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Handel fordert Entrümpelung

Presseecho, Süddeutsche Zeitung, 21.-22.10.2000, 27

Tagung: Veraltete Regelungen hemmen die "Händlergesellschaft"

ies. München - Zu viel Regulierung schadet dem Mittelstand. Eine Entrümpelung veralteter Regelungen wie dem Rabattgesetz sei notwendig, um Einzelhändlern die Angst zu nehmen, im zunehmendem Wettbewerb nicht mithalten zu können. Das forderten am Freitag Vertreter des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), der IHK für München und Oberbayern sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie auf der Arbeitstagung "Handel 2000 - Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Forschung". Eine nachhaltige Veränderung der Handelsstrukturen sei dabei unerlässlich.

Das zukünftige Schwergewicht der "Händlergesellschaft" liege beim Handel von Waren und Dienstleistungen, so hieß es. Bereits heute trage der Handel rund 60 Prozent zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung bei; währenddessen sei der Beitrag der Industrie auf 30 Prozent geschrumpft. Die Veranstalter forderten Institutionen und Verbände auf, sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen und die empirische Handelsforschung - als "Spiegel der Praxis" -‚ verstärkt in eine umfassende Politikberatung einzubeziehen.

Der konjunkturelle Aufschwung im Groß- und Einzelhandel habe sich zwar verbessert. Bis Ende dieses Jahres solle sich das reale Umsatzwachstum auf rund zwei Prozent erhöhen. Aber verschärfter Preiswettbewerb, steigende Konzentration, Effekte der Ladenschlussliberalisierung sowie eine zunehmende Internationalisierung des Handels stellten sowohl Handelspolitik als auch Handelsforschung vor neue Aufgaben.

Charakteristische Merkmale des Strukturwandels seien dabei die zunehmende Bedeutung des Großhandels, der ein Rückgang der Anteile des Einzelhandels am privaten Verbrauch gegenüberstehe. Bedingt durch veränderte Wertorientierungen der Konsumenten seien diese Anteile im Vergleich zu 1990 um 45 Prozent gesunken. Die Expansion von Verkaufsflächen setze sich, bei nur geringfügig steigender Nachfrage und ungenügender Rentabilität im Einzelhandel, weiter fort. Flächendruck und Nachfrageschwäche würden bis 2010 zu einem erheblichen Schwund an Handelsunternehmen führen. Rund 50 Prozent der Einzelhändler könnten sich dann nicht mehr im Markt halten.

Internet als Herausforderung

Künftig werde nur eine Minderheit von Großkonzernen rund ein Fünftel des Weltkonsummarktes kontrollieren. Entscheidend sei dabei, dass sie über Preis- und Innovationsaggressivität die Marktkräfte zunehmend entscheidend prägten. Neben der steigenden Internationalisierung der Märkte zwinge die zunehmende Dezentralisierung im Handel besonders zu einer Neudefinition von Stadt- und Regionalplanungskonzepten.

In diesem Zusammenhang, gelte das Internet als Herausforderung für den etablierten Handel. Bis 2004 würden Güter im Wert von 230 Milliarden Euro übers Internet gehandelt; 1999 wurden dort es erst drei Milliarden Euro Umsatz verzeichnet. Für den Mittelstand sahen die Vertreter große Chancen. Der Einsatz des Mediums Internet bringe vor allem für den Kontakt mit Behörden und Angestellten erhebliche Zeit- und notwendige Kostenvorteile.

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