VDI Nachrichten, 01.08.2008, Nr. 31, S. 4
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so schlecht wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli unerwartet deutlich von 101,2 auf 97,5 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit September 2005.
Die Stimmung verschlechterte sich quer durch alle Branchen – von der Industrie über den Handel bis zur Bauwirtschaft. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate schätzten die 7000 befragten Manager pessimistischer ein. Der entsprechende Teilindex sank von 94,6 auf 90,0 Punkte. Der Index für die Lage gab von 108,3 auf 105,7 Punkte nach. „Der konjunkturelle Gipfel liegt zwar hinter uns, das Wachstum verlangsamt sich spürbar, eine Rezessionsgefahr sehe ich aber nicht“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger.
Belastend wirkten vor allem der hohe Ölpreis und der starke Euro sowie indirekt über die wirtschaftliche Abschwächung in den USA auch die Finanzkrise. Der Konsum in Deutschland werde mau bleiben. Auch die Exporterwartungen der Firmen schwächten sich weiter ab, so Abberger. rtr
Die aktuelle Geschäftslage im Pkw-Sektor wird zwar unvermindert positiv beurteilt, die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate haben sich jedoch drastisch verschlechtert. Hinsichtlich des künftigen Auslandsgeschäftes war nur noch geringe Zuversicht zu erkennen. Die Produktionspläne zeigen nach unten, zumal auch der Bestand an fertigen Fahrzeugen als überhöht gilt. Bei Nutzfahrzeugen haben sich die Perspektiven wieder aufgehellt, wobei man weiterhin vor allem auf die ausländischen Märkte setzt. H.-G. RUSS
Bei der Bewertung der Geschäftssituation haben die günstigen Meldungen wieder an Gewicht gewonnen. Da etwas weniger neue Order eingingen als im Vormonat, die Produktion aber leicht gesteigert wurde, sanken die Auftragsbestände. Sie gelten nur noch als knapp ausreichend. In den Geschäftserwartungen für das nächste halbe Jahr kommt erhöhte Skepsis zum Ausdruck. Leichte positive Impulse erhoffen sich die Unternehmen vom Export. Obwohl auch der Lagerdruck wächst, sind die Produktionspläne wieder etwas häufiger auf Steigerungen angelegt. H.-G. RUSS
Die Geschäftslage tendiert nach unten, die positiven Urteile dominieren jedoch weiterhin. Die laufende Nachfrage schwächte sich zuletzt etwas ab, so dass bei stabiler Produktion die Auftragspolster weiter abgetragen wurden und das Normalmaß zunehmend verfehlen. Auch über zu große Fertigwarenlager wird etwas häufiger berichtet. Als eine der wenigen Branchen liegt in der Elektrotechnik der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten aber über dem Vorjahreswert. Der weiteren Geschäftsentwicklung sehen die Firmen mit erhöhtem Pessimismus entgegen. H.-G. RUSS
Einer günstigen Geschäftssituation erfreuen sich nach wie vor die Maschinenbauer – gegenüber dem Vormonat werden jedoch Abstriche gemacht. Die Auftragsbücher sind trotz des weiter rückläufigen Orderzugangs immer noch gut gefüllt. Hinsichtlich der Geschäftsaussichten für das kommende halbe Jahr äußern sich die Befragungsteilnehmer skeptisch, wobei sie auch die Chancen auf den Auslandsmärkten nicht mehr so zuversichtlich einschätzen. Die Produktionspläne werden sogar deutlich nach unten korrigiert. Der Personalbestand soll weiter erhöht werden. H.G. Russ
Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Ifo-Institut, München.
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