Süddeutsche Zeitung 20.01.2006, S. V2/1
SZ: Ist Wohneigentum in Deutschland momentan preiswert oder teuer?
Gluch: Eher preiswert. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass sich die Baupreise in den vergangenen zehn Jahren so gut wie nicht erhöht und die Finanzierungskosten verringert haben. Wer sein Haus in zwanzig Jahren über einen Kredit abbezahlen möchte, den kosten Zins und Tilgung heute fast ein Drittel weniger als vor zehn Jahren.
SZ: Werden Immobilien in den nächsten Jahren billiger oder teurer?
Gluch: Derzeit gibt es keine Anzeichen für ein kräftiges Anziehen der Immobilienpreise.
SZ: Und wie kommt das?
Gluch: Es gibt immer noch eine Reihe von Faktoren, die potentielle Investoren vom Erwerb abhalten. Vor allem mit Blick auf die anhaltende Unsicherheit über den eigenen Arbeitsplatz sowie die seit Jahren kaum noch gestiegenen Nettoeinkommen.
SZ: Welche regionalen Preisunterschiede sehen Sie momentan bei Eigenheimen?
Gluch: Häuser und Wohnungen sind auf dem Land billiger als in den Städten. Auch bei den Großstädten gibt es erhebliche Unterschiede, mit München an der Spitze und Berlin am unteren Ende. Daneben besteht ein Süd-Nord- sowie ein Ost-West-Gefälle.
SZ: Und dann gibt es noch den Wegfall der Eigenheimzulage und die höhere Mehrwertsteuer ab dem kommenden Jahr ...
Gluch: Die Verschlechterung bei der Eigenheimzulage hat in den vergangenen Jahren bereits zu Vorzieheffekten geführt. Der totale Wegfall wird deshalb nur noch geringe Wirkung zeigen. Der Markt wird sich rasch daran gewöhnen, dass es auch ohne gehen muss. Der Umfang an Vorzieheffekten wegen der höheren Mehrwertsteuer ab dem Jahr 2007 sollte ebenfalls eher bescheiden bleiben. Die Unternehmen dürften aber auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen, diese Steuererhöhung auch als Vorwand für eigene Preisanhebungen zu nutzen.
SZ: Die demografische Entwicklung spricht nicht unbedingt für eine zumindest stabile Wertentwicklung von Wohneigentum . . .
Gluch: Mit Langfristszenarien wird leider sehr oft Panik geschürt. Richtig ist: Alle seriösen Prognosen zeigen auf, dass die Bevölkerung bei uns noch mindestens bis 2015 zunehmen wird und die Zahl der Haushalte sogar noch bis 2020 ansteigt. Gleichwohl steigt das Volumen der vererbten Immobilien künftig spürbar an. Dies dämpft die Preisentwicklung für Wohneigentum, da in vielen Fällen die Erben verkaufen möchten. Andererseits stabilisiert die Zahl älterer Haushalte die Wohnungsnachfrage, da diese Bevölkerungsgruppe die mit Abstand höchsten Wohnflächen pro Person beansprucht. (Erich Gluch arbeitet am ifo Institut als Prognoseexperte für die Immobilienwirtschaft)
Interview: Heinz-Josef Simons
Haben Sie Fragen, oder möchten Sie uns einen Kommentar zukommen lassen? Dann schreiben Sie uns unter presse@ifo.de. Bitte vermerken Sie in Ihrer E-Mail, auf welchen Artikel Sie sich mit Ihrer Reaktion beziehen!
Telefon: +49(0)89/9224-1218 Fax: +49(0)89/9224-1267
Presseecho
Stellungnahmen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen unter Politikdebatte: