VDI Nachrichten, 02.02.2007, Nr. 5
Nach der Mehrwertsteuererhöhung hat sich die Stimmung in der Wirtschaft eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank im Januar auf 107,9 Punkte nach zuvor drei Anstiegen in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Im Dezember hatte der Index mit 108,7 Punkten noch den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Die Forscher gehen davon aus, dass die Wirtschaft nach einer vorübergehenden Delle schnell wieder Fahrt gewinnen wird. Grund für die getrübte Stimmung war die nicht mehr ganz so günstige Einschätzung der Geschäftslage durch die Unternehmen. „Dies hängt vermutlich auch mit der Mehrwertsteuererhöhung zusammen", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der monatlichen Umfrage unter 7000 Unternehmen. Dagegen beurteilten die Firmen ihre Geschäftsaussichten zum vierten Mal in Folge positiver. „Das deutet daraufhin, dass die Konjunktur nach einem leichten Dämpfer zu Jahresbeginn im Laufe der nächsten Monate wieder Fahrt aufnehmen wird", sagte Sinn. rtr/ps
Automobil: Das Geschäftsklima tendierte im Januar leicht nach unten. Im Pkw-Sektor allerdings hat sich an der günstigen Geschäftslage nichts Wesentliches verändert. Hinsichtlich der künftigen Entwicklung ist der Pessimismus abgeklungen nicht zuletzt wegen deutlich verbesserter Chancen im Export. Im Bereich der Nutzfahrzeuge ist man mit derAuftragslage nach wie vor nicht ganz zufrieden. Von der Nachfrage aus dem Ausland erwarten die Unternehmen nur noch geringe zusätzliche Impulse.Dennoch soll - ähnlich wie im Pkw-Sektor - die Produktion in den nächsten Monaten etwas erhöht werden.H.-G.RUSS
Elektrotechnik: Trotz leichter Abstriche im Vergleich zum Vormonat erfreut sich die Branche einer sehr guten Geschäftslage. Der Zugang an neuen Aufträgen erhöhte sich, der Gesamtbestand an Aufträgen gilt alos gut ausreichend. Im Bereich der Investitionsgüter kommt es weiterhin zu Lieferengpässen. Mit kaum vermindertem Optimismus schätzen die Befragungsteilnehmer die Perspektiven für das kommende halbe Jahr ein. Hinsichtlich der Chancen auf den ausländischen Märkten hat er sich allerdings abgeschwächt. Die Produktionspläne kündigen dementsprechend eine weitere Expansion der Fertigung an. H.-G. RUSS
Chemie: Bei der Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage dominieren weitgehend unverändert die positiven Stimmen. Der Ordereingang stieg erneut kräftig an. Auch die Auftragsbestände insgesamt nehmen zu und liegen nach wie vor über dem sonst üblichen Maß. In den Geschäftserwartungen kommt weiterhin Zuversicht zum Ausdruck, wobei die Firmen vor allem große Hoffnungen in die Nachfrage aus dem Ausland setzen. Die Produktion, die schon zuletzt spürbar anzog, soll in den nächsten Monaten hochgefahren werden. Dabei dürfte auch der Anstieg der Verkaufspreise anhalten. H.-G. RUSS
Maschinenbau: Die Geschäftslage, die im Dezember einen Rekordwert erreicht hatte, tendierte im Januar leicht nach unten. Neue Aufträge konnten abermals mehr verbucht werden als im Vormonat. Die Unternehemn verfügen über reichliche Auftragspolster. Nach wie vor treten sogar Lieferschwierigkeiten auf, zumal die Produktion zunehmend durch Kapazitätsengpässe, Arbeitskräfte- und Materialmangel behindert wird. Der Geschäftsentwicklung sieht man sehr optimistisch entgegen, auch im Hinblick auf die Ausfuhr. Die Pläne der Testteilnehmer sind vermehrt auf Steigerungen der Produktion angelegt. H.-G. RUSS.
H.-G. RUSS ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Ifo-Institut, München.
Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung fragt monatlich bei rund 7000 Unternehmen in Deutschland wichtige Daten ab. So ermitteln die Münchener Wissenschaftler nach Branchen gesplittet Geschäftslage und Erwartungen in den Unternehmen. Die Geschäftslage spiegelt die aktuelle Situation in den Unternehmen wieder. Die Geschäftserwartung zeigt dagegen die voraussichtliche Entwicklung der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten - so wie die Unternehmer sie einschätzen. Beide, also Lage und Erwartung, werden einzeln als Saldo in den Charta gezeigt. Beispiel für Geschäftslage: Wenn 40 % der Befragten ihre derzeitige wirtschaftliche Lage positiv beurteilen, 60 % dagegen negativ, ergibt das per Saldo eine Geschäftslage von minus 20 %.
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