auf toxische Papiere realisiert, also nur ein Zwanzigstel der von Ihnen genannten Summe. Was Sie meinen sind staatliche Kredite und Bürgschaften (je hälftig) im Umfang von 102 Milliarden Euro. Das sind keine Verluste, denn der Staat kassiert einen Zins für die Kredite und eine marktübliche Avalgebühr für die Bürgschaften. Wahrscheinlich macht er damit sogar einen Gewinn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie haben in der Folge vom 18.Februar auf BR-alpha vom Sperrklinkeneffekt gesprochen und damit die "Verknüpfung" von Nahrungsmittelmärkten und Energiemärkten erklärt. Als liberaler Ökonom müsste man eigentlich befürworten, dass die Ressourcen in die "produktivste" Verwendung fließen. Das könnte aber der SUV in Amerika sein und nicht der Magen der Menschen in Mexiko. Sie haben auch davon gesprochen, dass diese Verknüpfung eine ähnliche Revolution darstellt wie die Industrialisierung. Bedeutet dies auch, dass wir in der Ökonomie neue Wege gehen müssen und gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung Allokations- und Verteilungsfragen stärker miteinander verknüpfen müssen? Haben wir inzwischen ein Maß an Ungleichheit erreicht, das eine freie globale Allokation der Güter gar nicht mehr zulässt? Und wie stellen Sie sich vor, dass man verhindern kann, dass Nahrungsmittel zur Energiegewinnung eingesetzt werden? Der Bauer wird sein Produkt dem geben, der am meisten dafür bezahlt.
Sehr geehrter Herr Blau, Sie habe ja Recht. Liberal ist die Abschottung der Nahrungsmittel- und Energiemärkte nicht. Aber man muss sie versuchen. Mindestens sollte man jegliche Förderung des Biosprit sofort einstellen. Das wäre liberal und verteilungspolitisch geboten. Ich würde weitergehen und die Flächennutzung für Biosprit verbieten und nur noch Biosprit aus Abfällen erlauben. Das ist nicht liberal, aber verhindert, dass uns die Welt um die Ohren fliegt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof.Dr.Sinn, in ihrem Buch, dem Grünen Paradoxon, erwähnen sie ein Super-Kyoto, bei dem das Ziel ist, alle Länder der Welt in einen internationalen Emissionshandel einzugliedern. Nun meine Frage dazu: Desto mehr Länder diesem Emissionshandel beitreten, desto mehr sinkt die Nachfrage nach den fossilen Energien, was bedeutet das der Weltmarktpreis von Öl, Kohle und Gas sinkt. Wieso sollten sich dann die letzen übrigen Länder, die noch nicht im Emissionshandel eingepflegt sind, diesem beitreten, wo sie nun günstig fossile Energien nachfragen können? Worin steht der Anreiz Ländern wie Indien und China Europa zu folgen, wenn sie wissen, das Dank Europa und ihrem Emissionshandel die Preise sinken? Meine zweite Frage bezieht sich auf die Subventionierung der grünen Energie in Deutschland und Ihre darauf bezogene Kritik: Sie schildern in Ihrem Buch, das Sie es nicht für gerechtfertigt finden, das die regenartiven Energien in Deutschland subventioniert werden. Vorallem gehen sie Kritisch auf die Willkür der Subventionshöhe und Art ein. Kann aber eine Subvention der regenerativen Energien nicht dazu führen, das eine schnellere Entwicklung und Verbesserung der Technologien stattfindet? Zwar ist Ihrer Eklärung des "einen Preises" nichts anzusetzen, doch kann ich mir vorstellen, das gezielte Förderung dazu führen kann, das Teile der regenerativen Energie dadurch im technischen Fortschritt beschleunigt werden kann. Und genau diesen Fortschritt und die neue Technik kann den Ländern zu Gute kommen, die unentschlossen sind, einem gemeinsamen Emissionshandel beizutreten. Ich hoffe Sie können verstehen was mein Anliegen ist, und ich Danke Ihnen im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Levent G.
Sehr geehrter Herr Gürcan, haben Sie vielen Dank für die Nachricht. Sie haben völlig Recht. Je mehr Länder beim Emissionshandel mitmachen, desto kleiner ist der Preis für fossilen Kohlenstoff, desto geringer der Anreiz der anderen mitzumachen. Dieses Problem habe ich ausführlich in meinem Buch Das grüne Paradoxon beschrieben. Genau deshalb muss es heißen: alle oder keiner. Sonst kriegt man Indien und China nie dazu mitzumachen. Die Sonderförderung grüner Technologie in Deutschland senkt die Preise für Emissionszertifikate in Europa und erschwert die grüne Technologie in anderen Ländern. Wenn man einen Emissionshandel hat, kann man die grünen Technologien nur noch über schärfere Standards fördern. Nationale Alleingänge sind konterproduktiv. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe unseren Politikern bereits vor längerer Zeit geschrieben, da dass Hauptproblem bei den Familien doch auf dem Gebiet der Ausbildungs- und der Studiums-kosten liegt, möge mann analog der Bausparkassen eine Ausbildung und Studiumfinanzierungskasse auf Grundlage der Richtlinien der Bausparkasse Gründen, wo jedes Kind mit der Geburt Mitglied wird und eiene Finanzierung über das Kinder und Eelterngeld erfolgen sollte, von dem direkt ein gewisser Prozentsatz in diese Kasse fließt, dies Geld dürfte aber gar nicht erst in die Hand der Eltern gelangen, sondern müsste direkt in die Kasse fließen. Vielleicht könnten Sie unsere Politiker in diese Richtung führen, da unsere Politiker zu schlau sind um vom kleinen Mann einen Anstoß an zu nehmen. Ich wäre Froh. wenn ich dazu von Ihnen etwas hören würde. In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Hermann Müller
Sehr geehrter Herr Müller, das ist ein guter Vorschlag, den man nur unterstützen kann. Ein Vorteil ist, dass die Ausbildungskosten nicht anderen auferlegt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, mein Vorschlag zu Hartz IV: 1. Alle Hartz4-Empfänger sollen für maximal 6 Monate befristet einen 400,00 Euro-Job ohne einer Anrechnung ausüben dürfen. D. h. 400,00 Euro ohne einer Anrechnung, zusätzlich zu Hartz 4. Begründung: 1. Die Hemmschwelle für Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen einzustellen wird geringer, da für die Arbeitsleistung keinen Abzug von 240,00 Euro auf Hartz IV angerechnet würde. (von 50 Arbeitgebern bekam ich 50 Absagen. Die potentiellen Arbeitgeber hatten immer wieder bedenken, dass durch die 240,00 Euro Anrechnung die Arbeitsleistung nicht gewährleistet sei. Es hatte nichts mit meiner Qualifikation zu tun, die auch nicht schlecht ist) 2. Der LZA ist somit im Betrieb und hat eventuell auch eine weitere Chance voll eingestellt zu werden. 3. Der LZA verbessert somit seinen Lebenslauf und hat auch mehr Chancen auf dem weiteren 1. Arbeitsmarkt. 4. Die Binnenwirtschaft wird dadurch auch angekurbelt, da der Hinzuverdienst wieder ausgegeben wird. 5. Der LZA verstärkt dadurch sein Selbstbewusstsein. Kann sich wieder auf Jobs konzentrieren, die seinem Arbeitsprofil dienen. (Nur als Hinweis: ein 1,00 Euro Job z. B. Straßefegen für einen Bankkaufmann macht keinen Sinn. Und es werden zusätzliche Ausgaben im Schnitt 300,00 - 500,00 Euro an den jeweiligen gemeinnützigen Arbeitgeber von der Staatskasse bezahlt. Bekommt der Bankkaufmann jedoch einen 400,00 Euro Job als Mitarbeiter in einer Bank, so ist es für die Laufbahn weitaus dienlicher. 6. Schwarzarbeit würde dadurch eingedämmt werden. Meine Frage an die Politiker(in): Was würde gegen meinen o. g. Vorschlag sprechen??? Ich habe manchmal so den Eindruck, dass nicht der Hartz-IV-Empfänger das Hartz-IV-Gesetz missbraucht, sondern die Hartz IV-Gesetzgebung die Hartz IV-Empfänger. Oder benutzt man das Hartz-IV Gesetz nur als sog. Lohndumpingbarometer? Zum Schluss noch zu erwähnen: Ich bitte von den Politiker nicht wieder so Ausreden, wie - ja eine Friseuse muss 8 Stunden täglich schwer arbeiten und hat im Monat fast weniger Lohn als ein Hartz-IV-Empfänger. 1. Wir haben keine 35 Millionen Friseusen. 2. Nicht der Hartz-IV-Empfänger ist an den Billiglöhnen der Friseusen schuld. An alle Friseusen, ihr macht alle einen guten Job und drücke euch allen die Daumen, dass ihr in Zukunft einen vernünftigen Lohn bekommt. Ich habe es nur als Beispiel genommen, da die Politiker ständig in der Vergangenheit es ins "Spiel" brachten und weiter bringen werden. Ich würde mich sehr darüber freuen, mir mitzuteilen, was sie über meinen o.g. Vorschlag halten. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr M., Sie schlagen vor, die Freigrenze für abzugsfreien Hartz-IV-Bezug auf 400 Euro zu erhöhen. Das ist kein schlechter Vorschlag. Auch das ifo will die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessern. Allerdings wollen wir eher den Transferentzug insgesamt verringert, so dass es sich auch lohnt, besser entlohnte Jobs anzunehmen. Sie haben aber recht: Wir müssen ein System schaffen, wo wir ein Sozialeinkommen zum niedrigen Lohn hinzu gewähren, weil nur so mehr Stellen entstehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, um die Beherrschung der Firma Opel durch GM gab und gibt es viele Diskussionen. U.a. wurde bekannt, daß es Opel aufgrund des Beherrschungs-vertrags duch GM nicht gestattet ist, seine Produkte in bestimmten fremden Ländern wie China, USA, Canada, etc. anzubieten. Ferner wurde bekannt, daß alle Rechte an Erfindungen + Patenten von Opel Ingnieuren nach USA übertragen wurden und daß Opel für diese eigenen Erfindungen auch noch jährliche Lizenzgebühren an GM zahlen muß. Mir ist gut bekannt, wie ausländische Firmenmütter damit u.a. das dt. Arbeitnehmer- Erfindungsgesetz aushebeln. Die bekannten Beherrschungsverträge sind alles andere als fair. Sie räumen der besitzenden Mutter einen Absolutheitsanspruch ein, unter dem schon viele Mitarbeiter gekaufter Firmen zu leiden hatten und haben. In USA machte in den 70ern ein Carl Icahn davon Gebrauch.In D betraf es die Firmen AEG, Höchst, Grohe, dt.Airbus-Töchter, SEL und viele mehr. Die bekannten Beherrschungsmethoden behandeln gekaufte Firmen oft wie Sklaven. ITT-Manager in USA verlangten von dt. Managern in den 80 Jahren "go home, change laws". Mich wundert, daß mir bis heute kein Beitrag eines Wirtschafts-forschungsinstitutes bekannt ist, das sich mit dieser Thematik eingehend beschäftigt, auseinandergesetzt und für faire Lösungen geworben hat. Es wäre m.E. höchste Zeit im Zeitalter der Globalisierung "faire Vertragsgrundlagen" für gekaufte Firmen zu erarbeiten und dafür eingehend zu werben. Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, das sind in der Tat problematische Verhältnisse. Ich muss gestehen, dass ich das nicht wusste. Die Leser auf unserer Homepage werden sich dafür interessieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe nicht warum es bei den Managern keinerlei Haftung zu geben scheint. Jeder Handwerker haftet für die fachgerechte Qualität seiner Arbeit, in der Regel nach BGB 5 Jahre. Top Manager in den Vorständen der großen Unternehmen, die ein Vielfaches jährlich gegenüber kleinen Handwerkern verdienen, scheinen nicht zu haften. Hatte nicht die HypoRealEstate ca. 100 Milliarden € Verluste unter ihrem Vorstand verzeichnet und trotzdem konnten Herr Funke u. andere Manager ausstehende Gehälter inkl. Boni etc. einklagen. Gelten für Top-Manager andere Regeln als für kleine Unternehmer? Wie erklärt sich das? Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, Sie sind falsch informiert. Manager haften für ihre Fehler im vollen Umfang ihres Privatvermögens. So wurde ein namhafter Banker kürzlich von einem Hedgefonds von den Bahamas auf 15 Mrd. Euro verklagt. Der Banker hat zwar eine Versicherung, aber die deckt maximal 250 Millionen ab. Wer nicht haftet, ist der Aktionär. Er kann seine Bank durch die Einstellung, Instruktion und Bezahlung seiner Manager zum Glücksspiel antreiben, und haftet doch nicht mit seinem Privatvermögen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Als ich kürzlich Ihren "Auftritt" bei ntv zum Thema "Hartz IV, zu lasch, zu teuer" sah, kam ich nicht umhin, mich zu wundern, warum Sie ihre Meinung zur Ausgestaltung des ALG II su stark geändert zu haben scheinen: Sah die Aktivierende Sozialhilfe nicht sehr wohl vor, das ALG II bei Nicht-Erwerbstätigkeit drastisch (auf 1/3, soweit ich das richtig in Erinnerung habe) zu kürzen, und im Gegenzug die Hinzuverdienstmöglichkeiten ebenso drastisch zu erhöhen? Davon war nur aber keine Rede mehr. Stattdessen traten Sie nur noch für eine Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten ein, auch ganz ohne grundsätzliche Kürzung von Hartz4 bei Nicht-Aufnahme einer (ggf. von der Kommune bereitgestellten) Erwerbstätigkeit. Warum dieser Meinungsumschwung? Und ist es denn überhaupt wirklich so zweckmäßig, die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei sehr niedrigen EInkommen zu verbessern? Birgt das nicht die Gefahr, wie es ja auch bei den ersten 100 Euro Hinzuverdienst bereits der Fall ist, die ohne jeden Abzug behalten werden dürfen, dass insbesonere geringfügige Beschäftigung gefördert wird, statt Vollzeittätigkeiten? Der Sachverständigenrat plädiert deshalb jedenfalls auch eher zu einer Geringfügigkeitsschwelle, also eben schlechteren Hinzuverdienstmöglichkeiten im ganz unteren Einkommensbereich. Ich würde dem zustimmen. Anreize, mehr zu arbeiten, schafft man doch dann, wenn bei zunehmendem EInkommen die zusätzliche Belastung verringert wird (also direkt regressive Belastung), und nicht umgekehrt, bei niedrigen EInkommen die Belastung niedrig ist und dann immer höher wird (also direkt progressive Belastung). Man sollte deshalb, m.E., lieber, bei sehr niedrigen Einkommen sehr schwache HInzuverdienstmöglichkeiten gewähren, und erst bei EInkommen, die auf eine Vollzeittätigkeit schließen lassen, die Hinzuverdienstmöglichkeiten wieder verbessern. Mit freundlichen Grüßen, Daniel Lechmann
Sehr geehrter Herr Lechmann, das ist kein Meinungsumschwung. Nur haben Sie die Information über unser Modell offenbar aus einer Sekundärquelle. In der Tat wird unser Vorschlag so kolportiert, wie Sie es sagen. Die Kürzung um eine Drittel bei Nichtaufnahme der Arbeit und mehrfacher Nichtaufnahme ist herrschende Gesetzeslage, nichts besonderes bei unserem Vorschlag. Das Besondere ist, dass wir kommunale Arbeitsgelegenheiten für jeden Hartz-IV-Empfänger ohne Ausnahme vorsehen wollen, die zur Höhe des Hartz-IV-Satzes entlohnt werden (Null-Euro-Jobs, wenn Sie so wollen). Dann kann einerseits niemand, der arbeiten will, weniger Geld haben als heute bei Hartz IV und andererseits ist doch der Arbeitsanreiz gewährleistet. Wenn die Kommune ihrer Verpflichtung nicht nachkommt, muss sie Hartz IV auch ohne Arbeit zahlen. Das wird in der Presse nicht richtig dargestellt, und deshalb muss ich mich stets mit der angeblichen, unbedingten Kürzung des Regelsatzes auf ein Drittel herumschlagen, die in der Presse kursiert. Die Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten kommt hinzu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Einstellung in der heutigen Bildzeitung über Hartz 4 Empfänger gelesen und bin zu tiefst erschüttert. Ihrer Meinung nach ist das Landleben preisgünstiger als das Stadtleben. Falsch gegedacht. Auf dem Land haben wir nicht die Möglichkeiten des Einkaufs. Sind abhängig von der hiesigen Preisgestaltung, die in der Stadt doch größer ist. Und der Vergleich mit der Currywurst ist doch mehr als an den Haaren herbeigezogen. Hartz 4 Empfänger ernährren sich nicht nur von Currywurst. Die Infrastruktur auf dem Land ist sehr eingeschränkt und die Preispolitik wird natürlich von den großen Anbietern bestimmt. Ich hoffe, Sie ändern Ihre Einstellung und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., vielen Dank für die Notiz. Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes bezogen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Tageszeitung "Die Presse" las ich Ihren Gastkommentar "Ist die Bankenkrise vorbei?" vom 27.06.2009. Daraufhin habe ich mir Ihr Buch Kasino-Kapitalismus gekauft. Danke dafür. Bitte CDS: "Leider kann dieses Buch die vielen unklaren Probleme, die sich im CDS- Bereich auftun, nicht abschließend erhellen." (K.-K., S.315) Ich würde mich sehr über weitergehende Untersuchungen und Artikel zu diesem Problem freuen. Anmerkung Risiko (1): Am 02.04.2009 (Online Ausgabe 1.4.09, siehe Anhang) fand sich in der gleichen Zeitung ein Artikel von Petra Adams. "...Wohin der Verlust des persönlichen Risikos (von führenden Managern, m.k.) bei gleichzeitiger Möglichkeit zu traumhaften Gagen beim Eingehen hoher und höchster Risiken geführt hat, haben wir jetzt gesehen." Wenn ich Sie recht verstanden habe sehen Sie die Aktionäre oft als Mit-Verursacher der Krise. Fehlen nicht kritische Worte gegenüber führenden Managern? Ich sehe diese auch als Teil des Systems. Anmerkung Risiko (2): An verschiedenen Stellen wie z. Bsp. bei "Warum die Nachhaltigkeit aus dem Blick geriet" (K.-K., S.95) kritisieren Sie die Risikomodelle. Ergänzend möchte ich anmerken mit "unendlichem" Risiko kann nicht sinnvoll umgegangen werden (ich finde die richtigen Worte nicht). (Siehe Anhang Gedanken zum Derivatmarkt Teil 2) Ausserdem sind Risiken im Finanzmarkt oft asymmetrisch verteilt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., vielen Dank für Ihre Schreiben. Leider habe ich noch keine neuen Informationen zu den CDS. Was die Manager betrifft, so sehe ich nicht, was die Erklärung sein könnte. Dass es böse Menschen sind, ist ja keine Erklärung. Dass die Anreizsysteme falsch sind, ist auch keine Erklärung, denn die sind ja nur abgeleitet. Die Erklärung des Zockens liegt im unzureichenden Eigenkapital, das den Aktionären Anlass gibt, die Anreize der Manager zu verzerren. Aber das habe ich in dem Buch ja ausgeführt. Um Schonung oder Verurteilung von irgendwem geht es mir nun überhaupt nicht. Ich bin kein Moralist, sondern suche Erklärungen für Wirkungszusammenhänge, und zwar möglichst tief. Das Geschehen um die Manager ist mir zu sehr an der Oberfläche. Mit unendlichen Risiken kann man in der Tat nicht umgehen, aber darum handelte es sich kaum. Es waren nur Risiken, die man anderen aufgeladen hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, mit Interesse habe ich Ihre Ausfuehrungen zu Hartz VI gelesen, die regionale anpassende Differenzierung betreffend. Dem kann ich nur zustimmen. Mit Sorge dagegen habe ich die Initiativen Ihres Kollegen Prof. Franz, des hessischen Ministerpraesidenten und anderer Politiker gesehen, das Thema Zwangsarbeit und die Diskretitierung als "eigenstaendig lebensunfaehige Alkoholiker" betreffend. Immer kritisiert habe ich die Zuverdienstregelung, Verdienste die noch nicht zur wirklichen Befreiuung ausreichen einzuziehen und durch Sozialleistung zu ersetzen. Das fuehrt bei Sachleistungsverdiensten auch dazu (Beispiel Mietminderung bei Hausverwaltertaetigkeit), dass unbare Erwerbsverdienste den Barleistungsbetrag verkuerzen, die Arbeit also noch bestraft wird. Dem Anschein nach wie real unterbindet das wirksam die Befreiiung oder zumindest Milderung der Lage. Ich hielte es fuer sinnvoller, Zuverdienste zu belassen und aufzustocken zu einem fliessenden Uebergang. Das waere auch psychologisch sinnvoller und wuerde die Konkurrenzsituation zwischen Sozialleistung und Geringverdienst entschaerfen helfen. In der bestehenden Lage ist Schwarzarbeit oft die einzige Moeglichkeit die eigene Lage zu verbessern. Die derzeiteige Verwaltungspraxis noetigt das geradezu auf, befoerdert auch durch die Amtssekeltion in "Vermittlungs-, Beratungs- und Betreuungskunden". Bei letzteren ist die Vermittlung erst ga nicht beabsichtigt. Auch das wird leider nicht oeffentlich debattiert weil politisch erkennbar offensichtlich unerwuenscht. Zusammenhaengend mit dem Wunsch der Wirtschaft, sich Mitarbeiter definierter Kostenhorizonte wie Lebensalter guenstig zu entledigen und deren Kosten zu "sozialisieren". Rechtlich sofort greifbar als Mitspflichtverletzung i.S. d. § 71 Abs. 2 GVG weil durch diese Verwaltungspraxis der Gesetzesauftrag schlicht unterlaufen wird und sich die oeffentliche Gewalt selbst nicht an die eigenen Gesetze haelt mit allen Folgen. Hartz IV in diesem Sinn ist fuer mich auch eine vorweggenommene Sozialisierung vom Bilanzbereinigungsmassnahmen der Wirtschaft, akuelle Nachlegung die Bankenkrise. Siehe die Aussage von Donald Trump: "um erfolgreich zu sein brauchen wir eine Grosse Krise" zum Thema Neoliberalismus und dessen Ziele, siehe dazu auch Sloterdijk u.a.m. Hartz IV ist insofern ein besonderes Politikum und wird inzwischen von vielen auch so verstanden. Es sind ja gerade nicht mehr die klassischen Faelle der "Asozialitaeten" dort versammelt, sondern auch Berufe, die in den Maerkten verdraengt werden warum auch immer bis hin zum Vollakademiker, oder die lebensalterbedingt ausgesteuert und abgeschoben sind. Zugleich ist es auch eine Plattform fuer Immigrationsprobleme und in diesem Zusammenhang "grossfamiliaere Clanversorgung" ueber die deutschen Grenzen hinaus. Betrachtet man den Missbrauch lag er bisher am unteren Ende der Kriminalstatistik. Die Vergleichsfaelle nach dem aktuellen Report aus Nuernberg, die die Bild-Zeitung zitiert lassen darauf schliessen, dass der Missbrauch nicht nur seitens der "Regelbetroffenen" erfolgt sondern offenbar auch gezielt aus dem vermoegenden Bereich, die eher wohl auch im Bereich der Steuerhinterziehung u.a.m. angesiedelt sind. Es waere also zu untersuchen was welchen Bereichen tatsaechlich zuzurechnen ist. Bei diesen Fragen stellt sich aktuell die Frage nach der Gesetzestreuepflicht des Staates, neu debattiert am Falle der Steuerdatenankaeufe aus der Schweiz. Verbunden mit der Frage, ob sich der Staat zum eigenen Vorteil ueber das Gesetz stellen darf. Siehe die Deckelung und politische Willkuerung der Amtshaftungsentschaedigung. Hier wird ganz offen und zum Nachteil der eigenen Staatsbuerger und Waehler das Recht gebeugt und das Vertrauen in die Demokratie untergraben wird. Die politische Kritik daran wird in der Regel als "Pauschalbeleidigung" unter Ausschluss des Vorbringens begruendeter Belange, damit unter Ausschluss der Verteidigung strafverfolgt und kriminalisiert, dito missliebige Rechtsmittelantraege auch gegen das Verbot dieser Vorgehensweise nach BGH. Auf der u.g. Site dokumentiert. Das weitere Mittel ist die Zwangspsychiatrierung, verbunden mit der politischen Diskriminierung als "betreuungsbeduerftige Alkoholiker" z.B. Strafrechtlich zu bewerten als Verbrechen gem. StGB und Tatbestand der Volksverhetzung. Da die Betroffenen keine politische Vertretung und Lobby haben wird das auch in den Medien nicht thematisiert. Die Links-Partei ist keine Alternative und die Gewerkschaften sehen die Betroffenen ebenfalls eher Konkurrenten fuer ihre Mitglieder. Sie haben naturgemaess kein Interesse daran, dass die Betroffenen wieder auf dem Arbeitsmarkt zurueckkehren und die Lage fuer die eigenen Mitglieder verschaerfen auch im Sinne des Lohndumpings. Siehe die aktuelle Lage nach dem Mindestlohnurteil bei der Post. Wir haben hier bereits eine Spaltung der Gesellschaft, zu der der Bundestag selbst festgestellt hat, dass sie die Menschenwuerde und greifbar das Recht verletzt. Ebenso vernetzt sind die EU-Vertraege (Verelendungsverbot, Werttbewerbsverzerrungen etc. pp.), insbesondere aber Art. 1, 6 EMRK. besonders kritisch dabei: die unmittelbare politische Weisungsgebundenheit der Strafermittlungsbehoerden und Anklaeger zum Staatsmonopol gem. § 146 GVG zum Ausschluss des fairen Verfahrens generell in Deutschland. Die Rechtspflege steht hier also still, die Betroffenen sind von fairen Verfahren ausgeschlossen. Keine Frage also dass es bei Hartz IV um viel mehr geht also nur um Leistungssaetze oder Zuverdienstgrenzen. Auf den wohl derzeit krassesten Fall in Deutschland moechte ich Sie hinweisen unter URL.: http://www.petart-foundation.eu /.org Ich moechte Sie nicht in Verlegenheit bringen, dazu Ihre Meinung kund zu tun, obwohl das sehr hilfreich sein koennte. Sie sehen daran, die BundesRD hat ein noch groesseres Problem als nur die Bankenrettungen und die aktuelle Haushaltslage. Juergen Peters
Sehr geehrter Herr Peters, vielen Dank fuer Ihre umsichtigen Ausfuehrungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist die Ursache der meisten Hartz IV Empfänger? Die Arbeitslosigkeit,die bis hin zur Verzweiflung führt. Mein Sohn von 36 Jahren hat nach langem Kämpfen in 2 Jahren wieder einen Job nach intensiver Selbstbemühung gefunden. Jetzt nach 5-Monaten hat er die Kündigung wegen wirtschaftlicher Krise und Zahlungsunfähigkeit des Chefs bekommen. Sehen Sie, so geht es uns schon seit Jahren. Das kostet mir als Mutter viel Nerven und 10 Jahre am Lebensmut. Wenn ich all diesen Schwachsinn und die Unverschämtheit so einiger Politiker ect. höre, das "Alle" an der Armutsgrenze lebenden faul und Abzocker sind, das macht mich wütend. Man sollte mal dafür Sorge tragen, das so junge "Dinger von Frauen, nicht laufend Kinder wegen der Hilfe z.B. Kindergelderhöhung, indiese "Welt setzen! Aber diese "Frauen" leben dann sozusagen vom Staat und finden das gut! Wenn ich mich täglich umschaue, begegnen mir Frauen in ziemlich jungen Jahren und haben 3,4 noch kleine Kinder und müssen vom Staat Hilfe! bekommen. Muss man "Heute" soviele Kinder in die Welt setzen? Das kann man Heute so einfach verhindern, aber "diese Leute legen es darauf an, vom Staat zu leben und das sind "Die" die mit anderen fleißigen arbeitswilligen verglichen werden von Seitens der Politiker. Müssen wir Auländer dulden, die viele Kinder hier in die Welt setzen und keine Arbeit haben, die wir von unseren Steuern unterstützen müssen? Für unsere eigenen Bürger von Deutschland ist bald kein Geld und keine Arbeit mehr da. Hinzu kommt noch, das die Arbeitgeber Jobs unter dem menschlichen Nivieuau anbieten. Heute in der Zeitung: Schichtarbeit für Brutto 7,67€ Vollzeit,oder Minijob für 5,37€. Meinen Sie nicht auch, dass das der Knackpunkt ist, diesen Arbeutgebern gehörig auf die Finger zu klopfen. Davon kann keiner leben, das Ergebnis: Der Staat muss wieder helfen. Ich könnte Ihnen noch soviele Beispiele nennen, aber es wird ja nichts verändert, nur ich lasse mich mit meiner Familie nicht mit anderen vergleichen und werde kämpfen, das nicht "Alle" faul sind. Mit freundlichen Gruß Thielemeier-Brüning
Sehr geehrte Frau Thielemeier-Brüning, ich danke Ihnen für Ihre Zeilen. Ihrer Auffassung, dass HartzIV-Empfänger nicht faul sind, kann ich mich nur anschließen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse habe ich ihre Ausführungen zu den Folgen der Staatsverschuldungen zur Kenntnis genommen. Ich möchte Sie darin unterstützen, die Brisanz des Themas für Demokratie und Generationengerechtigkeit öffentlich zu machen. Hier meine Anmerkungen: Nach der Währungsreform ist vor der Währungsreform Die Wirtschaftswissenschaft sollte der Wirtschaft nicht länger hinterherlaufen, sondern heute schon Lösungen für morgen erarbeiten. In der Vergangenheit wurden Währungsreformen durchgeführt, weil das Vertrauen in die Währung verloren gegangen war und eine nicht mehr aufzuhaltende Inflation die Funktionen des Zahlungsmittels außer Kraft gesetzt haben. Die Währung ist heute auch ohne hohe Inflation gefährdet. Es werden hier 7 Fakten genannt, die eine Notwendigkeit einer Währungsreform begünstigen: Eine Staatsverschuldung, die einen hohen Anteil am Steueraufkommen für die Zinsleistungen bindet,erhöht die Gefahr, dass in länger anhaltenden Hochzinsphasen, bei steigender Inflation oder bei Abwertung der Bonität die Zinsleistungen so rapide ansteigen, dass diese nur mit noch höherer Staatsverschuldung geleistet werden können. Dadurch beschleunigt sich die Beziehung aus Schuldendienst und Staatsverschuldung über einige Jahre bis zum Staatsbankrott. Bei einigen südeuropäischen EURO-Ländern sind erste Signale dieser Entwicklung zu sehen. Eine Regierung mit einer hohen Staatsverschuldung hat sich in die Hände ihrer Geldgeber gegeben. Die politische Erpressbarkeit durch die Kapitalgeber hat man in der Bankenkrise gesehen, als 500 MRD EUR als Rettungspaket für die Banken aufgelegt wurden. Die Regierung musste die Banken retten, da nur die Banken und die Kapitalsammelstellen (z.B. Versicherungen, Fonds) in der Lage sind, den wachsenden Kreditbedarf des Staates zu decken. Es hat sich eine unheilvolle Abhängigkeit der Banken und des Staates entwickelt. Der Staat ist heute ohne die Banken insolvent. Aufgrund der internationalen Verpflechtung der Konzerne und des investierten Kapitals sind alle großen Währungen heute stark voneinander abhängig. Der Sturz einer großen Währung führt unweigerlich dazu, dass die anderen Währungen mit ins Trudeln geraten. Der Niedergang einer großen Währung alleine, ohne die anderen zu betreffen, ist eher unwahrscheinlich. Die spannende Frage ist hier, ob eine Volkswirtschaft sich einen Vorteil verschaffen kann, wenn es zeitlich vor den anderen Ländern seine Schulden ablegt. Die fortschreitende Konzentration des Kapitals innerhalb einer Volkswirtschaft ist ein Grundgesetz. Die Bankenkrise hätte dazu führen können, dass dieser Trend vorübergehend ausgesetzt wäre, wenn viele Banken insolvent und in der Folge die Vermögen vieler Superreichen verloren gegangen wären. Die Regierenden haben die Banken und die Vermögen der Superreichen gerettet. Die Konzentration des Kapitals führt dazu, dass die Regierenden immer abhängiger von den Reichen werden und immer weniger abhängig von den Wählern. Die Konzentration des Kapitals kann aber auch dazu führen, dass eine große Mehrheit der Bürger die Zinsleistungen des Staates als Reparationen empfinden, und sich weigert, länger für die Fehler der Vergangenheit große Teile des Staatsaufkommens an die Kapitalgeber abzugeben und kein großes Bedürfnis am Festhalten an der alten Währung empfindet. Diese Bewußtwerdung kann in der Staatskrise dazu führen, dass ein Staat sich neu gründet und die Verpflichtungen ! der Vergangenheit ablegt. Eine Währungsreform ist dann logisch. Die US-Notenbank hat im Jahr 2007 die Zinsen ansteigen lassen. Dadurch wurde die Immobilienkrise sichtbar und in der Folge kam es zur Banken- und Weltwirtschaftskrise. Viele hochverschuldeten Volkswirtschaften halten die Zinsen dadurch niedrig, dass sie die Märkte liquide halten. Diese Liquidität führt zur Ausweitung der Geldmenge, was immer dann zur Inflation führt, wenn diese Liquidität für die Bürger spürbar ist. Da diese Liquidität nur im Bankensystem kreist, kommt es noch zu keinen Inflationstendenzen. Das Geld, dass auf den Markt gepumpt wird, sucht nach Anlagemöglickeiten und findet diese bei den Staatsschulden. Die Staaten schöpfen Geld und nehmen dieses Geld anschließend als Staatsschulden auf. Dieses System der wundersamen Geldvermehrung ist auf Sand gebaut und kann nicht auf Dauer für Geldwertstabilität sorgen. Kann es bei den Staatsschulden überhaupt noch folgenlose Hochzinsphasen geben? Die fortschreitende Staatsverschuldung ist solange möglich, so lange die Geldgeber Vertrauen in die Zahlungswilligkeit und -fähigkeit des Staates haben. Die eingeführte Schuldenbremse beabsichtigt, dieses Vertrauen nicht zu überreizen. Die bisherige Unfähigkeit des Staates zum Sparen läßt große Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Gesetzes aufkommen. Übersteigt der Schuldendienst eine magische Grenze (z.B. 50% der Steuereinnahmen), so ist die Wahrscheinlichkeit groß, das das Volk sich seiner Schulden entzieht. Die Nennung dieser Ziele in den Parteiprogrammen wäre automatisch das Ende jeder Kreditwürdigkeit eines Staates. Die Nicht-Regulierung der Finanzmärkte kann dazu führen, dass erneut große Verwerfungen am Immobilien- und/oder am Kapitalmarkt entstehen. Die Folge wäre eine erneute Rettung der Beteiligten mit großen Folgen für die Staatsfinanzen und die Stabilität der Währung. Eine Währungsreform sollte im Idealfall auch die Besitzverhältnisse an Grund und Boden und Firmeneigentum neu regeln. In diesem Sinne ist eine Währungsreform die ideale Möglichkeit, die Ideale und Vorteile des Sozialismus und des Kapitalismus zu vereinen: Ein sozialistischer Neuanfang (alle 50 Jahre) für alle gleich und eine soziale Marktwirtschaft, die den Vorteil des egoistischen Gewinnstrebens nutzt. Eine Währungsreform ist gleichzusetzen mit einem Reset, um die politischen Fehler der Staatsverschuldung zu korrigieren und der Vermögensungerechtigkeit wirksam zu begegnen. Spannend wird in schlechteren Zeiten sein, ob die Kapitalseite weiter die Politiker und die Wissenschaft einwickeln und die Bürger ruhig halten kann oder ob sich die Bürger gegen die Kapitalinteressen durchsetzen können. Hohe Zinszahlungen für die Staatsverschuldung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Bürger sich gegen ein Weiterso stellt. Die Gefahr einer zunehmenden Diktatur des Kapitals und eine Verabschiedung von der Demokratie ist sehr hoch! Ich freue mich über eine kurze Nachricht! Gruß Rainer Kuczewski
Sehr geehrter Herr Kuczewski, was Sie unter dem Namen Währungsreform vorschlagen ist nichts anderes als eine Revolution. Solche Revolutionen mit einer Neuordnung der Besitzverhältnisse hat es hier und da in der Geschichte gegeben, und wir Deutschen hatten die verlorenen Kriege, die auch auf das Gleiche hinausliefen. Nach meinem Eindruck sind die Ergebnisse der Revolutionen im Großen und Ganzen aber nicht besonders günstig für die Menschheitsentwicklung gewesen. Die Gefahr für eine neue Revolution in Deutschland sehe ich nicht. Heute haben auch die weniger begüterten Teile der deutschen Bevölkerung ein Realeinkommen wie noch nie zuvor in der Geschichte. Auch die Armutsgefährdung, die ein relatives Maß ist, ist seit den Hartz-IV-Reformen deutlich zurück gegangen. Und die Notwendigkeit einer Revolution sehe ich schon rein gar nicht. Unser Land muss im Gegenteil nach den Kriegen endlich zur Ruhe kommen. Es braucht eine langanhaltende Phase der ruhigen wirtschaftlichen Entwicklung, in der sich die Vermögenswerte allmählich wieder aufbauen können. Dazu brauchen wir mehr wirtschaftliche Dynamik in unserem Land, was ein besseres Bildungssystem und ein anreizverträglicheres Sozialsystem verlangt. Reformen sind der wesentlich bessere Weg zur Überwindung der Spannungen in der Gesellschaft. Wir brauchen als nächstes eine große Reform des Finanzsektors. Dann ersparen wir uns Revolutionen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Dr. h.c. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal möchte ich mich für Ihr hervorragendes und erfrischendes Referat während der Ringvorlesung des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan am 27.01.2010 herzlich bedanken. Diesbezüglich habe ich einige Fragen an Sie, die sich leider nicht durch die anschließende Diskussion im Rahmen der Vorlesung, aufgrund der Kürze der Zeit, beantworten ließen. Vielleicht bietet sich Ihnen die Möglichkeit mir die Antworten kurz mitzuteilen. 1. Emissionshandel - Nettoimport von Zertifikaten in Deutschland Ihren Ausführungen war zu entnehmen, dass deutsche Unternehmen Zertifikate importieren. Dieses Phänomen erklärt sich mir nicht, da aufgrund des EEGs und der hierdurch resultierenden Einspeiseverpflichtung doch eigentlich weniger Strom aus fossilen Brennstoffen produziert und verbraucht wird. Aufgrund dessen müssten die EVU in Deutschland doch Zertifikate einsparen, die wiederum an der Börse veräußert werden könnten. Warum importiert Deutschland jedoch Zertifikate? Wer importiert die Zertifikate? (EVU, energieintensive Unternehmen, Broker?) Gibt es Erhebungen, wie viele Zertifikate jährlich nach Deutschland importiert werden? 2. EON/RWE: Investitionen in erneuerbare Energien Sie haben während der Diskussion im Anschluss an Ihr Referat ausgeführt, dass EON/RWE in erneuerbare Energien investieren, diese Investitionen sind hinlänglich bekannt. Ihren Ausführungen, soweit ich dies richtig verstanden habe, war zu entnehmen, dass die EVUs Investitionen in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs und der damit verbundenen Einspeisevergütung tätigen. Investieren diese Unternehmen wirklich in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs oder aus dem Grund, dass sie mit einem Anstieg der Zertifikatpreise in Zukunft rechnen und somit die Grenzvermeidungskosten niedriger sind als die Zertifikatpreise oder ist es eine Kombination aus beidem?
Sehr geehrte Frau A., ich habe den Sachverhalt nochmals geprüft. Deutschland importiert in der Tat in geringem Umfang UNO- und EU-Zertifikate, AAUs und EUAs. Ich nehme an, das liegt daran, dass die anderen Länder cleverer waren bei der Feststellung ihres Status-Quo-Ausstoßes, von dem aus die Zuteilungen berechnet wurden. Die Zertifikate werden von den Unternehmen selbst importiert, indem sie einfach an der Leipziger Börse gekauft werden. Ohne den grünen Strom würden wir noch viel mehr importieren. Zur zweiten Frage: Hier ist es sicherlich die Kombination aus Emissionspreisen und den Einspeisetarifen. Beides macht den grünen Strom wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie zum Thema "Kredithürde" die folgende Frage: Zwar ist die Kredithürde seit 2008 rezessionsbedingt wieder gestiegen, erreicht aber nicht den Wert von 2003 von über 60%. Auffällig ist allenfalls, dass jetzt (anders als zuvor) mehr große Unternehmen als kleine und mittlere über Kreditrestriktionen klagen, was an der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation der Sparkassen und Volksbanken auf der einen und der großen Privatbanken (auch der Landesbanken) auf der anderen Seite nach der Finanzkrise liegen dürfte. Trotzdem überrascht doch, dass im Gefolge der schwersten Rezession seit 1929 - und übrigens auch des Anstieges der Unternehmensinsolvenzen seit Mitte 2009 - die Kredithürde "im Schnitt" immer noch deutlich unter 50% gemessen wird. Jedenfalls scheint insofern das Ergebnis auf den ersten Blick nicht plausibel. Welche Erklärung haben Sie? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen aus der Oberpfalz Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, gerade weil es die schwerste Rezession der Nachkriegszeit ist und die Investitionen in den Keller gingen wie nie, wird die volle Schwere des Rückgangs der Kreditmöglichkeiten noch nicht sichtbar. Umso überraschender ist es, dass bei den Großunternehmen die Hürde heute höher ist als selbst bei der kleinen Flaute, die wir hatten. Das volle Ausmaß der Klemme wird sich im Aufschwung zeigen. Im Übrigen ist schon heute die Differenz zwischen den Ausleihzinsen und den Zentralbankzinsen in den USA und Europa auf einem historischen Höchststand. Kreditklemme heißt nicht, dass man keine Kredite kriegt, wenn man hohe Zinsen zu zahlen bereit ist, sondern dass die Zinsmargen hoch sind. Die Geldpolitik der Zentralbank scheitert im Moment am fehlenden Eigenkapital der Banken. Die niedrigen Zinsen werden nicht weitergereicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich stelle mir die Frage, ob zwischen der Inflationsrate und der Staatsverschuldung eine direkte Korrelation besteht. Ist es nicht so, dass hohe Staatsausgaben unweigerlich cet. par. dazu führen, dass die Inflationsrate steigt, weil die Bürger, die die Staatspapiere halten, ihre anderen Ausgaben dafür nicht einschränken werden? Beispiel: Jemand hat ein Vermögen von einer Million Euro und gibt normalerweise 100.000 Euro im Jahr aus. Nun kauft er sich für 50.000 Euro Staatsanleihen - jetzt wird er ja sein normales Konsumbudget nicht verringern, da er ja wieder fest mit der Rückzahlung seiner Anlage + Rendite rechnet. Von seiner Million wird also nach dem Kauf der Anleihen nicht mehr 100.000, sondern 150.000 in die Wirtschaft fließen. Steigt hierdurch nicht auch automatisch die Inflationsrate und stellt dies nicht ein großes Problem für die Volkswirtschaft, gerade zu Zeiten so expansiver Fiskalpolitik, dar? Herzlichen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Sie liegen insofern nicht falsch, als dass eine Staatsverschuldung, mit der der Staat zusätzliche Ausgaben finanziert, tatsächlich die gesamtwirschaftliche Nachfrage erhöht. Tut er das in einer ausgeglichenen Wirtschaftslage, gibt es Inflation. Tut er es in der Flaute, so verhindert es zunächst einmal nur den Absturz. Solange er die ausfallende private Nachfrage nicht überkompensiert, gibt es keine Inflation. Allerdings könnten die Finanzminister in Zukunft die Notenbank bedrängen, mehr Geld zu drucken, um so die Inflation anzuheizen und die Schuld des Staates real zu entwerten. Nur ist das leichter gesagt als getan. Im Moment sind wir meilenweit von einer Inflation entfernt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, auf den Seiten 279 - 284 Ihres Buches beschreiben Sie eindrucksvoll die Gefahren der Deflation, die ja nu in vollem Gange ist. Was schlagen Sie vor, wie sie zu beenden sei? Keynes erwähnt in seiner Theorie den Silvio Gesell, dass er die richtigen Gedanken hätte. Er tauchte auch bei Mankiew in der Diskussion auf. Wäre das nicht ein Vorschlag? Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Gerhardus Lang
Sehr geehrter Herr Lang, eine Deflation ist schwer zu bekämpfen, wenn man sie erst einmal hat. Eine chronische Krankheit halt. Am besten ist es, man rekapituliert die Banken in der Krise ganz schnell, damit keine Kreditklemme entsteht. Dann gibt es auch keine Deflation. Gesells Vorstellungen sind nicht falsch, aber schwerer umzusetzen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Dr.Dr. Sinn, als Redner beim Neujahrsempfang der Süßwarenbranche (was es nicht alles gibt - gabs Schampus und Kaviar??) haben Sie die Manager der Banken in Schutz genommen. Demnach seien die Manager nur die Marionetten im Theater und der Stripenzieher der Aktionäre. Nun - dem kann ich so nicht zustimmen. Denn es sind ja gerade diese Manager der Banken, die ihre eigenen Leute massiv unter Druck setzen um die von der Bank vertriebenen Finanzprodukte - und sei es noch so großer und hochriskanter Mist - unters Volk zu bringen und für die Abschlüsse kassierten sowohl die Bank, als auch die Bankberater und last but not least der Manager (gemessen am Erfolg) fette Provisionen. WOllen Sie mal ein Beispiel? Na da schnappen wir und soch mal den Krösus der Bankenbranche, Mr. Josef Ackermann himself, Chef der Deutschen Bank. Die haben beispielsweise für einen Investmentfonds zum Bau von Megariesenrädern wie dem Golden Eye in London in vielen Metropolen der Welt Geld gesammelt, darunter von 10 000 Anlager aus Deutschland. Hier wurde den leuten eine risikolose Anlage mit hoher Gewinnausschüttung suggeriert - lassen Sie sich einfach mal so einen Prospekt zukommen von der Deutschen Bank. Die Bank selbst hat bereits für den Abschluß selber knappe 10% Vermittlungsprovision kassiert. Der Fond ist Pleite - die Kohle futsch, es steht nirgends auch nur ein einziges dieser Riesenräder - denn die Klitsche ging gleich nch dem bau eines Fundaments in China Pleite. Über die Seriösität von so einer eigenartigen Anlage kann man ncht streiten, die ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Allein von der großen Deutschen Bank gibt es noch weitere solcher Beispiele von - ich nenne es betrügerischen - Investmentprodukten. Und es gibt Tausende mehr solcher Investmentprodukte von sämtlichen anderen banken. Die Banken sind da fein raus, denn sie haben sih nach dem Crash darauf spezialisiert keine eigenen Anlageprodukte mehr zu verkaufen, sondern treten nur noch als Vermittler auf und kassieren dafür fette Provisionen. Nun frage ich Sie: Wollen Sie allen Ernstes Ihre Behauptung aufrecht erhalten die Bankmanager seien nur marionetten? Diese unseriösen Leute, werter Herr Sinn, sind die Ursache für massive Kaitalvernichtung. Und genau diese Banken werden beim nächsten Crash, dem Platzen der us-amerikanischen Kreditkartenblase, erneut nach Vater Staat schreien umd Steuergelder zu vereinnahmen. Und nich ein paar Worte zu Ihren Theorien des Esports: Exporte werden wegen des schwachen Dollars mehr denn je zu einem Zuschussgeschäft. Fragt sich nur wer das Geld aufbringen soll, um Exporte weiterhin in so großzügiger Form zu finanzieren, die Risiken für solche Geschäfte zu sozialisieren und die Gewinne in die Taschen der Manager - die ja nach wie vor mehrere Millionen für Null Risiko kassieren - zu leiten. Sehen SIe das nicht falsch. Ich bin sehr dafür das eine herausragende Leistung dementsprechend entlohnt werden muss, aber nur dann wenn die manager im falle eines Scheiterns auch das Risiko zu tragen mal ein oder 2 jahre für NULL gearbeitet zu haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fal: Scheitern die Manager, dann kassieren sie fette Abfindungen für vorzeitige Vertragsauflösung oder kassiern bis Vertragsende weiterhin ihre Gehälter - vorausgesetzt die Firma besteht solang und muss nicht Konkurs anmelden und Hunderte oder tausende Jobs vernichten. Die Gier vieler Manager ist so ausgeufert, sie scheuen nicht einmal davor zurück hier die fabriken zu schließen und in China neue Klitschen einzurichten und das gesamte Know-How frei haus mitzuliefern - die eigentliche Ursache für das Wachstum Chinas. Obwohl ich die von den kommunistischen Machthabern vorgegaukelten Wachstumszahlen sowieo sehr anzweifle. Das ganze System erinnert mich doch zu sehr an die 5-jahres-Pläne der DDR, wo Mähdurchbrigade 0815 trotz sinkender Ernten Jahr für Jahr die Soll-Zahlen um 10-20% überschritten haben - komische Ähnlichkeit gelle. Ihre Mitleidsbekunden zu Gunsten der Manager in aller Ehren, Meister Sinn. Es wäre aber angebracht Sie würden mal etwas Anteilnahme zeigen für die wahren Verlierer - den Arbeitnehmern hierzulande die Tag für Tag um ihren Job fürchten. Was glauben Sie eigentlich wie lange das Spiel so weitergeht? Europa wird finanzpolitsch daran scheitern, denn es wird mehr und mehr das Opfer und der Zahlmeister des us-amerikansichen Kapitalismus und des Sozialismus Chinas sowie Korruption Indiens. Die Amerikaner sind fein raus, sie delegieren einfach ihre Schulden, sie lassen ihre Währung geradezu verfallen und können somit ihre Schulden locker zahlen - Looser wird die deutsche Exportwirtschaft - was zu weiteren Megapleiten führt, und die Chinesen - angesichts ihrer extrem hohen Devisenreserven in US-Dollar. Ich bin nur darauf gespannt, wie Sie solche Entwicklungen dann begründen wollen? Selbst Ihnen dürfte klar sein, das gerade in der BRD der massive Rückgang an Exporten einigermaßen durch den Konsum im Binnenmarkt abgemildert wurden. Sicherlich gab es auch einen gewaltigen Abschwung hier, aber mit weit weniger Auswirkungen als in den anderen europäischen Ländern. Und dies haben wir auch dem Instrument Kurzarbeit zu verdanken, wobei hier massenhaft von den Großkonzernen betrogen wurde. Der Mittelstand und das Handwerk haben sich als Stütze der Konjuntur erwiesen - womit keiner von euch selbstherrlichen Experten gerechnet hat. Um das instument Kurzarbeit beneiden uns inzwischen die anderen Länder. Von den Experten wird sie dagegen, wegen der damit verbundenen Kosten, als Hindernis und Damoklesschwert angesehen, da sie ja auch die Fertigungskosten verteuert. Nun - das ist durchaus richtig: Aber hätten beispielsweise die Manager der großen Konzerne nicht in hirnloser Wildwestmanier über Jahrzehnte so massiv Jobs nach Asien verlagert, dann gäbe es das Phänomen Massenarbeitslosikeit nicht in dieser krassen Form. Und dadurch wären letztenendes auch die Lohnnebenkosten niedriger. Die alten Weisheiten der Manager, wie dauernd Fehlzeiten wegen Krankheit, zuviel Feiertage, zuviel Urlaub, zu hohe Löhne etc. sind schon seit teilweise 20 jahren nicht mehr zutreffend. Feiertage sind bereits weggefallen, der Urlaub hat sich im Schnitt auf 25 Tage reduziert, die Wochenarbeitszeit liegt durchschnittlich bei 41,5 Stunden, die Löhne stagnieren seit bereits 20 Jahren - und genau das sind die eigentlichen Ursachen der Krise auf dem binnemarkt. Mit freundlichen Grüßen Stephan Vollmer
Sehr geehrter Herr Vollmer, ich befürchte, Sie missverstehen mich, wenn Sie glauben, ich wollte die Manager in Schutz nehmen. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass deren Entlohnung, die in der Tat zu riskantem Anlageverhalten geführt hat, von der Entlohung der Aktionäre abgeleitet ist, bei der es auch nur Boni und kaum Mali gibt. Wenn Sie die Argumentation näher interessiert, kann ich Sie auf mein Buch "Kasino-Kapitalismus", Kap. 4, verweisen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse habe ich heute Ihren Beitrag auf BR alpha verfolgt. Hierzu haben sich für mich einigen Fragen ergeben, für deren Beantwortung ich Ihnen sehr dankbar wäre: 1) Sie sagten während des Vortrages, dass zwischen CO2-Gehalt und Temperatur kein kausaler Zusammenhang bestehen würde da auch noch eine Reihe weiterer Faktoren die Temperaturen beeinflussen würden. Wenn dem so ist, wieso können Sie dann davon ausgehen, dass mit einer Verringerung des CO2-Ausstoßes eine weitere Klimaerwärmung vermieden werden kann? 2) Sie haben den Temperaturverlauf der letzten 800.000 dargestellt. Wenn ich mir diesen anschaue, fällt mir auf, dass die Extreme / die Amplitude von Wechsel zu Wechsel der Warm- und Kaltphasen zugenommen haben. Demzufolge wäre es doch eine logische Schlussfolgerung, dass auch bei der jetzigen Warmphase ein neues Maximum erreicht werden sollte? 3) Können Sie mir sagen, weshalb die Extrema von Wechsel zu Wechsel zugenommen haben – ohne den CO2-Ausstoß durch den Menschen in früheren Phasen? 4) Wodurch kam es letztendlich in den zurückliegenden Warmphasen zu dem plötzlichen Ende der selbigen? Sind diese Abstürze vorhersehbar oder könnte es auch sein, dass der Temperaturanstieg der letzten Jahre sich plötzlich in einen negativen Trend umwandeln würde? Die Studien zum Temperaturanstieg gehen alle von einem mehr oder weniger linearen Verlauf aus, aber gerade Ihre Temperaturkurve zeigt doch, dass Änderungen plötzlich und unvorhersehbar auftreten. 5) Ebenso zeigt Ihre Temperaturkurve, dass die derzeitige Warmphase von ungewöhnlich langer Dauer ist. Keine vorhergegangene Warmphase hat jemals so lange angedauert. Glauben Sie, dass dieses konstante Klima ohne Zutun des Menschen auf ewig bestehen bleiben würde? Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen U. T.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Ich kann die zweite und dritte Frage nicht beantworten, weil ich kein Klimaforscher bin. Aber hier zur ersten Frage: Ich habe nicht gesagt, dass kein kausaler Zusammenhang besteht, sondern nur, dass die Korrelation der beiden Zeitreihen nicht so zu interpretieren sind, dass die hauptsächliche Kausalität vom CO2 zum Klima geht, sondern umgekehrt. Gleichwohl gibt es auch die umgekehrte Kausalität, wie die Klimatheorie und Spektralmessungen aus dem Weltall zur Erde zeigen. Bei der Rückstrahlung von der Erde, wie man sie aus dem Weltall misst, fehlen genau die Spektren, die das CO2 herausfiltert und in Wärme umsetzt. Die Filterung bzw. Absorption der Strahlen durch das CO2 selbst ist eine physikalisch eindeutige Sache. Alle Gase mit drei Atomen und mehr haben diesen Absorptionseffekt. Bezüglich der Kausalitätsrichtung ist das so: Wenn ein Auto zum Stillstand kommt, ist es meistens wegen der Bremse, aber manchmal auch, weil es vor ein Hindernis fährt. In meinem Buch "Das Grüne Paradoxon" habe ich mich damit in Kap.1 auseinander gesetzt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Augsburger AZ vom 02.01.10 wurden Sie in einem Interview zitiert: 'Die Senkung ....entbehrt einer volkswirtschaftlichen Berechtigung.' Politisch kann man über jede Steuer - die ja immer auch einen steuernden Effekt hat - verschiedener Meinung sein. Aber volkswirtschaftlich - aus europäischer Sicht betrachtet? Seehofer hatte versprochen, die MWSt. auf die gesamten Dienstleistungen der heimischen Gastronomie auf 7 % zu reduzieren. Heraus kam bekanntlich der Kompromiß auf 'Übernachtungen' begrenzt.- Ich verstehe H. Seehofer also: 'E i n s t i e g ' in die Reduzierung bzw. letzlich Abschaffung der MWSt. auf a l l e Dienstleistungen. Und gibt es zum Zurück zur alten Warenumsatzsteuer (aber eben im Mehrwertsteuersystem) überhaupt eine Alternative, wenn Europa als Ganzes seinen Lebensstandard nur beihalten will? (Gern sehe ich Europa und nicht die globale Welt positiv auch als Fortschrittslokomotive in Umwelt etc.) Die Besteuerung des Faktor 'A r b e i t ' mag zu Bismarck's Zeiten geboten und richtig gewesen sein, aber heute? Nur 1 Beispiel: Es sollte sich wieder lohnen, jedwelches Industrieprodukt zu reparieren oder eben 'nur' ein Update nachzurüsten als es als Ganzes dem Müll zuzuführen. Aus eben diesem Grunde sind m.E. auch Lohnnebenkosten als Ganzes umwelt-fortschrittsshemmend! Es wäre mal interessant auszurechnen, wie hoch verschiedene Waren-MWSt-Sätze sein müßten. Würden etwa 5 % für handwerkliche 50-km-Nahprodukte, (z.B. Bäckerbrot) 15 % für industrielle Fertigfood (z.B. Industriebrot) und Medikamente, sowie 25 % für den großen industriellen Rest nicht bestens ausreichen? Schließlich könnten dabei die sog. Betriebskosten der Firmen nicht mehr als Vorsteuer behandelt werden. Jedes Produkt würde de fakto mit seinem E n d preis mehrwert-besteuert, egal ob es zuletzt privat oder gewerblich gekauft wird. Wäre all dieses oder eben nur der Schritt dahin nicht eine echte Wachstumbeschleunigung in Richtung Vollbeschäftigung, Austrocknung der Schwarzarbeit, Umweltsanierung und letztlich ein Staatsschuldenabbau? Finden Sie diese Überlegungen gedanklich falsch? Liebe Grüsse M. S. PS: Die Einführung von regionalem Kunstgeld 'WIR' in Leipzig etc. etc. geht doch m.E. eigentlich als Nebeneffekt in dieselbe von mir skizzierte Richtung! Doch wie lang wird die EZB dieses akzeptieren?
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Es ist wichtig, dass die Steuern einheitlich sind, damit sie keine Lenkungseffekte entfalten. Die Mehrwertsteuer ist eine der neutralsten Steuern, die es gibt, aber nur, wenn die Sätze nicht differenziert werden. Die Differenzierung führt zu einer Änderung der Wirtschaftsstruktur, die den Präferenzen der Menschen nicht entspricht und aus steuerlichen Ausweichreaktionen resultiert. Ich kenne keinen Ökonomen, der das gutheißen würde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, fast ungläubig habe ich Ihren "Dino-Thesen" entnommen, dass Sie eines gleichnamigen Preises teilhaftig geworden sind. Was führt eigentlich das "hochmögende Preiskomitee" zur Begründung an und gibt es aus dieser Richtung inzwischen auch sachliche Reaktionen auf die "Thesen" und wenn ja, welche? Man wäre geneigt, über die Preisstifter (die Ihre Dotation wahrscheinlich feixend als kreativ beklatschen) den mildtätigen Mantel des Schweigens zu breiten, wenn hier nicht sachfundierte Diskussion ganz bewusst (!) durch persönliche Diffamierung ersetzt würde. Insofern ist dieses Thema nicht so ganz "ohne". Respekt daher vor der Art und Reise, wie Sie prompt, sachbezogen und vor allem souverän reagiert haben. Es wäre nun nach meiner Meinung wichtig, die "Thesen" nicht nur in den engeren Wissenschaftszirkeln zu diskutieren, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dann ich finde schon, dass die "0-Wirkungen" des EEG kaum bekannt sind, mir waren Sie vor dem "Grünen Paradoxon" übrigens auch keineswegs bewusst. Ich hatte nur manchmal Bauchschmerzen, wenn ich sah, dass umweltpolitische Förder- und Subventionsmillionen stets in einunddieselbe Richtung flossen. Mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gibt bislang keinerlei inhaltliche bzw. sachbezogene Kommentare des NABU. In der Tat sollte man die Öffentlichkeit informieren. Nur wie? Ich bemühe mich seit über einem Jahr. Ein Wissenschaftler dringt einfach nicht durch, wenn die Presse sich des Themas nicht wirklich annimmt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, Ich hab mit grossem interesse ihr buch Kasino Kapitalismus gelesen und gratuliere ihnen zur klarheit der darstellung und zu ihrem engagement,die oeffentlichkeit wach zu ruetteln (bei den politikern geht das wohl nicht). Mich wundert allerdings und das ist meine frage,warum sie nicht die abtrennung des investmentbanking von den grossbanken fordern: denn so lange die banken das billige EZB geld lieber in den renditestaerkeren Eigenhandel stecken,wird die kreditklemme wohl kaum beseitigt!? Und/oder waere es nicht sinnvoll die eher nutzlosen landesbanken mit der kreditgewaehrung an den mittelstand zu beauftragen und nur diesen und fuer diesen zweck billiges EZB geld zu gewaehren? Vielen dank Gruss Jochen Krautter,pensionierter Finanzvorstand Henkel
Sehr geehrter Herr Krautter, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Bei den Landesbanken bin ich ganz bei Ihnen. Dass man denen mit Staatsgeld das weltweite Zocken erlaubt, wenn ich so sagen darf, habe ich nie verstanden. Ich habe es auch schon in einem Buch über die Landesbanken, das in den neunziger Jahren herauskam, kritisiert. Bei der Trennung in Investment- und Geschäftsbanken wäre ich vorsichtiger, denn was soll sie bringen. Auch nach einer Trennung können die Geschäftsbanken ihr Geld an die Investment-Banken verleihen, so dass die dann weltweit in riskante Papiere investieren. Was helfen würde wäre statt dessen, die Banken zu zwingen, ihre Kapitalmarkt-Anlagen mit erheblichen Eigenkapitalbeträgen zu unterlegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ! Vor einiger Zeit (Datum nicht erinnerlich) haben Sie in der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" ein Interview gegeben, das unter dem Titel: "Niedriglöhne um ein Drittel kürzen" erschienen ist. Sie werden sich sicher noch daran erinnern können. Dieses Interview liegt jedenfalls schon länger zurück. Meine Frage: Halten Sie heute angesichts der derzeit gegebenen Situation Ihre Meinung noch aufrecht ? Haben Sie jemals in Ihrem Leben existenzielle Sorgen gehabt ? Ich vermute doch eher nein. Wären Sie bereit, eine sehr begrenzte Zeit (eine Woche) das Leben eines Niedriglohnempfängers zu führen um dann in der Praxis - und nicht aus dem elfenbeinernen Turm der Wissenschaft - zu prüfen, wie es sich so lebt ? Wenn man das überhaupt als "Leben" ansehen kann. Sie werden doch nicht im Ernst glauben, daß man mit einem Absenken der Löhne den Wirtschaftsstandort Deutschlands oder Österreichs halten kann. Sie plädieren für ein Absenken der Sozialbeihilfen und gleichzeitig für ein Absinken der Löhne. Dabei ist aber doch abzusehen, daß die Lebenskosten verursacht durch Wohnen, Kleidung, Energiekosten, Lebensmittel, etc. nicht in gleichem Ausmass zurückgehen werden. Nehmen Sie es also in Kauf, daß dann gewisse Leute einbrechen gehen, Überfälle durchführen etc.? Das erfordert dann wieder enorme Kosten des Strafvollzuges. Da beisst sich doch die Katze in den Schwanz. Auf eine Antwort, die so gehalten ist, daß diese auch jemand mit "nur Abitur" versteht, wäre ich sehr gespannt. Mit freundlichen Grüßen Thomas Seger
Sehr geehrter Herr Seger, Sie sind das Opfer einer verzerrenden Darstellung des Titeltextes geworden, der wie es so üblich ist, so geschrieben wird, dass der Protest der Leser maximiert und die Emotion geschürt wird. Das Interview liegt in der Tat schon einige Jahre zurück. Es ging um die Schaffung eines Niedriglohnsektors in Deutschland. Er sollte durch ein Lohnzuschusssystem ermöglicht werden, das dann die Einkommen erhöht statt gesenkt hätte. Es kommt ja für den Lebensstandard nicht auf die Löhne, sondern auf die Einkommen an, und die können durch Lohnzuschüsse erhöht werden. Das ifo Institut hatte dazu die aktivierende Sozialhilfe als Fördermodell entwickelt. Die Politik ist uns ein Stück weit gefolgt. Deutschland hat den Niedriglohnsektor bekommen, es gab ein Jobwunder, und mit Hartz IV wurde ein Lohnzuschusssystem eingeführt, das die Einkommen für 1,3 Millionen Lohnbezieher aufstockte und über die Armutsgefährdungsgrenze hob. Würde ich Ihre Suggestivfrage bezüglich meiner eigenen Erfahrung mit einem niedrigen Lebensstandard beantworten, wären Sie sicherlich schockiert. Aber das gehört wohl nicht zur Sache. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich hatte vor einigen Monaten eine Anfrage nach Ihrem Vortrag in Osnabrück gestellt, deren Antwort leider weder inhaltlich, noch semantisch einen Sinn ergab. Ich möchte daher meine Frage noch etwas präzisieren: Ein auf Wachstum orientiertes Wirtschaftssystem ist, rein mathematisch, von einer oberen Grenze determiniert. Genauer: Das derzeitige Wirtschaftssystem basiert (mathematisch) auf einem exponentiellen Wachstum. Sie kennen sicher das uralte Beispiel mit dem Schachbrett: Ein Reiskorn auf dem ersten Feld und dann doppelt so viele auf dem jeweilig folgenden. Es ist nach einigen Wachstumsperioden einfach nicht möglich, das weitere Wachstum in adäquatem prozentualem Zuwachs zu realisieren. In dem Beispiel mit dem Schachbrett (bei Verdoppelung) muss man bei 64 Feldern quasi eine unendliche Anzahl von Reiskörnern aufbringen. Auch wenn in den derzeitigen wirtschaftlichen Systemen von keiner Verdoppelung von Jaht zu Jahr ausgegangen wird, so ist aber dennoch das System exponentiell angelegt. Der Faktor ist halt nicht 1 zu 2, sondern man "begnügt" sich mit einer Rendite von 5-10 oder auch 20 oder 30 (?) Prozent (je nach Gier der entsprechenden Investoren und den scheinbaren Möglichkeiten durch geschickte kurzfristige Kalkulationen). In der Vergangenheit konnte immer wieder ein "Reset" dieses Sytems erfolgen (die Weltkriege). Zerstörung schafft immer wieder die neue Möglichkeit, Wachstum von einem neuen Nullpunkt aus, zu schaffen. Heute leben wir in einer Welt, die global dermassen vernetzt und abhängig ist, dass ein solcher Weg - zum Glück - nicht mehr möglich ist. Umso mehr stelle ich noch einmal die Frage, wie - unter der Voraussetzung des geforderten systemimmanenten exponentiellen Wachstums - das derzeitige System überhaupt funktionieren kann. Beschleunigt wird meiner Meinung nach das System wesentlich dadurch, dass nur Abgaben auf Güter, nicht aber auf Finanztransaktionen erhoben werden. Stichwort: Güter unterliegen einem Wertverlust (Steuern/ Verderb / Veralterung/ Wertverlust), Geld aber bleibt, abgesehen von Inflation im Wert erhalten. Ist nicht mindestens eine Abgabe auf Finanztransaktionen notwendig? Ich möchte betonen, dass ich mich hier nicht nur auf die Finanzsituation in Deuschland beziehe. Es geht hier um das grundsätzliche System, welches natürlich global aufgestellt ist. Allerdings ist mit der EU ja auch ein durchaus mächtiger Apparat instititioniert (insbesondere nach der Verabschiedung des Lissabon-Vertrages), so dass es Möglichkeiten gibt (oder sehr kurzfristig geben kann - wenn der Wille da ist), um entsprechende Massnahmen durchsetzen zu können. Das Prinzip des Zinseszins zerstört immer stärker die gesamten Volkswirtschaften, weil immer offensichtlicher wird, dass selbst die Zinsen nicht mehr adäquat (Stichwort Wertschöpfung) beglichen werden können. Welche Vision haben Sie? Ich bin sehr interessiert. Mit freudlichem Gruss M. S.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig recht. Exponentielles Wachstum für immer kann es nicht geben. Aber doch für lange Zeiträume. Wenn die Weltwirtschaft eines Tages nicht mehr wächst oder sogar schrumpft, weil die Ressourcen zur Neige gehen, was ich vermute, wird dennoch die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform sein, weil sie die Knappheit effizient verwaltet. Mit dem Zins oder Zinseszins hat das nichts zu tun. Selbstverständlich kann es auch in einer stationären oder schrumpfenden Wirtschaft Zinsen geben. Der alte österreichische Ökonom Böhm von Bawerk hatte drei Zinsgründe angegeben: Die Mehrergiebigkeit längerer Produktionsumwege, die bessere Versorgungslage in der Zukunft und die Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse. Nur der zweite Grund hat mit Wachstum zu tun. Die anderen beiden Gründe können auch bei stationärer oder schrumpfender Wirtschaft einen Zins erzeugen. Alle einschlägigen Wachstumsmodelle können bei geeigneter Parameterwahl auch als Schrumpfungsmodelle laufen, und dennoch kann der Zins positiv sein. Freilich kann der Zins bei hinreichend starker Schrumpfung negativ werden, weil der zweite Zinsgrund von Böhm von Bawerk die anderen dominiert. Auch mit negativen Zinsen bleibt die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform. Ob der Staat eine Steuer auf Finanzvermögen einführen sollte, kann man diskutieren. Dafür spricht ein Verteilungsargument sowie das Tobin-Argument, den Nullsummenspielen die Luft wegzunehmen. Dagegen spricht, dass man eigentlich keine Steuer auf Transaktionen haben sollte, weil sie die meisten Verzerrungen im Wirtschaftsablauf auslöst. Wenn man gute von schlechten Finanztransaktionen unterscheiden könnte, hätte ich nichts dagegen, die schlechten zu besteuern. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihren Artikel in der FAZ habe ich mit großen Interesse gelesen, und ich stimme fast allen Ihren Thesen zu. Lediglich zur These 6 habe ich eine etwas andere Sicht. Sie schreiben dort als Quintessenz, "Je mehr Schlote die Europäer außer Betrieb nehmen, desto niedriger ist der Preis der fossilen Brennstoffe, und desto mehr Schlote werden im Rest der Welt neu errichtet." Kann es nicht sein, dass ähnlich wie Europa über kurz oder lang auch die USA und weitere wichtige Staaten aus eigener Einsicht und ohne ein globales Abkommen eine effektive Klimaschutzpolitik betreiben? Warum sollte die Nachfrage nach fossiler Energie außerhalb Europas nur durch den Preis bestimmt werden. Das Beispiel Europa zeigt doch, dass auch allein durch Druck von innen Klimaschutzpolitik in Gang kommen kann. Ist es nicht denkbar, dass das Beispiel Europa Schule macht und dass dadurch letztlich auch weltweit die Nachfrage nach fossiler Energie sinkt, trotz sinkender Preise? Ich glaube, offen gesagt nicht daran, dass man außerhalb Europas auf Dauer Energiepolitik nur nach Maßgabe der Angebotspreise der Energieträger machen wird. Mein Eindruck ist eher, dass China mit seinem Ziel, die CO2 Intensität seines Sozialprodukt in den 15 Jahren von 2005 - 2020 um 40-45% zu reduzieren, sich bereits ein ehrgeiziges Ziel setzt, an dem sich auch die USA und Europa messen lassen müssen. Vielleicht liegt hier auch eine Ursache für das eine oder andere Missverständnis, das Ihre Positionen manchmal bei Berufsgrünen hervorrufen. Mit freundlichem Gruß Christoph Barthe
Sehr geehrter Herr Barthe, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es gibt keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen meiner These 6 und Ihrer Sicht. Klar: man kann hoffen, dass die Chinesen unserem Beispiel folgen und sich zu Einschränkungen des C02-Verbrauchs bereit erklären, wenn wir mit gutem Beispiel voran gehen. Das aber ist eine Aussage, die sich nicht auf die Entscheidungen der Firmen und Bürger, sondern die Entscheidungen des Staates bezieht, also eine mögliche chinesische Position bei den Verhandlungen für ein weltweites Klimaabkommen. Meine These bezieht sich nicht auf die politische Entscheidungsebene, sondern auf die Ebene der einzelnen Entscheidungsträger und auf die Marktprozesse. Da ist unilateral grüne Politik aus den im Artikel beschriebenen Gründen konterproduktiv. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob wir mit unseren politischen Vorleistungen bei den internationalen Verhandlungen etwas erreichen. Kopenhagen hat das ja gezeigt. Was die Chinesen zum Mitmachen bewegen wird, sind nur harte Positionen und glaubhafte Drohungen. Wenn wir unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen politisch drosseln und die Klimaerwärmung drosseln, haben sie bei gegebenem Klimaziel umso mehr Spielraum für eigene Emissionenen. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Vorschlag, dass sich der Staat an den privaten Geschäftsbanken beteiligen sollte, um deren Eigenkapitalquoten zu heben, scheint mir fast völlig aus der aktuellen Diskussion verschwunden zu sein. Ich bitte Sie, dieses Thema, wieder stärker in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken. Angesichts der immer stärker werdenden Kreditklemme, ist es der einzig faire Weg die Banken zu retten ohne Steuergeschenke an die Altaktionäre zu verteilen. Könnte diese von Ihnen entwickelte Stategie auf breiter Front umgesetzt werden, würde unser gesamtes Land sehr stark davon profitieren. Ich wünsche Ihnen einen "Guten Rutsch" und viel Erfolg im neuen Jahr, bei Ihrer wichtigen und oft mühsamen Überzeugungsarbeit. Herzliche Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, auch Ihnen alles Gute im neuen Jahr. Ich werde sehen, wie ich den Vorschlag der Staatsbeteiligung an den Banken im Gespräch halte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn Bei ihrer Argumentation gegen Mindestlohn und für aktivierende Sozialhilfe spielt ja das Thema der Produktivität der Arbeiter eine entscheidende Rolle. Von der Einführung eines Mindestlohns von 7,50€ wären ja fast ausschließlich Angestellte im Dienstleistungssektor betroffen. Nun meine ganz einfache und kurze Frage: Wie kann man die Produktivität eben eines solchen Angestellten bestimmen? z.B. die Produktivität eines Straßenkehrers oder einer Friseurin. Das muss doch irgendwie von der Zahlungsbereitschaft des Kunden abhängen. Ich studiere zwar VWL im 7. Semester, unter anderem bei ihnen, aber es bleibt mir ein Rätsel..
Sehr geehrter Herr Graf, in der Tat geht es um Wertproduktivitäten, und in die gehen die Preise ein, die von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängen. Je billiger die Haarschnitte sind, desto mehr werden nachgefragt. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geerhter Herr Sinn Ich habe ihren Bericht in der FAZ gelesen. Dieser Artikel beschreibt die Situation und das Verhalten der Deutschen und ihrer Politiker vollkommen richtig. Ich möchte dazu nur zwei Anmerkungen machen. 1. Biogas Wir ernten in Schleswig-Holstein um 50t Mais vom Hektar Wenn man eine gute Anlage hat schafft man 250m3 Gas pro Tonne mit 60% Methan. Das sind 7500m3 Gas mit Erdgasqualität , das entspricht 10KW je Kubimeter Gas oder auch 75000KW pro Hektar. Dieses Gas kaufen die Stromkonzerne für 7-8 ct/KW und betreiben damit Blockheizkraftwerke um Gebäude zu heizen und den Strom für 20ct an sich selbst zu verkaufen. Das Entscheidende ist der Rohertrag vom Hektar Mais ist 5250€. In Bayern ist der Maisertrag noch 30% höher. Die Kosten für die Biogasanlage pro Hektar und Jahr (Zinsen und AFA) beträgt ungefähr 1300- 1600€. 3500€ konkurrieren mit 1500€ Rohertrag bei Weizenproduktion. Der Aufwand ist bei Mais für Biogas aber 20% niedriger. Deutschland wird bei diesen Rahmenbedingungen Biogasland!!!! und das alles ohne Geld vom Staat. Die Nahrungsmittelproduktion kommt erst wieder auf diesen Flächen in Gang bei einem Weizenpreis von über 25€/dt 2. zu ihre Bemerkung der Maisversorgung Mexikos aus der USA. Bis 1990 versorgte sich Mexiko mit Mais und Zucker selbst, mit Gründung der nordarmerikanischen Freihandelszone waren die nicht mechanisierten Bauern in Mexiko nicht mehr wettbewerbsfähig, machten sowohl bei Zuckerrohr wie auch beim Mais eine reine Subsistenzwirtschaft und als dann die Nahrungsmittel knapp wurden konnten sie sofort wieder produzieren. Genauso wie USA verhindert die EU mit ihrer subventioniertenden Landwirtschaft Aufbau einer leistungsfähigen Landwirtschaft in diesen Ländern. Aber das Problem werden die Ökös bei uns ändern, wenn die Nahrungsmittelproduktion aufhört. Ich frage mich wie diese Probleme der Markt lösen sol. Peter Lund
Sehr geehrter Herr Lund, Ihre Zahlen sind sehr interessant. Die Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion wird die Welt verändern, auch Deutschland. Der Markt kann hier nichts lösen, sondern erzeugt das Problem. Meines Erachtens sollte der Staat Barrieren zwischen den Märkten aufbauen, anstatt die Verkopplung zu befördern. In meinem Buch "Das grüne Paradoxon" habe ich das näher ausgeführt. Ein ganzes Kapitel ist der Bioenergie gewidmet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich stimme Ihnen völlig zu, wenn Sie lt. FAZ-Artikel eine Kurskorrektur der Umweltpolitik und ein Ende des kostspieligen Aktionismus fordern. Wo Sie allerdings irren, ist Ihre Feststellung, dass die Erdtemperatur in 20 oder 30 Jahren höher sein wird als in den vergangenen 800 000 Jahren. Die Annahme, die Globaltemperatur würde sich nur nach dem CO2 richten, ist eine naive Irrlehre. Die Eiskernbohrungen von Grönland und der Antarktis zeigen eindeutig, dass sich in der Vergangenheit immer erst die Temperatur geändert hat (Haupteinfluss: die variable Sonnenaktivität) und dann mit Verzögerung der CO2-Gehalt angepasst hat (durch Ausgasung/Aufnahme der Ozeane). Hier verwechseln einige Leute aus ideologischen Gründen Ursache und Wirkung. Eine Vorhersage der Klimaentwicklung ist grundsätzlich nicht möglich, da zu viele Einflussfaktoren mitspielen, die heute noch nicht hinreichend definiert sind. Die vergangenen 10 Jahre haben dies erneut bewiesen: alle Vorhersagen (die nur auf CO-Anstieg beruhten) waren falsch. Niemand hat das Ende des Temperaturanstieges und den Rückgang in den letzten Jahren vorhergesagt. Wie der IPCC schon richtig festgestellt hat, gilt in der Klimawissenschaft: "In climate research and modelling we should recognize, that we are dealing with a coupled non-linear chaotic system, and therefore that the long-term prediction of future climate states is not possible". IPCC, Third Assessment Report, 2001, Section 14.2.2.2, page 774 Wenn Sie schreiben: "das Grönland-Eis wird noch in diesem Jahrhundert schmelzen", dann liegt offenbar ein tiefgreifendes Missverständnis vor: Auch bei langfristig erhöhten Temperaturen würde es etwa 10 000 Jahre dauern, bis der bis 3000 m starke Eispanzer abgeschmolzen wäre, auf dem heute Temperaturen von durchschnittlich -31°C herrschen. Ein Abschmelzen tritt nur an den Rändern und durch Gletscherfluss auf, wird aber weitgehend durch den jährlichen Schneefall auf der fast 2 Millionen Quadratkilometer grossen Hocheisfläche wieder ausgeglichen. Im übrigen zeigt die Temperaturhistorie von Grönland in den letzten 2000 Jahren eine abfallende Tendenz, siehe das beigfügte Diagramm. Mit freundlichen Grüssen Dr. D. E. Koelle
Sehr geehrter Herr Koelle, vielen Dank für Ihre Nachricht. Aber keine Angst, ich schließe nun wirklich nicht von der Korrelation auf die Kausalität. Mit der Kausalitätsfrage und den Eiskernbohrungen habe ich mich im ersten Kapitel des in der Fußnote des FAZ-Artikels genannten Beitrages beschäftigt. Die Prognosen stammen vom IPCC, die Aussage, dass der Rekord der letzten 800 Tausend Jahre gebrochen wird, folgt aus den Eiskernbohrungen. Zum Grönlandeis verweise ich auf: Ice-Sheet and Sea-Level Changes” Alley, Richard B., Clark, Peter U., Huybrechts, Philippe und Joughin, Ian, (2005), Science, Vol. 310 No. 5747, pp. 456-460. Danach beginnt das Eis ab einer Erwärmung der Atmosphäre bei 3 Grad Celsius zu schmelzen, natürlich von den Rändern her. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, im Rahmen eines von Herrn Professor Schwintowski (Humboldt Universität Berlin) betreuten juristischen Promotionsvorhabens befasse ich mich derzeit mit möglichen Regulierungsansätzen für Leerverkäufen. Im Rahmen dieser Dissertation bemühe ich mich um ein besseres Verständnis der ökonomischen Auswirkungen von Leerverkäufen auf die Finanzmärkte. Ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Leerverkaufsthematik in Ihrem jüngsten Buch „Kasinokapitalismus“ gelesen. In dem Buch betonen Sie die Eignung von Leerverkäufen zur Marktmanipulation sowie deren destabilisierenden Einfluss auf die Kapitalmärkte. Sie argumentieren, dass das typischerweise mit Hilfe von Leerverkäufen verfolgte Ziel – die Spekulation auf sinkende Kurse – auch durch Terminverkäufe von Aktien realisierbar sei. Daher seien Leerverkäufe letztlich überflüssig und zu verbieten. Ich teile Ihre Einschätzung hinsichtlich der mit Leerverkäufen verbundenen Risiken. Allerdings meine ich, dass Leerverkäufe durchaus sinnvolle Funktionen erfüllen können. So wird sich in dem von Ihnen genannten Beispiel der Terminkäufer – meist eine Bank – gegen das Risiko eines steigenden Kurses absichern wollen. Eine solche Absicherung erfolgt meines Wissens in der Praxis meist über einen simultan mit dem Termingeschäft getätigten Leerverkauf. Insofern scheinen mir Leerverkäufe jedenfalls zur Absicherung von Termingeschäften notwendig. Zu der Frage, wie sich Leerverkäufe auf die Finanzmärkte auswirken, existieren zahlreiche wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen meist angelsächsischen Ursprungs, die ich derzeit auswerte. Die meisten dieser Studien bescheinigen jedenfalls gedeckten Leerverkäufen positive Auswirkungen auf die Finanzmärkte. So wird betont, dass Leerverkäufe einen positiven Beitrag zur Marktliquidität und Preisfindung leisteten. Dennoch darf das Missbrauchspotential dieser Handelstechnik nicht aus den Augen verloren werden. Es stellt sich daher die Frage, ob Leerverkäufe in Deutschland und Europa wenn nicht zumindest erhöhten Transparenzerfordernissen unterworfen werden sollten. In Frage kämen hier bspw. Kennzeichnungspflichten für Leerverkäufe und/oder Meldepflichten hinsichtlich gehaltener Short Positionen, sobald diese gewisse Grenzwerte überschreiten. Für eine solche Kennzeichnungspflicht spräche, dass Leerverkäufe für die Finanzmarktaufsicht erkennbar und damit besser kontrollierbar würden. Zudem könnten die gesammelten Daten dem Finanzmarkt in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden und so zu einer Verbesserung der Markt- und Preistransparenz beitragen. Neben der Einführung der oben skizzierten Transparenzvorschriften könnte eine Unterbindung ungedeckter Leerverkäufe nach US- amerikanischem Vorbild (Regulation SHO à „locate requirement“ & „close out requirement“) sinnvoll sein. Zur Verhinderung von Leerverkaufs-Attacken auf einzelne Aktientitel könnte zudem die Einführung sogenannter „Circuit- Breaker“, die bei starken Kursrückgängen einzelner Aktientitel die Durchführung weiterer Leerverkäufe dieser Titel automatisch unterbinden, erwogen werden. Eine weitere Alternative wäre die Einführung einer Regelung, welche Leerverkäufe nur in steigende Märkte zulässt. Eine solche, an der US- amerikanischen „Up-Tick- Rule“ angelehnte Vorschrift wäre ggf. geeignet, eine Beschleunigung von Abwärtsspiralen durch Leerverkäufe zu verhindern. Mit der Leerverkaufsproblematik haben sich in kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen sowohl das Committee of European Securities Regulators (CESR) als auch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) befasst. Während die CESR primär mehr Transparenz für Leerverkäufe fordert, regt die IOSCO darüber hinausgehend die Einführung strikter Settlement- Vorschriften zur Bekämpfung von Lieferverzögerungen bei Wertpapiergeschäften an. Eine Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen würde für die betroffenen Wertpapierhändler/ Banken/ Investmenthäuser wohl nicht unerhebliche Kosten verursachen und zudem eine erhebliche Einschränkung der Geschäftstätigkeit bedeuten. Erste Stellungnahmen der Wertpapierwirtschaft zu den Vorschlägen der CESR und IOSCO fallen daher naturgemäß wenig euphorisch aus. Ich würde mich freuen, mit Ihnen oder einem mit dieser Thematik befassten Mitarbeiter Ihres Hauses zu den oben aufgeworfenen Fragen in Dialog treten zu dürfen. Würden Sie die Einführung von Transparenzvorschriften für Leerverkäufe begrüßen? Oder ist aus Ihrer Sicht ein völliges Verbot gedeckter und ungedeckter Leerverkäufe tatsächlich die einzig richtige Antwort auf die mit Leerverkäufen verbundenen Risiken? Ist das aktuell an deutschen Börsen für Wertpapiertransaktionen geltende Settlement- System ausreichend effektiv oder sollten hier verschärfte Regelungen (wie bspw. die Einführung von Strafzahlungen und schnellere Zwangseindeckung offener Positionen bei Lieferverzug) erwogen werden, um ungedeckte Leerverkäufen entgegenzuwirken? Mir ist bewusst, dass die vorstehend formulierten Fragen recht speziell und nicht einfach zu beantworten sind. Sie haben sich aber intensiv mit den Ursachen der Finanzkrise befasst. Möglicherweise können Sie daher zu der einen oder anderen der oben aufgeworfenen Fragen etwas sagen? Ich würde mich freuen, wenn Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten. Mit freundlichen Grüßen Dirk- Fabian Lange
Sehr geehrter Herr Lange, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Das Thema, das Sie sich vorgenommen haben, ist wichtig. Aber Sie sind sicherlich schon viel tiefer eingestiegen als ich. Die Transparenzregeln können helfen, wenn wir eine Aufsicht haben, die damit etwas anfangen kann. Was Sie an positiven Aspekten der Leerverkäufe aufzählen, will ich nicht bestreiten. Allerdings scheint mir, dass die genannten Effekte auch bei einfachen Termingeschäften zu erzielen sind. Das müsste die Forschungsstrategie sein: Herausfinden, was Leerverkäufe zusätzlich zu Termingeschäften an Vorteilen bringen. Wenn diese Vorteile damit zu tun haben, dass man als einzelner Investor den Marktkurs verändern kann, sind sie volkswirtschaftlich zu verwerfen. Wenn es andere Vorteile sind, die ich aber im Moment nicht überblicke, kann man Leerverkäufen positiver gegenüber stehen. Ich kann Ihnen also nur empfehlen, sich bei Ihrem Denkprozess präzise auf diese Fragestellung zu konzentrieren. Eigentlich ist die Fragestellung mathematischer Natur, aber ich weiß natürlich, dass es für Juristen nicht gerade naheliegt, die Natur der Geschäfte formal-mathematisch zu formulieren. Dann würde man aber präzise sehen, worin der Zusatznutzen der Leerverkäufe besteht und könnte volkwirtschatlichen von privatem Nutzen unterscheiden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihren Vortrag in Hannover über die Finanzkrise vor einigen Monaten gehört und anschließend Ihr Buch zum Casino Kapitalismus gelesen. Die hat bei mir etliche Fragen aufgeworfen und ich erlaube mir, mich hilfesuchend hiermit an Sie zu wenden : Rein volkswirtschaftlich gesehen müßte die Bewältigung der jetzigen Krise doch wohl nicht zwangsläufig mit höheren Schulden einhergehen, wie man sagt. Wäre es nicht denkbar, daß statt der Verschuldung bei uns auch der Weg der dauerhaften Geldschöpfung gewählt würde, indem die Bundesbank sogenannten systemrelevanten Instituten „einen verlorenen Sanierungs-Zuschuß“ gewährte, der nie zurück gezahlt würde? Wie sich das auf das Vertrauen in die Stabilität der Währung , den Lebenshaltungskostenindex auswirkt. müßte man sehen… Ist die Fed nicht auf dem Wege dazu, indem sie Anleihen aufkauft (warten wir mal, was sie tut, wenn die nicht gezahlt werden können..) Man sagt gemeinhin, daß die Geldmenge, die heute weltweit existiert das 30fache? dessen umfaßt, was realwirtschaftlich notwendig ist. Verstehe ich es richtig, daß also ein Großteil der Geldmengen nicht in die Realwirtschaft fließen, sondern in finanziellen Gütern gebunden sind. Gibt es diese überhaupt oder hängt alles irgendwie mit der Realwirtschaft zusammen? Selbst wenn das der Fall wäre, gibt es offensichtlich einen riesengroßen, permanenten Bodensatz , indem das spekulative Geld steckt. Weiß man in etwa in welchen Kategorien und Größenordnungen die nicht realwirtschaftlich benötigten Beträge angelegt sind weltweit? Ich unterstelle, daß es solche finanziellen Güter gibt und frage folgendes: Irgendwann habe ich in der Jugendzeit etwas von der Fischerschen Verkehrsgleichung gehört , die heute wohl nur noch historische Bedeutung hat. Als Denkmodell scheint sie mir aber nach wie vor hilfreich, wenn man sie etwas erweitert, nämlich annimmt, daß Mit dem Einkommen gehortet+konsumiert+investiert+spekuliert werden kann (der Faktor Spekulation wäre hier neu. Ihn gab es immer schon , aber nie in so erheblichem Umfang wie heute im Verhältnis zur Realwirtschaft) Und neben dem Güterberg heute zusätzlich finanzielle Güter (Instrumente, wie Aktien, Kontrakte…) bestehen, die losgelöst vom Güterberg existieren können und ein Leben für sich leben.. Vor diesem Hintergrund würde dann deutlich, daß die Erweiterung der Geldmenge nicht zwangsweise zu einem Anstieg der realwirtschaftlichen Preise führt sondern sich die Effekte in einem Aufblähen und einer Inflation der Werte der finanziellen Instrumente sich zeigen kann. Hätte die Volkswirtschaftsehre einen Index für die Preisentwicklung der finanziellen Güter und betrachtete man beides zusammen, also insbesondere den Verbraucherpreisindex und den Finanzindex, müßte doch vieles deutlicher werden. Wie man diesen Index mißt und was man einbezieht, wäre sicherlich einiger Forschung wert. Wenn diese 2 Welten existieren, die eigenen Gesetzen unterliegen, dann würde auch deutlich, daß es völlig hirnrissig ist, den Banken Geld – heute auch noch auf unserer aller Kosten- zu geben, die zum größten Teil in Finanzinstrumente fließen, statt in die Realwirtschaft und daß es richtig wäre das Banksystem – wie in England wohl vorgesehen – in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Die Notenbank kann nicht beliebig viel Geld schaffen, weil das den Kapitalmarkt aushebelt. Die Zinsen sind dann praktisch null. In der Krise ist es ok. Bei Normalsituationen der Wirtschaft gäbe es Inflation. Deswegen ist die Monetarisierung der Staatsschuld keine Option. Die Geldmenge ist bestimmt nicht dreißig Mal höher als nötig. Das ist eine viel zu hohe Zahl. Wir müssen irgendwann zu einer Politik des knappen Geldes zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn! Vielen Dank für Ihren Artikel in der heutigen FAZ. Erlauben Sie ein paar Bemerkungen dazu. Es mag sein, dass ich offene Türen einrenne, da ich leider das Buch, auf das der Artikel Bezug nimmt, noch nicht kenne. Jedenfalls ist es dankenswert, dass Sie die religiöse Komponente des Höllenhauches CO2 relativiert und daraus überzeugende Wirtschaftspolitische Konsequenzen aufgezeigt haben. Ich schreibe Ihnen als emeritierter Radiochemiker und pensionierter Geschäftsführer eines Nuklearbetriebes, der einen Großteil seines Berufslebens mit der intellektuellen Angst -campagne gegen Radioaktivität in Deutschland leben musste. Dadurch sensibilisiert sammle ich nun seit vielen Jahren sorgfältig Literatur zum Wetter, neuerdings als Nicht-begriff Klima überhöht, und lese diese kritisch, um mir ein eigenes Bild außerhalb dieser neumodischen verzichtsethischen Treibjagd machen zu können.. Es ist immer verdächtig, wenn alle sogenannten Fachleute zu ihrem eigenen Nutzen einer Meinung sind. Meteorologen waren immer arme Schlucker und sind erst mit der Klimahysterie an die Fleischtöpfe der Fördermittel herangekommen Umso mehr wundert es, wenn es schon ganz zu Anfang der Beobachtungen eines sich anbahnenden Klimawandels immer Fachleute gab, die einen Einfluss des CO2-anstieges in der Atmosphäre als den bestimmenden Faktor infrage gestellt haben. Meine Sammlung solcher Stimmen hat mittlerweile schon fast biliophilen Charakter und geht weit über die 1000 Zitate hinaus, wobei auch berühmte Forscher darunter sind. Da werden auch beispielsweise die von Ihnen zitierten Bohrkernanalysen aus der Antarktis wegen der Diffusion zwischen den Eisschichten ernstlich in ihrer Aussagekraft angezweifelt. Es scheint aber unbestreitbar zu sein, dass nach einer langen Periode relativ bescheidener Klimaveränderungen nun doch eine Erwärmung messbar ist. Es wird allgemein versucht, durch Vergleiche mit früheren Perioden des Erdklimas eine Zukunftsprognose zu erhärten. Die neuen Klimamodelle schießen aber meist weit über die erwartbaren Veränderungen hinaus und sind damit wenig glaubwürdig. Es fällt auf, dass zwei Grundfragen übegangen werden : 1) Hängen gleichzeitig ablaufende Vorgänge tatsächlich ursächlich zusammen ? Dann könnte man ja beispielsweise durch eine Storchennestanbringungsverordnung auch unsere demographische Delle auswetzen. 2) Lösen lineare Veränderungen einer Bestimmungsgröße bei der anderen unbedingt und nur lineare Veränderungen aus - oder könnten es auch nicht lineare, also degressive oder progressive Folgen sein ? Zu 2) könnte man immerhin fragen, was denn am Menschen-gemachten CO2-anstieg anders wäre, als es die Vergangenheit ausweist. Der einzige Unterschied, der auffallen könnte, ist das D(C)/dt, die Anstiegsgeschwindigkeit, die in geologischen Dimensionen betrachtet von geradezu explosionsartiger Plötzlichkeit ist. Merkwürdigerweise hat dieser Umstand, weil er keinerlei erdgeschichtliches Vorbild hat, noch wenig Beachtung gefunden. Man darf aber vermuten, dass die abmildernden Augleichsvorgänge zwischen den verschiedenen Kohlenstoffdepots der Erde, wie sie bisher immer stattfanden, nicht so schnell folgen können. Das betrifft zu allererst das beweglichste nach der Atmosphäre, das Depot Meerwasser, das ja immerhin 30 mal größer als das der Atmosphäre ist (aus der Umverteilung von Radiokohlenstoff nach den oberirdischen Atombombenversuchen weiß man, dass die obere Meeresschicht CO2 mit einer Halbwertszeit von etwa 12 Jahren mit der Atmosphäre austauscht, von tieferen Schichten weiß man aber nichts), wie auch die Pflanzendecke, das Plankton und die Karbonatbildung in den Gebirgen als Hauptauffang-Reservoirs. Es gibt auch ein Henne-Ei Problem mit der Meerwassertemperatur, die aus welch- immer Gründen ansteigt und damit nicht nur Teile des gelösten CO2 nach Mineralwasserart freisetzt, sondern auch Teile des unter-meerischen Methans. Damit könnte es sein, dass wir wegen der einmaligen Anstiegsgeschwindigkeit bereits jetzt einem sich selbst beschleunigenden Änderungsvorgang ausgesetzt sind, den man nicht mehr durch auch noch so rigorose Exhalationsbeschränkungen aufhalten kann. Das wäre ! zwar wenig ermutigend. Wir wissen es aber nicht. Ebenso könnte es sein, dass die Wärmerückhaltewirkung des CO2 schon heute weit über der atmosphärischen Sättigungsgrenze liegt und mehr davon im Vergleich zum Wasserdampf gar nichts mehr bewirkt - ein degressives Klimamodell. Es würde dennoch die Schlussfolgerung nahe legen, dass wir alle unsere Mittel vorzugsweise für eine Folgenminderung einsetzen müssen, da uns eine wirkliche Klimaänderung ja mindestens über Jahrhunderte begleiten würde, bis der Kohlenstoff-Kreislauf wieder zu den alten Niveaus zurückfindet. Die augenblickliche Vermeidungshektik greift bestimmt nur langsam, wenn überhaupt, und nur mit einer weltweiten Ökodiktatur. Teuer ist sie obendrein. Meinen wir ernstlich, dass wir das Abholzen der letzten Büsche in der Savanne mit aus Deutschland geschenkten Sonnenöfen vermeiden können ? Oder woher sollen die für unsere Ochsenmästung dringend erforderlichen zusätzlichen Sojabohnen kommen, wenn nicht aus den Urwald-Rodungsflächen? Können wir wegen der Methanfreisetzung Japan, Korea, den Philippinen und Indonesien den Nassreis-Anbau verbieten und bei uns die Kuhmilch rationieren? Solcherlei Fragen gibt es viele, aber keine schlüssigen und umsetzbaren Antworten. All das unterstreicht nur Ihre Ausführungen - daher nochmals meinen Dank ! Mit freundlichen Grüßen! Prof. Dr. Wolfgang Stoll (Anmerkung: Diesem Beitrag sind noch folgende Hinweise hinzuzufügen: CO2- Zbigniew Jaworowski, “The greatest scientific scandal of our Time” EIR Science, March 16, 2007, Seite 38 -53, dort: 18 weitere Literaturhinweise. Es gibt darüber hinaus neuere Arbeiten über andere klimawirksame Gase von fast ebenso großem Einfluss ,wie z.B. Methan, und die ebenso neue wie verblüffende Erkenntnis, dass sowohl die Algen der Weltmeere, wie auch die normalen Pflanzen im Sonnenlicht neben Zuckern auch erhebliche Mengen Methan produzieren. Das Thema ist viel verzwickter, als man zunächst glaubt. So schert sich niemand darum, dass z.B. der anaerobe Grenzbereich von einer Tiefe von 250 m im Schwarzen Meer durch Eintrag organischen Materials (Dreck) aus den Zuflüssen in den letzen 20 Jahren bis auf -100 m angestiegen ist und ein Durchbruch mit der Folge von großen Exhalationen von Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff in irgendeinem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zum Umkippen dieses Meeres führen muß. Prinzipiell kann das irgendwann bei allen Meeren passieren, vor allem nach Algensterben durch Übersäuerung. Das ist neben den Wirkungen von Methan aus den Wirkungen des auftauenden Permafrostbodens eine der vielen großen Unbekannten im Wettergeschehen der Zukunft. Von dem unaufhaltsam anwachsenden Stickoxidul (170 mal wirksamer als CO2) aus unserer Düngung (besonderer Sünder der durch Rapsanbau verdichtete Boden ) will ich erst gar nicht anfangen. Der Wahlspruch heißt: Es gibt viel zu tun: Warten wir´s ab !)
Sehr geehrter Herr Kollege Stoll, haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme, die ich mit Interesse gelesen habe. All Ihre skeptischen Fragen sind berechtigt. Zur Frage der Kausalität zwischen Kohlendioxid-Gehalt und Temperatur gilt natürlich das von Ihnen Gesagte. Im Wesentlichen macht die Temperatur das Kohlendioxid in der Luft, und nicht so sehr umgekehrt. Dennoch gibt es auch die umgekehrte Korrelation, was den Treibhauseffekt hervorruft und verstärkt. Das folgt im Wesentlichen aus Messungen, die man aus dem Weltall bezüglich der zurück kommenden Strahlung gemacht hat. Sie zeigen, dass das Strahlungsspektrum genau im Bereich des Kohlendioxid-Filters Lücken hat. Ich habe solche Themen in meinem Buch diskutiert. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie mögen ein kluger Mensch sein, doch Ihre Beurteilung über die Situation der Hartz IV-Empfänger hat wenig mit der Realität zu tun. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie von dieser Realität zu weit entfernt sind. Sicherlich gibt es Gemeinden, in denen einiges billiger ist, verglichen mit Städten, in denen manches teurer ist. Dennoch würde ich mir, nach 35 Jahren Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit durch einen betrügerischen Konkurs meines Arbeitgebers wünschen, in einer grösseren Stadt zu leben. Mit meinem Einkommen durch Hartz IV bin ich z.B. völlig unbeweglich, da ich Transportkosten im kleinstädtischen Bereich nicht finanzieren kann.Es ist schlichtweg zu teuer. Ich schaffe gerade mal die Buskosten, um zum Arzt zu kommen, Kosten, die ich ohne Hartz IV möglicherweise nicht hätte, da ich mit normaler Arbeit wahrscheinlich gesunder wäre. Nach 35 Jahren Berufsstätigkeit ohne Erkrankungen hoffte ich auf ein Älterwerden in meinem Beruf, der mir viel Freude machte. Ein krimineller Arbeitgeber, für den ich die letzten 14 Berufsjahre gearbeitet habe, führte die Firma in eine betrügerische Insolvenz, wurde allerding niemals erwischt. Doch mich hat es aufgrund Hartz IV voll erwischt. Ich bin einfach daran krank geworden. Ohne Perspektive mit Geld, das zum Überleben reicht, aber von der Gesellschaft ausschliesst, braucht man all seine Kraft, um diesem Leben kein Ende zu setzen. Selbst die ehrenamtliche Tätigkeit mit benachteiligten Kindern schafft da keinen Ausgleich, da mir auch dabei die entsetzlichen Folgen des Neokapitalismus permanent vor Augen geführt werden. Wahrscheinlich könnte ich das alles besser ertragen, wenn ich über ein gewisses Mass an Dummheit verfügen würde. Leider kann ich mir die nicht mehr aneignen. Nur dass Sie, der sich wirklich um gar nichts wirtschaftlich sorgen muss, solche Weisheiten loslassen, demonstriert Ihre Unwissenheit. Auch ohne Alkohol und ungesunde Lebensweise werden Menschen, die an sich gern arbeiten würden und trotz excellenter Ausbildung und Berufspraxis in diesem Land keine Arbeit fanden und finden, krank. Dieser Aspekt kommt mir immer viel zu kurz. Mit der staatlichen Hilfe kann ich sehr wohl rein körperlich überleben. Ich habe aber nicht die geringste Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Da ich billig leben muss, wohne ich ausserhalb. Sonst würde meine Miete nicht übernommen. Ich kann mich aber nicht nach innen bewegen, weil die Transportkosten zu hoch sind. Für einen Besuch in die Stadt muss ich zwei Wochen sparen. Der völlige Verzicht auf Fleisch, Aufschnitt und Kaffee ermöglicht es mir, dass ich alle Vierteljahr einmal eine Eintrittskarte von ca. EUR 8 erwerbe, um mal eine Autorenlesung zu besuchen. Wahrscheinlich soll ich das aber gar nicht, sondern mich nur vom TV und Prof. Sinn einlullen lassen, damit ich ja nicht kritisch werde. Herr Prof. Sinn, beschränken Sie sich auf das, was sie mal gelernt haben, aber lassen Sie Ihre Finger weg von Beurteilungen dessen, was HartzIV-Empfänger zu viel oder zu wenig haben - Sie haben keine Ahnung! Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, den ich sehr überzeugend finde. Aber Sie scheinen implizit davon auszugehen, dass ich die Hartz-IV-Sätze im kleinstädtischen Bereich kürzen möchte. Darf ich fragen, wie Sie darauf kommen? Ich habe das nicht vorgeschlagen und würde deshalb gerne von Ihnen wissen, was Ihre Quelle ist. Auf einer Homepage ist eine Lüge in dieser Richtung verbreitet worden. Dagegen gehe ich juristisch vor. Mich würde es interessieren, woher Sie Ihre Information haben. Bestimmt nicht von mir. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion siehe oben) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, danke für Ihre umgehende Antwort. Da ich zwar kein Geld, aber sehr viel Zeit habe, lese ich viel. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob die von mir geschilderte Information aus irgendeiner Zeitschrift - Spiegel, Focus, Stern, Manager-Magazin - oder aus der Tagespresse stammt. Übrigens kann ich mir all diese Dinge nicht kaufen, sondern erhalte sie von Familie und Freunden abgelegt, d.h. nach 1 oder 2 Wochen. Es ist aber auch möglich, dass ich die Information aus Radio oder TV habe. Zunächst hatte ich mehrere Tage meiner Empörung gefrönt, bevor ich Ihnen meine mail schickte. Da ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, unsachliche Angriffe auf alles, was mit HartzIV zu tun hat, und auch grundsätzlich auf HartzIV-Empfänger - und das beginnt leider bei den imkompetenten Mitarbeitern der ARGE - hinzunehmen und zu verkraften, reagiere ich normalerweise nicht. Doch die Ihnen zugeschriebene Äusserung ging mir schlichtweg zu weit, da sie sicherlich von unwissenden Politikern gern zur Grundlage genommen wird, Kürzungen vorzunehmen, deshalb meine mail. Nach 35 Jahren Berufstätigkeit mit 3 äusserst wohlgeratenen Söhnen, die diesem Land viel Steuern zahlen, fühle ich mich schlecht behandelt. Seit 9 Jahren habe ich mich von Flensburg bis Garmisch beworben, mit ausgezeichneten Unterlagen. Vielleicht hätte ich mein Alter fälschen sollen. Ganz klar bin ich der Meinung, dass ich all die Despektierlichkeiten, die ich permanent höre oder lese, nicht verdient habe. Es gibt gewiss ausser mir noch viele andere 'Hilfeempfänger', die ähnlich empfinden. Ich bedaure, dass ich Ihnen keine Quelle benennen kann, aus der die benannten Fakten stammen. Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, vielen Dank für Ihre Antwort. Aber Sie sehen, wie das Mediengeschäft läuft. Hier kochen einige Leute ihre eigenen Süppchen, indem sie die Empörung zu einer Geschäftsidee machen. Mit freundlichem Gruß und den besten Wünschen bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es ist begrüßenswert, dass die Hartz-IV-Regelungen auf den Prüfstand sollen. Nicht begrüßenswert ist Ihr Vorschlag, Hartz-IV-Leistungen territorial zu staffeln. In Berlin seien die Lebenshaltungskosten höher als in Hoyerswerda? Vielleicht auch noch zu unterscheiden zwischen Berlin-Ost und Berlin-West? Dann staffeln Sie bitte auch gleich die Renten, dass ALG I und die Prämien für Krankenkassen - vielleicht auch noch die Löhne? Welch unsinniger Vorschlag, welch bürokratischer immenser Aufwand? Aber immerhin, Herr Professor, so bleibt man im öffentlichen Dialog. Das ist doch auch schon viel wert. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich darf darauf hinweisen, dass die Renten, das ALG I, die Löhne und die Krankenkassenprämien allesamt regional gestaffelt sind! Das scheinen Sie zu übersehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auf Seite 510 wird die EU-Verfassung Artikel II-34 erwähnt. Frage: Wurde dieser Artikel inzwischen geändert? Wenn ja, wie? Mit freundlichen Grüßen Hermann Weller
Sehr geehrter Herr Weller, der zitierte Artikel bezieht sich auf einen Entwurf der EU-Verfassung, der im irischen Referendum gescheitert ist. Inzwischen wurde stattdessen ein Grundlagenvertrag angenommen, bei dem alles nochmal neu nummeriert und vieles umgeschrieben wurde. Der Inhalt dieses Paragraphen ist meines Wissens aber noch vollständig erhalten. Nur fehlt mir jetzt die Zeit, dem nachzuforschen. Ich bitte um Ihr Verständnis. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, warum fehlt in Deutschland der politische Wille, sich temporär an Banken, mit zu niedrigen Eigenkapitalquoten, zu beteiligen. Kann es daran liegen, dass den meißten Menschen nicht klar ist, dass eine Kapitalerhöhung im Kern bedeutet, dass die Aktien der Altaktionäre, nach der Kapitalerhöhung, nicht mehr den gleichen prozentualen Anteil am Gesamtunternehmen repräsentieren wie vor der Kapitalerhöhung. Und dies unabhängig davon, ob die Aktien der Altaktionäre nach der Kapitalerhöhung gefallen oder gestiegen sind? Mit freundlichem Gruß Noel König
Wenn ich das wüsste, lieber Herr König. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prefessor Sinn, geben Sie lieber zu, dass auch dieses System mit 250 km/h gegen die Mauer fährt. Schulden soweit das Auge reicht - wir leben über unsere Verhältnisse, jedoch nicht weil die Bürger das so wünschen. Preise in diesem System werden nicht durch den Gegenwert der Ware oder Dienstleistung bestimmt, sondern nach dem Einkommens- niveau der Bevölkerung. Dies fordern Sie nun auch bei den Regelsätzen der ALG II- Sätzen - Angleich der sozialen Leistungen nach Ausgabenniveau der jeweiligen Region. Hiermit befeurern Sie gerade zu das Spekulantentum von Regionen wie München und Stuttgart oder auch in Berlin. Welchen Sinn kann es haben, dass junge Familien in München nie in der Lage sein werden sich Wohneigentum zu schaffen ohne sich und Ihre Kinder lebenslänglich an die Willkür der Banken auszuliefern? Scharen von fahrenden, telefonierenden und Internet-Abzockern überziehen das Land und stürzen Bürger mit seitenweisen missverständlichen Verträgen in Unheil. Die wirklichen Verbrecher sind m.E. die internationalen Konzerne, welche bspw.fuer einen Dollar in Bangladesch oder Kambodscha ein Poloshirt nähen lassen (wobei auch hier der Löwenanteil den Fabrikbesitzer bleibt) und dieses dann in der westlichen Welt unter wohlklingenden europäischen Namen für 50 Dollar verkaufen. Hier fordern Sie nie eine Regulierung und erklären die sittenwiedrige Praxis mit dem Gespenst der globalen Marktwirtschaft. Hier werden Milliardengewinne ergaunert, die keinem ALG II-Bezieher zu Gute kommen. Btw: der kauft bei KIK sein Poloshirt aus China (Zwangsarbeiter, die von Ihren Familien verschleppt werden sehen keinen Lohn für Ihre Arbeit). Ist dies Sinn der (marktwirtschaftlichen) Demokratie? Ich glaube nicht! Mit freundlichen Grüßen, irgendein Bürger.
Sehr geehrter Herr N., ich verstehe Ihre Skepsis bezüglich des Finanzwesens und stehe ihr nicht ganz fern, nur dass meine Kritik weniger radikal wäre. Zu Hartz IV: Die Mietzuschüsse sind ja schon heute nach den regionalen Gegebenheiten gestaffelt. Was ich vorschlage, ist auch die unterschiedlichen Preisniveaus der Konsumgüter zu berücksichtigen, damit jeder Hartz-IV-Empfänger gleich viel bekommt. Es kann nicht sein, dass der Lebensstandard der Hartz-IV-Empfänger in der Großstadt kleiner ist als auf dem flachen Lande. Gleiches muss gleich behandelt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn,Ihre Äußerung über die regionale Anpassung der Hartz4-Sätze ruft bei mir Erstaunen hervor.Kosten für Unterkunft und Heizung übernehmen in der Regel die Städte und Kommunen,egal ob in Berlin,Hoyerswerda,München oder im Sauerland.Die wirklichen Kosten die zu Buche schlagen sind Kosten für Lebensmittel,Gas,Strom und Dienstleistungen,egal ob in Berlin,München,Hoyerswerda oder in der Uckermark.Denn diese Kosten sind überall gleich,Milch,Butter oder Wurst kosten in der Uckermark genausoviel wie in Schwaben.Dazu noch die Dienstleistungen die in einkommensschwachen Regionen zum Teil noch höher liegen wie in Ballungsgebieten. Ich weiß wovon ich schreibe,beziehe nun nicht gerade Hartz4 sondern bin Eu-Rentner und bekomme neben meiner Rente noch Grundsicherung aber nach Abzug der Miete verbleibt mir gerade noch der Regelsatz in Höhe von 359,00 EURO.Und das kuriose an der ganzen Sache ist mir wurden die von mir erarbeiteten Rentenpunkte West in Rentenpunkte Ost umgewandelt. Also bitte sehr geehrter Herr Prof.Sinn erst einmal sehr genau recherchieren und sich dann dazu Äußern.
Sehr geehrter Herr Sonnenberg, die Kosten der Lebensmittel sind keineswegs gleich. Die Unterschiede betragen bis zu 6% zwischen den teuren und billigen Regionen, von der Miete abgesehen. Ich will nur, dass Gleiches gleich behandelt wird. Wer keine Arbeit hat, muss überall so unterstützt werden, dass er den gleichen Lebensstandard hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf die Diskussion vom 29. Oktober 2009)Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Analogie die Sie zwischen einem Unternehmen (Gewinn von 100, Schulden von 150) und dem Staat herstellen, enthält einen Fehler. Der Gewinn eines Unternehmens ergibt sich aus den Einnahmen abzüglich der Ausgaben. Die richtige Analogie bestünde aus dem Gewinn eines Unternehmens und einem etwaigen Budgetüberschuß des Staates. Hätte der Staat einen Budgetüberschuß von 1000 Milliarden Euro, könnte er die Staatsschulden von ca. 1600 Milliarden genauso gut beherrschen wie ein Unternehmen seine Schulden von 150 bzw. 160 bei einem jährlichen Gewinn von 100. Wie weit wir davon entfernt sind, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Aber der Staat hat ja immer noch seine Immobilien. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, jeder Vergleich hinkt, zugegeben. Dennoch, das Einkommen einer Unternehmung ist der Gewinn, und das Einkommen des Staates sind seine Steuereinnahmen und Beiträge, nachzulesen in jedem Lehrbuch der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (Stobbe z.B.). Aber besser sollte man mit dem Kapitalbestand vergleichen. Unternehmen finanzieren stets einen erheblichen Teil des Kapitalstocks, mit dem sie arbeiten, mit Fremdkapital, und der Staat tut es auch. Nach Art. 115 GG darf er nicht mehr an neuen Schulden aufnehmen, als er real investiert, und ein Großteil des staatlichen Kapitalbestandes ist schuldenfrei. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass man eigentlich nur eine Teilfinanzierung neuer Investitionen durch Schulden erlauben sollte und überhaupt enge Schuldengrenzen einziehen muss. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, in Nachgang zu unserer anregenden Diskussion in Würzburg schicke ich Ihnen den Artikel von Paul Krugman, auf den sich meine Äußerungen bezogen haben, das erwähnte Titelbild des Economist und ein paar Gedanken, die ich vor fast einem Jahr zur Finanzkrise aus psychologischer Sicht zu Papier gebracht habe. Mit herzlichem Gruß, Fritz Strack http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html http://memex.naughtons.org/wp-content/uploads/2009/08/economist_economic_theory.jpg http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,585425,00.html
Lieber Herr Strack, erst jetzt komme ich dazu, auf Ihre Mail zu antworten. Ihren Beitrag finde ich sehr überzeugend, sehe aber keinen Widerspruch zur Ökonomie. Wenn Sie z.B. auf die Asymmetrie der Beteiligung an Gewinnen und Verlusten hinweisen, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Das habe ich in meiner Dissertation schwerpunktmäßig behandelt. (Ök. Entscheidungen bei Ungewissheit, Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Mohr-Siebeck 1980.) Auch der folgende Beitrag untersucht das Thema: „Kinked Utility and the Demand for Human Wealth and Liability Insurance“, European Economic Review 17, 1982, S. 149-162. Der Krugman-Artikel ist bissig, aber in seiner Kritik am Chicago-Ansatz korrekt. Wiederum kein Widerspruch. Auch ich habe in meinen Vorlesungen diesen Ansatz stets massiv mit ähnlichen Argumenten kritisiert und mich beim Konjunkturthema auf die Seite der Keynesianer geschlagen. (Dass die meisten ökonomischen Probleme nichts mit Konjunktur und Krisen zu tun haben, weiß natürlich auch Krugman. Er selbst hat kaum in dieser Richtung publiziert.) Hier zwei meiner Beiträge aus dieser Richtung, wo ich die Alt- und Neumonetaristen aus Chicago kritisiere. „Rationale Erwartungen, Rationierung und Rezession ‑ Braucht keynesianische Politik dumme Bürger?“, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 199, 1984, S. 158-178. „Pro und Contra Crowding Out. Zur Stichhaltigkeit dreier populärer Argumente“, Kredit und Kapital 16, 1983, S. 488-512. Das alles ist aber keine Kritik am ökonomischen Ansatz an sich, sondern eine hausinterne Kritik. Auch Krugman kritisiert ja nicht sich selbst, sondern speziell nur die Ökonomen der Chicago-Schule. Der Konflikt zwischen der Ostküste und Chicago ist alt. Europa steht überwiegend auf der Positition der Ostküste. Und in Deutschland haben wir die neoliberale oder ordoliberale Schule, die eine starke Rolle des Staates bei der Setzung der Spielregeln bejaht. Diese Schule ist ziemlich deckungsgleich mit dem, was die Ostküste meint. Diese Krise ist in der Tat eine Schlappe für Chicago und ein Triumph des Neoliberalismus, jedenfalls in seiner ursprünglichen Bedeutung als Gegenteil von Paleoliberalismus, der dem heutigen Chicago-Liberalismus entspricht. Wir hatten uns noch über die effizienten Märkte ausgetauscht. Das stammt von Fama und meint nur, dass die Kurse zu jedem Zeitpunkt die dann vorhandene Information widerspiegeln. Effiziente Märkte im Sinne der allokativen Effizienz, also der Hauptsätze der Wohlfahrtstheorie sind damit nicht gemeint. In einem Punkt stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass man zur Erklärung der Krise irrationales Verhalten braucht. In meinem Buch "Kasino-Kapitalismus", das ich Ihnen zukommen lasse, läuft die Erklärung im wesentlichen über die Haftungsbeschränkung und die asymmetrischen Entlohnungsstrukturen, die daraus resultieren. Bislang habe ich noch kein Argument gehört, wie irrationales Verhalten die Krise zur Krise hätte beitragen können. Auch die Fehleinschätzung kleiner Wahrscheinlichkeiten, die wir seit Allais (ich glaube 1949) kennen, trägt nichts Erkennbares bei. Die Banken hätten genauso gespielt, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten korrekt eingeschätzt hätten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betrifft: Das Grüne Paradoxon darf nicht zum Atomausstiegs-Verschiebungs Paradoxon werden Hallo Herr Prof. Sinn, 1. eine gute Theorie muss man auch breit einsetzen können. Ich wende daher mal das Grüne Paradoxon auf die beschlossene Verschiebung des Atomausstieges an. Das Ergebnis: der verschobene deutsche Atomausstieg bringt überhaupt keine CO2-Einsparung solange die CO2 Zertifikate insgesamt (also nicht nur für Deutschland) nicht entsprechend reduziert werden. 2. Also muss man als Klimaschützer fordern: Weniger CO2-Zertifikate und höhere CO2-Einsparquoten zur Realisierung der Kernenergie-Dividende. Auf der COP15 Konferenz in Kopenhagen ergibt sich hierfür im Dezember 2009 eine gute Gelegenheit. 3. Die Bundesregierung ist hier jedoch bisher noch nicht auf dem richtigen Weg. Im neuen Regierungsprogramm wurde das bisherige CO2-Einsparziel von 40% (für 2020 im Vergleich zu 1990) noch nicht geändert. Dies wäre aber auch nur ein erster Schritt, denn die Verankerung bei den CO2-Zertifikaten müsste folgen. 4. Seltsam ist nur, dass die Grün- Orthodoxen diese weiche Flanke des verschobenen Atomausstieges noch nicht erkannt haben. Oder behindert sie da vielleicht ihre Lebenslüge, dass man nämlich mit Kernenergie ja eh kein CO2 einsparen könne? Oder behalten sie sogar am Ende noch Recht, wenn der Weiterbetrieb der Kernenergie nicht als Verknappung der Zertifikate umgesetzt wird? Dr. rer. nat. Gerhard Luther, Saarbrücken
Sehr geehrter Herr Dr. Luther, vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Tat ist der Verzicht auf den Atomausstieg für sich genommen klimapolitisch irrelevant, weil der CO2-Ausstoß Europas bereits durch die Menge der Emissionszertifikate gesteuert wird. Er ist aber natürlich relevant für die Energiekosten, weil Atomenergie, zumal von Kernkraftwerken, die schon stehen, die billigste Energieform ist. Ob es Sinn macht, die C02-Menge in Europa unilateral weiter zu senken, wage ich zu bezweifeln, denn der Kohlenstoff, den wir Europäer nicht kaufen, wird halt anderswo angeliefert und verbrannt. Ich meine deshalb, dass es keine Alternative zu einem weltweiten Emissionshandel gibt, an dem sich alle Länder beteiligen. Weitere Vorleistungen Europas könnten konterproduktiv sein, weil sie den Chinesen und Amerikanern noch mehr Anreize gibt, auf eigene Anstrengungen zu verzichten, und zwar sowohl politisch als auch über die Märkte wegen der Absenkung der Preise für fossile Brennstoffe. Noch eine Anmerkung zum grünen Paradoxon. In meinem gleichnamigen Buch werden zwar einige Paradoxa beschrieben, doch ist der Name für einen besonderen Effekt reserviert. Wenn die grüne Politik allmählich immer grüner wird, verringert die grüne Politik die Steigerungsrate der Preise der fossilen Brennstoffe, was den Ressourcenbesitzern Anreize gibt, schneller zu extrahieren und ihr Vermögen in Finanzanlagen umzutauschen, weil die Rendite der Ressourcen im Boden kleiner wird. D.h. angekündigte grüne Politik senkt die Preise der fossilen Brennstoffe heute und beschleunigt den Klimawandel. Das gilt für alle Arten grüner Politik, sogar unilateral angekündigte Einschränkungen der Menge der Emissionszertifikate. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, danke für Ihre Antwort. Bei den Staatseinnahmen hatte ich mich "versehen": Es stehen hier wohl ca. 1.050 Mrd. € etwa 1.600 € Staatsschulden gegenüber, was einem Verhältnis von Staatseinnahmen und -schulden von ca. 0,7 entspräche. Der Vergleich zu solchen anlageintensiven Unternehmen wie BMW bzw. VW würde indessen Relationen von immerhin 1,5 bzw. 2,1 ergeben. Ich sehe natürlich - unter den Maßstäben etwaige Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung - Deutschland gewiss nicht als "insolvenzgefährdet", meine aber, dass die Grenzen der Verschuldung (so langsam?) erreicht sind. Außerdem sehe ich nicht, dass diese Verschuldung in den nächsten Jahrzehnten nennenswert abgebaut werden könnte. Und das hielte ich für nicht ungefährlich, weil damit die Handlungsspielräume der "öffentlichen Hände" immer weiter sinken. Die "Finanzverfassungen" mancher Kommunen sind doch heute schon mehr als bedenklich. Etwa aus bankbetriebswirtschaftlicher Perspektive würde ich Deutschland daher schon intensiver beobachten (was Tripleas der Rater wert sind, haben wir erfahren!) und im Übrigen hoffen, dass es zu einer nächsten Finanzkrise nicht kommen wird. Reicht aber das Prinzip Hoffnung aus? Danke und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, Ihre Sorgen teile ich vollauf. Keinesfalls reicht das Prinzip Hoffnung. Umso wichtiger ist die Schuldenbremse, die die alte Regierung noch im Grundgesetz verankert hatte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn ich es recht sehe, wäre ein Unternehmen bei einem Schuldenstand von 1.500 Mrd. € und jährlichen Einnahmen von etwa 500 Mrd. € "pleite", weil der fällige Kapitaldienst zumindest aus einer durchschnittlichen Umsatzrendite (vor Zinsen) nicht erwirtschaftet werden könnte. Beim Staat ist das offenbar anders und man fragt sich als bescheidener Betriebswirt, ob hier jemand - ohne, dass man das bislang merkte - das ökonomische Perpetuum mobile erfunden hat. Diese Frage drängt sich umso mehr auf, als die Regierung Staatseinnahmen über Steuersenkungen schmälern möchte und (vielleicht mit Laffer?) gleichzeitig Einnahmen stimulierende Wachstums- und Steuereinnahmenwunder erhofft. Daher erlauben Sie folgende Fragen: Wie muss man (empirisch) etwa den Zusammenhang zwischen Steuer-, Haushaltseinnahmen- und Staatschuldenveränderungen sehen? Gibt es eine Grenze für die Höhe der Staatsschulden? Eine Schuldenrückführung pro rate temporis durch diese und folgende Generationen erscheint mir immer mehr illusorisch. Welche realistischen Alternativen - jenseits eines "Währungsschnittes" - gibt es eigentlich? Danke für Ihre Antwort und Mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, der Staat hat jährlich ein Einkommen aus Steuern und Beiträgen von (aus dem Kopf) gut 1000 Milliarden. Das ist nicht wenig bei einem Schuldenbestand von 1500 Milliarden Euro. Ein Unternehmen, das bei Gewinnen von 100 Schulden von 150 hat, ist extrem gut aufgestellt. Gemessen daran ist der Staat noch lange nicht überschuldet. Auch ist das Immobilienvermögen des Staates sicherlich weit mehr als 1500 Milliarden Euro wert. Trotzdem ist die Schuld hoch genug und muss abgebaut werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie sprechen von "angeblichen Wachstumszwang". In einer früheren Diskussion mit mir sagten Sie, würde die Zentralbank ihre Zinsgewinne nicht in den Bundeshaushalt einbringen, sondern erneut an den privaten Sektor verleihen, würde dies Inflation erzeugen. Wenn ein Großteil der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken erfolgt, welche ihre Zinseinahmen fortlaufend für neue Ausleihungen verwenden, müßte dieser Prozess doch auch eine Ausweitung der Geldmenge und damit Inflation nach sich ziehen, falls das reale Wirtschaftswachstum mit der Ausweitung der Geldmenge nicht mithalten kann. Was wären Ihrer Meinung nach die Folgen, wenn das Wirtschaftswachstum ganz zum erliegen käme? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Sie haben Recht, wenn die privaten Geschäftsbanken ihre Zinsgewinne vollständig thesaurieren würden. Das tun sie aber nicht, denn die Aktionäre wollen Dividenden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, die neue Regierung Merkel/Westerwelle möchte die Steuern senken, um Wirtschaftswachstum zu erreichen. In Deutschland ist die Abgabenlast laut Spiegelonline weitaus höher als die Steuerlast. Wäre es nicht sinnvoller, um Arbeitsplätze zu schaffen, Konsum und Investitionen zu fördern, den Faktor Arbeit zu verbilligen? Warum wird dieser Ansatz in der öffentlichen Diskussion völlig vernachlässigt? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichem Gruß, Peter Weinreich
Sehr geehrter Herr Weinreich, Konsum ist das Gegenteil von Investition. Wenn ich den Konsum fördere, kann ich zwar den Auslastungsgrad des Produktionspotenzials erhöhen, doch echtes Wachstum gibt es nur, wenn ich das Potenzial selbst vergrößere, und das geht nur über Investitionen. Deutschland hat die kleinste Nettoinvestitionsquote aller OECD-Länder. Wachsen können wir nur mit mehr Investitionen. Beschleunigte Abschreibungen wären ein Mittel, sie anzuregen. Die Verbilligung der Arbeit über die weitere Ausdehnung des Niedriglohnsektors durch eine Agenda 2020, also noch mehr Lohnzuschüsse, wäre eine weitere Möglichkeit, sogar eine sehr viel wirksamere. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, für uns Betriebswirte ist die fristenkongruente Finanzierung eine fast eherne Regel, deren Verletzung schwerwiegende Folgen haben kann. Denn wenn ein Unternehmen langfristiges Anlagevermögen so kurzfristig finanziert, das etwa der Kapitaldienst aus dem (zuwachsendem) Cashflow nicht geleistet werden kann oder eine Bank langfristige Ausleihungen mit Kurzfristkrediten refinanziert, kommt es fast regelmäßig zu Störungen des finanziellen Gleichgewichtes mit wachsender Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. In Ihrem Buch "Kasinokapitalismus" sagen Sie nun sinngemäß, dass Aufgabe des Bankensystems auch die Fristentransformation sei. Es scheint, dass genau das die HRE - allerdings mit verheerenden Folgen - versucht hat. Oder soll man die HRE eher als Opfer des Zusammenbruchs des Geldmarktes (Interbankenhandel) sehen, dessen Aufgabe eben auch diese Fristentransformation ist? Danke für ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, die HRE hat, soweit ich der Presse entnehme, die Fristentransformation betrieben und dadurch hohe Zinsgewinne erzielt, ist aber am Zusammenbruch des Interbankenmarktes gescheitert. Das Modell ist bei gutem Wetter verlässlich, aber in der Krise nicht. Da ist die fristenkongruente Finanzierung besser. Nur verdient man dabei in Normalzeiten nicht so viel. Aber es stimmt natürlich, dass die Fristentransformation eine der zentralen Aufgaben eines Bankensystems ist, denn auch wenn die Sparer nur kurzfristige Zwecksparer sind, die ihr Geld nach wenigen Jahren zurück haben wollen, muss ja mal hin und wieder ein Haus gebaut werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion, letzter Beitrag verfasst am 23. Oktober, siehe unten stehende Beiträge) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für die Richtigstellung. Sämtliche Fehler gehen natürlich allein zu meinen Lasten. Sie bestätigen, dass die staatliche Ausgabenerhöhung das GDP fast immer weniger erhöht als der direkte fiskalische Impuls. Barro-Zitat: … thus spending stimulus programs will likely raise GDP by less than the increase in government spending. Defense-spending multipliers exceeding one likely apply only at very high unemployment rates, and nondefense multipliers are probably smaller. However, there is empirical support for the proposition that tax rate reductions will increase real GDP. Multiplikatoren überschreiten nur in ganz seltenen Fällen – ziemlich sicher nicht heute, da die Arbeitslosigkeit nicht so hoch ausfällt – den Wert von 1. Und gleichzeitig – meine Rede - treten fast immer gegenläufige Effekte ein, die gleichzeitig zu einer Absenkung der privaten Investition und Nachfrage führen, ansonsten wäre der Multiplikator mindestens = 1. Es gibt fast immer eine Minderung privater Wirtschaftstätigkeit parallel zu den Konjunktur-programmen, wobei das allein noch keine Kausalität, aber doch eine Beziehung ausdrückt. Auf die pure Spekulation auf einen Multiplikator > 1 hin große Verschuldungspakete zu befürworten, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Die empirischen Auswertungen der letzten Jahrzehnte wie der WW-Krise belegen diese Annahme jedenfalls nicht, was Sie auch nicht bestreiten. Angesichts niedriger Zinsen, eines hohen Staatsanteils und Arbeit-nehmer-Einkommen in der Weltspitzengruppe ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die gegenläufigen Effekte (u.a. Crowding-Out) eher noch zunehmen werden à sich der tatsächliche Multiplikator vielleicht sogar weiter von 1 entfernt (auf 0 zu). Vermutlich würden Sie die WW-Krise als „nicht-gleichgewichtige Ökonomie“ bezeichnen. Die Barro-Analyse zeigt jedenfalls, dass auch für diese Phase keine empirischen Belege vorliegen, dass über die staatlichen Programme reliabel Impulse vom Staat auf den Privatbereich induziert werden können. In meiner Lesart, erstens ist es fraglich, ob nicht viel eher die Investitionen die Arbeitsplätze schaffen als simple Ausgabenerhöhungen, zweiten sind solche Programme immer die Ausflüsse von big/ bigger government. Dies bildet gleichzeitig institutionellen Barrieren, welches die Privaten von mehr Nachfrage und Investition abhält, wie unter Hoover und Roosevelt. Je mehr Staat, desto mehr politische Lösungen, die immer wieder Klientelpräferenzen folgen. Barro verweist darauf, dass Steuersenkungen die gleiche Wirkung haben. Sie halten solche Argumente, die ich früher von ihnen gehört hatte, heute aus der Diskussion heraus und propagieren stattdessen das Allheilmittel weiterer großer Staatsprogramme. Damit folgen Sie einem Tenor - bei aller Wertschätzung Ihrer Sachkunde und Ihres Engagements - den man nur als „sozialdemokratisiert“ bezeichnen muss.
Sehr geehrter Herr Hamilton, Sie haben sich irgendwie festgebissen in der Vorstellung, das Sozialprodukt würde fallen, wenn der Multiplikator kleiner als eins sei. Die Begründung für Konjunkturprogramme braucht das nicht. Auch wenn der Multiplikator kleiner als eins ist, steigt das Sozialprodukt. Aber das hatte ich ja schon erwähnt. Warum gehen Sie darauf nicht ein? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie sagten in der Runde, dass durch die Agenda 2010 die Arbeitslosigkeit 2006 und 2007 gesunken sei. Interessierte Bürgerin, aber in ökonomischen Fragen fehlt mir Fachwissen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Oben genanntes Argument ist oft zu hören, wird auch oft bestritten. Meine Frage, welche Maßnahmen der agenda 2010 haben zu diesem Erfolg geführt? Ist es nicht auch so, dass durch Anspringen der Weltwirtschaft, durch größere Nachfrage, die Arbeitslosigkeit, ohne Unterstützung aus der Politik, sinkt? Danke für eine Antwort! Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrte Frau A., in der Tat liegt bei der Weltkonjunktur der Haupteffekt. Das hatte ich bei der Sendung ja gesagt. Indes war diesmal die Belebung am Arbeitsmarkt viel stärker als sonst. Der Zusatzeffekt war eine Million mehr Stellen in Westdeutschland, als es bei einer Wiederholung früherer Aufschwungmuster zu erwarten gewesen wäre. Auf unserer Homepage finden Sie mehr dazu. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe eine Frage an Sie bezüglich der Pleitewelle in Deutschland. Wenn ich z. B. nur den aktuellen Fall "Quelle" (ca. 7000 Mitarbeiter) und den Fall "Karmann" (weitere 800 von einst 7000 noch vor 5 Jahren, bleiben noch 800 Mitarbeiter übrig) hier in der Region nehme, wie verheerend wird sich dies in 1o, 15, 20 Jahren auf die (Renten)-sozialkassen auswirken ? Ich sehe da dramatische Anforderungen auf die Sozialhilfekassen auf uns zu kommen. Wie wird der Staat diese Mittel aufbringen können ? Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr D., uns stehen in der Tat schwierige Zeiten bevor. Allerdings belasten die Pleiten von heute die Zukunft nur in dem Maße, wie die Arbeitslosengelder von heute durch Schulden bezahlt werden. Der Wegfall der Arbeitsplätze selbst ist nur dann ein Problem für die Zukunft, wenn er nicht durch neue Arbeitsplätze ersetzt wird. Das war in der hundertfünfzigjährigen Geschichte der Industriegesellschaft aber noch immer der Fall gewesen. Am besten wäre es natürlich, Quelle hätte die Kurve rechtzeitig gekriegt und könnte überleben. Aber so ist es nun mal nicht. Quelle nun mit Staatsgeldern zu retten wäre ein großer Fehler. Das könnte ein Fass ohne Boden werden. Quelle hatte sich offenbar überlebt. Die Firma hat den Wandel zum Internet total verschlafen und wurde von Wettbewerbern verdrängt. Dort entstehen heute die Arbeitsplätze. Überall im Land entstehen zum Beispiel derzeit neue Verteilerzentren und Lagerhallen für Amazon. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es redet sich so dahin, wenn man einfach behauptet, die Steuern müssten runter, um die Kaufkraft zu stärken. Wenn dann am Ende stolz verkündet wird, in Höhe von 20 Milliarden Steuern zu senken, sind das letztlich pro Bürger auch nur runde 250 Euro pro Jahr. Und das einmalig. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass eine Steuerersparnis von rund 21 Euro pro Monat dazu motiviert, Geld auszugeben? Alles nur Geschwafel, man hört eben hin, weil das ein namhafter Wirtschaftsexperte von sich gibt. Sicher haben Sie Recht, wenn Sie behaupten, wir hätten zu hohe Lohnsteuern; nicht nur das, wir haben insgesamt zu eine hohe Abgabenrate im Vergleich zu anderen europäischen Ländern; und zwar erheblich. Während Arbeitnehmer z. B. in Irland etwa 25 Prozent Abgaben leisten, sind es bei uns um die 50 Prozent; bei Beamten allerdings nur 28 Prozent. Aber ist das ein Wunder? Müssen wir doch alle die mitversorgen, die niemals auch nur einen Cent einzahlen und trotzdem ein Anrecht auf Leistungen haben dürfen. Sie vertreten weiter die Ansicht, die Verbraucher müssten Geld ausgeben, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Wer hat denn die Wirtschaft in den Dreck gefahren - doch nicht die Verbraucher? Unternehmen sollten investieren, neue Maschinen kaufen und Gebäude bauen? Wie schlau? Warum sollten Unternehmen so etwas tun, wenn keine Aufträge da sind, die die Finanzierung sichern? Sicherlich wären neue Gebäude sinnvoll; aber nur als Abschreibungsmodelle. Das hilft der Wirtschaft auch nicht weiter. Was nutzen denn so zu schaffenden Arbeitsplätze? Wenn Haushalte und Firmen zu viel sparen, müsse sich der Staat verschulden, meinen Sie? Ich meine, dann muss auch der Staat sparen. Dann gibt es eben keine neuen Stadtschlösser, Hauptbahnhöfe oder sonstige Prunkbauten. Da kann man eben Beamten großzügig Sozialleistungen und Pensionen spendieren oder Abgeordneten Luxusdiäten und -pensionen spendieren. Wenn Haushalte und Firmen sparen, hat das sicher Gründe, sowohl privat als auch unternehmerisch. Wer will schon gern in die Insolvenz? Im Übrigen sollten Haushalte sparen, wenn es nach den Politikern geht - nämlich fürs Alter Vorsorge treffen! Erstaunlich auch, dass bei jeder prekären Situation sofort irgendwelche Experten nach vorn stürmen und ihre Weisheiten zum Besten geben wollen - natürlich i.d.R. im Sinne der jeweiligen führenden Politiker. Man möchte doch recht lange "dazugehören" und vom Kuchen eine möglicht große Scheibe abbekommen. Für mich ist das mehr Heuchelei als der Sache dienlich zu sein. Wer hat uns denn in den ganzen Schlamassel hineingeritten? Die Bürgerinnen und Bürger bestimmt nicht - eher größenwahnsinnige und geldgierige Politiker? Zumal wir von den ewigen, später dann aber nicht eintretenden Wirtschaftsprognosen langsam die Nase voll haben sollten. Das ist meine Meinung!
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Meinung. Aber bedenken Sie bitte, dass wir derzeit die bei weitem schlimmste Rezession der Nachkriegszeit überwinden müssen. Dazu haben die Staaten der westlichen Welt ein Verschuldungspaket von 1.4 Billionen Dollar geschnürt. Ohne die Verschuldung hätte die Krise einen Verlauf wie 1929 bis 1932 nehmen können. Der Anfang, die ersten 11 Monate, war identisch, doch dann konnte die Wirtschaft abgefangen werden. Eine Verschuldung von zusätzlichen 1% des BIP, wie ich sie vorschlug, erspart uns mindestens etwa 1% Schrumpfung, wahrscheinlich noch mehr. Sie tritt hinzu zu der automatischen Verschuldung wegen der höheren Arbeitslosengelder und der wegbrechenden Steuerereinnahmen. Übrigens ist die Steuersenkung nicht einmalig, sondern dauerhaft. Der genannte Betrag bezieht sich auf ein Jahr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Die Diskussion von Herrn König vom 19.10. wird hier fortgesetzt) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken einen Wachstumszwang impliziert. Geschäftsbanken verleihen Kredite an den Staat oder private Unternehmen und wollen Ihr Kapital zuzüglich Verzinsung zurück, um es dann erneut zu verleihen. Um die Rückzahlung plus Zinsen bezahlen zu können, muß die Wirtschaft gesamtheitlich wachsen. Dauerhaftes exponetielles Wachstum erscheint mir aber in einer Welt mit endlichen Ressourcen nicht dauerhaft möglich. Würde man den Geschäftsbanken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung nehmen, wodurch sich die Gewinne der Notenbanken vergrößern, könnte der Wachstumszwang abgemildert werden, weil die Zinsgewinne der Notenbank in den Staatshaushalt eingehen und somit nicht wieder erneut als Kredit in den Wirtschaftskreislauf geschleust werden. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Zinsen kann es auch in einer stationären Wirtschaft geben. Ihre Grundannahme ist deswegen leider falsch. Richtig ist, dass der Staat mehr Geldschöpfungsgewinne hätte, würde man den Giralbanken die Möglichkeit der Geldschöpfung nehmen. Aber ein angeblich vorhandener Wachstumszwang wird dadurch nicht gemildert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre schnelle Antwort. Tatsache ist, dass ich auch kein Lagervertreter bin; ich bin von meinen Wurzeln her Sozialdemokrat, und von meiner Qualifikation her mit Dr. Brauckseipe vergleichbar. Die Schwierigkeiten, andere Lösungen als die fortgesetzte Staatsverschuldung gegen den Zeitgeist einer eher konstruktivistischen Gesellschaft zu vertreten, haben natürlich auch - mehr oder weniger subtile - Rückwirkungen auf die Kommunikatoren. Daher meine Besorgnis einer schleichenden Sozialdemokratisierung, die ich allerdings auch bei den konservativen Parteien sehe. Nur - im Gegensatz zu Ihnen sehe ich fast gar keine Möglichkeiten, mit Staatskonsum einen selbsttragenden Aufschwung zu erreichen, unabhängig ob noch weitere schwere Krankheitsherde bestehen. Ich habe auf die verschiedenen US-Autoren verwiesen, die zur Weltwirtschaftskrise geschrieben haben. Auch wenn der staatliche Konsum das Gegenwartseinkommen erhöht, zeigt es sich als strittig, dass der Staat besser weiß, was die „richtige“ Spar- und Konsumquote ist. Sicher ist es angebracht, den Zusammenbruch des Bankensystems politisch zu verhindern. Aber überall, wo sich Regierungen in Krisen gestaltend/ fördernd etc. einmischen, klingen die Intentionen zwar nobel, aber die Hilfeleistungen entpuppen sich vorrangig als die biederen Instrumente der politische Ökonomie - und bezogen auf das GDP fallen die Ergebnisse viel bescheidener aus. FDR`s Nachfrage-Politik war, an der Macht zu bleiben, dass war die Realität seiner Ausgabenprogramme, „pork barreling“ in einzelnen Stimmbezirken, und speziell auf ihn bezogen „buying votes by buying boates“ (er ließ - ein Navy-Präsident - Schlachtschiffe bauen). Was nicht davor schützte, dass die Situation 1938 (US-Arbeitslosenquote 18%) immer noch ohne signifikante Fortschritte war. Zu dieser Zeit deutete sich sogar eine „Entfernte Verwandtschaft“ (Wolfgang Schivelbusch) zwischen dem Hitler-Regime und Roosevelt`s USA an, nicht nur was die Erfolglosigkeit der Politiken anbetrifft. FDR hätte die Wahl 1940 gegen den republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten Wendell Willkie verloren, die Amerikaner waren mit seinen Leistungen zunehmend unzufrieden. Nur der in Europa und Asien heiße Krieg ließ ihn im Amt überleben. Auch für das Deutschland der 30er Jahre fehlt jeder Beleg, dass die NS-Keynesianistik einen selbsttragenden Aufschwung herbeiführen konnte. Im Gegenteil, die Situationen des Deutschen Reichs war Ende 1938 nach 5 Jahren fortgesetzter deutlicher Haushaltsdefizite (10% p.a.) finanziell so fragil, dass eine weder über inländische noch ausländische Kreditaufmärkte zu schließende Lücke in den Staatsfinanzen bestand. Ein starker Inflationsschub oder mgl. sogar ein Staatsbankrott stand zu diesem Zeitpunkt unmittelbar bevor. Die fehlende Bereitschaft, entgegen dem Reichsbankgesetz Kredite direkt an den Staat zu geben, führte zur Entlassung des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht am 19.01.1939. Die Wirtschaftskrise eröffnete vorrangig Möglichkeiten, die politische Macht-erhaltung bzw. den Machtzugang zu sichern. Man wünscht sich ja geradezu empirische Belege herbei, dass für die Stimulus-Pakete der Multiplikator >1 ausfällt. Aber im Gegenteil, der „tatsächliche“ Multiplikator liegt fast immer im Bereich <1, was bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung - private Investitionen und Beschäftigung - durch staatliche „Nachfrage-Erhöhung“ real vermindert wird. Die Daten aus mehr als 30 Jahren bestätigen nicht, dass die Multiplikatoren staatlicher Konjunkturprogramme den Wert von 1 übersteigen - siehe dazu Barro 2009 - "Stimulus Spending Doesn't Work". http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704471504574440723298786310.html Angesichts dieser Belege erscheint die Aussage tragfähig, dass ohne Hoover`s und Roosevelt`s Konjunkturprogramme die erste WW-Krise kürzer und weniger dramatisch ausgefallen wäre - siehe u.a. Amity Shlaes, "The Forgotten Man". Mir fällt es daher schwer, Ihre nachfrageorientierten Therapievorschläge nach zu vollziehen. Mit kommt dieser Ansatz vor wie eine mittelalterliche Behandlung, bei dem der Patient (finanziell) zur Ader gelassen wird und daran gesunden soll, faktisch wird er jedoch weiter geschwächt. Ich weiß auch, dass die Behandlung einer Grippe ohne Arzt sieben Tage dauert, mit Arzt dagegen eine Woche. Ich fürchte, mit diesem Therapieansatz - jenseits einer Evidenz-basierten-Medizin - jedoch im allgemeinen Tenor [Pardon] eines sozialdemokratischen Politikverständnisse werden wir noch um 2020 gegen die Auswirkungen dieser Krise ankämpfen. Mit freundlichen Grüßen nach München – Ihr – Bernhard Hamilton P.S. Jederzeit offen für eine linkliste zu Papers, die belegen, dass der Staatsausgaben-Multiplikator > 1 ausfällt.
Sehr geehrter Herr Hamilton, die häufigsten Werte für den Multiplikator, etwa durch Blanchard berechnet, liegen bei 0.8, sind also in der Tat kleiner 1, wie Sie es sagen. Indes sind diese Multiplikatoren für nahezu gleichgewichtige Ökonomien außerhalb der Krise berechnet, wo alle möglichen Crowding-Out-Mechanismen greifen, die den Multiplikator begrenzen. In der Krise könnte der Multiplikator sehr viel höher sein. Aber auch ein Wert von kleiner als 1 besagt nicht das, was Sie sagen. Ich zitiere Sie: Aber im Gegenteil, der „tatsächliche“ Multiplikator liegt fast immer im Bereich <1, was bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung - private Investitionen und Beschäftigung - durch staatliche „Nachfrage-Erhöhung“ real vermindert wird. Diese Aussage stimmt nicht. Vielmehr ist die Erhöhung der Wirtschaftsleistung so lange als solche gegeben, wie der Multiplikator über Null liegt. Erst wenn er negativ ist, schrumpft die Wirtschaftsleistung, wie Sie vermuten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Vielen Dank für Ihre Beiträge zur gestrigen Phönix-Runde. Sie, als „neoliberaler Papst“ (im Wortgebrauch der Linkspartei) haben es besonders schwer, weil auf Sie die Aggressionen der Linken, fast einer ganzen Gesellschaft mit strukturell linker Mehrheit - auf Sie personifiziert werden. Ich finde das ist nicht unwichtig, wenn es zur Betrachtung Ihrer Argumentation kommt. Denn ich bin mehr als überrascht, dass Sie als Protagonist eines großen Staatsdefizits auftreten. Gerade vor dem Hintergrund der ersten Weltwirtschaftskrise erscheint diese Maßnahme doch diskussionswürdig. Setzt man ein solches Instrument ein, dann müsste auch eine keynesianische Krise vorliegen. Unbestritten, dass die Weltwirtschaft einen starken exogenen Schock hinnehmen musste. Aber gleichzeitig sind in diesem Modell etliche Aspekte fragwürdig. Günstiges Geld steht zur Verfügung aufgrund der hohen Sparleistung, das Zinsniveau ist niedrig wie lange nicht mehr. Der Schlussfolgerung, dass nun durch Staatskonsum die Nachfrage belebt werden müsse, fehlt das Fundament. Denn, wenn zu wenig Arbeitsplätze da sind, gleichzeitig aber mehr als genügend Geld, dann müssen die Gründe für die niedrige Beschäftigung und das schwache Wachstum an anderer Stelle gesucht werden. Und das wäre viel weniger die Nachfrage, sondern primär die Investitionen. Sie haben in früheren Veröffentlichungen häufiger davon geredet, dass die Gewerkschaften auf dem Arbeitsmarkt keine beschäftigungsförderlichen Löhne vereinbart haben. In Bochum kämpft ein OPEL-Werk um das Überleben, dessen Personalstundensatz mit ca. 34€ ungefähr viermal (!) so hoch ist wie in Gliwice (Polen) mit ca. 8€. Deutschland liegt mit seinen Lohnkosten, im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes, an 3. Stelle weltweit - noch. Gleichzeitig gibt es keine nennenswerten deutschen Consumer-Electronic-Hersteller mehr, die wenigen Fachkräfte des Elektrotechnik-Bereichs werden quasi überall gebraucht. Ein Freund, beschäftigt bei Siemens-BenQ, wurde mit der Einstellung der Handyproduktion arbeitslos, fand jedoch einen Monat später Arbeit bei NOKIA in Bochum und nach der Schließung dieses Werkes war er wiederum nach einem Monat in einem neuen - guten - Beschäftigungsverhältnis. Ihre Nachfrage-Argumentation übersieht die Rigiditäten, die sich auf dem Arbeitsmarkt ergeben haben: Am Anfang dieses Jahres wurden wir an vielen Stellen mit Forderungen von 8%-Steigerung überrascht. Natürlich fallen dann immer mehr wenig Qualifizierte und Ältere aus der Beschäftigung. Wenn die Freiheit der Vereinbarung von Arbeitsentgelten bestehen lässt, dann muss auch die Verantwortung daran gekoppelt sein - was sie nicht ist. Die Flexibilität der Löhne ist nicht gegeben, das ist eine der härtesten Rigiditäten. Wir haben hier einen ganz anderen Faktor für die Dauer-Arbeitslosigkeit in Deutschland als den Nachfragemangel. Ganz ähnliches Verhalten zeigte sich in den USA in der Folge der ersten WW-Krise. Die Gewerkschaften nutzten ihre Verhandlungsmacht, um trotzdem noch hohe Lohnzuwächse durchzusetzen. Weder die protektionistischen Maßnahmen noch die vielfältigen Eingriffe durch Hoover und FDR führten zu einer Lösung des Problems - trotz hoher Staatsdefizite sowohl unter Hoover wie unter Roosevelt. Ich darf daran erinnern, dass 1938 die Arbeitslosenquote in USA immer noch 18% betrug - nach mehr als 6 Jahren „New Deal“, trotz einer für damalige Zeiten vergleichbar immensen Verschuldung. Das deficit-spending, der vermehrte Staatskonsum war damals keine adäquate Reaktion auf die Krise. In den USA wurde sicher keine „Parallelpolitik“ betrieben, und gleichzeitig blieb die schreckliche Situation unverändert. Im Gegenteil, der überbordende Staatseinfluss verlängerte und vertiefte die Situation sogar noch weiter (siehe dazu: Shlaes, Higgs, Rauchway, Murphy, früher schon - Rothbard). Ihre Nachfragemangel-Argumentation lässt sich historisch nicht validieren. Die unglaublich geringe Investitionsquote in Deutschland hat zuallererst eine mikroökonomische Ursache (ebenso wie die wachsende Sozialquote). Die Beschäftigung ist primär von der Investitionstätigkeit abhängig. Wir kämpfen ja nicht allein gegen den Zuwachs an Arbeitslosigkeit durch diese Krise, sondern gegen die hohe Sockelarbeitslosigkeit, die sich in Deutschland trotz mehr als 30 Jahren ungebrochener Staatsverschuldung eingestellt hat. Meiner Ansicht nach geht Ihre Differentialdiagnose auf wesentliche Aspekte nicht (mehr) ein, die sie früher noch vertreten haben - ich bedaure, sagen zu müssen, dass Ihre Argumentation sich sozialdemokratisiert hat. Angesichts des öffentlichen Drucks auf Sie könnte man diesen Umschwung durchaus verstehen - aber ich fürchte, er vermeidet die Auseinandersetzung mit den wirklich umstrittenen Themen und ist nicht sachgerecht. Mit freundlichen Grüßen - Bernhard Hamilton
Sehr geehrter Herr Hamilton, ich teile Ihre Auffassung bezüglich der Lohnrigiditäten voll und ganz. Sie sind der Grund für die strukturelle Zunahme der Arbeitslosigkeit während der letzten Jahrzehnte. Dazu schreibe ich mir ja beständig die Finger wund. Nur dürfen Sie nicht übersehen, in welcher Situation die ganze Welt seit einem Jahr steckt. Dies ist die bei weitem schärfste Rezession der Nachkriegszeit mit geradezu dramatischen Nachfrageeinbrüchen. Alle, aber auch wirklich alle Institutionen, die den Prozess aus ökonomischer Sicht kommentiert haben, ob Sie nun den IMF, die Weltbank, die deutschen Institute oder die Zentralbanken der USA oder der EU nehmen, sehen das gleich. Man kann unter schleichendem Siechtum leiden und sich gleichzeitig das Bein brechen. Das ist die Situation von Deutschland heute. Das Bein muss geschient werden, und gleichzeitig muss das Siechtum bekämpft werden. Konkret muss man mit keynesianischem Deficit Spending die Wirtschaft vor dem Absturz retten und den Arbeitsmarkt von seinen Lohnrigiditäten befreien. Ein Großteil der Diskussion gestern ging um die Lohnrigiditäten, und da habe ich Ihre Position doch voll und ganz vertreten. Ich verstehe deshalb nicht, wo Sie die Sozialdemokratisierung meiner Argumentation sehen. Ich bin doch kein Ideologe, der grundsätzlich dieselbe Medizin verschreiben will, egal welche Krankheit der Patient hat. Kommentare wie Ihren kriege ich von Seiten der Linken übrigens spiegelbildlich. Offenbar möchte man mich in Lagern verorten und ist irritiert, wenn ich da nicht hineinpasse. Das erfüllt mich in gewisser Hinsicht mit Genugtuung, denn nichts fände ich schlimmer, als in einem politischen Lager verortet zu werden. Ich habe übrigens die keynesianischen und die angebotsorientierten Probleme immer zugleich im Blick gehabt und die Marktfehler wie die Leistungen des Marktes gleichermaßen betont. Das können Sie an meinem Schriftenverzeichnis unschwer erkennen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Sie haben - bezogen auf Ihr Beispiel - recht. Dort tragen Bankaktionär und Gläubiger ein identisches Risiko: In einem Zustand ergibt sich eine positive Rendite von 6 %, im anderen Zustand ein Totalverlust. Dies ist jedoch nur ein Randfall. In der Realität dürfte es auch Zwischenschritte gegeben, etwa die Kombination "Totalverlust für den Aktionär und teilweiser Verlust für den Gläubiger". Hier sollte es sodann zu einem Auseinanderfallen von Gesamtkapital-Rentabilität (operative Rendite) und Verzinsungsforderung der Gläubiger und - in der Folge - zum klassischen Leverage-Effekt kommen. Vermutlich sind aber derlei Feinheiten - und auch das von mir genannte Zusammenspiel von Renditeforderungen und Marktwerten - in einem, auf ein breiteres Publikum abzielenden Buch nicht statthaft. Besten Dank für die Diskussion und viele Grüße! Josef Schosser
Anmerkung des Moderators: Das ist eine Antwort von Herrn Dr. Schosser auf den Beitrag vom 13. Oktober 2009
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was halten Sie von folgenden Vorschlägen: 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung. 2. die Beendingung jeglicher Bandkengeldschöpfung (Giralgeldschöpfung) 3. die schuldenfreie Inumlaufbringung neuen Geldes z.B. durch öffentliche Ausgaben. Es gibt eine Initiativerklärung auf folgender Internetseite: www.monetative.de , welche auch von verschiedenen Volkswirtschaftsprofessoren unterstützt wird. Müßte unser Geldsystem nicht grundlegend verändert werden? Wie stehen Sie dazu? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, dem Bankensystem die Möglichkeit der Geldschöpfung zu nehmen ist eine Möglichkeit zur Vergrößerung der Geldschöpfungsgewinne der Notenbank, die vielfach ernsthaft diskutiert wurde. Ich sehe allerdings keinen Zusammenhang mit der Krise. Die Mechanismen, die zur Krise geführt haben, sind anderer Natur. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn,etwas spät über BR-Alpha bin ich auf ihr Buch "Kasino Kapitalismus" aufmerksam geworden. Heute sofort gekauft.Die Seiten 89-92 sind für mich ein hochgradiges DE ja-vu Erlebnis. In all den deutschen Talk-Show über die Finanzkrise hört man einen solchen Schwachsinn, wieso kennen diese selbsternannten Experten eigentlich nicht ihr Buch? Was noch fehlt ist eine Analyse 10 Jahre SPD-Finanzpolitik in Deutschland, bevor hier die Legendenbildung einsetzt. Mit besten Grüßen Friedhelm Frank
Sehr geehrter Herr Frank, vielen Dank für Ihre Zeilen. Ja, in der Tat fragt man sich manchmal, warum so viele Leute nicht zum Kern der Sache vordringen wollen, sondern im Nebulösen herumargumentieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich lese gegenwärtig Ihr Buch "Kasino Kapitalismus". Die Ausführungen in Kapitel 4 zum Theorem von Modigliani und Miller erscheinen mir etwas unscharf. Mit zunehmender Verschuldung steigen die Renditeforderungen (=Verzinsungsansprüche) der Fremdkapital-Geber. Sofern das operative Geschäft nicht verändert wird (d.h. die Gesamtkapital-Rentabilität unverändert bleibt), geht damit dennoch eine Erhöhung der Eigenkapital-Rentabilität einher! Die Irrelevanz - aus Sicht der ursprünglich nicht oder geringer verschuldeten Unternehmung - kommt dadurch zustande, dass aufgrund der höheren Verzinsungsforderungen der Anspruchsgruppen die Summe der "Verkaufswerte" von Eigen- und Fremdkapital sich nicht ändert. Wichtig für die Beurteilung der Finanzierungspolitik ist also die Vermögensposition der Alteigentümer vor und nach der Emission von (zusätzlichen) Verbindlichkeiten. Wie so häufig führt das Denken in Renditen in die Irre! (formal unübertroffen: Jochen Wilhelm (1985), Arbitrage Theory). Noch ein Hinweis zur Literatur: Zweckmäßiger erscheint mir die Angabe des grundlegenden Aufsatzes: Modigliani / Miller: The cost of capital, corporation finance, and the theory of investment, American Economic Review, 48 (1958), S. 261-297. Viele Grüße Josef Schosser
Sehr geehrter Herr Schosser, vielen Dank für den Kommentar. Die Literaturverweise in den Fußnoten sind ja tatsächlich falsch. Ich hatte Mitarbeiter gebeten, die Quelle für MM einzutragen, und dann nicht aufgepasst. Ich bin aber wegen der fehlenden Kontrolle selbst verantwortlich. Was Ihren Hinweis auf die trotz MM steigende Eigenkapitalrendite betrifft, hoffe ich, die Unklarheit mit dieser Formulierung ausräumen zu können, die ich in der nächsten Auflage des Kasino-Kapitalismus verwenden werde: "Danach würde die mittlere Eigenkapitalrendite gar nicht steigen können, wenn fremdfinanzierte Banken ins Risiko gehen, weil der Anstieg des Zinssatzes, den sie für das Fremdkapital zahlen müssen, jedweden Vorteil zunichte machen würde. Konkret würden die Gläubiger von der Bank im obigen Beispiel eine nominelle Rendite von 6% verlangen, wenn die Bank sich für die riskante Strategie entscheidet, um im Mittel immer noch 5% zu erhalten (von einer möglichen Risikofurcht einmal abgesehen, die noch höhere Zinsforderungen begründen würde). Aber dann kämen die Bankaktionäre auch nur auf eine Maximalrendite von 6% und eine mittlere Rendite von 5%. Dem Geschäftsmodell wäre also der Boden entzogen." Sie schreiben, das Leverage würde die Risikoprämie auch erhöhen, wenn MM gilt. Richtig ist diese Aussage für den Fall, dass die Gläubiger sich mit einer kleineren erwarteten Rendite als die Aktionäre begnügen. Doch wenn die informierten Aktionäre die gleiche erwartete Rendite wollen wie die Aktionäre, und das sollte man ja wohl unterstellen, stimmt sie nicht. Das können Sie anhand meines Zahlenbeispiels leicht nachrechnen. Wenn der nominale Zins, der den Gläubigern geboten wird, 6% ist, erzielen sie und die Aktionäre im Mittel immer 5%, egal wie hoch die Schuldenquote ist. Obwohl Ihre Kritik also in diesem Punkt nicht unbedingt stimmt, hat sie mir aber doch sehr geholfen, denn mein Absatz war nicht scharf genug formuliert, weil er allgemein vom fehlenden Vorteil des Leverage bei Gültigkeit des MM-Theorems sprach, während ich doch eigentlich vom fehlenden Vorteil des Risk Taking bei gegebenem Leverage sprechen wollte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, erlauben Sie mir einige Anmerkungen zu Ihrem Statement in der FTD: Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts: "Noch nie waren die Schwierigkeiten, denen sich eine neue Bundesregierung gegenübersah, so groß wie heute. Arbeitslosigkeit, Finanzkrise und Staatsschulden bilden eine schwer beherrschbare Gemengelage. Ich hoffe auf eine Fortsetzung der Agenda 2010, um den Arbeitsmarkt noch weiter in die Richtung des aktivierenden Sozialstaates zu verändern." Die Herausforderungen sind in der Tat immens und noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik werden wir wohl mit einem derart massiven Problemgeflecht auf verschiedenen Feldern parallel konfrontiert. Ich konzentriere mich allein auf einige aktuelle Aspekte zum Thema Arbeitslosigkeit, das schon wegen des Regierungswechsels wohl wie kein anderes im Feuer der politischen Auseinandersetzung schon der nächsten Monate stehen dürfte: 1. Die Agenda-Politik war und ist m.E. im Grundsatz zwar weiterhin richtig, sie erfordert heute allerdings deutliche Neujustierungen (eine "Monstranz" Hartz IV nutzt keinem). Z.B. ist die "Klasseneinteilung" in ALG(I) und ALGII bzw. BA und ARGE, für "Harz IV"-Empfänger diskriminierend und zugleich kontraproduktiv, weil sie deren Arbeitsmarktchancen (nämlich als "ausgewiesene" Arbeitssuchende zweiter Klasse) mindert. Zudem setzen die Zuverdienstregelungen des ALG II falsche Anreize (vgl. anders das Konzept "aktivierende Sozialhilfe" des ifo). Berücksichtigt man hier z.B. weiter, dass im Niedriglohnbereich Werbungs- und Sonderausgabenabzüge mangels Steuerpflicht zumeist nicht wirken (schon die zuwachsenden Fahrtkosten konterkarieren nicht selten bereits Brutto-Mehreinkommen), überrascht nicht, dass Arbeitslose (zu) lange Leistungsempfänger bleiben, bis sich eine Erwerbtätigkeit vermutlich nachhaltig (!) lohnt. Solche (und andere) Inkonsistenzen im - insoweit auch inflexiblen und inzwischen deutlich bürokratielastigen - Regelwerk SGB II bauen Arbeitslosigkeit daher nicht nicht wie gewünscht - und wie es m.E. möglich wäre (!) - ab (sondern dienen eher der "Arbeitsbeschaffung" für eine wachsende Schar von Sozialrichtern). Hinzu kommt schließlich und (nach meiner nur fallweisen) Beobachtung, dass es hier eine wirklich effektive Arbeitsvermittlung (schon mangels "Mase") nach wie vor nicht gibt (es dürfte die "Delegierung" an Zeitarbeitsfirmen und sonstige Unternehmen überwiegen und zumindest bei einigen (vielen?) dürfte ein Seriositätstest auch nicht uneingeschränkt positiv ausfallen. 2. Die "Neue SPD" wird es möglicherweise als Befreiungsschlag empfinden, das "Schrödervermächtnis Hartz IV" endlich "in die Tonne zu treten". Folglich wird es vermutlich schon in den nächsten Monaten hierüber eine heftige - und hochideologisierte - Diskussion - mit beiden (!) linken Parteien - geben. Das "bürgerliche Lager" wäre hier gut beraten, wenn es diese Diskussion offensiv (also nicht aus einer Verteidigungsposition heraus) führte und dabei zugleich deutlich machte, dass die SGB-II-Systemregelungen stets (!) den Interessen der betroffenen Leistungsbezieher objektiv entsprechen, die von der Solidargemeinschaft unter großen Anstrengungen gewahrt und geschützt werden. Insoweit hat der scheidende Arbeits- und Sozialminister Scholz sogar recht: "Die SPD hat es mit der Reformpolitik der letzten Jahre geschafft, die Grundlagen des deutschen Sozialstaats zu sichern", sagte er. "Aber die Reformen waren - wenn die Bürger ihr eigenes Leben betrachten - nicht immer gut. Das aufzuarbeiten, wird unsere Aufgabe sein." 3. Für diese Neujustierung ALG II ist wissenschaftlicher Support wie übrigens auch umgekehrt die Bereitschaft der Politik notwendig, eine solche Unterstützung anzunehmen. An die Wissenschaft ist indessen zu apellieren, an die bezeichnete "Gemengenlage" interdisziplinär heranzugehen, Wie schon oben erwähnt, sind Systemregelungen im Bereich SGB II nicht allein unter volks(und betriebs-)wirtschaftlichen, sondern zudem (beispielweise) auch unter markt- und verhaltenspsychologischen Aspekten heranzugehen und dabei gleichzeitig effiziente Methoden der - auch stufenweisen - Arbeitsvermittlung bzw. des Coaching zu entwickeln und umzusetzen. Ziel muss dabei auch sein, Akzeptanz bei dieser Zielgruppe zu erreichen. Dabei sind mir die (auch zielgruppenimmanenten) Grenzen durchaus bewusst. Insbesondere eindeutig zu erkennende Gestaltungsfehler sind indessen ebenso konsequent zu korrigieren wie letztlich verhindert werden muss, dass eben diese Zielgruppe zu einem "Neo-Proletariat" und im Übrigen nachhaltigem Reservoir für Parteien und Gruppierungen gepäppelt wird, die bei einer etwaigen Verteidigung der deutschen Demokratie sicher nicht an der Spitze stehen werden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, vielen Dank für die tiefschürfende Antwort. Ich stimme vielem zu, nur nicht Ihrer Kritik an Hartz IV. Hartz IV erzeugt schon zwei Klassen von Arbeitslosen. Das ist objektiv richtig. Aber es ist auch nicht vermeidbar, wenn man die Kosten der Arbeitslosigkeit im Griff behalten und Anreize zur Arbeitsaufnahme bieten will. Die Grundidee ist ja gewesen, die Arbeitslosigkeit etwas weniger komfortabel zu gestalten und dafür die Beschäftigung ein wenig zu bezuschussen. Ich würde die Beschäftigung noch mehr bezuschussen, und damit wären wir dann irgendwann bei der aktivierenden Sozialhilfe, die Sie ja auch wollen. Wichtig ist mir, dass die Bezuschussung durch Hartz IV (bis weit über den Sockel hinaus) die Armutsgefährdung schon heute für geringbezahlte Arbeitnehmer wirksam verhindert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anm. des Moderators: Dies ist eine Antwort von Hr. Dr. Reich auf den Beitrag vom 7.10.2009 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, herzlichen Dank für Ihre Antwort: Die Weiterentwicklung von ALG II zur aktivierenden Sozialhilfe, diese etwa eingebettet in ein "Bürgergeld" als negative Einkommensteuer wäre der Weg, den ich prinzipiell versuchen würde. Im Zentrum stehen dabei in der Tat die Anreize zur Arbeitsaufnahme bzw. die Beseitigung von Inkonsistenzen, die das erschweren (ein "Aufstocker", der "auf dem flachen Land" mit dem Auto monatlich 1.000 Km zur Arbeitsstelle fahren müsste, kann eine Arbeitsaufnahme schlichtweg nicht "rechnen"). Jedenfalls gefällt mir nicht, dass "Hartz IV" (namentlich von der Politik) nicht selten nur noch als Monstranz hochgehalten wird (und sich daraus übrigens auch eine durchaus nicht ungefährliche politische Statik entwickelt hat). Schließlich steht insoweit der "Lackmustest" der Agenda 2010 noch aus. Denn die positive Arbeitsmarktentwicklung der Jahre 2005 bis 2008 ergab sich ja auf dem Boden einer deutlichen konjunkurellen Aufwärtsbewegung. Das wird in den Jahren 2010 bis 2012 - siehe auch Prognose ifo - vermutlich ganz anders sein. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, klar, der Test geht weiter. Aber im Aufschwung wurde erstmals das bisherige (seit einem Drittel Jahrhundert geltende) Muster durchbrochen, dass die Sockelarbeitslosigkeit im Westen von Boom zu Boom um 800.000 Personen stieg. Sie fiel stattdessen um 200.000. Macht 1 Mio Extrajobs, die nicht durch die Konjunktur zu erklären sind. Außer der Agenda fällt mir nichts ein, was die Ursache hätte sein können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bin wie Sie der Meinung, dass sich der Staat in der heutigen Lage an den Geschäftsbanken temporär beteiligen sollte, um die Eigenkapitalausstattung dieser, zu verbessern. Ich finde es aber nicht plausibel, dass Geschäftsbanken sich derzeit zu günstigen Konditionen mit Zentralbankgeld eindecken können, für welches sie dann zum Beispiel wieder Staatsanleihen kaufen. Solche risikolosen Zinsdifferenzgeschäfte stellen versteckte Subventionen für Geschäftsbanken auf Kosten des Steuerzahlers dar. Ich bin der Meinung, dass sich die Regierungen generell kein Geld vom privaten Kapitalmarkt leihen sollten, sondern nur direkt bei der Zentralbank. Da die Zinsgewinne der Zentralbank dann wieder in den Bundeshaushalt eingehen, hätte der Staat sich das Geld dann faktisch zum Nulltarif geliehen. Das Argument, das dann keine Geldwertstabilität gewährleistet sei, halte ich nicht unbedingt für bewiesen. Ich denke hier müssten Kontrollmechanismen eingebaut werden, welche verhindern, das die Staaten sich hemmungslos Geld bei den Zentralbanken leihen können. Die enormen Staatsverschuldungen in der Welt, welche stetig ansteigen und meiner Meinung nach System bedingt sind, zeigen, dass hier Systemveränderungen angebracht wären. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, hier erwähnen Sie einen wichtigen Punkt, auf den man stärker hinweisen sollte, in der Tat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, hat die Hartz IV Gesetzgebung zu einem Mehrwert für die Volkswirtschaft geführt oder wurde nur die Arbeit im Billiglohnsektor auf mehr Köpfe verteilt, die dann entsprechend weniger verdienen?
Sehr geehrter Herr Böhme, die Arbeit wurde definitiv nicht auf mehr Köpfe verteilt, sondern es wurde mehr gearbeitet und ein höheres Sozialprodukt erzielt. Deutschland kam nach langen Jahren aus seiner europäischen Schlusslichtposition beim Wachstum heraus und hat sich bis zum Durchschnitt vorangerobbt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der Bundestagswahl ist die Tür nun offen für eine Steuerstrukturreform. Das Konzept der FDP halte ich für gut, nur leider fehlt mir im Geringverdienerbereich die Einführung einer Negativsteuer. Warum ist dieser Ansatz im FDP Konzept nicht vorhanden? Welche Bedenken gibt es gegenüber dem jetzigen Zuschusssystem?
Wenn ich nur wüsste, warum die FDP das nicht aufnimmt. Aber vielleicht tut sie es ja doch, ohne es an die große Glocke zu hängen. Warten wir ab. Da ich mit der Partei nichts zu tun habe, weiß ich es nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Herr Prof. Hans- Werner Sinn hat in seinem bis heute unübertroffenen Buch “Kasino_Kapitalismus” eine erste hervorragende und verständliche Analyse und Vorschläge zur Finanzmarktregulierung abgeliefert. Ich verstehe nun aber nicht weshalb weiterhin widersprüchliche Aussagen über grundlegende Weiterentwicklungen einer Regulierung der Banken und Finanzen bestehen. Ich ziehe daraus den z.Zt. vereinfachten Schluss, dass die tatsächlichen Ursachen (nicht die Auslöser) der Krise noch weitgehend im Dunkel liegen. Daher sollte man doch alle DEMOKRATISCHEN ORGANE drängen zu mehr Aufklärung zu kommen, insbesondere vermute ich, dass die Judikative erhebliche Defizite hat, da es sicher noch erheblich mehr strafbare Vergehen im Dunkeln gibt, die über eine Steuerhinterziehung hinausgehen und die Legislative sollte doch noch parlamentarische Ausschüsse bilden um Ursachen zu finden. Danach können bessere Regulierungen gefunden werden, die von allen Ökonomen unterstützt werden können, dann weis man dort auch, ob Inflation oder Deflation droht? Sollte ich mich da so sehr täuschen. Gerne würde ich insbes. Herrn Sinn fragen.
Sehr geehrter Herr Klös, haben Sie vielen Dank für die Anfrage. Ich sehe die Probleme nicht im strafrechlich relevanten Bereich, sondern im Regulierungsrahmen. Insofern kommt man mit einer Aufklärung im Sinne von Untersuchungsausschüssen nicht weiter. Meines Erachtens liegen die Gründe doch offen zutage, wie ich in meinem Buch ausgeführt habe. Man muss jetzt meine politischen Empfehlungen umsetzen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
HB 10.09.09 - IHR GASTKOMMENTAR „WELTMEISTERSCHAFT AUF PUMP“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Stellungnahme! Aus der Sicht der Sozialhaushalte haben Sie natürlich völlig Recht, dass Lohnzuschüsse keine Subventionen sind, aus der Sicht der Unternehmen verhält es sich jedoch anders. Lohnzuschüsse sind hier Subventionen genau wie Zuschüsse zu Treibstoffen, oder zinsgünstige Kredite. Das ist eine Verzerrung der Wettbewerbssituation und wird über kurz oder lang die EU-Organe auf den Plan rufen. In historischer Betrachtung haben sich moderne, d.h. in der Regel kapitalintensive Industrien langfristig der lohnintensiven Fertigung überlegen gezeigt. Um in der globalen Wirtschaft mithalten zu können, muss Deutschland als Hochlohn- land kapitalintensiv arbeiten. Hätten wir rechtzeitig Maschinen entwickelt, die Mobiltelefone computergesteuert montieren, wären zwar bei Nokia in Bochum Arbeitsplätze weggefallen, die Wertschöpfung aber in Deutschland verblieben. So wird für vielleicht zehn oder zwanzig Jahre in Rumänien montiert, bevor automatische Anlagen entwickelt und in Betrieb genommen werden. Gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung muss Deutschland schon jetzt die Weichen für eine kapitalintensive Produktion stellen um mit weniger Beschäftigten weiterhin Wachstum zu erzielen. Einmal braucht die technologische Entwicklung ihre Zeit, weiter müssen die Unternehmen Gelegenheit haben, sich in ihrer Kapitalstruktur darauf einzustellen. Lohnzu- schüsse würden hier kontraproduktiv wirken, da sie den Innovationsprozess hemmen. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, wie recht Sie doch haben. Nur, man kann alles übertreiben. Da wir eine Marktwirtschaft haben, passiert genau das, was Sie beschreiben von allein durch den Markt, wenn man ihn lässt. Wenn man ihn nicht lässt und die Löhne noch über das hohe Niveau hinaus erhöht, das sie in Deutschland sowieso gehabt hätten, dann gibt es zu viel Kapitalintensivierung. Sie können mir glauben, der Punkt ist ökonomisch sonnenklar, sogar duch die Nobelpreise von Arrow und Debreu untermauert. Das richtige kommt heraus, wenn der Staat nicht in die Lohnstruktur eingreift. Tut er es, wie in Deutschalnd, geht die Spezialisierung zu weit und führt zu Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist das Kriterium, das zeigt, ob die Spezialisierung zu weit ging, denn Spezialisierung auf arbeitssparende Prozess, bei denen die freigesetzen Arbeitnehmer unbeschäftigt bleiben, sind Wohlfahrtsverluste für die Volkswirtschaft. Eine Lohnsubvention ist deshalb ausgehend von der verzerrten Situation, die wir in Deutschland haben, keine Verzerrung, sondern die Aufhebung derselben. Das kann ich nun nicht hier in der Kürze der Zeit nicht für Sie beweisen. Ich kann auch nicht erwarten, dass Sie das Argument als Nichtökonom wirklich in dem Sinne verstehen können, dass Sie davon überzeugt sind. Sie müssen mir insofern also schon vertrauen, so wie wir alle ja auch den Aussagen anderer Fachdisziplinen vertrauen, auch wenn wir die Argumente nur ansatzweise zur Kenntnis nehmen können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, nachdem ich Ihr Buch über das grüne Paradoxon gelesen hatte, war ich geradezu schockiert über die Erkenntnis, dass die mittels des EEG mit zig Milliarden Euro geförderten neuen Energieindustrien keine Reduzierung des CO2-Ausstoßes bewirken, sondern wohl nur eine industriepolitische Maßnahme sind (wegen des parallel laufenden Zertifikatehandels). Falls diese Behauptung stimmt, müsste doch eigentlich ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit und die Parteien gehen, zumindest was den Etikettenschwindel anbelangt, der mit dem EEG betrieben wird. Nach meiner Wahrnehmung hat sich am der öffentlichen und parteioffiziellen (SPD, Grüne) Standpunkt, das EEG als wichtigen Beitrag zur CO2-Reduzierung anzusehen, aber gar nichts geändert. Als ich im Rahmen gelgentlicher öffentlicher politischer Diskussionen im sozialdemokratischen Umfeld auf ihre Einwände hingewiesen habe, traf ich auch unter Experten (Ulrich Kelber, SPD-MdB) auf völliges Unverständnis, Nichtwissen oder Ignoranz. Ich frage mich nun, woran das liegt. Ist Ihre oben beschriebene Behauptung wissenschaftlich womöglich umstritten? (Ich bin Laie!) Oder wie erklären Sie sich die meines Erachtens geringe Wirkung Ihrer Publikation? Mit freundlichen Grüßen, Robert Philips
Sehr geehrter Herr Philipps, meine Thesen sind kaum widerlegbar, auch wenn einige aus ideologischen Gründen sie nicht wahrhaben wollen. Beim Jahreskongress 2009 des deutschen Ökonomenverbandes wurden sie von vielen Ökonomen wiederholt. Es sind ja auch keine Thesen, sondern einfache mathematische Wahrheiten. Politische Wahrheiten respektieren aber keine mathematische Wahrheiten. Wenn zu viele Leute ihr Einkommen einer Ideologie verdanken, siegt die Ideologie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, nachdem Sie die gestrige Diskussionsrunde, zu der die F.D.P. eingeladen hatte, aufgrund eines Anschlusstermins zeitig verlassen mussten, konnte ich zwei Anmerkungen nicht los werden bzw. diese Ihnen nicht als Frage stellen. Es eilt auch nicht aber ich würde mich freuen, bei Gelegenheit Ihr Statement zu den beiden folgenden Punkten zu erfahren: 1. Thema Bad Banks / "Buchhaltertrick": Sie gaben zu bedenken, dass die durch den "marktunüblichen" Verkaufspreis in Verbindung mit der späteren Verlustaus-gleichsverpflichtung bestehende Eventualschuld der abgegeben Bank eventuell als Drohverlustrückstellung zu passivieren wäre. Auch nach HGB (und erst recht nach IFRS) würde dies aber eine hinreichende Wahrscheinlichkeit voraussetzen, dass sich das entsprechende Papier nicht erholt. Ob die Papiere in x Jahren oder bei Endfällig-keit tatsächlich unter dem "Subventionspreis" notieren bzw. fällig werden wissen wir heute nicht - wir befürchten es nur. Gehen wir von Papieren aus, für die es derzeit keinen repräsentativen Marktpreis gibt, die ansonsten aber kein (hohes) Ausfallrisiko aufweisen. Dann wäre der Ansatz einer Drohverlustrückstellung nicht angebracht und der Vorwurf des Buchhaltertricks nicht fair. Natürlich: bei einem echt wertlosen weil ausfallgefährdetem Papier, müsste eine DVRS gebildet werden, um die Risiken transparent und vollständig abzubilden. Ich habe mit unseren Prüfern (für unser Haus stellt sich das Thema aber gar nicht) bislang nicht ausgetauscht - könnte mir aber vorstellen, dass eine Passivierung durchaus geboten sein könnte. Der Brand-melder lässt sich hoffentlich nicht ganz abschalten... Haben Sie hierzu schon nähere Erkenntnisse? 2. Basel-II und Risikoaktiva: Die Finanzmarktkrise steht in meinen Augen in ei-nem unglücklichen zeitlichen Aufeinanderprallen mit den ersten Effekten von Basel-II. Denn in 2007 und 2008 wurden mehr und mehr die RWA- und damit Kernkapital-entlastenden Effekte von Basel-II spürbar. Durch die Ratingmodelle und die abgestuf-te RWA-Anrechnung je nach Rating des Kreditnehmers sanken bei gleichem Ge-schäftsvolumen die RWA (bzw. stiegen die RWA nicht so stark wie das Geschäftsvo-lumen) mit der Folge freiwerdenden Eigenkapitals (für Neugeschäft oder für Aus-schüttungen, da weniger thesauriert werden musste). Jetzt, da die Krise auf die Re-alwirtschaft ausstrahlt und die Ratings der Kreditnehmer schmelzen wie der Schnee in der Märzsonne, schießen die RWA nach oben und die Kernkapitalquoten schmie-ren ab, weil das Eigenkapital unterjährig gar nicht Schritt halten kann - wohl dem, der gerade eine Kapitalerhöhung durchdrücken kann. Basel-II - und bitte, das war vom Regulierer gewollt - soll zu risikoorientiertem Pricing führen, indem es die RWA-Anrechnung und damit die EK-Unterlegung eines Kredits an die Bonität - sagen wir Ertragskraft - des Kreditnehmers bindet. In der Krise wird das zum Bumerang: Durch Rating-Migrationen "konsumieren" Banken Eigenkapital in einem Maße, dass Neuge-schäft (oder Prolongationen) fast nicht mehr drin sind (Sie als Aufsichtsrat unseres Hauses wissen, dass es sich bei uns etwas anders verhält - das ist aber HVB-spezifisch. Andere Banken trifft das aber schmerzhaft). Für mich heißt das pointiert: weg mit Basel-II, das ist genauso Volatilitäts-verstärkend wie Fair Value-Bilanzierung. Teilen Sie meine Ansicht? Wie gesagt - keine Eile. Es hat Spaß gemacht, Ihnen (und natürlich meinem CEO) zu-zuhören. Als Alumnus Ihrer "Nachbarfakultät" kenne ich Sie aus der ein oder anderen Vorlesung, in die ich mich während Studium bzw. Promotion interessehalber gesetzt habe und auch gestern wurden die erwartungen nicht enttäuscht. Einen schönen Tag und beste Grüße, Dr. Martin Hebertinger Hypovereinsbank
Sehr geehrter Herr Hebertinger, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Nur kurz zwei Kommentare: 1. Was Sie schreiben, ist bilanztechnisch richtig. Dennoch handelt es sich um Buchhaltungstricks, denn wenn die Bank für ihre Bad Bank voll und ganz aufkommen muss und alles versicherungsmathematisch korrekt berechnet ist, kann es keine Entlastung geben. Es geht hier wirklich nur um regulatorische Arbitrage mithilfe des Gesetzgebers. 2. Mit der Frage der dynamischen Bewertungseffekte im Rahmen von Basel II habe ich mich in meinem Buch "Kasino-Kapitalismus" ausführlich auseinander gesetzt und komme zu Ihrem Ergebnis. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn! In ihrem Buch "Das grüne Paradoxon" haben Sie sehr viele verschiedene Aspekte beleuchtet. Meiner Meinung verdienen folgende Aspekte eine ausführlichere Betrachtung. 1. Einbeziehung der Ressourcenländer am Umbau zu kohlenstoffarmen Wirtschaft (wie z.B. IRENA in Abu Dhabi, Aufbau von grüner Forschung und Industrie, siehe Masdar) 2. Das enorme Wachstum der Städte in den Golf Staaten und die Entwicklungspläne von Saudi Arabien (dies ist eine Weg der Quellensteuer zu entgehen) Mit freundlichen Grüßen, Markus A. Wischy
Sehr geehrter Herr Wischny, haben Sie vielen Dank für die Mail. Dass die Ressourcenländer auch auf alternative Strategien setzen, sehe ich als Versicherungsstrategie für den Fall, dass der Ölhahn zugedreht wird. Man extrahiert so schnell man kann, weil man vor der Zukunft Angst hat, und investiert in alternative Technologien. Sicherlich würde das Investitionsvolumen in den Ölstaaten steigen, wenn man eine Quellensteuer hätte. Aber der Platz für Investitionen ist begrenzt. Derzeit wird der Löwenanteil der Petrodollars in die westlichen Länder zurückgeführt. Aber Sie haben recht: beide Aspekte sind wichtig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Frage bezieht sich auf das Thema Eigenkapitalzuführung des Staates an notleidende Banken versus Bad Bank-Konzept: In einer Veranstaltung der FDP in München am 29. Juli d.J. sagten Sie, dass Deutschland (im Gegensatz zu USA und GB, oder Schweden Anfang der 90er Jahre) aus ideologischen Gründen eher den Bad Bank-Weg statt den Weg der Kapitalzuführung und Beteiligung geht. Mich würde zum einen sehr interessieren, was Sie mit diesen ideologischen Gründen genau meinten. Zu meiner zweiten Frage: Ich kann die von Ihnen angeführten Vorteile der Beteiligungslösung sehr wohl nachvollziehen. Dennoch frage ich mich, ob das durch das neue Eigenkapital aufgebaute Vertrauen unter den Banken und die daraufhin folgende Anregung des Geld- und Kreditverkehrs nicht dadurch wieder reduziert wird, dass ja die nach wie vor toxischen Wertpapiere bei den einzelnen Banken verbleiben und damit noch lange für Unsicherheit sorgen, da sie ja nicht externalisiert werden. Oder wäre auch eine Kombination beider Wege denkbar? Besten Dank für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Roland Behm
Sehr geehrter Herr Behm, mit den ideologischen Gründen meine ich die Auffassung, dass der Staat sich nicht beteiligen soll, weil Verstaatlichungen in der Vergangenheit problematisch waren, ohne zu sehen, dass es keine wirklichen Alternativen gibt. Eine theoretische Alternative ist, nichts zu machen. Dann schrumpfen sich die Banken gesund und die Wirtschaft kaputt. Eine andere ist, den Banken Geschenke zu machen. Dann verliert der Steuerzahler Geld, und die Banken machen in Erwartung neuer Geldgeschenke immer so weiter. Deswegen geht nur die staatliche Beteiligung. Die Kombination beider Wege ist denkbar. Ich habe nichts gegen die Bad Banks an sich, nur helfen sie meines Erachtens wenig. Man könnte die toxischen Papiere genausogut in den Bankbilanzen lassen und auf ihren Marktwert, der heute bei 30% liegt, abschreiben. Dann wäre auch Klarheit hergestellt. Das dann fehlende Eigenkapital fehlt ja in Wahrheit schon heute, nur sieht man es nicht. Der Staat müsste es auffüllen, und dann wäre das Vertrauen und die Funktionsfähigkeit des Bankensystems mit einem Schlage wiederhergestellt. Allerdings müsste der Staat seine Anteile bei der erstbesten Gelegenheit auch wieder verkaufen, denn er ist ja in der Tat ein schlechter Banker. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Dies ist eine Antwort von Prof. Dr. Hickel auf den Beitrag vom 29.07.09 Lieber Herr Sinn, für Ihre prompte Antwort danke ich Ihnen gerne. Auf mein geplantes Buch kann ich nach der Vorlage Ihres „Kasinokapitalismus“ nicht nur wegen der großen Übereinstimmung sondern auch der ausgesprochen gelungenen didaktischen Umsetzung (einschließlich der Grafiken) gerne verzichten. Mit der Internationalisierung des Begriffs Neoliberalismus auf der Konferenz, die der französische Philosoph Louis Rougie im August 1938 in Paris durchgeführt hatte, haben Sie Recht. Da dieses Ereignis mir nicht präsent war, habe ich die Wissenslücke gestern geschlossen. Dennoch, der Begriff Neoliberalismus als Schelte gegen einen entfesselten Kapitalismus ist weltweit besetzt. Deshalb spreche ich immer vom Ordoliberalismus als das gegenüber dem Neoliberalismus stehende Ordnungsmodell. Wie bisher bereits, ich werde künftig noch stärker betonen, dass die Schöpfer des Ordoliberalismus damit einen staatlich gestaltenden Neoliberalismus wollten. Ihre Hinweise zu Keynes im Kontext der Zunahme der Liquiditätsneigung teile ich uneingeschränkt. Mir geht es jedoch auch darum, seinen Beitrag zur Dominanz der Spekulationen als Kennzeichen des modernen Kapitalismus zu betonen (kaleidoskopischer Keynesianismus). In der Tat, nach meiner Auffassung müssen nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Güter- und insbesondere die Arbeitsmärkte reguliert werden. Konstitutiv für die Regulierung der Arbeitsmärkte ist das Tarifvertragssystem, das das Grundgesetz auf die Tarifvertragsparteien überträgt. Wenn Sie es für sinnvoll halten, können Sie meine Charakterisierung Ihres Buches auch öffentlich kommunizieren. Jetzt wünsche Ihnen einen erholsamen Sommerurlaub. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Hickel
Lieber Herr Sinn, für die Lektüre Ihres neuen Buchs „Kasinokapitalismus“ habe ich richtig viel Zeit eingesetzt. In einem Satz lautet mein Urteil zusammenge¬fasst: Dies ist eine ausgezeichnete Analyse der Ursachen, der Folgen, vor allem aber des sich daraus ableitenden Handlungsbedarfs im Sinne einer strengen Regulierung der Finanzmärkte, insbesondere der Banken. Zu diesem Werk gratuliere ich Ihnen uneingeschränkt. Dabei stelle ich fest, dass sich das Grundmuster Ihres Buches mit den Aussagen der vielen Vorträge, die ich zum Thema seit Anfang letzten Jahres gehalten habe, ziemlich deckt. Gerne überlasse ich Ihnen, wenn Sie es interessiert, mal eine Powerpointpräsentation aus der Vor-Lehman-Zeit“. Einige Hinweise: - Ihre Klarstellung zur Zinspolitik von Greenspan ist wohltuend. Damit räumen Sie mit der Legende von Greenspan als dem Verursacher der Finanzkrise auf. Er musste makroökonomisch für billige Liquidität sorgen. Dass dies die Hypothekenbanken - etwa die Country Wide - bei der Vergabe von Immobilienkrediten schamlos ausgenutzt haben, steht auf einem anderen Blatt. - Die Forderung nach einem Selbstbehalt – etwa von 20% - bei den Banken, die die Wertpapiere (SVI) packen – teile ich voll. Dadurch werden rationale Anreize gesetzt. - Übrigens höre ich soeben von der Pariser Börse, dass dort geplant wird, die Leerkäufe dadurch auszutrocknen, dass die geliehenen Ak¬tien nicht mehr unterhalb des Marktpreises verkauft werden können. - Auch teile ich Ihre Aufforderung, künftig eine Kernkapitalquote vorzuschreiben und bei deren Unterschreitung die betroffenen Banken zur Annahme von staatlichem Kapital zu zwingen. - Schließlich geht es nicht um die Bekämpfung von Gier, sondern um die Sicherung von Spielregeln, die das Austoben von Gier begrenzen. Marx würde wohl sagen: Durch die Gestaltung der Verhältnisse das Verhalten zu beeinflussen. Nach diesem Lob erlauben Sie mir zwei kritische Hinweise: 1. Der Titel Kasinokapitalismus lehnt sich sehr stark an J. M. Keynes an. Auf S. 135 in der neuesten Ausgabe der GT von 1936 heißt es: Wenn durch Spekulationen „die Kapitalentwicklung eines Landes das Nebenerzeugnis der Tätigkeiten eines Spielkasinos wird….“ Aus dieser Stelle habe ich schon vor Jahren den Begriff „Kasinokapitalismus“ für Keynes reserviert. Ein entsprechender Hinweis wäre wichtig. Denn dadurch würde endlich die vor allem in Deutschland durch die Ökonomenzunft dem Theore¬tiker Keynes zugeschriebene Version eines Vulgärkeynesianismus („Hydraulik“) zurückgewiesen. Keynes war einer der ersten Ökonomen, die die überbordenden Spekulationen in Richtung eines kaleidoskopischen Kapitalismus erkannt hat. Gesetze sind kaum noch formulierbar, nur noch die Maserung des Systems lässt sich beschreiben. 2. Ihre Aussagen zu den Ordoliberalen finde ich wichtig. Mit dem Zitat von Alexander Rüstow von 1932 weisen Sie zu Recht darauf hin, dass er - in deutscher Sprache - einen „neuen Liberalismus“ fordert, zu dem der ordnende Staat gehört. Dieser Sicht stimme ich voll zu. Aller¬dings zweifle ich daran, ob man das als Neoliberalismus bezeichnen soll. Die babylonische Begriffsverwirrung lohnt nicht. Ihre Abgrenzungs¬versuche gleichen einem Kampf gegen Windmühlen. Sagen wir doch, Rüstow und die vielen anderen Theoretiker der Sozialen Marktwirt¬schaft wollten gegenüber dem Manchester- bzw. FDP Liberalismus einen neuen, staatlich verantworteten Liberalismus. Ich spreche gerne von einem emanzipatorischen Liberalismus im Unterschied zum Wirtschaftsliberalismus. Der Neoliberalismus – ein Begriff der auch in die Globalisierungssprache übersetzbar ist – kennzeichnet das, was Sie Paläoliberalismus bezeichnen: gesellschaftssprengende Entfesselung der Märkte. Wer gegen den Neoliberalismus argumentiert, bedient sich der wichtigen Argumente von Rüstow, Röpke und Walter Euken. Schließlich noch der Hinweis: Dieses Buch mit dem Titel „Kasinokapitalismus“ wollte ich ganz ähnlich schreiben. In gewisser Weise haben Sie das Projekt überflüssig gemacht. Für die wissenschaftlich fundierte Aufklärung ist das ein Glücksfall. Für mich bedeutet dies, dass ich mein Buch anders akzentuieren muss. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Hickel
Lieber Herr Hickel, vielen Dank für dieses freundliche Schreiben. Dass Sie etwas Ähnliches schreiben wollten und ich Ihnen nun praktisch das Thema weggenommen habe, tut mit leid. Sie finden aber bestimmt noch neue Variationen. Außerdem geht die Krise ja weiter. Es freut mich aber, dass wir bei der Beurteilung der Krise keinen Dissens haben wie bei so vielen anderen Themen. Den Hinweis zu Keynes nehme ich gerne auf. Sie wissen, dass ich nie ein Keynes-Kritiker war, sondern im Laufe meines Lebens ganz im Gegenteil eine ganze Reihe von neokeynesianischen Aufsätzen verfasst habe. (z.B. "Warum die keynesianische Politik keine dummen Bürger braucht", eine Lucas-Kritik, aus meinen frühen Jahren.) Die keynesianische Krisentheorie halte ich noch immer für absolut richtig. Die Erkenntnis, dass die Geldhortung spiegelbildlich zur realen Konjunktur verläuft und der einzige Grund für Nachfragedefizite ist, ist phänomenal einfach und richtig. Sie erklärt, wieso der Zusammenbruch des Interbankenmarktes und die damit einhergehende Zunahme der Liquiditätsneigung zur Übertragung der Krise auf die Realwirtschaft führte. Der mögliche Dissens zur Rolle keynesiansicher Rezepte in der jüngeren Vergangenheit rührt allein daher, dass ich damals keine keynesianische Krankheit vermutet hatte. Was den Neoliberalismus betrifft, liegen Sie nicht richtig. Rüstow selbst hat auf der Konferenz von Louis Rougie in Paris im Jahr 1938, die als Geburtsstunde des internationlaen Neoliberalismus gilt, diesen Begriff gewählt. Das war die konsequente Internationalisierung seines "neuen Liberalismus", den er bei der Vereinstagung 1932 proklamiert hatte, das Gegenteil des Paleoliberalismus, wie er sagte. Rüstow wollte den starken, ordnenden Staat. Später wurde dann statt Neo- auch Ordoliberalismus gesagt. Hören Sie auch, was Erhard dazu sagt: "Wenn nämlich jemals eine Theorie die Zeichen der Zeit richtig zu deuten wußte und einer ihren Erkenntnissen gemäßen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik neue Impulse gab, dann waren es die Gedanken der Männer, die heute als Neo- oder Ordoliberale gelten." Neo- und Ordoliberalismus sind identische Begriffe. Als "neoliberaler Täter", zu dem mich eine Zeit-Redateurin (eine gelernte Kinderpsychologin) zusammen mit Köhler, Merz und Baring im Herbst stempelte, liegt mir schon daran, dass diese Dinge nicht durcheinandergebracht werden. Ich selbst bin bestimmt kein Neo-Liberaler in dem Sinne, dass ich keynesianische und verteilungspolitische Maßnahmen ablehne. Nur in dem Sinne, dass ich die Rolle des Staates bei der Ordnungspolitik ebenfalls betone, wie Sie ja auch. Die Unterschiede liegen vor allem bei der Frage, ob der Staat in die Lohn- und Preisbildung eingreifen darf. Die Neoliberalen lehnen jegliche Eingriffe strikt ab. Ich auch. Sie aber nicht. Mit den besten Grüßen für einen erholsamen Sommer. Ihr Hans-Werner Sinn
Hallo Hr. Prof. Dr. Sinn, wäre nett, wenn Sie eine ehrliche Antwort geben würden: "Halten Sie privat, wo auch immer, etwas Gold bzw. Edelmetalle?" Gruß S.Mueller
Nein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit neuen Vorschriften zur Bilanzierung der "Neubewertungsrücklage" will die Bundesregierung im Rahmen der Fair-Value-Bewertung von Finanzanlagen über einen modifizierten Eigenkapitalausweis den Spielraum für die Kreditvergabe der Banken erweitern: Sind das nicht letztlich reine "Bewertungsspielchen" (zurück zum Niederstwertprinzip des HGB wäre hier meine Devise), die gerade nicht mehr Eigenkapital schaffen, auf dessen Grundlage m.E. allein (!) die Kreditvergabebasis einer Bank stabilisiert und erweitert werden kann? Weiterhin wehren sich derzeit insbesondere Sparkassen und Volksbanken gegen den Vorwurf, sie verhielten sich bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen zu restriktiv - vgl. Ifo-Kredithürde - bzw, es gäbe bereits eine Kreditklemme. Ich konzediere zwar, dass sich Banken - gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise und (!) der Rezession - vorsichtig verhalten (müssen), sehe aber in meiner Praxis als Unternehmensberater eigentlich schon seit einem Jahren ein zunehmend restriktives (und übrigens durchaus auch irrationales) Verhalten. Was meinen Sie dazu? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, ich teile Ihre Bedenken. Man sollte den Banken mehr Eigenkapital verschaffen, anstatt ihnen die Feuermelder abzustellen. Eine Kreditklemme haben wir in Deutschland heute definitiv bei den Großunternehmen. Mehr als die Hälfte von ihnen beklagen, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiv sei. Das ist mehr als in der letzten Flaute um das Jahr 2003. Die Eigenkapi-talverluste der Banken werden die Kreditklemme verschärfen. Ich habe mich ausführlich zu diesen Dingen übrigens in meinem Buch "Der Kasino-Kapitalismus" ausgelassen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn