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Mindestlohn von 8,50 Euro vernichtet Jobs und schadet den öffentlichen Finanzen

25.02.2010

Der vom DGB aktuell geforderte Mindestlohn von 8,50 Euro gefährdet rund 1,2 Mill. Arbeitsplätze in Deutschland und würde die öffentlichen Haushalte zusätzlich mit 5,8 Mrd. Euro belasten. Dies zeigen aktuelle Berechnungen, die Ronnie Schöb und Andreas Knabe von der FU Berlin zusammen mit dem ifo Institut Dresden erstellt haben.

Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro würden in Deutschland 1,22 Mill. Arbeitsplätze abgebaut, davon rund 300 Tausend in Ostdeutschland. Wegen der niedrigeren Löhne nehmen die Arbeitsplatzverluste bei Erhöhung des Mindestlohns in Ostdeutschland besonders stark zu. Am stärksten betroffen vom Arbeitsplatzabbau sind die Minijobs. Nach den aktuellen Berechnungen gingen 740 Tausend Minijobs in Deutschland verloren. Die Minijobs werden besonders von ALGII-Empfängern genutzt, um ihr Haushaltseinkommen aufzustocken. Von den 1,366 Millionen ALG II-Beziehern, die aktuell einen Job haben (vorwiegend Minijobs), würden ca. 16 % diese Hinzuverdienstmöglichkeit wieder verlieren. Dadurch fallen die Einkommen der Bedarfsgemeinschaften – mehr und nicht weniger Menschen wären armutsgefährdet.

Auch für den Staat ist der Mindestlohn ein schlechtes Geschäft. Anders als häufig behauptet entlastet der Mindestlohn die öffentlichen Kassen nicht, sondern führt sogar zu einer Zusatzbelastung von 5,8 Mrd. Euro. Darin enthalten sind zusätzliche Zahlungen an Arbeitslose sowie die Ausfälle an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Entlastungen für die öffentlichen Haushalte durch die höheren Verdienste infolge des Mindestlohns sind abgezogen.

Die Berechnungen basieren auf einem wettbewerblichen Arbeitsmarkt. Von Gewerkschaftsseite wird häufig angeführt, dass die Arbeitgeber über Marktmacht verfügen. Allerdings kehrt sich auch bei Marktmacht der Arbeitgeber das Bild keineswegs um. Alternative Rechnungen zeigen, dass in diesem Fall immer noch über 600 Tausend Arbeitsplätze verloren gingen. Auch hier wären die Minijobber mit einer Einbuße von 435 Tausend Arbeitsplätzen die großen Verlierer. Der Staat hätte eine fiskalische Last von 1,5 Mrd. Euro.

Ronnie Schöb (FU Berlin & Forschungsprofessor ifo Dresden)
Andreas Knabe (FU Berlin)
Joachim Ragnitz & Marcel Thum (ifo Dresden)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ronnie Schöb
Institut für Öffentliche Finanzen und Sozialpolitik
Fachbereich Wirtschaftswissenschaft
Freie Universität Berlin
Boltzmannstraße 20
D-14195 Berlin
Tel +49 (30) 838-51240
Fax +49 (30) 838-51245

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