Finance:now, 10.02.2006, Nr. 1, S. 05-07
Die Leasingbranche beweist sich mit einem von ihr finanzierten Investitionsvolumen von rund 51 Mrd. Euro im Jahr nicht nur als feste Größe in der deutschen Wirtschaft, sondern sie übernimmt zudem die wichtige Rolle eines Innovationsmotors. Die Branche hat allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, meint der Leasing-Experte Arno Städtler vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung in einem Interview mit Finance:now.
Finance:now: Sehen Sie bestimmende Trends und Einflussfaktoren, die für die Entwicklung der Leasingfinanzierung von Relevanz sind?
Arno Städtler: Die Latte für das Jahr 2006 liegt aufgrund des guten Leasingjahres 2005 schon recht hoch. Trotzdem sollte es möglich sein, auf diesem hohen Niveau noch einmal zuzulegen. Überschaubare Verhältnisse vorausgesetzt, rechne ich mit einem Wachstum um die 7%. Das ist umso realistischer, als von Berlin aus keine neuen politischen Grausamkeiten mit Relevanz für die Investitionen zu erwarten sind.
Finance:now: Die Bundesregierung will die Mittelstandsfinanzierung verbessern und die Investitionsbereitschaft stärken. Welche Auswirkungen hat das Ihrer Meinung nach auf die Leasingbranche?
Arno Städtler: Zunächst einmal: Hellt sich das Investitionsklima auf, wirkt sich das positiv auf das Geschäft der Leasingbranche aus. Geht also die Rechnung der Politik auf, bedeutet das gute Zeiten für Leasing. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. Verbesserte Abschreibungsbedingungen sind belebende Impulse. Sie bringen Investitionsvorhaben auf den Weg, die ansonsten in der Schublade geblieben wären. Das gilt insbesondere für den Mittelstand, der scharf rechnen muss und in der Regel über weniger Eigenmittel verfügt als Konzerne.
Finance:now: …und davon profitiert die Branche?
Arno Städtler: Ja - und die Gewinner werden vor allem jene Unternehmen sein, die rund um das zu finanzierende Wirtschaftsgut intelligente Dienstleistungen anbieten können, die auf das Produkt zugeschnitten sind.
Finance:now: Welche treibenden Kräfte sehen Sie für diese erneute Wachstumstendenz.
Arno Städtler: Zum einen bessere Indikatoren für die Konjunkturentwicklung und eine positivere Grundstimmung. Ein anderes kommt hinzu: Die Finanzierung von Dienstleistungen gewinnt an Gewicht. Unternehmen müssen mehr denn je darauf achten, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. Dazu gehört die Erkenntnis, nicht alles mehr selber machen zu können. Vor diesem Hintergrund werden mehr und mehr auch Know-how und Dienstleistungen hinzugekauft, was zwangsläufig die Frage nach deren Finanzierung auf die Tagesordnung setzt.
Finance:now: Sind Managed Services in diesem Zusammenhang ein Thema von zunehmender Relevanz?
Arno Städtler: Ob man zu diesem modischen Begriff greift oder generell bei Dienstleistungen bleibt - eines ist klar: Intelligent geschnürte Paketlösungen aus Produkten und begleitenden Services entwickeln einen Charme, dem sich gerade auch Mittelständler immer weniger verschließen können. Sie müssen den Kopf frei haben für ihr Kerngeschäft - und diese Freiheit ist umso größer, wenn Finanzierungslösungen neben dem Produkt auch alle dazugehörigen Dienstleistungen einbeziehen.
Finance:now: Betrachtet man die Leasingentwicklung über verschiedene Branchen hinweg, verhält sich die Öffentliche Hand dieser Finanzierung gegenüber eher zurückhaltend - oder täuscht das?
Arno Städtler: Nein, keinesfalls. Mit einem Anteil von zwei, drei Prozent am gesamten Leasingvolumen dümpelt dieser Bereich seit Jahren vor sich hin. Das Beharrungsvermögen ist nach wie vor sehr groß. Zudem fehlte es lange Zeit an erfolgreichen Referenzprojekten. Das hat sich mittlerweile allerdings geändert. Impulsgeber sind große Leasingprojekte bei der Bundeswehr, aber auch bei Ländern und Kommunen, die in wachsendem Umfang auf das Finanzierungsinstrument Leasing setzen. Gelingt es, das ausgeprägte Sicherheitsdenken zu überwinden und durch Referenzen weitere Anstöße zu geben, bietet der öffentliche Bereich für die Branche eines der größten Potenziale.
Finance:now: Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Bankenunabhängigkeit für Leasingunternehmen und wie sehen Sie die Bedeutung von Herstellergesellschaften?
Arno Städtler: Egal, ob die Gesellschafter von Leasingunternehmen Banken oder herstellernah operierende Gesellschaften sind, hinter ihnen steht meistens ein bekannter Name, der Solidität und Sicherheit signalisiert. Mit enormen Ressourcen in der Rückhand sind diese Gesellschaften zudem in der Lage - und auch bereit dazu -, Technologie-Innovationen mit hohen Anfangsinvestitionen in den Markt zu bringen.
Finance:now: Kann man Leasing als Technologiemotor betrachten?
Arno Städtler: Ja, zweifellos. Kommt es zu Technologieschüben, führt das zu erhöhtem Kapitalbedarf. Je intelligenter die erhöhte Nachfrage durch Leasingmodelle abgedeckt wird, umso schneller kommen Innovationen in den Markt. Hinzu kommt, dass Leasing wegen des Produkt-Know-hows oftmals risikobereiter operiert als herkömmliche Kreditfinanzierung über Banken.
Finance:now: Mit welchen Entwicklungen muss die Branche für die nächsten Jahre rechnen?
Arno Städtler: Wesentliche Einflüsse auf die Entwicklung der nächsten vier, fünf Jahre werden neue oder verbesserte Technologien haben. Alles, was mit intelligenter Nutzung oder Erzeugung von Energie zu tun hat, rückt dabei angesichts der immer schärferen Problematik auf den Energiemärkten in den Fokus. Aber auch Bereiche wie Haus- und Mobilitätstechnik, Medizintechnik (Elektro) und IT bleiben auf der Agenda oder rücken weiter nach vorn.
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