VDI nachrichten, 02.03.2007, Nr.9
VDI nachrichten, München, 2.3.07, elb- Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar auch wegen der höheren Mehrwertsteuer erneut leicht eingetrübt. So sank der Ifo-Geschäftsklimaindex zum zweiten Mal in Folge. Die Eintrübung zog sich durch alle von der Umfrage erfassten Sparten. Die Industriefirmen blickten zwar positiver auf ihre aktuelle Geschäftslage, dafür aber zurückhaltender auf die Aussichten für die nächsten sechs Monate. „Weniger optimistisch als im Vormonat beurteilten sie auch ihre Perspektiven im Exportgeschäft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. „Im Frühjahr dürfte die Durststrecke aber überwunden sein", betonte Ifo-Experte Klaus Abberger. Die Grundtendenz der Wirtschaft sei allerdings weiter positiv und die Steuererhöhung um drei Punkte auf 19 belaste nur temporär. Sinn: »Allerdings sind die befragten Unternehmen außerhalb des Einzelhandels nicht mehr gar so zuversichtlich für die nächsten Monate wie zuvor." Sie beurteilten ihre Geschäftserwartungen erstmals seit September schlechter. Der Teilindex sank auf 102,6 Punkte von 103,2 Punkten noch im Januar. Der Lageindex fiel von 112,8 Zähler auf 111,6 Zählern. rtn
Automobil: Im Pkw-Sektor haben sich die Erwartungen der Unternehmen im Februar wieder etwas verbessert, obwohl ihr Optimismus hinsichtlich der Chancen auf den ausländischen Märkten nur noch schwach ausgeprägt war. Die Produktionspläne werden aber in Anbetracht abschmelzender Auftragspolster nach unten revidiert. Dagegen soll im Bereich der Nutzfahrzeuge die Fertigung bei guter Auftragslage hochgefahren werden. Aber auch hier erwartet man vom Exportgeschäft deutlich geringere Impulse, die Geschäftsaussichten insgesamt werden sogar pessimistisch eingeschätzt. H.-G. RUSS
Elektrotechnik: Die Geschäftslage gilt nach wie vor als sehr günstig. Nachfrage und Produktion zogen erneut an, die Auftragsbestände insgesamt liegen unverändert über dem Normalmaß. Der künftigen Entwicklung sehen die Unternehmen mit unverminderter Zuversicht entgegen, in Bezug auf die Ausfuhr hat sie allerdings nachgelassen. Dementsprechend war auch nur vereinzelt beabsichtigt, den Produktionsausstoß zu erhöhen, zumal die Lieferengpässe bei Investitionsgütern weitgehend beseitigt werden konnten. Bei den Verkaufspreisen rechnet man in den kommenden Monaten mit Zugeständnissen. H.-G. RUSS
Chemie: Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage sogar noch etwas günstiger als im Vormonat. Allerdings schwächte sich der Anstieg des Auftragseingangs und der Fertigung zuletzt merklich ab. Der Gesamtbestand an vorhandenen Aufträgen übertrifft weiterhin das sonst übliche Maß, vereinzelt kommt es sogar zu Lieferschwierigkeiten. Nahezu unverändert zuversichtlich werden die Perspektiven für das kommende halbe Jahr eingeschätzt, vor allem beim Exportgeschäft. Die Produktionspläne kündigen weitere Steigerungen an, die Spielräume für Preissteigerungen haben sich aber wohl etwas verengt. H.-G. RUSS
Maschinenbau: Bei abermals erhöhtem Zugang an Neuen Aufträgen und forcierter Fertigung haben die positiven Geschäftslageurteile weiterhin ein deutliches Übergewicht. Die Unternehmen verfügen nach wie vor über beträchtliche Auftragreserven, die Lieferschwierigkeiten konnten aber zumindest etwas vermindert werden. In den Geschäftserwartungen kommt andererseits nachlassender Optimismus zum Ausdruck, obwohl die Firmen nahezu unverändert große Hoffnungen auf die Nachfrage aus dem Ausland setzen. Dies hat sich auch in den weniger expansiven Produktionsplänen niedergeschlagen. H.-G. RUSS
Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Ifo-Institut, München
* Das Ifo-Institut für 'Wirtschaftsforschung fragt monatlich bei rund 7000 Unternehmen in Deutschland wichtige Daten ab. So ermitteln die Münchener Wissenschaftler nach Branchen gesplittet Geschäftslage und Erwartungen in den Unternehmen. Die Geschäftslage spiegelt die aktuelle Situation in den Unternehmen wider. Die Geschäftserwartung zeigt dagegen die voraussichtliche Entwicklung der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten - so wie die Unternehmer sie einschätzen. Beide, also Lage und Erwartung, werden einzeln als Saldo in den Charts gezeigt. Beispiel für Geschäftslage: Wenn 40 der Befragten ihre derzeitige wirtschaftliche Lage positiv beurteilen, 60 dagegen negativ, ergibt das per Saldo eine Geschäftslage von minus 20 .
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