boerse.ARD.de, 10.10.2007
Die Leasingbranche wettert gegen die Unternehmenssteuerreform, will aber auch nicht von der Bankenaufsicht Bafin kontrolliert werden. Zu Recht meint Arno Städtler vom Münchener IfO-Institut im Gespräch mit boerse.ARD.de. Der Ökonom plädiert für die Einführung einer einfachen Meldepflicht.
boerse.ARD.de: Die Leasingfirmen wollen steuerrechtlich wie Banken behandelt werden, lehnen aber eine Kontrolle durch die Aufsicht Bafin ab. Wie ist das zu erklären?
Städtler: Die zum ersten Januar 2008 geplante Unternehmenssteuerreform verursacht eine Reihe von Wettbewerbsverzerrungen und Kollateralschäden, zu denen auch die Doppelbesteuerung von Leasinginvestitionen gehört. Danach müssen nicht nur die Leasingnehmer, als die Unternehmen, Gewerbesteuer zahlen, sondern auch die Leasingfirma selbst. Das ist eine gefährliche Entwicklung, weil diese Doppelbelastung zu einer Verteuerung der Leasingraten führen dürfte und dieses Instrument dann zugunste des klassischen Bankkredits Marktanteile verlieren wird. Gleichzeitig drücken zusätzliche Steuern die Margen der Leasingfirmen, was besonders den Mittelständlern unter ihnen zum Verhängnis werden dürfte. Deshalb fordert die Leasingbranche die gewerbesteuerliche Gleichstellung mit den Banken.
boerse.ARD.de: Warum wollen die Leasingfirmen dann nicht der Bankenaufsicht unterstellt werden?
Städtler: Die Kontrolle durch die Bonner Aufsichtsbehörde ist mit einem wahnsinnigen bürokratischen Aufwand verbunden, den viele Leasingfirmen nicht überstehen werden. Nicht weil sie sich etwas vorzuwerfen hätten, sondern weil sie ihre gesamte Informationstechnologie umstellen und aufrüsten müssten, was mit hohen Kosten verbunden ist. Die können sie aber wegen des hohen Wettbewerbsdrucks nicht vollständig an den Kunden weitergeben.
boerse.ARD.de: In anderen Ländern wie Frankreich unterstehen die Leasingfirmen doch auch der Bankenaufsicht. Warum ist das in Deutschland ein Problem?
Städtler: Das ist richtig, aber in Deutschland gibt es eine ganze Reihe mittelständischer Leasingfirmen, für die das strenge Kontrollsystem der Bafin einfach zu viel ist. Schließlich müssen die zu beaufsichtigenden Firmen und Banken die Bafin auch selbst finanzieren. Das ist alles viel zu kostspielig und mit zu viel Arbeit verbunden. Deshalb sehe ich keine Notwendigkeit, die Leasinfirmen der Kontrolle der Bafin zu unterwerfen
boerse.ARD.de: Wie könnte eine Lösung ihrer Meinung nach aussehen?
Städtler: Da die Leasingfirmen im Gegensatz zu den Banken kein Einlagengeschäft haben und folglich auch keine Klumpenrisiken entstehen können, würde ein einfaches Meldesystem ausreichen, um die Kontrolle zu gewährleisten. Schließlich kann es nicht im Sinne des Gesetzgebers sein, noch mehr Bürokratie zu generieren.
boerse.ARD.de: Wie erklären Sie sich die starken Kursverluste der börsennotierten Leasingfirmen in den letzten Monaten?
Städtler: Trotz zweistelligem Umsatzwachstum sind die Margen in der Leasingbranche in letzter Zeit extrem unter Druck geraten. Der Wettbewerb wird immer härter, so dass einige Anbieter oftmals nur dank eines starken Auslandsgeschäfts, wo sich mehr Geld verdienen lässt, über die Runden kommen. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit nichts ändern.
Das Gespräch führte Lothar Gries
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: