Handelsblatt, 31.10./01./02.11.2008, Nr. 212, S. K4
Mit dem Ausrufen der Bildungsrepublik hatte die Bundeskanzlerin hohe Erwartungen in den sogenannten Bildungsgipfel geschürt. Diese sind letzte Woche bitterlich enttäuscht worden. Zwar wurde auf einer großen Show verkündet, dass die Bildungsausgaben massiv aufgestockt werden – mit Forschung auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wo das Geld herkommen soll, bleibt allerdings offen: Damit soll sich eine Strategiegruppe in den nächsten zwölf Monaten beschäftigen (womit das Ergebnis – oder das Scheitern – praktischerweise erst nach der Bundestagswahl liegt). Nicht, dass man sich jetzt schon seit Monaten auf diesen Gipfel vorbereitet hätte. Außerdem soll die Zahl der Schulabbrecher halbiert werden – wobei allerdings unklar bleibt, wie solch hehre Ziele denn zu erreichen sind.
Selbst den Medien war diese Show ohne konkrete Ergebnisse dann doch zu bunt – der „Gipfel“ kam nachrichtentechnisch nur unter „ferner liefen“. Um es offen zu sagen: Was aus dem Ziel von „Einstieg und Aufstieg“ durch Bildung geworden ist, ist eine Farce. Dabei wäre es in der Tat einen echten Gipfel wert: Studien belegen, dass das Potenzialwachstum unserer Volkswirtschaft um jährlich 0,5 bis 0,8 Prozentpunkte stiege, wenn wir aus dem Pisa-Mittelfeld zu den Spitzenreitern aufschlössen.
Es ist ein Armutszeugnis, wie das Thema Bildung von unseren Politikern für (regional)politische Ränkespielchen und Profilier-Süchteleien missbraucht wird. Von Politikern, die ernsthaft am Wohl unserer Kinder interessiert wären, könnte man erwarten, dass sie auf die Fakten schauen und echte Lösungsmöglichkeiten für die bestehenden Probleme suchen – wie den Ausbau frühkindlicher Bildung, bundeseinheitliche Prüfungen, selbstständigere Schulen und längeres gemeinsames Lernen. Dabei müssten die Ideologen jeglicher Couleur auch einmal über den eigenen Schatten springen. Stattdessen wird der „Gipfel“ zum Rohrkrepierer. Niemand sollte mit den dafür Verantwortlichen Mitleid haben, wenn die Wähler sie dafür ganz entschieden abstrafen.
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