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"Deutschland verliert 60 Milliarden DM"

Presseecho, Süddeutsche Zeitung, 27.11.2000, 25

München (Reuters) - Die Einführung des Euro-Bargeldes Anfang 2002 wird Deutschland nach Berechnungen des ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung einen Verlust von knapp 60 Milliarden DM bescheren. Dieser Betrag ergibt sich Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zufolge aus der Übertragung des Gewinns bei der Bargeldschöpfung von den nationalen Notenbanken auf die Europäische Zentralbank (EZB). Deutschland sei dabei der größte Verlierer der Währungsunion und Frankreich der größte Gewinner, schreiben Sinn und sein Kollege Holger Feist von der Universität Princeton in einer Studie des Münchener Instituts. Der so genannte Geldschöpfungsgewinn entsteht dadurch, dass die Notenbank das von ihr geschöpfte Bargeld den Privatbanken zur Verfügung stellt und diese dafür Wertpapiere bei der Notenbank hinterlegen müssen. Für diese als Sicherheit dienenden Wertpapiere erzielt die Notenbank einen Zinsgewinn, der zur Finanzierung des jeweiligen Staatshaushalts beiträgt. Mit der Einführung des Euro werde der Geldschöpfungsgewinn der Teilnehmerländer an der Währungsunion vergemeinschaftet. Die künftigen Zinserträge kämen dann nämlich der EZB zu. Diese verteile die Zinseinnahmen nach einem im Vertrag von Maastricht festgelegten Schlüssel, der sich nach dem jeweiligen Anteil am Sozialprodukt und dem Anteil an der Gesamtbevölkerung der elf Staaten richtet. Detaillierte Regelungen stünden aber noch aus.

Die Menge des umlaufenden Bargeldes in einem Land ist bei dem Schlüssel so wie er bisher geplant ist, nicht berücksichtigt Deshalb benachteilige er Länder wie Deutschland, die über eine vergleichsweise große Menge an Bargeld verfügten. Der Grund dafür sei, dass die DM mehr als andere europäische Währungen außerhalb der Landesgrenzen verwendet werde.. Während Deutschland 39 Prozent zum gesamten Geldschöpfungsvermögen von 688 Milliarden DM beitrage, erhalte es nur 31 Prozent zurück. Dadurch werde das Land der Modellrechnung zufolge nach dem vorgesehenen Umverteilungsmechanismus 57,4 Milliarden DM oder 699 DM pro Kopf verlieren. Frankreich trage dagegen nur zwölf Prozent bei, erhalte aber 21 Prozent.

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