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Anmerkungen zum CESIfo-Bericht über das Handelsblatt-Ranking

Presseecho, Handelsblatt, 05.10.2006

Von Olaf Storbeck

Nach welchen Kriterien wurden die Fachzeitschriften für das Handelsblatt-Ökonomenranking ausgewählt und bewertet? Diese Frage wird dem Handelsblatt immer wieder gestellt. Trotz der Darstellung in unserem Text zur Methodik des Rankings und den Erläuterungen in den FAQs kommt es leider dabei offenbar noch zu Missverständnissen.

So heißt es in einem ausführlichen Artikel über das Ranking, der heute im Newsletter des CESIfo-Instituts erschien: "Es wurden grundsätzlich nur englischsprachige internationale Zeitschriften berücksichtigt. In wenigen Fällen handelt es sich dabei um Zeitschriften die früher in anderen Sprachen publiziert haben. Die Zeitschriftenauswahl umfasst die Zeitschriften, denen im Bereich der Volkswirtschaftslehre in der Tat eine hohe Beachtung zukommt. Nicht erfasst wurde leider eine Reihe von internationalen Zeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum, obwohl sie seit langem rein englischsprachig sind und sicherlich zu den anerkannten Publikationsorganen des Faches zählen."

Diese Passage erweckt leider den Eindruck, die Sprache der Zeitschriften wäre für die Aufnahme in die Handelsblatt-Journalliste ein relevantes Kriterium gewesen. Tatsächlich ist dies aber nicht der Fall. Bei der Auswahl und Gewichtung der Fachzeitschriften hat sich das Handelsblatt an zwei etablierten europäischen Journalrankings orientiert: Zum einen der Bewertung von Combes/Linnemer (JEEA 2003), die im Auftrag der European Economic Association die Forschungsleistung europäischer VWL-Fakultäten evaluiert haben; zum anderen an dem Journalranking des niederländischen Tinbergen- Instituts, die in weiten Teilen auf dem Journalranking von Kalaitzidakis et al basiert.

Bei Combes/Linnemer wurden alle knapp 1000 in der Datenbank EconLit enthaltenen Zeitschriften gerankt und in sechs Qualitätsstufen von l bis 0,08 eingeteilt. Weil im Handelsblatt-Ranking nur Aufsatz in besseren Fachzeitschriften betrachtet werden sollen, wurden von Combes/Linnemer nur die höchsten vier der insgesamt sechs Qualitätsstufen betrachtet. In die Handelsblatt-Liste wurden all die Zeitschriften aufgenommen, die entweder in der Tinbergen-Liste gerankt werden oder bei Combes/Linnemer mit mindestens 0,33 Punkten bewertet werden.

Die im deutschsprachigen Raum herausgegebenen englischsprachigen Zeitschriften wie German Economic Review, Journal of Economics und Finanzarchiv, deren Nicht-Berücksichtigung im CESifo-Artikel kritisiert wird, sind in der Tinbergen-Liste nicht enthalten. Bei Combes/Linnemer sind sie entweder in der vorletzten oder letzten Qualitätsstufe enthalten. Andere Zeitschriften wie das Weltwirtschaftliche Archiv/ Review of Worid Economics und das Journal of Institutional and Theoretical Economics erfüllen dagegen die Qualitätskriterien und sind daher in der Handelsblatt-Liste enthalten. In jedem Fall ist die Einstufung einer Zeitschrift in den beiden zugrundeliegenden Journalrankings das einzige Kriterium für die Aufnahme in die Handelsblatt-Liste - nicht etwa die Sprache oder das Land, in dem sie herausgegeben wird.

Das Handelsblatt hat sich bei der Erstellung der Journalliste ganz bewusst einer strikten Regelbindung unterworfen, da jeglicher diskretionärer Spielraum bei der Auswahl und Gewichtung der Zeitschriften unweigerlich zu Willkür-Vorwürfen geführt hätte. Die einzige Ausnahme wurde beim Journal of the European Economic Association gemacht, das wegen seiner erst dreijährigen Geschichte weder bei Combes/Linnemer noch bei Tinbergen geführt wird, aber wegen des Wechsels der kompletten Herausgeber- und Referee- Strukturen als Nachfolge-Journal des ebenfalls in der Liste enthaltenen European Economic Review betrachtet wird.

Dem Handelsblatt ist bewusst, dass die verwendete Journalliste in einigen Fällen verbesserungsfähig ist-. Daher werden wir in den nächsten Monaten prüfen, ob und in welche Richtungen für das Ökonomen-Ranking 2007 die Liste erweitert werden soll. Wir stehen dafür in Diskussionen mit der Profession und sind für Anregungen dankbar.

Auch in Zukunft wird die Auswahl und Gewichtung der Fachzeitschriften aber nach objektiven, allgemein in der Profession akzeptierten Regeln und Qualitätsmaßstäben erfolgen. Nicht die Sprache '"^er das Herausgeberland einer Zeitschrift, sondern ihre wissend, Gliche Qualität und internationale Sichtbarkeit werden dabei die ausschlaggebenden Kriterien sein.

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