Das Einkommen bestimmt oft über die Schulbildung
Warum finanziert der Staat fast überall auf der Welt Allgemeinbildende Schulen? Dieser Frage sind der Volkswirt Volker Meier vom Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) in München und seine Kollegen Mark Gradstein und Moshe Justman von der Ben-Gurion-Universität (Israel) nachgegangen. In einer umfassenden Analyse haben sie sich mit den Schulsystemen in demokratischen Gesellschaften beschäftigt. Ihre Ergebnisse zu Bildung und der Rolle des Staates sind nun in der CESifo-Buchserie auf englisch bei der MIT Press unter dem Titel "The Political Economy of Education" erschienen. Meier sprach im Interview mit dem F.A.Z.-Institut über Chancengleichheit und die Bedeutung von Privatschulen.
Herr Dr. Meier, staatlich bereitgestellte Bildung soll eigentlich allen Schülern die gleichen Möglichkeiten eröffnen. Doch das ist nicht immer der Fall. Bei Ihren Studien kam für die Vereinigten Staaten heraus, daß ein öffentliches Schulsystem Ungleichheiten sogar verfestigen kann. Woran liegt das?
In den Staaten werden die Schulen über kommunale Steuern finanziert. In Folge sind Schulen in ärmeren Vierteln und Gemeinden schlechter ausgestattet als solche, die sich in bevorzugten Stadtteilen mit hohem Einkommen befinden. Ergänzend dazu werden die Unterschiede in der Schulqualität noch durch die Unterschiede in der Zusammensetzung der Klassen verstärkt. Kinder aus ärmeren Familien werden zu Hause zumeist wenig gefördert, weshalb auch dadurch das schulische Niveau in ärmeren Stadtvierteln weiter absinkt.
Wie versuchen die Amerikaner dieser Entwicklung entgegenzuwirken?
Ein Lösungsansatz ist es, Privatschulen in ärmeren Kommunen zu unterstützen. Diese Schulen können ein bestimmtes fachliches Profil bilden und talentierte Schüler gezielt fördern. Damit begabte Kinder aus ärmeren Familien das Schulgeld an der Privatschule bezahlen können, erhalten sie staatlich subventionierte Bildungsgutscheine. - Kurz: Hier fördern Privatschulen nicht die soziale Trennung, sondern schaffen Chancen für begabte Kinder aus benachteiligten Familien.
Lassen sich daraus auch Schlußfolgerungen für das deutsche Schulsystem ziehen?
Nun, die deutsche Gesellschaft ist viel homogener als die amerikanische. Damit ist die Trennung zwischen Stadtteilen und Gemeinden nicht so drastisch. Auch werden Privatschulen in Deutschland deutlich stärker subventioniert als in den Vereinigten Staaten, weshalb die Ausgangsvoraussetzungen in beiden Ländern nicht ganz vergleichbar sind. In jedem Fall ist jedoch ein Wettbewerb der Systeme - privat und staatlich - sinnvoll, zumal private Bildungseinrichtungen anders als staatliche eine Nischenfunktion einnehmen und gezielt bestimmte Fähigkeiten fördern können.
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