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Österreichs Wirtschaft vor Expansion

Presseecho, Handelsblatt, 09.-10.03.2001, 13

Der Bremskurs der Wiener Koalition neigt sich dem Ende zu

ay DÜSSELDORF. Nach dem kräftigen Aufschwung der Wirtschaft im letzten Jahr muss sich Österreich zwar nicht auf magere Zeiten, aber doch auf ein gemäßigteres Wirtschaftsklima in diesem Jahr einstellen. 2002 kann dann wieder nach Ansicht des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo mit einer Erholung gerechnet werden.

Im laufenden Jahr macht sich laut Ifo noch die Wirtschaftspolitik als Bremse bemerkbar: der Privatkonsum steigt nur um 1,75 % und spürbar langsamer als im vergangenen Jahr mit 2,7 %. Dies müsse vor dem Hintergrund einer langsamer steigenden Beschäftigung gesehen werden, aber auch von Steuer- und Abgabenerhöhungen - beispielsweise seien die Gehälter und Pensionen im öffentlichen Dienst mäßig erhöht worden. Noch weniger steigt der öffentliche Verbrauch, nämlich um 1,25 %.

Die Bremswirkung fällt im nächsten Jahr weitgehend weg: Der Privatkonsum kann dann wieder um 2 0 % steigen, die Beschäftigung rascher zunehmen. Weil die öffentlichen Hände aber immer noch Sparkurs fahren, wird sich der staatliche Verbrauch nur um 1 % erhöhen.

2002 steigt nach Meinung der Münchner Wirtschaftsforscher das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wieder um 2,5 %, sie sind damit etwas weniger optimistisch als etwa die OECD in Paris (plus 2,6 %) und die EU (plus 2,8 %); im vergangenen Jahr expandierte das BIP noch um etwa 3 %.

Wichtigster Konjunkturtreibstoff ist in nächster Zukunft wie in der jüngeren Vergangenheit der Export von Gütern und Dienstleistungen: Er soll 2002 um 6 % zunehmen. Die Impulse kämen in erster Linie von außereuropäischen Regionen, aber auch aus Mittel- und Osteuropa. Ursache dafür ist, meint das Ifo-Institut, die überdurchschnittlich vor- und zwischenproduktlastige Exportstruktur, wodurch Österreich mehr als andere Konkurrenten von dem mit jeder Konjunkturerholung einhergehenden Lageraufbau profitiert. Das Defizit in der Leistungsbilanz verkleinere sich weiter.

Die Tatsache, dass seit dem vergangenen Jahr eine Mitte-Rechts-Koalition aus Volkspartei und Freiheitlichen in Wien am Ruder ist, hat sich allen Unkenrufen zum Trotz nicht nachteilig bemerkbar gemacht. Im Gegenteil: Die Reformpolitik der Koalition ist laut Ifo auf gutem Wege - die internationalen Sanktionen hatten auf wirtschaftlichen Gebiet so gut wie keine Auswirkungen.

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