Brigitte.de, 14.7.2004
In Deutschland sind die Menschen wesentlich länger arbeitslos als in den meisten anderen EU-Ländern. Wir haben Dr. Martin Werding vom ifo Institut gefragt, woran das liegt.
Jeder zweite Arbeitslose sucht hierzulande länger als ein Jahr nach einer neuen Stelle. In den meisten anderen EU-Ländern finden die Menschen viel schneller eine neue Arbeit. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sind die Schweden Spitzenreiter: Lediglich 16,1 Prozent der Arbeitssuchenden müssen dort länger als ein Jahr auf eine Stelle warten, in Dänemark sind es 19,9 Prozent.
Brigitte.de: In Deutschland gibt es besonders viele Langzeitarbeitslose. Woran liegt das?
Martin Werding: Vordergründig ist es natürlich einfach schwer, aus der Arbeitslosigkeit heraus einen Job zu finden. Aber die bisherige Absicherung von Arbeitslosen ist auch zu wenig darauf ausgerichtet, die Leute zu aktivieren. Man bekommt nur Geld, wenn man nicht arbeitet. Das reduziert den Anreiz, Arbeit zu suchen. Gerade unter den Langzeitarbeitlosen gibt es sehr viele gering qualifizierte, die wenig verdienen würden. Es lohnt sich aber nicht, für geringe Löhne zu arbeiten.
Brigitte.de: Wird Hartz IV dafür sorgen, dass Arbeitslose wieder schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden?
Martin Werding: Das sind Schritte in die richtige Richtung. Beim Arbeitslosengeld II bleibt ein größerer Anteil des Einkommens anrechnungsfrei, das heißt, es lohnt sich, zum Arbeitslosengeld etwas hinzu zu verdienen. Das könnte meiner Meinung nach aber alles noch frecher, noch radikaler sein.
Brigitte.de: Die skandinavischen Länder schneiden mal wieder am besten ab. Was kann man von ihnen lernen?
Martin Werding: Hier ist das Prinzip "Fördern und Fordern" schon seit Jahren Programm. In diesen Ländern müssen Arbeitslose schon länger schlecht bezahlte Arbeit annehmen - sie bekommen dann einen Lohnzuschuss.
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