Mannheimer Morgen, 11.12.2008, S. 3
München. Länder mit einem hohen Anteil an Privatschulen schneiden bei der PISA-Studie besser ab. Das hat Ludger Wößmann, Professor für Bildungsökonomik an der Universität München und Bereichsleiter Humankapital und Innovation am Ifo Institut, herausgefunden.
Immer mehr Eltern melden ihre Kinder an Privatschulen an. Sind sie grundsätzlich die bessere Wahl?
Ludger Wößmann: Das hängt sicherlich von der Situation jedes einzelnen Kindes ab. Privatschulen werden durchaus nicht in jedem Fall besser als öffentliche Schulen sein.
Wie erklären Sie sich denn, dass das Leistungsniveau der Schüler in Ländern mit hohem Privatschulanteil höher ist?
Wößmann: Das hat vor allem damit zu tun, dass mehr Privatschulen - oder sagen wir besser: mehr Schulen in freier Trägerschaft - mehr Wahlmöglichkeiten bedeuten. Die Eltern haben Alternativen. Das setzt die Schulen in einen fruchtbaren Wettbewerb untereinander um die besten Konzepte und schafft Anreize, es besser zu machen. Das führt dann nicht nur in den freien Schulen, sondern gerade auch in den öffentlichen Schulen zu besseren Ergebnissen.
Stichwort Chancengerechtigkeit - fördern Schulen mit hohen Gebühren nicht die soziale Selektion nach dem Einkommen der Eltern?
Wößmann: Sie haben Recht: Je höher die Schulgebühren, desto geringer die Chancengleichheit. Aber wir müssen hier klar zwischen der Finanzierung und der Trägerschaft von Schulen unterscheiden.
Inwiefern?
Wößmann: Während private Finanzierung die Selektion erhöht, zeigen internationale Studien, dass private Trägerschaft sogar besonders den benachteiligten Kindern zugutekommt und damit die Chancengleichheit verbessert.
Befürworten Sie den Ausbau der Privatschulen in Deutschland?
Wößmann: Ich plädiere für den Ausbau von Schulen in freier Trägerschaft. Unsere Studien belegen, dass Schulsysteme mit mehr privat geleiteten Schulen sowohl ein höheres Leistungsniveau als auch ausgeglichenere Chancen erreichen. Gleichzeitig muss aber eine öffentliche Finanzierung allen Schülern den Zugang zu diesen privat geleiteten Schulen ermöglichen - so wie in den Niederlanden, wo drei Viertel aller Schüler auf freie Schulen gehen und die Ergebnisse wesentlich besser sind als bei uns.
Was müsste sich denn ändern, um die Gründung von Privatschulen zu erleichtern?
Wößmann: Der Staat sollte den freien Schulen pro Schüler genauso viel Geld geben, wie er in seinen öffentlichen Schulen ausgibt. Dann können die Eltern entscheiden, welche Schule die beste für ihre Kinder ist. Im Gegenzug sollte es den freien Schulen weder erlaubt sein, zusätzliche Schulgebühren zu erheben, noch unter den sich bewerbenden Schülern auszuwählen. Derzeit erhalten freie Schulen nur rund 70 Prozent ihrer Personalkosten ersetzt, ihre Sach- und Materialkosten gar nicht, und in den ersten drei Jahren bekommen sie überhaupt keine staatlichen Mittel.
Noch ein Wort zu den Lehrern: Es heißt oft, an Privatschulen seien sie motivierter. Woran liegt das nach Ihrer Ansicht? Schließlich dürften sie - zumindest als Angestellte - netto weniger verdienen als an staatlichen Schulen.
Wößmann: Das liegt zum Teil an dem fruchtbaren Wettbewerb: Die Lehrer an Privatschulen wissen, dass, wenn sie ihre Schüler verlieren, ihre ganze Schule bedroht ist. Vielfach haben freie Schulen auch eine andere Schulkultur, bei der sich alle für die Zukunftschancen der Kinder einsetzen.
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