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Yanis Varoufakis' Grexit-Plan war clever

Presseartikel von Hans-Werner Sinn, wiwo.de, 31.07.2015.

Nachzulesen auf www.wiwo.de

Der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, hat sich lobend über den vom früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis enthüllten Geheimplan zur Rückkehr zur Drachme ausgesprochen.

Der Plan des früheren griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis, mithilfe der Steuerkonten griechischer Bürger zu einer nationalen Währung zurückzukommen, war nicht dumm. Die Steuernummern für ein vom Staat betriebenes Kontosystem mit einer neuen Verrechnungswährung zu nutzen, war sogar clever. Auf den internen staatlichen Konten, auf die man schon bislang seine Steuern einzahlen musste, hätte der Staat die Gehälter der Staatsbediensteten, die Renten und Zahlungen an Firmen für Lieferungen an den Staat gutschreiben können, und die Bürger hätten diese Konten für die Bezahlung von Stromrechnungen, staatlichen Gebühren sowie auch für Überweisungen untereinander nutzen können. Für solche Überweisungen hatte man nach Bekunden von Varoufakis bereits eine Handy-App geschaffen. Das wäre ein paralleles Bankensystem mit einer eigenen Währung gewesen, die man zunächst durchaus Euro hätte nennen können, obwohl der Markt zwischen den virtuellen Euros auf den Staatskonten und den echten Euros rasch einen von eins verschiedenen Verrechnungskurs geschaffen hätte, ähnlich wie es lange Zeit in Zypern für die Umrechnung zwischen Euro-Bargeld und Euro-Kontengeld der Fall war, als der Kapitalverkehr beschränkt war.

Mit dem neuen System hätte Varoufakis die vorrübergehende Solvenz des Staates für einige Wochen herstellen können. In diesen Wochen wäre es entweder zu einem großzügigen Angebot der Staatengemeinschaft gekommen, das Griechenland nicht hätte ablehnen können, oder, was wahrscheinlicher ist, die griechische Regierung hätte die neue Verrechnungswährung zu einer echten neuen Währung im Sinne eines gesetzlichen Zahlungsmittels gemacht.

Nach meiner Einschätzung wäre aber die Zwischenphase, die Varoufakis von der neuen Parallelwährung bis zur Änderung des gesetzlichen Zahlungsmittels vorgesehen hatte, möglicherweise sehr viel kürzer als ein paar Wochen gewesen, nämlich dann, wenn er seinen Plan, die griechische Notenbank zu besetzen, sofort realisiert hätte. Das wäre von der Staatengemeinschaft und der EZB als Austritt aus der Währungsunion gewertet worden und hätte der griechischen Regierung keine andere Wahl gelassen, als die neue Drachme über Nacht als neue virtuelle Währung für das griechische Bankensystem einzuführen. Bei Bargeschäften hätte man Drachme-Preise bis zum physischen Druck neuer Banknoten vorläufig noch mit den in Griechenland überreichlich vorhandenen Euro-Banknoten bezahlen können. Des neuen Verrechnungssystems auf der Basis von Steuernummern hätte es dann gar nicht erst bedurft.

Griechenland wäre bei diesem Weg die Fortsetzung der chaotischen Verhältnisse der letzten Jahre erspart geblieben, weil sich schon nach einem Jahr ein neuer Wirtschaftsaufschwung eingestellt hätte. Die Konsumenten hätten nämlich wieder mehr heimische Ware gekauft, mehr Touristen wären gekommen, und griechische Kapitalflüchtlinge hätten zu Hause Immobilien erworben und dort den Bauboom ausgelöst, den sie derzeit in Bulgarien erzeugen.

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