Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 6/2005, S. 309-312
Von Arno Städtler
Die Hoffnungen auf ein nennenswertes Wachstum der Anlageinvestitionen in Deutschland haben sich auch 2004 wieder zerschlagen. Die Ausgaben der Wirtschaft für Ausrüstungsgüter und Bauten gingen zum vierten Mal in Folge zurück, wenn auch nur um rund 0,5%. Damit wird das Niveau von 2000 um 15% verfehlt. Angesichts dieses Umfelds ist es erstaunlich, dass es den Leasinggesellschaften gelungen ist im Breitengeschäft erneut zu wachsen. Wie der neueste ifo Investitionstest bei den deutschen Leasinggesellschaften, der zusammen mit dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) durchgeführt wurde zeigt, konnte das Neugeschäft mit Mobilien 2003 um 2,1% und 2004 um etwa 5% gesteigert werden.
Rückläufiges Immobilien-Leasing
Das Immobilien-Leasing ging hingegen erwartungsgemäß sowohl 2003 (-16%) als auch 2004 (-20%) deutlich zurück. Hier spiegelt sich die seit Langem rezessive Entwicklung im gewerblichen und staatlichen Bau wider sowie die Einführung der Mindeststeuer. Gegenüber 1994 hat sich in Deutschland die nominale Investitionssumme bei diesen Bauten um fast ein Drittel vermindert. Da die gesamtwirtschaftlichen Investitionen (ohne Wohnungsbau) bis zuletzt schrumpften, legte die Leasingquote 2003 auf 18,0% und 2004 auf 18,6% zu. Die Mobilien-Leasingquote sprang sogar von 22,8 auf 24,2%. Die Leasingbranche konnte also ihren Marktanteil nochmals kräftig steigern.
Mit dem leichten Rückenwind der für 2005 erwarteten moderaten Erholung der Ausrüstungsinvestitionen werden die Leasinggesellschaften weiter auf Wachstumskurs bleiben.
Die Hoffnungen auf eine nachhaltige Besserung der Automobilkonjunktur erfüllten sich auch 2003 nicht. Nachdem die Inlandszulassungen von Straßenfahrzeugen bereits in der Periode 2000 bis 2002 stark rückläufig waren, sanken sie auch 2003 nochmals. Bei den Pkw-Zulassungen fiel der Rückgang allerdings mit 0,5% deutlich niedriger aus als zuvor, bei den Nutzfahrzeugen belief sich das Minus auf 3%. Das Neugeschäft im Kraftfahrzeug-Leasing konnte trotz dieser allgemeinen Marktschwäche gesteigert werden, denn die Zahl der neu verleasten Fahrzeuge erhöhte sich 2003 um 2,5% auf 1.098.000. Gemessen an den gesamten Neuzulassungen in der Bundesrepublik stieg der Marktanteil des Leasings in diesem Produktsegment von 30,1 auf 31%. Dem geringfügigen wertmäßigen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Fahrzeuginvestitionen (-0,2%) stand beim Leasing ein deutlicher Zuwachs von 3,8% gegenüber. Dadurch erhöhte sich die Leasingquote bei Investitionen in Straßenfahrzeuge auf beachtliche 58%. Das heißt, dass das Leasing auch 2003 die eindeutig bevorzugte Beschaffungsform für Fahrzeuge geblieben ist und seinen Marktanteil auf dem bereits sehr hohen Niveau noch weiter ausbauen konnte.
Maschinen und Fahrzeuge als Impulsgeber
Auf den zweiten Platz vorgerückt sind diesmal die Maschinen für die Produktion, ihr Anteil beträgt jetzt 10,1%. Nach der neuen EU-einheitlichen Gütersystematik zählen hierzu auch Gabelstapler, Flurförderfahrzeuge und Baugeräte.
Der Computer- und Kommunikationsbereich ist heute einer der innovativsten in der Wirtschaft. Im Jahr 2003 musste das EDV-Leasing bei nominaler Betrachtung aber wieder Rückgänge hinnehmen, wodurch sein Anteil von 9,5 auf 8,8% zurückging. Das Wachstum dieses Segments wird bei nominaler Betrachtung allerdings unterzeichnet, da bei EDV-Anlagen und Büroequipment einschließlich der Software die Preise seit Jahren rückläufig sind.
Wegen des starken Rückgangs des Immobilien-Leasings fielen Produktionsgebäude, Lagerhallen, sonstige Bauten sowie komplette Produktions- und Versorgungsanlagen (8,2%) 2003 auf den vierten Platz. zurück, dicht gefolgt von Handelsobjekten sowie Geschäfts- und Bürogebäuden mit einem Anteil von 8% an den gesamten Leasinginvestitionen. Die sonstigen Ausrüstungsgüter einschließlich Nachrichten- und Signaltechnik erreichten 2003 knapp das Vorjahresniveau, ihr Anteil an den gesamten Leasinginvestitionen blieb mit 8,6% konstant.
Das Leasing von Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeugen war in der Periode 2001/2002 eingebrochen. Dafür sorgten die geänderten steuerlichen Rahmenbedingungen und die schwere Krise in der internationalen Luftfahrt. Im Jahr 2003 nahmen die Leasinginvestitionen bei diesen Big Tickets wieder um fast 20% zu, wodurch deren Anteil am gesamten Leasingportfolio auf 3,1% anstieg.
Kräftiges Wachstum im Dienstleistungssektor
Der Dienstleistungssektor ist als größter Bereich der deutschen Wirtschaft und Gewinner im Strukturwandel seit 1996 auch die Nummer 1 im Leasing. Die Leasinggesellschaften platzierten 2003 36,4% ihrer Investitionen in diesen äußerst heterogenen Wirtschaftsbereich, der schon deutlich mehr investiert als das verarbeitende Gewerbe und der seit Jahren einen Aufwärtstrend bei der Wertschöpfung vorzuweisen hat. Dennoch wird dieser Sektor in Deutschland noch häufig unterschätzt, was wohl auch daran liegt, dass er ein sehr heterogenes Konglomerat von Gewerbezweigen ist.
Über 30 Jahre lang war das verarbeitende Gewerbe der wichtigste Kunde der Leasinggesellschaften, sein Anteil an den gesamten Leasinginvestitionen ging dann einige Jahre zurück; in der Periode 2000/2002 legte er jedoch wieder deutlich zu. Im Jahr 2003 ging er wieder auf 21,6 % zurück. Dies bedeutet weiter Rang 2. Auch der Handel gehört zu den traditionellen Wirtschaftsbereichen, die als Leasingkunden jahrelang an Gewicht verloren hatten. Von 1998 bis 2000 war sein Anteil an den Leasinginvestitionen allerdings wieder deutlich gestiegen. Nach einem Rückgang von 2001 bis 2002 steigerte er sich 2003 auf 11,4%, das reichte nun wieder für den dritten Platz. Auf den vierten Rang wurde dadurch der Sektor Verkehr- und Nachrichtenübermittlung verwiesen, sein Anteil am Leasingportfolio des Jahres 2003 verringerte sich von 11,8 auf 11,0%.
Nach einem Zuwachs um 10% im Jahr 1999 war das Privat-Leasing (Straßenfahrzeuge) von 2000 bis 2002 rückläufig. Im Jahr 2003 belebten sich die Geschäfte in diesem Segment merklich und sein Anteil an den Leasinginvestitionen hat sich von 8,4 auf 9,1% erhöht; dies bedeutet unverändert Rang 5. Derartige Wachstumsschwankungen sind im Privat-Leasing nicht ungewöhnlich. Die Hersteller, die hier deutlich dominieren, beeinflussen mit unterschiedlich starken Verkaufsanreizen für den Autokredit oder das Auto-Leasing die Entwicklung dieser Leasingsparte maßgeblich.
Der Staat als Investor
Der primäre Sektor der Wirtschaft, also die Energie- und Wasserversorgung, der Bergbau und die Landwirtschaft fällt seit 2001 wieder zurück. 2003 belief sich der Anteilswert nur noch auf 1,9%. Große Sprünge sind hier nicht selten, was z.T. auch mit den sehr großvolumigen Anlagen zusammenhängt, die von den Versorgungsunternehmen installiert werden. Das Baugewerbe hat mit einem Anteil von nur noch 3,8% im Jahr 2003 die rote Laterne vom Staat, der auf 4,8% zulegte übernommen
Die Öffentliche Hand bildet seit Jahrzehnten das Schlusslicht unter den Leasingkunden. 2003 nahmen die Leasinginvestitionen hier indessen zu. Ihr Anteil an den gesamten Investitionen der Leasinggesellschaften erhöhte sich dadurch geringfügig von 4,7 auf 4,8%. Der Staat ist selbst einer der größten Investoren in Deutschland und beeinflusst so, über die Wahl seiner Finanzierungsmittel bzw. die Art der Durchführung von Investitionen, auch die Höhe der gesamtwirtschaftlichen Leasingquote. Offenbar haben die geleasten Polizeiflotten in einigen Bundesländern und die neuen Leasingfahrzeuge der Bundeswehr eine Initialzündung ausgelöst und schlagen jetzt in der Leasingbranche zu Buche.
2004: Schwache Investitionskonjunktur - weiteres Wachstum beim Leasing
Wenn die produktiven Investitionen fehlen, dann gibt es keine Basis mehr für Wirtschaftswachstum, und es werden keine Arbeitsplätze mehr geschaffen. Die Anlageinvestitionen gehen nun in Deutschland bereits im vierten Jahr in Folge zurück - sie liegen jetzt wieder auf dem Niveau von 1998 - ebenso deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt.
Nach anfänglichen Hoffnungen auf eine nennenswerte Belebung blieb die Nachfrage nach Wirtschaftsgütern auch 2004 schwach. Im Jahresdurchschnitt dürften die Ausrüstungsinvestitionen und sonstigen Anlagen nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes nur um etwa 1% gewachsen sein.
Wie die Ergebnisse der jüngsten Leasingumfrage des ifo Instituts zeigen, nahmen die Investitionen der Leasinggesellschaften 2004 weiter zu. Das Leasing-Neugeschäft ist nach den Einschätzungen der Leasinggesellschaften 2004 um rund 1% auf 47,1 Mrd. € gestiegen. Damit erhöhte sich auch die Leasingquote beträchtlich, und zwar von 18,0 auf 18,6%, in Westdeutschland sogar auf deutlich über 20%. Die Mobilien-Leasingquote erreichte mit 24,2% einen neuen Rekordwert. Damit wurde der Abstand zu internationalen Leasing-Spitzenreitern, wie etwa den USA oder England, erheblich verkürzt.
Kein Selbstläufer, sondern harte Akquisitionsarbeit
Die herstellerunabhängigen Leasinggesellschaften erreichten bei Mobilien ein deutliches Plus von reichlich 4%. Das Immobilien-Leasing litt weiter unter den rückläufigen Bauinvestitionen, der Mindeststeuer sowie unter der immer schwieriger werdenden Suche nach Kunden, die auch auf eine Frist von 20 Jahren eine einwandfreie Bonität erwarten lassen. Auch die Banken, die derartige Projekte refinanzieren, zeigen bei solch langfristigen Engagements zunehmend Zurückhaltung. Die Investitionen der Sparte blieben um mindestens 20% unter dem Vorjahresniveau. Die Unternehmen aus dem Bereich Herstellervermietung und -Leasing setzen ihren Wachstumskurs fort, ihr Neugeschäft zog um rund 6% an. Angesichts der chronisch schwachen inländischen Automobilkonjunktur ist dieses Ergebnis beachtlich.
Das Leasing war auch 2004 kein Selbstläufer, sondern erforderte eine harte Akquisitionsarbeit. Die Leasinggesellschaften mussten erneut gegen eine schwache Investitionsentwicklung antreten. Die Unterschiede in der Geschäftsentwicklung der verschiedenen Anbietergruppen, Marktsegmente und den einzelnen Gesellschaften waren beträchtlich.
Der Erfolg des Leasings basiert derzeit vor allem darauf, dass es die bedeutendste Alternative zum Investitionskredit der Banken darstellt sowie auf innovativen und umfassenden Finanzierungs- und Dienstleistungskonzepten. Damit werden vor allem bei mittelständischen Unternehmen neue Kunden gewonnen und Marktanteilsgewinne realisiert.
Auch die investitionsstarken Infrastrukturbereiche, wie Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie der Staat weisen noch ein erhebliches unausgeschöpftes Potential für das Leasing auf.
2005: Das Ende der mageren Jahre?
Die Hoffnungen auf eine sich im Jahr 2005 endlich belebende Investitionstätigkeit in Deutschland werden vor allem aus der Annahme gespeist, dass sich nach einer immerhin vierjährigen Periode rückläufiger Investitionsausgaben nun so viel Nachfrage aufgestaut hat, dass diese zumindest teilweise realisiert werden muss.
Nach der neuesten Prognose des ifo Instituts werden die gesamtwirtschaftlichen Investitionen ohne den Wohnungsbau 2005 nominal um etwa 2% wachsen. Dabei dürften die Ausgaben für Ausrüstungskäufe etwas zunehmen und die Investitionen im Nichtwohnungsbau weiter schrumpfen.
Der auf den Zukunftseinschätzungen der Leasinggesellschaften basierende Investitionsindex, der zusammen vom ifo Institut und dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) ermittelt wird, lässt auch für die ersten Monate des Jahres 2005 nur mäßige Aufschwungssignale erkennen.
Leichter Rückenwind beim Neugeschäft
Vom Potenzial her könnten die Leasinggesellschaften 2005 im Neugeschäft ein deutliches Plus erzielen, das erneut die gesamtwirtschaftliche Investitionsentwicklung ohne den Wohnungsbau überträfe. Die Leasingbranche wird 2005 endlich wieder einen leichten Rückenwind vom Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungsinvestitionen spüren, zudem wird wohl das Neugeschäft auch wieder über die Gewinnung neuer Kunden bzw. weiterer Marktanteile gegenüber dem Investitionskredit und dem Barkauf von Investitionsgütern moderat gesteigert werden können.
Dynamisches Auslandsgeschäft
Wie schon in den Jahren 2003 und 2004 wird das Leasingwachstum auch 2005 nur von der Mobiliensparte getragen werden. Das Immobilien-Leasing wird nicht nur wegen der anhaltend schwachen Baukonjunktur, sondern auch in Folge der Mindestbesteuerung 2005 erneut stark rückläufig sein.
Ähnlich wie im verarbeitenden Gewerbe und im Handel verlässt sich die deutsche Leasingindustrie nicht mehr nur auf die Wachstums- und Ertragschancen hier zu Lande. Seit 2003 entwickeln sich ihre Auslandsaktivitäten noch dynamischer als das Inlandsgeschäft. Das Cross-Border-Leasing - nicht zu verwechseln mit den "US-Cross-Border-Transaktioinen" - bei dem die deutsche Leasinggesellschaft den Vertrag direkt mit dem ausländischen Kunden abschließt - profitiert von den lebhaften Exportaktivitäten der deutschen Wirtschaft, insbesondere mit den osteuropäischen Beitrittsländern. Das Exportpotenzial von Dienstleistungen wird in Deutschland bisher noch relativ wenig genutzt. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet zwar 70% des Bruttoinlandsprodukts, erbringt aber nur 14% des Exports.
Die zweite Variante des Leasing-Auslandsgeschäfts ist das Offshoring. Hier gründet eine deutsche Leasinggesellschaft jenseits der Grenzen Tochtergesellschaften und betreibt so in den Zielländern Domestic-Leasing. Die Präsenz vor Ort bringt Vorteile bei der Bonitätsbeurteilung sowie der Kundenbetreuung und ermöglicht einen besseren Einblick in die lokalen Güter- und Finanzmärkte. Da der deutsche Leasingmarkt nicht nur der größte in Europa ist, sondern wohl auch über die am besten entwickelten Dienstleistungsangebote verfügt, gelten seine Chancen im benachbarten Ausland nicht nur für 2005, sondern auch auf mittlere Frist als ausgezeichnet.
Ergänzende Dienstleistungen
Leasinggesellschaften schließen inzwischen auch Geschäfte ab, die kein Erlass konformes Leasing darstellen, die aber auf der Ebene ihrer Kompetenzen als Finanz-, Investitions- und Dienstleistungsexperten liegen. Die Umsätze in diesem Segment erreichen heute schon mehrere Milliarden Euro jährlich und haben deutlich steigende Tendenz. Die Palette der Angebote reicht von traditionellem Mietkauf über Asset Management, Bauconsulting, Fuhrparkmanagement, strukturierte Finanzierungen, Fondskonzeptionen, Advising und Packaging bis zur Autovermietung (Renting). Diese Aktivitäten ermöglichen den Gesellschaften sich über zusätzliche bzw. ergänzende Dienstleistungen und divergierende Leistungsmerkmale gegenüber anderen Wettbewerbern abzuheben. Zudem können diejenigen, die im Bereich der Big Tickets engagiert sind die hier übliche enorme Volatilität des Auftragseingangs abfedern.
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