Focus online, 03.06.2009
Ist es der Beruf? Der Schulabschluss? Das Einkommen? Wer sich auf die Suche begibt nach der deutschen Mitte, stößt schnell auf Probleme. Ein angehender Ingenieur, der von 600 Euro lebt – arm? Eine sechsköpfige Familie mit 4000 Euro netto – reich?
Selbst Forscher tun sich schwer, eine exakte Definition der deutschen Mitte zu liefern. FOCUS Online hat namhafte Politiker und Wissenschaftler gefragt, was sie meinen, wenn sie das Wort Mitte im Munde führen.
"Die Mitte unserer Gesellschaft ist kein einheitlicher Block, genauso wenig wie das Bürgertum. Dieses glauben ja Union und FDP allein zu repräsentieren und sehen darin meist und fälschlicherweise nur wohlbehütete und guterzogene Ursprungsdeutsche. Das Einkommen spielt für die Zuordnung zur Mittelschicht natürlich eine Rolle, jedoch weniger als beispielsweise eine aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben.
Insgesamt ist die ´Mitte´ äußerst heterogen, mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, Lebensstilen und auch einer großen Einkommensspanne. Zu ihr gehören der verbeamtete Lehrer ebenso wie die Elektronikfacharbeiterin, die Biologiestudentin ebenso wie der türkische Gemüsehändler oder der polnische Krankenpfleger, der freie Webdesigner genauso wie die freischaffende Künstlerin, das Doppelverdienerehepaar gleichermaßen wie die Landwirtsfamilie mit drei Kindern, der Eigentümer eines Handwerkbetriebes genauso wie die Managerin. Das Sprechen von einer Erosion der Mittelschicht scheint zwar übertrieben. Die verbreitete Einschätzung, von Arbeitslosigkeit und Verunsicherung über die eigene Zukunft und die der Kinder bedroht zu sein, fordert jedoch dringenden Handlungsbedarf. Und schließlich sinkt der Anteil der Bezieher mittlerer Einkommen seit den 1990er-Jahren ja tatsächlich kontinuierlich.
Damit die Menschen wieder Sicherheit erleben und auch in die Mitte der Gesellschaft finden können, brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn und ein Progressivmodell zur Staffelung der Sozialversicherungsbeiträge. Zudem müssen wir unser Steuersystem sozial gerecht reformieren. So muss ein größerer Anteil großer Erbschaften zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen und der Spitzensteuersatz auf 45 Prozent angehoben werden – jedoch erst ab einem höheren Einkommen, um die mittleren Einkommen nicht zusätzlich zu belasten. Dieses Geld muss dann zur Verbesserung der Qualität öffentlicher Institutionen verwendet werden – gerade auch in Problembezirken und vor allem im Bildungsbereich. Auch den Kindern aus sozial schwächeren Familien muss die Chance auf einen Aufstieg in die Mitte der Gesellschaft geboten werden. Schließlich ist auch das ein Weg, die Mittelschicht zu stärken."
"Fast alle Politiker machen sich – zumindest verbal – für die ´Mitte´ stark. Wer das eigentlich ist, ist nirgendwo definiert. Auch nicht in der Wissenschaft. Betrachtet man die Einkommen, was den Vorzug hat, dass alle Menschen anhand dieses Indikators ganz einfach einsortiert werden können, dann sieht man zum einen, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland Einkommen zur Verfügung hat, die nicht sehr weit vom Durchschnitt entfernt liegen.
Allerdings ist diese Mitte derart vielschichtig zusammengesetzt, dass man kaum von ´der Mitte´ reden kann. Vom Arbeiterehepaar, das viele Überstunden macht, bis zum Journalisten mit Hochschulabschluss reicht das soziale Spektrum der mittleren Einkommen. Eine Politik für ´die´ Mitte ist kaum möglich. Und streng genommen gehören zur Oberschicht nur ganz wenige Prozent der Gesellschaft. Leute mit einem so hohen Einkommen, dass sie sich keine Sorgen um sich und ihre Kinder machen müssen, gibt es kaum. Die soziologische Mitte reicht also weit in die obersten Einkommen hinein, wo zum Beispiel Lehrerehepaare zu finden sind, die von ihren Eltern zwei Häuser geerbt haben. Gesellschaftlich wichtiger ist, dass es nicht nur eine sich verhärtende untere Schicht gibt, die immer weniger Chancen haben zur unteren Mitte aufzuschließen, sondern dass aufgrund unseres schlechten Schulsystems die Kinder der Ungelernten sehr schlechte Lebenschancen haben. Eine Politik, die die Mitte wirklich stärken will, sollte die Kinder der bildungsfernen unteren Schichten fördern.“
"Die Mitte hält unsere Gesellschaft zusammen – sie ist für die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Stabilität in unserem Land von entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig bildet der wirtschaftliche Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.
Wer die Mitte stärken will, darf die Leistungsträger unserer Gesellschaft nicht mit ständig steigenden Abgaben belasten. Wir brauchen deshalb sofort eine dauerhafte Senkung der Sozialversicherungsbeiträge und eine Eindämmung der heimlichen Steuererhöhungen durch die sogenannte kalte Progression.
Um die Mitte nachhaltig zu stärken, muss vor allem bei der Bildung angesetzt werden. Eine erfolgreiche Bildungspolitik ermöglicht Aufstiegschancen und gewährleistet die Durchlässigkeit des Bildungssystems und damit die Durchlässigkeit vom Rand der Gesellschaft hinein in ihre Mitte."
„Für uns hat die Mitte wenig mit Einkommen und Bildungsabschluss zu tun, aber sehr viel mit Werten und Einstellungen. Die Mitte, die Deutschland trägt, besteht aus Leistungsbereiten – das sind Bürger, die es schon geschafft haben, aber ebenso all jene, die einsteigen statt aussteigen wollen. Rentner, die ein Leben lang hart gearbeitet haben, gehören ebenso zur Mitte unserer Gesellschaft wie Junge, die mit Ehrgeiz ihre Ausbildung vorantreiben. Diese Mitte hat vor gut zehn Jahren rund zwei Drittel unserer Gesellschaft ausgemacht. Heute sind es noch knapp über die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger.
Die Mitte schrumpft, weil niemand härter vom Steuer- und Abgabenstaat betroffen ist. Wer wirklich reich ist, kann sich die Regierung aussuchen, unter der er leben möchte. Typische Menschen aus der Mitte können das nicht. Krankenschwestern und Handwerker, Polizisten und Verwaltungsangestellte, Busfahrer und Lehrerinnen – sie alle sind ortsgebunden. Der Mittelstand schafft die meisten Arbeits- und Ausbildungsplätze. Aber genau diese kleineren und mittleren Betriebe werden durch die familien- und mittelstandsfeindliche Erbschaftsteuerreform der Bundesregierung jetzt zusätzlich belastet. Diese breite Mittelschicht zu stärken ist das Ziel der FDP. Steuersenkungen sind das wichtigste Instrument, um den Bürgern der Mitte Freiraum zu schaffen und Arbeit und Wohlstand zu sichern. Deshalb fordern wir mehr Netto vom Brutto und Maßnahmen gegen die kalte Progression. Ein durchlässiges Bildungssystem ist die wichtigste Voraussetzung, um in die Mitte aufsteigen zu können. Zukunftsfeste Renten- und Gesundheitssysteme schützen die Mitte vor dem Abstieg. Deshalb müssen wir ganz einfache Regeln wieder beherzigen: Wer arbeitet, muss mehr haben als der, der nicht arbeitet. Und: Leistung muss sich lohnen. Auch wenn wir vorschlagen, im Steuerrecht für Kinder endlich denselben Grundfreibetrag einzuführen, wie er für Erwachsene gilt, dann stärkt das die Mittelschicht und die Zukunft unserer Familien. Heute ist die Mitte bedroht.
Die anderen Parteien reden viel zu viel über jene ganz oben und jene ganz unten, über Heuschrecken und Hartz IV. Den normalen Bürger aus der Mitte unserer Gesellschaft, der morgens aufsteht, die Kinder in die Schule oder in den Kindergarten bringt, zur Arbeit geht und mit seiner Leistung unseren Staat trägt, hat nur die FDP im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Wir Liberale sind der einzige Anwalt der Mitte
"Es gibt keine Definition der Wirtschaftsstatistik, was man exakt unter der Mittelschicht zu verstehen hat. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet den Einkommensbereich zwischen 70 und 150 Prozent des ´bedarfsgewichteten Medianeinkommens´ zur Mittelschicht. Bei einem Single war das im Jahr 2005 der Bereich von 911 bis 1951 Euro monatlich netto, bei einem Ehepaar mit zwei Kindern unter 14 Jahren von 1912 bis 4098 Euro monatlich netto.
Die Mittelschicht wurde im Vor-Agenda-Sozialsystem der Bundesrepublik immer weiter geschwächt und hatte im Jahr 2005, dem Maximum der Arbeitslosigkeit, auf die sich die meisten Studien beziehen (etwa der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung), einen Tiefststand. Seitdem wird sie aber wieder stärker, wie die neuesten Zahlen des sozioökonomischen Panels für das Jahr 2006 beweisen. Vermutlich werden die Zahlen für 2008, die wir erst in zwei Jahren haben werden, eine noch größere Mittelschicht ausweisen, weil die Arbeitslosigkeit bei einem temporären Minimum angekommen ist. Nichts erklärt das beklagte Wegbrechen der Mittelschicht mehr als die Zunahme der Arbeitslosigkeit bis 2005. Allerdings gibt es auch Definitionen, die sich nicht direkt am Einkommen der Personen orientieren. So verwendet Herr Werding in seiner Studie für die Herbert-Quandt-Stiftung den Begriff der ´gesellschaftlichen Mitte´, in den Bildungsmerkmale (mittlere und höhere Qualifikationen; mindestens abgeschlossene Realschul- und Berufsausbildung, typischerweise Hochschulabschluss), die berufliche Stellung (Angestellte) und die Art der Tätigkeit (qualifizierte Dienstleistungstätigkeit) einfließen. Die Personen, die zwar die Bildungsmerkmale erfüllen, aber hinsichtlich beruflicher Stellung und Tätigkeit (noch) nicht in die gesellschaftliche Mitte gelangt sind, werden von ihm ´am Rande der gesellschaftlichen Mitte´ eingestuft.
Seine Befunde: Der Anteil der gesellschaftlichen Mitte stagniert seit Mitte der 90er-Jahre, die Zahl der Personen mit höherer Qualifikation, aber ohne volle Zugehörigkeit zur gesellschaftlichen Mitte steigt hingegen. Die durchschnittlichen Erwerbseinkommen von Angehörigen der gesellschaftlichen Mitte sind klar höher als die im Durchschnitt der Erwerbstätigen, der Vorsprung dürfte im Zeitablauf aber leicht gesunken sein. Die Ungleichheit der Einkommen innerhalb der gesellschaftlichen Mitte hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, hingegen hat die allgemeine Einkommensungleichheit deutlich zugenommen.“
"In letzter Zeit ist viel von der Krise, vom Abstieg, vom drohenden Zerfall der Mittelschicht die Rede. Und es stimmt: Nicht nur am unteren Ende der Gesellschaft – Stichwort ´neue Unterschicht´ – ist es in den letzten zehn Jahren enger geworden. Auch für die Mittelschicht ist die Zeit der selbstverständlichen Zuwächse und der unbefragten Sicherheit zu Ende gegangen. Berufliche Stellung gilt oft nicht mehr lebenslang; den Kindern der Mittelschicht fällt es oft nicht leicht, den Status ihrer Eltern zu erreichen. Auch materiell ist der Mitte einiges aufgebürdet worden – vom Wegfall der Eigenheimzulage bis zu allen möglichen Selbstbeteiligungen und Gebühren. Gerade Familien spüren das. Aber das Einkommen – man könnte definieren: zwischen 75 und 150 Prozent des Durchschnitts – macht die Mittelschicht nur zum Teil aus. Sie zieht ihre Stärken ganz wesentlich aus der ´Soft Power´ von Bildung, Kultur und Werten. Ein gehobener Schulabschluss – früher Realschule, jetzt immer mehr das Abitur – sichert bessere Jobs, vermittelt soziale Kompetenzen und überträgt sich auf die nächste Generation. Nach solchen Kriterien ist die Mittelschicht zuletzt sogar stärker geworden, zum Beispiel durch das neue Bildungsbewusstsein. Generell hat die Mitte keinen Grund zum Jammern. Aber politisch müssen wir aufpassen, dass die ´untere Mitte´, die Facharbeiter, die ´kleinen´ Angestellten, überhaupt die Nicht-Akademiker, nicht den Anschluss verlieren. Steuer- und Bildungspolitik sind dafür wichtig.
Die Bahnen des Aufstiegs in die Mittelschicht müssen wieder breiter werden, nicht zuletzt für Kinder aus Migrantenfamilien. Langfristig hat die Mittelschicht nur dann eine Chance, wenn die Menschen ein Leben attraktiv finden im Dreiklang von Sicherheit, Bildung und Selbstverantwortung. Dieser Dreiklang könnte auch eine ganz knappe Definition der Mitte sein.“
"Die Mittelschicht ist das Rückrat unserer Gesellschaft. Das Bruttosozialprodukt beruht in hohem Maße auf Leistungen der Mittelschicht.
Die Mittelschicht bestimmt das gesellschaftliche Leben vor allem in den Kommunen und ist Pulsgeber des Fortschritts. Eine gesunde Mittelschicht verlangt eine Bildungs-, Familien- und Steuerpolitik, die sie stärkt. Mittlere Bildungsabschlüsse und nichtakademische Berufe müssen auch in Zukunft attraktive Familieneinkommen ermöglichen.“
"Die gesellschaftliche ´Mitte´, das sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit mittleren Einkommen, unterschiedlichen Qualifikationen, Kindern, um deren Zukunft sie sich sorgen. Sie bilden das Rückgrat der wirtschaftlichen Produktivität und der alltäglichen Reproduktion unserer Gesellschaft als eine soziale, demokratische, kulturelle Gesellschaft. Die gesellschaftliche Mitte ist in hohem Maße heterogen. Die gesellschaftliche Mitte wird bedroht und bedrängt durch die Vertiefung der Einkommensunterschiede in den letzten Jahren. Ihre Familieneinkommen haben eher stagniert bzw. abgenommen. Sie sind diejenigen mit den höchsten Steuer- und Abgabenquoten auf ihrem Einkommen. Diese gesellschaftliche Mitte ist für die Linke in zweifach grundsätzlicher Weise wichtig: Es passt zum Beispiel nicht zu unseren Vorstellungen einer gerechten Gesellschaft, wenn es etwa bei der Besteuerung einen ´Mittelstandsbauch´ gibt.
Die Linke findet in der gesellschaftlichen Mitte viele Wählerinnen und Wähler, die in einer sozial gerechten Gesellschaft leben wollen, in der Einkommensunterschiede nicht zu groß, auf jeden Fall auf nachvollziehbare Leistungsunterschiede zurückzuführen sind, in der die soziale Herkunft nicht über die Zukunftschancen entscheidet und in der man, wenn man mal arbeitslos geworden oder sozial abgestürzt ist, nicht schnell ganz unten landet und in der auch wieder ein Weg nach oben möglich ist.
Die politische ´Mitte´ ist spätestens seit der Entdeckung der ´neuen Mitte´ durch den SPD-Wahlkampf 1998 ein zwischen SPD und CDU umkämpfter Begriff auf ihrem Weg zur Allerweltspartei. In dem Maße, wie sich Stammwählerschaften und traditionelle, milieugebundene Parteipräferenzen auflösen, wächst die Bedeutung der sogenannten Wechselwähler, die bei entsprechenden Angeboten mal SPD, mal CDU wählen würden. Der Kampf um die politische ´Mitte´ ist das Ringen darum, stärkste Partei und damit Kanzlerpartei zu werden. Diesen Kampf um die ´politische Mitte´ führt Die Linke nicht, aber er kann ihr indirekt nützen: Je ähnlicher sich die beiden großen Parteien werden, desto stärker wird das Interesse in der Wählerschaft an Parteien mit klaren Konturen.“
"Das Urversprechen der sozialen Marktwirtschaft ist es, dass jeder die realistische Chance hat, in der Mitte der Gesellschaft zu leben und nicht an den Rand gedrängt zu werden. Jeder hat die Chance auf Einstieg in Arbeit und Aufstieg durch Bildung. Mitte bedeutet in diesem Sinne: Von klein auf lernen und ein Leben lang dazulernen zu können, Arbeit zu haben, Ideen verwirklichen und mit Engagement Wohlstand aufbauen zu können."
"Unter Mittelschicht oder Mittelstand versteht man die Bevölkerungsgruppen, die die Achse von Wirtschaft und Gesellschaft darstellen. Als Kriterien für eine Zugehörigkeit gelten Einkommens- und Vermögensverhältnisse, aber auch subjektive Merkmale wie Lebensstil und Denkweise. Im Kern umfasst die Mittelschicht Kleinselbstständige, freie Berufe aber auch Angestellte und Facharbeiter.
Das DIW Berlin quantifiziert die Mittelschicht als die Privathaushalte, die 70 Prozent bis unter 150 Prozent des Medians des bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen verdienen. Das waren zuletzt gemessen (2006) 56,2 Prozent nach 64,0 Prozent im Jahre 2000. Dabei hat die Gruppe der armutsgefährdeten Bevölkerung (die Unterschicht) unter 70 Prozent des Medianeinkommens um 5,6 Prozent auf jetzt 23,4 Prozent und die Gruppe der einkommensstarken Bevölkerung um 2,2 Prozent auf jetzt 20,4 Prozent zugenommen. Die Mittelschicht gemessen am Einkommen ist also zugunsten der beiden anderen Gruppen geschrumpft.
Sie ist nach Befragungen auch mit ihrer Einkommenssituation unzufriedener geworden. Diese Spreizung der Einkommensverteilung darf nicht als Bedrohung, sondern muss als Herausforderung verstanden werden, sich den weltwirtschaftlichen Veränderungen zu stellen. Die 2008 einsetzende Weltwirtschaftskrise hat den Blickwinkel zudem wieder mehr auf die absolute Einkommenssicherung für alle gelenkt. Gesellschaftspolitisch gesehen ist das Einkommen aber nur ein unzureichender Indikator einer Zugehörigkeit zur Mittelschicht. Entscheidend ist das Selbstverständnis, Träger der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu sein. Nur wer diese Schicht für sich gewinnt, kann Deutschland politisch führen.“
"Was ´die Mitte´ ist, mögen Parteien, die ihre Verankerung verloren haben, unter sich ausstreiten. Für die Gewerkschaften zählen zur Mitte alle Menschen, die mit ihrer eigenen Arbeit zum Wohlstand dieses Landes beitragen, beigetragen haben oder beitragen wollen. Diese Mitte grenzt sich nicht ein oder ab. Sie integriert und lebt damit Solidarität.“
"Nach wie vor ist der deutsche Mittelstand das Rückgrat unserer Ökonomie, das ist eine Binse, aber nichtsdestoweniger wichtig. Wir erleben gegenwärtig (wieder einmal) eine Erosion unserer Gewohnheiten. Die Weltwirtschaftskrise führt schmerzlich (aber wahrscheinlich auch heilsam) vor Augen, dass wir zukünftig mit immer mehr Unsicherheiten und Strukturwandlungsprozessen in immer kürzeren Abständen rechnen müssen. Für den Mittelstand ist es deshalb umso wichtiger, dass er sich zukunftsfit macht, indem er trendbewusster handelt. Wichtige Megatrends wie Gesundheit, Globalisierung, Digitalisierung, Alterung, Familie 2.0 etc. müssen auch vom Mittelstand endlich analysiert und verstanden werden. Es kommt darauf an, nicht trendopportunistisch zu handeln und auf jeden sich bietenden Trend aufzuspringen. Es kommt für den Mittelstand in der Zukunft mehr denn je darauf an, trendbewusst zu handeln und Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft frühzeitig zu erkennen. Trends sind nichts anderes als gesellschaftliche Veränderungsprozesse, die uns jedoch schon heute erkennen lassen, was uns in der Zukunft erwartet.“
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