Börse Online, 27.20-6.3.2003, S. 43
Bauexperte Erich Gluch erwartet, dass sich der Eigenheimbau trotz der geplanten steuerlichen Belastungen beleben wird.
BÖRSE ONLINE: Herr Gluch, die niedrigen Zinsen stärken fast überall den Wohnungsbau. Warum in Deutschland nicht?
ERICH GLUCH: Weil die Zinsen in Deutschland schon seit einiger Zeit auf niedrigem Niveau sind und die Baupreise seit Jahren nicht mehr steigen. Vor allem wegen der nach wie vor hohen Grundstückskosten ist der Immobilienerwerb jedoch für viele immer noch nicht realisierbar.
BÖRSE ONLINE: Belasten auch die geplanten steuerlichen Verschlechterungen?
GLUCH: Zunächst war die Zurückhaltung groß. Da die Finanzverwaltung jedoch signalisiert hat, dass zumindest bei der Eigenheimzulage noch eine Zeit lang alles beim Alten bleibt, dürfte sich der Eigenheimbau im Verlauf dieses Jahres beleben.
BÖRSE ONLINE: Droht also kein Wohnungsengpass mit der Folge deutlich steigender Mieten und Preise?
GLUCH: Wenn unsere Prognosewerte nicht deutlich unterschritten werden, höchstens vorübergehend in einigen Regionen mit starker Bevölkerungszunahme.
BÖRSE ONLINE: Würden Sie einem Selbstnutzer jetzt zum Kauf raten?
GLUCH: Die selbstgenutzte Immobilie ist uneingeschränkt eine der besten Altersvorsorgen. Der Zeitpunkt des Erwerbs hängt aber meist mehr von der familiären und beruflichen Lage ab als von der Konjunktur.
BÖRSE ONLINE: Und einem Investor?
GLUCH: Leider rechnen viele potenzielle Investoren falsch, sonst wäre der Wohnungsbau nicht so eingebrochen.
BÖRSE ONLINE: Inwiefern falsch?
GLUCH: Sie gehen davon aus, dass die langfristige Wertentwicklung gewerblicher Investments besser ist, übersehen jedoch die viel größeren Risiken dort - insbesondere bei Fondskonstruktionen.
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