Handelsblatt, 23.04.2003, S. B 16
Die Besorgnis erregende Investitionsschwäche in Deutschland hält noch immer an. Im Jahr 2002 reduzierten sich die Ausgaben für Bauten und Ausrüstungsgüter nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nominal um 6,9%, nach - 5,1% in 2001 und auch im ersten Quartal des laufenden Jahres sind sie weiter im negativen Bereich gelegen. Die Investitionen erweisen sich damit weiter als die Achillesferse der Konjunktur.
Selbst viele große Unternehmen planen inzwischen Investitionen unterhalb des Abschreibungsvolumens (Handelsblatt vom 29.10.2002). Ausschlaggebend hierfür sind die gering ausgelasteten Produktionskapazitäten bei weiterhin labiler Gesamtnachfrage und die Unsicherheit bezüglich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung.
Die markante Investitionszurückhaltung der Unternehmen hinterlies auch in der Leasingbranche kräftige Bremsspuren, wie der jüngste ifo Konjunkturtest bei den Leasingunternehmen zeigt. Bereits seit fast zwei Jahren ist der Stimmungsindikator - mit Ausnahme des ersten Quartals 2002 - abwärtsgerichtet. Das Geschäftsklima fiel im vierten Quartal 2002 auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 1990 und erreichte zum Jahresende ein neues Allzeittief. Dies lag in erster Linie an den deutlich weniger zuversichtlichen Geschäftserwartungen. Der Optimismus in den Erwartungen für das erste Halbjahr 2003 hat kräftig nachgelassen, mit per saldo +10% hatten die zuversichtlichen Stimmen nur noch ein geringes Übergewicht.
Erstmals seit 1994 verfehlte das Neugeschäft im Mobilien-Leasing 2002 im Jahresdurchschnitt das Vorjahresergebnis, und zwar in einer Größenordnung von gut 2%. Gleichwohl ist die Leasingquote 2002 weiter - auf über 22% - gestiegen. Diese neuerlichen Marktanteilsgewinne sind nicht zuletzt auch auf die zurückhaltendere Kreditvergabe des Bankensektors gegenüber mittelständischen Unternehmen zurückzuführen.
Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Investitionen und des Leasing war so groß, dass erstmals seit 25 Jahren weder vom BDL noch vom ifo Institut eine Prognose für das Leasingneugeschäft des laufenden Jahres abgegeben werden konnte. Zwar gelang es den Leasinggesellschaften in der Vergangenheit immer Wachstumsschwächen der gesamtwirtschaftlichen Investitionen durch Marktanteilsgewinne überzukompensieren. Das dürfte aber künftig angesichts der bereits recht hohen Leasingquote nicht mehr so leicht fallen.
Wären die Maßnahmen der Bundesregierung, die die Leasingbranche überproportional belastet hätten tatsächlich umgesetzt worden, so wäre die Leasingbranche in 2003 mit einem deutlichen Minus im Neugeschäft konfrontiert worden.
Nun, da das Steuerpaket zurückgezogen wurde, ist damit zu rechnen, dass sich die seit vier Quartalen leicht aufwärts gerichtete Tendenz der Ausrüstungsinvestitionen - bei allerdings immer noch negativer Veränderungsrate - fortsetzt und eventuell im Sommer erstmals eine positive Wachstumsrate erreicht wird, was auch die Leasingbranche beflügeln würde. Nach der langen Investitionszurückhaltung gibt es bei den Unternehmen genügend aufgeschobene Projekte - zumindest im Bereich der Ersatzinvestitionen - die zügig realisiert werden können. Zu einem kräftigen Investitionswachstum dürfte es indessen 2003 noch nicht kommen, da die Kapazitäten in der deutschen Wirtschaft noch nicht ausgelastet sind und die Ertragslage häufig zu schlecht ist.
Arno Städtler
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