WirtschaftsWoche, 03. Oktober 2002, S. 16
Nur kurze Zeit nach ihrem Wahlsieg fordern Politiker der rot-grünen Bundesregierung Steuererhöhungen. Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, antwortet auf die Frage:
Welche Folgen hätten Steuererhöhungen für die Wirtschaft?
Höhere Steuern setzen den ohnehin schon lange übertriebenen Trend in die Staatswirtschaft fort. Sie sind Gift für das Wachstum. Die Abgabenlast in Deutschland ist schon jetzt viel zu hoch. Um unsere Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen, brauchen wir weniger Steuern. Besonders problematisch wäre es, wenn die Vermögensteuer wieder eingeführt würde. Die Besteuerung des Vermögens schmälert die Anreize zur Kapitalbildung und belastet so die Ersparnisbildung und die Investitionen. Das bremst das Wachstum und beschädigt den Standort Deutschland. Um die Löcher in den Haushalten von Bund, Ländern und Gemeinden zu schließen, sollten Subventionen und Sozialausgaben auf breiter Front gekürzt werden. Wir haben in Deutschland ein Subventionsvolumen von mehr als 100 Milliarden Euro. Es sollte möglich sein, 10 bis 20 Prozent davon zu streichen.
mfi
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