Main Content

ifo-Präsident Sinn verlangt internationale Schuldenkonferenz zu Griechenland

06.01.2015

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hat eine internationale Schuldenkonferenz zu Griechenland verlangt. „Griechenland muss wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen und wettbewerbsfähig werden. Das erfordert eine Abwertung seiner Währung, also einen zeitweisen Euro-Austritt, was wiederum einen Schuldenschnitt bedingt. All dies muss zusammen beschlossen und international koordiniert werden“, sagte Sinn. Zur Begründung verwies er auf die miserable wirtschaftliche Lage. „Griechenland hat heute doppelt so viele Arbeitslose wie im Mai 2010. Die Industrieproduktion ist um 30 Prozent eingebrochen gegenüber dem Vorkrisenniveau. Das Land steckt in der Falle. Die interne Abwertung durch die Sparprogramme ist gescheitert.“

Griechenland könne ohnehin seine Schulden niemals zurückzahlen, und es drohe schon jetzt ein weiterer Staatskonkurs wie 2012, fügte Sinn hinzu. Da sei es besser, die Spirale zu durchbrechen. Falls Griechenland aus dem Euro ausscheide, müsste die Bundesrepublik Deutschland derzeit maximal mit einem Verlust bis zu 76 Milliarden Euro rechnen. Aber auch wenn das Land nicht aus dem Euro ausscheide, seien die Verluste in etwa genauso hoch, nur würden sie anders verbucht. Und bei einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone sei sogar zu vermuten, dass dem Land trotz eines sofortigen Schuldenschnitts auf die Dauer immer wieder neue Kredite gegeben und erlassen werden müssten, was den Unterhalt des Landes durch die Staatengemeinschaft zum einem Fass ohne Boden mache.

Sinn fügte hinzu, es gebe historische Vorbilder, bei denen eine Schuldenkonferenz funktioniert habe. Eine der Voraussetzungen für das deutsche Wirtschaftswunder sei der Forderungsverzicht der britischen und amerikanischen Gläubiger beim Londoner Schuldenabkommen von 1953 gewesen. Allerdings habe Deutschland damals inklusive des Marshall-Planes nur 20 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes (BIP) bekommen, während Griechenland mit den expliziten und impliziten Schuldenschnitten des Jahres 2012 bereits 76 Prozent des BIP erlassen worden seien.

Möglicher Verlust des deutschen Staates bei einem Staatskonkurs Griechenlands (PDF)

Pressekontakt

Harald Schultz

ifo Institut
Presse, Redaktion, Konferenzen
Telefon: +49(0)89/9224-1218
Fax: +49(0)89/9224-1267
E-Mail: schultz @ ifo.de
Website


Short URL: www.ifo.de/de/w/3Uq2waBPM