Die Finanzmarktkrise, die im Jahr 2007 vom amerikanischen Immobilienmarkt ausging und die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzte, hat die öffentlichen Haushalte in fast allen Staaten der Welt massiv belastet. Zu den Ausfällen von Steuereinnahmen und höheren Kosten für Sozialleistungen kamen erhebliche Belastungen durch Rettungsmaßnahmen für den Finanzsektor und Konjunkturpakete.
In der Folge traten im Euroraum Ungleichgewichte und strukturelle Defizite zu Tage, die sich seit der Einführung der Gemeinschaftswährung aufgebaut hatten, deren bedrohliche Dimension aber erst in der Krise erkennbar wurde. Anfang 2010 geriet zunächst Griechenland an den Rand des Staatsbankrotts. Angesichts des hohen Haushaltsdefizits und der schwachen Wirtschaftsleistung verweigerte der Kapitalmarkt dem Land neue Kredite und die Refinanzierung auslaufender Verbindlichkeiten. Um den Bankrott zu vermeiden, stützten die anderen Euroländer Griechenland Anfang Mai 2010 mit einem Rettungspaket in Höhe von 120 Mrd. Euro.
Nachdem auch andere Staaten wie Spanien, Portugal und Irland immer höhere Zinsen für die Finanzierung ihres Staatsdefizits bezahlen mussten, folgte nur eine Woche später der so genannte Rettungsschirm für den Euro in Höhe von 750 Mrd. Euro. Das umstrittene Paket wurde über das Wochenende vom 8. und 9. Mai 2010 von den Euroländern beschlossen, die notwendigen Gesetze in Deutschland innerhalb von zwei Wochen verabschiedet.
Der Euro-Rettungsschirm setzt wesentliche Grundprinzipien der Maastricht-Verträge außer Kraft, insbesondere die No-bail-out-Klausel, das Verbot, gegenseitig für Kredite einzutreten. Diese Veränderung hat gravierende ökonomische Folgen. Díe Zinsen für Staatsanleihen der verschiedenen Länder, die in Folge der neuen Risikobewertung auseinanderstreben, sollen dadurch künstlich zusammegebunden werden. Damit wird die Steuerungswirkung des Kapitalmarkts, die Schuldner und Gläubiger zu vorsichtigem Verhalten veranlasst, geschwächt. Für Deutschland birgt das Paket erhebliche Haushaltsrisiken. Außerdem bremst es das Wirtschaftswachstum, weil die Garantien der Europartner weiter Kapital in die Schuldenländer lenken, das damit nicht für Investitionen in Deutschland zur Verfügung steht.
In der Folge der Krise stellt sich nun die Frage nach strukturellen Reformen der Währungsunion.
Haftungssummen für die Euroländer und der deutsche Anteil: Der Haftungspegel
"Ist der Euro noch zu retten?" Universitätsöffentlicher Vortrag von Hans-Werner Sinn in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität am 19.12.2011 (Video)
"Europa in der Krise" Präsentation von Hans-Werner Sinn auf dem Münchner Seminar am 14.12.2010 (Video)
Fakten zu Griechenland und anderen Schuldnerstaaten der EU, zusammengestellt vom ifo Institut am 15. März 2010, aktualisiert am 7. Mai 2010. Download, PDF, 214 KB
„Fakten und Hintergründe zur Krise der griechischen Staatsfinanzen“ ifo Pressemitteilung vom 16.03.2010 (Text)
ifo Standpunkt Nr. 130: Ausverkauf mit der Druckerpresse (10. November 2011)
ifo Standpunkt Nr. 129: Die Drohung mit der Druckerpresse (31. Oktober 2011)
ifo Standpunkt Nr. 128: Der Ausweg aus der Krise (23. September 2011)
ifo Standpunkt Nr. 127: Warum man Schulden nicht vergemeinschaften darf (22. September 2011)
ifo Standpunkt Nr. 126: Die europäische Zahlungsbilanzkrise (29. Juli 2011)
ifo Standpunkt Nr. 125: Griechische Tragödie (27. Juli 2011)
ifo Standpunkt Nr. 124: EZB muss sich wandeln (08. Juli 2011)
ifo Standpunkt Nr. 121: Warum der Rettungsschirm reicht (16. Februar 2011)
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