Der Spiegel, 10.09.2007, S. 90
Manfred Schöpe, 59, Agrarexperte am Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München, über steigende Preise für Lebensmittel.
SPIEGEL: Aldi hat auf breiter Front die Preise erhöht, andere Lebensmittelketten ziehen nach. Ist das gerechtfertigt?
Schöpe: Am Weltmarkt sind die Agrarrohstoffe erheblich teurer geworden, insofern ist es verständlich, dass Hersteller und Handel die Preise erhöhen. Allerdings deuten manche Ankündigungen darauf hin, als wolle man die Gunst der Stunde unverfroren für allgemeine Preiserhöhungen ausnutzen.
SPIEGEL: Wo passiert das?
Schöpe: Hersteller und Handel vertuschen gern, dass der Rohstoffanteil an den Gesamtkosten zuweilen sehr gering ist. Bei Brot beispielsweise belaufen sich die zusätzlichen Ausgaben für Getreide lediglich auf zwei bis drei Prozent des bisherigen Preises. Für darüber hinausgehende Preisanhebungen sind Kostenpositionen wie Energie und natürlich auch die Margenpolitik der Unternehmen verantwortlich.
SPIEGEL: Und bei Milcherzeugnissen?
Schöpe: Da kommt es darauf an, wie viel Milch im Produkt steckt. Butter oder Magermilchpulver enthalten Milchbestandteile in hoher Konzentration, Fruchtjoghurt dagegen - wie alle Milchfrischprodukte - besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Verbraucher sollten vorsichtig sein und nicht jede Begründung akzeptieren, die ihnen Hersteller oder Händler vortragen.
SPIEGEL: Steigen die Preise weiter?
Schöpe: Tendenziell ja. Der globale Bedarf an Agrarrohstoffen nimmt zu. Die Zeiten billiger Lebensmittel dürften damit wohl endgültig vorbei sein.
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