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Stimmt es, dass ... das ifo Institut die Öffentlichkeit täuscht? Gegenrede

Presseartikel von Gabriel Felbermayr, Handelsblatt Nr. 221, 15.11.2013, S. 13

Norbert Häring kritisiert eine ifo Studie zum Freihandel mit den USA. Er übersieht, dass die berechneten Effekte nur den Möglichkeitenraum ausleuchten. Was die Politik daraus macht, liegt an ihr.

Es ist ein seit langem gültiges Resultat der Volkswirtschaftslehre: Internationale Arbeitsteilung steigert den Wohlstand der Nationen. Die Länder spezialisieren sich auf Güter und Dienstleistungen, bei denen sie besonders gut sind. Dies führt zu höherer gesamtwirtschaftlicher Produktivität und zu niedrigeren Konsumentenpreisen.

Die positiven Wohlfahrtseffekte von internationalem Handel sind in der empirischen Literatur gut belegt. Und die möglichen Wohlfahrtsgewinne durch freieren Handel sind keineswegs erschöpft. Der Anteil der ausländischen Wertschöpfung im inländischen Konsum im Jahr 2009 liegt nach Angaben der OECD bei 20 Prozent in Deutschland und bei elf Prozent in den USA. Gäbe es keine Handelsbarrieren, müsste der Importanteil der USA bei etwa 85 Prozent und jener Deutschlands bei 95 Prozent liegen. Es gibt also reichlich Raum für weitere Liberalisierung, gerade auch zwischen EU und USA, denn das Abkommen wäre mit 45 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts das größte seiner Art.

International begutachtete Untersuchungen mit realen Daten zeigen außerdem, dass die Handelskosten zwischen Länderpaaren, die Abkommen abschließen, im Durchschnitt um etwa 20 Prozent fallen.

In einer Reihe von Studien für das Wirtschaftsministerium und die Bertelsmann Stiftung simuliert das ifo Institut die Effekte einer solchen Handelskostensenkung. Es findet, dass das deutsche reale Pro-Kopf-Einkommen langfristig um 4,7 Prozent höher läge als ohne Abkommen. Das heißt: 0,3 Prozentpunkte mehr Wachstum über 15 Jahre.

Im Durchschnitt aller Modellvarianten erhöht das Abkommen die Anzahl der exportabhängigen Arbeitsplätze in Deutschland um etwa ein Prozent und die Gesamtbeschäftigung um 0,25 Prozent (100 000 Arbeitsplätze). Eine Studie des Forschungsinstituts CEPR in London kommt für die EU zu ähnlichen Schlussfolgerungen.

Anders als Norbert Häring in seiner kritischen Kolumne vom 13.11. annimmt, ist es nicht Aufgabe der Forschungsinstitute zu erraten, was die Chefunterhändler ausmachen werden. Vielmehr ist es ihre Aufgabe, den Möglichkeitenraum zu definieren und die Politiker später daran zu messen, ob sie in der Lage waren, die Potenziale tatsächlich zu heben.

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