Eltern for family 2/2005, S. 62-64
Familien verhalten sich wie kleine Unternehmen. Um den Herausforderungen der Moderne zu begegnen, haben sie in den letzten Jahrzehnten ein Umstrukturierungsprogramm durchlaufen, das ein McKinsey-Berater nicht besser hätte ersinnen können: Sie haben sich verschlankt, um die Kosten zu senken. Sie haben Hausarbeit durch Maschinen ersetzt und viele Leistungen outgesourct, vom Kochen bis zur Kinderbetreuung.
Wie bei Unternehmen sind manche ihrer Entscheidungen kurzsichtig: Weniger oder gar keine Kinder zu haben, kann den Marktwert des Unternehmens Familie kurzfristig steigern, ist aber nicht unbedingt langfristig tragfähig.
Außerdem unterliegen Familien - wie Unternehmen - falschen Rahmenbedingungen durch staatliche Eingriffe. Hohe Steuern und Sozialabgaben, ein seltsamer Wirrwarr an Belastungen und Subventionen sorgen jedenfalls nicht für eine positive Familienbilanz. Natürlich kalkulieren sowohl Eltern als auch Kinderlose bei ihrer Lebensplanung nicht knallhart, was jeweils zu ihrem Vorteil ist. Sie richten sich dabei auch nach Vorbildern, die gesellschaftlich akzeptiert sind, und nach ihren persönlichen Bedürfnissen.
Wie gut die verschiedenen Lebensmodelle funktionieren, hat aber auch mit wirtschaftlichen Aspekten und staatlichen Interventionen zu tun. Auf diesem Weg zieht wirtschaftliches Denken dann doch durch die Hintertür in Küche, Kinder- und Schlafzimmer ein.
Die durchschnittliche Kinderzahl sinkt in Deutschland seit mehr als 100 Jahren, besonders deutlich jedoch seit 1965. Heute liegt sie auf einem Niveau, bei dem jede neue Generation rund ein Drittel kleiner ist als die letzte. Dahinter stehen zwei Trends: Es gibt immer weniger Familien mit hoher Kinderzahl und einen wachsenden Anteil von Personen und Paaren, die definitiv kinderlos bleiben. Ein Grund - wenn auch sicherlich nicht der einzige - für diese Entwicklung ist, dass der deutsche Staat den Familien trotz einschlägiger Urteile des Bundesverfassungsgerichts zu tief in die Tasche greift.
Wie lässt sich das ändern? Erforderlich sind insbesondere Korrekturen im Steuerrecht sowie ein längerfristig angelegter Umbau des Rentensystems:
*2. Anpassung des Kinderfreibetrags: Dieser Betrag (3648 Euro) für das Existenzminimum eines Kindes wurde seit drei Jahren nicht angehoben. ELTERN for family meint: Das Existenzminimum eines Kindes sollte ebenso hoch sein wie das eines Erwachsenen (zurzeit 7664 Euro). Würde der Kinderfreibetrag auf dieses Niveau angehoben, würde eine Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern kaum noch Steuern zahlen müssen.
REDAKTION: SABINE GRÜNEBERG, URSULA KRONENBERGER
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