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Der Basar-Ökonom

Presseecho, Financial Times Deutschland, 25.09.2008, Nr. 188, S. 16

Theorien und Modelle sind das Lieblingsstreitthema aller Ökonomen. Besonders hoch geht es in Graz her, als Hans-Werner Sinn ein Preis für seine Auftritte verliehen wird

Von André Kühnlenz

Uneinigkeit ist eines der Hauptmerkmale der ökonomischen Zunft. Das zeigt sich auch bei der Preisverleihung auf der jährlichen Konferenz des traditionsreichen Vereins für Socialpolitik, die dieser Tage in Graz stattfindet.

Den diesjährigen Gustav-Stolper-Preis erhält dort Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts. Mit dem Preis werden Wissenschaftler geehrt, die politische Entscheidungen besonders stark beeinflusst haben oder die Diskussion in der Politik, der Medienlandschaft oder der breiten Öffentlichkeit angeregt haben. Der Stolper-Preis wird in einer elektronischen Wahl von den Mitgliedern des Vereins bestimmt.

Unter Kollegen ruft die Preisverleihung unterschiedliche Reaktionen hervor. „Hans-Werner Sinn ist ein würdiger Preisträger“, sagt Kai Konrad, selber ein Schüler des Professors aus München, am Rande der Konferenz in Graz. Konrad lehrt heute Finanzwissenschaft an der FU Berlin. Wie kein anderer, lobte er seinen einstigen Lehrer, könne Sinn komplizierte Zusammenhänge einfach ausdrücken, ohne dass sie an Tiefgang verlören.

Doch nicht alle Ökonomen in Graz sind so begeistert wie Konrad. „Wenn jemand unter den deutschen Ökonomen seit dem Zweiten Weltkrieg einen Medienpreis kriegen sollte, dann Hans-Werner Sinn“, stellt zwar Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, fest. Schiebt allerdings auch gleich etwas Kritik hinterher: Hans-Werner Sinn sei zwar in den Medien präsent, doch beeinflusse er in der Politik kaum etwas. So seien etwa seine Vorstellungen von der Basar-Ökonomie nicht haltbar gewesen – mit diesen war Sinn vor gut drei Jahren durch die Talkshows der Republik gezogen, um den Deutschen zu erklären, dass in ihrem Lande nur Teile aus Niedriglohnländern zusammengeschraubt würden.

„Dagegen ist Bert Rürup der machtvollste und einflussreichste Politikberater der Nachkriegszeit“, meint der DIW-Chef – der selber übrigens nicht zum engeren Kreis der Kandidaten gehörte.

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