Süddeutsche Zeitung, 28.3.2001.
Von Joachim Gürtler und Arno Städtler
Seine Ergebnisse können die Kurse von Aktien und Währungen beeinflussen - das "ifo-Geschäftsklima" für die gewerbliche Wirtschaft ist der am meisten beachtete Indikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Es zeigt die gegenwärtige Verfassung und die erwartete wirtschaftliche Entwicklungsrichtung im nächsten halben Jahr an. In erster Linie dient es aber dazu, die Unternehmen und die Öffentlichkeit zu informieren.
Bisher umfasst der Geschäftsklima-Indikator die besonders konjunkturempfindlichen Sektoren - das verarbeitende Gewerbe, den Groß- und Einzelhandel sowie das Baugewerbe. Vor einigen Jahren hat das ifo Institut begonnen, bedeutende Branchen aus dem Segment der unternehmensnahen Dienstleister in den Konjunkturtest aufzunehmen - auch die Leasinggesellschaften. Nach einem dreijährigen Testlauf können die Ergebnisse des "ifo Konjunkturtests Leasing" nun der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Diese vierteljährliche, Erhebung wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Leasinggesellschaften (BDL) der, schon Jahre vorher bei seinen Mitgliedern ähnliche Fragen gestellt hatte, erarbeitet. Für die beiden Begriffe "aktuelle Geschäftslage" und "Geschäftserwartungen" können daher Zeitreihen ab 1990 dargestellt werden. Gemessen am gesamten Neugeschäft im Mobilien-Leasing des Jahres 2000 von rund 72 Milliarden Mark repräsentieren die erfassten Leasingunternehmen rund 85 Prozent. Für das Immobilien-Leasing ist die Testphase noch nicht abgeschlossen.
Das Leasing zählt nach wie vor zu den Wachstumsbranchen, die Dynamik scheint jedoch ein wenig nachzulassen. Geschäftslagebeurteilung und Geschäftserwartungen, die Komponenten des Geschäftsklimas, spiegeln die Stimmung des wirtschaftlichen Umfeldes der befragten Unternehmen wider. Mit dem Schlussspurt der Gesellschaften zum Jahresende 2000 hat sich dieses Geschäftsklima verbessert. Es bleibt abzuwarten, ob schon eine Wende eingeläutet ist, denn die geglätteten Werte tendieren immer noch nach unten. Die aktuelle Geschäftslage - also der tatsächliche Geschäftsverlauf -, die sich seit den Herbstmonaten 1999 eingetrübt hatte, hellte sich im Laufe des vierten Quartals 2000 wieder auf.
Per Saldo sprachen zwei Fünftel der Leasingunternehmen von einem glänzenden Geschäftsverlauf. Die gute Beurteilung des Vorjahreswertes wurde aber nicht erreicht. Nach Wie vor bewerteten eher kleinere Leasingunternehmen die Lage mit unbefriedigend, deren Anteil hat sich binnen Jahresfrist sogar von einem Prozent auf sechs Prozent erhöht. Je größer das Unternehmen, desto günstiger wurde die aktuelle Geschäftslage im Schlussquartal 2000 bewertet.
Das Neugeschäft zog zum Jahresende kräftig an, nachdem es in den Quartalen zuvor Schritt für Schritt an Schwung verloren hatte. Teilweise dürften dafür Vorzieheffekte wegen der verschlechterten Abschreibungsbedingungen ab dem 1. Januar 2001 verantwortlich sein. Deutliche Zurückhaltung zeigen die kurzfristigen Perspektiven: Jahreszeitlich bedingt rechnen die Leasingunternehmen in den ersten drei Monaten 2001 mit einer eher moderaten Nachfrage. Für die erste Jahreshälfte sind sie optimistischer. Per Saldo geht jede dritte Gesellschaft davon aus, dass sich der Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2001 verbessern wird.
Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Experten zeigt sich nach wie vor aufnahmefähig, die Zahl der Beschäftigten hat sowohl 1999 als auch 2000, um je rund sechs Prozent zugenommen, der Beschäftigungszuwachs dürfte sich aber in der zweiten Jahreshälfte 2000 eher verlangsamt haben. Der Mangel an Fachkräften scheint im Leasingbereich ebenso eine Rolle zu spielen, wie in verschiedenen anderen Dienstleistungsbranchen, 20 bis 25 Prozent der Testteilnehmer hatten im vergangenen Jahr Probleme, geeignete Fachkräfte zu rekrutieren. Die gesamtwirtschaftlichen Anlageinvestitionen sind der wichtigste Indikator für die Geschäftsentwicklung der Branche. Schon die Tatsache, dass die Leasinggesellschaften nahezu alle Arten von Investitionsgütern an alle Sektoren und Branchen der Wirtschaft vermieten, legt die Vermutung nahe, dass bei dem heute erreichten hohen Marktanteil - ein Zusammenhang von Leasinginvestitionen und den gesamtwirtschaftlichen Anlagekäufen besteht.
Bereits der Vergleich der jeweiligen Jahreswachstumsraten nach dem ifo Investitionstest zeigte in der letzten Dekade eine deutliche Korrelation der beiden Größen. Aus den Unternehmensbefragungen im Mobilien-Leasing wurde nun erstmals versucht, Indikatoren für die Prognose der gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungsinvestitionen zu konstruieren. Als geeigneter Indikator erwiesen sich die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Korrelation zwischen den beiden Variablen erscheint verblüffend eng.
Nach den aktuellen, vorläufigen Ergebnissen dürften die Ausrüstungsinvestitionen in der ersten Jahreshälfte 2001 einen Zuwachs von über sieben Prozent erreichen. Dies ist in etwa die Wachstumsrate, die von den Forschungsinstituten zurzeit für die Ausrüstungsinvestitionen einschließlich der sonstigen Anlagen im gesamten Jahr 2001 prognostiziert wird!
Nähere Informationen hierüber werden indessen erst im Verlauf dieses Jahres verfügbar sein. Investitionsprognosen für 2001 sind zu diesem frühen Zeitpunkt wegen der Unwägbarkeiten in Folge der verringerten Abschreibungsmöglichkeiten äußerst schwierig. Auch wenn die Forschungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, stimmen die ersten Ergebnisse des neuen Investitionsindikators hoffnungsvoll. Mit einiger Sicherheit lässt sich schon jetzt feststellen, dass die Geschäftserwartungen der Leasinggesellschaften einen deutlichen zeitlichen Vorlauf gegenüber den vom Statistischen Bundesamt publizierten Investitionszahlen haben und ein treffsicherer Indikator für die Ausrüstungsinvestitionen sind.
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