In Deutschland setzt sich die günstige gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung in 2007 fort. Das real verfügbare Einkommen steigt spürbar an, dies stärkt zweifellos den privaten Konsum und ebnet den Weg in einen sich selbst tragenden Aufschwungsprozess. Hiervon profitieren auch die Lebensmittelnachfrage und insbesondere die Fleischbranche.
Die günstige gesamtwirtschaftliche Konjunkturentwicklung setzt sich in 2007 fort. Das Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostiziert für 2007 eine Wachstumsrate des Sozialprodukts von 2,4% und hat damit seine Prognose aus dem Herbstgutachten 2006 nach oben korrigiert. Die Bundesregierung geht nach dem Vorsichtsprinzip in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2007 von einer wirtschaftlichen Jahreswachstumsrate in Höhe von 1,75% aus und hat dies nach dem Frühjahrsgutachten der Institute auf 2,3% nach oben angepasst. Nach Einschätzung vieler Experten dürfte die tatsächliche Entwicklung noch günstiger ausfallen. Die OECD schätzt das Wirtschaftswachstum 2007 in Deutschland auf 2,8% (kalenderbereinigt: 2,9%). Die jüngste Prognose des ifo Instituts München vom Juni 2007 geht von 2,6% (kalenderbereinigt: 2,8%) aus (Euro-Raum insgesamt 2007: 2,8%). Ifo analysiert, dass der konjunkturelle Aufschwung kraftvoll ist, und erwartet, dass er bis zum Ende des Jahrzehnts andauert.
Die Stimmung in der Deutschen Wirtschaft ist so gut wie zuletzt in den Zeiten der Wiedervereinigung. Der Aufschwung hat inzwischen auch ganz offensichtlich den Arbeitsmarkt erreicht und bringt diesen spürbar in Schwung. Die Beschäftigungszahlen zeigen die besten Werte seit langem, die Arbeitslosigkeit hat den niedrigsten Stand seit Oktober 1999. Bei der Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten ist die Trendwende geschafft, sie nimmt wieder zu. Das real verfügbare Einkommen steigt spürbar an, insbesondere als Folge des hohen Beschäftigungszuwachses. Dies stärkt zweifellos den privaten Konsum und ebnet den Weg in einen sich selbst tragenden Aufschwungsprozess. Hiervon profitieren auch die Lebensmittelnachfrage und insbesondere die Fleischbranche. Der GfK-Konsum-Index ist zum vierten Male in Folge angestiegen und erreicht im Juni 2007 einen neuen Rekordwert, die Kauflaune der Verbraucher ist durch die gute Konjunktur nachweislich gut. Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist in Deutschland deutlich geringer geworden.
Nach Mitteilung der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) erzielte die Ernährungsindustrie im ersten Quartal 2007 einen Umsatz von 36 Mrd. Euro; dies bedeutet ein Plus von 3,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Jahr 2006 gegenüber 2005 nominal + 3,4%). Nach wie vor läuft der Export weiter auf Hochtouren. In den ersten drei Monaten wurden bereits Lebensmittel im Wert von 7,8 Mrd. € exportiert. Mit einem Wachstum von 10,9% sind die Ausfuhren weiterhin der wichtigste Wachstumsträger der Branche. Die ausländischen Märkte sind somit für das Wachstum der gesamten Ernährungswirtschaft und die Fleischbranche im Besonderen (Umsatzanteil etwa 22%) von strategischer Bedeutung. Für die Fleischwirtschaft wird das Exportgeschäft immer interessanter (Wichtigster Drittlandmarkt: Russland). Die deutschen Ausfuhren von Schweinefleisch haben 2006 um 10% gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Insbesondere die Märkte in Mittel- und Osteuropa werden verstärkt von Deutschland aus versorgt. In den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern der EU wird auf der anderen Seite darüber berichtet, dass die inländische Fleischerzeugung dort tendenziell sinkt und die Versorgung immer stärker über Importe aus EU-Partnerstaaten erfolgt, die über die bessere Qualität verfügen und die geforderten Sicherheits-/Hygienevorschriften erfüllen können.
Auch im Inland, am Binnenmarkt sind die Signale inzwischen durchaus positiv. Die Produzenten spüren deutlich den Verbrauchertrend hin zu höherwertigen Produkten und zu Qualitäts- bzw. Markenorientierung. Premium-Marken setzen ihren Weg der Marktpositionsverbesserung kontinuierlich fort. Sichtbares Zeichen für die dominierende Konsumentenhaltung ist auch der Bio-Boom, gerade im Lebensmittelbereich. So stehen Frische-Sortimente sowie Fleisch und Wurst bei den Expansions-Strategieen des Lebensmittelhandels an vorderster Stelle. Die mit den Stichworten Wellness/Gesundheit und Genusserlebnisse sowie Convenience verbundenen Nachfragesegmente haben bei den Konsumenten sehr hohen Rang.
Im Inland sinkt zwar der Fleisch-Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen, 2006 wurden im Durchschnitt 60,4 kg Fleisch verzehrt (2005: 60,9 kg). Dabei hat aber der Umsatz des Fleischerhandwerks zu Lasten der sonstigen Anbieter erstmals seit Jahren wieder zugenommen. Der Deutsche Fleischerverband (DFV) meldet ein erfreuliches, erfolgreiches Jahr 2006 und viel konjunkturellen Schwung in 2007. Die Fleischerfachgeschäfte haben ihren Anteil an einem insgesamt schrumpfenden Markt zumindest behaupten, in vielen Fällen sogar ausbauen können. Auch hier war in den letzten Jahren ein anhaltender Konsolidierungs- und Strukturwandelprozess zu beobachten. So stieg der durchschnittliche Umsatz je Beschäftigtem im Fleischerhandwerk seit dem Jahr 2000 von 89 208 € um 10,9% auf 98 903 € in 2006 an. Der Branchenumsatz des Fleischerhandwerks insgesamt ging jedoch im gleichen Zeitraum um 9,7% zurück (von 17,5 Mrd. € in 2000 auf 15,78 Mrd. € in 2006). In Süddeutschland sind grundsätzlich Fleischerfachgeschäfte am Fleischmarkt relativ bedeutender als im Durchschnitt der Bundesrepublik.
Die Messe IFFA in Frankfurt am Main, als die weltweit größte und bedeutendste Leitmesse der Branche eingestuft, hat deutlich gezeigt: In der Fleischbranche wird 2007 wieder verstärkt investiert. Der Branchen-Investitionszyklus befindet sich augenscheinlich in einer Phase des Hochs und des Innovationsnachholbedarfs.
In der Unternehmensstruktur im industriellen Teil der deutschen Fleischbranche ist ebenfalls ein nachhaltiger Strukturwandel zu beobachten. So setzt der niederländische Fleischkonzern VION seine Expansion in Deutschland fort, er wuchs 2006 mit zweistelligen Wachstumsraten (+18%). Seine Präsenz erstreckt sich insbesondere auf den süddeutschen Raum, er hat die ehemaligen Unternehmen Südfleisch, Moksel, Lutz-Gruppe und Artland übernommen. Das Unternehmen zählt insgesamt 94 Standorte, vornehmlich in den Niederlanden und in Deutschland. Neben Marktführer Tönnies (20%) und dem Dritten Westfleisch Münster (knapp 11%) zählt VION, Best (knapp 19% Marktanteil) zu den großen Drei der deutschen Fleischwirtschaft. Diese drei größten Konzerne vereinen z.B. knapp die Hälfte der deutschen Schweineschlachtungen auf sich. VION sieht Deutschland als günstigen Standort für seine Unternehmensziele auf dem EU-Markt und seine Exportausrichtung im Allgemeinen.
In den vom Bundesernährungsministerium veröffentlichten Daten werden in den ersten Monaten 2007 durchwegs Steigerungsraten der Fleischwirtschaft ausgewiesen. So ist der Fleischanfall von geschlachteten Tieren (gewerbliche Schlachtungen und Hausschlachtungen) in- und ausländischer Herkunft im ersten Quartal 2007 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 5,3% angestiegen.
In die politische Auseinandersetzung und Diskussion um Mindestlöhne ist auch die Fleischbranche – Stichwort: Beschäftigung osteuropäischer Billigkräfte mit Stundenlöhnen von 3,5 € und 12 Stunden-Arbeitstagen - involviert. Ein bundesweit gültiger flächendeckender Tarifvertrag ist bisher nicht zustande gekommen, „die Branche sei dafür zu heterogen“, so die Position der Arbeitgeber.
In den Ergebnissen des monatlich erhobenen ifo Konjunkturtests (ifo KT) war die jetzt von allen Seiten bestätigte gesamtwirtschaftliche konjunkturelle Boomphase bereits früh (Ende 2005) erkennbar. Im Wirtschaftszweig Schlachten und Fleischverarbeitung (industrielle und handwerkliche Betriebe) zeigt sich auch in den Daten des ifo KT der Befragungsteilnehmer aus dieser Branche bei erkennbar saisonalen Schwankungen seit 2005 ein wirtschaftlicher Aufschwungsprozess, der in 2007 deutlich zugelegt hat. Nachfrage, Produktion und Auftragsbestand verlaufen gleichförmig parallel mit unverkennbarem Aufwärtstrend (Abb. 1). Die Ernährungswirtschaft insgesamt zeigt in der Einschätzung von Nachfragesituation und Produktion seit 2006 eine noch steilere Aufwärtstendenz (Abb. 2). Schließlich untermauern die ifo Konjunkturindikatoren „Lage“ und „Erwartungen“ für die betrachteten Aggregate bzw. Wirtschaftssektoren das günstige Konjunkturgeschehen für den Ernährungssektor insgesamt und die Fleischbranche als Teilsektor (Abb. 3 u. 4).
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