Sächsische Zeitung, 07.08.2007
Zum Arbeitsmarkt im Jahr 2020 sprach die SZ mit Prof. Marcel Thum von der TU Dresden, Lehrstuhl für Volkswirtschaft, Schwerpunkt Finanzwissenschaften und Leiter des Ifo-Instituts Dresden.
Professor Thum, auch im Weißeritzkreis und in der Sächsischen Schweiz gehen die Einwohnerzahlen zurück. Heißt das, dass sich das Problem Arbeitslosigkeit in absehbarer Zeit von selbst lösen wird? Das Problem der Arbeitslosigkeit wird sich durch den demographischen Wandel schon alleine deshalb nicht von alleine lösen, weil es DIE Arbeitslosigkeit nicht gibt. Wir haben schon jetzt eine sehr geringe Arbeitslosigkeit in vielen hochqualifizierten Berufen. Dagegen sind die geringer qualifizierten Arbeitskräfte von der Massenarbeitslosigkeit betroffen, und hier genügt auch der Bevölkerungsrückgang nicht, die Arbeitslosigkeit verschwinden zu lassen.
Was muss aus Ihrer Sicht schon heute getan werden, damit die Firmen künftig genügend Fachkräfte finden? Langfristig können wir über geeignete Bildungspolitik vorhandene Reserven mobilisieren. Um aber auch kurzfristig flexibel zu sein, braucht Deutschland dringend eine moderne Zuwanderungspolitik, die gezielte Zuwanderung der benötigten Arbeitskräfte erleichtert. Bei der ersten EU-Osterweiterung haben wir die Chance verschlafen; die hochqualifizierten Arbeitskräfte aus Polen sind nach England und Irland ausgewandert. Ein Punktesystem, das an der Qualifikation ansetzt, ermöglicht eine gezielte Steuerung und verhindert die oft befürchtete Zuwanderung in unsere Sozialsysteme.
Werden für die, die Arbeit haben, die Löhne steigen? Pauschal lässt sich das nicht sagen. Wir beobachten aber bereits jetzt, dass der Markt reagiert und die Löhne bei knappen Qualifikationen, wie z.B. Ingenieursberufen, nach oben gehen.
Wenn für die Hochqualifizierten die Löhne steigen, was bedeutet das für weniger Qualifizierte? Zunächst bedeutet das, dass die Einkommensschere weiter auseinander geht. Wenn sich die Firmen schwerer tun, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, kann das aber auch dazu führen, dass sich einige Produktionen nicht mehr lohnen. Und das hat dann auch Auswirkungen auf den Bedarf an weniger qualifizierten Arbeitskräften.
Nicht nur die Gesellschaft insgesamt altert, sondern auch die Belegschaft der Betriebe. Sinkt damit automatisch ihre Wettbewerbsfähigkeit? Es wird häufig die Befürchtung geäußert, dass durch die Alterung der Gesellschaft die Produktivität sinkt. Empirisch lässt sich das bisher aber nicht belegen. Möglicherweise sind ältere Arbeitnehmer zwar weniger flexibel, dafür verfügen sie aber über ein umfangreiches Erfahrungswissen.
Das Gespräch führte Jana Klameth.
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