Handelsblatt, 30.11./01./02.12.2007, Nr. 232, S. 4
Nächste Woche blühen uns die neuesten Pisa-Ergebnisse - und mit Sicherheit auch wieder altbekannte Vorschläge von links und rechts, was zu ändern ist. Wenn wir statt ideologischer Ränkespiele aber auf die Fakten der internationalen Vergleiche schauen, dann erweist sich die Aufgabenverteilung zwischen Staat und Markt als springender Punkt. Unsere Analysen belegen eindeutig, dass es den Schülerleistungen guttut, wenn mehr Schulen in nichtöffentlicher Trägerschaft im Angebot sind. Konkurrieren verschiedene Schulen um die Gunst der Eltern, dann können diese die aus ihrer Sicht beste Alternative wählen, und schlechte Schulen verlieren ihre Schüler. Auch die öffentlichen Schulen werden besser, wenn sie mit privaten Schulen konkurrieren müssen.
Im Gegensatz zur Trägerschaft ist bei der Finanzierung aber der Staat gefragt. Öffentliche Finanzierung verbessert die Ergebnisse - insbesondere, wenn sie privat geleiteten Schulen zugute kommt. Denn wenn sich nur die oberen Zehntausend den Besuch von Privatschulen leisten können, entsteht ja kaum Wettbewerb: Die meisten Eltern haben keine Alternative. Erst wenn durch staatliche Finanzierung alle Schüler unabhängig von ihrem Hintergrund die gleichen Wahlmöglichkeiten haben, kommt ein Wettbewerb der Schulen um die besten Konzepte auf, der ein Segen für alle Schüler ist - gerade für derzeit Benachteiligte. Ohne eine faire finanzielle Gleichstellung von staatlich und privat geleiteten Schulen entsteht dagegen sozialer Sprengstoff.
Unsere holländischen Nachbarn machen es uns vor: Dort besuchen drei Viertel der Schüler privat geleitete Schulen - die alle die gleiche staatliche Finanzierung erhalten wie die öffentlich geleiteten. Es geht also nicht um Marktideologie, sondern um Fakten: Die Verbindung von privater Trägerschaft mit staatlicher Finanzierung und Aufsicht der Schulen führt zu den besten Bildungsergebnissen. Wer dies verhindert, nimmt unseren Kindern Zukunftschancen.
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267