Produktion, 01.01.2009, Nr. 3/4
LANDSBERG. Ifo-Konjunkturexperte Kai Carstensen äußert sich gegenüber Produktion-Redakteur Gunnar Knüpffer zu den Folgen der Wirtschaftskrise.
Wie entwickelt sich die Konjunktur im Jahr 2009?
Im kommenden Jahr stehen die Konjunkturampeln auf rot. Die deutsche Wirtschaft, die zuvor aufgrund ihrer außenwirtschaftlichen Ausrichtung in besonderem Maße von dem kräftigen weltwirtschaftlichen Aufschwung profitiert hat, gerät nun umgekehrt in besonderem Maße in den Abwärtssog, den die Finanzkrise weltweit auslöst. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird daher kräftig um 2,2 Prozent abnehmen. Im Gefolge der Weltrezession werden die Exporte drastisch fallen. Die Investitionen in Ausrüstungen werden bei sinkender Kapazitätsauslastung, einbrechenden Ertragsaussichten und restriktiven Finanzierungsbedingungen scharf zurückgefahren werden. Der private Konsum dürfte trotz steigender realer Durchschnittslöhne kaum vorangekommen. Ausschlaggebend ist der deutliche Rückgang der Beschäftigung, zudem bleibt die Sparquote angesichts der Finanz- und Vertrauenskrise hoch.
Wie entwickeln sich Umsatz und Gewinn der Unternehmen 2009?
Die nominalen Umsätze werden bestenfalls stagnieren, wahrscheinlicher ist aber ein Rückgang. Die Gewinne werden, speziell im ersten Halbjahr, dramatisch einbrechen.
Welche Trends bestimmen die Wirtschaft in diesem Jahr?
Viele Bereiche des Verarbeitenden Gewerbes werden mit Überkapazitäten zu kämpfen haben. Dies wird vor allem Unternehmen treffen, deren Güter auf dem Weltmarkt nicht mehr in gleichem Maße gefragt sind wie bisher. Dazu zählen speziell Vorleistungs- und Investitionsgüter.
Welche Produkte werden 2009 verstärkt nachgefragt?
Die wirtschaftliche Schwäche wird sich tendenziell durch alle Gütergruppen ziehen. Zum Jahresanfang könnten die aufgrund des Ölpreisrückgangs gestiegenen Realeinkommen noch zu einem leichtem Konsumplus führen. Das wird aber nicht von Dauer sein, weil die im Jahresverlauf steigende Arbeitslosigkeit den Menschen die Konsumlaune endgültig verdirbt. Ferner gilt: im Abschwung werden nicht nur weniger, sondern günstige- re Produkte nachgefragt.
Welche Dienstleistungen werden wichtiger?
In der Rezession sind nicht nur Kostenkontrolle und Restrukturierung gefragt, sondern auch ein Blick in die Zeit nach der Krise. Langfristige Investitionsprojekte können jetzt angestoßen werden. Dienstleister, die hier einen Beitrag leisten können, haben die Chance, zu profitieren.
Wie sollten die Unternehmen der Finanzkrise begegnen?
Die Sicherung der Liquidität muss an erster Stelle stehen. Wenn die Banken auf die Kreditbremse treten, wird die Innenfinanzierung wichtiger denn je. Die Ausschüttung vergangener Gewinne kann riskant sein.
Haben Sie Fragen, oder möchten Sie uns einen Kommentar zukommen lassen? Dann schreiben Sie uns unter presse@ifo.de. Bitte vermerken Sie in Ihrer E-Mail, auf welchen Artikel Sie sich mit Ihrer Reaktion beziehen!
Telefon: +49(0)89/9224-1218 Fax: +49(0)89/9224-1267
Presseecho
Stellungnahmen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen unter Politikdebatte: