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Der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro gefährdet bis zu 900.000 Arbeitsplätze

19.03.2014

Die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro erhöht das Einkommen bedürftiger Arbeitnehmer kaum, gefährdet aber bis zu 900.000 Arbeitsplätze. „Besonders stark negativ betroffen sind die heutigen Aufstocker“, sagt ifo-Forschungsprofessor Ronnie Schöb. Aufstocker, also Beschäftigte, die ergänzendes Arbeitslosengeld II beziehen, werden von der Lohnerhöhung kaum etwas mit nach Hause nehmen, sind aber einem viel höheren Arbeitsplatzrisiko ausgesetzt. Wenn der Stundenlohn eines alleinstehenden Aufstockers von 5 Euro auf 8,50 Euro steigt, erhöht sich sein Netto-Einkommen nur um 60 Euro im Monat oder 6,1 Prozent. Denn das zusätzliche Einkommen wird weitgehend mit dem ALG II verrechnet. Für den Arbeitgeber erhöhen sich dann aber die Arbeitskosten um 70 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue gemeinsame Studie von Schöb, dem ifo-Dresden-Geschäftsführer Marcel Thum und des Magdeburger Finanzwissenschaftlers Andreas Knabe.

Die gesamten Beschäftigungsverluste belaufen sich danach auf bis zu 900.000 Arbeitsplätze. Dabei ist auch der Verlust von 660.000 geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (einschließlich Rentner und Studenten) mitgezählt. In Vollzeit-Stellen entsprechen die gesamten Verluste in etwa 340.000 Arbeitsplätzen.

Bei den Aufstockern arbeiten bisher zwei Drittel zu einem Lohn unterhalb von 8,50 Euro. Stark betroffen sind auch Arbeitnehmer in den Neuen Ländern. Potenziell sind in Deutschland rund 5 Millionen Arbeitnehmer vom Mindestlohn betroffen, das sind 14 Prozent aller Beschäftigten, im Osten sogar 20,4 Prozent. Bei den Vollzeitbeschäftigten sind es rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer (5,2 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten).

Vergleiche mit dem Mindestlohn in anderen Ländern sind daher irreführend. In Großbritannien wurde im Jahre 1999 ein Mindestlohn von 3,60 Pfund eingeführt. „Nur 5 Prozent der Beschäftigten waren damals davon betroffen. Würde man in Deutschland ähnlich vorsichtig starten, dürfte er in Deutschland nicht höher als 6,22 Euro sein“, sagt Marcel Thum, Geschäftsführer von ifo-Dresden. Im Westen entspräche das 6,47 Euro, im Osten 4,62 Euro. Ein Mindestlohn à la USA müsste sogar noch niedriger liegen.

Die Studie „Der flächendeckende Mindestlohn“ können Sie als Arbeitspapier von den Netzseiten der FU Berlin herunterladen.

Sie wird in der nächsten Ausgabe der Perspektiven der Wirtschaftspolitik erscheinen, der Fachzeitschrift des Vereins für Socialpolitik.

Kontakt

 

Prof. Dr. Andreas Knabe

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Telefon: +49(0)3916718-546
E-Mail: andreas.knabe@ovgu.de

Prof. Dr. Ronnie Schöb

Freie Universität Berlin
Öffentliche Finanzen und Sozialpolitik
Telefon: +49(0)30/838-51240
Fax: +49(0)30/838-51245
E-Mail: Ronnie.Schoeb @ fu-berlin.de
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Prof. Dr. Marcel Thum

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Niederlassung Dresden
Telefon: +49(0)351/26476-19
Fax: +49(0)351/26476-20
E-Mail: thum @ ifo.de
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