tz, 12.11.2004, S. 2
Wie schlecht geht's uns wirklich?
Fritz Schösser: Das Problem ist, dass die Gewinne zum Beispiel mit Arbeitszeitverlängerungen erwirtschaftet werden, aber für den Arbeitsmarkt nichts bringen: So vagabundieren die Gewinne in der Finanzwelt und werden nicht in das Unternehmen reinvestiert.
Sind Gewinne heute nur noch mit Arbeitsplatzabbau und Verlagerungen ins Ausland möglich?
Vor wenigen Jahren noch hatten die Unternehmen einen Maßstab, dass 7 Prozent Gewinn gut sind. Muss dieser heute wirklich bei 13 Prozent liegen? Natürlich sind auch in Deutschland Gewinne möglich. Aber nicht mit Spekulationsgeschäften, sondern mit innovativen Produkten.
Wem gehören eigentlich die Konzern-Gewinne?
Wer Geld einsetzt, soll auch den Ertrag erhalten. Aber: Das Verhältnis zur dafür geleisteten Arbeitskraft muss mehr beachtet werden!
Wann sind Unternehmensgewinne unmoralisch?
Jeder Ertrag ist zunächst gut. Aber wenn bei einem Gewinn von 9 Prozent schon an Jobverlagerungen gedacht wird, ist das nicht nachvollziehbar.
Dr. Gernot Nerb: Nach drei schwachen Jahren sind die Gewinne in diesem Jahr recht gut. Die Erträge nutzen die Firmen jetzt, um ihre Bilanzen wieder in Ordnung zu bringen. Aber auch die wieder anziehenden Investitionen im Inland werden Arbeitsplätze schaffen. Während wir früher ein Investitionswachstum von zehn Prozent hatten, erwarten wir für 2005 vier Prozent. Aber immerhin.
Wir brauchen jetzt wieder eine stärkere Vorwärtsstrategie mit Expansionen und neuen, qualitativen Produkten. Gewinne durch niedrigere Kosten gibt es nicht ewig.
In der Regel den Aktionären, den Eigentümern die auch vorher die Verluste hinnehmen mussten.
Da wüsste ich jetzt zumindest keine Beispiele In unserer Marktwirtschaft sind zu hohe Gewinne mit dem Wettbewerb auch nicht möglich.
Seitenanfang
Haben Sie Fragen, oder möchten Sie uns einen Kommentar zukommen lassen? Dann schreiben Sie uns unter presse@ifo.de. Bitte vermerken Sie in Ihrer E-Mail, auf welchen Artikel Sie sich mit Ihrer Reaktion beziehen!
Telefon: +49(0)89/9224-1218 Fax: +49(0)89/9224-1267
Presseecho
Stellungnahmen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen unter Politikdebatte: