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ifo-Ökonom Wößmann fordert Erfassung des Bildungsniveaus der Flüchtlinge

04.12.2015

Der ifo-Volkswirt Ludger Wößmann fordert, das Bildungsniveau der Flüchtlinge systematisch zu erfassen. „Wir stochern derzeit im Nebel“, beklagte der Bildungsökonom Wößmann am Freitag in München. „Niemand weiß wirklich, über welche Qualifikationen die Menschen verfügen. Dies ist aber entscheidend für ihre mögliche Integration in den Arbeitsmarkt. Doch nicht einmal die Sprachkenntnisse werden derzeit systematisch untersucht.“ Nur bei einer klaren Datenlage über Sprache und Qualifikation ließen sich Integrations- und Bildungsmaßnahmen sinnvoll einleiten.

„Wir müssen derzeit leider davon ausgehen, dass zwei Drittel der Flüchtlinge aus Syrien von ihrem Bildungssystem für eine Beteiligung an einer modernen Gesellschaft nicht ausreichend ausgebildet wurden“, fügte er hinzu. Daten aus Syrien zum Beispiel deuteten auf ein schlechtes Niveau der dortigen Ausbildung. Bei internationalen Tests im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich im Jahre 2011 hätten 65 Prozent der Syrer in der 8. Klasse nicht einmal Grundkompetenzen erreicht; in Deutschland liege der vergleichbare Wert bei 16 Prozent. Und in vorherigen Flüchtlingswellen hätten rund zwei Drittel der Menschen keinen berufsqualifizierenden Abschluss gehabt; bei Einheimischen seien es nur 14 Prozent.

Laut der Handwerkskammer für München und Oberbayern haben 70 Prozent der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak ihre Ausbildung abgebrochen, die sie vor zwei Jahren begonnen haben. „Ein- bis zweijährige teilqualifizierende Ausbildungen zum Beispiel zum Krankenpflegehelfer oder Maurer mit parallelem Sprachkurs könnten eine Möglichkeit sein. Wir sollten aber realistischerweise davon ausgehen, dass die Integration in den Arbeitsmarkt ein langer, steiniger Weg wird und pragmatische und flexible Lösungen in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik erfordert“, fügte Wößmann hinzu.

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