Handelsblatt, 08./09./10.02.2008, Nr. 28, S. 3: „Eine Rezession ist hier nicht wahrscheinlich“
Was sagen die Auftragseingänge der Industrie über den Zustand der deutschen Wirtschaft aus?
Die monatlichen Werte sind sehr volatil, ein einmaliger Rückgang ist insofern nicht dramatisch. Im gesamten vierten Quartal ging es der Industrie gut. Das unterstreicht auch unsere Umfrage unter Unternehmen: Im Dezember lag die Reichweite abzuarbeitender Aufträge bei über drei Monaten - so hoch war der Bestand an Aufträgen die letzten zehn Jahre nicht. Das wird aber nicht so bleiben, deuten die Geschäftserwartungen an.
Wie lange kann diese Entwicklung angesichts der Finanzmarktturbulenzen noch andauern?
Das hängt stark von der US-Wirtschaft ab. Können die USA eine Rezession gerade noch verhindern, dürften die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft gering sein, da der Anteil der US-Exporte mit weniger als zehn Prozent relativ gering ist. Dass die Abhängigkeit von der US-Wirtschaft kleiner wird, hilft uns im Falle einer Rezession allerdings nicht. Sie würde mit gut einem halben Jahr Zeitverzögerung auch bei uns deutliche Bremsspuren hinterlassen.
Droht in diesem Fall auch Deutschland eine Rezession?
Das halte ich nicht für wahrscheinlich. In eine Rezession schlittern wir nur dann, wenn die hiesige Wirtschaft so schwach wird, dass schon ein exogener Schock ausreicht, um sie aus der Bahn zu werfen.
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