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ifo Projekt

Mögliche Auswirkungen der TTIP auf Entwicklungs- und Schwellenländer

Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) •
Projektlaufzeit: Oktober 2014 - Dezember 2014 •
Bearbeitender Bereich: ifo Zentrum für Außenwirtschaft

 

Projektteam: Prof. Gabriel Felbermayr, Ph.D.
Dr. Rahel Aichele
Dr. Erdal Yalcin
Günther Klee (IAW)
 
Forschungsprofessor: Prof. Dr. Wilhelm Kohler

 
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
 
Projektlaufzeit: Oktober 2014 - Dezember 2014

 

Fragestellung und Ziele

Der künftige Wohlstand Deutschlands und Europas hängt entscheidend von einem einfachen Zugang zu internationalen Märkten ab. Der Welthandel kann durch eine offene, verlässliche und gut regulierte Partnerschaft zwischen der EU und den USA wichtige Impulse erhalten und nachhaltig gestaltet werden.

Die TTIP soll einerseits ein klassisches Freihandelsabkommen beinhalten, andererseits geht es dabei aber auch um einen Beitrag zur Gestaltung der Regeln des Welthandels im 21. Jahrhundert, insbesondere im Bereich der regulatorischen Zusammenarbeit.

Die TTIP hätte direkte Effekte auf circa 45% der Weltwertschöpfung und 30% des Welthandels. Die aktuellsten Schätzungen sehen in der langen Frist für Deutschland einen durch die TTIP bewirkten dauerhaften Zuwachs des realen Pro-Kopf-Einkommens von 1,0%-3,5%.

Aber es sind auch Effekte auf Drittstaaten zu erwarten. Von Energierohstoffen abgesehen, importieren die EU-Staaten von Entwicklungsländern mehr als die USA, Kanada, Japan und China zusammengenommen. Aber auch die USA sind für die Entwicklungsländer ein wichtiger Markt. 30% aller Drittländer machen mehr als 50% des Exportumsatzes mit den TTIP-Partnern.

Das Verhandlungsmandat der EU-Kommission unterstreicht mehrfach eine nachhaltige Entwicklung als wichtiges Ziel der Vertragsparteien und bekennt sich grundsätzlich zu einer entwicklungspolitisch freundlichen Ausgestaltung der TTIP. Die Prüfung der Nachhaltigkeit auch unter entwicklungspolitischer Perspektive soll im Rahmen eines regelmäßigen Dialogs auch mit der Zivilgesellschaft erfolgen.

In dem Projekt wird untersucht, ob und wie die TTIP zum Keim eines fairen und erneuerten multilateralen Welthandelssystems werden kann. Die Bedingungen dafür sollten in den Verhandlungen Berücksichtigung finden.

Methodische Vorgehensweise

Die Studie verwendet Literaturanalyse, Experteninterviews und Fallstudien.

Sie geht in fünf Schritten vor: Zunächst wird die existierende theoretische Literatur zu Handelsumlenkungs- und Handelsschaffungseffekten von präferentiellen Handelsabkommen dargestellt und mit der TTIP in Verbindung gebracht. Dann folgen zwölf Experteninterviews mit den wichtigsten Vertretern der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft. Auf Basis dieser konzeptuellen Vorarbeiten werden dann die Ergebnisse mehrerer bereits vorliegender quantitativer Studien ausgewertet. Schließlich folgen neun detaillierte Fallstudien von entwicklungspolitisch interessanten Ländern. Auf dieser Basis werden am Ende der Studie zehn Politikempfehlungen erarbeitet.

Datenquellen

Einschlägige Literatur, CEPII BACI Datensatz, WITS/TRAINS.

Ergebnisse

TTIP wird, aufgrund der schieren Größe der transatlantischen Volkswirtschaft, Auswirkungen auf Entwicklungs- und Schwellenländer haben. Einerseits sollten höhere Einkommen in der EU und den USA die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen der Drittstaaten steigern, was letzteren zugutekommt. Anderseits ist damit zu rechnen, dass das Abkommen Handelsströme der TTIP-Partner von den Drittstaaten weglenkt, was ihnen schadet. Per saldo wird es unter den Entwicklungsländern Gewinner, aber auch Verlierer geben. Für beide Gruppen sind die Effekte allerdings klein. Und es existieren zahlreiche Stellschrauben, um die Gruppe der Gewinner möglichst groß werden zu lassen.

Mikroökonomische Analysen berichten von geringen negativen Realeinkommenseffekten für 42% bis 80% der Drittländer. Wenn durch TTIP auch die Handelskosten der Drittstaaten sinken („Spillover-Effekte“), dann fallen diese auf 3% bis 40%. Die Wohlfahrtsverluste machen kumulativ über zehn bis zwölf Jahre stets weniger als 1% der Pro-Kopf-Einkommen aus. Vor dem Hintergrund jährlicher Trendwachstumsraten von 3 bis 4% erscheinen diese Effekte gering. Tendenziell positiv betroffen sind Exporteure von Rohstoffen oder Länder, die in die Wertschöpfungsketten der EU oder der US-Industrie eingebunden sind. Tendenziell negativ betroffen sind beispielsweise Exporteure von Bekleidung, Schuhen oder Zitrusfrüchten.

Makroökonomische Arbeiten, die nicht berücksichtigen, dass viele Entwicklungsländer unterschiedliche Güter exportieren als die TTIP-Länder, kommen kumulativ über zehn bis zwölf Jahre auf größere Verluste von bis zu 2% für manche Regionen. Wenn Spillover-Effekte vorliegen, verringern sich die Verluste in allen Modellen drastisch.

Damit TTIP für möglichst viele Entwicklungsländer zu einem Erfolg wird, sollte das Abkommen (1) auf komplexe Ursprungsregeln so weit wie möglich verzichten, (2) die gegenseitige Anerkennung von transatlantischen Standards möglichst weitgehend auf Drittstaaten ausdehnen, (3) den Entwicklungsländern Informationsrechte über die Arbeit der geplanten Regulierungsräte einräumen, (4) die Umleitung protektionistischer Maßnahmen auf „TTIP-Outsider“ verhindern, und (5) eine glaubwürdige Perspektive für die zukünftige Teilnahme von Dritt- und Entwicklungsländern entwickeln.

Damit TTIP einen Beitrag zur Entwicklung einer fairen Welthandelsordnung leistet, muss die langfristige EU-Außenhandelsstrategie darauf ausgerichtet sein (1) die Zölle und Handelsbarrieren für besonders relevante Exportgüter (z.B. Textilien, Schuhe, Baumwolle, Tabak) weiter abzusenken, (2) die Entwicklungsländer bei der Bildung eigener regionaler Freihandelsabkommen politisch und technisch zu unterstützen, (3) die bestehenden Handelsabkommen zwischen der EU und diversen Entwicklungsländern auszubauen, (4) die Einbindung der Entwicklungsländer in die globalen Wertschöpfungsketten mit geeigneten entwicklungspolitischen Instrumenten zu fördern und (5) die Rolle der WTO als effektiver Anwalt kleiner und armer Staaten zu stärken.

Studie

  1. Felbermayr, Gabriel, Wilhelm Kohler, Rahel Aichele, Günther Klee und Erdal Yalcin, Mögliche Auswirkungen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) auf Entwicklungs- und Schwellenländer, ifo Institut, München, 2015, 250 , Kurzfassung | Executive Summary | Details | PDF Download

  1. Felbermayr, Gabriel, Wilhelm Kohler, Rahel Aichele, Günther Klee und Erdal Yalcin, Mögliche Auswirkungen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) auf Entwicklungs- und Schwellenländer (Executive Summary), ifo Institut, München, 2015, 7 | Details | PDF Download

  1. Felbermayr, Gabriel, Wilhelm Kohler, Rahel Aichele, Günther Klee und Erdal Yalcin, Potential impacts of the Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) on developing and emerging economies (Executive Summary), ifo Institut, München, 2015, 7 | Details | PDF Download

Publikationen

  1. Felbermayr, Gabriel, Wilhelm Kohler, Rahel Aichele, Günther Klee und Erdal Yalcin, Mögliche Auswirkungen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) auf Entwicklungs- und Schwellenländer, ifo Forschungsberichte 67, ifo Institut, 2015 | Details | PDF Download

  1. Felbermayr, Gabriel und Wilhelm Kohler, "TTIP und die Entwicklungsländer: Gefahren, Potenziale und Politikoptionen", ifo Schnelldienst 68 (02), 2015, Also published in www.iaw.edu | Details | PDF Download

  1. Aichele, Rahel, Gabriel J. Felbermayr und Inga Heiland, "Going Deep: The Trade and Welfare Effects of TTIP", CESifo Working Paper No. 5150, December 2014 | Details | PDF Download

Ansprechpartner

Prof. Gabriel Felbermayr, Ph.D.

ifo Institut
ifo Zentrum für Außenwirtschaft
Telefon: +49(0)89/9224-1428
Fax: +49(0)89/985369
E-Mail: felbermayr @ ifo.de
Website


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