VON GERNOT NERB UND HANS G. RUSS
Münchner Merkur vom 11.03.2002
München - Der sich schon im Januar abzeichnende Aufwärtstrend beim Geschäftsklima in der bayerischen Industrie hat sich im Februar verstärkt fortgesetzt. Dies bestätigen die neuen Ergebnisse des Konjunkturtests, den das ifo Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag des bayerischen Wirtschaftsministeriums durchgeführt hat.
Maßgeblich für die Besserung waren jedoch ausschließlich die günstigeren Erwartungen für die nächsten sechs Monate, während sich die Urteile zur aktuellen Geschäftslage weiter verschlechtert haben. Diese Konstellation ist typisch für ein baldiges Ende des konjunkturellen Abschwungs.
Besonders ausgeprägt ist die Stimmungsbesserung vor allem in Branchen wie Medizin-, Mess- und Regeltechnik, in etwas geringerem Grad aber auch in der Chemie und im Maschinenbau. Dagegen ist zum Beispiel im Textil- und Bekleidungssektor die Stimmung nach wie vor gedrückt. Im Metallbereich hat sich die Besserungstendenz nicht fortgesetzt; hier dürften sich die drohenden US-Strafzölle für Stahlimporte bereits negativ ausgewirkt haben. Die im Durchschnitt der Industrie besseren Geschäftserwartungen hängen nicht zuletzt mit den wieder besseren Exportaussichten zusammen. Vor allem die Hersteller langlebiger Konsumgüter wie zum Beispiel Automobile und elektrotechnischer Geräte rechnen sich wieder zunehmend verbesserte Absatzchancen im Ausland aus.
Eine Erklärung hierfür ist die anziehende Weltkonjunktur, vor allem in den USA. Dies wird deutlich an den Ergebnissen der neuesten Weltumfrage des ifo Instituts (WES). Das Weltwirtschaftsklima zeigt erstmals seit fast zwei Jahren wieder nach oben. Es hat nun wieder den Stand vom Juli 200 1, dem letzen Umfrage-Ergebnis vor den Terroranschlägen in den USA. Dennoch liegt der Indikator noch deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt. Auch wenn sich die Belebung der Weltkonjunktur bisher vorwiegend auf die USA erstreckt, so ist hiervon jedoch ein stärkerer positiver Impuls auf Deutschland zu erwarten, als es vor allem die bilateralen Handelsbeziehungen andeuten. Denn auch die europäischen Handelspartner hängen stark an der Entwicklung der Konjunktur in den USA.
Der vom ifo Institut berechnete Exportklimaindikator lässt darauf schließen, dass die Ausfuhr aber auch im ersten Vierteljahr noch schwach sein wird. Im Durchschnitt dauert es ein Vierteljahr bis das bessere Exportklima sich in steigenden Ausfuhren und Produktionsergebnissen niederschlägt. Diese Aussage deckt sich mit den Produktionsplänen der bayerischen Industriefirmen, die bisher zwar noch nach unten gerichtet sind, aber deutlich weniger als in den vorangegangenen Monaten.
Wenn es im zweiten Halbjahr im Gefolge der besseren Weltkonjunktur mit der deutschen Wirtschaft wieder aufwärts geht, wird Bayern vor allem dank seiner hohen Exportquote daran wohl überdurchschnittlich teilhaben.
In Ostdeutschland werde sich die Lage aber voraussichtlich bis 2003 nicht ändern. Daran sei nicht zuletzt der Bund schuld, schließlich fehle den Gemeinden in Ost wie West Geld für Infrastrukturausgaben. Der Bund müsse den Gemeinden finanziell unter die Arme greifen, fordert der Ökonom.
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