Abendzeitung, 23.05.2003, S. 4
Die IG Metall fordert für den Osten die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die AZ sprach darüber mit Martin Werding, Arbeitsmarktforscher beim Ifo-Institut:
AZ: Herr Werding, halten Sie die Forderung für berechtigt?
WERDING: Ich bin davon überzeugt, dass das eine schlechte Idee ist. Die Betriebe im Osten würden damit ihren einzigen Standort-Vorteil verlieren.
Die IG Metall argumentiert, es dürfe in Deutschland nicht zwei Klassen von Beschäftigten geben.
Das ist ein Holzhammer-Argument. Wenn die Bedingungen nicht gleich sind, ist es auch schwer, alle gleich zu behandeln. Und im Osten ist nun einmal die Produktivität immer noch niedriger als im Westen, und der erzielbare Preis für Produkte ist geringer. Die höhere Arbeitszeit im Osten war dafür bisher ein Ausgleich, der dann wegfallen würde.
Welche Folgen hätte es, wenn die 35-Stunden-Woche käme?
Es würden mit Sicherheit weitere Arbeitsplätze im Osten abgebaut. Die IG Metall versucht den Beschäftigten Gutes zu tun, schadet aber mit ihrer Forderung allen Arbeitslosen.
Interview: Harald Freiberger
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