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Sehr geehrter Herr Sinn, Sie argumentieren in Bezug auf das Grüne Paradoxon, dass die Hoffnung der Umweltpolitiker, die Kosten für grüne Energien soweit senken zu können, dass fosile Brennstoffe sich nicht mehr lohnen, als illusorisch. Hierfür führen Sie die durchschnittlichen Förderkosten an und vergleichen diese mit den Preisen der Energieträger. Ist es aber nicht so, dass bei einem Gut mit steigenden Grenzkosten der Durchshcnittspreis immer unter dem Preis liegt? Wäre nicht auch hier eine marginalistische Betrachtungsweise richtig? Tatsächlich würde es doch schon helfen, wenn die Kosten für regenerative Energien soweit sinken, dass sich die Erschließung neuer Ölquellen/Kohleminen nicht mehr lohnt. Die Kosten bis auf die 3 USD zu senken, die die Förderung in Saudi-Arabien kostet, ist tatsächlich illusorisch, die Kosten jedoch bis auf die Grenzkosten von vielleicht 60 USD/Barrel abzusenken, erscheint dagegen durchaus möglich. Sinkt der Preis weiter, lohnt sich der Abbau immer weiterer Lagerstätten nicht mehr (Ölsande, Off-Shore). Beste Grüße
Sehr geehrter Herr Fritzsche, sicher sind es die Grenzkosten. Nur was sind die Grenzkosten? Das Grenzkostenkonzept ist im intertemporalen Zusammenhang nicht trivial. Die relevanten Grenzkosten sind zu einem Zeitpunkt, bei dem dann vorhandenen Restbestand der Ressource im Boden, die Mehrkosten, die entstehen, wenn zu diesem Zeitpunkt ein Barrel mehr gefördert wird. Die Grenzkosten sind nicht die teuersten Kosten, die man zu einem Zeitpunkt findet, schon gar nicht die Kosten der am schlechtesten erreichbaren Lagerstätten, die man noch gar nicht angeht. Der Grund ist, dass die Märkte, egal ob Konkurrenz, Monopol oder Oligopol so extrahieren, dass der Barwert der Extraktionskosten minimiert wird (z.B. Long, The optimal order of extraction ...). D.h. sie fangen mit den günstigsten Lagerstätten an und gehen zu den teureren über. Theoretisch sind die Grenzkosten also immer die Kosten des am einfachtsen erreichbaren Bestandes an Ölreserve, mit den niedrigsten Extraktionskosten. Semantische Analogieschlüsse mit der statischen Theorie der Preise und Grenzkosten verbieten sich schon von daher. Wenn trotzdem zu einem Zeitpunkt in verschiedenen Ländern unterschiedlich hohe Förderkosten bestehen, und schon verfrüht die teureren Lagerstätten angegangen werden, so kann das nur an den unterschiedlichen nationalen Risikoeinschätzungen (Enteignungswahrscheinlichkeiten) liegen, die implizieren, dass die Ressourcenbesitzer mit unterschiedlichen Diskontfaktoren arbeiten. Es bleibt aber richtig, dass die Grenzkosten jene Kosten sind, die das zusätzliche Barrel Öl zum jeweiligen Zeitpunkt kostet, und zwar unter Einschluss der Kosten der Exploration und der Anlagen. Es handelt sich dabei praktisch um ein gewogenes Mittel der zu diesem Zeitpunkt messbaren Stückkosten, denn die Grenzbetrachtung bezieht sich auf den Restbestand der Ressoure im Boden und nicht im Hinblick auf den Förderstrom. In meinem Modell misst g(S) mit g'(S) kleiner Null, wobei S der Restbestand im Boden ist, die Stückkosten der Extraktion, wenn der Bestand S ist. Die Größe g misst zugleich die Grenzkosten bezüglich des Förderbestandes. Empirisch ist diese Größe der Durchschnitt der Stückkosten, den man bei S misst. Dieser Durchschnitt liegt beim Öl, so ich mich aus dem Kopf an einen Schnelldienst-Aufsatz von Karl erinnern darf, in der Größenordnung von ein paar Dollar. Wir haben durch das Bieterverfahren des Irak inzwischen auch direkte Zahlen. Danach haben sich die Ölfirmen dort bereit erklärt, für nur ein bis zwei Dollar pro Barrel zu extrahieren. Da das meiste Öl im Golf gefördert wird, liegt der Mittelwert der Förderkosten in der Welt sicherlich nicht allzuweit davon entfernt. Auf jeden Fall haben die Ölpreise, die bei 70 Dollar pro Barrel liegen, wenig bis nichts mit den Förderkosten zu tun. Ich hoffe, das hilft Ihnen. Mit freundlichenm Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. im Gefolge des Urteils des BundesVerfG wird über die Angemessenheit der Regelsätze diskutiert. Dazu haben sich die Richter allerdings nicht geäußert. In diesem Zusammenhang werben Sie seit einiger Zeit für die Regionalisierung der Regelsätze: "Angesichts der regionalen Unterschiede im Preisniveau der Waren und Dienstleistungen verlangt dies zwingend eine Regionalisierung der Geldsätze". Ist es aber nun wirklich so, dass in dem Warenkorb der Bedarfsgemeinschaften nach SGB II regionale Preisunterschiede eine wesentliche Rolle spielen? Bei den Lebensmittelangeboten der Supermärkte mit deren hoher Wettbewerbsintensität kann ich mir das kaum vorstellen, bei Textilien ebenso wenig und die Kosten der Wohnung sind bereits regionalisiert. Meine Frage daher: Gibt es Untersuchungen mit verlässlichen Ergebnissen zu diesem Thema? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gab bis in die neunziger Jahre eine Statistik des Statistischen Bundesamtes mit Unterschieden in den regionalen Preisindices ohne Wohnen von bis zu 6%. Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig. Wenn man die Wohnkosten ohnehin schon regionalisiert, kann man den Rest auch regionalisieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Nachfrage zur Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe Ihre TV-Beiträge in der Mediathek des ifo- Instituts sowie den in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.3.20210 verfolgt und bin dankbar, dass Sie bei dieser möglicherweise für Europa schicksalhaften Frage für die Einhaltung der ökonomischen Vernunft eintreten. Ich hätte zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann man im Fall eines Austritts von Griechenland aus der EURO- Zone verhindern, dass sich die Spekulation gegen das nächste schwache Land in der Euro-Zone wendet? 2. Könnte Griechenland den gewaltigen Aufwand einer Währungsumstellung schultern? Es müsste zum Beispiel neues Geld hergestellt und umgetauscht werden, der öffentliche Sektor, Banken, Versicherungen, Handel und Industrie müssten umrechnen, Verträge ändern und sowie neue Preise finden und bekannt geben. Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, die Gefahr eines Dominoeffektes der von Ihnen beschriebenen Art besteht, doch es besteht auch die Chance, den Euro zu stabilisieren, indem Griechenland nicht mehr dabei ist. Die Währungsumstellung könnte eine Drachme einführen, die zunächst die gleichen numerischen Preise wie in Euro hat. Danach könnte die Drachme abgewertet werden. DIe EU könnte bei der Umstellung helfen. Der Verbleib Griechenlands im Euroraum stellt das Problem eines Außenhandelsdefizits von 16% dar, das dauerhaft finanziert werden muss. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Erscheint mir utopisch. Im Euroraum müsste Griechenland durch Kürzung der Löhne und Preise abwerten. Das ist ein Rezept für Aufruhr, weil keiner der Erste sein will. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Meine Frage bzw. Meinung zu dem Vorschlag von Herrn Prof. Sinn: Alle Kommunen sollen verpflichtet werden, jeden Hartz IV-Empfänger einen Vollzeitarbeitsplatz anzubieten. Die Entlohnung soll dann auf Hartz IV-Niveu sein. Meine Frage dazu, wie nennt man dann diese Arbeit? Schwarzarbeit? Nein regulärer Arbeitsplatz? Nein Wer arbeitet und das 8 Stunden täglich, soll doch bitte dafür auch eine anständige Entlohnung erhalten. Natürlich dann auch einen Arbeitsvertrag, wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland. Ich bin der Ansicht, das diese Arbeit (auf Hartz IV-Entlohnung) nur folgend heißen kann, und zwar: SCHEINARBEIT Nach dem Motto: 1. Wir halten somit die untere und mittlere Lohnschicht-Arbeiter etwas mehr in Laune, da ja nun die "Hartz IV"-Menschen ja auch 8 Stunden arbeiten (jedoch auf Hartz IV-Niveu) 2. Die Arbeitslosenstatistik wird auf einem Schlag "schön geschminkt" 3. Regierende Länderparteien und Bundesparteien profitieren durch mehr und längere Machterhaltung. Alles zum "SCHEIN" ! Wenn man ernst meint, und den LZA einen Vollzeitjob durch die Kommunen anbietet, so ist es ohne Weiteres nicht verkehrt. Verkehrt ist nur die Entlohnung auf Hartz IV-Niveu. Soll wirklich jemand 8 Stunden täglich arbeiten und trotzdem ein Hartz-IV-Empfänger bleiben. Was will man damit wirklich bezwecken? Bitte eine ehrliche Antwort. Ich bedanke mich schon jetzt recht herzlichst für Ihre Antwort, Herr Prof. Sinn
Sehr geehrter Herr Bürger, wie hoch das Hartz-IV-Niveau ist, kann man diskutieren. Es sollte zur Sicherung des Existenzminimums ausreichen. Sie vergessen, dass nach dem Vorschlag des ifo Instituts auch die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert werden. Schon bei einer Halbtagstätigkeit im Niedriglohnsektor käme man mit den Lohnzuschüssen auf mehr Einkommen als bei einer Vollzeittätigkeit bei der Kommune. Niemand würde bei meinem Vorschlag weniger kriegen als heute, doch die meisten deutlich mehr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Ihre Diskussionsbeiträge im „ZDF- Heute -Journal“ und in der „Phoenix-Runde“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als interessierter Laie, der sich Sorgen um die Kaufkraft seiner Rente macht, habe ich Ihre Äußerungen zum diesem Thema dankbar aufgenommen. Der Vergleich der aktuellen Situation Griechenlands mit einer antiken Griechischen Tragödie, in der es keinen guten Ausweg, sondern nur schlechte Lösungen gibt, ist einfach genial. Ich hoffe sehr, dass die Politik ihre Eitelkeiten bezüglich möglicher Einmischungen des IWF allmählich überwindet und sich verabschiedet von dem Selbstbetrug der Einrichtung eines EWF, der einen gigantischen Vermögenstranfer vom Nord nach Süd nach sich ziehen und unser Land schwächen würede. Im EWF würden dann die Defizitsünder über sich selber zu Gericht sitzen, eine Farce. Und man würde den bereits ausgehöhlten Vertrag von Maastricht vollends brechen. Ich glaube, heute hätten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht bessere Chancen als in der Vergangenheit. Danke, dass Sie sehr viel für die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit tun.
Sehr geehrter Herr Scherer, vielen Dank für die Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Thema: Griechenland, Währungskrise Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre klaren Ausführungen gestern abend bei Phoenix. Neben der Lage an sich ist das eigentlich Erschreckende die Beharrlichkeit, mit der gerade führende Vertreter der Politik die ökonomischen Mechanismen ignorieren. Wer eine Beruhigung der Finanzmärkte (und der Bürger) wünscht, sollte doch vielmehr auf klare Ansagen und vorhersehbare Konsequenz setzen. Nun aber zur Frage: Als kleinstes Übel raten Sie zum kontrollierten Austritt Griechenlands aus dem EURO und anschl. Devaluierung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In DK, wo ich beruflich die Debatte verfolge, gilt aber die Massnahme Devaluierung nahezu als verschrien, da die sozialdemokratischen Regierungen in den Siebzigern bei galoppierender Staatsverschuldung damit mehrfach scheiterten. Erst in den Achtzigern gelang es einer bürgerlichen Regierung mit harten Sparmassnahmen und einer festen Bindung der Krone an die EWS, die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. Seither schwören Sozilademokraten wie bürgerliche Parteien auf die Politik der festen Wechselkurse. Frage also: Verführt die Devaluierung nicht zu einer unsoliden Haushaltspolitik und macht auch das Aussenhandelsgeschäft schwer planbar? Mit freundlichen Grüssen Simon Faber
Sehr geehrter Herr Faber, Sie haben insofern recht, als fortgesetzte Abwertungen eine Inflationspolitik ermöglichen und insofern selbst ein Probelm sind. Feste Kurse sind eigenlicht ein Disziplinierungsmittel. Nur hat Griechenland darauf bekanntlich nicht reagiert, weil das Land die Welt mit getürkten Statistiken glaubte dauerhaft belügen zu können. Heute ist die Aufwertung so weit fortgeschritten, dass eine Disziplinierung in dem Maße, wie sie Märkte nun erzwingen würden, wenn Griechenland nicht geholfen würde, das Land zerbrechen würde. Man muss sich der Disziplin auch unterwerfen wollen, wenn man in einem Festkurssystem ist. Das hat Griechenland nie getan. Das Ganze ist eine Gradwanderung zwischen verschiedenen Gefahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, gut nachgeplappert, könnte man denken. Herr Pofalla meint, die Darstellung nach außen könne verbessert werden – was immer er damit auch meinen möge. Und prompt kommen Sie hinterher und empfehlen, die Hartz.IV-Sätze müssten besser begründet werden, was immer Sie damit meinen. Eine andere Begründung der Sätze ändert noch nichts an der Situation selbst, dass einige Empfänger damit nicht leben können und dem entgegen manch Arbeitnehmer acht Stunden und mehr malochen muss und trotzdem weniger auf der Hand hat als vergleichbare Hartz-IV-Bezieher. Nicht die Begründung ist ausschlaggebend sondern ein Ergebnis, was zur Befriedigung aller Betroffenen beitragen kann. Solch nutzlose Meinungsbekundungen oder ins Leere gehenden Empfehlungen brauchen wir sicher nicht. Erstaunlich nur, dass Sie bzw. Ihr Institut noch nicht folgende Tatsache festgestellt haben wollen; jedenfalls, so weit mir bekannt ist, nicht öffentlich: Die Zahl der Arbeitslosen sei in Deutschland im Januar 2010 auf 3.617.000 Millionen gestiegen. Bei gleichzeitig rund 7,4 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die ja unstrittig grundsätzlich auch arbeitslos sind, addieren sich die Arbeitslosen insgesamt auf rund 11 Millionen. Subtrahiert man davon 1,35 Millionen Hartz-IV- Aufstocker, bleiben immer noch real 9,65 Millionen Arbeitslose übrig. Einfach nur in der Statistik ‚rumkorrigieren ändert noch nichts am Problem selbst! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., die Aussage, dass nicht die Hartz-IV-Sätze falsch sind, sondern die Art ihrer Berechnung, ist nicht meine, sondern die des Verfassungsgerichts. Ich weiß nicht, was Herr Pofalla gesagt hat. Definitiv folgt aus dem Urteil des Gerichts nicht, dass man Hartz-IV-Sätze zur Befriedigung aller Betroffenen braucht. Da es sich um Gelder handelt, die anderen über das Steuersystem weggenommen werden, kann es immer nur um den Grundbedarf gehen, der zum Existenzminimum gehört. Bitte lesen Sie das Urteil und richten Sie Ihre Kritik zuständigkeitshalber an das Gericht. Was die Zahlen betrifft, so darf man sie nicht addieren, wie Sie es tun. Es stimmt zwar, dass die Hartz-IV-Empfänger arbeitslos sind, aber genau deshalb sind sie in der Arbeitslosenzahl schon enthalten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze und achte Sie sehr hoch. Angesichts der extremen Bedrohung durch die globalen Finanzmärkte in Verbindung mit der vor allem indischen und chinesischen Wachstumsdynamik und der damit verbundenen extremen ökologischen Bedrohungen und weltweiten Elendsthematik und der damit einhergehenden möglichen schwerwiegenden Krisenpotentiale, die wiederum die Lage auf den Finanzmärkten weiter verschärfen könnte, ist mir bewusst, dass die Probleme des deutschen Niedrigstlohnsektors in dieser Hinsicht keine Priorität besitzen können. Aber wenn Sie und zum Beispiel Herr Prof. Miegel, den ich ebenso hoch achte und schätze, offen und objektiv über diese Thematik reden, dann sollten auch alle Implikationen dieses Randthemas offen und ohne Tabus genannt werden – das gehört dann auch zur intellektuellen Redlichkeit! Zumindest sollte deutlichst gesagt werden, dass es eine „entscheidungstheorietische“ „Optimierungsaufgabe“ für nationale makroökonomische Arbeitsmarktkonstruktion unter globalen Rahmenbedingungen ist. Dabei spielt die zu erwartende Anforderungsprofilstruktur der Arbeitsmärkte in Europa natürlich eine extrem große Rolle. Die extreme Wissensgesellschaft muss zwangsläufig der Masse der intelligenzverteilten (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) Bevölkerung ( ca. 0.33), die die Kerntätigkeitsbereiche nie abdecken kann, einen Ersatzarbeitsmarkt zuweisen und diesen möglichst ausbauen. Das geht nur über die legislative Setzung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die notwendig nicht mehr grundgesetzkonform sein können. Dies muss man also zunächst einmal in einem Wust aus lex superior, lex inferior und lex spezialis so verwursteln, dass es niemand mehr rechtssystematisch entwirren kann. Das ist bereits geschehen. Dann kann mit den entsprechenden Rechtsmitteln versehen, ein solcher substitutiver Arbeitsmarktsektor langfristig aufgebaut werden. Das geschieht auch bereits. Die Lohnspreizung nimmt enorm zu und zwar so weit, dass die weiter expandierenden substitutiven Niedrigstlohnarbeitsmärkte keine Existenzsicherung mehr ermöglichen werden. Das deutet sich bereits an. Man sollte also zugeben, dass man aus den oben (sehr grob) aufgeführten Gründen nicht anders kann, als einen nicht existenzsichernden substitutiven Niesdrigstlohnarbeitsmakt zu schaffen, der aus Sozialkrisenvermeidungs- und Akzeptanzsteuerungsgründen so weit ausgebaut werden muss, dass mindestens 80% der derzeit Arbeitslosen darin Beschäftigung finden können und komplementär staatlich alimentiert werden. Damit diese Menge an Arbeitsplätzen entstehen kann, sind Ecklöhne in der Gegend von 3 Euro erforderlich. Wenn dies in der Masse langfristig nicht erreichbar ist, droht ein extremer sozialer Konflikt wegen des sich verschärfenden Akzeptanzverlustes der Ungleichbehandlung von Arbeitslosen und Niedrigstlöhnern (Lohnabstandsgebot). Meine Beurteilung dieses Szenarios ist, dass es ist in der Masse nicht erreichbar ist, weil die tarifär abgesicherte 3 Euro Grenze nicht erreichbar ist. Also bleibt nur der Ausweg die Arbeitsmarktgruppen gegeneinander in Stellung zu bringen ( Arbeitslose gegen Hochlöhner – Hochlöhner gegen Zeitarbeiter, Zeitarbeiter gegen Niedrigstlöhner – Niedrigstlöhner gegen Arbeitslose ), um so den Eiertanz der Verschleierung der ganz einfachen Tatsache politisch weiter tanzen zu können: Diese primitive Wahrheit lautet: 33% der Gesellschaft sind nicht intelligent (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) genug, um die Normalarbeitsmarktanforderungen zu erfüllen. Diese Leute belasten den „intelligenten Mittelstand“ – also müssen wir sie akzeptanzbasiert ruhig stellen, weil es (noch) keine funktionierende sekundäre Fertilitätssteuerung gibt und es keine primäre Fertilitätssteuerung geben darf. Ich gehöre übrigens zu den 33% der „Unintelligenten“. So verbleibe ich mit den besten Grüßen A. B.
Sehr geehrter Herr B., ich nehme Ihre Meinung zur Kenntnis, die Sie überpointiert vortragen, aber ich teile sie nur ansatzweise. Sicherlich stimmt es nicht, dass man im untersten Bereich Stundenlöhne von 3 Euro braucht, um den Großteil der Arbeitslosigkeit zu beseitigen: ifo hat im Jahr 2002 eine Untersuchung getätigt, wonach man mit gut dem Doppelten hinkommt, die dann zu subventionieren sind, um das Einkommen über den Lohn zu erhöhen, wie Sie es ja auch vorschlagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hr. Sinn, vieleicht koennen Sie mir eine Erklaerung oder einen Link zur Erklaerung geben. Es geht diesmal nicht um die Hartz 4 Saetze, sondern Tatsache, das man, wenn man die Grundsicherung im Werte von Hartz 4 selbst erwirtschaftet schon zum guten Steuerzahler wird. Bei aller Diskussion ueber Hartz4 scheint niemand zu sehen, das man keinen Kinderfreibetrag hat, wenn man Kindergeld bezieht. Ein Hartz4 Empf. allein mit 2 Kindern bekommt z.B. 1510,- + Kindergeld. Will man aber 1510 EUR netto erarbeiten und bekommt Kindergeld da Nutzung des Freibetrages weniger im Total ergeben wuerde, dann sind das etwa 2400 brutto und man ist guter Steuerzahler. Siehe unten. Aber dies scheint ein Dreisatz zu sein, welcher fuer viele Redakteure zu komplex ist. Entweder liege ich voellig falsch oder ich bin der Einzige der dies versteht. Deshalb wende ich mich an Ihr Institut der Fachleute. Vielen Dank. Die Zahlen kennen Sie natuerlich schon: Hartz4 Bezuege fuer Alleinerziehend mit 2 Kindern per Monat Erwachsener 359,00 2 Kinder 506,20 Alleinerziehend 129,24 Kaltmiete 740,00 Heizung 100,00 Total Anspruch 990,84 + 840,00 = 1830,84 Kindergeld -320,00 Total 1510,84 Ausgezahlt vom Staat per Jahr: 18130,08 netto ohne Kindergeld, das geht natuerlich separat. --------------------- Benoetigte Einnahmen als Selbstaendiger um den Nettobetrag mit Arbeit zu erwirtschaften: 25900 EUR - 4200 EUR (Krankenv.) = 21500 EUR - 3225,00 EUR (15% Steuern) = 18270,- gezahlte Steuern: 3225,- / 12 = 269 EUR pro Monat ---------------------------------------- Also Stundenlohn etwa 10EUR Netto. Dies liegt dann in einem Bereich in dem schon erhebliche EUR Betraege an Sozialabgaben und vor allem Steuern gezahlt werden muessen. Diese arbeitende Person ist ja schon "gutverdienend". Ich kenne die Angestellen Formel nicht genau, aber es sollte auf etwa 2400 EUR (4800 DMark) brutto hinauslaufen. Volle Verguenstigungen ohne Antragsverzoegerungen bei Kinderbetreuung, Gerichtskosten, etc. kommen noch hinzu. Da haben nicht nur Geringqualifizierte Schwierigkeiten den Hartz4 Betrag zu verdienen. Ich stehe voll hinter einem Sozialsystem mit Hartz 4 Saetzen, speziell fuer Kinder muss alles getan werden. Aber ist es nicht grundgesetzwidrig vom Buerger Steuern zu verlangen wenn er die Grundsicherung selbst verdient? Ich habe noch weitere absurde Beispiele und stehe Ihnen gerne fuer Fragen zur Verfuegung. Noch interessanter wird es wenn jemand alleinerziehend mit 2 Kindern ist und fuer 2 weitere Kinder Unterhalt zahlen und erwirtschaften will. Mit freundlichem Gruss A. M.
Sehr geehrter Herr M., schöne und erhellende Beispiele. Vielen Dank! Damit schlagen wir uns am ifo auch dauernd herum. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit des fiskalischen Systems ist grenzenlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, selten gehe ich mit Ihren zumeist sehr plakativen Meinungsäußerungen konform. Hier jedoch haben Sie den Nagel nicht nur auf den Kopf getroffen sondern absolut zentral erwischt. Die Zuteilung von monetären Leistungen an Hartz IV-Empfänger für deren Kinder kommt allzuoft eben nicht bei den Kindern an sondern endet - populistisch gesprochen - an Theken oder Zigarettenautomaten. Hier sind dann die Erwirtschafter der Leistungen mindestens doppelt geprellt, denn zunächst haben diese die Leistungen zur Verteilung zur Verfügung zu stellen um dann den x-ten Bildungsweg für die bedauernswerten Spösslinge der alimentierten Eltern zu finanzieren und dann im Endeffekt diesen später die Vollalimentierung zu bezahlen. Dumm ist an der Situation, dass die Kinder spätestens vom ersten Atemzug an die Nachteile des sozialen Umfeldes spüren, erleiden und letztendlich verständlicherweise verinnerlichen, so dass dieses Problem wirklich besser durch Sachleistungen angegangen werden kann. Aber nur diese Sachleistungen auf Basis Hartz IV werden das Problem nicht lösen, dazu bedarf es eben größerer gesellschaftlicher Anstrengungen und diese erfordern im kleinen Rahmen bereits das Engagement der Bürger, so dass Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen Angebote zur Freizeitgestaltung abseits des vor- und nachmittäglichen Fernsehkonsums sowie den Reizen der täglichen Komasauferei ab 9, 10 oder 11 geboten werden können, wenn die Kommunen hier schon ihre Verantwortng mit Verbotsschilder gegen Sauferei "erschöpfend" abgegolten sehen. Es ist schon erschreckend zu beobachten, dass Kommunen zuerst allen Einrichtungen für Jugendliche den Geldhahn zudrehen und zu schließen um dann entrüstet auf die Reaktion! der Jugend zu reagieren, da diese nun herumlungern. Sie haben jedenfalls meine volle Unterstützung für Ihre Forderung nach Sachleistungen! Mit freundlichen Grüßen vom Bodensee S. H.
Sehr geehrter Herr H., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sagen viel Wahres. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Könnten Sie mir sagen wie es mit Haftungsfragen bei der besagten HypoRealEstate mit dem Verlust von ~ 100 Milliarden € aussieht? Mit freundlichen Grüßen Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, es gibt keinen Verlust von 100 Milliarden Euro. Die HRE hat bislang 5,0 Milliarden Euro an Abschreibungen auf toxische Papiere realisiert, also nur ein Zwanzigstel der von Ihnen genannten Summe. Was Sie meinen sind staatliche Kredite und Bürgschaften (je hälftig) im Umfang von 102 Milliarden Euro. Das sind keine Verluste, denn der Staat kassiert einen Zins für die Kredite und eine marktübliche Avalgebühr für die Bürgschaften. Wahrscheinlich macht er damit sogar einen Gewinn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie haben in der Folge vom 18.Februar auf BR-alpha vom Sperrklinkeneffekt gesprochen und damit die "Verknüpfung" von Nahrungsmittelmärkten und Energiemärkten erklärt. Als liberaler Ökonom müsste man eigentlich befürworten, dass die Ressourcen in die "produktivste" Verwendung fließen. Das könnte aber der SUV in Amerika sein und nicht der Magen der Menschen in Mexiko. Sie haben auch davon gesprochen, dass diese Verknüpfung eine ähnliche Revolution darstellt wie die Industrialisierung. Bedeutet dies auch, dass wir in der Ökonomie neue Wege gehen müssen und gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung Allokations- und Verteilungsfragen stärker miteinander verknüpfen müssen? Haben wir inzwischen ein Maß an Ungleichheit erreicht, das eine freie globale Allokation der Güter gar nicht mehr zulässt? Und wie stellen Sie sich vor, dass man verhindern kann, dass Nahrungsmittel zur Energiegewinnung eingesetzt werden? Der Bauer wird sein Produkt dem geben, der am meisten dafür bezahlt.
Sehr geehrter Herr Blau, Sie habe ja Recht. Liberal ist die Abschottung der Nahrungsmittel- und Energiemärkte nicht. Aber man muss sie versuchen. Mindestens sollte man jegliche Förderung des Biosprit sofort einstellen. Das wäre liberal und verteilungspolitisch geboten. Ich würde weitergehen und die Flächennutzung für Biosprit verbieten und nur noch Biosprit aus Abfällen erlauben. Das ist nicht liberal, aber verhindert, dass uns die Welt um die Ohren fliegt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof.Dr.Sinn, in ihrem Buch, dem Grünen Paradoxon, erwähnen sie ein Super-Kyoto, bei dem das Ziel ist, alle Länder der Welt in einen internationalen Emissionshandel einzugliedern. Nun meine Frage dazu: Desto mehr Länder diesem Emissionshandel beitreten, desto mehr sinkt die Nachfrage nach den fossilen Energien, was bedeutet das der Weltmarktpreis von Öl, Kohle und Gas sinkt. Wieso sollten sich dann die letzen übrigen Länder, die noch nicht im Emissionshandel eingepflegt sind, diesem beitreten, wo sie nun günstig fossile Energien nachfragen können? Worin steht der Anreiz Ländern wie Indien und China Europa zu folgen, wenn sie wissen, das Dank Europa und ihrem Emissionshandel die Preise sinken? Meine zweite Frage bezieht sich auf die Subventionierung der grünen Energie in Deutschland und Ihre darauf bezogene Kritik: Sie schildern in Ihrem Buch, das Sie es nicht für gerechtfertigt finden, das die regenartiven Energien in Deutschland subventioniert werden. Vorallem gehen sie Kritisch auf die Willkür der Subventionshöhe und Art ein. Kann aber eine Subvention der regenerativen Energien nicht dazu führen, das eine schnellere Entwicklung und Verbesserung der Technologien stattfindet? Zwar ist Ihrer Eklärung des "einen Preises" nichts anzusetzen, doch kann ich mir vorstellen, das gezielte Förderung dazu führen kann, das Teile der regenerativen Energie dadurch im technischen Fortschritt beschleunigt werden kann. Und genau diesen Fortschritt und die neue Technik kann den Ländern zu Gute kommen, die unentschlossen sind, einem gemeinsamen Emissionshandel beizutreten. Ich hoffe Sie können verstehen was mein Anliegen ist, und ich Danke Ihnen im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Levent G.
Sehr geehrter Herr Gürcan, haben Sie vielen Dank für die Nachricht. Sie haben völlig Recht. Je mehr Länder beim Emissionshandel mitmachen, desto kleiner ist der Preis für fossilen Kohlenstoff, desto geringer der Anreiz der anderen mitzumachen. Dieses Problem habe ich ausführlich in meinem Buch Das grüne Paradoxon beschrieben. Genau deshalb muss es heißen: alle oder keiner. Sonst kriegt man Indien und China nie dazu mitzumachen. Die Sonderförderung grüner Technologie in Deutschland senkt die Preise für Emissionszertifikate in Europa und erschwert die grüne Technologie in anderen Ländern. Wenn man einen Emissionshandel hat, kann man die grünen Technologien nur noch über schärfere Standards fördern. Nationale Alleingänge sind konterproduktiv. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe unseren Politikern bereits vor längerer Zeit geschrieben, da dass Hauptproblem bei den Familien doch auf dem Gebiet der Ausbildungs- und der Studiums-kosten liegt, möge mann analog der Bausparkassen eine Ausbildung und Studiumfinanzierungskasse auf Grundlage der Richtlinien der Bausparkasse Gründen, wo jedes Kind mit der Geburt Mitglied wird und eiene Finanzierung über das Kinder und Eelterngeld erfolgen sollte, von dem direkt ein gewisser Prozentsatz in diese Kasse fließt, dies Geld dürfte aber gar nicht erst in die Hand der Eltern gelangen, sondern müsste direkt in die Kasse fließen. Vielleicht könnten Sie unsere Politiker in diese Richtung führen, da unsere Politiker zu schlau sind um vom kleinen Mann einen Anstoß an zu nehmen. Ich wäre Froh. wenn ich dazu von Ihnen etwas hören würde. In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Hermann Müller
Sehr geehrter Herr Müller, das ist ein guter Vorschlag, den man nur unterstützen kann. Ein Vorteil ist, dass die Ausbildungskosten nicht anderen auferlegt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, mein Vorschlag zu Hartz IV: 1. Alle Hartz4-Empfänger sollen für maximal 6 Monate befristet einen 400,00 Euro-Job ohne einer Anrechnung ausüben dürfen. D. h. 400,00 Euro ohne einer Anrechnung, zusätzlich zu Hartz 4. Begründung: 1. Die Hemmschwelle für Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen einzustellen wird geringer, da für die Arbeitsleistung keinen Abzug von 240,00 Euro auf Hartz IV angerechnet würde. (von 50 Arbeitgebern bekam ich 50 Absagen. Die potentiellen Arbeitgeber hatten immer wieder bedenken, dass durch die 240,00 Euro Anrechnung die Arbeitsleistung nicht gewährleistet sei. Es hatte nichts mit meiner Qualifikation zu tun, die auch nicht schlecht ist) 2. Der LZA ist somit im Betrieb und hat eventuell auch eine weitere Chance voll eingestellt zu werden. 3. Der LZA verbessert somit seinen Lebenslauf und hat auch mehr Chancen auf dem weiteren 1. Arbeitsmarkt. 4. Die Binnenwirtschaft wird dadurch auch angekurbelt, da der Hinzuverdienst wieder ausgegeben wird. 5. Der LZA verstärkt dadurch sein Selbstbewusstsein. Kann sich wieder auf Jobs konzentrieren, die seinem Arbeitsprofil dienen. (Nur als Hinweis: ein 1,00 Euro Job z. B. Straßefegen für einen Bankkaufmann macht keinen Sinn. Und es werden zusätzliche Ausgaben im Schnitt 300,00 - 500,00 Euro an den jeweiligen gemeinnützigen Arbeitgeber von der Staatskasse bezahlt. Bekommt der Bankkaufmann jedoch einen 400,00 Euro Job als Mitarbeiter in einer Bank, so ist es für die Laufbahn weitaus dienlicher. 6. Schwarzarbeit würde dadurch eingedämmt werden. Meine Frage an die Politiker(in): Was würde gegen meinen o. g. Vorschlag sprechen??? Ich habe manchmal so den Eindruck, dass nicht der Hartz-IV-Empfänger das Hartz-IV-Gesetz missbraucht, sondern die Hartz IV-Gesetzgebung die Hartz IV-Empfänger. Oder benutzt man das Hartz-IV Gesetz nur als sog. Lohndumpingbarometer? Zum Schluss noch zu erwähnen: Ich bitte von den Politiker nicht wieder so Ausreden, wie - ja eine Friseuse muss 8 Stunden täglich schwer arbeiten und hat im Monat fast weniger Lohn als ein Hartz-IV-Empfänger. 1. Wir haben keine 35 Millionen Friseusen. 2. Nicht der Hartz-IV-Empfänger ist an den Billiglöhnen der Friseusen schuld. An alle Friseusen, ihr macht alle einen guten Job und drücke euch allen die Daumen, dass ihr in Zukunft einen vernünftigen Lohn bekommt. Ich habe es nur als Beispiel genommen, da die Politiker ständig in der Vergangenheit es ins "Spiel" brachten und weiter bringen werden. Ich würde mich sehr darüber freuen, mir mitzuteilen, was sie über meinen o.g. Vorschlag halten. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr M., Sie schlagen vor, die Freigrenze für abzugsfreien Hartz-IV-Bezug auf 400 Euro zu erhöhen. Das ist kein schlechter Vorschlag. Auch das ifo will die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessern. Allerdings wollen wir eher den Transferentzug insgesamt verringert, so dass es sich auch lohnt, besser entlohnte Jobs anzunehmen. Sie haben aber recht: Wir müssen ein System schaffen, wo wir ein Sozialeinkommen zum niedrigen Lohn hinzu gewähren, weil nur so mehr Stellen entstehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, um die Beherrschung der Firma Opel durch GM gab und gibt es viele Diskussionen. U.a. wurde bekannt, daß es Opel aufgrund des Beherrschungs-vertrags duch GM nicht gestattet ist, seine Produkte in bestimmten fremden Ländern wie China, USA, Canada, etc. anzubieten. Ferner wurde bekannt, daß alle Rechte an Erfindungen + Patenten von Opel Ingnieuren nach USA übertragen wurden und daß Opel für diese eigenen Erfindungen auch noch jährliche Lizenzgebühren an GM zahlen muß. Mir ist gut bekannt, wie ausländische Firmenmütter damit u.a. das dt. Arbeitnehmer- Erfindungsgesetz aushebeln. Die bekannten Beherrschungsverträge sind alles andere als fair. Sie räumen der besitzenden Mutter einen Absolutheitsanspruch ein, unter dem schon viele Mitarbeiter gekaufter Firmen zu leiden hatten und haben. In USA machte in den 70ern ein Carl Icahn davon Gebrauch.In D betraf es die Firmen AEG, Höchst, Grohe, dt.Airbus-Töchter, SEL und viele mehr. Die bekannten Beherrschungsmethoden behandeln gekaufte Firmen oft wie Sklaven. ITT-Manager in USA verlangten von dt. Managern in den 80 Jahren "go home, change laws". Mich wundert, daß mir bis heute kein Beitrag eines Wirtschafts-forschungsinstitutes bekannt ist, das sich mit dieser Thematik eingehend beschäftigt, auseinandergesetzt und für faire Lösungen geworben hat. Es wäre m.E. höchste Zeit im Zeitalter der Globalisierung "faire Vertragsgrundlagen" für gekaufte Firmen zu erarbeiten und dafür eingehend zu werben. Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, das sind in der Tat problematische Verhältnisse. Ich muss gestehen, dass ich das nicht wusste. Die Leser auf unserer Homepage werden sich dafür interessieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe nicht warum es bei den Managern keinerlei Haftung zu geben scheint. Jeder Handwerker haftet für die fachgerechte Qualität seiner Arbeit, in der Regel nach BGB 5 Jahre. Top Manager in den Vorständen der großen Unternehmen, die ein Vielfaches jährlich gegenüber kleinen Handwerkern verdienen, scheinen nicht zu haften. Hatte nicht die HypoRealEstate ca. 100 Milliarden € Verluste unter ihrem Vorstand verzeichnet und trotzdem konnten Herr Funke u. andere Manager ausstehende Gehälter inkl. Boni etc. einklagen. Gelten für Top-Manager andere Regeln als für kleine Unternehmer? Wie erklärt sich das? Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, Sie sind falsch informiert. Manager haften für ihre Fehler im vollen Umfang ihres Privatvermögens. So wurde ein namhafter Banker kürzlich von einem Hedgefonds von den Bahamas auf 15 Mrd. Euro verklagt. Der Banker hat zwar eine Versicherung, aber die deckt maximal 250 Millionen ab. Wer nicht haftet, ist der Aktionär. Er kann seine Bank durch die Einstellung, Instruktion und Bezahlung seiner Manager zum Glücksspiel antreiben, und haftet doch nicht mit seinem Privatvermögen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Als ich kürzlich Ihren "Auftritt" bei ntv zum Thema "Hartz IV, zu lasch, zu teuer" sah, kam ich nicht umhin, mich zu wundern, warum Sie ihre Meinung zur Ausgestaltung des ALG II su stark geändert zu haben scheinen: Sah die Aktivierende Sozialhilfe nicht sehr wohl vor, das ALG II bei Nicht-Erwerbstätigkeit drastisch (auf 1/3, soweit ich das richtig in Erinnerung habe) zu kürzen, und im Gegenzug die Hinzuverdienstmöglichkeiten ebenso drastisch zu erhöhen? Davon war nur aber keine Rede mehr. Stattdessen traten Sie nur noch für eine Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten ein, auch ganz ohne grundsätzliche Kürzung von Hartz4 bei Nicht-Aufnahme einer (ggf. von der Kommune bereitgestellten) Erwerbstätigkeit. Warum dieser Meinungsumschwung? Und ist es denn überhaupt wirklich so zweckmäßig, die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei sehr niedrigen EInkommen zu verbessern? Birgt das nicht die Gefahr, wie es ja auch bei den ersten 100 Euro Hinzuverdienst bereits der Fall ist, die ohne jeden Abzug behalten werden dürfen, dass insbesonere geringfügige Beschäftigung gefördert wird, statt Vollzeittätigkeiten? Der Sachverständigenrat plädiert deshalb jedenfalls auch eher zu einer Geringfügigkeitsschwelle, also eben schlechteren Hinzuverdienstmöglichkeiten im ganz unteren Einkommensbereich. Ich würde dem zustimmen. Anreize, mehr zu arbeiten, schafft man doch dann, wenn bei zunehmendem EInkommen die zusätzliche Belastung verringert wird (also direkt regressive Belastung), und nicht umgekehrt, bei niedrigen EInkommen die Belastung niedrig ist und dann immer höher wird (also direkt progressive Belastung). Man sollte deshalb, m.E., lieber, bei sehr niedrigen Einkommen sehr schwache HInzuverdienstmöglichkeiten gewähren, und erst bei EInkommen, die auf eine Vollzeittätigkeit schließen lassen, die Hinzuverdienstmöglichkeiten wieder verbessern. Mit freundlichen Grüßen, Daniel Lechmann
Sehr geehrter Herr Lechmann, das ist kein Meinungsumschwung. Nur haben Sie die Information über unser Modell offenbar aus einer Sekundärquelle. In der Tat wird unser Vorschlag so kolportiert, wie Sie es sagen. Die Kürzung um eine Drittel bei Nichtaufnahme der Arbeit und mehrfacher Nichtaufnahme ist herrschende Gesetzeslage, nichts besonderes bei unserem Vorschlag. Das Besondere ist, dass wir kommunale Arbeitsgelegenheiten für jeden Hartz-IV-Empfänger ohne Ausnahme vorsehen wollen, die zur Höhe des Hartz-IV-Satzes entlohnt werden (Null-Euro-Jobs, wenn Sie so wollen). Dann kann einerseits niemand, der arbeiten will, weniger Geld haben als heute bei Hartz IV und andererseits ist doch der Arbeitsanreiz gewährleistet. Wenn die Kommune ihrer Verpflichtung nicht nachkommt, muss sie Hartz IV auch ohne Arbeit zahlen. Das wird in der Presse nicht richtig dargestellt, und deshalb muss ich mich stets mit der angeblichen, unbedingten Kürzung des Regelsatzes auf ein Drittel herumschlagen, die in der Presse kursiert. Die Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten kommt hinzu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Einstellung in der heutigen Bildzeitung über Hartz 4 Empfänger gelesen und bin zu tiefst erschüttert. Ihrer Meinung nach ist das Landleben preisgünstiger als das Stadtleben. Falsch gegedacht. Auf dem Land haben wir nicht die Möglichkeiten des Einkaufs. Sind abhängig von der hiesigen Preisgestaltung, die in der Stadt doch größer ist. Und der Vergleich mit der Currywurst ist doch mehr als an den Haaren herbeigezogen. Hartz 4 Empfänger ernährren sich nicht nur von Currywurst. Die Infrastruktur auf dem Land ist sehr eingeschränkt und die Preispolitik wird natürlich von den großen Anbietern bestimmt. Ich hoffe, Sie ändern Ihre Einstellung und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., vielen Dank für die Notiz. Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes bezogen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Tageszeitung "Die Presse" las ich Ihren Gastkommentar "Ist die Bankenkrise vorbei?" vom 27.06.2009. Daraufhin habe ich mir Ihr Buch Kasino-Kapitalismus gekauft. Danke dafür. Bitte CDS: "Leider kann dieses Buch die vielen unklaren Probleme, die sich im CDS- Bereich auftun, nicht abschließend erhellen." (K.-K., S.315) Ich würde mich sehr über weitergehende Untersuchungen und Artikel zu diesem Problem freuen. Anmerkung Risiko (1): Am 02.04.2009 (Online Ausgabe 1.4.09, siehe Anhang) fand sich in der gleichen Zeitung ein Artikel von Petra Adams. "...Wohin der Verlust des persönlichen Risikos (von führenden Managern, m.k.) bei gleichzeitiger Möglichkeit zu traumhaften Gagen beim Eingehen hoher und höchster Risiken geführt hat, haben wir jetzt gesehen." Wenn ich Sie recht verstanden habe sehen Sie die Aktionäre oft als Mit-Verursacher der Krise. Fehlen nicht kritische Worte gegenüber führenden Managern? Ich sehe diese auch als Teil des Systems. Anmerkung Risiko (2): An verschiedenen Stellen wie z. Bsp. bei "Warum die Nachhaltigkeit aus dem Blick geriet" (K.-K., S.95) kritisieren Sie die Risikomodelle. Ergänzend möchte ich anmerken mit "unendlichem" Risiko kann nicht sinnvoll umgegangen werden (ich finde die richtigen Worte nicht). (Siehe Anhang Gedanken zum Derivatmarkt Teil 2) Ausserdem sind Risiken im Finanzmarkt oft asymmetrisch verteilt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., vielen Dank für Ihre Schreiben. Leider habe ich noch keine neuen Informationen zu den CDS. Was die Manager betrifft, so sehe ich nicht, was die Erklärung sein könnte. Dass es böse Menschen sind, ist ja keine Erklärung. Dass die Anreizsysteme falsch sind, ist auch keine Erklärung, denn die sind ja nur abgeleitet. Die Erklärung des Zockens liegt im unzureichenden Eigenkapital, das den Aktionären Anlass gibt, die Anreize der Manager zu verzerren. Aber das habe ich in dem Buch ja ausgeführt. Um Schonung oder Verurteilung von irgendwem geht es mir nun überhaupt nicht. Ich bin kein Moralist, sondern suche Erklärungen für Wirkungszusammenhänge, und zwar möglichst tief. Das Geschehen um die Manager ist mir zu sehr an der Oberfläche. Mit unendlichen Risiken kann man in der Tat nicht umgehen, aber darum handelte es sich kaum. Es waren nur Risiken, die man anderen aufgeladen hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, mit Interesse habe ich Ihre Ausfuehrungen zu Hartz VI gelesen, die regionale anpassende Differenzierung betreffend. Dem kann ich nur zustimmen. Mit Sorge dagegen habe ich die Initiativen Ihres Kollegen Prof. Franz, des hessischen Ministerpraesidenten und anderer Politiker gesehen, das Thema Zwangsarbeit und die Diskretitierung als "eigenstaendig lebensunfaehige Alkoholiker" betreffend. Immer kritisiert habe ich die Zuverdienstregelung, Verdienste die noch nicht zur wirklichen Befreiuung ausreichen einzuziehen und durch Sozialleistung zu ersetzen. Das fuehrt bei Sachleistungsverdiensten auch dazu (Beispiel Mietminderung bei Hausverwaltertaetigkeit), dass unbare Erwerbsverdienste den Barleistungsbetrag verkuerzen, die Arbeit also noch bestraft wird. Dem Anschein nach wie real unterbindet das wirksam die Befreiiung oder zumindest Milderung der Lage. Ich hielte es fuer sinnvoller, Zuverdienste zu belassen und aufzustocken zu einem fliessenden Uebergang. Das waere auch psychologisch sinnvoller und wuerde die Konkurrenzsituation zwischen Sozialleistung und Geringverdienst entschaerfen helfen. In der bestehenden Lage ist Schwarzarbeit oft die einzige Moeglichkeit die eigene Lage zu verbessern. Die derzeiteige Verwaltungspraxis noetigt das geradezu auf, befoerdert auch durch die Amtssekeltion in "Vermittlungs-, Beratungs- und Betreuungskunden". Bei letzteren ist die Vermittlung erst ga nicht beabsichtigt. Auch das wird leider nicht oeffentlich debattiert weil politisch erkennbar offensichtlich unerwuenscht. Zusammenhaengend mit dem Wunsch der Wirtschaft, sich Mitarbeiter definierter Kostenhorizonte wie Lebensalter guenstig zu entledigen und deren Kosten zu "sozialisieren". Rechtlich sofort greifbar als Mitspflichtverletzung i.S. d. § 71 Abs. 2 GVG weil durch diese Verwaltungspraxis der Gesetzesauftrag schlicht unterlaufen wird und sich die oeffentliche Gewalt selbst nicht an die eigenen Gesetze haelt mit allen Folgen. Hartz IV in diesem Sinn ist fuer mich auch eine vorweggenommene Sozialisierung vom Bilanzbereinigungsmassnahmen der Wirtschaft, akuelle Nachlegung die Bankenkrise. Siehe die Aussage von Donald Trump: "um erfolgreich zu sein brauchen wir eine Grosse Krise" zum Thema Neoliberalismus und dessen Ziele, siehe dazu auch Sloterdijk u.a.m. Hartz IV ist insofern ein besonderes Politikum und wird inzwischen von vielen auch so verstanden. Es sind ja gerade nicht mehr die klassischen Faelle der "Asozialitaeten" dort versammelt, sondern auch Berufe, die in den Maerkten verdraengt werden warum auch immer bis hin zum Vollakademiker, oder die lebensalterbedingt ausgesteuert und abgeschoben sind. Zugleich ist es auch eine Plattform fuer Immigrationsprobleme und in diesem Zusammenhang "grossfamiliaere Clanversorgung" ueber die deutschen Grenzen hinaus. Betrachtet man den Missbrauch lag er bisher am unteren Ende der Kriminalstatistik. Die Vergleichsfaelle nach dem aktuellen Report aus Nuernberg, die die Bild-Zeitung zitiert lassen darauf schliessen, dass der Missbrauch nicht nur seitens der "Regelbetroffenen" erfolgt sondern offenbar auch gezielt aus dem vermoegenden Bereich, die eher wohl auch im Bereich der Steuerhinterziehung u.a.m. angesiedelt sind. Es waere also zu untersuchen was welchen Bereichen tatsaechlich zuzurechnen ist. Bei diesen Fragen stellt sich aktuell die Frage nach der Gesetzestreuepflicht des Staates, neu debattiert am Falle der Steuerdatenankaeufe aus der Schweiz. Verbunden mit der Frage, ob sich der Staat zum eigenen Vorteil ueber das Gesetz stellen darf. Siehe die Deckelung und politische Willkuerung der Amtshaftungsentschaedigung. Hier wird ganz offen und zum Nachteil der eigenen Staatsbuerger und Waehler das Recht gebeugt und das Vertrauen in die Demokratie untergraben wird. Die politische Kritik daran wird in der Regel als "Pauschalbeleidigung" unter Ausschluss des Vorbringens begruendeter Belange, damit unter Ausschluss der Verteidigung strafverfolgt und kriminalisiert, dito missliebige Rechtsmittelantraege auch gegen das Verbot dieser Vorgehensweise nach BGH. Auf der u.g. Site dokumentiert. Das weitere Mittel ist die Zwangspsychiatrierung, verbunden mit der politischen Diskriminierung als "betreuungsbeduerftige Alkoholiker" z.B. Strafrechtlich zu bewerten als Verbrechen gem. StGB und Tatbestand der Volksverhetzung. Da die Betroffenen keine politische Vertretung und Lobby haben wird das auch in den Medien nicht thematisiert. Die Links-Partei ist keine Alternative und die Gewerkschaften sehen die Betroffenen ebenfalls eher Konkurrenten fuer ihre Mitglieder. Sie haben naturgemaess kein Interesse daran, dass die Betroffenen wieder auf dem Arbeitsmarkt zurueckkehren und die Lage fuer die eigenen Mitglieder verschaerfen auch im Sinne des Lohndumpings. Siehe die aktuelle Lage nach dem Mindestlohnurteil bei der Post. Wir haben hier bereits eine Spaltung der Gesellschaft, zu der der Bundestag selbst festgestellt hat, dass sie die Menschenwuerde und greifbar das Recht verletzt. Ebenso vernetzt sind die EU-Vertraege (Verelendungsverbot, Werttbewerbsverzerrungen etc. pp.), insbesondere aber Art. 1, 6 EMRK. besonders kritisch dabei: die unmittelbare politische Weisungsgebundenheit der Strafermittlungsbehoerden und Anklaeger zum Staatsmonopol gem. § 146 GVG zum Ausschluss des fairen Verfahrens generell in Deutschland. Die Rechtspflege steht hier also still, die Betroffenen sind von fairen Verfahren ausgeschlossen. Keine Frage also dass es bei Hartz IV um viel mehr geht also nur um Leistungssaetze oder Zuverdienstgrenzen. Auf den wohl derzeit krassesten Fall in Deutschland moechte ich Sie hinweisen unter URL.: http://www.petart-foundation.eu /.org Ich moechte Sie nicht in Verlegenheit bringen, dazu Ihre Meinung kund zu tun, obwohl das sehr hilfreich sein koennte. Sie sehen daran, die BundesRD hat ein noch groesseres Problem als nur die Bankenrettungen und die aktuelle Haushaltslage. Juergen Peters
Sehr geehrter Herr Peters, vielen Dank fuer Ihre umsichtigen Ausfuehrungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist die Ursache der meisten Hartz IV Empfänger? Die Arbeitslosigkeit,die bis hin zur Verzweiflung führt. Mein Sohn von 36 Jahren hat nach langem Kämpfen in 2 Jahren wieder einen Job nach intensiver Selbstbemühung gefunden. Jetzt nach 5-Monaten hat er die Kündigung wegen wirtschaftlicher Krise und Zahlungsunfähigkeit des Chefs bekommen. Sehen Sie, so geht es uns schon seit Jahren. Das kostet mir als Mutter viel Nerven und 10 Jahre am Lebensmut. Wenn ich all diesen Schwachsinn und die Unverschämtheit so einiger Politiker ect. höre, das "Alle" an der Armutsgrenze lebenden faul und Abzocker sind, das macht mich wütend. Man sollte mal dafür Sorge tragen, das so junge "Dinger von Frauen, nicht laufend Kinder wegen der Hilfe z.B. Kindergelderhöhung, indiese "Welt setzen! Aber diese "Frauen" leben dann sozusagen vom Staat und finden das gut! Wenn ich mich täglich umschaue, begegnen mir Frauen in ziemlich jungen Jahren und haben 3,4 noch kleine Kinder und müssen vom Staat Hilfe! bekommen. Muss man "Heute" soviele Kinder in die Welt setzen? Das kann man Heute so einfach verhindern, aber "diese Leute legen es darauf an, vom Staat zu leben und das sind "Die" die mit anderen fleißigen arbeitswilligen verglichen werden von Seitens der Politiker. Müssen wir Auländer dulden, die viele Kinder hier in die Welt setzen und keine Arbeit haben, die wir von unseren Steuern unterstützen müssen? Für unsere eigenen Bürger von Deutschland ist bald kein Geld und keine Arbeit mehr da. Hinzu kommt noch, das die Arbeitgeber Jobs unter dem menschlichen Nivieuau anbieten. Heute in der Zeitung: Schichtarbeit für Brutto 7,67€ Vollzeit,oder Minijob für 5,37€. Meinen Sie nicht auch, dass das der Knackpunkt ist, diesen Arbeutgebern gehörig auf die Finger zu klopfen. Davon kann keiner leben, das Ergebnis: Der Staat muss wieder helfen. Ich könnte Ihnen noch soviele Beispiele nennen, aber es wird ja nichts verändert, nur ich lasse mich mit meiner Familie nicht mit anderen vergleichen und werde kämpfen, das nicht "Alle" faul sind. Mit freundlichen Gruß Thielemeier-Brüning
Sehr geehrte Frau Thielemeier-Brüning, ich danke Ihnen für Ihre Zeilen. Ihrer Auffassung, dass HartzIV-Empfänger nicht faul sind, kann ich mich nur anschließen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse habe ich ihre Ausführungen zu den Folgen der Staatsverschuldungen zur Kenntnis genommen. Ich möchte Sie darin unterstützen, die Brisanz des Themas für Demokratie und Generationengerechtigkeit öffentlich zu machen. Hier meine Anmerkungen: Nach der Währungsreform ist vor der Währungsreform Die Wirtschaftswissenschaft sollte der Wirtschaft nicht länger hinterherlaufen, sondern heute schon Lösungen für morgen erarbeiten. In der Vergangenheit wurden Währungsreformen durchgeführt, weil das Vertrauen in die Währung verloren gegangen war und eine nicht mehr aufzuhaltende Inflation die Funktionen des Zahlungsmittels außer Kraft gesetzt haben. Die Währung ist heute auch ohne hohe Inflation gefährdet. Es werden hier 7 Fakten genannt, die eine Notwendigkeit einer Währungsreform begünstigen: Eine Staatsverschuldung, die einen hohen Anteil am Steueraufkommen für die Zinsleistungen bindet,erhöht die Gefahr, dass in länger anhaltenden Hochzinsphasen, bei steigender Inflation oder bei Abwertung der Bonität die Zinsleistungen so rapide ansteigen, dass diese nur mit noch höherer Staatsverschuldung geleistet werden können. Dadurch beschleunigt sich die Beziehung aus Schuldendienst und Staatsverschuldung über einige Jahre bis zum Staatsbankrott. Bei einigen südeuropäischen EURO-Ländern sind erste Signale dieser Entwicklung zu sehen. Eine Regierung mit einer hohen Staatsverschuldung hat sich in die Hände ihrer Geldgeber gegeben. Die politische Erpressbarkeit durch die Kapitalgeber hat man in der Bankenkrise gesehen, als 500 MRD EUR als Rettungspaket für die Banken aufgelegt wurden. Die Regierung musste die Banken retten, da nur die Banken und die Kapitalsammelstellen (z.B. Versicherungen, Fonds) in der Lage sind, den wachsenden Kreditbedarf des Staates zu decken. Es hat sich eine unheilvolle Abhängigkeit der Banken und des Staates entwickelt. Der Staat ist heute ohne die Banken insolvent. Aufgrund der internationalen Verpflechtung der Konzerne und des investierten Kapitals sind alle großen Währungen heute stark voneinander abhängig. Der Sturz einer großen Währung führt unweigerlich dazu, dass die anderen Währungen mit ins Trudeln geraten. Der Niedergang einer großen Währung alleine, ohne die anderen zu betreffen, ist eher unwahrscheinlich. Die spannende Frage ist hier, ob eine Volkswirtschaft sich einen Vorteil verschaffen kann, wenn es zeitlich vor den anderen Ländern seine Schulden ablegt. Die fortschreitende Konzentration des Kapitals innerhalb einer Volkswirtschaft ist ein Grundgesetz. Die Bankenkrise hätte dazu führen können, dass dieser Trend vorübergehend ausgesetzt wäre, wenn viele Banken insolvent und in der Folge die Vermögen vieler Superreichen verloren gegangen wären. Die Regierenden haben die Banken und die Vermögen der Superreichen gerettet. Die Konzentration des Kapitals führt dazu, dass die Regierenden immer abhängiger von den Reichen werden und immer weniger abhängig von den Wählern. Die Konzentration des Kapitals kann aber auch dazu führen, dass eine große Mehrheit der Bürger die Zinsleistungen des Staates als Reparationen empfinden, und sich weigert, länger für die Fehler der Vergangenheit große Teile des Staatsaufkommens an die Kapitalgeber abzugeben und kein großes Bedürfnis am Festhalten an der alten Währung empfindet. Diese Bewußtwerdung kann in der Staatskrise dazu führen, dass ein Staat sich neu gründet und die Verpflichtungen ! der Vergangenheit ablegt. Eine Währungsreform ist dann logisch. Die US-Notenbank hat im Jahr 2007 die Zinsen ansteigen lassen. Dadurch wurde die Immobilienkrise sichtbar und in der Folge kam es zur Banken- und Weltwirtschaftskrise. Viele hochverschuldeten Volkswirtschaften halten die Zinsen dadurch niedrig, dass sie die Märkte liquide halten. Diese Liquidität führt zur Ausweitung der Geldmenge, was immer dann zur Inflation führt, wenn diese Liquidität für die Bürger spürbar ist. Da diese Liquidität nur im Bankensystem kreist, kommt es noch zu keinen Inflationstendenzen. Das Geld, dass auf den Markt gepumpt wird, sucht nach Anlagemöglickeiten und findet diese bei den Staatsschulden. Die Staaten schöpfen Geld und nehmen dieses Geld anschließend als Staatsschulden auf. Dieses System der wundersamen Geldvermehrung ist auf Sand gebaut und kann nicht auf Dauer für Geldwertstabilität sorgen. Kann es bei den Staatsschulden überhaupt noch folgenlose Hochzinsphasen geben? Die fortschreitende Staatsverschuldung ist solange möglich, so lange die Geldgeber Vertrauen in die Zahlungswilligkeit und -fähigkeit des Staates haben. Die eingeführte Schuldenbremse beabsichtigt, dieses Vertrauen nicht zu überreizen. Die bisherige Unfähigkeit des Staates zum Sparen läßt große Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Gesetzes aufkommen. Übersteigt der Schuldendienst eine magische Grenze (z.B. 50% der Steuereinnahmen), so ist die Wahrscheinlichkeit groß, das das Volk sich seiner Schulden entzieht. Die Nennung dieser Ziele in den Parteiprogrammen wäre automatisch das Ende jeder Kreditwürdigkeit eines Staates. Die Nicht-Regulierung der Finanzmärkte kann dazu führen, dass erneut große Verwerfungen am Immobilien- und/oder am Kapitalmarkt entstehen. Die Folge wäre eine erneute Rettung der Beteiligten mit großen Folgen für die Staatsfinanzen und die Stabilität der Währung. Eine Währungsreform sollte im Idealfall auch die Besitzverhältnisse an Grund und Boden und Firmeneigentum neu regeln. In diesem Sinne ist eine Währungsreform die ideale Möglichkeit, die Ideale und Vorteile des Sozialismus und des Kapitalismus zu vereinen: Ein sozialistischer Neuanfang (alle 50 Jahre) für alle gleich und eine soziale Marktwirtschaft, die den Vorteil des egoistischen Gewinnstrebens nutzt. Eine Währungsreform ist gleichzusetzen mit einem Reset, um die politischen Fehler der Staatsverschuldung zu korrigieren und der Vermögensungerechtigkeit wirksam zu begegnen. Spannend wird in schlechteren Zeiten sein, ob die Kapitalseite weiter die Politiker und die Wissenschaft einwickeln und die Bürger ruhig halten kann oder ob sich die Bürger gegen die Kapitalinteressen durchsetzen können. Hohe Zinszahlungen für die Staatsverschuldung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Bürger sich gegen ein Weiterso stellt. Die Gefahr einer zunehmenden Diktatur des Kapitals und eine Verabschiedung von der Demokratie ist sehr hoch! Ich freue mich über eine kurze Nachricht! Gruß Rainer Kuczewski
Sehr geehrter Herr Kuczewski, was Sie unter dem Namen Währungsreform vorschlagen ist nichts anderes als eine Revolution. Solche Revolutionen mit einer Neuordnung der Besitzverhältnisse hat es hier und da in der Geschichte gegeben, und wir Deutschen hatten die verlorenen Kriege, die auch auf das Gleiche hinausliefen. Nach meinem Eindruck sind die Ergebnisse der Revolutionen im Großen und Ganzen aber nicht besonders günstig für die Menschheitsentwicklung gewesen. Die Gefahr für eine neue Revolution in Deutschland sehe ich nicht. Heute haben auch die weniger begüterten Teile der deutschen Bevölkerung ein Realeinkommen wie noch nie zuvor in der Geschichte. Auch die Armutsgefährdung, die ein relatives Maß ist, ist seit den Hartz-IV-Reformen deutlich zurück gegangen. Und die Notwendigkeit einer Revolution sehe ich schon rein gar nicht. Unser Land muss im Gegenteil nach den Kriegen endlich zur Ruhe kommen. Es braucht eine langanhaltende Phase der ruhigen wirtschaftlichen Entwicklung, in der sich die Vermögenswerte allmählich wieder aufbauen können. Dazu brauchen wir mehr wirtschaftliche Dynamik in unserem Land, was ein besseres Bildungssystem und ein anreizverträglicheres Sozialsystem verlangt. Reformen sind der wesentlich bessere Weg zur Überwindung der Spannungen in der Gesellschaft. Wir brauchen als nächstes eine große Reform des Finanzsektors. Dann ersparen wir uns Revolutionen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Dr. h.c. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal möchte ich mich für Ihr hervorragendes und erfrischendes Referat während der Ringvorlesung des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan am 27.01.2010 herzlich bedanken. Diesbezüglich habe ich einige Fragen an Sie, die sich leider nicht durch die anschließende Diskussion im Rahmen der Vorlesung, aufgrund der Kürze der Zeit, beantworten ließen. Vielleicht bietet sich Ihnen die Möglichkeit mir die Antworten kurz mitzuteilen. 1. Emissionshandel - Nettoimport von Zertifikaten in Deutschland Ihren Ausführungen war zu entnehmen, dass deutsche Unternehmen Zertifikate importieren. Dieses Phänomen erklärt sich mir nicht, da aufgrund des EEGs und der hierdurch resultierenden Einspeiseverpflichtung doch eigentlich weniger Strom aus fossilen Brennstoffen produziert und verbraucht wird. Aufgrund dessen müssten die EVU in Deutschland doch Zertifikate einsparen, die wiederum an der Börse veräußert werden könnten. Warum importiert Deutschland jedoch Zertifikate? Wer importiert die Zertifikate? (EVU, energieintensive Unternehmen, Broker?) Gibt es Erhebungen, wie viele Zertifikate jährlich nach Deutschland importiert werden? 2. EON/RWE: Investitionen in erneuerbare Energien Sie haben während der Diskussion im Anschluss an Ihr Referat ausgeführt, dass EON/RWE in erneuerbare Energien investieren, diese Investitionen sind hinlänglich bekannt. Ihren Ausführungen, soweit ich dies richtig verstanden habe, war zu entnehmen, dass die EVUs Investitionen in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs und der damit verbundenen Einspeisevergütung tätigen. Investieren diese Unternehmen wirklich in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs oder aus dem Grund, dass sie mit einem Anstieg der Zertifikatpreise in Zukunft rechnen und somit die Grenzvermeidungskosten niedriger sind als die Zertifikatpreise oder ist es eine Kombination aus beidem?
Sehr geehrte Frau A., ich habe den Sachverhalt nochmals geprüft. Deutschland importiert in der Tat in geringem Umfang UNO- und EU-Zertifikate, AAUs und EUAs. Ich nehme an, das liegt daran, dass die anderen Länder cleverer waren bei der Feststellung ihres Status-Quo-Ausstoßes, von dem aus die Zuteilungen berechnet wurden. Die Zertifikate werden von den Unternehmen selbst importiert, indem sie einfach an der Leipziger Börse gekauft werden. Ohne den grünen Strom würden wir noch viel mehr importieren. Zur zweiten Frage: Hier ist es sicherlich die Kombination aus Emissionspreisen und den Einspeisetarifen. Beides macht den grünen Strom wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie zum Thema "Kredithürde" die folgende Frage: Zwar ist die Kredithürde seit 2008 rezessionsbedingt wieder gestiegen, erreicht aber nicht den Wert von 2003 von über 60%. Auffällig ist allenfalls, dass jetzt (anders als zuvor) mehr große Unternehmen als kleine und mittlere über Kreditrestriktionen klagen, was an der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation der Sparkassen und Volksbanken auf der einen und der großen Privatbanken (auch der Landesbanken) auf der anderen Seite nach der Finanzkrise liegen dürfte. Trotzdem überrascht doch, dass im Gefolge der schwersten Rezession seit 1929 - und übrigens auch des Anstieges der Unternehmensinsolvenzen seit Mitte 2009 - die Kredithürde "im Schnitt" immer noch deutlich unter 50% gemessen wird. Jedenfalls scheint insofern das Ergebnis auf den ersten Blick nicht plausibel. Welche Erklärung haben Sie? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen aus der Oberpfalz Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, gerade weil es die schwerste Rezession der Nachkriegszeit ist und die Investitionen in den Keller gingen wie nie, wird die volle Schwere des Rückgangs der Kreditmöglichkeiten noch nicht sichtbar. Umso überraschender ist es, dass bei den Großunternehmen die Hürde heute höher ist als selbst bei der kleinen Flaute, die wir hatten. Das volle Ausmaß der Klemme wird sich im Aufschwung zeigen. Im Übrigen ist schon heute die Differenz zwischen den Ausleihzinsen und den Zentralbankzinsen in den USA und Europa auf einem historischen Höchststand. Kreditklemme heißt nicht, dass man keine Kredite kriegt, wenn man hohe Zinsen zu zahlen bereit ist, sondern dass die Zinsmargen hoch sind. Die Geldpolitik der Zentralbank scheitert im Moment am fehlenden Eigenkapital der Banken. Die niedrigen Zinsen werden nicht weitergereicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich stelle mir die Frage, ob zwischen der Inflationsrate und der Staatsverschuldung eine direkte Korrelation besteht. Ist es nicht so, dass hohe Staatsausgaben unweigerlich cet. par. dazu führen, dass die Inflationsrate steigt, weil die Bürger, die die Staatspapiere halten, ihre anderen Ausgaben dafür nicht einschränken werden? Beispiel: Jemand hat ein Vermögen von einer Million Euro und gibt normalerweise 100.000 Euro im Jahr aus. Nun kauft er sich für 50.000 Euro Staatsanleihen - jetzt wird er ja sein normales Konsumbudget nicht verringern, da er ja wieder fest mit der Rückzahlung seiner Anlage + Rendite rechnet. Von seiner Million wird also nach dem Kauf der Anleihen nicht mehr 100.000, sondern 150.000 in die Wirtschaft fließen. Steigt hierdurch nicht auch automatisch die Inflationsrate und stellt dies nicht ein großes Problem für die Volkswirtschaft, gerade zu Zeiten so expansiver Fiskalpolitik, dar? Herzlichen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Sie liegen insofern nicht falsch, als dass eine Staatsverschuldung, mit der der Staat zusätzliche Ausgaben finanziert, tatsächlich die gesamtwirschaftliche Nachfrage erhöht. Tut er das in einer ausgeglichenen Wirtschaftslage, gibt es Inflation. Tut er es in der Flaute, so verhindert es zunächst einmal nur den Absturz. Solange er die ausfallende private Nachfrage nicht überkompensiert, gibt es keine Inflation. Allerdings könnten die Finanzminister in Zukunft die Notenbank bedrängen, mehr Geld zu drucken, um so die Inflation anzuheizen und die Schuld des Staates real zu entwerten. Nur ist das leichter gesagt als getan. Im Moment sind wir meilenweit von einer Inflation entfernt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, auf den Seiten 279 - 284 Ihres Buches beschreiben Sie eindrucksvoll die Gefahren der Deflation, die ja nu in vollem Gange ist. Was schlagen Sie vor, wie sie zu beenden sei? Keynes erwähnt in seiner Theorie den Silvio Gesell, dass er die richtigen Gedanken hätte. Er tauchte auch bei Mankiew in der Diskussion auf. Wäre das nicht ein Vorschlag? Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Gerhardus Lang
Sehr geehrter Herr Lang, eine Deflation ist schwer zu bekämpfen, wenn man sie erst einmal hat. Eine chronische Krankheit halt. Am besten ist es, man rekapituliert die Banken in der Krise ganz schnell, damit keine Kreditklemme entsteht. Dann gibt es auch keine Deflation. Gesells Vorstellungen sind nicht falsch, aber schwerer umzusetzen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Dr.Dr. Sinn, als Redner beim Neujahrsempfang der Süßwarenbranche (was es nicht alles gibt - gabs Schampus und Kaviar??) haben Sie die Manager der Banken in Schutz genommen. Demnach seien die Manager nur die Marionetten im Theater und der Stripenzieher der Aktionäre. Nun - dem kann ich so nicht zustimmen. Denn es sind ja gerade diese Manager der Banken, die ihre eigenen Leute massiv unter Druck setzen um die von der Bank vertriebenen Finanzprodukte - und sei es noch so großer und hochriskanter Mist - unters Volk zu bringen und für die Abschlüsse kassierten sowohl die Bank, als auch die Bankberater und last but not least der Manager (gemessen am Erfolg) fette Provisionen. WOllen Sie mal ein Beispiel? Na da schnappen wir und soch mal den Krösus der Bankenbranche, Mr. Josef Ackermann himself, Chef der Deutschen Bank. Die haben beispielsweise für einen Investmentfonds zum Bau von Megariesenrädern wie dem Golden Eye in London in vielen Metropolen der Welt Geld gesammelt, darunter von 10 000 Anlager aus Deutschland. Hier wurde den leuten eine risikolose Anlage mit hoher Gewinnausschüttung suggeriert - lassen Sie sich einfach mal so einen Prospekt zukommen von der Deutschen Bank. Die Bank selbst hat bereits für den Abschluß selber knappe 10% Vermittlungsprovision kassiert. Der Fond ist Pleite - die Kohle futsch, es steht nirgends auch nur ein einziges dieser Riesenräder - denn die Klitsche ging gleich nch dem bau eines Fundaments in China Pleite. Über die Seriösität von so einer eigenartigen Anlage kann man ncht streiten, die ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Allein von der großen Deutschen Bank gibt es noch weitere solcher Beispiele von - ich nenne es betrügerischen - Investmentprodukten. Und es gibt Tausende mehr solcher Investmentprodukte von sämtlichen anderen banken. Die Banken sind da fein raus, denn sie haben sih nach dem Crash darauf spezialisiert keine eigenen Anlageprodukte mehr zu verkaufen, sondern treten nur noch als Vermittler auf und kassieren dafür fette Provisionen. Nun frage ich Sie: Wollen Sie allen Ernstes Ihre Behauptung aufrecht erhalten die Bankmanager seien nur marionetten? Diese unseriösen Leute, werter Herr Sinn, sind die Ursache für massive Kaitalvernichtung. Und genau diese Banken werden beim nächsten Crash, dem Platzen der us-amerikanischen Kreditkartenblase, erneut nach Vater Staat schreien umd Steuergelder zu vereinnahmen. Und nich ein paar Worte zu Ihren Theorien des Esports: Exporte werden wegen des schwachen Dollars mehr denn je zu einem Zuschussgeschäft. Fragt sich nur wer das Geld aufbringen soll, um Exporte weiterhin in so großzügiger Form zu finanzieren, die Risiken für solche Geschäfte zu sozialisieren und die Gewinne in die Taschen der Manager - die ja nach wie vor mehrere Millionen für Null Risiko kassieren - zu leiten. Sehen SIe das nicht falsch. Ich bin sehr dafür das eine herausragende Leistung dementsprechend entlohnt werden muss, aber nur dann wenn die manager im falle eines Scheiterns auch das Risiko zu tragen mal ein oder 2 jahre für NULL gearbeitet zu haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fal: Scheitern die Manager, dann kassieren sie fette Abfindungen für vorzeitige Vertragsauflösung oder kassiern bis Vertragsende weiterhin ihre Gehälter - vorausgesetzt die Firma besteht solang und muss nicht Konkurs anmelden und Hunderte oder tausende Jobs vernichten. Die Gier vieler Manager ist so ausgeufert, sie scheuen nicht einmal davor zurück hier die fabriken zu schließen und in China neue Klitschen einzurichten und das gesamte Know-How frei haus mitzuliefern - die eigentliche Ursache für das Wachstum Chinas. Obwohl ich die von den kommunistischen Machthabern vorgegaukelten Wachstumszahlen sowieo sehr anzweifle. Das ganze System erinnert mich doch zu sehr an die 5-jahres-Pläne der DDR, wo Mähdurchbrigade 0815 trotz sinkender Ernten Jahr für Jahr die Soll-Zahlen um 10-20% überschritten haben - komische Ähnlichkeit gelle. Ihre Mitleidsbekunden zu Gunsten der Manager in aller Ehren, Meister Sinn. Es wäre aber angebracht Sie würden mal etwas Anteilnahme zeigen für die wahren Verlierer - den Arbeitnehmern hierzulande die Tag für Tag um ihren Job fürchten. Was glauben Sie eigentlich wie lange das Spiel so weitergeht? Europa wird finanzpolitsch daran scheitern, denn es wird mehr und mehr das Opfer und der Zahlmeister des us-amerikansichen Kapitalismus und des Sozialismus Chinas sowie Korruption Indiens. Die Amerikaner sind fein raus, sie delegieren einfach ihre Schulden, sie lassen ihre Währung geradezu verfallen und können somit ihre Schulden locker zahlen - Looser wird die deutsche Exportwirtschaft - was zu weiteren Megapleiten führt, und die Chinesen - angesichts ihrer extrem hohen Devisenreserven in US-Dollar. Ich bin nur darauf gespannt, wie Sie solche Entwicklungen dann begründen wollen? Selbst Ihnen dürfte klar sein, das gerade in der BRD der massive Rückgang an Exporten einigermaßen durch den Konsum im Binnenmarkt abgemildert wurden. Sicherlich gab es auch einen gewaltigen Abschwung hier, aber mit weit weniger Auswirkungen als in den anderen europäischen Ländern. Und dies haben wir auch dem Instrument Kurzarbeit zu verdanken, wobei hier massenhaft von den Großkonzernen betrogen wurde. Der Mittelstand und das Handwerk haben sich als Stütze der Konjuntur erwiesen - womit keiner von euch selbstherrlichen Experten gerechnet hat. Um das instument Kurzarbeit beneiden uns inzwischen die anderen Länder. Von den Experten wird sie dagegen, wegen der damit verbundenen Kosten, als Hindernis und Damoklesschwert angesehen, da sie ja auch die Fertigungskosten verteuert. Nun - das ist durchaus richtig: Aber hätten beispielsweise die Manager der großen Konzerne nicht in hirnloser Wildwestmanier über Jahrzehnte so massiv Jobs nach Asien verlagert, dann gäbe es das Phänomen Massenarbeitslosikeit nicht in dieser krassen Form. Und dadurch wären letztenendes auch die Lohnnebenkosten niedriger. Die alten Weisheiten der Manager, wie dauernd Fehlzeiten wegen Krankheit, zuviel Feiertage, zuviel Urlaub, zu hohe Löhne etc. sind schon seit teilweise 20 jahren nicht mehr zutreffend. Feiertage sind bereits weggefallen, der Urlaub hat sich im Schnitt auf 25 Tage reduziert, die Wochenarbeitszeit liegt durchschnittlich bei 41,5 Stunden, die Löhne stagnieren seit bereits 20 Jahren - und genau das sind die eigentlichen Ursachen der Krise auf dem binnemarkt. Mit freundlichen Grüßen Stephan Vollmer
Sehr geehrter Herr Vollmer, ich befürchte, Sie missverstehen mich, wenn Sie glauben, ich wollte die Manager in Schutz nehmen. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass deren Entlohnung, die in der Tat zu riskantem Anlageverhalten geführt hat, von der Entlohung der Aktionäre abgeleitet ist, bei der es auch nur Boni und kaum Mali gibt. Wenn Sie die Argumentation näher interessiert, kann ich Sie auf mein Buch "Kasino-Kapitalismus", Kap. 4, verweisen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse habe ich heute Ihren Beitrag auf BR alpha verfolgt. Hierzu haben sich für mich einigen Fragen ergeben, für deren Beantwortung ich Ihnen sehr dankbar wäre: 1) Sie sagten während des Vortrages, dass zwischen CO2-Gehalt und Temperatur kein kausaler Zusammenhang bestehen würde da auch noch eine Reihe weiterer Faktoren die Temperaturen beeinflussen würden. Wenn dem so ist, wieso können Sie dann davon ausgehen, dass mit einer Verringerung des CO2-Ausstoßes eine weitere Klimaerwärmung vermieden werden kann? 2) Sie haben den Temperaturverlauf der letzten 800.000 dargestellt. Wenn ich mir diesen anschaue, fällt mir auf, dass die Extreme / die Amplitude von Wechsel zu Wechsel der Warm- und Kaltphasen zugenommen haben. Demzufolge wäre es doch eine logische Schlussfolgerung, dass auch bei der jetzigen Warmphase ein neues Maximum erreicht werden sollte? 3) Können Sie mir sagen, weshalb die Extrema von Wechsel zu Wechsel zugenommen haben – ohne den CO2-Ausstoß durch den Menschen in früheren Phasen? 4) Wodurch kam es letztendlich in den zurückliegenden Warmphasen zu dem plötzlichen Ende der selbigen? Sind diese Abstürze vorhersehbar oder könnte es auch sein, dass der Temperaturanstieg der letzten Jahre sich plötzlich in einen negativen Trend umwandeln würde? Die Studien zum Temperaturanstieg gehen alle von einem mehr oder weniger linearen Verlauf aus, aber gerade Ihre Temperaturkurve zeigt doch, dass Änderungen plötzlich und unvorhersehbar auftreten. 5) Ebenso zeigt Ihre Temperaturkurve, dass die derzeitige Warmphase von ungewöhnlich langer Dauer ist. Keine vorhergegangene Warmphase hat jemals so lange angedauert. Glauben Sie, dass dieses konstante Klima ohne Zutun des Menschen auf ewig bestehen bleiben würde? Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen U. T.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Ich kann die zweite und dritte Frage nicht beantworten, weil ich kein Klimaforscher bin. Aber hier zur ersten Frage: Ich habe nicht gesagt, dass kein kausaler Zusammenhang besteht, sondern nur, dass die Korrelation der beiden Zeitreihen nicht so zu interpretieren sind, dass die hauptsächliche Kausalität vom CO2 zum Klima geht, sondern umgekehrt. Gleichwohl gibt es auch die umgekehrte Kausalität, wie die Klimatheorie und Spektralmessungen aus dem Weltall zur Erde zeigen. Bei der Rückstrahlung von der Erde, wie man sie aus dem Weltall misst, fehlen genau die Spektren, die das CO2 herausfiltert und in Wärme umsetzt. Die Filterung bzw. Absorption der Strahlen durch das CO2 selbst ist eine physikalisch eindeutige Sache. Alle Gase mit drei Atomen und mehr haben diesen Absorptionseffekt. Bezüglich der Kausalitätsrichtung ist das so: Wenn ein Auto zum Stillstand kommt, ist es meistens wegen der Bremse, aber manchmal auch, weil es vor ein Hindernis fährt. In meinem Buch "Das Grüne Paradoxon" habe ich mich damit in Kap.1 auseinander gesetzt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Augsburger AZ vom 02.01.10 wurden Sie in einem Interview zitiert: 'Die Senkung ....entbehrt einer volkswirtschaftlichen Berechtigung.' Politisch kann man über jede Steuer - die ja immer auch einen steuernden Effekt hat - verschiedener Meinung sein. Aber volkswirtschaftlich - aus europäischer Sicht betrachtet? Seehofer hatte versprochen, die MWSt. auf die gesamten Dienstleistungen der heimischen Gastronomie auf 7 % zu reduzieren. Heraus kam bekanntlich der Kompromiß auf 'Übernachtungen' begrenzt.- Ich verstehe H. Seehofer also: 'E i n s t i e g ' in die Reduzierung bzw. letzlich Abschaffung der MWSt. auf a l l e Dienstleistungen. Und gibt es zum Zurück zur alten Warenumsatzsteuer (aber eben im Mehrwertsteuersystem) überhaupt eine Alternative, wenn Europa als Ganzes seinen Lebensstandard nur beihalten will? (Gern sehe ich Europa und nicht die globale Welt positiv auch als Fortschrittslokomotive in Umwelt etc.) Die Besteuerung des Faktor 'A r b e i t ' mag zu Bismarck's Zeiten geboten und richtig gewesen sein, aber heute? Nur 1 Beispiel: Es sollte sich wieder lohnen, jedwelches Industrieprodukt zu reparieren oder eben 'nur' ein Update nachzurüsten als es als Ganzes dem Müll zuzuführen. Aus eben diesem Grunde sind m.E. auch Lohnnebenkosten als Ganzes umwelt-fortschrittsshemmend! Es wäre mal interessant auszurechnen, wie hoch verschiedene Waren-MWSt-Sätze sein müßten. Würden etwa 5 % für handwerkliche 50-km-Nahprodukte, (z.B. Bäckerbrot) 15 % für industrielle Fertigfood (z.B. Industriebrot) und Medikamente, sowie 25 % für den großen industriellen Rest nicht bestens ausreichen? Schließlich könnten dabei die sog. Betriebskosten der Firmen nicht mehr als Vorsteuer behandelt werden. Jedes Produkt würde de fakto mit seinem E n d preis mehrwert-besteuert, egal ob es zuletzt privat oder gewerblich gekauft wird. Wäre all dieses oder eben nur der Schritt dahin nicht eine echte Wachstumbeschleunigung in Richtung Vollbeschäftigung, Austrocknung der Schwarzarbeit, Umweltsanierung und letztlich ein Staatsschuldenabbau? Finden Sie diese Überlegungen gedanklich falsch? Liebe Grüsse M. S. PS: Die Einführung von regionalem Kunstgeld 'WIR' in Leipzig etc. etc. geht doch m.E. eigentlich als Nebeneffekt in dieselbe von mir skizzierte Richtung! Doch wie lang wird die EZB dieses akzeptieren?
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Es ist wichtig, dass die Steuern einheitlich sind, damit sie keine Lenkungseffekte entfalten. Die Mehrwertsteuer ist eine der neutralsten Steuern, die es gibt, aber nur, wenn die Sätze nicht differenziert werden. Die Differenzierung führt zu einer Änderung der Wirtschaftsstruktur, die den Präferenzen der Menschen nicht entspricht und aus steuerlichen Ausweichreaktionen resultiert. Ich kenne keinen Ökonomen, der das gutheißen würde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, fast ungläubig habe ich Ihren "Dino-Thesen" entnommen, dass Sie eines gleichnamigen Preises teilhaftig geworden sind. Was führt eigentlich das "hochmögende Preiskomitee" zur Begründung an und gibt es aus dieser Richtung inzwischen auch sachliche Reaktionen auf die "Thesen" und wenn ja, welche? Man wäre geneigt, über die Preisstifter (die Ihre Dotation wahrscheinlich feixend als kreativ beklatschen) den mildtätigen Mantel des Schweigens zu breiten, wenn hier nicht sachfundierte Diskussion ganz bewusst (!) durch persönliche Diffamierung ersetzt würde. Insofern ist dieses Thema nicht so ganz "ohne". Respekt daher vor der Art und Reise, wie Sie prompt, sachbezogen und vor allem souverän reagiert haben. Es wäre nun nach meiner Meinung wichtig, die "Thesen" nicht nur in den engeren Wissenschaftszirkeln zu diskutieren, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dann ich finde schon, dass die "0-Wirkungen" des EEG kaum bekannt sind, mir waren Sie vor dem "Grünen Paradoxon" übrigens auch keineswegs bewusst. Ich hatte nur manchmal Bauchschmerzen, wenn ich sah, dass umweltpolitische Förder- und Subventionsmillionen stets in einunddieselbe Richtung flossen. Mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gibt bislang keinerlei inhaltliche bzw. sachbezogene Kommentare des NABU. In der Tat sollte man die Öffentlichkeit informieren. Nur wie? Ich bemühe mich seit über einem Jahr. Ein Wissenschaftler dringt einfach nicht durch, wenn die Presse sich des Themas nicht wirklich annimmt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, Ich hab mit grossem interesse ihr buch Kasino Kapitalismus gelesen und gratuliere ihnen zur klarheit der darstellung und zu ihrem engagement,die oeffentlichkeit wach zu ruetteln (bei den politikern geht das wohl nicht). Mich wundert allerdings und das ist meine frage,warum sie nicht die abtrennung des investmentbanking von den grossbanken fordern: denn so lange die banken das billige EZB geld lieber in den renditestaerkeren Eigenhandel stecken,wird die kreditklemme wohl kaum beseitigt!? Und/oder waere es nicht sinnvoll die eher nutzlosen landesbanken mit der kreditgewaehrung an den mittelstand zu beauftragen und nur diesen und fuer diesen zweck billiges EZB geld zu gewaehren? Vielen dank Gruss Jochen Krautter,pensionierter Finanzvorstand Henkel
Sehr geehrter Herr Krautter, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Bei den Landesbanken bin ich ganz bei Ihnen. Dass man denen mit Staatsgeld das weltweite Zocken erlaubt, wenn ich so sagen darf, habe ich nie verstanden. Ich habe es auch schon in einem Buch über die Landesbanken, das in den neunziger Jahren herauskam, kritisiert. Bei der Trennung in Investment- und Geschäftsbanken wäre ich vorsichtiger, denn was soll sie bringen. Auch nach einer Trennung können die Geschäftsbanken ihr Geld an die Investment-Banken verleihen, so dass die dann weltweit in riskante Papiere investieren. Was helfen würde wäre statt dessen, die Banken zu zwingen, ihre Kapitalmarkt-Anlagen mit erheblichen Eigenkapitalbeträgen zu unterlegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ! Vor einiger Zeit (Datum nicht erinnerlich) haben Sie in der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" ein Interview gegeben, das unter dem Titel: "Niedriglöhne um ein Drittel kürzen" erschienen ist. Sie werden sich sicher noch daran erinnern können. Dieses Interview liegt jedenfalls schon länger zurück. Meine Frage: Halten Sie heute angesichts der derzeit gegebenen Situation Ihre Meinung noch aufrecht ? Haben Sie jemals in Ihrem Leben existenzielle Sorgen gehabt ? Ich vermute doch eher nein. Wären Sie bereit, eine sehr begrenzte Zeit (eine Woche) das Leben eines Niedriglohnempfängers zu führen um dann in der Praxis - und nicht aus dem elfenbeinernen Turm der Wissenschaft - zu prüfen, wie es sich so lebt ? Wenn man das überhaupt als "Leben" ansehen kann. Sie werden doch nicht im Ernst glauben, daß man mit einem Absenken der Löhne den Wirtschaftsstandort Deutschlands oder Österreichs halten kann. Sie plädieren für ein Absenken der Sozialbeihilfen und gleichzeitig für ein Absinken der Löhne. Dabei ist aber doch abzusehen, daß die Lebenskosten verursacht durch Wohnen, Kleidung, Energiekosten, Lebensmittel, etc. nicht in gleichem Ausmass zurückgehen werden. Nehmen Sie es also in Kauf, daß dann gewisse Leute einbrechen gehen, Überfälle durchführen etc.? Das erfordert dann wieder enorme Kosten des Strafvollzuges. Da beisst sich doch die Katze in den Schwanz. Auf eine Antwort, die so gehalten ist, daß diese auch jemand mit "nur Abitur" versteht, wäre ich sehr gespannt. Mit freundlichen Grüßen Thomas Seger
Sehr geehrter Herr Seger, Sie sind das Opfer einer verzerrenden Darstellung des Titeltextes geworden, der wie es so üblich ist, so geschrieben wird, dass der Protest der Leser maximiert und die Emotion geschürt wird. Das Interview liegt in der Tat schon einige Jahre zurück. Es ging um die Schaffung eines Niedriglohnsektors in Deutschland. Er sollte durch ein Lohnzuschusssystem ermöglicht werden, das dann die Einkommen erhöht statt gesenkt hätte. Es kommt ja für den Lebensstandard nicht auf die Löhne, sondern auf die Einkommen an, und die können durch Lohnzuschüsse erhöht werden. Das ifo Institut hatte dazu die aktivierende Sozialhilfe als Fördermodell entwickelt. Die Politik ist uns ein Stück weit gefolgt. Deutschland hat den Niedriglohnsektor bekommen, es gab ein Jobwunder, und mit Hartz IV wurde ein Lohnzuschusssystem eingeführt, das die Einkommen für 1,3 Millionen Lohnbezieher aufstockte und über die Armutsgefährdungsgrenze hob. Würde ich Ihre Suggestivfrage bezüglich meiner eigenen Erfahrung mit einem niedrigen Lebensstandard beantworten, wären Sie sicherlich schockiert. Aber das gehört wohl nicht zur Sache. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich hatte vor einigen Monaten eine Anfrage nach Ihrem Vortrag in Osnabrück gestellt, deren Antwort leider weder inhaltlich, noch semantisch einen Sinn ergab. Ich möchte daher meine Frage noch etwas präzisieren: Ein auf Wachstum orientiertes Wirtschaftssystem ist, rein mathematisch, von einer oberen Grenze determiniert. Genauer: Das derzeitige Wirtschaftssystem basiert (mathematisch) auf einem exponentiellen Wachstum. Sie kennen sicher das uralte Beispiel mit dem Schachbrett: Ein Reiskorn auf dem ersten Feld und dann doppelt so viele auf dem jeweilig folgenden. Es ist nach einigen Wachstumsperioden einfach nicht möglich, das weitere Wachstum in adäquatem prozentualem Zuwachs zu realisieren. In dem Beispiel mit dem Schachbrett (bei Verdoppelung) muss man bei 64 Feldern quasi eine unendliche Anzahl von Reiskörnern aufbringen. Auch wenn in den derzeitigen wirtschaftlichen Systemen von keiner Verdoppelung von Jaht zu Jahr ausgegangen wird, so ist aber dennoch das System exponentiell angelegt. Der Faktor ist halt nicht 1 zu 2, sondern man "begnügt" sich mit einer Rendite von 5-10 oder auch 20 oder 30 (?) Prozent (je nach Gier der entsprechenden Investoren und den scheinbaren Möglichkeiten durch geschickte kurzfristige Kalkulationen). In der Vergangenheit konnte immer wieder ein "Reset" dieses Sytems erfolgen (die Weltkriege). Zerstörung schafft immer wieder die neue Möglichkeit, Wachstum von einem neuen Nullpunkt aus, zu schaffen. Heute leben wir in einer Welt, die global dermassen vernetzt und abhängig ist, dass ein solcher Weg - zum Glück - nicht mehr möglich ist. Umso mehr stelle ich noch einmal die Frage, wie - unter der Voraussetzung des geforderten systemimmanenten exponentiellen Wachstums - das derzeitige System überhaupt funktionieren kann. Beschleunigt wird meiner Meinung nach das System wesentlich dadurch, dass nur Abgaben auf Güter, nicht aber auf Finanztransaktionen erhoben werden. Stichwort: Güter unterliegen einem Wertverlust (Steuern/ Verderb / Veralterung/ Wertverlust), Geld aber bleibt, abgesehen von Inflation im Wert erhalten. Ist nicht mindestens eine Abgabe auf Finanztransaktionen notwendig? Ich möchte betonen, dass ich mich hier nicht nur auf die Finanzsituation in Deuschland beziehe. Es geht hier um das grundsätzliche System, welches natürlich global aufgestellt ist. Allerdings ist mit der EU ja auch ein durchaus mächtiger Apparat instititioniert (insbesondere nach der Verabschiedung des Lissabon-Vertrages), so dass es Möglichkeiten gibt (oder sehr kurzfristig geben kann - wenn der Wille da ist), um entsprechende Massnahmen durchsetzen zu können. Das Prinzip des Zinseszins zerstört immer stärker die gesamten Volkswirtschaften, weil immer offensichtlicher wird, dass selbst die Zinsen nicht mehr adäquat (Stichwort Wertschöpfung) beglichen werden können. Welche Vision haben Sie? Ich bin sehr interessiert. Mit freudlichem Gruss M. S.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig recht. Exponentielles Wachstum für immer kann es nicht geben. Aber doch für lange Zeiträume. Wenn die Weltwirtschaft eines Tages nicht mehr wächst oder sogar schrumpft, weil die Ressourcen zur Neige gehen, was ich vermute, wird dennoch die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform sein, weil sie die Knappheit effizient verwaltet. Mit dem Zins oder Zinseszins hat das nichts zu tun. Selbstverständlich kann es auch in einer stationären oder schrumpfenden Wirtschaft Zinsen geben. Der alte österreichische Ökonom Böhm von Bawerk hatte drei Zinsgründe angegeben: Die Mehrergiebigkeit längerer Produktionsumwege, die bessere Versorgungslage in der Zukunft und die Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse. Nur der zweite Grund hat mit Wachstum zu tun. Die anderen beiden Gründe können auch bei stationärer oder schrumpfender Wirtschaft einen Zins erzeugen. Alle einschlägigen Wachstumsmodelle können bei geeigneter Parameterwahl auch als Schrumpfungsmodelle laufen, und dennoch kann der Zins positiv sein. Freilich kann der Zins bei hinreichend starker Schrumpfung negativ werden, weil der zweite Zinsgrund von Böhm von Bawerk die anderen dominiert. Auch mit negativen Zinsen bleibt die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform. Ob der Staat eine Steuer auf Finanzvermögen einführen sollte, kann man diskutieren. Dafür spricht ein Verteilungsargument sowie das Tobin-Argument, den Nullsummenspielen die Luft wegzunehmen. Dagegen spricht, dass man eigentlich keine Steuer auf Transaktionen haben sollte, weil sie die meisten Verzerrungen im Wirtschaftsablauf auslöst. Wenn man gute von schlechten Finanztransaktionen unterscheiden könnte, hätte ich nichts dagegen, die schlechten zu besteuern. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihren Artikel in der FAZ habe ich mit großen Interesse gelesen, und ich stimme fast allen Ihren Thesen zu. Lediglich zur These 6 habe ich eine etwas andere Sicht. Sie schreiben dort als Quintessenz, "Je mehr Schlote die Europäer außer Betrieb nehmen, desto niedriger ist der Preis der fossilen Brennstoffe, und desto mehr Schlote werden im Rest der Welt neu errichtet." Kann es nicht sein, dass ähnlich wie Europa über kurz oder lang auch die USA und weitere wichtige Staaten aus eigener Einsicht und ohne ein globales Abkommen eine effektive Klimaschutzpolitik betreiben? Warum sollte die Nachfrage nach fossiler Energie außerhalb Europas nur durch den Preis bestimmt werden. Das Beispiel Europa zeigt doch, dass auch allein durch Druck von innen Klimaschutzpolitik in Gang kommen kann. Ist es nicht denkbar, dass das Beispiel Europa Schule macht und dass dadurch letztlich auch weltweit die Nachfrage nach fossiler Energie sinkt, trotz sinkender Preise? Ich glaube, offen gesagt nicht daran, dass man außerhalb Europas auf Dauer Energiepolitik nur nach Maßgabe der Angebotspreise der Energieträger machen wird. Mein Eindruck ist eher, dass China mit seinem Ziel, die CO2 Intensität seines Sozialprodukt in den 15 Jahren von 2005 - 2020 um 40-45% zu reduzieren, sich bereits ein ehrgeiziges Ziel setzt, an dem sich auch die USA und Europa messen lassen müssen. Vielleicht liegt hier auch eine Ursache für das eine oder andere Missverständnis, das Ihre Positionen manchmal bei Berufsgrünen hervorrufen. Mit freundlichem Gruß Christoph Barthe
Sehr geehrter Herr Barthe, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es gibt keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen meiner These 6 und Ihrer Sicht. Klar: man kann hoffen, dass die Chinesen unserem Beispiel folgen und sich zu Einschränkungen des C02-Verbrauchs bereit erklären, wenn wir mit gutem Beispiel voran gehen. Das aber ist eine Aussage, die sich nicht auf die Entscheidungen der Firmen und Bürger, sondern die Entscheidungen des Staates bezieht, also eine mögliche chinesische Position bei den Verhandlungen für ein weltweites Klimaabkommen. Meine These bezieht sich nicht auf die politische Entscheidungsebene, sondern auf die Ebene der einzelnen Entscheidungsträger und auf die Marktprozesse. Da ist unilateral grüne Politik aus den im Artikel beschriebenen Gründen konterproduktiv. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob wir mit unseren politischen Vorleistungen bei den internationalen Verhandlungen etwas erreichen. Kopenhagen hat das ja gezeigt. Was die Chinesen zum Mitmachen bewegen wird, sind nur harte Positionen und glaubhafte Drohungen. Wenn wir unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen politisch drosseln und die Klimaerwärmung drosseln, haben sie bei gegebenem Klimaziel umso mehr Spielraum für eigene Emissionenen. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Vorschlag, dass sich der Staat an den privaten Geschäftsbanken beteiligen sollte, um deren Eigenkapitalquoten zu heben, scheint mir fast völlig aus der aktuellen Diskussion verschwunden zu sein. Ich bitte Sie, dieses Thema, wieder stärker in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken. Angesichts der immer stärker werdenden Kreditklemme, ist es der einzig faire Weg die Banken zu retten ohne Steuergeschenke an die Altaktionäre zu verteilen. Könnte diese von Ihnen entwickelte Stategie auf breiter Front umgesetzt werden, würde unser gesamtes Land sehr stark davon profitieren. Ich wünsche Ihnen einen "Guten Rutsch" und viel Erfolg im neuen Jahr, bei Ihrer wichtigen und oft mühsamen Überzeugungsarbeit. Herzliche Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, auch Ihnen alles Gute im neuen Jahr. Ich werde sehen, wie ich den Vorschlag der Staatsbeteiligung an den Banken im Gespräch halte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn Bei ihrer Argumentation gegen Mindestlohn und für aktivierende Sozialhilfe spielt ja das Thema der Produktivität der Arbeiter eine entscheidende Rolle. Von der Einführung eines Mindestlohns von 7,50€ wären ja fast ausschließlich Angestellte im Dienstleistungssektor betroffen. Nun meine ganz einfache und kurze Frage: Wie kann man die Produktivität eben eines solchen Angestellten bestimmen? z.B. die Produktivität eines Straßenkehrers oder einer Friseurin. Das muss doch irgendwie von der Zahlungsbereitschaft des Kunden abhängen. Ich studiere zwar VWL im 7. Semester, unter anderem bei ihnen, aber es bleibt mir ein Rätsel..
Sehr geehrter Herr Graf, in der Tat geht es um Wertproduktivitäten, und in die gehen die Preise ein, die von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängen. Je billiger die Haarschnitte sind, desto mehr werden nachgefragt. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geerhter Herr Sinn Ich habe ihren Bericht in der FAZ gelesen. Dieser Artikel beschreibt die Situation und das Verhalten der Deutschen und ihrer Politiker vollkommen richtig. Ich möchte dazu nur zwei Anmerkungen machen. 1. Biogas Wir ernten in Schleswig-Holstein um 50t Mais vom Hektar Wenn man eine gute Anlage hat schafft man 250m3 Gas pro Tonne mit 60% Methan. Das sind 7500m3 Gas mit Erdgasqualität , das entspricht 10KW je Kubimeter Gas oder auch 75000KW pro Hektar. Dieses Gas kaufen die Stromkonzerne für 7-8 ct/KW und betreiben damit Blockheizkraftwerke um Gebäude zu heizen und den Strom für 20ct an sich selbst zu verkaufen. Das Entscheidende ist der Rohertrag vom Hektar Mais ist 5250€. In Bayern ist der Maisertrag noch 30% höher. Die Kosten für die Biogasanlage pro Hektar und Jahr (Zinsen und AFA) beträgt ungefähr 1300- 1600€. 3500€ konkurrieren mit 1500€ Rohertrag bei Weizenproduktion. Der Aufwand ist bei Mais für Biogas aber 20% niedriger. Deutschland wird bei diesen Rahmenbedingungen Biogasland!!!! und das alles ohne Geld vom Staat. Die Nahrungsmittelproduktion kommt erst wieder auf diesen Flächen in Gang bei einem Weizenpreis von über 25€/dt 2. zu ihre Bemerkung der Maisversorgung Mexikos aus der USA. Bis 1990 versorgte sich Mexiko mit Mais und Zucker selbst, mit Gründung der nordarmerikanischen Freihandelszone waren die nicht mechanisierten Bauern in Mexiko nicht mehr wettbewerbsfähig, machten sowohl bei Zuckerrohr wie auch beim Mais eine reine Subsistenzwirtschaft und als dann die Nahrungsmittel knapp wurden konnten sie sofort wieder produzieren. Genauso wie USA verhindert die EU mit ihrer subventioniertenden Landwirtschaft Aufbau einer leistungsfähigen Landwirtschaft in diesen Ländern. Aber das Problem werden die Ökös bei uns ändern, wenn die Nahrungsmittelproduktion aufhört. Ich frage mich wie diese Probleme der Markt lösen sol. Peter Lund
Sehr geehrter Herr Lund, Ihre Zahlen sind sehr interessant. Die Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion wird die Welt verändern, auch Deutschland. Der Markt kann hier nichts lösen, sondern erzeugt das Problem. Meines Erachtens sollte der Staat Barrieren zwischen den Märkten aufbauen, anstatt die Verkopplung zu befördern. In meinem Buch "Das grüne Paradoxon" habe ich das näher ausgeführt. Ein ganzes Kapitel ist der Bioenergie gewidmet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich stimme Ihnen völlig zu, wenn Sie lt. FAZ-Artikel eine Kurskorrektur der Umweltpolitik und ein Ende des kostspieligen Aktionismus fordern. Wo Sie allerdings irren, ist Ihre Feststellung, dass die Erdtemperatur in 20 oder 30 Jahren höher sein wird als in den vergangenen 800 000 Jahren. Die Annahme, die Globaltemperatur würde sich nur nach dem CO2 richten, ist eine naive Irrlehre. Die Eiskernbohrungen von Grönland und der Antarktis zeigen eindeutig, dass sich in der Vergangenheit immer erst die Temperatur geändert hat (Haupteinfluss: die variable Sonnenaktivität) und dann mit Verzögerung der CO2-Gehalt angepasst hat (durch Ausgasung/Aufnahme der Ozeane). Hier verwechseln einige Leute aus ideologischen Gründen Ursache und Wirkung. Eine Vorhersage der Klimaentwicklung ist grundsätzlich nicht möglich, da zu viele Einflussfaktoren mitspielen, die heute noch nicht hinreichend definiert sind. Die vergangenen 10 Jahre haben dies erneut bewiesen: alle Vorhersagen (die nur auf CO-Anstieg beruhten) waren falsch. Niemand hat das Ende des Temperaturanstieges und den Rückgang in den letzten Jahren vorhergesagt. Wie der IPCC schon richtig festgestellt hat, gilt in der Klimawissenschaft: "In climate research and modelling we should recognize, that we are dealing with a coupled non-linear chaotic system, and therefore that the long-term prediction of future climate states is not possible". IPCC, Third Assessment Report, 2001, Section 14.2.2.2, page 774 Wenn Sie schreiben: "das Grönland-Eis wird noch in diesem Jahrhundert schmelzen", dann liegt offenbar ein tiefgreifendes Missverständnis vor: Auch bei langfristig erhöhten Temperaturen würde es etwa 10 000 Jahre dauern, bis der bis 3000 m starke Eispanzer abgeschmolzen wäre, auf dem heute Temperaturen von durchschnittlich -31°C herrschen. Ein Abschmelzen tritt nur an den Rändern und durch Gletscherfluss auf, wird aber weitgehend durch den jährlichen Schneefall auf der fast 2 Millionen Quadratkilometer grossen Hocheisfläche wieder ausgeglichen. Im übrigen zeigt die Temperaturhistorie von Grönland in den letzten 2000 Jahren eine abfallende Tendenz, siehe das beigfügte Diagramm. Mit freundlichen Grüssen Dr. D. E. Koelle
Sehr geehrter Herr Koelle, vielen Dank für Ihre Nachricht. Aber keine Angst, ich schließe nun wirklich nicht von der Korrelation auf die Kausalität. Mit der Kausalitätsfrage und den Eiskernbohrungen habe ich mich im ersten Kapitel des in der Fußnote des FAZ-Artikels genannten Beitrages beschäftigt. Die Prognosen stammen vom IPCC, die Aussage, dass der Rekord der letzten 800 Tausend Jahre gebrochen wird, folgt aus den Eiskernbohrungen. Zum Grönlandeis verweise ich auf: Ice-Sheet and Sea-Level Changes” Alley, Richard B., Clark, Peter U., Huybrechts, Philippe und Joughin, Ian, (2005), Science, Vol. 310 No. 5747, pp. 456-460. Danach beginnt das Eis ab einer Erwärmung der Atmosphäre bei 3 Grad Celsius zu schmelzen, natürlich von den Rändern her. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihren Vortrag in Hannover über die Finanzkrise vor einigen Monaten gehört und anschließend Ihr Buch zum Casino Kapitalismus gelesen. Die hat bei mir etliche Fragen aufgeworfen und ich erlaube mir, mich hilfesuchend hiermit an Sie zu wenden : Rein volkswirtschaftlich gesehen müßte die Bewältigung der jetzigen Krise doch wohl nicht zwangsläufig mit höheren Schulden einhergehen, wie man sagt. Wäre es nicht denkbar, daß statt der Verschuldung bei uns auch der Weg der dauerhaften Geldschöpfung gewählt würde, indem die Bundesbank sogenannten systemrelevanten Instituten „einen verlorenen Sanierungs-Zuschuß“ gewährte, der nie zurück gezahlt würde? Wie sich das auf das Vertrauen in die Stabilität der Währung , den Lebenshaltungskostenindex auswirkt. müßte man sehen… Ist die Fed nicht auf dem Wege dazu, indem sie Anleihen aufkauft (warten wir mal, was sie tut, wenn die nicht gezahlt werden können..) Man sagt gemeinhin, daß die Geldmenge, die heute weltweit existiert das 30fache? dessen umfaßt, was realwirtschaftlich notwendig ist. Verstehe ich es richtig, daß also ein Großteil der Geldmengen nicht in die Realwirtschaft fließen, sondern in finanziellen Gütern gebunden sind. Gibt es diese überhaupt oder hängt alles irgendwie mit der Realwirtschaft zusammen? Selbst wenn das der Fall wäre, gibt es offensichtlich einen riesengroßen, permanenten Bodensatz , indem das spekulative Geld steckt. Weiß man in etwa in welchen Kategorien und Größenordnungen die nicht realwirtschaftlich benötigten Beträge angelegt sind weltweit? Ich unterstelle, daß es solche finanziellen Güter gibt und frage folgendes: Irgendwann habe ich in der Jugendzeit etwas von der Fischerschen Verkehrsgleichung gehört , die heute wohl nur noch historische Bedeutung hat. Als Denkmodell scheint sie mir aber nach wie vor hilfreich, wenn man sie etwas erweitert, nämlich annimmt, daß Mit dem Einkommen gehortet+konsumiert+investiert+spekuliert werden kann (der Faktor Spekulation wäre hier neu. Ihn gab es immer schon , aber nie in so erheblichem Umfang wie heute im Verhältnis zur Realwirtschaft) Und neben dem Güterberg heute zusätzlich finanzielle Güter (Instrumente, wie Aktien, Kontrakte…) bestehen, die losgelöst vom Güterberg existieren können und ein Leben für sich leben.. Vor diesem Hintergrund würde dann deutlich, daß die Erweiterung der Geldmenge nicht zwangsweise zu einem Anstieg der realwirtschaftlichen Preise führt sondern sich die Effekte in einem Aufblähen und einer Inflation der Werte der finanziellen Instrumente sich zeigen kann. Hätte die Volkswirtschaftsehre einen Index für die Preisentwicklung der finanziellen Güter und betrachtete man beides zusammen, also insbesondere den Verbraucherpreisindex und den Finanzindex, müßte doch vieles deutlicher werden. Wie man diesen Index mißt und was man einbezieht, wäre sicherlich einiger Forschung wert. Wenn diese 2 Welten existieren, die eigenen Gesetzen unterliegen, dann würde auch deutlich, daß es völlig hirnrissig ist, den Banken Geld – heute auch noch auf unserer aller Kosten- zu geben, die zum größten Teil in Finanzinstrumente fließen, statt in die Realwirtschaft und daß es richtig wäre das Banksystem – wie in England wohl vorgesehen – in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Die Notenbank kann nicht beliebig viel Geld schaffen, weil das den Kapitalmarkt aushebelt. Die Zinsen sind dann praktisch null. In der Krise ist es ok. Bei Normalsituationen der Wirtschaft gäbe es Inflation. Deswegen ist die Monetarisierung der Staatsschuld keine Option. Die Geldmenge ist bestimmt nicht dreißig Mal höher als nötig. Das ist eine viel zu hohe Zahl. Wir müssen irgendwann zu einer Politik des knappen Geldes zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, im Rahmen eines von Herrn Professor Schwintowski (Humboldt Universität Berlin) betreuten juristischen Promotionsvorhabens befasse ich mich derzeit mit möglichen Regulierungsansätzen für Leerverkäufen. Im Rahmen dieser Dissertation bemühe ich mich um ein besseres Verständnis der ökonomischen Auswirkungen von Leerverkäufen auf die Finanzmärkte. Ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Leerverkaufsthematik in Ihrem jüngsten Buch „Kasinokapitalismus“ gelesen. In dem Buch betonen Sie die Eignung von Leerverkäufen zur Marktmanipulation sowie deren destabilisierenden Einfluss auf die Kapitalmärkte. Sie argumentieren, dass das typischerweise mit Hilfe von Leerverkäufen verfolgte Ziel – die Spekulation auf sinkende Kurse – auch durch Terminverkäufe von Aktien realisierbar sei. Daher seien Leerverkäufe letztlich überflüssig und zu verbieten. Ich teile Ihre Einschätzung hinsichtlich der mit Leerverkäufen verbundenen Risiken. Allerdings meine ich, dass Leerverkäufe durchaus sinnvolle Funktionen erfüllen können. So wird sich in dem von Ihnen genannten Beispiel der Terminkäufer – meist eine Bank – gegen das Risiko eines steigenden Kurses absichern wollen. Eine solche Absicherung erfolgt meines Wissens in der Praxis meist über einen simultan mit dem Termingeschäft getätigten Leerverkauf. Insofern scheinen mir Leerverkäufe jedenfalls zur Absicherung von Termingeschäften notwendig. Zu der Frage, wie sich Leerverkäufe auf die Finanzmärkte auswirken, existieren zahlreiche wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen meist angelsächsischen Ursprungs, die ich derzeit auswerte. Die meisten dieser Studien bescheinigen jedenfalls gedeckten Leerverkäufen positive Auswirkungen auf die Finanzmärkte. So wird betont, dass Leerverkäufe einen positiven Beitrag zur Marktliquidität und Preisfindung leisteten. Dennoch darf das Missbrauchspotential dieser Handelstechnik nicht aus den Augen verloren werden. Es stellt sich daher die Frage, ob Leerverkäufe in Deutschland und Europa wenn nicht zumindest erhöhten Transparenzerfordernissen unterworfen werden sollten. In Frage kämen hier bspw. Kennzeichnungspflichten für Leerverkäufe und/oder Meldepflichten hinsichtlich gehaltener Short Positionen, sobald diese gewisse Grenzwerte überschreiten. Für eine solche Kennzeichnungspflicht spräche, dass Leerverkäufe für die Finanzmarktaufsicht erkennbar und damit besser kontrollierbar würden. Zudem könnten die gesammelten Daten dem Finanzmarkt in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden und so zu einer Verbesserung der Markt- und Preistransparenz beitragen. Neben der Einführung der oben skizzierten Transparenzvorschriften könnte eine Unterbindung ungedeckter Leerverkäufe nach US- amerikanischem Vorbild (Regulation SHO à „locate requirement“ & „close out requirement“) sinnvoll sein. Zur Verhinderung von Leerverkaufs-Attacken auf einzelne Aktientitel könnte zudem die Einführung sogenannter „Circuit- Breaker“, die bei starken Kursrückgängen einzelner Aktientitel die Durchführung weiterer Leerverkäufe dieser Titel automatisch unterbinden, erwogen werden. Eine weitere Alternative wäre die Einführung einer Regelung, welche Leerverkäufe nur in steigende Märkte zulässt. Eine solche, an der US- amerikanischen „Up-Tick- Rule“ angelehnte Vorschrift wäre ggf. geeignet, eine Beschleunigung von Abwärtsspiralen durch Leerverkäufe zu verhindern. Mit der Leerverkaufsproblematik haben sich in kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen sowohl das Committee of European Securities Regulators (CESR) als auch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) befasst. Während die CESR primär mehr Transparenz für Leerverkäufe fordert, regt die IOSCO darüber hinausgehend die Einführung strikter Settlement- Vorschriften zur Bekämpfung von Lieferverzögerungen bei Wertpapiergeschäften an. Eine Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen würde für die betroffenen Wertpapierhändler/ Banken/ Investmenthäuser wohl nicht unerhebliche Kosten verursachen und zudem eine erhebliche Einschränkung der Geschäftstätigkeit bedeuten. Erste Stellungnahmen der Wertpapierwirtschaft zu den Vorschlägen der CESR und IOSCO fallen daher naturgemäß wenig euphorisch aus. Ich würde mich freuen, mit Ihnen oder einem mit dieser Thematik befassten Mitarbeiter Ihres Hauses zu den oben aufgeworfenen Fragen in Dialog treten zu dürfen. Würden Sie die Einführung von Transparenzvorschriften für Leerverkäufe begrüßen? Oder ist aus Ihrer Sicht ein völliges Verbot gedeckter und ungedeckter Leerverkäufe tatsächlich die einzig richtige Antwort auf die mit Leerverkäufen verbundenen Risiken? Ist das aktuell an deutschen Börsen für Wertpapiertransaktionen geltende Settlement- System ausreichend effektiv oder sollten hier verschärfte Regelungen (wie bspw. die Einführung von Strafzahlungen und schnellere Zwangseindeckung offener Positionen bei Lieferverzug) erwogen werden, um ungedeckte Leerverkäufen entgegenzuwirken? Mir ist bewusst, dass die vorstehend formulierten Fragen recht speziell und nicht einfach zu beantworten sind. Sie haben sich aber intensiv mit den Ursachen der Finanzkrise befasst. Möglicherweise können Sie daher zu der einen oder anderen der oben aufgeworfenen Fragen etwas sagen? Ich würde mich freuen, wenn Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten. Mit freundlichen Grüßen Dirk- Fabian Lange
Sehr geehrter Herr Lange, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Das Thema, das Sie sich vorgenommen haben, ist wichtig. Aber Sie sind sicherlich schon viel tiefer eingestiegen als ich. Die Transparenzregeln können helfen, wenn wir eine Aufsicht haben, die damit etwas anfangen kann. Was Sie an positiven Aspekten der Leerverkäufe aufzählen, will ich nicht bestreiten. Allerdings scheint mir, dass die genannten Effekte auch bei einfachen Termingeschäften zu erzielen sind. Das müsste die Forschungsstrategie sein: Herausfinden, was Leerverkäufe zusätzlich zu Termingeschäften an Vorteilen bringen. Wenn diese Vorteile damit zu tun haben, dass man als einzelner Investor den Marktkurs verändern kann, sind sie volkswirtschaftlich zu verwerfen. Wenn es andere Vorteile sind, die ich aber im Moment nicht überblicke, kann man Leerverkäufen positiver gegenüber stehen. Ich kann Ihnen also nur empfehlen, sich bei Ihrem Denkprozess präzise auf diese Fragestellung zu konzentrieren. Eigentlich ist die Fragestellung mathematischer Natur, aber ich weiß natürlich, dass es für Juristen nicht gerade naheliegt, die Natur der Geschäfte formal-mathematisch zu formulieren. Dann würde man aber präzise sehen, worin der Zusatznutzen der Leerverkäufe besteht und könnte volkwirtschatlichen von privatem Nutzen unterscheiden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn! Vielen Dank für Ihren Artikel in der heutigen FAZ. Erlauben Sie ein paar Bemerkungen dazu. Es mag sein, dass ich offene Türen einrenne, da ich leider das Buch, auf das der Artikel Bezug nimmt, noch nicht kenne. Jedenfalls ist es dankenswert, dass Sie die religiöse Komponente des Höllenhauches CO2 relativiert und daraus überzeugende Wirtschaftspolitische Konsequenzen aufgezeigt haben. Ich schreibe Ihnen als emeritierter Radiochemiker und pensionierter Geschäftsführer eines Nuklearbetriebes, der einen Großteil seines Berufslebens mit der intellektuellen Angst -campagne gegen Radioaktivität in Deutschland leben musste. Dadurch sensibilisiert sammle ich nun seit vielen Jahren sorgfältig Literatur zum Wetter, neuerdings als Nicht-begriff Klima überhöht, und lese diese kritisch, um mir ein eigenes Bild außerhalb dieser neumodischen verzichtsethischen Treibjagd machen zu können.. Es ist immer verdächtig, wenn alle sogenannten Fachleute zu ihrem eigenen Nutzen einer Meinung sind. Meteorologen waren immer arme Schlucker und sind erst mit der Klimahysterie an die Fleischtöpfe der Fördermittel herangekommen Umso mehr wundert es, wenn es schon ganz zu Anfang der Beobachtungen eines sich anbahnenden Klimawandels immer Fachleute gab, die einen Einfluss des CO2-anstieges in der Atmosphäre als den bestimmenden Faktor infrage gestellt haben. Meine Sammlung solcher Stimmen hat mittlerweile schon fast biliophilen Charakter und geht weit über die 1000 Zitate hinaus, wobei auch berühmte Forscher darunter sind. Da werden auch beispielsweise die von Ihnen zitierten Bohrkernanalysen aus der Antarktis wegen der Diffusion zwischen den Eisschichten ernstlich in ihrer Aussagekraft angezweifelt. Es scheint aber unbestreitbar zu sein, dass nach einer langen Periode relativ bescheidener Klimaveränderungen nun doch eine Erwärmung messbar ist. Es wird allgemein versucht, durch Vergleiche mit früheren Perioden des Erdklimas eine Zukunftsprognose zu erhärten. Die neuen Klimamodelle schießen aber meist weit über die erwartbaren Veränderungen hinaus und sind damit wenig glaubwürdig. Es fällt auf, dass zwei Grundfragen übegangen werden : 1) Hängen gleichzeitig ablaufende Vorgänge tatsächlich ursächlich zusammen ? Dann könnte man ja beispielsweise durch eine Storchennestanbringungsverordnung auch unsere demographische Delle auswetzen. 2) Lösen lineare Veränderungen einer Bestimmungsgröße bei der anderen unbedingt und nur lineare Veränderungen aus - oder könnten es auch nicht lineare, also degressive oder progressive Folgen sein ? Zu 2) könnte man immerhin fragen, was denn am Menschen-gemachten CO2-anstieg anders wäre, als es die Vergangenheit ausweist. Der einzige Unterschied, der auffallen könnte, ist das D(C)/dt, die Anstiegsgeschwindigkeit, die in geologischen Dimensionen betrachtet von geradezu explosionsartiger Plötzlichkeit ist. Merkwürdigerweise hat dieser Umstand, weil er keinerlei erdgeschichtliches Vorbild hat, noch wenig Beachtung gefunden. Man darf aber vermuten, dass die abmildernden Augleichsvorgänge zwischen den verschiedenen Kohlenstoffdepots der Erde, wie sie bisher immer stattfanden, nicht so schnell folgen können. Das betrifft zu allererst das beweglichste nach der Atmosphäre, das Depot Meerwasser, das ja immerhin 30 mal größer als das der Atmosphäre ist (aus der Umverteilung von Radiokohlenstoff nach den oberirdischen Atombombenversuchen weiß man, dass die obere Meeresschicht CO2 mit einer Halbwertszeit von etwa 12 Jahren mit der Atmosphäre austauscht, von tieferen Schichten weiß man aber nichts), wie auch die Pflanzendecke, das Plankton und die Karbonatbildung in den Gebirgen als Hauptauffang-Reservoirs. Es gibt auch ein Henne-Ei Problem mit der Meerwassertemperatur, die aus welch- immer Gründen ansteigt und damit nicht nur Teile des gelösten CO2 nach Mineralwasserart freisetzt, sondern auch Teile des unter-meerischen Methans. Damit könnte es sein, dass wir wegen der einmaligen Anstiegsgeschwindigkeit bereits jetzt einem sich selbst beschleunigenden Änderungsvorgang ausgesetzt sind, den man nicht mehr durch auch noch so rigorose Exhalationsbeschränkungen aufhalten kann. Das wäre ! zwar wenig ermutigend. Wir wissen es aber nicht. Ebenso könnte es sein, dass die Wärmerückhaltewirkung des CO2 schon heute weit über der atmosphärischen Sättigungsgrenze liegt und mehr davon im Vergleich zum Wasserdampf gar nichts mehr bewirkt - ein degressives Klimamodell. Es würde dennoch die Schlussfolgerung nahe legen, dass wir alle unsere Mittel vorzugsweise für eine Folgenminderung einsetzen müssen, da uns eine wirkliche Klimaänderung ja mindestens über Jahrhunderte begleiten würde, bis der Kohlenstoff-Kreislauf wieder zu den alten Niveaus zurückfindet. Die augenblickliche Vermeidungshektik greift bestimmt nur langsam, wenn überhaupt, und nur mit einer weltweiten Ökodiktatur. Teuer ist sie obendrein. Meinen wir ernstlich, dass wir das Abholzen der letzten Büsche in der Savanne mit aus Deutschland geschenkten Sonnenöfen vermeiden können ? Oder woher sollen die für unsere Ochsenmästung dringend erforderlichen zusätzlichen Sojabohnen kommen, wenn nicht aus den Urwald-Rodungsflächen? Können wir wegen der Methanfreisetzung Japan, Korea, den Philippinen und Indonesien den Nassreis-Anbau verbieten und bei uns die Kuhmilch rationieren? Solcherlei Fragen gibt es viele, aber keine schlüssigen und umsetzbaren Antworten. All das unterstreicht nur Ihre Ausführungen - daher nochmals meinen Dank ! Mit freundlichen Grüßen! Prof. Dr. Wolfgang Stoll (Anmerkung: Diesem Beitrag sind noch folgende Hinweise hinzuzufügen: CO2- Zbigniew Jaworowski, “The greatest scientific scandal of our Time” EIR Science, March 16, 2007, Seite 38 -53, dort: 18 weitere Literaturhinweise. Es gibt darüber hinaus neuere Arbeiten über andere klimawirksame Gase von fast ebenso großem Einfluss ,wie z.B. Methan, und die ebenso neue wie verblüffende Erkenntnis, dass sowohl die Algen der Weltmeere, wie auch die normalen Pflanzen im Sonnenlicht neben Zuckern auch erhebliche Mengen Methan produzieren. Das Thema ist viel verzwickter, als man zunächst glaubt. So schert sich niemand darum, dass z.B. der anaerobe Grenzbereich von einer Tiefe von 250 m im Schwarzen Meer durch Eintrag organischen Materials (Dreck) aus den Zuflüssen in den letzen 20 Jahren bis auf -100 m angestiegen ist und ein Durchbruch mit der Folge von großen Exhalationen von Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff in irgendeinem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zum Umkippen dieses Meeres führen muß. Prinzipiell kann das irgendwann bei allen Meeren passieren, vor allem nach Algensterben durch Übersäuerung. Das ist neben den Wirkungen von Methan aus den Wirkungen des auftauenden Permafrostbodens eine der vielen großen Unbekannten im Wettergeschehen der Zukunft. Von dem unaufhaltsam anwachsenden Stickoxidul (170 mal wirksamer als CO2) aus unserer Düngung (besonderer Sünder der durch Rapsanbau verdichtete Boden ) will ich erst gar nicht anfangen. Der Wahlspruch heißt: Es gibt viel zu tun: Warten wir´s ab !)
Sehr geehrter Herr Kollege Stoll, haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme, die ich mit Interesse gelesen habe. All Ihre skeptischen Fragen sind berechtigt. Zur Frage der Kausalität zwischen Kohlendioxid-Gehalt und Temperatur gilt natürlich das von Ihnen Gesagte. Im Wesentlichen macht die Temperatur das Kohlendioxid in der Luft, und nicht so sehr umgekehrt. Dennoch gibt es auch die umgekehrte Korrelation, was den Treibhauseffekt hervorruft und verstärkt. Das folgt im Wesentlichen aus Messungen, die man aus dem Weltall bezüglich der zurück kommenden Strahlung gemacht hat. Sie zeigen, dass das Strahlungsspektrum genau im Bereich des Kohlendioxid-Filters Lücken hat. Ich habe solche Themen in meinem Buch diskutiert. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie mögen ein kluger Mensch sein, doch Ihre Beurteilung über die Situation der Hartz IV-Empfänger hat wenig mit der Realität zu tun. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie von dieser Realität zu weit entfernt sind. Sicherlich gibt es Gemeinden, in denen einiges billiger ist, verglichen mit Städten, in denen manches teurer ist. Dennoch würde ich mir, nach 35 Jahren Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit durch einen betrügerischen Konkurs meines Arbeitgebers wünschen, in einer grösseren Stadt zu leben. Mit meinem Einkommen durch Hartz IV bin ich z.B. völlig unbeweglich, da ich Transportkosten im kleinstädtischen Bereich nicht finanzieren kann.Es ist schlichtweg zu teuer. Ich schaffe gerade mal die Buskosten, um zum Arzt zu kommen, Kosten, die ich ohne Hartz IV möglicherweise nicht hätte, da ich mit normaler Arbeit wahrscheinlich gesunder wäre. Nach 35 Jahren Berufsstätigkeit ohne Erkrankungen hoffte ich auf ein Älterwerden in meinem Beruf, der mir viel Freude machte. Ein krimineller Arbeitgeber, für den ich die letzten 14 Berufsjahre gearbeitet habe, führte die Firma in eine betrügerische Insolvenz, wurde allerding niemals erwischt. Doch mich hat es aufgrund Hartz IV voll erwischt. Ich bin einfach daran krank geworden. Ohne Perspektive mit Geld, das zum Überleben reicht, aber von der Gesellschaft ausschliesst, braucht man all seine Kraft, um diesem Leben kein Ende zu setzen. Selbst die ehrenamtliche Tätigkeit mit benachteiligten Kindern schafft da keinen Ausgleich, da mir auch dabei die entsetzlichen Folgen des Neokapitalismus permanent vor Augen geführt werden. Wahrscheinlich könnte ich das alles besser ertragen, wenn ich über ein gewisses Mass an Dummheit verfügen würde. Leider kann ich mir die nicht mehr aneignen. Nur dass Sie, der sich wirklich um gar nichts wirtschaftlich sorgen muss, solche Weisheiten loslassen, demonstriert Ihre Unwissenheit. Auch ohne Alkohol und ungesunde Lebensweise werden Menschen, die an sich gern arbeiten würden und trotz excellenter Ausbildung und Berufspraxis in diesem Land keine Arbeit fanden und finden, krank. Dieser Aspekt kommt mir immer viel zu kurz. Mit der staatlichen Hilfe kann ich sehr wohl rein körperlich überleben. Ich habe aber nicht die geringste Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Da ich billig leben muss, wohne ich ausserhalb. Sonst würde meine Miete nicht übernommen. Ich kann mich aber nicht nach innen bewegen, weil die Transportkosten zu hoch sind. Für einen Besuch in die Stadt muss ich zwei Wochen sparen. Der völlige Verzicht auf Fleisch, Aufschnitt und Kaffee ermöglicht es mir, dass ich alle Vierteljahr einmal eine Eintrittskarte von ca. EUR 8 erwerbe, um mal eine Autorenlesung zu besuchen. Wahrscheinlich soll ich das aber gar nicht, sondern mich nur vom TV und Prof. Sinn einlullen lassen, damit ich ja nicht kritisch werde. Herr Prof. Sinn, beschränken Sie sich auf das, was sie mal gelernt haben, aber lassen Sie Ihre Finger weg von Beurteilungen dessen, was HartzIV-Empfänger zu viel oder zu wenig haben - Sie haben keine Ahnung! Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, den ich sehr überzeugend finde. Aber Sie scheinen implizit davon auszugehen, dass ich die Hartz-IV-Sätze im kleinstädtischen Bereich kürzen möchte. Darf ich fragen, wie Sie darauf kommen? Ich habe das nicht vorgeschlagen und würde deshalb gerne von Ihnen wissen, was Ihre Quelle ist. Auf einer Homepage ist eine Lüge in dieser Richtung verbreitet worden. Dagegen gehe ich juristisch vor. Mich würde es interessieren, woher Sie Ihre Information haben. Bestimmt nicht von mir. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion siehe oben) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, danke für Ihre umgehende Antwort. Da ich zwar kein Geld, aber sehr viel Zeit habe, lese ich viel. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob die von mir geschilderte Information aus irgendeiner Zeitschrift - Spiegel, Focus, Stern, Manager-Magazin - oder aus der Tagespresse stammt. Übrigens kann ich mir all diese Dinge nicht kaufen, sondern erhalte sie von Familie und Freunden abgelegt, d.h. nach 1 oder 2 Wochen. Es ist aber auch möglich, dass ich die Information aus Radio oder TV habe. Zunächst hatte ich mehrere Tage meiner Empörung gefrönt, bevor ich Ihnen meine mail schickte. Da ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, unsachliche Angriffe auf alles, was mit HartzIV zu tun hat, und auch grundsätzlich auf HartzIV-Empfänger - und das beginnt leider bei den imkompetenten Mitarbeitern der ARGE - hinzunehmen und zu verkraften, reagiere ich normalerweise nicht. Doch die Ihnen zugeschriebene Äusserung ging mir schlichtweg zu weit, da sie sicherlich von unwissenden Politikern gern zur Grundlage genommen wird, Kürzungen vorzunehmen, deshalb meine mail. Nach 35 Jahren Berufstätigkeit mit 3 äusserst wohlgeratenen Söhnen, die diesem Land viel Steuern zahlen, fühle ich mich schlecht behandelt. Seit 9 Jahren habe ich mich von Flensburg bis Garmisch beworben, mit ausgezeichneten Unterlagen. Vielleicht hätte ich mein Alter fälschen sollen. Ganz klar bin ich der Meinung, dass ich all die Despektierlichkeiten, die ich permanent höre oder lese, nicht verdient habe. Es gibt gewiss ausser mir noch viele andere 'Hilfeempfänger', die ähnlich empfinden. Ich bedaure, dass ich Ihnen keine Quelle benennen kann, aus der die benannten Fakten stammen. Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, vielen Dank für Ihre Antwort. Aber Sie sehen, wie das Mediengeschäft läuft. Hier kochen einige Leute ihre eigenen Süppchen, indem sie die Empörung zu einer Geschäftsidee machen. Mit freundlichem Gruß und den besten Wünschen bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es ist begrüßenswert, dass die Hartz-IV-Regelungen auf den Prüfstand sollen. Nicht begrüßenswert ist Ihr Vorschlag, Hartz-IV-Leistungen territorial zu staffeln. In Berlin seien die Lebenshaltungskosten höher als in Hoyerswerda? Vielleicht auch noch zu unterscheiden zwischen Berlin-Ost und Berlin-West? Dann staffeln Sie bitte auch gleich die Renten, dass ALG I und die Prämien für Krankenkassen - vielleicht auch noch die Löhne? Welch unsinniger Vorschlag, welch bürokratischer immenser Aufwand? Aber immerhin, Herr Professor, so bleibt man im öffentlichen Dialog. Das ist doch auch schon viel wert. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich darf darauf hinweisen, dass die Renten, das ALG I, die Löhne und die Krankenkassenprämien allesamt regional gestaffelt sind! Das scheinen Sie zu übersehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auf Seite 510 wird die EU-Verfassung Artikel II-34 erwähnt. Frage: Wurde dieser Artikel inzwischen geändert? Wenn ja, wie? Mit freundlichen Grüßen Hermann Weller
Sehr geehrter Herr Weller, der zitierte Artikel bezieht sich auf einen Entwurf der EU-Verfassung, der im irischen Referendum gescheitert ist. Inzwischen wurde stattdessen ein Grundlagenvertrag angenommen, bei dem alles nochmal neu nummeriert und vieles umgeschrieben wurde. Der Inhalt dieses Paragraphen ist meines Wissens aber noch vollständig erhalten. Nur fehlt mir jetzt die Zeit, dem nachzuforschen. Ich bitte um Ihr Verständnis. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, warum fehlt in Deutschland der politische Wille, sich temporär an Banken, mit zu niedrigen Eigenkapitalquoten, zu beteiligen. Kann es daran liegen, dass den meißten Menschen nicht klar ist, dass eine Kapitalerhöhung im Kern bedeutet, dass die Aktien der Altaktionäre, nach der Kapitalerhöhung, nicht mehr den gleichen prozentualen Anteil am Gesamtunternehmen repräsentieren wie vor der Kapitalerhöhung. Und dies unabhängig davon, ob die Aktien der Altaktionäre nach der Kapitalerhöhung gefallen oder gestiegen sind? Mit freundlichem Gruß Noel König
Wenn ich das wüsste, lieber Herr König. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prefessor Sinn, geben Sie lieber zu, dass auch dieses System mit 250 km/h gegen die Mauer fährt. Schulden soweit das Auge reicht - wir leben über unsere Verhältnisse, jedoch nicht weil die Bürger das so wünschen. Preise in diesem System werden nicht durch den Gegenwert der Ware oder Dienstleistung bestimmt, sondern nach dem Einkommens- niveau der Bevölkerung. Dies fordern Sie nun auch bei den Regelsätzen der ALG II- Sätzen - Angleich der sozialen Leistungen nach Ausgabenniveau der jeweiligen Region. Hiermit befeurern Sie gerade zu das Spekulantentum von Regionen wie München und Stuttgart oder auch in Berlin. Welchen Sinn kann es haben, dass junge Familien in München nie in der Lage sein werden sich Wohneigentum zu schaffen ohne sich und Ihre Kinder lebenslänglich an die Willkür der Banken auszuliefern? Scharen von fahrenden, telefonierenden und Internet-Abzockern überziehen das Land und stürzen Bürger mit seitenweisen missverständlichen Verträgen in Unheil. Die wirklichen Verbrecher sind m.E. die internationalen Konzerne, welche bspw.fuer einen Dollar in Bangladesch oder Kambodscha ein Poloshirt nähen lassen (wobei auch hier der Löwenanteil den Fabrikbesitzer bleibt) und dieses dann in der westlichen Welt unter wohlklingenden europäischen Namen für 50 Dollar verkaufen. Hier fordern Sie nie eine Regulierung und erklären die sittenwiedrige Praxis mit dem Gespenst der globalen Marktwirtschaft. Hier werden Milliardengewinne ergaunert, die keinem ALG II-Bezieher zu Gute kommen. Btw: der kauft bei KIK sein Poloshirt aus China (Zwangsarbeiter, die von Ihren Familien verschleppt werden sehen keinen Lohn für Ihre Arbeit). Ist dies Sinn der (marktwirtschaftlichen) Demokratie? Ich glaube nicht! Mit freundlichen Grüßen, irgendein Bürger.
Sehr geehrter Herr N., ich verstehe Ihre Skepsis bezüglich des Finanzwesens und stehe ihr nicht ganz fern, nur dass meine Kritik weniger radikal wäre. Zu Hartz IV: Die Mietzuschüsse sind ja schon heute nach den regionalen Gegebenheiten gestaffelt. Was ich vorschlage, ist auch die unterschiedlichen Preisniveaus der Konsumgüter zu berücksichtigen, damit jeder Hartz-IV-Empfänger gleich viel bekommt. Es kann nicht sein, dass der Lebensstandard der Hartz-IV-Empfänger in der Großstadt kleiner ist als auf dem flachen Lande. Gleiches muss gleich behandelt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn,Ihre Äußerung über die regionale Anpassung der Hartz4-Sätze ruft bei mir Erstaunen hervor.Kosten für Unterkunft und Heizung übernehmen in der Regel die Städte und Kommunen,egal ob in Berlin,Hoyerswerda,München oder im Sauerland.Die wirklichen Kosten die zu Buche schlagen sind Kosten für Lebensmittel,Gas,Strom und Dienstleistungen,egal ob in Berlin,München,Hoyerswerda oder in der Uckermark.Denn diese Kosten sind überall gleich,Milch,Butter oder Wurst kosten in der Uckermark genausoviel wie in Schwaben.Dazu noch die Dienstleistungen die in einkommensschwachen Regionen zum Teil noch höher liegen wie in Ballungsgebieten. Ich weiß wovon ich schreibe,beziehe nun nicht gerade Hartz4 sondern bin Eu-Rentner und bekomme neben meiner Rente noch Grundsicherung aber nach Abzug der Miete verbleibt mir gerade noch der Regelsatz in Höhe von 359,00 EURO.Und das kuriose an der ganzen Sache ist mir wurden die von mir erarbeiteten Rentenpunkte West in Rentenpunkte Ost umgewandelt. Also bitte sehr geehrter Herr Prof.Sinn erst einmal sehr genau recherchieren und sich dann dazu Äußern.
Sehr geehrter Herr Sonnenberg, die Kosten der Lebensmittel sind keineswegs gleich. Die Unterschiede betragen bis zu 6% zwischen den teuren und billigen Regionen, von der Miete abgesehen. Ich will nur, dass Gleiches gleich behandelt wird. Wer keine Arbeit hat, muss überall so unterstützt werden, dass er den gleichen Lebensstandard hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf die Diskussion vom 29. Oktober 2009)Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Analogie die Sie zwischen einem Unternehmen (Gewinn von 100, Schulden von 150) und dem Staat herstellen, enthält einen Fehler. Der Gewinn eines Unternehmens ergibt sich aus den Einnahmen abzüglich der Ausgaben. Die richtige Analogie bestünde aus dem Gewinn eines Unternehmens und einem etwaigen Budgetüberschuß des Staates. Hätte der Staat einen Budgetüberschuß von 1000 Milliarden Euro, könnte er die Staatsschulden von ca. 1600 Milliarden genauso gut beherrschen wie ein Unternehmen seine Schulden von 150 bzw. 160 bei einem jährlichen Gewinn von 100. Wie weit wir davon entfernt sind, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Aber der Staat hat ja immer noch seine Immobilien. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, jeder Vergleich hinkt, zugegeben. Dennoch, das Einkommen einer Unternehmung ist der Gewinn, und das Einkommen des Staates sind seine Steuereinnahmen und Beiträge, nachzulesen in jedem Lehrbuch der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (Stobbe z.B.). Aber besser sollte man mit dem Kapitalbestand vergleichen. Unternehmen finanzieren stets einen erheblichen Teil des Kapitalstocks, mit dem sie arbeiten, mit Fremdkapital, und der Staat tut es auch. Nach Art. 115 GG darf er nicht mehr an neuen Schulden aufnehmen, als er real investiert, und ein Großteil des staatlichen Kapitalbestandes ist schuldenfrei. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass man eigentlich nur eine Teilfinanzierung neuer Investitionen durch Schulden erlauben sollte und überhaupt enge Schuldengrenzen einziehen muss. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, in Nachgang zu unserer anregenden Diskussion in Würzburg schicke ich Ihnen den Artikel von Paul Krugman, auf den sich meine Äußerungen bezogen haben, das erwähnte Titelbild des Economist und ein paar Gedanken, die ich vor fast einem Jahr zur Finanzkrise aus psychologischer Sicht zu Papier gebracht habe. Mit herzlichem Gruß, Fritz Strack http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html http://memex.naughtons.org/wp-content/uploads/2009/08/economist_economic_theory.jpg http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,585425,00.html
Lieber Herr Strack, erst jetzt komme ich dazu, auf Ihre Mail zu antworten. Ihren Beitrag finde ich sehr überzeugend, sehe aber keinen Widerspruch zur Ökonomie. Wenn Sie z.B. auf die Asymmetrie der Beteiligung an Gewinnen und Verlusten hinweisen, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Das habe ich in meiner Dissertation schwerpunktmäßig behandelt. (Ök. Entscheidungen bei Ungewissheit, Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Mohr-Siebeck 1980.) Auch der folgende Beitrag untersucht das Thema: „Kinked Utility and the Demand for Human Wealth and Liability Insurance“, European Economic Review 17, 1982, S. 149-162. Der Krugman-Artikel ist bissig, aber in seiner Kritik am Chicago-Ansatz korrekt. Wiederum kein Widerspruch. Auch ich habe in meinen Vorlesungen diesen Ansatz stets massiv mit ähnlichen Argumenten kritisiert und mich beim Konjunkturthema auf die Seite der Keynesianer geschlagen. (Dass die meisten ökonomischen Probleme nichts mit Konjunktur und Krisen zu tun haben, weiß natürlich auch Krugman. Er selbst hat kaum in dieser Richtung publiziert.) Hier zwei meiner Beiträge aus dieser Richtung, wo ich die Alt- und Neumonetaristen aus Chicago kritisiere. „Rationale Erwartungen, Rationierung und Rezession ‑ Braucht keynesianische Politik dumme Bürger?“, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 199, 1984, S. 158-178. „Pro und Contra Crowding Out. Zur Stichhaltigkeit dreier populärer Argumente“, Kredit und Kapital 16, 1983, S. 488-512. Das alles ist aber keine Kritik am ökonomischen Ansatz an sich, sondern eine hausinterne Kritik. Auch Krugman kritisiert ja nicht sich selbst, sondern speziell nur die Ökonomen der Chicago-Schule. Der Konflikt zwischen der Ostküste und Chicago ist alt. Europa steht überwiegend auf der Positition der Ostküste. Und in Deutschland haben wir die neoliberale oder ordoliberale Schule, die eine starke Rolle des Staates bei der Setzung der Spielregeln bejaht. Diese Schule ist ziemlich deckungsgleich mit dem, was die Ostküste meint. Diese Krise ist in der Tat eine Schlappe für Chicago und ein Triumph des Neoliberalismus, jedenfalls in seiner ursprünglichen Bedeutung als Gegenteil von Paleoliberalismus, der dem heutigen Chicago-Liberalismus entspricht. Wir hatten uns noch über die effizienten Märkte ausgetauscht. Das stammt von Fama und meint nur, dass die Kurse zu jedem Zeitpunkt die dann vorhandene Information widerspiegeln. Effiziente Märkte im Sinne der allokativen Effizienz, also der Hauptsätze der Wohlfahrtstheorie sind damit nicht gemeint. In einem Punkt stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass man zur Erklärung der Krise irrationales Verhalten braucht. In meinem Buch "Kasino-Kapitalismus", das ich Ihnen zukommen lasse, läuft die Erklärung im wesentlichen über die Haftungsbeschränkung und die asymmetrischen Entlohnungsstrukturen, die daraus resultieren. Bislang habe ich noch kein Argument gehört, wie irrationales Verhalten die Krise zur Krise hätte beitragen können. Auch die Fehleinschätzung kleiner Wahrscheinlichkeiten, die wir seit Allais (ich glaube 1949) kennen, trägt nichts Erkennbares bei. Die Banken hätten genauso gespielt, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten korrekt eingeschätzt hätten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betrifft: Das Grüne Paradoxon darf nicht zum Atomausstiegs-Verschiebungs Paradoxon werden Hallo Herr Prof. Sinn, 1. eine gute Theorie muss man auch breit einsetzen können. Ich wende daher mal das Grüne Paradoxon auf die beschlossene Verschiebung des Atomausstieges an. Das Ergebnis: der verschobene deutsche Atomausstieg bringt überhaupt keine CO2-Einsparung solange die CO2 Zertifikate insgesamt (also nicht nur für Deutschland) nicht entsprechend reduziert werden. 2. Also muss man als Klimaschützer fordern: Weniger CO2-Zertifikate und höhere CO2-Einsparquoten zur Realisierung der Kernenergie-Dividende. Auf der COP15 Konferenz in Kopenhagen ergibt sich hierfür im Dezember 2009 eine gute Gelegenheit. 3. Die Bundesregierung ist hier jedoch bisher noch nicht auf dem richtigen Weg. Im neuen Regierungsprogramm wurde das bisherige CO2-Einsparziel von 40% (für 2020 im Vergleich zu 1990) noch nicht geändert. Dies wäre aber auch nur ein erster Schritt, denn die Verankerung bei den CO2-Zertifikaten müsste folgen. 4. Seltsam ist nur, dass die Grün- Orthodoxen diese weiche Flanke des verschobenen Atomausstieges noch nicht erkannt haben. Oder behindert sie da vielleicht ihre Lebenslüge, dass man nämlich mit Kernenergie ja eh kein CO2 einsparen könne? Oder behalten sie sogar am Ende noch Recht, wenn der Weiterbetrieb der Kernenergie nicht als Verknappung der Zertifikate umgesetzt wird? Dr. rer. nat. Gerhard Luther, Saarbrücken
Sehr geehrter Herr Dr. Luther, vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Tat ist der Verzicht auf den Atomausstieg für sich genommen klimapolitisch irrelevant, weil der CO2-Ausstoß Europas bereits durch die Menge der Emissionszertifikate gesteuert wird. Er ist aber natürlich relevant für die Energiekosten, weil Atomenergie, zumal von Kernkraftwerken, die schon stehen, die billigste Energieform ist. Ob es Sinn macht, die C02-Menge in Europa unilateral weiter zu senken, wage ich zu bezweifeln, denn der Kohlenstoff, den wir Europäer nicht kaufen, wird halt anderswo angeliefert und verbrannt. Ich meine deshalb, dass es keine Alternative zu einem weltweiten Emissionshandel gibt, an dem sich alle Länder beteiligen. Weitere Vorleistungen Europas könnten konterproduktiv sein, weil sie den Chinesen und Amerikanern noch mehr Anreize gibt, auf eigene Anstrengungen zu verzichten, und zwar sowohl politisch als auch über die Märkte wegen der Absenkung der Preise für fossile Brennstoffe. Noch eine Anmerkung zum grünen Paradoxon. In meinem gleichnamigen Buch werden zwar einige Paradoxa beschrieben, doch ist der Name für einen besonderen Effekt reserviert. Wenn die grüne Politik allmählich immer grüner wird, verringert die grüne Politik die Steigerungsrate der Preise der fossilen Brennstoffe, was den Ressourcenbesitzern Anreize gibt, schneller zu extrahieren und ihr Vermögen in Finanzanlagen umzutauschen, weil die Rendite der Ressourcen im Boden kleiner wird. D.h. angekündigte grüne Politik senkt die Preise der fossilen Brennstoffe heute und beschleunigt den Klimawandel. Das gilt für alle Arten grüner Politik, sogar unilateral angekündigte Einschränkungen der Menge der Emissionszertifikate. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, danke für Ihre Antwort. Bei den Staatseinnahmen hatte ich mich "versehen": Es stehen hier wohl ca. 1.050 Mrd. € etwa 1.600 € Staatsschulden gegenüber, was einem Verhältnis von Staatseinnahmen und -schulden von ca. 0,7 entspräche. Der Vergleich zu solchen anlageintensiven Unternehmen wie BMW bzw. VW würde indessen Relationen von immerhin 1,5 bzw. 2,1 ergeben. Ich sehe natürlich - unter den Maßstäben etwaige Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung - Deutschland gewiss nicht als "insolvenzgefährdet", meine aber, dass die Grenzen der Verschuldung (so langsam?) erreicht sind. Außerdem sehe ich nicht, dass diese Verschuldung in den nächsten Jahrzehnten nennenswert abgebaut werden könnte. Und das hielte ich für nicht ungefährlich, weil damit die Handlungsspielräume der "öffentlichen Hände" immer weiter sinken. Die "Finanzverfassungen" mancher Kommunen sind doch heute schon mehr als bedenklich. Etwa aus bankbetriebswirtschaftlicher Perspektive würde ich Deutschland daher schon intensiver beobachten (was Tripleas der Rater wert sind, haben wir erfahren!) und im Übrigen hoffen, dass es zu einer nächsten Finanzkrise nicht kommen wird. Reicht aber das Prinzip Hoffnung aus? Danke und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, Ihre Sorgen teile ich vollauf. Keinesfalls reicht das Prinzip Hoffnung. Umso wichtiger ist die Schuldenbremse, die die alte Regierung noch im Grundgesetz verankert hatte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wenn ich es recht sehe, wäre ein Unternehmen bei einem Schuldenstand von 1.500 Mrd. € und jährlichen Einnahmen von etwa 500 Mrd. € "pleite", weil der fällige Kapitaldienst zumindest aus einer durchschnittlichen Umsatzrendite (vor Zinsen) nicht erwirtschaftet werden könnte. Beim Staat ist das offenbar anders und man fragt sich als bescheidener Betriebswirt, ob hier jemand - ohne, dass man das bislang merkte - das ökonomische Perpetuum mobile erfunden hat. Diese Frage drängt sich umso mehr auf, als die Regierung Staatseinnahmen über Steuersenkungen schmälern möchte und (vielleicht mit Laffer?) gleichzeitig Einnahmen stimulierende Wachstums- und Steuereinnahmenwunder erhofft. Daher erlauben Sie folgende Fragen: Wie muss man (empirisch) etwa den Zusammenhang zwischen Steuer-, Haushaltseinnahmen- und Staatschuldenveränderungen sehen? Gibt es eine Grenze für die Höhe der Staatsschulden? Eine Schuldenrückführung pro rate temporis durch diese und folgende Generationen erscheint mir immer mehr illusorisch. Welche realistischen Alternativen - jenseits eines "Währungsschnittes" - gibt es eigentlich? Danke für Ihre Antwort und Mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, der Staat hat jährlich ein Einkommen aus Steuern und Beiträgen von (aus dem Kopf) gut 1000 Milliarden. Das ist nicht wenig bei einem Schuldenbestand von 1500 Milliarden Euro. Ein Unternehmen, das bei Gewinnen von 100 Schulden von 150 hat, ist extrem gut aufgestellt. Gemessen daran ist der Staat noch lange nicht überschuldet. Auch ist das Immobilienvermögen des Staates sicherlich weit mehr als 1500 Milliarden Euro wert. Trotzdem ist die Schuld hoch genug und muss abgebaut werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie sprechen von "angeblichen Wachstumszwang". In einer früheren Diskussion mit mir sagten Sie, würde die Zentralbank ihre Zinsgewinne nicht in den Bundeshaushalt einbringen, sondern erneut an den privaten Sektor verleihen, würde dies Inflation erzeugen. Wenn ein Großteil der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken erfolgt, welche ihre Zinseinahmen fortlaufend für neue Ausleihungen verwenden, müßte dieser Prozess doch auch eine Ausweitung der Geldmenge und damit Inflation nach sich ziehen, falls das reale Wirtschaftswachstum mit der Ausweitung der Geldmenge nicht mithalten kann. Was wären Ihrer Meinung nach die Folgen, wenn das Wirtschaftswachstum ganz zum erliegen käme? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Sie haben Recht, wenn die privaten Geschäftsbanken ihre Zinsgewinne vollständig thesaurieren würden. Das tun sie aber nicht, denn die Aktionäre wollen Dividenden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, die neue Regierung Merkel/Westerwelle möchte die Steuern senken, um Wirtschaftswachstum zu erreichen. In Deutschland ist die Abgabenlast laut Spiegelonline weitaus höher als die Steuerlast. Wäre es nicht sinnvoller, um Arbeitsplätze zu schaffen, Konsum und Investitionen zu fördern, den Faktor Arbeit zu verbilligen? Warum wird dieser Ansatz in der öffentlichen Diskussion völlig vernachlässigt? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichem Gruß, Peter Weinreich
Sehr geehrter Herr Weinreich, Konsum ist das Gegenteil von Investition. Wenn ich den Konsum fördere, kann ich zwar den Auslastungsgrad des Produktionspotenzials erhöhen, doch echtes Wachstum gibt es nur, wenn ich das Potenzial selbst vergrößere, und das geht nur über Investitionen. Deutschland hat die kleinste Nettoinvestitionsquote aller OECD-Länder. Wachsen können wir nur mit mehr Investitionen. Beschleunigte Abschreibungen wären ein Mittel, sie anzuregen. Die Verbilligung der Arbeit über die weitere Ausdehnung des Niedriglohnsektors durch eine Agenda 2020, also noch mehr Lohnzuschüsse, wäre eine weitere Möglichkeit, sogar eine sehr viel wirksamere. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, für uns Betriebswirte ist die fristenkongruente Finanzierung eine fast eherne Regel, deren Verletzung schwerwiegende Folgen haben kann. Denn wenn ein Unternehmen langfristiges Anlagevermögen so kurzfristig finanziert, das etwa der Kapitaldienst aus dem (zuwachsendem) Cashflow nicht geleistet werden kann oder eine Bank langfristige Ausleihungen mit Kurzfristkrediten refinanziert, kommt es fast regelmäßig zu Störungen des finanziellen Gleichgewichtes mit wachsender Gefahr der Zahlungsunfähigkeit. In Ihrem Buch "Kasinokapitalismus" sagen Sie nun sinngemäß, dass Aufgabe des Bankensystems auch die Fristentransformation sei. Es scheint, dass genau das die HRE - allerdings mit verheerenden Folgen - versucht hat. Oder soll man die HRE eher als Opfer des Zusammenbruchs des Geldmarktes (Interbankenhandel) sehen, dessen Aufgabe eben auch diese Fristentransformation ist? Danke für ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, die HRE hat, soweit ich der Presse entnehme, die Fristentransformation betrieben und dadurch hohe Zinsgewinne erzielt, ist aber am Zusammenbruch des Interbankenmarktes gescheitert. Das Modell ist bei gutem Wetter verlässlich, aber in der Krise nicht. Da ist die fristenkongruente Finanzierung besser. Nur verdient man dabei in Normalzeiten nicht so viel. Aber es stimmt natürlich, dass die Fristentransformation eine der zentralen Aufgaben eines Bankensystems ist, denn auch wenn die Sparer nur kurzfristige Zwecksparer sind, die ihr Geld nach wenigen Jahren zurück haben wollen, muss ja mal hin und wieder ein Haus gebaut werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion, letzter Beitrag verfasst am 23. Oktober, siehe unten stehende Beiträge) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für die Richtigstellung. Sämtliche Fehler gehen natürlich allein zu meinen Lasten. Sie bestätigen, dass die staatliche Ausgabenerhöhung das GDP fast immer weniger erhöht als der direkte fiskalische Impuls. Barro-Zitat: … thus spending stimulus programs will likely raise GDP by less than the increase in government spending. Defense-spending multipliers exceeding one likely apply only at very high unemployment rates, and nondefense multipliers are probably smaller. However, there is empirical support for the proposition that tax rate reductions will increase real GDP. Multiplikatoren überschreiten nur in ganz seltenen Fällen – ziemlich sicher nicht heute, da die Arbeitslosigkeit nicht so hoch ausfällt – den Wert von 1. Und gleichzeitig – meine Rede - treten fast immer gegenläufige Effekte ein, die gleichzeitig zu einer Absenkung der privaten Investition und Nachfrage führen, ansonsten wäre der Multiplikator mindestens = 1. Es gibt fast immer eine Minderung privater Wirtschaftstätigkeit parallel zu den Konjunktur-programmen, wobei das allein noch keine Kausalität, aber doch eine Beziehung ausdrückt. Auf die pure Spekulation auf einen Multiplikator > 1 hin große Verschuldungspakete zu befürworten, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Die empirischen Auswertungen der letzten Jahrzehnte wie der WW-Krise belegen diese Annahme jedenfalls nicht, was Sie auch nicht bestreiten. Angesichts niedriger Zinsen, eines hohen Staatsanteils und Arbeit-nehmer-Einkommen in der Weltspitzengruppe ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die gegenläufigen Effekte (u.a. Crowding-Out) eher noch zunehmen werden à sich der tatsächliche Multiplikator vielleicht sogar weiter von 1 entfernt (auf 0 zu). Vermutlich würden Sie die WW-Krise als „nicht-gleichgewichtige Ökonomie“ bezeichnen. Die Barro-Analyse zeigt jedenfalls, dass auch für diese Phase keine empirischen Belege vorliegen, dass über die staatlichen Programme reliabel Impulse vom Staat auf den Privatbereich induziert werden können. In meiner Lesart, erstens ist es fraglich, ob nicht viel eher die Investitionen die Arbeitsplätze schaffen als simple Ausgabenerhöhungen, zweiten sind solche Programme immer die Ausflüsse von big/ bigger government. Dies bildet gleichzeitig institutionellen Barrieren, welches die Privaten von mehr Nachfrage und Investition abhält, wie unter Hoover und Roosevelt. Je mehr Staat, desto mehr politische Lösungen, die immer wieder Klientelpräferenzen folgen. Barro verweist darauf, dass Steuersenkungen die gleiche Wirkung haben. Sie halten solche Argumente, die ich früher von ihnen gehört hatte, heute aus der Diskussion heraus und propagieren stattdessen das Allheilmittel weiterer großer Staatsprogramme. Damit folgen Sie einem Tenor - bei aller Wertschätzung Ihrer Sachkunde und Ihres Engagements - den man nur als „sozialdemokratisiert“ bezeichnen muss.
Sehr geehrter Herr Hamilton, Sie haben sich irgendwie festgebissen in der Vorstellung, das Sozialprodukt würde fallen, wenn der Multiplikator kleiner als eins sei. Die Begründung für Konjunkturprogramme braucht das nicht. Auch wenn der Multiplikator kleiner als eins ist, steigt das Sozialprodukt. Aber das hatte ich ja schon erwähnt. Warum gehen Sie darauf nicht ein? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie sagten in der Runde, dass durch die Agenda 2010 die Arbeitslosigkeit 2006 und 2007 gesunken sei. Interessierte Bürgerin, aber in ökonomischen Fragen fehlt mir Fachwissen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Oben genanntes Argument ist oft zu hören, wird auch oft bestritten. Meine Frage, welche Maßnahmen der agenda 2010 haben zu diesem Erfolg geführt? Ist es nicht auch so, dass durch Anspringen der Weltwirtschaft, durch größere Nachfrage, die Arbeitslosigkeit, ohne Unterstützung aus der Politik, sinkt? Danke für eine Antwort! Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrte Frau A., in der Tat liegt bei der Weltkonjunktur der Haupteffekt. Das hatte ich bei der Sendung ja gesagt. Indes war diesmal die Belebung am Arbeitsmarkt viel stärker als sonst. Der Zusatzeffekt war eine Million mehr Stellen in Westdeutschland, als es bei einer Wiederholung früherer Aufschwungmuster zu erwarten gewesen wäre. Auf unserer Homepage finden Sie mehr dazu. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe eine Frage an Sie bezüglich der Pleitewelle in Deutschland. Wenn ich z. B. nur den aktuellen Fall "Quelle" (ca. 7000 Mitarbeiter) und den Fall "Karmann" (weitere 800 von einst 7000 noch vor 5 Jahren, bleiben noch 800 Mitarbeiter übrig) hier in der Region nehme, wie verheerend wird sich dies in 1o, 15, 20 Jahren auf die (Renten)-sozialkassen auswirken ? Ich sehe da dramatische Anforderungen auf die Sozialhilfekassen auf uns zu kommen. Wie wird der Staat diese Mittel aufbringen können ? Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr D., uns stehen in der Tat schwierige Zeiten bevor. Allerdings belasten die Pleiten von heute die Zukunft nur in dem Maße, wie die Arbeitslosengelder von heute durch Schulden bezahlt werden. Der Wegfall der Arbeitsplätze selbst ist nur dann ein Problem für die Zukunft, wenn er nicht durch neue Arbeitsplätze ersetzt wird. Das war in der hundertfünfzigjährigen Geschichte der Industriegesellschaft aber noch immer der Fall gewesen. Am besten wäre es natürlich, Quelle hätte die Kurve rechtzeitig gekriegt und könnte überleben. Aber so ist es nun mal nicht. Quelle nun mit Staatsgeldern zu retten wäre ein großer Fehler. Das könnte ein Fass ohne Boden werden. Quelle hatte sich offenbar überlebt. Die Firma hat den Wandel zum Internet total verschlafen und wurde von Wettbewerbern verdrängt. Dort entstehen heute die Arbeitsplätze. Überall im Land entstehen zum Beispiel derzeit neue Verteilerzentren und Lagerhallen für Amazon. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es redet sich so dahin, wenn man einfach behauptet, die Steuern müssten runter, um die Kaufkraft zu stärken. Wenn dann am Ende stolz verkündet wird, in Höhe von 20 Milliarden Steuern zu senken, sind das letztlich pro Bürger auch nur runde 250 Euro pro Jahr. Und das einmalig. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass eine Steuerersparnis von rund 21 Euro pro Monat dazu motiviert, Geld auszugeben? Alles nur Geschwafel, man hört eben hin, weil das ein namhafter Wirtschaftsexperte von sich gibt. Sicher haben Sie Recht, wenn Sie behaupten, wir hätten zu hohe Lohnsteuern; nicht nur das, wir haben insgesamt zu eine hohe Abgabenrate im Vergleich zu anderen europäischen Ländern; und zwar erheblich. Während Arbeitnehmer z. B. in Irland etwa 25 Prozent Abgaben leisten, sind es bei uns um die 50 Prozent; bei Beamten allerdings nur 28 Prozent. Aber ist das ein Wunder? Müssen wir doch alle die mitversorgen, die niemals auch nur einen Cent einzahlen und trotzdem ein Anrecht auf Leistungen haben dürfen. Sie vertreten weiter die Ansicht, die Verbraucher müssten Geld ausgeben, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Wer hat denn die Wirtschaft in den Dreck gefahren - doch nicht die Verbraucher? Unternehmen sollten investieren, neue Maschinen kaufen und Gebäude bauen? Wie schlau? Warum sollten Unternehmen so etwas tun, wenn keine Aufträge da sind, die die Finanzierung sichern? Sicherlich wären neue Gebäude sinnvoll; aber nur als Abschreibungsmodelle. Das hilft der Wirtschaft auch nicht weiter. Was nutzen denn so zu schaffenden Arbeitsplätze? Wenn Haushalte und Firmen zu viel sparen, müsse sich der Staat verschulden, meinen Sie? Ich meine, dann muss auch der Staat sparen. Dann gibt es eben keine neuen Stadtschlösser, Hauptbahnhöfe oder sonstige Prunkbauten. Da kann man eben Beamten großzügig Sozialleistungen und Pensionen spendieren oder Abgeordneten Luxusdiäten und -pensionen spendieren. Wenn Haushalte und Firmen sparen, hat das sicher Gründe, sowohl privat als auch unternehmerisch. Wer will schon gern in die Insolvenz? Im Übrigen sollten Haushalte sparen, wenn es nach den Politikern geht - nämlich fürs Alter Vorsorge treffen! Erstaunlich auch, dass bei jeder prekären Situation sofort irgendwelche Experten nach vorn stürmen und ihre Weisheiten zum Besten geben wollen - natürlich i.d.R. im Sinne der jeweiligen führenden Politiker. Man möchte doch recht lange "dazugehören" und vom Kuchen eine möglicht große Scheibe abbekommen. Für mich ist das mehr Heuchelei als der Sache dienlich zu sein. Wer hat uns denn in den ganzen Schlamassel hineingeritten? Die Bürgerinnen und Bürger bestimmt nicht - eher größenwahnsinnige und geldgierige Politiker? Zumal wir von den ewigen, später dann aber nicht eintretenden Wirtschaftsprognosen langsam die Nase voll haben sollten. Das ist meine Meinung!
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Meinung. Aber bedenken Sie bitte, dass wir derzeit die bei weitem schlimmste Rezession der Nachkriegszeit überwinden müssen. Dazu haben die Staaten der westlichen Welt ein Verschuldungspaket von 1.4 Billionen Dollar geschnürt. Ohne die Verschuldung hätte die Krise einen Verlauf wie 1929 bis 1932 nehmen können. Der Anfang, die ersten 11 Monate, war identisch, doch dann konnte die Wirtschaft abgefangen werden. Eine Verschuldung von zusätzlichen 1% des BIP, wie ich sie vorschlug, erspart uns mindestens etwa 1% Schrumpfung, wahrscheinlich noch mehr. Sie tritt hinzu zu der automatischen Verschuldung wegen der höheren Arbeitslosengelder und der wegbrechenden Steuerereinnahmen. Übrigens ist die Steuersenkung nicht einmalig, sondern dauerhaft. Der genannte Betrag bezieht sich auf ein Jahr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Die Diskussion von Herrn König vom 19.10. wird hier fortgesetzt) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken einen Wachstumszwang impliziert. Geschäftsbanken verleihen Kredite an den Staat oder private Unternehmen und wollen Ihr Kapital zuzüglich Verzinsung zurück, um es dann erneut zu verleihen. Um die Rückzahlung plus Zinsen bezahlen zu können, muß die Wirtschaft gesamtheitlich wachsen. Dauerhaftes exponetielles Wachstum erscheint mir aber in einer Welt mit endlichen Ressourcen nicht dauerhaft möglich. Würde man den Geschäftsbanken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung nehmen, wodurch sich die Gewinne der Notenbanken vergrößern, könnte der Wachstumszwang abgemildert werden, weil die Zinsgewinne der Notenbank in den Staatshaushalt eingehen und somit nicht wieder erneut als Kredit in den Wirtschaftskreislauf geschleust werden. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, Zinsen kann es auch in einer stationären Wirtschaft geben. Ihre Grundannahme ist deswegen leider falsch. Richtig ist, dass der Staat mehr Geldschöpfungsgewinne hätte, würde man den Giralbanken die Möglichkeit der Geldschöpfung nehmen. Aber ein angeblich vorhandener Wachstumszwang wird dadurch nicht gemildert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre schnelle Antwort. Tatsache ist, dass ich auch kein Lagervertreter bin; ich bin von meinen Wurzeln her Sozialdemokrat, und von meiner Qualifikation her mit Dr. Brauckseipe vergleichbar. Die Schwierigkeiten, andere Lösungen als die fortgesetzte Staatsverschuldung gegen den Zeitgeist einer eher konstruktivistischen Gesellschaft zu vertreten, haben natürlich auch - mehr oder weniger subtile - Rückwirkungen auf die Kommunikatoren. Daher meine Besorgnis einer schleichenden Sozialdemokratisierung, die ich allerdings auch bei den konservativen Parteien sehe. Nur - im Gegensatz zu Ihnen sehe ich fast gar keine Möglichkeiten, mit Staatskonsum einen selbsttragenden Aufschwung zu erreichen, unabhängig ob noch weitere schwere Krankheitsherde bestehen. Ich habe auf die verschiedenen US-Autoren verwiesen, die zur Weltwirtschaftskrise geschrieben haben. Auch wenn der staatliche Konsum das Gegenwartseinkommen erhöht, zeigt es sich als strittig, dass der Staat besser weiß, was die „richtige“ Spar- und Konsumquote ist. Sicher ist es angebracht, den Zusammenbruch des Bankensystems politisch zu verhindern. Aber überall, wo sich Regierungen in Krisen gestaltend/ fördernd etc. einmischen, klingen die Intentionen zwar nobel, aber die Hilfeleistungen entpuppen sich vorrangig als die biederen Instrumente der politische Ökonomie - und bezogen auf das GDP fallen die Ergebnisse viel bescheidener aus. FDR`s Nachfrage-Politik war, an der Macht zu bleiben, dass war die Realität seiner Ausgabenprogramme, „pork barreling“ in einzelnen Stimmbezirken, und speziell auf ihn bezogen „buying votes by buying boates“ (er ließ - ein Navy-Präsident - Schlachtschiffe bauen). Was nicht davor schützte, dass die Situation 1938 (US-Arbeitslosenquote 18%) immer noch ohne signifikante Fortschritte war. Zu dieser Zeit deutete sich sogar eine „Entfernte Verwandtschaft“ (Wolfgang Schivelbusch) zwischen dem Hitler-Regime und Roosevelt`s USA an, nicht nur was die Erfolglosigkeit der Politiken anbetrifft. FDR hätte die Wahl 1940 gegen den republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten Wendell Willkie verloren, die Amerikaner waren mit seinen Leistungen zunehmend unzufrieden. Nur der in Europa und Asien heiße Krieg ließ ihn im Amt überleben. Auch für das Deutschland der 30er Jahre fehlt jeder Beleg, dass die NS-Keynesianistik einen selbsttragenden Aufschwung herbeiführen konnte. Im Gegenteil, die Situationen des Deutschen Reichs war Ende 1938 nach 5 Jahren fortgesetzter deutlicher Haushaltsdefizite (10% p.a.) finanziell so fragil, dass eine weder über inländische noch ausländische Kreditaufmärkte zu schließende Lücke in den Staatsfinanzen bestand. Ein starker Inflationsschub oder mgl. sogar ein Staatsbankrott stand zu diesem Zeitpunkt unmittelbar bevor. Die fehlende Bereitschaft, entgegen dem Reichsbankgesetz Kredite direkt an den Staat zu geben, führte zur Entlassung des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht am 19.01.1939. Die Wirtschaftskrise eröffnete vorrangig Möglichkeiten, die politische Macht-erhaltung bzw. den Machtzugang zu sichern. Man wünscht sich ja geradezu empirische Belege herbei, dass für die Stimulus-Pakete der Multiplikator >1 ausfällt. Aber im Gegenteil, der „tatsächliche“ Multiplikator liegt fast immer im Bereich <1, was bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung - private Investitionen und Beschäftigung - durch staatliche „Nachfrage-Erhöhung“ real vermindert wird. Die Daten aus mehr als 30 Jahren bestätigen nicht, dass die Multiplikatoren staatlicher Konjunkturprogramme den Wert von 1 übersteigen - siehe dazu Barro 2009 - "Stimulus Spending Doesn't Work". http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704471504574440723298786310.html Angesichts dieser Belege erscheint die Aussage tragfähig, dass ohne Hoover`s und Roosevelt`s Konjunkturprogramme die erste WW-Krise kürzer und weniger dramatisch ausgefallen wäre - siehe u.a. Amity Shlaes, "The Forgotten Man". Mir fällt es daher schwer, Ihre nachfrageorientierten Therapievorschläge nach zu vollziehen. Mit kommt dieser Ansatz vor wie eine mittelalterliche Behandlung, bei dem der Patient (finanziell) zur Ader gelassen wird und daran gesunden soll, faktisch wird er jedoch weiter geschwächt. Ich weiß auch, dass die Behandlung einer Grippe ohne Arzt sieben Tage dauert, mit Arzt dagegen eine Woche. Ich fürchte, mit diesem Therapieansatz - jenseits einer Evidenz-basierten-Medizin - jedoch im allgemeinen Tenor [Pardon] eines sozialdemokratischen Politikverständnisse werden wir noch um 2020 gegen die Auswirkungen dieser Krise ankämpfen. Mit freundlichen Grüßen nach München – Ihr – Bernhard Hamilton P.S. Jederzeit offen für eine linkliste zu Papers, die belegen, dass der Staatsausgaben-Multiplikator > 1 ausfällt.
Sehr geehrter Herr Hamilton, die häufigsten Werte für den Multiplikator, etwa durch Blanchard berechnet, liegen bei 0.8, sind also in der Tat kleiner 1, wie Sie es sagen. Indes sind diese Multiplikatoren für nahezu gleichgewichtige Ökonomien außerhalb der Krise berechnet, wo alle möglichen Crowding-Out-Mechanismen greifen, die den Multiplikator begrenzen. In der Krise könnte der Multiplikator sehr viel höher sein. Aber auch ein Wert von kleiner als 1 besagt nicht das, was Sie sagen. Ich zitiere Sie: Aber im Gegenteil, der „tatsächliche“ Multiplikator liegt fast immer im Bereich <1, was bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung - private Investitionen und Beschäftigung - durch staatliche „Nachfrage-Erhöhung“ real vermindert wird. Diese Aussage stimmt nicht. Vielmehr ist die Erhöhung der Wirtschaftsleistung so lange als solche gegeben, wie der Multiplikator über Null liegt. Erst wenn er negativ ist, schrumpft die Wirtschaftsleistung, wie Sie vermuten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Vielen Dank für Ihre Beiträge zur gestrigen Phönix-Runde. Sie, als „neoliberaler Papst“ (im Wortgebrauch der Linkspartei) haben es besonders schwer, weil auf Sie die Aggressionen der Linken, fast einer ganzen Gesellschaft mit strukturell linker Mehrheit - auf Sie personifiziert werden. Ich finde das ist nicht unwichtig, wenn es zur Betrachtung Ihrer Argumentation kommt. Denn ich bin mehr als überrascht, dass Sie als Protagonist eines großen Staatsdefizits auftreten. Gerade vor dem Hintergrund der ersten Weltwirtschaftskrise erscheint diese Maßnahme doch diskussionswürdig. Setzt man ein solches Instrument ein, dann müsste auch eine keynesianische Krise vorliegen. Unbestritten, dass die Weltwirtschaft einen starken exogenen Schock hinnehmen musste. Aber gleichzeitig sind in diesem Modell etliche Aspekte fragwürdig. Günstiges Geld steht zur Verfügung aufgrund der hohen Sparleistung, das Zinsniveau ist niedrig wie lange nicht mehr. Der Schlussfolgerung, dass nun durch Staatskonsum die Nachfrage belebt werden müsse, fehlt das Fundament. Denn, wenn zu wenig Arbeitsplätze da sind, gleichzeitig aber mehr als genügend Geld, dann müssen die Gründe für die niedrige Beschäftigung und das schwache Wachstum an anderer Stelle gesucht werden. Und das wäre viel weniger die Nachfrage, sondern primär die Investitionen. Sie haben in früheren Veröffentlichungen häufiger davon geredet, dass die Gewerkschaften auf dem Arbeitsmarkt keine beschäftigungsförderlichen Löhne vereinbart haben. In Bochum kämpft ein OPEL-Werk um das Überleben, dessen Personalstundensatz mit ca. 34€ ungefähr viermal (!) so hoch ist wie in Gliwice (Polen) mit ca. 8€. Deutschland liegt mit seinen Lohnkosten, im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes, an 3. Stelle weltweit - noch. Gleichzeitig gibt es keine nennenswerten deutschen Consumer-Electronic-Hersteller mehr, die wenigen Fachkräfte des Elektrotechnik-Bereichs werden quasi überall gebraucht. Ein Freund, beschäftigt bei Siemens-BenQ, wurde mit der Einstellung der Handyproduktion arbeitslos, fand jedoch einen Monat später Arbeit bei NOKIA in Bochum und nach der Schließung dieses Werkes war er wiederum nach einem Monat in einem neuen - guten - Beschäftigungsverhältnis. Ihre Nachfrage-Argumentation übersieht die Rigiditäten, die sich auf dem Arbeitsmarkt ergeben haben: Am Anfang dieses Jahres wurden wir an vielen Stellen mit Forderungen von 8%-Steigerung überrascht. Natürlich fallen dann immer mehr wenig Qualifizierte und Ältere aus der Beschäftigung. Wenn die Freiheit der Vereinbarung von Arbeitsentgelten bestehen lässt, dann muss auch die Verantwortung daran gekoppelt sein - was sie nicht ist. Die Flexibilität der Löhne ist nicht gegeben, das ist eine der härtesten Rigiditäten. Wir haben hier einen ganz anderen Faktor für die Dauer-Arbeitslosigkeit in Deutschland als den Nachfragemangel. Ganz ähnliches Verhalten zeigte sich in den USA in der Folge der ersten WW-Krise. Die Gewerkschaften nutzten ihre Verhandlungsmacht, um trotzdem noch hohe Lohnzuwächse durchzusetzen. Weder die protektionistischen Maßnahmen noch die vielfältigen Eingriffe durch Hoover und FDR führten zu einer Lösung des Problems - trotz hoher Staatsdefizite sowohl unter Hoover wie unter Roosevelt. Ich darf daran erinnern, dass 1938 die Arbeitslosenquote in USA immer noch 18% betrug - nach mehr als 6 Jahren „New Deal“, trotz einer für damalige Zeiten vergleichbar immensen Verschuldung. Das deficit-spending, der vermehrte Staatskonsum war damals keine adäquate Reaktion auf die Krise. In den USA wurde sicher keine „Parallelpolitik“ betrieben, und gleichzeitig blieb die schreckliche Situation unverändert. Im Gegenteil, der überbordende Staatseinfluss verlängerte und vertiefte die Situation sogar noch weiter (siehe dazu: Shlaes, Higgs, Rauchway, Murphy, früher schon - Rothbard). Ihre Nachfragemangel-Argumentation lässt sich historisch nicht validieren. Die unglaublich geringe Investitionsquote in Deutschland hat zuallererst eine mikroökonomische Ursache (ebenso wie die wachsende Sozialquote). Die Beschäftigung ist primär von der Investitionstätigkeit abhängig. Wir kämpfen ja nicht allein gegen den Zuwachs an Arbeitslosigkeit durch diese Krise, sondern gegen die hohe Sockelarbeitslosigkeit, die sich in Deutschland trotz mehr als 30 Jahren ungebrochener Staatsverschuldung eingestellt hat. Meiner Ansicht nach geht Ihre Differentialdiagnose auf wesentliche Aspekte nicht (mehr) ein, die sie früher noch vertreten haben - ich bedaure, sagen zu müssen, dass Ihre Argumentation sich sozialdemokratisiert hat. Angesichts des öffentlichen Drucks auf Sie könnte man diesen Umschwung durchaus verstehen - aber ich fürchte, er vermeidet die Auseinandersetzung mit den wirklich umstrittenen Themen und ist nicht sachgerecht. Mit freundlichen Grüßen - Bernhard Hamilton
Sehr geehrter Herr Hamilton, ich teile Ihre Auffassung bezüglich der Lohnrigiditäten voll und ganz. Sie sind der Grund für die strukturelle Zunahme der Arbeitslosigkeit während der letzten Jahrzehnte. Dazu schreibe ich mir ja beständig die Finger wund. Nur dürfen Sie nicht übersehen, in welcher Situation die ganze Welt seit einem Jahr steckt. Dies ist die bei weitem schärfste Rezession der Nachkriegszeit mit geradezu dramatischen Nachfrageeinbrüchen. Alle, aber auch wirklich alle Institutionen, die den Prozess aus ökonomischer Sicht kommentiert haben, ob Sie nun den IMF, die Weltbank, die deutschen Institute oder die Zentralbanken der USA oder der EU nehmen, sehen das gleich. Man kann unter schleichendem Siechtum leiden und sich gleichzeitig das Bein brechen. Das ist die Situation von Deutschland heute. Das Bein muss geschient werden, und gleichzeitig muss das Siechtum bekämpft werden. Konkret muss man mit keynesianischem Deficit Spending die Wirtschaft vor dem Absturz retten und den Arbeitsmarkt von seinen Lohnrigiditäten befreien. Ein Großteil der Diskussion gestern ging um die Lohnrigiditäten, und da habe ich Ihre Position doch voll und ganz vertreten. Ich verstehe deshalb nicht, wo Sie die Sozialdemokratisierung meiner Argumentation sehen. Ich bin doch kein Ideologe, der grundsätzlich dieselbe Medizin verschreiben will, egal welche Krankheit der Patient hat. Kommentare wie Ihren kriege ich von Seiten der Linken übrigens spiegelbildlich. Offenbar möchte man mich in Lagern verorten und ist irritiert, wenn ich da nicht hineinpasse. Das erfüllt mich in gewisser Hinsicht mit Genugtuung, denn nichts fände ich schlimmer, als in einem politischen Lager verortet zu werden. Ich habe übrigens die keynesianischen und die angebotsorientierten Probleme immer zugleich im Blick gehabt und die Marktfehler wie die Leistungen des Marktes gleichermaßen betont. Das können Sie an meinem Schriftenverzeichnis unschwer erkennen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Sie haben - bezogen auf Ihr Beispiel - recht. Dort tragen Bankaktionär und Gläubiger ein identisches Risiko: In einem Zustand ergibt sich eine positive Rendite von 6 %, im anderen Zustand ein Totalverlust. Dies ist jedoch nur ein Randfall. In der Realität dürfte es auch Zwischenschritte gegeben, etwa die Kombination "Totalverlust für den Aktionär und teilweiser Verlust für den Gläubiger". Hier sollte es sodann zu einem Auseinanderfallen von Gesamtkapital-Rentabilität (operative Rendite) und Verzinsungsforderung der Gläubiger und - in der Folge - zum klassischen Leverage-Effekt kommen. Vermutlich sind aber derlei Feinheiten - und auch das von mir genannte Zusammenspiel von Renditeforderungen und Marktwerten - in einem, auf ein breiteres Publikum abzielenden Buch nicht statthaft. Besten Dank für die Diskussion und viele Grüße! Josef Schosser
Anmerkung des Moderators: Das ist eine Antwort von Herrn Dr. Schosser auf den Beitrag vom 13. Oktober 2009
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was halten Sie von folgenden Vorschlägen: 1. die Wiederherstellung des staatlichen Vorrechts der Geldschöpfung. 2. die Beendingung jeglicher Bandkengeldschöpfung (Giralgeldschöpfung) 3. die schuldenfreie Inumlaufbringung neuen Geldes z.B. durch öffentliche Ausgaben. Es gibt eine Initiativerklärung auf folgender Internetseite: www.monetative.de , welche auch von verschiedenen Volkswirtschaftsprofessoren unterstützt wird. Müßte unser Geldsystem nicht grundlegend verändert werden? Wie stehen Sie dazu? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, dem Bankensystem die Möglichkeit der Geldschöpfung zu nehmen ist eine Möglichkeit zur Vergrößerung der Geldschöpfungsgewinne der Notenbank, die vielfach ernsthaft diskutiert wurde. Ich sehe allerdings keinen Zusammenhang mit der Krise. Die Mechanismen, die zur Krise geführt haben, sind anderer Natur. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn,etwas spät über BR-Alpha bin ich auf ihr Buch "Kasino Kapitalismus" aufmerksam geworden. Heute sofort gekauft.Die Seiten 89-92 sind für mich ein hochgradiges DE ja-vu Erlebnis. In all den deutschen Talk-Show über die Finanzkrise hört man einen solchen Schwachsinn, wieso kennen diese selbsternannten Experten eigentlich nicht ihr Buch? Was noch fehlt ist eine Analyse 10 Jahre SPD-Finanzpolitik in Deutschland, bevor hier die Legendenbildung einsetzt. Mit besten Grüßen Friedhelm Frank
Sehr geehrter Herr Frank, vielen Dank für Ihre Zeilen. Ja, in der Tat fragt man sich manchmal, warum so viele Leute nicht zum Kern der Sache vordringen wollen, sondern im Nebulösen herumargumentieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich lese gegenwärtig Ihr Buch "Kasino Kapitalismus". Die Ausführungen in Kapitel 4 zum Theorem von Modigliani und Miller erscheinen mir etwas unscharf. Mit zunehmender Verschuldung steigen die Renditeforderungen (=Verzinsungsansprüche) der Fremdkapital-Geber. Sofern das operative Geschäft nicht verändert wird (d.h. die Gesamtkapital-Rentabilität unverändert bleibt), geht damit dennoch eine Erhöhung der Eigenkapital-Rentabilität einher! Die Irrelevanz - aus Sicht der ursprünglich nicht oder geringer verschuldeten Unternehmung - kommt dadurch zustande, dass aufgrund der höheren Verzinsungsforderungen der Anspruchsgruppen die Summe der "Verkaufswerte" von Eigen- und Fremdkapital sich nicht ändert. Wichtig für die Beurteilung der Finanzierungspolitik ist also die Vermögensposition der Alteigentümer vor und nach der Emission von (zusätzlichen) Verbindlichkeiten. Wie so häufig führt das Denken in Renditen in die Irre! (formal unübertroffen: Jochen Wilhelm (1985), Arbitrage Theory). Noch ein Hinweis zur Literatur: Zweckmäßiger erscheint mir die Angabe des grundlegenden Aufsatzes: Modigliani / Miller: The cost of capital, corporation finance, and the theory of investment, American Economic Review, 48 (1958), S. 261-297. Viele Grüße Josef Schosser
Sehr geehrter Herr Schosser, vielen Dank für den Kommentar. Die Literaturverweise in den Fußnoten sind ja tatsächlich falsch. Ich hatte Mitarbeiter gebeten, die Quelle für MM einzutragen, und dann nicht aufgepasst. Ich bin aber wegen der fehlenden Kontrolle selbst verantwortlich. Was Ihren Hinweis auf die trotz MM steigende Eigenkapitalrendite betrifft, hoffe ich, die Unklarheit mit dieser Formulierung ausräumen zu können, die ich in der nächsten Auflage des Kasino-Kapitalismus verwenden werde: "Danach würde die mittlere Eigenkapitalrendite gar nicht steigen können, wenn fremdfinanzierte Banken ins Risiko gehen, weil der Anstieg des Zinssatzes, den sie für das Fremdkapital zahlen müssen, jedweden Vorteil zunichte machen würde. Konkret würden die Gläubiger von der Bank im obigen Beispiel eine nominelle Rendite von 6% verlangen, wenn die Bank sich für die riskante Strategie entscheidet, um im Mittel immer noch 5% zu erhalten (von einer möglichen Risikofurcht einmal abgesehen, die noch höhere Zinsforderungen begründen würde). Aber dann kämen die Bankaktionäre auch nur auf eine Maximalrendite von 6% und eine mittlere Rendite von 5%. Dem Geschäftsmodell wäre also der Boden entzogen." Sie schreiben, das Leverage würde die Risikoprämie auch erhöhen, wenn MM gilt. Richtig ist diese Aussage für den Fall, dass die Gläubiger sich mit einer kleineren erwarteten Rendite als die Aktionäre begnügen. Doch wenn die informierten Aktionäre die gleiche erwartete Rendite wollen wie die Aktionäre, und das sollte man ja wohl unterstellen, stimmt sie nicht. Das können Sie anhand meines Zahlenbeispiels leicht nachrechnen. Wenn der nominale Zins, der den Gläubigern geboten wird, 6% ist, erzielen sie und die Aktionäre im Mittel immer 5%, egal wie hoch die Schuldenquote ist. Obwohl Ihre Kritik also in diesem Punkt nicht unbedingt stimmt, hat sie mir aber doch sehr geholfen, denn mein Absatz war nicht scharf genug formuliert, weil er allgemein vom fehlenden Vorteil des Leverage bei Gültigkeit des MM-Theorems sprach, während ich doch eigentlich vom fehlenden Vorteil des Risk Taking bei gegebenem Leverage sprechen wollte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, erlauben Sie mir einige Anmerkungen zu Ihrem Statement in der FTD: Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts: "Noch nie waren die Schwierigkeiten, denen sich eine neue Bundesregierung gegenübersah, so groß wie heute. Arbeitslosigkeit, Finanzkrise und Staatsschulden bilden eine schwer beherrschbare Gemengelage. Ich hoffe auf eine Fortsetzung der Agenda 2010, um den Arbeitsmarkt noch weiter in die Richtung des aktivierenden Sozialstaates zu verändern." Die Herausforderungen sind in der Tat immens und noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik werden wir wohl mit einem derart massiven Problemgeflecht auf verschiedenen Feldern parallel konfrontiert. Ich konzentriere mich allein auf einige aktuelle Aspekte zum Thema Arbeitslosigkeit, das schon wegen des Regierungswechsels wohl wie kein anderes im Feuer der politischen Auseinandersetzung schon der nächsten Monate stehen dürfte: 1. Die Agenda-Politik war und ist m.E. im Grundsatz zwar weiterhin richtig, sie erfordert heute allerdings deutliche Neujustierungen (eine "Monstranz" Hartz IV nutzt keinem). Z.B. ist die "Klasseneinteilung" in ALG(I) und ALGII bzw. BA und ARGE, für "Harz IV"-Empfänger diskriminierend und zugleich kontraproduktiv, weil sie deren Arbeitsmarktchancen (nämlich als "ausgewiesene" Arbeitssuchende zweiter Klasse) mindert. Zudem setzen die Zuverdienstregelungen des ALG II falsche Anreize (vgl. anders das Konzept "aktivierende Sozialhilfe" des ifo). Berücksichtigt man hier z.B. weiter, dass im Niedriglohnbereich Werbungs- und Sonderausgabenabzüge mangels Steuerpflicht zumeist nicht wirken (schon die zuwachsenden Fahrtkosten konterkarieren nicht selten bereits Brutto-Mehreinkommen), überrascht nicht, dass Arbeitslose (zu) lange Leistungsempfänger bleiben, bis sich eine Erwerbtätigkeit vermutlich nachhaltig (!) lohnt. Solche (und andere) Inkonsistenzen im - insoweit auch inflexiblen und inzwischen deutlich bürokratielastigen - Regelwerk SGB II bauen Arbeitslosigkeit daher nicht nicht wie gewünscht - und wie es m.E. möglich wäre (!) - ab (sondern dienen eher der "Arbeitsbeschaffung" für eine wachsende Schar von Sozialrichtern). Hinzu kommt schließlich und (nach meiner nur fallweisen) Beobachtung, dass es hier eine wirklich effektive Arbeitsvermittlung (schon mangels "Mase") nach wie vor nicht gibt (es dürfte die "Delegierung" an Zeitarbeitsfirmen und sonstige Unternehmen überwiegen und zumindest bei einigen (vielen?) dürfte ein Seriositätstest auch nicht uneingeschränkt positiv ausfallen. 2. Die "Neue SPD" wird es möglicherweise als Befreiungsschlag empfinden, das "Schrödervermächtnis Hartz IV" endlich "in die Tonne zu treten". Folglich wird es vermutlich schon in den nächsten Monaten hierüber eine heftige - und hochideologisierte - Diskussion - mit beiden (!) linken Parteien - geben. Das "bürgerliche Lager" wäre hier gut beraten, wenn es diese Diskussion offensiv (also nicht aus einer Verteidigungsposition heraus) führte und dabei zugleich deutlich machte, dass die SGB-II-Systemregelungen stets (!) den Interessen der betroffenen Leistungsbezieher objektiv entsprechen, die von der Solidargemeinschaft unter großen Anstrengungen gewahrt und geschützt werden. Insoweit hat der scheidende Arbeits- und Sozialminister Scholz sogar recht: "Die SPD hat es mit der Reformpolitik der letzten Jahre geschafft, die Grundlagen des deutschen Sozialstaats zu sichern", sagte er. "Aber die Reformen waren - wenn die Bürger ihr eigenes Leben betrachten - nicht immer gut. Das aufzuarbeiten, wird unsere Aufgabe sein." 3. Für diese Neujustierung ALG II ist wissenschaftlicher Support wie übrigens auch umgekehrt die Bereitschaft der Politik notwendig, eine solche Unterstützung anzunehmen. An die Wissenschaft ist indessen zu apellieren, an die bezeichnete "Gemengenlage" interdisziplinär heranzugehen, Wie schon oben erwähnt, sind Systemregelungen im Bereich SGB II nicht allein unter volks(und betriebs-)wirtschaftlichen, sondern zudem (beispielweise) auch unter markt- und verhaltenspsychologischen Aspekten heranzugehen und dabei gleichzeitig effiziente Methoden der - auch stufenweisen - Arbeitsvermittlung bzw. des Coaching zu entwickeln und umzusetzen. Ziel muss dabei auch sein, Akzeptanz bei dieser Zielgruppe zu erreichen. Dabei sind mir die (auch zielgruppenimmanenten) Grenzen durchaus bewusst. Insbesondere eindeutig zu erkennende Gestaltungsfehler sind indessen ebenso konsequent zu korrigieren wie letztlich verhindert werden muss, dass eben diese Zielgruppe zu einem "Neo-Proletariat" und im Übrigen nachhaltigem Reservoir für Parteien und Gruppierungen gepäppelt wird, die bei einer etwaigen Verteidigung der deutschen Demokratie sicher nicht an der Spitze stehen werden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, vielen Dank für die tiefschürfende Antwort. Ich stimme vielem zu, nur nicht Ihrer Kritik an Hartz IV. Hartz IV erzeugt schon zwei Klassen von Arbeitslosen. Das ist objektiv richtig. Aber es ist auch nicht vermeidbar, wenn man die Kosten der Arbeitslosigkeit im Griff behalten und Anreize zur Arbeitsaufnahme bieten will. Die Grundidee ist ja gewesen, die Arbeitslosigkeit etwas weniger komfortabel zu gestalten und dafür die Beschäftigung ein wenig zu bezuschussen. Ich würde die Beschäftigung noch mehr bezuschussen, und damit wären wir dann irgendwann bei der aktivierenden Sozialhilfe, die Sie ja auch wollen. Wichtig ist mir, dass die Bezuschussung durch Hartz IV (bis weit über den Sockel hinaus) die Armutsgefährdung schon heute für geringbezahlte Arbeitnehmer wirksam verhindert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anm. des Moderators: Dies ist eine Antwort von Hr. Dr. Reich auf den Beitrag vom 7.10.2009 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, herzlichen Dank für Ihre Antwort: Die Weiterentwicklung von ALG II zur aktivierenden Sozialhilfe, diese etwa eingebettet in ein "Bürgergeld" als negative Einkommensteuer wäre der Weg, den ich prinzipiell versuchen würde. Im Zentrum stehen dabei in der Tat die Anreize zur Arbeitsaufnahme bzw. die Beseitigung von Inkonsistenzen, die das erschweren (ein "Aufstocker", der "auf dem flachen Land" mit dem Auto monatlich 1.000 Km zur Arbeitsstelle fahren müsste, kann eine Arbeitsaufnahme schlichtweg nicht "rechnen"). Jedenfalls gefällt mir nicht, dass "Hartz IV" (namentlich von der Politik) nicht selten nur noch als Monstranz hochgehalten wird (und sich daraus übrigens auch eine durchaus nicht ungefährliche politische Statik entwickelt hat). Schließlich steht insoweit der "Lackmustest" der Agenda 2010 noch aus. Denn die positive Arbeitsmarktentwicklung der Jahre 2005 bis 2008 ergab sich ja auf dem Boden einer deutlichen konjunkurellen Aufwärtsbewegung. Das wird in den Jahren 2010 bis 2012 - siehe auch Prognose ifo - vermutlich ganz anders sein. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, klar, der Test geht weiter. Aber im Aufschwung wurde erstmals das bisherige (seit einem Drittel Jahrhundert geltende) Muster durchbrochen, dass die Sockelarbeitslosigkeit im Westen von Boom zu Boom um 800.000 Personen stieg. Sie fiel stattdessen um 200.000. Macht 1 Mio Extrajobs, die nicht durch die Konjunktur zu erklären sind. Außer der Agenda fällt mir nichts ein, was die Ursache hätte sein können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bin wie Sie der Meinung, dass sich der Staat in der heutigen Lage an den Geschäftsbanken temporär beteiligen sollte, um die Eigenkapitalausstattung dieser, zu verbessern. Ich finde es aber nicht plausibel, dass Geschäftsbanken sich derzeit zu günstigen Konditionen mit Zentralbankgeld eindecken können, für welches sie dann zum Beispiel wieder Staatsanleihen kaufen. Solche risikolosen Zinsdifferenzgeschäfte stellen versteckte Subventionen für Geschäftsbanken auf Kosten des Steuerzahlers dar. Ich bin der Meinung, dass sich die Regierungen generell kein Geld vom privaten Kapitalmarkt leihen sollten, sondern nur direkt bei der Zentralbank. Da die Zinsgewinne der Zentralbank dann wieder in den Bundeshaushalt eingehen, hätte der Staat sich das Geld dann faktisch zum Nulltarif geliehen. Das Argument, das dann keine Geldwertstabilität gewährleistet sei, halte ich nicht unbedingt für bewiesen. Ich denke hier müssten Kontrollmechanismen eingebaut werden, welche verhindern, das die Staaten sich hemmungslos Geld bei den Zentralbanken leihen können. Die enormen Staatsverschuldungen in der Welt, welche stetig ansteigen und meiner Meinung nach System bedingt sind, zeigen, dass hier Systemveränderungen angebracht wären. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, hier erwähnen Sie einen wichtigen Punkt, auf den man stärker hinweisen sollte, in der Tat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, hat die Hartz IV Gesetzgebung zu einem Mehrwert für die Volkswirtschaft geführt oder wurde nur die Arbeit im Billiglohnsektor auf mehr Köpfe verteilt, die dann entsprechend weniger verdienen?
Sehr geehrter Herr Böhme, die Arbeit wurde definitiv nicht auf mehr Köpfe verteilt, sondern es wurde mehr gearbeitet und ein höheres Sozialprodukt erzielt. Deutschland kam nach langen Jahren aus seiner europäischen Schlusslichtposition beim Wachstum heraus und hat sich bis zum Durchschnitt vorangerobbt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der Bundestagswahl ist die Tür nun offen für eine Steuerstrukturreform. Das Konzept der FDP halte ich für gut, nur leider fehlt mir im Geringverdienerbereich die Einführung einer Negativsteuer. Warum ist dieser Ansatz im FDP Konzept nicht vorhanden? Welche Bedenken gibt es gegenüber dem jetzigen Zuschusssystem?
Wenn ich nur wüsste, warum die FDP das nicht aufnimmt. Aber vielleicht tut sie es ja doch, ohne es an die große Glocke zu hängen. Warten wir ab. Da ich mit der Partei nichts zu tun habe, weiß ich es nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Herr Prof. Hans- Werner Sinn hat in seinem bis heute unübertroffenen Buch “Kasino_Kapitalismus” eine erste hervorragende und verständliche Analyse und Vorschläge zur Finanzmarktregulierung abgeliefert. Ich verstehe nun aber nicht weshalb weiterhin widersprüchliche Aussagen über grundlegende Weiterentwicklungen einer Regulierung der Banken und Finanzen bestehen. Ich ziehe daraus den z.Zt. vereinfachten Schluss, dass die tatsächlichen Ursachen (nicht die Auslöser) der Krise noch weitgehend im Dunkel liegen. Daher sollte man doch alle DEMOKRATISCHEN ORGANE drängen zu mehr Aufklärung zu kommen, insbesondere vermute ich, dass die Judikative erhebliche Defizite hat, da es sicher noch erheblich mehr strafbare Vergehen im Dunkeln gibt, die über eine Steuerhinterziehung hinausgehen und die Legislative sollte doch noch parlamentarische Ausschüsse bilden um Ursachen zu finden. Danach können bessere Regulierungen gefunden werden, die von allen Ökonomen unterstützt werden können, dann weis man dort auch, ob Inflation oder Deflation droht? Sollte ich mich da so sehr täuschen. Gerne würde ich insbes. Herrn Sinn fragen.
Sehr geehrter Herr Klös, haben Sie vielen Dank für die Anfrage. Ich sehe die Probleme nicht im strafrechlich relevanten Bereich, sondern im Regulierungsrahmen. Insofern kommt man mit einer Aufklärung im Sinne von Untersuchungsausschüssen nicht weiter. Meines Erachtens liegen die Gründe doch offen zutage, wie ich in meinem Buch ausgeführt habe. Man muss jetzt meine politischen Empfehlungen umsetzen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
HB 10.09.09 - IHR GASTKOMMENTAR „WELTMEISTERSCHAFT AUF PUMP“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Stellungnahme! Aus der Sicht der Sozialhaushalte haben Sie natürlich völlig Recht, dass Lohnzuschüsse keine Subventionen sind, aus der Sicht der Unternehmen verhält es sich jedoch anders. Lohnzuschüsse sind hier Subventionen genau wie Zuschüsse zu Treibstoffen, oder zinsgünstige Kredite. Das ist eine Verzerrung der Wettbewerbssituation und wird über kurz oder lang die EU-Organe auf den Plan rufen. In historischer Betrachtung haben sich moderne, d.h. in der Regel kapitalintensive Industrien langfristig der lohnintensiven Fertigung überlegen gezeigt. Um in der globalen Wirtschaft mithalten zu können, muss Deutschland als Hochlohn- land kapitalintensiv arbeiten. Hätten wir rechtzeitig Maschinen entwickelt, die Mobiltelefone computergesteuert montieren, wären zwar bei Nokia in Bochum Arbeitsplätze weggefallen, die Wertschöpfung aber in Deutschland verblieben. So wird für vielleicht zehn oder zwanzig Jahre in Rumänien montiert, bevor automatische Anlagen entwickelt und in Betrieb genommen werden. Gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung muss Deutschland schon jetzt die Weichen für eine kapitalintensive Produktion stellen um mit weniger Beschäftigten weiterhin Wachstum zu erzielen. Einmal braucht die technologische Entwicklung ihre Zeit, weiter müssen die Unternehmen Gelegenheit haben, sich in ihrer Kapitalstruktur darauf einzustellen. Lohnzu- schüsse würden hier kontraproduktiv wirken, da sie den Innovationsprozess hemmen. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, wie recht Sie doch haben. Nur, man kann alles übertreiben. Da wir eine Marktwirtschaft haben, passiert genau das, was Sie beschreiben von allein durch den Markt, wenn man ihn lässt. Wenn man ihn nicht lässt und die Löhne noch über das hohe Niveau hinaus erhöht, das sie in Deutschland sowieso gehabt hätten, dann gibt es zu viel Kapitalintensivierung. Sie können mir glauben, der Punkt ist ökonomisch sonnenklar, sogar duch die Nobelpreise von Arrow und Debreu untermauert. Das richtige kommt heraus, wenn der Staat nicht in die Lohnstruktur eingreift. Tut er es, wie in Deutschalnd, geht die Spezialisierung zu weit und führt zu Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist das Kriterium, das zeigt, ob die Spezialisierung zu weit ging, denn Spezialisierung auf arbeitssparende Prozess, bei denen die freigesetzen Arbeitnehmer unbeschäftigt bleiben, sind Wohlfahrtsverluste für die Volkswirtschaft. Eine Lohnsubvention ist deshalb ausgehend von der verzerrten Situation, die wir in Deutschland haben, keine Verzerrung, sondern die Aufhebung derselben. Das kann ich nun nicht hier in der Kürze der Zeit nicht für Sie beweisen. Ich kann auch nicht erwarten, dass Sie das Argument als Nichtökonom wirklich in dem Sinne verstehen können, dass Sie davon überzeugt sind. Sie müssen mir insofern also schon vertrauen, so wie wir alle ja auch den Aussagen anderer Fachdisziplinen vertrauen, auch wenn wir die Argumente nur ansatzweise zur Kenntnis nehmen können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, nachdem ich Ihr Buch über das grüne Paradoxon gelesen hatte, war ich geradezu schockiert über die Erkenntnis, dass die mittels des EEG mit zig Milliarden Euro geförderten neuen Energieindustrien keine Reduzierung des CO2-Ausstoßes bewirken, sondern wohl nur eine industriepolitische Maßnahme sind (wegen des parallel laufenden Zertifikatehandels). Falls diese Behauptung stimmt, müsste doch eigentlich ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit und die Parteien gehen, zumindest was den Etikettenschwindel anbelangt, der mit dem EEG betrieben wird. Nach meiner Wahrnehmung hat sich am der öffentlichen und parteioffiziellen (SPD, Grüne) Standpunkt, das EEG als wichtigen Beitrag zur CO2-Reduzierung anzusehen, aber gar nichts geändert. Als ich im Rahmen gelgentlicher öffentlicher politischer Diskussionen im sozialdemokratischen Umfeld auf ihre Einwände hingewiesen habe, traf ich auch unter Experten (Ulrich Kelber, SPD-MdB) auf völliges Unverständnis, Nichtwissen oder Ignoranz. Ich frage mich nun, woran das liegt. Ist Ihre oben beschriebene Behauptung wissenschaftlich womöglich umstritten? (Ich bin Laie!) Oder wie erklären Sie sich die meines Erachtens geringe Wirkung Ihrer Publikation? Mit freundlichen Grüßen, Robert Philips
Sehr geehrter Herr Philipps, meine Thesen sind kaum widerlegbar, auch wenn einige aus ideologischen Gründen sie nicht wahrhaben wollen. Beim Jahreskongress 2009 des deutschen Ökonomenverbandes wurden sie von vielen Ökonomen wiederholt. Es sind ja auch keine Thesen, sondern einfache mathematische Wahrheiten. Politische Wahrheiten respektieren aber keine mathematische Wahrheiten. Wenn zu viele Leute ihr Einkommen einer Ideologie verdanken, siegt die Ideologie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, nachdem Sie die gestrige Diskussionsrunde, zu der die F.D.P. eingeladen hatte, aufgrund eines Anschlusstermins zeitig verlassen mussten, konnte ich zwei Anmerkungen nicht los werden bzw. diese Ihnen nicht als Frage stellen. Es eilt auch nicht aber ich würde mich freuen, bei Gelegenheit Ihr Statement zu den beiden folgenden Punkten zu erfahren: 1. Thema Bad Banks / "Buchhaltertrick": Sie gaben zu bedenken, dass die durch den "marktunüblichen" Verkaufspreis in Verbindung mit der späteren Verlustaus-gleichsverpflichtung bestehende Eventualschuld der abgegeben Bank eventuell als Drohverlustrückstellung zu passivieren wäre. Auch nach HGB (und erst recht nach IFRS) würde dies aber eine hinreichende Wahrscheinlichkeit voraussetzen, dass sich das entsprechende Papier nicht erholt. Ob die Papiere in x Jahren oder bei Endfällig-keit tatsächlich unter dem "Subventionspreis" notieren bzw. fällig werden wissen wir heute nicht - wir befürchten es nur. Gehen wir von Papieren aus, für die es derzeit keinen repräsentativen Marktpreis gibt, die ansonsten aber kein (hohes) Ausfallrisiko aufweisen. Dann wäre der Ansatz einer Drohverlustrückstellung nicht angebracht und der Vorwurf des Buchhaltertricks nicht fair. Natürlich: bei einem echt wertlosen weil ausfallgefährdetem Papier, müsste eine DVRS gebildet werden, um die Risiken transparent und vollständig abzubilden. Ich habe mit unseren Prüfern (für unser Haus stellt sich das Thema aber gar nicht) bislang nicht ausgetauscht - könnte mir aber vorstellen, dass eine Passivierung durchaus geboten sein könnte. Der Brand-melder lässt sich hoffentlich nicht ganz abschalten... Haben Sie hierzu schon nähere Erkenntnisse? 2. Basel-II und Risikoaktiva: Die Finanzmarktkrise steht in meinen Augen in ei-nem unglücklichen zeitlichen Aufeinanderprallen mit den ersten Effekten von Basel-II. Denn in 2007 und 2008 wurden mehr und mehr die RWA- und damit Kernkapital-entlastenden Effekte von Basel-II spürbar. Durch die Ratingmodelle und die abgestuf-te RWA-Anrechnung je nach Rating des Kreditnehmers sanken bei gleichem Ge-schäftsvolumen die RWA (bzw. stiegen die RWA nicht so stark wie das Geschäftsvo-lumen) mit der Folge freiwerdenden Eigenkapitals (für Neugeschäft oder für Aus-schüttungen, da weniger thesauriert werden musste). Jetzt, da die Krise auf die Re-alwirtschaft ausstrahlt und die Ratings der Kreditnehmer schmelzen wie der Schnee in der Märzsonne, schießen die RWA nach oben und die Kernkapitalquoten schmie-ren ab, weil das Eigenkapital unterjährig gar nicht Schritt halten kann - wohl dem, der gerade eine Kapitalerhöhung durchdrücken kann. Basel-II - und bitte, das war vom Regulierer gewollt - soll zu risikoorientiertem Pricing führen, indem es die RWA-Anrechnung und damit die EK-Unterlegung eines Kredits an die Bonität - sagen wir Ertragskraft - des Kreditnehmers bindet. In der Krise wird das zum Bumerang: Durch Rating-Migrationen "konsumieren" Banken Eigenkapital in einem Maße, dass Neuge-schäft (oder Prolongationen) fast nicht mehr drin sind (Sie als Aufsichtsrat unseres Hauses wissen, dass es sich bei uns etwas anders verhält - das ist aber HVB-spezifisch. Andere Banken trifft das aber schmerzhaft). Für mich heißt das pointiert: weg mit Basel-II, das ist genauso Volatilitäts-verstärkend wie Fair Value-Bilanzierung. Teilen Sie meine Ansicht? Wie gesagt - keine Eile. Es hat Spaß gemacht, Ihnen (und natürlich meinem CEO) zu-zuhören. Als Alumnus Ihrer "Nachbarfakultät" kenne ich Sie aus der ein oder anderen Vorlesung, in die ich mich während Studium bzw. Promotion interessehalber gesetzt habe und auch gestern wurden die erwartungen nicht enttäuscht. Einen schönen Tag und beste Grüße, Dr. Martin Hebertinger Hypovereinsbank
Sehr geehrter Herr Hebertinger, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Nur kurz zwei Kommentare: 1. Was Sie schreiben, ist bilanztechnisch richtig. Dennoch handelt es sich um Buchhaltungstricks, denn wenn die Bank für ihre Bad Bank voll und ganz aufkommen muss und alles versicherungsmathematisch korrekt berechnet ist, kann es keine Entlastung geben. Es geht hier wirklich nur um regulatorische Arbitrage mithilfe des Gesetzgebers. 2. Mit der Frage der dynamischen Bewertungseffekte im Rahmen von Basel II habe ich mich in meinem Buch "Kasino-Kapitalismus" ausführlich auseinander gesetzt und komme zu Ihrem Ergebnis. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn! In ihrem Buch "Das grüne Paradoxon" haben Sie sehr viele verschiedene Aspekte beleuchtet. Meiner Meinung verdienen folgende Aspekte eine ausführlichere Betrachtung. 1. Einbeziehung der Ressourcenländer am Umbau zu kohlenstoffarmen Wirtschaft (wie z.B. IRENA in Abu Dhabi, Aufbau von grüner Forschung und Industrie, siehe Masdar) 2. Das enorme Wachstum der Städte in den Golf Staaten und die Entwicklungspläne von Saudi Arabien (dies ist eine Weg der Quellensteuer zu entgehen) Mit freundlichen Grüßen, Markus A. Wischy
Sehr geehrter Herr Wischny, haben Sie vielen Dank für die Mail. Dass die Ressourcenländer auch auf alternative Strategien setzen, sehe ich als Versicherungsstrategie für den Fall, dass der Ölhahn zugedreht wird. Man extrahiert so schnell man kann, weil man vor der Zukunft Angst hat, und investiert in alternative Technologien. Sicherlich würde das Investitionsvolumen in den Ölstaaten steigen, wenn man eine Quellensteuer hätte. Aber der Platz für Investitionen ist begrenzt. Derzeit wird der Löwenanteil der Petrodollars in die westlichen Länder zurückgeführt. Aber Sie haben recht: beide Aspekte sind wichtig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Frage bezieht sich auf das Thema Eigenkapitalzuführung des Staates an notleidende Banken versus Bad Bank-Konzept: In einer Veranstaltung der FDP in München am 29. Juli d.J. sagten Sie, dass Deutschland (im Gegensatz zu USA und GB, oder Schweden Anfang der 90er Jahre) aus ideologischen Gründen eher den Bad Bank-Weg statt den Weg der Kapitalzuführung und Beteiligung geht. Mich würde zum einen sehr interessieren, was Sie mit diesen ideologischen Gründen genau meinten. Zu meiner zweiten Frage: Ich kann die von Ihnen angeführten Vorteile der Beteiligungslösung sehr wohl nachvollziehen. Dennoch frage ich mich, ob das durch das neue Eigenkapital aufgebaute Vertrauen unter den Banken und die daraufhin folgende Anregung des Geld- und Kreditverkehrs nicht dadurch wieder reduziert wird, dass ja die nach wie vor toxischen Wertpapiere bei den einzelnen Banken verbleiben und damit noch lange für Unsicherheit sorgen, da sie ja nicht externalisiert werden. Oder wäre auch eine Kombination beider Wege denkbar? Besten Dank für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Roland Behm
Sehr geehrter Herr Behm, mit den ideologischen Gründen meine ich die Auffassung, dass der Staat sich nicht beteiligen soll, weil Verstaatlichungen in der Vergangenheit problematisch waren, ohne zu sehen, dass es keine wirklichen Alternativen gibt. Eine theoretische Alternative ist, nichts zu machen. Dann schrumpfen sich die Banken gesund und die Wirtschaft kaputt. Eine andere ist, den Banken Geschenke zu machen. Dann verliert der Steuerzahler Geld, und die Banken machen in Erwartung neuer Geldgeschenke immer so weiter. Deswegen geht nur die staatliche Beteiligung. Die Kombination beider Wege ist denkbar. Ich habe nichts gegen die Bad Banks an sich, nur helfen sie meines Erachtens wenig. Man könnte die toxischen Papiere genausogut in den Bankbilanzen lassen und auf ihren Marktwert, der heute bei 30% liegt, abschreiben. Dann wäre auch Klarheit hergestellt. Das dann fehlende Eigenkapital fehlt ja in Wahrheit schon heute, nur sieht man es nicht. Der Staat müsste es auffüllen, und dann wäre das Vertrauen und die Funktionsfähigkeit des Bankensystems mit einem Schlage wiederhergestellt. Allerdings müsste der Staat seine Anteile bei der erstbesten Gelegenheit auch wieder verkaufen, denn er ist ja in der Tat ein schlechter Banker. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Dies ist eine Antwort von Prof. Dr. Hickel auf den Beitrag vom 29.07.09 Lieber Herr Sinn, für Ihre prompte Antwort danke ich Ihnen gerne. Auf mein geplantes Buch kann ich nach der Vorlage Ihres „Kasinokapitalismus“ nicht nur wegen der großen Übereinstimmung sondern auch der ausgesprochen gelungenen didaktischen Umsetzung (einschließlich der Grafiken) gerne verzichten. Mit der Internationalisierung des Begriffs Neoliberalismus auf der Konferenz, die der französische Philosoph Louis Rougie im August 1938 in Paris durchgeführt hatte, haben Sie Recht. Da dieses Ereignis mir nicht präsent war, habe ich die Wissenslücke gestern geschlossen. Dennoch, der Begriff Neoliberalismus als Schelte gegen einen entfesselten Kapitalismus ist weltweit besetzt. Deshalb spreche ich immer vom Ordoliberalismus als das gegenüber dem Neoliberalismus stehende Ordnungsmodell. Wie bisher bereits, ich werde künftig noch stärker betonen, dass die Schöpfer des Ordoliberalismus damit einen staatlich gestaltenden Neoliberalismus wollten. Ihre Hinweise zu Keynes im Kontext der Zunahme der Liquiditätsneigung teile ich uneingeschränkt. Mir geht es jedoch auch darum, seinen Beitrag zur Dominanz der Spekulationen als Kennzeichen des modernen Kapitalismus zu betonen (kaleidoskopischer Keynesianismus). In der Tat, nach meiner Auffassung müssen nicht nur die Finanzmärkte, sondern auch die Güter- und insbesondere die Arbeitsmärkte reguliert werden. Konstitutiv für die Regulierung der Arbeitsmärkte ist das Tarifvertragssystem, das das Grundgesetz auf die Tarifvertragsparteien überträgt. Wenn Sie es für sinnvoll halten, können Sie meine Charakterisierung Ihres Buches auch öffentlich kommunizieren. Jetzt wünsche Ihnen einen erholsamen Sommerurlaub. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Hickel
Lieber Herr Sinn, für die Lektüre Ihres neuen Buchs „Kasinokapitalismus“ habe ich richtig viel Zeit eingesetzt. In einem Satz lautet mein Urteil zusammenge¬fasst: Dies ist eine ausgezeichnete Analyse der Ursachen, der Folgen, vor allem aber des sich daraus ableitenden Handlungsbedarfs im Sinne einer strengen Regulierung der Finanzmärkte, insbesondere der Banken. Zu diesem Werk gratuliere ich Ihnen uneingeschränkt. Dabei stelle ich fest, dass sich das Grundmuster Ihres Buches mit den Aussagen der vielen Vorträge, die ich zum Thema seit Anfang letzten Jahres gehalten habe, ziemlich deckt. Gerne überlasse ich Ihnen, wenn Sie es interessiert, mal eine Powerpointpräsentation aus der Vor-Lehman-Zeit“. Einige Hinweise: - Ihre Klarstellung zur Zinspolitik von Greenspan ist wohltuend. Damit räumen Sie mit der Legende von Greenspan als dem Verursacher der Finanzkrise auf. Er musste makroökonomisch für billige Liquidität sorgen. Dass dies die Hypothekenbanken - etwa die Country Wide - bei der Vergabe von Immobilienkrediten schamlos ausgenutzt haben, steht auf einem anderen Blatt. - Die Forderung nach einem Selbstbehalt – etwa von 20% - bei den Banken, die die Wertpapiere (SVI) packen – teile ich voll. Dadurch werden rationale Anreize gesetzt. - Übrigens höre ich soeben von der Pariser Börse, dass dort geplant wird, die Leerkäufe dadurch auszutrocknen, dass die geliehenen Ak¬tien nicht mehr unterhalb des Marktpreises verkauft werden können. - Auch teile ich Ihre Aufforderung, künftig eine Kernkapitalquote vorzuschreiben und bei deren Unterschreitung die betroffenen Banken zur Annahme von staatlichem Kapital zu zwingen. - Schließlich geht es nicht um die Bekämpfung von Gier, sondern um die Sicherung von Spielregeln, die das Austoben von Gier begrenzen. Marx würde wohl sagen: Durch die Gestaltung der Verhältnisse das Verhalten zu beeinflussen. Nach diesem Lob erlauben Sie mir zwei kritische Hinweise: 1. Der Titel Kasinokapitalismus lehnt sich sehr stark an J. M. Keynes an. Auf S. 135 in der neuesten Ausgabe der GT von 1936 heißt es: Wenn durch Spekulationen „die Kapitalentwicklung eines Landes das Nebenerzeugnis der Tätigkeiten eines Spielkasinos wird….“ Aus dieser Stelle habe ich schon vor Jahren den Begriff „Kasinokapitalismus“ für Keynes reserviert. Ein entsprechender Hinweis wäre wichtig. Denn dadurch würde endlich die vor allem in Deutschland durch die Ökonomenzunft dem Theore¬tiker Keynes zugeschriebene Version eines Vulgärkeynesianismus („Hydraulik“) zurückgewiesen. Keynes war einer der ersten Ökonomen, die die überbordenden Spekulationen in Richtung eines kaleidoskopischen Kapitalismus erkannt hat. Gesetze sind kaum noch formulierbar, nur noch die Maserung des Systems lässt sich beschreiben. 2. Ihre Aussagen zu den Ordoliberalen finde ich wichtig. Mit dem Zitat von Alexander Rüstow von 1932 weisen Sie zu Recht darauf hin, dass er - in deutscher Sprache - einen „neuen Liberalismus“ fordert, zu dem der ordnende Staat gehört. Dieser Sicht stimme ich voll zu. Aller¬dings zweifle ich daran, ob man das als Neoliberalismus bezeichnen soll. Die babylonische Begriffsverwirrung lohnt nicht. Ihre Abgrenzungs¬versuche gleichen einem Kampf gegen Windmühlen. Sagen wir doch, Rüstow und die vielen anderen Theoretiker der Sozialen Marktwirt¬schaft wollten gegenüber dem Manchester- bzw. FDP Liberalismus einen neuen, staatlich verantworteten Liberalismus. Ich spreche gerne von einem emanzipatorischen Liberalismus im Unterschied zum Wirtschaftsliberalismus. Der Neoliberalismus – ein Begriff der auch in die Globalisierungssprache übersetzbar ist – kennzeichnet das, was Sie Paläoliberalismus bezeichnen: gesellschaftssprengende Entfesselung der Märkte. Wer gegen den Neoliberalismus argumentiert, bedient sich der wichtigen Argumente von Rüstow, Röpke und Walter Euken. Schließlich noch der Hinweis: Dieses Buch mit dem Titel „Kasinokapitalismus“ wollte ich ganz ähnlich schreiben. In gewisser Weise haben Sie das Projekt überflüssig gemacht. Für die wissenschaftlich fundierte Aufklärung ist das ein Glücksfall. Für mich bedeutet dies, dass ich mein Buch anders akzentuieren muss. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Hickel
Lieber Herr Hickel, vielen Dank für dieses freundliche Schreiben. Dass Sie etwas Ähnliches schreiben wollten und ich Ihnen nun praktisch das Thema weggenommen habe, tut mit leid. Sie finden aber bestimmt noch neue Variationen. Außerdem geht die Krise ja weiter. Es freut mich aber, dass wir bei der Beurteilung der Krise keinen Dissens haben wie bei so vielen anderen Themen. Den Hinweis zu Keynes nehme ich gerne auf. Sie wissen, dass ich nie ein Keynes-Kritiker war, sondern im Laufe meines Lebens ganz im Gegenteil eine ganze Reihe von neokeynesianischen Aufsätzen verfasst habe. (z.B. "Warum die keynesianische Politik keine dummen Bürger braucht", eine Lucas-Kritik, aus meinen frühen Jahren.) Die keynesianische Krisentheorie halte ich noch immer für absolut richtig. Die Erkenntnis, dass die Geldhortung spiegelbildlich zur realen Konjunktur verläuft und der einzige Grund für Nachfragedefizite ist, ist phänomenal einfach und richtig. Sie erklärt, wieso der Zusammenbruch des Interbankenmarktes und die damit einhergehende Zunahme der Liquiditätsneigung zur Übertragung der Krise auf die Realwirtschaft führte. Der mögliche Dissens zur Rolle keynesiansicher Rezepte in der jüngeren Vergangenheit rührt allein daher, dass ich damals keine keynesianische Krankheit vermutet hatte. Was den Neoliberalismus betrifft, liegen Sie nicht richtig. Rüstow selbst hat auf der Konferenz von Louis Rougie in Paris im Jahr 1938, die als Geburtsstunde des internationlaen Neoliberalismus gilt, diesen Begriff gewählt. Das war die konsequente Internationalisierung seines "neuen Liberalismus", den er bei der Vereinstagung 1932 proklamiert hatte, das Gegenteil des Paleoliberalismus, wie er sagte. Rüstow wollte den starken, ordnenden Staat. Später wurde dann statt Neo- auch Ordoliberalismus gesagt. Hören Sie auch, was Erhard dazu sagt: "Wenn nämlich jemals eine Theorie die Zeichen der Zeit richtig zu deuten wußte und einer ihren Erkenntnissen gemäßen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik neue Impulse gab, dann waren es die Gedanken der Männer, die heute als Neo- oder Ordoliberale gelten." Neo- und Ordoliberalismus sind identische Begriffe. Als "neoliberaler Täter", zu dem mich eine Zeit-Redateurin (eine gelernte Kinderpsychologin) zusammen mit Köhler, Merz und Baring im Herbst stempelte, liegt mir schon daran, dass diese Dinge nicht durcheinandergebracht werden. Ich selbst bin bestimmt kein Neo-Liberaler in dem Sinne, dass ich keynesianische und verteilungspolitische Maßnahmen ablehne. Nur in dem Sinne, dass ich die Rolle des Staates bei der Ordnungspolitik ebenfalls betone, wie Sie ja auch. Die Unterschiede liegen vor allem bei der Frage, ob der Staat in die Lohn- und Preisbildung eingreifen darf. Die Neoliberalen lehnen jegliche Eingriffe strikt ab. Ich auch. Sie aber nicht. Mit den besten Grüßen für einen erholsamen Sommer. Ihr Hans-Werner Sinn
Hallo Hr. Prof. Dr. Sinn, wäre nett, wenn Sie eine ehrliche Antwort geben würden: "Halten Sie privat, wo auch immer, etwas Gold bzw. Edelmetalle?" Gruß S.Mueller
Nein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit neuen Vorschriften zur Bilanzierung der "Neubewertungsrücklage" will die Bundesregierung im Rahmen der Fair-Value-Bewertung von Finanzanlagen über einen modifizierten Eigenkapitalausweis den Spielraum für die Kreditvergabe der Banken erweitern: Sind das nicht letztlich reine "Bewertungsspielchen" (zurück zum Niederstwertprinzip des HGB wäre hier meine Devise), die gerade nicht mehr Eigenkapital schaffen, auf dessen Grundlage m.E. allein (!) die Kreditvergabebasis einer Bank stabilisiert und erweitert werden kann? Weiterhin wehren sich derzeit insbesondere Sparkassen und Volksbanken gegen den Vorwurf, sie verhielten sich bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen zu restriktiv - vgl. Ifo-Kredithürde - bzw, es gäbe bereits eine Kreditklemme. Ich konzediere zwar, dass sich Banken - gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise und (!) der Rezession - vorsichtig verhalten (müssen), sehe aber in meiner Praxis als Unternehmensberater eigentlich schon seit einem Jahren ein zunehmend restriktives (und übrigens durchaus auch irrationales) Verhalten. Was meinen Sie dazu? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, ich teile Ihre Bedenken. Man sollte den Banken mehr Eigenkapital verschaffen, anstatt ihnen die Feuermelder abzustellen. Eine Kreditklemme haben wir in Deutschland heute definitiv bei den Großunternehmen. Mehr als die Hälfte von ihnen beklagen, dass die Kreditvergabe der Banken restriktiv sei. Das ist mehr als in der letzten Flaute um das Jahr 2003. Die Eigenkapi-talverluste der Banken werden die Kreditklemme verschärfen. Ich habe mich ausführlich zu diesen Dingen übrigens in meinem Buch "Der Kasino-Kapitalismus" ausgelassen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn