Begegnung, 03.06.2009, S. 16
Länder. die bei der Schulträgerschaft stärker auf Privatinitiative setzen, erzielen systematisch bessere Schülerleistungen. Der Anteil privat geleiteter Schulen erweist sich in umfangreichen Sekundäranalysen der internationalen Schülervergleichstests wie P1SA und T1MSS regelmäßig als der wichtigste Erklärungsfaktor für internationale Unterschiede im Kompetenzerwerb. Müssen die Schulen um die Gunst der Eltern konkurrieren, dann können diese die aus ihrer Sicht beste Alternative wählen, und schlechte Schulen verlieren ihre Schüler. So entsteht zwischen den Schulen ein Wettbewerb um die besten Ideen, der Anreize schafft, die Sache möglichst gut zu machen. Auch die öffentlichen Schulen werden besser, wenn sie mit privaten Schulen konkurrieren müssen.
Dazu ist aber - im Gegensatz zur Trägerschaft - bei der Finanzierung der Staat gefragt: Öffentliche Finanzierung verbessert die Ergebnisse - insbesondere, wenn sie privat geleiteten Schulen zugute kommt. Denn wenn sich nur die oberen Zehntausend den Besuch von Privatschulen leisten können, entsteht ja kaum Wettbewerb: Die meisten Eltern haben keine Alternative. Erst wenn durch staatliche Finanzierung alle Schüler unabhängig von ihrem Hintergrund die gleichen Wahlmöglichkeiten haben, entsteht ein Wettbewerb der Schulen um die besten Konzepte, der allen Schülern zugute kommt - gerade den derzeit Benachteiligten.
Das Paradebeispiel hierfür sind die Niederlande: Drei Viertel der Schüler gehen dort auf privat geleitete Schulen, die gleichzeitig vom Staat finanziert werden- So haben Eltern mehr Wahlmöglichkeiten. Das zwingt Schulen dazu, sich gute Konzepte einfallen zu lassen. Gleichzeitig gibt es durch die öffentliche Finanzierung keine Diskriminierung ärmerer Familien, da auch an den freien Schulen keine Schulgebühren anfallen. Die international vergleichenden Studien zeigen, dass in solchen Systemen nicht nur die Leistungen insgesamt besser sind, sondern vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten profitieren.
Prof. Dr. Ludger Wößmann ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Bildungsökonomik, an der Ludwig-Maximilians-Universität München und leitet den Bereich Humankapital und Innovation am ifo Institut für Wirtschaftsforschung.
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