Braunschweiger Zeitung, 05.02.2008, S. 4: Sollen die Löhne in Deutschland wieder kräftiger steigen?
Die konjunkturelle Situation in Deutschland ist zurzeit alles andere als sicher. Zwar sind die Fundamentaldaten gar nicht so schlecht, die gegenwärtige Achterbahnfahrt an den Börsen zeigt aber eine nachhaltige Verunsicherung an. Daher sind Tarifabschlüsse mit Augenmaß das Gebot der Stunde.
Das bedeutet nicht, dass die Tariflöhne stagnieren sollten. Schon aus Gründen der Fairness sollten auch die Arbeitnehmer am Aufschwung der vergangenen beiden Jahre teilhaben. Tatsächlich sind die Nettolöhne je Beschäftigtem schon leicht gestiegen, doch diesen Anstieg haben sich Staat und Ölscheichs geholt – durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Ölpreise. Etwas ist aber nachweislich bei den Haushalten angekommen: mehr Jobs.
Für die anstehenden Tarifverhandlungen sind Steigerungen wie die für den öffentlichen Dienst beanspruchten 8 Prozent weit überzogen.
Das übliche Argument für solche Lohnforderungen besagt, dass nur so die für dieses Jahr wichtige Konsumnachfrage anspringen könne. Dabei wird aber geflissentlich übersehen, dass die gesamtwirtschaftlichen Lohneinkommen das Produkt sind aus der Anzahl der Beschäftigten und dem durchschnittlichen Lohnsatz.
Steigen die Löhne zu schnell, wird die Beschäftigung abgebaut und die Inflation zieht an. Die dann Arbeitslosen haben nichts von den besseren Löhnen, und die Beschäftigten müssen die Zeche in Form höherer Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und schnellerem Kaufkraftschwund zahlen. Mit dem Konsumaufschwung wird es dann nichts.
Besser sind produktivitätsgerechte Lohnabschlüsse unter 3 Prozent. Das würde den Arbeitnehmern auch nach Abzug der Inflation ein kleines Plus lassen und gleichzeitig den Beschäftigungsaufbau unterstützen.
In den Betrieben mag je nach Geschäftslage davon abgewichen werden, aber es gilt die generelle Regel: nur ein maßvoller Lohnanstieg fördert Beschäftigung und Konsum.
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