Thüringer Allgemeine, 08.12.2007
Prof. Marcel THUM (42), Leiter der Dresdner Außenstelle des ifo-Institutes, warnt vor einem Abbau von Stellen durch Mindestlöhne und empfiehlt Kombilohn-Modelle.
Wer profitiert von einem Mindestlohn?
Diejenigen, die einen Job haben und ihn behalten. Auch der Finanzminister spart vielleicht etwas. Generell würde ich sagen, ist Mindestlohn für den Arbeitsmarkt gefährlich, trivialerweise nur dann, wenn er höher ist als der Lohn, der ohnehin gezahlt wird.
Weckt eine höhere Vorgabe wie bei der Post Begehrlichkeiten anderswo?
Einen Direkt-Effekt gibt es nicht. Aber indirekt besteht die Gefahr, dass alle Branchen entsprechende Mindestlöhne einführen.
Würde ein flächendeckender Mindestlohn für den Osten zum Problem werden?
In einzelnen Branchen würde es sicher problematisch. Mein Verdacht ist, dass das einigen Unternehmen im Westen durchaus recht wäre, die es Konkurrenten damit schwer machen würden, während sie selbst höhere Kosten verkraften könnten.
Politiker und Gewerkschaften kritisieren, dass ein Geschäftsmodell, das auf niedrigen Löhnen basiert, nicht seriös sein kann.
Das ist ein Glaubenssatz, der nichts mit der Realität zu tun hat. Wenn allerdings das Ziel ist, dass es solche Jobs nicht gibt, dann ist es konsequent, die Mindestlöhne einzuführen. Die Menschen haben vielleicht andere Ziele. Sie nehmen solche Jobs an. Zumindest lieber, als arbeitslos zu sein.
Auch wenn das den Lebensunterhalt nicht sichert?
Das Problem liegt im Arbeitsmarkt für geringer Qualifizierte. Im Westen wurden die unteren Lohngruppen in den Tarifverhandlungen sehr viel stärker angehoben als oben und damit die Jobs wegrationalisiert. Im Osten ist es im Wesentlichen die Sozialpolitik. Hartz IV ist ohnehin nicht viel. Aber es setzt eine Lohnuntergrenze. Ich kann nicht jemandem einen Job anbieten, bei dem er am Ende weniger erhält. Daraus entsteht ein implizierter Mindestlohnanspruch.
Wäre der Kombilohn ein Ausweg aus der Situation?
Die meisten Ökonomen, der Sachverständigenrat und der wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium befürworten ein solches Modell.
Welche Alternativen hat die Politik?
Das hängt vom Ziel ab. Finde ich es besser, die Jobs ob 1,1 Millionen, wie von uns prognostiziert oder doch nur 700 000, das kann man diskutieren gehen verloren und dafür haben die, die einen Job haben, einen hohen Lohn? Oder ist es wichtiger, dass alle einen Job haben? Diese Abwägung muss getroffen werden.
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