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Docbase - Publikationsdatenbank der CESifo Gruppe

Detailinformationen zur Publikation

Weichenrieder, Alfons J. / Winkler, Adalbert / Rossen, Anja / Schlotmann, Olaf

Deflation in Südeuropa: Fluch oder Segen? Wie sollte die EZB reagieren?

Seit mehr als einem Jahr ist der Preisanstieg im Euroraum im Trend rückläufig. Angesichts der geringen Inflationsrate wird über ein mögliches Abrutschen in eine Deflation diskutiert. Wie groß ist diese Gefahr und wie sollte die EZB reagieren? Das wahrscheinlichere Szenario der nächsten Monate besteht nach Ansicht von Alfons J. Weichenrieder, Goethe-Universität Frankfurt, eher in einer sogenannten »Lowflation« – zu wenig Inflation – statt einer Deflation. Doch auch schon die Lowflation berge Probleme. Der starke strukturelle Anpassungsbedarf in den meisten Euroländern könnte nur von einer höheren Inflationsrate profitieren. In der Vergangenheit seien die Inflationsunterschiede zu gering gewesen, um die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit auszugleichen. Adalbert Winkler, Frankfurt School of Finance & Management, sieht in den Inflationsdifferentiale des Euroraums ein Anpassungsinstrument. Die Deflation in Südeuropa sei nur dann »ein Fluch«, wenn der Euroraum entweder nicht jenes Maß an Integration aufweise, das für einen erfolgreichen Anpassungsprozess erforderlich sei, oder die Deflation in Südeuropa nicht von einem entsprechenden Inflationsanstieg in Kerneuropa begleitet werde. Anja Rossen, Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut, hält die Deflationssorge für unbegründet. Zwar seien die Inflationsraten zurzeit im Euroraum gering, aber eine sich weiter erholende europäische Konjunktur spreche eher für mittelfristig zunehmende Inflationsraten. Sollte es dennoch zu einer Deflation kommen, so habe die EZB eine Reihe von Instrumenten, um diese zu bekämpfen. Nach Meinung von Olaf Schlotmann, Brunswick European Law School/Ostfalia, können selbst fallende Erzeugerpreise in Südeuropa das dort so dringend benötigte Wirtschaftswachstum auch mittelfristig nicht beschleunigen. Vielmehr werden die aktuell sehr niedrigen Inflationsraten die Tragfähigkeit der (Staats-)Schulden in Südeuropa weiter aushöhlen.

Deflation in Southern Europe: Curse or Blessing? How Should the ECB React?

The trend in prices in the euro area has been declining for over a year. In view of the low inflation rate, there is talk of a possible slide into deflation. How great is this danger and how should the ECB react? According to Alfons J. Weichenrieder, Goethe-University of Frankfurt, the more probable scenario in forthcoming months is so-called “lowflation” – too little inflation – rather than deflation. However, even lowflation poses problems. The pressing need for structural adjustment in most euro countries could only stand to benefit from a higher inflation rate. In the past differences in inflation were too small to offset differences in competitiveness. Adalbert Winkler, Frankfurt School of Finance & Management, sees the inflation differential in the euro area as an instrument for adjustment. Deflation in South Europe is only a “curse” if the euro area does not display the degree of integration that is necessary for a successful adjustment process, or if deflation in Southern Europe is not accompanied by a corresponding increase in inflation in the core. Anja Rossen, Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, believes that deflation concerns are unfounded. Although inflation rates in the euro area are low at the moment, a continued recovery in European economic activity tends to point to a rise in inflation in the mid-term. Should deflation nevertheless occur, the ECB has a series of instruments with which to fight it. In the opinion of Olaf Schlotmann, Brunswick European Law School/Ostfalia, even falling producer prices in Southern Europe cannot accelerate the mid-term economic growth that is so desperately needed there. Today’s very low inflation rates are far more likely to further undermine (state) debt sustainability in Southern Europe.

ifo Schnelldienst 67 (10), 03-15

Verlag: ifo Institut, München, 2014

Schlagwörter: Deflation, Zentralbank, Südeuropa, Eurozone

JEL Klassifikation:
[E310] Price Level; Inflation; Deflation
[E520] Monetary Policy
[E580] Central Banks and Their Policies

Artikelnummer: 11012014010001

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Enthalten in Zeitschrift bzw. Sammelwerk:

  1. "ifo Schnelldienst 10/2014", ifo Institut, München, 2014, 03-58 | Details | PDF Download | EPUB Download

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