Münchner Merkur, 31.01.2007, Nr. 25, S. 2
Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar gestiegen allerdings deutlich weniger als erwartet. Gebhard Flaig, Arbeitsmarktexperte am Münchner ifo-Institut, rechnet in den nächsten Monaten mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit.
Was sind die Gründe für die positiven Zahlen?
Gebhard Flaig: Der milde Winter spielt natürlich eine wichtige Rolle. Die jetzt veröffentlichten Zahlen stammen noch aus der Zeit vor dem Wintereinbruch. Da war die Baubranche noch sehr aktiv. Ansonsten spiegeln die guten Zahlen natürlich den Wirtschaftsaufschwung wider.
Also könnte die Belebung am Arbeitsmarkt schon bald wieder vorbei sein.
Flaig: Es ist noch zu früh, um abzusehen, ob der Aufschwung langfristig, also über mehrere Jahre, anhält. Wir gehen aber davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt mindestens bis 2008 weiter verbessert.
Konkrete Prognosen?
Flaig: Für 2007 rechnen wir mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 4,1 Millionen. Vermutlich ist das aber zu pessimistisch. Unsere Prognosen stammen von Anfang Dezember. Da war der milde Winter noch nicht abzusehen. 2008 dürfte die Arbeitslosenzahl unter die Vier-Millionen-Marke fallen.
Einzelne Branchen klagen bereits über einen Fachkräftemangel.
Flaig: In der Baubranche fehlen anscheinend Kräfte. Auch Bauingenieure sind gefragt. Das sind aber noch Einzelfälle. Gleichzeitig haben wir eine wachsende Zahl von Langzeitarbeitslosen, die vom Aufschwung bisher kaum profitieren.
Was muss sich ändern?
Flaig: Die Politik hat den Fehler gemacht, sich über Jahrzehnte zu wenig um die Arbeitslosen zu kümmern. Dadurch ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen immer weiter gewachsen. Jetzt sind sie kaum zu vermitteln. Denn die Unternehmen zögern, jemanden einzustellen, der seit Jahren nicht mehr gearbeitet hat. Die Koalition in Berlin muss unbedingt die Anreize erhöhen, auch schlecht bezahlte Jobs anzunehmen.
Die positive Entwicklung ist also nicht der Verdienst der Hartz-Reformen?
Flaig: Wenn es einen Effekt der Reformen gibt, dann ist er erst in den nächsten Jahren zu spüren. Die derzeit niedrige Arbeitslosigkeit haben wir der guten Konjunktur zu verdanken.
Das Interview führte Steffen Habit.
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