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ifo Projekt

ENERGIO - Die Energiewende im Spannungsfeld zwischen Regionalisierung und Zentralisierung

Auftraggeber: BMBF (Fördermaßnahme "Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems") •
Projektlaufzeit: September 2013 - August 2016 •
Bearbeitende Bereiche: ifo Zentrum für Energie, Klima und erschöpfbare Ressourcen, ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien

Projektteam: Prof. Dr. Karen Pittel (Projektkoordination)
Dr. Tilmann Rave
Dr. Jutta Albrecht-Saavedra
Dr. Thomas Triebs
 
Auftraggeber: BMBF (Fördermaßnahme "Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems")
 
Projektlaufzeit: September 2013 - August 2016
 
Verbundpartner: Universität Kassel, Fachgebiet „Empirische Wirtschaftsforschung“ (Prof. Andreas Ziegler)
Universität Hamburg, Fachbereich VWL/Finanzwissenschaft (Prof. Andreas Lange)
Energiewirtschaftliche Institut an der Universität (PD Dr. Christian Growitsch)
 
Praxispartner: Vertreter aus Ministerien, kommunalen Einrichtungen (München, Schönau, Regensburg), Verbänden, Energieunternehmen und verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen

Fragestellung und Ziele des Projektes

Die Bundesregierung hat im Zuge der Energiewende Ziele bezüglich der Verringerung der Treibhausgasemissionen, der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien und der Reduktion des Energieverbrauchs formuliert. Die Umsetzung der dafür notwendigen Maßnahmen bedarf i.d.R. einer Abstimmung zwischen Bundesländern und Kommunen sowie einer Implementation von Maßnahmen vor Ort. Eng verbunden mit dem daraus folgenden Bedarf nach einer Regionalisierung der Umsetzung und eigenen lokalen und regionalen Politikmaßnahmen sind Ansätze zu einer Dezentralisierung der Energieversorgung selbst, die die bestehende zentrale Versorgung ergänzt und gegebenenfalls ersetzt. Zwischen der Regionalisierung der Energiepolitik und Energieversorgung und einem zentralistischen Ansatz existiert jedoch ein potentielles Spannungsfeld, welcher sich sowohl aus den Charakteristika der Energieversorgung als auch aus Verhaltens- und Akzeptanzaspekten auf Seiten der Bürger, Unternehmen und staatlichen Institutionen ergibt. Sowohl eine zentralistische, überregionale Planung als auch ein dezentraler, bürgernaher Ansatz bieten bestimmte Vorteile, die sich aber nicht ohne weiteres parallel realisieren lassen.

Hinzu kommt, dass die regionalen Ausgangsbedingungen zur Erreichung der Ziele der Energiewende oft sehr unterschiedlich sind (z.B. bzgl. natürliche Ressourcen, Strategien der Energieversorgungsunternehmen, Industriestruktur, Bevölkerungsentwicklung). Diese Ausgangsbedingungen werden zudem erheblich durch politische Einflussnahme mitgeprägt.

Weitgehend unklar ist, ob die politischen Aktivitäten der Länder und Kommunen ökonomisch zweckmäßig und gesellschaftlich wünschenswert sind. Verbreitet scheinen eine Art Maximierungsdenken sowie ein Implementationsoptimismus zu sein, und zwar dergestalt, dass alle staatlichen Ebenen möglichst viel von allen Maßnahmen zur Erreichung der Ziele der Energiewende umsetzen sollten und auch können. Es gibt jedoch gute Gründe, in einem föderalistischen System den staatlichen Ebenen differenziert Aufgaben und Kompetenzen zuzuweisen.

Ziel dieses Vorhabens ist es, regionale Aspekte bei der Planung und Umsetzung der Energiewende in Deutschland empirisch zu beleuchten und das Zusammenspiel zwischen Kosteneffizienz und Präferenzgerechtigkeit/Akzeptanz zu verdeutlichen. Mit unterschiedlichen Methoden wird untersucht, in welchem Maße die Akzeptanz und die Mitwirkung der beteiligten Akteure regional unterschiedlich ausgeprägt sind und energiepolitische Maßnahmen regional differenzierter und/oder kosteneffizienter ausgestaltet werden können. Ebenso wird untersucht, ob energiepolitische Maßnahmen dort umgesetzt werden, wo die geringsten Kosten anfallen bzw. die größten unausgeschöpften CO2-Vermeidungs- und Innovationspotenziale zu erwarten sind. Politikempfehlungen sollen dann mithilfe theoriegeleiteter Kriterien abgeleitet werden. Die Ergebnisse werden der Fachöffentlichkeit und der breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Über einen interdisziplinären Projektbegleitkreis und die Organisation von Workshops soll die Validität und der Transfer der Ergebnisse verbessert werden.

Projektteile

Den Kern des Vorhabens bilden empirische Arbeiten, die sich jeweils unterschiedlicher Methoden bedienen, um unterschiedliche Aspekte einer verstärkt regional und dezentral strukturierten Energiepolitik zu beleuchten. Als gemeinsamer Bezugspunkt und als Argumentationsgrundlage dienen theoretische Konzepte auf der Basis der ökonomischen Theorie des (Fiskal-)Föderalismus, Governance-Konzepte in Mehrebenensystemen, Arbeiten aus der ökonomischen Geographie und die Literatur zu Innovationssystemen, strategischem Nischenmanagement und sozio-technologischen Übergängen. Diese Konzepte sind vor dem Hintergrund der energiepolitischen Rahmenbedingungen zu diskutieren. Zu diesem Zweck ist ein längerer Literaturbericht zum Ausbau Erneuerbarer Energien im deutschen Föderalismus und Mehrebenensystem entstanden. Er reflektiert die oft sehr unterschiedlichen Vorstellungen und Reformempfehlungen in der Literatur in einer Meta-Betrachtung.

  1. Rave, Tilmann, "Der Ausbau Erneuerbarer Energien im Föderalismus und Mehrebenensystem - Neoklassische und neoinstitutionalistische Perspektiven", ENERGIO – Working Paper Nr. 8, 2016 | Details | PDF Download

Folgende empirische Module schließen sich daran an:

1) Regionale Modellierung mithilfe der regressionsanalytisch fundierten Shift-Share Analyse:
Es soll gefragt werden, welche Bundesländer und welche dort angesiedelten Wirtschafts- und Energieverbrauchssektoren relative Vor- und Nachteile bei der Umsetzung der energiepolitischen Ziele aufweisen. Über eine Komponentenzerlegung sollen die Gründe für Unterschiede in der Emissionsintensität und der Art der Energieerzeugung dargestellt werden und Potenziale für die kosteneffiziente Verringerung der Emissionsintensität aufgezeigt werden.

Neben einer energieträgerübergreifenden Betrachtung hat sich zunächst die Modellierung einzelner erneuerbarer Energien im Stromsektor als zweckmäßig erwiesen. Angesichts der Heterogenität von Bundesländern wird dabei auch eine stärker disaggregierte Betrachtungsweise auf der Landkreisebene zu Grunde gelegt. Als besonders interessant erschien uns hier aus räumlicher Perspektive die Erklärung der Verteilung von Windenergiekapazitäten, weil neben naturräumlich-geographischen und bundespolitischen Einflüssen (EEG- Referenzertragsmodell) auch politische und zivilgesellschaftliche Einflüsse auf lokaler und regionaler Ebene von Bedeutung sind. Hieraus ist das folgende Arbeitspapier entstanden:

Götzke, Frank, Tilmann Rave, "Exploring the Heterogeneity of Wind Energy Expansion Across German Regions", GFS Working Papers No. 5, 2015 (PDF Download), zugleich ENERGIO – Working Paper Nr. 3

In überarbeiteter Form veröffentlicht:

  1. Goetzke, Frank und Tilmann Rave, "Exploring Heterogeneous Growth of Wind Energy Across Germany", Utilities Policy, Im Erscheinen | Details

2) Das Verhalten der Haushalte als Energienachfrager
Im Rahmen der regionalen Modellierung können Hypothesen über das Verhalten der Energienachfrager nicht näher und mikrofundiert getestet werden. Fragen der gesellschaftlichen Akzeptanz bleiben damit auch weitgehend außen vor. Entsprechend wird die regionale Modellierung zunächst durch eine Analyse des Verhaltens der Haushalte ergänzt. Der Fokus wird dabei insbesondere auf der Analyse der Akzeptanz und der Zahlungsbereitschaft der Haushalte in Abhängigkeit von der Regionalität der Umsetzung der Energiewende sein.

3) Das Verhalten und die Strategien der Energieversorgungsunternehmen
Die Modellierung kann auch gerade im Hinblick auf die Rolle von Energieversorgungsunternehmen nur grobe Orientierungen bieten. Daher soll in diesem Teil explizit untersucht werden, inwiefern Unternehmensstrategien der Energieversorger eine Regionalisierung und Dezentralisierung der Energieversorgung begünstigen oder ihr entgegenwirken. 

Eine wichtige Grundlage für die vertieften Analysen bilden eine zusammen mit dem Energiewirtschaftlichen Institut Köln durchgeführte Kurzbefragung von Energieversorgungsunternehmen sowie eine ausführlichere energiewirtschaftliche Branchenumfrage:

Growitsch, Christian, Lisa Schaup, Heike Wetzel, "Kurzstudie: Die Energiewende - Herausforderung für Politik und Unternehmen", ENERGIO – Working Paper Nr. 1, 2014 (PDF Download)

  1. Growitsch, Christian, Lisa Just, Helena Schweter, Thomas Triebs und Heike Wetzel, "Die Energiewirtschaft im Wandel – Herausforderungen und Strategien der Energieversorgungsunternehmen - Auswertung der Ergebnisse einer Branchenumfrage", 2015, ENERGIO – Working Paper Nr. 4 | Details | PDF Download

4) Die Institutionenbildung und die Interaktion der Akteure vor Ort
Zu berücksichtigen sind auch spezifische lokale Gegebenheiten, die Vor- und Nachteile im Hinblick auf Emissionsvermeidung und Energieeffizienz (zusätzlich) erklären können. Gerade auf lokaler und regionaler Ebene gibt es verschiedene Ansätze in Form von Experimenten und Modellen, um neue Formen der Energieversorgung zu etablieren und diese zu verbreiten. Unklar ist, inwiefern diese Ansätze ohne weiteres für die Erreichung energiepolitischer Ziele nutzbar gemacht werden können. Zentral für dieses Arbeitspaket ist daher die Frage, inwiefern und (wenn ja) aus welchen Gründen und auf welche Weise sich innovative Politikmaßnahmen und –konzepte oder bestimmte Teile davon im Energiebereich unter den Kommunen und ihren Stadtwerken ausbreiten (Diffusion). Zu betrachten sind einerseits interne Faktoren und Prozessen der Kommune bzw. des Stadtwerkes, andererseits externe Einflüsse. Über die empirischen Fallstudien können möglicherweise dann weitergehende Fragen nach der Replizierbarkeit und Skalierbarkeit innovativer Praktiken und Politiken jenseits von Nischen gezogen werden. Betrachtet werden explizit München, Regensburg und Schönau im Schwarzwald.

Als Hintergrund für die Fallstudien ist folgendes Arbeitspapier entstanden:

  1. Rave, Tilmann, "Entstehung und Verbreitung innovativer kommunaler Politiken im Rahmen der Energiewende – konzeptioneller Rahmen für empirische Fallstudien", ENERGIO – Working Paper Nr. 2, 2015 | Details | PDF Download

Die Ergebnisse der Fallstudie Schönau werden in folgendem Arbeitspapier zusammengefasst:

  1. Albrecht, Jutta und Tilmann Rave, "Die Diffusion von Politikinnovationen: Fallstudie zum „Schönauer Modell“", ENERGIO – Working Paper Nr. 5, 2015 | Details | PDF Download

Die Ergebnisse der Fallstudie München werden in folgendem Arbeitspapier zusammengefasst:

  1. Albrecht-Saavedra, Jutta und Tilmann Rave, "Die Diffusion von Politikinnovationen: Fallstudie München", ENERGIO – Working Paper Nr. 6, 2016 | Details | PDF Download

Die Ergebnisse der Fallstudie Regensburg werden in folgendem Arbeitspapier zusammengefasst: 

  1. Albrecht-Saavedra, Jutta und Tilmann Rave, "Die Diffusion von Politikinnovationen: Fallstudie Regensburg", ENERGIO – Working Paper Nr. 7, 2016 | Details | PDF Download

Methodische Vorgehensweise

Literatur- und Dokumentenanalyse; regressionsanalytisch fundierte Shift-Share Analyse (1); Haushaltsbefragungen und darauf aufbauende ökonometrische Analysen, Laborexperimente (2); Befragungen bei Stadtwerken und darauf aufbauende ökonometrische Analysen (3); Fallstudien (4).

Ansprechpartner

Prof. Dr. Karen Pittel

ifo Institut
ifo Zentrum für Energie, Klima und erschöpfbare Ressourcen
Telefon: +49(0)89/9224-1384
Fax: +49(0)89/985369
E-Mail: pittel @ ifo.de
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