NWZonline.de, 27.01.2011
Wichtig ist die Frage der Eurobonds. Mehr deutsche Haftung könnte die Zinsen steigen lassen.
FRAGE: Herr Abberger, wie sehen Sie die allgemeine Zinsentwicklung? Wir erlebten ja in den vergangenen Wochen einen spürbaren Anstieg bei deutschen Staatsanleihen auf zeitweise über drei Prozent.
ABBERGER: In der Tat, wir haben im Dezember bereits erste Anzeichen einer Zinswende an den Kapitalmärkten gesehen. Bis dahin zeigten sich die deutschen Zinsen relativ unbeeindruckt von den Zinsaufschlägen für die peripheren Euroländer. Für den weiteren Zinsverlauf dürfte entscheidend sein, wie der gegenwärtig diskutierte Rettungsmechanismus für den Euroraum aussehen wird, der 2013 in Kraft treten soll. Im Moment hat Deutschland noch einen vergleichbar niedrigen Zins, weil es immer noch als relativ sicheres Land für Kapitalanlagen gilt.
FRAGE: Aber werden wir uns darauf einstellen müssen, dass auch die Bundesrepublik zukünftig nur noch zu einem höheren Zins Geld bekommen wird, weil sie durch Garantien an hoch verschuldete Euroländer risikobehafteter wird?
ABBERGER: Der künftige Rettungsmechanismus entscheidet auch darüber, wie stark Deutschland mit in die Haftung für die Schulden der Europartner einbezogen werden wird – und damit über den Zins. Das wäre bei einem sogenannten Eurobond – wo alle Euroländer gemeinschaftlich haften – stärker der Fall. Sollten andererseits die Privatinvestoren stärker in die Haftung genommen werden, bevor die Staaten zur Rettung aufgefordert sind, dann würde sich der Haftungsanteil der Bundesrepublik reduzieren, was im Zins seinen Ausdruck finden würde.
FRAGE: Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation im Euroraum ?
ABBERGER: Wir befinden uns gegenwärtig in einer sehr kritischen Phase. Ich gehe davon aus, dass Portugal unter den Rettungsschirm kommt. Aber es gibt weitere hoch verschuldete Staaten, dazu zähle ich Belgien. Aber dann kommt der Knackpunkt, sollte sich die Schuldenproblematik auch der größeren Staaten – wie in Spanien aber auch im obendrein noch politisch unsicheren Italien – ausweiten.
von Dieter W. Heumann
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