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“Griechenland muss wieder wettbewerbsfähig werden”

Presseartikel von Hans Werner Sinn, tagesschau.de, 29.05.2015.

Nachzulesen auf www.tagesschau.de

Die Rückkehr zur Drachme eröffnet Griechenland große Chancen, meint ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Eine Abwertung der Währung führe zur mehr Wettbewerbsfähigkeit. Aber: Der Austritt sollte mit einer Rückkehroption verbunden werden.

Wenn Griechenland aus dem Euro aussteigt, hätte das den Vorteil, dass Griechenland dann abwerten und wieder wettbewerbsfähig werden kann. Das Land muss ja irgendwie die extreme Inflation korrigieren, die es in den ersten Euro-Jahren erlebte, weil es durch den Euro mit billigen Krediten überschwemmt wurde.

Eine reale Abwertung durch Preis- und Lohnsenkungen im Euro ist nur mit erheblichen sozialen Verwerfungen möglich. Unter anderem würden viele Mieter und Schuldner in den Konkurs getrieben, weil man die entsprechenden Kontrakte im Euro nicht ändern kann.

Sinnvoll, aber unwahrscheinlich

Allerdings verlöre Griechenland bei einem Austritt auch die Möglichkeit, sich eine Währung zu drucken, die anderswo als gesetzliches Zahlungsmittel verwendet wird. Das Land hat sich in den ersten Krisenjahren damit über Wasser gehalten und auch in letzter Zeit wieder exzessiv davon Gebrauch gemacht.

Gleichwohl: Ein Grexit ist unwahrscheinlich, weil wichtige Staaten der Eurozone die Offenlegung der bislang schon aufgelaufenen Verluste scheuen und weil nur wenige Politiker bereit sind, über ihren Schatten zu springen und frühere Fehler zuzugeben. Man wird Griechenland unter Hinweis auf die Gefahr, dass das Land sonst mit Russland anbandeln würde, weiterhin finanzieren.

Bei Austritt Rückkehroption einräumen

Die Gefahr einer Annäherung an Russland ließe sich indes auch dadurch begrenzen, dass der Austritt mit einer Rückkehroption nach einer wirtschaftlichen Stabilisierung verbunden wäre. Sie ist im Übrigen ohnehin nicht sehr hoch, weil Griechenland bei einer solchen Entwicklung auch noch seine EU-Mitgliedschaft riskieren würde.

Der Austritt würde klar machen, dass es im Euro Regeln gibt, die man einhalten muss, und dass man nicht auf Kosten anderer Länder leben kann. Das würde das Euro-System stärken. Wollte man Griechenland im Euro halten, so müsste man befürchten, dass nach und nach ein Krisen-Land nach dem anderen ähnlich wie Griechenland durch immer mehr öffentliche Kredite anderer Länder gestützt werden muss. Das würde die bislang noch gesunden Länder der Eurozone in den Ruin treiben.

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