Aktiv, 08.11.2008, Nr. 14/2008, S. 4
AKTIV: Was kann man tun, damit uns in Zukunft nicht immer mehr Fachkräfte fehlen?
Wößmann: Es muss zunächst in der Schule und Vorschule angesetzt werden. Wenn 17 Prozent der 20- bis 30-Jährigen ohne beruflichen Abschluss dastehen, ist da sehr viel Potenzial. Das sollte durch frühe Förderung genutzt werden. Dazu muss noch eine Flexibilisierung der Ausbildungs-Landschaft kommen.
AKTIV: Laut aktueller Prognos-Studie fehlen im Jahr 2030 in Bayern auch 350 000 Hochschulabsolventen, Kann man so viele neue Studenten überhaupt ausbilden?
Wößmann: Da müssen wir keine Angst haben, am Limit sind wir noch lange nicht. In Bayern starten nur 27 Prozent eines Jahrgangs ein Hochschulstudium. Im OECD-Durchschnitt der Industrieländer sind es 56 Prozent.
AKTIV: Und wie bekommt man mehr junge Menschen an die Uni?
Wößmann: Forschungsergebnisse belegen, dass die Aufteilung auf verschiedene Schularten schon im Alter von zehn Jahren vielen Kindern aus bildungsfernen Schichten den Weg in Richtung Hochschulen verbaut. Auch die frühkindliche Bildung liefert einen wesentlichen Beitrag, Kinder langfristig auf den Pfad zu einer höheren Bildung zu setzen.
AKTIV: Im höheren Alter kann man nur noch wenig machen?
Wößmann: Erst dann anzusetzen, wenn es um die Aufnahme eines Studiums geht, hat oft nur geringe Wirkung. Das kommt für die meisten einfach zu spät.
INTERVIEW MICHAEL STARK
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