Münchner Merkur vom 10.09.2002
Von Gernot Nerb und Hans G. Russ *)
München - Die im Juli zu beobachtende Stabilisierung des Geschäftsklimas in der bayerischen Wirtschaft hat sich leider nur als vorübergehend erwiesen. Im August hat sich wie im Bundesdurchschnitt der Frühindikator des ifo Instituts wieder verschlechtert und ist nunmehr in Bayern nur mehr geringfügig besser als in Deutschland insgesamt.
KONJUNKTURTEST BAYERN
Der jüngste Rückgang resultiert vor allem aus den ungünstigeren Meldungen der Industrieunternehmen und des Großhandels, während im Einzelhandel und in der Bauwirtschaft das - immer noch stark unterkühlte - Klima sich zumindest nicht weiter verschlechterte. In der bayerischen Industrie wird etwas stärker als im Bundesdurchschnitt mit einer Verlangsamung des Exportwachstums gerechnet. Hier bestätigt sich, dass Bayern dank seiner überdurchschnittlich hohen Exportorientierung auf der einen Seite von einer guten Weltkonjunktur besonders stark profitiert, im ungünstigen Fall aber auch mehr betroffen ist.
Nach der neuen Weltumfrage des ifo Instituts wird sich nahezu überall, mit Ausnahme von Asien, der Erholungsprozess verzögern. Nachdem die Inlandsnachfrage immer noch nicht angesprungen ist, planen die Firmen, die Produktion in den nächsten Monaten zurückzufahren. Das gilt vor allem für den Metallbereich, den Maschinenbau sowie für den Bereich Textilien, Bekleidung und Schuhe. Relativ positiv sind weiterhin die Konjunkturperspektiven in der Chemie, der Kunststoffindustrie, der Medizin-, Mess- und Regeltechnik sowie im Pkw-Sektor. Die Umfrage des ifo Instituts lässt in diesem Jahr bei den Klein- und Mittelbetrieben in der Industrie eine starke Zurückhaltung erkennen. Diese wird nicht aufgewogen durch weiter steigende Investitionen bei den Großunternehmen.
Auch die Konsumenten halten sich weiterhin mit Anschaffungen zurück. Dies bekommt insbesondere der Einzelhandel zu spüren. Zwar hat sich die Geschäftslage in den beiden letzten Monaten auf dem niedrigen Niveau stabilisiert, die Geschäftserwartungen der Unternehmen lassen jedoch für die nächsten sechs Monate noch keine durchgreifende Besserung erkennen. Die Händler sitzen verstärkt auf hohen Lagern und werden deshalb nur verhalten beim Großhandel und bei der Industrie ordern.
Das Geschäftsklima im bayerischen Finanzgewerbe, ermittelt in einer gemeinsamen Konjunkturumfrage von ifo und der Deutschen Bundesbank, hat sich nach der vorangegangenen kräftigen Eintrübung zum Ende des zweiten Quartals nicht weiter verschlechtert. In dem unverändert stark negativen Saldo spiegelt sich die anhaltend schwierige Gesamtsituation der Branche wider. Belastend wirkten zuletzt vor allem der weitere Kursverfall an den Finanzmärkten, der naturgemäß besonders die kapitalmarktnahen Finanzunternehmen trifft, und der hohe Risikovorsorgebedarf der Banken. Dementsprechend hat sich die Beschäftigungssituation verschlechtert und für die nächsten Monate ist weiterer Stellenabbau geplant.
*) Gernot Nerb ist Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbefragung im ifo Institut. Hans G. Russ ist wissenschaftlicher Referent mit Schwerpunkt Regionalentwicklung.
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